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Tag: Champions League

Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa

Schön, dass es so etwas im Profi-Fußball, wo Geld die Hauptrolle spielt, noch gibt. Nicht die Euros führten zum Erfolg, sondern die Nachwuchsarbeit. Insofern ist Ajax Amsterdam nach seinem Einzug ins Halbfinale der Champions League ein Vorbild für alle Vereine in Europa, die keinen reichen Sponsor in der Hinterhand haben. Geld lässt die Hoffnung auf Titel größer werden, aber eine Garantie gibt es nicht. Das musste das unterlegene Juventus Turin erfahren, das Millionen in Cristiano Ronaldo investiert hat und jetzt doch mit leeren Händen da steht. Zudem noch erkennen musste, dass die Zeit der alten Herren abgelaufen ist.

Als Bayern München in der Gruppenphase gegen Ajax nicht über zwei Unentschieden hinauskam, da wurde der Deutsche Meister kritisiert. Heute muss man diese Remis fast schon als Erfolg werten, allerdings hat sich die fehlende Klasse der Bayern dann doch im Achtelfinale gegen den FC Liverpool gezeigt. Amsterdam wurde im Laufe der Saison zudem immer besser, die „Enkel“ von Ajax-Star Johan Cruyff spielen einen leichten, beschwingten Fußball, der ganz Europa begeistert. Erinnerungen an die alten Zeiten werden wach, denn dass es Ajax ins Halbfinale schaffte, ist schon 22 Jahre her. Einen Titel haben sie schon mit dem Einzug ins Halbfinale, sie sind die Größten der Kleinen, denn seit es die Champions League gibt (92/93), gelang es allein Ajax als einzigem Klub außerhalb der großen Ligen in Spanien, England, Italien, Deutschland und Frankreich viermal ins Halbfinale einzuziehen.

Jetzt wartet mit Tottenham Hotspur der andere „Underdog“ im Halbfinale, denn auch Tottenham ging als Außenseiter ins Duell mit Manchester City und riss City-Coach Pep Guardiola und seine Mannen aus allen Träumen. Auf den Trainer lastet quasi ein Champions-Fluch, zuletzt siegte er 2011 mit dem FC Barcelona. Mit den Bayern und jetzt City läuft er dem Titel erfolglos hinterher. City scheiterte mit viel Pech, Tottenham erfuhr Gerechtigkeit durch den Videobeweis. Aber die Hotspur sind das Gegenstück zu Ajax: Sie arbeiten Fußball mit viel Leidenschaft und haben eine teurere Mannschaft.

In den Niederlanden muss man die Gunst der Stunde genießen, denn sei die Gegenwart noch so glorreich, die Zukunft sieht wieder trübe aus. Das ist das harte Los der guten Nachwuchsarbeit, dass die Talente, die den Erfolg bringen, dann das Nest verlassen und an die Fleischtöpfe der großen Vereine abwandern. Der Wechsel von Frenkie de Jong zum FC Barcelona ist bereits perfekt, Kapitän Mathijs de Ligt soll ihm angeblich folgen, Hakim Ziyech ist bei den Bayern im Gespräch, aber ebenso wie Donny van de Beek bei gut situierten Vereinen in ganz Europa. Da steht vor Trainer Erik ten Hag wieder eine große Aufbauarbeit in den nächsten Jahren.

Oder wird der Coach auch bald an den Fleischtöpfen naschen? Er wurde wohl bei den Bayern als Trainer der U23 unterschätzt, sagt aber selbst, dass er bei Pep Guardiola viel gelernt hat (wenigstens ein kleiner Erfolg für Pep!). Vielleicht wäre er für die Bayern sogar der richtige Trainer, denn die Bayern haben ja beim Umbau der Mannschaft das Ziel, ein bisschen wie das Ajax von heute zu sein: Eine Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern, geführt von ein paar Routiniers, die einen attraktiven, erfolgreichen Fußball auf den Rasen zaubern sollen. Die Talente holen die Münchner allerdings bei anderen Vereinen, die eigenen Nachwuchsspieler haben es schwer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bayern ist halt nur ein bisschen Ajax. Ähnliches kann man von Borussia Dortmund sagen, die sogar schon ein Stück weiter als die Bayern sind. Beide Klubs haben es zudem finanziell im Kreuz, Spieler gegen alle Angebote an der Leine zu halten.

Ein Kleiner unter den Großen wird also ins Finale der Champions League am 1. Juni in Madrid einziehen. Im anderen Halbfinale duellieren sich zwei Favoriten: Messis FC Barcelona und Jürgen Klopps FC Liverpool. Wobei der deutsche Trainer mit einem Handicap leben muss: Die Fans der Reds wünschen sich noch sehnsüchtiger die nationale Meisterschaft als den internationalen Titel.

