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Tag: 3. Liga

Neue Regeln und alter Ärger

Die neue Fußball-Saison steht in den Startlöchern (die 3. Liga in Deutschland beginnt am Wochenende, weiter unten mehr), die neuen Regeln, die der Weltverband oder genauer die IFAB (International Football Association Board) beschlossen hat, sind bereits seit dem 1. Juni in Kraft und erlebten ihre Bewährungsprobe bei der Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich. Im Mittelpunkt stand das Interesse, das Spiel in einigen Punkten zu beschleunigen, aber auch die Regeln über das Handspiel zu präzisieren. Das zumindest ist nur ein bisschen gelungen, ein Ermessungsspielraum bleibt für die Schiedsrichter und deshalb darf als sicher gelten: Neue Regeln und alter Ärger.

Eine Änderung führt zu Klarheit: Jedes Tor, das mit Hand oder Arm erzielt wird, ist irregulär, egal ob Absicht vorliegt oder nicht. Strafbar ist auch, wenn der Spieler seine Körperfläche unnatürlich vergrößert, zum Beispiel wenn die Arme über die Schultern angehoben werden. Kein Handspiel liegt vor, wenn der Ball vom eigenen Körper oder vom Gegner an die Hand springt oder wenn sich ein Spieler im Fallen abstützt. Also, ein bisschen mehr Klarheit, aber der Gesprächsstoff wird trotz Videobeweis nicht ausgehen. Wäre ja auch schade.

Alle anderen Änderungen sind nicht so bedeutend, aber zum Teil wird das Spiel natürlich schneller werden. Gut ist, dass sich bei einem Freistoß in Tornähe die Spieler der ausführenden Mannschaft nicht mehr in die Mauer des Gegners stellen dürfen, sondern einen Meter Abstand halten müssen. Damit ist ein unsägliches Gerangel vorbei. Schneller wird das Spiel, weil Auswechselspieler den kürzesten Weg zur Auslinie nehmen müssen, aber auch, weil bei Abstößen der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen muss. Umgewöhnen müssen sich die Schiedsrichter in eigener Sache, sie sind nicht mehr Luft, was wir ja auch bisher schon gemerkt haben. Wird er jetzt angeschossen und es gibt eine wesentliche Richtungsänderung des Balles oder sogar ein Tor, gibt es Schiedsrichter-Ball.

Auf alle Änderungen muss hier nicht eingegangen werden, Ärger gab es allerdings bereits, weil eine Torhüterregel beim Elfmeter besonders streng ausgelegt wurde. Die Torhüter müssen nur noch mit einem Fuß auf der Linie bleiben, allerdings wurde dies zum Beispiel bei der Frauen-WM per Videobeweis streng kontrolliert und oft die fällige Gelbe Karte verteilt. Wäre dies in einem Elfmeterschießen der Fall, würden die Torhüter ausgehen. So gab es die schnelle Modifikation, dass es bei Elfmeterschießen keine Gelben Karten verteilt werden. Allerdings gab es auch den Rat, bei geringfügigen Verfehlungen der Fußstellung großzügig zu sein. Wir sehen, der Ermessungsspielraum für Schiedsrichter geht nicht aus, allzu starr sollte der Fußball auch nicht sein.

3. Liga zwischen Erfolg und Ablehnung

Seit einigen Jahren bemühen sich DFL und DFB den Ligen unterhalb der Bundesliga mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Das geht am besten vor der Saison, wenn die Eliteliga noch pausiert und so wird häppchenweise die neue Saison im Profi-Fußball eingeläutet (bei den Amateuren in den Landesverbänden ist es ähnlich). Am kommenden Wochenende ist als Erste die 3. Liga dran, eine Woche später beginnt die 2. Bundesliga. Sie dürfen sich dann noch zwei Wochen über mehr Aufmerksamkeit freuen, weil die Bundesliga ihre Saison nach Supercup (3. August) und Pokal (9. – 12. August) erst am 16. August mit dem Auftaktspiel Bayern München – Hertha BSC Berlin beginnt.

