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Tag: Bayern München

Das ist ja irre: FIFA verkauft den Fußball

„Sind die alle irre geworden“, das sagte ein Freund mit einem Blick auf das Geschehen im Fußball in der vergangenen Woche. In der Tat könnte man meinen, die Fußball-Welt ist ein durcheinander geraten und wird auch noch von einem Präsidenten, der den Irrsinn als tolle Zukunft propagiert, regiert. Denn das ist ja wirklich irre: Die FIFA verkauft den Fußball.

Als Gianni Infantino das Amt des FIFA-Präsidenten von Joseph Blatter übernommen hat, um den Fußball-Weltverband nach Misswirtschaft und Korruption wieder in eine bessere, vor allem auch anständige Zukunft zu führen, da hatte der Sport-Grantler schon damals seine Zweifel. Es ist nichts besser geworden, eher schlechter. Der Fußball spielt beim Schweizer nicht die Hauptrolle, sondern das Geld. Man stelle sich vor: Der Fußball, der vom Verband geschützt werden soll, wird gewinnbringend verkauft! Im Mittelpunkt ein Angebot von 25 Milliarden, von dem Infantino nicht sagt, wer dahinter steckt. Aber die FIFA soll im Sinne dieser dubiosen Geldgeber entscheiden und Rechte abgeben. Und die nationalen Verbände machen mit, vor allem die kleinen Verbände, die teilweise nicht mal einen geregelten Spielbetrieb haben, aber kassieren und Infantino ihre Stimme geben. Infantino der Verkäufer.

Nach dem FIFA-Council in Miami ist Gianni Infantino seinen Zielen einen Schritt weitergekommen. Die umstrittene Klub-Weltmeisterschaft wird vom 21. Juni bis 4. Juli 2021 mit 24 Mannschaften stattfinden. Die ECA, die Vertretung der europäischen Klubs, hatte vorher dagegen protestiert („Kein europäischer Spitzenklub wird daran teilnehmen“), aber die Front bröckelt, Real Madrid und Bayern München zum Beispiel hatten unterschrieben, zeigen aber Interesse. Zugegeben, das alte Format war nicht attraktiv, aber das neue ist es auch nicht, doch es bringt Geld. „Her mit der WM“, jubiliert Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge fordert: „Die Ausschüttung soll an die Verbände gehen, das geht nicht, das muss an die Vereine gehen.“ Kasse ist wichtig, dabei raubt der Termin den Spielern den Sommer-Urlaub – oder wird der Ligen-Beginn wegen ein paar Spitzenklubs verschoben? Wir wissen: Geld vernebelt den Verstand. Außerdem: Eine Klub-WM wird nie die Begeisterung wie die richtige WM wecken, die Mehrheit eines Landes steht nur hinter der Nationalmannschaft.

Um Geld und Stimmen geht es auch bei Infantinos Ziel, bereits die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar mit 48 statt 32 Nationen stattfinden zu lassen. Generell hat er freie Fahrt bekommen, wenn sich Co-Gastgeber finden lassen. Eine Studie hat die Machbarkeit bestätigt, allerdings heißt es, dass diese Studie von der FIFA „gefärbt“ sei. Auch hier spielt allein das Geld eine Rolle, nicht der Sport, denn die Qualität sinkt und die Qualifikation verliert an Bedeutung und Spannung. Verbände und Vereine werden reich, aber die Fans sind arm dran. Der Fußball schaufelt sich mit Dollars sein eigenes Grab.

Beben in der Champions League

Dabei wäre der Fußball sportlich doch so interessant. Zum Beispiel auf Europas Bühnen. In der Champions League gab es buchstäblich ein Beben. Real Madrid raus, Paris St. Germain raus, Bayern München raus – das ist ja irre. Real wurde von den forschen Youngstern von Ajax Amsterdam mit 4:1 buchstäblich überrollt und befand sich kurz im Schockzustand, bis Präsident Perez Erfolgstrainer Zinedine Zidane erneut als Trainer präsentierte. Der Franzose soll Real auf den Erfolgsweg zurückbringen, was in der Meisterschaft schon klappte. Doch Titel kann er erst im nächsten Jahr gewinnen. Er war so klug, nach den größten Triumphen zurück zu treten, ob es jetzt klug ist, das Amt wieder zu übernehmen?

Die Trainer in Paris und München stehen nicht zur Debatte, Thomas Tuchel soll sogar seinen Vertrag verlängern, während in München an Niko Kovac ein bisschen gezweifelt wird. Ist er der richtige Mann für den Neuaufbau bei den Bayern? Die wirkten beim 1:3 gegen den FC Liverpool erstaunlich zahm und vor allem mutlos, kein Zeichen von „mia san mia“, dem sonstigen Wahlspruch. Das 6:0 gegen Mainz am Wochenende machte deutlich: Champions League und Bundesliga sind auch für die Bayern zwei Paar Stiefel, von den besten Klubs in Europa ist Deutschlands Spitze immer weiter entfernt und wird mangels Geld (schon wieder das Geld!) so schnell nicht aufschließen können. Die Bundesliga blamierte sich, bezeichnend das 0:7 von Schalke bei Manchester City und kein Tor von Dortmund gegen Tottenham. Erstmals seit 2006 ist die Bundesliga im Viertelfinale nicht vertreten. Dort spielen am 9./10. und 16./17. April Tottenham – Manchester City, Liverpool – Porto, Manchester United – FC Barcelona und Amsterdam – Juventus Turin.

Die Ehre der Bundesliga rettete Eintracht Frankfurt mit einem überzeugenden 1:0-Sieg bei Inter Mailand und dem Einzug ins Achtelfinale der Europa League. Dort ist Benfica Lissabon der nächste Gegner, was machbar erscheint, allerdings gab es in 48 Duellen von deutschen Klubs mit den Portugiesen nur 14 Siege. Immerhin, in der UEFA-Ranglist ist der wichtige vierte Rang für die Bundesliga nicht in Gefahr.

Die falsche Null von Huub Stevens

Es war ein Akt der Verzweiflung von Schalke O4, als der neue Sportvorstand Jochen Schneider den alten Recken Huub Stevens („Ich mache das aus Liebe zum Verein“) zusammen mit Mike Büskens als Co-Trainer als Nachfolger des entlassenen Domenico Tedesco präsentierte. Ist das irre? Das alte Motto von Stevens’ (Die Null muss stehen) kam gleich wieder zum Tragen, doch es war die falsche Null, Schalke unterlag Leipzig mit 0:1. Positiv: Der Kampfgeist wurde wiederbelebt. Die Bayern freuten sich, dass es wieder Bundesliga gab (siehe oben) und bauten den Vorsprung nach Toren gegenüber Dortmund aus. Aber die Borussia tat auch etwas für das Selbstbewusstsein mit dem 3:2 bei Hertha in der Nachspielzeit trotz Verletzungssorgen. So kann es also doch noch etwas mit der Meisterschaft werden. Alles wartet auf das direkte Duell am 6. April.

Eine Vorentscheidung im Abstiegskampf durch den 3:1-Sieg des FC Augsburg gegen Hannover. Nur ein Wunder kann Nürnberg, 20 Spiele ohne Sieg, und Hannover noch retten. Der FCA ging sogar an Schalke vorbei, Stuttgart wertet das 1:1 gegen Hoffenheim als positiv und hat mit dem Schweizer Steven Zuber einen neuen Star. Der feierte sogar seinen Tor-Erfolg gegen den eigenen Verein und die Fans, da er ja noch Hoffenheim gehört. Er verstieß damit gegen den unausgesprochenen Ethikcode, doch fühlt er sich halt ganz als Stuttgarter. Die Brisanz im Abstiegskampf bleibt erhalten, nach der Länderspielpause trifft Hannover auf Schalke und Augsburg kann in Nürnberg den Klassenerhalt fast perfekt machen.

Jetzt muss Jogi Löw liefern

Auf dem Irrweg befindet sich womöglich auch Bundestrainer Joachim Löw. Mit der Ausmusterung der Bayern-Stars Boateng, Hummels und Müller hat er sich selbst unter Druck gesetzt, jetzt muss er liefern. Vor den Länderspielen gegen Serbien am Mittwoch in Wolfsburg und den Niederlande am Sonntag in Amsterdam hat er sich selbst unter Druck gesetzt. Wenn die EM-Qualifikation mit einer Niederlage beginnt, werden die Kritiker laut werden. Vor allem, wenn es Abwehrfehler gibt. Löw will mehr Tempo und betont, „es war unerlässlich, etwas zu ändern“. Ob zum Beispiel Toni Kroos zum schnellen Spiel passt? Bezeichnend, dass vor dem Besuch in München oberste Geheimhaltung herrschte und nicht einmal der DFB-Präsident eingeweiht wurde. Löw weiß wohl, dass Reinhard Grindel gern plaudert…

Mit drei Neulingen (Klostermann, Stark, M. Eggestein) beginnt Löw die neue Zukunft, hoffentlich gibt es keinen Rückfall in alte Fehler, Das wäre ja dann wirklich irre.

Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft

„Das Thema“ im deutschen Fußball ist nach wie vor die Ausbootung von drei Weltmeistern für die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Der Bundestrainer überraschte mit der Absage an die Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng die gesamte Fußball-Welt, sorgte für Erstaunen, aber auch für Kopfschütteln. Einmal für diese kurz vor der nächsten Kader-Nominierung in dieser Woche offensichtlich überstürzte Entscheidung, zum anderen aber auch für die Endgültigkeit, die er nach außen von sich gibt. Was ist da hinter den Kulissen wirklich passiert? Löw will auf junge, schnelle Spieler setzen und hat die „Alten“, die eigentlich mit 30 gerade im besten Fußball-Alter sind, vor die Tür gesetzt. Alt ist eher Jogi Löw selbst mit 59 Jahren. Das Problem: Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft.

