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Tag: DFB-Pokal

Alles spricht für die Bayern als Geister-Meister

Nach wie vor bleibt der Re-Start der Fußball-Bundesliga am kommenden Samstag, 16. Mai, umstritten. Die Kritiker kommen aus allen Ecken, da melden sich Politiker zu Wort um Schlagzeilen zu fischen, da warnen Ärzte, weil mögliche Langzeitschäden der Corona-Infektionen noch gar nicht erforscht wären (wie lange muss dafür der Spielbetrieb ruhen?), da erheben Moralapostel den Zeigefinger, dass die reiche Bundesliga doch ein schlechtes Beispiel für arme Kinder sei. Über den Sport spricht keiner. Drum: Reden wir heute über den Sport (mehr über den Hintergrund lesen Sie in der anschließenden Kolumne („Ganz Europa schaut auf die Bundesliga“).

Eines ist klar: Es wird für alle ungewohnt sein, in ein leeres Stadion ohne Fans und Geräuschkulisse aufzulaufen, ohne die gewohnten Abläufe vor dem Spiel. Kein Klatschen von den Rängen, kein Abklatschen mit Mitspielern und Gegnern, keine Einlaufkinder, kein Aufstellen am Spielfeldrand. Der eine oder andere Spieler hat ein Geisterspiel schon erlebt (zum Beispiel Gladbach – Köln im März). Dennoch ist die wichtigste Frage: Wer kommt mit dieser komischen Atmosphäre zurecht, wer kann angesichts des Eindrucks eines Trainingsspiels seine beste Leistung abrufen?

Das Form-Barometer ist ebenfalls nur ein großes Fragezeichen. Der Re-Start ist wie ein Saisonstart ohne Trainingslager. Einzeltraining in Zeichen der Kontaktsperre konnte nur zum Teil die Form bewahren, das Mannschaftstraining reduziert sich auf ein paar Einheiten mitten in der einwöchigen Quarantäne, in die alle Mannschaften in dieser Woche vor dem Start geschickt wurden. Damit verbunden die Hoffnung, dass unmittelbar vor dem Auftakt kein Akteur (dazu zählen auch die Schiedsrichter und der Staff um das Team) eine Corona-Infektion aufweist. Ob die Rechnung aufgeht?

Wer also findet am Schnellsten seinen Rhythmus, wer kommt mit der ungewohnten Atmosphäre zurecht? Eigentlich spricht alles für den FC Bayern München als Geister-Meister. Der Titelverteidiger und Tabellenführer (vier Punkte Vorsprung vor Dortmund und fünf vor Leipzig) hat erfahrene Spieler und in der Gesamtheit wohl auch das Personal, das mangelnde Form oder Fitness mit Klasse und Technik überspielen kann. Das Gastspiel am Sonntag (18.00 Uhr) bei Neuling Union Berlin ist eigentlich gleich typisch. In normalen Zeiten hätte Union in der Alten Försterei auf seine Fans als Rückhalt gebaut, die Anfeuerung, welche die Spieler zu mehr Einsatz treiben kann, fällt jetzt weg. Dagegen sind die Bayern die Mannschaft, die am ehesten ohne Anfeuerung leben kann. Dies auch im eigenen Stadion und deshalb haben die Bayern hier auch einen Vorteil gegenüber Dortmund, weil die Borussia auf ihre berüchtigte „Gelbe Wand“ verzichten muss. Das ist schon ein besonderer Aspekt beim Revier-Derby am Samstag zwischen Dortmund und Schalke. Die Fans fehlen werden auch Teams wie Augsburg, Frankfurt und Schalke, dagegen werden sich wohl die Hertha (meist ein halbleeres Stadion), Leverkusen und Wolfsburg leichter tun, denn überkochende Stimmung kennen sie nicht.

Vor dem Re-Start herrscht also große Ungewissheit und Unsicherheit, es könnte Überraschungen hageln, weil der eine ohne Fans zu großer Form aufläuft, der andere dagegen überhaupt nicht in Schwung kommt. Da tönen auch wieder die Kritiker, dass Punktspiele ohne Publikum ungerecht wären und den Ausgang der Meisterschaft beeinflussen würden. Allerdings: Jeder hat die gleichen Bedingungen.

Vereine wollen den Spielbetrieb zu Fall bringen

Ob die Fußball-Saison überhaupt zu Ende gespielt werden kann, das steht in den Sternen. Sicher ist nichts, selbst in der 1. und 2. Bundesliga. Die Beispiele Köln und Dresden sind typisch: In Köln gab es noch getrenntes Gruppen-Training als drei Infizierte in Quarantäne geschickt wurde, der Rest durfte weiter trainieren. In Dresden wurde das gesamte Team zur Quarantäne verdonnert, weil es bereits Mannschaftstraining gab. Möglich aber auch, dass das Gesundheitsamt in Köln großzügiger reagierte als das in Dresden. Die ersten beiden Spiele von Dynamo fallen schon aus, noch hat der Terminplan die nötigen Lücken für Nachholspiele, doch irgendwann kann es eng werden.

Aber ist gibt noch eine Gefahr für den ganzen Fußballbetrieb. Das sind zum Teil die Klubs selbst. Es hat nämlich den Anschein, als wollten einige Vereine den Spielbetrieb zu Fall bringen. Besonders auffällig ist dies in der 3. Liga, wo die Mannschaften auf den Abstiegsplätzen und in Abstiegsgefahr für einen Abbruch plädieren und darauf vertrauen, dass es dann keinen Absteiger geben wird. Ähnlich denken die Spitzenteams, die wiederum auf einen Aufstieg ohne weitere Hindernisse spekulieren, wenn abgebrochen wird. Auffällig auch das Zusammenspiel der Gesundheitsämter in Halle und Magdeburg, die Spielverbote aussprachen. Gäbe es ein Ende der Runde wären beide Teams in der 3. Liga gerettet. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt… Nehmen wir die ersten drei Ligen zusammen, dann entscheiden 56 Gesundheitsämter über 56 Vereine und der Fußball besitzt kein Widerspruchsrecht. Das macht deutlich, dass es fast einem Wunder gleich käme, wenn die Saison im Profi-Fußball wirklich beendet werden könnte.

Vor allem in der 3. Liga wird weiter gerungen, der DFB will eine Klärung in einem außerordentlichen Verbandstag am 25. Mai. Festgelegt wurde darüber hinaus dass das Pokalfinale am 4. Juli wie gewohnt im Berliner Olympiastadion ausgetragen werden soll, natürlich ohne Zuschauer. Die Halbfinals sind für den 9. und 10. Juni vorgesehen, möglich, dass hier der Anpfiff bei Tageslicht erfolgt, weil die Polizei Bedenken bei Abendspielen äußerte. Die Frauen-Bundesliga soll übrigens am 29. Mai starten, hier stehen noch sechs Spieltage aus.

