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Tag: Coronavirus

Corona und die Probleme für die Bayern

Ein Virus setzt die Welt schachmatt und zwingt logischerweise auch die Fußball-Bundesliga zur Pause. Eigentlich hätten die Vereine jetzt Zeit für die Zukunftsplanung, könnten Verträge verlängern oder neue Stars an Land ziehen. Doch das Gegenteil ist der Fall, die Unsicherheit über die Zukunft ist groß und keiner weiß, wie sich das Transfergeschäft entwickelt. Allgemein wird von fallenden Preisen ausgegangen und so zögert die Branche bei Unterschriften. Wer will schon unnötig Geld ausgeben.

Ein Problem, das alle Vereine haben, besonders im Blickpunkt aber Rekordmeister Bayern München, denn da laufen 2021 Verträge von prominenten Stammspielern aus und auch Trainer Hansi Flick hängt in der Luft. Verhandlungen im Zeichen von Corona sind schwierig, aber gerade jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Das eine oder andere Problem haben sich die Bayern selbst gemacht. So haben sie Kapitän Manuel Neuer geärgert, als sie Alexander Nübel als neue Torhüter-Hoffnung vorstellten. Er sollte beim Nationaltorhüter lernen und ihn in den nächsten Jahren Stück für Stück ablösen. Jeder hatte Verständnis für die Verpflichtung des Schalkers, der ja bereits als legitimer Nachfolger von Neuer gehandelt wurde – bis er patzte und deutlich wurde, dass der 23-Jährige offensichtlich nicht die guten Nerven von Neuer besitzt. Der inzwischen 34-Jährige Stammkeeper, der das Torwartspiel auf einen neuen Level hob, hat noch keine Lust zur Rente, hat im Visier bis 39 zu spielen und einen angebotenen Zwei-Jahres-Vertrag lehnt er schlichtweg ab. Drei Jahre wären für ihn das Minimum und eine Gehaltskürzung kommt auch in Corona-Zeiten nicht in Frage. Eine verzwickte Frage für Salihamidzic, Kahn und Rummenigge, die angesichts der Formkrise von Nübel verunsichert sind und wohl kaum allein auf den Schalker und Ersatzmann Sven Ulreich setzen wollen.

Unsicher ist auch die Zukunft von David Alaba. Der Österreicher will eigentlich am liebsten im Mittelfeld spielen, wurde als Linksverteidiger zum Star und sieht sich plötzlich in neuer Rolle als Abwehrchef. Offen liebäugelt er mit einem Wechsel nach Spanien, andererseits zieht es ihn nicht aus München weg. Eine Gehaltserhöhung würde ihm die Entscheidung erleichtern. Dies aber in Zeiten der fallenden Preise? Andererseits gilt Alaba als letztes Münchner Talent, das den Sprung in die Stammelf der Profis geschafft hat. Sportlich könnten die Bayern den Abgang inzwischen verkraften, denn Alphonso Davies ist die neue Zukunftshoffnung auf der linken Seite, Süle kehrt bald als Abwehrchef zurück und da ist ja auch noch Neuzugang Hernandez. Die Bayern wären gut aufgestellt, doch Alaba würde eine Popularitätslücke hinterlassen.

Das gilt auch für Thomas Müller, der dritte Bunde, dessen Vertrag 2021 ausläuft und ohne den man sich die Bayern eigentlich gar nicht vorstellen kann. Man kann sich auch nicht vorstellen, dass es Müller nach England zieht, vornehmlich aus der Premier League habe er Angebote, heißt es. Müller gehört seit dem 1. Juli 2000 zum Bayern-Inventar, er ist im Alpenvorland heimatlich verwurzelt, betreibt in der Nähe vom Starnberger See mit seiner Frau Lisa einen Reitstall und die Pferde werden kaum mit umziehen können. Müller gehört sicherlich zu den Bestverdienern im Bayern-Stall und erste Anzeichen auf eine Vertragsverlängerung soll es geben, mit einem Kompromiss auf zwei Jahre bis 2023. Wäre logisch.

