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Tag: Champions League

Die Bundesliga zeigt ihr besseres Gesicht: Tore, Tempo, Siege

Welch ein Wandel! Vor noch gar nicht langer Zeit hörte man im und über den deutschen Fußball nur Wehklagen (auch an dieser Stelle). International fehlten die Erfolge, national in der Bundesliga eher Langeweile als Spannung und fehlende Qualität. Das hat sich total geändert. Auf Europas Bühne feierten die Bundesligisten quasi eine Wiederauferstehung mit teils überraschenden, teils glücklichen Siegen, in der Punktrunde reiben sich manche Fans die Augen, sie sehen Tempo und Tore, so dass Urteile wie „großes Kino in Augsburg“ (beim 2:3 gegen Bremen) keine Seltenheit sind. In Berlin heißt es „wir genießen“. Die Bundesliga wohlgemerkt – Frühlingserwachen im Herbst.

Es sind auch die Geschichten am Rande, welche die Bundesliga im Gespräch halten. Zum Beispiel auf Schalke der Disput zwischen Trainer und Spieler, als Stürmer Franco di Santo (einst ein Torjäger) mit seiner Auswechslung nicht einverstanden war und Trainer Domenico Tedesco anmeckerte, der beendete die Diskussion mit einem „halt die Fresse“. Logisch, nach vier Niederlagen in Folge ist die Stimmung ebenso im Keller wie die Mannschaft als Schlusslicht. Der Trainer fordert deshalb jetzt drei Siege, die Gegner heißen Freiburg, Mainz und Düsseldorf, allesamt vor der Saison dem Kreis der Abstiegsanwärter zugerechnet. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und wenn später, dann wohl ohne Tedesco. Die Zeiten haben sich geändert.

Auch Bayern-Trainer Niko Kovac haben die Auguren Ärger mit Auswechslungen vorausgesagt, schließlich tritt er dabei immer einem Star auf die Füße. Bisher moderiert der neue Coach alle Schwierigkeiten hervorragend, wenn auch Arjen Robben auf der Bank oder Franck Ribery bei seiner Auswechslung keine gute Laune zeigen. Eigentlich logisch, bei Ribery aber deshalb seltsam, weil er vorher in einem Interview noch betont hat, dass er die Wechsel versteht und alle spielen müssten. Auf dem Spielfeld und neben dem Feld sind halt zwei paar Stiefel bzw. Ansichten. Bisher betonen allerdings alle Bayern-Spieler die gute Stimmung und Kovac lässt mit viel Gespür wirklich alle spielen. So durfte Renato Sanches in der Champions League in seiner Heimat Lissabon glänzen und Leon Goretzka bei seinem alten Verein Schalke auflaufen. Nur Siege sind für die Münchner das Resultat, Bayern ist das Gegenteil zu Schalke.

Siege verschenkt hat der FC Augsburg. Der Schuldige: Torhüter Fabian Giefer. Gegen Mainz kam er zweimal unglücklich aus dem Tor, aus dem 1:0 wurde ein 1:2. Gegen Bremen hatte der FCA mit viel Elan aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht und war am Siegtreffer nahe dran, dann unterlief dem Schlussmann der Fehler eines Schülertorhüters, er ließ den Ball durch Hände und Beine rutschen – 2:3. Augsburg ist Elfter mit vier Punkten, könnte aber Vierter (jetzt Bremen) mit acht Punkten sein! Armer Torwart, armer Trainer. „Er ist ein Mensch, Menschen machen Fehler, aber ich muss nach Leistung gehen“, jammerte Trainer Manuel Baum, den Tränen nahe. Giefer oder Konkurrent Andreas Luthe (derzeit leicht verletzt) waren laut Baum auf gleicher Höhe, es war eine „Bauch-Entscheidung“ meint der Trainer, jetzt hat der Bauchschmerzen. In München, gegen Freiburg und in Dortmund braucht er einen guten Torhüter. Der nach Dortmund abgewanderte Marwin Hitz hinterlässt offensichtlich eine größere Lücke als gedacht.

Die Hetzjagd um Punkte geht weiter, viele Ligen in Europa nutzen die internationale Pause in dieser Woche zu Ligaspielen am Dienstag und Mittwoch, so bleibt eben auch die Bundesliga im Gespräch. Allerdings hat sie selbst verschuldet bzw. aus Geldgier die Regelung getroffen, dass am Freitag das Spitzenspiel Hertha BSC – Bayern München nur von einem kleinen Teil der Interessenten gesehen werden kann. Die TV-Rechte liegen bei Europasport, doch nur wenige nehmen die zusätzlichen Kosten für den Eurosportplayer zum anderen Pay-TV-Anbieter Sky auf sich. Oder wie wäre es mit einem Schmankerl bzw. PR im Free-TV?

Bekanntlich ist ja in Deutschland auch die Champions League im Pay-TV verschwunden, die Anbieter Sky und DAZN teilen sich den Kuchen. UEFA und Vereine kassieren mehr Geld, aber vielleicht geht der Schuss nach hinten los, denn das Interesse lässt nach. Sahen in den letzten Jahren beim ZDF Spiele der Bayern zum Beispiel bis zu acht Millionen Zuschauer, so waren es diesmal beim Match in Lissabon bei Sky gerade mal 770.000 bzw. zusammen mit der Konferenz insgesamt bescheidene 1,3 Millionen Fußball-Fans. So kann die Champions League keine Werbung für sich machen.

Damit sah die Masse der Fans auch das Schauspiel der Saison nicht. Superstar Cristiano Ronaldo flog beim Gastspiel seines neuen Vereins Juventus Turin in Valencia mit Rot vom Platz. Der „Schuldige“ war der deutsche Schiedsrichter Dr. Felix Brych bzw. sein Landsmann Marco Fritz, der eine Tätlichkeit von Ronaldo anzeigte (er griff nach einem Foul dem Gegenspieler in die Haare, gewertet als ein Ziehen). Brych reagierte erst auf einen Hinweis seines Kollegen.

So könnte die Diskussion abgelaufen sein, nachdem Brych zum Kollegen eilte: Brych: „Was hast Du denn gesehen?“ Fritz: „Der Ronaldo hat den anderen an den Haaren gezogen, das ist Rot.“ Brych: „Rot für Ronaldo, das können wir doch nicht machen.“ Fritz: „Gerade Rot für Ronaldo geht, der affektierte Bursche muss mal vom Feld, dem zeigen wir, wer hier das Sagen hat.“ Brych: „Rot für Ronaldo, das gibt einen Skandal.“ Fritz: „Toll, da sind wir doch mal richtig im Gespräch, los schick ihn runter.“ So schafften sie es, dass der Superstar in Tränen ausbrach und der Portugiese musste erkennen, es gibt auf dem Feld eine höhere Macht als ihn! Außerdem bitter: Ohne ihn lief es bei Juve besser…

EM 2024: Übrigens, es gibt in dieser Woche am Donnerstag noch die wichtige Entscheidung der Vergabe der Fußball-Europameisterschaft für 2024. Deutschland und die Türkei wollen die EM ausrichten. Mehr lesen Sie im nächsten Kommentar „Vergabe Fußball-EM 2024: Wie ticken die Funktionäre?“

Bittere Pillen und blaue Grausamkeiten

Die Fußball-Bundesliga hat gerade drei Spieltage hinter sich – und schon werden Trainer in Frage gestellt und die vor der Saison rosig gezeichnete Zukunft nun schwarz gefärbt. Leute, nach 34 Spieltagen wird erst abgerechnet! Andererseits ist es richtig, wer den Start verschläft, muss erst einmal hinterherrennen. Wer gut beginnt, bekommt vielleicht einen Lauf.

Unruhe herrscht vor allem bei Bayer Leverkusen und Schalke 04. Die einen müssen bittere Pillen schlucken, die anderen blaue Grausamkeiten ertragen, beide liegen mit null Punkten am Ende der Tabelle. Rückblick: Vor einem Jahr war der 1. FC Köln nach drei Spieltagen Letzter mit 0 Punkten und stieg am Ende ab. Leverkusen war mit einem Zähler Vorletzter, schaffte es noch auf Rang fünf und in die Europa League, doch auf diese Aufholjagd wollte man in diesem Jahr verzichten und deshalb wackelt bereits der Stuhl von Trainer Heiko Herrlich. Es sind nicht wenige, die die Partie am Sonntag gegen Mainz als „Endspiel“ ausrufen. Schwung könnte sich Bayer mit einem Sieg in der Europa League am Donnerstag in Rasgrad, beim Meister Bulgariens, holen.