Frankfurt rettet die Bundesliga

Schön, dass es das in der Bundesliga noch gibt: Nicht der FC Bayern München ist der letzte Vertreter im internationalen Geschäft, sondern ein eher Kleiner der Liga. Eintracht Frankfurt schwang sich zum Retter der Bundesliga im internationalen Renommee auf und beeindruckte mit einem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon und den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Dies erstmals seit 39 Jahren! Dabei hatte die Eintracht Glück, dass es in der EL noch keinen Videobeweis gibt und das Abseits beim ersten Treffer nicht erkannt wurde (da wäre City froh gewesen, wenn der Videobeweis in der CL noch nicht eingeführt worden wäre). Jetzt wartet aber mit Chelsea London ein dicker Brocken. Im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Valencia und Arsenal London gegenüber. Alle vier Mannschaften haben übrigens eines gemeinsam: Sie kämpfen in ihren nationalen Ligen um den Einzug in die Champions League. Frankfurt und Chelsea sind aktuell beide Vierter, hätten es also geschafft, Arsenal und Valencia sind dagegen beide Sechster, haben aber noch Chancen auf den Sprung nach oben. Der kürzeste Weg für alle vier Vereine in die Champions League ist der Sieg in der Europa League. Leicht wird das aber auch nicht.

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Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.

Jogi Löw zeigt es seinen Kritikern

Und er kann es doch! Der überraschende 3:2-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Amsterdam über die Niederlande zum Start der EM-Qualifikation war vor allem ein Triumph für Bundestrainer Joachim Löw. Er hat es seinen Kritikern gezeigt, aber er hat seinen Triumph nicht in Jubelpose, sondern still genossen. Die Stimmen, die nach dem missratenen Fußball-Jahr 2018 lautstark und nach der unglücklichen Ausbootung der Bayern-Nationalspieler wiederholt seinen Rücktritt forderten, werden jetzt erst einmal verstummen. Löw hat bis zu den nächsten Qualifikationsspielen im Juni Ruhe, aber er weiß auch, beim nächsten schwachen Spiel stehen die Kritiker wieder auf der Matte.

Am Spiel in Amsterdam gibt es allerdings nichts zu mäkeln. Löw, der schon so oft taktisch daneben lag, hatte diesmal das richtige Konzept ausgeklügelt und Gegenspieler Koeman überrascht. Die Mannschaft folgte willig, glänzte mit Einsatz, Spielfreude und hielt sich mit Kampfgeist in der kritischen Zeit über Wasser. Sie hatte neben Können und Willen aber auch das nötige Spielglück. Wie heißt es so schön, das hat nur der Tüchtige. Kapitän Manuel Neuer mit zwei glänzenden Paraden (auch er ein Sieger gegen seine Kritiker), Süle, Kimmich und Kroos gingen voran, Sane und Gnabry spielten ihre Schnelligkeit aus und beeindruckten mit ihren Schüssen. So treffen sie allerdings nicht immer! Ein Glücklicher war zudem Nico Schulz und durch seinen Treffer zum 3:2 ganz ohne Zweifel eben auch Joachim Löw. Der hatte das glückliche Händchen, um Gündogan und den ein wenig angeschlagenen Marco Reus zur richtigen Zeit aufs Feld zu bringen. Eines der seltenen Spiele wo alles klappte.

Sah nach der Ausbootung von Hummels, Boateng und Müller der FC Bayern München in Sachen Nationalmannschaft als Verlierer aus, so war der Rekordmeister diesmal ebenfalls ein Sieger. „Nur mit einem starken Bayern-Block haben wir eine starke Nationalmannschaft“, ist das Credo von Uli Hoeneß, das trotz der Ausbootung der Stars diesmal wieder zutraf. Mit Neuer, Süle, Kimmich, Goretzka und Gnabry startete Jogi Löw mit einer starken Bayern-Achse, der Rest kam aus sechs verschiedenen Vereinen!

Ruhm und Ehre kann Jogi Löw jetzt ein bisschen auskosten, es wird ihm wieder mehr Spaß machen, die Bundesliga-Stadien zu besuchen. Die nächsten Spiele stehen erst wieder nach der Saison an, am Samstag, 8. Juni, in Weißrussland und Dienstag, 11. Juni, in Mainz gegen Estland. Da gibt es dann vielleicht andere Probleme, frustrierte Spieler müssen nach einer verkorksten Saison eventuell moralisch aufgebaut werden. Die Juni-Termine sind nicht immer die glücklichsten.