Was sich in Sachen Vertragsverlängerungen und Neuzugängen tut ist vor allem für den Trainer wichtig. Wird es Hansi Flick, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, bleiben? Die Bayern-Bosse wollen erst sportlichen Erfolg sehen, Flick eine Mannschaft, die seinen Erwartungen entspricht. Das sollte möglich sein. Wegen der Corona-Pause kann Flick nun keine Erfolge liefern, aber einen positiven Eindruck hat er bereits hinterlassen. Es wäre eine Überraschung, sollte es in dieser Konstellation nicht weitergehen.

Wobei sich die Bayern im Hinblick auf Neuzugänge wohl wieder einmal Gedanken machen werden, wie sie ihre Mannschaft einerseits verstärken, die Konkurrenz andererseits aber schwächen können. Insofern war es verwunderlich, dass Leipzigs Torjäger Timo Werner nicht in München landete, gilt Leipzig neben Dortmund doch als derzeit größter Konkurrent. Jetzt aber haben die Bayern einen anderen „Bullen“ im Visier, nämlich Abwehrtalent Upamecano. Der 21-Jährige Franzose ist ein richtiger „Bulle“, international begehrt, scheint sich aber mit München anfreunden zu können. Dies wäre ein Wechsel, wie ihn die Bayern früher öfters praktizierten. Aber auch Dortmund haben sie noch im Visier, nämlich Flügelflitzer Hakimi, doch bei dem hat Real Madrid die Hand drauf und nicht Dortmund. Und was die weiteren personellen Fragen angeht, da werden Rummenigge und Co. wohl erst die Entwicklung abwarten, vor allem wenn für die Kandidaten Sane von Liverpool oder Havertz von Leverkusen über 100 Millionen Euro im Gespräch sind. Da erzwingt Corona auch in Transferfragen eine Pause.

Die Corona-Pause hat der Hamburger SV auf seine Art genutzt: Es gab Krach! Der Aufsichtsrat hat Vorstandschef Bernd Hoffmann entlassen. In einer Kampfabstimmung wollten ihn von den sieben Mitgliedern nur Aufsichtsratboss Köttgen und sein Stellvertreter Schulz halten. Die anderen schlugen sich auf die Seite von Sportvorstand Jonas Boldt und Finanzchef Frank Wettstein, die mit Hoffmann nicht mehr konnten. Jetzt führen die beiden den Verein als Doppelspitze. Neuer starker Mann ist Ex-Nationalspieler Marcell Jansen, der ja schon HSV-Präsident ist und jetzt auch neuer Aufsichtsratchef wurde. Führt er den HSV in eine neue, bessere Zukunft oder eben in eine gute Zeit wie die Vergangenheit? Beobachter haben Bedenken, denn Jansen gilt als Mann vom einflussreichen Milliardär Kühne, der immer wieder für Millionen, aber auch für Unruhe sorgt. So bliebe der ruhmreiche HSV, immer noch einer beliebtesten Vereine in Deutschland, ein Chaos-Klub. Dafür darf man Corona nicht verantwortlich machen.

Geisterspiele sollen die Bundesliga retten – aber lässt Corona das zu?

Die ersten Entscheidungen im Profi-Fußball sind gefallen, aber die großen Fragezeichen bleiben. Vor allem: Was lässt das Coronavirus überhaupt zu? Kann noch gespielt werden und wenn, wann? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit zum Beispiel Bundesligaspiele, wenn auch nur als Geisterspiele, über die Bühne gehen können? Eins steht fest: Wollen die Fußball-Bundesligisten einigermaßen unbeschadet durch die Coronakrise kommen, dann können sie nur Geisterspiele ohne Zuschauer retten, auch wenn dies den Fans nicht gefällt. Aber die Rettung der Vereine und der Liga geht vor. Lähmt das Virus aber weiterhin das Leben in Deutschland, sind selbst Geisterspiele fraglich, weil ja auch Spieler und Mannschaften betroffen sein können.

