Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Basketball

Dirk Nowitzki ist der Größte

Der Mensch allgemein strebt immer nach dem Größten, nach dem Besten und wird im Laufe der Zeit immer unzufriedener, weil er es nicht erreichen kann. Zum Sport aber gehört das Streben nach dem Großen, dem Besten dazu, schließlich geht es um Bestleistungen und Meisterschaften. Zum Sport gehört aber auch das ewige Spielchen, wer ist eigentlich der oder die Größte oder Beste gewesen, wer hat den deutschen Sport am besten vertreten?

Eigentlich ist die Antwort einfach: Dirk Nowitzki ist im deutschen Sport der Größte. Am Mittwoch ging eine Basketball-Karriere zu Ende, die in Deutschland die Masse nicht von den Sitzen gerissen hat, die aber im Vergleich zu anderen Sport-Legenden einen bemerkenswerten Vorteil aufweist: Nowitzki war international anerkannt, er war in seinem Sport einer der Größten und Amerika lag ihm zu Füßen. Er war der beste Botschafter Deutschlands.

Natürlich gibt es viele deutsche Sport-Legenden, deren man sich immer gern erinnern kann. Am spektakulärsten waren vielleicht die Tennis-Stars Steffi Graf und Boris Becker, die für eine gewisse Zeit aus dem Fußball-Land Deutschland ein Tennis-Land machten. Aber sie waren Einzelsportler, während Dirk Nowitzki ein typischer Mannschaftssportler war, der mit seinem Können seine Mannschaft zum größtmöglichen Erfolg brachte. Dabei stach vor allem eines hervor: Der gebürtige Würzburger war der Star, aber er war auch der Diener im Team.

Davon profitierten die Dallas Mavericks in der nordamerikanischen NBA 21 Jahre lang. Nowitzki wurde nicht nur für seine Leistungen und seine Erfolge gefeiert, sondern vor allem für seine Menschlichkeit, sein bescheidenes Auftreten und seine so seltene Treue zu seinem Verein. „41.21.1“ waren die Kennziffern seines Abschieds: 41 die Rückennummer (und ab 19. Juni auch sein Alter), 21 Jahre bei den Dallas Mavericks und 1 dafür, dass er seine ganze NBA-Karriere lang bei einem Verein blieb. Die Mavs liebte er und die Fans liebten ihn, weil er auch auf Geld verzichtete, damit der Klubs sich verstärken konnte. So schaffte es der 2,13 m große Würzburger eine Mannschaft, die zu den schwächsten in Amerika gehörte, zum Titel zu führen. 2011 war dies, das wohl beste Jahr in seiner Karriere, als er auch zum besten Spieler der Finalserie gewählt wurde. Er hatte seinen Traum erfüllt, der blieb aber einzigartig. Eine Wiederholung dieses „Wunders“ schafften Nowitzki und die Mavericks nicht mehr.

Nowitzki aber stieg zu den Größten im Basketball auf, er wurde zu einem der größten Spieler der letzten 30 Jahre. Seine Rekorde sind nicht aufzuzählen, erster Meilenstein war, dass er in der Saison 2006/07 als erster Europäer zum wertvollsten Spieler einer Spielzeit gewählt wurde und mit 31540 Punkten ist er der Sechstbeste Korbjäger der NBA-Geschichte. Als er 1998 die Bühne in Dallas betrat, konnte dies keiner ahnen. Als er sich verabschiedete, verneigten sich auch die Fans in den Hallen der Gegner. Nowitzki waren allen ein Freund.

Dem deutschen Basketball ging der Größte leider ein wenig verloren. Seine Auftritte in der Nationalmannschaft waren nicht von dem Erfolg gekrönt, die seinem Können entsprach. Er opferte dafür seine Erholungszeit in der NBA-Pause, weil er sich dem Nationalteam verpflichtet fühlte. Auch dies zeigt seine Einstellung. Als Fahnenträger der deutschen Olympia-Mannschaft bei den Sommerspielen 2008 in Peking hat er auch hier eine Duftmarke gesetzt.

