Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Charles Leclerc

Die Formel 1 kämpft ums Überleben

Es sollte ein besonderes Jahr werden, hatte der Sport-Grantler in seiner Saisonvorschau auf die Formel-1-Weltmeisterschaft im März geschrieben. Jubiläen standen an, 70 Jahre Formel 1 und das 1000. Rennen von Ferrari. Doch das rückte alles in den Hintergrund, 2020 wurde durch die Coronapandemie nämlich ein ganz besonderes Jahr und nach der Absagen der geplanten Rennen kämpft die Königsklasse des Motorsports sogar ums Überleben. Damit es noch eine Zukunft gibt, haben die Organisatoren um Ross Brawn alles getan, um wenigstens eine verkürzte Weltmeisterschaft mit Geisterrennen auf die Beine zu stellen. Acht Renntermine stehen bisher fest, am Sonntag, 5. Juli, geht es in Spielberg/Österreich endlich los. Die Formel 1 ist wieder da!

Die Formel 1 2020 wird ganz anders sein, als die Formel 1 bisher. Leere Ränge ohne Zuschauer machen dies optisch deutlich, aber auch das Fahrerlager sieht ganz anders aus. Keine luxuriösen Motorhomes, kein Schnickschnack, geringster Aufwand bei dem Personal. Von den Fahrern bis zum letzten Mechaniker werden alle ständig auf Corona getestet, über 10.000 Tests werden es am Ende sein. Damit sich für Spielberg der Aufwand lohnt, gibt es am Sonntag drauf gleich noch einmal ein Rennen in der Steiermark, dann ist am 19. Juli Budapest dran, dann zweimal Silverstone (2. und 9. August), außerdem wird in Barcelona (16.8.), Spa (30.8.) und Monza (6.9.) gefahren. Europa ist also die erste Heimat, alles andere steht in den Sternen, etwa 15 Rennen sollen es bis zum Jahresende allerdings schon sein, das Finale ist im Dezember in Abu Dhabi vorgesehen.

Wie in anderen Sportarten auch, sind Wettbewerbe, also die Rennen für die Formel 1 überlebenswichtig. Nicht nur die kleineren Rennställe hatten an den fehlenden Einnahmen von Sponsoren und Fernsehen zu knabbern. Aber damit sie weiter existieren und mitfahren können, war es leichter, eine Reduzierung der Budgets bei den Platzhirschen für die Zukunft durchzusetzen. Allein können auch Mercedes, Ferrari oder Red Bull nicht fahren. Die diesjährige Saison soll gerettet werden, dann geht es um die Zukunftssicherung. Wie schon geschrieben, rüttelt die Formel E mit ihren zeitgemäßen Elektroboliden auf Stadtkursen am Thron der Königsklasse.

Ob sich sportlich was ändert, wird sich in Spielberg zeigen. Es könnte sein, dass es nach der Zwangspause Überraschungen gibt, weil der eine oder andere neue Tricks auspackt. Die Aufmerksamkeit gehört natürlich wieder Mercedes und Titelverteidiger Lewis Hamilton, der den Rekord von Michael Schumacher mit sieben Weltmeisterschaften einstellen will. Spielverderber könnte neben Ferrari vor allem Max Verstappen mit Red Bull sein. Wagen und Fahrer gelten als besonders schnell, die Strecke von Spielberg aber nicht unbedingt als günstig für Mercedes.

Die Aufmerksamkeit gehört aber auch Sebastian Vettel, der die Pause mit der Ankündigung von seinem Abschied von Ferrari würzte. Der Heppenheimer hat für das nächste Jahr noch kein neues Cockpit, doch der Abschied brachte Bewegung in das Fahrerlager. Carlos Sainz wird Vettels Nachfolger, den wiederum Daniel Ricciardo (Renault) bei McLaren ersetzt. Spannungen sind in den einzelnen Rennställen gewiss, denn Abtrünnige werden kaum die Unterstützung wie der Stammfahrer finden und von Firmengeheimnissen ferngehalten werden. So wird vor allem mit Argusaugen auf Ferrari geschaut, wie Vettel neben Charles Leclerc bestehen kann, denn der junge Monegasse ist jetzt die klare Nummer 1 im Team. Offen ist auch, ob die Wechselwilligen ihren neuen Rennställen unbedingt WM-Punkte klauen wollen. Es steht uns also eine besondere und seltsame Saison bevor.

