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Tag: Eintracht Frankfurt

Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa

Schön, dass es so etwas im Profi-Fußball, wo Geld die Hauptrolle spielt, noch gibt. Nicht die Euros führten zum Erfolg, sondern die Nachwuchsarbeit. Insofern ist Ajax Amsterdam nach seinem Einzug ins Halbfinale der Champions League ein Vorbild für alle Vereine in Europa, die keinen reichen Sponsor in der Hinterhand haben. Geld lässt die Hoffnung auf Titel größer werden, aber eine Garantie gibt es nicht. Das musste das unterlegene Juventus Turin erfahren, das Millionen in Cristiano Ronaldo investiert hat und jetzt doch mit leeren Händen da steht. Zudem noch erkennen musste, dass die Zeit der alten Herren abgelaufen ist.

Als Bayern München in der Gruppenphase gegen Ajax nicht über zwei Unentschieden hinauskam, da wurde der Deutsche Meister kritisiert. Heute muss man diese Remis fast schon als Erfolg werten, allerdings hat sich die fehlende Klasse der Bayern dann doch im Achtelfinale gegen den FC Liverpool gezeigt. Amsterdam wurde im Laufe der Saison zudem immer besser, die „Enkel“ von Ajax-Star Johan Cruyff spielen einen leichten, beschwingten Fußball, der ganz Europa begeistert. Erinnerungen an die alten Zeiten werden wach, denn dass es Ajax ins Halbfinale schaffte, ist schon 22 Jahre her. Einen Titel haben sie schon mit dem Einzug ins Halbfinale, sie sind die Größten der Kleinen, denn seit es die Champions League gibt (92/93), gelang es allein Ajax als einzigem Klub außerhalb der großen Ligen in Spanien, England, Italien, Deutschland und Frankreich viermal ins Halbfinale einzuziehen.

Jetzt wartet mit Tottenham Hotspur der andere „Underdog“ im Halbfinale, denn auch Tottenham ging als Außenseiter ins Duell mit Manchester City und riss City-Coach Pep Guardiola und seine Mannen aus allen Träumen. Auf den Trainer lastet quasi ein Champions-Fluch, zuletzt siegte er 2011 mit dem FC Barcelona. Mit den Bayern und jetzt City läuft er dem Titel erfolglos hinterher. City scheiterte mit viel Pech, Tottenham erfuhr Gerechtigkeit durch den Videobeweis. Aber die Hotspur sind das Gegenstück zu Ajax: Sie arbeiten Fußball mit viel Leidenschaft und haben eine teurere Mannschaft.

In den Niederlanden muss man die Gunst der Stunde genießen, denn sei die Gegenwart noch so glorreich, die Zukunft sieht wieder trübe aus. Das ist das harte Los der guten Nachwuchsarbeit, dass die Talente, die den Erfolg bringen, dann das Nest verlassen und an die Fleischtöpfe der großen Vereine abwandern. Der Wechsel von Frenkie de Jong zum FC Barcelona ist bereits perfekt, Kapitän Mathijs de Ligt soll ihm angeblich folgen, Hakim Ziyech ist bei den Bayern im Gespräch, aber ebenso wie Donny van de Beek bei gut situierten Vereinen in ganz Europa. Da steht vor Trainer Erik ten Hag wieder eine große Aufbauarbeit in den nächsten Jahren.

Oder wird der Coach auch bald an den Fleischtöpfen naschen? Er wurde wohl bei den Bayern als Trainer der U23 unterschätzt, sagt aber selbst, dass er bei Pep Guardiola viel gelernt hat (wenigstens ein kleiner Erfolg für Pep!). Vielleicht wäre er für die Bayern sogar der richtige Trainer, denn die Bayern haben ja beim Umbau der Mannschaft das Ziel, ein bisschen wie das Ajax von heute zu sein: Eine Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern, geführt von ein paar Routiniers, die einen attraktiven, erfolgreichen Fußball auf den Rasen zaubern sollen. Die Talente holen die Münchner allerdings bei anderen Vereinen, die eigenen Nachwuchsspieler haben es schwer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bayern ist halt nur ein bisschen Ajax. Ähnliches kann man von Borussia Dortmund sagen, die sogar schon ein Stück weiter als die Bayern sind. Beide Klubs haben es zudem finanziell im Kreuz, Spieler gegen alle Angebote an der Leine zu halten.

Ein Kleiner unter den Großen wird also ins Finale der Champions League am 1. Juni in Madrid einziehen. Im anderen Halbfinale duellieren sich zwei Favoriten: Messis FC Barcelona und Jürgen Klopps FC Liverpool. Wobei der deutsche Trainer mit einem Handicap leben muss: Die Fans der Reds wünschen sich noch sehnsüchtiger die nationale Meisterschaft als den internationalen Titel.