Die Bundesliga ist in Gefahr

Sorgen gibt es im Fußball genug, international tickt eine Zeitbombe. Die ECA, die Vereinigung der europäischen Vereine, verstärkt offensichtlich ihre Bemühungen, die Champions League aufzuwerten und aus ihr eine wirkliche europäische Meisterschaft zu machen. Die Bundesliga ist dabei in Gefahr, die Gedanken gehen nämlich dahin, die Champions League künftig an den Wochenenden auszutragen und dafür die nationalen Punktrunden auf Spieltage Mitte der Woche zu verlegen. Ein Unding! Hier müssen UEFA und Ligen konsequent und hart bleiben, um diese Gedanken im Keim zu ersticken. Man kann nur wiederholen: Gerade die Bosse der großen Vereine haben nur noch das Geld im Auge. Der Fußball ist für sie das Vehikel zum Geldverdienen, aber nicht der Volkssport, den sie pflegen sollten. So machen sie nämlich die Basis kaputt und über kurz oder lang würde dem Fußball der Nachwuchs fehlen. Doch geldgierige Funktionäre denken über ihre prall gefüllten Geldbeutel nicht hinaus.

Wenn aber Europas Dachverband und die nationale Verbände zu schwach sein sollten, dann gibt es noch einen Gegner, der Wirkung erzielen kann – nämlich die Fans! Könnte sein, dass eine Champions League am Wochenende plötzlich unter Stimmungsmangel leidet und die Bundesliga unter der Woche vor leeren Rängen spielt!

Alles wartet auf den 6. April

Am kommenden Wochenende gibt es allerdings noch Bundesliga, aber der Endspurt der Saison ist alles andere als Alltag. Alles wartet auf den 6. April, wenn sich die heute punktgleichen Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen. Eine Entscheidung wird es nicht geben, aber durchaus eine Vorentscheidung. Die Spieler beider Teams strotzen vor Selbstbewusstsein und beiderseits gibt es eine Kampfansage: „Wir wollen alle Spiele gewinnen“. Vielleicht gibt es zum Ende ein Wettschießen um die bessere Tordifferenz! Die Frage wird dann sein, wer stellt einem Meisterschaftsanwärter ein Bein? Das ist das Restprogramm:

Bayern München: Freiburg (auswärts), Dortmund (zu Hause), Düsseldorf (A), Bremen (H), Nürnberg (A), Hannover (H), Leipzig (A), Frankfurt (H).

Borussia Dortmund: Wolfsburg (H), München (A), Mainz (H), Freiburg (A), Schalke (H), Bremen (A), Düsseldorf (H), Gladbach (A).

Ein bisschen zur Schicksalsfrage wird natürlich der Abstiegskampf, denn der Sturz in die zweite Liga ist schließlich mit erheblichen finanziellen Einbußen verbunden und das Geld regiert bekanntlich die Welt, vor allem (siehe oben) die Fußball-Welt. Ob zum Beispiel Hannover nach einer Revolution im Verein (die Opposition eroberte den Vorsitz im Verein, Martin Kind regiert im ausgegliederten Fußball) die nötige Ruhe aufbringt, um die rettenden Punkte einzufahren? Die Nagelprobe gibt es gleich am Sonntag gegen Schalke, zwei bedrohte Teams stehen sich zudem im bayerischen Derby mit Nürnberg und Augsburg gegenüber. Stuttgart hat es aber in Frankfurt auch nicht leichter. Der Kampf gegen den Relegationsplatz könnte wie das Titel-Duell bis zum Saison-Ende spannend bleiben. Noch hat Augsburg (25 Punkte) gegenüber Schalke (23) und Stuttgart (20) die besten Karten, Hannover (14) und Nürnberg (13) müssen erst einmal den Anschluss schaffen. Für sie ist der Start in den Endspurt gleichzeitig so etwas wie die letzte Chance.

Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft

„Das Thema“ im deutschen Fußball ist nach wie vor die Ausbootung von drei Weltmeistern für die Nationalmannschaft von Joachim Löw. Der Bundestrainer überraschte mit der Absage an die Bayern-Stars Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng die gesamte Fußball-Welt, sorgte für Erstaunen, aber auch für Kopfschütteln. Einmal für diese kurz vor der nächsten Kader-Nominierung in dieser Woche offensichtlich überstürzte Entscheidung, zum anderen aber auch für die Endgültigkeit, die er nach außen von sich gibt. Was ist da hinter den Kulissen wirklich passiert? Löw will auf junge, schnelle Spieler setzen und hat die „Alten“, die eigentlich mit 30 gerade im besten Fußball-Alter sind, vor die Tür gesetzt. Alt ist eher Jogi Löw selbst mit 59 Jahren. Das Problem: Jogi Löw blickt ohne Weitsicht in die Zukunft.

