Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Bayer Leverkusen

Super-Bayern gegen „Wundertüte“ Barcelona

Es gibt Leute, die fragen, ob ein Champions-League-Titel, der in einem K.o.-Turnier gewonnen wird, so viel wert sein kann wie der Pokalgewinn im normalen Modus mit Hin- und Rückspiel. Ein Blick auf die Spannung vor dem grandiosen Viertelfinale von Bayern München gegen den FC Barcelona am Freitag genügt, um festzustellen: Wer am Ende den Henkelpott hochhalten darf, ist ein verdienter Sieger, ohne Wenn und Aber.

Das Duell zwischen den Bayern und Barca könnte auch das Endspiel sein. Vor der heißen Phase der entscheidenden Spiele waren vor allem die Münchner und Manchester City als große Favoriten genannt worden, erst dahinter Real Madrid, Juventus Turin, Barcelona oder – schon mit ein wenig Skepsis – Paris St. Germain. Real und Juve mussten bereits die Segel streichen und Barca beeindruckte durchaus beim 3:1 gegen den SSC Neapel. Vor allem einer stach heraus: Lionel Messi!

Als Mannschaft imponierte der Deutsche Meister beim 4:1 gegen Chelsea weit mehr, doch die Londoner waren ein zu schwacher Gegner, um die wahre Form der Bayern zu testen. Dennoch: Die Münchner stellen sich derzeit als Super-Bayern dar, die Rekorde purzeln gleich serienweise, auch in der Champions League (CL). Acht Siege in den ersten acht Spielen gab es noch nie und mit 31 Toren übertrumpften Lewandowski und Co. ausgerechnet Barcas bisherige Rekordmarke von 30 Treffern. Die Bayern sind also in Form. Dagegen präsentiert sich der FC Barcelona als „Wundertüte“. In der nationalen Meisterschaft schwächelten Messi und Co. und mussten Real Madrid den Vortritt lassen. Die Folge waren Streit und gegenseitige Anschuldigungen. Trainer Quique Setien ist umstritten und stand vor dem Aus. Getobt hat vor allem Superstar Messi, der sich mit so schwachen Spielen nicht anfreunden kann. Doch aller Zwist wurde offensichtlich beigelegt, Messi rief die Parole aus, „volle Kraft für den Gewinn der Champions League“. Und Messi lebt es vor, das macht Barca zu einem gefährlichen Gegner für die Super-Bayern, die im Jahr 2020 noch keine Niederlage erlebt haben!

Das große Duell hat seinen Reiz auch in einigen direkten Vergleichen. So stechen Messi auf der einen und Robert Lewandowski auf der anderen Seite heraus. Messi ist natürlich mehr als der reine Torjäger, aber dahin entwickelt sich auch der Pole, führt aber mit 13 Treffern die Torschützenliste der CL an (vor Erling Haaland/Dortmund 10 Tore, Messi liegt bei 3). Für eine Wahl des „Weltfußballers“ werden beide in vorderster Front genannt, noch vor Cristiano Ronaldo, der bekanntlich für den Rest des Turniers zuschauen muss. Er wird schmollend in der Sofa-Ecke sitzen. Reizvoll auch der Vergleich zwischen den Torhütern, den beiden Rivalen in der Nationalmannschaft. Manuel Neuer kämpft um seinen Status als Nummer 1, Marc-Andre ter Stegen will mehr spielen, muckt immer mehr auf. Ein Spiel kann keine endgültige Antwort geben, aber Neuer darf sich keinen Fehler wie gegen Chelsea leisten. Der Bessere an diesem Tag könnte zum Matchwinner werden!

Interessant: Im Gesamtvergleich aller Duelle liegen die Bayern mit sechs Siegen und zwei Niederlagen vorn. Welch ein Omen: Gab es Bayern – Barca in der K.o.-Phase, dann holte der Sieger jeweils später den Titel! Die Münchner erinnern sich gern an 2013, als sie Barcelona im Halbfinale mit 4:0 und 3:0 abservierten und dann das Triple holten!

Vergessen wir die anderen nicht, vor allem Manchester City nicht. Hier ist es ähnlich wie in Barcelona, nur ohne Streit. City sah in der Premier League den FC Liverpool nur durch das Fernrohr, das wurmt natürlich den mit Titeln verwöhnten Pep Guardiola. Wie bei Barca geht es also um Wiedergutmachung: Die CL gewinnen! Pep schickte seinen berühmten Kollegen Zinedine Zidane auch auf das Sofa, das Fehlen des gesperrten Sergio Ramos schmerzte stark. Noch mehr aber haderte man bei Juventus Turin. Italiens Rekordmeister wollte mit Cristiano Ronaldo auch die Champions League erobern, aber Außenseiter Olympique Lyon machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Fast logisch, dass der ungeliebte Trainer Maurizio Sarri schon am nächsten Tag gehen musste, überraschend die Lösung: Mit Andrea Pirlo, einst ein Idol in Italien, übernimmt ein Trainernovize das Ruder. Der 41-Jährige sollte eigentlich bei der U23 von Juve beginnen, jetzt befiehlt er Ronaldo. Der aktuelle Star hat mit dem alten Star einen Coach auf Augenhöhe!

Lyon machte deutlich, vergesst die Außenseiter nicht. City ist also gewarnt, aber auch Paris St. Germain darf sich in Acht nehmen, Gegner Atalanta Bergamo mit dem deutschen Aufsteiger Robin Gosens gehört auch in die Kategorie „Wundertüte“. Paris ist natürlich klarer Favorit, aber international klappte es bisher noch nicht. Trainer Thomas Tuchel bangt vor allem um den angeschlagenen Dampfmacher Kylian Mbappe. Sein Mitwirken könnte entscheidend sein. Eigentlich ist auch der RB Leipzig ein Außenseiter, aber die Bundesligist ist selbstbewusst genug, sich gegen Atletico Madrid nicht als Außenseiter zu sehen. International ist es aber eher ein Duell Lehrling gegen – na sagen wir mal – Geselle (Atletico gehört nicht zu Topfavoriten). Leipzig hat auch ohne Timo Werner das Zeug für eine Überraschung zu sorgen und Trainer Julian Nagelsmann würde sich auch international einen Namen machen. Angeblich könnte er sogar für Real Madrid interessant werden.

Deutsche Hoffnungen ruhen auf Leverkusen

In der Bundesliga muss Bayer Leverkusen mit dem Spott von „Vizekusen“ leben, weil es trotz guter Voraussetzungen nie zu einem Titel reichte. Jetzt soll eine internationale Trophäe her! Bayer Leverkusen träumt vom Sieg in der Europa League, was gleichbedeutend mit einem Startplatz in der CL wäre. Aber da gibt es auch noch andere Interessenten, zum Beispiel gleich im Viertelfinale am Montag in Düsseldorf Inter Mailand. Leverkusen hatte gegen die Glasgow Rangers keine Probleme (3:1/1:0), Mailand hatte nur ein K.o.-Spiel gegen Getafe und gewann 2:0, präsentierte sich dabei aber nicht unbedingt als Titel-Anwärter. Das sieht beim FC Sevilla und Manchester United schon anders aus. Nicht zu vergessen Schachtor Donezk, das gegen den VfL Wolfsburg beim 3:0 und 2:1 beeindruckte. Die „Wölfe“ erlitten also das Schicksal vieler Bundesligisten in der EL, wie auch Eintracht Frankfurt, das seine jahrelange Erfolgsserie mit Niederlagen gegen den FC Basel (0:3/0:1) unrühmlich beendete. Jetzt ruhen die deutschen Hoffnungen also auf Leverkusen, dass auf Kai Havertz bauen kann, aber leider auf Charles Aranguiz, dem Stabilisator im Mittelfeld, wegen Sperre verzichten muss.

Das Duell Leverkusen – Inter ist zweifellos das Schlagerspiel im Viertelfinale, ansonsten treffen Außenseiter auf Favoriten. Das Fußballfest in Nordrhein-Westfalen geht wohl erst im Halbfinale richtig los, leider wie überall eben ohne Zuschauer. Die Paarungen im Viertelfinale: Montag: Inter – Leverkusen (in Düsseldorf), Manchester United – FC Kopenhagen (in Köln). – Dienstag: Wolverhampton Wanderers – FC Sevilla (in Duisburg), Schachtor Donezk – FC Basel (in Gelsenkirchen). Spielbeginn ist jeweils um 21.00 Uhr. Weiter geht es mit dem Halbfinale (Leverkusen/Mailand – Donezk/Basel) am Sonntag und Montag (16./17.8.), das Finale gibt es am Freitag, 21. August (21.00 Uhr) in Köln.

