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Tag: DFB-Pokal

Niko Kovac hat die Mannschaft verloren

Der 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga wäre ja auch ohne spektakuläre Trainer-Entlassung in München ein Spieltag für die Geschichte gewesen, aber das Aus von Niko Kovac bei den Bayern stellte selbst das 8:0 von Leipzig gegen Mainz in den Schatten. Die Trennung vom Coach war aber beim Titelverteidiger die einzige logische Reaktion auf das 1:5 in Frankfurt, zumal es vorher schon beim glücklichen 2:1-Sieg im Pokal in Bochum nur Rumpelfußball gegeben hatte. Die Bosse mussten erkennen, dass die Spieler nicht mehr wollen und dann muss halt der Trainer gehen. Niko Kovac hatte die Mannschaft verloren. Das 1:5 war ein Schlag ins Gesicht für alle und kann auch mit dem frühen Platzverweis von Jerome Boateng nicht erklärt werden. Kovac machte nicht nur in diesem Spiel beim Coachen Fehler, er eckte an mit in seinen Äußerungen über Spieler (Müller), er wirkte wie ein Fremdkörper.

Der Kroate hatte es von Anfang an schwer in München, weil er kein Wunschkandidat der gesamten Spitze war, sondern der Schützling von Präsident Uli Hoeneß, vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nur gelitten. Das machte Rummenigge öfters deutlich. Kovac hatte durch solide Arbeit in Frankfurt auf sich aufmerksam gemacht und beste Werbung für ihn war ausgerechnet der Sieg im Pokalfinale 2018 gegen die Bayern. Dabei übersahen die Bosse, allen voran eben Uli Hoeneß, dass Kovac zwar mit einer mittelmäßigen Mannschaft gute Ergebnisse erzielen kann, dass er aber kein Mann für eine Spitzenmannschaft ist, vor allem keiner, der die Spieler weiterentwickelt. In der letzten Saison führten ihn eher die Spieler aus der Krise, als dass besondere Maßnahmen des Trainers zum Gewinn des Doubles geführt hätten. Die Bosse hatten wohl moralische Zweifel, sich von einem Double-Sieger zu trennen. Jetzt gab es keine Zweifel mehr, die Notbremse musste gezogen werden. Die Spieler folgten dem Trainer nicht mehr, sie meuterten und beschwerten sich. So wird man nicht Meister. Allerdings muss auch die Arbeit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic hinterfragt werden, auch er ein Schützling vom Präsidenten.

Uli Hoeneß muss zum Abschluss seiner großen Karriere beim FC Bayern, die ja am 15. November bei der Hauptversammlung enden soll, noch eine herbe Niederlage einstecken. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Zeichen auf Änderung stehen, dazu passt eben auch ein neuer Trainer. Die Gerüchteküche dampft natürlich gewaltig, alles ist möglich, doch vorerst wird Co-Trainer Hansi Flick die Verantwortung übernehmen (Kovac-Bruder Robert musste natürlich ebenfalls gehen). Er folgte auf Peter Herrmann, dem Heynckes-Helfer, als dieser den Verein verließ. Angeblich kam Flick im Einvernehmen mit Kovac, aber die Bosse hatten diese Ersatzlösung, wie sie jetzt Wirklichkeit wird, wohl schon im Hinterkopf. Flick hat sich einen Namen gemacht, sowohl als Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw, gekrönt vom Weltmeister-Titel 2014, an dessen Gewinn Flick keinen geringen Anteil hatte, danach als Sportdirektor beim DFB. „Vorerst“ wird Flick Chef-Trainer sein, das kann bis zur Länderspielpause gehen oder bis zur Winterpause oder vielleicht sogar noch länger. Angeblich genießt Flick das Vertrauen der Spieler und damit ist es ganz einfach: Mannschaft und Trainer müssen liefern.

Die Liste der möglichen Kovac bzw. Flick-Nachfolger ist lang und könnte beliebig erweitert werden. Ein kleiner Überblick: Heiß: Erik ten Hag, mit Ajax Amsterdam erfolgreich, macht Talente zu Weltstars, arbeitete mit Pep Guardiola in München, damals bei den Bayern II, könnte die Pep-Schule zurückbringen. Würde gern bei den Bayern arbeiten. Xabi Alonso, der einstige Stratege im Mittelfeld dachte immer schon wie ein Trainer, lernt derzeit bei der 2. Mannschaft von San Sebastian, der Spanier wäre ein Experiment. Ralf Rangnick, im Red-Bull-Konzern jetzt für die weltweite Entwicklung zuständig, wurde von den Medien ins Gespräch gebracht, stößt im Verein aber auf Skepsis. Der Italiener Massimilian Allegri, mit Juventus Turin erfolgreich, wäre frei, spricht aber kein deutsch. Dies tut der Franzose Arsene Wenger, früher Wunschkandidat bei den Bayern, am Ende bei Arsenal London aber nicht mehr erfolgreich und mit 70 eigentlich zu alt. Auch Thomas Tuchel ist im Gespräch, aber auch da gibt es Zweifel und vielleicht will er gar nicht, weil er bei Paris St. Germain noch mehr Entwicklungspotential sieht. Es darf also spekuliert werden.

Wichtige Aufgaben für Hansi Flick

Unabhängig vom Trainer stehen für die Bayern wichtige Aufgaben an, Hansi Flick kann sich also bewähren. Am Mittwoch geht es in der Champions League gegen Piräus darum, Platz eins und das Weiterkommen zu sichern, am Samstag steht das Schlagerspiel gegen Borussia Dortmund an. Der Gegner steht ja vor ähnlichen Problemen, Trainer Lucien Favre wird auch laufend hinterfragt, doch das 3:0 gegen Wolfsburg war eine Art Befreiungsschlag, nur sollte es am Mittwoch gegen Inter Mailand in der CL keinen Rückschlag geben. Am Samstag geht es aber darum, welcher der beiden selbsternannten Titelkandidaten vorerst im Rennen bleibt.

