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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Borussia Dortmund

In der Bundesliga gibt es ein Tempolimit

Tempo, Tempo – das war an den ersten Spieltagen das Motto der erfolgreichen Mannschaften in der Fußball-Bundesliga. Doch jetzt mussten Teams wie Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und mit Abstrichen auch Werder Bremen, Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt feststellen, dass es in der Bundesliga ein Tempolimit gibt. Alle sahen das Stoppzeichen, von den ersten sieben Klubs gewann am Wochenende nur der FC Bayern München!

Es war die Auffälligkeit am 9. Spieltag, dass die Mannschaften mit dem Markenzeichen Tempo-Fußball oder schnelles Umschaltspiel erste Rückschläge hinnehmen mussten. Die Bäume wachsen halt nicht in den Himmel, die Konkurrenz hat nach Gegenmitteln gesucht und so mussten einige den Fuß vom Gas nehmen. Andererseits zeigten andere zudem, dass man auch mit nüchternem, sicherem Fußball zum Ziel kommen kann, so zum Beispiel Bayern München und der FC Augsburg. Aber zugegeben, der Tempo-Fußball ist schöner anzuschauen, doch am Ende zählen (vor allem für die Trainer und ihren Arbeitsplatz) nur die Ergebnisse und die Punkte.

Apropos Trainer und Arbeitsplatz, vor einem Jahr lag am 9. Spieltag Borussia Dortmund ebenfalls an der Spitze, begeisterte mit Tempo-Fußball, sah sich aber mit den Bayern mit jeweils 20 Punkten gleichauf. Jupp Heynckes saß beim 1:0-Sieg in Hamburg erstmals wieder auf der Bayern-Bank. Der Abstieg der Dortmunder (mit der Entlassung von Trainer Peter Bosz) und der Durchmarsch der Münchner begann. Ähnliches ist allerdings in diesem Jahr nicht zu erwarten. Rückschläge wird es für die jungen Dortmunder zwar geben (Borussia-Boss Watzke: „Wir sind noch zu grün“), aber einen so gravierenden Einbruch kaum. Auf der anderen Seite machen die Bayern nicht den Eindruck einer Übermannschaft. Sie erarbeiten sich derzeit Siege und Punkte, die Leichtigkeit fehlt. Im Blickpunkt bereits das große Duell am 10. November in Dortmund.

Trainer und Arbeitsplatz – der von Heiko Herrlich in Leverkusen dürfte vorerst gefestigt sein, Bayer feierte mit dem 6:2 in Bremen eine Art Wiederauferstehung, allerdings war Werder gnädig und half ein wenig mit. Aber die Konstanz geht allen Himmelsstürmern ein bisschen ab, das zeigte sich beim 1:3 von Gladbach in Freiburg ebenso wie beim 1:1 von Frankfurt in Nürnberg. Der Aufsteiger hätte gern alle drei Punkte mitgenommen, um Abstand nach unten zu wahren. Das Schlusslicht teilen sich kurioserweise zwei Mannschaften, die punkt-und torgleich gleich schlecht sind – Fortuna Düsseldorf und der VfB Stuttgart mit nur fünf Punkten und je 6:21 Toren. Mehr Gegentreffer musste sonst niemand hinnehmen. Bei Stuttgart hat der Trainerwechsel nicht gefruchtet, in Düsseldorf ist davon keine Rede – vorerst noch.

Heldt kennt die Regeln nicht

Wie könnte es anders sein, rund um die Spiele gab es wieder vielfach Diskussionen um den Videobeweis. Die Schwäche: Eine Einheitlichkeit war nicht zu erkennen, manchmal waren die Leute im Kölner Keller einfach zu voreilig. Manchmal blamierten sich aber auch die Eiferer in den Vereinen, so wie Hannovers Manager Horst Heldt. Von einem Sportdirektor sollte man meinen, dass er die Regeln kennt, auch wenn sie manchmal etwas hart zuungunsten des eigenen Vereins ausgelegt werden. Dass Schiedsrichter Dr. Kampka das Handspiel von Haraguchi nach Hinweis des Video-Assistenten und TV-Bildern auch als solches wertete, war regelgerecht. Natürlich bekam der Japaner aus kurzer Distanz den Ball an den Arm, dieser war aber ausgestreckt und deshalb war es Hand. Heldt moserte süffisant, dass Haraguchi den Arm schlecht in der Kabine lassen könne. Auffällig ist aber, dass eben wegen dieser Regel viele Abwehrspieler mit auf den Rücken verschränkten Armen sich einem Gegenspieler beim Schussversuch entgegenstellen. Heldt schoss einmal mehr über das Ziel hinaus und disqualifizierte sich als angeblich guter Manager.

Auf Europas Bühnen herrscht unter der Woche Pause, dafür darf der DFB-Pokal wieder in den Mittelpunkt rücken. Der Wettbewerb, der bei manchen Klubs als schnellste Möglichkeit auf dem Weg zu einem Titel angesehen wird, der Wettbewerb, in dem der eine oder andere Trainer, wenn er sein Team im Vorteil sieht, sonstigen Ersatzspielern einen Einsatz schenkt. Das Motto „Klein gegen Groß“ bleibt auch bestehen, vor allem im Duell SV Rödinghausen (Regionalliga) gegen Bayern München. Da zeigte sogar die ARD ein Interesse für eine Live-Übertragung am Dienstag im Fernsehen, was vielen sauer aufstieß („Immer die Bayern“). Spektakulärer sicherlich am Mittwoch (auch in der ARD) die Partie RB Leipzig – TSG Hoffenheim, wenn Trainer Julian Nagelsmann mit seinem aktuellen auf seinen künftigen Verein trifft. Eine seltene Konstellation, dass diese Fakten schon feststehen. Nagelsmann kann also auf keinen Fall verlieren, eine glückliche Situation für einen Trainer.

Chaoten wollen den Krieg

Der deutsche Fußball musste am Wochenende wieder einmal mit schlimmen Begleiterscheinungen von Seiten der Fan-Chaoten leben. Die wollen gegenüber der DFL, dem DFB und auch der Polizei offensichtlich den Krieg, nachdem alle Bemühungen um eine Verständigung gescheitert sind. Gewalt vor den Stadien und vor allem auf den Rängen kann aber zu einer ernsthaften Bedrohung für den Fußball werden. Den Fußball, den die Ultras angeblich lieben.

In Dortmund randalierten Hertha-Chaoten auf der Tribüne, brannten unter dem Schutz eines riesigen Banners Pyrotechnik ab und lieferten sich dann eine Schlägerei mit der Polizei, als diese aus Sicherheitsgründen das Banner einkassierte, damit man gegen das Abbrennen von Pyros einschreiten kann. Rund 200 Randalierer schlugen mit Stangen auf die Polizisten ein, die sich u. a. mit Pfefferspray wehrte. Es gab etliche Verletzte.

Ein beleidigendes Banner gegenüber einem tödlich verunglückten Polizisten zeigten Chaoten in Rostock. In Worms wiederum brannten bei einem Fan die „Sicherungen“ durch, als im Regionalligaspiel Gast Pirmasens den 1:1-Ausgleich erzielte. Der Zuschauer überwand den Zaun und schlug den Wormser Trainer Peter Tretter, der leicht verletzt wurde.

Es ist eine traurige Tatsache, dass die Gewalt in den Fußballstadien offensichtlich zurückgekehrt ist. Diese einzudämmen bzw. sogar zu verbannen wird eine schwierige Aufgabe für die Verantwortlichen.

Warum haben die Bayern-Bosse die Nerven verloren?

Die bizarre Pressekonferenz des FC Bayern München am Freitag mit den Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sowie Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat weltweit in der Sportwelt für Aufsehen gesorgt. Noch nie haben wohl Führungskräfte in einer konzertierten Aktion derart vor allem gegen die Medien vom Leder gezogen. Sie finden die Berichterstattung über die Bayern und seine Spieler „respektlos“, „polemisch“ und „herabwürdigend“. Das Ergebnis war, dass sie sich dabei selbst der Lächerlichkeit preisgegeben haben, zumal ja Präsident Uli Hoeneß als „Abteilung Attacke“ bekannt ist und in seinen Äußerungen vielfach schon über das Ziel hinausgeschossen ist. Da gilt das Grundgesetz, das Rummenigge jetzt zitierte („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) auch nicht. Warum aber haben die Bayern-Bosse die Nerven verloren?

Es sollte wohl eine Art Befreiungsschlag nach einem sportlichen Tief (noch keine Krise) sein, nach vier Spielen ohne Sieg und nur Platz sechs in der Bundesliga. Trainer Niko Kovac haben sie dabei seltsamerweise aber nicht gestützt. Ein Ablenkungsmanöver für die internen Probleme? Da ist nämlich die Unzufriedenheit der Stars, wenn Nationalspieler nicht zum Einsatz kommen und auf der Bank sitzen. Das war aber schon zu Saisonbeginn klar, wenn nicht eine große Verletzungswelle den Kader dezimiert. Oder ist es die Unfähigkeit, den „Maulwurf“ zu enttarnen, der Internas aus der Mannschaftskabine an die Presse (bevorzugt Bild) ausplaudert. Gerade die Springer-Presse haben die Bayern-Bosse explizit an den Pranger gestellt. Gute Nachrichten über die Bayern werden dort künftig Seltenheitswert haben, Geheimnisse wird es bei den Bayern aber auch nicht mehr geben, es sei denn, das Informations-Leck kann geschlossen werden. Andererseits sind die Bayern für die Springer-Presse im Sport das besondere Verkaufsargument, bei Sport-Bild sind Bayern-Themen gefühlt bei 70 Prozent der Hefte der Aufmacher.