Dirk Nowitzki will sich erst einmal ausruhen und seinen geschundenen Körper pflegen. Der Körper war es, der ihm den Abschied vom Leistungssport signalisierte. Nun kann er sich seiner Familie widmen, seiner Frau Jessica und den Kindern Malaika (5), Max (4) und Morris (2 ½). Arbeitslos wird nun sein Trainer und Mentor Holger Gschwindner, der ihn entdeckte, förderte und zu Höchstleistungen führte, vor allem mit einem ausgeklügelten Sommertraining, dass den einst schmächtigen Würzburger Burschen zu einer Ikone des Basketballs machte. Und nicht nur das, Dirk Nowitzki ist wohl der Größte im deutschen Sport. Nicht nur durch seine Erfolge, sondern auch durch sein Auftreten, seine Bescheidenheit. Ein Vorbild für die Jugend.

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Die Wahrheit nach dem Handball-Märchen oder – es war einmal…

Kinder lieben Märchen, bis sie später mal erfahren, dass das alles nicht so stimmt und hinter den Märchen eine oft bittere Wahrheit steckt. Sportler lieben auch Märchen und sie wollen, dass diese Märchen nie enden mögen. Aber auch bei ihnen gibt es eine bittere Wahrheit, die wohl auch der Deutsche Handball-Bund nach dem Märchen bei der Weltmeisterschaft wieder erleben wird, egal ob das WM-Märchen mit dem Titelgewinn endet oder nicht.

Die bittere Wahrheit ist, dass die anderen Mannschaftssportarten gegen „König Fußball“ einfach nicht ankommen, dass sie zwar bei erfolgreichen Meisterschafts-Turnieren durchaus die Deutschen Sportfans wachrütteln können („Huch, es gibt ja noch etwas anderes als Fußball“), aber danach kehrt der Alltag zurück. Dann heißt es wieder „Handball, wo kann man das eigentlich schauen? Die WM war toll, aber jetzt interessiert es mich eigentlich nicht mehr.“ Es ist das alte Lied und es wird wieder neu gesungen werden, ob Handball, Basketball oder Eishockey, sie schaffen es einfach nicht, dauerhaft ins Bewusstsein der Sportfans zu gelangen. Oder nehmen wir Hockey, ein erfolgreicher Verband mit vielen Titelgewinnen. Doch wer nimmt dies wirklich wahr?

Die Wahrheit nach dem Handball-Märchen wird wieder sein, dass die Funktionäre nach Mitteln und Wegen suchen, ihre Sportart bekannter zu machen, dass sie aber nach einigen Fehlschlägen wieder resignieren und in die altbekannten Muster zurückfallen werden. Was bleibt, ist eine schöne Erinnerung an das Märchen, mehr aber auch nicht. Allerdings haben sich dies die Funktionäre zum Teil auch selbst eingebrockt, nicht nur national, im Handball vor allem auch international. Da gab es Ärger mit den Übertragungsrechten für das Fernsehen, die an einen arabischen Sender gingen, der danach zu hohe Lizenzgebühren verlangte. Da sagten ARD und ZDF in den letzten Jahren dankend ab, Handball verschwand im Pay-TV oder wurde gar nicht übertragen. Aufmerksamkeit ist so nicht zu erzielen. Die Dollar-Zeichen in den Augen verhinderten den Weitblick.

Auch das Eishockey hat dies schon mitgemacht bzw. mitgelitten. Eigentlich ist der schnellste Mannschaftssport der Welt eine attraktive Sportart, wenn auch nicht unbedingt für TV-Übertragungen geeignet. Der kleine Puck ist das Übel und alle Bemühungen, ihn auf dem Bildschirm deutlicher zu machen (mit einem Lichtpuck zum Beispiel) scheiterten. Dennoch war Eishockey im Fernsehen gut präsent, verkaufte sich nach der Gründung der Deutschen Eishockey-Liga, als der Sport mehr professionalisiert werden sollte, aber ans Pay-TV. Auch hier ging also Geld vor Vernunft. Langfristiges Denken? Fehlanzeige. Heute das Märchen, morgen das Wehklagen.