Ganz oben thront ziemlich überraschend Borussia Mönchengladbach und das seit vier Spieltagen, das gab es zuletzt in der Meistersaison 1976/77. Von einer „Neuausrichtung“ hat Manager Max Eberl vor der Saison gesprochen, als man sich ziemlich überraschend von Dieter Hecking trennte und Marco Rose als neuen Trainer holte. Die Richtung stimmt also, könnte auch ein Wink nach München sein. Dazu landete Eberl (der ja auch schon bei den Bayern im Gespräch war) mit Marcus Thuram als neuen Stürmer und Torjäger einen Volltreffer. In Gladbach genießt man die Situation und fängt nicht das Träumen an, in Dortmund sagt man, die falsche Borussia ist vorn.

Europas Bühne beherrscht diese Woche, die Frage ist, ob es da so spannend zugeht wie beim DFB-Pokal letzte Woche. Da gab es eine ganze Reihe von packenden Spielen, nicht nur die Bayern zitterten bei einem Abstiegskandidaten der 2. Bundesliga. Vor allem der 1. FC Köln erlebte beim 1. FC Saarbrücken eine peinliche Pleite, dazu schieden mit Freiburg, Paderborn, Wolfsburg und Gladbach (in Dortmund) weitere Bundesligisten aus. Dafür trumpften die Kleinen auf, noch nie schafften es zwei Viertligisten (Saarbrücken und Verl) ins Achtelfinale des DFB-Pokal. Dazu kommt der 1. FC Kaiserslautern aus der 3. Liga. Vorfreude also auf den 4./5. Februar, allerdings auch Probleme. Saarbrücken wollte sich zu dieser Zeit erst aus der Winterpause zurückmelden, muss also umdisponieren, weil die Punktrunde erst drei Wochen später beginnt. Der Fluch der guten Tat also, aber es gibt auch über eine Million Euro als Trostpflaster, allerdings mit dem Karlsruher SC nicht unbedingt den prominentesten Gegner. Er könnte aber schlagbar sein!

Das Pokal-Achtelfinale: Frankfurt – Leipzig, Bayern – Hoffenheim, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Kaiserslautern – Düsseldorf, Verl – Union Berlin, Saarbrücken – Karlsruhe.

Trainer sind leichter zu ersetzen als Schiedsrichter

Zwei Meldungen, vollkommen konträr, doch eine Sportart: Da geht es um die drohende Ablösung von Trainern, dort um einen Streik der Schiedsrichter. Alle Fußball-Fans mussten erkennen: Trainer sind leichter zu ersetzen als Schiedsrichter. Gut, die vom Boulevard angezählten Trainer Niko Kovac und Lucien Favre sind noch im Amt (beide wohl auf jeden Fall bis zur nächsten Länderspielpause, vielleicht sogar bis zur Winterpause und darüber hinaus), aber sollten sie oder einer von ihnen doch gehen müssen, dann geht es weiter, die Verantwortlichen hoffen sogar, es geht besser weiter als bisher. Aber der Streik der Schiedsrichter in Berlin sorgte dafür, dass der Fußball-Verband alle Spiele abgesagt hat. Das sollten sich vor allem die Chaoten, Stänkerer und Besserwisser vom Spielfeldrand merken: Ohne Schiedsrichter kein Fußball.

Wir müssen alle Sympathie haben für die Berliner Schiedsrichter. Sie beklagen die zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen, bis jetzt wurden bereits 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Fußballplätzen registriert. Schiedsrichter dürfen kein Freiwild sein! Berlin steht nicht allein, in Hessen wurde am Wochenende in Schiri ins Krankenhaus geprügelt. Die zunehmende Aggressivität unserer Gesellschaft wird nicht nur im Internet deutlich, sondern leider überall und besonders da, wo sich Hitzköpfe benachteiligt fühlen. Ein falscher Pfiff und die Schimpfworte fliegen über den Rasen, heute leider auch die Fäuste. Der Fußballplatz darf aber nicht der Ort sein, um seine Aggressivität auszuleben.

Schon oft hat der Sport-Grantler diejenigen bewundert, die sich gerade im Amateur-Fußball Woche für Woche die Anfeindungen auf den Plätzen antun. Aber nur wer hier durchhält, kann einmal in der Bundesliga pfeifen und dort inzwischen gutes Geld verdienen. 80.000 Euro Jahresprämie stehen im Raum, dazu 5000 Euro pro Spiel. Die Spieler, die sie quasi in punkto Regeln beaufsichtigen verdienen immer noch ungleich mehr, machen aber auch mehr Fehler, die aber nur selten zum Weltuntergang hochstilisiert werden.

Auch am vergangenen Wochenende standen die Schiedsrichter in der Bundesliga wieder im Blickpunkt, was immer dann der Fall ist, wenn Entscheidungen zweifelhaft sind, wenn die Regeln unterschiedlich ausgelegt werden. Nur: Die Medien verreißen oft die Männer an der Pfeife, machen dabei allerdings selbst Fehler. Bei den vielen umstrittenen Entscheidungen ob in Leverkusen, München oder auf Schalke war nur der Pfiff in Mainz wirklich falsch, Frank Willenborg hätte für Köln einen Elfmeter geben müssen, weil der Mainzer Spieler den Ball im Strafraum mit abgespreiztem Arm stoppte. Warum Willenborg trotz Videobeweis nicht auf den Punkt zeigte, ist ein Rätsel, aber noch kein Grund, auf den Unparteiischen, wäre es ein Amateurspiel, eine Hetzjagd zu veranstalten. Alle sollten sich merken: Lieber ein falscher Pfiff als gar kein Pfiff mehr. Damit müssen wir leben: Manche Entscheidung entbehrt jeglicher Logik, ist aber regelkonform.