Der Bundestrainer war offensichtlich schlecht beraten, er hätte sich eine Hintertür offen lassen sollen, dann würde er in den kommenden Aufgaben nicht so unter Druck stehen. Jetzt muss Jogi Löw bzw. sein Team in den kommenden Spielen, vor allem in der EM-Qualifikation beweisen, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. Mit Argusaugen werden auch die Leistungen der drei Bayern-Spieler beobachtet und typisch war schon die Schlagzeile einer Sonntagszeitung: „Guck mal, Jogi! Müller trifft!“ Müller, Hummels und Boateng zeigten beim 6:0 gegen Wolfsburg das, was sich Bayern-Trainer Niko Kovac versprochen hat: „Sie werden eine Trotzreaktion zeigen, beweisen wollen, was sie können, Bayern wird davon eher profitieren.“ Macht Löw die Bayern zum Meister?

Der bessere und diplomatischere Weg für den Bundestrainer wäre gewesen, wenn er vorsichtiger mit der Zukunftsplanung umgegangen wäre. Er hätte allen dreien die Tür offen halten müssen, denn er kann auf sie, wenn sie in Bestform sind, eigentlich nicht verzichten. Sind denn Süle, Ginter, Tah oder Rüdiger in der Abwehr wirklich besser? Warum hat er zum Beispiel nicht Boateng (zuletzt verletzt) nur diesmal nicht nominiert (ohne Absage für die Zukunft), Hummels vielleicht im Kader gelassen (er hat z. B. in Liverpool gezeigt, was er kann) und Müller als Alternative zu den jungen, schnellen Stürmern Gnabry, Sane und Werner in der Hinterhand gehalten. Wenn die nämlich gegen eine starke Abwehr nicht ankommen, dann könnte immer noch Müller mit seinem Torriecher und der unkonventionellen Spielweise helfen. Joachim Löw hat sich ohne Not in eine schlechte Position gebracht. Aber er hat die Nationalmannschaft natürlich ins Gespräch gebracht, erhöhte Aufmerksamkeit für die Kader-Benennung, gesteigertes Interesse am Freundschaftsspiel gegen Serbien am 20. März und das erste EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande am 24. März.

Bayern und Dortmund – beide auf ihrem Platz

In der Bundesliga herrschen wieder geordnete Verhältnisse, die Bayern und Dortmund befinden sich wieder auf ihrem angestammten Platz. Das hätte vor kurzem noch keiner gedacht, dass die Aufholjagd der Bayern nach neun Punkten Rückstand gegenüber der Borussia so schnell erfolgreich sein könnte. Aber entschieden ist die Meister-Jagd natürlich noch nicht, doch die Äußerungen sind deutliche Zeichen für die Zukunft. Die Bayern glaubten nach Beendigung der Herbstkrise immer an ihre Chance und demonstrieren jetzt mit ihrer Leistung, die alten Bayern sind wieder da. Trainer Niko Kovac kann sich dabei als einer der Gewinner fühlen. Andererseits scheint es, als wären die Dortmunder froh, dass sie nicht mehr die Gejagten sind. Sie bekamen das große Zittern und hören sich jetzt plötzlich selbstbewusster an in der bekannten Rolle des Jägers: „Das hat noch nichts zu sagen“, machte sich Borussia-Kapitän Marco Reus auf Platz zwei selbst Mut. Fehlen ja auch nur zwei Tore. Alles schaut auf das große Duell am 6. April in München.

Im Abstiegskampf versuchen es die fünf Kandidaten vor allem mit Kampfgeist und Defensivtaktik. Notfalls mit einer Quittung für die Spieler, nur wer kämpft, darf spielen. Am erfolgreichsten ist dabei der FC Augsburg, der nach seinem Sieg gegen Dortmund nun auch CL-Anwärter Leipzig einen Punkt abtrotzte. Stuttgart versuchte ähnliches in Dortmund, wo Trainer Lucien Favre klagte, „die haben einen Bus vor dem Tor geparkt“. Am Ende durfte er sich doch freuen, weil seine Mannen den Riegel knackten. Ähnliches bei Schalke, Hannover und Nürnberg, mit Pech schrammten sie gegen Bremen, Leverkusen und Hoffenheim an Punktgewinnen vorbei. Nichts Neues also, auch in Sachen Konsequenzen, so arbeiten die Trainer Tedesco, Weinzierl und wohl auch Baum von Woche zu Woche unter Bewährung. Von besonderer Brisanz dabei das Duell Augsburg – Hannover am Samstag, der FCA könnte mit einem Sieg Hannover in den Abgrund stürzen. Dort hat ja sogar Vereinsboss Martin Kind erkannt, „die Mannschaft ist kaputt“. Der Boss selbst und Manager Horst Heldt sind dabei die Hauptschuldigen.