Damals war es so, dass sich ARD und ZDF in den Schmollwinkel zurückzogen und von Eishockey gar nichts mehr wissen wollten. Ein schwerer Rückschlag für die Sportart. Und als über die 2. Bundesliga die Fronten wieder aufzuweichen schienen, da waren die Vereinsfunktionäre erneut zu kurzsichtig. Es gab in den Dritten Programmen der ARD an einem Samstag am Nachmittag vier verschiedene Begegnungen der 2. Bundesliga live, die Sender waren für eine Wiederholung offen, doch die Vereine machten nicht mit. Zu strapaziös am Freitag und wieder am Samstag zu spielen, Verlegungen waren nicht möglich. Engstirnig wurde eine Chance für die Zukunft verspielt. Der Fußball lachte sich ins Fäustchen.

Und so sieht die bittere Wahrheit heute aus: Sport 1 hat zum Beispiel bei Spielen der viertklassigen Regionalliga im Fußball mehr Zuschauer als es früher bei der Handball-Bundesliga war. Und der Pay-TV-Sender Sky, der heute die Rechte an der Handball-Bundesliga hat, ist mit den Einschaltquoten nicht glücklich, sie dümpeln bei 200.000 bis 400.000 dahin. Kein Vergleich zur Weltmeisterschaft also, wo Handball die Hitlisten stürmt und den Fußball schlägt, über zehn Millionen bangten in Deutschland mit den Handball-Helden, die für ein paar Tage oder Wochen Helden bleiben werden, ob Weltmeister oder nicht. Danach gehört das Feld wieder dem Fußball. Die bittere Wahrheit nach dem Märchen. Auch im Handball wird man sich wieder erzählen: „Es war einmal…“.

Keine Konkurrenz für den Fußball

Die Entscheidung des Tennis-Weltverbandes, den traditionsreichen Davis Cup praktisch abzuschaffen, ist typisch, wie die Funktionäre vieler Weltverbände denken und warum es keine Sportart schafft, zu einem echten Konkurrenten für den Giganten Fußball zu werden. Verbände und Funktionäre sehen nur das Geld, verkaufen die Tradition und die Seele ihres Sports. Der Fan wendet sich mit Grausen.

Gut, abgeschafft ist der Davis Cup nicht, er wird in einer neuen Form ausgetragen, aber geblieben ist eigentlich nur der Name. Der Wettbewerb zieht sich nicht mehr über die Saison hindurch, mit wechselndem Heim- und Auswärtsrecht, womit er immer wieder im Gespräch ist, sondern soll in kompakter Form innerhalb einer Woche durchgeführt werden. Der Davis Cup verkommt praktisch zu einem Turnier unter vielen. Möglich machte dies ein finanziell unverschämtes Angebot der Firma Kosmos, hinter der Milliardäre aus Japan und den USA stecken und deren Kopf der spanische Fußball-Profi Gerard Piqué vom FC Barcelona ist. Der umstrittene ITF-Boss David Haggerty leitete den Deal in die Wege, der dem Verband jährlich drei Milliarden Dollar für 25 Jahre bringt.

Die einzige richtige Antwort hatte der Davis-Cup-Sieger von 1993, Michael Stich, parat: „Den Davis Cup wird es in der Form, wie wir sie kennen, nun nie wieder geben, und 118 Jahre werden der Geldgier von Personen geopfert, die keinen Respekt vor Historie und Tradition haben.“

Nun steht Tennis mit der Geldgier nicht alleine da. Auch andere populäre Verbände, die das Zeug dazu hätten, dem Fußball Paroli zu bieten, haben ihre Seele verkauft und sich im Kampf um die Moneten zerstritten. Nehmen wir das Beispiel Basketball in Europa. Da sagten sich schon 2000 einige Spitzenklubs vom Weltverband bzw. Europas Verband los und gründeten ihre eigene Europa Liga. Es ging, natürlich, um Macht und Geld. Die Euroleague (offiziell Turkish Airlines EuroLeague) ist nun die bedeutendste Liga in Europa, gleichzeitig aber so etwas wie eine geschlossene Gesellschaft. Der traditionsreiche Europapokal der Landesmeister war gestorben. Die Klubs der ULEB gingen sogar noch weiter und installierten darunter noch den Eurocup. Der Weltverband FIBA reagierte mit verschiedenen Gegenmaßen und bietet jetzt die Champions League als Gegenstück an. Leider ist die Champions League, dem Namen nach der Spitzen-Wettbewerb, nur zweitklassig, dazu gibt es den FIBA-Europe Cup. Wer soll sich da noch auskennen?