Zunächst einmal rollt der Fußball wieder ab dem 16. Mai, doch wie lange er rollt, das weiß keiner.

Die Bundesliga kann dem Sport die Fesseln lösen

Die Fußball-Bundesliga zeigt sich bereit für sogenannte „Geisterspiele“ ohne Publikum, sie hat ein schlüssiges Konzept für die Durchführung vorgelegt, aber ob und wann sie grünes Licht für die Austragung bekommt, ist weiterhin fraglich. Die Meinungen in der Öffentlichkeit, bei Experten und vor allem in der Politik, wo sich einige Abgeordnete aus der zweiten Reihe in den Vordergrund plaudern wollen, gehen weiterhin ziemlich auseinander. Für Pro und Contra gibt es natürlich Argumente, aber vielleicht drückt es ein „Neutraler“ richtig aus: Ethikrat-Mitglied Reinhard Merkel sieht für die Fußball-Bundesliga „durchaus einen Grund, diese Gruppe anders zu behandeln“ und er fordert darüber hinaus „von der Gesellschaft kreative Wege“. Ein Wort, das er so auch an die Entscheider der Politik richten kann. Denen fehlt zum Teil der Mut und wenn sie vorpreschen, wie die Ministerpräsidenten Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) und Markus Söder (Bayern) ausgerechnet via Bild, dann rudern sie bei leisester Kritik sofort wieder zurück. Entscheiden müssten die Virologen, so wird der Ball hin- und hergeschoben, ganz ohne Mundschutz und Trainingslager.

Eines ist klar, muss aber kurz wiederholt werden. Die Bundesliga genießt im deutschen Sport eine Sonderstellung, weltweit ist der Fußball die Sportart Nummer eins. Deshalb gebührt ihm durchaus eine andere Behandlung. Der Fußball kann eine Nation euphorisieren oder in Trauer stürzen, siehe den positiven Nutzen vom Sommermärchen der WM 2006. Daran sollten sich die Politiker heute erinnern. So eine Stimmungslokomotive vor die Hunde gehen lassen? Die Vereine brauchen das Fernsehgeld zum Überleben, das ist Fakt. Man kann ihnen schlechtes Wirtschaften vorwerfen, einen Wandel für die Zukunft empfehlen, aber die Gegenwart muss gemeistert werden. Da kann die Fußball-Bundesliga mit Gaststätten und Friseuren nicht in einen Topf geworfen werden, auch wenn Kritiker in Politik und Medien mosern: „Der Fußball soll sich nicht wichtiger nehmen als er ist.“ Er ist wichtiger für das Volk, als viele Kritiker es sehen!

Nur die Fußball-Bundesliga kann als Lokomotive dienen, um den Sport in Deutschland von den Fesseln zu befreien. Der Deutsche Olympische Sportbund versucht auch mit einem Brandbrief der Politik die Augen zu öffnen und betont den unschätzbaren positiven Effekt des Sports, der jetzt der Gesellschaft fehlt und den Aktiven in 90.000 Sportvereinen in Deutschland. Zaghafte Lockerungen mit einer größeren Bewegungsfreiheit in der Öffentlichkeit muss auch einhergehen mit neuen Anfängen zum Sporttreiben, natürlich unter allen Maßnahmen für die gesundheitliche Sicherheit. Die Bundesliga macht es vor.

Die Fußball-Bundesliga kann auch ein Vorreiter international sein, denn andere Nationen schauen auf Deutschland, das den Coronavirus einigermaßen im Griff hat. Die anderen Ligen schauen auf die Bundesliga, wie sie möglicherweise Geisterspiele organisiert. Die Saison abzubrechen ist eigentlich keine Lösung, siehe den Streit in den Niederlanden, wo die Saison beendet wurde, jetzt aber Klagen drohen. Egal in welchem Sport, dort wo die Ligen nicht einvernehmlich beendet werden können droht ein Streit, der auch künftige Spielzeiten beeinträchtigen könnte. Da zeigt sich dann eine Langzeitwirkung von Corona.

Die Entscheidung, ob und wann die Bundesliga eventuell wieder spielen kann, wird wohl frühestens am 4. Mai fallen, wenn die Politik erste Erkenntnisse über die Lockerungen im Geschäftsleben hat. Ein Start vor dem 16. Mai wird kaum machbar sein, zumal die Teams noch unter Wettkampfbedingungen trainieren wollen. Eher wird es also der 23. Mai, ein Ende der Saison bis zum 30. Juni also kaum möglich sein. Eine dann notwendige Saisonverlängerung sollte machbar sein, auch wenn am 30. Juni viele Spielerverträge auslaufen. Der DFB-Pokal mit Halbfinale und Finale muss schließlich auch noch untergebracht werden. Und dann gibt es noch die internationalen Wettbewerbe und da spricht die UEFA schon von Spielen im Juli und August. Corona ist ein unsichtbares Virus, sichtbar ist aber das Chaos, das es in allen Bereichen des Lebens hinterlässt.

Apropos Sommermärchen 2006: Die leidige Affäre um Millionenschiebereien rund um die WM in Deutschland nahm in der Schweiz ein seltsames Ende. Der angestrengte Prozess gegen die deutschen Funktionäre Zwanziger, Niersbach, Schmidt und Franz Beckenbauer ist am Montag geplatzt, weil die Anschuldigungen rund um den 6,7-Millionen-Transfer verjährt sind. Allerdings gibt es Nachwehen, weil sich dieser Prozess zu einem Schweizer Justizskandal ausweitete, in dem auch FIFA-Präsident Gianni Infantino zusammen mit dem Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber eine dubiose Rolle spielte. Es zeichnet sich ab, dass es im Nachhinein eine interne Untersuchung in der Schweiz über die Versäumnisse in diesem Prozess gibt. Das Virus, das der FIFA schadet heißt bekanntlich Korruption.

Ultras oder Corona – wer leert die Stadien?

Na ja, diese Erkenntnis ist nicht ganz neu, dennoch ein Hinweis darauf: Die Welt ist aus den Fugen geraten. Da passt das Coronavirus wie die Faust aufs Auge, denn dass die Welt aus den Fugen gerät, wird damit nämlich sichtbar. Das tägliche Leben hat sich geändert, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und natürlich bleibt der Sport davon nicht verschont, wobei es dafür zunächst nur geringe Anzeichen gibt mit Veranstaltungen ohne Zuschauer, aber sie werden mehr werden. In einigen Sportarten werden Veranstaltungen abgesagt, in anderen wird einfach weitergemacht, halt ohne Zuschauer. Das droht jetzt auch der Fußball-Bundesliga. Manche Fans nehmen die drohenden Geisterspiele fatalistisch: „Fußball ist ja sowieso ein Fernsehsport. Millionen sitzen vor den Fernsehern, Millionen Euro werden durch das Fernsehen verdient.“ Wo ist also das Problem? Machen wir wieder Radiokonferenz.

