Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Deutschland erwache! Mit Anstand und mit Abstand!

Die Welt steht still, weil es ein Virus so will. Aber ewig ist der Stillstand nicht zu verkraften, egal, ob es um Industrie und Wirtschaft geht oder um das tägliche Leben. Wenn die Infektionszahlen zurückgehen, wenn man Corona einigermaßen im Griff hat, dann muss – langsam und vorsichtig – das gewohnte Leben wieder weitergehen. Bis zum 19. April sind die derzeitigen Maßnahmen mit Ausgangssperren und dergleichen terminiert, ab Montag, 20. April, muss es zumindest hierzulande heißen: Deutschland erwache! Österreich ist da schon weiter, dort gibt es nach Ostern die ersten Lockerungen.

Tausende Unternehmer, vor allem Kleinunternehmer bzw. der Mittelstand, und Millionen von Arbeitern und Angestellten warten auf den Tag, an dem wenigstens zum Teil und wohl nur in abgespeckter Form die gewohnte Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Der Besuch im Baumarkt muss wieder möglich sein, ebenso wie der im Schreibwarengeschäft, beim Gärtner oder im Lokal. Dabei sind aber weiterhin Anstand und Abstand wichtig. Anstand, weil man wohl noch über Wochen und Monate hinweg darauf achten muss, den anderen mit einer möglichen Infizierung nicht anzustecken. Abstand, weil dies der beste Schutz vor Ansteckung ist, besser noch als ein biederer Mundschutz. Auf Abstand achtend kann jeder einkaufen gehen, kann man Lokale besuchen (nur zwei Leute an einem Tisch) oder sogar Kinos und Theater wieder in Betrieb nehmen. Mit ein bisschen guten Willen und Disziplin sollte dies möglich sein.

Und auch der Sport sollte wieder eine Rolle spielen, in welcher Form auch immer. Freilich, der Amateursport wird noch Probleme haben, der Profisport (Wirtschaftsbetrieb!) allerdings müsste die Genehmigung bekommen, in abgesteckter Form den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, damit das Fernsehen berichten kann, damit TV- und Sponsorengelder fließen und die größten Pleiten verhindert werden. Das betrifft vor allem die Fußball-Bundesliga, 2. Bundesliga sowie 3. Liga, aber auch die höchsten Spielklassen im Basketball und Handball, obwohl da natürlich nicht diese Gelder wie im Fußball fließen. Natürlich kann der Spielbetrieb nur ohne Zuschauer aufgenommen werden, Geisterspiele sind die einzige machbare Rettung. Deshalb werden viele andere Sportarten verzichten und die Corona-Pause den einen oder anderen Verein in die Knie zwingen. Insofern heißt es jetzt auch: Rette sich, wer kann.

Die Fußball-Bundesliga steht von der Popularität her natürlich im Mittelpunkt. Am 17. April will die DFL wieder tagen und Spiele im Mai sind im Visier, bis Ende Juni soll die nationale Meisterschaft beendet sein und auch der DFB-Pokal könnte mit Halbfinale und Finale gespielt werden. Die meisten Vereine haben ein reduziertes Training wieder aufgenommen, statt sich zu Hause fit zu halten, heißt es Arbeit mit dem Ball auf Rasen in kleinen Gruppen mit Abstand. Ab Mai sollte ein normales Fußballtraining möglich sein, heißt zwei Wochen Vorbereitung bis zur Fortsetzung der Punktrunde.

Es gibt natürlich Fragezeichen. So wird der Plan, die Spieler alle drei Tage auf eine Corona-Infektion zu kontrollieren, kaum durchführbar sein, weil die Allgemeinheit meutern würde. Die Labore arbeiten am Anschlag und Tests für Fußballprofis können nicht dafür verantwortlich sein, dass Tests für kranke Patienten verschoben werden. Es könnte aber auch sein, dass sich die Gesamtsituation entscheidend verbessert, Pessimisten glauben aber, dass der Höhepunkt der Infektionen noch bevorsteht.

Entscheidend ist aber auch, dass die Fans entsprechend mitmachen. Da kommen wieder Anstand und Abstand ins Spiel. Die Fans, vor allem die Ultras mit ihren manchmal seltsamen Gedanken, müssen wissen, dass ihr Verein nur spielen kann, wenn sie keinen Krawall machen und über die Stränge schlagen, heißt, auch im Umfeld des Stadions dürfen sich die Fans nicht aufhalten (Abstand halten!). Verstoßen sie dagegen (Anstand!), werden auch Geisterspiele nicht möglich sein. Die Fans könnten dann sogar zu Totengräbern ihrer Vereine werden!

Eines muss an dieser Stelle festgestellt werden. Die Fußball-Bundesliga hat sich in diesen Krisenzeiten vorbildlich verhalten, die DFL hat gut reagiert und das Heft des Handelns in die Hand genommen. Die Spieler zeigten sich als Profis mit Herz, waren zu Gehaltskürzungen zum Wohle der Vereine und vor allem der rund 60.000 sonstigen Mitarbeiter bereit und brachten zahlreichen Spendenaktionen auf den Weg. Auch hier wurden Millionen ausgeschüttet.

Dies war in anderen Ländern oft nicht so, da gab es Theater um Gehaltskürzungen (Barcelona zum Beispiel) und in England gibt es Proteste, weil die Spieler nicht kollektiv auf Gehaltskürzungen verzichten und die Klubs sogar öffentliche Subventionen in Anspruch nehmen wollen. Seltsame Begründung der Gewerkschaft dafür, dass die Gelder nicht gekürzt werden dürfen: „Dann würden dem Staat große Steuereinnahmen fehlen.“ Einen radikalen Schnitt vollzog Belgien, das die Saison für beendet erklärte. Es ist auch das internationale Problem für die Fortsetzung der europäischen Wettbewerbe, dass die Nationen unterschiedlich von Corona gebeutelt sind und unterschiedlich damit umgehen. Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

Es gab zudem andere Meldungen. Die Corona-Pause nutzte Bayern München zur Vertragsverlängerung mit Trainer Hansi Flick gleich bis 2023, die Bosse vertrauen also auf den Kurpfälzer, der als legitimer Heynckes-Nachfolger vor allem in Sachen Menschlichkeit gilt. Jetzt werden wohl auch Vertragsverlängerungen mit Spielern bis 2023 folgen, wobei Flick da ein starkes Mitspracherecht besitzt.

Es tut sich also etwas in den Vereinen, ein Grund mehr, dass die Fans hoffen, dass der Ball bald wieder rollt. Und eines darf man auch nicht vergessen: Fußball im Fernsehen hat das Zeug dazu, die Stimmung im Lande zu verbessern. Er bietet Unterhaltung und Abwechslung, vielleicht war die Fußball-Bundesliga sogar noch nie so wichtig wie heute!

Ein Treffer war der Winter nicht

In den Alpen und Mittelgebirgen hat es in den letzten Tagen wieder geschneit, jetzt kündigt sich endgültig der Frühling an – Zeit also für eine Bilanz des Wintersports. Noch kann man eine Bilanz ziehen, immer mehr stellt sich die Frage, wie lange es noch einen echten Winter gibt. Der Sport-Grantler selbst hat seine Schneeschaufel in diesem Winter im Keller lassen können. Und im Sport verlief auch einiges chaotisch, es war ein Winter ohne große Ereignisse, geprägt von vielen Verletzungen und mit einem abrupten Ende durch das Coronavirus. Ein Treffer also war der Winter nicht.

Apropos Treffer. Dies war das Manko der deutschen Biathleten, die im Jahr eins nach Laura Dahlmeier keine schlechte Saison ablieferten, aber Probleme am Schießstand hatten. Dort verballerten sie WM-Medaillen und Podestplätze. Das sollte sich trainieren lassen, so dass die deutschen Männer und Frauen zielsicherer in die nächste Saison gehen können. Das Kommando gaben im Wintersport meist die Norweger an, so war es auch im Biathlon. Norwegen stellte in der Nationenwertung den Sieger bei den Männern und Frauen, dazu gesellten sich Frankreich (Zweiter bei den Männern, Dritter bei den Frauen) und Deutschland (Dritter bei den Männern, Zweiter bei den Frauen), also war es nicht so schlecht. Diese drei Nationen dominierten Biathlon, in die Phalanx brach einzig Südtirols Glamourgirl Dorothea Wierer ein, die den Gesamtweltcup bei den Damen erfolgreich verteidigte. Bei den Herren triumphierte Johannes Thingnes Bö trotz Babypause. Der große Triumphator der letzten Jahre, der Franzose Martin Fourcade beendete dagegen seine große Karriere ebenso wie die Finnin Kaisa Mäkkäräinen.