Und was ist mit den Trainern? Die Bundesliga ist spannend wie selten, aber das Niveau lässt vielerorts zu wünschen übrig. Geklagt wird eben vor allem in München und Dortmund, weil man hier mit anderen Vorstellungen in die Saison gegangen ist und sich attraktiven und erfolgreichen Fußball versprochen hat. Bekommen haben alle nur Alltagskost, das Niveau lässt zu wünschen übrig. Nur deshalb stellen die Medien die Trainer Niko Kovac und Lucien Favre in Frage und bringen Ralf Rangnick und Jose Mourinho, den selbsternannten „spezial one“ als mögliche Nachfolger ins Gespräch. Und auch in Leipzig ist man nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg (zwei Niederlagen, zwei Unentschieden) alles andere als glücklich. Der einst als großes Trainer-Talent gefeierte Julian Nagelsmann kommt derzeit als unverfülltes Versprechen daher. Glücklich ist man nur in Gladbach, kein Wunder als Überraschungs-Tabellenführer.

Gut ist, dass uns die Spannung erhalten bleibt und die Schlagerspiele auch. Gladbach wird am Samstag in Leverkusen geprüft, die Bayern in Frankfurt und Wolfsburg muss zeigen, ob es in Dortmund weiter ungeschlagen bleiben kann. Der Sprung an die Spitze misslang mit einem 0:0 gegen Augsburg, der VfL bleibt aber ohne Niederlage, hat aber fünf Unentschieden, das kostet auch Punkte. Für die Borussia und Lucien Favre stehen die Wochen der Wahrheit an: Die Gegner heißen Gladbach im Pokal, nach Wolfsburg am 9. November die Bayern in der Bundesliga und dazwischen das Rückspiel gegen Inter Mailand nach der Enttäuschung des 0:2 in Mailand. Besondere Spannung in Berlin, da steigt am Samstag das erste Bundesliga-Duell zwischen Union und der Hertha. Ein Aufruf an die „Fans“: Bitte ruhig bleiben! Ebenfalls beim Rhein-Derby Düsseldorf – Köln im Zeichen des Abstiegskampfs.

Den Pokal gibt es auch noch

Zwischen Bundesliga, Champions League, Europa League und Länderspielen geht der DFB-Pokal fast unter, aber es gibt ihn noch. Die 2. Runde am Dienstag und Mittwoch, dann geht es erst am 4./5. Februar mit dem Achtelfinale weiter. Zwei Regionalligisten sind mit dem 1. FC Saarbrücken (gegen Köln) und SC Verl (hat den FCA ausgeschaltet, jetzt gegen Kiel) noch dabei. Die Bundesliga liefert aber die Schlagerspiele mit Wolfsburg – Leipzig und Dortmund – Gladbach. Der VfL Bochum schnuppert mal wieder Erstliga-Luft und denkt an die alten Duelle mit Bayern München – am Dienstag gibt es eine Neuauflage. Das macht eben nur der Pokal möglich. Gespannt sein darf man auch, ob sich der HSV und VfB Stuttgart ein ähnlich spektakuläres Duell liefern wie am Samstag in der 2. Bundesliga (6:2). Wegen solcher Spiele ist der Fußball so populär. Jagden auf Schiedsrichter braucht er nicht.

Die Bayern-Fans müssen in diesem Jahr tapfer sein

Schluss mit lustig! Sieben Meisterschaften hat der FC Bayern München zuletzt in Folge geholt und den früheren Rekord vom Titel-Hattrick in der Fußball-Bundesliga immer weiter verbessert. Jetzt soll diese Reise zu Ende sein, Borussia Dortmund hat energisch zur Jagd auf die Bayern geblasen, aufgerüstet und verkündet selbstbewusst: „Wir wollen Meister werden“.

Neue Töne also in der Bundesliga vor der neuen Saison und auch neue Trainer. Gleich sieben sind es an der Zahl und das macht die Liga vor dem Start am Freitag besonders interessant. Diesbezüglich also nicht „Schluss mit lustig“, sondern eher für die Fans „Lust komm her“.

Nur die Bayern-Fans, die müssen, wenn der Schein nicht trügt, in diesem Jahr tapfer sein. Beim Umbruch in der Mannschaft hapert es, die Abgänge der altgedienten Ribery, Robben und Rafinha, aber auch Hummels und James konnten nicht kompensiert werden. In Sachen Neuzugängen scheint ein Fluch über den Bayern zu hängen, Hernandez wurde gleich verletzt verpflichtet, die Wunschspieler auf den Flügeln, Hudson-Odoi und Sane, verletzten sich, ehe die Verhandlungen konkret wurden. So kommt dafür wohl Notlösung Ivan Perisic, doch dann hätte auch Ribery bleiben können.

Verletzungen dürfen kaum passieren, denn in der zweiten Reihe finden sich fast nur noch Talente, die aktuell kaum helfen können. Das ist der Unterschied zu Borussia Dortmund: Der Herausforderer hat das, was die Münchner früher eben auszeichnete und Titel sicherte – zwei gleichstarke Teams. Der Vorjahreszweite, der einen Neun-Punkte-Vorsprung noch verspielte, hat aus der Pleite gelernt, hat sich Selbstbewusstsein eingeimpft und vor allem in dieser Hinsicht ist Mats Hummels eine wertvolle Verstärkung. So soll die Schwäche des zögerlichen Trainers Lucien Favre kompensiert werden. Und Hummels frohlockt: „In Dortmund wird ein Titel besonders gefeiert.“ Da müssen die Bayern-Fans eben tapfer sein. Übrigens ist der Auftakt gegen Hertha BSC schon ein echter Test: Vier der letzten fünf Vergleiche verloren die Bayern gegen die Berliner!

