Der Sport – Grantler

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Tag: Chris Froome

Tour der Leiden als Aufruf zur Doping-Tour

Eigentlich wollte der Sport-Grantler zur Tour de France gar nicht mehr Stellung nehmen, weil sich in der Ausgangsposition gegenüber dem Vorjahr nichts geändert hat. Doch in diesem Jahr ist das Streckenprofil besonders krass und der Sport-Grantler muss den Organisatoren sagen, „ihr habt aber auch gar nichts gelernt“. Die Tour der Leiden ist in diesem Jahr nichts anderes als ein Aufruf zur „Doping-Tour“. Das Motto ist wohl, „nun schluckt mal schön“ damit die Fahrer die Rundfahrt, die als „großes Kletterfestival“ bezeichnet wird, auch überstehen.

Es ist schon seltsam, der Radsport hat die Dopingskandale der letzten Jahre noch nicht richtig in den Griff bekommen, aber Fahrer und Funktionäre tun so, als wäre alles in Butter und alle sauber. Man möchte ja vor allem den deutschen Fahrern glauben, dass sie ihre Erfolge ohne Hilfsmittel erzielen. Andererseits haben wir schon genug Enttäuschungen erlebt und hieß es nicht immer, ohne Hilfsmittel ist die Tour für die Spitzenfahrer gar nicht zu bewältigen? Und jetzt wird mit dem wohl schwersten Kurs aller Zeiten der Kampf gegen Doping quasi ad absurdum geführt. Da sind die Organisatoren wohl auf beiden Augen blind.

Eigentlich hat der Sport-Grantler aufgeatmet, als er die Meldung gelesen hat, dass Favorit Chris Froome im Vorfeld gestürzt ist und nicht in Frankreich starten kann. Nein, man will keine Schadenfreude, wenn ein Sportler verletzt ist, aber im Fall des Engländers gibt es jetzt bei der Tour einen zweifelhaften Favoriten weniger, einer, dem Doping nicht nachgewiesen wurde, der aber den Verdacht nicht wirklich entkräften konnte. Er leidet unter Asthma und fährt deshalb besonders stark. Alles klar?

Bezeichnend auch, dass die Mannschaft von Sky in den letzten Jahren bei der Tour dominierend war und seit 2012 den Sieger stellte, aber immer auch von Dopinggerüchten begleitet war. Die britische Mannschaft geht jetzt unter neuem Namen an den Start, Multimilliardär Jim Ratcliffe sponsert das Team, das jetzt den Namen seines Chemie-Unternehmens trägt, nämlich Ineos. Chemie, das passt wie die Faust aufs Auge, da kann man sich vorstellen, wie es vor einer gefürchteten Berg-Etappe im Team zugeht: Morgens heißt es „gib mir doch eine Pille, damit ich am Nachmittag vorn dabei bin, aber am Abend bei der Dopingkontrolle nichts mehr zu finden ist“. So läuft es doch, oder?

Die Zahlen sind ja wirklich beeindruckend, 21 Etappen, 3480 Kilometer ab Samstag von Brüssel nach Paris (Ziel am 28. Juli), 22 Teams, 176 Fahrer und 30 Berge der schwersten Kategorie sowohl in den Pyrenäen als auch in den Alpen, 5 Bergankünfte gibt es.

Deutsche Fahrer sind natürlich auch wieder dabei, elf an der Zahl, sie schielen aber eher auf Etappensiege als auf die Gesamtwertung. Die Zeit der deutschen Sprintsiege dürfte allerdings vorbei sein, selbst Andre Greipel rechnet sich nicht viel aus. Bergspezialist Emanuel Buchmann, vom deutschen Team Bora-hansgrohe, fährt dagegen aufs Gesamtklassement und will in die Top Ten, Nils Politt (Katusha Alpecin) und Maximilian Schachmann (Bora-hansgrohe) gelten als Etappenfahrer und wollen auf welligen Etappen überraschen. So weit zum Sport, doch bei allen Erfolgen bleiben leider auch Fragen. Dennoch: Die Tour de France ist nicht einmal durch Dopingskandale tot zu kriegen, die einzigartige Atmosphäre hält Jahr für Jahr genügend Fans in ihrem Bann.

