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Tag: Bayern München

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert

Die Fußball-Saison geht ihrem Ende entgegen. Das macht die Fans zum Teil traurig, andererseits haben die letzten Spieltagen einen besonderen Reiz: An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert! In Europas Ligen stehen einige Meister bereits fest, in der Bundesliga feierten der SC Freiburg, FC Augsburg und Schalke 04 den Klassenerhalt. Das Bangen und Zittern über viele Wochen hinweg hat ein glückliches Ende gefunden.

Und so fallen jetzt an jedem Spieltag Entscheidungen, allerdings nicht nur gute. Logisch, ein Abstieg stürzt die Vereine in ein finsteres Loch, manche finden daraus nicht mehr den Weg zurück ans Licht und an die Geldtöpfe der Bundesliga. Oft sind solche Abstürze allerdings durch schlechtes Management auch selbst gemacht. Hier steht der HSV als Beispiel, der eigentlich in einer Stadt wie Hamburg beste Voraussetzungen hat, aber durch jahrelange Misswirtschaft den Abstieg zu verantworten hatte und nun dabei ist, den möglichen sofortigen Wiederaufstieg zu verpassen. Ist es mutig, dass der HSV-Vorstand an Trainer Hannes Wolf festhält oder ist es nach einer Misserfolgsserie nicht eher fahrlässig? Das Spiel beim Überraschungszweiten Paderborn wird es zeigen. Der Fußball ist unberechenbar, da der Neuling, der nie mit einem Durchmarsch gerechnet hatte, dort der Altmeister, für den es nichts als den Aufstieg gab, der aber vor dem Scheitern steht. Wo wird am Schluss gefeiert?

In der Bundesliga werden wohl Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr den Weg des HSV in die zweite Liga gehen. Sechs bzw. fünf Punkte Rückstand sind es auf den VfB Stuttgart, der sich fast schon auf die Relegationsspiele konzentrieren kann. Wie soll eine Mannschaft, die in 34 Spielen nur vier bzw. dreimal gewann, plötzlich zwei Spiele in Serie gewinnen? Möglich, aber unwahrscheinlich. Im Tabellenkeller waren die Leistungen in diesem Jahr katastrophal. Vor der Saison haben die Abstiegskandidaten meist das Ziel 40 Punkte zu erreichen, künftig sollten sie das Ziel auf 35 reduzieren, damit wäre man derzeit 13.! Schalke hat mit 31 Zählern den Klassenerhalt schon sicher. Das sagt alles. Bedenklich: Die Aufstiegskandidaten aus der 2. Bundesliga zeigen sich eigentlich außer Köln allesamt (Paderborn, HSV; Union Berlin, Heidenheim, St. Pauli) nicht als tauglich für das Oberhaus.

Überhaupt waren die Leistungen in dieser Saison überschaubar. Richtig guten Fußball bekamen die Fans nur selten geboten, teilweise zauberten Dortmund, Gladbach, Leverkusen oder Leipzig, aber niemand war konstant genug. Beispiel Dortmund, dass mit jugendlichem Elan begeisterte, aber als es ernst wurde, da flatterten die Nerven. So wird wohl der FC Bayern München wieder Meister, der selten begeisterte, sich aber auf solide Wertarbeit verlegte (Kovac-Schule) und nach seiner Krise im Herbst die Konkurrenz wohl einschüchterte. Dortmund verlor in der Rückrunde zehn Punkte auf die Bayern.

Nicht Dortmund, sondern der RB Leipzig wird zum Saisonschluss zum großen Konkurrenten der Bayern. Am Samstag geht es in Leipzig um die Meisterschaft, den Bayern reicht angesichts der weitaus besseren Tordifferenz ein Unentschieden, um den Meistertitel unter Dach und Fach zu bringen. Am 25. Mai geht es dann im Pokalfinale um das Double. Dass die Bayern die Vorlage der Borussia mit dem 2:2 in Bremen nicht nutzen, ist kaum vorstellbar. Dann können auch die Stars Arjen Robben und Franck Ribery zu ihrem Abschied gebührend gefeiert werden. So eine Feier kann man sich nicht nehmen lassen.

Eintracht Frankfurt könnte am Schlusstag noch der Spielverderber sein, wenn die Bayern in Leipzig verlieren. Doch die Helden auf Europas Bühnen kommen buchstäblich auf dem Zahnfleisch daher, sie könnten am Ende einer begeisternden Saison sogar noch mit leeren Händen dastehen. Kein Finale in der Europa League, kein Platz in der Champions League, vielleicht nicht einmal ein Platz für Europa. Wie Donnerhall kam Leverkusen über die Frankfurter mit dem Rekord von 6:1 zur Halbzeit. Das kann Spuren hinterlassen und gibt den Verfolgern Leverkusen, Gladbach (da fehlt derzeit aber auch die Form), Wolfsburg und Hoffenheim Auftrieb. Am Schluss können vier Klubs feiern, einer wird der Dumme sein.

Dumm ausgeschaut haben wieder einmal die Schiedsrichter in punkto Entscheidungen über ein Handspiel. Auf dem Feld und im Kölner Keller beim Videobeweis gab es nur Fehler. Keiner weiß mehr, wie entschieden wird, bei den Schiedsrichtern passt ein Filmtitel: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Meisterschaften werden gefeiert

In anderen Ligen Europas werden die Meisterschaften bereits gefeiert. Vorzeitig waren bereits Paris St. Germain in Frankreich, Juventus Turin in Italien, der FC Barcelona in Spanien und RB Salzburg in Österreich am Ziel. Nachgezogen haben jetzt unter anderem Zenit St. Petersburg in Russland und Celtic Glasgow in Schottland (50. Titel). Die Salzburger schafften mit dem Pokalsieg das Double und hoffen auf die Champions League. Ajax Amsterdam zeigte sich erneut als „Mannschaft der Stunde“ und holte mit dem Pokal in den Niederlanden den ersten von drei möglichen Titeln. Das Triple hat auch der FC Barcelona noch im Visier.