Blickt man auf die vergangenen Wochen und Tage zurück, dann stellt sich allerdings die Frage: Wer leert die Stadien zuerst? Die Ultras, die mit beleidigenden Äußerungen den Anstand vergessen und Spielabbrüche provozieren, oder eben Corona, wenn die Gesundheit im Vordergrund steht und Massenveranstaltungen dafür verantwortlich sein können, dass sich Viruserkrankungen verstärkt ausbreiten. Corona wird die Ultras schlagen, die dann nicht einmal mehr ihre Proteste anbringen können. Der Fußball kann also testen, wie es sich ohne Zuschauer und ohne Stimmung spielt.

Die Frage ist, ob die strengen Maßnahmen der Ministerien und Ämter nicht zu weit greifen und nur die Panik schüren. Da tätigen Menschen Hamsterkäufe, gleichzeitig aber fahren sie dichtgedrängt in der U-Bahn, am Wochenende auch in die Fußballstadien und standen dicht an dicht. Unten auf dem Feld kam es auch zum Körperkontakt, aber nicht vor dem Match. Die Spieler nahmen die Einlaufkinder nicht an die Hand, sondern legten ihnen die Hand auf die Schulter, statt Händeschütteln zur Begrüßung des Gegners gab es einen Ellenbogenkontakt. Abgeklatscht und umarmt wurden nur die eigenen Mitspieler.

Die Bundesliga wird spielen

Die Bundesliga lässt sich vom Coronavirus nicht stoppen, das hat DFL-Geschäftsführer Chrisian Seifert deutlich gemacht. Seinen Worten nach muss die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer an den internationalen Wettbewerben zu ermitteln. Vielleicht wird am Ende auch der Deutsche Meister unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Fans feiern. Alles ist möglich.

So hat der Sport vielleicht auch wieder einmal die Aufgabe, von den großen Problemen der Welt ein wenig abzulenken. Wer also wird Deutscher Meister? Bayern München jedenfalls lässt nicht locker, mit Erleichterung wurde der 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg registriert, ein Gegner, der oft Probleme bereitete und auch jetzt wieder unangenehm war. Aber auch ohne Torjäger Lewandowski bleiben die Bayern auf Kurs mit zuletzt sieben Siegen und dem 0:0 gegen Leipzig. Dortmund drängte sich wieder in die erste Verfolgerrolle mit dem 2:1 im Duell in Gladbach. Positiv wird bei der Borussia registriert, dass mit Haaland und Can genau die richtigen Typen geholt wurden, die der Mannschaft neben Haalands Toren vor allem das Kämpfergen inplantierten. Sprich: Auch schwächere Spiele werden gewonnen, wie es eben Bayern oft vormacht.

Anders sieht es in Leipzig aus, wo zwei Unentschieden die Stimmung trübten. Nicht mehr nach dem Titel schielen, sondern die Teilnahme an der Champions League sichern, sieht Trainer Julian Nagelsmann jetzt als Aufgabe. Das gilt auch in Gladbach und Leverkusen, das sich als Mannschaft der Stunde bezeichnen kann. Da haben inzwischen Schalke, Wolfsburg und Hoffenheim den Anschluss verloren. Dazwischen liegt noch Freiburg mit 36 Zählern, aber dort sieht man einiges anders. Trainer Christian Streich atmet tief durch: „Mit dem Abstieg haben wir nichts mehr zu tun.“ Fast sensationell: Auch Köln sieht es so und schielt mit 32 Punkten und sechs Siegen in den letzten acht Spielen nicht mehr nach unten, sondern eher nach oben. Na ja, in Köln schwenkt die Stimmung immer schneller um als an anderen Orten.

Im Abstiegskampf selbst treten die Klubs quasi auf der Stelle, ein Glück für Vereine wie Augsburg, Hertha und Frankfurt, die zuletzt zu wenig gepunktet haben und immer auf den Abstand nach unten schauen. Paderborn kann das Schlusslicht nicht abgeben, Bremen schafft die Wende nicht und Düsseldorf kommt auch nicht voran. Gegen Mainz wurde schon die zweite Chance zum Punktesammeln gegen Konkurrenten im Abstiegskampf verpasst, mit Unentschieden kommt man nicht weiter. Nächste Chance Freitag gegen Paderborn.

Geisterspiele international

Eines ist wohl sicher: Geisterspiele werden kommen. „Getestet“ haben am Sonntag Juventus Turin und Inter Mailand, auf dem Spielfeld war es eigentlich wie immer. Erste Erkenntnisse kann Dortmund am Mittwoch in Paris sammeln, dort wurde entschieden, die Zuschauer auszuschließen. Die Champions League geht in dieser Woche weiter und es wird einige Geisterspiele geben, u. a. Valencia – Bergamo. Mal sehen, ob die deutschen Klubs auch ohne Fans ihren Siegeszug fortsetzen können. Dortmund lebt von einem 2:1 im Hinspiel und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft von Thomas Tuchel. Paris konnte sich ausruhen, das Spiel in Straßburg wurde abgesagt. Leipzig muss einen 1:0-Vorsprung gegen Tottenham verteidigen, diesmal würde ein Unentschieden nicht für lange Gesichter sorgen. Die Bayern haben noch Ruhe, treffen erst nächsten Mittwoch, 18. März, auf Chelsea London.

In der Europa League steht jetzt auch das Achtelfinale an, Frankfurt gegen Basel, Wolfsburg gegen Donezk und Leverkusen bei den Glasgow Rangers sollten nicht chancenlos sein. Im Sport stehen die Zeichen gut für die Bundesliga, in Sachen Corona nicht so gut.

Ob es im DFB-Pokal auch Geisterspiele gehen wird? Optimisten hoffen, dass sich die Epidemie bis zum 21./22. April abgeschwächt hat. In Saarbrücken wird allein die Begeisterung auch Corona besiegen, so eben wie Köln und jetzt Düsseldorf. Nun trifft der Viertligist auf Bayer Leverkusen, außerdem erwarten die Bayern den alten Pokal-Kontrahenten Eintracht Frankfurt.

Der Fußball hat auch noch andere Sorgen, Frag nach in Nürnberg, dort haben einer oder mehrere Unbekannte 50 Flyer mit fast schon unverhohlenen Morddrohungen gegen Nürnberger Spieler aufgehängt. Diese Auswüchse sind schlimm und zeigen, dass die Welt wirklich aus den Fugen geraten ist, leider auch der Fußball und deren Anhänger. Geisterspiele passen also zu geistesgestörten Anhängern.

