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Tag: Eishockey-Weltmeisterschaft

Kann Deutschland Eishockey-Weltmeister werden?

Leon Draisaitl hat auf die Frage eine eindeutige Antwort: „Natürlich, wer zur Weltmeisterschaft fährt, will auch Weltmeister werden.“ Der neue deutsche Eishockey-Star blendet dabei die Realität nicht aus, sondern will nur die ganze Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen, nach dem Motto, wer bei Olympia die Silbermedaille gewann, kann auch Weltmeister werden. Doch von Silber bei Olympia zu Gold bei einer WM ist es mehr als nur ein Schritt. Die beiden Turniere sind nicht zu vergleichen.

Deutschland reist als Achter der Weltrangliste zur Weltmeisterschaft in der Slowakei, die am Freitag beginnt und am 26. Mai endet. Der achte Platz, sprich der Sprung ins Viertelfinale, ist auch das erste Ziel, denn das würde die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking bedeuten. Im Wege stehen in der Gruppe A Kanada (1. der Weltrangliste), die USA (4.), Finnland (5.), Gastgeber Slowakei (10.), Dänemark (12.), Frankreich (13.) und Neuling Großbritannien (22.), der erste (Aufbau-)Gegner am Samstag. Bei den Platzierungen wird deutlich, dass es vor allem gegen die Slowakei und Dänemark um Rang vier in der Vorrunde geht. Die „Großen“ Kanada, Finnland und die USA vertrauen vielfach auf NHL-Stars und schon das letzte Testspiel am Dienstag gegen die USA (2:5) zeigte, dass die Trauben hoch hängen.

Die NHL ist das Zauberwort bei einer Weltmeisterschaft, bekanntlich fehlten die Stars bei Olympia. In der Slowakei sind viele Größen dabei, so auch Russlands Top-Star Alexander Owetschkin (Washington) oder eben Leon Draisaitl. Der 23-Jährige mutierte ebenfalls zu einem Top-Star der NHL, erzielte 50 Tore für die Edmonton Oilers und gab 55 Vorlagen zu Toren und war damit zweitbester Torschütze und vierbester Vorlagengeber der Saison. Das hat noch kein deutscher Spieler geschafft. Dennoch waren die Oilers, die einst mit Superstar Wayne Gretzky den Stanley-Cup gewannen, eines der schlechtesten Teams der NHL, obwohl Draisaitl mit Kapitän Connor McDavid noch einen kongenialen Partner an seiner Seite hatte. Ähnliches könnte ihm im Nationalteam widerfahren, dass er glänzt, aber der Erfolg ausbleibt.

Oder führt er Deutschland zum Erfolg? Zwölf deutsche Spieler waren zu Saisonbeginn in der NHL dabei, gerade drei konnte der neue Bundestrainer Toni Söderholm im Team begrüßen. Neben Draisaitl sollen Verteidiger Korbinian Holzer (Anaheim Ducks) und Dominik Karhun (Chicago Blackhawks) für Stabilität sorgen. Die Hoffnungen ruhen noch darauf, dass Torhüter Philipp Grubauer nachkommt, der dann aber mit Colorado in den Play-Offs ausscheiden müsste. Im Vorjahr gewann Grubauer mit Washington als vierter deutscher Spieler den Stanley-Cup (nach Uwe Krupp 1996 und 2002, Dennis Seidenberg 2011 sowie Tom Kühnhackl 2016 und 2017). Kühnhackl sagt übrigens verletzt ab.

Der eher unbekannte Söderholm tritt ein schweres Erbe an, denn Vorgänger Marco Sturm begeisterte Spieler und Fans mit seiner offenen Art und Erfolgen, wie eben Silber bei Olympia. Der Kater kam schon bei der folgenden WM mit Platz elf. Die Jahre davor waren es Rang acht und sieben, das lässt also hoffen. Der 40-Jährige Finne kommt offensichtlich bei der Mannschaft gut an, so dass Tiefpunkte wie in den Jahren 2012 bis 2016 nicht zu befürchten sind, als Deutschland unter „ferner spielten“ abschnitt.