So wird in dieser Woche in der Champions League auch gefeiert oder getrauert. Nach den Hinspielen heißt es Vorteil Ajax (1:0 gegen Tottenham) und Barcelona (3:0 gegen Liverpool, wo Lionel Messi wieder einmal eine überragende Partie bot und bewies, er ist derzeit wieder der beste Fußballer der Welt). In der Europa League wird es für Eintracht Frankfurt schwer, das Finale zu erreichen, das 1:1 gegen Chelsea London machte für das Rückspiel nicht unbedingt Mut.

Gefeiert wurde die Meisterschaft auch bei den Frauen. Der VfL Wolfsburg ist endgültig am Ziel, ein mageres 1:0 in Hoffenheim bedeutete den fünften Titel. Nach dem Pokalsieg gegen Freiburg war es das dritte Double in Folge, deutliches Zeichen einer großen Dominanz. Wolfsburg verlor nur ein Spiel, nämlich beim Zweiten Bayern München. Dort steht ein gewaltiger Umbruch an, das Trainerteam um Thomas Wörle geht und gleichzeitig verlassen neun (!) Spielerinnen den Verein. Kapitänin Melanie Behringer beendet ihre Karriere, zu neuen Zielen brechen Gina Lewandowski (USA), Sara Däbritz (Paris), Manuela Zinsberger, Leonie Maier, Lucie Vonkova, Jill Roord, Fridolina Rölfö und Anna Gerhardt auf. Da wartet auf den neuen Trainer Jens Scheuer (bisher Freiburg) viel Arbeit.

Lesen Sie dazu ergänzend auch den nächsten Kommentar „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“.

Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht

Seit Jahrzehnten haben sich die Frauen im Fußball etabliert, seit Jahren ist die Nationalmannschaft international erfolgreich und kam mit vielen Titeln nach Hause, aber den endgültigen Durchbruch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit hat der Frauen-Fußball bis heute nicht geschafft. Wenn es in Deutschland heißt, es gibt im Sport nur „Fußball, Fußball, Fußball“, dann ist dies auf die Männer gemünzt, die Frauen gehören mit der Bundesliga zu den Randsportarten.

Das Pokalfinale in Köln machte wieder deutlich, unter welchen Problemen der Frauen-Fußball unter anderem leidet. Natürlich an der allgemeinen Akzeptanz, mehr als kleine Notizen sind in den großen Medien nicht drin. Aber es fehlt auch der große Wettbewerb, die Bundesliga leidet unter der Dominanz von einzelnen Mannschaften. Waren es früher der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die zwischen 2001 und 2012 die Titelvergabe unter sich ausmachten, so dominiert seit 2013 der VfL Wolfsburg, der nur 2015 und 2016 Bayern München den Vortritt ließ und in diesem Jahr seinen fünften Titel gewinnen wird. Im Pokal sind die „Wölfinnen“ noch erfolgreicher, mit sechs Siegen, davon fünf zuletzt in Folge. In der Bundesliga blieben sie in den ersten sieben Spielen ohne Gegentor und schlugen dabei am 3. Spieltag den größten Widersacher Bayern mit 6:0! Eigentlich war da die Meisterschaft schon entschieden.

In Köln sahen nun rund 17.000 Zuschauer im Pokalfinale den 1:0-Sieg von Wolfsburg über den SC Freiburg, der sich tapfer schlug. Die Frauen sind mit dem eigenen Finale sehr zufrieden, sind nicht mehr Anhängsel des Männer-Finals, als sie in Berlin quasi das Vorspiel absolvierten. Aber mehr Besucher dürften es schon sein, zuletzt hatten Zuschauerrekorde im Ausland für Aufsehen gesorgt. 25.000 waren es im französischen Duell Lyon – Paris, 39.000 im italienischen Prestigeduell Juventus Turin – Florenz und gar 66.000 interessierten sich in Spanien für das Schlagerspiel Atletico Madrid – FC Barcelona. Nicht nur deshalb betont wohl der Barca-Präsident „Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auch in Deutschland?

In Deutschland würde man sich wünschen, dass es zumindest die Bayern schaffen, den Wolfsburgerinnen mehr Paroli zu bieten, die anderen Vereine leiden unter der Finanzkraft der Großen, so dass auch Potsdam, Frankfurt Freiburg und Essen nur ab und zu Überraschungen zu Wege bringen. Die Bayern hoffen auf den neuen Trainer Jens Scheuer, der in Freiburg beeindruckte und neuen Schwung bringen soll. Allerdings fehlt den Münchnern ein Stürmerstar wie es Wolfsburg mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder hat oder ein Abwehr-Ass wie Schwedens Star Nilla Fischer. Eine Schwächung wäre es, wenn die wohl beste Spielerin dieses Jahres, Sara Däbritz, nach Paris wechseln würde. Ersatz für die Torjägerin Vivianne Miedema aus den Niederlanden haben die Bayern-Mädchen nicht gefunden. Miedema wechselte zu Arsenal und wurde in England gerade zur „Spielerin des Jahres“ gekürt.

Dies zeigt aber auch das Dilemma des deutschen Frauen-Fußballs, weil (siehe Barcelona) einige große Vereine im Ausland aufrüsten. Olympique Lyon gewann die letzten drei Jahre die Champions League und wird es wohl auch dieses Jahr wieder tun. Seit 2015 stand mit Paris St. Germain und Lyon immer eine französische Mannschaft im Finale, So lange sind auch die deutschen Siege durch Wolfsburg und Frankfurt her. Aber Frankreichs Konkurrenz sitzt vielleicht nicht mehr nur in Deutschland, sondern in Spanien, wo eben Atletico Madrid und der FC Barcelona (der Bayern ausschaltete) vermehrt Anstrengungen unternehmen (nicht Real Madrid!!), in England mit Chelsea und Arsenal London und in Italien mit Juventus Turin. Da müssen sich die deutschen Mannschaften strecken.

So baut der Frauen-Fußball hierzulande auch weiterhin vor allem auf die Nationalmannschaft, die allerdings wie die Männer beim letzten Turnier leider enttäuscht hat. Bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich soll es unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besser laufen. Nur mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft kann die Frauen-Bundesliga überhaupt den Durchbruch schaffen.