Seltsam, dass gestandene Funktionäre, die sich bei Erfolgen ja auch gerne im Licht der Öffentlichkeit zeigen, bei Kritik, die, das sei den Bayern zugestanden, durchaus über das normale Ziel hinausschießt, so schnell die Nerven verlieren. Das hätten sie eher intern regeln sollen, so wie mit Unterlassungserklärungen, die wohl unterwegs sind. Es ist das Problem mit den modernen Medien, vor allem mit dem Boulevard, dass erstens nichts mehr geheim bleibt und dass zweitens alles aufgebauscht und übertrieben dargestellt wird. Da können vor allem die Königshäuser in Europa ein Lied davon singen, denn die bunten Blätter auf der ganzen Welt leben ja von Spekulationen und teils erfundenen Geschichten über die Royals. Auch die wehren sich inzwischen zum Teil vor Gericht, allerdings moderater. Die große Bühne hätten die Bayern-Bosse auch nicht suchen sollen.

Es passte allerdings wie die Faust aufs Auge, dass sich die Bild am Sonntag an diesem 8. Spieltag auch blamierte und ein Beispiel lieferte, wie tendenziös im Boulevard berichtet wird. Der FC Augsburg feierte mit einem „Retrospieltag“ sein 111-jähriges Bestehen, der FCA sieht seine Wurzeln beim FC Alemannia Augsburg, der am 20. Oktober 1907 gegründet wurde. Glückliche Fügung, das genau zum Jubiläum am 20. Oktober ein Bundesliga-Spieltag anstand, die Mannschaft spielte in Trikots, die dem Aussehen der Anfänge ähnelten und fuhr sogar mit einem alten Setra-Bus-Oldtimer ins Stadion. So weit zur Feier im ausverkauften Stadion.

Gegner war allerdings ausgerechnet der RB Leipzig, die Mannschaft des Brause-Herstellers, von der FCA-Präsident Klaus Hofmann sagt, der Verein hätte die Zulassung für die Bundesliga gar nicht erhalten dürfen. So wurde es auch ein knallhartes Duell mit dem Rekord von 44 Fouls. Das Spiel hatte am Ende beim 0:0 keinen Sieger. Doch einen Verlierer gab es, eben BamS, denn die Springer-Zeitung hatte nichts Besseres zu berichten, dass Augsburg „ausgerechnet gegen Leipzig“ das „Retrospiel“ angesetzt hatte und fragte „eine Provokation?“.

Die Reporter sollten wissen, dass es Zufall war, der Spielplan wird von der DFL über ein Computerseystem erstellt. Aber wenn man eben von Zoff berichten will, dann wird nicht die ganze Wahrheit erzählt. Aus diesem Grund werden eben manche Medien unglaubwürdig. Vielleicht sorgen auch solche Machenschaften dafür, dass die Auflagen der Zeitungen zurückgehen. Bild verlor im letzten Quartal wieder 11 Prozent seiner Leser, liegt nur noch bei 1,4 Millionen Auflage, hatte einst mehr als doppelt so viel und BamS rutschte auch um 10,5 Prozent auf rund 790.000 ab.

Es passte übrigens ebenfalls wie die Faust aufs Auge, dass ausgerechnet im „Retrospiel“ die moderne Technik über Aufregung sorgte. Einen Elfmeterpfiff für Leipzig nach Schiedsrichter Welz nach langen, vier Minuten langen Diskussionen und Nachforschungen zurück, weil eine Abseitsstellung erkannt wurde. Die Gerechtigkeit siegte, aber die Geduld war bei allen am Ende. Fast wie bei den Bayern-Bossen…

Die Bayern bestimmten das Thema und die Mannschaft sorgte mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg selbst wieder für mehr Ruhe und Nationalspieler Thomas Müller wollte über seine Bankrolle nicht motzen, „wir müssen als Mannschaft auftreten“. Der Sport war insgesamt überhaupt ähnlich beeindruckend wie die Bayern-Pressekonferenz. Frankfurts Serbe Luka Jovic spielte sich mit fünf Toren beim 7:1 gegen Düsseldorf in den Vordergrund, Dortmund und Mönchengladbach begeisterten mit Tempo-Fußball, einen Fußball, den die Bayern derzeit nicht auf den Rasen bringen. Vielleicht lässt auch das die Bayern-Bosse unruhig werden. So hechelt der Titelverteidiger der Konkurrenz weiter hinterher, Dortmund, Gladbach und überraschend Bremen bleiben vor den Münchnern, die dieses Tempo nicht zeigen, aber mit Abgeklärtheit und Kampfgeist gepaart mit ein bisschen Spielwitz (Thiago, James, Lewandowski) wieder in die Spur fanden. So könnten Siege in den nächsten Aufgaben Athen, Mainz und DFB-Pokal endgültig wieder für mehr Ruhe sorgen.

Den richtigen Kontrast zu den Attacken zeigte übrigens der frühere Bayern-Spieler Juan Bernat, der ausgerechnet bei dieser unseligen Pressekonferenz von Uli Hoeneß attackiert wurde („Er hat bei uns einen Scheißdreck gespielt, deshalb musste er gehen.“). Bernat erwiderte, er habe vier schöne Jahre bei den Bayern gehabt. Der kleine Spieler zeigte also Größe, eine Größe, die Hoeneß und Rummenigge nicht gezeigt haben.

Bayern und Löws Jungs: Kampf gegen die Verunsicherung

Länderspiel-Wochenenden waren in früheren Zeiten in Deutschland eher eine Art Fest- oder Feiertage, doch diese Euphorie rund um das Team mit dem Adler auf der Brust ist vorbei. Frust statt Fest ist angesagt, Werbung für den Fußball macht die Nationalmannschaft derzeit nicht. Muss die Krise an Bundestrainer Joachim Löw festgemacht werden? Ist es eine Krise des deutschen Fußballs schlechthin? Oder tragen die formschwachen Bayern die Schuld? Tatsache ist: Beide haben eines gemeinsam, die Bayern und die Nationalmannschaft kämpfen gegen die Verunsicherung an.

Die Bundesliga nimmt am kommenden Wochenende wieder Fahrt auf, Vier Spieltage stehen neben Champions- und Europa-League sowie DFB-Pokal am 30./31. Oktober bis zur nächsten Länderspielpause am 17./18. November auf dem Programm. Die Bundesliga wird die Fans eher in ihren Bann ziehen, als es das DFB-Team derzeit kann. Die Augen werden aber vor allem auf Bayern München gerichtet sein, denn dort werden die Fragen der Zukunft beantwortet: Gelingt den Bayern selbst der Weg aus der Krise und damit vielleicht danach auch der Nationalmannschaft für das wohl entscheidende Rückspiel gegen die Niederlande in der Nations League? Beide Mannschaften leiden unter der Formkrise der Weltmeister, den Bayern ging die Achse der Führungsspieler ebenso verloren wie Jogi Löw, der ja unverdrossen weiter auf die Bayern-Achse setzte und nun einen Achsschaden beim 0:3 in Amsterdam erlitt.

Für Bayern-Trainer Niko Kovac ist die Aufgabe ungleich schwerer, weil er im sowieso schon dezimierten Münchner Kader schlecht auf Neuer, Boateng (aktuell verletzt), Hummels oder Müller verzichten kann. Er muss sie jedoch in Form bringen! Aber die Verunsicherung ist groß, von der wurde jetzt sogar der einst beste Torhüter der Welt erfasst, Manuel Neuer. Nach seinen Fehlern fielen zuletzt zu viele Gegentore (auch in Amsterdam das 0:1), in der Bundesliga weisen nur zwei Torhüter eine schlechtere Paradequote als Neuer auf! Seine Vorderleute machen die Verunsicherung mit einer hohen Fehlpassquote deutlich (Boateng und Hummels), die Stürmer treffen nicht mehr. Spaßvogel Thomas Müller ist der Spaß vergangen, Robert Lewandowski ist ein Torjäger der traurigen Gestalt, er traf auch für Polen nicht mehr, das nun als erster Absteiger aus der Nations League A feststeht. Wie heißt es so schön, für Tore gibt es keinen Ersatz. Darum wird im Gegensatz dazu der Dortmunder Paco Alcacer gefeiert, der nicht nur im Verein trifft wie er will, sondern jetzt auch für Spanien. Eine andere Welt.

Das Bundesliga-Programm im Oktober und November könnte für Bayern fast ein Aufbauprogramm sein, um die Verunsicherung zu verscheuchen. Die beste Therapie sind da Siege, die könnten mit ein bisschen mehr Kampfgeist und Disziplin in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, ehe es zum Showdown der Spitzenteams am 10. November in Dortmund kommt. Aber nur, wenn die Bayern bis dahin die Verunsicherung abgelegt haben.