Zunächst einmal haben UEFA und DFL die Weichen für eine Bewältigung der Krise gestellt. Der europäische Dachverband machte den Weg frei für die nationalen Ligen und hat die für den Sommer 2020 vorgesehene Europameisterschaft um ein Jahr auf 2021 verschoben. Es sollte ein besonderes Turnier werden über (fast) alle Grenzen hinweg, jetzt ist es schon im Vorfeld ein besonderes Turnier geworden. Es ist das erste Mal in der 60-jährigen EM-Geschichte dass die EM verlegt wird. Nun haben die europäischen Ligen die Hoffnung, dass sie ihre nationalen Meisterschaften noch zu Ende bringen können, eine Sicherheit gibt es allerdings nicht, Frag nach bei Corona. Ein Problem: Am 30. Juni enden viele Verträge, die bis zum Saisonende 2020 abgeschlossen wurden. Rechtliche Fragen stehen im Raum. Die Bundesliga hat zusammen mit England mit noch neun ausstehenden Spieltagen das kleinste Restprogramm, in Spanien und Frankreich sind noch elf Spieltage zu absolvieren, in Italien 12 und in der Schweiz sogar 13. Lösungen werden schwierig.

Vorerst hat die Bundesliga ihren Spielbetrieb nur bis zum 2. April gestoppt, doch jedem ist klar, dass dies noch nicht das Ende sein wird. Für den 30. März ist die nächste Krisensitzung anberaumt, ein Start vor dem 18./19. April ist utopisch, eher könnte es der 2./3. Mai werden. Experten haben durchgerechnet, dass dann bis zum 30. Juni die Saison noch durchgetaktet werden könnte mit Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Europa League und den Relegationsspielen. Gespielt werden muss fast jeden Tag, also praktisch immer, Pausen sind nicht vorgesehen. Und was sagt Corona? Übrigens: Die Premier League in England hat einen Re-Start auf den 30. April verschoben.

DFL-Chef Christian Seifert betet immer wieder vor, dass die Saison zu Ende gebracht werden muss, das wäre essentiell für die Liga und die Vereine. Einnahmen von rund 750 Millionen Euro durch Fernsehen und Sponsoren stehen auf dem Spiel, 56.000 Arbeitsplätze bei den Vereinen und Firmen rund um den Spielbetrieb sind in Gefahr. Seifert betont: „Vereine sind Unternehmen, sie müssen so behandelt werden, wie alle anderen Unternehmen auch.“ Freilich, Vereine, die sich ein finanzielles Polster zugelegt haben, werden leichter überleben als kleine Klubs. Die Bayern und Dortmund tun sich leichter als Paderborn oder Augsburg. Solidarität ist gefragt, allerdings lässt die wohl auch zu wünschen übrig. Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke moserte: „Es können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs, die das nicht getan haben, dafür nun auch noch belohnen.“

Hilfe ist allerdings kein Fremdwort. So haben die Spieler der Nationalmannschaft 2,5 Millionen Euro für Corona-Geschädigte gespendet, die Spieler von Borussia Mönchengladbach haben einen Gehaltsverzicht erklärt, der dem Verein eine Million Euro im Monat sparen soll, auch andere Spenden sind via Internet bekannt geworden, so unterstützt Franck Ribery das Krankenhaus in Florenz mit 50.000 Euro. Er denkt also nicht nur Goldsteaks. Vorbild waren wohl die Profis in Amerika, die vielfältige Spendenaktionen ins Leben gerufen haben. In einem Land, in dem der Präsident anfangs Corona leugnete. „Gibt es nicht“, hatte der superkluge Präsident Donald Trump geurteilt. Heute weiß er es besser.

Zunächst aber ist der Trainingsbetrieb gestoppt, die Spieler machen „Homeoffice“ – ganz normale Arbeitnehmer halt manchmal. Doch statt am Computer sollen sie auf Spinnrädern sitzen, Gymnastik machen oder auch allein laufen. Hausarrest gibt es nicht, doch meist der Wunsch, möglichst zu Hause zu bleiben. Die Trainer verordnen Fitnessprogramme über das Internet, Fitness in modernen Zeiten. Am Ende schaffen sie das Training auf dem Platz noch ab!