Der Bundestrainer war offensichtlich schlecht beraten, er hätte sich eine Hintertür offen lassen sollen, dann würde er in den kommenden Aufgaben nicht so unter Druck stehen. Jetzt muss Jogi Löw bzw. sein Team in den kommenden Spielen, vor allem in der EM-Qualifikation beweisen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Mit Argusaugen werden auch die Leistungen der drei Bayern-Spieler beobachtet und typisch war schon die Schlagzeile einer Sonntagszeitung: „Guck mal, Jogi! Müller trifft!“ Müller, Hummels und Boateng zeigten beim 6:0 gegen Wolfsburg das, was sich Bayern-Trainer Niko Kovac versprochen hat: „Sie werden eine Trotzreaktion zeigen, beweisen wollen, was sie können, Bayern wird davon eher profitieren.“ Macht Löw die Bayern zum Meister?

Der bessere und diplomatischere Weg für den Bundestrainer wäre gewesen, wenn er vorsichtiger mit der Zukunftsplanung umgegangen wäre. Er hätte allen dreien die Tür offen halten müssen, denn er kann auf sie, wenn sie in Bestform sind, eigentlich nicht verzichten. Sind denn Süle, Ginter, Tah oder Rüdiger in der Abwehr wirklich besser? Warum hat er zum Beispiel nicht Boateng (zuletzt verletzt) nur diesmal nicht nominiert (ohne Absage für die Zukunft), Hummels vielleicht im Kader gelassen (er hat z. B. in Liverpool gezeigt, was er kann) und Müller als Alternative zu den jungen, schnellen Stürmern Gnabry, Sane und Werner in der Hinterhand gehalten. Wenn die nämlich gegen eine starke Abwehr nicht ankommen, dann könnte immer noch Müller mit seinem Torriecher und der unkonventionellen Spielweise helfen. Joachim Löw hat sich ohne Not in eine schlechte Position gebracht. Aber er hat die Nationalmannschaft natürlich ins Gespräch gebracht, erhöhte Aufmerksamkeit für die Kader-Benennung, gesteigertes Interesse am Freundschaftsspiel gegen Serbien am 20. März und das erste EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande am 24. März.

Bayern und Dortmund – beide auf ihrem Platz

In der Bundesliga herrschen wieder geordnete Verhältnisse, die Bayern und Dortmund befinden sich wieder auf ihrem angestammten Platz. Das hätte vor kurzem noch keiner gedacht, dass die Aufholjagd der Bayern nach neun Punkten Rückstand gegenüber der Borussia so schnell erfolgreich sein könnte. Aber entschieden ist die Meister-Jagd natürlich noch nicht, doch die Äußerungen sind deutliche Zeichen für die Zukunft. Die Bayern glaubten nach Beendigung der Herbstkrise immer an ihre Chance und demonstrieren jetzt mit ihrer Leistung, die alten Bayern sind wieder da. Trainer Niko Kovac kann sich dabei als einer der Gewinner fühlen. Andererseits scheint es, als wären die Dortmunder froh, dass sie nicht mehr die Gejagten sind. Sie bekamen das große Zittern und hören sich jetzt plötzlich selbstbewusster an in der bekannten Rolle des Jägers: „Das hat noch nichts zu sagen“, machte sich Borussia-Kapitän Marco Reus auf Platz zwei selbst Mut. Fehlen ja auch nur zwei Tore. Alles schaut auf das große Duell am 6. April in München.

Im Abstiegskampf versuchen es die fünf Kandidaten vor allem mit Kampfgeist und Defensivtaktik. Notfalls mit einer Quittung für die Spieler, nur wer kämpft, darf spielen. Am erfolgreichsten ist dabei der FC Augsburg, der nach seinem Sieg gegen Dortmund nun auch CL-Anwärter Leipzig einen Punkt abtrotzte. Stuttgart versuchte ähnliches in Dortmund, wo Trainer Lucien Favre klagte, „die haben einen Bus vor dem Tor geparkt“. Am Ende durfte er sich doch freuen, weil seine Mannen den Riegel knackten. Ähnliches bei Schalke, Hannover und Nürnberg, mit Pech schrammten sie gegen Bremen, Leverkusen und Hoffenheim an Punktgewinnen vorbei. Nichts Neues also, auch in Sachen Konsequenzen, so arbeiten die Trainer Tedesco, Weinzierl und wohl auch Baum von Woche zu Woche unter Bewährung. Von besonderer Brisanz dabei das Duell Augsburg – Hannover am Samstag, der FCA könnte mit einem Sieg Hannover in den Abgrund stürzen. Dort hat ja sogar Vereinsboss Martin Kind erkannt, „die Mannschaft ist kaputt“. Der Boss selbst und Manager Horst Heldt sind dabei die Hauptschuldigen.

Wachablösung in der Champions League

In der Champions League (CL) steht die zweite Woche des Achtelfinals an, doch die Wachablösung hat bereits stattgefunden. Mit Paukenschlägen wurde das Achtelfinale eröffnet, vor allem Ajax Amsterdam verzauberte und erstaunte die Fußball-Welt. Wenn Joachim Löw von den jungen Wilden träumt, dann hat sie Ajax bereits und die spielten Titelverteidiger Real Madrid buchstäblich an die Wand. Ajax träumt von alten Zeiten, bei Real sind die guten Zeiten vorbei, in der Saison verspielten die „Königlichen“ alles, Champions League, Meisterschaft und nationalen Pokal. Trainer Zinedine Zidane wusste offensichtlich, warum er gegangen ist. Das zweite Desaster erlebte Paris St. Germain, das nach einem 2:0 im Hinspiel nun gegen Manchester United in Paris eine 1:3-Pleite erlebte. Dabei trat Manchester so ungefähr mit einer Notelf an. Peinlich für Thomas Tuchel und Co. Keine Ehre für die Bundesliga legte auch Borussia Dortmund ein, das gegen Tottenham beim 0:3 und 0:1 nicht einmal einen Treffer zustande brachte. Englands Team sind auf dem Vormarsch.

Manchester City wird wohl gegen das gebeutelte Schalke nach dem 3:2 im Hinspiel der nächste Klub der Premier League sein, der im Viertelfinale vertreten ist. Ja, und dann fehlt nur noch der FC Liverpool. Wird er wirklich fehlen? Bayern München stellt die letzte Hürde da und der Vergleich hat quasi an Bedeutung noch einmal zugelegt. Beide Klubs gewannen ihre Generalprobe, die Bayern überzeugten beim 0:0 im Hinspiel mit großem Kampfgeist, doch jetzt ist auch Spielkunst gefragt. Kimmich und Müller sind gesperrt, dagegen kann Trainer Jürgen Klopp auf Abwehrchef Virgil van Dijk, der mit seiner Kopfballstärke auch eine Gefahr für das Bayern-Tor ist, zurückgreifen. Ein 0:0 wird es kaum noch einmal geben, was bedeutet, dass die Bayern wohl sogar mehr als einen Treffer erzielen müssen. Die Bayern hoffen wieder auf Alaba und Coman und den Schwung als Tabellenführer. Die Frage wird sein: Wer hat die bessere Tagesform? Schade für die Fußball-Fans, dass die CL im Pay-TV verschwunden ist. Hoffentlich gibt es bei den nächsten Verhandlungen über die Fernsehverträge ein Umdenken der Verantwortlichen.

Narren haben an der Bundesliga ihre Freude

Zur Hochzeit des Karnevals oder Fasching ließ sich die Fußball-Bundesliga am Wochenende nicht lumpen. Sie haute auf die Pauke, lieferte Turbulenzen, manche Klubs spielten den Clown, es gab ein Durcheinander und am Schluss da und dort den entsprechenden Kater. Das Geschehen war teilweise verrückt, die Narren konnten an der Bundesliga ihre Freude haben. Keine Freude dagegen im Pott mit Dortmund und Schalke – dort herrscht Alarmstimmung.

Den Paukenschlag Nummer 1 lieferte bereits am „rußigen Freitag“ der FC Augsburg, der Tabellenführer Borussia Dortmund mit 2:1 schwarz machte. Es war ein besonderes Erlebnis, mit einer Wiederauferstehung des Abstiegskandidaten, der nach einer willenlosen Leistung in Freiburg und der 1:5-Schlappe alles in die Waagschale legte, was ihn bisher in der Bundesliga hielt: Kampfgeist, taktische Disziplin und erfolgreiche Konter. Es bedurfte dazu natürlich auch eines überragenden Torhüters Gregor Kobel und eines eiskalten Torjägers Dong-Won Ji, der mit einem Weltklassetor die Borussia düpierte. Die Augsburger waren laufstark (11 Kilometer mehr als Dortmund), die Borussia offensichtlich zu grün.

Bayern München darf sich beim Nachbarn bedanken und nutzte die Gunst der Stunde mit einem 5:1 bei der schwächelnden Borussia in Mönchengladbach. Der Name Borussia bürgt derzeit für eine Krise. Gladbach kann dabei weniger verspielen als die Dortmunder, die ja schon mit neun Punkten Vorsprung ihre Hand fast an der Meisterschale hatten. Doch der Wind hat sich gedreht. Lief im Herbst alles gegen die Bayern (auch Schiedsrichter-Entscheidungen), so läuft jetzt alles für sie. Beim 1:0 in Gladbach hätte Referee Zwayer auch auf Foul vom Torschützen Martinez entscheiden können, er tat es nicht, entschied im Zweifel (50:50) für den Angreifer. Also, jetzt läuft es wieder bei den Bayern. In Dortmund wächst dagegen der Frust, der Ton wird schärfer und es kommt die Bewährungsprobe für Trainer Lucien Favre. Ist der oft zweifelnde Schweizer in der Lage die Krise zu meistern? Vor Problemen lief er in der Vergangenheit oft davon. Jetzt sind auch Dortmunds Bosse gefragt.

