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Tag: Europa League

Das Wochenende des FC Bayern München

Ende gut, alles gut heißt es beim FC Bayern München. Der Fußball-Bundesligist beendete eine Saison, die im Herbst des letzten Jahres fast schon (gefühlt) in Trümmern lag, mit einem grandiosen Sieges-Wochenende. Das schlagzeilenträchtige Double der Profis mit Meisterschaft und Pokalsieg innerhalb einer Woche war es nicht allein, sondern dazu kam, dass die Amateure als Bayern II nach acht Jahren Wartezeit endlich den Aufstieg in die 3. Liga schafften und der Nachwuchs der U17 rundete das Feier-Wochenende mit dem Titelgewinn als Süddeutscher Meister ab. Ein erster Erfolg für Miroslav Klose als Trainer.

War es aber auch das Wochenende des Niko Kovac? Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man die Diskussionen rund um den Bayern-Trainer als Komödienstadel bezeichnen. Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gaben eine unglückliche Figur in ihren Verlautbarungen ab, wenn es um die Zukunft des Kroaten ging, der ja sowieso einen Vertrag bis 2021 hat. Die Zwischentöne offenbarten: Man mag ihn nicht unbedingt, aber man muss ihn wohl behalten, wenn er so erfolgreich ist. Der 47-Jährige Coach ist zu nüchtern und pragmatisch, als dass er die Herzen spontan erobern kann. Sein Defensiv-Denken kommt in der Mannschaft nicht gut an, also ist er auch bei den Stars umstritten. Doch sie haben mit ihm Erfolg. Kovac schaffte ein Novum, als Erster holte er als Spieler und als Trainer mit den Bayern das Double. Eine Leistung, die bei den Fans zählt, denn die gaben ihre Zurückhaltung auf und feierten sowohl in den Stadien in München beim Titelgewinn und in Berlin beim Pokalsieg als auch auf dem Marienplatz bei der Meisterfeier den Trainer. Rummenigge hingegen versäumte einen Dank beim Siegesbankett. Das lässt tief blicken.

Aber Erfolg sichert den Arbeitsplatz. Hatte nicht Uli Hoeneß schon vorgebeugt, als er davon sprach, „dass die Bayern auch mal mit einem Jahr ohne Titel leben könnten“? Jetzt werden sie mit zwei Titeln besonders gut leben können und müssen abwarten, wie Niko Kovac den weiteren Umbruch der Mannschaft bewältigt, den ersten Teil hat er jedenfalls erfolgreich, wenn auch mit Schrammen, hinter sich gebracht.

Abschiede gibt es bei den Bayern dennoch und sie drängten die Zukunft des Trainers sogar in den Hintergrund. Die große Ära der Franck Ribery und Arjen Robben und in ihrem Schatten auch des Brasilianers Rafinha ist zu Ende. Sie holten Titel en masse, gekrönt mit dem Triple mit Champions-League-Sieg 2013. Ribery sicherte sich sogar Rekorde als einziger Spieler mit neun Meisterschaften und jetzt sechs Pokalsiegen. Ein weiterer Abschied kündigte sich zudem an, Jerome Boateng, zuletzt nur Ersatz, verzog sich in den Schmollwinkel und blieb bei den Feierlichkeiten außen vor. Er hat mit den Bayern abgeschlossen und Uli Hoeneß riet ihm folgerichtig, sich einen neuen Verein zu suchen. Ein Abschied in Ehren dagegen für Kovac-Assistent Peter Herrmann, der einst an der Seite von Jupp Heynckes zu den Bayern kam und jetzt vielleicht Sportdirektor in Nürnberg wird. Als möglicher Nachfolger wird der frühere Löw-Assistent und DFB-Sportdirektor Hansi Flick gehandelt.

Jetzt wird der Blick in die Zukunft gerichtet, welche Verstärkungen nach Hernandez und Pavard an Bord kommen. Heiß gehandelt werden vor allem die Nationalspieler Timo Werner und Leroy Sane als weitere Tempo-Spieler sowie der Spanier Rodrigo von Atletico Madrid als Verstärkung im Mittelfeld. Bei allen Stars sind die Bayern natürlich nicht der einzige Interessent. In Berlin im Pokalfinale richteten es aber vorwiegend noch die alten Cracks. Torhüter Manuel Neuer kam nach Verletzungspause mit Sensationsparaden zurück, Mats Hummels bewies ebenso seine Klasse wie Thiago, dem man ja auch oft nachsagt, in wichtigen Spielen unterzutauchen. Ein Makel, der auch Robert Lewandowski anhaftet, der aber mit zwei Treffern ebenso wie Neuer zum absoluten Matchwinner wurde. Und mit sechs Toren in Pokalfinalen ist er alleiniger Rekordhalter, noch vor der Legende Gerd Müller.

