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Tag: Champions League

Der Fußball im Jahr 2020

Testspiele und Wechselgerüchte beschäftigen derzeit die Fußball-Bundesliga, so dass der Blick kaum über den Tellerrand hinausgeht. Die Fußball-Fans sollten aber wissen, dass im Jahr 2020 entscheidende Weichen für die Zukunft des Fußballs gestellt werden könnten. Weichen in die Richtung, ob der Profi-Fußball endgültig zur Geldbeschaffungsmaschine verkommt oder ob er wenigstens noch ein bisschen ein Herz für die Fans behält und sich nicht als Volkssport verabschiedet.

Verwunderung hat schon die TV-Rechtevergabe für die Champions League hervorgerufen, denn nur das Geld war wichtig, nicht die Wünsche der Fans. Die deutschen Fans schluckten, als bekannt wurde, dass Sky ausgebootet wurde und mit Amazon ein neuer Anbieter auf der Bühne erschien. Die Champions League ist ja schon im Pay-TV verschwunden, aber jetzt wird es noch komplizierter. Das kann sich fortsetzen, denn 2020 werden die Rechte für die Bundesliga ab 2021 vergeben. Sky wird sich auf die Hinterbeine stellen, um nicht auch noch diese Rechte zu verlieren, denn Sky ist ja so etwas wie der Bundesliga-Sender geworden. Von der DFL heißt es zwar, dass mehr Bundesliga im Free-TV zu sehen sein soll, doch die Klubs träumen auch von erhöhten TV-Einnahmen. Was kommt da raus? Zersplittern die Übertragungsrechte, so dass sich keiner mehr auskennt? Kommt das Ende der Institution Sportschau und kommt das Sport-Studio weiter zum Zug? Die Antwort werden wir im Frühjahr bekommen.

International stehen bekanntlich die Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf dem Programm. Die EM mit 24 Nationen in 12 Ländern ist ein Experiment und ein eklatanter Verstoß gegen das neue Umweltdenken, wenn sich Fans und Mannschaften fast laufend in der Luft befinden und von Flugscham keine Rede sein kann. Das Fußballturnier bei Olympia vom 24. Juli bis 9. August tangiert die Bundesliga insoweit, als Spieler für die deutsche und ausländischen Mannschaften abgestellt werden sollen. „Sollen“ wohlgemerkt, denn eine Abstellungspflicht besteht nicht. Allerdings fehlen die Spieler nicht bei Punktspielen, sondern nur in der Vorbereitung. Dennoch muss sich Bundestrainer Stefan Kuntz für die Besetzung etwas einfallen lassen, er darf nur auf Spieler der U 23 zurückgreifen und zusätzlich drei ältere Spieler nominieren, muss dabei aber auch berücksichtigen, dass kein Klub besonders belastet wird. Am Ende soll er allerdings auch noch erfolgreich sein. Vor vier Jahren gab es Silber.

2020 werden aber wohl auch die Weichen dafür gestellt, wie es mit der Klub-Weltmeisterschaft weitergehen wird. Die nächste Klub-WM findet 2021 in China statt und es werden dann erstmals 24 Mannschaften teilnehmen. Bisher waren es sieben, vor kurzem holte sich in Katar Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Titel. Streit gibt es hinter den Kulissen, denn die UEFA will nur acht europäische Teams entsenden, doch das Vereinsinteresse ist offensichtlich groß, Europas Topklubs wollen zwölf Teilnehmer dabei haben, weil Ruhm und lukrative Prämien locken. Da wird dann auch nicht mehr von einer zusätzlichen Belastung gesprochen. Geld sorgt wohl für die nötige Kondition bzw. Erholung.

Um Geld geht es beim Videobeweis nicht, sondern um Gerechtigkeit. Doch der Stein des Weisen wurde noch nicht gefunden, statt weniger gibt es fast mehr Diskussionen über Schiedsrichter-Entscheidungen, vor allem wegen der unübersichtlichen Regelauslegung für ein Handspiel und der strengen Blicke auf das Abseits. Hier geht es inzwischen um Millimeter, doch das kann es eigentlich nicht sein, die Linie, die das Abseits beweisen soll, ist nicht von Fehlern frei. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass es nicht um Fuß- oder Nasenspitze gehen kann, sondern es mehr Großzügigkeit geben muss, damit die Entscheidungen schneller gefällt werden können. Vorschlag: Wenn sich die Spieler auf gleicher Höhe befinden, ist es kein Abseits, egal ob Knie, Arm oder Nasenspitze herausragen. Entscheidend sollte sein, dass die Wartezeit bis zur Entscheidung verkürzt wird. Der Fußball leidet nämlich, typisch das Befinden von Spielern und Fans: „Man traut sich ja gar nicht mehr zu jubeln.“

Wir sehen, 2020 hält für uns Fußball-Fans einiges bereit. Manches könnte sogar zur Weichenstellung für das ganze Jahrzehnt werden. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir darauf, dass der Fußball nicht im Geld verschwindet…

Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste

Die Auslosung für das Achtelfinale am Montag hat die Champions League (CL) sicherlich wieder ins Gespräch gebracht. Fußball-Fans diskutieren bekanntlich am liebsten darüber, welche Chancen es gibt, wie die Spiele ausgehen. Aber über der Auslosung lag auch ein Schatten. Der Europäische Fußball-Verband (UEFA) hat am Donnerstag veröffentlicht, wer in Zukunft die Champions League im Fernsehen übertragen darf und da sind manche Fußball-Fans aus allen Wolken gefallen. Die CL wird in Deutschland praktisch gar nicht mehr im Fernsehen übertragen, sie ist ab 2021 Sache der Internet-Streamingdienste, Amazon und DAZN haben sich die Rechte gesichert. Die UEFA beweist damit eine Geldgier ohne Rücksicht auf Verluste, der Fußball und die Fans sind die großen Verlierer. Auf Dauer wird die CL an Popularität verlieren, wieder einmal hat Geld die Sinne vernebelt.

