Harry Kane und Co. – Bundesliga-Spieltag der Rekorde
In der Champions League sorgte die Fußball-Bundesliga für Aufsehen, stellt mit Eintracht Frankfurt nach dem 5:1 gegen Galatarasay Istanbul sogar zum Auftakt den Tabellenführer. Alle vier Teams blieben ungeschlagen, Bayern München glänzte mit einem 3:1 gegen Klub-Weltmeister Chelsea London und bewies, dass es auch große Klubs schlagen kann. Leverkusen (2:2 in Kopenhagen) und Dortmund (4:4 bei Juventus Turin nach 4:2-Führung) waren zwar nicht ganz glücklich, blieben aber immerhin ungeschlagen. Das hat Eindruck gemacht.
An ihrem 4. Spieltag haben die Bundesligisten nachgelegt. Im Mittelpunkt Meister Bayern München und Torjäger Harry Kane. Der Engländer wird zum Rekordmann, erzielte in zwei Jahren schon 70 Tore in 67 Spielen und jagt Bestleistungen von Cristiano Ronaldo und Erling Haaland, die bei ihren neuen Vereinen jeweils 100 Tore in 105 Spielen erzielten. Harry Kane ist nach dem Hattrick gegen Hoffenheim bei Nummer 98 und das in 103 Spielen. Drei Treffer gegen Bremen und bei Pafos SC auf Zypern (30.) könnten möglich sein. Ein Bundesliga-Rekord wird ihm so schnell niemand nehmen, er verwandelte seinen 17. Elfmeter in Folge. Vor allem wegen seiner Tore legten die Bayern einen Rekord-Start hin, zwölf Punkte, 18 Tore und eine Differenz von +15 gab es noch nie! Aber Kane ist nicht der alleinige Rekordmann, Freiburgs Torhüter Noah Atubolu hielt beim 3:0 in Bremen den fünften Elfmeter in Serie, auch das gab es noch nie! Es gibt außerdem noch einen Elfmeter-Helden, St. Pauli Keeper Nikola Vasilj hat einen Elfer vom Stuttgarter Stiller gehalten, das war Nummer sechs von sieben, ergibt eine Erfolgsquote von 86 Prozent – Rekord!
Freiburg dürfte der Erfolg rechtzeitig Auftrieb gegeben haben, nachdem der Start in die neue Saison etwas holprig verlief. Jetzt steht nämlich die zusätzliche Aufgabe an, diese Woche gehört international der Europa League und da erwartet Freiburg am Mittwoch (21 Uhr) quasi den Nachbarn aus der Schweiz, Meister FC Basel, mit bekannten Bundesliga-Gesichtern: Trainer ist Ludovic Magnin, Kopf der Mannschaft Xherdan Shaqiri. Die Schweizer erlebten allerdings keinen Auftrieb, sie benötigten im Pokal gegen den Zweitligisten Carouge ein Elfmeterschießen zum Weiterkommen. Auftrieb hat übrigens auch der VfB Stuttgart, der gegen St. Pauli trotz des Elfer-Fehlschusses 2:0 siegte und am Donnerstag (21 Uhr) ebenfalls ein Heimspiel gegen die Spanier von Celta Vigo hat. Beide BL-Vertreter sollten wie ihre Kollegen auf der Erfolgsschiene bleiben.
Zurück zu Harry Kane und die Bundesliga. Der Engländer ist nicht nur ein sicherer Strafstoßschütze, sondern trifft auch aus besonderen Situationen. Beim 4:1-Sieg stellte ein einstudierter Eckball die Weichen auf Sieg. Ausgerechnet der 17-jährige Lennart Karl (zweitjüngster BL-Spieler der Bayern nach Tel) brachte den Ball flach in die Mitte, Kane lief von hinten an der Abwehr vorbei und traf prompt. Gute Idee. Es muss also nicht immer Joshua Kimmich die Eckbälle schießen. Der war zu der Zeit so wie auch Olise, Gnabry und Upomecano noch auf der Bank, Trainer Vincent Kompany traute sich was und setzte die Rotationsmaschine in Gang. Ging nicht schief, vor allem Kim wurde zum Gewinner mit einer starken Leistung, Neuzugang Jackson konnte sich dagegen nicht in Szene setzen. Was die anderen CL-Klubs angeht, waren sie nicht so gut wie die Bayern. Nur Dortmund siegte ziemlich mühsam 1:0 gegen Wolfsburg und Bayern-Jäger Nummer 1, Leverkusen schenkte Gladbach das erste Saisontor und einen Punkt, Frankfurt erlebte gegen einen entfesselten Burke von Union Berlin mit der 3:4-Niederlage einen Rückschlag. Es ist halt schwierig auf allen Feldern erfolgreich zu sein.