Frischen Wind in die Bundesliga bringen aber auch sieben neue Trainer und die drei Aufsteiger. Frischer Wind aber auch, weil es den Anschein hat, als wurde generell in der Bundesliga das Selbstbewusstsein ausgepackt. Keine Scheu vor großen Zielen, Leipzig und Leverkusen zum Beispiel gehen offensiv die Qualifikation zur Champions League an, Gladbach, Hoffenheim, Bremen, Wolfsburg, die Hertha und Frankfurt lauern dahinter und haben zumindest mit der Europa League das europäische Geschäft im Auge.

Es gibt natürlich auch das Tabellenende. Wie immer werden die Aufsteiger gleich wieder als erste Absteiger genannt, aber der 1. FC Köln ist etwas anderes als ein „normaler“ Aufsteiger, er sieht sich eher als gestandener Bundesligist und „ist gekommen um zu bleiben“. Bleiben will erst einmal auch der SC Paderborn, wohl die verrückteste Mannschaft im deutschen Fußball der letzten Jahre, denn seit 2014 gab es immer Auf- oder Abstieg. Na ja, da liegt ein Abstieg wohl nahe. Ein absoluter Neuling, nämlich der 56. Verein in der Bundesliga, ist Union Berlin, der etwas andere Klub aus dem Stadtteil Köpenick, der bisher vor allem durch seine besondere Stimmung im kleinen Stadion (22.000 Zuschauer) und durch sein Weihnachtssingen auffiel.

Mit dem Abstieg hat aber in jedem Jahr auch eine Mannschaft zu tun, die im Vorfeld nicht daran denkt. Das könnte diesmal der FC Augsburg sein, der sich von einem braven Provinzklub in einen Chaos-Verein verwandelt hat. Chaos auf dem Feld und im Umfeld, wo Spieler streiken, machen was sie wollen und Manager Stefan Reuter quasi im Nasenring durch die Manege führen. Spieler wie Max und Gregoritsch wollen immer noch gehen, trüben die Stimmung. Ergebnis: Dem Team fehlt Qualität. Alles wurde zwar auf den Prüfstand gestellt, die medizinische Abteilung vergrößert, der Rasen untersucht, doch die alte Leidenschaft, die jetzt das neunte Jahr in der Bundesliga sicherte, ist verloren gegangen. Die 1:2-Pokalpleite beim Viertligisten SC Verl war bezeichnend. Die letzte Saison endete mit einem 1:8 in Wolfsburg, ähnliches droht gleich wieder zum Auftakt beim Titelanwärter Borussia Dortmund. Schluss mit lustig also.

Augsburg macht im erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten den desolatesten Eindruck, da sieht es in Freiburg, Mainz oder Düsseldorf schon solider aus. Eine Wundertüte ist Schalke 04, wohin geht die Reise nach dem Absturz im Vorjahr auf Rang 14 mit nur 33 Punkten? Die Hoffnung ruht auf dem neuen Trainer und Klopp-Freund David Wagner, investiert wurde aber vor allem in die Führung rund um das Team. Die Stimmung trübte zuletzt allerdings Boss Tönnies, der nach rassistischen Äußerungen für drei Monate aufs Abstellgleis geschoben wurde.

PR für Pokal: Tore, Spaß und Pleiten

Vor dem „Nachschlag“ am Montag hat der DFB-Pokal bereits Lust auf Fußball gemacht. Es gab viele Tore, jede Menge Spaß, einen Aufstand der Kleinen und auch Pleiten der Großen. Wie schon in den letzten Jahren haben zwei Bundesligisten die Segel streichen müssen, Mainz und Augsburg waren diesmal die Dummen. Andere retteten sich erst im Elfmeterschießen. Mit Verl zog ein Viertligist in die nächste Runde ein und kassiert dafür (wie alle anderen auch) 351.000 Euro. Außerdem sind mit Kaiserslautern und Duisburg zwei Drittligisten weiter. Insgesamt aber zeigte bereits die erste Runde, dass man den unterklassigen Vereinen nie den Vergleich mit den Bundesligisten kürzen oder gar wegnehmen darf. Solche Gedanken gehören endgültig ad acta gelegt. Der Pokal lebt.

Am kommenden Wochenende beginnt auch die Fußball-Bundesliga der Frauen, ein Kommentar dazu noch in dieser Woche.

Nach dem Supercup heißt es „Vorteil Dortmund“

Je nach Standpunkt und Ergebnis wird die Bedeutung des Supercups hervorgehoben oder heruntergespielt. Dies ist in der Fußball-Bundesliga nicht anders als zum Beispiel in England, wenn sich der Meister und der Pokalsieger (bei einem Doublegewinn darf der Vizemeister ran) im „Vorlauf“ der neuen Punktrunde gegenüberstehen. Ist es ein erster Fingerzeig wenn man den ersten Pokal in den Händen hält oder doch nur ein weiteres Testspiel? Im Fall des 2:0 von Borussia Dortmund gegen den Titelverteidiger (auf allen Ebenen) Bayern München ist es auf jeden Fall ein erster Fingerzeig und so heißt es nach dem Supercup „Vorteil Dortmund“. Entsprechend wurde bei der Borussia auch gefeiert (mit dem Elan feiern sie in München die Meisterschaft).