Aber reden wir erst einmal über den Sport. Die Bundesligisten haben sich in der Gruppenphase der Champions League gut geschlagen, Bayern München und RB Leipzig wurden Gruppensieger, die Bayern sorgten sogar für einen Rekord: Noch nie war eine Mannschaft in der Vorrunde so erfolgreich, die Münchner schafften sechs Siege mit einer Tordifferenz von 24:5, als plus 19. Der Lohn: Sie dürfen mit einem Erlös von 100 Millionen Euro in der CL rechnen. Doch das schützt vor starken Gegnern nicht, siehe im Vorjahr, als der FC Liverpool auch nur Gruppenzweiter war und danach bis zum CL-Sieg durchmarschierte. Auch die Bayern blieben geschlagen zurück. Und sie hatten wieder kein Losglück: Es gab drei „schwache“ und drei „starke“ mögliche Gegner, Ex-Bayern-Profi Hamit Altintop zog das Los Chelsea London, zweifellos ein starker Gegner. Da könnte die „Road to Istanbul 20“, die Straße zum Finale in der Türkei erneut im Achtelfinale enden. Muss aber nicht. Auch der RB Leipzig bekam mit den Tottenham Hotspur einen englischen Klub zugelost, zur Erinnerung, im Vorjahr blieben die Bundesligisten im Vergleich mit der Premier League chancenlos.

Leichter hat es Borussia Dortmund auch nicht, mit Ex-Coach Thomas Tuchel gibt es ein Wiedersehen, aber der trainiert jetzt schließlich den Scheich-Klub Paris St. Germain und will mit den Stars Neymar und Mbappe endlich mehr als das Viertelfinale. Gefordert wird schlicht und einfach der Henkel-Pott. Jürgen Klopp und Pep Guardiola stehen im Vergleich mit den Madrider Klubs, treffen mit dem FC Liverpool bzw. Manchester City auf Atletico bzw. Real Madrid. Glücklich werden sie nicht sein, die Spanier allerdings auch nicht. Die Begegnungen Bergamo – Valencia (ein Außenseiter kommt also auf jeden Fall weiter!), Lyon – Juventus Turin und Neapel – FC Barcelona komplettieren das Achtelfinale. Das zieht sich übrigens im Frühjahr 2020 wieder wie Kaugummi hin, mit acht Spieltagen vom 18. Februar bis 18. März.

Der Rubel rollt dann also wieder und ab 2021 für drei Jahre gibt es also mit den neuen TV-Verträgen noch mehr Geld. Allein der Reibach zählt bei der Rechtevergabe der UEFA, eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit wie mit Verlierer Sky, der zuwenig bot, zählt nicht mehr, alte Partner haben keinen Bonus. Die Fans werden auch nicht gefragt, sie hätten mit Sicherheit andere Wünsche. Wie kann man für Deutschland allein auf Streamingdienste setzen, wo eigentlich auch bei geldgierigen Funktionären bekannt sein müsste, dass Deutschland in Sachen schnelles Internet einen Aufholbedarf hat. Es könnte gut sein, dass sich die Fans von der Champions League abwenden und die Geldgier auf Dauer nicht mitmachen. Was dann? Der Sport-Grantler hat schon einmal darauf verwiesen, dass allein die Sponsoren Macht ausüben können und da hat man auch schon vernommen, dass diese nicht glücklich sind. Verpufft ihre Werbung irgendwo im Nirgendwo? Dass das ZDF das Finale im Free-TV übertragen kann und es am Mittwoch eine Zusammenfassung der Champions League im Free-TV geben soll, ist nicht mehr als ein Feigenblatt!

In der Europa League haben die deutschen Teilnehmer für die Zwischenrunde attraktive und machbare Lose gezogen, wenn auch Eintracht Frankfurt Red Bull Salzburg nicht unterschätzen darf. Bayer Leverkusen trifft auf den FC Porto, der VfL Wolfsburg auf Malmö FF. Gespielt wird am 20. und 27. Februar 2020.

Bundesliga und frohe Weichnachten

Ja, die Bundesliga gibt es auch noch. Zwei Spieltage stehen für dieses Jahr noch an, dann geht es in die kurze Winterpause bis zum 17. Januar. Allgemein werden sich zum Abschluss alle „Frohe Weihnachten“ wünschen, doch wer wirklich frohe Weihnachten feiern kann, das kommt auf. Je nach Verein, soll noch der eine oder andere Punkt unterm Weihnachtsbaum liegen, andere wie die Bayern sind nur mit zwei Siegen zufrieden (Freiburg und Wolfsburg). Allerdings dürfte der Weihnachtsfrieden ausnahmsweise dennoch nicht gefährdet sein, weil Trainer Hansi Flick alle für sich eingenommen hat. Er wird wohl bis zum Sommer bleiben. Mit dem 6:1 gegen Bremen und seinen drei Toren ist auch der Brasilianer Coutinho in München angekommen, Abwehrschwächen (Boateng) waren dennoch erneut nicht zu übersehen. Gegen Chelsea müssen die Münchner stabiler sein.

Ein Highlight gibt es noch am Dienstag, wenn Dortmund Tabellenführer RB Leipzig erwartet. Die Nagelsmann-Schützlinge scheinen nicht zu stoppen zu sein, gewannen die letzten sechs Spiele, aber auch Dortmund befindet sich im Aufwind, deshalb im Pott vorweihnachtliche Ruhe. Dortmund kann auch dafür sorgen, dass die Bundesliga mit Spannung in die Rückrunde geht.

Am Tabellenende heißt es wohl eher sarkastisch, „das ist ja eine schöne Bescherung“. Beim SC Paderborn wird man allerdings gelassen bleiben bis zum wohl bitteren Ende. Anders in Köln. Gegen Leverkusen gab es ein Lebenszeichen, nach Frankfurt folgt am Samstag ein „Endspiel“ gegen Werder Bremen, das zu den Vereinen gehört, die für diese Saison eigentlich etwas anderes erwartet hatten. Jetzt heißt es, den Abstiegskampf annehmen und auf frohe Ostern hoffen…

Übrigens: Die Frauen-Bundesliga ist schon im Ziel und macht Winterpause bis zum 14. Februar. Titelverteidiger und Tabellenführer VfL Wolfsburg dominiert wieder das Geschehen und blieb ungeschlagen, gab nur beim 1:1 gegen die Bayern Punkte ab. Das Überraschungsteam ist die TSG Hoffenheim auf Rang zwei, nur drei Zähler zurück. Dahinter die Bayern, die einen Umbruch zu verkraften hatten und gegen Hoffenheim und Leverkusen Niederlagen hinnehmen mussten. Sie brauchen dringend eine Torjägerin. Am Tabellenende Neuling Jena und davor punktgleich im Abstiegskampf Duisburg und – der 1. FC Köln. Die Frauen waren ebenso Aufsteiger wie die Männer und ihnen ergeht es nicht besser. Nur Schlagzeilen machen sie nicht. Die Frauen-Bundesliga führt immer noch ein Schattendasein.

