Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Donald Trump

WM als Turbo: Frauen kämpfen um mehr Anerkennung

Frankreich ist ab Freitag Gastgeber der 8. Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Die Premiere fand 1991 in China statt, die USA wurde erster Weltmeister, die Frage heute lautet, ist das Turnier eine Erfolgsgeschichte oder nicht? Die Antwort ist nicht einfach, natürlich haben sich die Frauen im Fußball etabliert, aber eine Hauptrolle spielen sie nicht. Gerade vor der WM in Frankreich ist das Aufbegehren deshalb besonders groß, die Frauen ringen um Anerkennung und hoffen auf diese WM als Turbo für mehr Aufmerksamkeit.

Das gilt nicht allein für Deutschland, sondern international. Kleine Beispiele gefällig. Die US-Spielerinnen vom Titelverteidiger kritisieren den Weltverband, weil die Endrunde mit der Copa Amerika in Brasilien und dem Gold Cup der Männer kollidiert. Die Australierinnen dachten über einen Boykott nach, weil sie sich bei den Prämien benachteiligt sehen. Dabei wird auch die FIFA wieder kritisiert, denn ganze 30 Millionen Dollar sind das ausgelobte Preisgeld für 24 Nationen, bei der WM 2018 der Männer in Russland gab es 400 Millionen für 32 Teams. Noch Fragen? Die beste Fußballerin der Welt, Ada Hegerberg, verzichtet auf die WM, weil sie in ihrer Heimat Norwegen die Verbandsstrukturen für den Frauen-Fußball zu unprofessionell findet.

Für die deutschen Mädchen hat eine PR-Agentur einen besonderen Werbespot für die Commerzbank inszeniert, der in der Öffentlichkeit einschlug und manche Aussage auf die Schippe nahm. In Umkehrung des legendären Spruchs von Nationaltorhüter Oliver Kahn über mehr Mut im Spiel („Wir brauchen Eier“) heißt es da bei den Mädchen „wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze“ und dann folgt die Klage: „Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt.“

Vielleicht kennen am Ende des Turniers in Frankreich alle in Deutschland die Namen der Spielerinnen, doch dafür müssen sie wohl auch Weltmeister werden. Deutschland holte bisher zweimal den Titel, 2003 in den USA mit Tina Theune als Trainerin und bei der erfolgreichen Titelverteidigung 2007 in China (ohne Gegentor!) unter Silvia Neid, die Deutschland 2016 zudem zum Olympiasieg in Brasilien führte. Erfolge sind also da, zumal das DFB-Team mit acht Titeln auch in Europa dominierte. Genügend Gold also, um in der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Doch der Hype um das Team war nie von Dauer, mit dem Alltag der Bundesliga verschwanden die Mädchen wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Trauriger Beweis: Gerade mal 833 zahlende Zuschauer im Schnitt kommen zu den Spielen der Bundesliga (lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar vom 3. Mai „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“).

Wird mit Frankreich alles besser? Alle hoffen auf eine stimmungsvolle WM und vor allem auf viel Spannung. Der Kreis der Favoriten war noch nie so groß. Bisher gewannen nur vier Nationen den Titel, neben zweimal Deutschland noch dreimal die USA (1991, 1999, 2015), Norwegen 1995 und Japan 2011 sensationell in Deutschland, als der Gastgeber im Viertelfinale geschlagen wurde. Diese Nationen gehören alle wieder zum Favoritenkreis, dazu aber ebenso Gastgeber Frankreich, Europameister Niederlande, England, Schweden und Australien. Diesbezüglich darf man schon sagen, dass sich viel getan hat.

Bei Deutschland steht die Bewährungsprobe für die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg an, die gewissermaßen die unglückliche Steffi Jones als Nachfolgerin von Silvia Neid beerbt hat, mit Helfer Horst Hrubesch als Zwischenlösung, der die Mannschaft wieder in die richtige Spur geführt hat. Martina Voss-Tecklenburg hat den Umbruch beschleunigt und eine junge Mannschaft nominiert, die wenig Turniererfahrung hat. Begeisterung, Elan und Schnelligkeit sollen das Manko ausgleichen. Gruppengegner sind China, Spanien und Südafrika, der Gruppensieg sollte sein, um den USA aus dem Wege zu gehen. Ziel ist das Halbfinale, denn das würde auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio bedeuten. Das Ticket in Europa bekommen nur die besten drei Teams, was bei der Konkurrenz (siehe oben) schwer genug ist. Andererseits gibt es einige Führungsspielerinnen im Team, die für Halt sorgen sollten, angefangen von Torhüterin Almuth Schult, über Kapitänin Alexandra Popp, Mittelfeld-As Dzsenifer Marozsan (Champions-League-Siegrin mit Lyon) und dem Münchner Mittelfeld-Duo Melanie Leupolz und Sarah Däbritz (künftig Paris).