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Die Tour de France ist eine Tour de Farce

Sie sind wieder unterwegs, die Ritter der Pedale, sie schinden sich beim größten Radrennen der Welt, klettern über Berge, kämpfen gegen den Wind, sprinten um den Sieg, nehmen Stürze und Schrammen in Kauf. Die Tour de France zieht auch in ihrer 105. Auflage viele in ihren Bann, aber inzwischen sind genauso viele angewidert und wenden sich ab. Die Tour de France ist immer noch eine Tour der Leiden, aber mehr noch eine Tour de Farce.

Dass der Radsport gegen ein Negativimage ankämpfen muss, zeigt ein Blick auf die Siegerliste der Tour de France. Da sind Sternchen zu finden, da fehlen Sieger, vor allem dem Oberdoper Lance Armstrong wurden die Siege von 1999 bis 2005 aberkannt, einen Nachrücker gibt es nicht. Die Tour fand statt und steht auf ewig ohne Sieger da. In anderen Jahren gab es Nachrücker. Und in diesem Jahr? Wird der Sieger auch in einigen Jahren noch in der Siegerliste aufgeführt werden und ist der Held von heute der gleiche Held wie in den letzten Jahren? Wenn es so ist, dann sind die Siege mit einem Makel behaftet. Der Brite Christopher Froome wandelt bei seinem Hattrick von 2015 bis 2017 in doppeltem Sinne auf den Spuren von Lance Armstrong. Er siegt, aber mit welchen Mitteln? Allein, dass Fragezeichen bleiben, dass es keine gültigen Antworten gibt, macht die Tour de France zur Tour de Farce.

Der Blick zurück. Bereits am 7. September 2017 wurden beim Kapitän des Sky-Rennstalles stark überhöhte Werte des Asthmamittels Salbutamol festgestellt. Neun Monate dauerte es, bis es bei einer eindeutigen Sache zu einer Klärung und die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada zu dem Urteil kam, dass Froome kein Doping nachgewiesen werden kann: „Die Verbotsliste der Wada sieht vor, dass ein Athlet beweisen darf, dass sein abnormales Ergebnis die Folge einer erlaubten Verwendung war, wodurch der Fall nicht als Regelverstoß zu werten ist,“ so das Urteil. Froomes Rechtsanwälte hatten ganz Arbeit geleistet, Froome selbst ist sich keiner Schuld bewusst. „Ich habe seit meiner Kindheit Asthma, ich habe mich schlecht gefühlt, deshalb habe ich die doppelte Portion der Arznei genommen.“ Seltsam, schlecht gefühlt hat er sich nach einem schwachen Tag, am Tag darauf hat er sich (nach Einnahme der doppelten Portion) gut gefühlt und ist dem Feld davon gefahren. Asthma muss man halt haben…

Ein absurdes Urteil nach einer absurd langen Zeit und Chris Froome beteuert seine Aufrichtigkeit. „Ich war völlig ehrlich, als ich auf dem Podium gesagt habe, dass ich dem Gelben Trikot niemals Schande machen werde.“ Nun ja, Sünder gestehen erst etwas, wenn sie zweifelsfrei überführt werden können und keinen Ausweg (auch mit den besten Rechtsanwälten nicht) mehr wissen. Die Konkurrenten äußern sich vorsichtig, lassen aber schon durchblicken, was sie von diesem Affentheater halten. Die Fans äußerten sich nicht so vorsichtig, sie pfiffen den Briten aus und sollte Froome wirklich am 29. Juli auf der Champs-Elysee als Sieger einfahren, dann könnte ihm passieren, dass er kein umjubelten Sieger sein wird. Eher wird es heißen „ausgerechnet der…“.

Mancher Konkurrent, der sich nicht schon hat eine Asthma-Krankheit attestieren lassen, wird ins Grübeln kommen und seinen Ärzten sagen: „Seht ihr nicht, dass ich Asthma habe, ich möchte auch mal die Tour gewinnen.“ Früher wurden die Ritter der Pedale bei ihrem Ritt über die Berge mit waghalsigen Abfahrten bewundert. Gerade für die Abfahrten und Sprints mit den Gefahren der Stürze werden sie auch heute noch bewundert und das macht zum Teil noch den Reiz der Tour aus. Aber im Hintergrund bleiben immer die Zweifel und je stärker sich der Sieger von der Konkurrenz abhebt, umso stärker sind auch die Zweifel. Beim Giro d’Italia siegte Froome übrigens das erste Mal. Zunächst spielte er keine Rolle, dann fuhr er der Konkurrenz an einem Tag davon. Wahrscheinlich ging es ihm am Morgen noch ziemlich schlecht…