Warum es am Saison-Ende drunter und drüber geht

Der 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga war alles andere als normal. In fast allen Begegnungen gab es Überraschungen, an der Spitze natürlich der Triumph von Schalke 04 im Ruhrpott-Derby in Dortmund. 42 Punkte Unterschied waren es vorher, das 2:4 entsprechend ein passendes Ergebnis. Warum aber geht es zum Saison-Ende hin in den Ligen drunter und drüber? Ein Versuch der Ursachenforschung.

Es gibt sicherlich vielerlei Gründe dafür, dass die Papierform nur noch etwas für den Papierkorb ist. In erster Linie spielen bei vielen die Nerven nicht mit, wenn es wirklich dramatisch wird. Unter der Saison bleiben Funktionäre, Trainer und Spieler gelassen mit der Aussicht auf Besserung und dem Hinweis, „es sind ja noch so und so viele Spiele“. Doch plötzlich werden die Spiele für die Umkehr immer weniger, die Nervosität steigt, Trainer müssen gehen, Spieler werden verbannt, das Glück herbeigesehnt. Jetzt sind es in der Bundesliga nur noch drei Spieltage, an jedem kann es Entscheidungen über Meisterschaft, Europaplätze und Abstieg geben. Ein Fall für starke Nerven also.

Am Saison-Ende hin spielen aber auch verstärkt Faktoren eine Rolle, die Mitte der Spielzeit noch nicht relevant sind. Vereinswechsel zum Beispiel, da beschäftigt sich der Kopf plötzlich mit anderen Sachen. Bei gefährdeten Mannschaften gibt es oft aber auch ein letztes Aufbäumen, plötzlich werden Kräfte freigelegt, die schon verschüttet waren. Die Folge sind überraschende Ergebnisse, wie der Sieg von Schalke in Dortmund oder das 1:1 von Nürnberg gegen die Bayern. Andere wiederum haken die Saison vielleicht frühzeitig ab, weil entweder der Klassenerhalt überraschend geschafft ist oder Ziele nach oben nicht mehr erreichbar sind. Ein Beispiel ist die Niederlage von Mainz in Hannover, die Rheinhessen feierten vorher den frühzeitigen Klassenerhalt, da lässt die Konzentration nach. Ein Gegenbeispiel ist aber auch Fortuna Düsseldorf, der Neuling spielt befreit auf, weil unerwartet erfolgreich ist. Beim 4:1 gegen Bremen traf die Fortuna auf einen Gegner, der von einer ereignisreichen Woche geschafft war, zweimal unglücklich gegen die Bayern verloren, die Erfolgsserie von zwölf Spielen ohne Niederlage beendet und jetzt gleich drei auf einmal. Da spielte psychische und physische Müdigkeit eine Rolle. Müde sind wohl auch die Cracks der Frankfurter Eintracht, ihr Erfolgsweg in der Bundesliga und in der Europa League kostete viel Kraft. Zu viel für den Saison-Endspurt? Gibt es auf der Zielgeraden noch ein bitteres Erwachen? Auch darum geht es am Saison-Ende drunter und drüber!

Trainer Favre verliert die Nerven

Starke Nerven sind vor allem in einem engen Titelkampf nötig. Die scheint Dortmunds Trainer Lucien Favre nicht zu haben. Er wirkt unsicher, angreifbar und gereizt, nur so ist auch seine Schimpfkanonade nach dem 2:4 gegen Schalke über den umstrittenen Handelfmeter zu werten. Er steigerte sich in seinem Zorn bis zum „größten Skandal in der Fußball-Geschichte“ und sah die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft gefallen. Da bekam er sogar von seinen Bossen Gegenwind und selbst die Bayern führten ihm vor, dass er zu voreilig war. Weniger ging Favre darauf ein, dass auch seine Spieler schwache Nerven zeigten und überambitioniert waren, wie die berechtigten Roten Karten für Reus und Wolf zeigten. Eine Schwächung für die Borussia im nächsten Spiel bei den gebeutelten Bremern, die wohl wie Schalke um ihre letzte Chance kämpfen. Da dürften es die Bayern gegen Hannover leichter haben, aber Abstiegskandidaten sind nicht zu unterschätzen, siehe Nürnberg.

Was den Bayern derzeit fehlt, sind in der Bundesliga die Tore von Robert Lewandowski, der gerade Ladehemmung hat (außer beim Elfmeter in Bremen). Das Bayern-Dusel ist ihnen treu, will aber auch nicht übertreiben. In Bremen ein umstrittener Handelfmeter, in Nürnberg ein gegnerischer Elfmeter in der Nachspielzeit an den Pfosten, zuvor ein Glückstor von Gnabry zum Ausgleich, das wohl weniger dem Können zugerechnet werden kann. Dann aber sagte das Dusel Schluss und Coman nahm in der Schlussminute das Geschenk für einen möglichen Siegtreffer nicht an. Es ging am Ende wirklich drunter und drüber. Allerdings hat sich Bayerns Ausgangsposition dennoch entscheidend verbessert: Nicht mehr drei Spiele und drei Siege, sondern zwei Siege und ein Unentschieden (in Leipzig?) sind notwendig zum Titelgewinn – wenn Dortmund nicht wieder strauchelt.

Drunter und drüber geht es auch im Abstiegskampf. Aufstand am Tabellenende, 1:0-Siege weckten in Hannover und Stuttgart die Lebensgeister und Hoffnungen. Das Motto heißt „rette sich wer kann!“, das gilt vor allem für Schalke und Augsburg, die der VfB noch in die Relegation schicken will (direkt absteigen können sie nicht mehr). Welch ein Terminplan: Die beiden Klubs treffen am Sonntag auf Schalke aufeinander und der Sieger ist auf jeden Fall gerettet. Der VfB aber kämpft um eine weitere Chance in Berlin. Drunter und drüber geht es auch im Kampf um die Plätze für Europa, wobei das Angebot ja vergrößert wurde, da die Pokalfinalisten München und Leipzig in die Champions League einziehen. So darf der Bundesliga-Siebte die EL-Qualifikation bestreiten. Frankfurt, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim kämpfen aber um die vierten Platz für die Champions League. Den besten Lauf hat derzeit Leverkusen.