Ein Trainer ist arbeitslos, Joachim Löw ist wohl der prominenteste Kurzarbeiter in Deutschland. Aber auch er hat sich schon nützlich gemacht, gespendet und den Verzicht auf einen Teil seines Gehaltes kundgetan. Wann Löw wieder arbeiten kann, respektive wann die Nationalmannschaft wieder aktiv wird, steht in den Sternen. Im Herbst soll die Nations League beginnen. Es liegt an Corona wann der Fußball wieder auf die Bühne der Öffentlichkeit zurückkehrt, aber auch an den Menschen, wie sie mit dem Virus umgehen. Einer neuer Spruch ist jetzt in Mode und das gilt auch für die Leserinnen und Leser: Bleiben Sie gesund!

Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr

Ein Virus hat es geschafft, dass die Welt fast still steht. Corona hat die Macht übernommen und die Politiker greifen zu Notfallplänen, fragen sich, „was machen wir jetzt“ und wissen eigentlich nicht mehr als die gewöhnlichen Bürger. Denen werden viele Verhaltensregeln an die Hand gegeben, dass sich die Verbreitung des Virus verlangsamt, damit die medizinische Versorgung aufrecht erhalten bleiben kann. Hamsterkäufe und die Leere in den Städten bestimmen das Leben. Ja, und daneben gibt es auch noch den Sport, insbesondere den Fußball. Der Profi-Fußball reagierte erst einmal mit dem Gedanken, „machen wir einfach weiter“, versuchte mit Geisterspielen dem Stillstand zu entkommen, um an Ende doch die letzten Konsequenzen zu ziehen: Aussetzung der Meisterschaften.

Die Ungewissheit bei allen ist ebenso groß wie die Unsicherheit. Die hat auch die Fußball-Profis erfasst, die eigentlich nur auf eines achten müssen (wie alle anderen auch): Das sie gesund bleiben. Das Training wird reduziert und doch sollten sie in Form bleiben für den Tag X, wenn die Spiele wieder beginnen und sie werden wieder beginnen. Doch wann, das kann keiner mit Gewissheit sagen, auch wenn Prognosen abgeben und Pläne geschmiedet werden. Vielleicht beginnt man irgendwann wieder mit Geisterspielen, obwohl die, wie bewiesen, keinen Spaß machen. Sie sind aber die einzige Chance für den Profi-Fußball, um an die Gelder des Fernsehens zu kommen und um finanziell zu überleben.

Und wer denkt an die Fans? Was machen die, wenn der Sport still steht? Sie müssen erkennen: Ein Leben ohne Sport ist kein richtiges Leben mehr. Macht der Fußball Sommerpause, so kann sich jeder darauf einstellen, man weiß es schließlich vorher und eine wirklich lange Pause gibt es gar nicht, weil irgendwo immer gespielt wird und selbst die Testspiele zu interessanten Ereignissen gepusht werden. Aber jetzt? Das Ritual, am Wochenende ins Stadion zu pilgern, auf Reisen zu gehen, in der Kneipe mit Gleichgesinnten Fußball zu schauen, fehlt. Vielleicht schauen sie sich über Mediatheken oder dergleichen alte Fußballspiele an. DAZN hat zum Beispiel das Finale der Champions League von 2013 im Programm. Die Dortmunder werden es sich nicht anschauen, die Münchner schon.

Und was machen die Ultras? Was hecken sie aus für den Fortgang, welche Plakate fertigen sie jetzt an? Vielleicht: „Corona Du Hurenvirus!“ oder: „Hau ab Corona, wir wollen Fußball!“ und hängen sie halt zu Hause auf. Übrigens: Der verhasste Milliardär Dietmar Hopp ist ein entscheidender Mann hinter der Firma, die jetzt führend in der Forschung ist, um ein Gegenmittel gegen Corona zu finden. Wo ist das Plakat: „Hopp, wir brauchen Dich!“? Vielleicht nutzen manche Fans aber auch die unerwünschte Pause zur Besinnung und erkennen, es gibt auch ein Leben neben dem Sport. Und: Hass gehört nicht zum Sport.