Frankfurt rettet die Bundesliga

Schön, dass es das in der Bundesliga noch gibt: Nicht der FC Bayern München ist der letzte Vertreter im internationalen Geschäft, sondern ein eher Kleiner der Liga. Eintracht Frankfurt schwang sich zum Retter der Bundesliga im internationalen Renommee auf und beeindruckte mit einem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon und den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Dies erstmals seit 39 Jahren! Dabei hatte die Eintracht Glück, dass es in der EL noch keinen Videobeweis gibt und das Abseits beim ersten Treffer nicht erkannt wurde (da wäre City froh gewesen, wenn der Videobeweis in der CL noch nicht eingeführt worden wäre). Jetzt wartet aber mit Chelsea London ein dicker Brocken. Im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Valencia und Arsenal London gegenüber. Alle vier Mannschaften haben übrigens eines gemeinsam: Sie kämpfen in ihren nationalen Ligen um den Einzug in die Champions League. Frankfurt und Chelsea sind aktuell beide Vierter, hätten es also geschafft, Arsenal und Valencia sind dagegen beide Sechster, haben aber noch Chancen auf den Sprung nach oben. Der kürzeste Weg für alle vier Vereine in die Champions League ist der Sieg in der Europa League. Leicht wird das aber auch nicht.

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Die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne

„Mach nicht so ein Theater“, ist eine gängige Zurechtweisung im Alltag. Das Theater als solches gilt bei der Bevölkerung als Inbegriff der Kunst, der Kultur-Tempel schlechthin. Die Platzzahl ist allerdings begrenzt und nur mit Zuschüssen bleiben die Theater am Leben. Dabei wird das größte Theater im Sport gespielt, die Bundesliga ist Theater auf großer Bühne, jede Woche pilgern im Schnitt 40.000 Zuschauer zu den Spielen und die Akteure bieten wie im richtigen Theater gute und schlechte Kunst. Beste, aber berüchtigte Schauspielkunst liefern die Akteure etwa bei den berühmten „Schwalben“. Besser geht es auf keiner anderen Bühne. Ein Ausschnitt vom Bundesliga-Theater:

Der Titelkampf: Bayern München und Borussia Dortmund liefern sich ein spannendes Duell, dass alle Degen-Helden auf den Bühnen verblassen lässt. Da die selbstbewussten Helden aus München, die sechs Jahre lang schon auf dem Thron sitzen und sich nicht verdrängen lassen wollen. Dort die „Wegelagerer“ aus Dortmund, die zwar ein bisschen an sich selbst zweifeln, die aber doch den ganzen Mut zusammennehmen, um die Helden zu besiegen. Der Ausgang ist ungewiss. Die Bayern müssen vorerst auf einen Helden verzichten, Manuel Neuer hat sich wieder verletzt, fällt mindestens zwei Wochen aus. Und das vor den Bremen-Festspielen. Die 2019 noch ungeschlagenen Werderaner (übrigens als einziges Team in den Top-Ligen Europas!) gastieren am Samstag in München und erwarten dann die Bayern zum Halbfinale im DFB-Pokal. Welche Dramatik! Das Publikum wartet auf die erste Niederlage.

FC Augsburg: Auch eine Provinzbühne kann sich in den Vordergrund spielen, der FCA tat es. Im ansonsten beschaulichen Schwaben krachte es, Trainer entlassen und seine Assistenten dazu. Manuel Baum ging nicht allein, sondern vor allem der berühmte Star Jens Lehmann musste seine Nebenrolle als Assistent gleich wieder aufgeben. Impulse gingen von ihm nicht aus. Wohl aber vom neuen Trainer Martin Schmidt, der seinen Mannen mit der Devise „einfach spielen“ das Kontrastprogramm zu Baum lieferte (ausgeklügelte Taktik). Und dann gab es ein Märchen auf der Bundesliga-Bühne, dass es im wirklichen Leben nie geben würde: Schmidt gewann bei seinem Amtsantritt in Mainz 3:1 gegen Frankfurt und jetzt: 3:1 mit dem FCA in Frankfurt. Held des Spiels war der U21-Nationalspieler Marco Richter, er erzielte seine ersten beiden Saisontreffer. Vorher hatte er einmal getroffen – gegen Frankfurt. Das nennt man dann beste Eintracht. Die Frankfurter aber erlebten eine Tragödie, erste Niederlagen in diesem Jahr, und das ausgerechnet in der Europa League mit dem 2:4 bei Benfica Lissabon. Die Hoffnung schwindet vor dem Rückspiel am Donnerstag, die Eintracht wirkt ziemlich ausgelaugt. Noch einmal werden die Helden aber auf die Bühne gerufen.

VfB Stuttgart: Von Helden ist hier nicht die Rede, sondern von Schurken. Der Argentinier Ascacibar spielte die Rolle des Lamas, doch Spuck-Attacken sind auf der Bundesliga-Bühne nicht erwünscht. Die Tragik der Stuttgarter: Sie dezimieren sich im Abstiegskampf selbst mit Verletzungen und Platzverweisen. Und das vor dem „Endspiel“ am Samstag in Augsburg, nur mit einem Sieg bei den Provinzhelden bleibt die Hoffnung auf den Klassenerhalt ohne Umweg Relegation bestehen.