Ähnlich sieht es beim Handball aus. Da streiten sich die Verbände vor allem um Termine, werden die Spieler in unnötige Wettbewerbe gehetzt und Fernsehrechte für viel Geld vergeben, die keine flächendeckende Übertragung garantieren. Wie soll da eine Sportart populär werden oder bleiben? Ein schlimmes Beispiel gab es in der vergangenen Saison, als Europas Verband und der Deutsche Handball-Bund auf Termine keine Rücksicht nahmen und der Fall eintrat, dass ein Klub gleichzeitig auf Europas Bühne und in der Bundesliga antreten musste. Eine Schande. So wurde die internationale Aufgabe mit einer zweiten Mannschaft wahrgenommen. Im Januar richten Deutschland und Dänemark die Handball-Weltmeisterschaft aus, doch die Übertragung im Free-TV ist fraglich, nachdem es schon 2015 und 2017 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schwarze Bildschirme gegeben hatte. Die Agentur, die der Weltverband beauftragt hat, steckt offenbar in finanziellen Schwierigkeiten, die TV-Sender finden keinen Ansprechpartner. Bei den Verhandlungen dominierte beim Weltverband wohl Geldgier vor Seriosität. So muss der Fußball keine Konkurrenz fürchten.

Dabei macht es der Fußball seinen Konkurrenten eigentlich leicht, denn seine Funktionäre tun im Weltverband bekanntlich auch alles, um den Sport in Misskredit zu bringen. Aber der Fußball ist weltweit inzwischen so populär, dass er einfach nicht totzukriegen ist. So kann sich die FIFA sogar lachhafte Entscheidungen leisten. Im neuen Regelwerk kommt das Wort Korruption nicht mehr vor, der Tatbestand also, der dem Fußball-Weltverband Sorgen bereitete und zahlreiche Funktionäre vor Gericht brachte. Die Lösung war einfach und genial: Streichen wir das Wort Korruption, gibt es keine Korruption mehr. Die Gelder werden allerdings weiterhin fließen.

2017 wird das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler

 

Für den Spitzensport ist 2017 ein sogenanntes „Zwischenjahr“, es stehen weder Olympische Spiele noch Großereignisse wie Welt- und Europameisterschaften im Fußball an. Dennoch könnte 2017 ein bedeutendes Jahr für den Sport werden, wenn, ja wenn die Sportfunktionäre ein Herz für den Sport und Fans zeigen würden und in ihren Entscheidungen nicht dem Ruf des Geldes folgen. Diesbezüglich wird 2017 also das Jahr der Funktionäre, nicht das der Sportler. Ob es ein bedeutendes Jahr wird, entscheidet sich also am „grünen Tisch“.

Geprägt wird das neue Jahr wohl vor allem wieder durch die Diskussion um das Doping. Russland steht mit dem (vom Land selbst verleugneten) Staatsdoping weiter am Pranger und wir warten auf Entscheidungen. Doping wird auch bei den Großveranstaltungen weiter eine Rolle spielen. Es geht aber auch um die Zukunft der großen Turniere im Fußball, wo der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino die Reklametrommel für größere Teilnehmerfelder rührt. Bereits im Januar soll es da erste Entscheidungen geben. Aber auch das IOC muss sich Gedanken um seine Zukunft und die der Olympischen Spiele machen. 2016 war typisch. Brasilien feierte seine Spiele und erleidet jetzt einen olympischen Kater. Das darf es in Zukunft nicht mehr geben, der Sport darf nicht zum Ruin eines Staates beitragen. Hoffnung hat der Sport-Grantler aber nur wenig, dass die Vernunft künftig die Oberhand behält.

Typisches Beispiel ist der Welt-Fußballverband FIFA, der jetzt hat untersuchen lassen, welche Turnier-Form den größten Gewinn verspricht. Angeblich könnte ein Turnier mit 48 Nationen, unterteilt in 16 Dreier-Gruppen, die größten Einnahmen erzielen. Eine Steigerung von 5,5 auf 6,5 Milliarden US-Dollar wäre angeblich möglich. Die Dollar-Zeichen glänzen in den Augen der Funktionäre, die sportliche Qualität und der Anreiz für die Fans spielen mit Sicherheit nur eine untergeordnete Rolle.