Lewis Hamilton ist nicht nur der Chef auf der Strecke, er hat sich inzwischen auch zum Leader der Formel 1 abseits des Renngeschehens entwickelt. Aus dem Partyboy wurde ein gestandener Mann, der auch die Probleme der Welt anspricht. Als einziger farbiger Fahrer und naturgemäß erster Weltmeister hat sich der Engländer vor allem dem Kampf gegen Rassismus angenommen und Unterstützung in seinem Team gefunden, vor allem von Teamchef Toto Wolff. Starkes optisches Zeichen: Die Silberpfeile werden schwarz. „Um unser klares Engagement für mehr Vielfalt in unserem Team und unserem Sport zu demonstrieren.“ Mercedes wird außerdem mit verschiedenen Initiativen und Programmen junge Menschen und unterrepräsentierte Gruppen unterstützen. Hamilton gesteht: „Ich habe in meinem Leben selbst Rassismus erlebt und gesehen, wie meine Familie und meine Freunde Rassismus ausgesetzt waren.“ Gut, dass hier ein Spitzensportler über den Tellerrand seines Sports hinausblickt.

Welches Erlebnis die Formel 1 ohne Zuschauer und mit reduziertem Programm wird, muss sich zeigen. Aber Rennsport ist nicht Fußball, die Zuschauer haben nicht den unmittelbaren Einfluss auf das Geschehen. Dem Rasen sind sie nahe und können pushen, die Fahrer in den Boliden nehmen die Fans am Rande kaum war und können ein Bad in der Menge erst bei der Siegerehrung genießen. Formel 1 ist mehr Fernsehsport, dennoch wird sich RTL als übertragender Sender im Free-TV nach dieser Saison zurückziehen und das Feld in Deutschland allein dem Pay-TV-Sender Sky überlassen. Offensichtlich verlieren Rennen, die vielleicht nicht mehr in Deutschland und ohne deutschen Fahrer stattfinden ihre Attraktivität. Auch dies zeigt, die Formel 1 kämpft an allen Fronten ums Überleben.

Scheiden tut manchmal gar nicht weh

Der Volksmund sagt „scheiden tut weh“, doch Ferrari und Sebastian Vettel beweisen jetzt in der Formel 1, dass eine Scheidung manchmal gar nicht weh tut. Beide haben sich auseinander gelebt, was vor fünf Jahren als Traumhochzeit gefeiert wurde, endete jetzt als großes Missverständnis. Sebastian Vettel ist eben nicht Michael Schumacher. Ferrari hatte den Traum, dass es Vettel wie Schumacher schaffen würde, die „Roten“ wieder auf die Siegesstraße zu bringen, Vettel hatte den Traum, wie Schumacher der Held der deutschen Motorsportfans zu werden. Es wurden aber fünf Jahre der Enttäuschung, alle Hoffnungen blieben unerfüllt, Vettel gewann ein paar Rennen, aber keinen Titel. Mercedes und Lewis Hamilton standen im Weg und zuletzt sogar Stall-Rivale Charles Leclerc. Ferrari und Vettel haben eingesehen, die Zusammenarbeit der Erfolgslosigkeit zu beenden.

Die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung waren nur noch ein Schattenboxen. Ferrari bot Vettel nach dieser Saison nur einen Kontrakt über ein Jahr an, weil absehbar war, dass Vettel hinter Leclerc nur noch die Nummer zwei sein würde. Vettel wiederum wollte diese Rolle nicht spielen und beharrte auf sein Prinzip, nur einen Dreijahresvertrag zu akzeptieren. Es war ihm klar, dass er diesen bei den Italienern nicht bekommen würde. Am Ende gibt es auf beiden Seiten nur eins: Erleichterung!

Sebastian Vettel kam als vierfacher Weltmeister 2015 zu Ferrari. Von 2010 bis 2013 räumte er mit Red Bull die Titel ab, da war die Welt noch in Ordnung. Erste Schatten gab es, als er 2014 den Atem von Teamkollegen Daniel Ricciardo im Nacken spürte. Vettel machte Fehler, wurde Fünfter. Noch aber lebte er vom frischen Ruhm der Titel und erfüllte sich seinen Traum: Einmal für Ferrari fahren. Die Italiener sahen wiederum in einem Deutschen den Hoffnungsträger und träumten von einer goldenen Zukunft. Träume wiederholen sich aber nicht immer.

