Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Bayern München

Ganz Europa schaut auf die Bundesliga

Es ist geschafft! Die Fans atmen auf, die Fußball-Bundesliga spielt wieder und startet am 16. Mai in den Endspurt mit dem 26. Spieltag von insgesamt 34. Am Samstag, 27. Juni, soll dann der Meister gekürt werden. Die Fans atmen auf, aber nicht alle sind begeistert, weil die Zuschauer ausgesperrt sind und Geisterspiele eigentlich keinen hinter dem Ofen hervorlocken. Doch inzwischen hat sich auch bei den Anhängern die Erkenntnis durchgesetzt, dass Geisterspiele das geringere Übel sind, um einige Vereine vor der Pleite zu bewahren.

Insofern ist die Entscheidung der Politik eine lebensrettende Maßnahme, doch der Chor der Kritiker war lauter als die Jubeltöne. Was wurde nicht alles kritisiert, dass die Bundesliga eine unangebrachte Bevorzugung erhalte. Der Deutschlandtrend der ARD bestätigt die Skepsis, in einer Umfrage ist die Hälfte der Befragten gegen den Wiederbeginn der Bundesliga, 36 Prozent sind dafür. Da bekommt sogar der bekennende Fußball-Fan Markus Söder mehr Zustimmung, 53 Prozent halten Bayerns Ministerpräsidenten für den besten Kanzlerkandidaten von CDU/CSU. Söder beliebter als der Fußball!

In Deutschland wird vor allem über die Kritik diskutiert, außerhalb der Grenzen ist es anders. Ganz Europa schaut auf die Bundesliga, lobt den Wiederbeginn und zeigt Respekt vor der Arbeit der DFL. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin stellte die Bundesliga sogar als „leuchtendes Vorbild“ dar. Die Medien in den Ländern der Top-Ligen sehen das genauso und würden sich wünschen, dass in ihren Ligen ebenso gut und konsequent gehandelt wird. In Italien heißt es u. a. „Die Lokomotive des europäischen Fußballs kommt wieder in Bewegung“ oder „Angela Merkel gibt ein wichtiges Zeichen der Normalisierung in Deutschland“. In Frankreich loben die Zeitungen „Der Bundesliga ist weltweite Beachtung sicher“ oder „Wenn wieder Fußball gespielt wird, ist Licht am Ende des Tunnels“ und „Deutschland profiliert sich in einem undurchsichtigen Europa.“

Natürlich bleibt der Spielbetrieb mit direkten Zweikämpfen eine Gratwanderung. Die DFL hat aber ein schlüssiges Sicherheitskonzept erarbeitet und damit alles menschenmögliche getan. Gegen Undiszipliniertheiten wie sie Hertha-Star Kalou offenbarte, kommt das beste Konzept nicht an. Wie heißt es so schön „Fußballer sind wie Kinder“ (deshalb darf die Bundesliga genau so schnell spielen wie die Kitas wieder geöffnet haben!) oder (was allerdings schon oft widerlegt worden ist) „die Fußballer haben es in den Füßen, nicht im Kopf“ Angesichts solcher Ausfälle kommen alte Vorurteile wieder hoch.

Es gibt genügend Unwägbarkeiten, die den Spielbetrieb wieder stoppen können. Zum Beispiel wenn sich die Fans vor den Stadien oder zu Hause vor den Fernsehern versammeln und Abstand Abstand sein lassen und zusammenrücken. Steigt die Zahl der Infizierten eklatant, ist Schluss. Oder auf dem Feld springt Covid-19 von einem zum anderen bei Zweikämpfen, bei Gerangel im Strafraum oder wenn die Mauer gestellt wird. Immerhin alle sind ja getestet und sollten Corona-frei sein. Auf gängige Gewohnheiten sollten die Profis verzichten: Das Spucken auf den Rasen, Rudelbildung und Beschimpfungen nah am Gegner mit Kopf-an-Kopf-Diskussion. Fußball in Corona-Zeiten kann auch ein bisschen Knigge-Schulung werden.

Im Deutschlandtrend sind nur 36 Prozent für den Start der Bundesliga, doch eigentlich hat man das Gefühl ganz Deutschland freut sich auf den Re-Start. Immerhin geht es gleich mit dem Revier-Derby Dortmund – Schalke los, Meister Bayern kreuzt am Sonntag bei Neuling Union Berlin auf. Mehr zum ersten Geister-Spieltag in Bälde an dieser Stelle.

Die Sehnsucht nach Normalität hilft auch dem Sport

Eine Nation rüttelt an den Ketten. Deutschland hat die Nase voll vom Lockdown und giert nach Bewegungsfreiheit. Die Regierung in Berlin bremst und beschreitet den Weg der Vernunft, doch das Leben zeigt immer wieder, ein bisschen Unvernunft gehört dazu. Deshalb ist es auch nur eine Frage der Zeit, wann es weitere Lockerungen der Beschränkungen für die Bevölkerung gibt, bei der nächsten Konferenz der Länder-Chefs mit der Kanzlerin wird das über die Bühne gehen. Die einzige Frage: Wie weit werden die Lockerungen gehen?

Von der Sehnsucht nach Normalität im Leben profitiert auch der Sport, der ja eigentlich Sinnbild ist für den Bewegungsdrang. Es geht nicht nur um die Wirtschaft oder um unsere Kinder, im Sport geht es eigentlich um uns alle. Der Stern, der ganz oben leuchtet (manchmal natürlich auch nicht) ist der Fußball, gerade die Nationalmannschaft kann eine ganze Nation bewegen. Die Lokomotive ist die Bundesliga und die rüttelt eben auch an den Ketten, will endlich wieder spielen. Für die Leute, aber in erster Linie natürlich für sich selbst, damit das Geld der Fernsehanstalten drohende Insolvenzen verhindert.

In der Öffentlichkeit gibt es eine Gemengelage, bei der deutlich wird, wie die Fußball-Bundesliga polarisiert. Die einen tönen „zuerst müssen die Kinder raus, ehe Fußball gespielt wird“, die anderen sehen die Bundesliga als Beitrag zur Normalität, als Abwechslung nach dem düsteren Corona-Szenario. Die Bundesliga übt sich im Gegensatz zu ihrem sonstigen Auftreten in Demut, will die Corona-Tests natürlich selbst bezahlen und unterstützt in vielfältigen Spendenaktionen (das wird immer wieder vergessen!) die leidende und über die Grenzen der Kraft gehende Bevölkerung. Auf diese Pluspunkte weist keiner der Populisten hin.

Dafür versuchen Politiker Pluspunkte zu sammeln, wenn sie dem Volk nach dem Mund reden. Typisches Beispiel ist der SPD-Co-Chef Norbert Walter-Borjans (wer kennt den eigentlich?), der fordert, die Bundesliga-Spiele müssten im freien Fernsehen zu sehen sein, damit auch wirklich jeder zuschauen kann, wenn schon gespielt wird (ohne Zuschauer in den Stadien). Verträge ignoriert er, genauso den Grund des Drängens nach Geisterspielen, weil nur dann eben das überlebensnotwendige Geld fließt. Es liegt am Rechteinhaber Sky, ob er als Werbegründen Spiele frei empfangbar ausstrahlt. Scheinbar will die Politik Druck machen, damit sich Fans nicht in Gruppen vor dem Sky-Fernseher versammeln. Aber Sky ist nun mal der Rechteinhaber.