Die harte Zeit kommt erst für die Bayern-Stars

Das Ambiente im Berliner Olympiastadion war gewöhnungsbedürftig, wie die ganze Fußball-Saison nicht mit normalen Maßstäben gemessen werden kann. Und dennoch gab es Altbekanntes: Am Ende gewinnt Bayern München! Gut, Ausnahmen bestätigen die Regel, doch die Ausnahmen werden immer weniger. Es gab auch keine im Pokalfinale, Gegner Bayer Leverkusen war schwach in der ersten Hälfte, beeindruckte nach der Pause, vergab aber seine besten Chancen. So hieß es halt 4:2 (2:0) für den Titelverteidiger, der von den Corona-Bedingungen ohne Zuschauer auch im Jubel gebremst wurde.

Dabei gab es beeindruckende Zahlen: Kurios, 2020 gelang der 20. Pokaltriumph und gleichzeitig war dies der 200. Sieg der Bayern in allen Pokalspielen. Die Bayern sind nach der Corona-Pause unschlagbar und stellten mit dem 17. Pflichtspielsieg in Folge zudem einen neuen Rekord im deutschen Profifußball auf. Ausgerechnet Gegner Leverkusen wurde dieser abgejagt, mit 16 Siegen stammt er aus dem Jahr 1978, erzielt allerdings in der Zweiten Liga. Trainer Hansi Flick darf besonders feiern, er schaffte als erster deutscher Trainer und als zweiter überhaupt das Double als Spieler (1986) und Trainer (2020). Vor ihm gelang dies ausgerechnet Niko Kovac, den er beerbt hat, 2003 als Spieler und 2019 als Trainer. Ein Rekordler ist auch – fast schon logisch – Torjäger Robert Lewandowski. Mit sechs Treffern war er wieder bester Torjäger im Pokal, zum vierten Mal in Folge (zum fünften Mal insgesamt), das schaffte noch nicht einmal Gerd Müller. Er ist auch der erste Spieler, der in drei Endspielen in Folge traf.

Triumphe, Pokale, Siege, aber statt einem Jubelbad auf dem Marienplatz ein kleiner Empfang beim Oberbürgermeister in München. 13 Tage Urlaub gönnt Trainer Hansi Flick seinen Spieler, dann aber beginnt ein Stress ohne Ende, die harte Zeit kommt also erst noch für die Bayern-Stars. Da stellt sich die Frage, ob der Kader dafür gerüstet ist. Da ist wieder Hasan Salihamidzic gefordert, der seit dem 1. Juli sogar Sportvorstand ist, aber bisher die zahlreichen Kritiker durch gute Arbeit eines Besseren belehrt hat. Sein größter Coup war die Entdeckung von Alphonso Davies, sein Königstransfer in der letzten Woche Flügelflitzer Leroy Sane, der allerdings noch zeigen muss, ob er wirklich die große Verstärkung ist. Hoffnungsvolle Neuzugänge sind Torhüter Alexander Nübel und Frankreichs 18-jähriges Abwehrtalent Nianzou Kouassi von Paris St. Germain. Eine schwere Aufgabe wartet noch auf den Manager, weil es bei den Vertragsverlängerungen für David Alaba und Thiago hakt. Vor allem Thiago scheint es in die Premier League zu Jürgen Klopp nach Liverpool zu ziehen, obwohl sein nächster Kontrakt eigentlich ausgehandelt war.

Weiter geht es für die Bayern mit dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am 8. August in München, wo der 3:0-Sieg bei Chelsea London verteidigt werden muss, aber natürlich will Flick mit Siegen weitermachen. Die nächsten Runden werden dann anschließend in Lissabon und Umgebung in K.o.-Runden ausgetragen, die Bayern träumen ja vom Triple und haben das Endspiel am 23. August im Auge. Danach will Flick seine Mannen wieder in einen zweiwöchigen Urlaub schicken, weil sie Erholung benötigen. Doch der Terminkalender sieht Erholung nicht vor. Am 3. und 6. September warten nämlich Aufgaben der Nations League auf die Nationalmannschaft und ob da Bundestrainer Joachim Löw auf seine Bayern-Stars verzichten wird? Auch Leipzig ist in der Champions League noch vertreten, Frankfurt, Wolfsburg und Leverkusen in der Europa League. Pausen sind nicht vorgesehen!

Die neue Saison der Bundesliga soll am 18. September beginnen und davor bereits die erste Pokalrunde gespielt werden. Das wird notwendig sein, weil die Amateure meist nicht über das notwendig Flutlicht verfügen, Wochenspiele also nicht in Frage kommen. Das könnte dazu führen, dass der eine oder andere Profiverein von der ersten Runde freigestellt wird, wenn er international erfolgreich ist. Das wiederum ist nicht im Sinne der Amateure, die dann zum Teil auf ihr großes Fußballfest verzichten müssen. Für die Bayern steht sogar zur Debatte, später in die Punktrunde einzusteigen. Aber auch die nächste Saison wird zum Stress pur, praktisch ohne Winterpause, denn am 2./3. Januar soll die Rückrunde beginnen und mindestens drei Wochenspieltage sind eingeplant. Die Verlegung der Europameisterschaft aufs nächste Jahr verstärkt die Terminhatz.

Nicht jeder Verein wird sich für die notwendige Rotation den entsprechend großen Kader leisten können. Die Bayern haben schon im Frühjahr gute Erfahrungen mit ihren Talenten aus der Bayern II gemacht, so zeigte sich Nachwuchs-Torjäger Joshua Zirkzee bereits als Retter in der Not. Auf den Nachwuchs können sich die Bayern verlassen, die Bayern II sorgte nämlich ebenfalls für ein Novum, der Aufsteiger in die 3. Liga holte dort die gleich Meisterschaft! Das gab es noch nie, ein Aufstieg in die 2. Bundesliga ist aber nicht möglich. Den feiern dafür die Klubs dahinter, nämlich Eintracht Braunschweig und die Würzburger Kickers, für beide eine Rückkehr in alte Gefilde.

Tapfere Essenerinnen nicht belohnt

Auch der Frauen-Fußball in Deutschland hat seinen FC Bayern, doch heißt er hier VfL Wolfsburg. Die Wölfinnen blieben die ganze Saison über in der Bundesliga und im Pokal ungeschlagen und krönten diese Leistung jetzt mit dem sechsten Pokaltriumph in Folge. Allerdings macht es ihnen Gegner SGS Essen schwerer als gedacht. Ausgerechnet zwei baldige Bayern-Spielerinnen brachten Essen zweimal in Führung, Lea Schüller mit dem Rekord für das schnellste Pokaltor sogar bereits in der 1. Minute. Nach dem Ausgleich sorgte Abwehrchefin Martina Hegering für die erneute Führung (18.), die bis zur 70. Minute hielt. Dann wurde es turbulent und spektakulär, Wolfsburg sah sich nach Toren Blässe und Bloodworth in der gewohnten Siegesrolle, doch Ionnidou konterte in der Nachspielzeit. Am Ende wurden die Wölfinnen nach Verlängerung und Elfmeterschießen doch ihrer Favoritenrolle gerecht, mit Glück und Können, weil Torhüterin Friederike Abt zwei Elfmeter hielt.

Allerdings ging das Frauen-Finale mit Ärger zu Ende, weil die Verlängerung den Sendeplan der ARD durcheinander brachte und der Sender nach dem Schlusspfiff auch die Übertragung beendete, die Siegerehrung also nur im Internet zu sehen war. Die Vorberichterstattung auf das Männerfinale war wichtiger, wahrscheinlich wegen Werbung. Andererseits wieder ein Rückschlag für den Frauen-Fußball, der um mehr Anerkennung kämpft.

Auch auf Wolfsburg und die Frauen des FC Bayern München warten noch internationale Aufgaben, im August geht es auch bei ihnen in der Champions League weiter. Die Bayern-Mädchen müssen sich allerdings mit Titelverteidiger Lyon messen, Wolfsburg will diesen Gegner erst im Finale sehen und träumt vom Triple. Wenn das nötige Glück dann wieder vorhanden ist, ist alles möglich.

Ultras oder Corona – wer leert die Stadien?

Na ja, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, dennoch ein Hinweis darauf: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Da passt das Coronavirus wie die Faust aufs Auge, denn dass die Welt aus den Fugen gerät, wird damit nämlich sichtbar. Das tägliche Leben hat sich geändert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und natürlich bleibt der Sport davon nicht verschont, wobei es dafür zunächst nur geringe Anzeichen gibt mit Veranstaltungen ohne Zuschauer, aber sie werden mehr werden. In einigen Sportarten werden Veranstaltungen abgesagt, in anderen wird einfach weitergemacht, halt ohne Zuschauer. Das droht jetzt auch der Fußball-Bundesliga. Manche Fans nehmen die drohenden Geisterspiele fatalistisch: „Fußball ist ja sowieso ein Fernsehsport. Millionen sitzen vor den Fernsehern, Millionen Euro werden durch das Fernsehen verdient.“ Wo ist also das Problem? Machen wir wieder Radiokonferenz.

