Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Jürgen Klopp als Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn

Manche reagierten vielleicht mit Schadenfreude auf das Ergebnis, Jürgen Klopp aber nahm das Ergebnis eher mit Schrecken zur Kenntnis. Was war passiert: Im FA Cup in Englands Fußball reichte es für Champions-League-Sieger FC Liverpool nur zu einem 2:2 beim Drittligisten Shrewsbury Town – und das nach einer 2:0-Führung. So etwas ist auch anderen Favoriten schon passiert, doch Klopp hat es zum Teil selbst verursacht. Der Trainer stellte nicht sein stärkste Elf auf, sondern eher ein B-Team, was allerdings gegen einen Drittligisten auch reichen sollte. Tat es nicht und so hat der beste Trainer der Welt nun ein Problem: In England gibt es kein Elfmeterschießen sondern ein Wiederholungsspiel. Und das wurde genau in die erstmals eingeführte Winterpause gelegt.

Kein Wunder, dass der deutsche Trainer auf die Barrikaden ging, Klopp reagierte auf seine Art: Er kündigte für das Wiederholungsspiel den Einsatz der zweiten Mannschaft an, also eine Aufgabe für das C-Team. Klopp sieht seine Bemühungen um eine Schonung der sich im Dauerstress befindlichen Stammspieler konterkariert. Schonung ist nicht angesagt, wenn es zusätzliche Termine gibt und so wird Klopp zum Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn: „Die Termine wuchern aus, keiner denkt mehr an die Gesundheit der Spieler,“ wettert er. Der Trainer muss es tun, schließlich wird er die Ziele Liverpools mit müden Spielern kaum erreichen, da könnte selbst der gigantische Vorsprung von 16 Punkten auf Manchester City in der Premier League nicht mehr reichen. Und der erste Titelgewinn nach 30 Jahren Wartezeit ist das erklärte Ziel, da spielt der FA Cup nur eine untergeordnete Rolle.

Der FC Liverpool war schon einmal Leidtragender des Termin-Wahnsinns, als die Mannschaft nämlich im Liga-Cup antreten musste, obwohl sie tags darauf Europa bei der Klub-Weltmeisterschaft in Katar vertreten musste. Liverpool schied mit einer C-Elf im Liga-Cup aus, wurde aber Klub-Weltmeister. Jetzt soll die wichtige Erholungszeit unterbrochen werden, Liverpool hat vom 2. bis 14. Februar spielfrei. Erstmals hat die Premier League eine variable Pause für alle Klubs eingeführt, weil eben geklagt wurde, dass die englischen Klubs in den entscheidenden Wochen im Frühjahr meist müde sind, weil sie an Weihnachten durchspielen müssen, während sich die Konkurrenz in Europa eine Winterpause genehmigt. Verständlich, dass sich ein Trainer diese notwendige Pause nicht zunichte machen lassen will. Für Klopp gibt es kein zurück: „Ich habe den Spielern schon freigegeben.“

Es sind geldgierige Funktionäre und Manager, die mit dem Fußball Gewinn machen wollen, die für einen überbordenden Terminkalender sorgen. Der nächste Wahnsinn ist schon im Gespräch. So wird schon die Klub-Weltmeisterschaft auf 24 Vereine aufgebläht und sie wird künftig im Sommer vor jeder Weltmeisterschaft gespielt, erstmals 2021 in China. Erholungspause im Sommer? Fehlanzeige! Dazu passt der neueste Plan, der publik wurde: US-Milliardär Ross will die besten Vereine Europas zur „Champions League on tour“ nach Amerika holen, wo bisher schon der „Champions Cup“ im Sommer ausgespielt wurde und es 100 Millionen Dollar zu verdienen gab. Nur wurde der von Klubs wie Manchester City, Juventus Turin oder Bayern München nur als lockerer Vergleich im Rahmen der Saison-Vorbereitung gesehen. Strapaziös durch die Reisen, aber lukrativ. Jetzt soll der Cup unter dem Dach der FIFA einen offiziellen Anstrich bekommen und erweitert werden. FIFA-Boss Gianni Infantino ist natürlich sofort Feuer und Flamme: Mehr Spiele, mehr Geld. Die Gesundheit der Spieler steht im Hintergrund, kein Sommer mehr zur Erholung? Wo soll der Termin-Wahnsinn noch hinführen?

Beim Fußball ist es pure Geldgier, doch mit dem Termin-Wahnsinn steht der Fußball nicht allein da. Im Handball kennt man ähnliches, doch da spielt nicht das Geld die große Rolle, sondern eher ein Streit zwischen dem europäischen Verband und den nationalen Ligen. So musste ein Handball-Bundesligist an zwei Tagen hintereinander in der Bundesliga und im Europacup antreten, weil der europäische Verband auf die Bundesliga keine Rücksicht nahm. Auch hier spielte national das B-Team. Geht nicht anders. Eine Terminhetze erlebt die Handball-Nationalmannschaft ausgerechnet auch bei der so wichtigen Olympia-Qualifikation. Drei Spiele in drei Tagen müssen vom 17. bis 19. April absolviert werden, die Gegner sind dabei in dieser Reihenfolge Schweden, Slowenien und Algerien. Da gibt es für Deutschland kein Einspielen, da muss die Mannschaft von Beginn an funktionieren, schließlich dürfen nur zwei Teams nach Tokio. Wer müde ist, hat schon verloren. Es scheint, es bedarf noch weiterer Vorkämpfer gegen den Termin-Wahnsinn im Sport.

Ende der Spekulationen, aber die Unruhe bleibt

Am 31. Januar endet die zweite Wechselfrist im Fußball, „endlich“ werden viele sagen, die die Nase voll haben von den ständigen Gerüchten und Spekulationen um Spielerwechsel. Leider, werden die Vereinsmanager sagen, die mit ihren Verhandlungen noch nicht zum Ziel gekommen sind. Zwiegespalten sind die Trainer, die einen sind froh, dass endlich Ruhe herrscht und keine Unsicherheit mehr im Kader, die anderen hadern, weil ihr Team nicht so verstärkt werden konnte, wie sie es gern hätten. Und die Fußball-Fans? Die können sich auf eines verlassen: Das Ende der Spekulationen ist am Freitag zwar gekommen, aber die Unruhe bleibt. Dies machte auch der zweite Rückrunden-Spieltag der Bundesliga deutlich.

Spekulationen um Spieler wird es weiterhin geben, denn der nächste Sommer kommt bestimmt und damit erneut Änderungen in der Mannschaft. Nehmen wir nur Bayern München als Beispiel und den „Fall Coutinho“. Der Brasilianer gilt als Ballzauberer und Vorlagengeber, Torjäger Robert Lewandowski freute sich auf einen Zulieferer, der ihm zur Torjägerkanone verhelfen könnte. Aber bisher gab es nur wenige Lichtblicke, selten blitzte das Können des begnadeten Technikers wirklich auf. So bleibt die Unruhe, ob die Leihe verlängert werden soll oder nicht, wohl bis zum Sommer. Es sei denn, die Bayern halten ihre derzeitige Form, Thiago und Goretzka trumpfen weiter auf wie zuletzt, dann hat sich das Thema nämlich erledigt: An dem Mittelfeld mit Kimmich, Thiago und Goretzka kommt Coutinho nicht vorbei, sie sind die Basis des Super-Starts in die Rückrunde mit einem 4:0 bei der Hertha und dem 5:0 gegen Schalke. Das waren Ausrufezeichen! Und der Gewinner heißt außerdem Hansi Flick, der Coach. Viele sehen ihn auf den Spuren von Jupp Heynckes. Dabei sollte man auch Co-Trainer Hermann Gerland nicht vergessen.