In der deutschen Mannschaft beeindruckte vor allem Denise Herrmann, die ein bisschen in die Fußstapfen von Laura Dahlmeier trat. Drei Saisonsiege, dazu drei weitere Podestplätze, dreimal WM-Silber und die kleine Kristallkugel im Sprint können sich sehen lassen. Dabei begann die Saison schlecht, die ersten Kritiken kamen auf, aber dann ging es bei Damen und Herren richtig los. Das Ende der Saison war wieder traurig mit Wettbewerben ohne Zuschauer. So trist sieht die Zukunft dann doch nicht aus. Allerdings muss man hier „nahe Zukunft“ sagen, denn ein Nachwuchsproblem gibt es schon.

Die Angst vor Verletzungen

Was die sonstigen Skisportler angeht, da läuft und springt die Angst vor Verletzungen mit. Fast alle Wettbewerbe waren überschattet von schweren Verletzungen, Kreuzbandrisse waren an der Tagesordnung. Die Skiverbände sind gefordert, denn sowohl alpin als auch im Skispringen muss es Materialverbesserungen oder -veränderungen geben, um diese Flut von Verletzungen zu verhindern. Besonders gebeutelt waren die Skispringerinnen, da musste Bundestrainer Andreas Bauer gleich auf vier seiner besten Springerinnen verzichten. Der größte Pechvogel war Andreas Leyhe, der beim letzten Springen in Trondheim in der Qualifikation stürzte, sich einen Kreuzbandriss zuzog – und dann wurde der Wettbewerb abgesagt, die Saison war beendet. Für das Glanzlicht sorgte Karl Geiger (Oberstdorf), es war sein Winter und hinter Stefan Kraft (Österreich) wurde er Weltcup-Zweiter.

Namensvetter Vinzenz Geiger war als Dritter bester Deutscher bei den Nordisch Kombinierern, aber Siege waren rar, die Norweger dominierten das Geschehen noch mehr, als es vor kurzem noch die Deutschen taten. Jari Magnus Riiber war schier unschlagbar, flog im Springen schon allen davon und hat sich in der Loipe so stark verbessert, dass er kaum noch einholbar war. Da schaute die Konkurrenz ganz schön hinterher, wobei Trainer Weinbuch genau weiß, was zu tun ist: „Wir müssen uns im Springen verbessern.“

Bei den Alpinen war Thomas Dreßen der große Held. Der Abfahrer kam nach einer Verletzung zurück wie eine Rakete, holte sich Siege in Lake Louise (Kanada), beim Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen und schließlich noch in Saalbach in Österreich. Drei Saisonsiege schaffte noch kein deutscher Abfahrer und Platz zwei im Weltcup der Königsdisziplin war der Lohn. Auf Dreßen schauten die Ski-Fans, aber ganz konnte er den charismatischen Felix Neureuther, der seine Karriere beendet hatte, nicht ersetzen. Eine durchwachsene Saison mit Kritik an ihrem Trainingseifer erlebte Ski-Girl Viktoria Rebensburg, die am Ende nur Neunte im Gesamtweltcup wurde. Mit Alexander Aamodt Kilde (Norwegen) und Federica Brignone (Italien) gab es Überraschungs-Weltcupsieger, weil die Saison wegen Wetter und Corona vorzeitig beendet wurde. Die dominierende Mikaela Shiffrin aus den USA fehlte in den letzten Rennen nach dem überraschenden Tod ihres Vaters.

Siege für die Ewigkeit

Der Held des Winters schlechthin war Bob-Pilot Francesco Friedrich. Der 29-Jährige Sachse stellte einen Rekord für die Ewigkeit auf: Er wurde dreimal Doppel-Weltmeister in Folge und noch kein Pilot vor ihm hat je neun Titel im Zweier und Vierer geholt. Heute kann man sagen, seine große Karriere zeichnete sich frühzeitig ab, weil er mit 22 Jahren schon der jüngste Bob-Weltmeister aller Zeiten wurde, doch dass er einmal Italiens Legende Eugenio Monti übertrumpfen könnte, dachte damals keiner. Jetzt ist Friedrich selbst eine Legende, hat aber noch Ziele, die er erreichen will. Nach seinem Doppel-Erfolg in Südkorea hat er gleiches in Peking 2022 im Visier, denn „Doppelgold zu verteidigen, das hat noch keiner geschafft.“ Außerdem: 45 Weltcupsiege sind der Rekord des Oberhofers Andre Lange, Friedrich liegt bei 37. Der nächste Winter kann kommen.

Corona und die Probleme für die Bayern

Ein Virus setzt die Welt schachmatt und zwingt logischerweise auch die Fußball-Bundesliga zur Pause. Eigentlich hätten die Vereine jetzt Zeit für die Zukunftsplanung, könnten Verträge verlängern oder neue Stars an Land ziehen. Doch das Gegenteil ist der Fall, die Unsicherheit über die Zukunft ist groß und keiner weiß, wie sich das Transfergeschäft entwickelt. Allgemein wird von fallenden Preisen ausgegangen und so zögert die Branche bei Unterschriften. Wer will schon unnötig Geld ausgeben.

Ein Problem, das alle Vereine haben, besonders im Blickpunkt aber Rekordmeister Bayern München, denn da laufen 2021 Verträge von prominenten Stammspielern aus und auch Trainer Hansi Flick hängt in der Luft. Verhandlungen im Zeichen von Corona sind schwierig, aber gerade jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Das eine oder andere Problem haben sich die Bayern selbst gemacht. So haben sie Kapitän Manuel Neuer geärgert, als sie Alexander Nübel als neue Torhüter-Hoffnung vorstellten. Er sollte beim Nationaltorhüter lernen und ihn in den nächsten Jahren Stück für Stück ablösen. Jeder hatte Verständnis für die Verpflichtung des Schalkers, der ja bereits als legitimer Nachfolger von Neuer gehandelt wurde – bis er patzte und deutlich wurde, dass der 23-Jährige offensichtlich nicht die guten Nerven von Neuer besitzt. Der inzwischen 34-Jährige Stammkeeper, der das Torwartspiel auf einen neuen Level hob, hat noch keine Lust zur Rente, hat im Visier bis 39 zu spielen und einen angebotenen Zwei-Jahres-Vertrag lehnt er schlichtweg ab. Drei Jahre wären für ihn das Minimum und eine Gehaltskürzung kommt auch in Corona-Zeiten nicht in Frage. Eine verzwickte Frage für Salihamidzic, Kahn und Rummenigge, die angesichts der Formkrise von Nübel verunsichert sind und wohl kaum allein auf den Schalker und Ersatzmann Sven Ulreich setzen wollen.

Unsicher ist auch die Zukunft von David Alaba. Der Österreicher will eigentlich am liebsten im Mittelfeld spielen, wurde als Linksverteidiger zum Star und sieht sich plötzlich in neuer Rolle als Abwehrchef. Offen liebäugelt er mit einem Wechsel nach Spanien, andererseits zieht es ihn nicht aus München weg. Eine Gehaltserhöhung würde ihm die Entscheidung erleichtern. Dies aber in Zeiten der fallenden Preise? Andererseits gilt Alaba als letztes Münchner Talent, das den Sprung in die Stammelf der Profis geschafft hat. Sportlich könnten die Bayern den Abgang inzwischen verkraften, denn Alphonso Davies ist die neue Zukunftshoffnung auf der linken Seite, Süle kehrt bald als Abwehrchef zurück und da ist ja auch noch Neuzugang Hernandez. Die Bayern wären gut aufgestellt, doch Alaba würde eine Popularitätslücke hinterlassen.