Auch in der 3. Liga sieht München das Auftaktspiel, in diesem Fall erwartet 1860 München die Preußen aus Münster (der erste „Tatort“ ist also München, nicht Münster). Allerdings drängen sich die Klubs nicht in die 3. Liga, sondern sie möchten sie eigentlich gerne schnell wieder verlassen – nach oben versteht sich. Die 3. Liga ist ein ungeliebtes Kind zwischen Erfolg und Ablehnung. Erfolg, weil die 3. Liga durchaus attraktiv ist, wenn man nämlich die Zuschauerzahlen sieht. Im vergangenen Jahr kamen 3,09 Millionen Zuschauer zu den Spielen, die Drei-Millionen-Marke wurde erstmals geknackt. Im Schnitt kamen 8123 Besucher, das ist mehr als die 2. Ligen in Italien (unter 8000) und Frankreich (unter 7000). Der Grund: Ehemalige Deutsche Meister und Traditionsvereine tummeln sich im Unterhaus, nur fünf Vereine waren noch nie in der Bundesliga. Dort wollen die meisten wieder hin, doch der Weg ist beschwerlich. Am meisten ärgern sich die Klubs aber darüber, dass der Fall von der 2. Bundesliga in die 3. Liga finanziell so krass ist. Mit 12 Millionen Euro von der DFL können die Klubs in der 2. Bundesliga planen, nur 1,28 Millionen Euro im Schnitt gibt es vom DFB aus der zentralen Vermarktung in der 3. Liga. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Also heißt es nichts wie weg und in die 2. Bundesliga. Dies gilt vor allem für die Absteiger Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg, für die die 3. Liga nur ein Zwischenspiel sein soll. Dass man aber leicht hängen bleiben kann, zeigen andere Vereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder Eintracht Braunschweig, das im letzten Jahr sogar gegen den Abstieg kämpfen musste. Eine Besonderheit weist die neue Saison auf, mit Bayern München II ist erstmals wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten dabei. Die Bayern kämpften seit acht Jahren um die Rückkehr, jetzt aber machen sie keine besonderen Anstrengungen, um die 3. Liga auch sicher zu halten. Der neue Trainer Sebastian Hoeneß (Sohn von Dieter Hoeneß) muss es vor allem mit Talenten schaffen, Leistungsträger wie Jeong (Freiburg) und Awoudija (Stuttgart) sind sogar gegangen. Von den Profis darf er in einigen Spielen die Jungstars Davies und Arp als Verstärkung erwarten. Im Mittelpunkt stehen die Derbys mit 1860 und der SpVgg Unterhaching, die als Besonderheit vor einem Börsengang steht. Das also geht auch in der 3. Liga. Sie muss also doch attraktiv sein.

Das sind die Vereine in der 3. Liga: FC Ingolstadt 04, 1. FC Magdeburg, MSV Duisburg, Hallescher FC, Würzburger Kickers, Hansa Rostock, FSV Zwickau, Preußen Münster, 1. FC Kaiserslautern, SpVgg Unterhaching, KFC Uerdingen 05, 1860 München, Carl Zeiss Jena, SG Sonnenhof Großaspach, Eintracht Braunschweig, Chemnitzer FC, Viktoria Köln, Waldhof Mannheim, Bayern München II.

Der Dritte kann auch der Erste sein

„Fußball, Fußball, Fußball“ heißt es gern in Deutschland, wenn es um das Interesse am Sport geht. Immer nur „Fußball, Fußball, Fußball“ meutern die anderen Sportarten, wenn sie über mangelnde Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit oder Präsenz im Fernsehen jammern. Motto: Fußball wird immer übertragen, Tischtennis zum Beispiel nie. Aber selbst früher beliebte Sportarten wie die Leichtathletik oder Schwimmen haben an Bedeutung verloren, an Zuschauern und Aufmerksamkeit. Alles dreht sich also um den Fußball und der Start der 3. Liga an diesem Wochenende ist der Beweis dafür: Fußball 1 steht für die Bundesliga, Fußball 2 für die 2. Bundesliga und Fußball 3 für die 3. Liga. Sie hievte sich in die Schlagzeilen mit einem attraktiven Teilnehmerfeld, überall ist von „der besten 3. Liga aller Zeiten“ die Rede.