Einiges von den Bayern vermisst Trainer Julian Nagelsmann bei seinen Leipziger Schützlingen. Der 32-Jährige Jungtrainer sah bei seiner Mannschaft bei der 0:2-Niederlage in Frankfurt nicht die Gier nach dem Titel, wie sie die Bayern an den Tag legen und faltete seine Spieler zusammen. „Wir sind nicht so gut, wie wir alle sein wollen“, moserte er und bemängelte vor allem schlechte Trainingsleistungen. Ein überraschender Wachrüttler, sind doch die Bullen Tabellenführer, blieben erstmals in dieser Saison ohne eigenen Treffer und haben eine Serie von neun Ligaspielen ohne Niederlage hinter sich. Nagelsmanns Weckruf soll wohl Muntermacher für die nächsten Aufgaben sein. Wie wach seine Mannschaft geworden ist, wird sich am Samstag gegen den Dritten Gladbach zeigen und am Sonntag, 9. Februar, bei den Bayern. Zwei Spiele, die den Weg weisen. Nach Nagelsmann Worten entweder zum Gipfelkreuz oder es geht an den Abstieg vom Gipfel.

Es könnte ja sein, dass Leipzigs Stars dem ungewohnten Druck mit der Aussicht auf die Meisterschaft nicht standhalten. Ein Druck, den die Bayern nicht als Druck kennen und der sie anstachelt. Ein Druck, den Fußball-Profis aushalten sollten, was aber nicht jedem gelingt. So war wohl auch der Druck für den jungen Schalker Torhüter Markus Schubert zu groß. Der U21-Nationaltorhüter patzte zweimal bei den Bayern, lud zu Toren ein und so gelangten einige Super-Paraden in den Hintergrund. Schubert bestand die Bewährungsprobe im Zweikampf um den Platz im Tor mit dem wechselwilligen Alexander Nübel nicht. Der zuletzt gesperrte Keeper sieht seine Zukunft künftig bei den Bayern und fordert dort Platzhirsch Manuel Neuer heraus, während er in der Rückrunde sehen muss, ob Schalkes Trainer David Wagner ihm noch vertraut oder schon auf die Zukunftslösung Schubert setzt. Allerdings geht es bei den Vereinen um den aktuelle Erfolg und da hat Schubert den Konkurrenten in die Pole Position gebracht: Was die reine Torhüterarbeit angeht, mag Schubert nicht schlechter sein, aber Nübel hat die weitaus größere Ausstrahlung und sorgt eher für Sicherheit bei seinen Vorderleuten. Das wurde in München deutlich.

Der Kampf um den Titel bleibt heiß, der Abstiegskampf ebenso und unversehens sehen sich da wieder Mannschaften verstrickt, die sich schon ins Mittelfeld abgesetzt hatten. Der FC Augsburg zum Beispiel, der zuletzt drei Niederlagen in Folge hinnehmen musste. Die schöne Zeit des Erfolgs ist Vergangenheit, jetzt lebt man von dieser Punktesammlung (davor drei Siege in Folge und sechs Spiele ohne Niederlage). Ausruhen geht nicht, es wird wieder ernst, vor allem am Samstag gegen Werder Bremen. Gewinnt der FCA, gewinnt er auch Ruhe und stürzt Werder endgültig ins Chaos, gewinnt Werder ist Augsburg wieder mittendrin im Abstiegskampf. Den hat auch Paderborn belebt und mischt ernsthaft mit, während Düsseldorf ans Tabellenende stürzte. Jetzt fliegen dort die Funken rund um Trainer Friedhelm Funkel. Steht er durch ein Ultimatum unter Druck oder nicht?

Es ist so, die Spekulationen um Spielerwechsel enden, die Unruhe nicht.

Sonderrolle für die 2. Bundesliga

Die 2. Bundesliga giert immer nach Gelegenheiten, um den Schatten des Oberhauses zu entfleuchen. Das gelingt vor der Saison mit einem Frühstart und ein bisschen auch beim Start ins neue Jahr, indem nämlich die Rückrunde mit dem 19. Spieltag unter der Woche mit Spielen von Dienstag bis Donnerstag fortgesetzt wird. Zur Erinnerung: Tabellenführer ist überraschend Arminia Bielefeld (34 Punkte) vor den eigentlichen Favoriten Hamburger SV und VfB Stuttgart (je 31) und Außenseiter FC Heidenheim (30). Schlusslicht ist ähnlich überraschend Dynamo Dresden (13) mit schon vier Punkten Rückstand auf Wehen Wiesbaden (17), davor der 1. FC Nürnberg (!!!/19) und Karlsruhe sowie Bochum (je 20).

Die zweite Liga ist durch zahlreiche Ex-Bundesligisten und Traditionsvereine durchaus attraktiv, dennoch drängt es alle nach oben, weil es im Oberhaus wesentlich mehr Geld zu verdienen gibt. Schulden in der zweiten Liga, Gewinn in der ersten darf durchaus als Regel bezeichnet werden. Das setzt sich auch bei der Schnittstelle zur 3. Liga fort.

Wer also aus der Bundesliga absteigt, der reduziert oft nicht seinen Etat wesentlich, sondern der will mit aller Macht wieder nach oben, was manchmal auch schiefgeht und sogar zum absoluten Absturz führt. Das gilt derzeit für zwei Bundesliga-Absteiger, den 1. FC Nürnberg und Hannover 96, das nur unwesentlich besser dasteht und eher durch Chaos im Verein auffällt. Einzig der VfB Stuttgart darf am Wiederaufstieg schnuppern, versucht ihn auch mit aller Macht mit dem neuen Trainer Pellegrino Matarazzo, der bisher allerdings nur im Nachwuchs tätig war, aber einen prominenten Fürsprecher hat: Julian Nagelsmann. Der HSV wiederum vertraut Coach Dieter Hecking und ist beim Wiederaufstieg schon ein Jahr im Verzug. Mit Beyer (Gladbach), Schaub (Köln) und jetzt noch Stürmer Pohjanpalo (Leverkusen) dürften sich die Hanseaten sinnvoll verstärkt haben. Spitzenreiter Bielefeld spürt den Atem der Verfolger und die Frage lautet: Hält die Arminia durch?

Die 2. Bundesliga wird so die attraktivste zweite Liga in Europa bleiben. Aber Achtung, Unruhe gibt es auch im Unterhaus.

Die Spieler müssen Disziplin lernen

Der Bundesliga-Start hatte es in sich, spektakuläre Spiele und sehenswerte Tore, dazu mit Erling Haaland ein neuer Star, Fußball-Herz, was willst Du mehr. Allerdings gab es auch sofort wieder Begleiterscheinungen, die wir auf dem Fußballplatz nicht sehen wollen und denen der Kampf angesagt wird. Gegen Rudelbildung und auswuchernde Proteste der Spieler gegen Schiedsrichter-Entscheidungen soll energisch vorgegangen werden, als Erziehungsmaßnahme wird die Gelbe Karte gezückt. Das schmeckt nicht jedem, ist aber notwendig und eine Entscheidung für die Zukunft, die den Fußball sehenswerter machen soll. Es ist ganz einfach: Die Spieler müssen Disziplin lernen.

Es war offensichtlich, dass die Schiedsrichter in allen Stadien schneller die Gelbe Karten wegen Unsportlichkeiten zückten. Die Referees selbst gaben hinterher zu, dass sie in der Vorrunde bei manchen Vergehen die Karte noch nicht gezückt hätten. Dem DFB ist aber daran gelegen, das Erscheinungsbild zu verbessern, weil die Bundesliga auch Vorbild für die Amateure ist und es dort bereits zahlreiche Übergriffe bzw. sogar Gewalttätigkeiten gegen Unparteiische gegeben hat. Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich bekannte, dass dies das Hauptargument dafür war, die Regel während der Saison zu verschärfen. Die Winterpause war ja sicherlich kein ganz schlechter Zeitpunkt, umso unverständlicher, dass manche Trainer und Manager dies kritisieren.