Mit einer Weltmeisterschaft ist für das deutsche Eishockey die Hoffnung verbunden, endlich in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, zum Beispiel durch Übertragungen im Free TV (Sport1). In der Entwicklung kommt der DEB aber nicht wirklich voran, obwohl von Präsident Franz Reindl oft große Sprüche und Hoffnungen zu vernehmen sind. In der Nachwuchsarbeit hakt es nach wie vor, Leon Draisaitl und der neue Kapitän Moritz Müller (Köln) fordern unisono, dass junge deutsche Spieler mehr Chancen in den Vereinen bekommen müssten. In der DEL dominieren die Ausländer, so dass Erfolge wie die Finalteilnahme der Red Bulls aus München in der Champions League Augenwischerei sind.

Aber woher kommen die vergleichsweise vielen Deutschen in der NHL? Deutsche Talente sind heute eher offen für eine Lebensveränderung als frühere Generationen von Erich Kühnhackl bis Udo Kießling oder Dieter Hegen. So ist auch hier Leon Draisaitl ein Beispiel. In jungen Jahren zog es ihn nach Kanada, dort wurde aus dem Talent ein Star. Ab 2012 spielte er im Juniorenteam der Prince Albert Raiders, zwei Jahre später wechselte er in die NHL nach Edmonton. Die beste Schule für künftige Eishockey-Cracks liegt also in Übersee und nicht in Deutschland. Folgen viele diesem Weg, kann Deutschland auch mal Eishockey-Weltmeister werden. Der DEB würde feiern, ändern bzw. bessern würde sich hierzulande aber nichts.

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Eishockey: Nach Silber jetzt Gold oder Blech?

Es war im Februar, als Deutschland ein bisschen eishockeyverrückt wurde, als die deutsche Nationalmannschaft bei Olympia in Südkorea sensationell die Silber-Medaille holte – der größte Erfolg aller Zeiten. Doch der Boom ist abgeflaut und auch vor der Eishockey-Weltmeisterschaft, die am Freitag, 4. Mai (bis 20. Mai), in Dänemark beginnt, ist keine erhöhte Temperatur zu beobachten. Das hat natürlich seine Gründe, die der Sport-Grantler schon vor einem Jahr in seinem Kommentar „Warum Eishockey in Deutschland keine Zukunft hat“ (6. Mai 2017) dargelegt hat.

Dennoch werden die Sportfans vermehrt auf das Abschneiden des DEB-Teams schielen, weil sie wissen wollen, ob die Silber-Medaille nur ein positiver Ausrutscher war oder ob es mit dem deutschen Eishockey tatsächlich aufwärts geht. Im Raum steht die Frage, gibt es nach Silber jetzt vielleicht Gold oder bleibt am Ende nur Blech? Da ist auch Bundestrainer Marco Sturm, der „Macher“ des Eishockey-Wunders, betont vorsichtig: „Die WM kann man mit Olympia nicht vergleichen.“

Da hat er natürlich recht, wie will man einem Eishockey-Experten und ehemaligen NHL-Profi auch widersprechen. Bei Olympia nutzte die deutsche Auswahl bekanntlich die Gunst der Stunde, weil die NHL-Profis alle fehlten und die Favoriten in unterschiedlichem Maße geschwächt waren. In Dänemark sind viele Stars wieder dabei, wenn natürlich auch nicht alle, denn traditionell geht in Nordamerika der Kampf um den Stanley Cup jetzt erst in seine entscheidende Phase. Nur die Verlierer sind bei der Weltmeisterschaft dabei, aber das kennen wir ja. So kann auch Marco Sturm auf NHL-Stars zurückgreifen, allen voran auf Jung-Star Leon Draisaitl (Edmonton), aber auch auf Dennis Seidenberg (New York Islanders) und Korbinian Holzer (Anaheim Ducks). Dafür fehlen ihm aber eine Reihe von Silber-Helden, die zum Teil nach Olympia ihre Karriere beendet haben, wie Kapitän Marcel Goc und Fahnenträger Christian Ehrhoff. Insgesamt musste Sturm rund ein Dutzend Absagen aus unterschiedlichen Gründen hinnehmen. Die WM-Mannschaft wird also nicht das Silber-Gesicht haben.

