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Tag: Arnd Peiffer

Eine Biathlon-WM zwischen Hoffen und Bangen

Die Nordische Ski-Weltmeisterschaft ist gerade mit großartigen Erfolgen der deutschen Mannschaft zu Ende gegangen, da beginnt am Donnerstag, 7. März, die Biathlon-Weltmeisterschaft in Östersund/Schweden, die bis zum 17. März dauert und mehr oder weniger den Abschluss des WM-Reigens im Wintersport bildet (Eiskunstlauf ab 18. 3., Eishockey mutiert mit der WM im Mai quasi zur Sommersportart). Egal, ob es sich um die deutsche Mannschaft handelt oder Biathlon insgesamt, die 50. Titelkämpfe werden eine WM zwischen Hoffen und Bangen.

Das gilt nicht nur für den Sport, sondern Funktionären und Sportlern sitzt vor allem die Doping-Angst im Nacken. Die Doping-Razzia von der Nordischen Ski-WM in Seefeld und die Überführung von Doping-Sündern wirft nämlich auch die Frage auf, wie sauber denn der Biathlonsport ist. Da rückt vor allem die russische Mannschaft in den Blickpunkt, deren Doping-Praktiken vom Weltverband erwiesenermaßen vertuscht wurden, auch wenn nicht alles aufgeklärt wurde. Es mutet schon seltsam an, dass der ertappte Dopingsünder Alexander Loginow nach seiner Sperre jetzt wieder vorne mitläuft. Man mag ihm glauben, doch Zweifel bleiben, wenn er sagt, er sei sauber. So läuft einerseits die Angst vor einer weiteren Doping-Razzia mit, andererseits muss jeder froh über Aufklärung und ertappte Sünder sein. Die Augen verschließt auch der französische Star Martin Fourcade nicht: „Biathlon ist eine Sportart, die wohl immer mit Doping rechnen muss.“

Aber konzentrieren wir uns auf den Sport, dort spielt Martin Fourcade auch eine große Rolle, für den Seriensieger der letzten Jahre könnte es diesmal aber eine kleine Rolle werden. Fourcade kämpfte in diesem Jahr gegen eine Formkrise an und ließ zuletzt einige Rennen aus, um sich wieder in Bestform zu bringen. Ob es geklappt hat? Zu schlagen gilt es den Norweger Johannes Thingnes Boe, der den Weltcup souverän anführt und 12 von 18 Rennen gewonnen hat. Er ist dabei, einen neuen Siegesrekord für eine Saison aufzustellen, zumal die WM-Rennen auch zum Weltcup gehören. Bei den Frauen ist die Favoritenrolle nicht so deutlich verteilt, da liegen die Italienerinnen Lisa Vittozzi und Dorothea Wierer vorn vor Marte Olsbu-Roeiseland (Norwegen), Anastasija Kuzima (Slowaki) und Kaisa Mäkarainen (Finnland). Sie sind alle für Siege gut, werden aber auch auf eine schauen: Auf Laura Dahlmeier aus Garmisch-Partenkirchen.

Laura Dahlmeier war die Königin der letzten Weltmeisterschaft 2017 in Hochfilzen. Sie gewann gleich fünf Goldmedaillen und einmal Silber und stellte damit wohl einen Rekord für die Ewigkeit auf. Da zudem Benedikt Doll im Sprint und Simon Schempp im Massenstart gewannen, blieben für den Rest der Welt nur vier Goldene übrig. Das wird in Östersund anders sein, die Goldenen hängen hoch.

Bei den Männern dominierte wie gesagt in dieser Saison der Norweger Boe, andererseits aber auch die Franzosen, die inzwischen nicht nur Martin Fourcade haben, sondern insgesamt vier Läufer und den ersten Sieben im Weltcup! Bester Deutscher ist Arnd Peiffer auf Rang acht. Titelverteidiger Schempp fehlt ja leider wegen Formschwäche nach gesundheitlichen Problemen, aber Peiffer, Doll und Erik Lesser greifen zumindest nach Medaillen. In der Staffel könnte Schempp als starker Schlussläufer am meisten fehlen, Johannes Kühn in seinem ersten vollen Weltcupjahr wird wohl der Vertreter sein. Norweger und Franzosen sind aber kaum zu schlagen.

Bei den Frauen versucht die Königin von Hochfilzen die Erwartungen zu dämpfen, denn Laura Dahlmeier hatte bekanntlich ein Jahr mit gesundheitlichen Problemen, was vor allem die Erholung von den Rennen verzögert. Sie in zehn der 18 Rennen und wird genau timen müssen, welche Wettbewerbe sie überhaupt bestreitet. Bei bester Form ist sie natürlich immer eine Siegläuferin. Saison-Siege schafften auch Denise Hermann und Franziska Preuß, aber eine gewisse Konstanz war nicht erkennbar, was auch für Vanessa Hinz gilt, während Franziska Hildebrand sich zuletzt in stabiler Form für vordere Plätze zeigte.

Ein Gold-Regen ist also nicht zu erwarten, ein gewisser Medaillensegen kann es werden, denn in allen Rennen sind deutsche Teilnehmer für eine Medaille gut, aber die Konkurrenz ist groß. Und dann steht auch noch die ungewisse Doping-Problematik im Hintergrund. Auffallend zum Beispiel, dass die gebürtige Russin Kuzima Formschwankungen unterworfen ist und gerade bei Großereignisse gerne auftrumpft, was bei der Konkurrenz eine gewisse Skepsis hervorruft. Ein Hoffen und Bangen halt.