Blickt man auf die vergangenen Wochen und Tage zurück, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer leert die Stadien zuerst? Die Ultras, die mit beleidigenden Äußerungen den Anstand vergessen und Spielabbrüche provozieren, oder eben Corona, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht und Massenveranstaltungen dafür verantwortlich sein können, dass sich Viruserkrankungen verstärkt ausbreiten. Corona wird die Ultras schlagen, die dann nicht einmal mehr ihre Proteste anbringen können. Der Fußball kann also testen, wie es sich ohne Zuschauer und ohne Stimmung spielt.

Die Frage ist, ob die strengen Maßnahmen der Ministerien und Ämter nicht zu weit greifen und nur die Panik schüren. Da tätigen Menschen Hamsterkäufe, gleichzeitig aber fahren sie dichtgedrängt in der U-Bahn, am Wochenende auch in die Fußballstadien und standen dicht an dicht. Unten auf dem Feld kam es auch zum Körperkontakt, aber nicht vor dem Match. Die Spieler nahmen die Einlaufkinder nicht an die Hand, sondern legten ihnen die Hand auf die Schulter, statt Händeschütteln zur Begrüßung des Gegners gab es einen Ellenbogenkontakt. Abgeklatscht und umarmt wurden nur die eigenen Mitspieler.

Die Bundesliga wird spielen

Die Bundesliga lässt sich vom Coronavirus nicht stoppen, das hat DFL-Geschäftsführer Chrisian Seifert deutlich gemacht. Seinen Worten nach muss die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu ermitteln. Vielleicht wird am Ende auch der Deutsche Meister unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Fans feiern. Alles ist möglich.

So hat der Sport vielleicht auch wieder einmal die Aufgabe, von den großen Problemen der Welt ein wenig abzulenken. Wer also wird Deutscher Meister? Bayern München jedenfalls lässt nicht locker, mit Erleichterung wurde der 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg registriert, ein Gegner, der oft Probleme bereitete und auch jetzt wieder unangenehm war. Aber auch ohne Torjäger Lewandowski bleiben die Bayern auf Kurs mit zuletzt sieben Siegen und dem 0:0 gegen Leipzig. Dortmund drängte sich wieder in die erste Verfolgerrolle mit dem 2:1 im Duell in Gladbach. Positiv wird bei der Borussia registriert, dass mit Haaland und Can genau die richtigen Typen geholt wurden, die der Mannschaft neben Haalands Toren vor allem das Kämpfergen inplantierten. Sprich: Auch schwächere Spiele werden gewonnen, wie es eben Bayern oft vormacht.

Anders sieht es in Leipzig aus, wo zwei Unentschieden die Stimmung trübten. Nicht mehr nach dem Titel schielen, sondern die Teilnahme an der Champions League sichern, sieht Trainer Julian Nagelsmann jetzt als Aufgabe. Das gilt auch in Gladbach und Leverkusen, das sich als Mannschaft der Stunde bezeichnen kann. Da haben inzwischen Schalke, Wolfsburg und Hoffenheim den Anschluss verloren. Dazwischen liegt noch Freiburg mit 36 Zählern, aber dort sieht man einiges anders. Trainer Christian Streich atmet tief durch: „Mit dem Abstieg haben wir nichts mehr zu tun.“ Fast sensationell: Auch Köln sieht es so und schielt mit 32 Punkten und sechs Siegen in den letzten acht Spielen nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben. Na ja, in Köln schwenkt die Stimmung immer schneller um als an anderen Orten.

Im Abstiegskampf selbst treten die Klubs quasi auf der Stelle, ein Glück für Vereine wie Augsburg, Hertha und Frankfurt, die zuletzt zu wenig gepunktet haben und immer auf den Abstand nach unten schauen. Paderborn kann das Schlusslicht nicht abgeben, Bremen schafft die Wende nicht und Düsseldorf kommt auch nicht voran. Gegen Mainz wurde schon die zweite Chance zum Punktesammeln gegen Konkurrenten im Abstiegskampf verpasst, mit Unentschieden kommt man nicht weiter. Nächste Chance Freitag gegen Paderborn.

Geisterspiele international

Eines ist wohl sicher: Geisterspiele werden kommen. „Getestet“ haben am Sonntag Juventus Turin und Inter Mailand, auf dem Spielfeld war es eigentlich wie immer. Erste Erkenntnisse kann Dortmund am Mittwoch in Paris sammeln, dort wurde entschieden, die Zuschauer auszuschließen. Die Champions League geht in dieser Woche weiter und es wird einige Geisterspiele geben, u. a. Valencia – Bergamo. Mal sehen, ob die deutschen Klubs auch ohne Fans ihren Siegeszug fortsetzen können. Dortmund lebt von einem 2:1 im Hinspiel und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft von Thomas Tuchel. Paris konnte sich ausruhen, das Spiel in Straßburg wurde abgesagt. Leipzig muss einen 1:0-Vorsprung gegen Tottenham verteidigen, diesmal würde ein Unentschieden nicht für lange Gesichter sorgen. Die Bayern haben noch Ruhe, treffen erst nächsten Mittwoch, 18. März, auf Chelsea London.

In der Europa League steht jetzt auch das Achtelfinale an, Frankfurt gegen Basel, Wolfsburg gegen Donezk und Leverkusen bei den Glasgow Rangers sollten nicht chancenlos sein. Im Sport stehen die Zeichen gut für die Bundesliga, in Sachen Corona nicht so gut.

Ob es im DFB-Pokal auch Geisterspiele gehen wird? Optimisten hoffen, dass sich die Epidemie bis zum 21./22. April abgeschwächt hat. In Saarbrücken wird allein die Begeisterung auch Corona besiegen, so eben wie Köln und jetzt Düsseldorf. Nun trifft der Viertligist auf Bayer Leverkusen, außerdem erwarten die Bayern den alten Pokal-Kontrahenten Eintracht Frankfurt.

Der Fußball hat auch noch andere Sorgen, Frag nach in Nürnberg, dort haben einer oder mehrere Unbekannte 50 Flyer mit fast schon unverhohlenen Morddrohungen gegen Nürnberger Spieler aufgehängt. Diese Auswüchse sind schlimm und zeigen, dass die Welt wirklich aus den Fugen geraten ist, leider auch der Fußball und deren Anhänger. Geisterspiele passen also zu geistesgestörten Anhängern.

Her mit Respekt, weg mit Rassismus

Bereits am 26. Dezember des letzten Jahres hatte der Sport-Grantler seinen Wunsch für das Jahr 2020 geäußert: „Der Fußball braucht mehr Anstand“. Die Geschehnisse seitdem haben ihn in dieser Aussage bestärkt, er erkennt aber auch Bemühungen, dass der Profi-Fußball sich um mehr Respekt bemüht. Im krassen Gegensatz dazu gibt es in ganz Europa immer wieder Entgleisungen von Zuschauern, die farbige Spieler rassistisch beleidigen. Für die Zukunft gibt es nur eins: Her mit dem Respekt, weg mit dem Rassismus!

Bleiben wir in Deutschland, aber die Erkenntnisse sind für ganz Europa gültig. Es gab Diskussionen, ob die Bundesliga von den Amateuren wirklich als Vorbild angesehen wird. Natürlich kann man den Profi-Fußball in großen Stadien mit dem Dorf-Fußball vor kleiner Kulisse nicht in allen Bereichen vergleichen, aber die Profis bleiben doch Vorbild: Wenn sie den Schiedsrichter angehen, wenn sie gegen Entscheidungen ausfallend protestieren, dann wird dies über die Fernsehschirme zu den kleinen Dorf-Fußballern transportiert und unterschwellig setzt sich dieses Imponiergehabe bei ihnen fest. Die Schiedsrichter, auf dem Dorf ohne Schutz, müssen dies ausbaden. Dies muss den Profis bewusst sein. Also ist der eingeschlagene Weg richtig, wenn DFB und DFL mehr Respekt fordern und die Schiedsrichter bei Protesten schneller Gelb zeigen. Wie ebenfalls in diesen Kolumnen schon beschrieben: Ein Erziehungsauftrag für die Fußballer!

Her mit dem Respekt könnte man aber auch den Fans sagen, nicht nur in punkto Rassismus, sondern auch in punkto Pyrotechnik. Die unerträgliche Pyroshow der Leverkusener Ultras am Wochenende bei Union Berlin war ein Beispiel dafür, was der Rest der Zuschauer nicht sehen will. Das Spiel wurde viermal unterbrochen, ein Spielabbruch war nahe. Unabhängig von der Gefahr, die von den Zündeleien ausgeht, fehlt es eben am Respekt gegenüber dem Sport und den anderen Zuschauern, wenn man nur an seine eigene (verbotene!) Show denkt. Anscheinend kann man von dieser Sorte „Fans“ keinen Respekt gegenüber anderen erwarten. Erziehungsbemühungen sind wohl zum Scheitern verurteilt.