Es ist wie immer vor einer Weltmeisterschaft, Deutschland gehört auch in Dänemark zu den Außenseitern, ein erneuter Medaillengewinn wäre wieder eine Sensation. Das Ziel heißt zunächst einmal Viertelfinale, das muss der Weltranglisten-Siebte auch ansteuern und sollte gegen die Gruppengegner Dänemark (4. Mai), Norwegen (6.), USA (7.), Südkorea (9.), Lettland (12.), Finnland (13.) und Kanada (15.) auch möglich sein. Ein vorzeitiges Ausscheiden würde gleich wieder einen Schatten werfen, nach dem Motto „haben wir es doch gewusst, Olympia war reiner Zufall“.

Sollten in Dänemark der Spaß und der Erfolg fehlen, dann könnte dies auch die Zukunft des DEB-Teams gravierend beeinflussen, weil sich nämlich Trainer Marco Sturm dann wohl verstärkt Gedanken über seine Zukunft machen würde. Der 39-jährige hat zwar einen Vertrag bis 2022 unterschrieben, aber einem vorzeitigen Abschied würde der Verband kaum im Wege stehen. Sturm hat eines klargestellt: Sein Traum, sein Ziel ist eine Trainertätigkeit in der Profi-Liga NHL in Nordamerika. Sein Haus in Florida wartet auf ihn, seine Familie kann sich ein Leben in Übersee gut vorstellen. Die Frage ist, welches Abschneiden führt eher zu einem Abschied von Sturm: Der Erfolg, dann würde Sturm als Trainer für andere noch interessanter werden, oder der Misserfolg, dann würde Sturm wohl über einen Abschied nachdenken, weil er eine ungewisse Zukunft sieht. Eishockey wird in Deutschland nie ganz in den Vordergrund rücken, wie sie es im Verband erträumen. Gold oder Blech – beides kann für den Deutschen Eishockey-Bund zu einem Problem werden.

2018 ist ein Jahr des Sports

Vor einem Jahr hieß es beim Sport-Grantler „2017 wird das Jahr der Funktionäre“ und seine Prognose hat wohl gestimmt, denn neben den Doping-Skandalen haben vor allem korrupte und geltungssüchtige Verbandsfunktionäre die Schlagzeilen bestimmt und den Sport oft an den Rand gedrängt. Die Skandale werden uns auch weiter begleiten, aber 2018 ist dennoch ein Jahr des Sports. Alle vier Jahre stehen einfach die Großereignisse im Mittelpunkt, nämlich die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea (9. – 25. Februar) und die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni – 15. Juli). Früher hatten wir alle vier Jahre die sogenannten Olympischen Jahre, doch dies hat sich ja geändert, nachdem Sommer- und Winterspiele zeitlich getrennt wurden. Dafür beginnt in Südkorea die asiatische Olympia-Ära mit den folgenden Spielen in Tokio und Peking.

Aber zurück ins Jahr 2018, wo es neben den genannten Großereignissen natürlich noch viele Weltmeisterschaften und kontinentale Meisterschaften gibt, die aber alle im Schatten von Olympia und Fußball stehen werden. Hoffen wir, dass es die Funktionäre nicht schaffen, mit weiteren Skandalen den Sport zudem in den Hintergrund zu drängen.

Aber welche Sportarten können die Fans noch begeistern? Die Formel 1 ist wieder interessanter geworden, mit neuen Besitzern und neuer Spannung. Kann Ferrari endlich Mercedes stoppen und Sebastian Vettel dem Briten Lewis Hamilton den Titel entreißen und Italien glücklich machen? Am 25. März beginnt die Hatz in Australien, die nach 21 Rennen am 25. November in Abu Dhabi endet. Natürlich läuft auch wieder die Tour de France, die Radstars sitzen vom 2. bis 29. Juli im Sattel, in der Zeit steigt der Umsatz von Asthma-Mitteln. Christopher Froome hat bewiesen, dass man nur mit Asthma die Tour gewinnen kann. Vielleicht wäre es besser, zwei Felder an den Start gehen zu lassen, die Fahrer mit Asthma und die ohne. Es wäre wohl sportlich gerechter. Von Doping sprechen wir dabei – gemäß der Diktion von Froome – selbstverständlich nicht.