Karneval an Rhein und Main, Alarmstimmung im Pott. Bei Schalke 04 ist Boss Clemens Tönnies noch mehr gefordert als Kollege Watzke in Dortmund. Das 04 stand sinnbildlich für die peinliche 0:4-Niederlage gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Ohne Gegenwehr ergab sich Schalke, kein Aufbäumen, kein Kampf, nichts. Die Spieler agierten, als wären sie die Nacht vorher beim Karneval gewesen. Der Manager machte schon den Abflug, Trainer Domenico Tedesco wird wohl folgen. Doch der neue Sportvorstand Jochen Schneider ist erst ab 14. März offiziell im Amt. Dann muss er aufräumen, ein Neuanfang am Ende der Saison ist aber fast nicht machbar. Schalke in Not, sogar der Abstieg droht. Bisher weist die Bilanz die schlechteste Saison seit 26 Jahren aus.

Der Abstieg droht – das gilt noch mehr für den 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Die Nürnberger konnten nach dem 0:1 gegen Leipzig wenigstens erhobenen Kopfes vom Platz gehen. Sie mussten erkennen, dass im Abstiegskampf eben auch das Glück fehlt, so beim Elfmeter-Fehlschuss, der eine Wende hätte bringen könnte. Bei Hannover fehlte dagegen alles (siehe Schalke). Der neue Trainer Thomas Doll ist frustriert: „So hatte ich mir das nicht vorgestellt.“ Die Stuttgarter hatten sich das beim 5:1-Sieg dagegen genauso vorgestellt: Gomez trifft wieder, das Spiel passt wieder, das Punktekonto steigt. Trainer Markus Weinzierl hat offensichtlich die Wende geschafft und kann wieder ruhiger schlafen.

Die Augsburger konnten sich am Sonntag noch einmal zum Sensationssieg beglückwünschen, denn ohne die drei Punkte wären sie jetzt auf den Relegationsplatz abgerutscht. Es sieht ganz nach einem Dreikampf von Schalke, Augsburg und Stuttgart gegen Rang 16 aus. Nachteil VfB, er muss noch bei beiden Konkurrenten antreten, in Augsburg am 30. Spieltag und auf Schalke ausgerechnet am letzten Spieltag. Der große Showdown wäre reizvoll wie Karneval oder Fasching. Für Markus Weinzierl eine besondere Konstellation, der Stuttgarter Trainer war zuvor bekanntlich in Augsburg erfolgreich und auf Schalke weniger erfolgreich tätig. Und jetzt erfolgreich in Stuttgart? Wie auch immer, für einen der drei Klubs gibt es im Mai noch eine Fastenzeit, wenn man Nürnberg und Hannover schon abschreibt.

Eine Fastenzeit für die Fußball-Fans gibt es nach dem Faschingsdienstag nicht, ganz im Gegenteil, Europas Wettbewerbe stehen wieder im Mittelpunkt. Glücklich wird man in Dortmund nicht sein, dass es gerade jetzt gegen Tottenham ums Überleben in der Champions League geht. Ein 0:3 ist schwer aufzuholen, aber wie es geht, Unmögliches möglich zu machen, bekam Dortmund ja von den Augsburgern gezeigt. Auf Europas Bühnen ging es ebenfalls ein bisschen verrückt und turbulent zu. So zum Beispiel in Spanien, als Barcelona im Pokal mit 3:0 und in der Meisterschaft mit 1:0 zweimal in wenigen Tagen bei Real Madrid gewann. Da zweifelt man beim Titelverteidiger schon, ob das 2:1 gegen Ajax Amsterdam aus dem Hinspiel reicht, zumal Kapitän Ramos ein Eigentor fabrizierte. Er provozierte im Hinspiel eine Gelbe Karte, weil er dachte, das Fehlen gegen Ajax würde nicht ins Gewicht fallen, doch weil er damit prahlte, wurde er gleich für noch ein Spiel gesperrt.

Eine Woche später ist erst Bayern München gegen den FC Liverpool zum Rückspiel dran. Noch eine Verschnaufpause vor allem für Jürgen Klopp bei den „Reds“, denn es will nicht mehr so richtig laufen. Wieder ein 0:0 im Lokalderby gegen Everton, zweimal auswärts jetzt ohne Tor, Manchester City (nach einem 1:0 in ‚Bournemouth) zog vorbei. Auch Klopp hatte schon mal sieben Punkte Vorsprung vor Pep Guardiolas Team. Da ist Dortmund ja noch besser dran, ist noch Tabellenführer mit zwei Toren Vorsprung. Doch die Zeichen stehen auf Wechsel, „wir haben das Momentum auf unserer Seite“, betonte Thomas Müller, der wieder einmal von Anfang an ran durfte und sich als „Comebacker des Tages“ bezeichnete. Es könnte wirklich eine bittere Fastenzeit für Dortmund werden.

Der Spaß ist vorbei, jetzt geht es nur noch ums Überleben

In der ersten Saison-Hälfte wurde die Bundesliga noch gelobt, als die Mannschaften erfrischenden Fußball zeigten, die Spielkultur im Vordergrund stand und die Spiele teilweise eine Qualität erreichten, die man der einstigen Rumpelliga gar nicht zugetraut hatte. Doch heute sieht es wieder anders aus. Der Spaß ist vorbei, für die Klubs geht es nur noch ums Überleben, da heiligt der Zweck die Mittel und die Mittel sind folgende: Hinten dicht und vorne hilft der Zufall. Der Kampf steht im Vordergrund, nicht die Spielkultur.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Die Ausnahme war zum Beispiel die Partie Dortmund gegen Leverkusen, ein wirkliches Spitzenspiel mit offenem Visier. Wer zur gleichen Zeit auf DAZN das Finale im englischen Liga-Cup zwischen Chelsea London und Manchester City verfolgte, der schaltete gern wieder um auf die Bundesliga. 3:2 und offenes Visier hier, ein 0:0 nach sogar 120 Minuten und ein verzweifelter Abwehrkampf von Chelsea dort (zum Glück gewann City im Elfmeterschießen, City und Trainer Pep Guardiola freuen sich über den ersten von vier möglichen Titeln). Vorteil Bundesliga also!

Selbst der FC Bayern München griff zum Rezept des Kampfes, wurde dafür allerdings für das 0:0 in Liverpool gelobt. Ein heroischer Kampf um jeden Zentimeter Rasen – wer hatte dies den verwöhnten Millionären von der Isar schon zugetraut. Das Kovac-Rezept war erfolgreich und wurde auch beim mageren 1:0 gegen Angstgegner Hertha BSC Berlin deutlich: Einsatz vor Spielkultur, die allerdings vermisst wird. Der Trainer nannte selbst das Ziel: „Wir wollen gewinnen, egal wie.“ Bayerns „Spieler der Woche“ war der Spanier Javi Martinez. Er galt schon als Verkaufsobjekt, jetzt war er der Turm in der Schlacht von Liverpool und Matchwinner mit seinem Kopfballtor gegen Hertha. Martinez sollte eigentlich unverkäuflich sein, er ist eine Art von Maskottchen, mit ihm im Team befinden sich die Bayern auf der Erfolgsspur. Auf ein anderes Maskottchen müssen sie wieder mal verzichten, Flügelflitzer Coman hat sich schon wieder verletzt. Diesmal ist es ein Muskelfaserriss, seine Knochen, Sehnen und Muskeln sind wohl zu schwach für den Profi-Sport.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß kündigte unabhängig davon jedoch glänzende Zeiten für die Bayern an, die Leute würden sich über die Neuverpflichtungen noch wundern. Wundern kann man sich aber auch über Hoeneß, er verfällt immer wieder ins alte Leid und trumpft mit großen Sprüchen auf. Mal sehen, ob der Umbruch wirklich gelingt und der einstige Torwart-Titan Oliver Kahn ein würdiger Nachfolger für das Gespann Rummenigge/Hoeneß wird.

Zunächst mal Vorsicht: Das 0:0 in Liverpool ist trügerisch, ein 1:1 in München bedeutet das Aus, Leverkusens Ausscheiden in der Europa League gegen Krasnodar ist da die Warnung, eben mit einem 0:0 auswärts und 1:1 zu Hause. Auch in der Bundesliga mussten die Bayern einen Rückschlag hinnehmen, in der Form, da Dortmund humorlos, aber stark seine Mini-Krise von fünf Spielen ohne Sieg mit dem 3:2 gegen Leverkusen beendet hat. Und das ohne Kapitän Marco Reus, der bald wieder mitmischen will. Dafür aber wieder mit den jungen Abwehrrecken Akanji und Zagadou, die ähnlich wichtig scheinen. Dortmund will sich den Bayern also nicht ergeben. Was kommt da auf uns zu? Ein bisschen Spaß.

Am Tabellenende sieht es allerdings so aus, als wollten sich die Abstiegskandidaten dem Rest der Liga ergeben. Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg zeigen teilweise Leistungen, die eines Bundesliga-Klubs eigentlich unwürdig sind. Die Plätze am Tabellenende werden wohl in den Duellen untereinander ausgespielt, am Ende könnten vielleicht sogar 25 Punkte zum Klassenerhalt reichen. Den direkten Duellen kommt also besondere Bedeutung zu, Nürnberg und Hannover haben diese schon beendet, bezeichnend, jeder siegte zu Hause mit 2:0. Am Sonntag folgt das nächste, Stuttgart erwartet Hannover. Der VfB machte zuletzt den Eindruck, als sollte es bergauf gehen, doch Tatsache sind acht Spiele ohne Sieg. Gelingt der diesmal, erstickt er gleichzeitig die Hoffnungen der Niedersachsen und bringt dort Trainer Thomas Doll in Erklärungsnot.