Jogi Löw stiehlt die Show

Aufmerksamkeit im Fernsehen gibt es für die Mädchen genug, ARD und ZDF übertragen alle Spiele, wenn auch zum Teil nur im Streaming im Internet. Aber bei den deutschen Spielen können die deutschen Fans immer dabei sein, rund vier Millionen sind es ja schon bei „normalen“ Länderspielen. Und dennoch wird auch in Deutschland den Fußball-Frauen wieder die Show gestohlen, denn auch Bundestrainer Joachim Löw ist mit seiner Mannschaft präsent. Die DFB-Männer bestreiten zwei Spiele in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020. Am Samstag sind sie in Weißrussland und am Dienstag erwarten sie in Mainz Estland als Gegner. Siege sollten da eine Selbstverständlichkeit sein. Auch wenn der Bundestrainer selbst im Krankenstand nur TV-Zuschauer ist, die Schlagzeilen werden Manuel Neuer und Co. gehören, wobei es ja zumindest eine Gemeinsamkeit gibt, beide Teams wollen die Verjüngung bewältigen. Aber schon im Vorfeld war der Zuspruch für die Männer groß, die sich dem neuen Motto „Nähe zu den Fans“ verschrieben haben und sich bei einem Trainingsspiel in Aachen als Stars zum Anfassen präsentierten. Die Nähe zu den Fans, die muss man die Mädchen nicht diktieren, sie haben die Nähe zu den Fans noch nicht verloren und wollen noch mehr Nähe, sprich eben Anerkennung, gewinnen.

Beifall für einen Selbstdarsteller

Den Fußball-Frauen die Show gestohlen hat auch die FIFA selbst, denn die hielt ihren Verbandskongress ab, um Präsident Gianni Infantino per Huldigung die Amtszeit für weitere vier Jahre zu verlängern. Es war nur Zufall, dass auch US-Präsident Donald Trump gerade „nebenan“ in England weilte, aber die Gemeinsamkeiten der beiden größten Witzfiguren, die sich selbst in ihrem Metier für die Größten halten, aber meist nur Unsinn verzapfen, ist unübersehbar, aber die Welt als Ganzes und die Fußball-Welt im Kleinen leiden unter ihnen. Beide halten sich für unfehlbar, beide machen Kritiker mundtot und Meldungen gegen sie sind dann ganz einfach „Fake News“. Trump lieferte in London einen skurrilen Beweis, als er auf die Proteste gegen ihn angesprochen wurde: „Ich werde überall geliebt, ich habe keine Proteste gesehen, das sind nur Fake News“. Hat er halt nicht aus dem Fenster geschaut.

Ähnlich trumpfte Infantino auf, als er behauptete, „die neue FIFA steht für Offenheit, Einigkeit und Führungsqualitäten“. Das hat mit der Realität aber auch rein gar nichts zu tun, Kenner sagen, es wurde seit dem Sturz von Joseph Blatter alles nur schlimmer, aber Infantino hat es sogar geschafft, die Schweizer Bundesanwaltschaft auszutricksen. In perfider Art und Weise hat er alle Kritiker kaltgestellt und lässt sich feiern, weil die großen Nationen, die auch nur eine Stimme haben, gegen die vielen kleinen Länder auf verlorenem Posten stehen. Und so heißt es zum Beispiel aus Nigeria „wir lieben Infantino“, weil die Gelder fließen und laut Süddeutscher Zeitung dürfen sich Afrikas Verbandschefs 20 Prozent der Fördergelder ganz offiziell in die eigene Tasche stecken. Das ist das System Infantino, der Regeln bricht, weil er seine eigenen Regeln aufstellt. Statuten interessieren ihn genauso wenig, wie die Tatsache, dass die FIFA immer mehr an Ansehen verliert. Infantino bastelt sich seine eigene Welt wie eben Donald Trump auch.