Vorgezogenes Finale in der Champions League

Apropos Champions League, die steht in dieser Woche wieder im Mittelpunkt, auch hier sind wir auf der Zielgeraden. Dabei wird das eigentliche Finale vorweggenommen, denn im Duell FC Barcelona – FC Liverpool treffen am Mittwoch die beiden großen Favoriten aufeinander. Aber auch in der CL geht es zuweilen drunter und drüber, also haben Außenseiter eine Chance. Wer wirklich eine Chance auf den Henkelpott hat, tragen Tottenham Hotspur und Ajax Amsterdam am Dienstag aus.

Barca hat sich schon mal von einer Last befreit, holte in Spanien seinen 26. Titel, davon zehn in den letzten 15 Jahren. Jetzt träumt man vom Triple, will auch Pokal und CL gewinnen. Ganz anders die Stimmung bei Real Madrid, die Königlichen sind nach einem 0:1 bei Schlusslicht Vallecano am Boden. Dort trifft man auch Thomas Tuchel, der mit Paris St. Germain wieder eine Enttäuschung erlebte, nämlich eine 5:6-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Stade Rennes im Pokalfinale. Geld schießt also nicht immer die Tore, vor allem sorgt Geld nicht immer für gute Nerven. Auch international geht es also gerne mal drunter und drüber.

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa

Schön, dass es so etwas im Profi-Fußball, wo Geld die Hauptrolle spielt, noch gibt. Nicht die Euros führten zum Erfolg, sondern die Nachwuchsarbeit. Insofern ist Ajax Amsterdam nach seinem Einzug ins Halbfinale der Champions League ein Vorbild für alle Vereine in Europa, die keinen reichen Sponsor in der Hinterhand haben. Geld lässt die Hoffnung auf Titel größer werden, aber eine Garantie gibt es nicht. Das musste das unterlegene Juventus Turin erfahren, das Millionen in Cristiano Ronaldo investiert hat und jetzt doch mit leeren Händen da steht. Zudem noch erkennen musste, dass die Zeit der alten Herren abgelaufen ist.

Als Bayern München in der Gruppenphase gegen Ajax nicht über zwei Unentschieden hinauskam, da wurde der Deutsche Meister kritisiert. Heute muss man diese Remis fast schon als Erfolg werten, allerdings hat sich die fehlende Klasse der Bayern dann doch im Achtelfinale gegen den FC Liverpool gezeigt. Amsterdam wurde im Laufe der Saison zudem immer besser, die „Enkel“ von Ajax-Star Johan Cruyff spielen einen leichten, beschwingten Fußball, der ganz Europa begeistert. Erinnerungen an die alten Zeiten werden wach, denn dass es Ajax ins Halbfinale schaffte, ist schon 22 Jahre her. Einen Titel haben sie schon mit dem Einzug ins Halbfinale, sie sind die Größten der Kleinen, denn seit es die Champions League gibt (92/93), gelang es allein Ajax als einzigem Klub außerhalb der großen Ligen in Spanien, England, Italien, Deutschland und Frankreich viermal ins Halbfinale einzuziehen.

Jetzt wartet mit Tottenham Hotspur der andere „Underdog“ im Halbfinale, denn auch Tottenham ging als Außenseiter ins Duell mit Manchester City und riss City-Coach Pep Guardiola und seine Mannen aus allen Träumen. Auf den Trainer lastet quasi ein Champions-Fluch, zuletzt siegte er 2011 mit dem FC Barcelona. Mit den Bayern und jetzt City läuft er dem Titel erfolglos hinterher. City scheiterte mit viel Pech, Tottenham erfuhr Gerechtigkeit durch den Videobeweis. Aber die Hotspur sind das Gegenstück zu Ajax: Sie arbeiten Fußball mit viel Leidenschaft und haben eine teurere Mannschaft.

In den Niederlanden muss man die Gunst der Stunde genießen, denn sei die Gegenwart noch so glorreich, die Zukunft sieht wieder trübe aus. Das ist das harte Los der guten Nachwuchsarbeit, dass die Talente, die den Erfolg bringen, dann das Nest verlassen und an die Fleischtöpfe der großen Vereine abwandern. Der Wechsel von Frenkie de Jong zum FC Barcelona ist bereits perfekt, Kapitän Mathijs de Ligt soll ihm angeblich folgen, Hakim Ziyech ist bei den Bayern im Gespräch, aber ebenso wie Donny van de Beek bei gut situierten Vereinen in ganz Europa. Da steht vor Trainer Erik ten Hag wieder eine große Aufbauarbeit in den nächsten Jahren.

Oder wird der Coach auch bald an den Fleischtöpfen naschen? Er wurde wohl bei den Bayern als Trainer der U23 unterschätzt, sagt aber selbst, dass er bei Pep Guardiola viel gelernt hat (wenigstens ein kleiner Erfolg für Pep!). Vielleicht wäre er für die Bayern sogar der richtige Trainer, denn die Bayern haben ja beim Umbau der Mannschaft das Ziel, ein bisschen wie das Ajax von heute zu sein: Eine Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern, geführt von ein paar Routiniers, die einen attraktiven, erfolgreichen Fußball auf den Rasen zaubern sollen. Die Talente holen die Münchner allerdings bei anderen Vereinen, die eigenen Nachwuchsspieler haben es schwer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bayern ist halt nur ein bisschen Ajax. Ähnliches kann man von Borussia Dortmund sagen, die sogar schon ein Stück weiter als die Bayern sind. Beide Klubs haben es zudem finanziell im Kreuz, Spieler gegen alle Angebote an der Leine zu halten.

Ein Kleiner unter den Großen wird also ins Finale der Champions League am 1. Juni in Madrid einziehen. Im anderen Halbfinale duellieren sich zwei Favoriten: Messis FC Barcelona und Jürgen Klopps FC Liverpool. Wobei der deutsche Trainer mit einem Handicap leben muss: Die Fans der Reds wünschen sich noch sehnsüchtiger die nationale Meisterschaft als den internationalen Titel.

