Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland

von knospepeter

Die Eishockey-Weltmeisterschaft 2015 ist Vergangenheit, der Sommer kann kommen. Tschechien sah in Prag und Ostrau das wahrscheinlich beste Turnier seit vielen Jahren. Es gab eine große Zahl von begeisternden Spielen, vor allem aber einen souveränen Auftritt vom neuen Weltmeister Kanada. „Eishockey von einem anderen Stern“, urteilten manche Kritiker. Kanada nahm mit dem 6:1 im Finale Revanche an Russland, gegen das man 2008 und 2009 im Endspiel verloren hatte. Der letzte Titelgewinn gelang 2007 ausgerechnet in Moskau.

Sidney Crosby im „Triple Gold Club“

Jetzt der Jubiläumstitel, die 25. Meisterschaft in Tschechien. Für Kanada war das Eis heiß. Trainer Todd McLellan gelang es, die NHL-Stars zu einer echten Mannschaft zusammen zu fügen. Sie waren diesmal nicht auf Sightseeingtour in Europa, sondern konzentrierten sich auf den Sport. Allen voran Superstar Sidney Crosby, der Aufnahme in den „Triple Gold Club“ fand. Crosby schaffte den „Eishockey-Grand-Slam“, gewann nun nach Olympia-Gold und den Stanley-Cup auch die Weltmeisterschaft. Er ist allerdings der erste Spieler, der bei allen Pokalgewinnen Kapitän war!

In Tschechien erlebten wir eine Weltmeisterschaft der Begeisterung, der Stars und der Rekorde. Crosby war ja nicht allein, im gegenüber stand der russische Superstar Alexander Ovechkin, der allerdings erst zu den letzten Spielen einfliegen konnte und Russland nicht mehr entscheidend helfen konnte. Zum Superstar wurde aber auch Finnlands Torhüter Pekka Rinne, der 237 Minuten ohne Gegentor blieb und einen neuen WM-Rekord aufstellte. Für einen Rekord sorgten zudem die Zuschauer, 741.690 Besucher gab es noch nie. Sie sorgten vor allem aber auch für beste Stimmung bei einem der besten Turniere überhaupt.

Olympia-Qualifikation in Riga

Heißes Eis in Kanada, kaltes Eis in Deutschland. Das DEB-Team schlug sich wacker, konnte aber nur das Minimalziel erreichen, nämlich den Abstieg verhindern. Dabei wollte der neue DEB-Präsident Franz Reindl nach den Sternen greifen und fabulierte von der „Weltspitze“, die man erreichen wolle. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Deutschland war am Ende Zehnter und konnte sich in der Weltrangliste nicht verbessern. Bleibt also weiter Platz 13 und ein schwerer Weg zu den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea. Bei der Olympia-Qualifikation vom 1. bis 4. September in Riga sind neben einem Qualifikanten Gastgeber Lettland und Dauerrivale Österreich die Gegner. Keine leichte Aufgabe.

Keine leichte Aufgabe wird es auch, Deutschland wirklich in die Weltspitze zu führen. Die endet, sagen wir mal, bei Platz acht. Dort ist derzeit die Slowakei platziert und da muss Deutschland erst einmal Dauergast im Viertelfinale werden, um vozurücken. Franz Reindl beklagt in einem Interview mit http://www.hockeyweb.de dass der Deutsche Eishockey-Bund zuletzt vier Jahre Zeit verloren habe, weil es keinen Sportdirektor gab. Reindl war dies über viele Jahre hinweg und war zuletzt als Generalsekretär in entscheidender Position – also mitverantwortlich!

Kein Abstieg in Russland

Eishockey-Fans in Deutschland hoffen darauf, dass den großen Worten auch mal große Taten folgen. Als erstes wird der neue Bundestrainer erwartet, denn Pat Cortina, der in Prag mit vielen Absagen leben musste, hat wohl keine Zukunft im Verband. Mit Ruhe kann vor allem die nächste Weltmeisterschaft 2016 in Russland angegangen werden. Kanada, Finnland, die USA, die Slowakei, Weißrussland, Frankreich und Aufsteiger Ungarn sind in St. Petersburg zwar starke Gegner, aber vor einem Abstieg muss man nicht zittern: Deutschland und Frankreich sind als Gastgeber 2017 (Köln und Paris) gesetzt. Schlecht für Ungarn.

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