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Tag: Europa League

Der Sonntag gehört uns – den Amateuren

Beim Deutschen Fußball-Bund herrscht derzeit die höchste Alarmstufe. Es brennt überall, von Ruhe keine Spur und wie die Zukunft aussieht weiß derzeit keiner genau. Letzter Nackenschlag war eine Anklage, dass die Gemeinnützigkeit des Verbandes in Gefahr sei, weil seine Funktionäre in Saus und Braus gelebt hätten und nicht alle Betriebsausgaben vom Finanzamt anerkannt würden. Der Wirbel um das Sommermärchen 2006 mit Bestechungsgeldern und dubiosen Millionen lässt grüßen. Dazu kommt, dass es auch mit dem Spielbetrieb für die Zukunft Probleme gibt. Und das ist für die Vereine und die Fans das größte Problem.

Dabei droht auch internationale Gefahr. Dass FIFA-Boss Gianni Infantino den Weltverband an einen geheimen Geldgeber für 25 Milliarden Euro quasi verkaufen will, ist bekannt und wurde hier schon angeprangert. Die Gier nach Geld sprengt alle Grenzen. Deshalb muss auch vor den neuesten Plänen der UEFA gewarnt werden, denn auch da geht es um noch größere Verdienstmöglichkeiten. So gibt es offenbar Gedanken, die Spiele der Champions League und der Europa League auf das Wochenende zu legen, weil dann bessere Vermarktungsmöglichkeiten nach Asien, Süd- und Nordamerika bestehen würden. Die nationalen Ligen müssten dann im Wechsel auf die Spieltage unter der Woche ausweichen – und die Fans hätten ein Reise- und Arbeitsproblem. Sollten diese Pläne Wirklichkeit werden, würden sie den Fußball in seinen Grundfesten erschüttern und bedeuten auch eine Gefahr für die Zukunft. Die Basis, die Amateure, würde noch mehr leiden. Deshalb der nationale Weckruf: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren. So schnell lassen sich die Pläne abeer nicht verwirklichen, dem stehen laufende TV-Verträgen entgegen.

Es gibt für den DFB nämlich auch national genügend Probleme. So vor allem die leidige Aufstiegsregelung von den Regionalligen in die 3. Liga. Viel kritisiert wird ja, dass die Regionalliga-Meister nicht direkt aufsteigen können, was sportlich ein Unding ist. Aber eine Lösung, die allen gefällt, hat keiner. Ein Kompromissvorschlag sieht so aus, dass aus fünf Regionalligen vier gemacht werden, die 3. Liga aufgestockt wird und es dort vier Absteiger gibt. Unzufriedenheit macht sich sowohl in der 3. Liga breit, wo sogar eine Abnabelung vom DFB hin zum Profi-Fußball, der DFL, diskutiert wird, als auch in den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern, denn aus diesen drei sollen zwei werden (Bestandsschutz für West und Südwest als Regionen mit den meisten Vereinen). Ob es genügend Willen zum Kompromiss gibt?

Darunter kämpfen die Amateure um ihr Wochenende und auch da sollte der DFB seine Hand schützend drüber halten. Der Zusammenschluss der Bundesliga-Fans hat dafür gesorgt, dass die Montag-Spiele mit der nächsten Ausschreibung der Fernsehrechte ab 2021 wieder wegfallen. Die Vereine gaben dem Druck der Fans nach. Auch die 2. Bundesliga will diesen Schritt gehen, obwohl das Spiel am Montag schon fester Bestandteil bei Sport1 wurde. Den Amateuren gefällt aber nicht, dass dafür der Sonntag als Ausweichmöglichkeit angesehen wird. Mehr Profi-Spiele bedeutet weniger Zuschauer auf den Amateurplätzen und das könnte für manchen Verein zu finanziellen Problemen führen.