Fortuna Düsseldorf: Die meisten Theaterstücke sehen die beliebte Rollenverteilung so vor, da der brave Held, dort der Schurke. In Düsseldorf wird das Bühnenstück perfekt dargeboten. Der brave Trainer Friedhelm Funkel wird gefeiert, er führte den Aufsteiger trotz aller Widerwärtigkeiten zum vorzeitigen Klassenerhalt. Die Rolle des Schurken nimmt Vorstands-Chef Robert Schäfer ein, der den braven Funkel entlassen wollte, aber zurückgepfiffen wurde. Weil er so ein Miesepeter ist, muss er jetzt selbst gehen. So wollen es die Leute, der Brave muss gewinnen.

Timo Werner: Jeder Vereinswechsel ist ein Theaterstück in mehrer Akten und vor allem bei den Medien äußerst beliebt, denn er liefert Gesprächsstoff über Monate hinweg. Bestes Beispiel ist Nationalstürmer Timo Werner. Dessen Vertrag bei RB Leipzig läuft 2020 aus und branchenüblich heißt es im Jahr davor verlängern oder verkaufen. Nur selten wird der Vertrag voll erfüllt, weil der Verein ja Geld verliert. So wird jetzt gerätselt, geht er oder bleibt er? Und wenn er geht, wohin? Seine neue Bühne soll angeblich in München stehen. Dort wird das Honorar sicher höher sein.

Die Bühnen außerhalb der Bundesliga

Europa: Wir wollen ja nicht sagen, das Europas Bühnen spektakulärer sind als die Bundesliga, aber sie bieten doch einiges, vor allem Geld. So drängen sich auch die Bundesligisten auf diese Bühnen, aber die Hauptrollen sind begehrt und im letzten Akt fehlen die Bundesligisten als Hauptdarsteller. Die große Bühne genießt vor allem einer: Cristiano Ronaldo. Die Champions League ist sein Metier und er hält Juves Chance am Leben gegen die Jung-Darsteller aus Amsterdam. Ein großes Stück. Das will auch Messi mit Barcelona liefern, der Titel ist das Ziel. Die Rolle des tragischen Helden könnte Pep Guardiola zukommen, das 0:1 bei Tottenham ist eine schwere Hypothek. Pep hat sich vercoacht, ja wie gibt es denn so was. Im zweiten Akt fehlt allerdings Tottenhams Held Harry Kane, eine Chance für Manchester City und Pep.

Tiger Woods: Das Comeback des Jahres, Tiger Woods ist zurück, ist wieder auf der Siegesstraße. Nach elf Jahren, in denen persönliche Tragödien und Operationen die Hauptrolle spielten, gewann der Golf-Star wieder ein Major-Turnier, das Masters in Augusta. Es ist sein 15. Major-Titel, nur noch drei fehlen zum Rekord von Jack Nicklaus, dem „goldenen Bär“. Nur eine Nebenrolle spielten die deutschen Golfer in Augusta, Bernhard Langer bekam als ältester Teilnehmer mit guten Leistungen aber viel Aufmerksamkeit. Am Ende ging dem „alten Mann“ die Luft aus.

Formel 1: Der Motorsport liebt die große Bühne und feierte ein großes Jubiläum in China, das 1000. Rennen! Es gab aber keine Überraschung, auch da triumphierte wieder Mercedes, der strahlende Held war Lewis Hamilton, der tragische Held dagegen Sebastian Vettel. Große Hoffnungen und Sprüche vor der Saison, aber bei Ferrari und Vettel läuft es nicht. Der Wagen nicht so schnell wie erhofft, der Fahrer nicht so gut wie erwartet. Nach Fahrfehlern brauchte Vettel Hilfe von der Regie, damit er den Team-Kollegen überholen konnte und erstmals wieder auf dem Podest stand. Begeisterung dafür gab es nicht. Aber im Theater Formel 1 wird noch lange gespielt, da ist die Hauptrolle für den Heppenheimer immer noch möglich. Von Überraschungen lebt jedes Theater!

Einen großen Abgang von der Sport-Bühne gab es in der vergangenen Woche, lesen Sie dazu den nachfolgenden Kommentar „Dirk Nowitzki ist der Größte“.

Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.

Das Spiel der Spiele – aber kein Finale!

Endlich! Die Fans der Fußball-Bundesliga warten auf das Match, endlich wieder einmal ein spannender Titelkampf und nicht nur Brisanz bei den Duellen gegen den Abstieg. Endlich, das Spiel der Spiele, aber wenn sich am Samstag die alten Rivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, dann ist dies kein Finale. Einem echten Finale um die Deutsche Meisterschaft trauern Nostalgiker bekanntlich hinterher.

