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Tag: Charles Leclerc

Uli Hoeneß und andere Auffälligkeiten

Der Fußball hat eigentlich genug Aufmerksamkeit, so dass er übertriebene PR-Aktionen gar nicht braucht. So war auch die Aufregung um eine Beschwerde von Torhüter Marc-Andre ter Stegen über eine mangelnde Berücksichtigung in der Nationalmannschaft eigentlich gar nicht nötig. Was muss nur Bayern-Präsident Uli Hoeneß geritten haben, dass er aus einer harmlosen Aussage eine Affäre machte. Die „Abteilung Attacke“ des FC Bayern ist wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen und hat nur eines deutlich gemacht: Der angekündigte Rückzug aufs Altenteil ist richtig.

Barcelonas Torhüter beschwerte sich in Spaniens Medien darüber, dass sein Aufenthalt bei der DFB-Elf eine „schwere Zeit“ gewesen sei. Er hätte gern einen Einsatz gehabt, den ihm ja Bundestrainer Joachim Löw auch öffentlich zugesagt hat („ter Stegen wird seine Einsätze bekommen“). Jetzt hätte ter Stegen nach starken Leistungen (auch in Dortmund wieder) gern mal gespielt. Unklar ist, ob ihm Löw Hoffnung auf das Spiel in Nordirland gemacht hat, richtig war, dass Löw in dem vorentscheidenden Match der EM-Qualifikation auf Nummer Sicher ging und mit Manuel Neuer ein Experiment ausschloss. Kapitän Neuer konterte die Attacke von ter Stegen kühl („wir sind eine Mannschaft, das war nicht der richtige Zeitpunkt“) und damit wäre alles erledigt gewesen. Wenn da nicht Uli Hoeneß eine Laus über die Leber gelaufen wäre…

Der Bayern-Boss fühlte Manuel Neuer und Bayern angegriffen und wollte sich in übertriebener Väterlichkeit vor seinen Spieler stellen, machte sich dabei aber fast zur Lachnummer. Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen ist dann sinnvoll, wenn man in die Schlagzeilen will, um endlich mal wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Das haben aber weder die Bayern noch Hoeneß nötig. Die Medien ließen natürlich alle möglichen interessanten und uninteressanten Menschen zu Wort kommen und bauschten das Thema auf. Nur einer meldete sich nicht, der wichtigste Mann, nämlich Joachim Löw. Der Bundestrainer wird mit Schrecken an die nächsten Länderspiele gedacht haben, am 9. Oktober das Testspiel gegen Argentinien, am 13. 10. in der EM-Qualifikation in Estland. Ter Stegen wird auf jeden Fall einmal spielen, dann wird es heißen, „man muss sich nur beschweren…“. Schließlich gibt es so gleich wieder eine schöne Schlagzeile. Dies ist das einzig Negative, ter Stegen hat Löw unter Druck gesetzt, aber Uli Hoeneß ist schier geplatzt.

Es gab aber nicht nur Uli Hoeneß, sondern auch noch andere Auffälligkeiten. So zum Beispiel die Pleiten der Bundesligisten auf Europas Bühne. Leverkusen blamierte sich beim 1:2 gegen Lokomotive Moskau in der Champions League, Borussia Mönchengladbach verkam beim 0:4 gegen den Wolfsberger AC aus Österreich zur Lachnummer. Frankfurt mühte sich dagegen gegen Arsenal London, wenn am Ende auch ein 0:3 stand. Trotz Siegen von Bayern, Leipzig und Wolfsburg (allerdings Zuschauerpleite) und dem achtungsvollen 0:0 von Dortmund gegen Barcelona hat die Bundesliga also insgesamt keine gute Figur in der ersten Runde der Europapokalwettbewerbe abgegeben.

Apropos Europa, auffällig ist, dass einige Star-Klubs schwächeln. So Real Madrid, das beim 0:3 in Paris unterging, sich national aber wieder gefangen hat, dafür gibt es jetzt Krach in Barcelona nach einer 0:2-Pleite in Granada und nur Platz acht in der Liga. Da tobte sogar der sonst so ruhige Lionel Messi. Dafür sorgt der umstrittene Brasilianer Neymar in Paris für Auffälligkeiten, mit Toren dankt er Trainer Thomas Tuchel dafür, dass dieser den Wechselwilligen in Gnaden wieder aufgenommen hat. So kann St. Germain eine Verletzungsmisere kaschieren. Auffällig auch, dass Serien-Meister Juventus Turin in Italien nicht die Nummer 1 ist, sondern derzeit Inter Mailand. Deutet sich da ein Erdbeben an? In Spanien ist es Athletic Bilbao (!), in England dagegen der FC Liverpool. Der hat sogar nach dem 2:1 bei Chelsea weiter fünf Punkte Vorsprung vor Verfolger Manchester City, das zuletzt gegen Neuling Norwich patzte. Da nützte es nichts, dass sich die Pep-Schützlinge gegen Watford mit 8:0 den Frust von der Seele schossen.