Der DFB und die Regionalverbänden müssen darauf achten, dass die Musik nicht nur bei den Profis spielt. Es geht nicht nur um das große Geld, sondern auch um die kleinen Vereine. Wenn die Basis wegbricht, dann hat der Fußball auch keine Zukunft mehr. Verbände und Vereine dürfen nicht nur auf das Geld hören, sondern auch auf die Fans. Darum muss das Motto weitgehend Gültigkeit haben: Der Sonntag gehört uns – den Amateuren.

P.S.: Die Champions League gibt es derzeit in Deutschland nicht im Free-TV, aber die Amateure! Der „Tag der Amateure“ findet am 25. Mai statt, mit 21 Endspielen der Landesverbände und die ARD überträgt rund zehn Stunden live!

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Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League

Der Wintersport macht derzeit mit zahlreichen Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam, die Handballer sonnten sich bei ihrer WM im Licht der Öffentlichkeit, doch in den nächsten Wochen wird wieder der Fußball die Schlagzeilen bestimmen. Die besten Vereine Europas rüsten sich für die entscheidende Phase im Kampf um die Pokale. Der Februar und März gehören der Champions League (CL) und der Europa League (EL). Für Fernsehsender und Sponsoren hat die UEFA für das CL-Achtelfinale einen Gummi-Terminplan über mehrere Wochen erstellt (12. Februar bis 13. März). Im Mittelpunkt dabei der Zweikampf zwischen England und Deutschland.

Es war schon ein seltsames Los, dass alle drei deutschen Teilnehmer am Achtelfinale einen englischen Gegner erhielten. Das elektrisierte auch die Medien, so liefert die Fachpresse über Wochen hinweg schon Erinnerungen an die Duelle zwischen England und Deutschland. Doch die Gegenwart zählt, wenn auch die Engländer sicherlich gerne darauf verweisen, dass ihre Klubs bereits zwölf Titel in Europas Königsklasse holten, die Deutschen dagegen nur sieben (Bayern München 1974, 1975, 1976, 2001, 2013, Hamburger SV 1983, Borussia Dortmund 1997). Erster englischer Sieger war Manchester United 1968. Die Duelle werden aber auch befeuert durch die Diskussionen, wer nun die beste Liga in Europa sei. England kann als Trumpf das viele Geld vorweisen, die Deutschen verweisen auf die gute Stimmung in den Stadien und daneben muckt Spanien auf: „Eigentlich sind wir am erfolgreichsten“. Nach Bayerns Triumph 2013 siegten nur Spanier. Vor allem Real Madrid mit dem Hattrick von 2016 bis 2018 (dazu Sieg 2014) bestimmte zuletzt das Geschehen, aber der FC Barcelona als Sieger von 2015 gehört ebenfalls immer zu den Favoriten. Wer also aus England oder Deutschland kann die Spanier stoppen?

Am meisten wird Englands Meister Manchester City genannt, aber die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola hat sich zuletzt nicht unbedingt in Bestform präsentiert. Wie überhaupt fast alle Top-Teams in Europa in den letzten Wochen mit einer Leistungsdelle zu kämpfen hatten. Da stehen ManCity oder eben auch die Bayern nicht allein. Bezeichnend aber, dass die deutschen Klubs gegen die momentan drei besten Teams in England antreten. Der FC Liverpool ist Tabellenführer vor City und den Tottenham Hotspur. Das kann die Bundesliga nicht vorweisen, vor allem Schalke 04 erlebte als Vizemeister einen Absturz und kämpft national eher gegen den Abstieg. Auch die Bayern haben die nicht die Form des Vorjahres. Leichtes Spiel also für Englands Premier-Klubs?

