Nach dem Finale der Tränen: Spaniens Triumph

von knospepeter

Im Fußball Europas geht die Angst um. Wo man auch hinsieht, fast überall gibt es dominierende Mannschaften und beim Kampf um den Titel von Spannung keine Spur. Jetzt gilt das nicht nur für die nationalen Ligen, wie zum Beispiel in Deutschland und Frankreich, sondern auch für die Champions League: Real Madrid machte den Hattrick perfekt und die Konkurrenz sucht nach dem Schlüssel, um Reals Code zu knacken. Es war ein Finale der Tränen in Kiew beim 3:1 von Real gegen den FC Liverpool, aber Madrids Sieg festigte auch Spaniens Triumph in Europa, denn Lokalrivale Atletico hatte schon die Europa League gewonnen. Spanien ist die Nummer 1 in Europa, Madrid die Fußball-Hauptstadt.

Die Tränen flossen reichlich und brachten die Spötter auf die Bühne. „Die sollen in der Kabine heulen“, ätzte zum Beispiel Deutschlands Torhüter-Legende Oliver Kahn im ZDF. Aber es war vielleicht das traurigste Finale aller Zeiten. Nach 30 Minuten musste Liverpools Star Mo Salah mit einer Schulterverletzung vom Platz, niedergerungen von Real-Kapitän Sergio Ramos fiel er unglücklich auf die rechte Schulter (Ramos gab ihm den Rest) und musste unter Tränen aufgeben. Hoffnung für die WM gibt es noch. Eine notwendige Gelbe Karte für „Wrestler Ramos“ (Liverpool-Trainer Jürgen Klopp) gab es nicht. Wenig später erwischte es den Spanier Carvajal, auch hier wurden WM-Hoffnungen zerstört und Tränendrüsen aktiviert.

Am Schlimmsten aber heulte am Ende natürlich Liverpools Unglücksrabe Loris Karius, der Torhüter erlebte den fürchterlichsten Abend seiner Karriere, als er zuerst unkonzentriert den Ball abwarf und Benzema mit einem Reflex den Ball im Tor unterbrachte, dann einen Schuss von Bale ins Netz gleiten ließ. Karius wünschte sich da lieber auf dem Mond als in Kiew. Als er sich bei Fans und Mannschaft entschuldigte, flossen die Tränen wohl auch deshalb, weil er befürchten muss, dass dies Ende einer möglichen großen Karriere gewesen sein kann. Zerknirscht war er natürlich auch, weil er wusste, dass er seiner Mannschaft den Traum vom Sieg in der Champions League hat platzen lassen. Auch Jürgen Klopp muss weiter warten.

Die Konkurrenz muss auch weiterhin warten auf Schwächen von Real Madrid. Der Weg zum dritten Triumph war schon etwas eigenartig und mit vielen seltsamen Entscheidungen zugunsten der „Königlichen“ gepflastert. Für die Herausforderer bauen sich gegen Real besonders hohe Hürden auf. Juventus Turin in letzter Minute umstritten besiegt, gegen Bayern München glücklich ins Finale gekommen und nun legte sich Liverpool die Bälle selbst ins Tor. Wegbereiter dazu war auch Sergio Ramos, der Kapitän hatte Karius kurz vorher mit einem Ellenbogencheck fast ins Reich der Träume gebracht, die Aktion gegen Salah war Ringen und kein Fußball. Das Schiedsrichter-Gespann um den Serbe Mazic verschloss die Augen. Es muss in Zukunft auch für Real entsprechende Strafen geben. Das war nicht würdig für das große Real Madrid, das seinen 13. Titel in der Champions League und Vorläufer Europacup der Landesmeister gewann.

Die Konkurrenz darf hoffen, denn Weltfußballer Cristiano Ronaldo feierte seltsam emotionslos den Sieg und ließ verklausuliert einen Abschied von Real erkennen. Allerdings war er in Halbfinale und Finale kaum zu sehen. Auch Gareth Bale könnte sich einen anderen Arbeitgeber suchen, der Waliser war mit einem Traumtor der Star des Abends, möchte aber insgesamt mehr auf dem Platz stehen. Über allen Fragen steht der Name Neymar. Der Brasilianer soll in Paris nicht glücklich sein, dem neuen Trainer Thomas Tuchel wurde aber garantiert, dass der Torjäger bleiben müsse. Oder gibt es einen Tausch mit Ronaldo? In Madrid ist er immer wieder im Gespräch. Und Ronaldo geht es vor allem um eines: Er möchte nicht nur der beste Fußballer, sondern auch der am besten verdienende Fußballer der Welt sein. Wer öffnet seine Schatulle, damit er Messi und Neymar überholen kann?

In der neuen Saison wird es also einen neuen Angriff auf Real geben. Egal ob Barcelona oder Paris, die das nationale Double gewannen, der Sieg in der Champions League zählt mehr. Auch Pep Guardiola will persönlich und mit Manchester City wieder international angreifen und Bayern München endlich den nächsten Schritt machen und über das Halbfinale hinauskommen. Barcelona hatte in der nationalen Meisterschaft 17 Punkte Vorsprung auf Real, aber glücklich wurde man nicht, weil man eben in Kiew nur Zuschauer war. Wird das Ende der Ära Real Madrid demnächst eingeläutet?

Bald wird die Frage beantwortet, ob die Erfolgswelle der spanischen Klubs auch Auswirkungen auf Spaniens Nationalmannschaft hat, die bei der Weltmeisterschaft ab 14. Juni in Russland nämlich auch als großer Favorit gilt. Dann wäre der Triumph des spanischen Fußballs wirklich perfekt. Brasilien und Deutschland gelten als größte Konkurrenten, in erster Linie werden vor allem Jogi Löw und seine Mannen als Titelverteidiger gejagt. Keiner wird sich aber auf so viel Wohlwollen wie Real Madrid auf dem Weg zum Titel verlassen können.

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