Ein kleines Finale ist es allerdings schon, jedoch anders, als es sich die Bayern gewünscht hatten. Ihr Plan war, mit einem Sieg über Dortmund für Klarheit an der Tabellenspitze zu sorgen. Jetzt befinden sich die Münchner plötzlich wieder in der Verfolgerrolle nachdem sie neun Punkten Rückstand aufgeholt hatten, dagegen könnte die Borussia mit einem Erfolg in der Allianz Arena für eine Vorentscheidung sorgen.

Es gab einen „Ball verkehrt“ im Vorfeld des deutschen „Clasico“. Die Bayern patzten mit dem 1:1 in Freiburg, während Dortmund wie oft in der Vorrunde beim 2:0 gegen Wolfsburg das Glück der späten Tore feierte. Sensationell: Wäre in allen Spiele nach 90 Minuten wirklich der Schlusspfiff ertönt, dann wären die Bayern Erster mit 63 Punkten vor Dortmund mit 59! Borussias Torbilanz in der Nachspielzeit lautet 9:1, die der Bayern 1:1! Dortmunds Dusel ist zurück, belegt durch Alcacers Glücksschuss quasi durch die Wolfsburger Mauer. Da war auch alles lamentieren, das die Mauer zu weit weg stand, Quatsch, denn der Ball ging ja nicht über die Mauer. So holte sich Dortmund das Selbstvertrauen für das Spiel der Spiele, die Bayern hadern.

Auffallend: Dortmund erinnerte an die Vorrunde, ebenso die Bayern. Mit dem 1:1 gegen Freiburg am 10. Spieltag Anfang November begann die Bayern-Krise mit drei Spielen ohne Sieg (danach 2:3 in Dortmund, 3:3 gegen Düsseldorf). Jetzt wird wieder geklagt über mangelnde Einstellung, schlechte Aufstellung und fehlende Konzentration beim Tor-Abschluss. Es gibt nur etwas Positives dabei: Einen besseren Muntermacher gibt es nicht. Oder wiederholt sich in einem Spitzenspiel das Dilemma gegen Liverpool mit dem Aus in der Champions League? Folgt das Aus in der Meisterschaft? Stabil sind die Bayern nicht.

Das stabilste Team, ja die „Mannschaft der Stunde“ ist derzeit Eintracht Frankfurt. Die Hessen bieten Glanz und Tore, zeigen Selbstbewusstsein auch international und sind 2019 noch ungeschlagen. In der Rückrunden-Tabelle liegen sie mit 22 Punkten hinter den Bayern (25) auf Rang zwei vor Dortmund und Leipzig (ja 21). Dagegen schwächeln Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen, so dass der Sprung auf Rang vier und damit auf einen Platz in der Champions League fast logisch war. „Das ist ein Märchen“, fasste es der Österreicher Martin Hinteregger in Worte, nämlich auch für ihn, vom Abstiegskandidaten FC Augsburg auf die internationale Bühne.

Sein alter Verein steckt wieder mitten drin im Abstiegsdilemma. Die Blamage war komplett, ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg, der 20 Spiele ohne Sieg geblieben war, ergab sich die Mannschaft wehrlos, anstatt mit großem Kampf endgültig die Weichen für den Klassenerhalt zu stellen. Drei Spiele ohne Niederlage, das 2:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig und 3:1 gegen Hannover wurde für die Mannschaft wohl zum sanften Ruhekissen. Jetzt brennt wieder der Baum. Nicht dagegen auf Schalke, Huub Stevens’ Motto „die Null muss stehen“ passte wieder und mit einem Glücksschuss von Serdar („Ich habe gar nicht auf das Tor geschaut“) auch das Ergebnis. Sechs Punkte Abstand zum Relegationsrang (Stuttgart) sorgen für etwas Ruhe im Revier. Aber jetzt kommt Frankfurt, doch die Verfolger nehmen sich die Punkte gegenseitig weg, im Duell Stuttgart – Nürnberg geht es wieder um eine Weichenstellung bzw. für die Franken um die letzte Chance.

Kein Schlagerspiel im Pokal

Ablenkung vom Bundesliga-Alltag gibt es in dieser Woche durch den DFB-Pokal, wobei die Frage ist, wie wichtig dieser Zusatzwettbewerb für die einzelnen Vereine ist. Ein echtes Schlagerspiel gibt es im Viertelfinale nicht, zumal ja so erfolgreiche Klubs wie Dortmund, Leipzig und Frankfurt frühzeitig die Segel streichen mussten. Mit Augsburg und Schalke sind sogar zwei Kandidaten aus dem Abstiegskampf dabei. Der FCA muss gegen Leipzig wieder ein anderes Gesicht zeigen, während Schalke gegen Bremen die etwas größeren Chancen eingeräumt werden können. Für beide Mannschaften bleibt die bange Frage: Als Absteiger ins Pokal-Finale einziehen? Die Bayern müssen sich die Chance auf wenigsten einen Titel erhalten, können gegen den Zweitligisten Heidenheim vielleicht das Tore schießen üben, vielleicht müssen sie aber zu einem Rezept greifen, eine Betonabwehr zu überwinden. Gar ein Zweitliga-Duell gibt es mit Paderborn gegen Hamburg, da der aufstrebende Zweitliga-Neuling, dort der unkonstante Dino, der vor allem ein Ziel hat, zurück in die Bundesliga. Vielleicht am Ende im Pokal-Finale, aber nicht in der Bundesliga – das wäre für den HSV fast schon ein Horrorszenario! Übrigens: Leipzig, Paderborn und Heidenheim erreichten noch nie das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Polizei will Geld