Für die Bundesliga ist der Spielbetrieb so oder so eine Gratwanderung, weil eben keiner vorhersagen kann, ob Corona zuschlägt und wenn, in welchem Maße. Typisch der erste Schreckschuss, als drei Mann beim 1. FC Köln positiv getestet wurden und in Quarantäne mussten. Das Gesundheitsamt sagt aber: Eine erhöhte Ansteckungsgefahr durch die positiv getesteten Kollegen gibt es nicht. Die Kritiker der Geisterspiele sehen sich dagegen bestätigt, zum Beispiel der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach: „Das Konzept floppt und ist kein Vorbild“, Die zweite, entscheidende Testreihe blieb ohne positiven Befund, Aufatmen in Köln und in der Bundesliga. Danach hat die DFL erste Zahlen bekannt gegeben: Bei 1724 Tests in der 1. und 2. Bundesliga gab es ganze zehn positive Fälle.

Es geht aber nicht nur um Fußball. Der Sport ist ein Stück Normalität, so sitzen auch andere Sportarten in den Startlöchern wie die Basketball-Bundesliga zum Beispiel, in der zehn von 17 Vereinen noch den Meister ermitteln wollen und zwar an einem zentralen Standort. Aber es gibt auch viele kleine Vereine und deshalb macht der Dachverband DOSB Druck auf die Politik und fordert die Freigabe für den Amateursport. Für viele Kinder ist der Fußballplatz der beste Spielplatz.

Abseits von der Diskussion vom Corona-Szenario kann der Spitzenfußball so schnell nicht aus seiner Haut. Typisches Beispiel Bayern Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der den Fans wohl Hoffnung für die Zukunft geben wollte und kundtat, dass die Bayern für die neue Saison mit Verstärkungen durch einen Topspieler und ein Toptalent planen. Damit erntete er Kritik (wer denkt jetzt an so was) und machte die zuletzt gute Arbeit zum Teil wieder kaputt, nämlich diverse Vertragsverlängerungen, u. a. mit Trainer Hansi Flick und Thomas Müller. Diesbezüglich soll es bald weitere Erfolgsmeldungen geben mit Manuel Neuer, David Alaba und Thiago („Ich könnte mir vorstellen, meine Karriere in München zu beenden“). So wird die Corona-Pause positiv genutzt.

Übrigens lassen sich die Bayern-Frauen ebenfalls nicht lumpen, sie rüsten auch für die Zukunft auf und könnten bald unter dem Namen SC Freiburg antreten. Mit dem 19-jährigen Stürmertalente Klara Bühl haben sie insgesamt jetzt die siebte Spielerin (!) aus Freiburg verpflichtet und mit Jens Scheuer gleich den Trainer dazu. Aus Essen kamen aktuell Torjägerin Lea Schüller und Marina Hegering, Bayern bläst also zum Angriff auf den dominierenden VfL Wolfsburg. Schade ist, dass die Frauen-Bundesliga die Corona-Pause ansonsten nicht zu mehr Eigenwerbung nutzen konnte. Auch die Frauen wollen spielen, angesichts der sonstigen Zuschauerkulisse mit unter tausend Besuchern im Schnitt ist der Schritt zu Geisterspielen gar nicht so weit.

Die Bundesliga sucht nach dem richtigen Weg

Die ganze Welt stöhnt unter der Corona-Pandemie und überall gibt es nur eine Hoffnung: Wann geht dieses Chaos zu Ende, wann lässt der Peiniger wieder ein einigermaßen normales Leben zu. Fast die ganze Welt weiß allerdings auch, dass die Rückkehr zum früheren Alltag nicht so leicht ist und es noch dauern wird. So versuchen es viele Länder in der nächsten Zeit mit Lockerungen, die nur so weit gehen sollen, dass die Zahl der Viruserkrankungen nicht wieder steigt. Jeder sucht also nach dem richtigen Weg in eine normale Zukunft. Den sucht auch die Fußball-Bundesliga, die endlich wieder spielen will, damit einige Klubs nicht Insolvenz anmelden müssen, die endlich wieder spielen will, weil nur dann die Fernsehgelder fließen. Wie der Weg aussehen wird, darüber wird jetzt schon diskutiert, nur eines scheint klar zu sein: Es wird eine gewisse Zeit nur Geisterspiele ohne Publikum geben, vielleicht sogar bis in das nächste Jahr hinein.

Ob der richtige Weg je gefunden werden kann? Den suchen auch alle anderen Sportarten, wobei jede für sich vor besonderen Problemen steht. Nur eines steht fest: Das Publikum wird vorerst ausgeschlossen bleiben. Wer also profitiert von Sport ohne Zuschauer, aber mit Fernsehen? Wer kann Sport treiben ohne Nähe zum Gegner, ohne Kontakte. Das könnte Golf sein, wo auch Freizeitsportler in absehbarer Zeit vielleicht allein über den Platz gehen können, aber eben auch Profis. Das könnte Tennis sein, wo zumindest im Einzel der Sicherheitsabstand immer gewahrt bleiben kann, im Freizeit- und im Leistungssport.

Aber bleiben wir beim Fußball. In Deutschland wird die Regierung am Mittwoch über das weitere Verfahren in Sachen Corona entscheiden und mit ziemlicher Sicherheit gewisse Lockerungen vornehmen, doch wie weit gehen die. Davon hängt auch ab, wie schnell die Profifußballer der ersten bis zur dritten Liga wieder in die Stadien zurückkehren können. Die DFL tagt am Freitag und muss sich natürlich an den Vorgaben orientieren.

Dennoch werden jetzt schon Szenarien durchgespielt. So sollen Spieler, Betreuer und Schiedsrichter alle drei Tage getestet werden, angeblich wären die Kapazitäten dafür vorhanden, der Fußball also keine lebenswichtigen Tests blockieren würde. Die Zahl der Anwesenden in den Stadien soll stark begrenzt werden, von 600 auf etwa 300 mit wenigen Balljungen und Begleitpersonal. Dazu gibt es sogar die Idee, nicht in allen Stadien zu spielen, sondern zwei oder drei feste Spielorte zu installieren, um Reisen einzuschränken. Gespielt werden könnte zum Beispiel in Berlin, Dortmund und Frankfurt oder München. Aber soll die Bundesliga für mehrere Wochen in Quarantäne? Auf jeden Fall sollen die Reisen der Schiedsrichter beschränkt und die Regel gekippt werden, dass Schiedsrichter in ihrem Landesverband nicht pfeifen können. Die Referees sollen nicht übernachten und mit dem Auto anreisen. Den Gedanken wird freier Raum gelassen, nichts ist unmöglich. Es gibt nur ein Ziel: Endlich wieder spielen. Der richtige Weg dahin ist offen.

Viel mehr Probleme wird es auf der internationalen Bühne geben, weil zum Beispiel die Vereine der Champions League und der Europa League in ihren nationalen Ligen vor unterschiedlichen Aufgaben stehen, eine unterschiedliche Zahl von Spielen noch zu absolvieren ist, überall noch offen ist, ab wann überhaupt gespielt werden kann. So wird es mit Sicherheit ein unterschiedliches Ende der einzelnen Ligen geben. Manche erwarten sogar, dass die internationalen Wettbewerbe erst im Herbst weitergehen könnten. Doch auch das wirft wieder besondere Probleme auf: Wie sieht es dann mit Transfers aus, mit welche Mannschaften treten die Teams dann an? Eines zeichnet sich ab: Die Sommerpause könnte im Fußball wegfallen, auch wenn die Bundesliga ihre Saison unbedingt bis 30. Juni beenden will, um keine Probleme mit der Laufzeit von Verträgen zu bekommen. Doch damit sind nicht alle Ungereimtheiten beseitigt.