Natürlich ist, wie in jedem Jahr, der Golf- und Tennis-Zirkus wieder unterwegs, mit den Major- bzw. Grand-Slam-Turnieren als Höhepunkte. Die Golfer haben traditionell ihr erster großes Turnier mit dem Masters in Augusta (5. – 8. April) und hoffen vor allem darauf, dass der Rücken von Tiger Woods hält und der große Star den Sport wieder in den Blickpunkt rückt. Als extra Highlight gibt es vom 28. – 30. September noch den Ryder Cup in Paris, wenn sich die Spitzengolfer aus den USA und Europa duellieren. Deutschland hatte vergeblich auf dieses Event gehofft, um Golf aus einem gewissen Schattendasein zu führen. Die Tennis-Cracks starten ihre großen Turniere schon früher, vom 15. – 28. Januar werden die Australian Open in Melbourne ausgetragen. Auch im Tennis geht es um Verletzungen, viele Stars gehen mehr oder weniger am Stock, die Belastung muss reduziert werden.

Die Mannschaftssportarten stöhnen besonders unter „König Fußball“, kämpfen aber unverdrossen darum, auch ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Handballer wollen für ihre Europameisterschaften Interesse, die Männer kämpfen vom 12. – 28. Januar in Kroatien um den Titel, die Frauen am Ende des Jahres vom 29. November bis 16. Dezember in Frankreich. Eishockey trägt ungeachtet der Olympischen Spiele auch eine Weltmeisterschaft aus. Die WM dürfte in diesem Jahr allerdings Olympia sogar übertreffen, weil im Gegensatz zu Südkorea vom 4. – 20. Mai in Kopenhagen und Herning in Dänemark einige NHL-Profis dabei sein werden. Für Olympia unterbricht die NHL bekanntlich nicht ihre Saison und erntete dafür viel Kritik. Olympische Spiele sind halt nicht immer der große Lockvogel.

Na ja, Katar darf natürlich mit einem großen Event nicht fehlen, die Scheichs in der Wüste erfreuen sich auch am Turnen und holten die Weltmeisterschaft vom 25. Oktober bis 3. November nach Doha. Aber auch Deutschland darf sich auf ein Großereignis freuen, die Leichtathletik-Europameisterschaft wird vom 6. – 12. August in Berlin ausgetragen. Bleibt zu hoffen, dass es keine Doping-Kämpfe werden. Aber einige Spitzenathleten werden schon über Asthma klagen…

Wir sehen, 2018 hat auch im Sport einiges zu bieten, aber der Sport wird wohl auch wieder einmal im Schatten der Politik stehen. So sucht Deutschland noch eine Regierung, weiß die Welt nicht, welche Torheiten US-Präsident Donald Trump noch in petto hat und mit Blick auf die Olympischen Spiele in Südkorea haben alle Sorgen, ob Nordkoreas Führer Kim Jong Un nicht doch noch etwas in Schilde führt. Hoffen wir dennoch, dass 2018 ein großes Sportjahr wird.

Eishockey-WM: Handballer sind das Vorbild

 

Von so einem Märchen träumt jede Mannschaft: Die deutschen Handballer wurden bei der Europameisterschaft Ende Januar in Polen sensationell Europameister. Zwar mit Ambitionen, aber eigentlich ohne Erwartungen in der Öffentlichkeit starteten sie als Nobody eine Siegesserie bis zur Sensation – dem Titelgewinn! Eine Nation lebte plötzlich Handball, rund 13 Millionen Zuschauer sahen an den Fernsehgeräten das Finale, den 24:17-Triumph über den Favoriten Spanien. Eine junge, verletzungsgeplagte Mannschaft ließ sich nicht aufhalten. Eben ein Märchen.

Von so einem Märchen träumen sie im Eishockey schon lange. Bisher platzten allerdings alle Träume ziemlich frühzeitig, in den letzten Jahren war man schon froh, wenn die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft nicht zu den Absteigern zählte. Auch Olympia fand zuletzt ohne Deutschland statt. Der Sprung ins WM-Viertelfinale gelang zuletzt 2011, als Deutschland unter Uwe Krupp Vierter wurde. Doch vor der Weltmeisterschaft 2016 in Russland (Moskau und St. Petersburg) herrscht eine Aufbruchstimmung, was vor allem mit dem neuen Bundestrainer Marco Sturm zusammenhängt.