Jetzt geht es um die Zukunft

Die Zukunft wird in den nächsten Wochen die Schlagzeilen bestimmen, eine Zukunft, die auch die Konkurrenz beeinflussen will. So stellte sich der RB Leipzig schon als starker Gegner vor, der den Bayern mit einem offensiven Pressing anfangs erhebliche Probleme bereitete, aber das Spielglück nicht auf seiner Seite hatte und an der Klasse der Bayern schließlich zerbrach. Aber für die Zukunft sind die Leipziger gut gerüstet und das will auch Borussia Dortmund sein. Dort stellte die Einkaufslust das Pokalfinale fast in den Schatten, die Verstärkungen Julian Brandt (Leverkusen), Nico Schulz (Hoffenheim) und Thorgan Hazard (Gladbach) für rund 80 Millionen Euro stellen eine Kampfansage dar, die Boss Watzke untermauert: „Wir wollen Meister werden“, legt er die jahrelange Zurückhaltung ab. Bisher hieß es bei der Konkurrenz immer, „wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein“. Jetzt schwächelten die Bayern und niemand war da. Am Ende waren die Bayern selbst wieder da, sogar doppelt.

Was die Zukunft angeht, sollte auch die Bayern II eine Rolle spielen. Nach acht Jahren Anlauf klappte die Rückkehr in die 3. Liga mit einem Kraftakt wie wir ihn zuletzt auf Europas Bühnen gesehen haben. Gegen Wolfsburg II schafften die Münchner nach einer 1:3-Niederlage mit einem grandiosen 4:1 nach 0:1-Rückstand noch die Wende. Allerdings könnte es sein, dass trotz des Aufstiegs Talente bei anderen Vereinen eher eine Zukunft sehen. Leistungsträger wie Abwehrspieler Mai, Spielmacher Shabani und Flügelflitzer Jeong sind begehrt. Allerdings brauchen die Bayern für die 3. Liga eine starke Mannschaft. Interessant vor allem die Derbys gegen 1860 München und Unterhaching. Die Bayern stellen übrigens jetzt die einzige 2. Mannschaft in der 3. Liga, was ja auch dem Sonderstatus, den die Münchner gerne für sich reklamieren, entspricht.

Englische Woche

Auf Europas Bühne spielen die deutschen Teams bekanntlich nicht mit, mit den Finals in Europa League am Mittwoch in Baku und Champions League am Samstag in Madrid haben wir nicht nur den Höhepunkt der internationalen Punktspielsaison, sondern auch eine „Englische Woche“. Europa guckt quasi auf die Geldtöpfe der Premier League, die die Pokale unter sich aufteilt. Brexit hin oder her, im Fußball dominiert England Europa.

Vereinen und Fans ist eigentlich zum Feiern zumute, für Misstöne sorgt (natürlich) aber wieder die UEFA. Die Funktionäre treten ja wirklich in jedes Fettnäpfchen, den Austragungsort Baku hätte es nicht geben dürfen. In Aserbeidschan spielen die Menschenrechte nur eine untergeordnete Rolle und da es einen politischen, kriegerischen Zwist mit Armenien gibt, wird Arsenals Star, der Ex-Dortmunder Mkhitaryan aus Sicherheitsgründen nicht nach Baku reisen. Ein Unding, so etwas muss die UEFA bei der Auswahl des Endspielortes berücksichtigen. Außerdem gibt es Zwistigkeiten mit Eintrittskarten, so dass von einem Fußball-Fest beim Duell FC Chelsea gegen FC Arsenal keine Rede sein kann.

Auch ohne deutsche Klubs gibt es wenigstens eine deutsche Beteiligung, bei Arsenal dürften die deutschen Nationalspieler Leno, Özil und Mustafi auf dem Rasen stehen, zudem die früheren Bundesligaspieler Xhaka (Gladbach), Kolasinac (Schalke), Aubemayang und Sokratis (beide Dortmund). Fußball-Deutschland ist bekanntlich auch im Finale der Champions League dabei und drückt wohl Liverpools Trainer Jürgen Klopp gegen Tottenham die Daumen, damit er seinen ersten internationalen Titel gewinnt und die Fans der Reds für die entgangene Meisterschaft entschädigt. Klopp würde sich dann wohl endgültig in Liverpool unsterblich machen.