Mit Uli Hoeneß ging bei den Bayern auch das Glück

Die Frage stand immer im Raum: Was wird einmal aus den Bayern, wenn Uli Hoeneß geht? Die Antwort scheint mit einem Blick auf die Tabelle der Fußball-Bundesliga gegeben: Die Münchner liegen nur auf Rang sieben! Zwei 1:2-Niederlagen in Folge gegen Leverkusen und bei Tabellenführer Borussia Mönchengladbach haben Spuren hinterlassen und statt des „mia san mia“ ist jetzt Verunsicherung beim Titelverteidiger zu spüren, der wohl beim Rekord von sieben Titelgewinnen in Folge stehen bleibt. Neues Ziel: Zunächst mal ein Platz für die Champions League. So ändern sich die Zeiten.

Was augenfällig ist: Mit Uli Hoeneß ging offensichtlich bei den Bayern auch das Glück. War es früher ein Markenzeichen der Bayern, dass sie in den letzten Minuten ein Spiel noch drehen konnten, so passiert heute das Gegenteil. Wie eben auch in Gladbach durch einen unglücklichen (oder blöden?) Elfmeter in der Nachspielzeit. Unglücklich ist es allerdings nicht, sondern eher bedenklich, wenn die Bayern nach starken 60 Minuten und einer 1:0-Führung die Kontrolle über das Spiel verlieren. Seltsam ist, dass die Super-Stürmer das Tor nicht mehr treffen. Ging in den ersten Spielen alles fast von allein für Robert Lewandowski, so setzt er jetzt die Bälle knapp vorbei und zeigt Zeichen der Resignation. Sein Lauf ist vorbei, einen Lauf hat dagegen Kontrahent Timo Werner in Leipzig. Bis auf ein Tor hat er sich an den Polen herangepirscht – die Bayern wollten ihn ja nicht. Dieser Fehlgriff passt in eine Reihe von unglücklichen Entscheidungen.

Der Unglücksrabe der Niederlagen war Javi Martinez. Gegen Leverkusen war der Spanier gegen den schnellen Bailey zu langsam, gegen Gladbach verschuldete er den entscheidenden Elfmeter (nur in der Zeitlupe war zu sehen, dass er zuerst den Ball spielte und Thuram aufs Fallen aus war, aber Elfmeter war es wohl trotzdem). Das Problem: Martinez ist für die Innenverteidigung zu langsam. Zur Erinnerung: Martinez galt einst als Glücksbote, wenn er spielte gewannen die Bayern. Auch heute noch ist er im Mittelfeld wohl besser aufgehoben, da bremst er manchen guten Spielzug des Gegners durch seine Erfahrung und sein gutes Spielverständnis. Kommt der Gegner zum schnellen Konterspiel wird er zum Zuschauer. Auffällig außerdem: Gegen die Bayern trafen zuletzt Spieler entscheidend, die bis dahin eher ein Schattendasein führten. Zweimal traf Bailey (bisher enttäuschend), Bensebaini kämpft mit Wendt um einen Platz im Team, Adamyan war vor seinen Toren in München bei Hoffenheim meist Ersatz. Das Glück haben heute die anderen.

Die Meisterschaft werden und müssen die Bayern noch nicht abschreiben. Vor einem Jahr lagen sie am 14. Spieltag neun Punkte hinter Dortmund und zwei hinter Gladbach (!), waren Dritter. Die Rückrunden-Tabelle spricht allerdings Bände: Erster war München mit 42 Punkten, Zweiter Leipzig (35), Dritter Leverkusen (34), Vierter Dortmund (34) und nur Zehnter mit 22 Zählern Gladbach. Wiederholt sich die Geschichte, heißt am Ende der Meister doch wieder Bayern München! Dazu braucht es allerdings auch wieder Glück, Tore und starke Leistung. Und das ohne Uli Hoeneß (zumindest in vorderster Front).

Geklärt werden muss auch die Trainer-Frage, Interimstrainer Hansi Flick hat gewonnen und verloren. Die Leistung kann sich (über lange Zeit) sehen lassen, doch der Ertrag stimmt nicht. Ob er zumindest bis zum Sommer erster Mann bleiben wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Spielen bis Weihnachten, gegen Bremen, in Freiburg (vor den Bayern, für sie ein Jahrhundertereignis!) und gegen Wolfsburg müssen drei Siege her. Die Entscheidung fällt so oder so in der Winterpause, die Medien könnten sich die wiederkehrenden Fragen zur Zukunft von Flick bis dahin sparen. Ein Gespann Thomas Tuchel/Hansi Flick hätte für die Zukunft zweifellos seinen Reiz.

Alle reden über die Bayern, dabei geht der Tabellenführer unter. Aber Borussia Mönchengladbach ist kein Zufallstabellenführer, sondern zeigt beeindruckende Leistungen und trotzte auch dem Verletzungspech. Als „König der Liga“ kann sich Manager Max Eberl fühlen, der den Umbau des Teams glänzend bewerkstelligte. Seine Trainer-Entscheidung von Dieter Hecking zu Marco Rose war ebenso ein Treffer wie er bei den Neuzugängen richtig lag. Auch hier sei angemerkt: Eberl war auch bei den Bayern im Gespräch, die sich dann für Hasan Salihamidzic entschieden. Auch hier sicherlich keine glückliche Entscheidung. Aber vielleicht passt Eberl besser zu Gladbach. Und auf dem Weg zum ersten Titelgewinn seit 1977 wird wohl RB Leipzig der schärfste Gegner sein, zumindest, wenn Timo Werner weiterhin so auftrumpft. Leipzig siegte jetzt fünfmal hintereinander.

Apropos Serien: „Mannschaft der Stunde“ ist eigentlich der FC Augsburg, der viermal ungeschlagen blieb und sich in den wichtigen Spielen gegen die Konkurrenten im Abstiegskampf aus dem Sumpf zog. 17 Punkte und Platz 12 sind der Lohn, fünf Punkte beträgt das Polster zum Relegationsplatz. Kein Wunder, dass Trainer Martin Schmidt die Platte immer neu auflegt: „Der Trend stimmt“. Bemerkenswert auch, dass Paderborn die „Rote Laterne“ abgab und Bremen mit dem 1:0-Sieg in den Abstiegskampf zog. Neues Schlusslicht ist der 1. FC Köln, dort heißt der Trend seit Jahren: Glauben wir, es wird gut, dann wird alles schlecht. Der aktuelle Trend heißt Abstieg.