Ähnlich die Situation auf Schalke, drei Spiele, drei Niederlagen, dazu kommt Meister Bayern München am Samstag und am Dienstag geht es vorher in der Champions League gegen den FC Porto. Da sind Erfolgserlebnisse nicht leicht und der in der letzten Saison gefeierte Trainer Domenico Tedesco ist jetzt als Krisenmanager gefragt. Wo ist der Schwung geblieben? Auf Schalke erinnert man sich an den Start unter Trainer Markus Weinzierl mit fünf Niederlagen. Zwar schaffte der Straubinger damals die Wende, doch dieser Start war für ihn der Anfang vom Ende. Nun erlebt vielleicht Tedesco blaue Grausamkeiten.

Erstes Aufatmen gibt es anderswo. Bei Neuling Düsseldorf zum Beispiel, mit dem ersten Sieg und das gegen den Champions-League-Neuling Hoffenheim. Auch RB Leipzig feierte den ersten Saisonsieg, da rollte quasi der Stein der Erleichterung vom ganzen Verein. Und am Tabellenende punkteten Aufsteiger Nürnberg und die Baden-Württemberger Freiburg und Stuttgart im Derby im Ländle. Schon kleine Erfolgserlebnisse lassen aufatmen. Die genannten Vereine waren übrigens auch an den dramatischen Ereignissen beteiligt, die Bundesliga beeindruckte nämlich mit vielen Toren in den letzten Minuten. Da haben sich wohl einige die Bayern als Vorbild genommen, deren Markenzeichen ja unter anderem ist, dass sie Spiele noch in den letzten Minuten entscheiden können. Also ist das nicht mehr allein Bayern-Dusel.

Eine andere Diskussion wird rund um die Spitzenklubs geführt. Ist jetzt ein großer Kader von Vorteil oder nicht? Die Geschehnisse zeigen, dass beides falsch und richtig sein kann, das Schicksal entscheidet. Fall Dortmund: Trainer Lucien Favre ist glücklich, „endlich gibt es viele Spiele, da kann ich allen einen Einsatz gönnen“. Rotation zur Beruhigung der Gemüter, keine Rede von Dreifachbelastung. Eigentlich wollte die Borussia den Kader reduzieren.

Das taten die Bayern, doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Vidal, Bernat und Rudy durften gehen, um für mehr Ruhe im großen Kader zu sorgen, jetzt hat das Verletzungspech zugeschlagen: Drei Spiele, drei schwer verletzte Spieler. Wenn das so weiter geht, haben die Bayern am Ende keine Mannschaft mehr. Trainer Niko Kovac klagt, „wir dürfen kein Freiwild sein“. Coman und jetzt Rafinha zogen sich ihre Verletzungen nach bösen Fouls der Gegner zu, bei Tolisso war der Kreuzbandriss Pech in einem normalen Zweikampf, aber die Saison könnte für ihn beendet sein. Hieß es vorher, die Bayern müssen ihren Kader reduzieren, so melden sich jetzt Kritiker, dass die personelle Decke ein bisschen dünn geraten ist. Ja, hinterher weiß man es eben besser. Aber die Bayern, die normalerweise mit Mehrfachbelastung erst so richtig in Form kommen, werden die vielen Spiele jetzt mit anderen Augen sehen. So gibt es mit Kimmich und Alaba gerade noch zwei etatmäßige Außenverteidiger. Vielleicht heißt es bei den Gegner ja auch: Irgendwie müssen wir die Bayern doch klein kriegen!

Dürfen Trainer denn auf ihr Bauchgefühl hören? Augsburgs Coach Manuel Baum wird sich da hinterfragen. Vor der Saison hatte er mit Fabian Giefer und Andreas Luthe als Nachfolger von Stammtorhüter Marwin Hitz, der nach Dortmund wechselte, zwei angeblich sich auf gleicher Höhe befindende Kandidaten. Nach „schlaflosen Nächten“ die Bauchentscheidung für Giefer, der Keeper aber verursachte mit zwei dicken Patzern die 1:2-Niederlage in Mainz. Was jetzt? Was sagt der Bauch? Darf man als Trainer nach Torwartfehlern gleich wechseln oder gibt man dem Unglücksraben noch eine Chance. Entscheidungen, die schwer fallen. Hinterher weiß man es aber besser. Die nächste Prüfung heißt Werder Bremen. Lustig: Der FC Augsburg hat wie im Vorjahr vier Punkte und ist wieder Achter in der Tabelle.

In der Woche sind die Augen auf Europa gerichtet, Champions League und Europa League starten mit der Saison 2018/19. Die Bundesliga erhofft sich eine bessere Bilanz als im Vorjahr, aber einige Vereine lassen derzeit zweifeln, ob das wirklich gelingt. Hoffenheim und Schalke in der CL sowie Leverkusen und Frankfurt in der EL sind keineswegs in Form. Die Hoffnung, über den internationalen Wettbewerb die Form für die Bundesliga zu bekommen, kann trügerisch sein.

Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs“.

Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs

Eigentlich freuen sich die Fußball-Fans drauf, aber die Funktionäre sorgen dafür, dass die Freude auf die neue Champions-League-Saison getrübt wird. Überschattet wird der Start am Dienstag, 18. September, von der Diskussion um einen dritten europäischen Pokal-Wettbewerb. Nach Champions League (CL) und Europa League (EL) soll 2021 pünktlich zu den neuen Fernsehverträgen ein dritter Pokal ausgespielt werden, damit auch die kleinen Verbände bzw. Vereine „ihren“ Cup haben. Da ist der Sport-Grantler aber gespannt, wie der Wettbewerb heißen wird, die „Liga der Kleinen“ vielleicht? Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat es auf den Punkt gebracht: „Wer sich rar macht, ist wertvoll, hier wird der Sport verwässert.“ Es ist wie immer: Ein neuer Wettbewerb wird eingeführt, damit die großen Funktionäre bei der nächsten Wahl die Stimmen der Kleinen bekommen. Darauf einen Cup!

Bleiben wir also bei der Champions League, bei der Königsklasse. Schon die Europa League hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ verunglimpft, die Bedeutung aber damit deutlich herausgestellt. In der CL aber dürfen sich die Fußball-Fans in der neuen Saison auf neue Spannung freuen. So richtig allerdings erst – wie immer – nach der Gruppenphase, im Herbst sind die echten Highlights dünn gesät, eins davon allerdings zum Start, wenn in der Gruppe C Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Kollegen Thomas Tuchel mit Paris St. Germain erwartet. Das elektrisiert natürlich auch die deutschen Fans. Damit sind aber schon zwei Vereine genannt, die auch am Ende im Blickpunkt stehen wollen und die mit einigen anderen Konkurrenten nur ein Ziel haben: Den Hattrick-Sieger Real Madrid entthronen und selbst den Pokal holen. Also: Alle gegen Real!

Die üblichen Verdächtigen, also die Favoriten, werden auch in diesem Jahr wieder genannt. Eine große Rolle traut man vor allem Juventus Turin zu, nachdem sich die Italiener den Weltfußballer Cristiano Ronaldo geangelt haben. Vorne dran aber vor allem die Engländer, wo sich alle Starter Titelhoffnungen machen: Manchester City, Manchester United, FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Mittendrin auch wieder der FC Bayern München, der eine konträre Transferpolitik betrieb, kein Geld für Neue ausgeben, lieber sparen und dennoch verdeutlicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge das Ziel: Wir wollen den Pott. Alle gegen Real, natürlich auch die spanischen Konkurrenten FC Barcelona und Atletico Madrid, das mit seinem Stadion am 1. Juni 2019 quasi Gastgeber ist. Das muss doch interessant werden, allerdings so richtig wie gesagt erst im Frühjahr. Die Gruppenphase kann allein die Wartezeit verkürzen.