Erfolgreich in der Bundesliga ist wieder der Hamburger SV. Im Kellerduell gegen Heidenheim gelang endlich das erste Tor und der erste Sieg, Statistiker rechneten aus, dass es bis dahin genau 2688 Tage gedauert hat. Das 2:1 lässt Hoffnung aufkommen, muss aber mit Vorsicht gesehen werden, denn Heidenheim vergab viele Chancen. „Wir hätten als Sieger vom Platz gehen müssen“, ärgerte sich Rekordtrainer Frank Schmidt. 18 Jahre arbeitet er schon an der Ostalb, in der Zeit hatte der HSV 26 Trainer! Das nächste Kellerduell steht für Schmidt an, der FC Augsburg kommt am Samstag und dort erlebt der mit viel Vorschusslorbeeren gestartete Ex-Nagelmann-Assistent Sandro Wagner wie hart das Bundesliga-Geschäft ist. Der FCA erlebte gegen ein entfesseltes Mainz 05 ein 1:4-Debakel, fabrizierte viele Fehler. Und das, obwohl der Gegner lange Zeit mit einem Mann weniger spielen musste. Dominik Kohr holte sich zuerst seine 100. Gelbe Karte ab und erhielt später Gelb-Rot, flog damit zum achten Mal vorzeitig vom Platz – Rekord von Jens Nowotny und Luiz Gustavo eingestellt. Ein Rekord-Spieltag halt. Die Augsburger und Sandro Wagner stehen aber mit dem Rücken zur Wand. Nur ein Sieg kann die Stimmung retten, vor der Länderspielpause kommt noch Wolfsburg nach Schwaben. Bleibt noch der RB Leipzig, der erlebte zum Start sein Waterloo beim 0:6 in München, gewann danach aber alle drei Spiele, jetzt 3:1 gegen Köln, und schwang sich damit zu einem Bayern-Verfolger auf (Platz 3).
Dämpfer für die Bayern-Frauen
Langeweile war in der Frauen-Bundesliga befürchtet worden, Titelverteidiger Bayern München schien unantastbar. Ausgerechnet Abstiegskandidat Carl-Zeiss Jena bewies nun das Gegenteil und erkämpfte sich im Campus ein 0:0 gegen den Favoriten, der allerdings leichtfertig mit seinen Chancen umging. Aber damit ist es eng an der Tabellenspitze, mit Freiburg, München, Bremen und Wolfsburg liegen vier Mannschaften gleichauf. Besser machen möchten es die Bayern-Mädchen am Dienstag, wenn im nächsten Heimspiel die Freiburgerinnen gastieren. Die haben aber den Münchnerinnen schon oft das Leben schwer gemacht, im letzten Jahr hieß es 3:1 und 2:2. Da Wolfsburg am Mittwoch Bremen erwartet, ist das Führungsquartett unter sich. Ein historisches Ereignis feierte Aufsteiger Union Berlin, gegen Essen gelang vor 7184 Zuschauern mit 2:0 der erste Bundesliga-Sieg.
International wurden die Weichen für die neuen Wettbewerbe gestellt. Eintracht Frankfurt musste aber gleich einen Dämpfer hinnehmen, denn mit Niederlagen von 1:2 und 0:3 gegen Real Madrid gelang der Sprung in die Champions League nicht. Die Eintracht darf aber im Women’s Europa Cup weitermachen und trifft in der 2. Qualifikationsrunde auf Tschechiens Vertreter 1. FC Slovacko. Im Vorjahr gab es einen 1:0-Sieg.
In der Champions League spielen auch die Frauen jetzt mit einem Ligensystem wie die Männer. Insgesamt gibt es für Bayern München und den VfL Wolfsburg sechs Spiele, wobei die deutschen Vertreter durchgehend schwere Gegner zugelost bekommen. Bayern trifft auf den FC Barcelona, Juventus Turin, FC Arsenal, Paris St Germain, Atletico Madrid und Valerenga. Wolfsburg tritt gegen Paris St. Germain, Valerenga, Lyon, ManUnited, Real Madrid und FC Chelsea an.
Die Leichtathletik lebt
Mit Paukenschlägen ging die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Tokio für die deutsche Mannschaft zu Ende. Zehnkämpfer Leo Neugebauer holte mit einer Energieleistung Gold und kürte sich damit zum „König der Ahtleten“. Beim letzten Wettbewerb, den 1500 m, ging er schier über seine Grenzen und wurde sogar in den Rollstuhl gesetzt. Danach schaffte auch die 4x100m-Staffel der Frauen eine Überraschung und holte sich wie schon in Eugene 2022 und vor einem Jahr bei Olympia in Paris die Bronzemedaille, die Gina Lückenkemper in einem fulminanten Schlussspurt noch heraus lief. Bei Regen hatten vorher Sina Mayer, Rebekka Haase und Sophia Junk die Basis gelegt. Die Mädchen scherzten „wir haben extra nicht immer aufgegessen, damit es regnet.“
Damit schnitt Deutschland wesentlich besser ab als bei der letzten WM, als der DLV leer ausging. Diesmal gab es immerhin fünf Medaillen, die Zukunft wird wieder rosiger gesehen und Gina Lückenkemper stellte fest „Die Leichtathletik lebt“!