Gefahr: Wenn es im Sport nicht mehr um den Sport geht

So lieben wir den Sport: Emotionen pur, spannende Wettkämpfe, überraschende Ergebnisse, strahlende Sieger und wir haben Mitleid mit traurigen Verlierern. So wollen wir den Sport nicht: Doping, Korruption, Betrug von Funktionären, Sucht nach Macht, Geldgier und Ausschreitungen von den Fans. Doch die Gefahr ist groß, dass wir den ursprünglichen Sport verlieren, vor allem im Profibereich. Immer mehr geht es dort gar nicht mehr um den eigentlichen Sport. Die Athleten selbst geraten zur Staffage einer Unterhaltungsindustrie. Der Sport-Grantler zeigt einige der Gefahren auf.

Christopher Froome: Der britische Radrennfahrer ist das aktuelle Beispiel dafür, wie der Sport mit Füßen getreten wird. Froome trat nicht nur in die Pedalen, er trat auch auf das Fair Play, das eigentlich Grundvoraussetzung für einen ehrlichen Sport ist. Die Funktionäre des Weltverbandes UCI machten sich zu Handlangern von Dopern, als sie Froome die Freigabe für den Giro d’Italia gaben. Froome war im Vorjahr bei der Vuelta in Spanien des Dopings überführt worden, er hatte das Doppelte der erlaubten Menge des Asthmamittels Salbutamol eingenommen. Angeblich ist der Tour-de-France-Sieger asthmakrank und darf das Medikament einnehmen. Seine Anwälte verhindern eine Dopingsperre seit September 2017, der UCI wird mit seiner Untersuchung nicht fertig und lässt Froome fahren, anstatt ihn bis zur endgültigen Klärung vorläufig zu sperren. So trat Froome beim Giro an, fuhr erst hinterher und beeindruckte dann mit einem Husarenritt über 80 Kilometer, als er die Konkurrenz düpierte und die Führung übernahm. Wie viel Salbutamol hat er wohl genommen? Der Sportfan wundert sich und wendet sich angeekelt ab. Mit fairem Sport hat das nichts zu tun.

Geldgier der Funktionäre: FIFA-Präsident Infantino steht nicht allein da bei seiner Gier nach den Millionen (siehe Kommentar vom 23. Mai). Immer öfter glänzen Verbandsfunktionäre damit, dass sie vor allem Geld für sich und den Verband scheffeln wollen. Die Fairness bleibt auf der Strecke. Typisches Beispiel Biathlon-Präsident Anders Besseberg, der das russische Doping-System gedeckt haben soll. Der Norweger und seine deutsche Generalsekretärin Nicole Resch verkauften offensichtlich ihren Sport (das Verfahren läuft noch) und verrieten damit die Sportler. Vom Sport, von den Wettkämpfen, ist nicht mehr die Rede. Mehr aber von Betrug, Verrat und Korruption. Biathlon steht nicht alleine da, auch in der Leichtathletik und in anderen Verbänden sind entsprechende Verfehlungen schon ans Tageslicht gekommen.

Diktat des Fernsehens: Natürlich geht es bei dem Verkauf von Fernsehrechten um den Sport, aber der Sport selbst ist nur das Vehikel, um Gewinn zu erzielen, um hohe Einschaltquoten zu generieren und entsprechende Werbeeinnahmen zu erzielen. Umso attraktiver der Sport, umso höher die Zahlungen, die manchmal schon schwindelerregende Höhen erreicht haben, siehe den Profi-Fußball in England. Hier geht es nur noch um das Geld, die Anstoßzeiten werden nach den Wünschen des Fernsehens festgelegt, der Fan hat sich zu fügen. Er ist dennoch willkommen – als Stimmungsmacher, als Teil des Events. Eigentlich müsste er dafür freien Eintritt bekommen.

Pyrotechnik und Ultras: Vielleicht ist das die Reaktion der Fans, dass sie den Profi-Fußball für ihre eigene Unterhaltung missbrauchen. Sie brennen Pyrotechnik trotz Verbote ab und scheren sich auch ansonsten nicht um Regeln oder Mitzuschauer. Sie machen ein Spiel zu ihrem Spaßfaktor und notfalls wird das Stadion oder das Umfeld auch zur Kampfarena, um mit einem verfeindeten „Fan-Klubs“ abzurechnen. Der Fußball interessiert nur am Rande, denn sonst würden diese Chaoten dem Spiel manchmal nicht minutenlang den Rücken zuwenden. Die Sucht nach Macht wird auch bei den Ultras deutlich, die oft genug betonen, „uns gehört der Verein“, Beispiel Hannover 96 in der Bundesliga.