Die Bundesliga ist in den europäischen Wettbewerben dabei, aber eigentlich – außer den Bayern – nicht mehr mittendrin. Die letztjährige Pleite ist unvergessen, die Bundesliga verlor den vierten Platz in der UEFA-Rangliste an Italien und wird jetzt bedrängt von Frankreich. Deshalb befinden sich die sieben Klubs auf der internationalen Bühne auf Wiedergutmachungskurs. Neben den Bayern heißt es für Borussia Dortmund, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim in der CL sowie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League punkten, die Gruppenphase überstehen und damit auch wieder etwas für die Rangliste tun. Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die Reputation der Bundesliga und des deutschen Fußballs insgesamt, der bekanntlich in diesem Sommer ziemlich gelitten hat. Trainer, Spieler und Fans sollten sich eines deutlich machen: Europa ist keine Mehrfachbelastung, sondern eine zusätzliche Belohnung!

Die Gruppen-Auslosungen sorgten eigentlich dafür, dass die deutschen Klubs hoffen dürfen. Bayern München ist in der Gruppe E gegen Ajax Amsterdam, AEV Athen und Benfica Lissabon klarer Favorit, Schalke 04 hat mit FC Porto, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau zwar drei Meister, aber keinen echten Brocken erwischt. Borussia Dortmund hat es da schon schwerer, Atletico Madrid ist ein echter Stolperstein, aber auch AS Monaco kann es sein, dazu geht es gegen Club Brügge. Bei Neuling Hoffenheim muss man abwarten, wie sich die Mannschaft im neuen Umfeld einfindet, dazu geht es gegen Pep Guardiola und Manchester City, einen der großen Favoriten. Aber auch Olympique Lyon und Schachtor Donezk sind nicht zu unterschätzen. Das Ausscheiden wäre keine Überraschung.

In der Europa League haben die deutschen Klubs fast schon seit Menschengedenken nichts mehr zuwege gebracht. Da ist der Wiedergutmachungskurs besonders notwendig, die Hoffnungen ruhen dabei auf Bayer Leverkusen, trotz des schlechten Starts in der Bundesliga. Larnaka, FC Zürich und Rasgrad sind schlagbare Gegner. Der RB Leipzig musste durch die Qualifikationsmühle und hat fast in letzter Sekunde bestanden. Der Lohn der Auslosung: „Bruderduell“ gegen den FC Salzburg, der nicht mehr Red Bull heißen darf, dazu gibt es Trondheim und Celtic Glasgow. Bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist die Euphorie nach dem Coup gegen die Bayern inzwischen verflogen, dabei könnten die Hessen ein bisschen Elan gegen Limassol, Marseille und Lazio Rom schon brauchen. Zweifellos die schwerste Gruppe der deutschen Teilnehmer. Das Finale wird übrigens am 29. Mai in Baku gespielt. Ob da ein deutscher Vertreter dabei ist?

Nicht alles, aber doch das Eine oder Andere ist neu in der CL. Auffallend die Anfangszeiten, es geht nicht mehr einheitlich um 20:45 Uhr los, sondern es gibt zwei Startzeiten: 18.55 Uhr und 21.00 Uhr. Eine Entzerrung zugunsten des Fernsehens und zulasten der Fans – wie es im Fußball halt so ist. Deshalb gibt es auch wieder mehr Geld, 15,25 Millionen Euro kann jeder Verein schon für die Gruppenphase einplanen, jeder Sieger bekommt statt bisher 1,5 Millionen Euro jetzt sogar 2,7 Millionen. Geld statt Ehre als Anreiz! Gewinnt ein Verein alle Spiele, kann er am Ende 82,45 Millionen Euro einstreichen. Mit rund 70 Millionen kalkulieren auch die Bayern, wenn sie wieder einsamer deutscher Vertreter wären.

Die Klubs streichen ein, die Fans sollen zahlen. Nicht nur in den Stadien, sondern auch an den Bildschirmen. Engländer oder Italiener sind dies zum Beispiel gewohnt, die deutschen Zuschauer müssen sich komplett umstellen. Im freien Fernsehen gibt es kein Spiel mehr zu sehen (Ausnahme wäre nur das Finale mit deutscher Beteiligung und einige Spiele der EL bei RTL Nitro). Mit dem gewohnten Pay-TV-Sender Sky (hat die EL nicht mehr) allein ist es auch nicht mehr getan, wenn man alle Spiele live sehen will, zweiter Rechteinhaber ist der Streamingdienst DAZN. Es könnte sein, dass die Champions Laegue zumindest in Deutschland an Glanz und Interesse verliert.

Wussten Sie schon? Wir haben die Woche des Fußballs!

Keine Weltmeisterschaft, keine Europameisterschaft, egal, ob die Formel 1 ihre Sommerpause beendet hat oder was in der Politik passiert – hätten Sie gewusst was in diesen Tagen dominiert? Wir haben die Woche des Fußballs!

Da werden manche sagen, der Fußball ist doch immer im Gespräch, aber was in den nächsten Tagen alles auf uns zukommt, hat schon besondere Bedeutung für die Zukunft (des Fußballs, nicht für das sonstige Weltgeschehen!). Das gilt nicht nur für Deutschland, hat aber andererseits schon eine besondere Wichtigkeit für den Fußball hierzulande. Das gilt nicht nur für die Bundesliga, die am Wochenende endlich ihre neue Saison gestartet hat. Leider mit erneuten unsäglichen Diskussionen über den Videobeweis. Doch dazu später mehr.

Schauen wir auf die nächsten Tage, im Mittelpunkt steht Bundestrainer Joachim Löw, der am Mittwoch in München offenlegen wird, wie er sich die Zukunft der Nationalmannschaft vorstellt. Die Pläne tangieren natürlich auch die Bundesliga. Löw muss die Weichen stellen, damit der Fußball die bei der WM verlorene Anerkennung wieder zurückgewinnt. Die spannende Frage also, wie verändert er den Kader der Nationalmannschaft und wie verändert er den Kader der Mitarbeiter und Trainer rund um das DFB-Team (oder wie der DFB will „Die Mannschaft“). Es wird ein erster Fingerzeig sein, wie Löw die Taktik in der Zukunft ändern will. Die erste Bewährungsprobe steht dann unmittelbar bevor, am 6. September in München gegen Weltmeister Frankreich zum Start der neuen Nations League.

Am Donnerstag geht es um die nahe Zukunft in Europas Fußball und um Ehrungen. Die Auslosung der Champions League in Monaco wird sicherlich mit mehr Spannung erwartet als die Ehrungen zum Fußballer und Fußballerin des Jahres. Was die Champions League angeht, da bangen manche Favoriten, ob sie trotz Setzliste mit harten Gegnern rechnen müssen. Das Los entscheidet auch darüber, ob wir interessante Gruppenspiele erwarten dürfen.

Die Wahl zum Fußballer des Jahres hat ihre Spannung allein darin, ob der ewige Cristiano Ronaldo wieder Erster ist oder den Juroren doch mal ein anderer Name eingefallen ist. „Fußballer des Sommers“ war ja Ronaldo schon, also sind wohl die Chancen der Herausforderer Luka Modric und Mohamed Salah wohl gering (das Ergebnis steht fest, wird nur erst am Donnerstag in Monte Carlo verkündet). Erstaunlich, Lionel Messi landete nur auf Rang fünf (eine kleine Wachablösung!), davor auf Rang vier ist Antoine Griezmann zu finden, immerhin mit Atletico Madrid Sieger der Europa League und Weltmeister. Ihn hatte der Sport-Grantler eigentlich als größten Herausforderer von Ronaldo erwartet. Unter den Top ten befindet sich übrigens kein deutscher Spieler. Hoffnung auf den Titel „Fußballerin des Jahres“ dürfen sich die Dänin Pernille Harder (Wolfsburg), die Norwegerin Ada Hegerberg und die Französin Amandine Henry (beide Lyon) machen.