Auffällig in der Bundesliga die Verletztenmisere bei Werder Bremen. Ungefähr zehn Stammspieler fehlen Trainer Florian Kohfeldt, für den vor allem der Ausfall von Torjäger Niclas Füllkrug ein Schock war. Da war das 0:3 gegen Leipzig nur logisch und jetzt geht es auch noch nach Dortmund. Auffällig aber, dass RB Leipzig damit weiter von der Tabellenspitze grüßt, Dortmund aber die erste Verfolgerrolle mit dem 2:2 in Frankfurt an die Bayern abtrat. Bei den Bayern läuft nicht alles rund, aber das wird überdeckt von der Tormaschine Robert Lewandowski und von der Freude über Neuzugang Coutinho, der immer mehr andeutet, welche Verstärkung er für die Münchner sein kann.

Eine besondere Auffälligkeit auch außerhalb des Fußballs: Sebastian Vettel hat in Singapur in der Formel 1 sein erstes Rennen nach über einem Jahr gewonnen! Zuletzt hatte der Heppenheimer mehr mit Fehlern und Hinterherfahren für Schlagzeilen gesorgt, er wurde zum Sorgenkind. Vielleicht hat ihm jetzt deshalb Ferrari den Sieg geschenkt, denn eine verkorkste Stallregie bremste den führenden Charles Leclerc aus und brachte Vettel nach vorn. Die Folge: Krach bei Ferrari, Leclerc will sich das nicht gefallen lassen. Auch Mercedes half gnädigerweise mit einer verpatzten Stallregie für Hamilton und Bottas mit, als wenn man sagen wollte, wir müssen diesen mutlosen Sebastian Vettel ein bisschen aufzubauen. Hoffentlich hält sich Vettel nicht gleich wieder für den Größten. Andererseits wird es mal wieder an der Zeit, dass Mercedes zeigt, dass es noch siegen kann, nachdem jetzt Ferrari dreimal vorn lag und damit eine Wiederauferstehung feierte. Die Formel 1 aber freut sich über die Spannung vor dem nächsten Rennen am Sonntag in Sotschi.

Ein Hinweis: In dieser Woche noch ein Kommentar zur bevorstehenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar.

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Die Sieger und Verlierer der Formel 1

Die Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn dürfte der Formel 1 sehr ungelegen kommen (weiter geht es am 1. September in Spa), denn die letzten Rennen machten eigentlich Lust auf mehr. Endlich gab es die Spannung, nach der die Motorsportfans schon lange gelechzt haben. Die Formel 1 also als Sieger. Allerdings werden einige Teams auch froh sein um die Pause, denn die wollen sie nutzen, um ihre Rennwagen zu verbessern. Ferrari zum Beispiel. Der Sport-Grantler nutzt die Sommerpause zu einer Zwischenbilanz und zeigt auf, wer als Sieger und wer als Verlierer gelten kann.

Die Sieger der Formel 1

Lewis Hamilton: Der Weltmeister befindet sich auf dem Weg zur nächsten erfolgreichen Titelverteidigung, es wird für ihn der sechste Titel und damit wäre der siebte und der Rekord, den Michael Schumacher hält, nicht mehr weit. Zum Sieger macht ihn vor allem die Tatsache, dass er fahrerisch überzeugen konnte, es liegt nicht nur am Auto. Das bewies der 34-Jährige Engländer eindrucksvoll bei der Aufholjagd in Ungarn.

Mercedes: Die Silberpfeile sind seit fünf Jahren schier unschlagbar, holten sich immer den Konstrukteurstitel. Das wird auch in diesem Jahr so sein, immerhin zeigt die Konkurrenz aber dann und wann mal die Zähne.

Max Verstappen: Der 21-Jährige Niederländer gilt als Heißsporn, sein fahrerisches Talent zeigt er schon lange, mancher Crash beschädigte aber seinen guten Ruf. Scheinbar ist er bedachter und damit noch schneller geworden. Endlich schaffte er auch seine erste Pole Position und machte damit deutlich: Ich bin für Hamilton und Mercedes der Herausforderer Nummer 1!