Einen desolaten Eindruck machte vor allem der FC Augsburg, der sich beim 1:5 in Freiburg buchstäblich ergab. Was war los im Team, das sich im Spiel zuvor beim 2:3 gegen die Bayern beachtlich aus der Affäre zog? Klar, die Verletzungsprobleme wurden deutlich, doch das entschuldigt mangelnden Einsatz nicht. Abstiegskampf? Fehlanzeige. Da brennt der Baum, der Stuhl des Trainers wackelt und die nächsten Niederlagen sind programmiert, die Gegner heißen Dortmund und Leipzig. Und dann kommt Hannover. Ob da die Moral noch in Ordnung ist? Nürnberg wiederum schwächte sich in Düsseldorf selbst. Nach vier Minuten ein dummer Platzverweis, dann ein unglückliches Eigentor – typischer Rückschlag für einen Abstiegskandidaten. Mit-Aufsteiger Düsseldorf ist dagegen keiner mehr.

Vom Tabellenende ist es nicht weit zur Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Dort erlebten die selbsternannten „Muss-Aufsteiger“ Hamburg und Köln konträre Spiele. Der HSV schwächte sich bei der 1:2-Niederlage in Regensburg mit zwei Platzverweisen selbst, der 1. FC Köln feierte Rückkehrer Anthony Modeste. Er kam, schoss, siegte und heulte. Als Joker brachte er mit zwei Treffern die Wende gegen Sandhausen und stellte fest: In Köln ist es mit weniger Geld viel schöner als in China mit vollen Taschen.

Einen Paukenschlag lieferte Manager Christian Heidel bei Schalke 04. Er kündigte seinen Abgang spätestens zum Saisonende an, löst seinen Vertrag, der bis 2020 terminiert war, vorzeitig auf. Heidel zog die Konsequenz nach einer missglückten Manager-Zeit. Er verbrannte auf Schalke buchstäblich Geld, verkaufte zwar Talente für viel Geld, holte aber für noch mehr Geld mit einem Minus von rund 50 Millionen Euro keinen einzigen wirklichen Leistungsträger. Angesichts der Leistungen in diesem Jahr muss die Vizemeisterschaft der letzten Saison immer noch Wunder angesehen werden. Doch Wunder gibt es nicht immer wieder.

In dieser Woche heißt es im Fußball mal Durchschnaufen, kein Pokal, keine Spiele auf Europas Bühne, viele Trainer gaben ihren Schützlingen gleich zwei Tage frei. Vielleicht sorgen freie Köpfe wieder für frischen Schwung, bessere Leistungen und Erfolge. Dann heißt es erneut „ein bisschen Spaß muss sein“.

Die Stunde der Wahrheit für die Bayern

Die einen nennen es das „Spiel des Jahres“, die anderen rätseln „Wie stark ist der FC Bayern wirklich?“, aber eines ist gewiss: Am Dienstag kommt „Die Stunde der Wahrheit“ für den FC Bayern München. Gegner ist der FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League und die ganze deutsche Fußball-Nation steht hinter den eigentlich ob ihres Erfolges und oft großspurigen Auftretens eigentlich ungeliebten Bayern. Aber sie sind – wieder einmal – der einzige Hoffnungsträger der Bundesliga in der Champions League (CL).

Nach der Auslosung des CL-Achtelfinals richteten sich alle Augen auf das Duell England – Deutschland (auch hier hieß es am 2. Februar „Der Zweikampf England – Deutschland steht im Mittelpunkt“). Jetzt ist das erste Duell vorbei und Fußball-Deutschland enttäuscht, den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund erhielt bei den Tottenham Hotspur eine Lehrstunde erteilt und steht nach dem 0:3 unmittelbar vor dem Aus. Eigentlich galten die Favre-Schützlinge als größter deutscher Hoffnungsträger, aber die großartige Frühform der Saison ist verflogen, dafür schmerzt das Verletzungspech. Jetzt müssen die Bayern wieder die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen, wobei die Chancen gegen den Tabellenführer in England allenfalls als 50:50 eingeschätzt werden. Immerhin: Alles ist möglich.

Eins ist klar: Von den beiden Kontrahenten könnte jeder am Ende auch im Endspiel am 1. Juni in Madrid stehen. In Höchstform zeigten sich zuletzt beide Teams nicht, auch hier spielt das Verletzungspech eine große Rolle. Trainer Jürgen Klopp hat beim FC Liverpool vor allem Abwehrsorgen, Abwehrchef van Dijk fehlt ebenso wie sein stärkster Nebenmann Lovren und der nächste in der Rangliste, Joe Gomez. Ein Dilemma, das den Ex-Schalker Joel Matip in die Mannschaft spült. Also heißt es wieder einmal: Angriff ist die beste Verteidigung, der Super-Sturm mit Afrikas Fußballer des Jahres Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane muss es richten. Ein Sonderfall: Da Liverpool in den nationalen Pokalwettbewerben frühzeitig ausgeschieden ist, hatte die Mannschaft jetzt zehn Tage Pause. Klopp nutzte sie zu einem Trainingslager in Spanien. Vorteil (ausgeruht) oder Nachteil (kein Spielrhythmus) wird sich zeigen. Von müden Engländern vom Liga-Stress sollte aber keine Rede sein.

Abwehrprobleme plagen auch die Bayern. Immerhin ist Stammtorhüter Manuel Neuer wieder an Bord, aber Jerome Boateng wird wegen Magenproblemen fehlen. Er ist zusammen mit Mats Hummels laut Statistik Bayerns stabilste Innenverteidigung. Aber von stabil kann bei den Münchnern eigentlich nicht die Rede sein, denn sie kassieren ungewöhnlich viele Gegentore, zeigen sich vor allem als konteranfällig und könnten deshalb für die schnellen Liverpooler Stürmer ein gefundenes Fressen darstellen. Vorteil Klopp also, es sei denn, Bayern-Trainer Niko Kovac besteht seine Meisterprüfung und schafft es, die offenen Reihen dicht zu bekommen. Kovac in der Rolle des Klempners. Übrigens: Bei einer Umfrage des kicker sagt die Mehrheit der Leser (56,9 Prozent), dass die Bayern nicht weiterkommen.

Bei der Frage des Weiterkommens von Schalke 04 sagen sogar 88,4 Prozent „Nein“. Ist auch logisch, heißt doch der Gegner Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Dessen Mannschaften beeindrucken besonders mit Spielkultur. Der Trainer bei Schalke heißt Domenico Tedesco, der Schalke im Vorjahr mit Defensiv-Disziplin zur Vizemeisterschaft führte, in diesem Jahr aber eher an den Abgrund. Bei Schalke fehlt quasi alles, ein Gegner auf Augenhöhe wird der Bundesligist nicht sein. Abwehrbeton gegen Spielkunst ist wohl die Losung und die Schalker Fans werden sich eher an Leroy Sane erfreuen, wenn denn ihr alter (junger) Liebling von Pep auch aufgestellt wird.

Die Bayern wollen alle Rekorde

Und da sind wir auch wieder bei der Bundesliga. Die Bayern wollen offensichtlich alle Rekorde, selbst wenn er negativ ist. Leon Goretzka traf beim mühsamen 3:2-Sieg in Augsburg nach 13 Sekunden ins eigene Netz und schaffte damit das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Es gibt allerdings Rekorde, die werden für die Bayern unerreichbar sein. Oder ist es denkbar, dass zum Beispiel Franck Ribery mit über 40 noch für die Bayern wirbelt? Mit Blick auf „Oldie“ Claudio Pizarro können die Bayern wenigstens darauf verweisen, dass der Peruaner auch für sie spielte. Der Stürmer ist aber wirklich ein Phänomen, netzte in Berlin glücklich ein und ist jetzt mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und es wird wohl nicht das letzte Tor gewesen sein, vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran. Noch ist er wertvoll für Werder Bremen. Noch ein Rekord: Pizarro traf von 1999 bis 2019 in allen 21 Kalenderjahren.

Ansonsten machte die Bundesliga zuletzt Schlagzeilen, weil sie nach dem Skifliegen in Oberstdorf eine eigene Flugwoche veranstaltete. Neben Trainern fliegen neuerdings auch die Sportdirektoren. Nach dem VfB Stuttgart räumte auch der 1. FC Nürnberg auf, entließ gleich Trainer Michael Köllner und Sportvorstand Andreas Bornemann. Bleibt im Abstiegskampf nur noch Augsburgs Trainer Manuel Baum als einziger im Amt. Zusammen mit Kollegen Markus Weinzierl, der ja in Stuttgart schon als „Retter“ geholt wurde, muss er von Woche zu Woche schauen, wie die Leistungen bewertet werden. Schwere Aufgaben stehen für Baum in Freiburg und Weinzierl in Bremen bevor. Was passiert bei Niederlagen?

Thema des Spieltags: Was passiert bei Handspielen? Die werden immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, keiner kennt sich mehr aus. Schlimm: Spieler, Trainer und Fans haben die Eindruck, auch Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter kennen sich nicht mehr aus. Wie bei Handspielen geurteilt wird, ist zum reinen Glücksspiel geworden. Ob der Fußball so bald zu einem verbotenen Glücksspiel wird?