Corona bringt die Welt durcheinander und natürlich auch den Sport. Aber auch der Alltag muss weitergehen. So hat zum Beispiel der Bundesligist Hertha BSC gehandelt und mit Bruno Labbadia einen neuen Trainer verpflichtet. Der 54-Jährige gebürtige Darmstädter ist Rekordhalter was die Anzahl der Vereine angeht, als Spieler und Trainer macht er mit Berlin jetzt die zehn voll (bei acht Vereinen waren Jörg Berger, Friedhelm Funkel und Otto Rehhagel). Seine Stationen als Spieler waren HSV, Kaiserslautern, Bayern, Köln, Bremen und Bielefeld, als Trainer Leverkusen, HSV, Stuttgart, Wolfsburg und jetzt eben Hertha. Dort ist er der vierte Coach in einer Saison. Das er jetzt beginnt, ist allerdings nachvollziehbar. Manager Michael Preetz hat die Sorge, dass die Sommerpause als Neuanfang ausfällt, also wird der Neuanfang vorgezogen und Labbadia ist zunächst in der Rolle des Retters gefordert, die er eigentlich nicht mehr spielen will.

Der Alltag geht auch bei den Bayern weiter, wo vor allem die Verlängerung der Verträge ansteht. Nach Trainer Hansi Flick hat sich jetzt Vereinsikone Thomas Müller bis 2023 verpflichtet. Thiago soll als Nächster folgen, dagegen gibt es bei Torhüter Manuel Neuer wohl eine Hängepartie. Angeblich will er eine Verlängerung bis 2025, die Bayern aber wie bei den anderen nur bis 2023 und außerdem hat er wohl eine Gehaltsforderung von 20 Millionen Euro in den Raum gestellt, was die Bayern nicht zahlen wollen und was angesichts der derzeitigen Situation wohl auch unangemessen ist. Aber das ist ein anderes Thema, wie der Fußball in der Zukunft aussieht. Warten wir erst einmal ab, ob und ab wann überhaupt gespielt wird. Hoffen wir, dass die Bundesliga den richtigen Weg findet.

Deutschland erwache! Mit Anstand und mit Abstand!

Die Welt steht still, weil es ein Virus so will. Aber ewig ist der Stillstand nicht zu verkraften, egal, ob es um Industrie und Wirtschaft geht oder um das tägliche Leben. Wenn die Infektionszahlen zurückgehen, wenn man Corona einigermaßen im Griff hat, dann muss – langsam und vorsichtig – das gewohnte Leben wieder weitergehen. Bis zum 19. April sind die derzeitigen Maßnahmen mit Ausgangssperren und dergleichen terminiert, ab Montag, 20. April, muss es zumindest hierzulande heißen: Deutschland erwache! Österreich ist da schon weiter, dort gibt es nach Ostern die ersten Lockerungen.

Tausende Unternehmer, vor allem Kleinunternehmer bzw. der Mittelstand, und Millionen von Arbeitern und Angestellten warten auf den Tag, an dem wenigstens zum Teil und wohl nur in abgespeckter Form die gewohnte Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Der Besuch im Baumarkt muss wieder möglich sein, ebenso wie der im Schreibwarengeschäft, beim Gärtner oder im Lokal. Dabei sind aber weiterhin Anstand und Abstand wichtig. Anstand, weil man wohl noch über Wochen und Monate hinweg darauf achten muss, den anderen mit einer möglichen Infizierung nicht anzustecken. Abstand, weil dies der beste Schutz vor Ansteckung ist, besser noch als ein biederer Mundschutz. Auf Abstand achtend kann jeder einkaufen gehen, kann man Lokale besuchen (nur zwei Leute an einem Tisch) oder sogar Kinos und Theater wieder in Betrieb nehmen. Mit ein bisschen guten Willen und Disziplin sollte dies möglich sein.

Und auch der Sport sollte wieder eine Rolle spielen, in welcher Form auch immer. Freilich, der Amateursport wird noch Probleme haben, der Profisport (Wirtschaftsbetrieb!) allerdings müsste die Genehmigung bekommen, in abgesteckter Form den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, damit das Fernsehen berichten kann, damit TV- und Sponsorengelder fließen und die größten Pleiten verhindert werden. Das betrifft vor allem die Fußball-Bundesliga, 2. Bundesliga sowie 3. Liga, aber auch die höchsten Spielklassen im Basketball und Handball, obwohl da natürlich nicht diese Gelder wie im Fußball fließen. Natürlich kann der Spielbetrieb nur ohne Zuschauer aufgenommen werden, Geisterspiele sind die einzige machbare Rettung. Deshalb werden viele andere Sportarten verzichten und die Corona-Pause den einen oder anderen Verein in die Knie zwingen. Insofern heißt es jetzt auch: Rette sich, wer kann.

Die Fußball-Bundesliga steht von der Popularität her natürlich im Mittelpunkt. Am 17. April will die DFL wieder tagen und Spiele im Mai sind im Visier, bis Ende Juni soll die nationale Meisterschaft beendet sein und auch der DFB-Pokal könnte mit Halbfinale und Finale gespielt werden. Die meisten Vereine haben ein reduziertes Training wieder aufgenommen, statt sich zu Hause fit zu halten, heißt es Arbeit mit dem Ball auf Rasen in kleinen Gruppen mit Abstand. Ab Mai sollte ein normales Fußballtraining möglich sein, heißt zwei Wochen Vorbereitung bis zur Fortsetzung der Punktrunde.

Es gibt natürlich Fragezeichen. So wird der Plan, die Spieler alle drei Tage auf eine Corona-Infektion zu kontrollieren, kaum durchführbar sein, weil die Allgemeinheit meutern würde. Die Labore arbeiten am Anschlag und Tests für Fußballprofis können nicht dafür verantwortlich sein, dass Tests für kranke Patienten verschoben werden. Es könnte aber auch sein, dass sich die Gesamtsituation entscheidend verbessert, Pessimisten glauben aber, dass der Höhepunkt der Infektionen noch bevorsteht.

Entscheidend ist aber auch, dass die Fans entsprechend mitmachen. Da kommen wieder Anstand und Abstand ins Spiel. Die Fans, vor allem die Ultras mit ihren manchmal seltsamen Gedanken, müssen wissen, dass ihr Verein nur spielen kann, wenn sie keinen Krawall machen und über die Stränge schlagen, heißt, auch im Umfeld des Stadions dürfen sich die Fans nicht aufhalten (Abstand halten!). Verstoßen sie dagegen (Anstand!), werden auch Geisterspiele nicht möglich sein. Die Fans könnten dann sogar zu Totengräbern ihrer Vereine werden!

Eines muss an dieser Stelle festgestellt werden. Die Fußball-Bundesliga hat sich in diesen Krisenzeiten vorbildlich verhalten, die DFL hat gut reagiert und das Heft des Handelns in die Hand genommen. Die Spieler zeigten sich als Profis mit Herz, waren zu Gehaltskürzungen zum Wohle der Vereine und vor allem der rund 60.000 sonstigen Mitarbeiter bereit und brachten zahlreichen Spendenaktionen auf den Weg. Auch hier wurden Millionen ausgeschüttet.

Dies war in anderen Ländern oft nicht so, da gab es Theater um Gehaltskürzungen (Barcelona zum Beispiel) und in England gibt es Proteste, weil die Spieler nicht kollektiv auf Gehaltskürzungen verzichten und die Klubs sogar öffentliche Subventionen in Anspruch nehmen wollen. Seltsame Begründung der Gewerkschaft dafür, dass die Gelder nicht gekürzt werden dürfen: „Dann würden dem Staat große Steuereinnahmen fehlen.“ Einen radikalen Schnitt vollzog Belgien, das die Saison für beendet erklärte. Es ist auch das internationale Problem für die Fortsetzung der europäischen Wettbewerbe, dass die Nationen unterschiedlich von Corona gebeutelt sind und unterschiedlich damit umgehen. Eine Lösung ist derzeit nicht in Sicht.

Es gab zudem andere Meldungen. Die Corona-Pause nutzte Bayern München zur Vertragsverlängerung mit Trainer Hansi Flick gleich bis 2023, die Bosse vertrauen also auf den Kurpfälzer, der als legitimer Heynckes-Nachfolger vor allem in Sachen Menschlichkeit gilt. Jetzt werden wohl auch Vertragsverlängerungen mit Spielern bis 2023 folgen, wobei Flick da ein starkes Mitspracherecht besitzt.