Ein Horrorszenario erlebte die Bundesliga in der vergangenen Woche auch vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat eine Beteiligung der Ausrichter von gewinnorientierten Veranstaltungen an den Polizeikosten grundsätzlich für rechtskonform erklärt. Damit müssen die Bundesligisten für Mehrkosten bei einem größeren Polizei-Einsatz bei sogenannten Risikospielen aufkommen. Das Land Bremen hatte der DFL eine entsprechende Gebührenrechnung geschickt, die DFL dagegen prozessiert. Im Hintergrund stand die Frage, ob es überhaupt darstellbar ist, dass der Steuerzahler für Kosten der reichen Vereine aufkommen soll. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass just im Vorfeld Bayern München den Rekordtransfer für 80 Millionen Euro für Frankreichs Weltmeister Lucas Hernandez über die Bühne brachte. Und dann sollen hochgerechnet 20 Millionen Euro für Polizei-Einsätze nicht bezahlbar sein? Da geht es um Vernunft und den Ruf der Liga.

„Wir haben uns das anders vorgestellt“, gestand DFL-Präsident Reinhard Rauball zerknirscht, aber Richter Dr. Wolfgang Bier, hatte wohl auch die Klagen der Landesrechnungshöfe im Hinterkopf, die schon lange eine Beteiligung der Vereine verlangen. Allein aus moralischen Gründen sollte die DFL einem Kompromiss der Länder zustimmen, dass ein Fond gebildet wird, aus dem die Polizei-Einsätze bezahlt werden. Die Rede ist eben von 20 Millionen Euro, gerade mal ein Klacks bei einem Jahresumsatz der 36 DFL-Vereine von 4,4 Milliarden Euro (die 3. und 4. Liga sind außen vor). Dieser Fond würde auch eine Ungleichbehandlung der Vereine verhindern, wenn einige Länder auf eine Rechnungsstellung an die Klubs verzichten würden, wie es Bayern schon angekündigt hat.

Eine Frage wurde allerdings nicht beantwortet: Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sich Chaoten nicht den Fußball als Bühne für Ausschreitungen aussuchen? Wer ist denn für die fehlende gute Erziehung verantwortlich? Vordringlich müssen Schadens- und Kostenverursacher vor allem zur Kasse gebeten werden. Dann würde Ruhe herrschen!

Mit Tempo an den Bayern vorbei

Die Fußball-Bundesliga befindet sich in einer Art „Glücksrausch“. Endlich ist es so weit, die Alleinherrschaft des FC Bayern München ist beendet. Der „Glücksrausch“ wird aber auch befeuert, weil sich Dortmund und die Bayern beim 3:2 des Tabellenführers ein hochklassiges Spitzenspiel geliefert haben, das via Fernsehen beste Werbung für die Bundesliga in rund 200 Ländern rund um den Globus war. Der „Glücksrausch“ wird aber auch befeuert, weil Dortmunds Verfolger Mönchengladbach, Leipzig und Frankfurt einen attraktiven Tempo-Fußball spielen und die Hoffnung keimen lassen, dass es nach einem sechs Jahre langen Alleingang der Bayern an der Spitze nun kein Solo der Dortmunder geben wird. Die Bayern schauen von Rang fünf zu und müssen konstatieren, dass die Konkurrenz mit Tempo an ihnen vorbei gezogen ist.

Im Hinblick auf die Bundesliga und die Bayern ist jetzt von Machtwechsel und Umbruch die Rede. Schlagwörter für Gegenwart und Zukunft. Selbst die Dortmunder wehren ab, dass dies schon ein Machtwechsel sein kann. Noch ist die Meisterschaft in weiter Ferne, vielleicht schnaufen die Bayern vor dem nächsten Großangriff nur ein wenig durch. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat die Richtung schon vorgegeben: „Wir müssen nicht in jedem Jahr Meister werden“ und „wir werden im Sommer das Mannschaftsgesicht ziemlich verändern“. Da schwingt die Erkenntnis mit, dass man in diesem Jahr mit dem Verzicht auf größere Verpflichtungen wohl falsch lag. Pflichtgemäß will man den Kampf um den Titel natürlich nicht aufgeben, auf der Bayern-Homepage heißt es „Die Jagd hat begonnen“ und Hoffnung gibt es: Nach elf Spieltagen ungeschlagen waren die Dortmunder zuletzt in der Saison 2002/03, Meister wurde am Ende – Bayern München.