Frankfurt rettet die Bundesliga

Schön, dass es das in der Bundesliga noch gibt: Nicht der FC Bayern München ist der letzte Vertreter im internationalen Geschäft, sondern ein eher Kleiner der Liga. Eintracht Frankfurt schwang sich zum Retter der Bundesliga im internationalen Renommee auf und beeindruckte mit einem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon und den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Dies erstmals seit 39 Jahren! Dabei hatte die Eintracht Glück, dass es in der EL noch keinen Videobeweis gibt und das Abseits beim ersten Treffer nicht erkannt wurde (da wäre City froh gewesen, wenn der Videobeweis in der CL noch nicht eingeführt worden wäre). Jetzt wartet aber mit Chelsea London ein dicker Brocken. Im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Valencia und Arsenal London gegenüber. Alle vier Mannschaften haben übrigens eines gemeinsam: Sie kämpfen in ihren nationalen Ligen um den Einzug in die Champions League. Frankfurt und Chelsea sind aktuell beide Vierter, hätten es also geschafft, Arsenal und Valencia sind dagegen beide Sechster, haben aber noch Chancen auf den Sprung nach oben. Der kürzeste Weg für alle vier Vereine in die Champions League ist der Sieg in der Europa League. Leicht wird das aber auch nicht.

Die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne

„Mach nicht so ein Theater“, ist eine gängige Zurechtweisung im Alltag. Das Theater als solches gilt bei der Bevölkerung als Inbegriff der Kunst, der Kultur-Tempel schlechthin. Die Platzzahl ist allerdings begrenzt und nur mit Zuschüssen bleiben die Theater am Leben. Dabei wird das größte Theater im Sport gespielt, die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne, jede Woche pilgern im Schnitt 40.000 Zuschauer zu den Spielen und die Akteure bieten wie im richtigen Theater gute und schlechte Kunst. Beste, aber berüchtigte Schauspielkunst liefern die Akteure etwa bei den berühmten „Schwalben“. Besser geht es auf keiner anderen Bühne. Ein Ausschnitt vom Bundesliga-Theater:

Der Titelkampf: Bayern München und Borussia Dortmund liefern sich ein spannendes Duell, dass alle Degen-Helden auf den Bühnen verblassen lässt. Da die selbstbewussten Helden aus München, die sechs Jahre lang schon auf dem Thron sitzen und sich nicht verdrängen lassen wollen. Dort die „Wegelagerer“ aus Dortmund, die zwar ein bisschen an sich selbst zweifeln, die aber doch den ganzen Mut zusammennehmen, um die Helden zu besiegen. Der Ausgang ist ungewiss. Die Bayern müssen vorerst auf einen Helden verzichten, Manuel Neuer hat sich wieder verletzt, fällt mindestens zwei Wochen aus. Und das vor den Bremen-Festspielen. Die 2019 noch ungeschlagenen Werderaner (übrigens als einziges Team in den Top-Ligen Europas!) gastieren am Samstag in München und erwarten dann die Bayern zum Halbfinale im DFB-Pokal. Welche Dramatik! Das Publikum wartet auf die erste Niederlage.

FC Augsburg: Auch eine Provinzbühne kann sich in den Vordergrund spielen, der FCA tat es. Im ansonsten beschaulichen Schwaben krachte es, Trainer entlassen und seine Assistenten dazu. Manuel Baum ging nicht allein, sondern vor allem der berühmte Star Jens Lehmann musste seine Nebenrolle als Assistent gleich wieder aufgeben. Impulse gingen von ihm nicht aus. Wohl aber vom neuen Trainer Martin Schmidt, der seinen Mannen mit der Devise „einfach spielen“ das Kontrastprogramm zu Baum lieferte (ausgeklügelte Taktik). Und dann gab es ein Märchen auf der Bundesliga-Bühne, dass es im wirklichen Leben nie geben würde: Schmidt gewann bei seinem Amtsantritt in Mainz 3:1 gegen Frankfurt und jetzt: 3:1 mit dem FCA in Frankfurt. Held des Spiels war der U21-Nationalspieler Marco Richter, er erzielte seine ersten beiden Saisontreffer. Vorher hatte er einmal getroffen – gegen Frankfurt. Das nennt man dann beste Eintracht. Die Frankfurter aber erlebten eine Tragödie, erste Niederlagen in diesem Jahr, und das ausgerechnet in der Europa League mit dem 2:4 bei Benfica Lissabon. Die Hoffnung schwindet vor dem Rückspiel am Donnerstag, die Eintracht wirkt ziemlich ausgelaugt. Noch einmal werden die Helden aber auf die Bühne gerufen.

VfB Stuttgart: Von Helden ist hier nicht die Rede, sondern von Schurken. Der Argentinier Ascacibar spielte die Rolle des Lamas, doch Spuck-Attacken sind auf der Bundesliga-Bühne nicht erwünscht. Die Tragik der Stuttgarter: Sie dezimieren sich im Abstiegskampf selbst mit Verletzungen und Platzverweisen. Und das vor dem „Endspiel“ am Samstag in Augsburg, nur mit einem Sieg bei den Provinzhelden bleibt die Hoffnung auf den Klassenerhalt ohne Umweg Relegation bestehen.

Fortuna Düsseldorf: Die meisten Theaterstücke sehen die beliebte Rollenverteilung so vor, da der brave Held, dort der Schurke. In Düsseldorf wird das Bühnenstück perfekt dargeboten. Der brave Trainer Friedhelm Funkel wird gefeiert, er führte den Aufsteiger trotz aller Widerwärtigkeiten zum vorzeitigen Klassenerhalt. Die Rolle des Schurken nimmt Vorstands-Chef Robert Schäfer ein, der den braven Funkel entlassen wollte, aber zurückgepfiffen wurde. Weil er so ein Miesepeter ist, muss er jetzt selbst gehen. So wollen es die Leute, der Brave muss gewinnen.

Timo Werner: Jeder Vereinswechsel ist ein Theaterstück in mehrer Akten und vor allem bei den Medien äußerst beliebt, denn er liefert Gesprächsstoff über Monate hinweg. Bestes Beispiel ist Nationalstürmer Timo Werner. Dessen Vertrag bei RB Leipzig läuft 2020 aus und branchenüblich heißt es im Jahr davor verlängern oder verkaufen. Nur selten wird der Vertrag voll erfüllt, weil der Verein ja Geld verliert. So wird jetzt gerätselt, geht er oder bleibt er? Und wenn er geht, wohin? Seine neue Bühne soll angeblich in München stehen. Dort wird das Honorar sicher höher sein.