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den erfolglosen Pat Cortina gelang dem neuen DEB-Präsidenten Franz Reindl ein Coup: Mit dem heute 37jährigen ehemaligen NHL-Profi Marco Sturm holte er einen Sympathieträger ins Boot. Der gebürtige Dingolfinger und frühere Landshuter Nationalspieler hat zwar keine Erfahrung als Trainer, aber er ist auf Grund seiner NHL-Erfahrung eine Galionsfigur wie Uwe Krupp, zu der die Spieler aufschauen. Zuletzt stellte die Nationalmannschaft für die Spieler nicht unbedingt einen großen Anreiz dar, jetzt sind sie wieder alle dabei. Aufbruchstimmung eben.

In seinem Aufgebot für St. Petersburg, wo die deutsche Mannschaft ab Samstag ihre Vorrunde absolviert, hat Marco Sturm gleich sieben WM-Neulinge stehen, aber auch vier Cracks aus der Profiliga NHL. Die Verteidiger Ehrhoff (Chicago) und Holzer (Anheim) sollten der DEB-Abwehr Sicherheit verleihen, die Stürmer Rieder (Arizona) und Draisaitl (Edmonton) vorne für Power sorgen. Vor allem auf das große Talent Leon Draisaitl sind die Augen gerichtet, er wird in Übersee als „The German Gretzky“ gefeiert. Welche Ehre, mit dem größten Eishockeyspieler aller Zeiten verglichen zu werden.

Draisaitls Vater Peter war dabei, als Deutschlands Eishockey zum letzten Mal Aufmerksamkeit bei einer breiten Öffentlichkeit fand. Es war 1972 bei den Olympischen Winterspielen in Albertville, als sich Deutschland und Kanada im Viertelfinale einen Eishockey-Krimi bis zum Penaltyschießen lieferten. Über zehn Millionen saßen auch damals beim Eishockey an den Bildschirmen, die Tagesschau wurde verschoben, und sie sahen, wie Peter Draisaitls entscheidender Schuss auf der Linie liegenblieb… Seitdem ist die Nationalmannschaft mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden.

Mit Marco Sturm sollen also auch die Herzen der Fans im Sturm erobert werden. Der Anfang muss mit einem guten Abschneiden in Russland gemacht werden, die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Wichtig wird ein guter Start sein, wie im Vorjahr in Prag ist der erste Gegner Frankreich, der in der Weltrangliste als Zwölfter gerade einen Platz vor Deutschland steht. Vor einem Jahr gelang ein 2:1-Erfolg, außerdem wurde Lettland geschlagen und dem späteren Absteiger Österreich unterlag Deutschland erst im Penaltyschießen. Platz fünf in der Gruppe war ehrenwert, das Viertelfinale wurde aber wieder verfehlt.

Auf dem Weg dahin gilt es diesmal mehr Siege einzufahren. Gegner sind nach Frankreich in der Reihenfolge noch Finnland (4. Weltrangliste), Slowakei (8.), Kanada (1., Titelverteidiger), Weißrussland (9.), USA (5.) und Aufsteiger Ungarn (19.). In der Gruppe A in Moskau spielen Gastgeber Russland, Schweden, Tschechien, Schweiz, Lettland, Norwegen, Dänemark und Aufsteiger Kasachstan.

Nach dem Handball-Märchen gleich auch ein Eishockey-Märchen? Das wäre zu viel verlangt. Für die DEB-Auswahl geht es vor allem darum, Sympathien zu gewinnen, Aufmerksamkeit zu schaffen und sportlich einem Fortschritt erkennen zu lassen. Es warten nämlich fast noch wichtigere Aufgaben. Vom 1. bis 4. September vor allem die Olympia-Qualifikation in Riga/Lettland und 2017 die Heim-WM, die Deutschland zusammen mit Frankreich austrägt. Das Eishockey-Märchen käme 2017 zu rechten Zeit. Aber auch bei Olympia 2018 in Südkorea sollte Deutschland nicht fehlen.