Noch einmal zurück zum FC Bayern München. Sollten die Profis in diesem Jahr tatsächlich ohne Titel bleiben, dann gibt es im Verein vielleicht noch einen kleinen Trost. Die Frauen haben am Sonntag das Spitzenspiel gegen den eigentlich übermächtigen VfL Wolfsburg glücklich mit 4:2 gewonnen und haben nach Punkten aufgeschlossen. Was das Ergebnis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Statistik: Wolfsburg erlitt die erste Saisonniederlage und hatte bis dahin nur fünf Gegentreffer in 13 Spielen hinnehmen müssen und das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen!

Die Frauen könnten also Bayern einen Titel bescheren, ebenso die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Süd auf Platz eins liegt und endlich in die 3. Liga aufsteigen will. Bayern-Präsident Uli Hoeneß wäre glücklich, wenn die Basketballer wieder die Meisterschaft wieder nach München holen würden. Diese führen die Bundesliga klar an, aber es gibt ja Play-Offs. Eine Entscheidungsrunde, die alles wieder auf „Null“ stellt und die viele sich deshalb in den letzten Jahren auch für die Fußball-Bundesliga wünschten. Doch in diesem Jahr hat ja Borussia Dortmund eine andere Antwort gegeben. Wie auch immer, ganz leer ausgehen werden die Bayern vielleicht doch nicht.

Der neue Mut der Bundesliga

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jahrelang haben Trainer und Spieler geklagt, jahrelang haben sie Fans und Medien (auch der Sport-Grantler) dafür gescholten, doch jetzt ist offensichtlich ein Bewusstseinwandel eingetreten: Bei den Klubs der Fußball-Bundesliga ist im Hinblick auf die Wettbewerbe auf Europas Bühne nicht mehr von einer das Abschneiden in der Liga gefährdenden Mehrbelastung die Rede, sondern davon, dass die Teilnahme an Champions League und Europa League ein Gewinn sei. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Was steckt hinter dem neuen Mut der Bundesliga?

Vielleicht ganz einfach: Irgendwann nimmt halt jeder mal Vernunft an. Vielleicht öffneten aber auch die Handballer mit ihrer stressigen und bejubelten Weltmeisterschaft ein bisschen die Augen, denn gegenüber dieser Belastung mussten die Fußball-Profis endgültig erkennen, „eigentlich haben wir ein schönes Leben“. Was die Kritiker schon immer betonten: Für ein paar Millionen darf man sich auch ein bisschen quälen. Hoffentlich ist jetzt wirklich Schluss mit dem Gejammer und die Mehrheit nimmt sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt zum Vorbild: „Wir wollen in der Europa League erfolgreich sein“, heißt es dort. Der neue Mut. Zuletzt hatten sich die Bundesligisten gerade in der Europa League eher blamiert, Im Vorjahr schieden die deutschen Teilnehmer Hoffenheim, Hertha BSC und Köln alle in der Gruppenphase aus. Seit 2009 heißt der frühere Messepokal und später UEFA-Cup Europa League und seitdem war keine deutsche Mannschaft im Finale. Der letzte deutsche Sieger war 1997 Schalke 04 als Gewinner des UEFA-Cups (es waren die noch heute gefeierten „Eurofighter“, 1996 siegte Bayern München). Also auf zu neuen Erfolgen.

Die diesjährigen deutschen Vertreter Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zeigen sich ehrgeizig und sie beweisen in der Bundesliga (derzeit vor allem das von Trainer Bosz neu erweckte Leverkusen) durchaus gute Form. Zunächst müssen sie am Donnerstag auswärts ran, Leverkusen bei FK Krasnodar, Frankfurt bei Schachtar Donezk (Rückspiele am 21. Februar). Starke, aber keine unüberwindbaren Gegner. Mit Erfolgen könnten die Klubs den Vertretern in der Champions League den Rang ablaufen, denn ob es dort einen deutschen Vertreter im Viertelfinale gibt, steht in den Sternen.

Dortmund macht am Mittwoch im deutsch-englischen Duell in London den Anfang gegen Tottenham Hotspur (lesen Sie auch den nächsten Kommentar zur CL „Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League“). Da passt es eigentlich nicht, dass der Tabellenführer in dieser Woche sieglos blieb und im Pokal gegen Werder Bremen in einem kläglichen Elfmeterschießen ausschied. Dennoch macht Torhüter Roman Bürki auf Zuversicht: „Uns sind keine Grenzen gesetzt“. Zunächst einmal könnte sie Tottenham schon aufzeigen. Beide Teams vermissen übrigens Galionsfiguren: Bei Tottenham fehlt wohl (neben Dele Alli) Torjäger Harry Kane, die Borussen müssen auf Kapitän Marco Reus verzichten, während Trainer Lucien Favre wieder fit sein wird. Tottenham gelang übrigens die Generalprobe mit einem 3:1 gegen Leicester, während Dortmund gegen Hoffenheim bekanntlich einen 3:0-Vorsprung aus der Hand gab. Kein gutes Zeichen. Kommt die erste Schwächephase genau zum falschen Zeitpunkt?

In der Champions League schauen die Beobachter außerhalb Deutschlands aber nicht auf den Vergleich in London, sondern nach Manchester. Da duelliert sich United mit Paris St. Germain. Im Mittelpunkt stehen die Trainer. Da der Norweger Ole Gunnar Solskjaer, der United nach dem Abgang von Jose Mourinho wiederbelebt hat, dort der Deutsche Thomas Tuchel, Hoffnungsträger der Scheichs aus Katar, die endlich den Henkelpott in den Händen halten wollen. Allerdings wird die Hoffnung durch eine Verletzungsmisere getrübt, neben Star Neymar fällt jetzt auch noch Torjäger Cavani aus. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt kaum sein. Da ist der Trainer doppelt gefordert.

Die deutschen Fernsehzuschauer schauen im Free-TV bekanntlich in die Röhre. Mit dem Verkauf der CL ins Pay-TV hat der Fußball den gleichen Fehler wie viele andere Sportarten gemacht, wer im Pay-TV verschwindet, büßt auch an Bedeutung und Interesse ein. Nicht schön für den übertragenden Hauptsender Sky: Obwohl es kein Spiel mehr im ZDF gibt, wie in den letzten Jahren, sind die Einschaltquoten nicht wesentlich gestiegen. Dies sollte auch den CL-Machern zu Denken geben!

Bayerns schönes Wochenende

In der Bundesliga schielen die Klubs schon wieder auf Europa – für die neue Saison. Eine Aufholjagd gestartet hat Bayer Leverkusen, das nach dem 5:1 in Mainz mit Rang sechs erstmals wieder einen Platz für Europa belegt. Ziel bleibt die Champions League, doch da wollen neben den Favoriten Dortmund und München auch Gladbach und Leipzig oben bleiben. Einen Rückschlag musste allerdings Gladbach beim 0:3 gegen Hertha hinnehmen, so waren die Bayern der große Gewinner. Ein schönes Wochenende, gekrönt mit dem 3:1 gegen Schalke und einem gnädigen Pokal-Los gegen den Zweitligisten FC Heidenheim. Wieder auf Platz zwei und den Rückstand auf Dortmund auf fünf Zähler verkürzt. Der 3:2-Erfolg im Pokal in Berlin nach Verlängerung dürfte zudem die Zuversicht gestärkt haben. Doch ein Problem bleibt: Die Bayern bekommen die Abwehr nicht mehr dicht, sind zu anfällig gegen Konter. Das könnte gegen Liverpool tödlich sein.

Die Klubs am Tabellenende haben da allerdings ganz andere Probleme. Wenn man so will, dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit dem 3:0 gegen Stuttgart für eine Vorentscheidung gesorgt. Die zwei Absteiger und die Relegation machen nach Lage der Dinge das neue Schlusslicht Nürnberg (spielte auch wie ein Absteiger), Hannover (wie ist das 2:0 gegen Nürnberg einzuordnen?), Stuttgart (peinlich in Düsseldorf) und Augsburg (peinlich beim 0:4 in Bremen) unter sich aus. Hannover zum Beispiel hat schon acht Punkte Rückstand auf Schalke auf Rang 14. Am Wochenende werden die Kellerkinder kaum Punkte erwarten dürfen, Augsburg gegen die Bayern, Stuttgart gegen Leipzig, Hannover in Hoffenheim und Nürnberg gegen Dortmund stehen alle vor hohen Hürden. Wie tröstet sich VfB-Sportchef Michael Reschke: „Es sind ja noch 13 Spiele.“ Deshalb bleibt auch der angeschlagene Trainer Markus Weinzierl weiter im Amt. Wohl auch, weil für einen Nachfolger die Aufgabe gegen Leipzig einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Angeblich steht Markus Gisdol schon auf der Warteliste. Retten wird sich am Ende der Verein, der den Abstiegskampf am besten annimmt und wo Mannschaft und Trainer an einem Strang ziehen. Einen Kandidaten Nummer 1 gibt es bei diesen Kriterien derzeit nicht!

Das Viertelfinale im DFB-Pokal: Schalke 04 – Werder Bremen, FC Augsburg – RB Leipzig, Bayern München – FC Heidenheim, SC Paderborn – Hamburger SV. Gespielt wird am 2. und 3. April.

Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League

Der Wintersport macht derzeit mit zahlreichen Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam, die Handballer sonnten sich bei ihrer WM im Licht der Öffentlichkeit, doch in den nächsten Wochen wird wieder der Fußball die Schlagzeilen bestimmen. Die besten Vereine Europas rüsten sich für die entscheidende Phase im Kampf um die Pokale. Der Februar und März gehören der Champions League (CL) und der Europa League (EL). Für Fernsehsender und Sponsoren hat die UEFA für das CL-Achtelfinale einen Gummi-Terminplan über mehrere Wochen erstellt (12. Februar bis 13. März). Im Mittelpunkt dabei der Zweikampf zwischen England und Deutschland.