Besonders gravierend war eine Szene in Düsseldorf, als Werders Spieler Vogt in der Nachspielzeit vom eigenen Torhüter ins Reich der Träume geschickt wurde. Zum Glück erlitt er nur eine Gehirnerschütterung, aber die allgemeine Aufregung bei diesem Zusammenprall mehrerer Spieler war groß. Es war der alte Reflex: Bevor sich selbst die eigenen Spieler um ihren am Boden liegenden Mann kümmerten, bestürmten sie Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Der zückte gegen Bremens Kapitän Niklas Moisander als Rädelsführer die Gelbe Karte, was in seinem Fall, weil es die zweite war, sogar Gelb-Rot bedeutete. Das verstärkte die Aufregung. Dr. Brych sagte in der Fachzeitung kicker u. a. zur Rudelbildung: „Wir sind uns einig, dass der Fußball solche Szenen nicht will.“ Außerdem hofft er: „Ich würde mich freuen, wenn wir Unterstützung bei dem konsequenten Vorgehen gegen Unsportlichkeiten in der Bundesliga erfahren würden.“ Gerade im Hinblick auf die Vorbildfunktion sollten Trainer und Manager nicht die Unparteiischen im Auge haben, sondern ihre eigenen Spieler gemäß dem Motto „fair geht vor, Anstand geht vor“. Bremen bangt um Vogt, freute sich aber über den 1:0-Sieg und das Ende der Tristesse.

Wenden wir uns den erfreulichen Dingen zu, den sportlichen Highlights beim Rückrunden-Auftakt. Der Star war natürlich der 19-Jährige Norweger Erling Haaland, der beim 5:3-Sieg Dortmunds in Augsburg in der 56. Minute eingewechselt wurde und gleich bei seiner Bundesliga-Premiere zum Retter avisierte. Der FCA führte 3:1, verblüffte die Borussia mit schnellen Kontern und verlor dann gegen die Urgewalt des Wikingers die Übersicht. Haaland schlug in der 59. Minute erstmals zu und bis zur 79. Minute machte er mit drei Treffern und Sancho aus dem 1:3 ein 5:3. Dortmund hat einen neuen Hoffnungsträger, einst war dies der Spanier Alcacer, doch der darf gehen, von dem spricht keiner mehr. Lustig: Auch er hatte schon mal drei Tore gegen Augsburg erzielt, ebenso wie Robert Lewandowski. Haaland schaffte eine Wiederholung des Einstandes von Aubemayang, der einstige Dortmunder Torjäger feierte auch in Augsburg seine Premiere mit drei Toren! Der FCA hat aber wichtigere Spiele vor sich: Bei Union Berlin und gegen Werder Bremen. Dafür sollte er die Leistung der ersten Stunde abrufen – Siege garantiert.

Leipzig lässt sich an der Spitze nicht beirren (letzte Niederlage am 9. Spieltag) und brachte so die Bayern in Zugzwang. Deren Aufgabe bei der Hertha schien schwierig zu sein, schließlich waren die Berliner unter ihrem neuen Coach Jürgen Klinsmann zuletzt viermal ungeschlagen geblieben. Nach dem Theater um seine Trainerlizenz durfte Klinsmann coachen und hoffte mit seiner „Berliner Mauer“ wenigstens auf einen Zähler. Die Bayern mühten sich bis in die zweite Halbzeit hinein, bis die Berliner müde gespielt waren und die Mauer bröckelte. Das 4:0 war lange Zeit nicht vorherzusehen. Den ersten Stein brach Thomas Müller heraus und er droht der Konkurrenz: „Wir sind immer da, wenn es um etwas geht.“ Nebenbei feierte Müller ein Jubiläum, seinen 250. Skorerpunkt in der Bundesliga (113 Tore, 137 Vorlagen). Da spielten auch die Personalsorgen keine Rolle mehr und Trainer Hansi Flick ließ sogar den Nachwuchs von der Leine. Was auffiel: Den eigentlichen Flügelflitzer Davies, der jetzt als linker Verteidiger glänzt, ersetzte er durch den Außenstürmer der Bayern II, Dajaku. Der soll wohl einen Geschmack bekommen, was ihm blüht, wenn Verteidiger ausfallen. Vielleicht sieht ihn Flick als Zukunftslösung auf Rechts.

Der Verlierer des Wochenendes war Borussia Mönchengladbach mit der 0:2-Niederlage bei Schalke 04. So rückte Bayern vor auf Platz zwei und das Feld enger zusammen. Schalke bleibt im Aufwind und hatte den Sieg vor allem einem Neuzugang zu verdanken, dem Österreicher Michael Gregoritsch. In Augsburg moserte er über mangelnde Einsatzzeiten, wollte kategorisch weg und wurde nach Schalke verliehen. So ist der Fußball: Bei einem Verein pfui, beim anderen hui – gerade wie es den Spielern gefällt. Schalke ist seit vier Spielen unbesiegt (davon zwei Remis), am Samstag (18.30 Uhr) folgt das Schlagerspiel bei den Bayern. Die aber haben sogar viermal in Folge gewonnen!

Diese Bilanz weist nur noch ein Verein auf – der 1. FC Köln! Mit vier Siegen raus aus der Abstiegszone, aber immer noch im Abstiegskampf. Aber jetzt wird schon mal gefeiert wie im Karneval und Trainer Markus Gisdol ist der Held. Die Serie könnte allerdings enden, am Freitag in Dortmund und gegen Erling Haaland. Oder hat der schon sein Pulver verschossen? Wie auch immer, die Bundesliga hatte einen guten Start ins neue Jahr und macht Lust auf mehr. Und wenn jetzt noch mehr Disziplin dazu kommt…

Bundesliga-Start: Alles spricht für Leipzig

Neues Jahr, neues Glück, neues oder vielleicht altes Interesse an der Fußball-Bundesliga. Am Freitag geht es wieder los mit dem Schlagerspiel Schalke 04 – Borussia Mönchengladbach, Fünfter (30 Punkte) gegen Zweiter (35), und alle Fans können im Free-TV zuschauen, das ZDF überträgt live. Die Winterpause, eigentlich nur eine Weihnachtspause, war kurz (aber lang genug), die Vorfreude ist groß und die Spannung steigt. Die Trainingslager und Testspiele haben mehr Rätsel aufgegeben, als dass sie Erkenntnisse gebracht hätten. Ein Problem haben fast alle Mannschaften, sie sind nicht komplett, leiden unter Verletzungen.

Dies könnte auch den Kampf um den Titel beeinflussen, weil Titelverteidiger Bayern München eher einem Krankenlager gleicht als einem Meister-Team. Trainer Hansi Flick, der darum kämpft, zu beweisen, dass er auch nach dem Sommer der richtige Coach wäre, hat vorsorglich nur ein kurzfristiges Ziel ausgegeben: „Wir müssen die ersten Spiele irgendwie überstehen.“ Martinez, Hernandez, Coman und wohl auch Gnabry fehlen verletzt, Kimmich ist beim Start am Sonntag bei Jürgen Klinsmanns wieder erstarkten Hertha gelb-gesperrt, der Kader insgesamt zu klein. Die Hoffnungen ruhen auf Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Leistenoperation punktgenau wieder fit sein soll, und Jung-Vater Thiago. Daneben gibt es aber zudem Unruhe im Verein, so fordert der Trainer Neuzugänge im Winter für den knappen Kader, Sportdirektor Salihamidzic wiegelt ab, „im Winter ist nichts auf dem Markt“. Dazu gibt es jetzt schon Diskussionen um Sommer-Neuzugang Alexander Nübel, eigentlich ein sinnvoller Einkauf, nur der Zeitpunkt gegenüber Torhüter-Platzhirsch Manuel Neuer ist problematisch. Dazu kam im einzigen Test eine 2:5-Niederlage in Nürnberg, die Stammbesetzung schaffte dabei nur ein 1:1, die Nachwuchskräfte gingen unter. Keine guten Voraussetzungen für den Ausbau des Titel-Rekords von sieben auf acht.