Die verkauften Olympischen Spiele: Man darf sich fragen, wie denn die Zukunft des Sports aussieht. Die Bevölkerung in vielen Ländern hat schon eine Antwort gegeben, als es um die Austragung von Olympischen Spielen ging. Früher war man stolz, so ein Großereignis ausrichten zu dürfen, heute zeigt man Olympia die kalte Schulter, weil das IOC vor allem kassieren will, der Ausrichter aber die Kosten tragen soll, ohne Rücksicht auf Verluste. Das macht heute die Bevölkerung nicht mehr mit, Schluss ist mit den verkauften Spielen.

Nur einige Beispiele wurden aufgezeigt, um wieder einmal auf die Gefahr hinzuweisen, dass es gar nicht mehr um den eigentlichen Sport geht, wenn von Großereignissen im Sport die Rede ist. Der Sport-Grantler wird das Geschehen weiter aufmerksam verfolgen und Auswüchse anprangern.

2018 ist ein Jahr des Sports

Vor einem Jahr hieß es beim Sport-Grantler „2017 wird das Jahr der Funktionäre“ und seine Prognose hat wohl gestimmt, denn neben den Doping-Skandalen haben vor allem korrupte und geltungssüchtige Verbandsfunktionäre die Schlagzeilen bestimmt und den Sport oft an den Rand gedrängt. Die Skandale werden uns auch weiter begleiten, aber 2018 ist dennoch ein Jahr des Sports. Alle vier Jahre stehen einfach die Großereignisse im Mittelpunkt, nämlich die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea (9. – 25. Februar) und die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni – 15. Juli). Früher hatten wir alle vier Jahre die sogenannten Olympischen Jahre, doch dies hat sich ja geändert, nachdem Sommer- und Winterspiele zeitlich getrennt wurden. Dafür beginnt in Südkorea die asiatische Olympia-Ära mit den folgenden Spielen in Tokio und Peking.

Aber zurück ins Jahr 2018, wo es neben den genannten Großereignissen natürlich noch viele Weltmeisterschaften und kontinentale Meisterschaften gibt, die aber alle im Schatten von Olympia und Fußball stehen werden. Hoffen wir, dass es die Funktionäre nicht schaffen, mit weiteren Skandalen den Sport zudem in den Hintergrund zu drängen.

Aber welche Sportarten können die Fans noch begeistern? Die Formel 1 ist wieder interessanter geworden, mit neuen Besitzern und neuer Spannung. Kann Ferrari endlich Mercedes stoppen und Sebastian Vettel dem Briten Lewis Hamilton den Titel entreißen und Italien glücklich machen? Am 25. März beginnt die Hatz in Australien, die nach 21 Rennen am 25. November in Abu Dhabi endet. Natürlich läuft auch wieder die Tour de France, die Radstars sitzen vom 2. bis 29. Juli im Sattel, in der Zeit steigt der Umsatz von Asthma-Mitteln. Christopher Froome hat bewiesen, dass man nur mit Asthma die Tour gewinnen kann. Vielleicht wäre es besser, zwei Felder an den Start gehen zu lassen, die Fahrer mit Asthma und die ohne. Es wäre wohl sportlich gerechter. Von Doping sprechen wir dabei – gemäß der Diktion von Froome – selbstverständlich nicht.

Natürlich ist, wie in jedem Jahr, der Golf- und Tennis-Zirkus wieder unterwegs, mit den Major- bzw. Grand-Slam-Turnieren als Höhepunkte. Die Golfer haben traditionell ihr erster großes Turnier mit dem Masters in Augusta (5. – 8. April) und hoffen vor allem darauf, dass der Rücken von Tiger Woods hält und der große Star den Sport wieder in den Blickpunkt rückt. Als extra Highlight gibt es vom 28. – 30. September noch den Ryder Cup in Paris, wenn sich die Spitzengolfer aus den USA und Europa duellieren. Deutschland hatte vergeblich auf dieses Event gehofft, um Golf aus einem gewissen Schattendasein zu führen. Die Tennis-Cracks starten ihre großen Turniere schon früher, vom 15. – 28. Januar werden die Australian Open in Melbourne ausgetragen. Auch im Tennis geht es um Verletzungen, viele Stars gehen mehr oder weniger am Stock, die Belastung muss reduziert werden.