Demnächst hier auch ein Rückblick auf die Eishockey-Weltmeisterschaft und die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.

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Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert

Die Fußball-Saison geht ihrem Ende entgegen. Das macht die Fans zum Teil traurig, andererseits haben die letzten Spieltagen einen besonderen Reiz: An jedem Spieltag wird jetzt gefeiert! In Europas Ligen stehen einige Meister bereits fest, in der Bundesliga feierten der SC Freiburg, FC Augsburg und Schalke 04 den Klassenerhalt. Das Bangen und Zittern über viele Wochen hinweg hat ein glückliches Ende gefunden.

Und so fallen jetzt an jedem Spieltag Entscheidungen, allerdings nicht nur gute. Logisch, ein Abstieg stürzt die Vereine in ein finsteres Loch, manche finden daraus nicht mehr den Weg zurück ans Licht und an die Geldtöpfe der Bundesliga. Oft sind solche Abstürze allerdings durch schlechtes Management auch selbst gemacht. Hier steht der HSV als Beispiel, der eigentlich in einer Stadt wie Hamburg beste Voraussetzungen hat, aber durch jahrelange Misswirtschaft den Abstieg zu verantworten hatte und nun dabei ist, den möglichen sofortigen Wiederaufstieg zu verpassen. Ist es mutig, dass der HSV-Vorstand an Trainer Hannes Wolf festhält oder ist es nach einer Misserfolgsserie nicht eher fahrlässig? Das Spiel beim Überraschungszweiten Paderborn wird es zeigen. Der Fußball ist unberechenbar, da der Neuling, der nie mit einem Durchmarsch gerechnet hatte, dort der Altmeister, für den es nichts als den Aufstieg gab, der aber vor dem Scheitern steht. Wo wird am Schluss gefeiert?

In der Bundesliga werden wohl Hannover 96 und der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr den Weg des HSV in die zweite Liga gehen. Sechs bzw. fünf Punkte Rückstand sind es auf den VfB Stuttgart, der sich fast schon auf die Relegationsspiele konzentrieren kann. Wie soll eine Mannschaft, die in 34 Spielen nur vier bzw. dreimal gewann, plötzlich zwei Spiele in Serie gewinnen? Möglich, aber unwahrscheinlich. Im Tabellenkeller waren die Leistungen in diesem Jahr katastrophal. Vor der Saison haben die Abstiegskandidaten meist das Ziel 40 Punkte zu erreichen, künftig sollten sie das Ziel auf 35 reduzieren, damit wäre man derzeit 13.! Schalke hat mit 31 Zählern den Klassenerhalt schon sicher. Das sagt alles. Bedenklich: Die Aufstiegskandidaten aus der 2. Bundesliga zeigen sich eigentlich außer Köln allesamt (Paderborn, HSV; Union Berlin, Heidenheim, St. Pauli) nicht als tauglich für das Oberhaus.

Überhaupt waren die Leistungen in dieser Saison überschaubar. Richtig guten Fußball bekamen die Fans nur selten geboten, teilweise zauberten Dortmund, Gladbach, Leverkusen oder Leipzig, aber niemand war konstant genug. Beispiel Dortmund, dass mit jugendlichem Elan begeisterte, aber als es ernst wurde, da flatterten die Nerven. So wird wohl der FC Bayern München wieder Meister, der selten begeisterte, sich aber auf solide Wertarbeit verlegte (Kovac-Schule) und nach seiner Krise im Herbst die Konkurrenz wohl einschüchterte. Dortmund verlor in der Rückrunde zehn Punkte auf die Bayern.

Nicht Dortmund, sondern der RB Leipzig wird zum Saisonschluss zum großen Konkurrenten der Bayern. Am Samstag geht es in Leipzig um die Meisterschaft, den Bayern reicht angesichts der weitaus besseren Tordifferenz ein Unentschieden, um den Meistertitel unter Dach und Fach zu bringen. Am 25. Mai geht es dann im Pokalfinale um das Double. Dass die Bayern die Vorlage der Borussia mit dem 2:2 in Bremen nicht nutzen, ist kaum vorstellbar. Dann können auch die Stars Arjen Robben und Franck Ribery zu ihrem Abschied gebührend gefeiert werden. So eine Feier kann man sich nicht nehmen lassen.