Wachablösung in der Champions League

In der Champions League (CL) steht die zweite Woche des Achtelfinals an, doch die Wachablösung hat bereits stattgefunden. Mit Paukenschlägen wurde das Achtelfinale eröffnet, vor allem Ajax Amsterdam verzauberte und erstaunte die Fußball-Welt. Wenn Joachim Löw von den jungen Wilden träumt, dann hat sie Ajax bereits und die spielten Titelverteidiger Real Madrid buchstäblich an die Wand. Ajax träumt von alten Zeiten, bei Real sind die guten Zeiten vorbei, in der Saison verspielten die „Königlichen“ alles, Champions League, Meisterschaft und nationalen Pokal. Trainer Zinedine Zidane wusste offensichtlich, warum er gegangen ist. Das zweite Desaster erlebte Paris St. Germain, das nach einem 2:0 im Hinspiel nun gegen Manchester United in Paris eine 1:3-Pleite erlebte. Dabei trat Manchester so ungefähr mit einer Notelf an. Peinlich für Thomas Tuchel und Co. Keine Ehre für die Bundesliga legte auch Borussia Dortmund ein, das gegen Tottenham beim 0:3 und 0:1 nicht einmal einen Treffer zustande brachte. Englands Team sind auf dem Vormarsch.

Manchester City wird wohl gegen das gebeutelte Schalke nach dem 3:2 im Hinspiel der nächste Klub der Premier League sein, der im Viertelfinale vertreten ist. Ja, und dann fehlt nur noch der FC Liverpool. Wird er wirklich fehlen? Bayern München stellt die letzte Hürde da und der Vergleich hat quasi an Bedeutung noch einmal zugelegt. Beide Klubs gewannen ihre Generalprobe, die Bayern überzeugten beim 0:0 im Hinspiel mit großem Kampfgeist, doch jetzt ist auch Spielkunst gefragt. Kimmich und Müller sind gesperrt, dagegen kann Trainer Jürgen Klopp auf Abwehrchef Virgil van Dijk, der mit seiner Kopfballstärke auch eine Gefahr für das Bayern-Tor ist, zurückgreifen. Ein 0:0 wird es kaum noch einmal geben, was bedeutet, dass die Bayern wohl sogar mehr als einen Treffer erzielen müssen. Die Bayern hoffen wieder auf Alaba und Coman und den Schwung als Tabellenführer. Die Frage wird sein: Wer hat die bessere Tagesform? Schade für die Fußball-Fans, dass die CL im Pay-TV verschwunden ist. Hoffentlich gibt es bei den nächsten Verhandlungen über die Fernsehverträge ein Umdenken der Verantwortlichen.

Der Spaß ist vorbei, jetzt geht es nur noch ums Überleben

In der ersten Saison-Hälfte wurde die Bundesliga noch gelobt, als die Mannschaften erfrischenden Fußball zeigten, die Spielkultur im Vordergrund stand und die Spiele teilweise eine Qualität erreichten, die man der einstigen Rumpelliga gar nicht zugetraut hatte. Doch heute sieht es wieder anders aus. Der Spaß ist vorbei, für die Klubs geht es nur noch ums Überleben, da heiligt der Zweck die Mittel und die Mittel sind folgende: Hinten dicht und vorne hilft der Zufall. Der Kampf steht im Vordergrund, nicht die Spielkultur.

Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Die Ausnahme war zum Beispiel die Partie Dortmund gegen Leverkusen, ein wirkliches Spitzenspiel mit offenem Visier. Wer zur gleichen Zeit auf DAZN das Finale im englischen Liga-Cup zwischen Chelsea London und Manchester City verfolgte, der schaltete gern wieder um auf die Bundesliga. 3:2 und offenes Visier hier, ein 0:0 nach sogar 120 Minuten und ein verzweifelter Abwehrkampf von Chelsea dort (zum Glück gewann City im Elfmeterschießen, City und Trainer Pep Guardiola freuen sich über den ersten von vier möglichen Titeln). Vorteil Bundesliga also!