Ultras werden zu Gegnern des Fußballs

Das Frühjahr ist eigentlich die hohe Zeit des Profi-Fußballs, weil in allen Ligen die Entscheidungen anstehen. In diesem Jahr fällt allerdings ein Schatten auf die Highlights, weil Hass und Hetze sich in den Stadien breitgemacht haben. Ausgerechnet Anhänger von Meister München sorgten in Sinsheim beim Spiel der TSG Hoffenheim gegen die Bayern für einen Tiefpunkt im Fußball, am Ende gab es allerdings auch einen Befreiungsschlag der Spieler, die mit einem Nichtangriffspakt die Begegnung beendeten und den Ultras auf den Rängen mit ihren Hass-Plakaten gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp zeigten: Ohne uns, die Grenze ist überschritten. Übrigens: Bei einem Abbruch wäre das 6:0 der Bayern in eine Niederlage umgewandelt worden.

Schon lange wurde das Verhalten von Fans in allen Vereinen, die sich in den Gruppierungen der Ultras zusammengeschlossen haben, kritisiert und mit Sorge beobachtet. Das (unerlaubte) Abbrennen der Pyrotechnik ist für die Ultras so etwas wie ein Machtbeweis. Der Hoffenheimer Milliardär Dietmar Hopp, der als Mäzen die TSG bis in die Bundesliga hievte und sich damit auch einen Lebenstraum erfüllte, wurde als personifizierter Vertreter des Kommerz zur Hassfigur, immer wieder wurde sein Konterfei vor allem von Dortmunds Ultras ins Fadenkreuz genommen. Angebote zu Gesprächen brachten keine Ergebnisse und Fortschritte. Weil es weiterhin zu Hassplakaten kam, urteilte das DFB-Sportgericht, dass Dortmunds Fans als Wiederholungstäter für zwei Spiele in Hoffenheim ausgeschlossen werden. Dies brachte für die verbohrten Ultras das Fass zum Überlaufen. Sie haben ihre eigenen Regeln, halten sich nicht an Bestimmungen und akzeptieren deshalb keine Kollektivstrafe.

Bei den Bundesligaspielen am Wochenende kam es zu gemeinschaftlichen Aktionen. Die Fangruppen hatten sich zusammengeschlossen, in verschiedenen Stadien Hassplakate gegen den Verband und Hopp gezeigt und so Spielabbrüche provoziert. Für Bayern-Boss Rummenigge ist das Ende der Fahnenstange erreicht, Bayern-Fans waren sich hinterher keiner Schuld bewusst, so dass es jetzt absehbar ist: Die Ultras werden zu Gegnern der Vereine. Die Ultras bezeichnen es als absurd, wenn Spiele abgebrochen würden, absurd ist aber, dass sie dem eigenen Verein schaden. Bisher mussten hohe Bußgelder bezahlt werden, künftig könnte es auch Punkte kosten.

Es geht nicht anders: Die Bundesliga muss die Ultras in den Kurven in die Schranken weisen. Zunächst gilt es strafrechtlich gegen die Urheber der Hassplakate und –parolen vorzugehen. Eine Sache der Polizei, die in Mannheim bereits eine Sonderkommission eingerichtet hat. Alle Vereine müssen sich aber einig sein, dass sie bisher gewährte Vergünstigungen für die Ultras streichen müssen, mehr noch, sie müssen hart vorgehen und Täter mit einem lebenslangen Stadionverbot ausschließen. Wenn jetzt nicht ernsthaft Hass und Hetze (auch gegen farbige Spieler) gestoppt wird, wird der Fußball nie zur Ruhe kommen. Er wird an Stimmung in den Stadien verlieren, aber er muss wieder Recht und Ordnung gewinnen. Die Ultras sehen die Stadien dagegen für sich als rechtsfreien Raum an. Das geht nicht!

Manche Fans sehen sich sowieso als die einzigen wirklichen Vertreter der Vereine, zum Beispiel dann, wenn sie Spieler zur Rechenschaft ziehen, wenn diese nicht die gewünschten Leistungen bringen. Wieder geschehen beim Hamburger SV, wo die Spieler sich erdreisteten in Aue 0:3 zu verlieren und somit der Aufstieg in Gefahr gerät. So geschehen bei Schalke 04, als Torhüter Alexander Nübel nach einem Fehler zum Buhmann gemacht wurde. Die Anfeindungen nach seinem verkündeten Wechsel nach der Saison zu den Bayern haben ihm die Nerven und damit die Form geraubt. Eine gewisse Sorte von Fans kennt keine Gnade. Immer gilt: In der Masse sind sie stark, die Menschlichkeit geht verloren.

Zum Sport: Bundesliga und Pokal
Hass und Hetze drängten den Sport leider in den Hintergrund. Fast erstaunlich, Fußball gespielt wurde auch und es war hochinteressant. So wurde die Frage, wie die Bayern ohne Torjäger Robert Lewandowski, der mit einer Knieverletzung vier Wochen ausfällt, zurechtkommen würden geradezu spektakulär in Hoffenheim beantwortet: Nach 15 Minuten stand es 3:0 für die Bayern, ein neuer Bundesliga-Rekord, noch nie führte eine Auswärtsmannschaft so schnell 3:0. Wer Lewandowski ersetzen soll, beantwortete Trainer Hansi Flick mit Nachwuchsmann Joshua Zirkzee, der schon als Joker entscheidende Tore erzielt hatte und jetzt wieder traf. Zum sportlichen Glück kam hinzu, dass Leipzig im Duell der Verfolger gegen Leverkusen nur ein Remis erreichte. Und am Wochenende können die Bayern wieder auf ein Verfolger-Duell schauen: Gladbach gegen Dortmund.

Bemerkenswertes außerdem: Hertha holte in Düsseldorf einen 0:3-Rückstand zur Pause auf und glich noch zum 3:3 aus. Entscheidender Mann in der Kabine soll der Jürgen Klinsmann kritisierte Torhüter Thomas Kraft gewesen sein, der seine Mitspieler aufrüttelte. Andere Spieler haben angeblich an der Taktiktafel das Spiel für die zweite Hälfe verändert. Von Trainer Alexander Nouri hörte man nichts. Die Mannschaft regelt in der Nach-Klinsmann-Zeit wohl alles selbst.

Auf Europas Bühnen wird in dieser Woche pausiert (es gibt nur die Auslosung für die Nations League), dafür tritt der DFB-Pokal in den Vordergrund. Eine englische Woche haben dabei die Bayern, Leverkusen und Frankfurt und alle drei wollen auch diesmal auf der Erfolgswelle bleiben. Die vor Selbstbewusstsein strotzenden Münchner treffen auf ein verunsichertes Schalke 04, Leverkusen auf das immer für Überraschungen gute Union Berlin und die Eintracht misst sich mit Werder Bremen, das nach einem Erfolgserlebnis lechzt. Das für Sonntag vorgesehene Bundesliga-Duell wurde bekanntlich verlegt, weil Frankfurt nach einer Sturm-Absage erst am Freitag in Salzburg spielen konnte. Im vierten Duell will Regionalligist 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf weiter den Hecht im Karpfenteich spielen. Spektakuläre Szenarien für die Zukunft: Union statt Hertha Berliner Klub im Finale im Olympiastadion oder mit Saarbrücken ein Regionalligist oder mit Düsseldorf ein Bundesliga-Absteiger… Alles ist möglich, die Auslosung am Sonntag in der ARD-Sportschau.