Eintracht Frankfurt könnte am Schlusstag noch der Spielverderber sein, wenn die Bayern in Leipzig verlieren. Doch die Helden auf Europas Bühnen kommen buchstäblich auf dem Zahnfleisch daher, sie könnten am Ende einer begeisternden Saison sogar noch mit leeren Händen dastehen. Kein Finale in der Europa League, kein Platz in der Champions League, vielleicht nicht einmal ein Platz für Europa. Wie Donnerhall kam Leverkusen über die Frankfurter mit dem Rekord von 6:1 zur Halbzeit. Das kann Spuren hinterlassen und gibt den Verfolgern Leverkusen, Gladbach (da fehlt derzeit aber auch die Form), Wolfsburg und Hoffenheim Auftrieb. Am Schluss können vier Klubs feiern, einer wird der Dumme sein.

Dumm ausgeschaut haben wieder einmal die Schiedsrichter in punkto Entscheidungen über ein Handspiel. Auf dem Feld und im Kölner Keller beim Videobeweis gab es nur Fehler. Keiner weiß mehr, wie entschieden wird, bei den Schiedsrichtern passt ein Filmtitel: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Meisterschaften werden gefeiert

In anderen Ligen Europas werden die Meisterschaften bereits gefeiert. Vorzeitig waren bereits Paris St. Germain in Frankreich, Juventus Turin in Italien, der FC Barcelona in Spanien und RB Salzburg in Österreich am Ziel. Nachgezogen haben jetzt unter anderem Zenit St. Petersburg in Russland und Celtic Glasgow in Schottland (50. Titel). Die Salzburger schafften mit dem Pokalsieg das Double und hoffen auf die Champions League. Ajax Amsterdam zeigte sich erneut als „Mannschaft der Stunde“ und holte mit dem Pokal in den Niederlanden den ersten von drei möglichen Titeln. Das Triple hat auch der FC Barcelona noch im Visier.

So wird in dieser Woche in der Champions League auch gefeiert oder getrauert. Nach den Hinspielen heißt es Vorteil Ajax (1:0 gegen Tottenham) und Barcelona (3:0 gegen Liverpool, wo Lionel Messi wieder einmal eine überragende Partie bot und bewies, er ist derzeit wieder der beste Fußballer der Welt). In der Europa League wird es für Eintracht Frankfurt schwer, das Finale zu erreichen, das 1:1 gegen Chelsea London machte für das Rückspiel nicht unbedingt Mut.

Gefeiert wurde die Meisterschaft auch bei den Frauen. Der VfL Wolfsburg ist endgültig am Ziel, ein mageres 1:0 in Hoffenheim bedeutete den fünften Titel. Nach dem Pokalsieg gegen Freiburg war es das dritte Double in Folge, deutliches Zeichen einer großen Dominanz. Wolfsburg verlor nur ein Spiel, nämlich beim Zweiten Bayern München. Dort steht ein gewaltiger Umbruch an, das Trainerteam um Thomas Wörle geht und gleichzeitig verlassen neun (!) Spielerinnen den Verein. Kapitänin Melanie Behringer beendet ihre Karriere, zu neuen Zielen brechen Gina Lewandowski (USA), Sara Däbritz (Paris), Manuela Zinsberger, Leonie Maier, Lucie Vonkova, Jill Roord, Fridolina Rölfö und Anna Gerhardt auf. Da wartet auf den neuen Trainer Jens Scheuer (bisher Freiburg) viel Arbeit.

Lesen Sie dazu ergänzend auch den nächsten Kommentar „Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht“.

Warum es am Saison-Ende drunter und drüber geht

Der 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga war alles andere als normal. In fast allen Begegnungen gab es Überraschungen, an der Spitze natürlich der Triumph von Schalke 04 im Ruhrpott-Derby in Dortmund. 42 Punkte Unterschied waren es vorher, das 2:4 entsprechend ein passendes Ergebnis. Warum aber geht es zum Saison-Ende hin in den Ligen drunter und drüber? Ein Versuch der Ursachenforschung.