Es tut sich also etwas in den Vereinen, ein Grund mehr, dass die Fans hoffen, dass der Ball bald wieder rollt. Und eines darf man auch nicht vergessen: Fußball im Fernsehen hat das Zeug dazu, die Stimmung im Lande zu verbessern. Er bietet Unterhaltung und Abwechslung, vielleicht war die Fußball-Bundesliga sogar noch nie so wichtig wie heute!

Corona und die Probleme für die Bayern

Ein Virus setzt die Welt schachmatt und zwingt logischerweise auch die Fußball-Bundesliga zur Pause. Eigentlich hätten die Vereine jetzt Zeit für die Zukunftsplanung, könnten Verträge verlängern oder neue Stars an Land ziehen. Doch das Gegenteil ist der Fall, die Unsicherheit über die Zukunft ist groß und keiner weiß, wie sich das Transfergeschäft entwickelt. Allgemein wird von fallenden Preisen ausgegangen und so zögert die Branche bei Unterschriften. Wer will schon unnötig Geld ausgeben.

Ein Problem, das alle Vereine haben, besonders im Blickpunkt aber Rekordmeister Bayern München, denn da laufen 2021 Verträge von prominenten Stammspielern aus und auch Trainer Hansi Flick hängt in der Luft. Verhandlungen im Zeichen von Corona sind schwierig, aber gerade jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Das eine oder andere Problem haben sich die Bayern selbst gemacht. So haben sie Kapitän Manuel Neuer geärgert, als sie Alexander Nübel als neue Torhüter-Hoffnung vorstellten. Er sollte beim Nationaltorhüter lernen und ihn in den nächsten Jahren Stück für Stück ablösen. Jeder hatte Verständnis für die Verpflichtung des Schalkers, der ja bereits als legitimer Nachfolger von Neuer gehandelt wurde – bis er patzte und deutlich wurde, dass der 23-Jährige offensichtlich nicht die guten Nerven von Neuer besitzt. Der inzwischen 34-Jährige Stammkeeper, der das Torwartspiel auf einen neuen Level hob, hat noch keine Lust zur Rente, hat im Visier bis 39 zu spielen und einen angebotenen Zwei-Jahres-Vertrag lehnt er schlichtweg ab. Drei Jahre wären für ihn das Minimum und eine Gehaltskürzung kommt auch in Corona-Zeiten nicht in Frage. Eine verzwickte Frage für Salihamidzic, Kahn und Rummenigge, die angesichts der Formkrise von Nübel verunsichert sind und wohl kaum allein auf den Schalker und Ersatzmann Sven Ulreich setzen wollen.

Unsicher ist auch die Zukunft von David Alaba. Der Österreicher will eigentlich am liebsten im Mittelfeld spielen, wurde als Linksverteidiger zum Star und sieht sich plötzlich in neuer Rolle als Abwehrchef. Offen liebäugelt er mit einem Wechsel nach Spanien, andererseits zieht es ihn nicht aus München weg. Eine Gehaltserhöhung würde ihm die Entscheidung erleichtern. Dies aber in Zeiten der fallenden Preise? Andererseits gilt Alaba als letztes Münchner Talent, das den Sprung in die Stammelf der Profis geschafft hat. Sportlich könnten die Bayern den Abgang inzwischen verkraften, denn Alphonso Davies ist die neue Zukunftshoffnung auf der linken Seite, Süle kehrt bald als Abwehrchef zurück und da ist ja auch noch Neuzugang Hernandez. Die Bayern wären gut aufgestellt, doch Alaba würde eine Popularitätslücke hinterlassen.

Das gilt auch für Thomas Müller, der dritte Bunde, dessen Vertrag 2021 ausläuft und ohne den man sich die Bayern eigentlich gar nicht vorstellen kann. Man kann sich auch nicht vorstellen, dass es Müller nach England zieht, vornehmlich aus der Premier League habe er Angebote, heißt es. Müller gehört seit dem 1. Juli 2000 zum Bayern-Inventar, er ist im Alpenvorland heimatlich verwurzelt, betreibt in der Nähe vom Starnberger See mit seiner Frau Lisa einen Reitstall und die Pferde werden kaum mit umziehen können. Müller gehört sicherlich zu den Bestverdienern im Bayern-Stall und erste Anzeichen auf eine Vertragsverlängerung soll es geben, mit einem Kompromiss auf zwei Jahre bis 2023. Wäre logisch.

Was sich in Sachen Vertragsverlängerungen und Neuzugängen tut ist vor allem für den Trainer wichtig. Wird es Hansi Flick, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, bleiben? Die Bayern-Bosse wollen erst sportlichen Erfolg sehen, Flick eine Mannschaft, die seinen Erwartungen entspricht. Das sollte möglich sein. Wegen der Corona-Pause kann Flick nun keine Erfolge liefern, aber einen positiven Eindruck hat er bereits hinterlassen. Es wäre eine Überraschung, sollte es in dieser Konstellation nicht weitergehen.

Wobei sich die Bayern im Hinblick auf Neuzugänge wohl wieder einmal Gedanken machen werden, wie sie ihre Mannschaft einerseits verstärken, die Konkurrenz andererseits aber schwächen können. Insofern war es verwunderlich, dass Leipzigs Torjäger Timo Werner nicht in München landete, gilt Leipzig neben Dortmund doch als derzeit größter Konkurrent. Jetzt aber haben die Bayern einen anderen „Bullen“ im Visier, nämlich Abwehrtalent Upamecano. Der 21-Jährige Franzose ist ein richtiger „Bulle“, international begehrt, scheint sich aber mit München anfreunden zu können. Dies wäre ein Wechsel, wie ihn die Bayern früher öfters praktizierten. Aber auch Dortmund haben sie noch im Visier, nämlich Flügelflitzer Hakimi, doch bei dem hat Real Madrid die Hand drauf und nicht Dortmund. Und was die weiteren personellen Fragen angeht, da werden Rummenigge und Co. wohl erst die Entwicklung abwarten, vor allem wenn für die Kandidaten Sane von Liverpool oder Havertz von Leverkusen über 100 Millionen Euro im Gespräch sind. Da erzwingt Corona auch in Transferfragen eine Pause.

Die Corona-Pause hat der Hamburger SV auf seine Art genutzt: Es gab Krach! Der Aufsichtsrat hat Vorstandschef Bernd Hoffmann entlassen. In einer Kampfabstimmung wollten ihn von den sieben Mitgliedern nur Aufsichtsratboss Köttgen und sein Stellvertreter Schulz halten. Die anderen schlugen sich auf die Seite von Sportvorstand Jonas Boldt und Finanzchef Frank Wettstein, die mit Hoffmann nicht mehr konnten. Jetzt führen die beiden den Verein als Doppelspitze. Neuer starker Mann ist Ex-Nationalspieler Marcell Jansen, der ja schon HSV-Präsident ist und jetzt auch neuer Aufsichtsratchef wurde. Führt er den HSV in eine neue, bessere Zukunft oder eben in eine gute Zeit wie die Vergangenheit? Beobachter haben Bedenken, denn Jansen gilt als Mann vom einflussreichen Milliardär Kühne, der immer wieder für Millionen, aber auch für Unruhe sorgt. So bliebe der ruhmreiche HSV, immer noch einer beliebtesten Vereine in Deutschland, ein Chaos-Klub. Dafür darf man Corona nicht verantwortlich machen.

Geisterspiele sollen die Bundesliga retten – aber lässt Corona das zu?