Sensationell: In der Champions League und Europa League blieben die Bundesliga-Vertreter im neuen Jahr ungeschlagen. Die Bayern setzten die deutsche Erfolgsserie mit dem starken 3:0 bei Chelsea London fort, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg kamen eine Runde weiter und könnten in dieser Form auch das Achtelfinale der EL überstehen. Frankfurt trifft auf den FC Basel, Wolfsburg auf Donezk und Leverkusen muss bei den Glasgow Rangers antreten. Keine leichten, aber machbare Lose.

Noch eine kleine internationale Anmerkung: Jürgen Klopp musste in einer Woche gleich zweimal mit einer Niederlage leben, beim FC Liverpool zuletzt vollkommen ungewohnt. In der Champions League lässt das 0:1 bei Atletico Madrid noch alle Möglichkeiten für das Rückspiel, in der Premier League bedeute das 0:3 beim Abstiegskandidaten FC Watford das Ende einer unglaublichen Erfolgsserie von 44 Spielen ohne Niederlage. Die letzten 18 Spiele hatten die Reds alle gewonnen und damit die Rekordserie von Manchester City eingestellt. Ein neuen Rekord gab es für Jürgen Klopp also nicht, doch den Titel wird er kaum verspielen, bei immer noch 22 Punkten Vorsprung und nur noch zehn Spieltagen.

Will denn keiner Meister werden?

Bemüht man die Statistik, dann ist die Meisterfrage in der Fußball-Bundesliga eigentlich entschieden: 24mal führte Bayern München nach dem 21. Spieltag die Tabelle an und wurde danach 20mal Meister! Die Chancen für die Verfolger sind also gering. Allerdings taucht nach dem vergangenen Wochenende eher die Frage auf: Will denn keiner Meister werden? Eine Punkteteilung im Spitzenspiel zwischen den Bayern und Leipzig, eine Niederlage von Verfolger Dortmund in Leverkusen und na ja, Gladbach als Vierter durfte dem Treiben an der Spitze zuschauen und hat jetzt nach der Absage des Spiels gegen Köln eine Nachholpartie in der Hinterhand. Den Schwung von Orkan Sabine, der an der Absage schuld war, wünscht man auch den Meister-Anwärtern. Sie alle haben aber ihre Probleme.

Die Münchner sollten sich auf die Statistik auch nicht verlassen, die Bayern von heute haben in keinster Weise die Klasse und das fast schon überbordende Selbstvertrauen ihrer Vorgänger. Zwar hat sich unter Trainer Hansi Flick vieles verbessert, aber zuletzt traten ungewohnte Schwierigkeiten auf. Früher hätten die Bayern eine Vorlage wie die Niederlage von Dortmund genutzt und Verfolger Leipzig geschlagen nach Hause geschickt – eine Vorentscheidung wäre gefallen. Heute fehlt dieses „mia san mia“ und seltsam, dass die Bayern nur selten über 90 Minuten ihre Klasse zeigen, zuletzt immer wieder in der zweiten Halbzeit schwächeln. Da gehen keine Signale an die Verfolger aus wie „ihr braucht euch keine Hoffnungen machen“, sondern sie machen den Verfolgern eher Hoffnung, weil die sehen, auch den Bayern gelingt nicht alles. Auch Thomas Müller rätselt: „Wir hatten in der 2. Halbzeit nicht mehr den absoluten Siegeswillen.“

Gegenüber den Kollegen hat Hansi Flick aber einen Vorteil, die verletzten Spieler kehren Stück für Stück zurück. Die Langzeitverletzten Hernandez und Coman durften ihr Kurz-Comeback feiern, allerdings hat Flick eigentlich seine Wunschformation gefunden, Änderungen geht er nur zögerlich an. Wohl auch deshalb, wenn er sieht, wie die große Hoffnung Coutinho eher zur Belastung wird. Der Zauberer hat seinen Zauber verloren, von ihm gehen keine Impulse aus. Da werden die Bayern keine 100 Millionen auf den Tisch legen, da wären schon 10 Millionen wie für den kanadischen Jungspund Davies zu viel. Der beeindruckt derzeit am meisten, zeigt den Schwung, den die ganze Mannschaft benötigt, bügelt Fehler sofort wieder aus und hilft mit seiner Schnelligkeit einer wackligen Abwehr. Da kann Coutinho nur staunen.

Im Gegensatz zu Flick hat Kollege Lucien Favre in Dortmund mehr Sorgen. Erst das Pokal-Aus in Bremen, jetzt das 3:4 in Leverkusen, das Ziel, etwas Silbernes am Ende der Saison in den Händen zu halten, gerät immer mehr aus dem Blickfeld. Jetzt gesellen sich Verletzungen hinzu, Marco Reus und Julian Brandt waren zuletzt so etwas wie das Herz der Mannschaft, fehlen aber wohl beide einige Wochen. Ein Rückschlag, zumal auch die Champions League wieder startet. Am Freitag kommt erst einmal Frankfurt, am Dienstag aber Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Wieder einmal geht es um Weichenstellung.

Mit Niederlagen musste zuletzt auch Julian Nagelsmann in Leipzig leben, auch die Bullen wurden von Frankfurt aus dem Pokal geworden, da war das 0:0 in München fast schon Balsam auf die Wunden. Da kann Nagelsmann leicht aufatmen „es geht wieder aufwärts“. Seltsam aber, dass die Torjäger alle diesmal Ladehemmung hatten, Werner zielte am leeren Tor vorbei, Lewandowski konnte sich nicht durchsetzen und Wunderknabe Erling Haaland kam für Dortmund zu spät. Der Fußball sorgt immer wieder dafür, dass hochfliegende Stars wieder auf dem Boden der Tatsachen landen.

Verletzungssorgen werden in den entscheidenden Spielen im Frühjahr erfahrungsgemäß wieder eine große Rolle spielen. Die Vereine können jammern oder dem Pech so begegnen wie Leverkusen: Mit Mut, Einsatzwillen und Selbstvertrauen. Das 4:3 gegen Dortmund in einem tollen Spiel könnte ein Signal sein, auch im Vorjahr rollte Bayer das Feld von hinten auf, schoss sich noch in die Champions League. Da sollten die Klubs davor nicht nur auf die Meisterschaft schauen.