Es gibt sicherlich vielerlei Gründe dafür, dass die Papierform nur noch etwas für den Papierkorb ist. In erster Linie spielen bei vielen die Nerven nicht mit, wenn es wirklich dramatisch wird. Unter der Saison bleiben Funktionäre, Trainer und Spieler gelassen mit der Aussicht auf Besserung und dem Hinweis, „es sind ja noch so und so viele Spiele“. Doch plötzlich werden die Spiele für die Umkehr immer weniger, die Nervosität steigt, Trainer müssen gehen, Spieler werden verbannt, das Glück herbeigesehnt. Jetzt sind es in der Bundesliga nur noch drei Spieltage, an jedem kann es Entscheidungen über Meisterschaft, Europaplätze und Abstieg geben. Ein Fall für starke Nerven also.

Am Saison-Ende hin spielen aber auch verstärkt Faktoren eine Rolle, die Mitte der Spielzeit noch nicht relevant sind. Vereinswechsel zum Beispiel, da beschäftigt sich der Kopf plötzlich mit anderen Sachen. Bei gefährdeten Mannschaften gibt es oft aber auch ein letztes Aufbäumen, plötzlich werden Kräfte freigelegt, die schon verschüttet waren. Die Folge sind überraschende Ergebnisse, wie der Sieg von Schalke in Dortmund oder das 1:1 von Nürnberg gegen die Bayern. Andere wiederum haken die Saison vielleicht frühzeitig ab, weil entweder der Klassenerhalt überraschend geschafft ist oder Ziele nach oben nicht mehr erreichbar sind. Ein Beispiel ist die Niederlage von Mainz in Hannover, die Rheinhessen feierten vorher den frühzeitigen Klassenerhalt, da lässt die Konzentration nach. Ein Gegenbeispiel ist aber auch Fortuna Düsseldorf, der Neuling spielt befreit auf, weil unerwartet erfolgreich ist. Beim 4:1 gegen Bremen traf die Fortuna auf einen Gegner, der von einer ereignisreichen Woche geschafft war, zweimal unglücklich gegen die Bayern verloren, die Erfolgsserie von zwölf Spielen ohne Niederlage beendet und jetzt gleich drei auf einmal. Da spielte psychische und physische Müdigkeit eine Rolle. Müde sind wohl auch die Cracks der Frankfurter Eintracht, ihr Erfolgsweg in der Bundesliga und in der Europa League kostete viel Kraft. Zu viel für den Saison-Endspurt? Gibt es auf der Zielgeraden noch ein bitteres Erwachen? Auch darum geht es am Saison-Ende drunter und drüber!

Trainer Favre verliert die Nerven

Starke Nerven sind vor allem in einem engen Titelkampf nötig. Die scheint Dortmunds Trainer Lucien Favre nicht zu haben. Er wirkt unsicher, angreifbar und gereizt, nur so ist auch seine Schimpfkanonade nach dem 2:4 gegen Schalke über den umstrittenen Handelfmeter zu werten. Er steigerte sich in seinem Zorn bis zum „größten Skandal in der Fußball-Geschichte“ und sah die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft gefallen. Da bekam er sogar von seinen Bossen Gegenwind und selbst die Bayern führten ihm vor, dass er zu voreilig war. Weniger ging Favre darauf ein, dass auch seine Spieler schwache Nerven zeigten und überambitioniert waren, wie die berechtigten Roten Karten für Reus und Wolf zeigten. Eine Schwächung für die Borussia im nächsten Spiel bei den gebeutelten Bremern, die wohl wie Schalke um ihre letzte Chance kämpfen. Da dürften es die Bayern gegen Hannover leichter haben, aber Abstiegskandidaten sind nicht zu unterschätzen, siehe Nürnberg.

Was den Bayern derzeit fehlt, sind in der Bundesliga die Tore von Robert Lewandowski, der gerade Ladehemmung hat (außer beim Elfmeter in Bremen). Das Bayern-Dusel ist ihnen treu, will aber auch nicht übertreiben. In Bremen ein umstrittener Handelfmeter, in Nürnberg ein gegnerischer Elfmeter in der Nachspielzeit an den Pfosten, zuvor ein Glückstor von Gnabry zum Ausgleich, das wohl weniger dem Können zugerechnet werden kann. Dann aber sagte das Dusel Schluss und Coman nahm in der Schlussminute das Geschenk für einen möglichen Siegtreffer nicht an. Es ging am Ende wirklich drunter und drüber. Allerdings hat sich Bayerns Ausgangsposition dennoch entscheidend verbessert: Nicht mehr drei Spiele und drei Siege, sondern zwei Siege und ein Unentschieden (in Leipzig?) sind notwendig zum Titelgewinn – wenn Dortmund nicht wieder strauchelt.