Wie heißt es immer so schön bei Bayerns Konkurrenten: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Nun schwächeln sie offensichtlich, doch wer ist da? Alles spricht eigentlich für Halbzeitmeister RB Leipzig, der immerhin vier Punkte Vorsprung auf die Bayern hat und nicht den Anschein macht, dass er sich eine Krise nehmen will. Spieler und Neu-Trainer Julian Nagelsmann sind ehrgeizig und propagieren das Ziel „wir wollen vorne bleiben“. Zwei Fragezeichen: Nagelsmann spielte mit Hoffenheim oft eine schwächere Rückrunde und außerdem, wie werden die Spieler mit dem ungewohnten Druck fertig, wenn es wirklich um die Wurst geht? Die Bayern kennen das. Schon am 4. Spieltag der Rückrunde, am Sonntag, 9. Februar (18.00 Uhr), kommt es zum großen Duell Bayern – Leipzig. In der Hinrunde gab es ein 1:1 mit Vorteilen für die Münchner.

Im Titelkampf können sich natürlich auch Gladbach und Dortmund melden, nach dem Motto „wir sind auch noch da“. Die Gladbacher bleiben aber eher bescheiden, würden den Titel gerne mitnehmen, schielen aber nach der erfolgreichen Vorrunde mit Platz zwei eher wenigstens auf einen Platz für die Champions League und wollen diesen gegen die Mitkonkurrenten Schalke und Leverkusen verteidigen. Borussia Dortmund hat das Ziel Meisterschaft noch nicht aufgegeben, verzweifelt aber an der fehlenden Konstanz der Mannschaft. Vor allem gegen auf dem Papier schwächere Teams wurden Punkte abgegeben. Ändert sich das nicht, ist Dortmund nicht meisterschaftsreif. Gleich der Auftakt ist so eine Prüfung, nämlich in Augsburg, das man in der Hinrunde 5:1 geschlagen hat, doch der FCA hat sich geändert.

Apropos Augsburg, die Mannschaft hat eine erstaunliche Wandlung durchgemacht und sich eigentlich aus dem Abstiegskampf verabschiedet, aber das Tabellenende ist nicht so weit weg, so dass der Klassenerhalt das vorrangige Ziel der bayerischen Schwaben bleibt. Da sollte der Start nicht so holprig sein wie in der Hinrunde mit Niederlagen in Dortmund und Bremen und nur einem 1:1 gegen Neuling Union Berlin. Aber Bremen und Union sind schon Schlüsselspiele, um den Abstand nach unten zu wahren.

Ja, Schlüsselspiele gibt es gleich zum Start der Rückrunde, obwohl natürlich noch 17 Spieltage anstehen. Aber wer am Anfang verliert, dem gehen nicht nur Punkte ab, sondern der muss auch gegen Unruhe im Verein kämpfen. Siehe Bremen, das eigentlich eher auf die Europa League schielte, sich jetzt aber auf einem Abstiegsplatz wiederfindet. Das Verletzungspech hatte zugeschlagen, Besserung ist jedoch in Sicht und Neuzugang Kevin Vogt aus Hoffenheim soll der dringend gesuchte Stabilisator der Abwehr sein. Schon der Auftakt am Samstag in Düsseldorf ist ein Schlüsselspiel – für beide Teams, schließlich spielt der 16. gegen den 17., die Fortuna hat gerade mal einen Zähler mehr als Werder. Schlüsselspiele haben natürlich auch Köln (17 Punkte) und Mainz (18), die davor platziert sind. Beide Klubs werden mit Schrecken an den Start der Bundesliga zurückdenken, denn es begann mit zwei Niederlagen.

Zweifellos gibt es in der Bundesliga mehr Sorgenkinder als glückliche Vereine. Wer unten steht, hat natürlich Sorgen, Hertha hofft mit Klinsmann die Trendwende geschafft zu haben, Frankfurt will das Ziel Europa League nicht aus den Augen verlieren und zu alter Stärke zurückfinden. Glücklich sind eher Aufsteiger Union Berlin und Freiburg mit Plätzen im Mittelfeld, doch die Verunsicherung bleibt, weil beide wissen, dass Erfolg und Glück oft nicht von Dauer sind. Glücklich ist man auch eher auf Schalke, weil man im Vorjahr schließlich noch gegen den Abstieg gekämpft hat, zwischen Zuversicht und Zweifel befinden sich Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen. Geht es nach oben oder droht ein Abrutschen nach unten?

Die Bundesliga wartet nicht auf den Sommer, den Fans wird vorher schon heiß und sie können sich darauf freuen, dass es nur Ende März eine Länderspielpause gibt. Unerfreuliche Dinge werden leider bleiben, Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, unerträglich langes Warten auf die Entscheidungen beim Videobeweis, Diskussionen um Handspiele, Ärger über Rudelbildungen und vieles mehr. Die Schiedsrichter wollen ein besonderes Auge auf Unsportlichkeiten legen. Wäre schön, wenn hier ein Anfang zur Besserung gemacht werden könnte. Mehr Anstand könnte der Bundesliga gut tun (lesen Sie dazu auch die Kolumne vom 26. Dezember 2019 „Der Fußball braucht mehr Anstand“).

Der Fußball im Jahr 2020

Testspiele und Wechselgerüchte beschäftigen derzeit die Fußball-Bundesliga, so dass der Blick kaum über den Tellerrand hinausgeht. Die Fußball-Fans sollten aber wissen, dass im Jahr 2020 entscheidende Weichen für die Zukunft des Fußballs gestellt werden könnten. Weichen in die Richtung, ob der Profi-Fußball endgültig zur Geldbeschaffungsmaschine verkommt oder ob er wenigstens noch ein bisschen ein Herz für die Fans behält und sich nicht als Volkssport verabschiedet.

Verwunderung hat schon die TV-Rechtevergabe für die Champions League hervorgerufen, denn nur das Geld war wichtig, nicht die Wünsche der Fans. Die deutschen Fans schluckten, als bekannt wurde, dass Sky ausgebootet wurde und mit Amazon ein neuer Anbieter auf der Bühne erschien. Die Champions League ist ja schon im Pay-TV verschwunden, aber jetzt wird es noch komplizierter. Das kann sich fortsetzen, denn 2020 werden die Rechte für die Bundesliga ab 2021 vergeben. Sky wird sich auf die Hinterbeine stellen, um nicht auch noch diese Rechte zu verlieren, denn Sky ist ja so etwas wie der Bundesliga-Sender geworden. Von der DFL heißt es zwar, dass mehr Bundesliga im Free-TV zu sehen sein soll, doch die Klubs träumen auch von erhöhten TV-Einnahmen. Was kommt da raus? Zersplittern die Übertragungsrechte, so dass sich keiner mehr auskennt? Kommt das Ende der Institution Sportschau und kommt das Sport-Studio weiter zum Zug? Die Antwort werden wir im Frühjahr bekommen.

International stehen bekanntlich die Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf dem Programm. Die EM mit 24 Nationen in 12 Ländern ist ein Experiment und ein eklatanter Verstoß gegen das neue Umweltdenken, wenn sich Fans und Mannschaften fast laufend in der Luft befinden und von Flugscham keine Rede sein kann. Das Fußballturnier bei Olympia vom 24. Juli bis 9. August tangiert die Bundesliga insoweit, als Spieler für die deutsche und ausländischen Mannschaften abgestellt werden sollen. „Sollen“ wohlgemerkt, denn eine Abstellungspflicht besteht nicht. Allerdings fehlen die Spieler nicht bei Punktspielen, sondern nur in der Vorbereitung. Dennoch muss sich Bundestrainer Stefan Kuntz für die Besetzung etwas einfallen lassen, er darf nur auf Spieler der U 23 zurückgreifen und zusätzlich drei ältere Spieler nominieren, muss dabei aber auch berücksichtigen, dass kein Klub besonders belastet wird. Am Ende soll er allerdings auch noch erfolgreich sein. Vor vier Jahren gab es Silber.

2020 werden aber wohl auch die Weichen dafür gestellt, wie es mit der Klub-Weltmeisterschaft weitergehen wird. Die nächste Klub-WM findet 2021 in China statt und es werden dann erstmals 24 Mannschaften teilnehmen. Bisher waren es sieben, vor kurzem holte sich in Katar Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Titel. Streit gibt es hinter den Kulissen, denn die UEFA will nur acht europäische Teams entsenden, doch das Vereinsinteresse ist offensichtlich groß, Europas Topklubs wollen zwölf Teilnehmer dabei haben, weil Ruhm und lukrative Prämien locken. Da wird dann auch nicht mehr von einer zusätzlichen Belastung gesprochen. Geld sorgt wohl für die nötige Kondition bzw. Erholung.