Selbst der FC Bayern München griff zum Rezept des Kampfes, wurde dafür allerdings für das 0:0 in Liverpool gelobt. Ein heroischer Kampf um jeden Zentimeter Rasen – wer hatte dies den verwöhnten Millionären von der Isar schon zugetraut. Das Kovac-Rezept war erfolgreich und wurde auch beim mageren 1:0 gegen Angstgegner Hertha BSC Berlin deutlich: Einsatz vor Spielkultur, die allerdings vermisst wird. Der Trainer nannte selbst das Ziel: „Wir wollen gewinnen, egal wie.“ Bayerns „Spieler der Woche“ war der Spanier Javi Martinez. Er galt schon als Verkaufsobjekt, jetzt war er der Turm in der Schlacht von Liverpool und Matchwinner mit seinem Kopfballtor gegen Hertha. Martinez sollte eigentlich unverkäuflich sein, er ist eine Art von Maskottchen, mit ihm im Team befinden sich die Bayern auf der Erfolgsspur. Auf ein anderes Maskottchen müssen sie wieder mal verzichten, Flügelflitzer Coman hat sich schon wieder verletzt. Diesmal ist es ein Muskelfaserriss, seine Knochen, Sehnen und Muskeln sind wohl zu schwach für den Profi-Sport.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß kündigte unabhängig davon jedoch glänzende Zeiten für die Bayern an, die Leute würden sich über die Neuverpflichtungen noch wundern. Wundern kann man sich aber auch über Hoeneß, er verfällt immer wieder ins alte Leid und trumpft mit großen Sprüchen auf. Mal sehen, ob der Umbruch wirklich gelingt und der einstige Torwart-Titan Oliver Kahn ein würdiger Nachfolger für das Gespann Rummenigge/Hoeneß wird.

Zunächst mal Vorsicht: Das 0:0 in Liverpool ist trügerisch, ein 1:1 in München bedeutet das Aus, Leverkusens Ausscheiden in der Europa League gegen Krasnodar ist da die Warnung, eben mit einem 0:0 auswärts und 1:1 zu Hause. Auch in der Bundesliga mussten die Bayern einen Rückschlag hinnehmen, in der Form, da Dortmund humorlos, aber stark seine Mini-Krise von fünf Spielen ohne Sieg mit dem 3:2 gegen Leverkusen beendet hat. Und das ohne Kapitän Marco Reus, der bald wieder mitmischen will. Dafür aber wieder mit den jungen Abwehrrecken Akanji und Zagadou, die ähnlich wichtig scheinen. Dortmund will sich den Bayern also nicht ergeben. Was kommt da auf uns zu? Ein bisschen Spaß.

Am Tabellenende sieht es allerdings so aus, als wollten sich die Abstiegskandidaten dem Rest der Liga ergeben. Nürnberg, Hannover, Stuttgart und Augsburg zeigen teilweise Leistungen, die eines Bundesliga-Klubs eigentlich unwürdig sind. Die Plätze am Tabellenende werden wohl in den Duellen untereinander ausgespielt, am Ende könnten vielleicht sogar 25 Punkte zum Klassenerhalt reichen. Den direkten Duellen kommt also besondere Bedeutung zu, Nürnberg und Hannover haben diese schon beendet, bezeichnend, jeder siegte zu Hause mit 2:0. Am Sonntag folgt das nächste, Stuttgart erwartet Hannover. Der VfB machte zuletzt den Eindruck, als sollte es bergauf gehen, doch Tatsache sind acht Spiele ohne Sieg. Gelingt der diesmal, erstickt er gleichzeitig die Hoffnungen der Niedersachsen und bringt dort Trainer Thomas Doll in Erklärungsnot.

Einen desolaten Eindruck machte vor allem der FC Augsburg, der sich beim 1:5 in Freiburg buchstäblich ergab. Was war los im Team, das sich im Spiel zuvor beim 2:3 gegen die Bayern beachtlich aus der Affäre zog? Klar, die Verletzungsprobleme wurden deutlich, doch das entschuldigt mangelnden Einsatz nicht. Abstiegskampf? Fehlanzeige. Da brennt der Baum, der Stuhl des Trainers wackelt und die nächsten Niederlagen sind programmiert, die Gegner heißen Dortmund und Leipzig. Und dann kommt Hannover. Ob da die Moral noch in Ordnung ist? Nürnberg wiederum schwächte sich in Düsseldorf selbst. Nach vier Minuten ein dummer Platzverweis, dann ein unglückliches Eigentor – typischer Rückschlag für einen Abstiegskandidaten. Mit-Aufsteiger Düsseldorf ist dagegen keiner mehr.

Vom Tabellenende ist es nicht weit zur Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Dort erlebten die selbsternannten „Muss-Aufsteiger“ Hamburg und Köln konträre Spiele. Der HSV schwächte sich bei der 1:2-Niederlage in Regensburg mit zwei Platzverweisen selbst, der 1. FC Köln feierte Rückkehrer Anthony Modeste. Er kam, schoss, siegte und heulte. Als Joker brachte er mit zwei Treffern die Wende gegen Sandhausen und stellte fest: In Köln ist es mit weniger Geld viel schöner als in China mit vollen Taschen.