Die Bühnen außerhalb der Bundesliga

Europa: Wir wollen ja nicht sagen, das Europas Bühnen spektakulärer sind als die Bundesliga, aber sie bieten doch einiges, vor allem Geld. So drängen sich auch die Bundesligisten auf diese Bühnen, aber die Hauptrollen sind begehrt und im letzten Akt fehlen die Bundesligisten als Hauptdarsteller. Die große Bühne genießt vor allem einer: Cristiano Ronaldo. Die Champions League ist sein Metier und er hält Juves Chance am Leben gegen die Jung-Darsteller aus Amsterdam. Ein großes Stück. Das will auch Messi mit Barcelona liefern, der Titel ist das Ziel. Die Rolle des tragischen Helden könnte Pep Guardiola zukommen, das 0:1 bei Tottenham ist eine schwere Hypothek. Pep hat sich vercoacht, ja wie gibt es denn so was. Im zweiten Akt fehlt allerdings Tottenhams Held Harry Kane, eine Chance für Manchester City und Pep.

Tiger Woods: Das Comeback des Jahres, Tiger Woods ist zurück, ist wieder auf der Siegesstraße. Nach elf Jahren, in denen persönliche Tragödien und Operationen die Hauptrolle spielten, gewann der Golf-Star wieder ein Major-Turnier, das Masters in Augusta. Es ist sein 15. Major-Titel, nur noch drei fehlen zum Rekord von Jack Nicklaus, dem „goldenen Bär“. Nur eine Nebenrolle spielten die deutschen Golfer in Augusta, Bernhard Langer bekam als ältester Teilnehmer mit guten Leistungen aber viel Aufmerksamkeit. Am Ende ging dem „alten Mann“ die Luft aus.

Formel 1: Der Motorsport liebt die große Bühne und feierte ein großes Jubiläum in China, das 1000. Rennen! Es gab aber keine Überraschung, auch da triumphierte wieder Mercedes, der strahlende Held war Lewis Hamilton, der tragische Held dagegen Sebastian Vettel. Große Hoffnungen und Sprüche vor der Saison, aber bei Ferrari und Vettel läuft es nicht. Der Wagen nicht so schnell wie erhofft, der Fahrer nicht so gut wie erwartet. Nach Fahrfehlern brauchte Vettel Hilfe von der Regie, damit er den Team-Kollegen überholen konnte und erstmals wieder auf dem Podest stand. Begeisterung dafür gab es nicht. Aber im Theater Formel 1 wird noch lange gespielt, da ist die Hauptrolle für den Heppenheimer immer noch möglich. Von Überraschungen lebt jedes Theater!

Einen großen Abgang von der Sport-Bühne gab es in der vergangenen Woche, lesen Sie dazu den nachfolgenden Kommentar „Dirk Nowitzki ist der Größte“.

Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.

Das Spiel der Spiele – aber kein Finale!

Endlich! Die Fans der Fußball-Bundesliga warten auf das Match, endlich wieder einmal ein spannender Titelkampf und nicht nur Brisanz bei den Duellen gegen den Abstieg. Endlich, das Spiel der Spiele, aber wenn sich am Samstag die alten Rivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, dann ist dies kein Finale. Einem echten Finale um die Deutsche Meisterschaft trauern Nostalgiker bekanntlich hinterher.

Ein kleines Finale ist es allerdings schon, jedoch anders, als es sich die Bayern gewünscht hatten. Ihr Plan war, mit einem Sieg über Dortmund für Klarheit an der Tabellenspitze zu sorgen. Jetzt befinden sich die Münchner plötzlich wieder in der Verfolgerrolle nachdem sie neun Punkten Rückstand aufgeholt hatten, dagegen könnte die Borussia mit einem Erfolg in der Allianz Arena für eine Vorentscheidung sorgen.

Es gab einen „Ball verkehrt“ im Vorfeld des deutschen „Clasico“. Die Bayern patzten mit dem 1:1 in Freiburg, während Dortmund wie oft in der Vorrunde beim 2:0 gegen Wolfsburg das Glück der späten Tore feierte. Sensationell: Wäre in allen Spiele nach 90 Minuten wirklich der Schlusspfiff ertönt, dann wären die Bayern Erster mit 63 Punkten vor Dortmund mit 59! Borussias Torbilanz in der Nachspielzeit lautet 9:1, die der Bayern 1:1! Dortmunds Dusel ist zurück, belegt durch Alcacers Glücksschuss quasi durch die Wolfsburger Mauer. Da war auch alles lamentieren, das die Mauer zu weit weg stand, Quatsch, denn der Ball ging ja nicht über die Mauer. So holte sich Dortmund das Selbstvertrauen für das Spiel der Spiele, die Bayern hadern.

Auffallend: Dortmund erinnerte an die Vorrunde, ebenso die Bayern. Mit dem 1:1 gegen Freiburg am 10. Spieltag Anfang November begann die Bayern-Krise mit drei Spielen ohne Sieg (danach 2:3 in Dortmund, 3:3 gegen Düsseldorf). Jetzt wird wieder geklagt über mangelnde Einstellung, schlechte Aufstellung und fehlende Konzentration beim Tor-Abschluss. Es gibt nur etwas Positives dabei: Einen besseren Muntermacher gibt es nicht. Oder wiederholt sich in einem Spitzenspiel das Dilemma gegen Liverpool mit dem Aus in der Champions League? Folgt das Aus in der Meisterschaft? Stabil sind die Bayern nicht.