Das gilt auch für Thomas Müller, der dritte Bunde, dessen Vertrag 2021 ausläuft und ohne den man sich die Bayern eigentlich gar nicht vorstellen kann. Man kann sich auch nicht vorstellen, dass es Müller nach England zieht, vornehmlich aus der Premier League habe er Angebote, heißt es. Müller gehört seit dem 1. Juli 2000 zum Bayern-Inventar, er ist im Alpenvorland heimatlich verwurzelt, betreibt in der Nähe vom Starnberger See mit seiner Frau Lisa einen Reitstall und die Pferde werden kaum mit umziehen können. Müller gehört sicherlich zu den Bestverdienern im Bayern-Stall und erste Anzeichen auf eine Vertragsverlängerung soll es geben, mit einem Kompromiss auf zwei Jahre bis 2023. Wäre logisch.

Was sich in Sachen Vertragsverlängerungen und Neuzugängen tut ist vor allem für den Trainer wichtig. Wird es Hansi Flick, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, bleiben? Die Bayern-Bosse wollen erst sportlichen Erfolg sehen, Flick eine Mannschaft, die seinen Erwartungen entspricht. Das sollte möglich sein. Wegen der Corona-Pause kann Flick nun keine Erfolge liefern, aber einen positiven Eindruck hat er bereits hinterlassen. Es wäre eine Überraschung, sollte es in dieser Konstellation nicht weitergehen.

Wobei sich die Bayern im Hinblick auf Neuzugänge wohl wieder einmal Gedanken machen werden, wie sie ihre Mannschaft einerseits verstärken, die Konkurrenz andererseits aber schwächen können. Insofern war es verwunderlich, dass Leipzigs Torjäger Timo Werner nicht in München landete, gilt Leipzig neben Dortmund doch als derzeit größter Konkurrent. Jetzt aber haben die Bayern einen anderen „Bullen“ im Visier, nämlich Abwehrtalent Upamecano. Der 21-Jährige Franzose ist ein richtiger „Bulle“, international begehrt, scheint sich aber mit München anfreunden zu können. Dies wäre ein Wechsel, wie ihn die Bayern früher öfters praktizierten. Aber auch Dortmund haben sie noch im Visier, nämlich Flügelflitzer Hakimi, doch bei dem hat Real Madrid die Hand drauf und nicht Dortmund. Und was die weiteren personellen Fragen angeht, da werden Rummenigge und Co. wohl erst die Entwicklung abwarten, vor allem wenn für die Kandidaten Sane von Liverpool oder Havertz von Leverkusen über 100 Millionen Euro im Gespräch sind. Da erzwingt Corona auch in Transferfragen eine Pause.

Die Corona-Pause hat der Hamburger SV auf seine Art genutzt: Es gab Krach! Der Aufsichtsrat hat Vorstandschef Bernd Hoffmann entlassen. In einer Kampfabstimmung wollten ihn von den sieben Mitgliedern nur Aufsichtsratboss Köttgen und sein Stellvertreter Schulz halten. Die anderen schlugen sich auf die Seite von Sportvorstand Jonas Boldt und Finanzchef Frank Wettstein, die mit Hoffmann nicht mehr konnten. Jetzt führen die beiden den Verein als Doppelspitze. Neuer starker Mann ist Ex-Nationalspieler Marcell Jansen, der ja schon HSV-Präsident ist und jetzt auch neuer Aufsichtsratchef wurde. Führt er den HSV in eine neue, bessere Zukunft oder eben in eine gute Zeit wie die Vergangenheit? Beobachter haben Bedenken, denn Jansen gilt als Mann vom einflussreichen Milliardär Kühne, der immer wieder für Millionen, aber auch für Unruhe sorgt. So bliebe der ruhmreiche HSV, immer noch einer beliebtesten Vereine in Deutschland, ein Chaos-Klub. Dafür darf man Corona nicht verantwortlich machen.

Corona sorgt für ein Terminchaos 2021

IOC-Präsident Dr. Thomas Bach ist kein Mann der Tat, seine Stärke ist das Strippenziehen. Nur, Geschäfte im Hinterzimmer konnte er mit Corona nicht machen. Das Virus schert sich nicht um Geld und gute Beziehungen und der IOC-Präsident zeigte sich machtlos. Machtlos, ein Machtwort zu sprechen und so mussten ihn andere zu der Entscheidung „tragen“, bis klar war, dass die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio verlegt werden.

Zuerst hatten viele Athleten kapiert, dass Olympia in diesem Jahr nicht zu veranstalten war, später haben einige Nationen ihre Absage verkündet und danach hat Japans Ministerpräsident Abe dem IOC die Entscheidung abgenommen und verkündet: Die Spiele werden um ein Jahr verschoben, finden 2021 statt. Erst dann urteilte Thomas Bach „mutig“: „Es gab keine Alternative zu dieser Entscheidung“. Es ging nicht allein um das Virus, das einen Zeitpunkt sowieso ungewiss machte, sondern auch um Gerechtigkeit gegenüber den Sportlern. Qualifikationen konnten nicht mehr ausgetragen werden, Dopingkontrollen mussten ausgesetzt werden, Manipulationen war Tür und Tor geöffnet.

Hauptleidtragender ist natürlich Tokio, das schon 1940 mitten im Zweiten Weltkrieg die zugesagten Spiele ausfallen lassen musste und dafür 1964 bedacht wurde. Jetzt soll es schneller gehen, ist aber mit enormen Kosten verbunden. Die Kosten der Spiele, ursprünglich mit 11,5 Milliarden Euro geplant, sollen sowieso auf das Doppelte angestiegen sein, jetzt kommen noch einmal fast sechs Milliarden hinzu. Die Sportstätten sind fertig, manche Bauten sollten nach den Spielen anderweitig verwendet werden. Die Wohnungen im Olympischen Dorf sind zum Teil verkauft. Tokio steht vor großen Problemen. Man darf den Japanern wünschen, dass sie 2021 noch ein großes Fest feiern können.

Der internationale Sport steht aber auch vor großen Problemen, für 2021 droht ein Terminchaos, nachdem bereits die Fußball-Europameisterschaft verlegt worden ist (11. Juni – 11. Juli), Schwimmer und Leichtathleten ihre Weltmeisterschaften im Juli bzw. August austragen wollen, dazu wurden im Fußball auch die Frauen-Weltmeisterschaft und die EM der U21 auf das nächste Jahr verschoben. Überschneidungen werden sich nicht vermeiden lassen. Das Ziel muss sein, die Sportler vor Überlastungen zu schützen. Für junge Fußballer stehen gleich Termine an, nämlich EM, Olympia und EM der U21. Auf drei Hochzeiten können sie nicht tanzen.

Bei allen Überlegungen müssen die Athletinnen und Athleten im Vordergrund stehen. Nachdem die Spiele auch 2021 ihren Namen von den Sommerspielen 2020 behalten sollen, wäre es eigentlich logisch, dass die bisher ausgetragenen Qualifikationen ihre Gültigkeit behalten, die erreichten Normen nicht noch einmal erfüllt werden müssen. Außerdem sollten bei einigen Sportarten, wie zum Beispiel im Fußball, die Altersgrenzen von 2020 gelten, damit den Kandidaten von 2020 nicht der Traum von Olympia geraubt wird. Corona sorgt also nicht nur für gesundheitliche Probleme.

Es mag die Organisatoren aller Wettbewerbe und das IOC trösten, dass die Fernsehanstalten weltweit verkündet haben, dass sie auch im nächsten Jahr ihre Übertragungsrechte wahrnehmen wollen, das sichert vor allem Einnahmen, das lässt hoffen, dass um Gelder nicht gestritten wird. Die Sportfans allerdings, die jetzt über Wochen hinweg mit Magerkost leben müssen, werden dann übersättigt. Gesund könnte auch dies nicht sein.