Dortmund ist derzeit das Gegenteil der Bayern (deshalb auch Tabellenführer) und könnte Vorbild für Jogi Löw sein, denn Dortmund holte sich Schwung durch junge Spieler, ähnlich wie eben die Niederlande. Dieser Mut fehlt offensichtlich dem Bundestrainer, der erst verspätet die Talente Sane, Brandt und Draxler gegen die Niederlande ins Gefecht warf, mit allerdings zwiespältigen Ergebnissen. Sane und Draxler brachten zwar frischen Schwung, Sane vergab aber eine klare Chance, Draxler leitete nach erfrischendem Anfang die endgültige Niederlage mit zwei dicken Patzern ein. Unverständlich aber, dass Löw mit dem nachnominierten Emre Can einen der noch besseren Spieler vom Feld nahm. Ist das „Löws Kurs ins Verderben“ wie das Fachblatt kicker schreibt, jedenfalls trauen 91,9 Prozent der Kicker-Leser dem Bundestrainer die Wende nicht zu. Ein erschreckender Vertrauensverlust.

Mehr zur Nationalmannschaft und die Zukunft des deutschen Fußballs im Laufe der Woche.

Noch ein Blick aber auf die Bundesliga: Sieben Spieltage sind gespielt, nach zehn, so heißt es oft, könne man die ersten wirklichen Tendenzen erkennen. Fast genau (dann elf) zur nächsten Länderspielpause. Bis dahin will zum Beispiel der VfB Stuttgart wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Beim Schlusslicht gab es den ersten Trainerwechsel der Saison, Markus Weinzierl übernahm wie erwartet das Kommando von Tayfun Korkut. Er galt ja schon vor Korkut als Wunschtrainer, wird aber mit einem schweren Startprogramm leben müssen, mit den Aufgaben gegen Dortmund und in Hoffenheim, ehe Frankfurt kommt. Natürlich macht Weinzierl in Optimismus und nun nimmt praktisch eine Anleihe in England: „Warum soll nicht der Letzte den Ersten schlagen können“. Das sah man bisher in der Bundesliga fast als undenkbar an und verwies darauf, dass das in der Premier League keineswegs unmöglich sei. Der VfB könnte die Bundesliga ins Gespräch bringen.

Dortmund Meister des Comebacks – Bald Comeback als Meister?

Es war eines der spektakulärsten Spiele der Bundesliga-Geschichte und nicht nur rein zufällig war Borussia Dortmund beteiligt. Beim 4:3 gegen den FC Augsburg, mit dem Siegtreffer durch einen Freistoß in letzter Sekunde, zeigt der noch ungeschlagene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga alles, was den Fans gefällt und zum Erfolg führt: Schwung, Punch, Begeisterung. Trainer Lucien Favre war nicht glücklich über die Anzahl der Gegentreffer, aber glücklich über das Spiel: „Fantastisch“.

Die junge Dortmunder Mannschaft (im Schnitt gerade mal 23,8 Jahre alt) beeindruckt mit den jungen Flügelflitzern Sancho, Pulisic und Brunn Larsen (geführt von Kapitän Marco Reus), zeigt sich andererseits aber unbeeindruckt von Rückständen und beweist sich als Meister des Comebacks, als Meister der zweiten Halbzeit (in Leverkusen 4:2 nach 0:2) und der letzten Minuten. Die Moral bleibt scheinbar ungebrochen. Und der Trainer hat ein glückliches Händchen, was Joker-Tor en masse beweisen, und er hat den Spanier Alcacer. Der Torjäger wurde vom FC Barcelona ausgeliehen und wird von Favre erst im Laufe des Spiels aufs Feld geschickt, aber dann kracht es. Mit sechs Treffern führt er die Bundesliga-Torschützenliste an. Favre will den Torjäger, der auch das Comeback in der Nationalmannschaft feiern kann, langsam aufbauen: „Er hat drei Jahre lang kein Spiel über 90 Minuten bestritten.“

Die Augsburger mussten sich vorkommen wie im falschen Film. Sie machten ihrem Ruf als „nervigste Mannschaft der Bundesliga“ alle Ehre, ärgerten nach den Bayern (1:1) auch Dortmund, führten 1:0 und 2:1, glichen in der 87. Minute zum 3:3 aus und mussten doch mit leeren Händen abreisen, weil Alcacer in der 6. Minute der Nachspielzeit einen Freistoß durch die sich auflösenden Mauer ins Netz donnerte. Mitspieler berichten, „das macht er im Training auch immer so“. Beim FCA dagegen ist fast Verzweiflung angesagt, wieder gut gespielt, wieder Lob, wieder keine Punkte. Acht sind es bisher in sieben Spielen, vier wurden schon durch Torwartfehler verschenkt und jetzt dies. Der FCA könnte Sechster sein, nicht Zehnter wie aktuell, mit nur drei Zählern Abstand zu den Abstiegsplätzen.

Sechster ist, man höre und staune, der FC Bayern München. Die Lust am Oktoberfest ist den Münchnern am Sonntag zwar nicht vergangen, aber der Frust sitzt tief, Trainer Niko Kovac aber angeblich noch fest auf seinem Trainerstuhl. Präsident Uli Hoeneß hat ihm die Absolution erteilt, „ich werde ihn bis aufs Blut verteidigen“ – aber wie lange noch. Die Länderspielpause muss zur Ursachenfindung genutzt werden, aber schon seltsam, dass alle Stärken der ersten vier Spiele wie weggeblasen sind. Da ist vor allem auch Hasan Salihamidzic als Sportdirektor gefordert, der bisher nur Allgemeinplätze von sich gab („Wir werden gestärkt zurückkommen“).

Bayern nur Sechster, das gab es zuletzt 2010 unter Trainer Louis van Gaal, als die Bayern zum Oktoberfest nach drei Niederlagen 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mainz (!) hatten und gerade mal Zwölfter waren. Diesen Absturz soll es nicht wieder geben, aber die Bayern präsentieren sich als das Gegenteil von Dortmund: Teilnahmslos, müde und erschreckend harmlos. Beim 0:3 gegen Gladbach traf der Gegner wie er wollte, wurden die Punkte mit eklatanten Fehlern quasi auf dem Silbertablett serviert, aber die Bayern selbst kamen kaum einmal zu gefährlichen Aktionen. Die Wende soll ab dem 20. Oktober in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, danach geht es zum Schlagerspiel nach Dortmund. Der Tabellenführer selbst hat Stuttgart, Hertha BSC und ebenfalls Wolfsburg vor der Brust, könnte also ungeschlagen auf die Bayern treffen – und dann die Weichen stellen für ein weiteres Comeback, für das Comeback als Meister!

Stuttgarts seltsame Tradition

Alles schaute auf die Bayern und was mit Trainer Niko Kovac passiert, da war ein anderer Verein mit der Entlassung seines Coaches schon schneller: Beim VfB Stuttgart brach nach dem Absturz auf den letzten Platz die Panik aus und Trainer Tayfun Korkut musste gehen. Seltsam, es hat fast schon Tradition beim VfB, dass der Trainer im Herbst gehen muss. Seit 2008 wurden sieben Coaches in dieser Zeit geschasst. Seltsame Parallelen auch, meist nach erfolgreicher Arbeit in der Rückrunde, also im Frühjahr. Korkut wurde wohl die defensive Spielweise zum Verhängnis. Markus Weinzierl, seit seinem Schalke-Gastspiel arbeitslos und einst in Augsburg erfolgreich, wird als heißer Nachfolger gehandelt. Vor einem Jahr wollte er keinen Vertrag nur bis Saisonende unterschreiben. Viel mehr wird es in Stuttgart aber sowieso nicht… Der nächste Herbst kommt bestimmt.

Was auffällt, ist, dass die Bayern nicht die einzige Spitzenmannschaft in Europa sind, die als Anwärter auf den Sieg in der Champions League gilt, aber mit Problemen zu kämpfen hat. Frust schiebt auch Real Madrid, drei Niederlagen in den letzten vier Spielen bringen Trainer Lopetegui in die Schusslinie, der Abgang von Cristiano Ronaldo wurde offensichtlich nicht verkraftet. So ist Real in der La Liga nur Vierter, zwei Punkte hinter Überraschungstabellenführer FC Sevilla, weil auch Titelverteidiger FC Barcelona mit Messi nicht richtig in die Spur findet und sich vorerst mit Platz zwei zufrieden geben muss. Seltsam, dass die Barca-Stars schon im Oktober müde wirken. Dabei hatten sie doch gar kein Oktoberfest.

Deutschland auf Platz eins

Real patzte auch in der Champions League mit der 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau, was die Krise noch ein bisschen ernster macht. Barca zeigte sich da mit einem 4:2-Erfolg bei den Tottenham Hotspur voll auf der Höhe. Wie übrigens auch die deutschen Klubs, die sich in dieser Saison auf Europas Bühne von der besten Seite zeigen und wirklich Wiedergutmachung für die UEFA-Rangliste betreiben. Deutschland führt derzeit die Jahresliste sogar an. Getrübt wurde die Bilanz nur durch das unglückliche und verletzungsgeplagte Hoffenheim mit einem 1:2 gegen Pep Guardiolas Manchester City und eben durch die Bayern, für die das 1:1 gegen Ajax Amsterdam fast schon eine Niederlage war, aber auch eine Bestätigung der Krise, die sich gegen Gladbach noch verschärfte. Insgesamt aber nehmen die Bundesliga-Klubs die Wettbewerbe in Champions- und Europa League offensichtlich wieder ernsthafter und mit Erfolgshunger an. Wird ja auch Zeit.