Menschenverachtend sind auch rassistische Ausfälle. Egal ob weiß, braun oder schwarz – wir sind alle Menschen. Immer wieder werden überall farbige Spieler mit Affenlauten und anderen Äußerungen beleidigt. Toll die Reaktion der Zuschauer bei einem Vorfall in Münster, als sie den verantwortlichen Idioten bloßstellten und er verhaftet werden konnte. Hier sind immer die anderen Stadienbesucher gefragt und in der Pflicht. Wenn es nicht anders geht, müssen Mannschaften das Feld verlassen, um ihren Mitspieler zu schützen. Ein Problem haben die Schiedsrichter, die Äußerungen von der Tribüne runter aufs Feld nicht immer mitbekommen bzw. verstehen können. Aber es gilt, was jetzt Leverkusens Trainer Peter Bosz gesagt hat: „Wir sind alle gleich.“ Weg mit dem Rassismus!

Beleidigungen haben im Leben nichts zu suchen und im Sport, wo es ja auch um Fair Play geht, sowieso nicht. Also müssen Sanktionen her, so wie jetzt, wenn Dortmund drei Jahre lang ohne Zuschauer nach Hoffenheim reisen soll, weil Dortmunder Ultras Hoffenheims Mäzen Hopp in den letzten Jahren übel beschimpft hatten. Ob dies Wirkung zeigt und solche Erziehungsbemühungen helfen, werden wir sehen. Generell ist die Hoffnung gering, Sport ist auch Emotion, doch die darf nicht zu Ausschreitungen und Beleidigungen führen. Der Kampf für Respekt und gegen Beleidigungen wird nicht von heute auf morgen zu gewinnen sein. Wenn überhaupt…

Der Spaß ist vorbei, jetzt geht es nur noch ums Überleben

In der ersten Saison-Hälfte wurde die Bundesliga noch gelobt, als die Mannschaften erfrischenden Fußball zeigten, die Spielkultur im Vordergrund stand und die Spiele teilweise eine Qualität erreichten, die man der einstigen Rumpelliga gar nicht zugetraut hatte. Doch heute sieht es wieder anders aus. Der Spaß ist vorbei, für die Klubs geht es nur noch ums Überleben, da heiligt der Zweck die Mittel und die Mittel sind folgende: Hinten dicht und vorne hilft der Zufall. Der Kampf steht im Vordergrund, nicht die Spielkultur.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Die Ausnahme war zum Beispiel die Partie Dortmund gegen Leverkusen, ein wirkliches Spitzenspiel mit offenem Visier. Wer zur gleichen Zeit auf DAZN das Finale im englischen Liga-Cup zwischen Chelsea London und Manchester City verfolgte, der schaltete gern wieder um auf die Bundesliga. 3:2 und offenes Visier hier, ein 0:0 nach sogar 120 Minuten und ein verzweifelter Abwehrkampf von Chelsea dort (zum Glück gewann City im Elfmeterschießen, City und Trainer Pep Guardiola freuen sich über den ersten von vier möglichen Titeln). Vorteil Bundesliga also!

Selbst der FC Bayern München griff zum Rezept des Kampfes, wurde dafür allerdings für das 0:0 in Liverpool gelobt. Ein heroischer Kampf um jeden Zentimeter Rasen – wer hatte dies den verwöhnten Millionären von der Isar schon zugetraut. Das Kovac-Rezept war erfolgreich und wurde auch beim mageren 1:0 gegen Angstgegner Hertha BSC Berlin deutlich: Einsatz vor Spielkultur, die allerdings vermisst wird. Der Trainer nannte selbst das Ziel: „Wir wollen gewinnen, egal wie.“ Bayerns „Spieler der Woche“ war der Spanier Javi Martinez. Er galt schon als Verkaufsobjekt, jetzt war er der Turm in der Schlacht von Liverpool und Matchwinner mit seinem Kopfballtor gegen Hertha. Martinez sollte eigentlich unverkäuflich sein, er ist eine Art von Maskottchen, mit ihm im Team befinden sich die Bayern auf der Erfolgsspur. Auf ein anderes Maskottchen müssen sie wieder mal verzichten, Flügelflitzer Coman hat sich schon wieder verletzt. Diesmal ist es ein Muskelfaserriss, seine Knochen, Sehnen und Muskeln sind wohl zu schwach für den Profi-Sport.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß kündigte unabhängig davon jedoch glänzende Zeiten für die Bayern an, die Leute würden sich über die Neuverpflichtungen noch wundern. Wundern kann man sich aber auch über Hoeneß, er verfällt immer wieder ins alte Leid und trumpft mit großen Sprüchen auf. Mal sehen, ob der Umbruch wirklich gelingt und der einstige Torwart-Titan Oliver Kahn ein würdiger Nachfolger für das Gespann Rummenigge/Hoeneß wird.

Zunächst mal Vorsicht: Das 0:0 in Liverpool ist trügerisch, ein 1:1 in München bedeutet das Aus, Leverkusens Ausscheiden in der Europa League gegen Krasnodar ist da die Warnung, eben mit einem 0:0 auswärts und 1:1 zu Hause. Auch in der Bundesliga mussten die Bayern einen Rückschlag hinnehmen, in der Form, da Dortmund humorlos, aber stark seine Mini-Krise von fünf Spielen ohne Sieg mit dem 3:2 gegen Leverkusen beendet hat. Und das ohne Kapitän Marco Reus, der bald wieder mitmischen will. Dafür aber wieder mit den jungen Abwehrrecken Akanji und Zagadou, die ähnlich wichtig scheinen. Dortmund will sich den Bayern also nicht ergeben. Was kommt da auf uns zu? Ein bisschen Spaß.

Am Tabellenende sieht es allerdings so aus, als wollten sich die Abstiegskandidaten dem Rest der Liga ergeben. Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg zeigen teilweise Leistungen, die eines Bundesliga-Klubs eigentlich unwürdig sind. Die Plätze am Tabellenende werden wohl in den Duellen untereinander ausgespielt, am Ende könnten vielleicht sogar 25 Punkte zum Klassenerhalt reichen. Den direkten Duellen kommt also besondere Bedeutung zu, Nürnberg und Hannover haben diese schon beendet, bezeichnend, jeder siegte zu Hause mit 2:0. Am Sonntag folgt das nächste, Stuttgart erwartet Hannover. Der VfB machte zuletzt den Eindruck, als sollte es bergauf gehen, doch Tatsache sind acht Spiele ohne Sieg. Gelingt der diesmal, erstickt er gleichzeitig die Hoffnungen der Niedersachsen und bringt dort Trainer Thomas Doll in Erklärungsnot.

Einen desolaten Eindruck machte vor allem der FC Augsburg, der sich beim 1:5 in Freiburg buchstäblich ergab. Was war los im Team, das sich im Spiel zuvor beim 2:3 gegen die Bayern beachtlich aus der Affäre zog? Klar, die Verletzungsprobleme wurden deutlich, doch das entschuldigt mangelnden Einsatz nicht. Abstiegskampf? Fehlanzeige. Da brennt der Baum, der Stuhl des Trainers wackelt und die nächsten Niederlagen sind programmiert, die Gegner heißen Dortmund und Leipzig. Und dann kommt Hannover. Ob da die Moral noch in Ordnung ist? Nürnberg wiederum schwächte sich in Düsseldorf selbst. Nach vier Minuten ein dummer Platzverweis, dann ein unglückliches Eigentor – typischer Rückschlag für einen Abstiegskandidaten. Mit-Aufsteiger Düsseldorf ist dagegen keiner mehr.

Vom Tabellenende ist es nicht weit zur Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Dort erlebten die selbsternannten „Muss-Aufsteiger“ Hamburg und Köln konträre Spiele. Der HSV schwächte sich bei der 1:2-Niederlage in Regensburg mit zwei Platzverweisen selbst, der 1. FC Köln feierte Rückkehrer Anthony Modeste. Er kam, schoss, siegte und heulte. Als Joker brachte er mit zwei Treffern die Wende gegen Sandhausen und stellte fest: In Köln ist es mit weniger Geld viel schöner als in China mit vollen Taschen.

Einen Paukenschlag lieferte Manager Christian Heidel bei Schalke 04. Er kündigte seinen Abgang spätestens zum Saisonende an, löst seinen Vertrag, der bis 2020 terminiert war, vorzeitig auf. Heidel zog die Konsequenz nach einer missglückten Manager-Zeit. Er verbrannte auf Schalke buchstäblich Geld, verkaufte zwar Talente für viel Geld, holte aber für noch mehr Geld mit einem Minus von rund 50 Millionen Euro keinen einzigen wirklichen Leistungsträger. Angesichts der Leistungen in diesem Jahr muss die Vizemeisterschaft der letzten Saison immer noch Wunder angesehen werden. Doch Wunder gibt es nicht immer wieder.