Gewinner und Verlierer der Corona-Krise

Corona hält die Welt in Atem, nein, das Virus legt die Welt fast lahm. Probleme dieser Art, wie wir sie jetzt erleben, wurden eigentlich für unvorstellbar gehalten. Aber jetzt sind sie da und da gibt es die Gedanken, wer ist in der Bewältigung der Krise im Sport eigentlich ein Gewinner und wer Verlierer? Natürlich, Verlierer sind wir alle, denn das Leben ist nicht mehr so, wie wir es zu leben gewöhnt sind. Aber speziell im Sport können wir doch einige Gewinner, solche, die beherzt Handeln und gute Entscheidungen getroffen haben, und Verlierer, die eben das Gegenteil, nämlich zögerlich sind, herausstellen. Hier ein Versuch:

Gewinner

Christian Seifert: Der DFL-Chef beeindruckte als Krisenmanager. Bisher hatte er einen leichten Job, als Verkäufer der Fußball-Bundesliga rannten ihm die Interessenten die Bude ein. Jedes Jahr mehr Geld durch die Fernsehverträge, das brachte ihn in die Schlagzeilen. Jetzt war er in anderen Aufgaben gefragt und meisterte sie souverän. Die Bundesliga hat Führung, trotz aller Ungewissheiten. Frühzeitig machte er darauf aufmerksam, welches Geld und welch ungeheure Zahl von Jobs am Fußball hängen. Sein Motto „wir müssen den Fußball retten“. Aber auch er kann nicht sagen und schon gleich gar nicht bestimmen, wann selbst Geisterspiele möglich sind. Virologen behaupten sogar, mit Publikum kann die Fußball-Bundesliga erst 2021 wieder spielen. Bundesliga-Geisterspiele wären aber auch eine Ablenkung für die leidgeprüfte Gesellschaft, nicht nur für Fans.

Joshua Kimmich/Leon Goretzka: Es ging ihnen nicht um Schlagzeilen, sondern um Hilfe. Die Bayern-Stars riefen die Hilfsaktion „We Kick Corona“ ins Leben, um während der Corona-Krise soziale und karitative Einrichtungen zu unterstützen. Sie starteten selbst mit einer Million Euro und haben in zwei Tagen bereits drei Millionen zusammen. Zudem haben sie bei der Nationalmannschaft zu den 2,5 Millionen Euro Spende beigetragen. Sie stehen an Stelle von vielen Profi-Sportlern, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, ihren Verein (vor allem die „normalen“ Mitarbeiter) unterstützen und Gehaltsverzicht üben. Der harte Profisport ist weichgespült.

Aleksander Ceferin: Der Präsident der UEFA zauderte nicht wie andere Verbandsfürsten, sondern handelte und sorgte frühzeitig für Klarheit mit der Verlegung der Fußball-Europameisterschaft von 2020 auf 2021. Ein Stück Arbeit hat er aber noch vor sich, er will wie Seifert mit der Bundesliga dafür sorgen, dass auch Champions League und Europa League zu Ende gespielt werden. Hier muss er Feingefühl zeigen und abwägen zwischen nationalen und europäischen Interessen. Aber auch gegenüber der FIFA zeigte er zuletzt immer die Stärke, die man von einem UEFA-Präsidenten erwartet.

Gernot Tripcke: Der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga sorgte als erster für Klarheit von allen Ligen: Die Eishockey-Saison endete frühzeitig. Eishockey hat allerdings auch ein besonderes Problem, die Eisstadien können nicht auf ewig in Betrieb bleiben, die Kosten würden explodieren und die Mehrzweckhallen stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Klar erkannt und klare Kante gezeigt.

Dietmar Hopp: Der Milliardär ist das Feindbild der Fans, jetzt ist der Hoffnungsträger in der Corona-Krise. Er hält die Mehrheit bei der Firma, die auf der Suche nach einem Gegenmittel gegen Corona ist. Die Firma in Tübingen scheint in ihren Tests am weitesten zu sein, Hopp verhinderte Übergriffe aus dem Ausland. Daran sollten sich die Fans später erinnern.

Einfallsreichtum: Das ist jetzt gefragt, alle, egal ob Fans, Sportler oder Funktionäre, müssen ein gewisses Maß an Einfallsreichtum zeigen, um die Krise zu überwinden, um das Überleben der Vereine in allen Sportarten zu ermöglichen. Ein Beispiel bietet der Fußball-Traditionsverein Rot-Weiß Essen, er bietet ein virtuelles Heimspiel gegen Corona an und die Fans können dabei sein und den Verein wie im Stadion unterstützen. Sie orderten bisher rund 1900 Tickets, 3600 Becher Bier und 1500 Bratwürste, was dem Verein 40.000 Euro einbrachte. Ein Spiel ohne Zuschauer kostet Essen 100.000 Euro. Die Not wird gelindert, die Fans werden also auch zu Gewinnern.

Verlierer

Dr. Thomas Bach: Der IOC-Präsident gibt eine überaus schlechte Figur ab, er will quasi die Pandemie aussitzen und hofft, dass die Olympischen Sommerspiele im Juli in Tokio noch zu retten sind. Selbst Laien erkennen, dass es ein Wahnsinn ist, Hunderttausende im Sommer Olympia feiern zu lassen, da ist Corona mit Sicherheit noch nicht besiegt. Und ein Geister-Olympia kann es nicht geben. Selbst die Japaner sehen bereits die Notwendigkeit einer Verlegung, so wie eben auch bei der Fußball-EM. Bei Olympia böte sich 2022 an, im gleichen Jahr wie die Winterspiele, so wie es ja früher war. Vorteil 2022 wäre, dass die Fußball-WM in Katar im Winter ausgetragen wird. Thomas Bach müsste angesichts seiner falschen Einschätzung eigentlich zurücktreten.

Formel 1: Auch die Macher der Formel 1 unterlagen einer Fehleinschätzung der Lage, sie wollte ebenfalls mit allen Mitteln die Rennen durchführen respektive ihre investierten Millionen retten. Corona zwang sie in die Knie. Eine Frechheit war es, die erste Veranstaltung in Australien erst dann abzusagen, als die Fans schon vor der Tür standen. Die Realität sieht es jetzt ganz anders aus, zumindest bis Anfang Juni wird es keine Rennen geben, sogar Aserbaidschan wurde abgesagt.

Basketball-Bundesliga: Anders als im Eishockey wollen Handball und Basketball versuchen, ihre Saison notfalls mit Geisterspielen wie im Fußball noch zu Ende zu bringen. Basketball hat aber noch ein großes Problem: Viele ausländische Spieler laufen ihren Vereinen davon, ein echter Wettbewerb findet dann nicht mehr statt.

Bergamo: Die Stadt in der Nähe von Mailand ist wohl der am meisten leidende Ort der Welt, quasi das Zentrum der Corona-Epidemie. Es ging vom Himmel in die Hölle. Ganz Bergamo feierte noch am 19. Februar in Mailand den 4:1-Triumph über Valencia, man lag sich in den Armen, errang einen historischen Erfolg auf Europas Bühne. „Sie küssten und sie herzten sich“ hieß es über die Fans, heute weiß man, dass dies wohl der Beschleuniger der Corona-Epidemie war. Heute beklagt Bergamo Hunderte von Toten, allein in der vergangenen Woche waren es 400. Tragischer könnte es nicht sein.

Was der Sport jetzt braucht, ist eine realistische Einschätzung der Lage und am Ende das Glück, dass die Leute vernünftig sind, Abstand halten und Geisterspiele möglich sind, um die meisten Vereine über Wasser zu halten bzw. zu retten. Ansonsten gilt das Motto: Bleiben Sie gesund!

Geisterspiele sollen die Bundesliga retten – aber lässt Corona das zu?

Die ersten Entscheidungen im Profi-Fußball sind gefallen, aber die großen Fragezeichen bleiben. Vor allem: Was lässt das Coronavirus überhaupt zu? Kann noch gespielt werden und wenn, wann? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit zum Beispiel Bundesligaspiele, wenn auch nur als Geisterspiele, über die Bühne gehen können? Eins steht fest: Wollen die Fußball-Bundesligisten einigermaßen unbeschadet durch die Coronakrise kommen, dann können sie nur Geisterspiele ohne Zuschauer retten, auch wenn dies den Fans nicht gefällt. Aber die Rettung der Vereine und der Liga geht vor. Lähmt das Virus aber weiterhin das Leben in Deutschland, sind selbst Geisterspiele fraglich, weil ja auch Spieler und Mannschaften betroffen sein können.