Platz eins ohne Sicherheit

Bis Weihnachten gibt es keine Ruhepause mehr, in diesen Tagen steht die Entscheidung in Champions League und Europa League an. Die Bundesliga-Klubs haben bisher eine beachtliche Rolle gespielt, Bayern München ist sogar schon Gruppensieger, Leipzig will Platz eins in Lyon und auch gegen St. Petersburg (beide drei Punkte zurück) halten. Doch Platz eins bietet für die Auslosung am Montag, 16. Dezember, keine Garantie für einen leichteren Gegner im Achtelfinale. Die Bayern haben da ja im Vorjahr eine leidvolle Erfahrung gemacht und jetzt könnte dann wieder der FC Liverpool drohen, wenn die Klopp-Schützlinge nicht in Salzburg gewinnen (Hinspiel 4:3). Eine Niederlage könnte sogar das Aus bedeuten, denn Neapel ist ein Sieg gegen Genk zuzutrauen. Aber auch Real und Atletico Madrid drohen für die Gruppensieger als Gegner. Wie die Bayern Erster sind bereits Paris, Manchester City, Juventus Turin und der FC Barcelona. Dortmund kämpft (gegen Slavia Prag) noch um den Einzug ins Achtelfinale und muss dabei hoffen, dass Barca bei Inter Mailand willens ist Leistung zu zeigen. Auch Leverkusen (gegen Juventus) hofft noch, überwintert aber wie Dortmund auf jeden Fall in der Europa League.

Bayerns Gegner staunen: Verflickt noch mal…

Es war in den letzten Tagen so aufregend, als wollte der Fußball noch einmal alles raus hauen bevor es in die sicherlich ruhigere Länderspielpause geht. Im Mittelpunkt stand natürlich in der Bundesliga der deutsche „Clasico“ zwischen den Bayern und Dortmund, der dann mit einer großen Überraschung aufwartete. Daneben beherrschten aber auch Trainer-Entlassungen, die Frauen-Nationalmannschaft, Joachim Löw und Uli Hoeneß die Schlagzeilen.

Das größte Staunen aber gab es beim Bundesliga-Hit. Die Bayern spielten unter Interimstrainer Hansi Flick wie zu ihren besten Zeiten, der Rumpelfußball von Niko Kovac war vergessen und schon sehen die Konkurrenten ihre Felle davonschwimmen und sagen nicht „verflixt noch mal“, sondern jetzt „verflickt noch mal..“. Bezeichnend die Kommentare mancher Bayern-Spieler nach dem überzeugenden 4:0-Triumph: „Wir hatten genaue Anweisungen, jeder wusste, was er tun musste.“ Präsident Uli Hoeneß verriet hinterher: „Ein Teil der Mannschaft war gegen den Trainer.“ Dies war ein offenes Geheimnis und auf dem Platz deutlich zu sehen (siehe auch der Sport-Grantler vom 4. November: „Niko Kovac hat die Mannschaft verloren“). Deutlich zu sehen, dass die Spieler Hansi Flick folgten, für den sie sich auch ausgesprochen hatten. Logisch die Reaktion der Bayern-Bosse: Flick wird bis auf Weiteres Bayern-Trainer bleiben. Das kann bis zur Winterpause gehen, aber auch bis zur Sommerpause. Nur sollte die Leistung gegen Dortmund dann keine Eintagsfliege bleiben. Die Macht dazu aber liegt, da gibt es keine Zweifel mehr, bei den Spielern!

Anders natürlich die Stimmung in Dortmund. „Männerfußball“ wollte Sportdirektor Michael Zorc sehen, Angsthasenfußball ist es geworden. Die Frage auch hier: Was wird mit dem Trainer? Folgen ihm die Spieler noch? Die Fans freuen sich, an der Tabellenspitze bleibt es spannend. Das könnte sich ändern, wenn sich die andere Borussia, nämlich die aus Mönchengladbach, keine Schwächen erlaubt. Vier Punkte Vorsprung sind es jetzt vor den punktgleichen Leipzig, Bayern und Freiburg (ja Freiburg!), die nächsten Gegner des Spitzenreiters nach der Länderspielpause sind Union Berlin, Freiburg und die Bayern am 7. Dezember. Gegen die Mitkonkurrenten darf Gladbach zu Hause antreten und jetzt träumt man zumindest von der Herbstmeisterschaft. Der Trainerwechsel zu Marco Rose hat sich also gelohnt. Ihm folgen die Spieler.

Apropos Trainerwechsel, der in München hat sich also gelohnt und am Wochenende wurden die Stühle gleich reihenweise gekippt. Für Achim Beierlorzer war nach dem unglücklichen 1:2 gegen Hoffenheim in Köln Schluss, aber zuvor gab es bereits den Abschied von Sportdirektor Armin Veh. Für die Mainzer Verantwortlichen war nach dem 0:8 in Leipzig das 2:3 gegen Union Berlin zu viel, Sandro Schwarz muss gehen, obwohl das keiner in Mainz so richtig will. Aber Rang 16, der drohende Abstieg und nur 9 Punkte, das ist nicht das, was man sich in der Karnevalshochburg vorstellt. Also Schluss mit lustig. Neuer Versuch mit neuem Trainer. Aber nicht immer wird es besser…

Wir wissen ja, die Trainer verdienen zwar genug, aber sie sind manchmal auch „arme Schweine“ Siehe Beierlorzer in Köln, er litt auch darunter, dass sein Team wegen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen Spiele verlor, das löst einen Negativtrend aus, ohne dass dies der Trainer beeinflussen kann. Glück hatte Martin Schmidt beim FC Augsburg, weil das Siegtor von Philipp Max in Paderborn zählte. Sein Freistoß segelte über die Mauer hinweg ins Netz, doch die Paderborner Mauer war durch Augsburger Spieler nicht ganz regelgerecht brüchig geworden. Schiedsrichter Marco Fritz sah darüber hinweg, der Videoreferee meldete sich nicht und Martin Schmidt kann glücklich seinen Job behalten. Augsburg verließ nämlich die direkten Abstiegsplätze, aber weitere „Schicksalsspiele“ folgen, Hertha, Köln und Mainz sind die nächsten Gegner. Der FCA könnte sich vom Abstiegskampf verabschieden oder er bleibt mittendrin, dann aber nach der Winterpause wohl nicht mehr mit Martin Schmidt. Trainer müssen Ergebnisse liefern, wie auch immer.