Das stabilste Team, ja die „Mannschaft der Stunde“ ist derzeit Eintracht Frankfurt. Die Hessen bieten Glanz und Tore, zeigen Selbstbewusstsein auch international und sind 2019 noch ungeschlagen. In der Rückrunden-Tabelle liegen sie mit 22 Punkten hinter den Bayern (25) auf Rang zwei vor Dortmund und Leipzig (ja 21). Dagegen schwächeln Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen, so dass der Sprung auf Rang vier und damit auf einen Platz in der Champions League fast logisch war. „Das ist ein Märchen“, fasste es der Österreicher Martin Hinteregger in Worte, nämlich auch für ihn, vom Abstiegskandidaten FC Augsburg auf die internationale Bühne.

Sein alter Verein steckt wieder mitten drin im Abstiegsdilemma. Die Blamage war komplett, ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg, der 20 Spiele ohne Sieg geblieben war, ergab sich die Mannschaft wehrlos, anstatt mit großem Kampf endgültig die Weichen für den Klassenerhalt zu stellen. Drei Spiele ohne Niederlage, das 2:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig und 3:1 gegen Hannover wurde für die Mannschaft wohl zum sanften Ruhekissen. Jetzt brennt wieder der Baum. Nicht dagegen auf Schalke, Huub Stevens’ Motto „die Null muss stehen“ passte wieder und mit einem Glücksschuss von Serdar („Ich habe gar nicht auf das Tor geschaut“) auch das Ergebnis. Sechs Punkte Abstand zum Relegationsrang (Stuttgart) sorgen für etwas Ruhe im Revier. Aber jetzt kommt Frankfurt, doch die Verfolger nehmen sich die Punkte gegenseitig weg, im Duell Stuttgart – Nürnberg geht es wieder um eine Weichenstellung bzw. für die Franken um die letzte Chance.

Kein Schlagerspiel im Pokal

Ablenkung vom Bundesliga-Alltag gibt es in dieser Woche durch den DFB-Pokal, wobei die Frage ist, wie wichtig dieser Zusatzwettbewerb für die einzelnen Vereine ist. Ein echtes Schlagerspiel gibt es im Viertelfinale nicht, zumal ja so erfolgreiche Klubs wie Dortmund, Leipzig und Frankfurt frühzeitig die Segel streichen mussten. Mit Augsburg und Schalke sind sogar zwei Kandidaten aus dem Abstiegskampf dabei. Der FCA muss gegen Leipzig wieder ein anderes Gesicht zeigen, während Schalke gegen Bremen die etwas größeren Chancen eingeräumt werden können. Für beide Mannschaften bleibt die bange Frage: Als Absteiger ins Pokal-Finale einziehen? Die Bayern müssen sich die Chance auf wenigsten einen Titel erhalten, können gegen den Zweitligisten Heidenheim vielleicht das Tore schießen üben, vielleicht müssen sie aber zu einem Rezept greifen, eine Betonabwehr zu überwinden. Gar ein Zweitliga-Duell gibt es mit Paderborn gegen Hamburg, da der aufstrebende Zweitliga-Neuling, dort der unkonstante Dino, der vor allem ein Ziel hat, zurück in die Bundesliga. Vielleicht am Ende im Pokal-Finale, aber nicht in der Bundesliga – das wäre für den HSV fast schon ein Horrorszenario! Übrigens: Leipzig, Paderborn und Heidenheim erreichten noch nie das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Polizei will Geld

Ein Horrorszenario erlebte die Bundesliga in der vergangenen Woche auch vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat eine Beteiligung der Ausrichter von gewinnorientierten Veranstaltungen an den Polizeikosten grundsätzlich für rechtskonform erklärt. Damit müssen die Bundesligisten für Mehrkosten bei einem größeren Polizei-Einsatz bei sogenannten Risikospielen aufkommen. Das Land Bremen hatte der DFL eine entsprechende Gebührenrechnung geschickt, die DFL dagegen prozessiert. Im Hintergrund stand die Frage, ob es überhaupt darstellbar ist, dass der Steuerzahler für Kosten der reichen Vereine aufkommen soll. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass just im Vorfeld Bayern München den Rekordtransfer für 80 Millionen Euro für Frankreichs Weltmeister Lucas Hernandez über die Bühne brachte. Und dann sollen hochgerechnet 20 Millionen Euro für Polizei-Einsätze nicht bezahlbar sein? Da geht es um Vernunft und den Ruf der Liga.

„Wir haben uns das anders vorgestellt“, gestand DFL-Präsident Reinhard Rauball zerknirscht, aber Richter Dr. Wolfgang Bier, hatte wohl auch die Klagen der Landesrechnungshöfe im Hinterkopf, die schon lange eine Beteiligung der Vereine verlangen. Allein aus moralischen Gründen sollte die DFL einem Kompromiss der Länder zustimmen, dass ein Fond gebildet wird, aus dem die Polizei-Einsätze bezahlt werden. Die Rede ist eben von 20 Millionen Euro, gerade mal ein Klacks bei einem Jahresumsatz der 36 DFL-Vereine von 4,4 Milliarden Euro (die 3. und 4. Liga sind außen vor). Dieser Fond würde auch eine Ungleichbehandlung der Vereine verhindern, wenn einige Länder auf eine Rechnungsstellung an die Klubs verzichten würden, wie es Bayern schon angekündigt hat.

Eine Frage wurde allerdings nicht beantwortet: Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sich Chaoten nicht den Fußball als Bühne für Ausschreitungen aussuchen? Wer ist denn für die fehlende gute Erziehung verantwortlich? Vordringlich müssen Schadens- und Kostenverursacher vor allem zur Kasse gebeten werden. Dann würde Ruhe herrschen!

Jogi Löw zeigt es seinen Kritikern

Und er kann es doch! Der überraschende 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Amsterdam über die Niederlande zum Start der EM-Qualifikation war vor allem ein Triumph für Bundestrainer Joachim Löw. Er hat es seinen Kritikern gezeigt, aber er hat seinen Triumph nicht in Jubelpose, sondern still genossen. Die Stimmen, die nach dem missratenen Fußball-Jahr 2018 lautstark und nach der unglücklichen Ausbootung der Bayern-Nationalspieler wiederholt seinen Rücktritt forderten, werden jetzt erst einmal verstummen. Löw hat bis zu den nächsten Qualifikationsspielen im Juni Ruhe, aber er weiß auch, beim nächsten schwachen Spiel stehen die Kritiker wieder auf der Matte.

