Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Mit Infantinos Shows beginnt die WM 2026 – Frauen-EM 2029 in Deutschland

Er steht ja so gerne im Mittelpunkt und so wird die Auslosung der Gruppen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko am Freitag in Washington wohl vor allem zur Bühne für den nach eigenem Verständnis „großartigsten Präsidenten des Weltverbandes“, Gianni Infantino. Ihm zur Seite stehen soll der nach eigenem Verständnis „großartigste Präsident der Welt“, Donald Trump. Zwei, die sich nicht gesucht, aber gefunden haben. Die peinliche Krönung könnte sein, dass Trump aus den Händen von Infantino den vom FIFA-Präsidenten neu geschaffenen „Friedenspreis“ erhält. Außer Infantino fragt sich jeder: Welcher Frieden?.

Es wird wieder einmal deutlich, Sport und Politik lassen sich nicht trennen. Bei der Auslosung der WM-Gruppen wird der Sport aber in den Hintergrund gedrängt, auch durch das bunte Showprogramm (u. a. moderiert Heidi Klum). Dabei wird es sowieso die größte Auslosung aller Zeiten, weil die Zahl der WM-Teilnehmer von 32 auf 48 aufgestockt wurde, das bedeutet statt bisher 64 insgesamt 104 Spiele vom 11. Juni bis 19. Juli 2026. Es gibt zwölf Gruppen mit je vier Mannschaften, die besten zwei jeder Gruppe und die besten acht Dritten kommen in die erste K.o.-Runde. Gespielt wird in 16 Städten, zwei in Kanada (Toronto, Vancouver), drei in Mexiko (Monterrey, Mexiko City, Guadalajara) und elf in den USA (Dallas, Atlanta, New York, Boston, Houston, Los Angeles, Kansas City, Miami, Philadelphia, San Francisco, Seattle). Das Eröffnungsspiel findet in Mexiko City statt, das Finale in East Rutherford (New Jersey).

Aus vier Töpfen werden die Nationen für die Gruppen gezogen, die Reihenfolge orientiert sich an der Weltrangliste. Ein Novum, sechs Teilnehmer stehen noch gar nicht fest, weil im März noch Play-Offs in Europa und international von der FIFA ausgetragen werden. Diese Teams werden alle in Topf 4 verfrachtet, mit dabei ist Italien! Die Gruppenköpfe bilden die drei Gastgeber sowie die ersten neun der Weltrangliste, so ist auch Deutschland, neben Argentinien, Brasilien, England, Frankreich, Portugal, Niederlande, Spanien und Belgien eine Nummer 1. Erstmals gibt es auch eine Art Setzliste, so dass die besten Teams der Weltrangliste, Spanien und Argentinien erst im Finale aufeinandertreffen können.

Die Auslosung am Freitag, die eigentlich in Las Vegas vorgesehen war, auf Wunsch von Trump aber nach Washington verlegt wurde, ist eingebettet in eine zweistündige Show (18 Uhr/ZDF), der genaue Spielplan wird am Samstag erstellt und in einer weiteren Show vorgestellt. Dann geht für alle Nationen auch die Quartiersuche los. Logisch, dass auch eine große Delegation des DFB vor Ort ist, einige vorgesehene Quartiere wurden schon besichtigt. Bundestrainer Julian Nagelsmann hofft auf Losglück, Iran, Südafrika und Tschechien wären ebenso als Gegner möglich wie Uruguay, Ägypten und Italien. Nur aus Europa können zwei Nationen eines Kontinents in einer Gruppe vertreten sein. Mal sehen, ob die Auslosung die Vorfreude auf die WM steigert!

Jubel beim DFB: EM-Gastgeber 2029

Die Hoffnung war so groß wie die Zweifel beim DFB als um die Vergabe der Frauen-Europameisterschaft 2029 ging. In Erinnerung war die Niederlage gegen Brasilien bei der WM-Vergabe 2027 und diesmal galten Schweden und Dänemark in einer gemeinsamen Bewerbung als harte Gegner und Polen als dritter Kandidat hatte das starke Argument, durch die EM den Frauen-Fußball im Land in Schwung zu bringen. Am Ende aber jubelte am Mittwoch in Nyon am Genfer See, dem Sitz der UEFA, die Delegation von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, für den der Sieg ein persönlicher Prestigeerfolg ist. Vielleicht zog das Argument, dass in Deutschland nur in großen Stadien gespielt werden soll und im Gegensatz zu allen bisherigen Turnieren mit einem Gewinn zu rechnen sei. Mit einer Million Zuschauer lockte der DFB und Nati-Kapitän Giulia Gwinn jubelte: „Das wird ein großes Fest“. Als Spielorte stehen Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Köln, Leipzig, München und Wolfsburg fest.

Am Tag zuvor war den deutschen Frauen nicht zum Jubeln zumute, der Traum vom Finalsieg in der Nations League platzte. Weltmeister Spanien zeigte sich in Madrid als unerbittlicher Gastgeber und dem DFB-Team die Grenzen auf, dass zur absoluten Weltspitze halt doch noch ein bisschen fehlt. Im Hinspiel in Kaiserslautern konnte Deutschland noch zeitweise das Kommando übernehmen, das blieb aber in Madrid aus, zu dominant waren die Spanierinnen. Auch schlichen sich in der deutschen Abwehr zu viele Fehler ein, es wurde nicht konsequent genug verteidigt und eigene Chancen gab es kaum. Nach Toren von Pina (2) und Vicky, die Aitana ersetzte, gewann der Weltmeister deutlich mit 3:0. Bundestrainer Christian Wück war ernüchtert: „Jetzt wissen wir, was uns noch fehlt.“

Ob dem Bundestrainer künftig seine Stammtorhüterin fehlen wird, steht in den Sternen. Wück hofft weiter auf Ann-Katrin Berger, doch die 35-Jährige will sich die Fortsetzung ihrer Karriere noch überlegen. Die EM 2029 könnte ja für alle ein besonderes Ziel sein. Ex-Nationalspielerin Alexandra Popp schwärmt vor: „Ein Turnier im eigenen Land ist einfach geil.“

Überraschungen im Pokal

Im Achtelfinale des DFB-Pokals gab es zwei große Überraschungen: Zum einen konnte der FC St. Pauli nach neun Bundesliga-Niederlagen am Stück plötzlich wieder gewinnen und schaltete Mönchengladbach mit 2:1 aus, zum anderen sorgte Holstein Kiel in Hamburg für trübe Stimmung, denn der HSV unterlag im Elfmeterschießen (2:4 nach 1:1), eigentlich wollte er sich im Pokal Auftrieb für den Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga holen. Einen Genickschlag gab es auch für Borussia Dortmund, dass am Wochenende in Leverkusen noch 2:1 gewonnen hatte, jetzt aber drehte Bayer den Spieß um und gewann 1:0. Auch, weil Adeyemi beste Chancen vergab. Dabei hatten die Dortmunder große Hoffnungen im Pokal gehabt, eigentlich die einzige realistische Titelchance, die nun vergeben wurde. Da wird auch Abwehrchef Nico Schlotterbeck ins Grübeln kommen, sein Vertrag läuft im Sommer aus und er hat Angebote aus England und von den Bayern. Er wollte bei der Borussia bleiben, wenn er mit ihr etwas gewinnen könne. So rosig sieht die Zukunft aber nicht aus.

Titelverteidiger VfB Stuttgart ließ in Bochum nichts anbrennen (2:0), Leipzig (3:1 gegen Magdeburg) und Freiburg (2:0 gegen Darmstadt) hatten wenig Probleme und im Duell der Zweitligisten kanzelte Hertha BSC Kaiserslautern gleich mit 6:1 ab. So ist ein Team aus der Gastgeberstadt noch dabei, Union Berlin dagegen konnte das Pokal-Trauma von Bayern München nicht verstärken. Fünf Jahre Erfolglosigkeit wollen die Bayern beenden, der 3:2-Sieg in Berlin war aber ein hartes Stück Arbeit. Union steuerte zwei Eigentore bei, andererseits profitierte der Gastgeber von zwei harten Elfmetern gegen die Münchner. Torjäger Kane glänzte mit einem Treffer, beging aber nach Meinung von Schiedsrichter Petersen ein Foul im eigenen Strafraum in einem Luftkampf. Es war ein zwar harter, aber eigentlich normaler Zweikampf. Die Münchner verloren in der 2.Halbzeit ihre spielerische Linie, aber kamen ins ZIel, weil Union seine Chancen nicht verwerten konnte.

Die Bundesliga machte auch mit zwei weiteren Trainerentlassungen auf sich aufmerksam. Zuerst handelte der FC Augsburg, der sich von Hoffnungsträger Sandro Wagner trennte, der selbst zweifelt, ob er der richtige Mann ist. Aus den Aufbruchträumen im Verein wurde Abbruchstimmung. Manuel Baum, früher schon FCA-Trainer und jetzt Leiter im Nachwuchszentrum, wird bis Weihnachten die Mannschaft betreuen. Schlusslicht Mainz05 zog auch die Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden und trennte sich vom einstigen Erfolgstrainer und Fanliebling Bo Henriksen. Der Däne übernahm die Mannschaft im Abstiegskampf, führte sic 2024 zur Rettung und in der Saison darauf sogar auf die internationale Bühne in die Conference League. Jetzt war er wieder dort, wo er anfing – im Abstiegskampf. Der mit der U23 erfolgreiche Benjamin Hoffmann soll voerst das Bundesligateam übernehmen, er könnte aber auch eine langfristige Lösung sein. Zusammen mit Wolfsburg suchen aktuell also drei Bundesligisten einen neuen Trainer. Immer wird der Schweizer Urs Fischer, bei Union Berlin erfolgreich, als Kandidat genannt – er kann sich den Verein aussuchen, wenn er überhaupt will.

Hinweis: Der Blog wurde am Donnerstag geschrieben, konnte aus technischen Gründen nur verspätet gesendet werden.



























DFB-Pokal im Zeichen der Revanche

Neben Bundesliga und Champions League meldet sich der Pokal nur mal zwischendurch, aber ein Schattendasein führt er keineswegs. „Es ist der kürzeste Weg zu einem Titel“, heißt es allgemein. Aber selten ist ein Achtelfinale im DFB-Pokal so brisant wie diesmal. Die Zeichen stehen nämlich auf Revanche und dabei geht es um die Ergebnisse in der Bundesliga. Amateurklubs sind leider nicht mehr dabei.

Revanche Nummer 1 betrifft Bayern München. Der Rekordmeister und Rekordpokalsieger (20mal) läuft seit fünf Jahren dem nächsten Erfolg hinterher, meist war im Achtelfinale Endstation, im Vorjahr gegen Bayer Leverkusen. In diesem Jahr ist erneut der Pokalsieg ein Ziel, das man unbedingt erreichen will, „wir wollen nach Berlin“ heißt, gemeint ist das Finale, doch bereits am Mittwoch stehen die Bayern in Berlin vor einer Bewährungsprobe, nämlich bei Union Berlin. Fußball-Fans wissen Bescheid: Am 10. Spieltag beendete Union mit einem 2:2 die Siegesserie der Bayern. Die Münchner werden also mit gewaltigen Revanchegelüsten anreisen, Rotationsgedanken wird Trainer Vincent Kompany nicht hegen, auch Manuel Neuer steht nach Sperre wieder im Tor. Es gilt, die Pannenserie im Pokal zu beenden. Aber Achtung: Die letzten vier Heimspiele im Pokal hat Union alle gewonnen und das unglückliche 1:2 gegen Heidenheim in der Bundesliga macht Beine für eine Wiedergutmachung.