Großen Sport wird es aber auch ohne Großereignisse an 2017 geben. Der Wintersport feiert seinen WM-Winter wie immer in ungeraden Jahren. Die großen Tennis- und Golf-Turniere stehen wie jedes Jahr an, wobei der prestigeträchtige Ryder-Cup der Golfer erst wieder 2018 in Paris ausgetragen wird. Dazu gibt es wie immer Formel 1, die Tour de France und die Motorrad-WM.

Verschiedene Welt- und Europameisterschaften werden ihr Interesse finden. Den Anfang macht die Handball-Weltmeisterschaft vom 11. – 29. Januar in Frankreich, wobei die deutschen Fans wohl buchstäblich in die Röhre gucken, weil es im Free-TV wohl keine Fernsehbilder zu sehen gibt. Dabei gehört Deutschland als Europameister mit zu den WM-Favoriten. Im Mai schließt sich die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) an. Der Deutsche Eishockey-Bund erhofft sich positive Schlagzeilen mit Übertragungen bei Sport1. Die Leichtathletik-WM folgt vom 4. – 13. August in London, die Basketballer spielen ihre Europameisterschaft vom 30. August bis 17. September gleich in vier Ländern, nämlich Finnland, Israel, Rumänien und der Türkei. Ob das ein echtes Turnier mit entsprechender Stimmung wird?

Der Fußball ist nicht außen vor und bietet kleinere Turniere, die durchaus Interesse finden werden. Der Confed-Cup vom 17. Juni bis 2. Juli in Russland gilt als Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2018. Davon will Bundestrainer Joachim Löw allerdings nichts wissen, er will eher junge Spieler testen. Dabei werden die Trainer beratschlagen, welches Talent sich bei Löw bewähren darf und wer mithelfen soll, Deutschland U21 zum Titel zu führen. Bei der Europameisterschaft der U21 vom 16. – 30. Juni in Polen will Deutschland ganz vorne landen. Das geht aber nur, wenn der neue Bundestrainer Stefan Kuntz seine beste Mannschaft aufbieten kann. Kein Kompetenzgerangel gibt es bei den Frauen, da steht die neue Bundestrainerin Steffi Jones bei der Europameisterschaft vom 16. Juli bis 6. August in den Niederlanden vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe.

Also, auch das Sportjahr 2017 kann sich sehen lassen, wir werden Jubel und Enttäuschungen erleben, großen Sport, leider wohl aber auch wieder Lug und Trug, so wie im richtigen Leben halt auch. Wünschen wir den Funktionären den Weitblick, den Spitzensport in eine gute Zukunft zu führen.

Sport in Deutschland: Fußball, Fußball, Fußball, Fußball

 

Viele Sportfunktionäre regen sich in Deutschland auf, wenn sie nicht gerade im Fußball tätig sind: „In Deutschland gilt ja nur der Fußball.“ Das bezieht sich vor allem auf die öffentliche Wahrnehmung in den Medien, speziell Fernsehen und Zeitungen. Die Begeisterung für den Fußball wird im Fernsehen vor allem an den Einschaltquoten festgemacht, in den Tageszeitungen nimmt der Fußball breiten Raum, alles andere sieht sich in der Kategorie „unter ferner liefen“. Der Beweis ist erbracht: Sport in Deutschland ist Fußball, Fußball, Fußball, Fußball.

Nummer 1 Fußball: Die Bundesliga steht natürlich ganz oben, für die Übertragungsrechte wird jetzt wohl die Milliarden-Grenze gesprengt, der Bezahlfernsehsender Sky lebt vor allem vom Fußball, die Sportschau am Samstag ist ebenso Kult wie Radio-Reportagen am Nachmittag mit der berühmten Konferenzschaltung, die Sky auf den Bildschirm übernommen hat.

Nummer 2 Fußball: Die 2. Bundesliga steht zwar im Schatten des Oberhauses, aber der Sender Sport1 möchte auf sie nicht verzichten, das Abendspiel am Montag ist fester Bestandteil und es gibt Kritik, dass die Bundesliga diesen Tag künftig fünfmal für sich beanspruchen wird.

Nummer 3 Fußball: Die 3. Liga hat sich als „Vorläufer“ für die Bundesliga am Samstag in der Sportschau etabliert, die Einschaltquoten sind beachtlich.