Die Mannschaftssportarten stöhnen besonders unter „König Fußball“, kämpfen aber unverdrossen darum, auch ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Handballer wollen für ihre Europameisterschaften Interesse, die Männer kämpfen vom 12. – 28. Januar in Kroatien um den Titel, die Frauen am Ende des Jahres vom 29. November bis 16. Dezember in Frankreich. Eishockey trägt ungeachtet der Olympischen Spiele auch eine Weltmeisterschaft aus. Die WM dürfte in diesem Jahr allerdings Olympia sogar übertreffen, weil im Gegensatz zu Südkorea vom 4. – 20. Mai in Kopenhagen und Herning in Dänemark einige NHL-Profis dabei sein werden. Für Olympia unterbricht die NHL bekanntlich nicht ihre Saison und erntete dafür viel Kritik. Olympische Spiele sind halt nicht immer der große Lockvogel.

Na ja, Katar darf natürlich mit einem großen Event nicht fehlen, die Scheichs in der Wüste erfreuen sich auch am Turnen und holten die Weltmeisterschaft vom 25. Oktober bis 3. November nach Doha. Aber auch Deutschland darf sich auf ein Großereignis freuen, die Leichtathletik-Europameisterschaft wird vom 6. – 12. August in Berlin ausgetragen. Bleibt zu hoffen, dass es keine Doping-Kämpfe werden. Aber einige Spitzenathleten werden schon über Asthma klagen…

Wir sehen, 2018 hat auch im Sport einiges zu bieten, aber der Sport wird wohl auch wieder einmal im Schatten der Politik stehen. So sucht Deutschland noch eine Regierung, weiß die Welt nicht, welche Torheiten US-Präsident Donald Trump noch in petto hat und mit Blick auf die Olympischen Spiele in Südkorea haben alle Sorgen, ob Nordkoreas Führer Kim Jong Un nicht doch noch etwas in Schilde führt. Hoffen wir dennoch, dass 2018 ein großes Sportjahr wird.

Rückblick 2017: Wenn der Sport zum Witz wird

Der Sport gehört für uns zum Alltag. Den Leistungssport verfolgen wir mehr oder weniger gern, Sport treiben wir, weil es uns Spaß macht und vor allem gesund ist. Also einer der guten Vorsätze für das neue Jahr: Genug Sport treiben.

Was den Profi-Sport angeht, da lieben wir die Wettkämpfe, die Spannung, die tollen Leistungen. Manchmal wird der Sport aber auch zum Ärgernis, wenn Betrug und Korruption im Vordergrund stehen und die ehrlichen Leistungen in den Hintergrund drängen. Manchmal wird der Sport aber auch einfach zum Witz. Der Rückblick auf 2017 hat also nicht Welt- und Europameisterschaften zum Inhalt, sondern einige Blicke auf das Geschehen, bei dem der Sport zum Witz wird, ohne lustig zu sein.

Zu Witzbolden wurden die Medien, als sie im November verkündeten, Deutschland habe 85 Jahre nach Max Schmeling wieder einen Schwergewichts-Boxweltmeister. Der gute Max wird sich im Grab erbost aufgebäumt haben. Der Flüchtling Manuel Charr, im Libanon geboren, angeblich seit 28 Jahren in Deutschland und mit deutschem Pass versehen, holte sich den WBA-Titel. Doch damit begann die Reihe der witzigen Begebenheiten. Die Medien feierten Charr, doch der Weltmeister ist kein richtiger Weltmeister wie Max Schmeling, sondern über ihm thront noch ein „Super-Champion“, also der wirkliche Weltmeister. Er heißt Anthony Joshua, besiegte Vladimir Klitschko und ist Champion der Verbände WBA und IBF. Das Profi-Boxen als Witzveranstaltung kennt ja nicht nur verschiedene „Weltverbände“, sondern kürt auch Weltmeister, die gar keine Weltmeister sind, weil sich damit ein Kampf besser verkaufen lässt. Das ist kein Witz, sondern eigentlich Betrug.