Revanche Nummer 2 betrifft das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Leverkusen und Dortmund, dass Bayer im eigenen Stadion mit 1:2 verlor. Jetzt will das Werksteam den Spieß umdrehen und in Dortmund gewinnen, eine schnelle Revanche also. Im Pokal hat sich Bayer zuletzt wohlgefühlt, holte 2024 nach 1993 den zweiten Titel. Dortmund gewann schon fünfmal, zuletzt 2021, auch da ist der Blick aufs Finale am 23. Mai gerichtet. Beide Teams hatten vorher bereits in der Champions League beeindruckt, Leverkusen siegte bei Manchester City (Pep Guardiola ließ quasi ein B-Team spielen) mit 2:0, Dortmund hatte keine Probleme beim 4:0 über Villarreal und tankte mit 2:1-Sieg (erstmals in der BL gegen einen „Großen“ gewonnen) Selbstvertrauen.

Mit Gladbach – St. Pauli gibt es ein drittes Bundesliga-Duell mit Revanchegedanken (Dienstag, 18 Uhr), in Hamburg siegte die Borussia Anfang November 4:0. Titelverteidiger VfB Stuttgart tritt am Mittwoch (18 Uhr) in Bochum an. Die weiteren Spiele: Hertha BSC – Kaiserslautern (Dienstag, 18 Uhr), Leipzig – Magdeburg (Di. 21 Uhr), Freiburg – Darmstadt (Mi. 18 Uhr), HSV – Kiel (Mi. 21 Uhr).

BL: Standards, Joker, Last-Minute-Tore

Die Bayern werden lange mit Schrecken an die 1:3-Niederlage gegen Arsenal London in der Champions League zurückdenken. Nicht nur, dass ihre stolze Erfolgsserie damit beendet wurde, Ernüchterung gab es vor allem durch die zwei entscheidenden Tore nach Eckbällen. Hilflos Torhüter Neuer und seine Abwehr, ein Fakt, der vermieden werden sollte. Aber es ist ein Trend, Standards werden immer wichtiger. Bei Arsenal, so heißt es, lässt sie Trainer Mikel Arteta bis zum Erbrechen trainieren. Aber auch die Bayern können sie, das vorentscheidende 2:1 gegen Kellerkind St. Pauli erzielte Luis Diaz nach einem Standard. Die Bayern können das, sind mit zehn Toren nach ruhenden Bällen die Nummer 1 der Liga zusammen mit Freiburg. Andererseits: Auch Union tat den Münchnern beim 2:2 mit zwei Standardtoren weh! Im Zweifel helfen Standards, wenn die Kraft zu Ende geht oder spielerisch die Mittel fehlen.

Auffallend aber auch, dass die Entscheidungen immer öfter erst in der Nachspielzeit fallen. Am vergangenen Wochenende war dies eklatant und oft waren Einwechselspieler die Torschützen. Joker werden durch die größeren Wechselmöglichkeiten immer wichtiger. Wer zuerst auf der Bank sitzt, kann dennoch zum Helden werden. Durch die frischen Spieler gibt es auch spät noch die Kraft für Tore. In fünf der neun Spiele fielen in der Nachspielzeit entscheidende Tore! Nicht nur bei den Bayern, besonders erfolgreich war Heidenheim bei Union mit dem 1:1 von Schimmer in der 90. Minute und dem Siegtreffer von Schöppner in der 96. (beide Joker!). Jetzt sieht Heidenheim in Sachen Klassenerhalt wieder Licht am Ende des Tunnels. Es schimmert zumindest, Stefan Schimmer erzielte seine insgesamt drei Tore alle als Joker und ist damit bester Torjäger des FCH. Fünf der zehn Treffer fielen durch Joker!

Der HSV schaffte das 2:1 gegen Stuttgart in Unterzahl und durch ein Tor von Vieira nach 94 Minuten. Wichtig nach fünf erfolglosen Spielen. Frankfurt rettete gegen Wolfsburg gerade noch einen Punkt beim 1:1 weil Batshuayi in der 97. Minute einen Foulelfmeter verwandelte und Kölns Talent El Mala machte mit dem 1:1-Ausgleich in der 91. Minute in Bremen auf sich aufmerksam. Die Zuschauer werden sich künftig hüten, vorzeitig das Stadion zu verlassen.

Neues Schlusslicht der Bundesliga ist Mainz 05. Das 0:4 in Freiburg war ein Genickschlag, Trainer Bo Henriksen wirkt ratlos, sein Team auf dem Feld hilflos. Ob am Freitag gegen Gladbach nach Wochen der Erfolglosigkeit die Wende gelingt oder sogar ein neuer Mann am Spielfeldrand steht? Das ganze Gegenteil ist bei der TSG Hoffenheim der Fall, die Mannschaft ist seit sechs Spielen unbesiegt und in diesem Zeitraum holten nicht einmal die Bayern mehr Punkte! Platz fünf ist der aktuelle Lohn und dabei war Trainer Christian Ilzer im Sommer noch ein Wackelkandidat. Jetzt ist es verstärkt der von ihm besiegte Sandro Wagner in Augsburg.

Frauen haben das Toreschießen verlernt

Bundestrainer Christian Wück rauft sich bei den Spielen seiner Mädchen immer wieder die Haare. Beste Chancen werden vergeben und so gab es im ersten Finalspiel der Nations League gegen Spanien nur ein 0:0, obwohl leicht auch zwei oder drei Tore für die deutschen Frauen hätten fallen können. Der Weltmeister wurde über lange Zeit dominiert und hatte selbst kaum gute Chancen. Aber das spanische Tor war wie vernagelt, Torhüterin Cata Call hielt stark und war mit dem Glück im Bunde, Klara Bühl , Jule Brand und Nicole Anyomi verzweifelten dagegen. Am Dienstag (18.30 Uhr/ARD) muss es beim Rückspiel in Madrid besser laufen, allerdings bleiben die Spanierinnen in der Favoritenrolle, obwohl Weltfußballerin Aitana verletzt ausfällt.

Immerhin sah der Trainer auch positive Ansätze, „wir haben uns spielerisch verbessert und die Mannschaft trat geschlossen auf“. Die Gastgeberinnen waren auch voll des Lobes und gestanden, „wir mussten leiden“. Sie werden nach Mitteln suchen, dass Wücks Mädchen in Madrid leiden müssen. Dagegen würde ein Finalsieg der deutschen Mannschaft für die Zukunft gehörigen Auftrieb geben.

Zweiter Akt: Wer ist die Nummer 1 in Europa?

Logischerweise können sich Fußball-Fans noch an den 4. November erinnern, als in der Champions League Titelverteidiger Paris St. Germain den FC Bayern München erwartete, die Mannschaft, die bis dahin alle Spiele gewann. Es ging um die Frage, wer die Nummer 1 in Europa ist. Die Bayern gewannen vor drei Wochen mit 2:1, boten in der ersten Halbzeit eine Leistung, wie man sie vielleicht in Europa noch nie gesehen hatte und verteidigten nach dem Platzverweis von Doppeltorschütze Luis Diaz den 2:0-Vorsprung mit Herz und Glück. Ohne Niederlage in Pflichtspielen sind die Bayern bis heute und jetzt folgt am Mittwoch der zweite Akt der Aufführung: Wer ist die Nummer 1 in Europa? Erfolge weist nämlich auch Gegner Arsenal London auf, der Tabellenführer der Premier League (eine Niederlage, sechs Punkte vor Chelsea) und wie die Bayern und Inter Mailand mit vier Siegen in der Champions League vorn. Beide Konkurrenten haben eine Tordifferenz von +11, die Bayern sind mit 14 Treffern (14:3) mit Paris das torhungrigste Team und deshalb Tabellenführer, Arsenal dagegen hat bisher noch keinen einzigen Treffer hinnehmen müssen (11:0)!

Jetzt aber kommt Harry Kane. Der Engländer ist so eine Art Schreckgespenst von Arsenal. Vor allem im Trikot von Tottenham, jetzt aber auch mit den Bayern, hat er in 21 Spielen gegen Arsenal 15 Tore erzielt, davon 6 im Emirates Stadion und ist damit der torgefährlichste Gästespieler! Auch beim letzten Gastspiel mit den Bayern traf Kane beim 2:2. Insgesamt reisen die Münchner mit einer erstaunlichen Bilanz nach London, in 14 Spielen gegen Arsenal gab es 8 Siege und nur 3 Niederlagen, die letzte in der Saison 2015/16. Das soll so bleiben! Aber Achtung, Arsenal fertigte in der Generalprobe ausgerechnet Tottenham mit 4:1 ab. Groß in Form sind vor allem die Angreifer Madueke und Eze, dagegen fehlt Abwehr-As Gabriel verletzt. Die Bayern müssen natürlich auf den für drei Spiele gesperrten Luis Diaz verzichten, bauen aber auf den Schwung vom 6:2 gegen Freiburg, als das Duo Olise/Karl nach einem 0:2-Rückstand die Schwarzwälder schwindlig spielte. Da wird Trainer Vincent Kompany in London wohl kaum auf Jungtalent Karl verzichten.

Es gibt noch ein zweites englisch-deutsches Duell, Manchester City (4./10 Punkte) erwartet am Dienstag Bayer Leverkusen (21./5 Punkte), allerdings unter anderen Vorzeichen. Citys Trainer Pep Guardiola hadert mit der Form seines Teams (1:2 in Newcastle), Bayers Coach Kasper Hjulmand gehen dagegen die Spieler aus. Sieben Stammspieler werden fehlen, drei (Fernandez, Palacios, Vacquez) sind verletzt, zwei (Tapsoba, Andrich) gesperrt und zwei (Terrier, Hofmann) für die CL nicht gemeldet. Dazu gibt es bei vier Spielern ein Fragezeichen, ob sie einsatzfähig sind. Nur eine Notelf bei City, das kann nicht gutgehen, da gerät sogar die Qualifikation für die Play-Offs in Gefahr. Darum kämpft auch Eintracht Frankfurt (23./vier Punkte) gegen Atalanta Bergamo (16./7), während sich Borussia Dortmund (14./7) gegen Villarreal (32./1) vor allem die Chance auf einen Platz unter den ersten Acht erhalten will, um den Play-Offs zu entgehen.

Die Stille und das Eigentor der Fans

Wie es so manchmal ist, der grüne Rasen stand am Wochenende nicht unbedingt im Mittelpunkt der Bundesliga. Die Fans protestierten gegen das Vorhaben der Landes-Innenminister, die Anfang Dezember tagen und unter anderem über die Sicherheit in den Stadien sprechen wollen. Weil es oft Ausschreitungen, Pyro-Unsinn und sogar Raketen ins Umfeld geschossen werden, sind schärfere Maßnahmen geplant, um den manchmal großen Polizeieinsatz zu reduzieren. Stadionverboten, personalisierte Tickets und Kollektivstrafen sind im Gespräch. Das gefällt den Fans überhaupt nicht, sie protestierten mit zwölf Minuten Stille als Zeichen. Manche mögen das sogar als Wohltat empfunden haben, als der ansonsten gleichförmige Krach auf den Stehplätzen. Aber die Unverbesserlichen, sogenannten „Fans“ sorgten gleich für ein Eigentor. So wurde wieder Pyro abgebrannt und in Köln brannte bei den Frankfurter Fans sogar eine Fahne. „Freie Fankultur“ wird gefordert, aber um die Sicherheit anderer kümmern sich die Ultras und Konsorten nicht. Dieses Dilemma wird wohl ein ewiges Streitthema bleiben.