Und Vorsicht Europa! Infantino kritisierte laut kicker Europas Monopol. „Das große Geld konzentriert sich in zehn Klubs in fünf Ländern in Europa. Und nur zehn Nationalteams können Weltmeister werden, fast alle kommen aus Europa“ Er wolle, dass 50 Klubs und 50 Nationalteams aus aller Welt siegen können. Befall aus Afrika und Asien sicherlich für Infantino den Träumer.

Werbeanzeigen

Hat Kim Jong Un vielleicht sogar Olympia in Südkorea im Visier?

Die Welt ist nicht nur durch Wetterkatastrophen in Aufruhr, sondern vor allem durch pubertäre Politiker, die ihrem Spielzeug Macht Geltung verschaffen wollen. So steuern wir auf eine Weltkrise zu und der Sport steckt mittendrin, denn für ihn steht auch eine Katastrophe bevor. Am Ende könnten die Olympischen Winterspiele in Südkorea, die eigentlich vom 9. bis 25. Februar in Pyeongchang ausgetragen werden sollen, gestrichen werden. Grund: Die Gefahr für die Sportler ist zu groß.

Die ersten Verbände und Sportler haben bereits ihre Bedenken geäußert. Pyeongchang liegt nur etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Was plant Herrscher Kim Jong Un in Nordkorea wirklich? Kommt es zu einem militärischen Streit mit den USA, wo – zum Glück vorerst nur in Worten – bereits der Untergang an die Wand gemalt wird. „Wir werden Nordkorea zerstören“, hatte US-Präsident Donald Trump angesichts der nicht enden wollenden und verbotenen Raketentests Machthaber Kim gedroht. Nordkorea antwortete mit der Möglichkeit, eine Wasserstoffbombe im Pazifik zu zünden und ließ bereits Raketen über Japan fliegen. Noch sind es nur Drohungen, doch das Unwohlsein der Sportler steigt. Ist Angesichts dieser Lage Olympia noch sicher?

Die ersten Verbände haben bereits eine Absage ins Auge gefasst. Frankreich beschäftigt sich damit ebenso wie Österreich, zwei starke Wintersportnationen. Die deutschen Spitzenathleten Laura Dahlmeier (Biathlon) und Felix Neureuther (Ski alpin) ließen bereits Einblick in ihre Gedanken zu. Tenor: Wir wollen nicht unser Leben für Olympia riskieren. Keiner weiß, wie weit die Eskalation in Worten noch geht und welche Konsequenzen sie nach sich ziehen. Kehrt allerdings keine Beruhigung ein, dann werden sich viele Sportler einen Start in Südkorea genau überlegen, selbst wenn ihr Verband nicht im Ganzen zurückzieht.

Vor allem die Organisatoren in Südkorea werden diese Entwicklung mit Sorge sehen. Geraten die Olympischen Winterspiele in Gefahr? Vielleicht ist das sogar die wahre Absicht von Kim Jong Un, dass er nicht nur der Welt seine Macht zeigen will, sondern dass er auch im Hinterkopf hat, dass er mit solchen kriegerischen Spielchen Südkorea verunsichern kann und dem ungeliebten Nachbarn die Olympischen Spiele madig machen kann. Eskaliert die weltpolitische Lage und kehrt nicht der „Olympische Friede“ ein, wie er früher ausgerufen wurde, damit die Waffen schwiegen, dann könnte dem IOC am Ende wirklich nur eine Absage bleiben, um die Gesundheit der Sportler nicht zu gefährden.

Dass das IOC derzeit unerwartet still hält, könnte auch dem Umstand geschuldet sein, dass man nicht noch mehr Feuer ins Öl gießen will. IOC-Präsident Thomas Bach hat als einzige Handlung an die UN die Bitte gerichtet, für die Sicherheit der Spiele einzutreten (siehe auch Kolumne vom 14. September „Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia“).

Pyeongchang hat sowieso Sorgen, weil selbst im eigenen Land die Begeisterung für die Spiele nicht so groß ist und der Kartenverkauf den Erwartungen hinterher hinkt. Insofern kommen die Machtspiele aus Nordkorea total ungelegen, da sie die Touristen aus Amerika und Europa abhalten werden, die Winterspiele zu besuchen. Sollte Kim Jong Un tatsächlich den Gedanken haben, Südkorea schaden zu wollen, dann hat er sein Ziel zum Teil sogar schon erreicht. Wie auch immer, von Vorfreude auf Olympia ist jetzt im Herbst und vor dem baldigen Start in das Wintersport-Halbjahr nichts zu spüren.