Die Dortmunder feierten, weil der Erfolg ihnen die Bestätigung brachte, dass sie den Rivalen aus dem Süden wirklich angreifen können und für die Saison gerüstet sind. Er ist die Bestätigung dafür, dass die ausgegebene Parole „wir wollen Meister werden“ durch Substanz absolut gerechtfertigt ist. Wie das 2:0 zustande kam, zeigte vor allem Trainer Lucien Favre, dass er mit seiner taktischen Marschroute zumindest im direkten Vergleich richtig liegt: Die Abwehr muss stehen und das Umschaltspiel klappen. Da nützte den Bayern 65 Prozent Ballbesitz gar nichts. Die Dortmunder waren also keineswegs besser, aber cleverer und sie haben weniger Fehler gemacht. Das sollte also den Bayern zu denken geben.

In München spielen sie Bedeutung der Niederlage natürlich herunter. Motto: Gar nichts passiert. Andererseits nutzten einige Spieler die Gelegenheit, um weitere Verstärkungen einzufordern. Sie wollen auf der Bank Spieler, die sofort helfen können. Vergessen dabei allerdings, dass sie dann selbst auf der Bank sitzen könnten und ihren Unmut äußern. Da gerät der Trainer schnell in die Bredouille. Das könnte Niko Kovac jetzt auch wieder passieren, denn es keimt schon wieder eine Systemdiskussion auf. Zuletzt setzte er auf das 4-3-3, was vor einem Jahr zur Herbstkrise führte. Die Bayern schafften dem geliebten 4-2-3-1 der Spieler dann die Wende. Noch heißt es, das System spielt keine Rolle, doch wenn die Ergebnisse nicht stimmen, spielt es plötzlich die Hauptrolle.

In Dortmund standen sich mehr oder weniger noch die „alten Teams“ gegenüber, beide Mannschaften haderten auch mit Verletzungen. Einziger Neuzugang bei den Borussen war Nico Schulz, die Bayern hatten besondere „Neuzugänge“: Einmal Tolisso, der die letzte Saison mehr oder weniger wegen Verletzungen verpasste, zum anderen Jerome Boateng, dem eigentlich der Abgang nahegelegt wurde. Jetzt stieg er zur festen Größe auf – Abgang dennoch nicht ausgeschlossen.

Überhaupt sind neue Spieler ein besonderes Thema bei den Bayern, sie agieren nach wie vor unglücklich. Zuletzt meldeten einige Medien, dass der Wechsel von Leroy Sane bevorstehe, doch plötzlich scheint alles wieder offen, weil Sane beim Supercup in England nach wenigen Minuten verletzt vom Platz musste. 100 Millionen Euro oder mehr für einen verletzten Spieler ausgeben? Die Bayern gingen schon mit 80 Millionen für den verletzten Hernandez ein großes Risiko ein. Die Dortmunder schauen sich dieses Theater in Ruhe an, bei ihnen geht es nur noch darum, wer noch abgegeben werden kann. Bei den Bayern ist der Kader zu klein, in Dortmund zu groß.

Im Pokal „Vorteil für die Kleinen“

Es ist eine schöne Tradition, dass die erste Runde im DFB-Pokal vor dem Start der Bundesliga quasi die neue Saison einläutet. Im Pokal heißt es „Vorteil für die Kleinen“, die Heimvorteil genießen und ein Fest feiern, wenn Bundesligisten zu Gast sind. Alle Änderungswünsche diesbezüglich müssen deshalb auch für immer ad acta gelegt werden, an diesen Festtagen darf nicht gerüttelt werden. Dortmund und Bayern können noch einmal ein bisschen durchschnaufen, doch unterschätzen sollte man die Gegner nicht. Das müssen Jahr für Jahr einige Bundesligisten schmerzhaft erkennen. Wen erwischt es diesmal?

Neu in diesem Jahr ist, dass sich der Fernsehsender Sport1 Rechte für ein Live-Spiel in jeder Runde gesichert hat, er zeigt am Freitag Bayer Uerdingen gegen Borussia Dortmund. Die ARD hat sich bei ihrer Auswahl für die Bayern entschieden, die ja gute Einschaltquoten garantieren. Der Titelverteidiger muss am Montag bei Energie Cottbus ran, das vor einem Neubeginn in der Regionalliga steht. Das war auch schon mal ein Bundesliga-Duell. Die Bayern sollten aber nicht meinen, dass sie da so einfach das Toreschießen üben können.

Start in der Premier League

Die Premier League in England ist schneller als die Bundesliga, da geht es bereits am Freitag los, die Liga ist mit 20 Vereinen ja auch größer. Champions-League-Sieger FC Liverpool hat die Ehre des Eröffnungsspiels gegen Neuling Norwich City. Titelverteidiger Manchester City folgt am Samstag bei West Ham United. Die Teams der Trainer Jürgen Klopp und Pep Guardiola gelten wieder als Favoriten. Im ersten direkten Vergleich, dem Community Shield (quasi der Supercup), trennte man sich 1:1, da City das Elfmeterschießen gewann, fuhr Pep gleich wieder den ersten Titel ein. Die spektakulären Transfers blieben aus, die Klubs in England sind stark genug, wie sich in der Champions League zeigte. Allerdings haben viele Beobachter die Sorge, dass die vielgerühmte Spannung von früher verloren gehen könnte. Nicht vier oder sechs Klubs streiten um die Meisterschaft, vielleicht wieder nur zwei. Chelsea London, die Tottenham Hotspur, Arsenal London, Manchester United und vielleicht auch der FC Everton, der ein bisschen aufgerüstet hat, müssen Langeweile an der Spitze also verhindern.