Einen Paukenschlag lieferte Manager Christian Heidel bei Schalke 04. Er kündigte seinen Abgang spätestens zum Saisonende an, löst seinen Vertrag, der bis 2020 terminiert war, vorzeitig auf. Heidel zog die Konsequenz nach einer missglückten Manager-Zeit. Er verbrannte auf Schalke buchstäblich Geld, verkaufte zwar Talente für viel Geld, holte aber für noch mehr Geld mit einem Minus von rund 50 Millionen Euro keinen einzigen wirklichen Leistungsträger. Angesichts der Leistungen in diesem Jahr muss die Vizemeisterschaft der letzten Saison immer noch Wunder angesehen werden. Doch Wunder gibt es nicht immer wieder.

In dieser Woche heißt es im Fußball mal Durchschnaufen, kein Pokal, keine Spiele auf Europas Bühne, viele Trainer gaben ihren Schützlingen gleich zwei Tage frei. Vielleicht sorgen freie Köpfe wieder für frischen Schwung, bessere Leistungen und Erfolge. Dann heißt es erneut „ein bisschen Spaß muss sein“.

Die Stunde der Wahrheit für die Bayern

Die einen nennen es das „Spiel des Jahres“, die anderen rätseln „Wie stark ist der FC Bayern wirklich?“, aber eines ist gewiss: Am Dienstag kommt „Die Stunde der Wahrheit“ für den FC Bayern München. Gegner ist der FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League und die ganze deutsche Fußball-Nation steht hinter den eigentlich ob ihres Erfolges und oft großspurigen Auftretens eigentlich ungeliebten Bayern. Aber sie sind – wieder einmal – der einzige Hoffnungsträger der Bundesliga in der Champions League (CL).

Nach der Auslosung des CL-Achtelfinals richteten sich alle Augen auf das Duell England – Deutschland (auch hier hieß es am 2. Februar „Der Zweikampf England – Deutschland steht im Mittelpunkt“). Jetzt ist das erste Duell vorbei und Fußball-Deutschland enttäuscht, den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund erhielt bei den Tottenham Hotspur eine Lehrstunde erteilt und steht nach dem 0:3 unmittelbar vor dem Aus. Eigentlich galten die Favre-Schützlinge als größter deutscher Hoffnungsträger, aber die großartige Frühform der Saison ist verflogen, dafür schmerzt das Verletzungspech. Jetzt müssen die Bayern wieder die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen, wobei die Chancen gegen den Tabellenführer in England allenfalls als 50:50 eingeschätzt werden. Immerhin: Alles ist möglich.

Eins ist klar: Von den beiden Kontrahenten könnte jeder am Ende auch im Endspiel am 1. Juni in Madrid stehen. In Höchstform zeigten sich zuletzt beide Teams nicht, auch hier spielt das Verletzungspech eine große Rolle. Trainer Jürgen Klopp hat beim FC Liverpool vor allem Abwehrsorgen, Abwehrchef van Dijk fehlt ebenso wie sein stärkster Nebenmann Lovren und der nächste in der Rangliste, Joe Gomez. Ein Dilemma, das den Ex-Schalker Joel Matip in die Mannschaft spült. Also heißt es wieder einmal: Angriff ist die beste Verteidigung, der Super-Sturm mit Afrikas Fußballer des Jahres Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane muss es richten. Ein Sonderfall: Da Liverpool in den nationalen Pokalwettbewerben frühzeitig ausgeschieden ist, hatte die Mannschaft jetzt zehn Tage Pause. Klopp nutzte sie zu einem Trainingslager in Spanien. Vorteil (ausgeruht) oder Nachteil (kein Spielrhythmus) wird sich zeigen. Von müden Engländern vom Liga-Stress sollte aber keine Rede sein.

Abwehrprobleme plagen auch die Bayern. Immerhin ist Stammtorhüter Manuel Neuer wieder an Bord, aber Jerome Boateng wird wegen Magenproblemen fehlen. Er ist zusammen mit Mats Hummels laut Statistik Bayerns stabilste Innenverteidigung. Aber von stabil kann bei den Münchnern eigentlich nicht die Rede sein, denn sie kassieren ungewöhnlich viele Gegentore, zeigen sich vor allem als konteranfällig und könnten deshalb für die schnellen Liverpooler Stürmer ein gefundenes Fressen darstellen. Vorteil Klopp also, es sei denn, Bayern-Trainer Niko Kovac besteht seine Meisterprüfung und schafft es, die offenen Reihen dicht zu bekommen. Kovac in der Rolle des Klempners. Übrigens: Bei einer Umfrage des kicker sagt die Mehrheit der Leser (56,9 Prozent), dass die Bayern nicht weiterkommen.