Die ersten Entscheidungen im Profi-Fußball sind gefallen, aber die großen Fragezeichen bleiben. Vor allem: Was lässt das Coronavirus überhaupt zu? Kann noch gespielt werden und wenn, wann? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit zum Beispiel Bundesligaspiele, wenn auch nur als Geisterspiele, über die Bühne gehen können? Eins steht fest: Wollen die Fußball-Bundesligisten einigermaßen unbeschadet durch die Coronakrise kommen, dann können sie nur Geisterspiele ohne Zuschauer retten, auch wenn dies den Fans nicht gefällt. Aber die Rettung der Vereine und der Liga geht vor. Lähmt das Virus aber weiterhin das Leben in Deutschland, sind selbst Geisterspiele fraglich, weil ja auch Spieler und Mannschaften betroffen sein können.

Zunächst einmal haben UEFA und DFL die Weichen für eine Bewältigung der Krise gestellt. Der europäische Dachverband machte den Weg frei für die nationalen Ligen und hat die für den Sommer 2020 vorgesehene Europameisterschaft um ein Jahr auf 2021 verschoben. Es sollte ein besonderes Turnier werden über (fast) alle Grenzen hinweg, jetzt ist es schon im Vorfeld ein besonderes Turnier geworden. Es ist das erste Mal in der 60-jährigen EM-Geschichte dass die EM verlegt wird. Nun haben die europäischen Ligen die Hoffnung, dass sie ihre nationalen Meisterschaften noch zu Ende bringen können, eine Sicherheit gibt es allerdings nicht, Frag nach bei Corona. Ein Problem: Am 30. Juni enden viele Verträge, die bis zum Saisonende 2020 abgeschlossen wurden. Rechtliche Fragen stehen im Raum. Die Bundesliga hat zusammen mit England mit noch neun ausstehenden Spieltagen das kleinste Restprogramm, in Spanien und Frankreich sind noch elf Spieltage zu absolvieren, in Italien 12 und in der Schweiz sogar 13. Lösungen werden schwierig.

Vorerst hat die Bundesliga ihren Spielbetrieb nur bis zum 2. April gestoppt, doch jedem ist klar, dass dies noch nicht das Ende sein wird. Für den 30. März ist die nächste Krisensitzung anberaumt, ein Start vor dem 18./19. April ist utopisch, eher könnte es der 2./3. Mai werden. Experten haben durchgerechnet, dass dann bis zum 30. Juni die Saison noch durchgetaktet werden könnte mit Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Europa League und den Relegationsspielen. Gespielt werden muss fast jeden Tag, also praktisch immer, Pausen sind nicht vorgesehen. Und was sagt Corona? Übrigens: Die Premier League in England hat einen Re-Start auf den 30. April verschoben.

DFL-Chef Christian Seifert betet immer wieder vor, dass die Saison zu Ende gebracht werden muss, das wäre essentiell für die Liga und die Vereine. Einnahmen von rund 750 Millionen Euro durch Fernsehen und Sponsoren stehen auf dem Spiel, 56.000 Arbeitsplätze bei den Vereinen und Firmen rund um den Spielbetrieb sind in Gefahr. Seifert betont: „Vereine sind Unternehmen, sie müssen so behandelt werden, wie alle anderen Unternehmen auch.“ Freilich, Vereine, die sich ein finanzielles Polster zugelegt haben, werden leichter überleben als kleine Klubs. Die Bayern und Dortmund tun sich leichter als Paderborn oder Augsburg. Solidarität ist gefragt, allerdings lässt die wohl auch zu wünschen übrig. Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke moserte: „Es können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür nun auch noch belohnen.“

Hilfe ist allerdings kein Fremdwort. So haben die Spieler der Nationalmannschaft 2,5 Millionen Euro für Corona-Geschädigte gespendet, die Spieler von Borussia Mönchengladbach haben einen Gehaltsverzicht erklärt, der dem Verein eine Million Euro im Monat sparen soll, auch andere Spenden sind via Internet bekannt geworden, so unterstützt Franck Ribery das Krankenhaus in Florenz mit 50.000 Euro. Er denkt also nicht nur Goldsteaks. Vorbild waren wohl die Profis in Amerika, die vielfältige Spendenaktionen ins Leben gerufen haben. In einem Land, in dem der Präsident anfangs Corona leugnete. „Gibt es nicht“, hatte der superkluge Präsident Donald Trump geurteilt. Heute weiß er es besser.

Zunächst aber ist der Trainingsbetrieb gestoppt, die Spieler machen „Homeoffice“ – ganz normale Arbeitnehmer halt manchmal. Doch statt am Computer sollen sie auf Spinnrädern sitzen, Gymnastik machen oder auch allein laufen. Hausarrest gibt es nicht, doch meist der Wunsch, möglichst zu Hause zu bleiben. Die Trainer verordnen Fitnessprogramme über das Internet, Fitness in modernen Zeiten. Am Ende schaffen sie das Training auf dem Platz noch ab!

Ein Trainer ist arbeitslos, Joachim Löw ist wohl der prominenteste Kurzarbeiter in Deutschland. Aber auch er hat sich schon nützlich gemacht, gespendet und den Verzicht auf einen Teil seines Gehaltes kundgetan. Wann Löw wieder arbeiten kann, respektive wann die Nationalmannschaft wieder aktiv wird, steht in den Sternen. Im Herbst soll die Nations League beginnen. Es liegt an Corona wann der Fußball wieder auf die Bühne der Öffentlichkeit zurückkehrt, aber auch an den Menschen, wie sie mit dem Virus umgehen. Einer neuer Spruch ist jetzt in Mode und das gilt auch für die Leserinnen und Leser: Bleiben Sie gesund!

Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr

Ein Virus hat es geschafft, dass die Welt fast still steht. Corona hat die Macht übernommen und die Politiker greifen zu Notfallplänen, fragen sich, „was machen wir jetzt“ und wissen eigentlich nicht mehr als die gewöhnlichen Bürger. Denen werden viele Verhaltensregeln an die Hand gegeben, dass sich die Verbreitung des Virus verlangsamt, damit die medizinische Versorgung aufrecht erhalten bleiben kann. Hamsterkäufe und die Leere in den Städten bestimmen das Leben. Ja, und daneben gibt es auch noch den Sport, insbesondere den Fußball. Der Profi-Fußball reagierte erst einmal mit dem Gedanken, „machen wir einfach weiter“, versuchte mit Geisterspielen dem Stillstand zu entkommen, um an Ende doch die letzten Konsequenzen zu ziehen: Aussetzung der Meisterschaften.

Die Ungewissheit bei allen ist ebenso groß wie die Unsicherheit. Die hat auch die Fußball-Profis erfasst, die eigentlich nur auf eines achten müssen (wie alle anderen auch): Das sie gesund bleiben. Das Training wird reduziert und doch sollten sie in Form bleiben für den Tag X, wenn die Spiele wieder beginnen und sie werden wieder beginnen. Doch wann, das kann keiner mit Gewissheit sagen, auch wenn Prognosen abgeben und Pläne geschmiedet werden. Vielleicht beginnt man irgendwann wieder mit Geisterspielen, obwohl die, wie bewiesen, keinen Spaß machen. Sie sind aber die einzige Chance für den Profi-Fußball, um an die Gelder des Fernsehens zu kommen und um finanziell zu überleben.

Und wer denkt an die Fans? Was machen die, wenn der Sport still steht? Sie müssen erkennen: Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr. Macht der Fußball Sommerpause, so kann sich jeder darauf einstellen, man weiß es schließlich vorher und eine wirklich lange Pause gibt es gar nicht, weil irgendwo immer gespielt wird und selbst die Testspiele zu interessanten Ereignissen gepusht werden. Aber jetzt? Das Ritual, am Wochenende ins Stadion zu pilgern, auf Reisen zu gehen, in der Kneipe mit Gleichgesinnten Fußball zu schauen, fehlt. Vielleicht schauen sie sich über Mediatheken oder dergleichen alte Fußballspiele an. DAZN hat zum Beispiel das Finale der Champions League von 2013 im Programm. Die Dortmunder werden es sich nicht anschauen, die Münchner schon.