In dieser Woche heißt es im Fußball mal Durchschnaufen, kein Pokal, keine Spiele auf Europas Bühne, viele Trainer gaben ihren Schützlingen gleich zwei Tage frei. Vielleicht sorgen freie Köpfe wieder für frischen Schwung, bessere Leistungen und Erfolge. Dann heißt es erneut „ein bisschen Spaß muss sein“.

Der neue Mut der Bundesliga

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jahrelang haben Trainer und Spieler geklagt, jahrelang haben sie Fans und Medien (auch der Sport-Grantler) dafür gescholten, doch jetzt ist offensichtlich ein Bewusstseinwandel eingetreten: Bei den Klubs der Fußball-Bundesliga ist im Hinblick auf die Wettbewerbe auf Europas Bühne nicht mehr von einer das Abschneiden in der Liga gefährdenden Mehrbelastung die Rede, sondern davon, dass die Teilnahme an Champions League und Europa League ein Gewinn sei. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Was steckt hinter dem neuen Mut der Bundesliga?

Vielleicht ganz einfach: Irgendwann nimmt halt jeder mal Vernunft an. Vielleicht öffneten aber auch die Handballer mit ihrer stressigen und bejubelten Weltmeisterschaft ein bisschen die Augen, denn gegenüber dieser Belastung mussten die Fußball-Profis endgültig erkennen, „eigentlich haben wir ein schönes Leben“. Was die Kritiker schon immer betonten: Für ein paar Millionen darf man sich auch ein bisschen quälen. Hoffentlich ist jetzt wirklich Schluss mit dem Gejammer und die Mehrheit nimmt sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt zum Vorbild: „Wir wollen in der Europa League erfolgreich sein“, heißt es dort. Der neue Mut. Zuletzt hatten sich die Bundesligisten gerade in der Europa League eher blamiert, Im Vorjahr schieden die deutschen Teilnehmer Hoffenheim, Hertha BSC und Köln alle in der Gruppenphase aus. Seit 2009 heißt der frühere Messepokal und später UEFA-Cup Europa League und seitdem war keine deutsche Mannschaft im Finale. Der letzte deutsche Sieger war 1997 Schalke 04 als Gewinner des UEFA-Cups (es waren die noch heute gefeierten „Eurofighter“, 1996 siegte Bayern München). Also auf zu neuen Erfolgen.

Die diesjährigen deutschen Vertreter Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zeigen sich ehrgeizig und sie beweisen in der Bundesliga (derzeit vor allem das von Trainer Bosz neu erweckte Leverkusen) durchaus gute Form. Zunächst müssen sie am Donnerstag auswärts ran, Leverkusen bei FK Krasnodar, Frankfurt bei Schachtar Donezk (Rückspiele am 21. Februar). Starke, aber keine unüberwindbaren Gegner. Mit Erfolgen könnten die Klubs den Vertretern in der Champions League den Rang ablaufen, denn ob es dort einen deutschen Vertreter im Viertelfinale gibt, steht in den Sternen.

Dortmund macht am Mittwoch im deutsch-englischen Duell in London den Anfang gegen Tottenham Hotspur (lesen Sie auch den nächsten Kommentar zur CL „Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League“). Da passt es eigentlich nicht, dass der Tabellenführer in dieser Woche sieglos blieb und im Pokal gegen Werder Bremen in einem kläglichen Elfmeterschießen ausschied. Dennoch macht Torhüter Roman Bürki auf Zuversicht: „Uns sind keine Grenzen gesetzt“. Zunächst einmal könnte sie Tottenham schon aufzeigen. Beide Teams vermissen übrigens Galionsfiguren: Bei Tottenham fehlt wohl (neben Dele Alli) Torjäger Harry Kane, die Borussen müssen auf Kapitän Marco Reus verzichten, während Trainer Lucien Favre wieder fit sein wird. Tottenham gelang übrigens die Generalprobe mit einem 3:1 gegen Leicester, während Dortmund gegen Hoffenheim bekanntlich einen 3:0-Vorsprung aus der Hand gab. Kein gutes Zeichen. Kommt die erste Schwächephase genau zum falschen Zeitpunkt?

In der Champions League schauen die Beobachter außerhalb Deutschlands aber nicht auf den Vergleich in London, sondern nach Manchester. Da duelliert sich United mit Paris St. Germain. Im Mittelpunkt stehen die Trainer. Da der Norweger Ole Gunnar Solskjaer, der United nach dem Abgang von Jose Mourinho wiederbelebt hat, dort der Deutsche Thomas Tuchel, Hoffnungsträger der Scheichs aus Katar, die endlich den Henkelpott in den Händen halten wollen. Allerdings wird die Hoffnung durch eine Verletzungsmisere getrübt, neben Star Neymar fällt jetzt auch noch Torjäger Cavani aus. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt kaum sein. Da ist der Trainer doppelt gefordert.

Die deutschen Fernsehzuschauer schauen im Free-TV bekanntlich in die Röhre. Mit dem Verkauf der CL ins Pay-TV hat der Fußball den gleichen Fehler wie viele andere Sportarten gemacht, wer im Pay-TV verschwindet, büßt auch an Bedeutung und Interesse ein. Nicht schön für den übertragenden Hauptsender Sky: Obwohl es kein Spiel mehr im ZDF gibt, wie in den letzten Jahren, sind die Einschaltquoten nicht wesentlich gestiegen. Dies sollte auch den CL-Machern zu Denken geben!

Bayerns schönes Wochenende

In der Bundesliga schielen die Klubs schon wieder auf Europa – für die neue Saison. Eine Aufholjagd gestartet hat Bayer Leverkusen, das nach dem 5:1 in Mainz mit Rang sechs erstmals wieder einen Platz für Europa belegt. Ziel bleibt die Champions League, doch da wollen neben den Favoriten Dortmund und München auch Gladbach und Leipzig oben bleiben. Einen Rückschlag musste allerdings Gladbach beim 0:3 gegen Hertha hinnehmen, so waren die Bayern der große Gewinner. Ein schönes Wochenende, gekrönt mit dem 3:1 gegen Schalke und einem gnädigen Pokal-Los gegen den Zweitligisten FC Heidenheim. Wieder auf Platz zwei und den Rückstand auf Dortmund auf fünf Zähler verkürzt. Der 3:2-Erfolg im Pokal in Berlin nach Verlängerung dürfte zudem die Zuversicht gestärkt haben. Doch ein Problem bleibt: Die Bayern bekommen die Abwehr nicht mehr dicht, sind zu anfällig gegen Konter. Das könnte gegen Liverpool tödlich sein.

Die Klubs am Tabellenende haben da allerdings ganz andere Probleme. Wenn man so will, dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit dem 3:0 gegen Stuttgart für eine Vorentscheidung gesorgt. Die zwei Absteiger und die Relegation machen nach Lage der Dinge das neue Schlusslicht Nürnberg (spielte auch wie ein Absteiger), Hannover (wie ist das 2:0 gegen Nürnberg einzuordnen?), Stuttgart (peinlich in Düsseldorf) und Augsburg (peinlich beim 0:4 in Bremen) unter sich aus. Hannover zum Beispiel hat schon acht Punkte Rückstand auf Schalke auf Rang 14. Am Wochenende werden die Kellerkinder kaum Punkte erwarten dürfen, Augsburg gegen die Bayern, Stuttgart gegen Leipzig, Hannover in Hoffenheim und Nürnberg gegen Dortmund stehen alle vor hohen Hürden. Wie tröstet sich VfB-Sportchef Michael Reschke: „Es sind ja noch 13 Spiele.“ Deshalb bleibt auch der angeschlagene Trainer Markus Weinzierl weiter im Amt. Wohl auch, weil für einen Nachfolger die Aufgabe gegen Leipzig einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Angeblich steht Markus Gisdol schon auf der Warteliste. Retten wird sich am Ende der Verein, der den Abstiegskampf am besten annimmt und wo Mannschaft und Trainer an einem Strang ziehen. Einen Kandidaten Nummer 1 gibt es bei diesen Kriterien derzeit nicht!

Das Viertelfinale im DFB-Pokal: Schalke 04 – Werder Bremen, FC Augsburg – RB Leipzig, Bayern München – FC Heidenheim, SC Paderborn – Hamburger SV. Gespielt wird am 2. und 3. April.