Von einem Glücksfall zu reden, wäre natürlich übertrieben, vor allem die Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern und Braunschweig sehen das ganz gewiss nicht so. Der Zufall wollte es aber, dass die 3. Liga in der Saison 2018/19 zu einem Tummelplatz der Traditionsvereine wird. Vier ehemalige Deutsche Meister sind dabei und zwei ehemalige DDR-Meister, zwei von diesen sechs standen sogar mal in einem Europapokal-Endspiel. Dazu kommen zehn frühere Bundesligisten sowie acht weitere ehemalige Zweitligisten. Nur die Sportfreunde Lotte und die SG Sonnenhof Großaspach (welch ein Name!) kamen bisher über die 3. Liga nicht hinaus. Ohne Meisterschaften oder Pokalsiege und Nationalspieler waren außerdem nur Wehen Wiesbaden, Kickers Würzburg, SV Meppen und der VfR Aalen.

Kein Wunder also, dass so eine Liga für Interesse sorgt. Da wird das Zuschauer-Interesse noch einmal steigen, obwohl es bisher schon sehr hoch war. Die 3. Liga ist weltweit die 3. Liga im Fußball mit den meisten Zuschauern! Der Dritte kann also auch mal der Erste sein. Der Schnitt lag zuletzt bei rund 6100 Zuschauern, der Rekord aus der Saison 2015/16 liegt bei 7100, er könnte allerdings diesmal auf 7500 und mehr steigen, weil es keine unbeliebten zweiten Mannschaften von Bundesligisten mehr gibt, die kaum selbst Zuschauer hatten und weniger als der Rest anlockten. Da sind Kaiserslautern und Braunschweig zum Beispiel schon ganz andere Kaliber, aber auch die Traditionsklubs, die aus der Regionalliga nach oben kamen, 1860 München, Energie Cottbus und Bayer Uerdingen. Uerdingen bringt mit seiner Neuverpflichtung Kevin Großkreutz sogar einen Weltmeister in die Liga ein.

Das Geld spielt natürlich auch in der Dritten Liga eine bedeutende Rolle und am Geld scheiden sich bekanntlich die Geister. So meutert die Konkurrenz über das „Nothilfepaket“, das die Deutsche Fußball-Liga ihren Absteigern gewährt. Kaiserslautern und Braunschweig kassierten einen „Rettungsschirm“ von je 500.000 Euro, dazu je 600.000 Euro aus einem Solidartopf aus der 2. Liga. Motto: „Kommt doch gleich wieder zurück.“ Die Klubs der 3. Liga haben ansonsten nämlich eher ein Problem mit den Finanzen, Insolvenzen sind schon fast an der Tagesordnung, weil sich viele Klubs finanziell übernehmen. Für die einen ist die 3. Liga einfach eine Nummer zu groß, andere wiederum pokern zu hoch, stecken zu viel Geld in die Mannschaft, weil sie die ungeliebte Liga schnell nach oben verlassen wollen. Doch „ungeliebte Liga“, das ist vielleicht vorbei, zumindest in dieser Saison.

Mit Neid schaut die Konkurrenz auch auf Aufsteiger Bayer Uerdingen, das schon 14 Jahre in der Bundesliga und einen Sieg im DFB-Pokal hinter sich hat, aber bis in die Niederungen der Amateurligen abrutschte. Seit 2016 ist aber ein zahlungskräftiger Russe Präsident des Vereins. Michail Ponomarew hat Millionen mit einer IT- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft verdient, er will den Verein nach oben hieven. Acht Millionen Euro soll der Etat betragen – Zweitliganiveau. Das Ziel Zweite Liga haben viele, aber nur einer bekennt sich offen dazu – Hansa Rostock. Das verwundert ein bisschen, eher scheint es so, dass einer wohl nicht aufsteigt – Hansa Rostock.

Das Fernsehen buhlt um den Fußball, logisch, dass auch die 3. Liga über die Bildschirme flimmert. Die Telekom hat sich für ihren Streamingsdienst die Rechte gesichert, die ARD überträgt 86 Spiele live in ihren dritten Programmen, außerdem gibt es am Samstag eine Zusammenfassung in der ARD-Sportschau vor der Bundesliga. Für Aufmerksamkeit ist also gesorgt. Für das Fernsehen wurden auch die Spieltage zerpflückt, jetzt gibt sogar das bei den Fans so unbeliebte Montagspiel. Die 3. Liga also auf großem Fuß. Und weil Fußball immer zieht und der Sender Sport1 nicht mehr zum Zug kam, überträgt der Spartensender jetzt bevorzugt Spiele aus der Regionalliga. Auch dort gibt es viele bekannte Namen und Fußball muss nun mal sein. Eigentlich heißt es also „Fußball, Fußball, Fußball, Fußball“.