Und was machen die Ultras? Was hecken sie aus für den Fortgang, welche Plakate fertigen sie jetzt an? Vielleicht: „Corona Du Hurenvirus!“ oder: „Hau ab Corona, wir wollen Fußball!“ und hängen sie halt zu Hause auf. Übrigens: Der verhasste Milliardär Dietmar Hopp ist ein entscheidender Mann hinter der Firma, die jetzt führend in der Forschung ist, um ein Gegenmittel gegen Corona zu finden. Wo ist das Plakat: „Hopp, wir brauchen Dich!“? Vielleicht nutzen manche Fans aber auch die unerwünschte Pause zur Besinnung und erkennen, es gibt auch ein Leben neben dem Sport. Und: Hass gehört nicht zum Sport.

Der Sport hat sich lange gewehrt, die Geisterspiele brachten bekanntlich noch schmerzhafte Resultate, so sind Dortmund und Titelverteidiger Liverpool in der Champions League ausgeschieden, Frankfurt blamierte sich gegen Basel. Eigentlich unwichtig. Die Zukunft ist ungewiss. In der Formel 1 stehen die Räder still, ebenso wie der Spielverkehr in den meisten Ligen in Europa. Titelkämpfe stehen auf der Kippe oder sind bereits abgesagt. Die Wintersportler haben ihre Saison in einem Winter, der eigentlich keiner war, vorzeitig abgebrochen. Am längsten haben die Biathleten noch durchgehalten, die mit deutschem Glanz im finnischen Kontiolahti ihre Wettkämpfe ebenfalls vorzeitig beenden haben. Denis Herrmann brachte als Sprint-Gesamtsiegerin sogar eine Weltcupkugel mit nach Hause und wurde Dritte in der Gesamtwertung hinter Dorothea Wierer (Italien) und Tiril Eckhoff (Norwegen). Spannende Finals machten den Abschied von der Saison schwer, bei den Herren landete am Ende der Norweger Johannes Thingnes Boe gerade mal zwei Punkte vor dem Franzosen Martin Fourcade, der mit den Rennen in Finnland seine großartige Karriere beendete. Dies verkündete auch die Finnin Kaisa Mäkäräinen nach einer ebenfalls großartigen Laufbahn. Aber auch in Finnlands Wäldern herrscht jetzt Stille. Ob mit oder ohne Corona.

Ein Kommentar darüber wie es im Fußball weitergeht folgt noch in dieser Woche, selbstverständlich später auch noch eine Bilanz zum Wintersport. Auch ohne aktuellen Sport wird der Sport-Grantler sich melden, es sei denn, Corona schaut auch bei ihm vorbei…

Ultras oder Corona – wer leert die Stadien?

Na ja, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, dennoch ein Hinweis darauf: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Da passt das Coronavirus wie die Faust aufs Auge, denn dass die Welt aus den Fugen gerät, wird damit nämlich sichtbar. Das tägliche Leben hat sich geändert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und natürlich bleibt der Sport davon nicht verschont, wobei es dafür zunächst nur geringe Anzeichen gibt mit Veranstaltungen ohne Zuschauer, aber sie werden mehr werden. In einigen Sportarten werden Veranstaltungen abgesagt, in anderen wird einfach weitergemacht, halt ohne Zuschauer. Das droht jetzt auch der Fußball-Bundesliga. Manche Fans nehmen die drohenden Geisterspiele fatalistisch: „Fußball ist ja sowieso ein Fernsehsport. Millionen sitzen vor den Fernsehern, Millionen Euro werden durch das Fernsehen verdient.“ Wo ist also das Problem? Machen wir wieder Radiokonferenz.

Blickt man auf die vergangenen Wochen und Tage zurück, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer leert die Stadien zuerst? Die Ultras, die mit beleidigenden Äußerungen den Anstand vergessen und Spielabbrüche provozieren, oder eben Corona, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht und Massenveranstaltungen dafür verantwortlich sein können, dass sich Viruserkrankungen verstärkt ausbreiten. Corona wird die Ultras schlagen, die dann nicht einmal mehr ihre Proteste anbringen können. Der Fußball kann also testen, wie es sich ohne Zuschauer und ohne Stimmung spielt.

Die Frage ist, ob die strengen Maßnahmen der Ministerien und Ämter nicht zu weit greifen und nur die Panik schüren. Da tätigen Menschen Hamsterkäufe, gleichzeitig aber fahren sie dichtgedrängt in der U-Bahn, am Wochenende auch in die Fußballstadien und standen dicht an dicht. Unten auf dem Feld kam es auch zum Körperkontakt, aber nicht vor dem Match. Die Spieler nahmen die Einlaufkinder nicht an die Hand, sondern legten ihnen die Hand auf die Schulter, statt Händeschütteln zur Begrüßung des Gegners gab es einen Ellenbogenkontakt. Abgeklatscht und umarmt wurden nur die eigenen Mitspieler.

Die Bundesliga wird spielen

Die Bundesliga lässt sich vom Coronavirus nicht stoppen, das hat DFL-Geschäftsführer Chrisian Seifert deutlich gemacht. Seinen Worten nach muss die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu ermitteln. Vielleicht wird am Ende auch der Deutsche Meister unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Fans feiern. Alles ist möglich.

So hat der Sport vielleicht auch wieder einmal die Aufgabe, von den großen Problemen der Welt ein wenig abzulenken. Wer also wird Deutscher Meister? Bayern München jedenfalls lässt nicht locker, mit Erleichterung wurde der 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg registriert, ein Gegner, der oft Probleme bereitete und auch jetzt wieder unangenehm war. Aber auch ohne Torjäger Lewandowski bleiben die Bayern auf Kurs mit zuletzt sieben Siegen und dem 0:0 gegen Leipzig. Dortmund drängte sich wieder in die erste Verfolgerrolle mit dem 2:1 im Duell in Gladbach. Positiv wird bei der Borussia registriert, dass mit Haaland und Can genau die richtigen Typen geholt wurden, die der Mannschaft neben Haalands Toren vor allem das Kämpfergen inplantierten. Sprich: Auch schwächere Spiele werden gewonnen, wie es eben Bayern oft vormacht.

Anders sieht es in Leipzig aus, wo zwei Unentschieden die Stimmung trübten. Nicht mehr nach dem Titel schielen, sondern die Teilnahme an der Champions League sichern, sieht Trainer Julian Nagelsmann jetzt als Aufgabe. Das gilt auch in Gladbach und Leverkusen, das sich als Mannschaft der Stunde bezeichnen kann. Da haben inzwischen Schalke, Wolfsburg und Hoffenheim den Anschluss verloren. Dazwischen liegt noch Freiburg mit 36 Zählern, aber dort sieht man einiges anders. Trainer Christian Streich atmet tief durch: „Mit dem Abstieg haben wir nichts mehr zu tun.“ Fast sensationell: Auch Köln sieht es so und schielt mit 32 Punkten und sechs Siegen in den letzten acht Spielen nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben. Na ja, in Köln schwenkt die Stimmung immer schneller um als an anderen Orten.

Im Abstiegskampf selbst treten die Klubs quasi auf der Stelle, ein Glück für Vereine wie Augsburg, Hertha und Frankfurt, die zuletzt zu wenig gepunktet haben und immer auf den Abstand nach unten schauen. Paderborn kann das Schlusslicht nicht abgeben, Bremen schafft die Wende nicht und Düsseldorf kommt auch nicht voran. Gegen Mainz wurde schon die zweite Chance zum Punktesammeln gegen Konkurrenten im Abstiegskampf verpasst, mit Unentschieden kommt man nicht weiter. Nächste Chance Freitag gegen Paderborn.