Es war schon ein seltsames Los, dass alle drei deutschen Teilnehmer am Achtelfinale einen englischen Gegner erhielten. Das elektrisierte auch die Medien, so liefert die Fachpresse über Wochen hinweg schon Erinnerungen an die Duelle zwischen England und Deutschland. Doch die Gegenwart zählt, wenn auch die Engländer sicherlich gerne darauf verweisen, dass ihre Klubs bereits zwölf Titel in Europas Königsklasse holten, die Deutschen dagegen nur sieben (Bayern München 1974, 1975, 1976, 2001, 2013, Hamburger SV 1983, Borussia Dortmund 1997). Erster englischer Sieger war Manchester United 1968. Die Duelle werden aber auch befeuert durch die Diskussionen, wer nun die beste Liga in Europa sei. England kann als Trumpf das viele Geld vorweisen, die Deutschen verweisen auf die gute Stimmung in den Stadien und daneben muckt Spanien auf: „Eigentlich sind wir am erfolgreichsten“. Nach Bayerns Triumph 2013 siegten nur Spanier. Vor allem Real Madrid mit dem Hattrick von 2016 bis 2018 (dazu Sieg 2014) bestimmte zuletzt das Geschehen, aber der FC Barcelona als Sieger von 2015 gehört ebenfalls immer zu den Favoriten. Wer also aus England oder Deutschland kann die Spanier stoppen?

Am meisten wird Englands Meister Manchester City genannt, aber die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola hat sich zuletzt nicht unbedingt in Bestform präsentiert. Wie überhaupt fast alle Top-Teams in Europa in den letzten Wochen mit einer Leistungsdelle zu kämpfen hatten. Da stehen ManCity oder eben auch die Bayern nicht allein. Bezeichnend aber, dass die deutschen Klubs gegen die momentan drei besten Teams in England antreten. Der FC Liverpool ist Tabellenführer vor City und den Tottenham Hotspur. Das kann die Bundesliga nicht vorweisen, vor allem Schalke 04 erlebte als Vizemeister einen Absturz und kämpft national eher gegen den Abstieg. Auch die Bayern haben die nicht die Form des Vorjahres. Leichtes Spiel also für Englands Premier-Klubs?

Leicht wollen es die Bundesligisten ihren Gegnern nicht machen. Vor allem das Duell zwischen Liverpool und den Bayern könnte auch ein Endspiel sein, hat vor allem mit dem Deutschen Jürgen Klopp als Trainer der „Reds“ eine besondere Note, denn mit Borussia Dortmund unterlag Klopp bekanntlich 2013 den Münchnern im Finale in Wembley. Den Auftakt macht aber das Duell zwischen Tottenham und Dortmund am Mittwoch, 13. Februar. Es ist das Duell, in dem sich die Bundesliga am meisten ausrechnet, zumal die Spurs auf ihren Torjäger Harry Kane verzichten müssen. Die Frage ist allerdings, ob Dortmunds Himmelsstürmer schon die Reife für solche Aufgaben haben. Immerhin können sie als Meisterprüfung den Gruppensieg vor Atletico Madrid vorweisen, Tottenham kam am FC Barcelona nicht vorbei.

Das ist auch der Trumpf, den die Münchner auf ihrer Seite sehen, dass der FC Liverpool zwar in England imponiert, aber auf Europas Bühne in der Gruppenphase ungewohnte Schwächen zeigte und kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnte! Und die Fans in Liverpool sehnen sich auch mehr nach der Meisterschaft in England (die letzte liegt 19 Jahre zurück) als nach dem Gewinn der Champions League, da gewann man zuletzt 2005. Die CL kann da noch warten. Jürgen Klopp sieht das vielleicht anders, für ihn gilt vor allem: Ein Titel muss her. Als ohne Chance gilt Schalke O4 gegen Manchester City, dennoch kommt Freude in Gelsenkirchen auf. Freude über das Geld, das fließt, Freude über den prominenten Besuch von Pep Guardiola, vor allem Freude über das Wiedersehen mit Talent Leroy Sane, der sich inzwischen in Manchester durchgesetzt hat. Für Schalke gilt das Motto: Wir sind ohne Chance, also nutzen wir sie.

Übrigens verwundern Zahlen, die Sport-Bild im Vorfeld veröffentlichte, denn trotz riesigen Summen aus Fernsehgeldern für die Premier League können die deutschen Spitzenteams in den Gehaltetats durchaus mithalten. Die Zahlen im Vergleich: Liverpool 166 Millionen Euro TV-Geld für die Saison (Bayern 95,8), Liverpool 244 Mill. für Gehälter (Bayern 276 Mill.!). Tottenham 165 Mill. TV-Geld (Dortmund 86,5) und 148 Mill. für Gehälter (Dortmund 140 Mill.). Schalke fällt dagegen ab: ManCity 170 Mill. TV und 334 Mil. für Gehälter, Schalke dagegen 77,9 Mill. TV und „nur“ 92 Mill. für Gehälter. Arm werden die Spieler also in Deutschland auch nicht.

Neben den deutsch-englischen Vergleichen steht vor allem das Duell Manchester United gegen Paris Saint Germain im Blickpunkt. Da der Traditionsverein, der sich gerade sportlich ein bisschen im Tief befindet, allerdings nach der Entlassung von Trainer Mourinho wieder zu besseren Leistungen findet. Dort die Neu-Reichen aus Paris, die mit Geld aus Katar gefüttert werden und deren großer Traum der Gewinn der Champions League ist. Eine Mammutaufgabe für Trainer Thomas Tuchel, zumal ausgerechnet Superstar Neymar ausfällt. Aber auch mit Atletico Madrid und Juventus Turin duellieren sich zwei Mitfavoriten, leichter sollte es der FC Barcelona mit Olympique Lyon haben, aber Achtung, da musste Paris gerade seine erste Saison-Niederlage einstecken.

Das CL-Achtelfinale: Manchester United – Paris St. Germain, AS Rom – FC Porto (beide 12.2./6.3.), Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund, Ajax Amsterdam – Real Madrid (beide 13.2./5.3.), FC Liverpool – Bayern München, Olympique Lyon – FC Barcelona (beide 19.2./13.3.), Schalke 04 – Manchester City, Atletico Madrid – Juventus Turin (beide 20.2./12.3.).

In der Europa League wird erst noch eine Zwischenrunde gespielt, bevor es in das Achtelfinale geht. Mit Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind noch zwei deutsche Vereine dabei, die sogar Finalträume haben und die Bundesliga besser vertreten wollen, als es von anderen Klubs in den letzten Jahren der Fall war. Gespielt wird am 14. und 21. Februar, Leverkusen muss sich mit den Russen von FK Krasnodar auseinandersetzen, Frankfurt mit dem Meister der Ukraine Schachtar Donezk keine leichte Aufgabe. Dem Sieger der Europa League winkt bekanntlich ein Platz in der Champions League, was mehr wert ist als jede Prämie.

Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal

Nicht nur alte Leute träumen oft von früher, auch den Sportlern geht es oft so, „ja früher, da haben wir ganz anders aufgetrumpft“. So geht es jetzt den Bayern, die mit der 1:3-Niederlage in Leverkusen nicht nur einen Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft erlitten, sondern schlimmer noch, sie erleben gleich wieder einen Rückfall in den Krisen-Modus. Vergessen sind sieben Siege in Folge in der Fußball-Bundesliga, es zehrt an den Nerven, dass die Münchner die Vorlage von Tabellenführer Dortmund mit dem 1:1 in Frankfurt nicht nutzten. Statt den Rückstand zu verkürzen wurde er größer. Sogar Gladbach zog auf Rang zwei vorbei. Ja früher, da war das anders, da war es ein Gütesiegel der Bayern, Patzer der Konkurrenz zu nutzen.

Nach sechs Meisterschaften in Folge und dem Gewinn der Champions League 2013 sowie drei Pokal-Triumphen in dieser Zeit muss man sich die Frage stellen: Ist die gute alte Zeit der Bayern vorbei? „Alarmsignale“ sieht die Fachzeitung kicker, „Chaos“ sehen diejenigen, die nicht fachlich urteilen, sondern feixen, dass die Bayern endlich vom Thron gestoßen werden. Und in der Tat deutet nichts darauf hin, dass die Bayern diese Saison erfolgreich abschließen können. Ganz im Gegenteil, wenn es am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin geht, dann steht ein entscheidendes Spiel bevor: Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal.

Was den Bayern besonders weh tut, ist die Tatsache, dass jetzt alles gegen sie läuft, was früher für sie gelaufen ist, Stichwort „Bayern-Dusel“, obwohl es nicht immer Dusel oder Glück war. Thomas Müller brachte es nach dem 1:3 auf den Punkt: „Das Spiel hätte in alle Richtungen ausgehen können, jetzt ist es gegen uns ausgegangen.“ Es läuft gegen die Bayern, mit Manuel Neuer und Thiago fielen zwei Mannschaftsstützen aus, knappe Schiedsrichter-Entscheidungen fielen gegen die Bayern, in der Erfolgsphase war das eben mehr für die Bayern. Dazu kommen selbstverschuldete Fehler, wie ein Treffer gegen Neuer-Vertreter Sven Ulreich in die Torwart-Ecke, oder mangelnde Kompaktheit im Abwehrverhalten.