In Deutschland ist das Interesse an der Premier League groß, schließlich ist das deutsche und vor allem das Bundesliga-Element (viele ehemalige BL-Stars) ein Anreiz. Deshalb hat der Privatsender Sky auch einige Euro hingelegt, um DAZN wieder die Übertragungsrechte abzujagen. Sky-Zuschauer können also dabei sein und testen, wo der bessere Fußball geboten wird, in der Bundesliga oder in der Premier League.

Ein Hinweis: In dieser Woche folgt noch eine Zwischenbilanz der Formel 1.

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

Das Spiel der Spiele – aber kein Finale!

Endlich! Die Fans der Fußball-Bundesliga warten auf das Match, endlich wieder einmal ein spannender Titelkampf und nicht nur Brisanz bei den Duellen gegen den Abstieg. Endlich, das Spiel der Spiele, aber wenn sich am Samstag die alten Rivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, dann ist dies kein Finale. Einem echten Finale um die Deutsche Meisterschaft trauern Nostalgiker bekanntlich hinterher.

Ein kleines Finale ist es allerdings schon, jedoch anders, als es sich die Bayern gewünscht hatten. Ihr Plan war, mit einem Sieg über Dortmund für Klarheit an der Tabellenspitze zu sorgen. Jetzt befinden sich die Münchner plötzlich wieder in der Verfolgerrolle nachdem sie neun Punkten Rückstand aufgeholt hatten, dagegen könnte die Borussia mit einem Erfolg in der Allianz Arena für eine Vorentscheidung sorgen.

Es gab einen „Ball verkehrt“ im Vorfeld des deutschen „Clasico“. Die Bayern patzten mit dem 1:1 in Freiburg, während Dortmund wie oft in der Vorrunde beim 2:0 gegen Wolfsburg das Glück der späten Tore feierte. Sensationell: Wäre in allen Spiele nach 90 Minuten wirklich der Schlusspfiff ertönt, dann wären die Bayern Erster mit 63 Punkten vor Dortmund mit 59! Borussias Torbilanz in der Nachspielzeit lautet 9:1, die der Bayern 1:1! Dortmunds Dusel ist zurück, belegt durch Alcacers Glücksschuss quasi durch die Wolfsburger Mauer. Da war auch alles lamentieren, das die Mauer zu weit weg stand, Quatsch, denn der Ball ging ja nicht über die Mauer. So holte sich Dortmund das Selbstvertrauen für das Spiel der Spiele, die Bayern hadern.

Auffallend: Dortmund erinnerte an die Vorrunde, ebenso die Bayern. Mit dem 1:1 gegen Freiburg am 10. Spieltag Anfang November begann die Bayern-Krise mit drei Spielen ohne Sieg (danach 2:3 in Dortmund, 3:3 gegen Düsseldorf). Jetzt wird wieder geklagt über mangelnde Einstellung, schlechte Aufstellung und fehlende Konzentration beim Tor-Abschluss. Es gibt nur etwas Positives dabei: Einen besseren Muntermacher gibt es nicht. Oder wiederholt sich in einem Spitzenspiel das Dilemma gegen Liverpool mit dem Aus in der Champions League? Folgt das Aus in der Meisterschaft? Stabil sind die Bayern nicht.

Das stabilste Team, ja die „Mannschaft der Stunde“ ist derzeit Eintracht Frankfurt. Die Hessen bieten Glanz und Tore, zeigen Selbstbewusstsein auch international und sind 2019 noch ungeschlagen. In der Rückrunden-Tabelle liegen sie mit 22 Punkten hinter den Bayern (25) auf Rang zwei vor Dortmund und Leipzig (ja 21). Dagegen schwächeln Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen, so dass der Sprung auf Rang vier und damit auf einen Platz in der Champions League fast logisch war. „Das ist ein Märchen“, fasste es der Österreicher Martin Hinteregger in Worte, nämlich auch für ihn, vom Abstiegskandidaten FC Augsburg auf die internationale Bühne.

Sein alter Verein steckt wieder mitten drin im Abstiegsdilemma. Die Blamage war komplett, ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg, der 20 Spiele ohne Sieg geblieben war, ergab sich die Mannschaft wehrlos, anstatt mit großem Kampf endgültig die Weichen für den Klassenerhalt zu stellen. Drei Spiele ohne Niederlage, das 2:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig und 3:1 gegen Hannover wurde für die Mannschaft wohl zum sanften Ruhekissen. Jetzt brennt wieder der Baum. Nicht dagegen auf Schalke, Huub Stevens’ Motto „die Null muss stehen“ passte wieder und mit einem Glücksschuss von Serdar („Ich habe gar nicht auf das Tor geschaut“) auch das Ergebnis. Sechs Punkte Abstand zum Relegationsrang (Stuttgart) sorgen für etwas Ruhe im Revier. Aber jetzt kommt Frankfurt, doch die Verfolger nehmen sich die Punkte gegenseitig weg, im Duell Stuttgart – Nürnberg geht es wieder um eine Weichenstellung bzw. für die Franken um die letzte Chance.