„Weltmeister“ Charr wiederum hat die Öffentlichkeit veräppelt. Den Titel widmete er zuerst Deutschland, seinen WM-Gürtel dann dem türkischen Präsidenten Erdogan. Dann musste Charr kleinlaut zugeben, dass er gar keinen deutschen Pass hat, zuerst hat er ihn angeblich nicht abgeholt, dann war sein Einbürgerungsantrag abgelehnt worden, dann wiederum wird er ihn gleich beantragen. So viel zu einem „deutschen“ Weltmeister, der seinen großen Titel gegen einen 44-jährigen Herausforderer verteidigen will. In Köln, „das ist meine Heimat, ich liebe Deutschland“ sagt Charr, diese Art Witze lieben wir nicht.

Ein Witz ist es auch, dass viele Ausdauersportler unter Asthma leiden. Wer mit echten Asthmakranken zu tun hat, der weiß, wie sie leiden und zu keinem Leistungssport fähig sind. Die asthmakranken Sportler wiederum, wollen nur das Medikament, das die Atemwege öffnet und für mehr Sauerstoffzufuhr sorgt. Um nicht gegen die Dopingregeln zu verstoßen, muss man also ein Attest über die Krankheit vorlegen. Das ist kein Witz, sondern eine traurige Tatsache im Profi-Sport. Den Vogel hat nun Tour-Sieger Christopher Froome abgeschossen, der positiv getestet wurde. Eine Überdosis eines Asthmamittels wurde bei ihm festgestellt. Froome selbst ist sich keiner Schuld bewusst, „mir ging es schlecht, ich brauchte eine höhere Dosis, ich habe keine Regeln gebrochen“. Hier wird der ehrliche Sport mit Füßen getreten, die Tour de France als Asthma-Kur ist nur noch eine Farce oder eben ein Witz. Merke: Wer allen davon fährt, der kann nicht ganz sauber sein… Zur Witzfigur wird auch der Radsport-Weltverband UCI, wenn er diesem Treiben nicht Einhalt gebietet. Froome müssen die Titel aberkannt werden, er befindet sich auf den Spuren von Lance Armstrong. Ihre Gemeinsamkeit: Zuerst schwer krank, dann schwer zu schlagen auf dem Rad…

Zu Witz-Figuren werden auch Politiker und Funktionäre in Russland, die finstere und besonders westliche Mächte hinter ihrem eigenen Staatsdoping vermuten. Ihre kriminellen Machenschaften wurden aufgedeckt, doch die Russen selbst sehen darin nur eine Verschwörung. Ehrliches Doping gibt es nicht. Reihenweise wurden bekanntlich russische Sportler des Dopings überführt und die Olympia-Medaillen einkassiert. „Ihr bleibt unsere Helden“ feiern linientreue russische Medien die ertappten Olympiasieger. Feiern können sie höchstens den Deal mit dem IOC, dass Russland als Nation zwar ausgesperrt wird, aber nachweislich saubere und entsprechend neutral kontrollierte russische Athleten bei den Winterspielen in Pyeongchang unter neutraler Flagge starten dürfen. Russland ist nicht dabei, aber die russischen Athleten mittendrin.

Es ist kein Witz, sondern traurig, dass der Profi-Sport immer mehr nach dem Motto ausgetragen wird „wir sind alle Betrüger, es muss ja nicht jeder gleich merken“. Da wirkt dann eine Kampagne für das Fair Play, wie die vom Fußball-Weltverband FIFA, als größter Witz.

Bei der „Tour der Leiden“ leiden viele

Das Dutzend wird voll. Ist das ein Grund zum Feiern? Früher wäre die Begeisterung übergeschwappt, heute herrscht Zurückhaltung. Die Tour de France macht zum zwölftem Mal Station in Deutschland. Das größte Radrennen der Welt, angeblich das drittgrößte Sportereignis überhaupt, startet am Samstag, 1. Juli in Düsseldorf, als vierter Startort nach Köln (1965), Frankfurt (1980) und Berlin (1987). Die Stadt am Rhein lässt sich das einige Millionen Euro kosten und hofft auf die entsprechende Werbung weltweit. Diese wird vielleicht geringer ausfallen als erhofft. Schon die erwartete Zuschauerzahl wurde reduziert. Früher war von einer Million Fans die Rede, jetzt werden vorsichtig 700.000 erwartet. Am Ende wird die Stadt vielleicht ein bisschen leiden, weil die Erwartungen nicht erfüllt wurden. Bei der „Tour der Leiden“ werden viele leiden, nicht nur die Fahrer.