Ferrari baut also auf den Monegassen Charles Leclerc, auf den 22-Jährigen Jungspund, der den Weltmeister ausgestochen hat. An seiner Seite wird wohl künftig der 25-Jährige Carlos Sainz jun. fahren, der einen berühmten Namen trägt, der Vater war der weltbeste Rallyefahrer. Der Spanier ist schnell, machte auf sich aufmerksam, wird aber wohl die Rolle als Nummer zwei akzeptieren.

Sebastian Vettel aber will zunächst mal in Ruhe über seine Zukunft nachdenken. Noch hat er wohl einige Zeit, bis die Formel 1 wieder fährt, wenn sie überhaupt fahren kann. Die Atmosphäre im Team der „Roten“ wird nicht gut sein, es scheint, Ferrari hat das Jahr schon abgehakt, wird sich verstärkt auf 2021 konzentrieren. Für Vettel werden sich danach nicht viele Türen auftun, am ehesten McLaren, das eben Sainz verliert. Eine Rückkehr zu Red Bull ist keine Option, an Max Verstappen kommt Vettel nicht vorbei. Ob Mercedes für ihn eine Zukunft darstellt ist ebenfalls zweifelhaft. Lewis Hamilton hat wohl keine Veranlassung die Silbernen zu verlassen. Er könnte in diesem Jahr den Rekord von Michael Schumacher mit sieben WM-Titeln einstellen, wenn gefahren wird. Und sollte diese einst unvorstellbare Siegesserie gelingen, dann hat er wohl den alleinigen Rekord im Visier und der ist Stand heute am ehesten mit Mercedes möglich.

Sollte Sebastian Vettel seine Karriere in der Formel 1 beenden, dann wäre auch die einst so glorreiche Ära der deutschen Fahrer in der Königsklasse endgültig zu Ende. Einst wurde die Formel 1 als „Formel D“ bezeichnet, als 2010 mit Schumacher, Vettel, Nico Rosberg, Nick Heidfeld, Adrian Sutil, Nico Hülkenberg und Timo Glock gleich sieben deutsche Fahrer am Start waren und in Hockenheim und am Nürburgring die Formel 1 zweimal in Deutschland gastierte. Auch hier steht Deutschland derzeit im Abseits. Die einzige deutsche Hoffnung heißt Schumacher, Michals Sohn Mick hat offensichtlich viel Talent vom Vater geerbt, sorgt in der Formel 2 für Schlagzeilen und gehört dem Perspektivkader von Ferrari an. Die deutsche Hoffnung lebt also weiter in Maranello.

Der 32-Jährige Sebastian Vettel, der seit einigen Jahren mit seiner Familie auf einem ausgebauten Bauernhof in der Schweiz lebt, könnte allerdings noch einmal zum Hoffnungsträger werden. In der Formel E, der anscheinend die Zukunft gehört. Die neue Rennserie der Elektrorennwagen sorgt immer mehr für Furore und könnte einen Star aus der Formel 1 als PR-Lokomotive gut gebrauchen. Es wäre eine Win-Win-Situation, wenn Vettel noch genug Racing-Blut in seinen Adern verspürt.

König Lewis auf den Spuren von König Michael

Sieben Weltmeistertitel in der Formel 1, einst war man sich sicher, dass Michael Schumacher mit seinen Gesamtsiegen 1994, 1995 und von 2000 bis 2004 fünf Mal in Folge einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt hatte. Michael Schumacher galt für ewig als „König der Formel 1“. Jetzt macht sich allerdings der „Prinz“, der „König der Gegenwart“ auf, die Ewigkeit Gegenwart werden zu lassen. König Lewis befindet sich auf den Spuren von König Michael. Lewis Hamilton macht nämlich deutlich, dass er mit dem vorzeitigen Gewinn des sechsten Titels keineswegs satt ist. Und sein Auto, der Silberpfeil, bietet dem Weltmeister 2019 die Basis dafür, dass er noch Rekorde für die Ewigkeit aufstellen kann.