Um Geld geht es beim Videobeweis nicht, sondern um Gerechtigkeit. Doch der Stein des Weisen wurde noch nicht gefunden, statt weniger gibt es fast mehr Diskussionen über Schiedsrichter-Entscheidungen, vor allem wegen der unübersichtlichen Regelauslegung für ein Handspiel und der strengen Blicke auf das Abseits. Hier geht es inzwischen um Millimeter, doch das kann es eigentlich nicht sein, die Linie, die das Abseits beweisen soll, ist nicht von Fehlern frei. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass es nicht um Fuß- oder Nasenspitze gehen kann, sondern es mehr Großzügigkeit geben muss, damit die Entscheidungen schneller gefällt werden können. Vorschlag: Wenn sich die Spieler auf gleicher Höhe befinden, ist es kein Abseits, egal ob Knie, Arm oder Nasenspitze herausragen. Entscheidend sollte sein, dass die Wartezeit bis zur Entscheidung verkürzt wird. Der Fußball leidet nämlich, typisch das Befinden von Spielern und Fans: „Man traut sich ja gar nicht mehr zu jubeln.“

Wir sehen, 2020 hält für uns Fußball-Fans einiges bereit. Manches könnte sogar zur Weichenstellung für das ganze Jahrzehnt werden. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir darauf, dass der Fußball nicht im Geld verschwindet…

Handball hat das Potenzial zur Nummer 1

Geht es um den Sport in Deutschland, dann heißt es immer, „es gibt nur Fußball, Fußball, Fußball“. Falsch gedacht! Es gibt auch Handball und (aufgepasst) Handball war im letzten Jahr sogar die Nummer 1 in Deutschland vor Fußball – bei den TV-Einschaltquoten! „Handball schlägt Fußball“ ist doch eine schöne Schlagzeile, 11,91 Millionen Zuschauer sahen am 25. Januar in der ARD das Spiel Deutschland – Norwegen bei der Handball-Weltmeisterschaft, mehr schauten ansonsten bei keiner Sportsendung zu. Knapp dahinter eben der Fußball mit 11,83 Millionen, die sich bei RTL über die EM-Qualifikation Niederlande – Deutschland interessierten. Unter den Top Ten 2019 der erfolgreichsten Sportsendungen fanden sich immerhin drei Spiele der Handball-WM. Wobei sich eines wieder zeigte: Bei ARD oder ZDF sind die Einschaltquoten bei Sport-Übertragungen höher als bei den Privaten. ARD und ZDF sind auch wieder bei der EM auf Sendung.

Der Januar ist der Handball-Monat, jetzt könnte Deutschland wieder zu einer Handball-Nation werden, nämlich bei der Europameisterschaft vom 9. – 26. Januar. Bei der EM sind erstmals 24 Nationen dabei (unterteilt in sechs Gruppen) und die spielen ebenfalls erstmals in drei Ländern, nämlich Österreich, Norwegen und Schweden. Deutschland bestreitet die Vorrunde in Trondheim/Norwegen, Gegner sind die Niederlande (Donnerstag, 9.1.), Titelverteidiger Spanien (Samstag) und Lettland (Montag), in der Hauptrunde könnte es nach Wien gehen und ab dem Halbfinale wird in Stockholm gespielt.

In der jeder Gruppe qualifizieren sich die beiden besten Mannschaften für die Hauptrunde, das sollte für Deutschland kein Problem darstellen. Bundestrainer Christian Prokop hat sogar eine Medaille als Zielsetzung ausgegeben. Mutig angesichts der Tatsache, dass die letzte EM 2018 mit Platz 9 in Kroatien total in die Hosen ging, als Prokop erstmals die Verantwortung für die Mannschaft übernommen hatte. Platz 4 bei der WM zeigte aber den Aufwärtstrend und bewies, dass Deutschlands Handballer wieder in der Weltspitze angekommen sind. EM-Titel gab es 2004 und 2016, achtmal wurde Deutschland Weltmeister, davon sechsmal auf dem Feld, außerdem 1978 und zuletzt 2007.

Der Bundestrainer hofft, dass seine Mannschaft wieder eine Euphorie in Deutschland auslöst, ähnlich eben wie vor einem Jahr beim WM-Turnier im eigenen Land und mit überragenden Einschaltquoten. Dafür müssen aber Erfolge her und die Voraussetzungen sind eigentlich nicht die besten, denn Prokop musste eine ganze Reihe von Ausfällen von Stammspieler hinnehmen, so fehlen ihm gleich sechs Rückraumspieler, die eigentlich das Herz der Mannschaft darstellen. Dennoch sorgte er für eine Überraschung, als er den 37-Jährigen Johannes Bitter, der 2011 aus dem Nationalteam zurückgetreten war, als zweiten Torhüter neben Andreas Wolff nominierte. Aber gerade die Torhüter sollen zusammen mit einer starken Abwehr die Basis zum Erfolg darstellen und vorne soll es vor allem Kapitän Uwe Gensheimer richten, mit 178 Länderspielen der erfahrenste Mann im Team.

Euphorie kann entstehen, aber die deutschen Sportfans wollen eben Erfolge sehen. Logisch, wer freut sich schon über eine Niederlage. Aber Handball hat nicht nur durch Erfolge die Chance zur Nummer 1 vor Fußball, sondern auch durch das Spiel und das Auftreten schlechthin. Handball ist spannend, torreich und nie langweilig. Die Spieler zeigen ein diszipliniertes Auftreten (Ausnahmen bestätigen die Regel), lamentieren nicht bei Fouls, Spielverzögerungen sind ihnen fast fremd, ebenso wie Schwalben. Sie zeigen sich als echte Kerle und nicht wie verwöhnte Zöglinge, wie es im Fußball oft kritisiert wird.

Aber noch ist der Fußball die Nummer 1, doch er könnte sich selbst ins Bein schießen, wenn nationale und internationale Spiele immer mehr ins Internet und Pay-TV abwandern. Dann könnten sich die Sportfans Ersatz suchen und da wäre Handball sicherlich vorn dabei. Das Potenzial zur Nummer 1 hat diese attraktive Sportart auf jeden Fall.

2020 lässt die Herzen der Sport-Fans schneller schlagen

Spitzensportler müssen immer für Bestleistungen sorgen, sollten immer in Form sein, denn meist reiht sich Wettkampf an Wettkampf und manchmal wird es sogar zu viel. Die Sport-Fans dagegen (wenn sie nicht gerade im Fußball Woche für Woche unterwegs sind) sehen großen Sportjahren im Zwei-Jahres-Rhythmus entgegen. Gerade Jahre sind die Sportjahre wo sich ein Höhepunkt an den anderen reiht, so lässt auch 2020 mit Sicherheit die Herzen der Sport-Fans schneller schlagen. Im Mittelpunkt stehen die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio.

Im Fußball gilt der Vier-Jahres-Rhythmus mit abwechselnd Weltmeisterschaft und Europameisterschaft, ansonsten aber hat sich im Spitzensport der Zwei-Jahres-Rhythmus durchgesetzt, sogar bei Olympia, als das IOC erkannte, dass Sommer- und Winterspiele in einem Jahr eigentlich zu viel sind und die Olympischen Spiele doch öfters ins Gespräch kommen sollten. So gab es nach 1992 in Albertville zwei Jahre später die nächsten Winterspiele in Lillehammer (übrigens die schönsten aller Zeiten), um Sommer- und Winterspiele zu trennen. Die Sommerspiele bleiben im Vier-Jahres-Rhythmus und so haben wir 2020 wieder Olympia mit Tokio vom 24. Juli bis 9. August als Gastgeber.