Die Fahrer stehen natürlich an erster Stelle. Sie leiden wirklich, wenn sie sich die Berge hinauf quälen, wenn sie in sengender Hitze in die Pedalen treten. Erstmals seit Jahren sind wieder alle Bergmassive im Programm, aber nicht alle „Berge des Leidens“. Doch schwer genug wird die Tour dennoch, sie muss ihrem Namen schließlich gerecht werden. Früher wurden die Fahrer ob ihrer Qualen bedauert und für das Durchstehvermögen bewundert. Die Bewunderung ist weniger geworden, seit bekannt wurde, dass es auch eine „Tour des Dopings“ ist. Da hat die Tour viel an Renommee verloren und die neue Generation der Rad-Profis leidet immer noch unter dem schlechten Ruf. „Wir sind sauber“, betonen die vier deutschen Spitzenfahrer Tony Martin, John Degenkolb, Marcel Kittel und Andre Greipel fast verzweifelt. Wir möchten ihnen ja glauben, aber Zweifel bleiben halt immer. So leiden halt auch die Fans, sie möchten gern unbefangen jubeln, aber die Zweifel…

So wird eben auch der Sieger leiden. Er kann sich nicht unbeschwert über seinen Erfolg freuen, denn gegen die Zweifel kann er nicht anfahren. Ganz im Gegenteil, siegt er überzeugend, werden die Zweifel eher größer. Startet er einen großen Coup, ist die erste Frage, „wie ging das?“. Der Star der letzten Jahre war der Brite Christopher Froome, er holte sich das berühmte Gelbe Trikot 2013, 2015 und 2016 und gilt wieder als Favorit. Ist diese Überlegenheit ohne Doping möglich? Die Zweifler horchten auf, als im Umfeld des Teams Dopingverstöße aufgedeckt wurden. Der Radsportverband will das Doping verbannen, kämpft aber gegen eine Krake. Jeder Fall, der aufgedeckt wird, ist ein Erfolg und ein Verlust zugleich. „Prima, dass der Sünder entdeckt wird“, sagen die einen, „wussten wir es doch, es wird immer noch gedopt“, sagen die anderen. Doping-Leiden ohne Ende.

Leiden werden auch die Fernsehanstalten. Die ARD hat sich nach einer Doping-Pause wieder für den Radsport entschieden, überträgt jeden Tag, auf ARD One sogar ebenso live wie Eurosport. Und dennoch will keine Begeisterung aufkommen, die Zuschauerzahlen erreichen nicht die Quoten früherer Jahre. Was war das für eine Begeisterung, als Jan Ullrich vor 20 Jahren als erster Deutscher die Tour gewann. Heute ist er ein Geächteter, er wurde des Dopings überführt. Ullrich hat nie gestanden, sich immer nur auf die Aussage „ich habe niemanden betrogen“ zurückgezogen. Er wird leiden, wenn die Tour in Deutschland startet und er nicht dabei sein kann.

Leiden müssen auch die zwei Rennställe, die unter deutscher Flagge starten. „Bora hansgrohe“ gehört mit Weltmeister Peter Sagan (Slowakei) und dem Polen Rafal Majka als Top-Zehn-Kandidaten sogar zu den auffälligsten Teams, das „Team Sunweb“ wird eher um diverse Aufmerksamkeiten bei einzelnen Etappen buhlen. Sie aber wünschen sich keine Zweifel in Deutschland, sondern Begeisterung. „Deutschland ist eine Radsport-Nation“, hat Bora-Sportchef Ralph Denk, ein ehemaliger Rennfahrer, erkannt und meint die vielen Freizeitsportler. Aber damit allein lässt sich keine Begeisterung für die Profis auslösen, solange das Damoklesschwert Doping über dem Radsport hängt. Ein Teufelskreis. Viele leiden angesichts der „Tour der Leiden“.

Machen Tour-Siege noch Spaß?