Das Zauberwort in der Bundesliga heißt derzeit aber „Tempo“. Ein Zauber, der an den Bayern vorbei ging, Ihr Kredo Ballbesitz ist veraltet. Die Bayern feierten eine Halbzeit lang in Dortmund zwar eine Wiederauferstehung, zeigten einen Kampfgeist wie noch nie in dieser Saison und bewiesen, ganz abschreiben sollte man sie nicht. Und dennoch gab es Szenen, die einen Machtwechsel ebenso deutlich machen wie den notwendigen Umbruch. Zum Beispiel als Franck Ribery vor dem entscheidenden 3:2 den Ball in der gegnerischen Hälfte verlor und dem schnellen Sancho nicht folgen konnte. Die Bayern hielten an Robben, Ribery und auch Martinez fest, jetzt haben sie den Salat bzw. das fehlende Tempo. Die Hoffnungsträger sind verletzt, die Franzosen Coman und Tolisso nämlich. Sie stehen für Höchstgeschwindigkeit.

Die Bayern müssen sich aber auch fragen, ob ihre Scoutingabteilung nicht einiges verschlafen hat. Stürmer wie Sancho und Alcacer in Dortmund, Plea in Gladbach, Nelson in Hoffenheim oder gar das Frankfurter Duo Jovic und Rebic sorgen für Tempo und Aufmerksamkeit. Warum landete keiner von ihnen in München? Gerade Pokalsieger Eintracht Frankfurt wurde zu Saisonbeginn unterschätzt, als es beim Wechsel von Trainer Niko Kovac zu Adi Hütter kriselte. Doch inzwischen hat der Österreicher die Eintracht in Schwung gebracht, Kovac die Bayern dagegen nicht. Haben die Bayern den falschen Trainer? Coach Dieter Hecking und Manager Max Eberl haben in Gladbach nach einer enttäuschenden Saison die richtigen Schlüsse gezogen und an den richtigen Stellschrauben gedreht, Gladbach spielte sich mit Tempo an die Spitze, da schnaufen die Bayern wie eine Dampflok hinterher. Es gibt aber zwei Hoffnungen: Die Bayern-Stars haben endlich erkannt, dass es nur mit vermehrten Einsatz und Mannschaftsgeist geht. Und: Die Bayern haben ihre Krise mit Verletzungen schon hinter sich, die Konkurrenz blieb bisher weitgehend davon verschont. Außerdem müssen die anderen erst noch eine gewisse Konstanz beweisen. Die Jagd könnte sogar erfolgreich sein, ausgeschlossen ist das nicht.

Die Bundesliga insgesamt aber im „Glücksrausch“, sie wehrt sich erfolgreich gegen Langeweile, auch am Tabellenende. Dort gab es einen „Aufstand“ der Schlusslichter, und urplötzlich sind auch Mannschaften, die man eigentlich oben sucht, unten dabei, nämlich Bayer Leverkusen und der vorjährige Vizemeister Schalke 04. Da ist Spannung garantiert.

Auch Jogi Löw braucht Tempo, Tempo

Die Bundesliga muss ihren „Glücksrausch“ ein bisschen konservieren, denn es steht erst mal wieder einmal eine Länderspielpause an. Und was die deutsche Nationalmannschaft betrifft, da kann von einem „Glücksrausch“ keine Rede sein. Bundestrainer Joachim Löw und seine Mannen stehen nämlich sogar vor einem Abstieg aus der Liga A der neuen Nations League. Deutschland braucht die Schützenhilfe von Frankreich gegen die Niederlande und am Montag, 19. November, zudem einen Sieg gegen den Kontrahenten. In Amsterdam hat Deutschland bekanntlich 0:3 verloren, ein Tiefpunkt. Ein Sieg muss in Gelsenkirchen auch deshalb her, um für die nächste EM-Qualifikation als Gruppenkopf gesetzt zu sein und schweren Gegnern aus dem Weg zu gehen.

Auch Bundestrainer Jogi Löw muss mit der Zeit gehen und seinem Team eins verpassen: Tempo, Tempo. Da heißt es möglicherweise Abschied nehmen von verdienten Spielern, denn für Tempo stehen zum Beispiel Toni Kroos und Thomas Müller nicht. Tempo garantieren dagegen der gerade überragende Marco Reus, Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane. Erfolg garantieren sie damit freilich noch nicht, könnte auch sein, dass Deutschland nach der WM-Pleite allzu schnell schon die nächste Pleite erlebt.