Michael Schumacher glänzte einst im Ferrari und jetzt können ausgerechnet die Italiener dafür sorgen, dass sein Rekord wirklich für die Ewigkeit hält. Dazu müssen sie aber wieder eine Qualität erreichen wie damals, bei Schumachers Siegen. In diesem Jahr träumten die „Roten“ vom Titelgewinn, doch mit zahlreichen Fehlern standen sie sich selbst im Weg. In der zweiten Saisonhälfte sah es so aus, als sollte Ferrari tatsächlich an Mercedes vorbeiziehen können, doch Bestzeiten in der Qualifikation konnten im Rennen oft nicht in Siege umgemünzt werden. Dazu gab es jetzt noch üble Gerüchte, Ferrari soll technisch getrickst und die Boliden entgegen den Regeln schneller gemacht haben. Nach Kontrollen waren sie in den USA wieder langsamer. Und Lewis Hamilton Weltmeister.

Es hängt nicht nur von Ferrari ab, ob Lewis Hamilton den Rekord von Michael Schumacher einstellen oder sogar brechen kann. Logisch, wenn die Roten wieder einen Schritt nach vorne machen können wie in diesem Jahr und ihre Fehler abstellen, dann sind sie in der Lage, die Mercedes in die Schranken zu weisen. Allerdings müssen sie dann auch in der Mannschaft für Ruhe sorgen und sich entscheiden, wer der Trumpf auf der Strecke sein soll: Routinier Sebastian Vettel, der unter Druck leider zu Fehlern neigt, oder Talent Charles Leclerc, der sich im Übermut manchmal selbst im Wege steht, aber gezeigt hat, dass er der schnellere Fahrer ist. Die Entscheidung könnte für Vettel bedeuten, dass er den Traum vom WM-Titel ad acta legen muss. Oder König Lewis zerstört eben diesen Traum.

Mehr Probleme könnten Mercedes und Hamilton aber ab 2021 mit dem neuen Reglement der Formel 1 bekommen. Das Budget der Teams wird auf 158 Millionen Euro gedeckelt, der Erfindergeist der finanzstarken Teams damit gebremst. Die Technik soll vereinfacht und das ganze Konzept nachhaltiger werden. Dazu soll die Zahl der Rennen auf 25 aufgestockt werden, dafür dauert der Rennzirkus am Wochenende nur noch drei statt vier Tage. Da gibt es also einige Unwägbarkeiten und die Kräfteverhältnisse könnten sich wieder verschieben. Zuletzt war Mercedes der König nach den Regeländerungen, in der Vergangenheit zeigte sich immer, dass Veränderungen neue Könige hervorbringen.

So muss das Formel-1-Volk schon noch warten, ob es einen neuen König bekommt. Noch regiert König Michael, leider kann er es aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht verfolgen, und ob König Lewis die Regentschaft, sprich den Rekord, wirklich übernimmt, werden wir frühestens 2021 sehen. Bei Mercedes weiß er, was er hat, kein Wunder, dass er sich vorstellen kann, noch länger für die Stuttgarter zu fahren. Und satt ist der König auch nicht, ihm dürstet nach weiteren Erfolgen. Ferrari wird es nicht gerne hören.

Uli Hoeneß und andere Auffälligkeiten

Der Fußball hat eigentlich genug Aufmerksamkeit, so dass er übertriebene PR-Aktionen gar nicht braucht. So war auch die Aufregung um eine Beschwerde von Torhüter Marc-Andre ter Stegen über eine mangelnde Berücksichtigung in der Nationalmannschaft eigentlich gar nicht nötig. Was muss nur Bayern-Präsident Uli Hoeneß geritten haben, dass er aus einer harmlosen Aussage eine Affäre machte. Die „Abteilung Attacke“ des FC Bayern ist wieder einmal über das Ziel hinaus geschossen und hat nur eines deutlich gemacht: Der angekündigte Rückzug aufs Altenteil ist richtig.