Uli Hoeneß will sich mit diesen Dingen nur noch aus der Ferne beschäftigen. Bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in der Olympiahalle in München will er von seinen Ämtern zurücktreten. Allerdings könnte es ein unruhiger Ruhestand werden, er hat schon angedroht, dass man „von ihm hören wird“. So wie im Fußball-Talk bei Sport1 am Sonntag, als er sich in die Sendung schalten ließ, um seinen Sportdirektor Hasan Salihamidzic zu verteidigen. Der wird auf Betreiben vom scheidenden Präsidenten wohl vom Direktor zum Sportvorstand befördert und da sieht Kritik an seiner Arbeit eben gar nicht gut aus. Uli Hoeneß und sein Lebenswerk bei den Bayern hat der Sport-Grantler schon am 25. Juli gewürdigt: Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch.

Auch Joachim Löw muss liefern

Ein Blick zurück, ein Blick voraus. In der vergangenen Woche machten die deutschen Klubs in der Champions League PR für die Bundesliga. Es passierte erst zum dritten Mal in der CL-Geschichte, dass alle Bundesligisten ihre Spiele gewinnen konnten! Bisher war es in den Jahren 2013/14 und 2014/15 der Fall, jetzt zogen Bayern (2:0 gegen Piräus), Leverkusen (2:1 gegen Atletico Madrid), Leipzig (2:0 in St. Petersburg) und Dortmund (3:2 gegen Inter Mailand nach 0:2-Rückstand) nach. Die Bayern stehen bereits im Achtelfinale, Leipzig und Dortmund haben gute Chancen, Leverkusen wahrte zumindest die Chance auf Rang drei zum Überwintern in der Europa League. Dort hielt der Aufwind allerdings nicht an, nur Gladbach siegte (2:1 gegen AS Rom), Frankfurt (1:2 in Lüttich) und Wolfsburg (1:3 gegen Gent) mussten Niederlagen hinnehmen. Vor allem in Wolfsburg haben Niederlagen die Siegesserie von Saisonbeginn abgelöst.

Jetzt aber ist Joachim Löw mit seiner Nationalmannschaft wieder an der Reihe. Und der Bundestrainer muss liefern, am Samstag gegen Weißrussland und Dienstag, 19. November, in Frankfurt gegen Nordirland muss die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 unter Dach und Fach gebracht werden. Löw lässt logischerweise keine Zweifel am Gelingen, aber die Verletztenliste wird nicht kleiner. Auf Marco Reus muss er jetzt auch verzichten, ebenso könnte Kai Havertz ausfallen. Vielleicht hilft am Samstag der Länderspielort Mönchengladbach, das ist dort, wo derzeit die Bundesligasiege zu Hause sind. Sollte es Abwehrprobleme geben, könnte das Thema Mats Hummels für den Bundestrainer zum Bumerang werden, eine Rückholaktion des Dortmunders hält er bisher nicht für erforderlich.

Ihre Saison abgeschlossen hat die Frauen-Nationalmannschaft, die sich nach der Enttäuschung bei der Weltmeisterschaft wieder im Aufwind befindet und die Saison mit einem doppelten Highlight beendete. Da waren zunächst die 77.768 Zuschauer beim Länderspiel gegen England im Wembley-Stadion (90.000 Karten wurden verkauft), aber erst der 2:1-Sieg machte das Spiel zu einem wirklich tollen Erlebnis. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch offensichtlich erfolgreich eingeleitet und die gesamte DFB-Führung mit Präsident Fritz Keller an der Spitze saß auf der Tribüne. Sie wollten sich auch Anregungen holen, wie der Frauen-Fußball in Deutschland besser gefördert werden kann, England gilt da als Vorbild. So gab es zum Beispiel niedrige Eintrittspreise, um die Fans ins Stadion zu locken und die großen Vereine der Premier League zeigen ein Herz für den Frauen-Fußball. Das fehlt in der Bundesliga noch. Im nationalen Spielbetrieb sind die Frauen schon froh, wenn sie vor tausend Zuschauern spielen dürfen. Ein besonderes Erlebnis ist das dann nicht.

Niko Kovac hat die Mannschaft verloren

Der 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga wäre ja auch ohne spektakuläre Trainer-Entlassung in München ein Spieltag für die Geschichte gewesen, aber das Aus von Niko Kovac bei den Bayern stellte selbst das 8:0 von Leipzig gegen Mainz in den Schatten. Die Trennung vom Coach war aber beim Titelverteidiger die einzige logische Reaktion auf das 1:5 in Frankfurt, zumal es vorher schon beim glücklichen 2:1-Sieg im Pokal in Bochum nur Rumpelfußball gegeben hatte. Die Bosse mussten erkennen, dass die Spieler nicht mehr wollen und dann muss halt der Trainer gehen. Niko Kovac hatte die Mannschaft verloren. Das 1:5 war ein Schlag ins Gesicht für alle und kann auch mit dem frühen Platzverweis von Jerome Boateng nicht erklärt werden. Kovac machte nicht nur in diesem Spiel beim Coachen Fehler, er eckte an mit in seinen Äußerungen über Spieler (Müller), er wirkte wie ein Fremdkörper.

Der Kroate hatte es von Anfang an schwer in München, weil er kein Wunschkandidat der gesamten Spitze war, sondern der Schützling von Präsident Uli Hoeneß, vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nur gelitten. Das machte Rummenigge öfters deutlich. Kovac hatte durch solide Arbeit in Frankfurt auf sich aufmerksam gemacht und beste Werbung für ihn war ausgerechnet der Sieg im Pokalfinale 2018 gegen die Bayern. Dabei übersahen die Bosse, allen voran eben Uli Hoeneß, dass Kovac zwar mit einer mittelmäßigen Mannschaft gute Ergebnisse erzielen kann, dass er aber kein Mann für eine Spitzenmannschaft ist, vor allem keiner, der die Spieler weiterentwickelt. In der letzten Saison führten ihn eher die Spieler aus der Krise, als dass besondere Maßnahmen des Trainers zum Gewinn des Doubles geführt hätten. Die Bosse hatten wohl moralische Zweifel, sich von einem Double-Sieger zu trennen. Jetzt gab es keine Zweifel mehr, die Notbremse musste gezogen werden. Die Spieler folgten dem Trainer nicht mehr, sie meuterten und beschwerten sich. So wird man nicht Meister. Allerdings muss auch die Arbeit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic hinterfragt werden, auch er ein Schützling vom Präsidenten.