Drunter und drüber geht es auch im Abstiegskampf. Aufstand am Tabellenende, 1:0-Siege weckten in Hannover und Stuttgart die Lebensgeister und Hoffnungen. Das Motto heißt „rette sich wer kann!“, das gilt vor allem für Schalke und Augsburg, die der VfB noch in die Relegation schicken will (direkt absteigen können sie nicht mehr). Welch ein Terminplan: Die beiden Klubs treffen am Sonntag auf Schalke aufeinander und der Sieger ist auf jeden Fall gerettet. Der VfB aber kämpft um eine weitere Chance in Berlin. Drunter und drüber geht es auch im Kampf um die Plätze für Europa, wobei das Angebot ja vergrößert wurde, da die Pokalfinalisten München und Leipzig in die Champions League einziehen. So darf der Bundesliga-Siebte die EL-Qualifikation bestreiten. Frankfurt, Gladbach, Leverkusen und Hoffenheim kämpfen aber um die vierten Platz für die Champions League. Den besten Lauf hat derzeit Leverkusen.

Vorgezogenes Finale in der Champions League

Apropos Champions League, die steht in dieser Woche wieder im Mittelpunkt, auch hier sind wir auf der Zielgeraden. Dabei wird das eigentliche Finale vorweggenommen, denn im Duell FC Barcelona – FC Liverpool treffen am Mittwoch die beiden großen Favoriten aufeinander. Aber auch in der CL geht es zuweilen drunter und drüber, also haben Außenseiter eine Chance. Wer wirklich eine Chance auf den Henkelpott hat, tragen Tottenham Hotspur und Ajax Amsterdam am Dienstag aus.

Barca hat sich schon mal von einer Last befreit, holte in Spanien seinen 26. Titel, davon zehn in den letzten 15 Jahren. Jetzt träumt man vom Triple, will auch Pokal und CL gewinnen. Ganz anders die Stimmung bei Real Madrid, die Königlichen sind nach einem 0:1 bei Schlusslicht Vallecano am Boden. Dort trifft man auch Thomas Tuchel, der mit Paris St. Germain wieder eine Enttäuschung erlebte, nämlich eine 5:6-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Stade Rennes im Pokalfinale. Geld schießt also nicht immer die Tore, vor allem sorgt Geld nicht immer für gute Nerven. Auch international geht es also gerne mal drunter und drüber.

Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa

Schön, dass es so etwas im Profi-Fußball, wo Geld die Hauptrolle spielt, noch gibt. Nicht die Euros führten zum Erfolg, sondern die Nachwuchsarbeit. Insofern ist Ajax Amsterdam nach seinem Einzug ins Halbfinale der Champions League ein Vorbild für alle Vereine in Europa, die keinen reichen Sponsor in der Hinterhand haben. Geld lässt die Hoffnung auf Titel größer werden, aber eine Garantie gibt es nicht. Das musste das unterlegene Juventus Turin erfahren, das Millionen in Cristiano Ronaldo investiert hat und jetzt doch mit leeren Händen da steht. Zudem noch erkennen musste, dass die Zeit der alten Herren abgelaufen ist.

Als Bayern München in der Gruppenphase gegen Ajax nicht über zwei Unentschieden hinauskam, da wurde der Deutsche Meister kritisiert. Heute muss man diese Remis fast schon als Erfolg werten, allerdings hat sich die fehlende Klasse der Bayern dann doch im Achtelfinale gegen den FC Liverpool gezeigt. Amsterdam wurde im Laufe der Saison zudem immer besser, die „Enkel“ von Ajax-Star Johan Cruyff spielen einen leichten, beschwingten Fußball, der ganz Europa begeistert. Erinnerungen an die alten Zeiten werden wach, denn dass es Ajax ins Halbfinale schaffte, ist schon 22 Jahre her. Einen Titel haben sie schon mit dem Einzug ins Halbfinale, sie sind die Größten der Kleinen, denn seit es die Champions League gibt (92/93), gelang es allein Ajax als einzigem Klub außerhalb der großen Ligen in Spanien, England, Italien, Deutschland und Frankreich viermal ins Halbfinale einzuziehen.