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland

Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2015 ist Vergangenheit, der Sommer kann kommen. Tschechien sah in Prag und Ostrau das wahrscheinlich beste Turnier seit vielen Jahren. Es gab eine große Zahl von begeisternden Spielen, vor allem aber einen souveränen Auftritt vom neuen Weltmeister Kanada. „Eishockey von einem anderen Stern“, urteilten manche Kritiker. Kanada nahm mit dem 6:1 im Finale Revanche an Russland, gegen das man 2008 und 2009 im Endspiel verloren hatte. Der letzte Titelgewinn gelang 2007 ausgerechnet in Moskau.

Sidney Crosby im „Triple Gold Club“

Jetzt der Jubiläumstitel, die 25. Meisterschaft in Tschechien. Für Kanada war das Eis heiß. Trainer Todd McLellan gelang es, die NHL-Stars zu einer echten Mannschaft zusammen zu fügen. Sie waren diesmal nicht auf Sightseeingtour in Europa, sondern konzentrierten sich auf den Sport. Allen voran Superstar Sidney Crosby, der Aufnahme in den „Triple Gold Club“ fand. Crosby schaffte den „Eishockey-Grand-Slam“, gewann nun nach Olympia-Gold und den Stanley-Cup auch die Weltmeisterschaft. Er ist allerdings der erste Spieler, der bei allen Pokalgewinnen Kapitän war!

In Tschechien erlebten wir eine Weltmeisterschaft der Begeisterung, der Stars und der Rekorde. Crosby war ja nicht allein, im gegenüber stand der russische Superstar Alexander Ovechkin, der allerdings erst zu den letzten Spielen einfliegen konnte und Russland nicht mehr entscheidend helfen konnte. Zum Superstar wurde aber auch Finnlands Torhüter Pekka Rinne, der 237 Minuten ohne Gegentor blieb und einen neuen WM-Rekord aufstellte. Für einen Rekord sorgten zudem die Zuschauer, 741.690 Besucher gab es noch nie. Sie sorgten vor allem aber auch für beste Stimmung bei einem der besten Turniere überhaupt.

Olympia-Qualifikation in Riga

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland. Das DEB-Team schlug sich wacker, konnte aber nur das Minimalziel erreichen, nämlich den Abstieg verhindern. Dabei wollte der neue DEB-Präsident Franz Reindl nach den Sternen greifen und fabulierte von der „Weltspitze“, die man erreichen wolle. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Deutschland war am Ende Zehnter und konnte sich in der Weltrangliste nicht verbessern. Bleibt also weiter Platz 13 und ein schwerer Weg zu den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea. Bei der Olympia-Qualifikation vom 1. bis 4. September in Riga sind neben einem Qualifikanten Gastgeber Lettland und Dauerrivale Österreich die Gegner. Keine leichte Aufgabe.

Keine leichte Aufgabe wird es auch, Deutschland wirklich in die Weltspitze zu führen. Die endet, sagen wir mal, bei Platz acht. Dort ist derzeit die Slowakei platziert und da muss Deutschland erst einmal Dauergast im Viertelfinale werden, um vozurücken. Franz Reindl beklagt in einem Interview mit http://www.hockeyweb.de dass der Deutsche Eishockey-Bund zuletzt vier Jahre Zeit verloren habe, weil es keinen Sportdirektor gab. Reindl war dies über viele Jahre hinweg und war zuletzt als Generalsekretär in entscheidender Position – also mitverantwortlich!

Kein Abstieg in Russland

Eishockey-Fans in Deutschland hoffen darauf, dass den großen Worten auch mal große Taten folgen. Als erstes wird der neue Bundestrainer erwartet, denn Pat Cortina, der in Prag mit vielen Absagen leben musste, hat wohl keine Zukunft im Verband. Mit Ruhe kann vor allem die nächste Weltmeisterschaft 2016 in Russland angegangen werden. Kanada, Finnland, die USA, die Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn sind in St. Petersburg zwar starke Gegner, aber vor einem Abstieg muss man nicht zittern: Deutschland und Frankreich sind als Gastgeber 2017 (Köln und Paris) gesetzt. Schlecht für Ungarn.