Löws Kampf gegen den Abstieg

Erfolgshunger muss die deutsche Nationalmannschaft auch zeigen, in der Nations League, die jetzt in der zweiten Länderspielpause in den Mittelpunkt rückt. Zwei richtungsweisende Spiele stehen für Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs an, nämlich am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande und am Dienstag, 16. Oktober, in Paris das Rückspiel gegen Weltmeister Frankreich (Hinspiel 0:0). Gerade gegen die Niederlande geht es schon um den Klassenerhalt in der Dreier-Gruppe. Es treffen da zwei Teams aufeinander, die zuletzt Probleme hatten. Die Niederlande sicherlich noch mehr, aber so richtig Zutrauen zum DFB-Team und Jogi Löw haben die deutschen Fans auch noch nicht.

So sorgte der Bundestrainer für Verwirrung mit der Nominierung von Stürmer Mark Uth, der bei Schalke oft nur auf der Ersatzbank sitzt. Als er in Hoffenheim zum Torjäger mutierte, zeigte ihm Löw noch die kalte Schulter. Eine erhebliche Schwächung stellt die Absage von Marco Reus da, der Dortmunder Kapitän klagt über Kniebeschwerden und will sich schonen. Der Verein geht vor. Nach Özils Rücktritt und da auch Gündogan verletzt ausfällt, wird ein Spielgestalter neben Toni Kroos gesucht. Möglich, dass der 19-Jährige Leverkusener Kai Havertz ins kalte Wasser geworfen wird. Hoffentlich geht dann Deutschland mit ihm nicht unter. Wäre ja blöd, wenn sich die Fans in der Niederlande revanchieren könnten, für die beliebten Gesänge in Deutschland: „Ohne Holland fahr’n wir zur WM!“

Aufbruchstimmung in der Bundesliga und Bayern leidet

Schon vor einer Woche hatte der Sport-Grantler davon gesprochen, dass die Bundesliga in diesem Jahr ihr besseres Gesicht zeigt. Die Liga wollte ihn wohl bestätigen, denn in der englischen Woche war buchstäblich eine Aufbruchstimmung zu spüren. Einer der Leidtragenden war ausgerechnet der Abonnementsmeister FC Bayern München: Nur 1:1 gegen den FC Augsburg, 0:2 bei Hertha BSC Berlin. Die Bundesliga lacht und Bayern leidet.

Wenn die Bayern gewinnen, klagen die Medien: Warum zeigt keiner Mut, den übermächtigen Münchner Paroli zu bieten, warum haben alle Angst, warum kämpft keiner gegen die Langeweile? Vergessen wir das, wobei auch vergessen wird, dass die Bayern am 5. Spieltag des Vorjahres auch nur Zweiter waren, mit 12 Punkten einen Zähler hinter Dortmund, dass sich jetzt wieder an die Spitze schoss. Damals saß noch der Italiener Carlo Ancelotti auf der Münchner Trainerbank, das 2:2 gegen Wolfsburg den Spieltag darauf war sein letzter Auftritt in der Bundesliga. Ein Trainerwechsel deutet sich bei den Bayern diesmal nicht an, der neue Coach Niko Kovac reagiert auf die Punktverluste mit dem Münchner Selbstverständnis: „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Thomas Müller ergänzt: „Wir müssen wieder unser wahres Gesicht zeigen.“ Leidtragende sollen in dieser Woche Ajax Amsterdam in der Champions League am Dienstag und Borussia Mönchengladbach am Samstag sein. Dann ist Länderspielpause – mit Ruhe in München oder Unruhe?

Augsburg und Berlin haben es also vorgemacht, Angst vor den Bayern muss nicht sein, es geht auch anders, aber auch nur mit einem ungeheuren Einsatz. Aufbruchstimmung verbreitet vor allem Borussia Dortmund. Im Gegensatz zu den Bayern drehten die Borussen einen 0:2-Rückstand in Leverkusen, schossen sich mit 4:2 an die Spitze und sind die einzige noch ungeschlagene Mannschaft. Über das Ziel wollen sie nicht hinausschießen, sehen das nur als Momentaufnahme. Aber die Zukunft könnte den Westfalen gehören, die mit einer jungen Mannschaft antraten, im Schnitt 23,56 Jahre alt, den Bayern nutzte alle Routine nichts (im Schnitt 28,19 Jahre alt). Nächster Prüfstein ist Augsburg, das nach Bayern den nächsten Favoriten ärgern will.

Aufbruchstimmung aber auch am Tabellenende, Schalke und Stuttgart feierten ihren ersten Saisonsieg und ließen damit die aufkommenden Kritiker verstummen. Ähnliches gilt für Neuling Nürnberg, wo ein 3:0 gegen Mitaufsteiger Düsseldorf die Situation rund um den Verein beruhigte. Ohne Sieg ist nur noch das neue Schlusslicht Hannover 96. Unruhe bei den Niedersachsen ist fast schon obligatorisch (siehe Fanprotest gegen Boss Kind) und jetzt fast logisch. Die Leistungen bisher machen aber auch nur wenig Hoffnung.

Aufbruchstimmung aber auch bei den Torjägern – und der Titelverteidiger der Torjäger-Kanone, Robert Lewandowski, schaut torlos zu. Die größte Auferstehung feierte der Isländer Alfred Finnbogason beim FC Augsburg. Nach langer Verletzungspause stand er erstmals in der Startelf und schoss den SC Freiburg gleich mit drei Treffern ab. Das machte gute Laune bei den bayerischen Schwaben, die ja zuletzt unter Torwartfehlern litten. Tore vorn sind besser als Tore hinten, doch ein „Slapstickgegentreffer“ durfte es auch diesmal sein. Aber auch die Torjäger in Gladbach und Dortmund beeindruckten, Die Neuzugänge Plea in Gladbach und Alcacer in Dortmund erweisen sich als Volltreffer.

Noch ein Spieltag, dann geht die Bundesliga in die Länderspielpause. Da lechzen am Wochenende alle nach einem Erfolgserlebnis, denn nur das verschafft gute Stimmung für die zwei Wochen ohne Punktspiele. Das Gegenteil könnte eine Unruhe sein, die die ganze Saison negativ beeinflussen kann. In Champions- und Europa League sind die Bundesligisten wieder gefordert, die Aufbruchstimmung national auch international zu zeigen. Den dicksten Brocken hat Hoffenheim mit Manchester City vor der Brust, die Bundesliga aber freut sich auf die Rückkehr von Meister-Trainer Pep Guardiola.

Einen Erfolg errang der deutsche Fußball am Donnerstag mit dem Zuschlag für die Austragung der Europameisterschaft 2024. Beim Kontrahenten Türkei war das Jammern natürlich groß, einen Betrug zu wittern, geht aber an den Tatsachen vorbei und kann nur damit entschuldigt werden, dass Bestechung und Korruption im Fußball noch nicht ausgerottet sind. Der DFB allerdings hat seine Bewerbung diesmal so transparent wie möglich gestaltet und sicher nicht wegen falscher Versprechungen gewonnen. Die Türken eher wegen nicht einzuhaltender Versprechungen verloren.

Niederlagen fair hinzunehmen gelingt nicht jedem. Superstar Cristiano Ronaldo schon gleich gar nicht. Der Portugiese blieb schon der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“ fern, als er hörte, dass er nicht der Sieger sein würde. Der Kroate Luka Modric siegte jetzt auch bei der Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ und musste ohne die Seriensieger feiern, denn neben Ronaldo ließ sich auch Messi wegen privater Verpflichtungen entschuldigen. Na ja, siegen ist leichter als verlieren. Bei den Frauen gewann übrigens Marta (Brasilien), Trainer des Jahres wurde (logisch) Weltmeister Didier Deschamps (Frankreich), bei den Frauen Reynald Pedros (Lyon).

Ryder Cup nichts für den Tiger

Das Großereignis des Wochenendes war natürlich der Ryder Cup der Golfer in Paris und die Stimmung dort mit einem Fest im Fußball vergleichbar. Rund 270.000 Zuschauer an den drei Tagen sorgten für eine Atmosphäre, wie es sie sonst beim Golf nicht gibt. Superstar Tiger Woods „veredelte“ zwar durch seine Teilnahme die Veranstaltung (siehe Kommentar zuvor), aber nicht mit seiner Leistung. Der Tiger und der Ryder Cup passen nicht zusammen. Obwohl in Bestform angereist, verlor der Amerikaner alle seine vier Auftritte. Das Gegenteil schaffte der Spanier Sergio Garcia. Der war zuletzt nicht in Form, triumphierte aber in Paris und ist am Ende neuer Rekordhalter des Kontinentalvergleichs mit 25,5 Punkten (der Deutsche Bernhard Langer liegt übrigens mit 24 Punkten auf Rang drei). Besonders gefeiert haben die siegreichen Europäer, denen mit 17,5: 10,5 eine erfolgreiche Revanche für die Niederlage vor zwei Jahren in den USA gelang, Francesco Molinari. Im Gegensatz zu Woods steht der Italiener sonst nicht im Rampenlicht, jetzt aber siegte er bei allen seinen Auftritten, zweimal zusammen mit Tommy Fleetwood auch gegen den Tiger. Die schlechte Serie von Woods blieb damit ebenso erhalten wie die der USA, die die letzten 25 Jahren in Europa nicht gewinnen konnte.