Jetzt wartet mit Tottenham Hotspur der andere „Underdog“ im Halbfinale, denn auch Tottenham ging als Außenseiter ins Duell mit Manchester City und riss City-Coach Pep Guardiola und seine Mannen aus allen Träumen. Auf den Trainer lastet quasi ein Champions-Fluch, zuletzt siegte er 2011 mit dem FC Barcelona. Mit den Bayern und jetzt City läuft er dem Titel erfolglos hinterher. City scheiterte mit viel Pech, Tottenham erfuhr Gerechtigkeit durch den Videobeweis. Aber die Hotspur sind das Gegenstück zu Ajax: Sie arbeiten Fußball mit viel Leidenschaft und haben eine teurere Mannschaft.

In den Niederlanden muss man die Gunst der Stunde genießen, denn sei die Gegenwart noch so glorreich, die Zukunft sieht wieder trübe aus. Das ist das harte Los der guten Nachwuchsarbeit, dass die Talente, die den Erfolg bringen, dann das Nest verlassen und an die Fleischtöpfe der großen Vereine abwandern. Der Wechsel von Frenkie de Jong zum FC Barcelona ist bereits perfekt, Kapitän Mathijs de Ligt soll ihm angeblich folgen, Hakim Ziyech ist bei den Bayern im Gespräch, aber ebenso wie Donny van de Beek bei gut situierten Vereinen in ganz Europa. Da steht vor Trainer Erik ten Hag wieder eine große Aufbauarbeit in den nächsten Jahren.

Oder wird der Coach auch bald an den Fleischtöpfen naschen? Er wurde wohl bei den Bayern als Trainer der U23 unterschätzt, sagt aber selbst, dass er bei Pep Guardiola viel gelernt hat (wenigstens ein kleiner Erfolg für Pep!). Vielleicht wäre er für die Bayern sogar der richtige Trainer, denn die Bayern haben ja beim Umbau der Mannschaft das Ziel, ein bisschen wie das Ajax von heute zu sein: Eine Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern, geführt von ein paar Routiniers, die einen attraktiven, erfolgreichen Fußball auf den Rasen zaubern sollen. Die Talente holen die Münchner allerdings bei anderen Vereinen, die eigenen Nachwuchsspieler haben es schwer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Bayern ist halt nur ein bisschen Ajax. Ähnliches kann man von Borussia Dortmund sagen, die sogar schon ein Stück weiter als die Bayern sind. Beide Klubs haben es zudem finanziell im Kreuz, Spieler gegen alle Angebote an der Leine zu halten.

Ein Kleiner unter den Großen wird also ins Finale der Champions League am 1. Juni in Madrid einziehen. Im anderen Halbfinale duellieren sich zwei Favoriten: Messis FC Barcelona und Jürgen Klopps FC Liverpool. Wobei der deutsche Trainer mit einem Handicap leben muss: Die Fans der Reds wünschen sich noch sehnsüchtiger die nationale Meisterschaft als den internationalen Titel.

Frankfurt rettet die Bundesliga

Schön, dass es das in der Bundesliga noch gibt: Nicht der FC Bayern München ist der letzte Vertreter im internationalen Geschäft, sondern ein eher Kleiner der Liga. Eintracht Frankfurt schwang sich zum Retter der Bundesliga im internationalen Renommee auf und beeindruckte mit einem 2:0-Sieg über Benfica Lissabon und den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Dies erstmals seit 39 Jahren! Dabei hatte die Eintracht Glück, dass es in der EL noch keinen Videobeweis gibt und das Abseits beim ersten Treffer nicht erkannt wurde (da wäre City froh gewesen, wenn der Videobeweis in der CL noch nicht eingeführt worden wäre). Jetzt wartet aber mit Chelsea London ein dicker Brocken. Im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Valencia und Arsenal London gegenüber. Alle vier Mannschaften haben übrigens eines gemeinsam: Sie kämpfen in ihren nationalen Ligen um den Einzug in die Champions League. Frankfurt und Chelsea sind aktuell beide Vierter, hätten es also geschafft, Arsenal und Valencia sind dagegen beide Sechster, haben aber noch Chancen auf den Sprung nach oben. Der kürzeste Weg für alle vier Vereine in die Champions League ist der Sieg in der Europa League. Leicht wird das aber auch nicht.

Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!