Zwischenbilanz der Fußball-Bundesliga vor dem Jahres-Endspurt

Elf von 34 Spieltagen sind absolviert, quasi ein Drittel der Saison, Zeit für eine Zwischenbilanz der Fußball-Bundesliga. Die Länderspielpause dient zum Durchschnaufen, bevor der Jahres-Endspurt beginnt, sechs Spiele sind es noch bis zum 23. Dezember, ausgerechnet in der Woche vor Weihnachten müssen die Klubs zusätzlich ran, alles andere als ein Weihnachtsgeschenk für die Fans (erstaunlich, dass es am 24. Dezember kein Montagspiel gibt!). Wer aber hat bisher die Erwartungen erfüllt, wer nicht? Der Sport-Grantler gibt einen kleinen Überblick:

Über dem Soll

Auffallend, fünf Klubs befinden sich über dem Soll, genau fünf aber auch unter dem Soll, dazwischen das breite Mittelfeld. Fangen wir aber mit der Spitze an und damit natürlich mit Borussia Dortmund. Ungeschlagener Tabellenführer mit vier Punkten Vorsprung vor Gladbach und sieben auf Bayern München (Platz 5), was will man mehr. Vor der Saison hatten selbst die Dortmunder nicht damit gerechnet, schließlich musste man erwarten, dass der neue Trainer Lucien Favre mit einer neuen Mannschaft mit vielen jungen Spielern Zeit für den Erfolg benötigen würde. Aber die Konkurrenz wurde praktisch überrannt, die Neuen schlugen ein (kein Wunder, dass der kicker Dortmund als Transfersieger sah, Schlusslicht ist Stuttgart) und alle staunen, auch die Bayern. Für die letzten sechs Spiele der Vorrunde stellt sich die Frage, bleibt die Borussia ungeschlagen? Könnte sein, die Gegner sind Mainz (auswärts), Freiburg (zu Hause), Schalke (A), Bremen (H), Düsseldorf (A) und Gladbach (H).

Dortmund überstrahlt alles, aber über dem Soll sind sicherlich auch die Nächstplatzierten, nämlich Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig und Eintracht Frankfurt. Von Leipzig durfte das erwartet werden, unter Trainer-Sportdirektor Ralf Rangnick sollte es doch wieder in die Champions League gehen. Bei Gladbach und Frankfurt bleiben Fragezeichen, ob die Teams ihre Form durchhalten. Bei beiden beeindruckt der Schwung, die Eintracht bestaunt ihr „magisches Dreieck“ mit Jovic, Rebic und Kostic. Kein Wunder, dass die Stürmer bei vielen Großklubs auf der Wunschliste stehen, u. a. auch bei Bayern München. Ja, und zu den Spitzenteams gesellt sich auch der Außenseiter Mainz 05, derzeit auf Rang neun, also im gesicherten Mittelfeld und spielerisch stark, das durfte man so nicht unbedingt erwarten.

Im Soll

Das breite Feld befindet sich quasi im Soll, zum Teil ist der Sprung nach oben noch im Visier (Hoffenheim, Bremen), zum Teil gilt ein einstelliger Tabellenplatz als Ziel (Berlin, Augsburg), zum Teil ist man froh, wenn man nicht im Abstiegskampf steckt (Freiburg, Wolfsburg). Dazu gesellt sich noch Neuling 1. FC Nürnberg, der mit Rang 15 und zehn Punkten im Moment sogar der Relegation entgeht, also mit dieser Platzierung am Saisonende punktgenau das Ziel erreicht hätte: Nur nicht absteigen.

Die Stimmung ist bei den betroffenen Vereinen natürlich ein bisschen unterschiedlich. So haben sich vor allem Hertha BSC und Wolfsburg ihren Aufenthalt im Mittelfeld zu Beginn der Saison verdient. Die Hertha ist jetzt fünf Spiele ohne Sieg (der letzte gelang ausgerechnet gegen die Bayern, dann schlug wohl der „Bayern-Fluch“ zu, denn Bayern-Bezwinger tun sich danach mit dem Siegen schwer), Wolfsburg hat in den letzten acht Spielen gerade einmal gewonnen (in Düsseldorf). Bei beiden heißt es also, den Trend umkehren, sonst sind sie nicht mehr lange im Soll. Trainer Pal Dardai hat Ruhe in Berlin, Bruno Labbadia in Wolfsburg fordert mehr, Ziel war ja, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Von der Relegation hat man die Nase voll,.

Ein Sonderfall ist der FC Augsburg. Platz 10 und 13 Punkte bedeuten das Soll, nur einmal war man in sieben Jahren Bundesliga besser (14/15 Platz 7 mit 15 Punkten, am Ende 5. und in der Europa League). Was die Augsburger ärgert: Sie haben viele Punkte verschenkt, haderten über individuelle Fehler und späte Gegentore. Ohne „Geschenke“ könnte der FCA punktgleich mit den Bayern sein! Der Verein sieht sich immer im Kreis derer, die gegen den Abstieg kämpfen, die Spieler allerdings wollen mehr, Das könnte möglich sein, zumindest nach Weihnachten sollte es mit den Geschenken aber vorbei sein.

Unter dem Soll

Logisch, dass hier der Blick ans Tabellenende geht, aber nicht nur. Der Verein, der gefühlt wohl am meisten von seinen Zielen entfernt ist, heißt Bayern München. Sechs mal in Folge Meister und jetzt nur Fünfter, nicht einmal in der Champions League – ein Wunder, dass Trainer Niko Kovac nicht in Frage gestellt wird. Das Verletzungspech schlägt zwar weiter unerbittlich zu (jetzt fällt auch James aus), aber dennoch soll es im Endspurt ein Punktesammeln ohne Niederlage geben. Die größten Hürden des Restprogramms kommen zum Schluss der Vorrunde: Am 19. Dezember gegen Leipzig, am 22. in Frankfurt.

Gleich nach den Bayern kommt natürlich der VfB Stuttgart, das Schlusslicht. Da hat man sich mehr erwartet, auch wenn klar war, dass sich eine so erfolgreiche Rückrunde wie im letzten Jahr unter Tayfun Korkut, die mit Rang sieben endete, nicht wiederholen lässt. Korkut musste gehen, aber Nachfolger Markus Weinzierl startete mit klaren Niederlagen, bisher hat sich noch wenig geändert. Ruhiger ist es bei Neuling Fortuna Düsseldorf, der ja fast im Soll liegt, denn mit einem Wiederabstieg muss man rechnen, und bei Hannover 96, für das der Kampf gegen den Abstieg nicht unerwartet kommt. Kurios: Die Fans machen wieder Stimmung, aber stimulierend auf das Team wirkt das scheinbar nicht.

Anders sieht es natürlich bei Schalke 04 und Bayer Leverkusen aus. Das internationale Geschäft war das Ziel, Vizemeister Schalke stürzte tabellarisch am meisten ab, aber auch Leverkusen blickte vom letztjährigen Platz 5 eher in die Champions League, als dass man die unteren Regionen im Kalkül hatte. Die Mannschaft hat das Zeug zum begeisternden Fußball, doch zeigt sie ihn zu selten. Schalke war im Vorjahr mit minimalistischem Fußball erfolgreich, jetzt geht das nicht mehr und die Tore fehlen, Dazu fällt ein Stürmer nach dem anderen aus (Uth, Embolo, Burgstaller), da muss Trainer Dominik Tedesco die Leistung vom Vorjahr wiederholen: Viele Punkte mit wenig Toren. Erstaunlich, die Manager auf Schalke und in Leverkusen verteidigen tapfer ihre Trainer gegen die ständigen Anfragen der Medien, wann denn der Coach gehen muss. Wenn aber weiter die Punkte fehlen, könnte es bald ganz anders aussehen.

Lassen wir uns überraschen, wer frohe Weihnachten feiern kann.

Bittere Pillen und blaue Grausamkeiten

Die Fußball-Bundesliga hat gerade drei Spieltage hinter sich – und schon werden Trainer in Frage gestellt und die vor der Saison rosig gezeichnete Zukunft nun schwarz gefärbt. Leute, nach 34 Spieltagen wird erst abgerechnet! Andererseits ist es richtig, wer den Start verschläft, muss erst einmal hinterherrennen. Wer gut beginnt, bekommt vielleicht einen Lauf.

Unruhe herrscht vor allem bei Bayer Leverkusen und Schalke 04. Die einen müssen bittere Pillen schlucken, die anderen blaue Grausamkeiten ertragen, beide liegen mit null Punkten am Ende der Tabelle. Rückblick: Vor einem Jahr war der 1. FC Köln nach drei Spieltagen Letzter mit 0 Punkten und stieg am Ende ab. Leverkusen war mit einem Zähler Vorletzter, schaffte es noch auf Rang fünf und in die Europa League, doch auf diese Aufholjagd wollte man in diesem Jahr verzichten und deshalb wackelt bereits der Stuhl von Trainer Heiko Herrlich. Es sind nicht wenige, die die Partie am Sonntag gegen Mainz als „Endspiel“ ausrufen. Schwung könnte sich Bayer mit einem Sieg in der Europa League am Donnerstag in Rasgrad, beim Meister Bulgariens, holen.

Ähnlich die Situation auf Schalke, drei Spiele, drei Niederlagen, dazu kommt Meister Bayern München am Samstag und am Dienstag geht es vorher in der Champions League gegen den FC Porto. Da sind Erfolgserlebnisse nicht leicht und der in der letzten Saison gefeierte Trainer Domenico Tedesco ist jetzt als Krisenmanager gefragt. Wo ist der Schwung geblieben? Auf Schalke erinnert man sich an den Start unter Trainer Markus Weinzierl mit fünf Niederlagen. Zwar schaffte der Straubinger damals die Wende, doch dieser Start war für ihn der Anfang vom Ende. Nun erlebt vielleicht Tedesco blaue Grausamkeiten.