Das erste Highlight für die Sport-Fans steht aber kurz bevor, die Handball-Weltmeisterschaft vom 9. bis 26. Januar in Österreich, Norwegen und Schweden, bei der die deutsche Mannschaft sogar Medaillenträume hegt. Deutsche Medaillen soll es auch bei der Biathlon-WM vom 12. bis 23. Februar im Südtiroler Antholz geben. Eine WM, die vor allem bei den deutschen Fernseh-Zuschauern Beachtung findet, starke Einschaltquoten sind nämlich garantiert. Da sieht es bei der Eishockey-Weltmeisterschaft vom 6. bis 25. Mai in der Schweiz schon anders aus, die Nation wacht nur dann auf, wenn Erfolge zu verzeichnen sind und die sind im Eishockey selten. Die OIympia-Silbermedaille von 2018 war eine absolute Ausnahme, eher steht der Abstiegskampf im Vordergrund.

Zu der Zeit dreht die Formel 1 schon lange wieder ihre Runden, Start der neuen Saison ist am 15. März in Melbourne, der letzte Lauf wird am 29. November in Abu Dhabi ausgetragen. Es wird dann das 22. Rennen im vollgepackten Terminkalender sein. Nur um Deutschland macht die Formel 1 einen Bogen und Sebastian Vettel ist der letzte Mohikaner der einst starken deutschen Formel-1-Armada. So hält einzig Mercedes das deutsche Interesse hoch, die Boliden werden allerdings in England gefertigt.

Mehr Interesse als Formel 1 und Olympia findet die Fußball-Europameisterschaft, Fußball beherrscht bekanntlich das Sport-Geschehen fast überall auf der Welt, besonders aber in Europa. Zum 60-Jährigen Jubiläum dieses Turniers hat sich der damalige UEFA-Präsident Michel Platini etwas Besonderes ausgedacht und die Zustimmung erhalten: Ein echtes Europa-Turnier europaweit von Ost bis West, von Nord bis Süd, von Baku bis Bilbao, das vom 12. Juni bis 12. Juli ausgetragen wird. 24 Nationen sind dabei, spielen in sechs Gruppen, wobei Deutschland in München Gastgeber sein darf in der Hammer-Gruppe mit Titelverteidiger Portugal und Weltmeister Frankreich als Gegner, der dritte wird noch gesucht. Ziel der 24 Mannschaften ist London, dort steigt am 12. Juli um 21.00 Uhr im Wembley-Stadion das Finale.

Noch ist dies aber nicht das Ende der Highlights, es schließt sich nach Olympia noch im August die Leichtathletik-Europameisterschaft vom 25. bis 30. August in Paris an. Und auch die Golfer, die wie die Tennis-Asse immer wieder bei Master- bzw. Grand-Slam-Turnieren für Aufmerksamkeit sorgen, haben einen besonderen Höhepunkt, den Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, den Ryder-Cup, der vom 25. bis 27. September in Haven/USA ausgetragen wird.

Es ist also viel los 2020, leider wird es dabei nicht nur um den Sport gehen. Korrupte und geldgierige Verbandsfunktionäre sowie gedopte Sportler werden auch in diesem Jahr für Schlagzeilen sorgen und wir dürfen gespannt sein, welche Entwicklung diese schwarze Seite des Sports im neuen Jahrzehnt nehmen wird. Außerdem werden auch die Herzen der Verbandsfunktionäre schneller schlagen, weil es für sie ein paar Unwägbarkeiten gibt. Im Fußball muss man abwarten, wie der zerfledderte Terminplan und die Reisestrapazen von Spielern und Fans angenommen und verkraftet werden, bei Olympia hoffen die IOC-Bosse, dass der Wettergott ein Einsehen hat und Tokio nicht von einer Hitzewelle erfasst wird (einige Vorkehrungen wurden getroffen und Wettbewerbe verlegt) oder, noch schrecklicher, das gefährdete Japan gerade da von einem Erdbeben erfasst wird.

Aber hoffen wir, dass das Sportjahr glatt über die Bühne geht, uns viel Spaß bringt und wenig Skandale. Der Sport-Grantler wünscht allen seinen Lesern ein gutes neues Jahr und viel Spaß am Sport, aktiv und passiv, und viel Spaß beim Lesen dieser Kolumnen.

Das Problem der Spieler: „Ich bin kein Mann für die Bank“

Eigentlich herrscht im Fußball Winterpause bzw. Weihnachtsruhe. Doch die Ruhe gibt es nur vordergründig bzw. auf dem grünen Rasen. Spieler und Trainer sind im Urlaub, doch hinter den Kulissen wird hart gearbeitet, schließlich gilt es die Pause zu nutzen, um einerseits die Mannschaft zu verstärken, wenn es nicht so geklappt hat wie gewollt, andererseits gilt es Spieler zu verkaufen, wenn sie sich nicht so präsentiert haben wie erhofft. Aber da sind wir schon bei einem Problem des Fußballs: Spieler und Trainer haben oft unterschiedliche Vorstellungen und wer nicht zum Einsatz kommt, der meutert manchmal schnell und klagt sogar in der Öffentlichkeit: „Ich bin kein Mann für die Bank“.

Wie sich Spieler im Extremfall zu einem anderen Verein streiken können, dies musste in den letzten Monaten vor allem der FC Augsburg erleben, der sich von Akteuren im Unfrieden trennte. Prominentester Fall war Martin Hinteregger, der erst den Trainer kritisierte, dann als Leihspieler in Frankfurt sein Glück fand und als er nach Augsburg zurückkehren musste, da zeigte er in seinem Benehmen (einschließlich Sauftour) deutlich, „hier will ich nicht mehr sein“. Der FCA und sein Manager Stefan Reuter gaben nach, Hinteregger ist jetzt bei der Eintracht wieder glücklich.

Doch damit hatten die Augsburger noch nicht alle Probleme gelöst. Als der Holländer Gouweleeuw nach einer Verletzungspause zurückkehrte, fand er sich auf der Bank wieder, weil die Abwehr beim FCA plötzlich funktionierte und Trainer Martin Schmidt keinen Grund sah, zu wechseln. Prompt liebäugelte der Holländer öffentlich mit einem Wechsel und machte deutlich, „ich bin kein Mann für die Bank“. Da fand er sich in Gesellschaft von Vereinskamerad Michael Gregoritsch, der ebenfalls nach Einsatzzeiten lechzte, weil er seinen Platz in der Nationalmannschaft Österreichs in Gefahr sah. Seine Botschaft war deutlich: „Ich will weg, ich muss spielen.“ Die Probleme wurden gelöst: Gouweleeuw ist wieder Stammspieler, Gregoritsch wurde zu Schalke ausgeliehen. Ob er dort spielt?

Der RB Leipzig absolviert bisher seine erfolgreichste Saison in der Bundesliga und ging als Halbzeitmeister in die Winterpause. Dennoch war Trainer Julian Nagelsmann nicht immer glücklich, so klagte er nach einem Testspiel über die Ersatz- und Einwechselspieler, die seiner Meinung nach nicht den nötigen Ehrgeiz zeigten. „Der eine oder andere wirkte etwas beleidigt,“ staunte er und berichtete, dass er zuletzt mehrmals Besuch in seinem Büro hatte, „weil die Spieler ihren Unmut über zu wenig Einsatzzeiten loswerden wollten“. Seltsam eigentlich, denn die Profis müssen doch wissen, dass aus einem Kader von etwa 25 Mann pro Spiel nur höchstens 14 zum Einsatz kommen können. Aber jeder hält sich für den Größten, Teilzeitarbeit ist verpönt. Manchmal fehlt allerdings auch der Ehrgeiz im Training, aber professionell wollen sie alle sein – und wenn es nur beim Kassieren ist!