Uli Hoeneß muss zum Abschluss seiner großen Karriere beim FC Bayern, die ja am 15. November bei der Hauptversammlung enden soll, noch eine herbe Niederlage einstecken. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Zeichen auf Änderung stehen, dazu passt eben auch ein neuer Trainer. Die Gerüchteküche dampft natürlich gewaltig, alles ist möglich, doch vorerst wird Co-Trainer Hansi Flick die Verantwortung übernehmen (Kovac-Bruder Robert musste natürlich ebenfalls gehen). Er folgte auf Peter Herrmann, dem Heynckes-Helfer, als dieser den Verein verließ. Angeblich kam Flick im Einvernehmen mit Kovac, aber die Bosse hatten diese Ersatzlösung, wie sie jetzt Wirklichkeit wird, wohl schon im Hinterkopf. Flick hat sich einen Namen gemacht, sowohl als Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw, gekrönt vom Weltmeister-Titel 2014, an dessen Gewinn Flick keinen geringen Anteil hatte, danach als Sportdirektor beim DFB. „Vorerst“ wird Flick Chef-Trainer sein, das kann bis zur Länderspielpause gehen oder bis zur Winterpause oder vielleicht sogar noch länger. Angeblich genießt Flick das Vertrauen der Spieler und damit ist es ganz einfach: Mannschaft und Trainer müssen liefern.

Die Liste der möglichen Kovac bzw. Flick-Nachfolger ist lang und könnte beliebig erweitert werden. Ein kleiner Überblick: Heiß: Erik ten Hag, mit Ajax Amsterdam erfolgreich, macht Talente zu Weltstars, arbeitete mit Pep Guardiola in München, damals bei den Bayern II, könnte die Pep-Schule zurückbringen. Würde gern bei den Bayern arbeiten. Xabi Alonso, der einstige Stratege im Mittelfeld dachte immer schon wie ein Trainer, lernt derzeit bei der 2. Mannschaft von San Sebastian, der Spanier wäre ein Experiment. Ralf Rangnick, im Red-Bull-Konzern jetzt für die weltweite Entwicklung zuständig, wurde von den Medien ins Gespräch gebracht, stößt im Verein aber auf Skepsis. Der Italiener Massimilian Allegri, mit Juventus Turin erfolgreich, wäre frei, spricht aber kein deutsch. Dies tut der Franzose Arsene Wenger, früher Wunschkandidat bei den Bayern, am Ende bei Arsenal London aber nicht mehr erfolgreich und mit 70 eigentlich zu alt. Auch Thomas Tuchel ist im Gespräch, aber auch da gibt es Zweifel und vielleicht will er gar nicht, weil er bei Paris St. Germain noch mehr Entwicklungspotential sieht. Es darf also spekuliert werden.

Wichtige Aufgaben für Hansi Flick

Unabhängig vom Trainer stehen für die Bayern wichtige Aufgaben an, Hansi Flick kann sich also bewähren. Am Mittwoch geht es in der Champions League gegen Piräus darum, Platz eins und das Weiterkommen zu sichern, am Samstag steht das Schlagerspiel gegen Borussia Dortmund an. Der Gegner steht ja vor ähnlichen Problemen, Trainer Lucien Favre wird auch laufend hinterfragt, doch das 3:0 gegen Wolfsburg war eine Art Befreiungsschlag, nur sollte es am Mittwoch gegen Inter Mailand in der CL keinen Rückschlag geben. Am Samstag geht es aber darum, welcher der beiden selbsternannten Titelkandidaten vorerst im Rennen bleibt.

Ganz oben thront ziemlich überraschend Borussia Mönchengladbach und das seit vier Spieltagen, das gab es zuletzt in der Meistersaison 1976/77. Von einer „Neuausrichtung“ hat Manager Max Eberl vor der Saison gesprochen, als man sich ziemlich überraschend von Dieter Hecking trennte und Marco Rose als neuen Trainer holte. Die Richtung stimmt also, könnte auch ein Wink nach München sein. Dazu landete Eberl (der ja auch schon bei den Bayern im Gespräch war) mit Marcus Thuram als neuen Stürmer und Torjäger einen Volltreffer. In Gladbach genießt man die Situation und fängt nicht das Träumen an, in Dortmund sagt man, die falsche Borussia ist vorn.

Europas Bühne beherrscht diese Woche, die Frage ist, ob es da so spannend zugeht wie beim DFB-Pokal letzte Woche. Da gab es eine ganze Reihe von packenden Spielen, nicht nur die Bayern zitterten bei einem Abstiegskandidaten der 2. Bundesliga. Vor allem der 1. FC Köln erlebte beim 1. FC Saarbrücken eine peinliche Pleite, dazu schieden mit Freiburg, Paderborn, Wolfsburg und Gladbach (in Dortmund) weitere Bundesligisten aus. Dafür trumpften die Kleinen auf, noch nie schafften es zwei Viertligisten (Saarbrücken und Verl) ins Achtelfinale des DFB-Pokal. Dazu kommt der 1. FC Kaiserslautern aus der 3. Liga. Vorfreude also auf den 4./5. Februar, allerdings auch Probleme. Saarbrücken wollte sich zu dieser Zeit erst aus der Winterpause zurückmelden, muss also umdisponieren, weil die Punktrunde erst drei Wochen später beginnt. Der Fluch der guten Tat also, aber es gibt auch über eine Million Euro als Trostpflaster, allerdings mit dem Karlsruher SC nicht unbedingt den prominentesten Gegner. Er könnte aber schlagbar sein!

Das Pokal-Achtelfinale: Frankfurt – Leipzig, Bayern – Hoffenheim, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Kaiserslautern – Düsseldorf, Verl – Union Berlin, Saarbrücken – Karlsruhe.

Das Dilemma der Trainer und mit den Trainern

Die Medien-Welt jubiliert und die Fußball-Fans tun es wahrscheinlich auch: Die Bundesliga ist so spannend wie nie, die Vereine an der Spitze rücken immer enger zusammen. Von den ersten sieben Klubs hat kein einziger gewonnen! So darf Borussia Mönchengladbach als Verlierer im Spitzenspiel Tabellenführer bleiben und der VfL Wolfsburg tummelt sich weiter in einer illustren Runde der ungeschlagenen Vereine in Europa, u. a. mit dem FC Liverpool, Juventus Turin und Ajax Amsterdam. Allerdings: Die Bewährungsproben für Wolfsburg kommen erst noch. Sonntag gegen Augsburg wohl noch nicht (trotz des Auftritts des FCA gegen Bayern), aber dann geht es nach Dortmund, folgen Leverkusen und Frankfurt als Gegner.