Mit schnellem Spiel entschied Leverkusen das Spiel für sich, diese Probleme offenbarten die Bayern nicht zum ersten Mal in der Defensive. Ein Schuldiger: Joshua Kimmich enttäuschte erneut im Mittelfeld. Dazu kommen Zweifel an Torjäger Robert Lewandowski auf. Ex-Bayern-Star und heutige TV-Experte Didi Hamann rät: „Verkaufen“. Die Stimmung im Team sei frostig.Da lässt sich nichts Gutes für das große Duell in der Champions League mit dem FC Liverpool erahnen. Bayern im Krisen-Modus ist keine Basis für Erfolg. Trotzig heißt es, „wir müssen eine neue Serie starten“. In Berlin, wo man am 6. Spieltag bekanntlich 0:2 verloren hat, ist ein Sieg Pflicht. Sonst droht ein Jahr ohne Schale oder Pokal!

Chaos-Woche macht Augsburg munter

Vielleicht sollten sich die Bayern den Nachbarn FC Augsburg zum Vorbild nehmen. Der von München bekannte „FC Hollywood“ war diesmal am Lech zu finden, aber das Ergebnis stimmte am Ende, die Chaos-Woche machte Augsburg munter und führte zu einem wichtigen 3:0-Sieg über Mainz. De Aufregung der Woche mündete in Erleichterung und Jubel. Da wurden zwei Spieler suspendiert: Der Brasilianer Caiuby machte schon wochenlang was er wollte, der Österreicher Martin Hinteregger erkannte öffentlich, dass er „beim Trainer nichts Positives finde“. Caiuby trainiert allein, Hinteregger wurde als Belohnung nach Frankfurt ausgeliehen, „stänkerte“ sich also quasi zu einer Verbesserung. Dazu kam Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann überraschend als Co-Trainer, wobei Auguren bereits mutmaßten, dass dies gleichbedeutend mit einer Entmachtung von Coach Manuel Baum ist. Lehmann, ein Querdenker und durchaus auch als Stinkstiefel bekannt, hielt sich zunächst im Hintergrund. Er soll der Mannschaft seine Erfahrung weitergeben, was wohl geholfen hat. Der FCA war wieder eine Mannschaft mit Zusammenhalt und Einsatz. Also: Der FCA ein Vorbild für die Bayern! Wer hätte das jemals gedacht? In zwei Wochen trifft man sich in Augsburg, mal sehen, wer sich wie entwickelt hat…

Die Augsburger taten nach zehn Spielen ohne Sieg einen wichtigen Schritt, aber viele müssen folgen. Der Abstiegsplatz ist für den Tabellen-15. nur sechs Punkte entfernt. Die Konkurrenz dahinter kam jedoch kaum Fleck. Stuttgart verspielte den Sieg gegen Freiburg in letzter Minute und verlor Torjäger Mario Gomez durch Gelb-Rot, Nürnberg freute sich schon über einen Zähler gegen Bremen und gab damit die Rote Laterne an Hannover 96s ab. Dort erlebte der neue Trainer Thomas Doll einen Reinfall als Einstand, er erschrak beim 0:3 gegen Leipzig über seine Mannschaft. Die spielte wie ein Absteiger, aber das dürfte ihn eigentlich nicht überrascht haben. Ironie des Terminplans: Am Samstag treffen sich Hannover und Nürnberg zum Kampf um die Rote Laterne.

Der schnellste Weg zu einem Titel

Für die Bayern mag der DFB-Pokal die letzte Hoffnung sein, für andere Vereine ist er die große Hoffnung. Wie heißt es immer so schön, der Pokalwettbewerb ist der schnellste Weg zu einem Titel. Mit Blick auf das Achtelfinale könnte dies zum Beispiel für Bayer Leverkusen und RB Leipzig gelten, zwei Klubs, die hinter dem Spitzentrio der Bundesliga liegen und den Titel wohl abschreiben müssen. Beide Teams haben am Wochenende beeindruckt, vor allem Leverkusen bekam zum Leidwesen der Bayern durch den neuen Trainer Peter Bosz wirklilch neuen Schwung. Hoffnungen aber auch in Wolfsburg oder sogar in Bremen und Schalke, letztgenannte könnten durch Pokal-Erfolge eine mehr (Schalke) oder weniger (Bremen) verkorkste Saison retten. Und da ist vor allem auch noch Bayern-Gegner Hertha BSC mit dem Traum, endlich einmal als quasi Gastgeber im Pokal-Finale in Berlin auf dem Platz zu stehen. Ergo: Eine Hoffnung platzt am Mittwoch in Berlin.

Das ist das DFB-Pokal-Achtelfinale: Hamburg – Nürnberg, Heidenheim – Leverkusen, Dortmund – Bremen, Duisburg – Paderborn, Leipzig – Wolfsburg, Kiel – Augsburg, Hertha – Bayern, Schalke – Düsseldorf.

Interessant auch der nachfolgende Kommentar über die Alpine Ski-Weltmeisterschaft: Aufgeführt werden „Die Zwei“!

Trauer im Handball – König Fußball regiert jetzt wieder

Der Deutsche Handball erlebte mit der Weltmeisterschaft im eigenen Land ein Wintermärchen, doch das glückliche Ende, das alle hätte strahlen lassen, blieb aus. Der wenigstens kleine Coup fehlte mit der unglücklichen, aber auch selbst verschuldeten 25:26-Niederlage gegen Frankreich im Duell um Bronze. So gab es nicht einmal eine Medaille, dafür herrschte Trauer. Es zeigte sich, dass die Mannschaft um Kapitän Uwe Gensheimer einfach noch zu unerfahren war für die internationale Spitzenklasse. Deutlich wurde das schon früher, als in der Vorrunde gegen Russland und Frankreich ein Vorsprung in den letzten Minuten verspielt wurde. Im Halbfinale gegen Norwegen und im Spiel um Bronze, als es Spitz auf Knopf stand, da wirkte auch Trainer Christian Prokop hilflos. Auch er muss sich mangelnde Erfahrung ankreiden lassen. Gefeiert wurde dagegen bei Co-Gastgeber Dänemark, das ein Märchen mit Krönung erlebte und erstmals Weltmeister wurde. Gespannt sein darf man, ob es dem Deutschen Handball-Bund gelingt, dass WM-Fieber zu einem Aufschwung und langfristigen Imagegewinn zu nutzen. Nächste Chancen aus Deutschland ein Handball-Land zu machen ergeben sich 2020 mit der Europameisterschaft und den Olympischen Spielen in Tokio, vorausgesetzt das DHB-Team qualifiziert sich jeweils.

Das Zepter wird weitergereicht, jetzt regiert wieder König Fußball. Punktgenau geht national und international der große Fußball wieder los, allerdings wird sich die Begeisterung in Deutschland zum Teil in Grenzen halten, weil die Champions League eben ganz im Bezahlfernsehen verschwunden ist. Angeblich will hier das Bundeskartellamt sogar aktiv werden.

Das Interesse an der Bundesliga hat allerdings bisher nicht gelitten, dafür sorgt die Liga mit entsprechenden Schlagzeilen. Wieder einmal Spannung an der Spitze und ein Kampf von vier Sorgenkindern am Tabellenende, dazwischen das Gerangel um die Karten für Europa, da dürfte die Spannung in diesem Jahr bis zum Ende anhalten. Und auch der Videobeweis kam erneut ins Gerede, aber die Diskussionen darüber, ob er immer richtig eingesetzt wird, werden wohl anhalten. Ein Stück mehr Gerechtigkeit bringt er, Klarheit in allen Fällen aber nicht. Bei richtiger Anwendung könnte der Vorteil sicherlich größer sein. Und ob eine Fußspitzen-Entscheidung beim Abseits die richtige Regelung ist, bleibt fraglich.

Typisches Beispiel dafür, das Aufregung provoziert wird, war eine Szene in Mönchengladbach, typisch auch, dass mit dem FC Augsburg ein Abstiegskandidat der Leidtragende war. Beim Gladbacher Führungstreffer machte zwar auch der vorher großartige Torhüter Gregor Kobel eine schlechte Figur, aber entscheidend war, dass Gladbachs Stürmer Lars Stindl im Abseits stand. Von Schiedsrichter Osmers wurde es als passiv gewertet, mit einer Fußbewegung irritierte Stindl aber sowohl Kobel als auch Verteidiger Danso auf der Torlinie, dessen Klärungsversuch deshalb fehlschlug. Der Linienrichter signalisierte Abseits, aber Herr Osmers bemühte nicht einmal den Videobeweis. Dort hätte er klar sehen können, dass das Tor nicht regelkonform gefallen ist. Die Augsburger wiesen süffisant auch darauf hin, dass Herr Osmers ja aus Hannover kommt, der Stadt eines Mitkonkurrenten. Da zeigte auch der DFB wieder einmal wenig Fingerspitzengefühl.

Für die Serie mit jetzt zehn Niederlagen sind die Augsburger allerdings in erster Linie selbst verantwortlich und es grenzt fast schon an ein Wunder, dass sie mit Rang 15 noch nicht einmal einen gefährdeten Platz belegen. Die Zeichen im Verein stehen allerdings auf Sturm, keine guten Voraussetzungen für die Zukunft. Mit der sprichwörtlichen Ruhe, die den FCA in den letzen Jahren ausgezeichnet hatte, ist es vorbei. Der Brasilianer Caiuby ließ aus seiner Heimat verlauten, dass er nicht nach Deutschland zurückkehre, der Vertrag bis 2020 ist ihm offensichtlich egal. Verteidiger Martin Hinteregger wiederum hinterfragte öffentlich den Trainer und wollte keine siegbringende Taktik erkannt haben. Coach Manuel Baum hatte sich für „Beton“ entschieden, eine gegensätzliche Ausrichtung zum normalen FCA-Spiel. Der Kalauer gilt also, „es brennt der Baum“. Die entscheidenden Tage stehen für die Augsburger bevor, zunächst am Sonntag gegen Mainz, danach im Pokal in Kiel und in der Bundesliga am 10. Februar in Bremen. Kann die Niederlagenserie nicht gestoppt werden, ist eine Entlassung des Trainers unumgänglich. Drei Siege und alles ist gut. Hoffnungsträger sind die Südkoreaner Koo und Ji, die von der Asienmeisterschaft zurückkommen, allerdings mit einem frühen Ausscheiden auch kein aufbauendes Erlebnis im Gepäck haben.