Erstes Aufatmen gibt es anderswo. Bei Neuling Düsseldorf zum Beispiel, mit dem ersten Sieg und das gegen den Champions-League-Neuling Hoffenheim. Auch RB Leipzig feierte den ersten Saisonsieg, da rollte quasi der Stein der Erleichterung vom ganzen Verein. Und am Tabellenende punkteten Aufsteiger Nürnberg und die Baden-Württemberger Freiburg und Stuttgart im Derby im Ländle. Schon kleine Erfolgserlebnisse lassen aufatmen. Die genannten Vereine waren übrigens auch an den dramatischen Ereignissen beteiligt, die Bundesliga beeindruckte nämlich mit vielen Toren in den letzten Minuten. Da haben sich wohl einige die Bayern als Vorbild genommen, deren Markenzeichen ja unter anderem ist, dass sie Spiele noch in den letzten Minuten entscheiden können. Also ist das nicht mehr allein Bayern-Dusel.

Eine andere Diskussion wird rund um die Spitzenklubs geführt. Ist jetzt ein großer Kader von Vorteil oder nicht? Die Geschehnisse zeigen, dass beides falsch und richtig sein kann, das Schicksal entscheidet. Fall Dortmund: Trainer Lucien Favre ist glücklich, „endlich gibt es viele Spiele, da kann ich allen einen Einsatz gönnen“. Rotation zur Beruhigung der Gemüter, keine Rede von Dreifachbelastung. Eigentlich wollte die Borussia den Kader reduzieren.

Das taten die Bayern, doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Vidal, Bernat und Rudy durften gehen, um für mehr Ruhe im großen Kader zu sorgen, jetzt hat das Verletzungspech zugeschlagen: Drei Spiele, drei schwer verletzte Spieler. Wenn das so weiter geht, haben die Bayern am Ende keine Mannschaft mehr. Trainer Niko Kovac klagt, „wir dürfen kein Freiwild sein“. Coman und jetzt Rafinha zogen sich ihre Verletzungen nach bösen Fouls der Gegner zu, bei Tolisso war der Kreuzbandriss Pech in einem normalen Zweikampf, aber die Saison könnte für ihn beendet sein. Hieß es vorher, die Bayern müssen ihren Kader reduzieren, so melden sich jetzt Kritiker, dass die personelle Decke ein bisschen dünn geraten ist. Ja, hinterher weiß man es eben besser. Aber die Bayern, die normalerweise mit Mehrfachbelastung erst so richtig in Form kommen, werden die vielen Spiele jetzt mit anderen Augen sehen. So gibt es mit Kimmich und Alaba gerade noch zwei etatmäßige Außenverteidiger. Vielleicht heißt es bei den Gegner ja auch: Irgendwie müssen wir die Bayern doch klein kriegen!

Dürfen Trainer denn auf ihr Bauchgefühl hören? Augsburgs Coach Manuel Baum wird sich da hinterfragen. Vor der Saison hatte er mit Fabian Giefer und Andreas Luthe als Nachfolger von Stammtorhüter Marwin Hitz, der nach Dortmund wechselte, zwei angeblich sich auf gleicher Höhe befindende Kandidaten. Nach „schlaflosen Nächten“ die Bauchentscheidung für Giefer, der Keeper aber verursachte mit zwei dicken Patzern die 1:2-Niederlage in Mainz. Was jetzt? Was sagt der Bauch? Darf man als Trainer nach Torwartfehlern gleich wechseln oder gibt man dem Unglücksraben noch eine Chance. Entscheidungen, die schwer fallen. Hinterher weiß man es aber besser. Die nächste Prüfung heißt Werder Bremen. Lustig: Der FC Augsburg hat wie im Vorjahr vier Punkte und ist wieder Achter in der Tabelle.

In der Woche sind die Augen auf Europa gerichtet, Champions League und Europa League starten mit der Saison 2018/19. Die Bundesliga erhofft sich eine bessere Bilanz als im Vorjahr, aber einige Vereine lassen derzeit zweifeln, ob das wirklich gelingt. Hoffenheim und Schalke in der CL sowie Leverkusen und Frankfurt in der EL sind keineswegs in Form. Die Hoffnung, über den internationalen Wettbewerb die Form für die Bundesliga zu bekommen, kann trügerisch sein.

Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs“.

Löws Problem: Ohne Tore keine Siege

Mit Spannung wurde das erste Auftreten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach der verpatzten Weltmeisterschaft im Sommer erwartet. Und, wie ist jetzt die Stimmung? Die Antwort: Sie könnte unterschiedlicher nicht sein! Auf der einen Seite monieren Kritiker, warum die Nationalspieler bei der wichtigen WM nicht den doch möglichen Einsatz gezeigt haben, auf der anderen Seite die Erleichterung nach dem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und dem 2:1 gegen Peru. Motto: Sie können es also doch noch. Zumindest ein bisschen, denn noch war nicht alles Gold, was da glänzte.

Bundestrainer Joachim Löw hat sicherlich die richtigen Lehren aus der Pleite in Russland gezogen und vor allem gegen Frankreich auf eine starke Defensive gesetzt, nach der Devise: Nur nicht verlieren. Das hat geklappt. Gegen Peru durfte gestürmt werden, doch da zeigten sich wieder die alten Probleme: Fehler in der Abwehr, mangelnde Abschlussqualität im Angriff. Künftig werden wir wohl vor allem zwei taktische Varianten sehen: Gegen scheinbar starke Gegner heißt es „Sicherheit zuerst“, bei Spielen, die man gegen schwächere Gegner unbedingt gewinnen muss wiederum „freie Bahn nach vorn“.

Die taktischen und personellen Varianten, die Löw diesmal ausprobierte, lassen nur einen Schluss zu: Er hatte bei der Nominierung des Kaders die Konzepte noch gar nicht erarbeitet. Sonst hätte er eigentlich einen Kimmich-Vertreter als Rechtsverteidiger nominieren müssen, wenn er schon den Plan hatte, den Münchner als „Sechser“ zu testen. Dass Joshua Kimmich das kann und gerne spielt, war bekannt. Der Bundestrainer hat ein Loch gestopft und andere aufgerissen: Jetzt sucht er gleich zwei starke Außenverteidiger, denn links kann er mit den Lösungen um Stammspieler Hector sowie die möglichen Vertreter Plattenhardt und jetzt Nico Schulz auch nicht unbedingt zufrieden sein. Da bietet sich schon ein Versuch mit dem Augsburger Philipp Max an, der als Vorlagen-König in der Bundesliga glänzte.

Löws Hauptproblem: Ohne Tore keine Siege. Die Abschlussschwächen dauern schon allzu lange an und man darf nicht darauf vertrauen, dass immer der gegnerische Torhüter dem DFB-Team den Sieg schenkt, wie jetzt Perus Schlussmann. Ein neuer Gerd Müller oder Miroslav Klose oder Mario Gomez (als er noch in Form war) wird gesucht. Nur mit schnellen Stürmern und Positionswechseln allein geht es halt doch nicht. Timo Werner und Marco Reus zeigten sich leider nicht als Torjäger, sondern eher als Chancentod.

Wo sind die Torjäger? Namen gibt es viele, aber wer schafft den Sprung? Naheliegend wäre der nächste Versuch mit Stoßstürmern wie Daniel Ginczek (Wolfsburg), Mark Uth (Schalke) oder sogar Niclas Füllkrug (Hannover), nachdem der nominierte Nils Petersen (Freiburg) ein bisschen zu gehemmt wirkt. Aber auch Junioren, also U21-Kandidaten, sollte Löw im Blick haben, wie Davie Selke (Hertha), Aaron Seydel (1,99 m groß!), Janni Serra (beide Holstein Kiel) oder den Augsburger Marco Richter, ein technisch beschlagener Stürmer. Da sollte Jogi Löw der Mut nicht verlassen, schlechter kann die Torausbeute ja wohl kaum werden.

Auffallend ist, dass die neugeschaffene und mit viel Kritik begleitete Nations League offensichtlich Gefallen gefunden hat. Europas Fußball war im Gespräch, Pflichtspiele statt uninteressante Freundschaftsspiele war ein guter Tausch, die Trainer kamen an ihrer stärksten Mannschaft nicht vorbei und sogar Dänemark setzte den Streik aus. So hat die Nations League Zukunft, doch alle Gedanken an eine Ausdehnung sollte man ad acta legen.