Barcelonas Torhüter beschwerte sich in Spaniens Medien darüber, dass sein Aufenthalt bei der DFB-Elf eine „schwere Zeit“ gewesen sei. Er hätte gern einen Einsatz gehabt, den ihm ja Bundestrainer Joachim Löw auch öffentlich zugesagt hat („ter Stegen wird seine Einsätze bekommen“). Jetzt hätte ter Stegen nach starken Leistungen (auch in Dortmund wieder) gern mal gespielt. Unklar ist, ob ihm Löw Hoffnung auf das Spiel in Nordirland gemacht hat, richtig war, dass Löw in dem vorentscheidenden Match der EM-Qualifikation auf Nummer Sicher ging und mit Manuel Neuer ein Experiment ausschloss. Kapitän Neuer konterte die Attacke von ter Stegen kühl („wir sind eine Mannschaft, das war nicht der richtige Zeitpunkt“) und damit wäre alles erledigt gewesen. Wenn da nicht Uli Hoeneß eine Laus über die Leber gelaufen wäre…

Der Bayern-Boss fühlte Manuel Neuer und Bayern angegriffen und wollte sich in übertriebener Väterlichkeit vor seinen Spieler stellen, machte sich dabei aber fast zur Lachnummer. Aus einer Mücke einen Elefanten zu machen ist dann sinnvoll, wenn man in die Schlagzeilen will, um endlich mal wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Das haben aber weder die Bayern noch Hoeneß nötig. Die Medien ließen natürlich alle möglichen interessanten und uninteressanten Menschen zu Wort kommen und bauschten das Thema auf. Nur einer meldete sich nicht, der wichtigste Mann, nämlich Joachim Löw. Der Bundestrainer wird mit Schrecken an die nächsten Länderspiele gedacht haben, am 9. Oktober das Testspiel gegen Argentinien, am 13. 10. in der EM-Qualifikation in Estland. Ter Stegen wird auf jeden Fall einmal spielen, dann wird es heißen, „man muss sich nur beschweren…“. Schließlich gibt es so gleich wieder eine schöne Schlagzeile. Dies ist das einzig Negative, ter Stegen hat Löw unter Druck gesetzt, aber Uli Hoeneß ist schier geplatzt.

Es gab aber nicht nur Uli Hoeneß, sondern auch noch andere Auffälligkeiten. So zum Beispiel die Pleiten der Bundesligisten auf Europas Bühne. Leverkusen blamierte sich beim 1:2 gegen Lokomotive Moskau in der Champions League, Borussia Mönchengladbach verkam beim 0:4 gegen den Wolfsberger AC aus Österreich zur Lachnummer. Frankfurt mühte sich dagegen gegen Arsenal London, wenn am Ende auch ein 0:3 stand. Trotz Siegen von Bayern, Leipzig und Wolfsburg (allerdings Zuschauerpleite) und dem achtungsvollen 0:0 von Dortmund gegen Barcelona hat die Bundesliga also insgesamt keine gute Figur in der ersten Runde der Europapokalwettbewerbe abgegeben.

Apropos Europa, auffällig ist, dass einige Star-Klubs schwächeln. So Real Madrid, das beim 0:3 in Paris unterging, sich national aber wieder gefangen hat, dafür gibt es jetzt Krach in Barcelona nach einer 0:2-Pleite in Granada und nur Platz acht in der Liga. Da tobte sogar der sonst so ruhige Lionel Messi. Dafür sorgt der umstrittene Brasilianer Neymar in Paris für Auffälligkeiten, mit Toren dankt er Trainer Thomas Tuchel dafür, dass dieser den Wechselwilligen in Gnaden wieder aufgenommen hat. So kann St. Germain eine Verletzungsmisere kaschieren. Auffällig auch, dass Serien-Meister Juventus Turin in Italien nicht die Nummer 1 ist, sondern derzeit Inter Mailand. Deutet sich da ein Erdbeben an? In Spanien ist es Athletic Bilbao (!), in England dagegen der FC Liverpool. Der hat sogar nach dem 2:1 bei Chelsea weiter fünf Punkte Vorsprung vor Verfolger Manchester City, das zuletzt gegen Neuling Norwich patzte. Da nützte es nichts, dass sich die Pep-Schützlinge gegen Watford mit 8:0 den Frust von der Seele schossen.