Bei einem Urteil vor Gericht gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Für eine Verurteilung muss die Beweislast schlüssig sein, ein Verdacht allein reicht nicht aus. Ähnlich sieht es im Sport aus, was das Doping betrifft: Im Zweifel für den Angeklagten. Aber genauso, wie die Öffentlichkeit oft einen Angeklagten, aber nicht Verurteilten, quasi aus ihrer Gemeinschaft ausschließt, weil sie ihm doch misstraut, so verhält es sich im Sport. Sieger werden nicht umjubelt, weil Zweifel bestehen. Kann das sein, dass er so schnell ist? Geht alles mit rechten Dingen zu, auch wenn er des Dopings nicht überführt ist? Sieger müssen mit den Zweifeln leben und gerade jetzt bei der Tour de France, die in ihre letzte Woche geht, fragt sich der Sport-Grantler: Machen Tour-Siege überhaupt noch Spaß?

Im Mittelpunkt steht wieder einmal der vermutliche Rundfahrt-Sieger. Diesmal ist es nicht der Amerikaner Lance Armstrong, der längst seine Siege verloren hat und des Dopings überführt wurde, sondern der Brite Christopher Froome. Er fährt allen davon und damit genau in die Verdächtigungen hinein. Einer seiner Konkurrenten hat einmal gesagt: „Hoffentlich zeigt er einmal Schwächen, dann kann man ihm eher glauben.“

In der Tat sind die Parallelen zu Armstrong verblüffend. Der Amerikaner erkrankte an Hodenkrebs, durfte dann Medikamente gegen seine Erkrankung nehmen und kehrte mit einer Leistungsexplosion auf die Radsportbühne zurück. Der in Kenia geborene und in Südafrika aufgewachsene Froome war ein „Mitfahrer“, ehe ihn eine Tropenkrankheit außer Gefecht setzte. Er durfte besondere Medikamente nehmen und danach begann sein Aufstieg. Diese Leistungsexplosion ist vielen suspekt, auch wenn Froome beteuert: „Ich bin sauber.“ Er ist für Dopingkontrollen, würde auch in der Nacht zur Verfügung stehen und tut alles, um Dopinggerüchte zu zerstreuen. Er macht nur einen Fehler: Er fährt zu schnell.

Nach vielen Doping-Fällen ist die Öffentlichkeit vorsichtig geworden. Vor allem die Armstrong-Affäre hat dem Radsport geschadet, aber gerade der Radsport spielt jetzt eine Vorreiterrolle auf der Jagd nach Dopingsündern. Doch die Zweifel bleiben und die Zweifler werden immer radikaler. Froome wurde bei der Tour bereits angepöbelt und sogar mit einem Urin-Becher beworfen. Machen ihm da Tour-Siege wirklich noch Spaß?

Unter den alten Sünden des Radsports leiden auch die deutschen Stars der Gegenwart. Die ARD überträgt zwar wieder die Tour, die Deutschen trumpfen gelegentlich auf und fahren Siege ein, aber der Jubel hält sich ebenso in Grenzen wie die Einschaltquoten. Tony Martin, der sogar das Gelbe Trikot trug, Sprinter-König André Greipel und John Degenkolb präsentieren sich als die saubere Generation, doch alle negativen Dopingproben und alle Beteuerungen nützen nichts, sie können den Zweifeln einfach nicht davon fahren.

Auch in der Leichtathletik läuft der Verdacht mit

Ähnlich sieht es in anderen Sportarten aus. In der Leichtathletik laufen die Sprint-Stars Powell, Gay und Gatlin der Konkurrenz davon, aber bei ihnen läuft der Dopingverdacht mit. Sie sind so schnell, dass schnell Zweifel kommen. Und was ist mit der neuen Weltrekordlerin über 1500 m, Genzebe Dibaba? Sie pulverisierte den Weltrekord der Chinesin Qu Yunixa aus dem Jahr 1993. Ein Fabelweltrekord unter Dopingverdacht, der als uneinnehmbar galt, die Chinesin gehörte schließlich zu einer umstrittenen Trainingsgruppe, die ihre großartigen Leistungen mit Schildkrötenblut begründete. Sie haben es wohl getrunken, um sich einen dicken Panzer gegen alle Verdächtigungen zuzulegen…

Im Zweifel für die Angeklagten, aber die ertappten „schwarzen Schafe“ schaden ihrem Sport über Jahrzehnte hinaus und sorgen dafür, dass der Jubel für die Sieger gedämpft ausfällt. Sie haben den anderen siegreichen Sportlern die Siegesfreude verdorben. Sollte Chris Froome am kommenden Sonntag in Gelb in Paris stehen, so wird dieses Gelb nicht sauber strahlen. Wer genau hinsieht, wird schmutzige Flecken entdecken…