Was vielen gefällt, gefällt einem Verein nicht: Dem FC Bayern München. Der Serienmeister, der seinen achten Titel in Folge anstrebt, steht am Rande einer Krise, die neue Herbstkrise wird nämlich bereits in den Raum gestellt in Erinnerung an den Herbst 2018. Am Ende holten die Bayern dennoch das Double und nur diese Erinnerung sorgt dafür, dass es statt Krise nur ein Grummeln gibt, dies aber deutlich. Die Bayern stehen aber auch für ein Phänomen, mit dem die Bundesliga zu kämpfen hat: Das Dilemma der Trainer und mit den Trainern.

Die Trainer haben das Problem mit der Erwartungshaltung, mit den Fans und mit den Spielern. Siehe das Luxusproblem von Niko Kovac in München, der zwar eine starke Mannschaft mit vielen Stars führen darf, aber den Kader einfach nicht in Bestform bringen kann. Das wiederum macht das Dilemma mit den Trainern deutlich: Die Übertrainer fehlen heute, die Vereine müssen sich mit sogenannten B-Kandidaten zufrieden geben, sie verpflichten Mister B, hätten aber lieber Mister A, doch der war nicht zu bekommen. Nur so ist auch der Trend zu eher unbekannten und unerfahrenen Coaches zu werten, weil einige Klubs mit diesen Lösungen unerwartete Erfolge erzielten und jetzt hoffen auch andere auf diesen Effekt. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Auch Niko Kovac wurde in München nicht von allen mit offenen Armen aufgenommen. Durch das Double hat sich sein Standing im Verein verbessert, aber alle Zweifel konnte er nicht ausräumen, sie sind permanent vorhanden. Er zählt derzeit ebenso zu den Verlierern im Verein wie Thomas Müller, dessen Rolle er ungeschickt gehandelt hat. Nicht nur die letzten erfolglosen Spiele der Bayern (1:2 gegen Hoffenheim, 2:2 in Augsburg) zeigten, dass es Kovac nicht gelingt, das Bayern-Spiel positiv zu entwickeln und die Klasse der Spieler umzumünzen in ein attraktives Spiel. Pep Guardiola lässt grüßen, alles war die Bayern von heute bieten, sind mehr oder weniger Reste vom einstigen Glanz. Und so lechzen nicht nur die Bayern nach Trainern wie eben Pep Guardiola oder Jürgen Klopp. Einen Klon von den beiden gibt es nicht. Auch Hoffnungsträger Julian Nagelsmann stößt in Leipzig an seine Grenzen, drei sieglose Spiele dämpfen die Meisterhoffnungen und Lucien Favre in Dortmund muss den Beweis erst erbringen, dass er Titel gewinnen kann. Sein Müller heißt übrigens Mario Götze.

Da der Jubel, dort der Frust über die Spannung in der Bundesliga. So freuen sich die Fans über Schlagerspiele en masse, jedes Spiel ist von enormer Bedeutung, es spielen nur Derby-Emotionen wie beim Ruhrpott-Schlager Schalke – Dortmund eine Rolle. Schalke nutzte zweimal nicht die Chance zum Sprung an die Spitze, jetzt ist der wieder möglich – von Rang sieben aus! Dafür müssen die Bayern erneut schwächeln, dass dies gegen Union Berlin sein kann, hält man angesichts der letzten Leistungen für möglich.

Auch am Tabellenende geht es eng zu und auch ihr gibt es an jedem Spieltag ein Schlagerspiel. Nur der SC Paderborn droht den Anschluss zu verlieren, wartet auf den ersten Sieg. Ob er ausgerechnet gegen den „Tabellenführer“ Düsseldorf gelingt? Deren Coach Friedhelm Funkel hat nämlich eine Motivation für seine Jungs gefunden: „Wir sind Tabellenführer im Keller.“ Mainz gegen Köln ist das zweite brisante Keller-Duell.

Der Fußball-Herbst hätte diese Spannung für die Aufmerksamkeit gar nicht gebraucht, denn mit den europäischen Spielen und DFB-Pokal geht es sowieso rund. Diese zusätzlichen Belastungen können Einfluss nehmen. Oder Verletzungen, wie sie die Bayern zu beklagen haben, mit dem Ausfall von Abwehrchef Niklas Süle. Da wird manche Planung über den Haufen geworfen, aber von einem Notfall darf nicht gesprochen werden, der Trainer hat viele Möglichkeiten, um mit Boateng, Pavard, Hernandez und Martinez den Ausfall zu kompensieren. Thomas Müller wird von diesem Ausfall nicht profitieren. Und was die Nationalmannschaft angeht, da sind die Medien zur Stelle und drängen Mats Hummels Bundestrainer Joachim Löw auf. Doch auch der müsste eigentlich in seinen Zukunftsgedanken einkalkuliert haben, dass sein Abwehrchef ausfallen kann. Alles andere wäre sehr kurzsichtig. Holt er Hummels jetzt zurück, wäre dies ein Eingeständnis dieser Kurzsichtigkeit.

Apropos Spannung: Spannend geht es auch in Spanien zu und auch in der Champions League. Ob es am Ende wirklich eine bessere Ausgangslage verspricht, wenn man Gruppensieger wird? Da tut sich noch Seltsames, Real Madrid ist Schlusslicht in der Gruppe A nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge, der FC Liverpool nur Dritter in der Gruppe E nach einem 0:2 in Neapel und mühsamen 4:3 gegen Salzburg und der FC Barcelona ist in der Gruppe F Zweiter hinter Dortmund. Doch das kann sich schnell ändern, die Dortmunder stehen vor den beiden entscheidenden Duellen mit Inter Mailand um den Einzug ins Achtelfinale, denn Barca bleibt Favorit. Wie auch immer, ein heißer Herbst ist gewiss.