Gestritten wurde auf der Hauptversammlung von Borussia Dortmund nicht, aber auch da wurde ein Zeichen gesetzt. Wie erwartet wurde Hans-Joachim Watzke, als Vorsitzender der KGaA-Geschäftsführung zurückgetreten, als neuer Präsident des e. V. gewählt. Der 56-Jährige fand in der ersten Hybrid-Versammlung mit Stimmabgabe auch im Internet nicht die volle Zustimmung, nur 59 Prozent gaben ihm die Zustimmung. Erstaunlich, nachdem, was Watzke bisher für den Verein geleistet hat. Lars Ricken, sein Nachfolger in der Geschäftsführung, machte dies deutlich: „Ohne Aki Watzke würde es den Verein in dieser Form nicht mehr geben.“

Sportlich erlitt Dortmund einen Rückschlag, Stuttgart trübte die Stimmung mit einem Tor zum 3:3 in der Nachspielzeit. Deniz Undav war dreifacher VfB-Torschütze, sorgte aber mit einem Foul im eigenen Strafraum für einen BVB-Elfmeter, den Can zum 1:0 verwandelte. Besser machten es die anderen Bayern-Verfolger Leipzig (2:0 gegen Bremen) und Leverkusen (3:1 in Woflsburg) und die Bayern selbst. Die lagen zwar überraschend gegen Freiburg schnell mit 0:2 im Rückstand, spielten dann aber groß auf und gewannen 6:2. Vor allem das Duo Michael Olise und Lennart Karl glänzte. Olise erzielte zwei Tore selbst und gab zu weiteren drei die Vorlage. Karl erzielte das 1:2 und war am Ausgleich zum 2:2 beteiligt, sorgte zudem immer für Unruhe. Zwei seiner Aussagen lassen aufhorchen: Messi ist sein Vorbild, die WM 2026 sein großes Ziel. Erreicht er das, haben die Bayern viel Spaß mit dem 17-Jährigen gehabt… Die Bayern hatten aber auch so Spaß, sind sie doch jetzt 43 mal in Folge Tabellenführer, damit wurde der eigene Rekord eingestellt. Diese Leistung gelang zuerst von April 1972 bis Juni 1973. Eine neue Bestmarke ist sicher, denn bei sechs Punkten Vorsprung und der besten Tordifferenz bleiben die Münchner auf jeden Fall noch zwei Spieltage lang Erster. Aber eigentlich wollen sie bis zum Schluss den Platz an der Sonne nicht abgeben.

Am Tabellenende gibt es keinen Spaß, vor allem bei Schlusslicht Heidenheim nicht, wo das 0:3 gegen Gladbach für weitere Ernüchterung sorgte. St. Pauli kennt Siege auch nicht mehr, das 0:1 gegen Union sorgte für einen Vereinsnegativrekord mit neun Niederlagen am Stück. Mainz hadert ebenfalls mit einer mageren Punktausbeute, beim 1:1 gegen Hoffenheim stand allerdings Dominik Kohr im Mittelpunkt. Nach einem hässlichen Tritt flog er mit Rot vom Platz und ist damit Rekordhalter in der Bundesliga. Sein neunter Platzverweis, keiner flog öfter, jetzt muss ihn der DFB für längere Zeit aus dem Verkehr ziehen. Vom Erfolgsweg abgekommen ist auch der Hamburger SV, der fünf Spiele nicht mehr gewinnen konnte. Für Augsburgs Trainer Sandro Wagner war der 1:0-Sieg gegen den HSV allerdings ein Befreiungsschlag, der FCA kann sich als 13. mit zehn Punkten als „Spitzenreiter im Tabellenkeller“ fühlen. Nur 15. ist Wolfsburg, das gleich zwei Niederlagen erleiden musste. Dem 1:3 gegen Leverkusen folgte die Absage von Andreas Schlicker, der nicht in den Norden wechseln wird, sondern Geschäftsführer in Hoffenheim bleibt.

Frauen träumen vom Titel

Für die Frauen-Nationalmannschaft steht am Ende des Jahres der Höhepunkt bevor. Gegen Spanien geht es am Freitag in Kaiserslautern und am 2. Dezember in Madrid um den Titel in der Nations League. Das DFB-Team ist gegen den Weltmeister natürlich Außenseiter, der gleich acht Stürmerinnen nominiert hat. Da kommt auf die deutsche Abwehr also einiges zu. Bundestrainer Christian Wück hat in seinem Aufgebot keine Überraschungen geliefert, mit dabei ist wieder Torhüterin Berger, frisch gebackener Meisterin in den USA. Verzichten muss Wück auf Bayern-Torjägerin Schüller, die aus privaten Gründen absagen musste, dafür rückte Vereinskollegin Dallmann nach. Im Angriff wird Wück sicher wieder auf Anyomi setzen, die im Halbfinale gegen Frankreich glänzte. Aber die deutschen Frauen müssen über sich hinaus wachsen, um Spanien in die Knie zu zwingen,.

Das Aufgebot: Tor: Berger, Johannes, Mahmutovic. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Knaak, Küver, Linder, Minge. – Mittelfeld: Alara, Brand, Gräwe, Lohmann, Nüsken, Senß. -. Angriff: Anyomi, Bühl, Cerci, Dallmann, Freigang, Martinez, Zicai.

Vielleicht geben die Erfolge der deutschen Teams in der Champions League der Nationalmannschaft Auftrieb. Bayern München und der VfL Wolfsburg glänzten gegen die Star-Klubs von Paris St. Germain (3:1) und Manchester United (5:2) mit großartigen Siegen und haben nach vier von sechs Spieltagen bereits die Teilnahme an den Play-Offs sicher. Wolfsburg ist sogar Dritter und wäre damit im Viertelfinale, hat aber mit Real Madrid und Chelsea London noch dicke Brocken vor sich. Die Münchnerinnen als Fünfte hoffen gegen Atletico Madrid und Valerenga Oslo noch auf den Sprung nach oben. Die letzten Spieltage sind am 9./10. und 17. Dezember.

In der Bundesliga ließen die Spitzenklubs nichts anbrennen. Die Bayern-Mädchen machten es fast den Männern nach, lagen in Hoffenheim 0:1 zurück, siegten dann aber 5:1. Es bleibt also bei sechs Punkten Vorsprung, weil Wolfsburg beim 3:1 in Leipzig ebenfalls keine Probleme hatte.

Im Wintersport haben alle nur Olympia im Visier

In Deutschland kehrte in diesen Tagen rechtzeitig der Winter wieder zurück, um die Aufmerksamkeit der Sportfans auf den Wintersport zu lenken. Nach einem Vorgeplänkel im alpinen Skisport geht es am kommenden Wochenende kompakt so richtig los, die Olympia-Saison wird eröffnet. Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo vom 6. bis 22. Februar 2026 haben alle im Visier. In den Weltcup-Wettbewerben geht es vornehmlich um die Qualifikation, aber auch um den Formaufbau, um in Italien erfolgreich zu sein. Zur Erinnerung: Bei den letzten Winterspielen 2022 in Peking holte Deutschland zwölfmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze, das bedeutete Platz zwei im Medaillenspiegel hinter Norwegen.

Wir werden im Winter also verfolgen, wie groß die deutschen Chancen diesmal sein werden. Die fleißigsten Medaillensammler sind meist im Eiskanal zu finden, Bob und Rodel sehr gut, auch diesmal darf man auf Medaillen hoffen. Francesco Friedrich ist der Dominator in der Bobbahn, im Rodeln will Weltmeister Max Langenhan endlich auch Olympiasieger werden und auch Weltcup-Siegerin Julia Taubitz peilt nach acht WM-Titeln ihr erstes Olympia-Gold an. Erste Rennen im Dezember.

Anders sieht es auf Schnee aus, da gibt es natürlich Chancen, andererseits aber auch Sorgen. So sind in zwei Sportarten die Männer das schwache Geschlecht. Vor allem bei den Alpinen ist Sportdirektor Wolfgang Maier mit den Herren unzufrieden, im vergangenen Winter schaffte keiner eine Podiumsplatzierung. Das gab es im Skiverband sonst in keiner Disziplin. Die Frauen erreichten immerhin zwei Siege und insgesamt sieben Podestplätze. Diesbezüglich gelang der Saisonauftakt, denn die neue Ski-Hoffnung Emma Aicher (22) fuhr beim Slalom in Levi gleich auf Rang drei vor ihrer Mannschaftskameradin Lena Dürr. Die gebürtige Schwedin gilt als Supertalent und Allrounderin, will in allen alpinen Disziplinen starten. Bei Speedrennen ist auch Kira Weidle-Winkelmann etwas zuzutrauen, während bei den Männern nur Slalom-Spezialist Linus Straßer als Hoffnungsträger gilt, der bei der letzten WM immerhin Bronze holte.

Im nordischen Bereich sieht es da besser aus. Im Skispringen erreichten die Frauen im vergangenen Winter 19 Podestplätze bei vier Siegen, die Männer gewannen sogar siebenmal bei 13 Podestplätzen. Da gibt es also Hoffnung, wobei die Skispringer gleich zwei Höhepunkte haben, denn die Vier-Schanzen-Tournee zum Jahreswechsel hat einen fast so hohen Stellenwert. Ein deutscher Sieg will aber seit Jahren einfach nicht gelingen. Andreas Wellinger, Karl Geiger und Pius Paschke sind also gefordert (Auttakt am Wochenende in Lillehammer). Paschke war im Vorjahr vor Weihnachten in Hochform, danach leider nicht mehr, diesmal sollte er seine Form bis zum Februar konservieren. Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen auf Selina Freitag und Katharina Schmid.

Die erfolgreichste Abteilung im Skiverband waren die nordischen Kombinierer, die acht Siege holten bei 23 Podestplätzen, Vinzenz Geiger aus Oberstdorf holte sich am Ende den Gesamtweltcupsieg, profitierte dabei jedoch von der Erkrankung des großen norwegischen Rivalen Jari Magnus Riiber, der inzwischen seine Karriere beendet hat. Die Norweger haben aber weiterhin eine starke Mannschaft, ebenso wie die Österreich, die beide den Deutschen Paroli bieten wollen. Eine spannende Saison steht diesbezüglich bevor, der Start ist am 28. November im finnischen Ruka. Die Frauen konnten mithalten, Nathalie Armbruster kürte sich zur Königin der Kombinierer.