Bittere Pillen und blaue Grausamkeiten

Die Fußball-Bundesliga hat gerade drei Spieltage hinter sich – und schon werden Trainer in Frage gestellt und die vor der Saison rosig gezeichnete Zukunft nun schwarz gefärbt. Leute, nach 34 Spieltagen wird erst abgerechnet! Andererseits ist es richtig, wer den Start verschläft, muss erst einmal hinterherrennen. Wer gut beginnt, bekommt vielleicht einen Lauf.

Unruhe herrscht vor allem bei Bayer Leverkusen und Schalke 04. Die einen müssen bittere Pillen schlucken, die anderen blaue Grausamkeiten ertragen, beide liegen mit null Punkten am Ende der Tabelle. Rückblick: Vor einem Jahr war der 1. FC Köln nach drei Spieltagen Letzter mit 0 Punkten und stieg am Ende ab. Leverkusen war mit einem Zähler Vorletzter, schaffte es noch auf Rang fünf und in die Europa League, doch auf diese Aufholjagd wollte man in diesem Jahr verzichten und deshalb wackelt bereits der Stuhl von Trainer Heiko Herrlich. Es sind nicht wenige, die die Partie am Sonntag gegen Mainz als „Endspiel“ ausrufen. Schwung könnte sich Bayer mit einem Sieg in der Europa League am Donnerstag in Rasgrad, beim Meister Bulgariens, holen.

Ähnlich die Situation auf Schalke, drei Spiele, drei Niederlagen, dazu kommt Meister Bayern München am Samstag und am Dienstag geht es vorher in der Champions League gegen den FC Porto. Da sind Erfolgserlebnisse nicht leicht und der in der letzten Saison gefeierte Trainer Domenico Tedesco ist jetzt als Krisenmanager gefragt. Wo ist der Schwung geblieben? Auf Schalke erinnert man sich an den Start unter Trainer Markus Weinzierl mit fünf Niederlagen. Zwar schaffte der Straubinger damals die Wende, doch dieser Start war für ihn der Anfang vom Ende. Nun erlebt vielleicht Tedesco blaue Grausamkeiten.

Erstes Aufatmen gibt es anderswo. Bei Neuling Düsseldorf zum Beispiel, mit dem ersten Sieg und das gegen den Champions-League-Neuling Hoffenheim. Auch RB Leipzig feierte den ersten Saisonsieg, da rollte quasi der Stein der Erleichterung vom ganzen Verein. Und am Tabellenende punkteten Aufsteiger Nürnberg und die Baden-Württemberger Freiburg und Stuttgart im Derby im Ländle. Schon kleine Erfolgserlebnisse lassen aufatmen. Die genannten Vereine waren übrigens auch an den dramatischen Ereignissen beteiligt, die Bundesliga beeindruckte nämlich mit vielen Toren in den letzten Minuten. Da haben sich wohl einige die Bayern als Vorbild genommen, deren Markenzeichen ja unter anderem ist, dass sie Spiele noch in den letzten Minuten entscheiden können. Also ist das nicht mehr allein Bayern-Dusel.

Eine andere Diskussion wird rund um die Spitzenklubs geführt. Ist jetzt ein großer Kader von Vorteil oder nicht? Die Geschehnisse zeigen, dass beides falsch und richtig sein kann, das Schicksal entscheidet. Fall Dortmund: Trainer Lucien Favre ist glücklich, „endlich gibt es viele Spiele, da kann ich allen einen Einsatz gönnen“. Rotation zur Beruhigung der Gemüter, keine Rede von Dreifachbelastung. Eigentlich wollte die Borussia den Kader reduzieren.

Das taten die Bayern, doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Vidal, Bernat und Rudy durften gehen, um für mehr Ruhe im großen Kader zu sorgen, jetzt hat das Verletzungspech zugeschlagen: Drei Spiele, drei schwer verletzte Spieler. Wenn das so weiter geht, haben die Bayern am Ende keine Mannschaft mehr. Trainer Niko Kovac klagt, „wir dürfen kein Freiwild sein“. Coman und jetzt Rafinha zogen sich ihre Verletzungen nach bösen Fouls der Gegner zu, bei Tolisso war der Kreuzbandriss Pech in einem normalen Zweikampf, aber die Saison könnte für ihn beendet sein. Hieß es vorher, die Bayern müssen ihren Kader reduzieren, so melden sich jetzt Kritiker, dass die personelle Decke ein bisschen dünn geraten ist. Ja, hinterher weiß man es eben besser. Aber die Bayern, die normalerweise mit Mehrfachbelastung erst so richtig in Form kommen, werden die vielen Spiele jetzt mit anderen Augen sehen. So gibt es mit Kimmich und Alaba gerade noch zwei etatmäßige Außenverteidiger. Vielleicht heißt es bei den Gegner ja auch: Irgendwie müssen wir die Bayern doch klein kriegen!

Dürfen Trainer denn auf ihr Bauchgefühl hören? Augsburgs Coach Manuel Baum wird sich da hinterfragen. Vor der Saison hatte er mit Fabian Giefer und Andreas Luthe als Nachfolger von Stammtorhüter Marwin Hitz, der nach Dortmund wechselte, zwei angeblich sich auf gleicher Höhe befindende Kandidaten. Nach „schlaflosen Nächten“ die Bauchentscheidung für Giefer, der Keeper aber verursachte mit zwei dicken Patzern die 1:2-Niederlage in Mainz. Was jetzt? Was sagt der Bauch? Darf man als Trainer nach Torwartfehlern gleich wechseln oder gibt man dem Unglücksraben noch eine Chance. Entscheidungen, die schwer fallen. Hinterher weiß man es aber besser. Die nächste Prüfung heißt Werder Bremen. Lustig: Der FC Augsburg hat wie im Vorjahr vier Punkte und ist wieder Achter in der Tabelle.

In der Woche sind die Augen auf Europa gerichtet, Champions League und Europa League starten mit der Saison 2018/19. Die Bundesliga erhofft sich eine bessere Bilanz als im Vorjahr, aber einige Vereine lassen derzeit zweifeln, ob das wirklich gelingt. Hoffenheim und Schalke in der CL sowie Leverkusen und Frankfurt in der EL sind keineswegs in Form. Die Hoffnung, über den internationalen Wettbewerb die Form für die Bundesliga zu bekommen, kann trügerisch sein.

Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs“.

Aufbruchstimmung in der Bundesliga

Die Hitzewelle in Deutschland soll am Donnerstag ausklingen, den Fußball-Fans wird es am Freitag allerdings dennoch heiß: Mit dem Auftaktspiel Bayern München – TSG Hoffenheim beginnt die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Eine Saison, über der eigentlich ein Schatten liegt, eine Saison, in deren Vorfeld allerdings auch eine Aufbruchstimmung in der Bundesliga zu spüren ist.

Schatten liegen über der Bundesliga, weil der deutsche Fußball in den letzten Monaten von einer Pleite in die nächste wankte. Zunächst blamierten sich die Vereine mit Ausnahme der Bayern auf Europas Bühne, danach sorgte die Nationalmannschaft für ein historisches Ausscheiden in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft. Deutschland nur noch auf Rang 15 in der Weltrangliste, die Bundesliga in der UEFA-Wertung von Italien überholt und nur noch Vierter. Der Lack ist ab am einst glorreichen deutschen Fußball, von einer der besten Ligen der Welt keine Rede mehr. Kein Wunder, dass die Fans nach Erfolgen lechzen.

Vielleicht herrscht gerade deshalb eine gewisse Aufbruchstimmung in der Bundesliga. Nicht das Jammern oder Bangen steht im Vordergrund, sondern von vielen Vereinen hört man durchaus optimistische und zuversichtliche Töne. So wollen viele nicht einmal mehr das Alleinstellungsmerkmal der Bayern auf den Titel anerkennen. „Alle auf die Bayern!“, forderte ein Manager, sprich, die Klubs müssen davon abkommen, die Punkte gegen den Meister von vornherein abzuschreiben. Allerdings: Dortmunds Boss Watzke stimmt in dieses Kampfgeheul nicht mit ein: „An den Bayern führt kein Weg vorbei.“ Na ja, alte Ehrfurcht kann nicht so schnell abgelegt werden. So bleibt es bei der alten Hoffnung: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Die neue Hoffnung: Vielleicht klappt es mit dem neuen Trainer Niko Kovac nicht.

Neue Töne aber auch Richtung Europa. Da heißt die Losung plötzlich, „wir müssen von einer Dreifachbelohnung reden, nicht von einer Dreifachbelastung“. Richtig so, aber ob das Manager, Trainer und Spieler nach den ersten Niederlagen noch so sehen? Dann heißt es wieder, „wir mussten reisen und konnten nicht richtig trainieren“. Allerdings: Die Bundesliga-Klubs müssen auf Wiedergutmachungskurs gehen, sonst droht der Verlust des vierten festen Platzes in der Champions League. Die Bayern allein können es nicht richten.