Nummer 4 Fußball: Selbst die Regionalliga hat Aufnahme im Fernsehen gefunden, Sport1 hat mit Übertragungen gute Erfahrungen gemacht und will den Amateuren weiterhin eine Plattform bieten. Da wurde sogar die ARD aufmerksam, die am Samstag, 28. Mai, jetzt einen „Finaltag der Amateure“ ins Programm gehoben hat. Von 12.30 Uhr bis 20.00 Uhr gibt es in Konferenzschaltungen 17 Finalspiele des Länderpokals. Da fragen sich andere Sportarten: Gibt es nur Fußball, Fußball, Fußball, Fußball?

Vor allem die anderen Mannschaftssportarten leiden. Die Bundesliga im Handball wird gern als „die beste Liga der Welt“ bezeichnet, doch die Wahrnehmung in der breiten Öffentlichkeit ist gering. Basketball bekam Aufmerksamkeit durch das Mitwirken des FC Bayern München, aber ansonsten ist allein NBA-Star Dirk Nowitzki eine Notiz wert. Eishockey steht noch weiter hinten dran, selbst die Weltmeisterschaft in den letzten Wochen bekam kaum Aufmerksamkeit. Woran das liegt? Die Vereine sind nicht bekannt, geschweige denn die Spieler. Der Fernsehsender Sport1 hat die Erfahrung gemacht, dass die Regionalliga im Fußball mehr Zuschauer findet als Handball und Basketball. Im Schnitt wurden 470.000 Zuschauer erreicht, beim Handball sind es 250.000, beim Basketball gerade mal 100.000. Diese Zahlen zählen.

Im Fußball zählt offensichtlich Tradition, denn viele Klubs der Regionalliga haben eben einen guten Namen, stehen für eine zum Teil glorreichen Vergangenheit: Geballt im Südwesten mit Waldhof Mannheim, Kickers Offenbach, Eintracht Trier, 1. FC Saarbrücken, Hessen Kassel, Wormatia Worms, im Westen beeindruckten früher Rot-Weiß Essen, Alemannia Aachen, Viktoria Köln oder Wattenscheid 09, im Norden sorgten der VfB Oldenburg oder SV Meppen schon für Furore, im Süden Jahn Regensburg, Wacker Burghausen und Vikoria Aschaffenburg. Sage keiner Namen sind nur Schall und Rauch, sie zählen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es für die anderen Sportarten nicht. Sie können nur mal kurz aus dem Schatten des Fußballs treten, wie der Handball, als die Nationalmannschaft Europameister wurde und rund 13 Millionen vor die Bildschirme holte. Die Begeisterung färbte auf die Liga nicht ab. Im Winter füllen Skisport und Biathlon die Lücke, die der Fußball mit der Winterpause hinterlässt. Aber selbst in dieser Zeit können sich Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey nicht in den Vordergrund spielen. Ein Problem, das sie schon ewig aus der Welt schaffen wollen, aber Lösungen wurden bis heute nicht gefunden. Es bleibt halt bei Fußball, Fußball, Fußball, Fußball. Und dabei hat der Sport-Grantler die Fußball-Nationalmannschaft sogar noch außen vor gelassen. Bei Welt- und Europameisterschaften werden bei den Einschaltquoten Rekorde erzielt. Selbst das Pokalfinale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag sorgte für einen Rekord, 1379 Millionen saßen im Schnitt vor den TV-Geräten, 18 Millionen waren es in der Spitze. Keine andere Sendung hatte in diesem Jahr mehr Zuschauer. Die Deutschen lieben halt den Fußball.

Der Traum von der Weltliga

Träumen ist bekanntlich erlaubt und tut niemandem weh, der Träumer selbst kommt manchmal in gute Stimmung. Schlecht ist nur, wenn er Träume als Realität ansieht. Gut ist, wenn man versucht Träume Realität werden zu lassen. So wird auch im Sport, vor allem von Sportfunktionären, oft geträumt. Sie träumen von einer besseren Vermarktung ihrer Sportart, von mehr Bedeutung, Zuspruch und mehr Geld. In fast jeder Sportart wird nach Wegen gesucht, mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. In Mannschaftsportarten gibt es deshalb immer wieder den Traum von der Weltliga. Realität wurde er noch nicht.