Die Vier-Schanzen-Tournee der Skispringer ist auch ein Fernsehereignis, die besten TV-Einschaltquoten hat unter der Saison aber weiterhin Biathlon. Es zeichnet sich ab, dass dies auch in diesem Jahr so sein wird, vor allem wenn die Frauen am Start sind. Die Daumen drücken darf man vor allem Franziska Preuß, die im Vorjahr endlich einmal gesund war und prompt den Weltcup gewann und „Skisportlerin des Jahres“ wurde. Die 31-Jährige zog sich bei der Vorbereitung zwar eine Handverletzung zu, ist aber wieder fit und führt das deutsche Team beim Saisonstart am 29. November in Östersund an. Dank Preuß holten die Frauen im Vorjahr 20 Podestplätze bei acht Siegen. Einer gelang auch Selina Grotian, dem 21-jährigen Nachwuchstalent. Sie wurde bereits mit Vanessa Vogt und Julia Thannheimer für Schweden nominiert, die Rückkehrerin und junge Mutter Janina Hettich-Walz und Sophia Schneider müssen sich noch qualifizieren. Die Männer sind auch im Biathlon das schwache Geschlecht, es gelang im Vorjahr kein Sieg, gerade mal drei mickrige Podestplätze waren zu verzeichnen. Allerdings fehlt es im Gegensatz zu den Frauen auch an Nachwuchs, so dass mit keiner großen Besserung zu rechnen ist. Die Routiniers Johannes Kühn und Roman Rees wurden dennoch nicht für Schweden nominiert, müssen erst wieder Leistung bringen. Angeführt wird die Mannschaft von Justus Strelow und Philipp Nawrath, mit dabei sind auch Lukas Fratschner, Simon Kaiser, Philipp Horn und Danilo Riethmüller. In Deutschland gastiert der Weltcup-Zirkus vom 8. bis 11. Januar in Oberhof und danach vom 14. bis 18. Januar in Ruhpolding.

Der Wintersport wird uns also in den nächsten Wochen und Monaten im Bann halten, Ende des Kalenderjahres können wir eine Zwischenbilanz ziehen, wie die Chancen bei Olympia stehen. Hoffentlich heiße Hoffnungen und keine kalten Enttäuschungen!

Bei der WM dabei: Deutschland, die Mannschaft mit den vielen Gesichtern

Hat Thomas Tuchel seinen Kollegen Julian Nagelsmann angestachelt? Der deutsche Trainer schaffte einen Rekord mit England: Acht Siege, 22:0 Tore (!), das gab es in der WM-Qualifikation noch nie. Rekordverdächtig war dann auch das deutsche „Endspiel“ der Gruppe A gegen die Slowakei. Auf den Punkt genau zeigten die Nagelsmänner ihre beste Leistung. Ein 6:0 mit so einer überzeugenden Leistung gab es zumindest selten. So darf gefeiert werden. Deutschland ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 (11. Juni – 19. Juli) in den USA, Mexiko und Kanada dabei, wird in Topf 1 vertreten sein und darf damit auf eine machbare Gruppe hoffen. Die Leistung von Leipzig muss aber bei der WM der Maßstab sein, da wäre dann wirklich alles möglich. Die Gruppenauslosung ist am 5. Dezember (18 Uhr MEZ) in Washington.

Das Auf und Ab vom DFB-Team unter Julian Nagelsmann ist schon seltsam. Deutschland ist die Mannschaft mit den vielen Gesichtern. Mal grottenschlecht, dass wieder vom Rumpelfußball die Rede ist, mal überragend, dass der Traum vom WM-Titel wirklich in den Mund genommen darf. Manchmal gibt es die zwei Gesichter in einem Spiel, wie in Luxemburg oder mal bei einem 3:3 gegen Italien, nach 3:0-Führung zur Halbzeit! Manchmal nur Durchschnitt und Langeweile. Sinnbild für die Schwankungen der Mannschaft ist Stürmer Leroy Sané, ein begnadeter Spieler, der seine beste Leistung allerdings nur ab und zu zeigt. Deshalb ließ ihn Bayern München nach Istanbul gehen, deshalb setzte ihn Nagelsmann unter Druck, „viele Chancen bekommt er nicht mehr.“ Beim 2:0 gegen Luxemburg und vor allem beim 6:0 gegen die Slowakei zeigte Sané was er kann. Chancen genutzt, so hat er seinen Platz im WM-Aufgebot sicher.

Es zeigte sich aber auch, dass der eine oder andere Führungsspieler doch ziemlich unersetzlich ist. So war Joshua Kimmich ein kämpferisches Vorbild, ein echter Kapitän. Der ebenfalls angeschlagene Nico Schlotterbeck bewies seine Unentbehrlichkeit in der Abwehr, mit Tah bildet er das beste Gespann, da muss der verletzte Rüdiger sich strecken für einen Stammplatz. Fast sensationell ist die Entwicklung von Serge Gnabry, der sein Hoch bei den Bayern im Nationalteam fortsetzte. Überhaupt kopierte die DFB-Elf die Bayern, die das Gerüst stellten. Aufsteiger des Jahres ist allerdings Nick Woltemade, der scheinbar seinen Flow in Newcastle und in der Auswahl selbst nicht fassen kann. Er schoss Deutschland quasi zur WM. Eine Art Kur war dieses Spiel auch für Florian Wirtz, der in Liverpool immer noch nicht angekommen ist. Alte Umgebung, alte Leistung. Liverpool muss ihn offensichtlich noch ein bisschen hegen und pflegen.

Bei aller Freude, wir wollen nicht vergessen, dass sich die Slowakei nicht wehrte. Alles Gute vom 2:0-Überraschungssieg zum Start der Qualifikation war nicht vorhanden. Die Slowaken leisteten kaum Gegenwehr, gingen im deutschen Angriffswirbel unter und kassierten die höchste Niederlage ihrer Geschichte. Die Slowakei muss jetzt in die Play-Offs im März. Bis dahin ist überhaupt Länderspielpause, vielleicht geht es Nagelsmann so wie Thomas Tuchel, der sagte, „ich weiß gar nicht, was ich in dieser Zeit machen soll.“ Als nächste Aufgabe steht für das DFB-Team am 30. März ein Spiel gegen die Elfenbeinküste an, ein zweiter Gegner wird noch gesucht. Den letzten Test vor der WM gibt es am 31. Mai in Mainz gegen Finnland. Dann sollte es so sein, dass wir sagen können, die WM kann kommen. Deutschland muss nur das richtige Gesicht zeigen.

Der Stress spielt mit beim Jahres-Endspurt

Nicht nur die Fußball-Profis beklagen sich über zu viele Spiele, das geht auch den Spitzensportlern im Handball und Basketball so. Nationalspieler die in ihren Vereinen auch noch internationale Aufgaben bewältigen müssen, haben Stress ohne Ende, die Belastungen für den Körper sind meist zu viel, Verletzungen mehren sich. Die Fußball-Bundesliga steht besonders im Blickpunkt und beim Jahres-Endspurt spielt der Stress gewissermaßen mit. München, Leverkusen, Dortmund und Freiburg sind überall dabei, haben neben den Punktspielen auch den DFB-Pokal und Aufgaben auf der internationalen Bühne, das bedeutet acht Spiele in vier Wochen, bevor Weihnachten gefeiert werden darf.

Fünf Spiele am Stück ohne Länderspielpause gab es in dieser Saison noch nicht, die Bundesliga macht der staaden Zeit im Advent Konkurrenz, zumal sich die Fans auch auf einige echte Schlagerspiele freuen dürfen. Los geht es am Samstag mit der Partie Dortmund – Stuttgart, danach folgen noch die Duelle Leverkusen – Dortmund, Stuttgart – München und Leipzig – Leverkusen. Aber auf diese Begegnungen allein sollten sich die Spitzenklubs nicht konzentrieren, auch jeder andere Verein kann zum Stolperstein werden, schließlich haben alle Klubs eigene Ziele im Auge, sei es Europa oder der Kampf gegen den Abstieg. Also eigentlich bei allen Stress pur.

Große Schlagzeilen hat es in der Länderspielpause nicht gegeben, die befürchteten Trainerwechsel blieben aus. Nur Gladbach handelte, aber anders, machte Eugen Polanski zum Cheftrainer mit Vertrag bis 2028. Beim VfL Wolfsburg blieb die Unruhe, auch Sportdirektor Sebastian Schindzielorz musste gehen und für Geschäftsführer Peter Christiansen ist die Luft ebenfalls dünn geworden. Unruhe auch bei der TSG Hoffenheim, wo eine Entlassungs- und Rücktrittswelle bei den Funktionären rollte. Verantwortlich ist im Hintergrund Mäzen Dietmar Hopp, der an dem bei allen anderen in Ungnade gefallenen Spielerberater Roger Wittmann festhält. So steht auch der Abgang vom erfolgreichen Sportgeschäftsführer Andreas Schicker im Raum. Der Österreicher, der allerdings noch einen Vertrag bis 2029 besitzt, ist vor allem in Wolfsburg im Gespräch. Diese Querelen könnten sich auch sportlich niederschlagen.

Mit besonderem Ehrgeiz gehen natürlich die Klubs vom Tabellenende in den Jahres-Endspurt. Schlusslicht ist der 1. FC Heidenheim, aber auch Mainz 05 brachte es bisher gerade mal auf fünf Punkte. Beim Restprogramm für das Jahr fällt auf, dass beide Klubs mit Gladbach, Freiburg, St. Pauli und den Bayern viermal die gleichen Gegner haben. So sieht ihr Programm aus: Heidenheim: Gladbach (H), Union Berlin (A), Freiburg (H), St. Pauli (A), Bayern (H). – Mainz: Hoffenheim (H), Freiburg (A), Gladbach (H), Bayern (A), St. Pauli (H). St. Pauli steht derzeit mit sieben Zählern noch auf dem Relegationsrang 16, hat es also selbst in der Hand, ob ruhige Weihnachten gefeiert werden können.

Können die Bayern-Frauen die CL gewinnen?

In der Bundesliga sind sie überlegen, im DFB-Pokal haben sie Seriensieger Wolfsburg entthront, als Ziel bleibt eigentlich nur noch der Gewinn der Champions League. Diesen Traum wollen sich die Frauen des FC Bayern München bald erfüllen, entsprechend wurde die Mannschaft immer wieder verstärkt. International klappte bisher allerdings nicht viel, doch jetzt setzten die Bayern-Mädchen ein Zeichen. Gegen Titelverteidiger Arsenal London lagen sie zwar zur Halbzeit 0:2 zurück und eine ähnliche-Schmach wie das 1:7 gegen Barcelona drohte, doch dann kam die Wende. Trainer Barcala stellte um, wechselte richtig und Arsenal geriet in die Defensive. Klara Bühl legte auf, Alara (67.), Harder (80.) und Viggosdottir (87.) trafen. Der 3:2-Sieg fühlte sich wie ein Wunder an. Können die Bayern-Frauen jetzt die CL gewinnen? Die nächste Prüfung steht bevor, am Donnerstag in Paris. Die Frauen von St. Germain sind allerdings nicht so erfolgreich wie die Männer, sind in drei Spielen noch ohne Punktgewinn, die Bayern stehen mit sechs Punkten in den Play-Offs. So erfolgreich war auch Wolfsburg, musste aber beim 1:3 gegen die Lyonnes eine Lektion hinnehmen. Gegen Real Madrid wartet am Mittwoch wieder eine große Aufgabe, Real ist Fünfter mit sieben Punkten und noch ungeschlagen.

Am vergangenen Wochenende stand allerdings der DFB-Pokal im Mittelpunkt und er brachte im Achtelfinale Überraschungen. Zweitligist SC Sand schaltete mit 3:2 Köln aus, Union Berlin schied mit 0:1 gegen das Bundesliga-Kellerkind Jena aus und die HSV-Frauen siegten vor 4000 Zuschauern mit 4:2 im Elfmeterschießen gegen Leverkusen. Ein-Zehn-Tore-Spektakel lieferten sich Hoffenheim und Frankfurt, die Eintracht-Frauen siegten schließlich mit 6:4. Keine Probleme hatten die Favoritinnen aus München (3:0 in Ingolstadt) und Wolfsburg (3:1 gegen Freiburg). Im Viertelfinale, das erst im nächsten Jahr zwischen dem 11. und 23. März gespielt wird, sind auch Werder Bremen (5:4 i.E. in Leipzig) und Bundesliga-Schlusslicht SGS Essen, das mit einem 1:0-Erfolg in Potsdam zeigte, dass es das Siegen nicht verlernt hat.