Leicht wollen es die Bundesligisten ihren Gegnern nicht machen. Vor allem das Duell zwischen Liverpool und den Bayern könnte auch ein Endspiel sein, hat vor allem mit dem Deutschen Jürgen Klopp als Trainer der „Reds“ eine besondere Note, denn mit Borussia Dortmund unterlag Klopp bekanntlich 2013 den Münchnern im Finale in Wembley. Den Auftakt macht aber das Duell zwischen Tottenham und Dortmund am Mittwoch, 13. Februar. Es ist das Duell, in dem sich die Bundesliga am meisten ausrechnet, zumal die Spurs auf ihren Torjäger Harry Kane verzichten müssen. Die Frage ist allerdings, ob Dortmunds Himmelsstürmer schon die Reife für solche Aufgaben haben. Immerhin können sie als Meisterprüfung den Gruppensieg vor Atletico Madrid vorweisen, Tottenham kam am FC Barcelona nicht vorbei.

Das ist auch der Trumpf, den die Münchner auf ihrer Seite sehen, dass der FC Liverpool zwar in England imponiert, aber auf Europas Bühne in der Gruppenphase ungewohnte Schwächen zeigte und kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnte! Und die Fans in Liverpool sehnen sich auch mehr nach der Meisterschaft in England (die letzte liegt 19 Jahre zurück) als nach dem Gewinn der Champions League, da gewann man zuletzt 2005. Die CL kann da noch warten. Jürgen Klopp sieht das vielleicht anders, für ihn gilt vor allem: Ein Titel muss her. Als ohne Chance gilt Schalke O4 gegen Manchester City, dennoch kommt Freude in Gelsenkirchen auf. Freude über das Geld, das fließt, Freude über den prominenten Besuch von Pep Guardiola, vor allem Freude über das Wiedersehen mit Talent Leroy Sane, der sich inzwischen in Manchester durchgesetzt hat. Für Schalke gilt das Motto: Wir sind ohne Chance, also nutzen wir sie.

Übrigens verwundern Zahlen, die Sport-Bild im Vorfeld veröffentlichte, denn trotz riesigen Summen aus Fernsehgeldern für die Premier League können die deutschen Spitzenteams in den Gehaltetats durchaus mithalten. Die Zahlen im Vergleich: Liverpool 166 Millionen Euro TV-Geld für die Saison (Bayern 95,8), Liverpool 244 Mill. für Gehälter (Bayern 276 Mill.!). Tottenham 165 Mill. TV-Geld (Dortmund 86,5) und 148 Mill. für Gehälter (Dortmund 140 Mill.). Schalke fällt dagegen ab: ManCity 170 Mill. TV und 334 Mil. für Gehälter, Schalke dagegen 77,9 Mill. TV und „nur“ 92 Mill. für Gehälter. Arm werden die Spieler also in Deutschland auch nicht.

Neben den deutsch-englischen Vergleichen steht vor allem das Duell Manchester United gegen Paris Saint Germain im Blickpunkt. Da der Traditionsverein, der sich gerade sportlich ein bisschen im Tief befindet, allerdings nach der Entlassung von Trainer Mourinho wieder zu besseren Leistungen findet. Dort die Neu-Reichen aus Paris, die mit Geld aus Katar gefüttert werden und deren großer Traum der Gewinn der Champions League ist. Eine Mammutaufgabe für Trainer Thomas Tuchel, zumal ausgerechnet Superstar Neymar ausfällt. Aber auch mit Atletico Madrid und Juventus Turin duellieren sich zwei Mitfavoriten, leichter sollte es der FC Barcelona mit Olympique Lyon haben, aber Achtung, da musste Paris gerade seine erste Saison-Niederlage einstecken.

Das CL-Achtelfinale: Manchester United – Paris St. Germain, AS Rom – FC Porto (beide 12.2./6.3.), Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund, Ajax Amsterdam – Real Madrid (beide 13.2./5.3.), FC Liverpool – Bayern München, Olympique Lyon – FC Barcelona (beide 19.2./13.3.), Schalke 04 – Manchester City, Atletico Madrid – Juventus Turin (beide 20.2./12.3.).