Keine Bewegung oben, viel Bewegung unten. Die Underdogs sind obenauf, Paderborn, Düsseldorf, Union Berlin und Mainz punkteten allesamt und brachten Werder Bremen wieder in die Bredouille, sprich auf einen Abstiegsplatz. Ehrenvoll, aber wirklich sinnvoll? Die Bremer halten an Trainer Florian Kohlfeldt auch nach dem 0:2 gegen Union eisern fest. Man möchte ihnen wünschen, dass sie auch belohnt werden, auch wenn man andererseits keinem anderen wünscht, dass er absteigt. Der Kampf wird aber härter, Rückschlag für Hertha, wo Trainer Jürgen Klinsmann zu einem ungewöhnlichen psychologischen Mittel greift, nämlich zwei Tage frei „um die Köpfe frei zu bekommen“. Rückschlag auch für den FC Augsburg, wieder einmal eine peinlich hohe Niederlage, diesmal 0:5 in Frankfurt. Trainer Martin Schmidt hat ein Torhüter-Problem, sein Favorit Tomas Koubek verunsichert das Team immer wieder mit Fehlern, die Nummer zwei, Andreas Luthe, genießt nicht das Vertrauen des Coaches. Wer aber kann Rückhalt im Abstiegskampf sein?

Der Pokal und die eigenen Gesetze

Ein Ausspruch für das Phrasenschwein, aber im Achtelfinale bestätigte sich wieder einmal, dass der Pokal seine eigene Gesetze hat, nämlich, dass es keine Schonfrist für die Favoriten gibt. Die Prominenz musste sich reihenweise verabschieden und sogar die Bayern wackelten beim glücklichen 4:3 gegen Hoffenheim. Leipzig scheiterte aber in Frankfurt, Dortmund beim Abstiegskandidaten Bremen, der aber seltsamerweise diesen Schwung nicht mit ins Treffen gegen Union Berlin nehmen konnte. Mit dem 1. FC Saarbrücken (5:3 im Elfmeterschießen gegen Karlsruhe) zog sogar ein Regionalligist ins Viertelfinale ein. Nach der Auslosung steht Fortuna Düsseldorf auf der „Abschussliste“. Saarbrücken hat derzeit kein eigenes Stadion und sorgt dennoch für Furore. Am 3. oder 4. März heißt das Schlagerspiel Schalke 04 gegen Bayern München, Bayer Leverkusen erwartet Union Berlin und mit Frankfurt und Bremen treffen die beiden Favoriten-Killer aufeinander. Es sieht danach aus, als sollte die Eintracht ihrem Ruf als Pokal-Mannschaft wieder gerecht werden.

Ein „Pokal-Schmankerl“ der besonderen Art lieferte der FC Liverpool. Weil Jürgen Klopp mit einer B-Elf im FA-Cup beim Drittligisten Shrewsbury Town nur unentschieden spielte, gab es ein Wiederholungsspiel, das ausgerechnet in die Liverpooler Winterpause der Premier League angesetzt wurde. Klopp weigerte sich, seinen Stars den versprochenen Urlaub zu streichen und so trat zum Wiederholungsspiel quasi ein Junioren-Team an. 19 Jahre und 102 Tage betrug das Durchschnittsalter der Mannschaft, betreut von Reserve-Coach Neil Critshley. Ein Eigentor des Gegners brachte den Junioren sensationell einen 1:0-Sieg. Klopp saß auf dem Sofa zu Hause und hatte ein Geschenk: Im Achtelfinale gegen den FC Chelsea (Bayerns Gegner in der Champions League) dürfen ein oder zwei dieser Pokal-Helden bei den Profis mitwirken. Wohl eine Art Glücksbringer.

Ein Erziehungsauftrag für die Fußball-Stars

Es gibt ja den Ausspruch „mancher lernt es nie“. Für die Fußball-Stars sollte dies nicht gelten, denn sie müssen jetzt gutes Benehmen lernen, müssen lernen, ihre Emotionen nicht zu wild auszuleben. Dies gilt natürlich nicht für die Bundesliga allein, aber da stehen die Stars besonders im Blickpunkt und müssen auch ihrer Vorbildfunktion für die Amateure und Jugendkicker gerecht werden. Diesem Aspekt wurde in der Vergangenheit nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Jetzt aber ist Schluss mit lustig bzw. Schluss mit Reklamieren und Rudelbildung. Den Erziehungsauftrag für die Fußball-Stars haben die Schiedsrichter, aber die Vereinsmanager und –trainer sind ebenso gefragt, wie der 20. Spieltag zeigte.

Sportlich steht natürlich der Kampf um die Meisterschaft im Mittelpunkt, doch ebenso heiß wurde die Gelb-Rote Karte für Gladbachs Torjäger Plea diskutiert. Der Franzose beschwerte sich beim Spiel in Leipzig gestenreich und überzogen bei Schiedsrichter Tobias Stieler, dass dieser ein angebliches Foul nicht ahndete. Eine Gelbe Karte war die Folge und als Plea diese mit einer weiteren abwertenden Geste nach dem Motto „Du kannst es ja nicht“ quittierte, war Gelb-Rot die logische Folge. Stieler urteilte regelgerecht und vor allem auch auf Anweisung des DFB, bei Reklamieren strenger durchzugreifen. Vereine und Spieler wurden darüber informiert und FIFA-Schiedsrichter Stieler kam auch gerade von einem Lehrgang der UEFA, wo genau dieses doppelte Abwinken diskutiert wurde und Gelb-Rot als zwingend angesehen wird. Seltsam, dass die Spieler die Gelbe Karte als Warnung nicht akzeptieren. Es darf keine Entschuldigung sein, dass angeblich das erhöhte Adrenalin während eines Spiels das Gehirn ausschaltet und Respekt nicht mehr gefragt ist. Also ist jetzt der Erziehungsauftrag in vollem Gange. Sind die Referees konsequent, wird es Gelb und Rot hageln.

Allerdings ist die angekündigte strengere Regelauslegung nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei Funktionären, Trainern und teilweise Journalisten noch nicht angekommen, die Gelb-Rot als überzogen ansahen. Die Gladbacher wollten von einem Erziehungsauftrag nichts wissen, wetterten gegen Stieler und äußerten sich abfällig. Sie sollten eher auf den Spieler sauer sein, der beitrug, dass Gladbach nach einem 2:0-Vorsprung, dann beim Stand von 2:1 mit dem Platzverweis, beim 2:2 schließlich noch zwei Punkte verlor. Und der Erziehungsauftrag darf da nicht enden, es ist auch respektlos gegenüber Trainern und Mitspielern, wenn Spieler bei einer Auswechslung den Trainer ignorieren und nicht abklatschen (Kunde in Mainz) oder für jeden sichtbar verärgert reagieren und Trinkflaschen oder andere Gegenstände im Frust wegkicken oder wegwerfen (Hakimi und Reus in Dortmund, Petersen in Freiburg). Wird dem Mitspieler ein Einsatz nicht gegönnt? Respekt gegen Kameraden und Trainern sieht anders aus. Und der Vorbildfunktion für die Jugendlichen werden sie auch nicht gerecht. Hier gibt es einen Erziehungsauftrag für die Vereine. An dieser Stelle wurde zuletzt vermehrt darauf hingewiesen.