Sieben Tore wecken falsche Hoffnungen

Was war das für ein Festtag: Mit 7:2 fegten die Bayern Tottenham Hotspur aus dem eigenen Stadion, Fußball-Europa horchte auf. Was war das für eine Enttäuschung: Überheblich, ohne Einsatz und Disziplin ließen sich die Bayern von Hoffenheim und vor allem vom Bundesliga-Lehrling Sergis Adamyan mit 1:2 düpieren. Zwei Tore durch die Beine von Jerome Boateng, schlimmer geht’s nimmer. Der Ex-Nationalspieler als Lehrling, die Bayern als Ex-Tabellenführer und die Frage aller Fragen: Wie stark sind die Bayern wirklich? Die sieben Tore gegen Tottenham weckten jedenfalls falsche Hoffnungen. Der grandiose Sturm (jeder Schuss ein Treffer) hatte sich gelegt und wurde ein laues Lüftchen. Sturm gibt es bei den Bayern höchstens abseits des grünen Rasens.

Gewiss: Vor einem Jahr ging es Trainer Niko Kovac noch schlechter, vor dem Besuch auf dem Oktoberfest gab es eine 0:3-Niederlage gegen Gladbach, es war die vierte sieglose Partie in Serie. Da war Feuer auf dem Dach, das allein mit Oktoberfestbier nicht gelöscht werden konnte. Diesmal bleibt noch alles ruhig nach der ersten Niederlage nach 20 Spielen, aber der Coach macht beileibe nicht alles richtig und Fragen werden gestellt. So nach dem Umgang mit den Spielern, zum Beispiel Thomas Müller. „Mister Bayern“ aufs Abstellgleis gestellt und eine dumme Aussage von Kovac: „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit seine Einsatzzeiten bekommen.“ Müller schwieg, für den Trainer war es ein Eigentor. Die Arbeit im Team macht es nicht leichter, liegt denn Kovac wirklich richtig, Joshua Kimmich im Mittelfeld werkeln zu lassen und dafür auf seine Power auf der Außenposition zu verzichten? Neben Thiago gehört in der Mitte ein Abräumer, doch Javi Martinez leidet wie Müller auf der Ersatzbank. Die Bayern haben Abwehr- und Abstimmungsprobleme, die sollte der Trainer abstellen, sonst wiederholt sich das Feuer vom Vorjahr. Die Euphorie von London ist schnell verflogen.

Die Bayern nur Dritter, eine Dichte wie noch nie an der Tabellenspitze, sieben Teams nur zwei Punkte auseinander, normal müsste man urteilen „Fußball-Herz, was willst Du mehr“. Doch es überwiegen eher die Zweifel, auch nach zweifelhaften Auftritten auf Europas Bühne. Wie bei den Bayern heißt die Frage: Wie stark ist die Bundesliga wirklich? Die Spannung weckt falsche Hoffnungen, die Favoriten schwächeln und nur deshalb kommen die Mannschaften aus dem Mittelfeld plötzlich an die Spitze. Mönchengladbach war einst Stammgast auf dem Platz an der Sonne, doch seit dem 3. Spieltag der Saison 2011/12 war dies nicht mehr der Fall! Jetzt ebneten erschreckend schwache Augsburger den Weg. Und dahinter folgt der VfL Wolfsburg: Mit biederen Leistungen schaffte er es trotzdem bisher ungeschlagen zu bleiben – als einzige Mannschaft!

Großes Rätselraten also, vor allem in Dortmund nach drei 2:2 in Folge, jeweils mit eigener Führung. Die Borussia ist kein Spitzenteam , im Moment zumindest nicht. Da gerät auch Trainer Lucien Favre immer mehr in die Kritik. Dortmund ist wohlgemerkt nur Achter. Beobachter haben aber recht: Die derzeitige Konstellation sorgt für ein Spitzenspiel nach dem anderen, Dortmund gegen Gladbach zum Beispiel. Schade, dass die Länderspielpause ansteht. Nur die Teams am Tabellenende werden vielleicht froh sein, um nach Lösungen zu suchen. Vor allem Augsburg muss sich sammeln, die hohen Niederlagen mehren sich und als nächster Gegner kommt Bayern München. Einzige Hoffnung für den FCA: In welcher Form? Mit Köln – Paderborn steht aber auch das nächste große Kellerduell an, Vorletzter gegen Letzter, gegen Mainz verpasste Paderborn seinen ersten Saisonsieg. Auffallend: Die drei Aufsteiger liegen hinten.

Länderspiele sind für die Fans kein Spaß mehr

Länderspiele müssen sein, aber die Länderspiele sind keine Feiertage mehr, eher eine unwillkommene Unterbrechung der Punktrunden. Die Verbände und die Trainer sind aber selbst schuld, allerdings ist es auch verständlich, dass diese Spiele für Experimente und Tests genutzt werden. Die Teams treten meist nicht in Bestbesetzung an. Allerdings müssten dann die Eintrittspreise angepasst und vor allem die unseligen vielen Wechsel in der zweiten Halbzeit abgeschafft werden. So sind die Länderspiele für die Fans kein Spaß mehr. Der Test von Deutschland gegen Argentinien am Mittwoch in Dortmund ist der Beweis: Argentiniern verzichtet auf seine Stars, auch Messi fehlt, Deutschland beklagt viele Verletzte. Jogi Löw entlarvend: „Das Ergebnis steht nicht im Vordergrund.“ Von einem Fußball-Feiertag kann keine Rede sein.

Auch deshalb gab es keine Kritik an dem neuesten Coup der UEFA, die in der Nations League die beste Gruppe aufstockte, künftig spielen in Liga A je vier Mannschaften statt drei, Deutschland muss deshalb nicht absteigen. Es wird also 2020 keine Freundschaftsspiele mehr geben, weil auch die Verbände erkannt haben, dass sich der Spaß in Grenzen hält. So gibt es in allen Länderspielpausen Pflichtspiele der Nations League. Testen kann (muss) der Bundestrainer dennoch, es müssen ja nicht gleich mehrere Spieler auf einmal sein.

Testen kann oder muss Joachim Löw gegen Argentinien aber auch am Sonntag in Estland, weil zahlreiche Stammspieler fehlen, neben Sane, Schulz, Draxler, Goretzka und Rüdiger musste auch Toni Kroos absagen, der Einsatz von Ginter, Werner und Gündogan ist fraglich. Feststeht, dass gegen Argentinien Torhüter Marc-Andre ter Stegen seine Chance bekommt, wenn es am Sonntag in der EM-Qualifitkation wieder ernst wird, steht Kapitän Manuel Neuer im Tor. Damit wird die leidige Torhüter-Debatte allerdings nicht beendet sein. Einer wird sich wohl beweisen dürfen, Talent Kai Havertz von Bayer Leverkusen, den viele schon besser als Toni Kroos einstufen.