Ja, und dann kommt der 31. August und damit in den meisten Ländern das Ende der Transferzeit. Große Hektik auf dem Spielermarkt ist in den nächsten Tagen noch zu erwarten und der eine oder Manager wird wohl trotz modernster Technik den Transferschluss um einige Minuten oder sogar Sekunden verpassen und als Depp der Nation dastehen. Das Ende der Transferzeit birgt ja einige Überraschungen und Kuriositäten in sich. Zum Beispiel wird dann auch bei Bayern München endgültig die Frage beantwortet, ob Jerome Boateng den Verein noch verlässt oder nicht. Der 31. August bringt es an den Tag.

Am Samstag gebührt ein wenig Aufmerksamkeit der deutschen Damen-Nationalmannschaft. Die DFB-Mädchen tragen da ihr entscheidendes Spiel der Saison aus, sie müssen nämlich ein Missgeschick vom Oktober in der WM-Qualifikation reparieren. Damals war eine 2:3-Niederlage gegen Island der Tiefpunkt einer negativen Entwicklung des einstigen Welt- und Europameisters sowie amtierenden Olympiasiegers. Steffi Jones erwies sich als Bundestrainerin als Fehlgriff, nun soll es der alte Kämpe Horst Hrubesch als Nothelfer richten, bevor Martina Voss-Tecklenburg (mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht) ihr Amt antritt. Hrubesch und seine Mädchen müssen noch zweimal gewinnen, um die direkte WM-Qualifikation zu schaffen, nämlich Samstag in Island und Dienstag auf den Faröer. Der Tabellenzweite muss in die Play-Offs. Hrubesch hat Vertrauen: „Wir werden gewinnen, das ist klar.“ Vor Monaten noch hätte es darüber auch keine Zweifel gegeben.

Der Bundesliga-Start leitete die Woche des Fußballs ein und er sorgte für Diskussionen. Schon das Auftaktspiel der Bayern gegen Hoffenheim (3:1) hatte es in sich, mit umstrittenen Entscheidungen rund um den Videobeweis, mit Wild-West in punkto Härte, wie es Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete, und mit einer schweren Verletzung von Coman nach einer „Blutgrätsche“ von Gegner Schulz (das hätte eigentlich Rot geben müssen). Am Samstag und Sonntag ging vor allem der Ärger mit dem Videobeweis weiter. Dabei war die Hoffnung groß, dass es ähnlich wie bei der Weltmeisterschaft in Russland klappen würde. Doch anders als bei der FIFA, war es in Deutschland zu unruhig. Der „Keller in Köln“, wo die Video-Referees residieren, wollte wohl seine Berechtigung dokumentieren und meldete sich viel zu oft. Es wurden die Fehler wie am Anfang gemacht: Der Video-Schiedsrichter verdrängte den Schiedsrichter auf dem Feld ins zweite Glied und verunsicherte ihn. So ist der Videobeweis sinnlos! Es sollen nur grobe Fehler repariert werden, das heißt, der Videobeweis dürfte höchstens drei- bis viermal pro Wochenende zum Einsatz kommen! Also mäßigt Euch, ihr Möchtegerns im Kölner Keller.

Ansonsten sind ein paar Dinge zum Saison-Start aufgefallen: Dortmund kann sich für seine Transferpolitik schon jetzt feiern lassen, das Mittelfeld-Duo Witsel/Delaney erweist sich als Volltreffer. Mit dem 4:1 gegen Leipzig profilierte sich die Borussia (als erster Tabellenführer) gleich als Bayern-Jäger Nummer 1. Die Bayern selbst mussten erleiden, wie die Konkurrenz die Jagd angehen will: Mit Härte. Hoffenheim sei gesagt, bei der Jagd auf den Meister geht es um Punkte, nicht um die Beine der Bayern-Spieler. Ein besonderes Glücksgefühl erlebte man beim FC Augsburg: Im achten Jahr der Bundesliga gelang der erste Sieg am ersten Spieltag. Leidtragender war Neuling Fortuna Düsseldorf und auch Mitaufsteiger Nürnberg verlor unglücklich in Berlin. Den Neulingen wurde also gleich verdeutlicht, wie hart das Brot in der Bundesliga ist.

Aufbruchstimmung in der Bundesliga

Die Hitzewelle in Deutschland soll am Donnerstag ausklingen, den Fußball-Fans wird es am Freitag allerdings dennoch heiß: Mit dem Auftaktspiel Bayern München – TSG Hoffenheim beginnt die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Eine Saison, über der eigentlich ein Schatten liegt, eine Saison, in deren Vorfeld allerdings auch eine Aufbruchstimmung in der Bundesliga zu spüren ist.

Schatten liegen über der Bundesliga, weil der deutsche Fußball in den letzten Monaten von einer Pleite in die nächste wankte. Zunächst blamierten sich die Vereine mit Ausnahme der Bayern auf Europas Bühne, danach sorgte die Nationalmannschaft für ein historisches Ausscheiden in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft. Deutschland nur noch auf Rang 15 in der Weltrangliste, die Bundesliga in der UEFA-Wertung von Italien überholt und nur noch Vierter. Der Lack ist ab am einst glorreichen deutschen Fußball, von einer der besten Ligen der Welt keine Rede mehr. Kein Wunder, dass die Fans nach Erfolgen lechzen.

Vielleicht herrscht gerade deshalb eine gewisse Aufbruchstimmung in der Bundesliga. Nicht das Jammern oder Bangen steht im Vordergrund, sondern von vielen Vereinen hört man durchaus optimistische und zuversichtliche Töne. So wollen viele nicht einmal mehr das Alleinstellungsmerkmal der Bayern auf den Titel anerkennen. „Alle auf die Bayern!“, forderte ein Manager, sprich, die Klubs müssen davon abkommen, die Punkte gegen den Meister von vornherein abzuschreiben. Allerdings: Dortmunds Boss Watzke stimmt in dieses Kampfgeheul nicht mit ein: „An den Bayern führt kein Weg vorbei.“ Na ja, alte Ehrfurcht kann nicht so schnell abgelegt werden. So bleibt es bei der alten Hoffnung: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Die neue Hoffnung: Vielleicht klappt es mit dem neuen Trainer Niko Kovac nicht.

Neue Töne aber auch Richtung Europa. Da heißt die Losung plötzlich, „wir müssen von einer Dreifachbelohnung reden, nicht von einer Dreifachbelastung“. Richtig so, aber ob das Manager, Trainer und Spieler nach den ersten Niederlagen noch so sehen? Dann heißt es wieder, „wir mussten reisen und konnten nicht richtig trainieren“. Allerdings: Die Bundesliga-Klubs müssen auf Wiedergutmachungskurs gehen, sonst droht der Verlust des vierten festen Platzes in der Champions League. Die Bayern allein können es nicht richten.

In der Bundesliga streben die großen Klubs dennoch nach einem Platz auf Europas Bühne. Meister Bayern, na gut, aber dahinter machen sich Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Schalke, Hoffenheim und Gladbach Hoffnungen auf die Champions League. Eine Aufbruchstimmung wird aber auch dadurch deutlich, dass vom Abstiegskampf kaum einer spricht. Beispiel FC Augsburg. Die Schwaben wurden immer als einer der ersten Abstiegskandidaten gehandelt, sie nahmen diesen Kampf an und gehen in ihr achtes Bundesliga-Jahr. Erstmals aber gibt es beim FCA optimistische Töne: „Wir müssen nach oben schauen“, fordern vor allem Spieler wie Finnbogason, Gregoritsch und Max, die bei anderen Vereinen auf der Einkaufsliste stehen. Sie wollen gerne beim FCA bleiben, aber auch Erfolg haben und nicht gegen den Abstieg spielen. Aufbruchstimmung also.

Traditionell müssen sich die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg als erste Teams gegen den Abstieg wehren, dazu die Neulinge vom Vorjahr, Stuttgart und Hannover. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das schwerste. Von den Zitterpartien verabschieden wollen sich aber die Klubs, die in den letzten Jahren oftmals bangen mussten. Wolfsburg hat von der Relegation genug, es soll ebenso wie in Freiburg ins Mittelfeld gehen. Das will auch Mainz, doch da sind eher Zweifel angebracht.