Biathlon: Einmal König, einmal Bettler

Der Biathlon-Sport erlebte bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen (Österreich) begeisternde Wettkämpfe, an denen sich vor allem die deutschen Zuschauer erfreuen konnten. Sie fieberten zahlreich in der Arena mit, vor allem aber daheim an den Fernsehgeräten. Da machte Biathlon sogar König Fußball die Vorherrschaft streitig. Deutschland ist nicht mehr nur eine Fußball-Nation, sondern im Winter auch eine Biathlon-Nation. Jedes dritte TV-Gerät war fast bei allen Wettkämpfen eingeschaltet.

Das lag natürlich vor allem an den Erfolgen der neuen Biathlon-Königin Laura Dahlmeier. Die 23jährige Partenkirchnerin zeigte beeindruckende Wettkämpfe, bewies Nervenstärke am Schießstand und Ausdauer in der Loipe. Die passionierte Bergsteigerin ging fast immer über ihre Schmerzgrenze hinaus und trotzte sogar Schwächeanfällen nach den Rennen. Der Lohn waren Medaillen, fünf Goldene und eine Silberne in Hochfilzen, im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft vor einem Jahr in Oslo sogar elf Medaillen hintereinander. Das hat noch niemand geschafft, nicht einmal ihre große Vorgängerin in Deutschland, Magdalena Neuner, die den WM-Rekord mit zwölf Titeln hält. Sollte Dahlmeier nicht wie Neuner mit 24 Jahren bereits an den Rücktritt denken, dann hat sie gute Chancen auf einen neuen Rekord, mit bisher sieben Titeln. Sie gilt schließlich als die perfekte Athletin, die weder am Schießstand noch in der Loipe Schwächen hat. Wann hat es das jemals gegeben.

Die Deutschen also lieben Biathlon, aber es ist das Schicksal dieses interessanten und spannenden Wintersports, dass er nur in einzelnen Ländern die Sportfans hinter dem Ofen hervor holt. So klagt zum Beispiel Frankreichs Vorzeige-Athlet Martin Fourcade darüber, dass sich in seinem Heimatland niemand für ihn und seine Erfolge interessiert. Im Gegensatz dazu ist die letztjährige Weltcupsiegerin Gabriela Koukalova in ihrem Heimatland Tschechien ein großer Star. So ist es halt beim Biathlon, einmal König, einmal Bettler.

In Nordamerika weiß auch nur eine Minderheit mit Biathlon etwas anzufangen. Da musste der Präsident sogar als Beispiel herhalten. Der Überraschungs-Weltmeister Lowell Bailey auf die Frage, ob US-Präsident Donald Trump wohl etwas über Biathlon wisse: „Ich denke, so wie bei vielen Sachen, hat er davon keine Ahnung.“ Vielleicht ändert sich das jetzt bei Trump und den anderen Amerikaner, nachdem Bailey der erste amerikanische Weltmeister wurde und Susan Dunklee mit Silber im Massenstart die erste Medaille für die USA bei den Frauen gewann. Allerdings wird in Nordamerika aus dem Bettler nie ein König werden, genau so, wie wohl aus Trump nie ein guter Präsident werden wird.

Den Ursprung hat Biathlon im militärischen Bereich, in Skandinavien und Russland. Da gingen einst die Jäger auf Skiern auf die Jagd, entdeckte eben auch das Militär die Vorteile der Verbindung von Ski und Gewehr im Winter. In Skandinavien, vor allem in Norwegen, und Russland ist Biathlon besonders populär. Wobei der Sport darunter leidet, dass vor allem die Russen Erfolge mit unlauteren Mitteln erzwingen wollen. Zahlreiche Dopingsperren brachten Biathlon in Verruf und sorgten auch in Hochfilzen für negative Schlagzeilen. So wurde das Mannschaftsquartier von Kasachstan von der Polizei durchsucht. Der Biathlon-Weltverband zeigt sich hier nicht konsequent genug.

Biathlon hat genau wie König Fußball den Vorteil, dass es eine interessante und spannende Sportart ist. Wer mal die Rennen verfolgt hat, wird sie immer wieder anschauen, wenn die Spannung zum Beispiel beim letzten Schießen fast ins Unermessliche steigt. Wer trifft, wer schießt daneben, was bringt die letzte Runde. Manche Rennen werden dann erst buchstäblich auf der Ziellinie entschieden. Sportler-Herz, was willst Du mehr!