Bei der Frage des Weiterkommens von Schalke 04 sagen sogar 88,4 Prozent „Nein“. Ist auch logisch, heißt doch der Gegner Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Dessen Mannschaften beeindrucken besonders mit Spielkultur. Der Trainer bei Schalke heißt Domenico Tedesco, der Schalke im Vorjahr mit Defensiv-Disziplin zur Vizemeisterschaft führte, in diesem Jahr aber eher an den Abgrund. Bei Schalke fehlt quasi alles, ein Gegner auf Augenhöhe wird der Bundesligist nicht sein. Abwehrbeton gegen Spielkunst ist wohl die Losung und die Schalker Fans werden sich eher an Leroy Sane erfreuen, wenn denn ihr alter (junger) Liebling von Pep auch aufgestellt wird.

Die Bayern wollen alle Rekorde

Und da sind wir auch wieder bei der Bundesliga. Die Bayern wollen offensichtlich alle Rekorde, selbst wenn er negativ ist. Leon Goretzka traf beim mühsamen 3:2-Sieg in Augsburg nach 13 Sekunden ins eigene Netz und schaffte damit das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Es gibt allerdings Rekorde, die werden für die Bayern unerreichbar sein. Oder ist es denkbar, dass zum Beispiel Franck Ribery mit über 40 noch für die Bayern wirbelt? Mit Blick auf „Oldie“ Claudio Pizarro können die Bayern wenigstens darauf verweisen, dass der Peruaner auch für sie spielte. Der Stürmer ist aber wirklich ein Phänomen, netzte in Berlin glücklich ein und ist jetzt mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und es wird wohl nicht das letzte Tor gewesen sein, vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran. Noch ist er wertvoll für Werder Bremen. Noch ein Rekord: Pizarro traf von 1999 bis 2019 in allen 21 Kalenderjahren.

Ansonsten machte die Bundesliga zuletzt Schlagzeilen, weil sie nach dem Skifliegen in Oberstdorf eine eigene Flugwoche veranstaltete. Neben Trainern fliegen neuerdings auch die Sportdirektoren. Nach dem VfB Stuttgart räumte auch der 1. FC Nürnberg auf, entließ gleich Trainer Michael Köllner und Sportvorstand Andreas Bornemann. Bleibt im Abstiegskampf nur noch Augsburgs Trainer Manuel Baum als einziger im Amt. Zusammen mit Kollegen Markus Weinzierl, der ja in Stuttgart schon als „Retter“ geholt wurde, muss er von Woche zu Woche schauen, wie die Leistungen bewertet werden. Schwere Aufgaben stehen für Baum in Freiburg und Weinzierl in Bremen bevor. Was passiert bei Niederlagen?

Thema des Spieltags: Was passiert bei Handspielen? Die werden immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, keiner kennt sich mehr aus. Schlimm: Spieler, Trainer und Fans haben die Eindruck, auch Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter kennen sich nicht mehr aus. Wie bei Handspielen geurteilt wird, ist zum reinen Glücksspiel geworden. Ob der Fußball so bald zu einem verbotenen Glücksspiel wird?

Noch einmal zurück zum FC Bayern München. Sollten die Profis in diesem Jahr tatsächlich ohne Titel bleiben, dann gibt es im Verein vielleicht noch einen kleinen Trost. Die Frauen haben am Sonntag das Spitzenspiel gegen den eigentlich übermächtigen VfL Wolfsburg glücklich mit 4:2 gewonnen und haben nach Punkten aufgeschlossen. Was das Ergebnis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Statistik: Wolfsburg erlitt die erste Saisonniederlage und hatte bis dahin nur fünf Gegentreffer in 13 Spielen hinnehmen müssen und das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen!

Die Frauen könnten also Bayern einen Titel bescheren, ebenso die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Süd auf Platz eins liegt und endlich in die 3. Liga aufsteigen will. Bayern-Präsident Uli Hoeneß wäre glücklich, wenn die Basketballer wieder die Meisterschaft wieder nach München holen würden. Diese führen die Bundesliga klar an, aber es gibt ja Play-Offs. Eine Entscheidungsrunde, die alles wieder auf „Null“ stellt und die viele sich deshalb in den letzten Jahren auch für die Fußball-Bundesliga wünschten. Doch in diesem Jahr hat ja Borussia Dortmund eine andere Antwort gegeben. Wie auch immer, ganz leer ausgehen werden die Bayern vielleicht doch nicht.

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!