Zunächst einmal haben UEFA und DFL die Weichen für eine Bewältigung der Krise gestellt. Der europäische Dachverband machte den Weg frei für die nationalen Ligen und hat die für den Sommer 2020 vorgesehene Europameisterschaft um ein Jahr auf 2021 verschoben. Es sollte ein besonderes Turnier werden über (fast) alle Grenzen hinweg, jetzt ist es schon im Vorfeld ein besonderes Turnier geworden. Es ist das erste Mal in der 60-jährigen EM-Geschichte dass die EM verlegt wird. Nun haben die europäischen Ligen die Hoffnung, dass sie ihre nationalen Meisterschaften noch zu Ende bringen können, eine Sicherheit gibt es allerdings nicht, Frag nach bei Corona. Ein Problem: Am 30. Juni enden viele Verträge, die bis zum Saisonende 2020 abgeschlossen wurden. Rechtliche Fragen stehen im Raum. Die Bundesliga hat zusammen mit England mit noch neun ausstehenden Spieltagen das kleinste Restprogramm, in Spanien und Frankreich sind noch elf Spieltage zu absolvieren, in Italien 12 und in der Schweiz sogar 13. Lösungen werden schwierig.

Vorerst hat die Bundesliga ihren Spielbetrieb nur bis zum 2. April gestoppt, doch jedem ist klar, dass dies noch nicht das Ende sein wird. Für den 30. März ist die nächste Krisensitzung anberaumt, ein Start vor dem 18./19. April ist utopisch, eher könnte es der 2./3. Mai werden. Experten haben durchgerechnet, dass dann bis zum 30. Juni die Saison noch durchgetaktet werden könnte mit Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Europa League und den Relegationsspielen. Gespielt werden muss fast jeden Tag, also praktisch immer, Pausen sind nicht vorgesehen. Und was sagt Corona? Übrigens: Die Premier League in England hat einen Re-Start auf den 30. April verschoben.

DFL-Chef Christian Seifert betet immer wieder vor, dass die Saison zu Ende gebracht werden muss, das wäre essentiell für die Liga und die Vereine. Einnahmen von rund 750 Millionen Euro durch Fernsehen und Sponsoren stehen auf dem Spiel, 56.000 Arbeitsplätze bei den Vereinen und Firmen rund um den Spielbetrieb sind in Gefahr. Seifert betont: „Vereine sind Unternehmen, sie müssen so behandelt werden, wie alle anderen Unternehmen auch.“ Freilich, Vereine, die sich ein finanzielles Polster zugelegt haben, werden leichter überleben als kleine Klubs. Die Bayern und Dortmund tun sich leichter als Paderborn oder Augsburg. Solidarität ist gefragt, allerdings lässt die wohl auch zu wünschen übrig. Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke moserte: „Es können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür nun auch noch belohnen.“

Hilfe ist allerdings kein Fremdwort. So haben die Spieler der Nationalmannschaft 2,5 Millionen Euro für Corona-Geschädigte gespendet, die Spieler von Borussia Mönchengladbach haben einen Gehaltsverzicht erklärt, der dem Verein eine Million Euro im Monat sparen soll, auch andere Spenden sind via Internet bekannt geworden, so unterstützt Franck Ribery das Krankenhaus in Florenz mit 50.000 Euro. Er denkt also nicht nur Goldsteaks. Vorbild waren wohl die Profis in Amerika, die vielfältige Spendenaktionen ins Leben gerufen haben. In einem Land, in dem der Präsident anfangs Corona leugnete. „Gibt es nicht“, hatte der superkluge Präsident Donald Trump geurteilt. Heute weiß er es besser.

Zunächst aber ist der Trainingsbetrieb gestoppt, die Spieler machen „Homeoffice“ – ganz normale Arbeitnehmer halt manchmal. Doch statt am Computer sollen sie auf Spinnrädern sitzen, Gymnastik machen oder auch allein laufen. Hausarrest gibt es nicht, doch meist der Wunsch, möglichst zu Hause zu bleiben. Die Trainer verordnen Fitnessprogramme über das Internet, Fitness in modernen Zeiten. Am Ende schaffen sie das Training auf dem Platz noch ab!

Ein Trainer ist arbeitslos, Joachim Löw ist wohl der prominenteste Kurzarbeiter in Deutschland. Aber auch er hat sich schon nützlich gemacht, gespendet und den Verzicht auf einen Teil seines Gehaltes kundgetan. Wann Löw wieder arbeiten kann, respektive wann die Nationalmannschaft wieder aktiv wird, steht in den Sternen. Im Herbst soll die Nations League beginnen. Es liegt an Corona wann der Fußball wieder auf die Bühne der Öffentlichkeit zurückkehrt, aber auch an den Menschen, wie sie mit dem Virus umgehen. Einer neuer Spruch ist jetzt in Mode und das gilt auch für die Leserinnen und Leser: Bleiben Sie gesund!

Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr

Ein Virus hat es geschafft, dass die Welt fast still steht. Corona hat die Macht übernommen und die Politiker greifen zu Notfallplänen, fragen sich, „was machen wir jetzt“ und wissen eigentlich nicht mehr als die gewöhnlichen Bürger. Denen werden viele Verhaltensregeln an die Hand gegeben, dass sich die Verbreitung des Virus verlangsamt, damit die medizinische Versorgung aufrecht erhalten bleiben kann. Hamsterkäufe und die Leere in den Städten bestimmen das Leben. Ja, und daneben gibt es auch noch den Sport, insbesondere den Fußball. Der Profi-Fußball reagierte erst einmal mit dem Gedanken, „machen wir einfach weiter“, versuchte mit Geisterspielen dem Stillstand zu entkommen, um an Ende doch die letzten Konsequenzen zu ziehen: Aussetzung der Meisterschaften.

Die Ungewissheit bei allen ist ebenso groß wie die Unsicherheit. Die hat auch die Fußball-Profis erfasst, die eigentlich nur auf eines achten müssen (wie alle anderen auch): Das sie gesund bleiben. Das Training wird reduziert und doch sollten sie in Form bleiben für den Tag X, wenn die Spiele wieder beginnen und sie werden wieder beginnen. Doch wann, das kann keiner mit Gewissheit sagen, auch wenn Prognosen abgeben und Pläne geschmiedet werden. Vielleicht beginnt man irgendwann wieder mit Geisterspielen, obwohl die, wie bewiesen, keinen Spaß machen. Sie sind aber die einzige Chance für den Profi-Fußball, um an die Gelder des Fernsehens zu kommen und um finanziell zu überleben.

Und wer denkt an die Fans? Was machen die, wenn der Sport still steht? Sie müssen erkennen: Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr. Macht der Fußball Sommerpause, so kann sich jeder darauf einstellen, man weiß es schließlich vorher und eine wirklich lange Pause gibt es gar nicht, weil irgendwo immer gespielt wird und selbst die Testspiele zu interessanten Ereignissen gepusht werden. Aber jetzt? Das Ritual, am Wochenende ins Stadion zu pilgern, auf Reisen zu gehen, in der Kneipe mit Gleichgesinnten Fußball zu schauen, fehlt. Vielleicht schauen sie sich über Mediatheken oder dergleichen alte Fußballspiele an. DAZN hat zum Beispiel das Finale der Champions League von 2013 im Programm. Die Dortmunder werden es sich nicht anschauen, die Münchner schon.

Und was machen die Ultras? Was hecken sie aus für den Fortgang, welche Plakate fertigen sie jetzt an? Vielleicht: „Corona Du Hurenvirus!“ oder: „Hau ab Corona, wir wollen Fußball!“ und hängen sie halt zu Hause auf. Übrigens: Der verhasste Milliardär Dietmar Hopp ist ein entscheidender Mann hinter der Firma, die jetzt führend in der Forschung ist, um ein Gegenmittel gegen Corona zu finden. Wo ist das Plakat: „Hopp, wir brauchen Dich!“? Vielleicht nutzen manche Fans aber auch die unerwünschte Pause zur Besinnung und erkennen, es gibt auch ein Leben neben dem Sport. Und: Hass gehört nicht zum Sport.