Der Sport hat sich lange gewehrt, die Geisterspiele brachten bekanntlich noch schmerzhafte Resultate, so sind Dortmund und Titelverteidiger Liverpool in der Champions League ausgeschieden, Frankfurt blamierte sich gegen Basel. Eigentlich unwichtig. Die Zukunft ist ungewiss. In der Formel 1 stehen die Räder still, ebenso wie der Spielverkehr in den meisten Ligen in Europa. Titelkämpfe stehen auf der Kippe oder sind bereits abgesagt. Die Wintersportler haben ihre Saison in einem Winter, der eigentlich keiner war, vorzeitig abgebrochen. Am längsten haben die Biathleten noch durchgehalten, die mit deutschem Glanz im finnischen Kontiolahti ihre Wettkämpfe ebenfalls vorzeitig beenden haben. Denis Herrmann brachte als Sprint-Gesamtsiegerin sogar eine Weltcupkugel mit nach Hause und wurde Dritte in der Gesamtwertung hinter Dorothea Wierer (Italien) und Tiril Eckhoff (Norwegen). Spannende Finals machten den Abschied von der Saison schwer, bei den Herren landete am Ende der Norweger Johannes Thingnes Boe gerade mal zwei Punkte vor dem Franzosen Martin Fourcade, der mit den Rennen in Finnland seine großartige Karriere beendete. Dies verkündete auch die Finnin Kaisa Mäkäräinen nach einer ebenfalls großartigen Laufbahn. Aber auch in Finnlands Wäldern herrscht jetzt Stille. Ob mit oder ohne Corona.

Ein Kommentar darüber wie es im Fußball weitergeht folgt noch in dieser Woche, selbstverständlich später auch noch eine Bilanz zum Wintersport. Auch ohne aktuellen Sport wird der Sport-Grantler sich melden, es sei denn, Corona schaut auch bei ihm vorbei…

2020 ist ein besonderes Jahr für die Formel 1

In den letzten Jahren galt die Formel 1 oft als langweilig und hat sicherlich viele Fans verloren. 2020 wird ganz anders werden und vielleicht gewinnt die Formel 1 wieder viele Fans hinzu. In Zeiten des Coronavirus wird es auch für den Motorsport ein schwieriges Jahr und dennoch herrscht vor dem Start am Sonntag, 15. März, in Melbourne viel Optimismus.

2020 ist nämlich ein besonderes Jahr für die Formel 1. Zunächst einmal werden Jubiläen gefeiert: Ferrari steht vor seinem 1000. Grand Prix (dabei erinnern wir uns an den ersten WM-Titel von Michael Schumacher mit Ferrari 2000) und die Königsklasse feiert in Silverstone ihren 70. Geburtstag (ihr Ex-Boss Bernie Ecclestone wird im Oktober stolze 90). Ein besonderes Jahr ist 2020 auch, weil ein totaler Umbruch bevorsteht. 2020 ist das letzte Jahr der „alten Formel 1“, die 2021 mit einer Regel-Revolution und Kostenbegrenzung von 153 Millionen Euro für jeden Rennstall total auf den Kopf gestellt wird. Dann könnten sich auch die Machtverhältnisse vollkommen verschieben.