Jetzt ist es im Handball wieder einmal so weit. Wie die Fachzeitung Sport-Bild enthüllte, gibt es diese Gedanken bei Trainern und Funktionären im deutschen Handball. Vereine in Kroatien, Ungarn, Polen und Frankreich stehen diesen Plänen angeblich offen gegenüber, das „Forum Club Handball“, ein Zusammenschluss wichtiger Handballvereine in Europa, denkt wohl schon länger über eine Weltliga nach und will bald beim europäischen Verband und beim Weltverband vorstellig werden. Es geht aber nicht nur um eine Europaliga, sondern um eine Weltliga, denn die Fühler wurden bereits zum Scheichtum Katar ausgestreckt, von dort soll das notwendige Geld kommen. Handball gilt in Katar als beliebte Sportart.

Die Handballer stehen mit solchen Plänen nicht allein da. Im Basketball und Volleyball wurde schon darüber geredet, im Eishockey gab es Gedanken, die Profi-Liga NHL mit den Spitzenklubs in Europa zu verzahnen. Aber gerade im Eishockey fristet selbst der europäische Wettbewerb ein Schattendasein. Auch im Fußball wurde bereits geredet, wurden Pläne geschmiedet, allerdings beschränken sich die Ideen auf Europa, schließlich wäre die Einbindung von Brasilien und Argentinien zum Beispiel mit großen Reisestrapazen verbunden.

Die Frage ist immer, gibt es eine Welt- oder Europaliga, was wird dann mit den nationalen Meisterschaften oder auch mit den europaweiten Wettbewerben wie der Champions League, die nicht nur im Fußball funktioniert, sondern auch im Handball und Basketball. Gerade im Fußball wird groß kassiert, insgesamt 1,64 Millionen Euro schüttet die UEFA in dieser Saison für Champions- und Europa League aus. Das Geld muss auch in einer Europaliga erst mal reinkommen. 12 Millionen Euro als Startgeld sind schon happig. Als zusätzlicher Wettbewerb für die Spitzenklubs ist sie kaum einführbar, weil einfach die Termine fehlen.

Sicherlich wäre es reizvoll, eine Europaliga zu sehen, in der es nur Schlagerspiele gibt. Den FC Barcelona, Real Madrid, Atletico Madrid, Bayern München, Chelsea London, Manchester City, Manchester United, Arsenal London, Paris St. Germain, FC Porto, Juventus Turin, AS Rom, Zenit St. Petersburg oder Galatasaray Istanbul zum Beispiel in ständigen Duellen zu erleben, würde bedeuten, dass jeder Spieltag zu einem Höhepunkt wird. In der Champions League haben wir das frühestens mit dem Viertelfinale.

Aber es gibt auch Nachteile. Wie gesagt, was wird mit den nationalen Meisterschaften? Gibt es auch einen Abstieg? Kann man die nicht so attraktiven Klubs der kleineren Verbände außen vor lassen? Und wie soll eine Europaliga terminlich gestaltet werden, wenn die Champions League nicht geopfert werden soll? Außerdem gäbe es dann zwei europäische Sieger!

So wird also immer wieder von einer Welt- oder Europaliga geträumt, die Euro-Noten tauchen in den Augen der Funktionäre auf, aber eigentlich ist der internationale Spielverkehr nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball und Basketball an den Belastungsgrenzen der Aktiven angelangt. Schließlich müssen auch die Nationalmannschaften berücksichtigt werden und die sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit immer noch das größte Aushängeschild.

Deshalb liebe Sportfunktionäre: Träumt mal schön!

Basketball auf den Spuren des Fußballs

Wenn man nach den drei beliebtesten Sportarten in Deutschland fragt, dann bekommt man oft die Antwort: Fußball, Fußball, Fußball. König Fußball regiert und dominiert auch die Einschaltquoten im Fernsehen. Insofern stimmt die dreifache Fußball-Antwort, denn nicht nur die Bundesliga, sondern auch die zweite und sogar die dritte Liga im Fußball ziehen mehr Zuschauer im TV an als die Basketball-Bundesliga. Aber das geht jeder Sportart so. Kein Wunder also, dass alle anderen Sportarten danach lechzen, einmal aus dem Schatten des Fußballs zu treten. Das sollte dem Basketball jetzt mit der Europameisterschaft in gleich vier Nationen ein wenig gelingen. Vielleicht auch deshalb, weil sich Basketball dabei auf den Spuren des Fußballs bewegt.