Der Sport hat sich lange gewehrt, die Geisterspiele brachten bekanntlich noch schmerzhafte Resultate, so sind Dortmund und Titelverteidiger Liverpool in der Champions League ausgeschieden, Frankfurt blamierte sich gegen Basel. Eigentlich unwichtig. Die Zukunft ist ungewiss. In der Formel 1 stehen die Räder still, ebenso wie der Spielverkehr in den meisten Ligen in Europa. Titelkämpfe stehen auf der Kippe oder sind bereits abgesagt. Die Wintersportler haben ihre Saison in einem Winter, der eigentlich keiner war, vorzeitig abgebrochen. Am längsten haben die Biathleten noch durchgehalten, die mit deutschem Glanz im finnischen Kontiolahti ihre Wettkämpfe ebenfalls vorzeitig beenden haben. Denis Herrmann brachte als Sprint-Gesamtsiegerin sogar eine Weltcupkugel mit nach Hause und wurde Dritte in der Gesamtwertung hinter Dorothea Wierer (Italien) und Tiril Eckhoff (Norwegen). Spannende Finals machten den Abschied von der Saison schwer, bei den Herren landete am Ende der Norweger Johannes Thingnes Boe gerade mal zwei Punkte vor dem Franzosen Martin Fourcade, der mit den Rennen in Finnland seine großartige Karriere beendete. Dies verkündete auch die Finnin Kaisa Mäkäräinen nach einer ebenfalls großartigen Laufbahn. Aber auch in Finnlands Wäldern herrscht jetzt Stille. Ob mit oder ohne Corona.

Ein Kommentar darüber wie es im Fußball weitergeht folgt noch in dieser Woche, selbstverständlich später auch noch eine Bilanz zum Wintersport. Auch ohne aktuellen Sport wird der Sport-Grantler sich melden, es sei denn, Corona schaut auch bei ihm vorbei…

2020 ist ein besonderes Jahr für die Formel 1

In den letzten Jahren galt die Formel 1 oft als langweilig und hat sicherlich viele Fans verloren. 2020 wird ganz anders werden und vielleicht gewinnt die Formel 1 wieder viele Fans hinzu. In Zeiten des Coronavirus wird es auch für den Motorsport ein schwieriges Jahr und dennoch herrscht vor dem Start am Sonntag, 15. März, in Melbourne viel Optimismus.

2020 ist nämlich ein besonderes Jahr für die Formel 1. Zunächst einmal werden Jubiläen gefeiert: Ferrari steht vor seinem 1000. Grand Prix (dabei erinnern wir uns an den ersten WM-Titel von Michael Schumacher mit Ferrari 2000) und die Königsklasse feiert in Silverstone ihren 70. Geburtstag (ihr Ex-Boss Bernie Ecclestone wird im Oktober stolze 90). Ein besonderes Jahr ist 2020 auch, weil ein totaler Umbruch bevorsteht. 2020 ist das letzte Jahr der „alten Formel 1“, die 2021 mit einer Regel-Revolution und Kostenbegrenzung von 153 Millionen Euro für jeden Rennstall total auf den Kopf gestellt wird. Dann könnten sich auch die Machtverhältnisse vollkommen verschieben.

2020 könnte deshalb ein besonderes Jahr für Mercedes und Titelverteidiger Lewis Hamilton werden, aber auch für Ferrari und Sebastian Vettel. Mercedes will seine beeindruckende Siegesserie fortsetzen, Hamilton die Chance nutzen, den Rekord von Michael Schumacher einzustellen und zum siebten Mal Weltmeister werden. Ab dem nächsten Jahr werden die Unwägbarkeiten größer. Ferrari und Sebastian Vettel träumen erneut vom lang ersehnten Titelgewinn, für Vettel könnte es sogar die letzte Chance sein. Wird er nicht Weltmeister, steht eine Vertragsverlängerung bei den „Roten“ in den Sternen. Der Deutsche hat zwei Hürden zu nehmen: Einmal muss das Auto im Jubiläumsjahr für ihn passen und vor allem auch stark genug sein, zum anderen ist da sein Teamkollege Charles Leclerc, der ihm im Vorjahr schon das Leben schwer gemacht hat. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr landete Vettel am Ende hinter den Mercedes-Fahrern Hamilton und Bottas sowie hinter Verstappen mit dem Red Bull und Leclerc nur auf Rang fünf. Mit zahlreichen Fehlern hat er sich selbst eine bessere Platzierung verbaut. Nun muss sich zeigen: Was kann Vettel wirklich! Bleibt er der Pannen-Basti?

2020 wird für zwei Rennstrecken ein besonderes Jahr: Zandvoort in den Niederlanden erlebt am 3. Mai ein Comeback nach 35 Jahren Pause. Die Begeisterung ist groß und könnte nur von Corona gebremst werden. Das gilt auch für Hanoi, denn am 5. April soll in Vietnam die Formel-1-Premiere gefeiert werden, doch macht die Epidemie die Austragung fraglich. Abgesagt wurde wegen Corona bereits der Lauf in Shanghai am 19. April, ob er nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Statt der Rekordzahl von 22 könnte es also nur 21 oder 20 Rennen geben. Fehlen wird auf jeden Fall Deutschland, Zandvoort erhielt den Vorzug vor Hockenheim.

2020 wird deshalb auch für die deutschen Fans ein besonderes, eher trauriges Jahr. Mercedes (wobei das Auto ja eher ein Engländer ist) und Sebastian Vettel halten die deutsche Fahne hoch. Nico Hülkenberg musste ja leider seinen Platz bei Renault räumen und konnte sich kein neues Cockpit angeln. Es gab mal eine Zeit, da galt die Formel 1 als deutsch.

2020 könnte aber auch ein schwieriges Jahr werden, nicht nur wegen Corona und den Einschränkungen (so wird es in Bahrain keine Zuschauer geben). Im Vorfeld der neuen Saison kochte schon ein Streit von Ferrari gegen den Rest der Teams hoch, die den Italienern Betrug vorwarfen. Es geht um eine Benzin-Manipulation, die der Weltverband nicht genügend geahndet habe. Die FIA untersuchte den Vorgang, kam zu dem Urteil, dass wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, aber Beweise könne sie keine vorlegen, deshalb keine Bestrafung, sondern ein Vergleich, dessen Inhalt zwischen den Parteien bleiben solle. Das riecht ziemlich deutlich Klüngelei und brachte logischerweise die Konkurrenz auf die Palme. Möglich, dass der Streit wieder hoch kocht, so dachte Besitzer Gene Haas schon laut über einen Rückzug seines Teams nach. Die Formel 1 wie sie leibt und lebt. Corona ist nicht der einzige Virus.

Die Rennen: 15. März (6.10 Uhr) Melbourne/Australien. 22. März (16.10 Uhr je MEZ) Manama /Bahrain. 5. April (9.10 Uhr MESZ) Hanoi/Vietnam. 19. April (8.10 Uhr) Shangai/China verschoben. 3. Mai (14.10 Uhr) Zandvoort/Niederlande. 10. Mai (15.10 Uhr) Barcelona/Spanien. 24. Mai (15.10 Uhr) Monte Carlo/Monaco. 7. Juni (14.10 Uhr) Baku/Aserbaitschan. 14. Juni (20.10 Uhr) Montreal/Kanada. 28. Juni (15.10 Uhr) Le Catellet/Frankreich. 5. Juli (15.10 Uhr) Spielberg/Österreich. 19. Juli (16.10 Uhr) Silverstone/England. 2. August (15.10 Uhr) Budapest/Ungarn. 30. August (15.10 Uhr) Spa/Belgien. 6. September (15.10 Uhr) Monza/Italien. 20. September (14.10 Uhr) Singapur. 27. September (13.10 Uhr) Sotschi/Russland. 11. Oktober (6.10 Uhr) Suzuka/Japan. 25. Oktober (20.10 Uhr) Austin/USA. 1. November (20.10 Uhr) Mexico City/Mexiko. 15. November (18.10 Uhr) Sao Paulo/Brasilien. 29. November (14.10 Uhr) Abu Dhabi.