In der Bundesliga streben die großen Klubs dennoch nach einem Platz auf Europas Bühne. Meister Bayern, na gut, aber dahinter machen sich Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Schalke, Hoffenheim und Gladbach Hoffnungen auf die Champions League. Eine Aufbruchstimmung wird aber auch dadurch deutlich, dass vom Abstiegskampf kaum einer spricht. Beispiel FC Augsburg. Die Schwaben wurden immer als einer der ersten Abstiegskandidaten gehandelt, sie nahmen diesen Kampf an und gehen in ihr achtes Bundesliga-Jahr. Erstmals aber gibt es beim FCA optimistische Töne: „Wir müssen nach oben schauen“, fordern vor allem Spieler wie Finnbogason, Gregoritsch und Max, die bei anderen Vereinen auf der Einkaufsliste stehen. Sie wollen gerne beim FCA bleiben, aber auch Erfolg haben und nicht gegen den Abstieg spielen. Aufbruchstimmung also.

Traditionell müssen sich die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg als erste Teams gegen den Abstieg wehren, dazu die Neulinge vom Vorjahr, Stuttgart und Hannover. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das schwerste. Von den Zitterpartien verabschieden wollen sich aber die Klubs, die in den letzten Jahren oftmals bangen mussten. Wolfsburg hat von der Relegation genug, es soll ebenso wie in Freiburg ins Mittelfeld gehen. Das will auch Mainz, doch da sind eher Zweifel angebracht.

Zum Auftakt einer neuen Saison ist die Punktrunde zunächst meist eine Wundertüte. Erste wichtige Fingerzeige gab aber der DFB-Pokal. Für Titelverteidiger Eintracht Frankfurt zum Beispiel, der krachend in Ulm ausschied. Erstmals seit 22 Jahren überstand der Pokalsieger die erste Runde nicht. Eine Schwäche, die schon beim 0:5 gegen die Bayern im Supercup deutlich wurde. Die Abgänge von Leistungsträgern und Trainer Niko Kovac werden offenbar nicht verkraftet. Der neue Trainer Adi Hütter bittet um Geduld, weil er ein neues System installieren will. Geduld ist in der Bundesliga allerdings ein Fremdwort. So könnte der Österreicher der erste Trainer sein, der fliegt. Andererseits kann es für die Eintracht nach den Feiern mit dem Pokalsieg ein böses Erwachen wie in Köln geben. Der Karnevalsklub freute sich über die Teilnahme an der Europa League, verlor seinen Torjäger und stieg am Ende der Saison ab. Eher Abbruchstimmung in Frankfurt?

Der Pokal könnte auch für die Bayern ein Fingerzeig gewesen sein, die Stars taten sich gegen die Amateure von Drochtersen/Assel schwer, sie fanden kaum Lücken im Abwehrriegel und waren bei Kontern anfällig – das könnte sich in der Bundesliga wiederholen!

Was es noch gibt? Hoffen wir, dass der Videobeweis besser gehandhabt wird und alle gelernt haben. Klubs und Fans sollten den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen, nicht das Geld und den Streit um die Spieltage. Es muss doch für die Ultras möglich sein, auf die unsäglichen Pyrofeuerwerke zu verzichten. Und was den DFB angeht, so wird die Aufarbeitung der WM-Pleite die Bundesliga bald in den Schatten stellen. Wie Bundestrainer Joachim Löw den Neubeginn gestalten will, das könnte fast die spannendere Frage sein. Auch hier also wird Aufbruchstimmung erwartet! Viel Spaß in der neuen Saison.

So könnte die Bundesliga-Tabelle am Ende aussehen: 1. Bayern, 2. Dortmund, 3. Leverkusen, 4. Schalke, 5. Leipzig, 6. Hoffenheim, 7. Bremen, 8. Gladbach, 9. Wolfsburg, 10. Freiburg, 11. Augsburg, 12. Berlin, 13. Mainz, 14. Stuttgart, 15. Frankfurt, 16. Hannover, 17. Nürnberg, 18. Düsseldorf.

In eigener Sache: Der Sport-Grantler feiert Geburtstag! Vor fünf Jahren, am 20. August 2013 schickte der Sport-Grantler seine erste Kolumne um die Welt. 309 Kommentare wurden es inzwischen, vielen Dank an die Leser. Ob er noch einmal fünf Jahre durchhält, das weiß er nicht. Lesen Sie auch den Kommentar davor, der nämlich deutlich macht, warum andere Sportarten gegen den Fußball nicht ankommen: Keine Konkurrenz für den Fußball.

Das Spiel um Millionen: Die Bundesliga-Bilanz

Die 55. Saison der Fußball-Bundesliga ist am Samstag zu Ende gegangen. Der letzte Spieltag war fast ein Abziehbild der Saison mit Ausfällen von chaotischen Ultras, mit Videobeweis, überraschenden Ergebnissen, mit Trauer und Freude. Es war schließlich ein Spiel um Millionen, jeder will an die vollen Töpfe der Champions League, für das Fernsehgeld zählt zudem jeder Tabellenplatz.

So langweilig es an der Spitze durch Bayern München war, so spannend war es dahinter. Am Ende rettete sich Borussia Dortmund nur durch die bessere Tordifferenz in die Champions League. Trainer Peter Stöger hat seine Mission erfüllt, der Stöger kann jetzt gehen. Im Mittelpunkt aber der Dino. Mit dem Hamburger SV steigt auch der letzte Gründungsclub der Bundesliga ab. Köln und der HSV hoffen, dass es nur für ein Jahr ist. Der VfL Wolfsburg wiederum rettete sich in die Relegation und will gegen den Dritten der 2. Bundesliga, Holstein Kiel, den Platz im Oberhaus verteidigen. Gerade noch rechtzeitig im letzten Spiel zeigte Wolfsburg seine beste Leistung. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick, wie zufrieden die Klubs sein können. Die Bundesliga-Bilanz:

Bayern München: Der sechste Titel in Folge wurde souverän geholt, doch das sah nicht immer so aus, erst als Rentner Jupp Heynckes als Retter kam, zeigten sich wieder die souveränen Bayern. Das zeigt: Auf den Trainer kommt es schon auch an und so darf man ein bisschen neugierig sein, was Niko Kovac im nächsten Jahr zu leisten vermag. Die Mannschaft wird sich kaum ändern, auch Robben, Ribery und Rafinha bleiben. Jetzt wartet noch das Pokal-Finale gegen Frankfurt, gegen Kovac. Das 1:4 gegen Stuttgart im letzten Spiel war kein würdiger Abschluss, jetzt muss das Double her, sonst war es nur ein befriedigende Saison, mit Pokal eine gute, ohne Henkel-Pott der Champions League war es halt keine sehr gute.

Schalke 04: Der Überraschungs-Zweite, Trainer Tedesco scheint der richtige Mann zu sein, mit Disziplin und ein bisschen Glück ritt Schalke auf einer Erfolgswelle, war aber typisch für die Bundesliga-Saison: Kaum gute Spiele, aber immerhin erfolgreich. Das Glücksgefühl: Endlich wieder einmal vor Dortmund. Ob es aber für die Champions League reicht?

TSG Hoffenheim: Platz drei ist der größte Erfolg des noch jungen Vereins. Trainer Julian Nagelsmann bewies seine Klasse, als er die Mannschaft aus einer kleinen Krise wieder nach oben führte. Die CL könnte noch eine Nummer zu groß sein, wichtige Spieler verlassen den Verein. Der Trainer aber bleibt.

Borussia Dortmund: Mit Hängen und Würgen ins Ziel gekommen, jetzt soll an einer besseren Zukunft gebastelt werden. Gesucht wird ein starker Trainer, Lucien Favre (Nizza) wird als Favorit gehandelt. Schwer zu finden sein werden auch Führungsspieler, die die Borussia wieder nach vorn bringen. Dortmund will wieder erster Herausforderer der Münchner sein. Ein paar Spieltage lang waren sie es zu Saisonbeginn.

Bayer Leverkusen: Der Traum von der Champions League lebte in der ganzen Saison, Freud und Leid waren am letzten Spieltag eng beieinander, zeitweise fehlte gerade mal ein Tor. Die Europa League ist nur ein schwacher Trost, aber immerhin ist Bayer (im Vorjahr 12.) wieder international dabei. Der Mannschaft fehlte Konstanz.

RB Leipzig: Der Vize-Meister des Vorjahres musste Lehrgeld bezahlen. Als Neuling gleich nach oben gestürmt und in die CL, doch der Schwung ging ein bisschen verloren, dafür gab es Müdigkeit und Zweifel – auch am Trainer. Noch ist die Zukunft von Ralph Hasenhüttl offen, aber das Minimalziel wurde erreicht. Leipzig wird die doppelte Belastung diesmal besser verkraften und kann sich deshalb wieder höhere Ziele setzen.