Zum Auftakt einer neuen Saison ist die Punktrunde zunächst meist eine Wundertüte. Erste wichtige Fingerzeige gab aber der DFB-Pokal. Für Titelverteidiger Eintracht Frankfurt zum Beispiel, der krachend in Ulm ausschied. Erstmals seit 22 Jahren überstand der Pokalsieger die erste Runde nicht. Eine Schwäche, die schon beim 0:5 gegen die Bayern im Supercup deutlich wurde. Die Abgänge von Leistungsträgern und Trainer Niko Kovac werden offenbar nicht verkraftet. Der neue Trainer Adi Hütter bittet um Geduld, weil er ein neues System installieren will. Geduld ist in der Bundesliga allerdings ein Fremdwort. So könnte der Österreicher der erste Trainer sein, der fliegt. Andererseits kann es für die Eintracht nach den Feiern mit dem Pokalsieg ein böses Erwachen wie in Köln geben. Der Karnevalsklub freute sich über die Teilnahme an der Europa League, verlor seinen Torjäger und stieg am Ende der Saison ab. Eher Abbruchstimmung in Frankfurt?

Der Pokal könnte auch für die Bayern ein Fingerzeig gewesen sein, die Stars taten sich gegen die Amateure von Drochtersen/Assel schwer, sie fanden kaum Lücken im Abwehrriegel und waren bei Kontern anfällig – das könnte sich in der Bundesliga wiederholen!

Was es noch gibt? Hoffen wir, dass der Videobeweis besser gehandhabt wird und alle gelernt haben. Klubs und Fans sollten den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen, nicht das Geld und den Streit um die Spieltage. Es muss doch für die Ultras möglich sein, auf die unsäglichen Pyrofeuerwerke zu verzichten. Und was den DFB angeht, so wird die Aufarbeitung der WM-Pleite die Bundesliga bald in den Schatten stellen. Wie Bundestrainer Joachim Löw den Neubeginn gestalten will, das könnte fast die spannendere Frage sein. Auch hier also wird Aufbruchstimmung erwartet! Viel Spaß in der neuen Saison.

So könnte die Bundesliga-Tabelle am Ende aussehen: 1. Bayern, 2. Dortmund, 3. Leverkusen, 4. Schalke, 5. Leipzig, 6. Hoffenheim, 7. Bremen, 8. Gladbach, 9. Wolfsburg, 10. Freiburg, 11. Augsburg, 12. Berlin, 13. Mainz, 14. Stuttgart, 15. Frankfurt, 16. Hannover, 17. Nürnberg, 18. Düsseldorf.

In eigener Sache: Der Sport-Grantler feiert Geburtstag! Vor fünf Jahren, am 20. August 2013 schickte der Sport-Grantler seine erste Kolumne um die Welt. 309 Kommentare wurden es inzwischen, vielen Dank an die Leser. Ob er noch einmal fünf Jahre durchhält, das weiß er nicht. Lesen Sie auch den Kommentar davor, der nämlich deutlich macht, warum andere Sportarten gegen den Fußball nicht ankommen: Keine Konkurrenz für den Fußball.

Start der Premier League: Europa schaut nach England

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Vergangenheit, der Ball rollt jetzt wieder auch in den großen Ligen Europas. „Appetitmacher“ waren die Ligen in Österreich, Schweiz oder Tschechien, richtig interessant wird es aber erst jetzt, wenn die Premier League in England startet, aber auch Ligue 1 in Frankreich. Allerdings könnten diese beiden Ligen unterschiedlicher nicht sein, da eine Masse an starken Traditionsvereinen, dort das übermächtige Paris St. Germain. Nächste Woche geht es auch in Spanien und Italien los, die Bundesliga wartet bekanntlich bis zum 24. August. Vorausschauend wurde Spielern und Vereinen viel Zeit gegeben, um die WM-Enttäuschung zu verarbeiten…

Im Mittelpunkt aber der Start der Premier League – alle schauen nach England. Bekanntlich übt die Premier League nicht nur eine große Anziehungskraft aus, weil dort der Fußball gelebt wird, sondern vor allem, weil die Geldtöpfe besonders gut bestückt sind. Diesmal schaut der Rest Europas allerdings auch deshalb nach England, weil die Premier League ein Experiment gewagt hat und die Transferliste bereits am Donnerstag, 9. August, geschlossen hat, so dass einigermaßen Ruhe an der Transferfront einkehrt, weil Englands Geld nicht mehr lockt. Andererseits können überzählige Spieler aus der Premier League durchaus abgegeben werden – auch deshalb lohnt sich also der Blick nach England! Mal sehen, ob es die Klubs in England am Ende als Vorteil werten, dass der Transfermarkt vor Beginn der Saison geschlossen wurde.

Aber lassen wir das Transfertheater, bleiben wir beim Sport. Und da stellt sich in England eine seltsame Frage: Gibt es wieder einen Alleingang von Manchester City? Pep Guardiola hatte in der letzten Saison die Liga geschockt, der Ex-Bayern-Coach dominierte mit seinem Team das Geschehen, eroberte 100 Punkte, sorgte für Langeweile an der Spitze mit 19 Punkten Vorsprung und seine Mannen erzielten 106 Tore. Fast eine Demütigung für die Konkurrenz, eine Überlegenheit wie sie in Deutschland mit Bayern München und Frankreich mit Paris St. Germain als schädlich erachtet wird. Der Unterschied: In Deutschland und Frankreich wird keine Änderung erwartet, in England schon.

Nur: Wer kann Pep Guardiola und seinen Mannen Paroli bieten? Dem Vorjahreszweiten und Lokalrivalen Manchester United mit Trainer Jose Mourinho wird dies eigentlich nicht zugetraut. Eher wird da der FC Liverpool mit Jürgen Klopp genannt. Der deutsche Coach hat sein Team gezielt verstärkt, vor allem die Schwachstelle Torhüter mit Roms Brasilianer Alisson geschlossen, zu dieser Zeit war es mit angeblich 72,5 Millionen Euro der teuerste Torhüter-Transfer. Zudem sollen Leipzigs Naby Keita, Fabinho und Shaqiri das Mittelfeld verstärken bzw. den Kader insgesamt besser machen. Jürgen Klopp rüstet sich wie in Dortmund in seinem dritten Jahr zum Kampf um den Titel. Schon in der Bundesliga hat er Pep Guardiola bekanntlich gerne geärgert.

Die weiteren großen Rivalen in London versuchen es mit neuen Trainern. Bei Arsenal ging die große und erfolgreiche Ära des Franzosen Arsene Wenger zu Ende, Unai Emery musste in Paris gehen, weil der Erfolg in der Champions League ausblieb. Jetzt soll er die Titelträume der Arsenal-Fans erfüllen, die letztmals 2004 die Meisterschaft feiern durften (in Liverpool wartet man schon seit 1990!). Antonio Conte hatte mit Chelsea erst 2017 den Titel geholt – und dennoch war er nicht mehr wohl gelitten. Jetzt soll es Maurizio Sarri richten, der in Neapel mit viel Erfolg gearbeitet hat. Chelsea sorgte zum Transferschluss noch für Aufmerksamkeit, weil sich Belgiens WM-Torhüter Courtois Richtung Real Madrid verabschiedet und die Londoner dafür einen 23-Jährigen Keeper namens Kepa von Athletic Bilbao holten – für 80 Millionen Euro, jetzt ist der Spanier der teuerste Torhüter der Welt. Aber alle sollten auch Mauricio Pochettino nicht übersehen, fast heimlich, still und leise hat er aus den Tottenham Hotspurs einen Meister-Anwärter gemacht, allen voran geht bzw. trifft der WM-Torjäger Harry Kane.

Der Rest des Feldes ist auch in England mehr oder weniger nur Staffage und hofft höchstens auf einen Platz in der Europa League. Apropos Europa, mit dem Brexit will sich Großbritannien ja politisch und wirtschaftlich von Europa entfernen, im Fußball will England endlich in Europa triumphieren. Fast eine Schmach und für die größte Geld-Liga Europas, dass man in der Champions League den Henkel-Pott zuletzt immer anderen überlassen musste, zuletzt dreimal Real Madrid. Immerhin war der FC Liverpool 2018 im Finale und verlor unglücklich mit 1:3. Den Titel gewann zuletzt Chelsea London 2012 glücklich gegen Bayern München, davor brachte 2008 Manchester United den Pott nach England heim. Den Run der Spanier seit 2014 (2015 siegte der FC Barcelona und davor 2013 Bayern München) will man vor allem in England endlich beenden. Man will sich nicht mehr nachsagen lassen, dass Geld keinen Erfolg bringt. Auch deshalb schaut Europa nach England.