Im Abstiegskampf hat Hannover 96 jetzt zu dem Mittel gegriffen, vor dem sich Augsburg scheut: Trainer Andre Breitenreiter wurde entlassen und durch den zuletzt arbeitslosen Thomas Doll ersetzt. Der Weltenbummler macht also an der Leine Station. Er gilt als Spezialist im Abstiegskampf, gegenüber Augsburg sind vier Punkte aufzuholen. Erste Chance am Freitag gegen Leipzig, das allerdings beim 4:0 in Düsseldorf glänzte. Zweite Chance am 9. Februar wieder zu Hause gegen Mitkonkurrent Nürnberg (im Pokal ist Hannover nicht mehr dabei). Bis dahin muss das „System Doll“ sitzen. Nürnberg und Stuttgart wollen am Wochenende gegen Bremen und Freiburg die Konkurrenz unter Druck setzen. Ob es gelingt?

An der Spitze gaben sich Dortmund und die Bayern keine Blöße, aber auch die Verfolger Gladbach und Leipzig siegten. Was auffiel: Beide Spitzenteams nahmen die Abstiegskandidaten Hannover bzw. Stuttgart zunächst wohl auf die leichte Schulter und sorgten erst spät für klare Verhältnisse. Dortmund tat dies allerdings eher mit spielerischen Mitteln, bei den Bayern sah dies eher wie ein Arbeitssieg aus. Die Borussen knackten sogar einen Vereinsrekord, 48 Punkte nach 19 Spielen hatten sie noch nie, Lucien Favre ist besser als es Jürgen Klopp war. Wenn das keinen Auftrieb gibt! Vorteil Dortmund!

König Fußball aber haut die nächste Zeit auf die Pauke, mit DFB-Pokal, Champions League und Europa League beginnen im Februar die englischen Wochen. Wer redet dann noch vom Handball!

Dortmund, Bayern, Abstieg: Zeichen und Weichen

Die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen sprechen eine deutliche Sprache: Die Handball-Weltmeisterschaft schlägt die Fußball-Bundesliga in Sachen Aufmerksamkeit. 7,87 Millionen Zuschauer sahen am Samstag (20.30 Uhr) den Auftakt der DHB-Auswahl in der WM-Hauptrunde, „nur“ 6,69 Millionen verfolgten dagegen am Freitag (20.30 Uhr) den Auftakt der Bundesliga-Rückrunde zwischen Hoffenheim und Bayern München und 6,55 Millionen interessierten sich am Samstag (18.30 Uhr) in der ARD-Sportschau für die Zusammenfassung der Spiele, dies allerdings ist eine beachtliche Zahl. Der Fußball kann auch gut mit der vorübergehenden Nummer zwei leben, denn der Handball hat wie Basketball und Eishockey das Problem, dass nur die Nationalmannschaften eine breite Öffentlichkeit interessieren, wobei dafür auch unbedingt der sportliche Erfolg notwendig ist (siehe Silber im Eishockey bei Olympia). Die nationalen Punktrunden sind dagegen nur eine Angelegenheit für echte Fans dieser Sportarten.

Die Fußball-Bundesliga ist aber fast schon ein nationales Ereignis, der Fußball bestimmt die Stammtische oder modern eben die sozialen Medien. Gerade zum Rückrunden-Start bietet die Bundesliga aber auch wieder viel Gesprächsstoff, zum Beispiel über die Titeljagd zwischen Borussia Dortmund und Bayern München oder den Kampf gegen den Abstieg. Hier wie dort gab es Zeichen, es wurden aber – obwohl noch 16 Spieltage ausstehen – auch Weichen gestellt.

Im Titelrennen sorgten die Bayern für die logische Kampfansage, der Spitzenreiter aus Dortmund sendete aber als Antwort ein deutliches Zeichen: Ein 1:0-Sieg beim Verfolger RB Leipzig und das mit einer Not-Abwehr und ohne den angeblich eigentlich unentbehrlichen Kapitän Marco Reus. Ein Zeichen, dass die Westfalen so leicht nichts aus der Fassung bringt, ein Zeichen aber auch, dass der Spitzenreiter über einen zweiten Anzug verfügt der passt, dass also ein ausgeglichener breiter Kader kein Alleinstellungsmerkmal der Münchner ist. Da schmerzt es die Bayern sicherlich, dass Leipzigs Mittelfeldmotor Kevin Kampl zu dem Schluss kam: „So ist Dortmund schwer aufzuhalten.“

Dabei hatten die Münchner in Hoffenheim alles getan, um Dortmund unter Druck zu setzen. Eine beeindruckende erste Halbzeit mit einem Gastgeber ohne Chance, ein starke Antwort auf eine Schwächephase mit einem glänzend herausgespielten entscheidenden 3:1 über James, Müller und Lewandowski. Ein Zeichen aber auch intern, als in der Abwehr Mats Hummels den Vorzug vor Jerome Boateng bekam und Trainer Niko Kovac den jungen Niklas Süle als „Nummer 1“ adelte. Dazu überraschte Kovac mit dem Schachzug Leon Goretzka auf der Position als Zehn aufzubieten. Der Ex-Schalker dankte es mit zwei Toren und sorgte damit dafür, dass der Trainer Lob erntete und seine Position in Verein und Öffentlichkeit festigte, nach dem Motto, er kann es ja doch. Der Abstand blieb halt dennoch bei sechs Punkten, aber der Spannung schadet dies (vorerst?) nicht, es bleibt interessant. Am kommenden Wochenende legt Dortmund gegen Hannover vor, die Bayern müssen am Sonntag gegen Stuttgart nachziehen. Sollte sich am Abstand etwas ändern, wäre dies eine Sensation. Doch Vorsicht: Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl konnte die Bayern mit Augsburg schon ärgern!

An der Tabellenspitze wurden Zeichen gesetzt, im Abstiegskampf Weichen gestellt. Auffällig, dass die letzten vier Mannschaften allesamt ihre Heimspiele verloren. Damit hat sich der Abstand nach oben vergrößert und es sieht ganz danach aus, dass Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg die zwei Absteiger und den Teilnehmer an der Relegation unter sich ausmachen. Eine Siegesserie, die den einen anderen (Düsseldorf oder Freiburg zum Beispiel) in Gefahr bringen könnte, ist natürlich immer möglich, aber derzeit deutet nichts darauf hin. Kein Wunder, dass in Nürnberg über Aufstiegs-Trainer Michael Köllner diskutiert wird, während in Hannover nach Medien-Meldungen Andre Breitenreiter schon vor der Ablösung steht. Stuttgart hat das Mittel des Trainerwechsels schon angewendet, die Hilflosigkeit aber nicht abgelegt. Vor allem in der Abwehr hapert es ohne den verletzten Weltmeister Pavard, jetzt soll ein 18-Jähriger der Retter sein, das türkische Abwehrtalent Ozan Kabak von Galatasaray Istanbul. Ob das funktioniert?

In Augsburg ist von Trainer-Wechsel oder neuen Spielern (vorerst?) nicht die Rede, aber Coach, Spieler und Manager verstehen die Welt nicht mehr, trotz Trainingslager, trotz aller Bemühungen passieren wieder die gleichen Fehler wie in der Vorrunde. Selbst der Ärger über den Brasilianer Caiuby, der sich eigenmächtig Urlaub genehmigte, dem Trainingslager fernblieb und bis heute nicht auftauchte, wurde mit ins neue Jahr genommen. Im wegweisenden Spiel gegen Fortuna Düsseldorf sorgten Fehler und Unaufmerksamkeiten für eine 1:2-Niederlage, statt wenigstens einen Punktgewinn zu sichern. Die Fehlerquote zieht sich genauso durch die ganze Saison wie vielfaches Lob über das spielerische Vermögen des FCA. Doch Punkte gibt es dafür nicht. Möglicherweise sind die Augsburger am Ende der Absteiger mit dem größten Lob.

Für eine Wende beim FCA konnte auch der dritte Torhüter in dieser Saison nicht sorgen, Hoffenheims Nummer 2, Gregor Kobel, wurde bekanntlich ausgeliehen, erlitt aber ein frustrierendes Debüt mit zwei Gegentreffern und ohne Gelegenheit sich auszuzeichnen. Kollege Alexander Nübel hatte es da auf Schalke besser. Überraschend hatte er von Trainer Domenico Tedesco den Vorzug vor Stammtorhüter und Kapitän Ralf Fährmann erhalten und der Nationaltorhüter der U21 dankte es mit großartigen Paraden und hielt den 2:1-Sieg gegen Wolfsburg fest. Tedesco erinnerte sich wohl daran, dass Nübel den damals verletzten Fährmann großartig vertreten hatte und Schalke Punkte holte. Da wird auch ein Trainer ein bisschen abergläubisch. Tedesco setzte ein Zeichen, Schalke stellte die Weichen für eine Tendenz nach oben. Ebenso ein Zeichen von Hertha BSC Berlin, das mit dem 3:1-Sieg in Nürnberg deutlich machte, dass man den Fluch einer schwachen Rückrunde ablegen und im Kampf um die Plätze in Europa mitmischen will. Auf weitere Zeichen und Weichenstellungen können wir auch in den nächsten Runden warten.