2020 könnte deshalb ein besonderes Jahr für Mercedes und Titelverteidiger Lewis Hamilton werden, aber auch für Ferrari und Sebastian Vettel. Mercedes will seine beeindruckende Siegesserie fortsetzen, Hamilton die Chance nutzen, den Rekord von Michael Schumacher einzustellen und zum siebten Mal Weltmeister werden. Ab dem nächsten Jahr werden die Unwägbarkeiten größer. Ferrari und Sebastian Vettel träumen erneut vom lang ersehnten Titelgewinn, für Vettel könnte es sogar die letzte Chance sein. Wird er nicht Weltmeister, steht eine Vertragsverlängerung bei den „Roten“ in den Sternen. Der Deutsche hat zwei Hürden zu nehmen: Einmal muss das Auto im Jubiläumsjahr für ihn passen und vor allem auch stark genug sein, zum anderen ist da sein Teamkollege Charles Leclerc, der ihm im Vorjahr schon das Leben schwer gemacht hat. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr landete Vettel am Ende hinter den Mercedes-Fahrern Hamilton und Bottas sowie hinter Verstappen mit dem Red Bull und Leclerc nur auf Rang fünf. Mit zahlreichen Fehlern hat er sich selbst eine bessere Platzierung verbaut. Nun muss sich zeigen: Was kann Vettel wirklich! Bleibt er der Pannen-Basti?

2020 wird für zwei Rennstrecken ein besonderes Jahr: Zandvoort in den Niederlanden erlebt am 3. Mai ein Comeback nach 35 Jahren Pause. Die Begeisterung ist groß und könnte nur von Corona gebremst werden. Das gilt auch für Hanoi, denn am 5. April soll in Vietnam die Formel-1-Premiere gefeiert werden, doch macht die Epidemie die Austragung fraglich. Abgesagt wurde wegen Corona bereits der Lauf in Shanghai am 19. April, ob er nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Statt der Rekordzahl von 22 könnte es also nur 21 oder 20 Rennen geben. Fehlen wird auf jeden Fall Deutschland, Zandvoort erhielt den Vorzug vor Hockenheim.

2020 wird deshalb auch für die deutschen Fans ein besonderes, eher trauriges Jahr. Mercedes (wobei das Auto ja eher ein Engländer ist) und Sebastian Vettel halten die deutsche Fahne hoch. Nico Hülkenberg musste ja leider seinen Platz bei Renault räumen und konnte sich kein neues Cockpit angeln. Es gab mal eine Zeit, da galt die Formel 1 als deutsch.

2020 könnte aber auch ein schwieriges Jahr werden, nicht nur wegen Corona und den Einschränkungen (so wird es in Bahrain keine Zuschauer geben). Im Vorfeld der neuen Saison kochte schon ein Streit von Ferrari gegen den Rest der Teams hoch, die den Italienern Betrug vorwarfen. Es geht um eine Benzin-Manipulation, die der Weltverband nicht genügend geahndet habe. Die FIA untersuchte den Vorgang, kam zu dem Urteil, dass wohl nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, aber Beweise könne sie keine vorlegen, deshalb keine Bestrafung, sondern ein Vergleich, dessen Inhalt zwischen den Parteien bleiben solle. Das riecht ziemlich deutlich Klüngelei und brachte logischerweise die Konkurrenz auf die Palme. Möglich, dass der Streit wieder hoch kocht, so dachte Besitzer Gene Haas schon laut über einen Rückzug seines Teams nach. Die Formel 1 wie sie leibt und lebt. Corona ist nicht der einzige Virus.

Die Rennen: 15. März (6.10 Uhr) Melbourne/Australien. 22. März (16.10 Uhr je MEZ) Manama /Bahrain. 5. April (9.10 Uhr MESZ) Hanoi/Vietnam. 19. April (8.10 Uhr) Shangai/China verschoben. 3. Mai (14.10 Uhr) Zandvoort/Niederlande. 10. Mai (15.10 Uhr) Barcelona/Spanien. 24. Mai (15.10 Uhr) Monte Carlo/Monaco. 7. Juni (14.10 Uhr) Baku/Aserbaitschan. 14. Juni (20.10 Uhr) Montreal/Kanada. 28. Juni (15.10 Uhr) Le Catellet/Frankreich. 5. Juli (15.10 Uhr) Spielberg/Österreich. 19. Juli (16.10 Uhr) Silverstone/England. 2. August (15.10 Uhr) Budapest/Ungarn. 30. August (15.10 Uhr) Spa/Belgien. 6. September (15.10 Uhr) Monza/Italien. 20. September (14.10 Uhr) Singapur. 27. September (13.10 Uhr) Sotschi/Russland. 11. Oktober (6.10 Uhr) Suzuka/Japan. 25. Oktober (20.10 Uhr) Austin/USA. 1. November (20.10 Uhr) Mexico City/Mexiko. 15. November (18.10 Uhr) Sao Paulo/Brasilien. 29. November (14.10 Uhr) Abu Dhabi.