Nach dem Finale der Tränen: Spaniens Triumph

Im Fußball Europas geht die Angst um. Wo man auch hinsieht, fast überall gibt es dominierende Mannschaften und beim Kampf um den Titel von Spannung keine Spur. Jetzt gilt das nicht nur für die nationalen Ligen, wie zum Beispiel in Deutschland und Frankreich, sondern auch für die Champions League: Real Madrid machte den Hattrick perfekt und die Konkurrenz sucht nach dem Schlüssel, um Reals Code zu knacken. Es war ein Finale der Tränen in Kiew beim 3:1 von Real gegen den FC Liverpool, aber Madrids Sieg festigte auch Spaniens Triumph in Europa, denn Lokalrivale Atletico hatte schon die Europa League gewonnen. Spanien ist die Nummer 1 in Europa, Madrid die Fußball-Hauptstadt.

Die Tränen flossen reichlich und brachten die Spötter auf die Bühne. „Die sollen in der Kabine heulen“, ätzte zum Beispiel Deutschlands Torhüter-Legende Oliver Kahn im ZDF. Aber es war vielleicht das traurigste Finale aller Zeiten. Nach 30 Minuten musste Liverpools Star Mo Salah mit einer Schulterverletzung vom Platz, niedergerungen von Real-Kapitän Sergio Ramos fiel er unglücklich auf die rechte Schulter (Ramos gab ihm den Rest) und musste unter Tränen aufgeben. Hoffnung für die WM gibt es noch. Eine notwendige Gelbe Karte für „Wrestler Ramos“ (Liverpool-Trainer Jürgen Klopp) gab es nicht. Wenig später erwischte es den Spanier Carvajal, auch hier wurden WM-Hoffnungen zerstört und Tränendrüsen aktiviert.

Am Schlimmsten aber heulte am Ende natürlich Liverpools Unglücksrabe Loris Karius, der Torhüter erlebte den fürchterlichsten Abend seiner Karriere, als er zuerst unkonzentriert den Ball abwarf und Benzema mit einem Reflex den Ball im Tor unterbrachte, dann einen Schuss von Bale ins Netz gleiten ließ. Karius wünschte sich da lieber auf dem Mond als in Kiew. Als er sich bei Fans und Mannschaft entschuldigte, flossen die Tränen wohl auch deshalb, weil er befürchten muss, dass dies Ende einer möglichen großen Karriere gewesen sein kann. Zerknirscht war er natürlich auch, weil er wusste, dass er seiner Mannschaft den Traum vom Sieg in der Champions League hat platzen lassen. Auch Jürgen Klopp muss weiter warten.

Die Konkurrenz muss auch weiterhin warten auf Schwächen von Real Madrid. Der Weg zum dritten Triumph war schon etwas eigenartig und mit vielen seltsamen Entscheidungen zugunsten der „Königlichen“ gepflastert. Für die Herausforderer bauen sich gegen Real besonders hohe Hürden auf. Juventus Turin in letzter Minute umstritten besiegt, gegen Bayern München glücklich ins Finale gekommen und nun legte sich Liverpool die Bälle selbst ins Tor. Wegbereiter dazu war auch Sergio Ramos, der Kapitän hatte Karius kurz vorher mit einem Ellenbogencheck fast ins Reich der Träume gebracht, die Aktion gegen Salah war Ringen und kein Fußball. Das Schiedsrichter-Gespann um den Serbe Mazic verschloss die Augen. Es muss in Zukunft auch für Real entsprechende Strafen geben. Das war nicht würdig für das große Real Madrid, das seinen 13. Titel in der Champions League und Vorläufer Europacup der Landesmeister gewann.

Die Konkurrenz darf hoffen, denn Weltfußballer Cristiano Ronaldo feierte seltsam emotionslos den Sieg und ließ verklausuliert einen Abschied von Real erkennen. Allerdings war er in Halbfinale und Finale kaum zu sehen. Auch Gareth Bale könnte sich einen anderen Arbeitgeber suchen, der Waliser war mit einem Traumtor der Star des Abends, möchte aber insgesamt mehr auf dem Platz stehen. Über allen Fragen steht der Name Neymar. Der Brasilianer soll in Paris nicht glücklich sein, dem neuen Trainer Thomas Tuchel wurde aber garantiert, dass der Torjäger bleiben müsse. Oder gibt es einen Tausch mit Ronaldo? In Madrid ist er immer wieder im Gespräch. Und Ronaldo geht es vor allem um eines: Er möchte nicht nur der beste Fußballer, sondern auch der am besten verdienende Fußballer der Welt sein. Wer öffnet seine Schatulle, damit er Messi und Neymar überholen kann?

In der neuen Saison wird es also einen neuen Angriff auf Real geben. Egal ob Barcelona oder Paris, die das nationale Double gewannen, der Sieg in der Champions League zählt mehr. Auch Pep Guardiola will persönlich und mit Manchester City wieder international angreifen und Bayern München endlich den nächsten Schritt machen und über das Halbfinale hinauskommen. Barcelona hatte in der nationalen Meisterschaft 17 Punkte Vorsprung auf Real, aber glücklich wurde man nicht, weil man eben in Kiew nur Zuschauer war. Wird das Ende der Ära Real Madrid demnächst eingeläutet?

Bald wird die Frage beantwortet, ob die Erfolgswelle der spanischen Klubs auch Auswirkungen auf Spaniens Nationalmannschaft hat, die bei der Weltmeisterschaft ab 14. Juni in Russland nämlich auch als großer Favorit gilt. Dann wäre der Triumph des spanischen Fußballs wirklich perfekt. Brasilien und Deutschland gelten als größte Konkurrenten, in erster Linie werden vor allem Jogi Löw und seine Mannen als Titelverteidiger gejagt. Keiner wird sich aber auf so viel Wohlwollen wie Real Madrid auf dem Weg zum Titel verlassen können.

Die Bundesliga ist eine Wundertüte

Am kommenden Wochenende geht die Saison der Fußball-Profi-Ligen in Deutschland zu Ende. Was die Bundesliga angeht, braucht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schon seit Jahren nicht mehr rätseln, wo sie die Meisterschale abliefern soll. Sie könnte in München auf Dauer deponiert bleiben. Auch bei der Torjäger-Kanone gibt es keine Zweifel, der Dortmunder Aubemayang hat mit seinem Wechsel nach London für Robert Lewandowski den Weg frei gemacht. Es gibt also noch die schöne, heile Welt der Bundesliga.

Aber selbst bei den Bayern war die Welt im Herbst nicht ganz heil. Und ansonsten zeigte sich die Bundesliga überhaupt als Wundertüte. Von Konstanz war bei fast allen Klubs nicht die Rede. Nehmen wir Borussia Dortmund als Beispiel: Einmal erstklassiger Fußball, fast wie in alten Zeiten, dann wieder uninspiriert wie in den Wochen vor Peter Stöger, Typisch für Letzteres das 1:2 gegen Mainz, das die Teilnahme an der Champions League wieder in Gefahr bringt. Ähnlich wie in Dortmund war es in Leverkusen, erst auf dem Weg nach oben, zuletzt drei Spiele ohne Torerfolg. Leipzig mal gut, mal schlecht, ein 4:1 gegen Wolfsburg zeugt noch nicht von alter Klasse. Beständig einzig Schalke 04, aber spielerisch kaum einmal überzeugend. Weil die Konkurrenz eben schwächelte, feiern sie in Gelsenkirchen die Vize-Meisterschaft. Diesmal ist Schalke aber nicht der „Meister der Herzen“ nachdem ihnen Bayern mal in letzter Sekunde die Schale entriss, sondern sie sind „Meister des Rests“ nach den Bayern von Gnaden der unbeständigen Konkurrenz. Da zeigte sich auch in der nationalen Saison, warum die Bundesliga auf internationalem Parkett an Boden verlor. Guter Fußball war eine Rarität. Doch mehr dazu nächste Woche in der Bilanz.