Auffällig in der Bundesliga die Verletztenmisere bei Werder Bremen. Ungefähr zehn Stammspieler fehlen Trainer Florian Kohfeldt, für den vor allem der Ausfall von Torjäger Niclas Füllkrug ein Schock war. Da war das 0:3 gegen Leipzig nur logisch und jetzt geht es auch noch nach Dortmund. Auffällig aber, dass RB Leipzig damit weiter von der Tabellenspitze grüßt, Dortmund aber die erste Verfolgerrolle mit dem 2:2 in Frankfurt an die Bayern abtrat. Bei den Bayern läuft nicht alles rund, aber das wird überdeckt von der Tormaschine Robert Lewandowski und von der Freude über Neuzugang Coutinho, der immer mehr andeutet, welche Verstärkung er für die Münchner sein kann.

Eine besondere Auffälligkeit auch außerhalb des Fußballs: Sebastian Vettel hat in Singapur in der Formel 1 sein erstes Rennen nach über einem Jahr gewonnen! Zuletzt hatte der Heppenheimer mehr mit Fehlern und Hinterherfahren für Schlagzeilen gesorgt, er wurde zum Sorgenkind. Vielleicht hat ihm jetzt deshalb Ferrari den Sieg geschenkt, denn eine verkorkste Stallregie bremste den führenden Charles Leclerc aus und brachte Vettel nach vorn. Die Folge: Krach bei Ferrari, Leclerc will sich das nicht gefallen lassen. Auch Mercedes half gnädigerweise mit einer verpatzten Stallregie für Hamilton und Bottas mit, als wenn man sagen wollte, wir müssen diesen mutlosen Sebastian Vettel ein bisschen aufzubauen. Hoffentlich hält sich Vettel nicht gleich wieder für den Größten. Andererseits wird es mal wieder an der Zeit, dass Mercedes zeigt, dass es noch siegen kann, nachdem jetzt Ferrari dreimal vorn lag und damit eine Wiederauferstehung feierte. Die Formel 1 aber freut sich über die Spannung vor dem nächsten Rennen am Sonntag in Sotschi.

Ein Hinweis: In dieser Woche noch ein Kommentar zur bevorstehenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar.

Die Sieger und Verlierer der Formel 1

Die Sommerpause nach dem Rennen in Ungarn dürfte der Formel 1 sehr ungelegen kommen (weiter geht es am 1. September in Spa), denn die letzten Rennen machten eigentlich Lust auf mehr. Endlich gab es die Spannung, nach der die Motorsportfans schon lange gelechzt haben. Die Formel 1 also als Sieger. Allerdings werden einige Teams auch froh sein um die Pause, denn die wollen sie nutzen, um ihre Rennwagen zu verbessern. Ferrari zum Beispiel. Der Sport-Grantler nutzt die Sommerpause zu einer Zwischenbilanz und zeigt auf, wer als Sieger und wer als Verlierer gelten kann.

Die Sieger der Formel 1

Lewis Hamilton: Der Weltmeister befindet sich auf dem Weg zur nächsten erfolgreichen Titelverteidigung, es wird für ihn der sechste Titel und damit wäre der siebte und der Rekord, den Michael Schumacher hält, nicht mehr weit. Zum Sieger macht ihn vor allem die Tatsache, dass er fahrerisch überzeugen konnte, es liegt nicht nur am Auto. Das bewies der 34-Jährige Engländer eindrucksvoll bei der Aufholjagd in Ungarn.

Mercedes: Die Silberpfeile sind seit fünf Jahren schier unschlagbar, holten sich immer den Konstrukteurstitel. Das wird auch in diesem Jahr so sein, immerhin zeigt die Konkurrenz aber dann und wann mal die Zähne.

Max Verstappen: Der 21-Jährige Niederländer gilt als Heißsporn, sein fahrerisches Talent zeigt er schon lange, mancher Crash beschädigte aber seinen guten Ruf. Scheinbar ist er bedachter und damit noch schneller geworden. Endlich schaffte er auch seine erste Pole Position und machte damit deutlich: Ich bin für Hamilton und Mercedes der Herausforderer Nummer 1!

Aston Martin Red Bull Racing: Nennen wir mal den offiziellen Titel des Rennstalls. Vor der Saison war vom Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari die Rede, Red Bull wurden höchstens Außenseiterchancen eingeräumt. Jetzt ist Red Bull dabei, den „Roten“ Rang zwei abzulaufen. Hinter Mercedes (438 Punkte) ist Ferrari (288:244) allerdings noch Zweiter. Was Red Bull fehlt, ist ein zweiter starker Fahrer, Pierre Gasley ist es wohl nicht.