Der heiße Herbst beginnt

Der Fußball in Europa bleibt im Gespräch, nein, er nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf, die Nations League war quasi nur ein Vorgeschmack, denn am 18. September beginnt auch die Champions League, der heiße Herbst kommt. Das bedeutet für Vereine, Spieler und Fans, es geht Schlag auf Schlag. Das Beispiel Bayern München, zwischen dem 15. September und 6. Oktober stehen sieben Spiele in 22 Tagen auf dem Programm. Langeweile kommt da nicht auf.

Zunächst gehört das Wochenende den nationalen Meisterschaften. Die Bundesliga wird da mindestens so interessant sein wie die Nations League, wenn zum Beispiel die Partie Wolfsburg – Hertha schon zum Spitzenspiel wird, weil eben zwei der bisher drei Teams ohne Punktverlust aufeinandertreffen. Der Dritte im Bunde ist Bayern München und der hat Bayer Leverkusen zu Gast. Oft ein unangenehmer Gegner, aber jetzt? Leverkusen verpatzte den Start, hat null Punkte und das Problem, dass Trainer Heiko Herrlich schon in Frage gestellt wird. Ähnlich sieht es auf Schalke aus, zwei Niederlagen ließen die Stimmung in den Keller sinken. Was ist aus dem stolzen Vizemeister geworden? Erinnerungen an einen ähnlichen Absturz werden wach. Schalke liebt ja bekanntlich die Extreme. Kommt die Wende ausgerechnet in Gladbach (und dann kommen die Bayern!). Und auch in Stuttgart sehnt man sich nach einer Wende, die Euphorie war groß und dann zwei Niederlagen zum Start! Ausgerechnet beim Derby im Ländle, in Freiburg, soll das Ruder herumgerissen werden. Also: Die Vorzeichen sind gut, die Bundesliga ist interessant und liefert sicherlich den richtigen Start in den heißen Herbst.

Diskussionen stellen den Bundesliga-Abstiegskampf in den Schatten

Das Geschehen auf dem grünen Rasen wäre ja interessant genug, dennoch wurde es in der vergangenen Woche in der Fußball-Bundesliga in den Schatten gestellt. Themen abseits der Punktrunde beschäftigten die Öffentlichkeit, im Mittelpunkt natürlich wieder einmal Bayern München, das einen neuen Trainer präsentierte. Der Favorit sagte zu, der 46-Jährige Kroate Niko Kovac folgt auf den bald 73-Jährigen Jupp Heynckes. Auf Erfahrung pur folgt ein Mann, der erst einmal im Spitzenfußball Erfahrung sammeln muss. Wieder einmal gehen die Münchner Bosse ins Risiko, was früher schon gründlich schief gegangen ist (bestes Beispiel war Jürgen Klinsmann). Branchenüblich wurde der Wechsel mit verbalen Scharmützeln begleitet. Der Vorwurf von Eintracht-Manager Fredi Bobic, dass die Bayern „unverschämt“ und „unanständig“ gehandelt hätten, war wohl in erster Linie Selbstschutz, damit keine Kritik aufkommt, warum er den Trainer nicht halten konnte. Seltsam ist allerdings schon, dass uns erzählt wird, der Deal wäre an einem Tag abgeschlossen worden.

Niko Kovac hat Eintracht Frankfurt auf Vordermann gebracht und der Mannschaft Spielkultur beigebracht. Durchaus eine Empfehlung. Bei den Bayern könnte er es sich leicht machen und einfach die Arbeit von Jupp Heynckes weiterführen. Die Frage ist allerdings, ob Kovac bei den zwischenmenschlichen Beziehungen bestehen kann. Wie bekannt, ist es nicht leicht, alle Stars unter einen Hut zu bringen und bei Laune zu halten und zudem eine Verjüngung der Mannschaft einzuleiten.

Im Moment kann sich Kovac noch auf Frankfurt konzentrieren, aber die 1:4-Niederlage in Leverkusen war im Anschluss an die Bekanntgabe des Wechsels zum Meister nicht glücklich. Die Eintracht rutschte auf Rang sieben ab und muss zusehen, dass der Traum vom Sprung auf Europas Bühnen nicht platzt. Dann würde im Endeffekt noch ein Schatten auf Kovacs Arbeit in Frankfurt fallen.

Der künftige Bayern-Coach wird interessiert beobachten, welche Titel ihm den Jupp Heynckes übrig lässt, um im nächsten Jahr zu glänzen. Oder geht es ihm wie Pep Guardiola, der 2013 einen Triple-Gewinner übernahm? Auf jeden Fall zeigen sich die Münchner in Form, Pokalgegner Bayer Leverkusen allerdings ebenfalls, mit zwei 4:1-Siegen in einer Woche. Gegen Leverkusen und vor allem Real Madrid im Halbfinale der Champions League wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind und ob sie vor allem auf den Punkt genau ihre beste Form abrufen können. Also auch rund um die Bayern bleibt es spannend.

Eine zweite Diskussion wurde unnötig entfacht. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke brachte wieder eine Play-Off-Runde ins Gespräch. Dass dies für die Bundesliga Humbug ist, wurde schon oft festgestellt. Auch seine Idee von einer verkürzten Runde allein mit Halbfinale und Finale bringt Terminprobleme und vor allem kassieren die vier Klubs, die sowieso schon an die Geldtöpfe der Champions League gelangen, noch einmal zusätzlich. Damit wird die finanzielle Schere zur Konkurrenz noch größer. Nachdem Stuttgart den Klassenerhalt sicher hat, hatte Reschke wohl zu viel Zeit für dumme Ideen. Er sollte lieber sein Team für das nächste Jahr wirkungsvoll verstärken.

Es bleibt dabei, Unentschieden sind das beliebteste Resultat in der Bundesliga, nur nicht verlieren bleibt das Motto. Beispiel Stuttgart und Hannover, die sich die Punkte teilten und damit wohl beide gerettet sind, weil die Kellerkinder Köln und Hamburg Niederlagen hinnehmen mussten. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber bald ist auch die letzte Hoffnung dahin. Ein Unentschieden in Wolfsburg hilft auch dem FC Augsburg, der mit 37 Punkten praktisch ebenfalls den Klassenerhalt feiern kann. Am Sonntag gegen Mainz könnten die magischen 40 Punkte geschafft und außerdem die eigenen Fans nach vier Heimpleiten versöhnt werden.

Spannender ist der Kampf um die Plätze in der Champions League. Schalke 04 war der große Sieger im Revier-Derby und vergrößerte mit dem 2:0-Sieg gleichzeitig die Angst bei Borussia Dortmund, dass der Sprung in die Champions League noch scheitern könnte. Gleichzeitig verstärkt sich die Tendenz, dass Trainer Peter Stöger keine Zukunft in Dortmund hat. Da gilt Gladbachs früherer Coach Lucien Favre als Favorit. Trainer-Wechsel werden auch in den nächsten Wochen für Gesprächsstoff in der Bundesliga sorgen.

Die Bayern haben es vorgemacht, in den großen Ligen zogen jetzt Paris St. Germain und Manchester City mit den Titelgewinnen nach. Wer mit großem Abstand führt, für den löst die Meisterschaft keine großen Emotionen mehr aus, doch von Feierlaune war in England und Frankreich nicht die Rede. City gewann den Titel auf dem Sofa (Pep wollte zum Golf), weil Konkurrent United gegen das Schlusslicht patzte, in Paris schwiegen die meisten Fans aus Protest gegen das Verbot von Pyrotechnik. Dies zeigt, dass sich die Fans sich selbst näher sind, als der Mannschaft, für die eigentlich ihr Herz schlagen sollte. Übrigens war der Titelgewinn eine Premiere für Nationalspieler Julian Draxler und für Trainer Unai Emery, der dennoch seinen Posten räumen muss, angeblich für Thomas Tuchel, der München abgesagt hatte und für Niko Kovac den Weg frei gemacht hat.

Apropos Trainer, Bundestrainer Joachim Löw war bei den Bayern natürlich auch im Gespräch, aber er ist jetzt verstärkt in den Stadien zu sehen, weil er seine WM-Kandidaten sichten muss. Da stehen einige schwierige Entscheidungen an und seine Kandidaten bringen sich nicht nur mit Leistung, sondern auch mit Statements ins Gespräch. Beispiel Sandro Wagner, der in Konkurrenz zu Mario Gomez steht, wenn es um den einen klassischen Mittelstürmer geht. Wagner verkündete selbstbewusst: „Ich gehe davon aus, dass ich bei der WM dabei bin.“ Nach einem Doppelpack lässt sich gut auftrumpfen, Gomez konnte nicht glänzen, für ihn spricht derzeit höchstens die internationale Erfahrung. Aber auch im Nationalteam zeigte sich Wagner treffsicher. Fragen auch bei den Flügelflitzern, da brachten sich vor allem Serge Gnabry (vor den Augen von Löw) und Julian Brandt, beide bisher eher in der zweiten Reihe, ins Gespräch bzw. schossen sich in den Vordergrund. Löw hat die Qual der Wahl, die Spieler, die nicht nominiert werden, eher nur die Qual.