Die Spannung wiegt einiges auf, wie schon vorausgesagt hält sie bis zum letzten Spieltag. Gesucht werden neben den Bayern und Schalke noch zwei Teilnehmer an der Champions League, danach können sich zwei oder drei Vereine mit der Europa League trösten. In Dortmund, Hoffenheim, Leverkusen, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart und Mönchengladbach wird gerechnet und gehofft. Hoffentlich setzen sich Mannschaften durch, die dann auch mit dem nötigen Rüstzeug auf Europas Bühnen auftreten. Am stärksten sind Zweifel beim VfB Stuttgart angebracht, der sich mit einem ausgeklügeltem Defensivkonzept nach oben schob. Stuttgart könnte dann ein Schicksal wie der 1. FC Köln erleben: Von Europa zum Abstieg!

Am letzten Spieltag gibt es tatsächlich nur eine Partie, die völlig ohne Bedeutung ist, nämlich das „Freundschaftsspiel“ zwischen Mainz 05 und Werder Bremen. Zwei, die dennoch feiern können, weil sie dem Abstiegskampf rechtzeitig entronnen sind. Anders sieht es in Wolfsburg und Hamburg aus. Im letzten Jahr das direkte Duell um den Platz in der Relegation, diesmal ein Fernduell, wobei für Wolfsburg schon ein Unentschieden gegen Absteiger Köln eine Art Wiederauferstehung wäre, die Mannschaft liegt am Boden, Trainer Labbadia ist ratlos. Köln machte auf jeden Fall zuletzt den besseren Eindruck. Ob die Bundesliga-Uhr beim Dino HSV endgültig stehen bleibt, liegt auch an Borussia Mönchengladbach, das noch eine minimale Chance auf die Europa League hat. Der Ausgang ist ungewiss, denn auch Gladbach gehört zu den Wundertüten-Teams der Bundesliga. Bei Anpfiff weiß man nie, was bis zum Abpfiff wirklich rauskommt.

Im Unterhaus kann man nur sagen „glückliche 2. Bundesliga“. Sie hat zudem ein echtes Endspiel, wenn auch kein brisantes. Wie es der Terminplan so will, treffen sich die beiden punktgleichen Aufsteiger zum direkten Duell. Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg wären die richtigen Nachfolger für Köln und z. B. dem HSV: Da löst der eine rheinische Rivale den anderen ab, dort ein Traditionsverein den anderen. Noch aber tickt die Uhr in Hamburg… Gegner in der Relegation wird übrigens Holstein Kiel sein, der Zweitliga-Aufsteiger hat also immer noch die Chance, direkt in die Bundesliga durchzumarschieren.

Spannung verspricht auch in der 2. Bundesliga der Abstiegskampf. Den hat nur der 1. FC Kaiserslautern verloren, sieben Vereine sind dagegen in den Kampf um den zweiten direkten Absteiger und die Relegation involviert. Besondere Brisanz versprechen die direkten Duelle Darmstadt – Aue und Heidenheim – Fürth, aber auch Braunschweig, Dresden und Sandhausen müssen noch zittern. Wer neu in die 2. Bundesliga kommt, steht fest. Der FC Magdeburg und der SC Paderborn haben den Aufstieg geschafft, der Karlsruher SC als Dritter ist der Kontrahent in der Relegation. Die Vereine wollten es so, dass durch die Relegation die Saison mit dem letzten Spieltag der Punktrunden noch nicht beendet ist. Die Relegation ist praktisch die Zugabe an Spannung, Freude und Trauer.

Champions League: Wer die Champions League vermisst, liest den nachfolgenden Kommentar „Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott“.

Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott

Wachen dunkle Mächte über dem Henkel-Pott der Champions League? Es scheint fast so zu sein, dass höhere Wesen die Hand darüber halten, dass am Ende die besten Vereine Europas um den Siegerpokal der Champions League kämpfen, am Ende aber immer Real Madrid gewinnt. Schon auffallend, dass Jahr für Jahr strittige Schiedsrichter-Entscheidungen Real den Weg zum Sieg ebnen. Real steht vor dem Hattrick, dem vierten Erfolg in fünf Jahren.

Leidtragender war wieder einmal Bayern München. Der Deutsche Meister konnte erhobenen Hauptes die Bühne Madrid verlassen, aber dass sie die bessere Mannschaft waren und den Finaleinzug verdient gehabt hätten, dafür können sich die Bayern nichts kaufen. Es bleibt der unerfüllte Traum vom Henkel-Pott und wenn sich Fehler und falsche Pfiffe wiederholen, dann bleibt der Traum noch lange unerfüllt. Nun, Wartezeiten sind die Münchner gewohnt. Nach dem Hattrick der legendären Beckenbauer-Elf 1974, 1975 und 1976 im Europapokal der Landesmeister dauerte es 25 Jahre bis zum ersten Erfolg in der Champions League 2001 und dann wieder 12 Jahre bis zur Wiederholung 2013 mit dem berühmten Triple. Seitdem stehen vor allem spanische Vereine und schwache Schiedsrichter-Leistungen im Wege. Seit dem Titelgewinn war viermal im Halbfinale und 2017 im Viertelfinale Schluss. Schon heute schwören sich die Spieler auf das nächste Jahr ein, nach dem Motto: Einmal muss es doch klappen.

Die große Frage, auf die wohl keiner eine Antwort weiß: Wie kann man diese dummen Fehler in den entscheidenden Spielen vermeiden? Die Bayern haben sich beim 1:2 und 2:2 gegen Real Madrid auch selbst geschlagen. Rafinha mit einem groben Schnitzer im Hinspiel, Torhüter Ulreich mit einem Blackout im Rückspiel waren die Wegbereiter zum Aus. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sah zwar am Dienstag „das beste Bayern-Spiel seit fünf Jahren“, aber es gab keinen Ertrag. 22:9 Schüsse und nur 2:2 Tore sind eine fast erschreckende Bilanz. Die Torjäger Lewandowski und Thomas Müller hatten in den entscheidenden Spielen Ladehemmung.

Eigentlich wähnten viele die Bayern in dieser Saison am Scheideweg. Die Flügelflitzer Robben und Ribery gehen auf die Rente zu, die Trainer Jupp Heynckes ab dem Sommer endgültig wieder genießen will. Spieler wie Lewandowski und Abwehr-Ass Jerome Boateng bringen immer wieder Wechselgedanken ins Spiel, da wird die Aufgabe nicht leichter. Allerdings zeigte diese Saison auch, dass den Bayern der Umbruch gelingen kann. Nachwuchstalent Kimmich war der Torjäger gegen Real, Niklas Süle der Überraschungsmann in der Abwehr, Coman stach vor seiner Verletzung Robben und Ribery aus, Gnabry empfahl sich in Hoffenheim.

Um aber den Henkel-Pott zu holen, muss alles passen, das hat der Sport-Grantler schon zu Saisonbeginn geschrieben. Kaum hatte zum Beispiel Jupp Heynckes davon gesprochen, dass seine Mannen fit seien, da fielen nacheinander Vidal, Boateng und Robben aus, Torhüter Neuer und Coman fehlten sowieso schon. Ausfälle die nicht zu verkraften sind. Und mit Geld wollen die Bayern weiterhin nicht um sich werfen, sie setzen auf kluge Verstärkung und sollten schnell dafür sorgen, dass James an Bord bleibt, der ja noch Real Madrid gehört. Schade für ihn, ein Sieg in Madrid wäre sein persönlicher Triumph gewesen.

Die Jagd nach dem Henkel-Pott wird nicht leichter werden, denn wir wissen, vor allem russische Oligarchen und arabische Scheichs lechzen nach dem Erfolg und schmeißen mit Geld um sich. Auch sie stoßen an Grenzen (siehe Kommentar vom 8. März „Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen“), aber vor allem Manchester City und Paris St. Germain träumen wie die Bayern vom Finale. Da platzen mehr Träume als in Erfüllung gehen können.