Ultras oder Corona – wer leert die Stadien?

Na ja, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, dennoch ein Hinweis darauf: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Da passt das Coronavirus wie die Faust aufs Auge, denn dass die Welt aus den Fugen gerät, wird damit nämlich sichtbar. Das tägliche Leben hat sich geändert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und natürlich bleibt der Sport davon nicht verschont, wobei es dafür zunächst nur geringe Anzeichen gibt mit Veranstaltungen ohne Zuschauer, aber sie werden mehr werden. In einigen Sportarten werden Veranstaltungen abgesagt, in anderen wird einfach weitergemacht, halt ohne Zuschauer. Das droht jetzt auch der Fußball-Bundesliga. Manche Fans nehmen die drohenden Geisterspiele fatalistisch: „Fußball ist ja sowieso ein Fernsehsport. Millionen sitzen vor den Fernsehern, Millionen Euro werden durch das Fernsehen verdient.“ Wo ist also das Problem? Machen wir wieder Radiokonferenz.

Blickt man auf die vergangenen Wochen und Tage zurück, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer leert die Stadien zuerst? Die Ultras, die mit beleidigenden Äußerungen den Anstand vergessen und Spielabbrüche provozieren, oder eben Corona, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht und Massenveranstaltungen dafür verantwortlich sein können, dass sich Viruserkrankungen verstärkt ausbreiten. Corona wird die Ultras schlagen, die dann nicht einmal mehr ihre Proteste anbringen können. Der Fußball kann also testen, wie es sich ohne Zuschauer und ohne Stimmung spielt.

Die Frage ist, ob die strengen Maßnahmen der Ministerien und Ämter nicht zu weit greifen und nur die Panik schüren. Da tätigen Menschen Hamsterkäufe, gleichzeitig aber fahren sie dichtgedrängt in der U-Bahn, am Wochenende auch in die Fußballstadien und standen dicht an dicht. Unten auf dem Feld kam es auch zum Körperkontakt, aber nicht vor dem Match. Die Spieler nahmen die Einlaufkinder nicht an die Hand, sondern legten ihnen die Hand auf die Schulter, statt Händeschütteln zur Begrüßung des Gegners gab es einen Ellenbogenkontakt. Abgeklatscht und umarmt wurden nur die eigenen Mitspieler.

Die Bundesliga wird spielen

Die Bundesliga lässt sich vom Coronavirus nicht stoppen, das hat DFL-Geschäftsführer Chrisian Seifert deutlich gemacht. Seinen Worten nach muss die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu ermitteln. Vielleicht wird am Ende auch der Deutsche Meister unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Fans feiern. Alles ist möglich.

So hat der Sport vielleicht auch wieder einmal die Aufgabe, von den großen Problemen der Welt ein wenig abzulenken. Wer also wird Deutscher Meister? Bayern München jedenfalls lässt nicht locker, mit Erleichterung wurde der 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg registriert, ein Gegner, der oft Probleme bereitete und auch jetzt wieder unangenehm war. Aber auch ohne Torjäger Lewandowski bleiben die Bayern auf Kurs mit zuletzt sieben Siegen und dem 0:0 gegen Leipzig. Dortmund drängte sich wieder in die erste Verfolgerrolle mit dem 2:1 im Duell in Gladbach. Positiv wird bei der Borussia registriert, dass mit Haaland und Can genau die richtigen Typen geholt wurden, die der Mannschaft neben Haalands Toren vor allem das Kämpfergen inplantierten. Sprich: Auch schwächere Spiele werden gewonnen, wie es eben Bayern oft vormacht.

Anders sieht es in Leipzig aus, wo zwei Unentschieden die Stimmung trübten. Nicht mehr nach dem Titel schielen, sondern die Teilnahme an der Champions League sichern, sieht Trainer Julian Nagelsmann jetzt als Aufgabe. Das gilt auch in Gladbach und Leverkusen, das sich als Mannschaft der Stunde bezeichnen kann. Da haben inzwischen Schalke, Wolfsburg und Hoffenheim den Anschluss verloren. Dazwischen liegt noch Freiburg mit 36 Zählern, aber dort sieht man einiges anders. Trainer Christian Streich atmet tief durch: „Mit dem Abstieg haben wir nichts mehr zu tun.“ Fast sensationell: Auch Köln sieht es so und schielt mit 32 Punkten und sechs Siegen in den letzten acht Spielen nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben. Na ja, in Köln schwenkt die Stimmung immer schneller um als an anderen Orten.

Im Abstiegskampf selbst treten die Klubs quasi auf der Stelle, ein Glück für Vereine wie Augsburg, Hertha und Frankfurt, die zuletzt zu wenig gepunktet haben und immer auf den Abstand nach unten schauen. Paderborn kann das Schlusslicht nicht abgeben, Bremen schafft die Wende nicht und Düsseldorf kommt auch nicht voran. Gegen Mainz wurde schon die zweite Chance zum Punktesammeln gegen Konkurrenten im Abstiegskampf verpasst, mit Unentschieden kommt man nicht weiter. Nächste Chance Freitag gegen Paderborn.

Geisterspiele international

Eines ist wohl sicher: Geisterspiele werden kommen. „Getestet“ haben am Sonntag Juventus Turin und Inter Mailand, auf dem Spielfeld war es eigentlich wie immer. Erste Erkenntnisse kann Dortmund am Mittwoch in Paris sammeln, dort wurde entschieden, die Zuschauer auszuschließen. Die Champions League geht in dieser Woche weiter und es wird einige Geisterspiele geben, u. a. Valencia – Bergamo. Mal sehen, ob die deutschen Klubs auch ohne Fans ihren Siegeszug fortsetzen können. Dortmund lebt von einem 2:1 im Hinspiel und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft von Thomas Tuchel. Paris konnte sich ausruhen, das Spiel in Straßburg wurde abgesagt. Leipzig muss einen 1:0-Vorsprung gegen Tottenham verteidigen, diesmal würde ein Unentschieden nicht für lange Gesichter sorgen. Die Bayern haben noch Ruhe, treffen erst nächsten Mittwoch, 18. März, auf Chelsea London.

In der Europa League steht jetzt auch das Achtelfinale an, Frankfurt gegen Basel, Wolfsburg gegen Donezk und Leverkusen bei den Glasgow Rangers sollten nicht chancenlos sein. Im Sport stehen die Zeichen gut für die Bundesliga, in Sachen Corona nicht so gut.

Ob es im DFB-Pokal auch Geisterspiele gehen wird? Optimisten hoffen, dass sich die Epidemie bis zum 21./22. April abgeschwächt hat. In Saarbrücken wird allein die Begeisterung auch Corona besiegen, so eben wie Köln und jetzt Düsseldorf. Nun trifft der Viertligist auf Bayer Leverkusen, außerdem erwarten die Bayern den alten Pokal-Kontrahenten Eintracht Frankfurt.

Der Fußball hat auch noch andere Sorgen, Frag nach in Nürnberg, dort haben einer oder mehrere Unbekannte 50 Flyer mit fast schon unverhohlenen Morddrohungen gegen Nürnberger Spieler aufgehängt. Diese Auswüchse sind schlimm und zeigen, dass die Welt wirklich aus den Fugen geraten ist, leider auch der Fußball und deren Anhänger. Geisterspiele passen also zu geistesgestörten Anhängern.

Ultras werden zu Gegnern des Fußballs

Das Frühjahr ist eigentlich die hohe Zeit des Profi-Fußballs, weil in allen Ligen die Entscheidungen anstehen. In diesem Jahr fällt allerdings ein Schatten auf die Highlights, weil Hass und Hetze sich in den Stadien breitgemacht haben. Ausgerechnet Anhänger von Meister München sorgten in Sinsheim beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen die Bayern für einen Tiefpunkt im Fußball, am Ende gab es allerdings auch einen Befreiungsschlag der Spieler, die mit einem Nichtangriffspakt die Begegnung beendeten und den Ultras auf den Rängen mit ihren Hass-Plakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zeigten: Ohne uns, die Grenze ist überschritten. Übrigens: Bei einem Abbruch wäre das 6:0 der Bayern in eine Niederlage umgewandelt worden.