Länderspielpause – die gefährlichste Zeit für angeschlagene Trainer

Die Nationalmannschaft hat das Wort, Pause in der Fußball-Bundesliga, erst am 21. November geht es wieder weiter. Zeit, die Wunden zu lecken, Zeit zu prüfen, was gut oder schlecht war, aber auch Zeit, einen neuen Trainer zu installieren, wenn es nicht geklappt hat. Die Länderspielpause ist die gefährlichste Zeit für angeschlagene Trainer, denn jetzt hat der neue Mann etwas Zeit, um auf die Mannschaft entscheidend einzuwirken. Es wäre Zeit für eine Wende.

Der erste Verein vom Tabellenende hat bereits die Konsequenzen gezogen, der VfL Wolfsburg hat sich von Paul Simonis getrennt. Der Niederländer kam erst zu Saisonbeginn, noch relativ unerfahren, aber ein Hoffnungsträger. Die Aufgabe war zu schwierig für ihn, Wolfsburg sollte im vorderen Mittelfeld mitspielen, Platz 14 mit nur acht Punkten heißt dagegen Abstiegskampf. Der 40-Jährige bekam die Mannschaft nicht in Griff, das Team gilt als zerstritten und schlecht zusammen gestellt. Ein Fehler, den Geschäftsführer Peter Christiansen und Sportdirektor Sebastian Schindzielorz zu verantworten haben. Mit dem U19-Coach Daniel Bauer haben sie sofort einen Interimstrainer bei der Hand. Der 43-jährige arbeitet beim Nachwuchs erfolgreich und kennt seine neue Aufgabe. Ende der letzten Saison sprang er schon einmal ein, als Ralph Hasenhüttl vorzeitig gehen musste, er holte vier Punkte in zwei Spielen. Die Verantwortlichen hoffen jetzt auf eine Reaktion wie bei Mönchengladbach, dort hat Nachwuchstrainer Eugen Polanski die Mannschaft wieder auf den Erfolgsweg geführt, sogar zum Derbysieg über Köln. Bauer hat in Wolfsburg deshalb „bis auf Weiteres“ das Sagen. Polanski wartet auch noch auf einen festen Vertrag, der sicher bald kommen wird. Auch dafür ist jetzt Zeit.

Die Frage ist, ob Simonis das einzige Opfer bleibt. Am Tabellenende sind Heidenheim (fünf Spiele ohne Sieg), Mainz (sechs Spiele ohne Sieg) und St. Pauli (sieben Niederlagen in Folge) besonders erfolglos. Aber gerade bei ihnen haben aber Frank Schmidt, Bo Henriksen und Alexander Blessin ein besonderes Standing, haben in der Vergangenheit erfolgreich gearbeitet. Bei Mainz klappt es international, aber nicht in der Bundesliga. Es könnte aber sein, dass ein Trainer von sich aus sagt, es reicht! Ein Sonderfall ist Sandro Wagner in Augsburg. Er kam als Hoffnungsträger und Galionsfigur, wird inzwischen aber eher zum Problemfall. Wie lange haben die Augsburger noch Geduld mit ihm? Kommt doch die Entlassung oder gilt, dass sich die Mannschaft beim 0:1 gegen Dortmund und am Sonntag beim 2:3 in Stuttgart immerhin gut verkauft hat. Der FCA hatte es zuletzt mit Spitzenteams zu tun, am 22. November kommt mit dem Hamburger SV ein Konkurrent aus dem Tabellenkeller in die WWK-Arena. Chance für eine Wende, letzte Chance für Wagner? Hoffenheim, Leverkusen, Frankfurt und Bremen heißen danach die letzten Gegner in diesem Jahr. Eine leichte Aufgabe ist da nicht dabei.

Über den Trainer wird auch bei den Spitzenklubs geredet, aber eher positiv. Vincent Kompany gilt als Glücksfall für die Bayern, wenn auch die Siegesserie von 16 gewonnenen Pflichtspielen bei Union Berlin überraschend endete. Irgendwann musste es passieren, der Dauerstress hinterlässt Spuren, wobei jetzt die Länderspielpause für die Bayern-Stars keine Pause ist, sie sind fast alle mit ihren Nationalmannschaften unterwegs. Es ist aber bezeichnend, dass die Bayern selbst bei ihrem ersten Rückschlag profitierten, ihren Vorsprung von fünf auf sechs Punkte ausbauten, weil Leipzig bei Hoffenheim unterlag und Dortmund beim HSV einen Zähler liegen ließ. Die ersten Experten tönen schon, „der Meister steht fest“. Es war die letzten Jahre oft so, dass die Konkurrenz Fehltritte des Rekordmeisters nicht nutzte. Besondere Brisanz bekommt das erneute Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten im DFB-Pokal am 3. Dezember. Kann Union erneut die Bayern ärgern?

Die Bayern hatten ja auch das spektakuläre Spiel vom Dienstag in Paris in den Knochen. Eine Halbzeit lang boten beide Teams eines der besten Fußballspiele, die es je gegeben hat (so jedenfalls Experten). Doppeltorschütze Luis Diaz musste dann nach einem dummen Foul mit Rot vom Feld, aber die Bayern boten in Unterzahl einen heroischen Abwehrkampf und brachten einen 2:1-Sieg ins Ziel und sind damit bei Halbzeit Tabellenführer der Champions League. Die Bundesligisten haben sich überhaupt gut verkauft, Leverkusen siegte bei Benfica 1:0, Frankfurt hielt in Neapel ein 0:0, nur Dortmund patzte bei Manchester City (1:4). Dort feierte übrigens Trainer Pep Guardiola am Sonntag in seinem 1000. Spiel als Trainer einen 3:0-Sieg gegen den FC Liverpool. Die Bundesliga aber könnte von ihren Erfolgen (Bayern Erster, alle anderen in den Play-Offs) profitieren, liegt derzeit in der UEFA-Saisonrangliste auf Platz zwei, was am Ende einen fünften Platz für die Bundesligisten in der kommenden CL-Saison bedeuten würde! Mit beigetragen haben auch Frankfurt, Stuttgart und Mainz, die ihre Spiele in Europa- und Conference-League gewannen.

Nagelsmann ist noch auf der Suche

Ein Trainer wird in der Länderspielpause natürlich nicht entlassen, der Bundestrainer, der steht sogar im Mittelpunkt. Für Julian Nagelsmann und die Nationalmannschaft stehen die entscheidenden Spiele in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2026 an. Zwei Siege müssen her in Luxemburg am Freitag (20.45 Uhr) und im „Endspiel“ am Montag, 17. November, in Leipzig gegen die Slowakei. Allerdings könnte Nordirland am Freitag ein Endspiel verhindern, wenn es in der Slowakei den 2:0-Sieg vom Hinspiel wiederholt. Siege des DFB-Teams sind aber auch wertvoll im Hinblick auf eine günstigere Ausgangslage bei der Auslosung der WM-Gruppen.

Doch zuerst muss sich Deutschland qualifizieren, unter anderem wegen der 0:2-Hinspielniederlage in der Slowakei ist die Zuversicht nicht zu groß, denn der Bundestrainer ist noch auf der Suche nach einem Team für die Zukunft. Sein Plan ist zunächst das Momentum, doch eine eingespielte Mannschaft bekommt er so nicht. Im Aufgebot fehlen zum Beispiel Mittelstädt, Koch, Stiller, Beier und Undav, dafür sieht er das bessere Momentum bei Brown, Thiaw, Nmecha, Schade, Adeyemi und Sané. Dazu überraschte er mit dem 19-jährigen Aufsteiger Said El Mala als Debütant. Die Stärke des Kölners: Überraschende Aktionen, die den Gegner verblüffen. Ein „Gamechanger“ bei Notlagen! Bayern-Talent Lennart Karl bleibt dagegen bei der U21.

Das Aufgebot: Tor: Bauman, Nübel, Atubolu, Dahmen. Defensive: Anton, Nmecha, Schlotterbeck, Baku, Raum, Brown, Goretzka, Kimmich, Pavlovic, Tah, Thiaw. – Offensive: Adeyemi, Amiri, Burkardt, El Mala, Gnabry, Leweling, Sané, Schade, Wirtz, Woltemade.

Der alte DFB-Präsident wird die Mannschaft als neuer DFB-Präsident begleiten. Bernd Neuendorf wurde beim Bundestag in seinem Amt bestätigt. Heike Ullrich schied als Generalsekretärin aus und ist neue Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball. Neuer Generalsekretär ist Holger Blask, der gleichzeitig das Resort Marketing behält. Neu geschaffen wurde das Amt des Vizepräsidenten für Umsetzung von Strategieprozessen, das Matthias Schöck übernimmt. Bemerkenswert, dass eine 100-Millionen-Investition für den Frauen-Fußball verabschiedet wurde. Die Frauen-Bundesliga erhält eine eigene Organisation mit der Frauen-Bundesliga-Gesellschaft (FBL GmbH), wie sie die Männer mit der DFL haben.

Rückschlag für Wolfsburgs Frauen

Auch für die Frauen stehen in dieser Woche Spiele der Champions League an. Ungelegen kommt deshalb vor allem für den VfL Wolfsburg eine überraschende Niederlage in der Bundesliga mit 2:3 gegen Verfolger Eintracht Frankfurt. Enttäuschend war auch, dass nur 4345 Zuschauer in die VW-Arena kamen. Durch die Niederlage der Wölfinnen konnte Tabellenführer Bayern München mit einem 4:0-Sieg über Union Berlin seinen Vorsprung auf sechs Punkte ausbauen, was (im Gegensatz zu den Männern) wirklich fast schon den Titelgewinn bedeutet, denn zwei Niederlagen werden sich die Seriensiegerinnen kaum leisten.

Schwerer haben sie es da in der Champions League, stehen gegen Titelverteidiger Arsenal London vor einer hohen Hürde. Das Schlagerspiel am Mittwoch (18.45 Uhr/Disney+) wird in der Allianz Arena ausgetragen. Die Wölfinnen haben bereits am Dienstag (21 Uhr/Disney+) sogar noch erfolgreichere Gegnerinnen, denn die OL Lyonnes halten sich seit Jahren in Europas Spitze, holten den Titel 2022. Beide Teams haben ihre bisherigen zwei Spiele gewonnen. In Lyon gibt es auch ein Wiedersehen mit Jule Brand.

Paris – Bayern: Wer ist die Nummer 1 in Europa?

Es gab Zeiten, da war die Rede davon, dass die Bayern auch mit ihrer B-Mannschaft Deutscher Meister werden könnten. Daran erinnern sich die Pessimisten, wenn sie davon sprechen, die aktuellen Bayern wären national unschlagbar und die Fußball-Bundesliga würde deshalb langweilig werden. Trainer Vincent Kompany hat ihnen quasi den Beweis vorgelegt: Er verzichtete im Schlagerspiel gegen Bayer Leverkusen zunächst auf viele Stars und dennoch führten die Münchner schon in der Halbzeit mit 3:0. Der Supersturm mit Olise-Kane-Diaz wurde erst in der 59. Minute eingewechselt und beschränkte sich praktisch auf ein Auslaufen. 275 Millionen Euro wurden auf einen Schlag auf das Feld geschickt – das gab es noch nie!