Ultras oder Corona – wer leert die Stadien?

Na ja, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, dennoch ein Hinweis darauf: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Da passt das Coronavirus wie die Faust aufs Auge, denn dass die Welt aus den Fugen gerät, wird damit nämlich sichtbar. Das tägliche Leben hat sich geändert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und natürlich bleibt der Sport davon nicht verschont, wobei es dafür zunächst nur geringe Anzeichen gibt mit Veranstaltungen ohne Zuschauer, aber sie werden mehr werden. In einigen Sportarten werden Veranstaltungen abgesagt, in anderen wird einfach weitergemacht, halt ohne Zuschauer. Das droht jetzt auch der Fußball-Bundesliga. Manche Fans nehmen die drohenden Geisterspiele fatalistisch: „Fußball ist ja sowieso ein Fernsehsport. Millionen sitzen vor den Fernsehern, Millionen Euro werden durch das Fernsehen verdient.“ Wo ist also das Problem? Machen wir wieder Radiokonferenz.

Blickt man auf die vergangenen Wochen und Tage zurück, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer leert die Stadien zuerst? Die Ultras, die mit beleidigenden Äußerungen den Anstand vergessen und Spielabbrüche provozieren, oder eben Corona, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht und Massenveranstaltungen dafür verantwortlich sein können, dass sich Viruserkrankungen verstärkt ausbreiten. Corona wird die Ultras schlagen, die dann nicht einmal mehr ihre Proteste anbringen können. Der Fußball kann also testen, wie es sich ohne Zuschauer und ohne Stimmung spielt.

Die Frage ist, ob die strengen Maßnahmen der Ministerien und Ämter nicht zu weit greifen und nur die Panik schüren. Da tätigen Menschen Hamsterkäufe, gleichzeitig aber fahren sie dichtgedrängt in der U-Bahn, am Wochenende auch in die Fußballstadien und standen dicht an dicht. Unten auf dem Feld kam es auch zum Körperkontakt, aber nicht vor dem Match. Die Spieler nahmen die Einlaufkinder nicht an die Hand, sondern legten ihnen die Hand auf die Schulter, statt Händeschütteln zur Begrüßung des Gegners gab es einen Ellenbogenkontakt. Abgeklatscht und umarmt wurden nur die eigenen Mitspieler.

Die Bundesliga wird spielen

Die Bundesliga lässt sich vom Coronavirus nicht stoppen, das hat DFL-Geschäftsführer Chrisian Seifert deutlich gemacht. Seinen Worten nach muss die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu ermitteln. Vielleicht wird am Ende auch der Deutsche Meister unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Fans feiern. Alles ist möglich.

So hat der Sport vielleicht auch wieder einmal die Aufgabe, von den großen Problemen der Welt ein wenig abzulenken. Wer also wird Deutscher Meister? Bayern München jedenfalls lässt nicht locker, mit Erleichterung wurde der 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg registriert, ein Gegner, der oft Probleme bereitete und auch jetzt wieder unangenehm war. Aber auch ohne Torjäger Lewandowski bleiben die Bayern auf Kurs mit zuletzt sieben Siegen und dem 0:0 gegen Leipzig. Dortmund drängte sich wieder in die erste Verfolgerrolle mit dem 2:1 im Duell in Gladbach. Positiv wird bei der Borussia registriert, dass mit Haaland und Can genau die richtigen Typen geholt wurden, die der Mannschaft neben Haalands Toren vor allem das Kämpfergen inplantierten. Sprich: Auch schwächere Spiele werden gewonnen, wie es eben Bayern oft vormacht.