Charles Leclerc: Ferrari hat den zweiten starken Fahrer, was heißt den zweiten, der 21-Jährige Monegasse ist fast schon die Nummer 1 im Team, zumindest macht er Vettel gehörig Druck und wird ihn bald nicht mehr gemäß Stallorder vorbeilassen. Leclerc gehört im Team die Zukunft.

Die Verlierer der Formel 1

Sebastian Vettel: Logisch, vor der Saison muss man auf Optimismus machen und forsch Siegeswillen zeigen. Der Heppenheimer konnte die Erwartungen aber in keiner Weise erfüllen und es liegt nicht allein am Auto. Statt von Heldentaten zu berichten, wie es von Leclerc oder Hamilton der Fall war, wurden bei Vettel die Fehler aufgezeigt. Innerhalb eines Jahres seit Juli 2018 verlor er neun Rennen durch seine Fehler. Heute wird eher gemunkelt, ob Vettel, der bei Ferrari noch einen Vertrag bis 2020 besitzt, nicht schon am Ende dieser Saison zurücktritt.

Ferrari: Ein Deutscher sollte die glorreichen Zeiten eines Michael Schumacher wieder zurückbringen. Vettel schaffte es bekanntlich nicht. Aber Ferrari schaffte es auch nicht, ein Auto auf die Straße zu bringen, das ernsthaft um den Titel mitfahren kann. Jedes Jahr das gleiche Spiel, vor der Saison große Töne, nach der Saison Katzenjammer. Die Roten bremsen sich selbst aus.

Valtteri Bottas: Der Finne kam mit Elan und Mut aus der Winterpause zurück und zeigte sich als Herausforderer für Hamilton. Doch der Schwung ist dahin, vielleicht stoppt den bald 30-Jährigen die Tatsache, dass er an dem Engländer doch nicht vorbei kann. Zweifel statt Selbstvertrauen und die traurige Zukunft, dass über seinen Platz spekuliert wird. Der junge Franzose Esteban Ocon (derzeit Testfahrer bei Mercedes) gilt als Nachfolger. Kaum glaubhaft, dass Max Verstappen als Konkurrent von Hamilton ins gleiche Team wechselt.

Renault: Eigentlich sollte der nächste Schritt Richtung Spitze gemacht werden, doch die Franzosen treten auf der Stelle. An den Fahrern Daniel Ricciardo und Nico Hülkenberg liegt es wohl nicht, die haben ihr Können schon bewiesen. Sie haben kein Spitzenauto zur Verfügung. Im Moment liegen sogar noch McLaren und Toro Rosso vor Renault (derzeit Sechster in der Teamwertung).

Hockenheimring: Möglich, dass wir 2019 das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland gesehen haben, die finanzielle Situation ist zu kompliziert geworden, die Formel 1 für die deutschen Veranstalter Nürburgring und Hockenheimring zu teuer. Wenn ein Traditionsstandort verloren geht, wird auch die Formel 1 zum Verlierer. Ob Expansion um des schnöden Geldes Willen wirklich weiterhilft? Neben Hockenheim ist auch die Zukunft von Barcelona und Monza ungewiss, dafür stehen die neuen Standorte Zandvoort in den Niederlanden (wohl wegen Verstappen und der Begeisterung der holländischen Fans) und Hanoi in Vietnam bereit. 21 Rennen soll es 2020 geben, mit Saudi-Arabien wird verhandelt.

Vielleicht gibt es einen Retter für Formel-1-Rennen in Deutschland. Er hat einen bekannten Namen, er heißt Schumacher, Mick Schumacher, der Sohn von Michael. In Ungarn gewann der 20-Jährige sein erstes Rennen in der Formel 2, die als Sprungbrett für die Formel 1 gilt. Er hat das Talent, um den Sprung wirklich zu schaffen und Formel-1-Boss Chase Carey ließ bereits verlauten, „Mick hat einen besonderen Platz bei uns“. Begeisterung in Deutschland könnte wieder Vollgas für die Formel 1 hierzulande bedeuten. Hoffnung für Hockenheim.