Ein „Endspiel“ in München

Mal sehen, ob wir künftig mehr Respekt sehen, zum Beispiel beim Top-Spiel am Sonntag (18.00 Uhr) zwischen dem Ersten und Zweiten. Der Erste, das war bis Samstag Leipzig, jetzt ist es wieder der Titelverteidiger und alle in München sind glücklich. Bayern ist am Ziel! „Für uns zählt nur Platz eins, den wollen wir spätestens im Duell mit Leipzig erreichen“, hatte Thomas Müller vorher schon deutlich gemacht. Die Leipziger schwächelten, kommen jetzt als Zweite und sind dennoch stolz. Das Hinspiel endete 1:1 mit Vorteilen bei den Bayern. Jetzt ist es eine Art „Endspiel“, es wird vor allem zeigen, wohin der Weg der Leipziger geht, die nach einem 3:1 gegen Union Berlin, dem 0:2 in Frankfurt und 2:2 gegen Gladbach relativ schlecht ins neue Jahr gestartet sind. Ganz im Gegensatz zu den Bayern, die „ins Rollen“ gekommen sind, wie selbst sagen. Sechs Siege zuletzt, drei 2020 bei 12:1 Toren. Aber Achtung: Leipzig ist mit den Bayern zusammen das stärkste Auswärtsteam (20 Punkte), die Bayern dagegen erlebtem zu Hause schon zwei Niederlagen.

Also ein „Endspiel“ unter den „großen Vier“ zu denen noch Dortmund und Gladbach gehören. Vor allem Dortmund sorgt mit Torjäger Erling Haaland für Schlagzeilen, der 19-Jährige Norweger ist der erste Spieler mit sieben Toren in seinen ersten drei Partien in der Bundesliga! Das Quartett hat sich ein bisschen abgesetzt, deshalb ein Blick auf die weiteren direkten Duelle: Gladbach – Dortmund am 7. März, Dortmund – Bayern am 4. April, Bayern – Gladbach am 25. April und Leipzig – Dortmund am vorletzten Spieltag am 9. Mai. Dann vielleicht sogar ein echtes Endspiel? Die Bayern möchten es verhindern.

Im Abstiegskampf ist der 1. FC Köln mit fünf Siegen in den letzten sechs Spielen die Mannschaft der Stunde. Da hat sich also der Trainerwechsel gelohnt. Kein Wunder, dass sich die Fortunen in Düsseldorf den rheinischen Rivalen als Vorbild genommen haben und sogar Kult-Trainer Friedhelm Funkel „geopfert“ haben. Der 66-Jährige beendet damit seine Karriere mit einer Enttäuschung. Der Verein hat Sympathien verloren, viele wünschen der Fortuna jetzt den Abstieg… Den soll der neue Trainer Uwe Rösler verhindern, mit dem 1:1 gegen Frankfurt gab es ein erstes Lebenszeichen. Ob am Samstag in Wolfsburg die Wende gelingt?

Überraschend in der Bredouille auch Werder Bremen. In Augsburg stand ein „Sechs-Punkte-Spiel“ an, Werder führte 1:0, verkürzte also den Abstand, am Ende aber stand es 2:1 und der FCA vergrößerte den Vorsprung zum Relegationsrang auf neun Zähler, was die Wichtigkeit dieser Begegnung aussagt. Werder verlor bereits 19 Punkte nach einer Führung! Augsburg wiederum hat zu den Europa jetzt einen geringeren Abstand (acht) als zu den Abstiegsplätzen. Da passt die nächste Aufgabe beim Tabellennachbarn Frankfurt. Gegen die Eintracht gewinnt der FCA gern!

Der Pokal ohne Fieber

Bei dieser Konstellation oben und unten in der Bundesliga wird der DFB-Pokal in dieser Woche fast zu einem Zwischenspiel. Das Pokal-Fieber gibt es höchstens bei den Regionalligisten in Saarbrücken und Verl. Der SC hat Augsburg und Kiel ausgeschaltet und hofft nun auf Coup drei gegen Union Berlin. Ansonsten also ein Pokal ohne Fieber, aber mit interessanten Spielen, wobei die Underdogs der Bundesliga halt auf eine Überraschung im Pokal hoffen. Die Spitzenklubs wiederum müssen sich neben dem Kampf um die Meisterschaft auch auf das Zusatzgeschäft konzentrieren. Titelverteidiger Bayern München hat dabei die TSG Hoffenheim zu Gast und schlechte Erinnerungen, in der Bundesliga gab es da nämlich mit 1:2 eine der zwei Heimniederlagen. Kein Wunder, dass man in München bescheiden bleibt („wir sind gewarnt“), andererseits aber vom Spiel gegen Leipzig noch nichts wissen will.

Die Paarungen: Frankfurt – Leipzig, Kaiserslautern – Düsseldorf, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Verl – Union Berlin, Bayern – Hoffenheim, Saarbrücken – Karlsruhe. Das Viertelfinale wird am 4. und 5. April gespielt.

Niko Kovac hat die Mannschaft verloren

Der 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga wäre ja auch ohne spektakuläre Trainer-Entlassung in München ein Spieltag für die Geschichte gewesen, aber das Aus von Niko Kovac bei den Bayern stellte selbst das 8:0 von Leipzig gegen Mainz in den Schatten. Die Trennung vom Coach war aber beim Titelverteidiger die einzige logische Reaktion auf das 1:5 in Frankfurt, zumal es vorher schon beim glücklichen 2:1-Sieg im Pokal in Bochum nur Rumpelfußball gegeben hatte. Die Bosse mussten erkennen, dass die Spieler nicht mehr wollen und dann muss halt der Trainer gehen. Niko Kovac hatte die Mannschaft verloren. Das 1:5 war ein Schlag ins Gesicht für alle und kann auch mit dem frühen Platzverweis von Jerome Boateng nicht erklärt werden. Kovac machte nicht nur in diesem Spiel beim Coachen Fehler, er eckte an mit in seinen Äußerungen über Spieler (Müller), er wirkte wie ein Fremdkörper.