Geisterspiele international

Eines ist wohl sicher: Geisterspiele werden kommen. „Getestet“ haben am Sonntag Juventus Turin und Inter Mailand, auf dem Spielfeld war es eigentlich wie immer. Erste Erkenntnisse kann Dortmund am Mittwoch in Paris sammeln, dort wurde entschieden, die Zuschauer auszuschließen. Die Champions League geht in dieser Woche weiter und es wird einige Geisterspiele geben, u. a. Valencia – Bergamo. Mal sehen, ob die deutschen Klubs auch ohne Fans ihren Siegeszug fortsetzen können. Dortmund lebt von einem 2:1 im Hinspiel und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft von Thomas Tuchel. Paris konnte sich ausruhen, das Spiel in Straßburg wurde abgesagt. Leipzig muss einen 1:0-Vorsprung gegen Tottenham verteidigen, diesmal würde ein Unentschieden nicht für lange Gesichter sorgen. Die Bayern haben noch Ruhe, treffen erst nächsten Mittwoch, 18. März, auf Chelsea London.

In der Europa League steht jetzt auch das Achtelfinale an, Frankfurt gegen Basel, Wolfsburg gegen Donezk und Leverkusen bei den Glasgow Rangers sollten nicht chancenlos sein. Im Sport stehen die Zeichen gut für die Bundesliga, in Sachen Corona nicht so gut.

Ob es im DFB-Pokal auch Geisterspiele gehen wird? Optimisten hoffen, dass sich die Epidemie bis zum 21./22. April abgeschwächt hat. In Saarbrücken wird allein die Begeisterung auch Corona besiegen, so eben wie Köln und jetzt Düsseldorf. Nun trifft der Viertligist auf Bayer Leverkusen, außerdem erwarten die Bayern den alten Pokal-Kontrahenten Eintracht Frankfurt.

Der Fußball hat auch noch andere Sorgen, Frag nach in Nürnberg, dort haben einer oder mehrere Unbekannte 50 Flyer mit fast schon unverhohlenen Morddrohungen gegen Nürnberger Spieler aufgehängt. Diese Auswüchse sind schlimm und zeigen, dass die Welt wirklich aus den Fugen geraten ist, leider auch der Fußball und deren Anhänger. Geisterspiele passen also zu geistesgestörten Anhängern.

Ultras werden zu Gegnern des Fußballs

Das Frühjahr ist eigentlich die hohe Zeit des Profi-Fußballs, weil in allen Ligen die Entscheidungen anstehen. In diesem Jahr fällt allerdings ein Schatten auf die Highlights, weil Hass und Hetze sich in den Stadien breitgemacht haben. Ausgerechnet Anhänger von Meister München sorgten in Sinsheim beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen die Bayern für einen Tiefpunkt im Fußball, am Ende gab es allerdings auch einen Befreiungsschlag der Spieler, die mit einem Nichtangriffspakt die Begegnung beendeten und den Ultras auf den Rängen mit ihren Hass-Plakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zeigten: Ohne uns, die Grenze ist überschritten. Übrigens: Bei einem Abbruch wäre das 6:0 der Bayern in eine Niederlage umgewandelt worden.

Schon lange wurde das Verhalten von Fans in allen Vereinen, die sich in den Gruppierungen der Ultras zusammengeschlossen haben, kritisiert und mit Sorge beobachtet. Das (unerlaubte) Abbrennen der Pyrotechnik ist für die Ultras so etwas wie ein Machtbeweis. Der Hoffenheimer Milliardär Dietmar Hopp, der als Mäzen die TSG bis in die Bundesliga hievte und sich damit auch einen Lebenstraum erfüllte, wurde als personifizierter Vertreter des Kommerz zur Hassfigur, immer wieder wurde sein Konterfei vor allem von Dortmunds Ultras ins Fadenkreuz genommen. Angebote zu Gesprächen brachten keine Ergebnisse und Fortschritte. Weil es weiterhin zu Hassplakaten kam, urteilte das DFB-Sportgericht, dass Dortmunds Fans als Wiederholungstäter für zwei Spiele in Hoffenheim ausgeschlossen werden. Dies brachte für die verbohrten Ultras das Fass zum Überlaufen. Sie haben ihre eigenen Regeln, halten sich nicht an Bestimmungen und akzeptieren deshalb keine Kollektivstrafe.

Bei den Bundesligaspielen am Wochenende kam es zu gemeinschaftlichen Aktionen. Die Fangruppen hatten sich zusammengeschlossen, in verschiedenen Stadien Hassplakate gegen den Verband und Hopp gezeigt und so Spielabbrüche provoziert. Für Bayern-Boss Rummenigge ist das Ende der Fahnenstange erreicht, Bayern-Fans waren sich hinterher keiner Schuld bewusst, so dass es jetzt absehbar ist: Die Ultras werden zu Gegnern der Vereine. Die Ultras bezeichnen es als absurd, wenn Spiele abgebrochen würden, absurd ist aber, dass sie dem eigenen Verein schaden. Bisher mussten hohe Bußgelder bezahlt werden, künftig könnte es auch Punkte kosten.

Es geht nicht anders: Die Bundesliga muss die Ultras in den Kurven in die Schranken weisen. Zunächst gilt es strafrechtlich gegen die Urheber der Hassplakate und –parolen vorzugehen. Eine Sache der Polizei, die in Mannheim bereits eine Sonderkommission eingerichtet hat. Alle Vereine müssen sich aber einig sein, dass sie bisher gewährte Vergünstigungen für die Ultras streichen müssen, mehr noch, sie müssen hart vorgehen und Täter mit einem lebenslangen Stadionverbot ausschließen. Wenn jetzt nicht ernsthaft Hass und Hetze (auch gegen farbige Spieler) gestoppt wird, wird der Fußball nie zur Ruhe kommen. Er wird an Stimmung in den Stadien verlieren, aber er muss wieder Recht und Ordnung gewinnen. Die Ultras sehen die Stadien dagegen für sich als rechtsfreien Raum an. Das geht nicht!

Manche Fans sehen sich sowieso als die einzigen wirklichen Vertreter der Vereine, zum Beispiel dann, wenn sie Spieler zur Rechenschaft ziehen, wenn diese nicht die gewünschten Leistungen bringen. Wieder geschehen beim Hamburger SV, wo die Spieler sich erdreisteten in Aue 0:3 zu verlieren und somit der Aufstieg in Gefahr gerät. So geschehen bei Schalke 04, als Torhüter Alexander Nübel nach einem Fehler zum Buhmann gemacht wurde. Die Anfeindungen nach seinem verkündeten Wechsel nach der Saison zu den Bayern haben ihm die Nerven und damit die Form geraubt. Eine gewisse Sorte von Fans kennt keine Gnade. Immer gilt: In der Masse sind sie stark, die Menschlichkeit geht verloren.

Zum Sport: Bundesliga und Pokal
Hass und Hetze drängten den Sport leider in den Hintergrund. Fast erstaunlich, Fußball gespielt wurde auch und es war hochinteressant. So wurde die Frage, wie die Bayern ohne Torjäger Robert Lewandowski, der mit einer Knieverletzung vier Wochen ausfällt, zurechtkommen würden geradezu spektakulär in Hoffenheim beantwortet: Nach 15 Minuten stand es 3:0 für die Bayern, ein neuer Bundesliga-Rekord, noch nie führte eine Auswärtsmannschaft so schnell 3:0. Wer Lewandowski ersetzen soll, beantwortete Trainer Hansi Flick mit Nachwuchsmann Joshua Zirkzee, der schon als Joker entscheidende Tore erzielt hatte und jetzt wieder traf. Zum sportlichen Glück kam hinzu, dass Leipzig im Duell der Verfolger gegen Leverkusen nur ein Remis erreichte. Und am Wochenende können die Bayern wieder auf ein Verfolger-Duell schauen: Gladbach gegen Dortmund.