Deshalb ist jetzt hinter den Kulissen wieder viel los und über Spielerwechsel kann trefflich spekuliert werden. Das Problem, am Ende doch wieder nur auf der Bank zu sitzen, wird manchmal nur von Verein zu Verein verlagert. Typisches Beispiel: Dortmund meldete den Coup mit Norwegens Talent Erling Haaland. Der 19-Jährige Torjäger, der bei RB Salzburg unter anderem in der Champions League für Furore sorgte, war bei allen großen Vereinen im Gespräch, landete aber jetzt bei der Borussia, die bekanntlich einen Mittelstürmer suchte, weil Torjäger Alcacer oft verletzt ist und selten richtig in Form kommt. Vertreten wurde er entweder von Marco Reus, der lieber in der zweiten Reihe agiert, oder sogar von Mario Götze, eher ein Einfädler, meist aber auf der Bank. Eigentlich ist auch der Schütze des Siegtreffers zu Deutschlands WM-Titel 2014 kein Mann für die Bank und deshalb wird fleißig über einen Wechsel spekuliert. Besonders im Gespräch ist dabei Hertha BSC Berlin, denn dort hat der neue Trainer Jürgen Klinsmann forsch mitgeteilt, dass man sich verstärken werde. Fündig wird er wohl auf den Ersatzbänken der Konkurrenz, denn dort sitzen viele, die meinen, sie seien doch kein Mann für die Bank. Möglich, dass aber auch Klinsmann später feststellt, dass die Bank der Platz für den Neuzugang ist, wenn sich der Erfolg dann doch nicht einstellt. Der Fußball ist halt manchmal sein seltsames Spiel.

Der Fußball braucht mehr Anstand

Weihnachten ist die Zeit für Wünsche, der Jahreswechsel regt zu guten Vorsätzen an. Zeit, um auch an den Fußball Wünsche zu richten und ihm vor allem den Willen zu einigen guten Vorsätzen für das neue Jahr mit auf den Weg zu geben. Zusammenfassend gesagt wünschen sich wohl Fußball-Fans und –Zuschauer, dass alle, die involviert sind, zu mehr Gelassenheit und Bodenständigkeit finden und nicht nur von der Geldgier getrieben werden. Kurz: Der Fußball braucht mehr Anstand.

An erster Stelle müssen die Profis genannt werden. Das Benehmen auf dem Platz ekelt manchmal an. Vor allem das ständige Reklamieren bei Schiedsrichter-Entscheidungen muss endlich sanktioniert und womöglich abgeschafft werden. Es vergeht fast kein Schiedsrichter-Pfiff ohne Rudelbildung. Noch nie wurde eine Entscheidung aufgrund der Proteste der Spieler zurückgenommen. Die Referees könnten sich mit Gelben Karten wehren. Sie könnten aber spaßeshalber zu einem Gegenmittel greifen: Das Schiri-Gespann sollte zusammen zum Stürmer laufen, wenn der neben das Tor schießt. Nach dem Motto: Das war der falsche Schuss! Wie konntest Du nur! Den Spielern sei gesagt, dass Schiedsrichter weniger Fehler machen als sie Profis. Außerdem: In anderen Sportarten werden die Pfiffe der Unparteiischen ohne Klagen und Proteste hingenommen. So geht es auch, warum nicht im Fußball?

Die Schiedsrichter stehen natürlich im Mittelpunkt, wenn es um den Anstand beim Fußball geht. Man muss sich ja sowieso wundern, dass es noch so viele Menschen gibt, die sich diese Pfeiferei antun und sich den Stänkereien von Spielern und Zuschauern aussetzen. Auf den Dorfplätzen müssen sie ja fast schon um ihr Leben fürchten und froh sein, wenn sie an einem schlechten Tag (den jeder mal hat) nicht im Krankenhaus landen. Gewalt und Hass haben in der gesamten Gesellschaft zugenommen, hautnah bekommt man sie vor allem auf den Fußballplätzen zu spüren. Streiks der Schiedsrichter waren eine Gegenreaktion und ein erstes Alarmzeichen. Hier müssen die Verbände und vor allem die Vereine entgegenwirken, zum Beispiel, dass jeder Schiedsrichter vom Verein einen Betreuer und Beschützer bekommt und dass die größten Krakeler von den Plätzen verwiesen werden, bevor etwas passiert. Vorfahrt für Anstand! Aber wer einmal im Profibereich pfeifen will, muss durch das Stahlbad des Dorffußballs gehen. Aber wir wissen: Ohne Schiedsrichter geht es nicht.

Leider lassen auch die Fans oftmals den Anstand vermissen. Oder sollten wir lieber sagen, die sogenannten Fans? Die Ultras sorgen nicht nur für Stimmung in den Stadien, sie sorgen auch für Sorgenfalten, zumal sie sich oft nicht an die Regeln und Bestimmungen halten und in einigen Vereinen sogar Anstrengungen unternehmen, die Macht an sich zu reißen. Beleidigungen sind hörbar, Schlägereien und die unsägliche und gefährliche Pyrotechnik sichtbar. Das hat mit Fußball nichts zu tun und schon gleich gar nicht im Anstand. Da muss der Fußball dafür herhalten, dass einige Leute ihren Ärger oder ein zu viel an Adrenalin loswerden wollen. Hier bleibt wohl die größte Aufgabe, um für mehr Anstand zu sorgen. Rücksicht ist für diese Spezies wohl ein Fremdwort.

Aber auch die Verbandsfunktionäre sind gefordert, sich mehr dem Sport zu widmen, als dem eigenen Geldbeutel. Es geht darum, den Sport fit für die Zukunft zu machen und nicht darum, jedes Jahr die Einnahmen zu erhöhen.

Ein anderer Wünsch für das neue Jahr betrifft den Videobeweis. Heute muss man fast schon sagen, dass der Fußball die Geister, die er rief, nicht mehr loswerden wird. In die Technik wurde viel Geld investiert, so dass man sie nicht mehr zurückziehen wird. Der Videobeweis hat natürlich seine Vorteile, sorgt für mehr Gerechtigkeit, wird aber zu häufig angewandt. Vor allem bei Hand-Entscheidungen und beim Abseits sollte man auf das Auge der Schiedsrichter und Linienrichter vertrauen. Die Abseitslinie hat nicht für mehr Gerechtigkeit gesorgt, sondern eher für Ungerechtigkeiten und beschädigt den Fußball. Minutenlang zu warten, bis festgestellt wurde, dass es um einen Millimeter Abseits war, macht vor allem die Stimmung kaputt. Bei Abseits darf es nicht um Millimeter gehen, sondern wenn die Spieler mit dem Körper auf gleicher Höhe sind, so zählt dies und ist kein Abseits, Fuß- oder Nasenspitze hin oder her. Und im Zweifel für die Angreifer urteilen. Dann macht Fußball wieder mehr Spaß. Vielleicht sorgt eine Umkehr dafür, dass sich die Gemüter leichter wieder beruhigen und wir bekommen mehr Anstand. Hoffen darf man ja…

Retter Zirkzee macht bei Bayern alle glücklich

Es ist Weihnachten, Geschenke werden verteilt, in der Fußball-Bundesliga bereits vor dem Fest. Es naht aber auch das Jahresende, der Fußball hierzulande verabschiedet sich in die Winterpause, die eigentlich nur eine kurze Weihnachtspause ist. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach Ende der Hinrunde, Zeit aber auch, sich den Geschenken zu widmen.

Natürlich, der RasenBallsport Leipzig (welch ein Name) wurde überraschend Weihnachtsmeister, aber am glücklichsten waren sie in den letzten Tagen von den Spitzenteams in München. Nach den frustrierenden 1:2-Niederlagen gegen Leverkusen und Gladbach mit einer Chancenverschwendung ohnegleichen sorgten die geforderten drei Siege zum Abschluss gegen Bremen, Freiburg und Wolfsburg wieder für gute Stimmung. Platz drei und nur vier Punkte Rückstand auf Leipzig fallen unter das Motto Schadensbegrenzung (im Vorjahr waren es sechs Zähler Rückstand auf Dortmund), alle Titel sind noch möglich und so feiert man in München frohe Weihnachten. Die Geschenke hat man schon erhalten, das Bayern-Dusel ist zurück.