Der Kroate hatte es von Anfang an schwer in München, weil er kein Wunschkandidat der gesamten Spitze war, sondern der Schützling von Präsident Uli Hoeneß, vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge nur gelitten. Das machte Rummenigge öfters deutlich. Kovac hatte durch solide Arbeit in Frankfurt auf sich aufmerksam gemacht und beste Werbung für ihn war ausgerechnet der Sieg im Pokalfinale 2018 gegen die Bayern. Dabei übersahen die Bosse, allen voran eben Uli Hoeneß, dass Kovac zwar mit einer mittelmäßigen Mannschaft gute Ergebnisse erzielen kann, dass er aber kein Mann für eine Spitzenmannschaft ist, vor allem keiner, der die Spieler weiterentwickelt. In der letzten Saison führten ihn eher die Spieler aus der Krise, als dass besondere Maßnahmen des Trainers zum Gewinn des Doubles geführt hätten. Die Bosse hatten wohl moralische Zweifel, sich von einem Double-Sieger zu trennen. Jetzt gab es keine Zweifel mehr, die Notbremse musste gezogen werden. Die Spieler folgten dem Trainer nicht mehr, sie meuterten und beschwerten sich. So wird man nicht Meister. Allerdings muss auch die Arbeit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic hinterfragt werden, auch er ein Schützling vom Präsidenten.

Uli Hoeneß muss zum Abschluss seiner großen Karriere beim FC Bayern, die ja am 15. November bei der Hauptversammlung enden soll, noch eine herbe Niederlage einstecken. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Zeichen auf Änderung stehen, dazu passt eben auch ein neuer Trainer. Die Gerüchteküche dampft natürlich gewaltig, alles ist möglich, doch vorerst wird Co-Trainer Hansi Flick die Verantwortung übernehmen (Kovac-Bruder Robert musste natürlich ebenfalls gehen). Er folgte auf Peter Herrmann, dem Heynckes-Helfer, als dieser den Verein verließ. Angeblich kam Flick im Einvernehmen mit Kovac, aber die Bosse hatten diese Ersatzlösung, wie sie jetzt Wirklichkeit wird, wohl schon im Hinterkopf. Flick hat sich einen Namen gemacht, sowohl als Co-Trainer von Bundestrainer Joachim Löw, gekrönt vom Weltmeister-Titel 2014, an dessen Gewinn Flick keinen geringen Anteil hatte, danach als Sportdirektor beim DFB. „Vorerst“ wird Flick Chef-Trainer sein, das kann bis zur Länderspielpause gehen oder bis zur Winterpause oder vielleicht sogar noch länger. Angeblich genießt Flick das Vertrauen der Spieler und damit ist es ganz einfach: Mannschaft und Trainer müssen liefern.

Die Liste der möglichen Kovac bzw. Flick-Nachfolger ist lang und könnte beliebig erweitert werden. Ein kleiner Überblick: Heiß: Erik ten Hag, mit Ajax Amsterdam erfolgreich, macht Talente zu Weltstars, arbeitete mit Pep Guardiola in München, damals bei den Bayern II, könnte die Pep-Schule zurückbringen. Würde gern bei den Bayern arbeiten. Xabi Alonso, der einstige Stratege im Mittelfeld dachte immer schon wie ein Trainer, lernt derzeit bei der 2. Mannschaft von San Sebastian, der Spanier wäre ein Experiment. Ralf Rangnick, im Red-Bull-Konzern jetzt für die weltweite Entwicklung zuständig, wurde von den Medien ins Gespräch gebracht, stößt im Verein aber auf Skepsis. Der Italiener Massimilian Allegri, mit Juventus Turin erfolgreich, wäre frei, spricht aber kein deutsch. Dies tut der Franzose Arsene Wenger, früher Wunschkandidat bei den Bayern, am Ende bei Arsenal London aber nicht mehr erfolgreich und mit 70 eigentlich zu alt. Auch Thomas Tuchel ist im Gespräch, aber auch da gibt es Zweifel und vielleicht will er gar nicht, weil er bei Paris St. Germain noch mehr Entwicklungspotential sieht. Es darf also spekuliert werden.

Wichtige Aufgaben für Hansi Flick

Unabhängig vom Trainer stehen für die Bayern wichtige Aufgaben an, Hansi Flick kann sich also bewähren. Am Mittwoch geht es in der Champions League gegen Piräus darum, Platz eins und das Weiterkommen zu sichern, am Samstag steht das Schlagerspiel gegen Borussia Dortmund an. Der Gegner steht ja vor ähnlichen Problemen, Trainer Lucien Favre wird auch laufend hinterfragt, doch das 3:0 gegen Wolfsburg war eine Art Befreiungsschlag, nur sollte es am Mittwoch gegen Inter Mailand in der CL keinen Rückschlag geben. Am Samstag geht es aber darum, welcher der beiden selbsternannten Titelkandidaten vorerst im Rennen bleibt.

Ganz oben thront ziemlich überraschend Borussia Mönchengladbach und das seit vier Spieltagen, das gab es zuletzt in der Meistersaison 1976/77. Von einer „Neuausrichtung“ hat Manager Max Eberl vor der Saison gesprochen, als man sich ziemlich überraschend von Dieter Hecking trennte und Marco Rose als neuen Trainer holte. Die Richtung stimmt also, könnte auch ein Wink nach München sein. Dazu landete Eberl (der ja auch schon bei den Bayern im Gespräch war) mit Marcus Thuram als neuen Stürmer und Torjäger einen Volltreffer. In Gladbach genießt man die Situation und fängt nicht das Träumen an, in Dortmund sagt man, die falsche Borussia ist vorn.

Europas Bühne beherrscht diese Woche, die Frage ist, ob es da so spannend zugeht wie beim DFB-Pokal letzte Woche. Da gab es eine ganze Reihe von packenden Spielen, nicht nur die Bayern zitterten bei einem Abstiegskandidaten der 2. Bundesliga. Vor allem der 1. FC Köln erlebte beim 1. FC Saarbrücken eine peinliche Pleite, dazu schieden mit Freiburg, Paderborn, Wolfsburg und Gladbach (in Dortmund) weitere Bundesligisten aus. Dafür trumpften die Kleinen auf, noch nie schafften es zwei Viertligisten (Saarbrücken und Verl) ins Achtelfinale des DFB-Pokal. Dazu kommt der 1. FC Kaiserslautern aus der 3. Liga. Vorfreude also auf den 4./5. Februar, allerdings auch Probleme. Saarbrücken wollte sich zu dieser Zeit erst aus der Winterpause zurückmelden, muss also umdisponieren, weil die Punktrunde erst drei Wochen später beginnt. Der Fluch der guten Tat also, aber es gibt auch über eine Million Euro als Trostpflaster, allerdings mit dem Karlsruher SC nicht unbedingt den prominentesten Gegner. Er könnte aber schlagbar sein!

Das Pokal-Achtelfinale: Frankfurt – Leipzig, Bayern – Hoffenheim, Schalke – Hertha, Bremen – Dortmund, Leverkusen – Stuttgart, Kaiserslautern – Düsseldorf, Verl – Union Berlin, Saarbrücken – Karlsruhe.