Auch die zweite Garde sorgte also dafür, dass die Siegesserie der Bayern weiterging. Das Pokalspiel in Köln (4:1) war Kompany wohl wichtiger, er will auf keinen Fall das Ziel Finale gefährden, danach erst war für die Stars Schonung angesagt. Im Blick hat er dabei die Belastung, die am Dienstag quasi ihren Höhepunkt erleben wird. Die Champions League beschert den Supervergleich zwischen dem Titelverteidiger Paris und der aktuell erfolgreichsten Mannschaft in Europa mit 15 Pflichtspielsiegen in Folge (in der BL haben die Bayern in allen 9 Spielen immer das 1:0 erzielt, das gab es noch nie!). Nun wird also geklärt, wer wirklich die Nummer 1 in Europa ist. Paris ist Tabellenführer der CL mit 9 Punkten und 13:3 Toren, gleichauf quasi mit den Bayern, die Rang 2 einnehmen, weil sie bei 12:2 Toren einen Treffer weniger erzielt haben. Auch PSG-Coach Luis Enrique hatte den Dienstag im Blick und schonte Stars, muss aber auf Doué (bester Mann beim 7:2 gegen Leverkusen) und evtl. Star Dembelé verzichten. Für die Bayern wartet danach der nächste dicke Brocken in der CL, nämlich Arsenal London am 26. November. Dazwischen liegen die Pflichtaufgaben national gegen Union Berlin (Samstag) und Freiburg (22. November) sowie eine Länderspielpause. Keine Zeit zum Luftholen, für Kompany wohl wieder die Zeit, die Einsätze entsprechend zu dosieren.

Viele können sich gar nicht mehr erinnern, wann es in München so harmonisch und erfolgreich zuging wie derzeit. Das wurde auch bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag deutlich, als Bayern-Präsident Herbert Hainer (mit 93,5 Prozent wiedergewählt) wieder einmal Rekordzahlen vorlegte. Die Münchner haben inzwischen 432500 Mitglieder, sind damit der größte Verein der Welt, der Konzernumsatz stieg auf 978,3 Millionen Euro, allein im Merchandising wurden 150 Millionen eingenommen, es blieb dennoch nur ein Gewinn von 27,1 Millionen nach Steuern. Aber betont wurde sowohl bei der HV als auch auf dem Platz, welche Harmonie es in Verein und Mannschaft gäbe – die Basis für den Erfolg. Aber Kritiker können hoffen, der FC Hollywood wird wieder auferstehen!

Bayer Leverkusen war nicht in der Lage, das B-Team der Bayern zu fordern, eine klägliche Leistung und bezeichnend zudem. Vor zwei Jahren schockte Bayer mit Trainer Xabi Alonso den Serienmeister, doch der Titel 2024 war eine Einjahresfliege. Die Bayern schüttelten sich und suchten nach Verstärkungen und hatten Trainerglück mit Kompany. Leverkusens Meistermannschaft dagegen zerbrach, verstreute sich in alle Welt und der Trainer feiert jetzt bei Real Madrid Siege. Kein Verein in der Bundesliga schaffte je den dauerhaften Erfolg! Am ehesten ist auf lange Sicht noch Borussia Dortmund der große Konkurrent, der unter Jürgen Klopp ebenfalls kurzfristig zur Nummer 1 wurde und trotz aktuell Rang drei als ernsthaftester Konkurrent der Bayern langfristig gesehen werden kann. Auch bei der Borussia wird auf finanzielle und sportliche Stärke gesetzt. Auf Platz 2 hält sich aber RB Leipzig wacker, festigte die Position mit einem 3:1 gegen Stuttgart, das damit ein Beispiel für alle anderen Verfolger ist, keiner hat die nötige Konstanz.

Auch Dortmund steht in der CL vor einem Schlagerspiel, gastiert nämlich am Mittwoch bei Manchester City, da erwartet der Siebte den Sechsten. Beim Team von Pep Guardiola befindet sich Torjäger Erling Haaland in Bestform, da ist die Borussia-Abwehr gefordert, die in der BL sechsmal schon ohne Gegentor blieb – neuer Vereinsrekord (24/25 spielte man nur in 7 von 34 Partien zu null). Alle Bundesligisten sind auswärts gefordert, schwere Aufgaben haben auch Eintracht Frankfurt in Neapel und Bayer Leverkusen bei Benfica Lissabon, bei denen allerdings der Zauber von Trainer José Mourinho schon wieder verblasst ist.

Zurück zur Bundesliga, wo auffällt, dass zwei angeschlagenen, weil erfolglose Trainern von den Bossen der Rücken gestärkt wird. Sowohl Paul Simonis in Wolfsburg als auch Sandro Wagner in Augsburg bekommen eine weitere Bewährungszeit, obwohl beide Klubs im Abstiegskampf stecken und weit von ihren Zielen entfernt sind. In die Krise schlitterte auch St. Pauli, das mit dem 0:4 gegen Gladbach die sechste Niederlage in Folge erlitt. Auch da sitzt Alexander Blessin noch fest im Sattel. Für die Borussen war der Sieg quasi eine Art Wiedergeburt nach saisonübergreifend 15 sieglosen Spielen am Stück. Interimstrainer Eugen Polanski bringt das Team offensichtlich Stück für Stück nach vorn.

Pokal als Argument für den VAR

Hat man ihn, wird er kritisiert, hat man ihn nicht, wird der Ruf nach dem VAR laut! In der zweiten Pokalrunde hatten die Schiedsrichter noch keinen Videobeweis zur Verfügung (weil die Installierung bei den unterklassigen Klubs zu teuer ist) und prompt gab es folgenschwere (finanziell!) Fehlentscheidungen. Vor allem in Frankfurt ärgerte man sich, weil der Dortmunder Beier beim Treffer zum 1:1 knapp im Abseits stand. Schlecht zu sehen, aber eine Sache für den VAR, der auch nicht eingesetzt wird, wenn zwei Bundesligisten aufeinandertreffen. Dortmund war schließlich auch im Elfmeterschießen (4:2) die glücklichere Mannschaft. Auch Köln konnte hadern, denn beim 1:1 der Bayern stand Torschütze Diaz vorher einen halben Meter im Abseits. Die Kölner nahmen es nach dem 1:4 gelassener, die Bayern wären sowieso nicht zu stoppen gewesen. Mit Frankfurt, Köln, Heidenheim, Hoffenheim, Mainz, Wolfsburg und Augsburg schieden gleich sieben Erstligisten in dieser Runde aus, das gab es noch nie.

Im Achtelfinale am 2./3. Dezember kommt es zum Schlagerspiel Dortmund – Leverkusen, die Bayern schnuppern bei Union schon mal wieder Berliner Finalluft. Außerdem spielen Gladbach – St. Pauli, HSV – Kiel, Bochum – Stuttgart, Freiburg – Darmstadt, Leipzig – Magdeburg.

Was den VAR angeht, so sorgte er in der Bundesliga wieder für Gerechtigkeit. Allerdings dauerte es beim Duell von Köln gegen den HSV mit sechs Minuten viel zu lang, bis (richtig) entschieden wurde. Beim 0:0 von Union gegen Freiburg wurden beiden Teams Tore vom VAR aberkannt. Union -Geschäftsführer Horst Heldt schimpfte und blamierte sich: „Bei einer Abseitsstellung interessiert es nicht, ob passiv oder aktiv“, moserte er vor der Kamera. Das Gegenteil ist er der Fall. Aber das kennen wir, die Funktionäre fühlen sich schnell benachteiligt, sind aber keineswegs regelfest. Die Schiedsrichter machen weniger Fehler als Spieler und Funktionäre, der VAR hilft ihnen dabei.

DFB-Frauen im Finale

Die deutschen Frauen haben das Finale der Nations League erreicht. In einem harten Kampf gelang ihnen in Caen gegen Frankreich ein 2:2, was nach dem 1:0 im Hinspiel reichte. Einen starken Auftritt hatte dabei Mittelstürmerin Anyomi, die sich nach Verletzungsproblemen zuletzt wieder empfehlen konnte. Frankreich ging 1:0 in Führung, Anyomi glich aus und Klara Bühl schaffte das 2:1. Erst in der 89. Minute kamen die Französinnen, die spielerisch überlegen waren, zum Ausgleich. Die deutschen Mädchen kämpften bravourös, Torhüterin Stina Johannes war ein sicherer Rückhalt. Dennoch hofft Bundestrainer Christian Wück für die Finalspiele auf Standardtorhüterin Berger. Gegner ist Weltmeister Spanien nach einem 4:0 und 1:0 gegen Schweden. Gespielt wird am 28. November in Kaiserslautern und am 2. Dezember in Spanien. Die deutschen Fußball-Fans zitterten mit dem Team, im ZDF sahen 5,2 Millionen zu, das waren mehr als bei den Männern anschließend im Pokal, für Frankfurt – Dortmund interessierten sich nur 4,9 Millionen Fans.

In der Bundesliga bleibt Bayern München in der Erfolgsspur mit einem 4:1 über Schlusslicht Essen. Wolfsburg hatte beim 2:1 gegen Verfolger Hoffenheim mehr Probleme, Vallotto erzielte in der 91. Minute den Siegtreffer. Nun steht eine englische Woche an, bereits am Dienstag (18 Uhr) kommt es in Nürnberg zum Derby gegen München und um 19 Uhr in Berlin zum Nordderby von Union gegen Wolfsburg. Die Aufsteiger fordern also die Topklubs heraus. Der dritte Aufsteiger Hamburg hatte beim 0:4 gegen Frankfurt mit 6000 Besuchern die meisten Zuschauer.

Die Fußball-Bundesliga liebt Rekorde

Kommt das Gespräch unter Sportfans auf die Fußball-Bundesliga, winken viele ab mit der Bemerkung, „langweilig, die Bayern werden ja schon wieder Meister“. Aber hallo, für solche Einstellung ist es viel zu früh und die Bundesliga bezieht ihre Attraktivität und Beliebtheit nicht nur aus dem Kampf um die Meisterschaft. Die Fußball-Bundesliga liebt auch Rekorde und Serien, dabei kommen allerdings aufgrund ihrer Erfolge natürlich wieder die Bayern ins Gespräch.

In dieser Saison sind die Münchner nach acht Spieltagen tatsächlich noch ohne Punktverlust, 24 Punkte und 30:4 Tore sprechen für sich, es ist der beste Bundesliga-Start aller Zeiten einer Mannschaft. Sie spielen überzeugend und befinden sich im Flow und haben auch alle anderen Pflichtspiele in dieser Saison gewonnen. Aber nicht nur die Bayern sind Rekordjäger, Leverkusen ebenfalls, Bayer hat von den letzten 37 Auswärtsspielen keines verloren – Bundesliga-Rekord. Und da folgt am Samstag in der Allianz-Arena das absolute Highlight: Bayer bei Bayern – eine Serie wird auf jeden Fall enden. Hören die Münchner Leverkusen, gehen sie sofort auf Revanche-Kurs. Leverkusen hat in den letzten Jahren ihren Titel-Lauf beendet und die Bayern im Pokal rausgeworfen – das vergisst man nicht. Im Vorjahr trennte man sich zweimal unentschieden (1:1/0:0). Das Momentum spricht für den Meister, Bayer sollte aber nicht am 2:7-Debakel in der Champions League gegen Paris St. Germain gemessen werden, eine kleine Wiedergutmachung gelang mit dem 2:0-Sieg gegen Freiburg. Aber klar, noch passt nicht alles zusammen, Leverkusens neues Team befindet sich weiterhin in der Findungsphase. Welches Gesicht wird jetzt in München gezeigt? Die ersten Verfolger der Bayern in der Bundesliga bleiben aber sowieso Leipzig mit fünf Punkten Rückstand und Stuttgart mit sechs. Dortmund und Leverkusen folgen mit sieben Zählern Abstand.