Bemerkenswertes außerdem: Hertha holte in Düsseldorf einen 0:3-Rückstand zur Pause auf und glich noch zum 3:3 aus. Entscheidender Mann in der Kabine soll der Jürgen Klinsmann kritisierte Torhüter Thomas Kraft gewesen sein, der seine Mitspieler aufrüttelte. Andere Spieler haben angeblich an der Taktiktafel das Spiel für die zweite Hälfe verändert. Von Trainer Alexander Nouri hörte man nichts. Die Mannschaft regelt in der Nach-Klinsmann-Zeit wohl alles selbst.

Auf Europas Bühnen wird in dieser Woche pausiert (es gibt nur die Auslosung für die Nations League), dafür tritt der DFB-Pokal in den Vordergrund. Eine englische Woche haben dabei die Bayern, Leverkusen und Frankfurt und alle drei wollen auch diesmal auf der Erfolgswelle bleiben. Die vor Selbstbewusstsein strotzenden Münchner treffen auf ein verunsichertes Schalke 04, Leverkusen auf das immer für Überraschungen gute Union Berlin und die Eintracht misst sich mit Werder Bremen, das nach einem Erfolgserlebnis lechzt. Das für Sonntag vorgesehene Bundesliga-Duell wurde bekanntlich verlegt, weil Frankfurt nach einer Sturm-Absage erst am Freitag in Salzburg spielen konnte. Im vierten Duell will Regionalligist 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf weiter den Hecht im Karpfenteich spielen. Spektakuläre Szenarien für die Zukunft: Union statt Hertha Berliner Klub im Finale im Olympiastadion oder mit Saarbrücken ein Regionalligist oder mit Düsseldorf ein Bundesliga-Absteiger… Alles ist möglich, die Auslosung am Sonntag in der ARD-Sportschau.

Sensationell: In der Champions League und Europa League blieben die Bundesliga-Vertreter im neuen Jahr ungeschlagen. Die Bayern setzten die deutsche Erfolgsserie mit dem starken 3:0 bei Chelsea London fort, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg kamen eine Runde weiter und könnten in dieser Form auch das Achtelfinale der EL überstehen. Frankfurt trifft auf den FC Basel, Wolfsburg auf Donezk und Leverkusen muss bei den Glasgow Rangers antreten. Keine leichten, aber machbare Lose.

Noch eine kleine internationale Anmerkung: Jürgen Klopp musste in einer Woche gleich zweimal mit einer Niederlage leben, beim FC Liverpool zuletzt vollkommen ungewohnt. In der Champions League lässt das 0:1 bei Atletico Madrid noch alle Möglichkeiten für das Rückspiel, in der Premier League bedeute das 0:3 beim Abstiegskandidaten FC Watford das Ende einer unglaublichen Erfolgsserie von 44 Spielen ohne Niederlage. Die letzten 18 Spiele hatten die Reds alle gewonnen und damit die Rekordserie von Manchester City eingestellt. Ein neuen Rekord gab es für Jürgen Klopp also nicht, doch den Titel wird er kaum verspielen, bei immer noch 22 Punkten Vorsprung und nur noch zehn Spieltagen.

Jürgen Klinsmanns Abschied als Trainer

Jürgen Klinsmann, der Bäckersohn aus Stuttgart, hat als Fußballer eigentlich schon immer polarisiert, aber er war erfolgreich. Seine Karriere krönte er als Weltmeister 1990 und Europameister 1996, er war Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und wurde auch zum Ehrenspielführer ernannt. Seine Markenzeichen waren die Tore, die Unruhe, die er auf dem Feld verbreitete, sein immerwährendes Lächeln, aber er war auch immer ein bisschen geheimnisvoll. Keiner blickte so richtig hinter seine Kulisse. Als Trainer konnte er diese Erfolge nicht wiederholen. Es war eine Überraschung, als er die deutsche Nationalmannschaft 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land betreute und er sorgte für Aufregung, weil er viel im Team umkrempelte. Er brachte immerhin Schwung in den Laden und so verpflichtete ihn auch Bayern München, wo er von 2008 bis 2009 eher verbrannte Erde hinterließ. Da kamen die ersten Zweifel an seinem Können als Trainer auf, als einige Spieler im Nachhinein moserten: „Man wusste oft nicht, was er wollte.“ Kritiker warfen ihm vor, dass er „von Taktik keine Ahnung habe.“ Dennoch war er anschließend von 2011 bis 2016 noch Nationaltrainer der USA, mit mäßigem Erfolg.

Jetzt dürfte die Trainer-Karriere zu Ende sein. Mit seinem dubiosen Abschied von Hertha BSC Berlin und dem anschließenden Rundumschlag gegen den Verein und seine Protagonisten hat er sich endgültig in der Fußball-Welt unmöglich gemacht. Es ist auch sein Abschied als Trainer. Wer verpflichtet einen Mann, von dem er nicht weiß, wie er sich innerhalb des Vereins dann wirklich verhält. Der vor allem seine eigene Eitelkeit als Maßstab hat. Als er von Sponsor Lars Windhorst den Sitz im Aufsichtsrat von Hertha erhielt, da schielte Klinsmann insgeheim wohl schon auf andere Möglichkeiten im Verein. Es kam nicht von ungefähr, dass er als Nothelfer für den geschassten Trainer Ante Covic einsprang, er hatte im Visier, die gesamte sportliche Macht im Verein an sich zu reißen. Kein Wunder also, dass er schnell forderte, im sportlichen Bereich das alleinige Sagen zu haben, er wollte Manager Michael Preetz abservieren. Dass er im Nachgang gegen Preetz wetterte, die Kaderplanung als katastrophal bezeichnete und von einer Lügenkultur bei Hertha sprach ist ein Rundumschlag als Ausdruck der Enttäuschung. Wer so nachtritt, offenbart aber auch eine schlechte Kinderstube.

Nur 76 Tage hat es der 55-Jährige bei Hertha ausgehalten, er haute auf die Pauke und wollte den Erfolg nach Berlin bringen, die biedere Dame Hertha zu einem glamourösen Weltstadtklub machen, hatte die Champions League im Visier. Doch hinter den Sprüchen steckte kein Können, viel Staub wirbelte Jürgen Klinsmann auf, doch er hinterließ eher verbrannte Erde. Er entfachte ein Feuer, aber auf falscher Ebene. Mit seinen Anschuldigungen, die an die Öffentlichkeit kamen, hat er den Verein in Not noch mehr gebeutelt. Klinsmann moserte, dass Hertha Richtung 2. Liga gegangen wäre, wenn er nicht gekommen wäre. Jetzt hat den Verein vielleicht endgültig in den Abgrund gerissen. Bei all seinen Handlungen und Gehabe bleibt nur ein Urteil: Jürgen Klinsmann ist einfach schlecht beraten. Er sollte lieber seinen Ruhestand in Kalifornien genießen und die Fußball-Welt in Ruhe lassen.

Eines hat Jürgen Klinsmann überdeutlich gemacht, aber es wurde auch vorher schon klar: Bei Hertha BSC wird bei weitem nicht so gut gearbeitet, wie es unter den Bedingungen in Berlin möglich wäre. Manager Michael Preetz hat für sich offensichtlich eine Machtstruktur im Verein aufgebaut, die seine Arbeit nicht in Frage stellen. Aber mehr wäre möglich! Die über 200 Millionen Euro, die jetzt Lars Windhorst in den Verein gesteckt hat, müssen ziemlich schnell Rendite abwerfen, heißt, sportlichen Erfolg. Fürs erste ist dies der Klassenerhalt, danach sollte es nach oben gehen. Dazu braucht man keine Sprüche von Jürgen Klinsmann, aber gute Arbeit von Michael Preetz. Ansonsten droht ihm dennoch der Abgang. Nicht als Opfer von Klinsmann, sondern dann liefert er den Beweis, dass er Hertha nicht zum Erfolg führen kann.