Aston Martin Red Bull Racing: Nennen wir mal den offiziellen Titel des Rennstalls. Vor der Saison war vom Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari die Rede, Red Bull wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Jetzt ist Red Bull dabei, den „Roten“ Rang zwei abzulaufen. Hinter Mercedes (438 Punkte) ist Ferrari (288:244) allerdings noch Zweiter. Was Red Bull fehlt, ist ein zweiter starker Fahrer, Pierre Gasley ist es wohl nicht.

Charles Leclerc: Ferrari hat den zweiten starken Fahrer, was heißt den zweiten, der 21-Jährige Monegasse ist fast schon die Nummer 1 im Team, zumindest macht er Vettel gehörig Druck und wird ihn bald nicht mehr gemäß Stallorder vorbeilassen. Leclerc gehört im Team die Zukunft.

Die Verlierer der Formel 1

Sebastian Vettel: Logisch, vor der Saison muss man auf Optimismus machen und forsch Siegeswillen zeigen. Der Heppenheimer konnte die Erwartungen aber in keiner Weise erfüllen und es liegt nicht allein am Auto. Statt von Heldentaten zu berichten, wie es von Leclerc oder Hamilton der Fall war, wurden bei Vettel die Fehler aufgezeigt. Innerhalb eines Jahres seit Juli 2018 verlor er neun Rennen durch seine Fehler. Heute wird eher gemunkelt, ob Vettel, der bei Ferrari noch einen Vertrag bis 2020 besitzt, nicht schon am Ende dieser Saison zurücktritt.

Ferrari: Ein Deutscher sollte die glorreichen Zeiten eines Michael Schumacher wieder zurückbringen. Vettel schaffte es bekanntlich nicht. Aber Ferrari schaffte es auch nicht, ein Auto auf die Straße zu bringen, das ernsthaft um den Titel mitfahren kann. Jedes Jahr das gleiche Spiel, vor der Saison große Töne, nach der Saison Katzenjammer. Die Roten bremsen sich selbst aus.

Valtteri Bottas: Der Finne kam mit Elan und Mut aus der Winterpause zurück und zeigte sich als Herausforderer für Hamilton. Doch der Schwung ist dahin, vielleicht stoppt den bald 30-Jährigen die Tatsache, dass er an dem Engländer doch nicht vorbei kann. Zweifel statt Selbstvertrauen und die traurige Zukunft, dass über seinen Platz spekuliert wird. Der junge Franzose Esteban Ocon (derzeit Testfahrer bei Mercedes) gilt als Nachfolger. Kaum glaubhaft, dass Max Verstappen als Konkurrent von Hamilton ins gleiche Team wechselt.

Renault: Eigentlich sollte der nächste Schritt Richtung Spitze gemacht werden, doch die Franzosen treten auf der Stelle. An den Fahrern Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg liegt es wohl nicht, die haben ihr Können schon bewiesen. Sie haben kein Spitzenauto zur Verfügung. Im Moment liegen sogar noch McLaren und Toro Rosso vor Renault (derzeit Sechster in der Teamwertung).

Hockenheimring: Möglich, dass wir 2019 das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland gesehen haben, die finanzielle Situation ist zu kompliziert geworden, die Formel 1 für die deutschen Veranstalter Nürburgring und Hockenheimring zu teuer. Wenn ein Traditionsstandort verloren geht, wird auch die Formel 1 zum Verlierer. Ob Expansion um des schnöden Geldes Willen wirklich weiterhilft? Neben Hockenheim ist auch die Zukunft von Barcelona und Monza ungewiss, dafür stehen die neuen Standorte Zandvoort in den Niederlanden (wohl wegen Verstappen und der Begeisterung der holländischen Fans) und Hanoi in Vietnam bereit. 21 Rennen soll es 2020 geben, mit Saudi-Arabien wird verhandelt.

Vielleicht gibt es einen Retter für Formel-1-Rennen in Deutschland. Er hat einen bekannten Namen, er heißt Schumacher, Mick Schumacher, der Sohn von Michael. In Ungarn gewann der 20-Jährige sein erstes Rennen in der Formel 2, die als Sprungbrett für die Formel 1 gilt. Er hat das Talent, um den Sprung wirklich zu schaffen und Formel-1-Boss Chase Carey ließ bereits verlauten, „Mick hat einen besonderen Platz bei uns“. Begeisterung in Deutschland könnte wieder Vollgas für die Formel 1 hierzulande bedeuten. Hoffnung für Hockenheim.