VfB Stuttgart: Der Sensations-Siebte, mit dem anfangs ungeliebten Trainer Korkut begann der Aufstieg in der Tabelle, doch spielerischer Glanz fehlte, auch hier ein Abbild der Bundesliga (siehe Schalke). Der Paukenschlag in München brachte Stuttgart auf den siebten Platz, der zur Europa League berechtigt, wenn die Bayern Pokalsieger werden. Achtung: Die Qualifikation beginnt bereits im Juli, die Saisonvorbereitung leidet und mancher Kandidat befand sich dann in der Liga plötzlich im Abstiegskampf. Also nicht zu früh freuen.

Eintracht Frankfurt: Niko Kovac hat die Eintracht zu neuem Leben erweckt, aus einem internationalen Sammelsurrium an Spielern eine Mannschaft geformt, aber das Team hat nicht durchgehalten. Zwischendurch träumte Frankfurt von der CL, am Ende ging die Puste aus, die Bekanntgabe des Kovac-Wechsels nach München hemmte. So ging die Eintracht leer aus. Vor Saisonbeginn wäre der Verein mit Platz acht aber zufrieden gewesen.

Borussia Mönchengladbach: Eigentlich will man nach oben, offiziell gilt aber ein einstelliger Platz als Ziel. Gut, Ziel erreicht, aber mehr wäre drin gewesen, allerdings bremste auch viel Verletzungspech die Borussia. Steigerung möglich.

Hertha BSC Berlin: Auch hier, mehr wäre möglich gewesen, doch richtig in Schwung kam die Hertha in diesem Jahr nie, kam aber auch nicht richtig in Abstiegsgefahr. Das gilt als Erfolg, doch die Berliner sehen ihre Hertha lieber in höheren Sphären. Mit der Mannschaft ist das nicht möglich.

Werder Bremen: Einst Abstiegskandidat, dann sogar an der EL geschnuppert, den Bremern wurde nicht langweilig. Trainer Kohfeldt brachte Schwung nach Bremen und lässt den Verein wieder von einer besseren Zukunft träumen. Der Weg nach Europa ist aber weit.

FC Augsburg: Am Ende noch einen Platz verloren (also auch rund eine Million Euro), aber Platz zwölf ist für einen der ärmsten Klubs ein Erfolg. Der FCA lebte von seiner starken Vorrunde (Rang 9 mit 24 Punkten), hatte aber auch viel Pech. Als der übergroße Kader verkleinert wurde, meldete sich zudem das Verletzungspech. Insgesamt eine gute Saison.

Hannover 96: Sicher die Klasse gehalten, was will man als Neuling mehr? In Hannover brannte es aber außerhalb des Spielfelds, die Ultras boykottierten den Verein, um Präsident Kind zu stoppen, Manager Horst Heldt war bei einigen anderen Vereinen im Gespräch. Große Leistung von Trainer Breitenreiter bei diesen Nebengeräuschen die Mannschaft über alle Klippen gebracht zu haben. Da war nicht mehr drin.

FSV Mainz 05: Der Endspurt sicherte die Liga, alle zweifelten an Trainer Sandro Schwarz, nur Manager Schröder nicht und plötzlich funktionierte die Mannschaft und der Erfolg stellte sich ein. Wieder ein Jahr überstanden, der Überlebenskampf geht weiter.

SC Freiburg: Trainer Christian Streich stand geschätzte 34mal vor einem Herzinfarkt, aber er und seine Mannen haben überlebt. Er sprach von einer irren Saison, mit vielen Ausfällen, Entscheidungen gegen sein Team, aber die Heimstärke und die Unterstützung der Fans brachte den Klassenerhalt. Der Sympathiebolzen bleibt der Bundesliga erhalten.

VfL Wolfsburg: Keine gute Führung, kein gutes Management, keine Mannschaft, obwohl es durchaus einige gute Spieler gibt. Es gab mehr Fehleinschätzungen als gute Leistungen, Beispiel der Verkauf von Torjäger Mario Gomez. Ein Wunder, dass es mit der Relegation noch klappte, nachdem der letzte Retter, Trainer Bruno Labbadia, buchstäblich gegen eine Wand lief. Der Trainer gilt als Spezialist für die Entscheidungsspiele, die beste Saisonleistung im letzten Spiel lässt hoffen.

Hamburger SV: Tschüss Dino, nach 55 Jahren Bundesliga muss der HSV also gehen, hoffentlich nur für ein Jahr. Aber nach Jahren des Dahinsiechens war der Abstieg mal fällig, Fehler, wie sie in Hamburg die letzten Jahre gemacht wurden, müssen sich mal negativ auswirken. Mal sehen, ob die Chance der Neuausrichtung genutzt wird. Ein Problem sind auch die Chaoten, die am Schluss noch für ein schlechtes Bild des HSV sorgten.

1. FC Köln: Kaum ein Verein stieg so erhobenen Hauptes ab wie der 1. FC Köln. Es ist ein Betriebsunfall der besonderen Art und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein wurde eher noch stärker, zahlreiche Stammspieler bleiben, mit Markus Anfang wurde ein hoffnungsvoller Trainer gewonnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der Betriebsunfall sollte sofort wieder repariert werden.

Bleibt noch das Pokalfinale am Samstag, 19. Mai, in Berlin. Bayern München ist gegen Eintracht Frankfurt haushoher Favorit, aber der Warnschuss gegen Stuttgart zeigte, die Bayern sind schlagbar, Da kann Niko Kovac mit Frankfurt zeigen, was er kann, auch wenn es bei der Eintracht heißt, „ein Sieg von uns wäre ein Wunder“. Das Double wäre aber der richtige Abschied für den erfolgreichen Jupp Heynckes, der noch seine achte Meisterschaft feiern konnte und vor fünf Jahren bekanntlich mit dem Triple abtrat. Die Frage ist, ob die Bayern noch einmal den Schalter umlegen können, um am Sonntag auf dem Marienplatz auch gebührend feiern zu können.

Hinweis: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Weltmeisterschaft und den Kader-Nominierungen: „Welches WM-Aufgebot hätten’s denn gern?“

Die Bundesliga ist eine Wundertüte

Am kommenden Wochenende geht die Saison der Fußball-Profi-Ligen in Deutschland zu Ende. Was die Bundesliga angeht, braucht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schon seit Jahren nicht mehr rätseln, wo sie die Meisterschale abliefern soll. Sie könnte in München auf Dauer deponiert bleiben. Auch bei der Torjäger-Kanone gibt es keine Zweifel, der Dortmunder Aubemayang hat mit seinem Wechsel nach London für Robert Lewandowski den Weg frei gemacht. Es gibt also noch die schöne, heile Welt der Bundesliga.

Aber selbst bei den Bayern war die Welt im Herbst nicht ganz heil. Und ansonsten zeigte sich die Bundesliga überhaupt als Wundertüte. Von Konstanz war bei fast allen Klubs nicht die Rede. Nehmen wir Borussia Dortmund als Beispiel: Einmal erstklassiger Fußball, fast wie in alten Zeiten, dann wieder uninspiriert wie in den Wochen vor Peter Stöger, Typisch für Letzteres das 1:2 gegen Mainz, das die Teilnahme an der Champions League wieder in Gefahr bringt. Ähnlich wie in Dortmund war es in Leverkusen, erst auf dem Weg nach oben, zuletzt drei Spiele ohne Torerfolg. Leipzig mal gut, mal schlecht, ein 4:1 gegen Wolfsburg zeugt noch nicht von alter Klasse. Beständig einzig Schalke 04, aber spielerisch kaum einmal überzeugend. Weil die Konkurrenz eben schwächelte, feiern sie in Gelsenkirchen die Vize-Meisterschaft. Diesmal ist Schalke aber nicht der „Meister der Herzen“ nachdem ihnen Bayern mal in letzter Sekunde die Schale entriss, sondern sie sind „Meister des Rests“ nach den Bayern von Gnaden der unbeständigen Konkurrenz. Da zeigte sich auch in der nationalen Saison, warum die Bundesliga auf internationalem Parkett an Boden verlor. Guter Fußball war eine Rarität. Doch mehr dazu nächste Woche in der Bilanz.

Die Spannung wiegt einiges auf, wie schon vorausgesagt hält sie bis zum letzten Spieltag. Gesucht werden neben den Bayern und Schalke noch zwei Teilnehmer an der Champions League, danach können sich zwei oder drei Vereine mit der Europa League trösten. In Dortmund, Hoffenheim, Leverkusen, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart und Mönchengladbach wird gerechnet und gehofft. Hoffentlich setzen sich Mannschaften durch, die dann auch mit dem nötigen Rüstzeug auf Europas Bühnen auftreten. Am stärksten sind Zweifel beim VfB Stuttgart angebracht, der sich mit einem ausgeklügeltem Defensivkonzept nach oben schob. Stuttgart könnte dann ein Schicksal wie der 1. FC Köln erleben: Von Europa zum Abstieg!