Anders sieht es in Leipzig aus, wo zwei Unentschieden die Stimmung trübten. Nicht mehr nach dem Titel schielen, sondern die Teilnahme an der Champions League sichern, sieht Trainer Julian Nagelsmann jetzt als Aufgabe. Das gilt auch in Gladbach und Leverkusen, das sich als Mannschaft der Stunde bezeichnen kann. Da haben inzwischen Schalke, Wolfsburg und Hoffenheim den Anschluss verloren. Dazwischen liegt noch Freiburg mit 36 Zählern, aber dort sieht man einiges anders. Trainer Christian Streich atmet tief durch: „Mit dem Abstieg haben wir nichts mehr zu tun.“ Fast sensationell: Auch Köln sieht es so und schielt mit 32 Punkten und sechs Siegen in den letzten acht Spielen nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben. Na ja, in Köln schwenkt die Stimmung immer schneller um als an anderen Orten.

Im Abstiegskampf selbst treten die Klubs quasi auf der Stelle, ein Glück für Vereine wie Augsburg, Hertha und Frankfurt, die zuletzt zu wenig gepunktet haben und immer auf den Abstand nach unten schauen. Paderborn kann das Schlusslicht nicht abgeben, Bremen schafft die Wende nicht und Düsseldorf kommt auch nicht voran. Gegen Mainz wurde schon die zweite Chance zum Punktesammeln gegen Konkurrenten im Abstiegskampf verpasst, mit Unentschieden kommt man nicht weiter. Nächste Chance Freitag gegen Paderborn.

Geisterspiele international

Eines ist wohl sicher: Geisterspiele werden kommen. „Getestet“ haben am Sonntag Juventus Turin und Inter Mailand, auf dem Spielfeld war es eigentlich wie immer. Erste Erkenntnisse kann Dortmund am Mittwoch in Paris sammeln, dort wurde entschieden, die Zuschauer auszuschließen. Die Champions League geht in dieser Woche weiter und es wird einige Geisterspiele geben, u. a. Valencia – Bergamo. Mal sehen, ob die deutschen Klubs auch ohne Fans ihren Siegeszug fortsetzen können. Dortmund lebt von einem 2:1 im Hinspiel und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft von Thomas Tuchel. Paris konnte sich ausruhen, das Spiel in Straßburg wurde abgesagt. Leipzig muss einen 1:0-Vorsprung gegen Tottenham verteidigen, diesmal würde ein Unentschieden nicht für lange Gesichter sorgen. Die Bayern haben noch Ruhe, treffen erst nächsten Mittwoch, 18. März, auf Chelsea London.

In der Europa League steht jetzt auch das Achtelfinale an, Frankfurt gegen Basel, Wolfsburg gegen Donezk und Leverkusen bei den Glasgow Rangers sollten nicht chancenlos sein. Im Sport stehen die Zeichen gut für die Bundesliga, in Sachen Corona nicht so gut.

Ob es im DFB-Pokal auch Geisterspiele gehen wird? Optimisten hoffen, dass sich die Epidemie bis zum 21./22. April abgeschwächt hat. In Saarbrücken wird allein die Begeisterung auch Corona besiegen, so eben wie Köln und jetzt Düsseldorf. Nun trifft der Viertligist auf Bayer Leverkusen, außerdem erwarten die Bayern den alten Pokal-Kontrahenten Eintracht Frankfurt.

Der Fußball hat auch noch andere Sorgen, Frag nach in Nürnberg, dort haben einer oder mehrere Unbekannte 50 Flyer mit fast schon unverhohlenen Morddrohungen gegen Nürnberger Spieler aufgehängt. Diese Auswüchse sind schlimm und zeigen, dass die Welt wirklich aus den Fugen geraten ist, leider auch der Fußball und deren Anhänger. Geisterspiele passen also zu geistesgestörten Anhängern.