Davon will natürlich keiner hören, aber es gibt auch Negativrekorde. Mönchengladbach muss nach dem 0:3 gegen die Bayern damit leben, 15 Bundesliga-Spiele hintereinander sieglos, das hat es bei der Borussia noch nie gegeben. Rekorde produzierte auch das 6:0 von Leipzig in Augsburg, für RB der höchste Auswärtssieg in der Bundesliga, für den FCA in 15 Jahren Oberhaus die höchste Heimniederlage. Zur Erinnerung: Am ersten Spieltag verlor Leipzig in München mit 0:6! Die Zeiten ändern sich schnell. Das wünschen sich auch die Augsburger, die bei weitem nicht die Leistung zeigen, die sie sich unter dem neuen Trainer Sandro Wagner vorgestellt haben. „Wir müssen Geduld haben“, sagen Trainer und Sportdirektor unisono und wollen damit Ruhe reinbringen, die Fans haben aber die Schnauze voll und beschimpften die Spieler. Und leichter wird es auch nicht, am Freitag kommt Dortmund nach Augsburg, am 9. November geht es nach Stuttgart. Danach ist Länderspielpause, vielleicht ziert der FCA dann sogar das Tabellenende, vielleicht gibt es dann doch einen neuen Trainer. Augsburg bleibt im Blickpunkt.

Nicht nur Augsburg (15.) und Schlusslicht Gladbach haben sich die Saison anders vorgestellt, da geht es Mainz mit vier Punkten nicht besser, auch in Stuttgart setzte es mit dem 1:2 eine Niederlage. Wenigstens in der Conference League (1:0 gegen Mostar) konnte man etwas für das Selbstvertrauen tun, aber die Bundesliga ist wichtiger. St. Pauli hat zwar wie Augsburg immerhin sieben Punkte, kassierte zuletzt aber mit dem 0:2 in Frankfurt fünf Niederlagen am Stück. Eine Serie, die Angst macht und in den Kampf um den Klassenerhalt führt. Eine Serie von vier Niederlagen hat Wolfsburg mit dem 1:0 beim HSV beendet. Aufatmen ist angesagt. Weiterhin schwer hat es dagegen Heidenheim, allgemein als Absteiger Nummer 1 genannt und beim 1:3 bei Hoffenheim eine Halbzeit desolat. Trainer-Urgestein Frank Schmidt weiß: „So steigt man ab.“

Der Pokal kann helfen

Wer sich in der Punktrunde schwer tut, der will sich im DFB-Pokal Selbstvertrauen holen. Das wird in der 2. Runde am Dienstag und Mittwoch nicht allen gelingen. Heidenheim hat mit dem HSV ebenso einen Ligenkollegen zu Gast wie St. Pauli mit Hoffenheim und Mainz mit Stuttgart. Anders in Gladbach gegen Karlsruhe und Augsburg gegen Bochum. Zweitligisten könnten eine Spur leichter zu besiegen sein, allerdings sind gerade der KSC und der VfL nicht zu unterschätzen. Zwei Schlagerspiele gibt es. Einmal erwartet Frankfurt am Dienstag (18.45 Uhr/ZDF) Borussia Dortmund, am Tag darauf gastieren die Bayern in Köln (20.45 Uhr/ARD). Gerade auf die Münchner wird geschaut, die in den letzten fünf Jahren im Pokal immer vorzeitig ausgeschieden sind, davon dreimal in der 2. Runde! Jetzt soll mit aller Macht die Wende her, BL-Aufsteiger Köln wird keinesfalls unterschätzt, die Bilanz dagegen gern angeschaut: Im Pokal stand man sich zuletzt vor 22 Jahren gegenüber und da gewannen die Bayern 8:0! In der Bundesliga hat man seit 2011 alle zehn Gastspiele in Köln gewonnen! Die Rheinländer gehen zudem gehandicapt in das Duell, denn Abwehrchef Timo Hübers hat sich beim 0:1 in Dortmund schwer verletzt. Die Augen werden aber auf die Talente Said El Mala (Köln) und Lennart Karl (Bayern) gerichtet sein, wenn sie denn spielen. Spielen wird auf jeden Fall Jonas Urbig, ehemaliger Kölner, im Bayern-Tor, er vertritt den gesperrten Manuel Neuer.

Der Pokal ist auch eine Abwechslung gegenüber den internationalen Aufgaben. Da hat neben Leverkusen auch Frankfurt (1:5 gegen Liverpool) in der Champions League keine Ehre eingelegt. Dortmund (4:2 in Kopenhagen) und die Bayern (4:0 gegen Brügge) hatten dagegen leichtere Aufgaben. Aber gerade für die Bayern kommt es dicke, auf Köln folgt Leverkusen national und dann geht es nach Paris und nach London zu Arsenal. Also, wenn die Siegesserie bis dahin hält…

Frauen-Nationalteam hat das Finale im Visier

Bundestrainer Christian Wück ist ja noch nicht so lange dabei und muss auch eine neue Mannschaft aufbauen, deshalb ist die Frauen-Nationalmannschaft derzeit auch ein bisschen ein Experimentierteam. Im Halbfinale der Nations League hatte Wück bei dem ersten Duell mit Frankreich zumindest ein glückliches Händchen, sein Maßnahmen griffen. Im Mittelpunkt vor allem die 22-jährige Camilla Klüver, die in der Abwehr neben der erfahrenen Hendrich eine bemerkenswerte Leistung bot. Die 1,84 Meter große Spielerin des VfL Wolfsburg war fast Turm in der Schlacht. Torhüterin Stina Johannes war als Berger-Vertreterin souverän und im Mittelfeld lohnte sich für Wück das Experiment mit Jule Brand auf der Zehnerposition. Anfangs fremdelte sie ein wenig, doch es wurde immer besser. Noch mehr trug einmal mehr Klara Bühl zum Erfolg bei, sie brachte Schwung in den Laden und schoss das 1:0-Siegtor. Ansonsten gab es nur eine Schwäche im DFB-Team: Die Chancenverwertung.

Die Französinnen enttäuschten vor 37.000 Zuschauern in Düsseldorf ein wenig, haben aber am Dienstag zu Hause in Caen (21.10 Uhr/ZDF, das einen richtigen Fußballabend hat) die Chance zur Revanche. Aber die DFB-Mädchen haben das Finale im Visier, immerhin hatten sie die Französinnen gut im Griff und auch die gesperrte Minge ist wieder dabei, vielleicht anstelle von Senß und im Sturm könnte Cerci die enttäuschende Anyomi ablösen. Dafür fehlt die erkrankte Dallmann. Im Finale könnte es dann gegen Spanien gehen, das Schweden mit 4:0 schlug. Spiel um Platz 3 und das Finale werden jeweils am 28. November und 2. Dezember in Hin- und Rückspiel ausgetragen.

München stimmt für Olympia

In Sachen Olympische Spiele in Deutschland ist eine erste positive Entscheidung gefallen: 66 Prozent stimmten in einem Bürgerentscheid für eine Bewerbung von München für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Es ist die erste Zustimmung der Bevölkerung von den deutschen Kandidaten, Hamburg und das Gebiet Rhein-Ruhr wollen im Frühjahr wählen lassen, Berlin sich ebenfalls im nächsten Jahr entscheiden. In einem Jahr wird der DOSB entscheiden, welche Stadt für Deutschland ins Rennen geht. Der Weg ist also noch weit, aber eine Kandidatur bringt auf jeden Fall schon Aufmerksamkeit für den Olympia-Bewerber. Und München darf mit seinem Konzept als Favorit in der deutschen Wahl gelten. Mehr dazu im nächsten Blog „Olympia in Deutschland: München gibt die Richtung vor“.

Olympia in Deutschland? München gibt die Richtung vor!

Ein großer Traum oder nur ein Hirngespinst? In Deutschland taucht das Thema immer wieder auf, wir sollten doch hierzulande wieder einmal Olympische Spiele organisieren. Für einige Zeit war dies verpönt, die Kritiker übertönten die Befürworter, die eigentlich ein starkes Argument haben: Olympia ist für jede Stadt ein Gewinn. Die Gegenargumente: Land und Stadt tragen die Kosten, das IOC dagegen kassiert, die Umwelt wird geschädigt und später drücken die Schulden. Doch der Reiz Olympia ist stärker und so wollen es vier Regionen wieder einmal ernsthaft versuchen, die Spiele nach Deutschland zu holen.

Die Kandidaten sind München, Berlin, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr. In jeder Beziehung gibt München für die Kandidatur für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 die Richtung vor. München bietet die besten Voraussetzungen, verweist auf die gelungenen Spiele von 1972 und bestehende Sportstätten. Und München ist der erste Kandidat, der am kommenden Sonntag, 26. Oktober, die Bevölkerung befragt. Die Frage ist simpel, „sind sie für Olympia – Ja oder Nein?“. In Umfragen hat sich eine Mehrheit von 48 Prozent für die Austragung der Spiele bekannt, 32 Prozent lehnen sie ab, 20 Prozent haben sich noch nicht entschieden. Ein entschiedener Befürworter der Spiele in München ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: „Olympia 1972 war der Gamechanger für München und Bayern. Die vielen Investitionen in die Infrastruktur haben München neben Berlin zur bedeutendsten Metropole in Deutschland gemacht – und zur sympathischsten.“ Söder hat erkannt, die Stimmung sei gut, „die European Championships 2022 waren eine Werbeveranstaltung für München“. An Rhein und Ruhr soll im Frühjahr 2026 die Bevölkerung befragt werden, Hamburg hat den Bürgerentscheid für den 19. April 26 geplant. Der Deutsche Olympische Sportbund will sein Olympia-Interesse beim IOC im November bekunden und im Herbst soll bei einer Mitgliederversammlung entschieden werden, welcher Kandidat den Zuschlag erhält, ins Bewerberrennen zu gehen. Voraussetzung: Die Mehrheit der Bevölkerung muss für Olympia sein.

Der Weg zu den Spielen ist in Deutschland nicht leicht und international noch viel schwerer. Es gilt nicht nur das Interesse der IOC-Mitglieder zu wecken, sondern man muss sich auch gegen starke Kandidaten aus aller Welt durchsetzen. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat zumindest schon einmal die Vergabeprozesse für die Spiele 2036 gestoppt. Die Entscheidung soll nicht, wie unter Vorgänger Thomas Bach, im kleinen Kreis und stillen Kämmerlein fallen, als es mehr um einen guten Draht, als um gute Argumente ging. Vergeben sind die Sommerspiele 2028 nach Los Angeles, 2032 nach Brisbane, fast sicher ist Doha 2036 und für 2040 haben viele schon Afrika im Visier. Außerdem greift man in Indien verstärkt nach den Spielen. Keine Chance also für Deutschland oder überhaupt für Europa? Nach den bisherigen Wechseln wäre Europa schon viel früher wieder dran, doch Olympia ist durch die Winterspiele auf diesem Kontinent präsent: 2026 in Mailand und 2030 in den französischen Alpen um Nizza. Bleiben Europa also in Zukunft nur die Winterspiele in Abwechslung mit Asien? Es ist auch weiterhin ein undurchsichtiges Geschäft.