Am letzten Spieltag gibt es tatsächlich nur eine Partie, die völlig ohne Bedeutung ist, nämlich das „Freundschaftsspiel“ zwischen Mainz 05 und Werder Bremen. Zwei, die dennoch feiern können, weil sie dem Abstiegskampf rechtzeitig entronnen sind. Anders sieht es in Wolfsburg und Hamburg aus. Im letzten Jahr das direkte Duell um den Platz in der Relegation, diesmal ein Fernduell, wobei für Wolfsburg schon ein Unentschieden gegen Absteiger Köln eine Art Wiederauferstehung wäre, die Mannschaft liegt am Boden, Trainer Labbadia ist ratlos. Köln machte auf jeden Fall zuletzt den besseren Eindruck. Ob die Bundesliga-Uhr beim Dino HSV endgültig stehen bleibt, liegt auch an Borussia Mönchengladbach, das noch eine minimale Chance auf die Europa League hat. Der Ausgang ist ungewiss, denn auch Gladbach gehört zu den Wundertüten-Teams der Bundesliga. Bei Anpfiff weiß man nie, was bis zum Abpfiff wirklich rauskommt.

Im Unterhaus kann man nur sagen „glückliche 2. Bundesliga“. Sie hat zudem ein echtes Endspiel, wenn auch kein brisantes. Wie es der Terminplan so will, treffen sich die beiden punktgleichen Aufsteiger zum direkten Duell. Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg wären die richtigen Nachfolger für Köln und z. B. dem HSV: Da löst der eine rheinische Rivale den anderen ab, dort ein Traditionsverein den anderen. Noch aber tickt die Uhr in Hamburg… Gegner in der Relegation wird übrigens Holstein Kiel sein, der Zweitliga-Aufsteiger hat also immer noch die Chance, direkt in die Bundesliga durchzumarschieren.

Spannung verspricht auch in der 2. Bundesliga der Abstiegskampf. Den hat nur der 1. FC Kaiserslautern verloren, sieben Vereine sind dagegen in den Kampf um den zweiten direkten Absteiger und die Relegation involviert. Besondere Brisanz versprechen die direkten Duelle Darmstadt – Aue und Heidenheim – Fürth, aber auch Braunschweig, Dresden und Sandhausen müssen noch zittern. Wer neu in die 2. Bundesliga kommt, steht fest. Der FC Magdeburg und der SC Paderborn haben den Aufstieg geschafft, der Karlsruher SC als Dritter ist der Kontrahent in der Relegation. Die Vereine wollten es so, dass durch die Relegation die Saison mit dem letzten Spieltag der Punktrunden noch nicht beendet ist. Die Relegation ist praktisch die Zugabe an Spannung, Freude und Trauer.

Champions League: Wer die Champions League vermisst, liest den nachfolgenden Kommentar „Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott“.

Entscheidungen und ihre Folgen

Nur noch fünf Spieltage stehen in der Fußball-Bundesliga bis zum Finale am 12. Mai an. Es ist die Zeit der Entscheidungen. Aber nicht nur im Oberhaus, sondern auch in den Ligen darunter. Entscheidungen fallen zwangsläufig, ein Blick aber auch auf einige Folgen.

Zunächst aber erst einmal herzlichen Glückwunsch an den FC Bayern München, der seine 28. Meisterschaft am 29. Spieltag unter Dach und Fach brachte, nur zweimal waren die Bayern schneller. Es ist der sechste Titel in Folge und natürlich wieder ein neuer Rekord. Was das bedeutet, verdeutlicht ein Blick auf die Liste der Meister: Kein anderer Verein hat seit Bestehen der Bundesliga mehr als fünf Meisterschaften gewonnen! Die Münchner feierten allerdings auf Geheiß ihres Trainers Jupp Heynckes mit „gebremsten Schaum“, die wichtigsten Aufgaben stehen noch bevor, zum Beispiel am Mittwoch das Rückspiel gegen den FC Sevilla in der Champions League. Verständnis bei den Spielern: „Es ist ja so, ich bin über 30, da dauert es ein paar Tage, bis du wieder regenerierst“, sagte Sandro Wagner. Torjäger Robert Lewandowski durfte sich beim 4:1 in Augsburg ebenso ausruhen wie andere Stars. In der B-Elf der Bayern standen mit Ausnahme von Torhüter Sven Ulreich dennoch nur Nationalspieler auf dem Platz! Übrigens: Damit haben die Bayern als erste Mannschaft der großen Ligen in Europa den Titel errungen. Pep Guardiola verpasste dies mit Manchester City mit einer Niederlage im Derby gegen United.

Entscheidungen und ihre Folgen – wie sieht die Zukunft der Bayern aus? Die Bayern-Fans können beruhigt sein, Jupp Heynckes prophezeit den siebten Titel in Folge für 2019. Allerdings wird der Senior, der im Mai 73 wird, dann wirklich nicht mehr auf der Bank sitzen. Zur Erinnerung: Nach sieben Spieltagen hatten die Bayern fünf Punkte Rückstand auf Dortmund, jetzt 20 Punkte Vorsprung auf den Zweiten Schalke. Die nächste Entscheidung verspricht also Brisanz. Das Beispiel mit dem entlassenden Carlo Ancelotti zeigt, dass nicht jeder Fan den FC Bayern auch zum Meister machen kann. So hofft die Konkurrenz auf einen Fehlgriff der Bayern-Chefs, auf einen Umbruch im Team mit Folgen – nur das kann die Langeweile an der Spitze für die nächsten Jahre vertreiben.

Da sind wir bei den neuen Verträgen, bei den Entscheidungen und ihren Folgen. Im Mittelpunkt stehen bei den Bayern Arjen Robben und Franck Ribery, die mit einer Vertragsverlängerung in der Warteschleife stehen. Tendenz: Die Verträge werden verlängert, allerdings müssen Rummenigge und Co. den Stars auch deutlich machen, dass die Einsätze weniger werden, dass sie dem Neuaufbau nicht im Wege stehen dürfen. Cowman, schon in dieser Saison bester Flügelflitzer, und Gnabry, der im Sommer endgültig bei den Bayern beginnen soll, müssen langsam herangeführt werden, sind die Zukunft. Robben und Ribery können in neuer Rolle aber noch besonders wichtig werden. Nicht vergessen sollte man Rafinha, er hat sich in dieser Saison fast als unentbehrlich erwiesen, mit dem Brasilianer sollten die Bayern unbedingt verlängern, er ist der ideale Backup für Kimmich und Alaba.

Das größte Fragezeichen steht natürlich hinter dem neuen Trainer und das nicht nur bei den Bayern. Der Meister könnte allerdings einen Domino-Effekt auslösen, wenn er einen Trainer aus der Bundesliga verpflichtet (Favorit Niko Kovac von Eintracht Frankfurt). Auf Trainersuche wird wohl auch Borussia Dortmund gehen, eine Weiterentwicklung ist unter Peter Stöger nicht erkennbar, und vielleicht kommen doch noch Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelsmann in die Verlosung. Das werden Entscheidungen mit großen Folgen. Wobei bei Dortmund auch Veränderungen im Kader anstehen.

Im Abstiegskampf stehen die größten Entscheidungen an, mit den bittersten Folgen. Köln schaffte mit dem 1:1 gegen Mainz doch nicht den Anschluss, sondern rutschte sogar wieder ans Tabellenende. Der HSV schöpft nach dem 3:2 gegen Schalke wieder Hoffnung, hat wieder Leben im Team, aber ob gegen Hoffenheim, Frankfurt und Mönchengladbach die notwendigen Siege gelingen? Erfolge gegen die direkten Konkurrenten Freiburg und Wolfsburg sind da schon Pflicht, reichen aber zur Rettung nicht. An jedem Wochenende gibt es richtungsweisende Duelle, diesmal am Montag, 16. April, zum Abschluss der Runde Mainz gegen Freiburg, ein Schritt zur Rettung oder nicht, das ist Frage. Eine Niederlage könnte auch Freiburg endgültig in den Abstiegsstrudel reißen.

Übrigens: Ein Blick auf die 2. Bundesliga macht deutlich, dass die Bundesliga Dino HSV und Traditionsklub Köln (der kommenden Abstieg muss fast als Betriebsunfall gewertet werden) noch nachweinen wird. Das Aufstiegsrennen eine Liga tiefer zeigt nämlich, dass die heißen Kandidaten Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg derzeit kaum die nötige Klasse für das Oberhaus besitzen, noch weniger Verfolger Holstein Kiel. Schon heute ist sicher, dass die Bundesliga-Absteiger zu heißen Kandidaten für den Wiederaufstieg werden, andererseits die Aufsteiger zu ersten Anwärtern auf den Abstieg! Entscheidungen mit Folgen also.

Eine seltsame Entscheidung traf das Bundesgericht des DFB, das die Gelbe Karte des Freiburger Spielers Nils Petersen annullierte, weil er sie angeblich nicht gesehen hatte. Kritiker sprechen von einem Skandal und das Gericht hat ein Urteil mit Folgen gesprochen: Die Schiedsrichter müssen sich vergewissern, dass der Spieler die Karte auch sieht. Oft werden die Spieler zum Referee zitiert, manchmal läuft der Schiedsrichter den Sündern auch nach. Das ist unwürdig. Bleibt nur eine Festlegung: Nach einem Foul muss der Spieler am „Tatort“ bleiben bzw. wer sich vom Schiedsrichter entfernt, erhält zudem Gelb wegen unsportlichen Verhaltens und fliegt (wie Petersen) ganz vom Platz. Unbehagen bleibt bei solchen krassen Entscheidungen. Hoffnung: Die FIFA könnte das Urteil einkassieren. Das wäre dann eine Entscheidung mit guten Folgen.