Wie stolz war doch UEFA-Präsident Michel Platini auf seine Idee, die Fußball-Europameisterschaft 2020 auf ganz Europa zu verteilen, zum Jubiläum eine echte „Europameisterschaft“. Zwangsläufig wird hier Basketball zum Vorreiter, denn der kriegerische Konflikt in der Ukraine verhinderte die geplante Austragung in dem Land. So sprang Frankreich als Hauptveranstalter ein, die Vorrunden vom 5. bis 10. September werden auch in Deutschland, Kroatien und Lettland gespielt. Die entscheidenden Spiele finden dann vom 12. bis 20. September in Lille statt. Sinnigerweise in einem Fußballstadion! Das Stade Pierre-Mauray verfügt über zwei Ebenen und kann in eine Halle verwandelt werden. 27.000 Zuschauer kamen da zum Tennis-Davis-Cup gegen die Schweiz, jetzt hoffen die Franzosen auch auf ein Basketball-Fieber. Das dann wohl ausbrechen wird, wenn Frankreich seiner Rolle als Favorit gerecht wird.

Neben Frankreich gelten vor allem Spanien und Serbien als Titelanwärter. Deutschland muss da kleinere Brötchen backen, das Augenmerk liegt auf der Olympia-Qualifikation. Die beiden Finalisten sind direkt dabei, die Teams auf den Rängen drei bis sieben müssen bzw. dürfen in ein vorolympisches Qualifikationsturnier. Da will Deutschland dabei sein!

Zunächst gilt es, die Vorrunde zu überstehen, vier Nationen kommen weiter. Deutschland genießt den Heimvorteil in Berlin, hat aber harte Brocken als Gegner. Außenseiter ist allein Island, die Favoriten Serbien und Spanien gelten als unschlagbar, gegen die Türkei und Italien geht es also um Rang drei. Hoffnung: Die Türken verzichten freiwillig auf ihren besten Spieler Canter, die Italiener gelten als routiniert, aber langsam.

Dirk Nowitzki und der Traum von Olympia

Wer bei der Europameisterschaft vorne mitspielen will, der muss Verstärkung aus Übersee in seinen Reihen haben, nämlich Stars aus der NBA. Die diktieren das Spiel und machen den Unterschied aus. Deutschland hat einen alten und neuen Superstar dabei, die NBA-Größe Dirk Nowitzki und die NBA-Hoffnung Dennis Schröder, dazu spielt auch Tibor Pleiß künftig bei den Profis. Nowitzki bewegte seine müden Knochen noch einmal Richtung Europa, weil er noch einen Olympia-Traum hat. Peking 2008, als er Fahnenträger der deutschen Mannschaft war, war auch für den hartgesottenen Profi ein Erlebnis, das will er in Rio 2016 wiederholen. Damit dies klappt, muss aber wirklich alles passen. Nowitzki selbst vor allem in Bestform sein. Danach sah es in der Vorbereitung allerdings nicht aus. Aber wir wissen seit Katja Ebstein und ihrem Hit: Wunder gibt es immer wieder. Schröder soll ihn in der Führungsrolle unterstützen.

Zumindest für ein paar Stunden wird Basketball in Europa aus dem Schatten des Fußballs treten können, auch wenn die Spiele um die EM-Qualifikation den Fußball natürlich in die Schlagzeilen bringen. Frankreichs Basketballer zumindest aber könnten den Fußballern im eigenen Land die Show stehlen, schließlich sind die schon für 2016 qualifiziert.

Die Vorrunden-Gruppen der Basketball-EM:

Gruppe A (in Montpellier/Frankreich): Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, Russland, Frankreich, Finnlan.

Gruppe B (in Berlin/Deutschland): Deutschland, Island, Spanien, Serbien, Italien, Türkei.

Gruppe C (in Zagreb/Kroatien): Georgien, Niederlande, Mazedonien, Griechenland, Kroatien, Slowenien.

Gruppe D (in Riga/Lettland): Tschechien, Estland, Belgien, Lettland, Litauen, Ukraine.