Kein Schlagerspiel im Pokal

Ablenkung vom Bundesliga-Alltag gibt es in dieser Woche durch den DFB-Pokal, wobei die Frage ist, wie wichtig dieser Zusatzwettbewerb für die einzelnen Vereine ist. Ein echtes Schlagerspiel gibt es im Viertelfinale nicht, zumal ja so erfolgreiche Klubs wie Dortmund, Leipzig und Frankfurt frühzeitig die Segel streichen mussten. Mit Augsburg und Schalke sind sogar zwei Kandidaten aus dem Abstiegskampf dabei. Der FCA muss gegen Leipzig wieder ein anderes Gesicht zeigen, während Schalke gegen Bremen die etwas größeren Chancen eingeräumt werden können. Für beide Mannschaften bleibt die bange Frage: Als Absteiger ins Pokal-Finale einziehen? Die Bayern müssen sich die Chance auf wenigsten einen Titel erhalten, können gegen den Zweitligisten Heidenheim vielleicht das Tore schießen üben, vielleicht müssen sie aber zu einem Rezept greifen, eine Betonabwehr zu überwinden. Gar ein Zweitliga-Duell gibt es mit Paderborn gegen Hamburg, da der aufstrebende Zweitliga-Neuling, dort der unkonstante Dino, der vor allem ein Ziel hat, zurück in die Bundesliga. Vielleicht am Ende im Pokal-Finale, aber nicht in der Bundesliga – das wäre für den HSV fast schon ein Horrorszenario! Übrigens: Leipzig, Paderborn und Heidenheim erreichten noch nie das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Polizei will Geld

Ein Horrorszenario erlebte die Bundesliga in der vergangenen Woche auch vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat eine Beteiligung der Ausrichter von gewinnorientierten Veranstaltungen an den Polizeikosten grundsätzlich für rechtskonform erklärt. Damit müssen die Bundesligisten für Mehrkosten bei einem größeren Polizei-Einsatz bei sogenannten Risikospielen aufkommen. Das Land Bremen hatte der DFL eine entsprechende Gebührenrechnung geschickt, die DFL dagegen prozessiert. Im Hintergrund stand die Frage, ob es überhaupt darstellbar ist, dass der Steuerzahler für Kosten der reichen Vereine aufkommen soll. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass just im Vorfeld Bayern München den Rekordtransfer für 80 Millionen Euro für Frankreichs Weltmeister Lucas Hernandez über die Bühne brachte. Und dann sollen hochgerechnet 20 Millionen Euro für Polizei-Einsätze nicht bezahlbar sein? Da geht es um Vernunft und den Ruf der Liga.

„Wir haben uns das anders vorgestellt“, gestand DFL-Präsident Reinhard Rauball zerknirscht, aber Richter Dr. Wolfgang Bier, hatte wohl auch die Klagen der Landesrechnungshöfe im Hinterkopf, die schon lange eine Beteiligung der Vereine verlangen. Allein aus moralischen Gründen sollte die DFL einem Kompromiss der Länder zustimmen, dass ein Fond gebildet wird, aus dem die Polizei-Einsätze bezahlt werden. Die Rede ist eben von 20 Millionen Euro, gerade mal ein Klacks bei einem Jahresumsatz der 36 DFL-Vereine von 4,4 Milliarden Euro (die 3. und 4. Liga sind außen vor). Dieser Fond würde auch eine Ungleichbehandlung der Vereine verhindern, wenn einige Länder auf eine Rechnungsstellung an die Klubs verzichten würden, wie es Bayern schon angekündigt hat.

Eine Frage wurde allerdings nicht beantwortet: Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sich Chaoten nicht den Fußball als Bühne für Ausschreitungen aussuchen? Wer ist denn für die fehlende gute Erziehung verantwortlich? Vordringlich müssen Schadens- und Kostenverursacher vor allem zur Kasse gebeten werden. Dann würde Ruhe herrschen!

Der neue Mut der Bundesliga

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jahrelang haben Trainer und Spieler geklagt, jahrelang haben sie Fans und Medien (auch der Sport-Grantler) dafür gescholten, doch jetzt ist offensichtlich ein Bewusstseinwandel eingetreten: Bei den Klubs der Fußball-Bundesliga ist im Hinblick auf die Wettbewerbe auf Europas Bühne nicht mehr von einer das Abschneiden in der Liga gefährdenden Mehrbelastung die Rede, sondern davon, dass die Teilnahme an Champions League und Europa League ein Gewinn sei. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Was steckt hinter dem neuen Mut der Bundesliga?

Vielleicht ganz einfach: Irgendwann nimmt halt jeder mal Vernunft an. Vielleicht öffneten aber auch die Handballer mit ihrer stressigen und bejubelten Weltmeisterschaft ein bisschen die Augen, denn gegenüber dieser Belastung mussten die Fußball-Profis endgültig erkennen, „eigentlich haben wir ein schönes Leben“. Was die Kritiker schon immer betonten: Für ein paar Millionen darf man sich auch ein bisschen quälen. Hoffentlich ist jetzt wirklich Schluss mit dem Gejammer und die Mehrheit nimmt sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt zum Vorbild: „Wir wollen in der Europa League erfolgreich sein“, heißt es dort. Der neue Mut. Zuletzt hatten sich die Bundesligisten gerade in der Europa League eher blamiert, Im Vorjahr schieden die deutschen Teilnehmer Hoffenheim, Hertha BSC und Köln alle in der Gruppenphase aus. Seit 2009 heißt der frühere Messepokal und später UEFA-Cup Europa League und seitdem war keine deutsche Mannschaft im Finale. Der letzte deutsche Sieger war 1997 Schalke 04 als Gewinner des UEFA-Cups (es waren die noch heute gefeierten „Eurofighter“, 1996 siegte Bayern München). Also auf zu neuen Erfolgen.

Die diesjährigen deutschen Vertreter Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zeigen sich ehrgeizig und sie beweisen in der Bundesliga (derzeit vor allem das von Trainer Bosz neu erweckte Leverkusen) durchaus gute Form. Zunächst müssen sie am Donnerstag auswärts ran, Leverkusen bei FK Krasnodar, Frankfurt bei Schachtar Donezk (Rückspiele am 21. Februar). Starke, aber keine unüberwindbaren Gegner. Mit Erfolgen könnten die Klubs den Vertretern in der Champions League den Rang ablaufen, denn ob es dort einen deutschen Vertreter im Viertelfinale gibt, steht in den Sternen.