Der FC Bayern geht wieder auf Titeljagd

Die Fußball-Bundesliga scheint in einer Zeitschleife festzustecken. Ist jetzt 2013 oder doch schon 2018? Auf die Frage vor der Saison nach dem Meisterschaftsfavoriten gibt es seit Jahren nur eine Antwort: FC Bayern München. Seit 2013 gibt es auch nur einen Meister – den FC Bayern München. Und der geht jetzt wieder auf Titeljagd. Mit dem kleinsten Ziel geht es am Sonntag in Frankfurt los, wenn im Supercup der Meister beim Pokalsieger Eintracht antritt. Lange Zeit wurde der Supercup belächelt, doch er hat an Bedeutung gewonnen, auch in den anderen großen Ligen. In diesem Jahr blickt das Fußballvolk besonders interessiert auf dieses Spiel, ist es doch die Rückkehr des Frankfurter Erfolgstrainers Niko Kovac mit den Bayern zu seinem alten Verein. Der Supercup gewinnt an Bedeutung.

Das sehen auch zwei ehemalige Bundestrainer so, Thomas Tuchel bei Paris St. Germain und Pep Guardiola mit Manchester City feierten bereits ihren ersten Titel und Tuchel sogar sehr ausgelassen. Ein kleines bisschen vom Erfolgsdruck ist weg, das große Ziel allerdings noch weit weg: Der Gewinn der Champions League. Danach sehnen sich viele Vereine in Europa, die Zahl der Interessenten wird immer größer und die Hoffnung träg einen Namen: Cristiano Ronaldo. Ohne den Torjäger will man Real Madrid endlich vom Thron stoßen. Das will zum Beispiel Juventus Turin eben mit Ronaldo schaffen…

Aber zurück zu den Bayern und ihre Titeljagd. Zurückhaltung kennt man in München nicht und so formuliert Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sehr deutlich, dass man wieder einen neuen Angriff auf den Henkel-Pott der Champions League starten wolle. Früher hieß es, die nationale Meisterschaft sei der ehrlichste Titel (es wäre der siebte in Folge), alles andere Zugabe. Das klingt jetzt anders. Bescheidenheit war zudem nie eine Zier in München, deshalb galt die letzte Saison auch nicht als eine erfolgreiche. „Nur“ die Meisterschaft ist nicht unbedingt das, was den Abonnementsmeister in große Jubelstimmung versetzt. Das Double wurde bekanntlich gegen Frankfurt mit einer schwachen Leistung verspielt, das bitte schön, sollte es doch dann wenigstens sein. Der Gewinn des Supercups und die Meisterschaft, das gilt dann nicht einmal als „kleines Double“. So groß ist die Bedeutung des Supercups also doch nicht.

Der neue Bayern-Trainer Niko Kovac hat ja gezeigt, wie der Pokal zu gewinnen ist. Das müsste eigentlich ein Dämpfer für alle diese Hoffnungsvollen sein, die darauf setzen, dass der Kroate in München vielleicht doch nicht so gut ankommt. Schließlich ist auch ein zumindest kleiner Umbruch im Bayern-Team zu verkraften, mit Arturo Vidal hat sich der „Krieger“ verabschiedet, Abwehr-Stratege Jerome Boateng könnte es noch tun (Tuchel in Paris und Manchester United buhlen angeblich um ihn). Leon Goretzka ist der einzige echte Neuzugang, Serge Gnabry begann zudem quasi seine Arbeit in München nach der Ausleihe nach Hoffenheim. Dazu staunten die Beobachter, dass im Vorfeld der Saison fast täglich ein anderer Nachwuchsspieler einen Profivertrag bei den Bayern unterzeichnete. Von sechs Hoffnungsträgern sollte dann halt wenigstens ein Lahm, Müller oder Alaba dabei sein. Bei der Titeljagd in diesem Jahr werden sie nicht helfen können.

Helfen sollen da schon eher noch die Oldies Franck Ribery und Arjen Robben, doch sie sind auch ein Sinnbild dafür, dass den Bayern die Zeit ein bisschen davon läuft. Die Konkurrenz in Europa rüstet immer mehr auf, die Bayern scheuen (bisher noch) das Risiko hoher Investitionen und vor allem Bayern-Präsident Uli Hoeneß will einen Traum offensichtlich umsetzen: Die Bayern als deutsche Mannschaft. Bleibt Boateng, könnten neun deutsche Nationalspieler in einer Anfangsformation beginnen! Allerdings: Ohne einen Lewandowski, Martinez, Thiago und James oder ähnliche Kaliber wird ein internationaler Erfolg auch nicht möglich sein. Also den Pott holen, bevor die Stars von heute zu alt werden. Auf geht’s zur Titeljagd!