Der Reigen der WM-Rennen beginnt mit der Mixed-Staffel am Donnerstag, wo Deutschland gleich Titelverteidiger ist. Zwölf Entscheidungen stehen diesmal an, erstmals ins Programm aufgenommen wurde der Single-Mixed-Wettbewerb.

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Die heile Welt des Biathlon in Deutschland

In den nächsten Tagen gastiert der Biathlon-Zirkus in Deutschland. Vom 10. bis 13. Januar beherbergt Oberhof in Thüringen die Weltelite, die dann nach Bayern weiterzieht, um vom 16. bis 20. Januar in Ruhpolding zu laufen und zu schießen. Deutschland ist ein beliebter Gastgeber bei der Biathlon-Familie und es könnte sein, in diesem Jahr noch ein bisschen mehr, denn entgegen vielen anderen Nationen gibt es in Deutschland noch die heile Welt des Biathlon. Hier warten keine Gerichte auf Dopingsünder, hier feiert das Publikum die Athleten und vor den Bildschirmen versammeln sich die Wintersportfans, Biathlon ist hierzulande der Wintersport Nummer 1.

Man sollte vorsichtig sagen, noch ist Biathlon Wintersport Nummer 1 in Deutschland. Wenn allerdings die Erfolge ausbleiben, kann sich das schnell ändern. Vor dieser Saison gab es eine Art Tabula rasa im Verband, das Trainerteam wurde neu zusammengestellt. Der bisherige Herren-Coach Mark Kirchner wurde zum Übertrainer für beide Mannschaften, bleibt aber auch Disziplin-Chef mit jetzt Isidor Scheurl an seiner Seite. Damen-Chef Gerald Hönig wurde degradiert und amtiert nun als Schießtrainer. Sein Nachfolger ist Kristian Mehringer, Assistent Florian Steirer. Bisher ein Wechsel ohne großen Erfolg, bei drei Weltcup-Wettbewerben in Pokljuka, Hochfilzen und Nove Mesto gab es noch keinen deutschen Sieg. Ein paar Achtungserfolge der Männer waren alles, die Frauen liefen hinterher, bis Laura Dahlmeier kam und in Nove Mesto aufs Treppchen lief. Jetzt pausiert sie wieder.

Die Damen konnten sich in den letzten Jahren immer hinter einer überragenden Athletin ein bisschen verstecken, das war zu den Zeiten von Magdalena Neuner so und zuletzt eben hinter Laura Dahlmeier. Die Olympiasiegerin hat aber des Öfteren gesundheitliche Probleme und kämpfte auch im Vorfeld der Saison mit einem Virus. Nove Mesto machte Hoffnung, doch eine Grippe war dann ein unpassendes Weihnachtsgeschenk. Jetzt will die Garmischerin vor ihrer Haustür in Ruhpolding wieder eingreifen. Die Damen Franziska Preuß, Franziska Hildebrandt. Denise Herrmann und Vanessa Hinz haben ein gewisses Potential, aber zur absoluten Spitze reicht es nicht. Dazu ließen wohl auch atmosphärische Störungen im Team keine großen Leistungen zu, denn die Harmonie zu fördern war eine der ersten Aufgaben des neuen Trainerteams.

Die Herren haben dagegen eine starke, ausgeglichene Mannschaft, die immer für Podestplätze gut ist, allerdings gegen „Über-Biathleten“ wie den Norweger Johannes Boe und den französischen Seriensieger Martin Fourcade ankämpfen muss. Außerdem trübt der Blick in die Zukunft die Hoffnung, denn die vier Musketiere Arnd Peiffer, Simon Schempp, Benedikt Doll und Erich Lesser sind bald alle über 30 Jahre alt. Adäquater Nachwuchs ist nicht in Sicht. Ein Blick auf die Gesamtwertungen zeigt, was Sache ist, Doll ist bei den Herren ebenso als Bester Zehnter wie Preuß bei den Damen. In der Nationenwertung ist Deutschland bei den Herren immerhin Dritter, die Damen nur Fünfte. Norwegen bzw. Italien geben da den Ton an. In den letzten Jahren war Deutschland immer ganz vorn dabei.

Die goldenen Zeiten des Biathlonsport in Deutschland könnten dem Ende entgegen gehen, was sich natürlich auch auf die TV-Einschaltquoten (derzeit oft rund vier Millionen Zuschauer) auswirken würde. Schwere Zeiten hat der internationale Verband schon zu bewältigen, denn Biathlon ist durch Korruption und Doping in die Schlagzeilen geraten. So spielten wohl der langjährige Verbandspräsident Anders Besseberg aus Norwegen und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch offensichtlich ein böses Spiel zu ihren Gunsten. Vor allem Russland soll profitiert haben, so wurden wohl u. a. auch die Dopingjäger ausgebremst. Deutlich wird die Funktionärskrise auch dadurch, dass die Staatsanwaltschaft in Wien seit 2017 gegen IBU-Funktionäre wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Da kann von einer heilen Welt keine Rede sein. Der neue Präsident, der Schwede Olle Dahlin, Manager in der Papierindustrie, steht vor schweren Aufräumarbeiten.

In Oberhof und Ruhpolding wollen Athleten und Funktionäre diese dunklen Schatten vergessen. Vor allem Oberhof will sich als guter Gastgeber präsentieren und Werbung für die Weltmeisterschaft 2023 machen. Bis dahin soll die Arena mit Investitionen von rund 15 Millionen Euro noch attraktiver werden, die Weltmeisterschaft aber dennoch ein Gewinn für die Region werden, denn mit rund 50 – 60 Millionen Umsatz wird dann gerechnet. Wenn bis dahin auch die sportliche Bilanz der deutschen Mannschaft immer noch stimmt.