Dortmund macht am Mittwoch im deutsch-englischen Duell in London den Anfang gegen Tottenham Hotspur (lesen Sie auch den nächsten Kommentar zur CL „Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League“). Da passt es eigentlich nicht, dass der Tabellenführer in dieser Woche sieglos blieb und im Pokal gegen Werder Bremen in einem kläglichen Elfmeterschießen ausschied. Dennoch macht Torhüter Roman Bürki auf Zuversicht: „Uns sind keine Grenzen gesetzt“. Zunächst einmal könnte sie Tottenham schon aufzeigen. Beide Teams vermissen übrigens Galionsfiguren: Bei Tottenham fehlt wohl (neben Dele Alli) Torjäger Harry Kane, die Borussen müssen auf Kapitän Marco Reus verzichten, während Trainer Lucien Favre wieder fit sein wird. Tottenham gelang übrigens die Generalprobe mit einem 3:1 gegen Leicester, während Dortmund gegen Hoffenheim bekanntlich einen 3:0-Vorsprung aus der Hand gab. Kein gutes Zeichen. Kommt die erste Schwächephase genau zum falschen Zeitpunkt?

In der Champions League schauen die Beobachter außerhalb Deutschlands aber nicht auf den Vergleich in London, sondern nach Manchester. Da duelliert sich United mit Paris St. Germain. Im Mittelpunkt stehen die Trainer. Da der Norweger Ole Gunnar Solskjaer, der United nach dem Abgang von Jose Mourinho wiederbelebt hat, dort der Deutsche Thomas Tuchel, Hoffnungsträger der Scheichs aus Katar, die endlich den Henkelpott in den Händen halten wollen. Allerdings wird die Hoffnung durch eine Verletzungsmisere getrübt, neben Star Neymar fällt jetzt auch noch Torjäger Cavani aus. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt kaum sein. Da ist der Trainer doppelt gefordert.

Die deutschen Fernsehzuschauer schauen im Free-TV bekanntlich in die Röhre. Mit dem Verkauf der CL ins Pay-TV hat der Fußball den gleichen Fehler wie viele andere Sportarten gemacht, wer im Pay-TV verschwindet, büßt auch an Bedeutung und Interesse ein. Nicht schön für den übertragenden Hauptsender Sky: Obwohl es kein Spiel mehr im ZDF gibt, wie in den letzten Jahren, sind die Einschaltquoten nicht wesentlich gestiegen. Dies sollte auch den CL-Machern zu Denken geben!

Bayerns schönes Wochenende

In der Bundesliga schielen die Klubs schon wieder auf Europa – für die neue Saison. Eine Aufholjagd gestartet hat Bayer Leverkusen, das nach dem 5:1 in Mainz mit Rang sechs erstmals wieder einen Platz für Europa belegt. Ziel bleibt die Champions League, doch da wollen neben den Favoriten Dortmund und München auch Gladbach und Leipzig oben bleiben. Einen Rückschlag musste allerdings Gladbach beim 0:3 gegen Hertha hinnehmen, so waren die Bayern der große Gewinner. Ein schönes Wochenende, gekrönt mit dem 3:1 gegen Schalke und einem gnädigen Pokal-Los gegen den Zweitligisten FC Heidenheim. Wieder auf Platz zwei und den Rückstand auf Dortmund auf fünf Zähler verkürzt. Der 3:2-Erfolg im Pokal in Berlin nach Verlängerung dürfte zudem die Zuversicht gestärkt haben. Doch ein Problem bleibt: Die Bayern bekommen die Abwehr nicht mehr dicht, sind zu anfällig gegen Konter. Das könnte gegen Liverpool tödlich sein.

Die Klubs am Tabellenende haben da allerdings ganz andere Probleme. Wenn man so will, dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit dem 3:0 gegen Stuttgart für eine Vorentscheidung gesorgt. Die zwei Absteiger und die Relegation machen nach Lage der Dinge das neue Schlusslicht Nürnberg (spielte auch wie ein Absteiger), Hannover (wie ist das 2:0 gegen Nürnberg einzuordnen?), Stuttgart (peinlich in Düsseldorf) und Augsburg (peinlich beim 0:4 in Bremen) unter sich aus. Hannover zum Beispiel hat schon acht Punkte Rückstand auf Schalke auf Rang 14. Am Wochenende werden die Kellerkinder kaum Punkte erwarten dürfen, Augsburg gegen die Bayern, Stuttgart gegen Leipzig, Hannover in Hoffenheim und Nürnberg gegen Dortmund stehen alle vor hohen Hürden. Wie tröstet sich VfB-Sportchef Michael Reschke: „Es sind ja noch 13 Spiele.“ Deshalb bleibt auch der angeschlagene Trainer Markus Weinzierl weiter im Amt. Wohl auch, weil für einen Nachfolger die Aufgabe gegen Leipzig einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Angeblich steht Markus Gisdol schon auf der Warteliste. Retten wird sich am Ende der Verein, der den Abstiegskampf am besten annimmt und wo Mannschaft und Trainer an einem Strang ziehen. Einen Kandidaten Nummer 1 gibt es bei diesen Kriterien derzeit nicht!

Das Viertelfinale im DFB-Pokal: Schalke 04 – Werder Bremen, FC Augsburg – RB Leipzig, Bayern München – FC Heidenheim, SC Paderborn – Hamburger SV. Gespielt wird am 2. und 3. April.