Am Spiel in Amsterdam gibt es allerdings nichts zu mäkeln. Löw, der schon so oft taktisch daneben lag, hatte diesmal das richtige Konzept ausgeklügelt und Gegenspieler Koeman überrascht. Die Mannschaft folgte willig, glänzte mit Einsatz, Spielfreude und hielt sich mit Kampfgeist in der kritischen Zeit über Wasser. Sie hatte neben Können und Willen aber auch das nötige Spielglück. Wie heißt es so schön, das hat nur der Tüchtige. Kapitän Manuel Neuer mit zwei glänzenden Paraden (auch er ein Sieger gegen seine Kritiker), Süle, Kimmich und Kroos gingen voran, Sane und Gnabry spielten ihre Schnelligkeit aus und beeindruckten mit ihren Schüssen. So treffen sie allerdings nicht immer! Ein Glücklicher war zudem Nico Schulz und durch seinen Treffer zum 3:2 ganz ohne Zweifel eben auch Joachim Löw. Der hatte das glückliche Händchen, um Gündogan und den ein wenig angeschlagenen Marco Reus zur richtigen Zeit aufs Feld zu bringen. Eines der seltenen Spiele wo alles klappte.

Sah nach der Ausbootung von Hummels, Boateng und Müller der FC Bayern München in Sachen Nationalmannschaft als Verlierer aus, so war der Rekordmeister diesmal ebenfalls ein Sieger. „Nur mit einem starken Bayern-Block haben wir eine starke Nationalmannschaft“, ist das Credo von Uli Hoeneß, das trotz der Ausbootung der Stars diesmal wieder zutraf. Mit Neuer, Süle, Kimmich, Goretzka und Gnabry startete Jogi Löw mit einer starken Bayern-Achse, der Rest kam aus sechs verschiedenen Vereinen!

Ruhm und Ehre kann Jogi Löw jetzt ein bisschen auskosten, es wird ihm wieder mehr Spaß machen, die Bundesliga-Stadien zu besuchen. Die nächsten Spiele stehen erst wieder nach der Saison an, am Samstag, 8. Juni, in Weißrussland und Dienstag, 11. Juni, in Mainz gegen Estland. Da gibt es dann vielleicht andere Probleme, frustrierte Spieler müssen nach einer verkorksten Saison eventuell moralisch aufgebaut werden. Die Juni-Termine sind nicht immer die glücklichsten.

Die Bundesliga ist in Gefahr

Sorgen gibt es im Fußball genug, international tickt eine Zeitbombe. Die ECA, die Vereinigung der europäischen Vereine, verstärkt offensichtlich ihre Bemühungen, die Champions League aufzuwerten und aus ihr eine wirkliche europäische Meisterschaft zu machen. Die Bundesliga ist dabei in Gefahr, die Gedanken gehen nämlich dahin, die Champions League künftig an den Wochenenden auszutragen und dafür die nationalen Punktrunden auf Spieltage Mitte der Woche zu verlegen. Ein Unding! Hier müssen UEFA und Ligen konsequent und hart bleiben, um diese Gedanken im Keim zu ersticken. Man kann nur wiederholen: Gerade die Bosse der großen Vereine haben nur noch das Geld im Auge. Der Fußball ist für sie das Vehikel zum Geldverdienen, aber nicht der Volkssport, den sie pflegen sollten. So machen sie nämlich die Basis kaputt und über kurz oder lang würde dem Fußball der Nachwuchs fehlen. Doch geldgierige Funktionäre denken über ihre prall gefüllten Geldbeutel nicht hinaus.

Wenn aber Europas Dachverband und die nationale Verbände zu schwach sein sollten, dann gibt es noch einen Gegner, der Wirkung erzielen kann – nämlich die Fans! Könnte sein, dass eine Champions League am Wochenende plötzlich unter Stimmungsmangel leidet und die Bundesliga unter der Woche vor leeren Rängen spielt!

Alles wartet auf den 6. April

Am kommenden Wochenende gibt es allerdings noch Bundesliga, aber der Endspurt der Saison ist alles andere als Alltag. Alles wartet auf den 6. April, wenn sich die heute punktgleichen Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen. Eine Entscheidung wird es nicht geben, aber durchaus eine Vorentscheidung. Die Spieler beider Teams strotzen vor Selbstbewusstsein und beiderseits gibt es eine Kampfansage: „Wir wollen alle Spiele gewinnen“. Vielleicht gibt es zum Ende ein Wettschießen um die bessere Tordifferenz! Die Frage wird dann sein, wer stellt einem Meisterschaftsanwärter ein Bein? Das ist das Restprogramm:

Bayern München: Freiburg (auswärts), Dortmund (zu Hause), Düsseldorf (A), Bremen (H), Nürnberg (A), Hannover (H), Leipzig (A), Frankfurt (H).

Borussia Dortmund: Wolfsburg (H), München (A), Mainz (H), Freiburg (A), Schalke (H), Bremen (A), Düsseldorf (H), Gladbach (A).

Ein bisschen zur Schicksalsfrage wird natürlich der Abstiegskampf, denn der Sturz in die zweite Liga ist schließlich mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden und das Geld regiert bekanntlich die Welt, vor allem (siehe oben) die Fußball-Welt. Ob zum Beispiel Hannover nach einer Revolution im Verein (die Opposition eroberte den Vorsitz im Verein, Martin Kind regiert im ausgegliederten Fußball) die nötige Ruhe aufbringt, um die rettenden Punkte einzufahren? Die Nagelprobe gibt es gleich am Sonntag gegen Schalke, zwei bedrohte Teams stehen sich zudem im bayerischen Derby mit Nürnberg und Augsburg gegenüber. Stuttgart hat es aber in Frankfurt auch nicht leichter. Der Kampf gegen den Relegationsplatz könnte wie das Titel-Duell bis zum Saison-Ende spannend bleiben. Noch hat Augsburg (25 Punkte) gegenüber Schalke (23) und Stuttgart (20) die besten Karten, Hannover (14) und Nürnberg (13) müssen erst einmal den Anschluss schaffen. Für sie ist der Start in den Endspurt gleichzeitig so etwas wie die letzte Chance.