Bei Merkel und Söder kommt der Sport zu kurz

von knospepeter

Corona hat die Welt weiter im Griff, der Kampf gegen das Virus ist noch lange nicht gewonnen, aber die Sehnsucht nach Normalität wächst in der Bevölkerung überall. Natürlich auch in Deutschland, wo der überwiegende Teil der Menschen einigermaßen einsichtig und diszipliniert war, dadurch kam Deutschland bisher besser weg als viele andere Nationen. Dennoch, die Ungeduld wird größer und deshalb hat sich die Politik für erste Lockerungen der Beschränkungen entschieden. Der Sport wartet allerdings auf eine Freigabe zum ersten Schritt in Richtung Normalität. Bei den verantwortlichen Politikern an der Spitze mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder als Wortführer der Länder kommt der Sport jedenfalls zu kurz. Dabei ist der Profisport ein wesentlicher wirtschaftlicher, der Amateursport ein bedeutender gesellschaftlicher Faktor. Beide haben eines gemeinsam: Sie sind durchaus Stimmungsaufheller für viele.

Natürlich müssen wir weiter mit Einschränkungen leben und selbst die Fachleute können nicht sagen, wann und ob überhaupt die Corona-Krise generell zu überwinden ist. Aber selbst im Hinblick auf Kontaktbeschränkungen und Abstandsvorschriften müssen Lockerungen auch beim Sport ankommen. Spaziergänge und Joggen im Freien sind erlaubt, warum nicht Sport generell, zum Beispiel Tennis und Golf, Sportarten, bei denen die Abstandsregelung eingehalten werden kann? Im Tennis müssten Einzelspiele möglich sein, die einzige Corona-Gefahr liegt darin, dass jeder die Bälle in die Hand nimmt, hier müsste ein Desinfizieren vor dem Match helfen. Einfacher ist es sogar im Golf, wo jeder Freizeitspieler allein über den Platz gehen kann, wo auch zu zweit der Abstand eingehalten werden kann und wo es eine Berührung mit anderen Gegenständen höchstens an der Fahnenstange auf dem Grün gibt. Corona-Regel: die Fahnenstange bleibt drin, eingeschränktes Putten also. Auch der in Deutschland so beliebte Schießsport müsste mit genügend Abstand wieder möglich sein. Eins ist sicher: Freizeitsport verbessert die Stimmung in der Bevölkerung.

Anders sieht es natürlich beim Profi-Sport aus. Generell gilt, in Ligen, die maßgeblich vom Erhalt der Fernsehgelder abhängig sind, wird alles unternommen, um die Saison fortsetzen zu können, auf unabsehbare Zeit leider nur mit Geisterspielen ohne Fans. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern für alle großen Ligen in Europa, das gilt nicht nur für die Bundesliga, sondern auch für die 2. Bundesliga, 3. Liga und Frauen-Bundesliga hierzulande. Wie Geisterspiele organisiert werden können, das bedarf durchdachter Pläne, notfalls müsste die Bundesliga den anderen Ligen zur Seite stehen, wenn es finanzielle Probleme gibt. Selbst Fachleute sind der Meinung, dass die notwendigen Gesundheitstests für die Spielerinnen und Spieler möglich sind, ohne dass es Einschränkungen für den Rest der Bevölkerung gibt. Das ist ja eine der Grundvoraussetzungen. Wie die Spiele ablaufen können, dazu gibt es viele interessante Vorschläge, sie gipfeln im Rat, alle Spiele in einem Stadion an einem zentralen Ort abzuhalten! Ob das logistisch aber machbar ist? Eins ist klar: Unnötige Reisen sollen vermieden werden, die gesundheitliche Sicherheit geht vor. Fußball wäre auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung für die teils kasernierten Menschen. Bei der nächsten Tagung muss die DFL Nägel mit Köpfen machen, wenn es Mitte Mai wieder losgehen soll, 3. Liga und Frauen-Bundesliga werden sich daran orientieren. Die Politik muss großzügig sein.

Den Geisterspielen droht aber eine ganz andere Gefahr, dass sie nämlich eine Gruppe von „Fans“ zu Fall bringen will, weil die meinen, ohne sie dürfte man nicht spielen und die Austragung mit Massendemonstrationen gefährden könnten. Lieber sollen einige Vereine kaputt gehen! Andererseits machen sich echte Fans Gedanken, wie sie dem Verein helfen können, so können sich Fans als „Pappkameraden“ auf die Tribüne stellen lassen, selbst Banner sollen in einigen Stadien aufgehängt werden. An Einfallsreichtum fehlt es also auch nicht, um ein bisschen Stimmung zu erzeugen.

Ganz anders die Situation im Amateurfußball. Hier wird man wohl erst wieder gegen den Ball treten, wenn auch wieder Zuschauer am Spielfeldrand stehen können. In Bayern ist die Saison bis zum 1. September ausgesetzt, möglich auch, dass in diesem Jahr gar nicht mehr gespielt wird und das Jahr 2020 ohne Spiele über die Bühne geht, die Saison 2019/20 würde also erst 2021 beendet werden. Sollte im Herbst gespielt werden können, steht wieder eine alte Idee im Diskussionsfeld: Die Fußballsaison auf das Kalenderjahr umzustellen, statt von August bis Mai soll von April bis November gespielt werden. Aber ob das im Zeichen des Klimawandels und prophezeiten heißeren Sommern und milderen Wintern wirklich so sinnvoll ist?

Wir sehen, Corona hat auch die Sportwelt auf dem falschen Fuß erwischt, das Virus könnte für eine völlige Neuorganisation des Sportes führen. Nichts ist auszuschließen. Politik und Sport sind gefordert, die Fans haben die Sehnsucht nach Normalität. Merkel und Söder sollten den Sport wieder entdecken. Dann kann die Kanzlerin die Nationalspieler bald wieder in der Kabine besuchen.