Glücklich machte die Bayern vor allem ein 18-Jähriger namens Joshua Zirkzee. Der Niederländer ist 1,93 m groß, kam vor zwei Jahren von Feyenoord Rotterdam, ließ in der U17 und U19 sein Talent erkennen und wurde kürzlich unter Trainer Hansi Flick in den Profikader aufgenommen, seine Stammmannschaft ist die Bayern II in der 3. Liga. Zum Teil aus Verzweiflung, zum Teil, weil er ein glückliches Händchen hat, brachte Flick am Mittwoch In Freiburg den jungen Stürmer kurz Schluss als letzte Hoffnung, um beim 1:1 das Match noch zu drehen. Zirkzee traf nach 104 Sekunden mit der ersten Ballberührung, Bayern gewann in der Nachspielzeit 3:1. Und um das Märchen auf die Spitze zu treiben, kam Zirkzee beim Stande von 0:0 am Samstag auch gegen Wolfsburg, brauchte zwar fast drei Minuten traf aber wieder mit der ersten Ballberührung. Ein Tor von Gnabry folgte wie in Freiburg – welche eine Doublette. Zirkzees Bilanz: Acht Minuten Spielzeit, acht Ballberührungen, zwei Torschüsse, zwei Tore. Erstaunlich: In der Bayern II war er noch nicht erfolgreich und am Sonntag beim 1:1 gegen Würzburg konnte er zwei hochkarätige Chancen nicht nutzen. So bleibt der junge Mann wohl leichter auf dem Boden. Aber er machte die Bayern auch deshalb stolz und glücklich, weil sie den ersten Ertrag aus einer verbesserten Nachwuchsarbeit im sogenannten Campus ernten konnten.

Aber das waren nicht die einzigen Geschenke bei den Bayern pünktlich zum Weihnachtsfest. Hansi Flick bleibt bis zum Jahresende Trainer, nachdem er die Mannschaft nachhaltig auf Vordermann gebracht hat, wobei der Verein ausdrücklich darauf hinweist, dass er auch darüber hinaus Cheftrainer bleiben könnte. Sein Vertrag als Co-Trainer läuft bis 2021. Als Neuzugang im Sommer wird Schalkes Torhüter-Talent Alexander Nübel gehandelt. Seinen Abgang auf Schalke hat er kundgetan, bei Bayern soll er einen Fünfjahresvertrag unterschreiben und als Neuer-Nachfolger aufgebaut werden und für einige Spiele eine Einsatzgarantie haben. Andere Großvereine in Europa schauen dann in die Röhre. Gut auch, dass Torjäger Robert Lewandowski erfolgreich an der Leiste operiert wurde, so sollte er zum Rückrundenstart am 19. Januar in Berlin und sogar zum umstrittenen Trainingslager ab 4. Januar in Katar wieder an Bord sein. Auch Neugänge wie Verteidiger Benjamin Henrichs (derzeit Monaco) oder vielleicht sogar Leroy Sane (Manchester City) sind im Gespräch. Im Januar wollen die Bayern wieder einen großen Kader haben, gegen Wolfsburg saß gerade noch Boateng als Feldspieler vom Profikader auf der Bank und musste prompt den verletzten Martinez ersetzen.

Leipzg darf vom Titel träumen

Viele Teams kamen in den letzten Spielen quasi auf dem Zahnfleisch daher, nicht aber RB Leipzig. Den Brause-Klub mögen die Fans in Deutschland zwar nicht, aber man muss den Verantwortlichen schon ein Kompliment machen, wie sie mit dem Red-Bull-Geld den Verein langsam und mit dem Auge für junge Spieler zu einem Spitzenteam aufgebaut haben. Ralf Rangnick hat die Basisarbeit geleistet, Julian Nagelsmann führt sie fort und hat das Team weiterentwickelt. Die Halbzeitmeisterschaft ist der erste Schritt zum Titelgewinn, 68 Prozent holten am Ende auch den Titel. Leipzig darf also träumen. Abzuwarten bleibt, wie Leipzig mit Rückschlägen und Formtiefs, die kommen werden, umgeht. Torjäger Timo Werner zum Beispiel hat noch kein Jahr auf diesem Niveau durchgehalten. Deshalb bleibt bei den Verfolgern die Hoffnung am Leben. Zuletzt aber beeindruckte Leipzig mit zwölf Spielen in Serie ohne Niederlage, schaffte so auch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

Die englische Woche zum Abschluss der Vorrunde hatte es zweifellos in sich. Borussia Dortmund verlor leichtfertig an Boden und von frohen Weihnachten ist nach dem 3:3 gegen Leipzig und 1:2 in Hoffenheim (beide Male eine Führung verspielt) nicht die Rede, sondern da spricht man im Verein von einem „Scheiß-Gefühl“. Konstanz war für den Titel-Anwärter ein Fremdwort, mal wähnte er sich nach begeisternden Spielen im Himmel, dann wieder sah man sich nach verkorksten Spielen in der Hölle.

Die schlechteste Stimmung herrscht derzeit wohl in Bremen. Da brach die Mannschaft in den letzten Spielen buchstäblich auseinander, kassierte nach dem 1:6 in München noch ein 0:5 gegen Mainz und 0:1 in Köln, zwei Spiele, die entscheidend im Abstiegskampf waren. Bremen sackte auf einen Abstiegsplatz ab, wollte aber wohlgemerkt die Plätze für Europa angreifen – vor der Saison. An Trainer Florian Kohfeldt wollen die Bremer tapfer festhalten und der verspricht: „Wir steigen nicht ab.“ Der Start zur Rückrunde wird heiß mit dem Gastspiel in Düsseldorf (ein Punkt besser). Dort wird der Vertrag mit Friedhelm Funkel verlängert, mehr als den Klassenerhalt fordert man bei der Fortuna nicht.

Ähnlich wie in Bremen ist die Stimmung auch in Frankfurt, doch die Eintracht hat genug Punkte gesammelt und bessere Zeiten erlebt, war jedoch zuletzt nach 31 Spielen in der ersten Saisonhälfte total am Boden zerstört. Viele Vereine erleben einen Einbruch, wenn sie mal die Bayern besiegen, warum auch immer. Auch die Eintracht erlebte dieses Phänomen, nach dem 5:1 über die Münchner gab es keinen Sieg mehr!

Das Gegenteil ist beim 1. FC Köln der Fall, der erlebte die englische Woche als Geschenk, drei Spiele, drei Siege und das Team unter dem neuen Trainer Markus Gisdol marschierte vom Tabellenende weg bis auf Rang 15, der den Klassenerhalt garantiert. Neues Schlusslicht ist Neuling SC Paderborn, doch hier gibt es dennoch zumindest ruhige Weihnachten, das 2:1 gegen Frankfurt lässt die Hoffnung keimen, dass der Klassenerhalt durchaus machbar ist. Schön, dass es noch Vereine gibt, die realistisch bleiben und keine utopischen Ziele als machbar verkaufen. Ein bisschen Vernunft gibt es also in der Bundesliga immer noch.

Ein kleiner Blick noch auf Bilanzen: Die meisten Tore erzielte Leipzig (48) vor den Bayern (46), die wenigsten kassierten Gladbach und Wolfsburg (je 18). Aber aufgepasst: Die beste Chancenverwertung hat Augsburg, von 78 Großchancen wurden 35,9 Prozent genutzt (Leipzig 35,3 % von 136, die Bayern nur 27,9 % von 165, die Höchstzahl). Beste Heimmannschaft war Gladbach mit 22 Punkten, in der Fremde am wohlsten fühlt sich Leipzig und holte 20 Zähler. Die Torjägerliste führt Robert Lewandowski mit 19 Treffern an vor Timo Werner (18). In der Skorerliste (Tore und Vorlagen) liegt aber Werner mit 25 Punkten vor Lewandowski (22). Kurios: Beide Spieler führen mit der Durchschnittsnote von 2,44 die kicker-Rangliste der Top-Feldspieler an (bester Torhüter ist Hradecky (Leverkusen/2,68).

Die Fans können ruhige Weihnachten genießen, den Jahreswechsel feiern und sich dann schon wieder für die Rückrunde warmlaufen, am Freitag, 17. Januar, geht es mit dem Spitzenspiel Schalke (5.) – Gladbach (2.) weiter, im Hinspiel gab es allerdings ein 0:0.