Die Bayern können nur Bundesliga

Es hätte der Tag der Bayern werden können, doch der Pfingstsamstag brachte den Münchnern einen enttäuschenden Abschluss der Saison. Nichts mit dem Triple, nichts mit dem Double, auch nichts mit einem Bayern-Double am Pokal-Tag des DFB. Die Bayern-Frauen unterlagen am Nachmittag in Köln dem VfL Wolfsburg mit 2:3 im Elfmeterschießen, die Bayern-Männer mussten am Abend in Berlin erstaunt eine 1:3-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt hinnehmen. Gefeiert wurde am Sonntag auf dem Rathausbalkon am Marienplatz trotzdem, wenn auch mit „gebremstem Schaum“. Nur Jupp Heynckes wurde natürlich umjubelt, der 73-Jährige Rentner darf endgültig in den wohlverdienten Ruhestand gehen, er hat den Bayern zumindest die Meisterschaft gerettet, die im Herbst des letzten Jahres bei fünf Punkten Rückstand zu Borussia Dortmund fraglich geworden war. Wohl deshalb sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge beim Pokalempfang in Berlin versöhnlich: „Das war eine sehr, sehr gute Saison.“

Gedacht hat Rummenigge sicherlich anderes. Das Double sollte eigentlich nur Formsache sein und ein gelungener Abschied für Trainer Jupp Heynckes. Aber was sich schon zum Bundesliga-Finale beim 1:4 gegen den VfB Stuttgart andeutete, wurde auch im Olympiastadion in Berlin deutlich: Das Aus in der Champions League gegen Real Madrid hat die Bayern in eine Art Schock-Zustand versetzt, ihre vorher guten Leistungen in der Bundesliga konnten sie nicht mehr abrufen. Das Aus gegen Real, die Niederlage gegen Eintracht Frankfurt im Pokal lässt derzeit nur einen Schluss zu: Die Bayern können nur Bundesliga! Der Trost: Die Meisterschaft wird immer als wichtigster und ehrlichster Titel genannt. Na also, da dürfen sie doch feiern.

Eine Frage stellt sich am Ende der Saison natürlich verstärkt: Wie sieht die Zukunft der Bayern aus? Bleibt es bei der dominanten Stellung in der Bundesliga, droht aber andererseits international die Zweitklassigkeit, weil sie den Anschluss an die euroschweren Spitzenklubs verlieren? Wie reagiert aber die nationale Konkurrenz, nachdem sie nun gesehen hat, dass die Bayern doch verwundbar sind? Fans und Medien wünschen sich nichts sehnlicher als wieder einmal einen spannenden Kampf um den Titel. Da wird sogar schon mal öffentlich gefragt: Muss man die Bayern zerschlagen? Ja, wie denn, was denn, darf man da schon fragen. Die große Unbekannte wird nicht die Mannschaft sein, auch wenn es Wechsel geben wird (so hat jetzt Jerome Boateng wieder mit einem Wechsel geliebäugelt), der große Unbekannte ist der neue Trainer Niko Kovac. Ihm konnte nichts Besseres passieren als der Pokalsieg. Er hat sich in Frankfurt würdig verabschiedet. Seine Handschrift hat er im Pokalfinale gezeigt, Kampfgeist, Defensivstärke, Konter – aber so kann er in München nicht spielen lassen. Die große Bewährungsprobe steht bevor.

Die große Unbekannte bei den Bayern-Spielen sind immer die Schiedsrichter. Siehe die Duelle mit Real Madrid, die Bayern mussten sich gleich in zwei Jahren hintereinander benachteiligt fühlen. Aber auch national ist eine gefährliche Tendenz erkennbar, siehe Pokalfinale. In der letzten Minute verweigerte Schiedsrichter Felix Zwayer den Bayern einen berechtigten Elfmeter, trotz Videobeweis. Was in seinem Kopf vorging? Vielleicht dies: „Es heißt immer, die Bayern werden bevorzugt, ich kann doch jetzt dem Außenseiter nicht die Chance auf den Pokalsieg nehmen. Im Zweifel für den Nobody.“ Den Bayern blieb das mögliche 2:2 versagt, wobei schon beim 1:0 ein Handspiel vorausging, das zwar durchaus als nicht strafbar gewertet werden kann, das aber einen Vorteil brachte.

Waren die Bayern deshalb ein schlechter Verlierer, weil sie kein Ehrenspalier für den Pokalsieger bildeten? Wohl nicht, es war eher so, dass die Bayern die Rolle des Verlierers einfach nicht kennen und aus Enttäuschung mit der verhassten Silbermedaille schnell in der Kabine verschwanden. Da versagten aber auch die Verantwortlichen rund um die Mannschaft, in erster Linie Sportdirektor Hazan Salihamidzic, der zwar selbst dem Sieger Beifall klatschte, aber nicht die Spieler zurückholte.

Was die Zukunft der Bayern angeht, so bleibt es also spannend. Die nächste Saison könnte die Richtung vorgeben, zum Beispiel in Richtung Spieler (halten Robben, Ribery und Co. noch mit, was wird mit Renato Sanches?), zum Beispiel der Trainer (kommt Niko Kovac menschlich mit den Bayern klar, findet er einen Draht zur Mannschaft, schafft er der Belastungssteuerung im Training mit den ungewohnten drei Wettbewerben?). Das Saisonziel für 2018/2019 wird sein wie immer: Meisterschaft ist Pflicht, das Double wäre schön, das Triple bleibt der Traum. Die Bayern müssen dann zeigen, dass sie nicht nur Bundesliga können.