Schon lange wurde das Verhalten von Fans in allen Vereinen, die sich in den Gruppierungen der Ultras zusammengeschlossen haben, kritisiert und mit Sorge beobachtet. Das (unerlaubte) Abbrennen der Pyrotechnik ist für die Ultras so etwas wie ein Machtbeweis. Der Hoffenheimer Milliardär Dietmar Hopp, der als Mäzen die TSG bis in die Bundesliga hievte und sich damit auch einen Lebenstraum erfüllte, wurde als personifizierter Vertreter des Kommerz zur Hassfigur, immer wieder wurde sein Konterfei vor allem von Dortmunds Ultras ins Fadenkreuz genommen. Angebote zu Gesprächen brachten keine Ergebnisse und Fortschritte. Weil es weiterhin zu Hassplakaten kam, urteilte das DFB-Sportgericht, dass Dortmunds Fans als Wiederholungstäter für zwei Spiele in Hoffenheim ausgeschlossen werden. Dies brachte für die verbohrten Ultras das Fass zum Überlaufen. Sie haben ihre eigenen Regeln, halten sich nicht an Bestimmungen und akzeptieren deshalb keine Kollektivstrafe.

Bei den Bundesligaspielen am Wochenende kam es zu gemeinschaftlichen Aktionen. Die Fangruppen hatten sich zusammengeschlossen, in verschiedenen Stadien Hassplakate gegen den Verband und Hopp gezeigt und so Spielabbrüche provoziert. Für Bayern-Boss Rummenigge ist das Ende der Fahnenstange erreicht, Bayern-Fans waren sich hinterher keiner Schuld bewusst, so dass es jetzt absehbar ist: Die Ultras werden zu Gegnern der Vereine. Die Ultras bezeichnen es als absurd, wenn Spiele abgebrochen würden, absurd ist aber, dass sie dem eigenen Verein schaden. Bisher mussten hohe Bußgelder bezahlt werden, künftig könnte es auch Punkte kosten.

Es geht nicht anders: Die Bundesliga muss die Ultras in den Kurven in die Schranken weisen. Zunächst gilt es strafrechtlich gegen die Urheber der Hassplakate und –parolen vorzugehen. Eine Sache der Polizei, die in Mannheim bereits eine Sonderkommission eingerichtet hat. Alle Vereine müssen sich aber einig sein, dass sie bisher gewährte Vergünstigungen für die Ultras streichen müssen, mehr noch, sie müssen hart vorgehen und Täter mit einem lebenslangen Stadionverbot ausschließen. Wenn jetzt nicht ernsthaft Hass und Hetze (auch gegen farbige Spieler) gestoppt wird, wird der Fußball nie zur Ruhe kommen. Er wird an Stimmung in den Stadien verlieren, aber er muss wieder Recht und Ordnung gewinnen. Die Ultras sehen die Stadien dagegen für sich als rechtsfreien Raum an. Das geht nicht!

Manche Fans sehen sich sowieso als die einzigen wirklichen Vertreter der Vereine, zum Beispiel dann, wenn sie Spieler zur Rechenschaft ziehen, wenn diese nicht die gewünschten Leistungen bringen. Wieder geschehen beim Hamburger SV, wo die Spieler sich erdreisteten in Aue 0:3 zu verlieren und somit der Aufstieg in Gefahr gerät. So geschehen bei Schalke 04, als Torhüter Alexander Nübel nach einem Fehler zum Buhmann gemacht wurde. Die Anfeindungen nach seinem verkündeten Wechsel nach der Saison zu den Bayern haben ihm die Nerven und damit die Form geraubt. Eine gewisse Sorte von Fans kennt keine Gnade. Immer gilt: In der Masse sind sie stark, die Menschlichkeit geht verloren.

Zum Sport: Bundesliga und Pokal
Hass und Hetze drängten den Sport leider in den Hintergrund. Fast erstaunlich, Fußball gespielt wurde auch und es war hochinteressant. So wurde die Frage, wie die Bayern ohne Torjäger Robert Lewandowski, der mit einer Knieverletzung vier Wochen ausfällt, zurechtkommen würden geradezu spektakulär in Hoffenheim beantwortet: Nach 15 Minuten stand es 3:0 für die Bayern, ein neuer Bundesliga-Rekord, noch nie führte eine Auswärtsmannschaft so schnell 3:0. Wer Lewandowski ersetzen soll, beantwortete Trainer Hansi Flick mit Nachwuchsmann Joshua Zirkzee, der schon als Joker entscheidende Tore erzielt hatte und jetzt wieder traf. Zum sportlichen Glück kam hinzu, dass Leipzig im Duell der Verfolger gegen Leverkusen nur ein Remis erreichte. Und am Wochenende können die Bayern wieder auf ein Verfolger-Duell schauen: Gladbach gegen Dortmund.

Bemerkenswertes außerdem: Hertha holte in Düsseldorf einen 0:3-Rückstand zur Pause auf und glich noch zum 3:3 aus. Entscheidender Mann in der Kabine soll der Jürgen Klinsmann kritisierte Torhüter Thomas Kraft gewesen sein, der seine Mitspieler aufrüttelte. Andere Spieler haben angeblich an der Taktiktafel das Spiel für die zweite Hälfe verändert. Von Trainer Alexander Nouri hörte man nichts. Die Mannschaft regelt in der Nach-Klinsmann-Zeit wohl alles selbst.

Auf Europas Bühnen wird in dieser Woche pausiert (es gibt nur die Auslosung für die Nations League), dafür tritt der DFB-Pokal in den Vordergrund. Eine englische Woche haben dabei die Bayern, Leverkusen und Frankfurt und alle drei wollen auch diesmal auf der Erfolgswelle bleiben. Die vor Selbstbewusstsein strotzenden Münchner treffen auf ein verunsichertes Schalke 04, Leverkusen auf das immer für Überraschungen gute Union Berlin und die Eintracht misst sich mit Werder Bremen, das nach einem Erfolgserlebnis lechzt. Das für Sonntag vorgesehene Bundesliga-Duell wurde bekanntlich verlegt, weil Frankfurt nach einer Sturm-Absage erst am Freitag in Salzburg spielen konnte. Im vierten Duell will Regionalligist 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf weiter den Hecht im Karpfenteich spielen. Spektakuläre Szenarien für die Zukunft: Union statt Hertha Berliner Klub im Finale im Olympiastadion oder mit Saarbrücken ein Regionalligist oder mit Düsseldorf ein Bundesliga-Absteiger… Alles ist möglich, die Auslosung am Sonntag in der ARD-Sportschau.

Sensationell: In der Champions League und Europa League blieben die Bundesliga-Vertreter im neuen Jahr ungeschlagen. Die Bayern setzten die deutsche Erfolgsserie mit dem starken 3:0 bei Chelsea London fort, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg kamen eine Runde weiter und könnten in dieser Form auch das Achtelfinale der EL überstehen. Frankfurt trifft auf den FC Basel, Wolfsburg auf Donezk und Leverkusen muss bei den Glasgow Rangers antreten. Keine leichten, aber machbare Lose.

Noch eine kleine internationale Anmerkung: Jürgen Klopp musste in einer Woche gleich zweimal mit einer Niederlage leben, beim FC Liverpool zuletzt vollkommen ungewohnt. In der Champions League lässt das 0:1 bei Atletico Madrid noch alle Möglichkeiten für das Rückspiel, in der Premier League bedeute das 0:3 beim Abstiegskandidaten FC Watford das Ende einer unglaublichen Erfolgsserie von 44 Spielen ohne Niederlage. Die letzten 18 Spiele hatten die Reds alle gewonnen und damit die Rekordserie von Manchester City eingestellt. Ein neuen Rekord gab es für Jürgen Klopp also nicht, doch den Titel wird er kaum verspielen, bei immer noch 22 Punkten Vorsprung und nur noch zehn Spieltagen.