Geld spielt also nicht die entscheidende Rolle, aber die Schiedsrichter tun es. Wieder einmal erschreckend die unterschiedliche Auslegung des Handspiels bei den Referees Cakir (Türkei) in Madrid Skomina (Slowenien) in Rom. Die Bayern hätten einen Elfmeter bekommen müssen (es hätte das 2:1 sein können) und die Roma zwei Elfmeter, bevor sie in der Schlussminute doch noch einen fragwürdigen bekamen. Falsches Spiel oder nur falsche Pfiffe? Rom Sportdirektor Monchi hat nicht Unrecht, wenn er behauptet, „das Finale hätte Bayern gegen Rom heißen müssen“. Es heißt tatsächlich Real Madrid gegen FC Liverpool und nicht nur die deutschen und englischen Fans werden Jürgen Klopp und seinen Mannen die Daumen drücken. Beeindruckend ist die Siegesserie der „Reds“ schon, die mit den Play-Offs gegen Hoffenheim begann.

Die Bayern haben auch noch ein Endspiel, am 19. Mai in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Ein Sieg wäre nur ein bisschen Trost und Balsam auf die Wunden, selbst das Double könnte die Enttäuschung über das verpasste Champions-League-Finale nicht gänzlich verdrängen. Die spannende Frage: Schafft es der beste Torhüter der Welt, Manuel Neuer, bis dahin wieder im Tor zu stehen oder vertraut Jupp Heynckes am Schluss seiner Karriere dem Unglücksraben Sven Ulreich? Und wenn, halten dann Ulreichs Nerven? Nur eins steht fest: Am 20. Mai wird auf dem Marienplatz in München gefeiert. Das lassen sich die Bayern nicht nehmen, ohne DFB-Pokal wäre die Stimmung allerdings schon getrübt. Die Meisterschale allein macht die Bayern nicht mehr glücklich.

Bayern im Niemandsland – Köln ein besonderer Absteiger

Das hat das Saisonende so an sich, dass Spieltag für Spieltag in den Ligen stückchenweise die Entscheidungen fallen. Die Fans wünschen sich natürlich, dass die Spannung bis zum letzten Spieltag bestehen bleibt, Tränen der Freude oder der Enttäuschung gibt es allerdings schon früher. Derzeit kann man dies überall wieder beobachten, aber was die Fußball-Bundesliga angeht gilt: Es bleibt bestimmt spannend bis zum letzten Spieltag.

Dass es am Tabellenende spannend bleibt, dafür sorgen der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg. Die VW-Städter haben es geschafft, dass in ihrem Verein das Chaos noch größer ist als es wohl jemals beim HSV war. Der Bundesliga-Dino hat dagegen unter Amateurtrainer Christian Titz eine wundersame Wiederauferstehung gefeiert, hat mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg den Rückstand auf die Niedersachsen auf zwei Punkte verkürzt und darf wieder hoffen. Die Niedersachsen gleichen einem sinkenden Schiff, der Kapitän (Trainer Bruno Labbadia) hilflos, eine wirkliche „Mannschaft“ gibt es nicht (man könnte von einzelnen Könnern reden, doch echte Könner gibt es im Team auch nicht), die Vereinsführung ahnungslos, wie der Kampf um Manager Horst Heldt zeigt. Der HSV beweist dagegen Zusammenhalt, spielerische Klasse und Begeisterung. Vor ein paar Wochen wünschten die Fußball-Fans dem Dino noch den Abstieg (Wird endlich Zeit bei dem Chaos), jetzt wünschen sie sich für den HSV wieder den Klassenerhalt (Hat er verdient) und sehen in Wolfsburg den logischen Absteiger. VW hat nach der Diesel-Krise auch eine Bundesliga-Krise. Die letzten Spiele der Kontrahenten: Wolfsburg in Leipzig und gegen Köln, der HSV in Frankfurt und gegen Mönchengladbach. Der Ausgang ist wirklich ungewiss.

In vier Vereinen wird aufgeatmet: Bremen hat den Klassenerhalt sicher, Hannover kann nicht mehr direkt absteigen, Mainz und Freiburg haben mit ihren Siegen gegen Leipzig und Köln den Kopf vorerst aus der Schlinge gezogen und können wieder hoffen. Dafür steht der erste Absteiger fest. Der 1. FC Köln muss zum sechsten Mal die erste Liga verlassen, aber es zeigt sich, dass die Rheinländer ein besonderer Absteiger sind. Die Fans feiern praktisch schon heute die Rückkehr, die besten Spieler suchen nicht das Weite, sondern wollen den „Betriebsunfall“ korrigieren. Torhüter Timo Horn und Kapitän Jonas Hector unisono: „Wir haben Fehler gemacht, wir sind Kölner, wir helfen beim Aufstieg.“ Spieler wie Torjäger Terodde oder Frankreichs Talent Koziello wurden schon im Hinblick auf die mögliche 2. Bundesliga verpflichtet. In Köln wird deshalb mehr vom Aufstieg als vom Abstieg geredet. Es scheint, dass unter dem neuen Sportchef Armin Veh die alten Fehler nicht wiederholt werden. Der Erfolg mit dem Einzug in die Europa League wurde nicht verkraftet, Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger hinterließen Flecken auf ihrer vorher weißen Weste. Passend zum Abstieg gelang dem rheinischen Rivalen Fortuna Düsseldorf der sechste Aufstieg, Gut möglich, dass beide nächstes Jahr wieder die Rollen wechseln!

Spannung gibt es bei Meister Bayern München nur in der Champions League. Die Münchner befinden sich praktisch im Niemandsland: Für die Bundesliga zu stark, auf der internationalen Bühne eher in der zweiten Reihe. Oder schaffen sie gegen Real Madrid nach dem unglücklichen 1:2 im Hinspiel noch einmal die Wende? Es hatte den Anschein, als hätten die Bayern den Spagat zwischen der Leichtigkeit der Liga und der Schwere der Champions League nicht geschafft. Die Bundesliga-Konkurrenz haben sie fast der Lächerlichkeit preisgegeben, mit einem 4:1 gegen Euroleague-Anwärter Frankfurt, mit einem C-Team mit Nachwuchsspielern und Cracks aus der zweiten Reihe, mit dem jüngsten Bayern-Team seit über 40 Jahren. Noch Fragen nach dem Meister 2019?

Die Meisterliste in den Ligen Europas wird immer länger, jetzt haben sich auch der FC Barcelona und Schottlands Dauer-Titelträger Celtic Glasgow dort eingetragen. Besonders gefeiert wird in Bern, die Young Boys stoppten den ewigen Meister FC Basel und holten sich zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder den Titel. Manchmal kann eine Meisterschaft schon noch etwas Besonderes sein. Das wäre sie auch für den SSC Neapel, der aber seine gute Ausgangsposition in Italien mit dem 0:3 in Florenz verspielte und wohl wieder Juventus Turin den Vortritt lassen muss. Da heißt es dann wohl „nächstes Jahr nächster Versuch“.

Im Gespräch neben der Punktehatz natürlich die Weltmeisterschaft. Bundestrainer Joachim Löw musste vor allem Hiobsbotschaften hinnehmen, sein einstmals übergroßer Kreis von WM-Kandidaten verkleinert sich zusehends. So erlitten am Wochenende Lars Stindl (Gladbach) und Serge Gnabry (Hoffenheim) so schwere Verletzungen, die das WM-Aus bedeuten. Die Konkurrenz wird kleiner. Da kann Löw nur hoffen, dass die Meister Jerome Boateng und Manuel Neuer rechtzeitig wieder fit werden. Andererseits bieten ihm Medien und Trainer neue WM-Kandidaten an, weil eben jeder ein bisschen Bundestrainer spielen will. Vielleicht springen Freiburgs Held Nils Petersen und Bayern-Torhüter Sven Ulreich doch noch auf den WM-Zug. Es gab ja immer wieder Überraschungen und auch im Hinblick auf die erweiterte WM-Nominierung am 15. Mai bleibt die Spannung erhalten.

Eine Empfehlung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Eishockey-Weltmeisterschaft: „Eishockey: Nach Silber jetzt Gold oder Blech?“