Aber eins ist sicher: Die Olympischen Spiele sind für jede Stadt oder Region ein Gewinn, wenn sie vernünftig organisiert werden und nicht nur Prestigespiele sind wie in Brasilien oder China, wo Jahre danach viele Sportstätten ungenutzt leerstehen und verrotten. München ist das gute Beispiel, Paris hat es 2024 wieder gezeigt, wie eine Stadt von Olympia profitieren kann. Die Welt ist immer noch an Olympia interessiert, warum also sollte es in Deutschland nicht so sein.

Angst vor Langeweile – Aber wie lange reicht Bayerns Kraft?

Bayern München kommt nicht von der Siegesstraße ab, auch Dortmund konnte den Rekordmeister nicht stoppen, der am Mittwoch in der Champions League das Dutzend Siege in Pflichtspielen voll machen könnte. Die Fußball-Fans haben Angst vor Langeweile in der Bundesliga, doch Vermutungen, dass die Meisterschaft mehr oder weniger entschieden sei, sind verfrüht. Eher stellt sich angesichts des kleinen Kaders, der durch Verletzungsausfälle gebeutelt wird, die Frage, wie lange die Kraft der Bayern reicht. Oder man stelle sich vor, Harry Kane verletzt sich und fällt länger aus… Es gibt noch genügend Unwägbarkeiten.

Harry Kane befindet sich offensichtlich in der besten Form seiner Karriere und ist im Moment zweifellos der Kopf der Bayern-Mannschaft. Beim 2:1-Sieg gegen Dortmund war der Engländer überall zu finden, wegen des Ausfalls von Gnabry operierte er laufstark im Mittelfeld, war Torschütze, Mittelfeldstratege und Abwehr-Ass zugleich. Seine Ausbeute kann sich sehen lassen, in seinen gerade mal 70 BL-Spielen erreichte er bereits 100 Scorerpunkte! Rekordhalter war bisher Arjen Robben, der dafür aber 114 Partien benötigte. Fast logisch, dass nur Bayern-Spieler vorne stehen, es folgen Makaay (116) und Ribery (122) vor dem ersten Nicht-Bayern Aubemeyang vom BVB (123).

Dortmund war in München eine Halbzeit lang kein gleichwertiger Gegner, die von Trainer Niko Kovac angekündigte Faust blieb in der Hosentasche. Die Hausherren versäumten es allerdings, bereits für klare Verhältnisse zu sorgen. Dortmund kam wie verwandelt aus der Kabine und es wurde noch ein echtes Kampf- und Spitzenspiel. Die Bayern wehrten sich und zeigten auch im Kampf früher ungewohnte Stärke, die Geschlossenheit ist beeindruckend. Doch die Aufgaben werden nicht leichter, gut, gegen Brügge in der CL am Mittwoch und bei Schlusslicht Gladbach am Samstag sollte die Siegesserie weitergehen, wenn nicht Leichtsinn Oberhand gewinnt. Es geht aber Schlag auf Schlag bis zur nächsten Länderspielpause weiter, Duelle mit Köln im Pokal, Paris in der CL und Leverkusen sowie Union Berlin in der Bundesliga folgen. Und bis auf Stanisic sieht es nicht danach aus, dass das Lazarett der Verletzten kleiner wird. Ein Ritt auf der Rasierklinge.

Fünf Punkte nach sieben Spieltagen beträgt jetzt der Vorsprung des Titelverteidigers vor den neuen Verfolgern Leipzig und Stuttgart, sieben sind es auf Dortmund und Leverkusen. Ein Vorsprung der noch nicht schocken muss, denn die Saison ist noch lang. Überraschend, dass sich RB und der VfB heimlich, still und leise nach vorn geschoben haben, nachdem der Start in die Hose ging. Man denke nur an das 0:6 von Leipzig in München, Stuttgart unterlag bei Union 1:2. Vieles hat sich also geändert.

Ändern muss sich einiges bei anderen Vereinen, die weit hinter ihren Erwartungen hinterher hinken. So brennt vor allem in Gladbach die Bude, denn auch Interimstrainer Eugen Polanski fand nicht in die Erfolgsspur. Jetzt kommen die Bayern, aber spätestens danach bei St. Pauli (jetzt vier Niederlagen in Folge) muss die Wende her vor dem Derby gegen Köln. In Wolfsburg steht Trainer Paul Simonis unter Druck, Europa war das Ziel, Abstiegskampf ist es geworden. Ähnliches in Mainz, wo allerdings Trainer Bo Henriksen nach den Erfolgen in den letzten Jahren noch Kredit hat. Das 3:4 gegen Leverkusen im Dänen-Duell mit dem Kollegen Hjulmand war ein Spektakel. Und Bayer hat wieder Jonas Hofmann entdeckt, der nach langem Bank-Dasein auftrumpfte. Eine besondere Erfolgsgeschichte in Heidenheim, wo die Torschützen Stefan Schimmer und Jonas Föhrenbach beim 2:2 gegen Bremen ihren jeweils ersten Bundesliga-Treffer erzielten! Schimmer (genannt Bomber) spielte in seinen bisher 32 BL-Einsätzen noch nie von Anfang an, Verteidiger Föhrenbach war in 70 Spielen erfolglos und konnte gerade noch einen neuen BL-Negativrekord verhindern. Aber Heidenheim macht deutlich, der Verein wehrt sich gegen den Abstieg.

CL: Nutzt Frankfurt Gunst der Stunde?

Jetzt geht es auch in Europa weiter, die Bundesliga ist bisher gut dabei, Bayern München ist sogar Tabellenführer, andererseits wartet Leverkusen noch auf den ersten Sieg. Aber es haben einige prominente Klubs sorgen, so liegt es jetzt an Frankfurt die Gunst der Stunde zu nutzen, denn Gegner FC Liverpool, der am Mittwoch zur Eintracht kommt, kassierte zuletzt vier Niederlagen in Folge. Torjäger Salah hat Ladehemmung, Wirtz hat sich noch nicht eingewöhnt und der Ex-Eintracht-Star Ekitiké ist nur Joker. Die bei der Auslosung gedachte turmhohe Hürde wurde kleiner. Einen prominenten Gast mit Problemen hat auch Bayer Leverkusen, denn Titelverteidiger Paris St. Germain verlor national mit einem 3:3 gegen Straßburg die Tabellenführung und liegt einen Zähler hinter Olympique Marseille. Dabei ist es doch PSG gewohnt vorne weg zu marschieren. Trotzdem wird der erste Sieg für Bayer nicht leicht. Die Bayern wollen in diesem Jahr die Play-Offs vermeiden, müssen also unter die ersten acht Teams kommen. Ein Sieg gegen Brügge ist da Pflicht, die nächsten Aufgaben heißen dann nämlich Paris und Arsenal London. Dortmund rangiert derzeit auf Rang 7, beim FC Kopenhagen sollte der Platz im Vorderfeld verteidigt werden.

In der Europa League steht für Stuttgart der schwere Gang zu Fenerbahce Istanbul an, der SC Freiburg hat gegen den FC Utrecht die leichtere Aufgabe. Mainz 05 erwartet in der Conference League Zrinjski Mostar.

Frauen vor den großen Duellen mit Frankreich

In der Champions League der Frauen waren die deutschen Vertreter glückliche Sieger. Sowohl Wolfsburg in Oslo bei Valerenga, als auch die Bayern gegen Juventus Turin erzielten ihre Tore zum 2:1-Sieg jeweils in der Nachspielzeit. Die Münchnerinnen hatten sogar noch besonderes Glück, denn der Ball von Lea Schüller hatte gerade mal um ein paar Millimeter die Torlinie überschritten. So sah es zumindest der VAR (Torlinientechnik gibt es nicht), Juve protestierte vergebens. Eintracht Frankfurt hat in der Europa League gegen Slovacko mühelos die nächste Runde erreicht, dort wird es gegen PSV Eindhoven schwerer.

In der Bundesliga setzte die Bayern-Mädchen ihren Siegeszug fort, überrollten Köln nach einem 0:1-Rückstand noch mit 5:1, Wolfsburg (5:1 in Leverkusen) bleibt erster Verfolger. Dahinter geht es aber kunterbunt durcheinander, für die größte Überraschung sorgte Aufsteiger Nürnberg mit einem 3:2 gegen Freiburg. Gefeiert wurde auch bei den anderen Neulingen, Union servierte Leipzig vor 7771 Zuschauern mit 5:0 ab, der Hamburger SV hielt den Vorletzten Jena vor 5259 Zuschauern mit dem 1:1 immerhin auf Distanz.

In München gab es allerdings auch eine schlechte Nachricht, denn die lange verletzte Lena Oberdorf musste bei ihrem ersten Startelfeinsatz gleich wieder verletzt ausscheiden. Es hat sie erneut an ihrem angeschlagenen rechten Knie erwischt. Das hat auch Bundestrainer Christian Wück mit Schrecken gesehen, denn Oberdorf wird wohl für das Halbfinale der Nations League gegen Frankreich ausfallen. Dabei hat Wück sowieso Verletzungssorgen, vor allem fällt Torhüterin Ann-Katrin Berger aus, die Heldin bei der Europameisterschaft, als Deutschland im Halbfinale Frankreich mit 6:5 im Elfmeterschießen dank Berger bezwang. Nun kommt es auf Stina Johannes vom VfL Wolfsburg an, mit gerade mal drei Länderspielen unerfahren und in der Bundesliga noch nicht in Bestform. Bayern-Torhüterin Ena Mahmutovic musste ebenfalls verletzt absagen, so dass Wück nach Dick (Hoffenheim) noch Burggräfe (West Ham) nachnominierte. Auch im Angriff gibt es durch die Ausfälle von Hoffmann und Endemann Probleme.

Keine guten Voraussetzungen also für die Spiele am Freitag (18.45 Uhr in Leipzig/ARD) und Dienstag (21.10 Uhr in Caen/ZDF). Wück hat ja auch in der Abwehr Sorgen, die nicht immer sicher agiert. Mit Küver (Wolfsburg) und Martinez (West Ham) hat er neben Laura Dick zwei weitere Neulinge berufen. Vor allem Shekiera Martinez, die zuletzt in der U23 überzeugt hat, könnte als Hoffmann-Ersatz von Anfang an zum Einsatz kommen. Auch Kapitänin Gwinn ist wieder dabei, genauso wie Schulze Solano (Bilbao) nach Verletzungen. Im zweiten Halbfinale stehen sich Schweden und Spanien gegenüber, um Platz 3 wird am 28. November gespielt, das Finale steigt am 2. Dezember.

Das Aufgebot: Tor: Johannes, Dick, Burggräfe. – Abwehr: Gwinn, Hendrich, Kett, Küver, Minge, Schulze Solano, Wamser. – Mittelfeld: Alara, Brand, Lohmann, Nüsken, Senß, Oberdorf (?). – Angriff: Ayomi, Bühl, Cerci, Freigang, Martinez, Schüller, Zicai.

Im nächsten Blog gibt es Informationen zur Nationalmannschaft der Männer.