In der Europa League wird erst noch eine Zwischenrunde gespielt, bevor es in das Achtelfinale geht. Mit Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind noch zwei deutsche Vereine dabei, die sogar Finalträume haben und die Bundesliga besser vertreten wollen, als es von anderen Klubs in den letzten Jahren der Fall war. Gespielt wird am 14. und 21. Februar, Leverkusen muss sich mit den Russen von FK Krasnodar auseinandersetzen, Frankfurt mit dem Meister der Ukraine Schachtar Donezk keine leichte Aufgabe. Dem Sieger der Europa League winkt bekanntlich ein Platz in der Champions League, was mehr wert ist als jede Prämie.

Bittere Pillen und blaue Grausamkeiten

Die Fußball-Bundesliga hat gerade drei Spieltage hinter sich – und schon werden Trainer in Frage gestellt und die vor der Saison rosig gezeichnete Zukunft nun schwarz gefärbt. Leute, nach 34 Spieltagen wird erst abgerechnet! Andererseits ist es richtig, wer den Start verschläft, muss erst einmal hinterherrennen. Wer gut beginnt, bekommt vielleicht einen Lauf.

Unruhe herrscht vor allem bei Bayer Leverkusen und Schalke 04. Die einen müssen bittere Pillen schlucken, die anderen blaue Grausamkeiten ertragen, beide liegen mit null Punkten am Ende der Tabelle. Rückblick: Vor einem Jahr war der 1. FC Köln nach drei Spieltagen Letzter mit 0 Punkten und stieg am Ende ab. Leverkusen war mit einem Zähler Vorletzter, schaffte es noch auf Rang fünf und in die Europa League, doch auf diese Aufholjagd wollte man in diesem Jahr verzichten und deshalb wackelt bereits der Stuhl von Trainer Heiko Herrlich. Es sind nicht wenige, die die Partie am Sonntag gegen Mainz als „Endspiel“ ausrufen. Schwung könnte sich Bayer mit einem Sieg in der Europa League am Donnerstag in Rasgrad, beim Meister Bulgariens, holen.

Ähnlich die Situation auf Schalke, drei Spiele, drei Niederlagen, dazu kommt Meister Bayern München am Samstag und am Dienstag geht es vorher in der Champions League gegen den FC Porto. Da sind Erfolgserlebnisse nicht leicht und der in der letzten Saison gefeierte Trainer Domenico Tedesco ist jetzt als Krisenmanager gefragt. Wo ist der Schwung geblieben? Auf Schalke erinnert man sich an den Start unter Trainer Markus Weinzierl mit fünf Niederlagen. Zwar schaffte der Straubinger damals die Wende, doch dieser Start war für ihn der Anfang vom Ende. Nun erlebt vielleicht Tedesco blaue Grausamkeiten.

Erstes Aufatmen gibt es anderswo. Bei Neuling Düsseldorf zum Beispiel, mit dem ersten Sieg und das gegen den Champions-League-Neuling Hoffenheim. Auch RB Leipzig feierte den ersten Saisonsieg, da rollte quasi der Stein der Erleichterung vom ganzen Verein. Und am Tabellenende punkteten Aufsteiger Nürnberg und die Baden-Württemberger Freiburg und Stuttgart im Derby im Ländle. Schon kleine Erfolgserlebnisse lassen aufatmen. Die genannten Vereine waren übrigens auch an den dramatischen Ereignissen beteiligt, die Bundesliga beeindruckte nämlich mit vielen Toren in den letzten Minuten. Da haben sich wohl einige die Bayern als Vorbild genommen, deren Markenzeichen ja unter anderem ist, dass sie Spiele noch in den letzten Minuten entscheiden können. Also ist das nicht mehr allein Bayern-Dusel.

Eine andere Diskussion wird rund um die Spitzenklubs geführt. Ist jetzt ein großer Kader von Vorteil oder nicht? Die Geschehnisse zeigen, dass beides falsch und richtig sein kann, das Schicksal entscheidet. Fall Dortmund: Trainer Lucien Favre ist glücklich, „endlich gibt es viele Spiele, da kann ich allen einen Einsatz gönnen“. Rotation zur Beruhigung der Gemüter, keine Rede von Dreifachbelastung. Eigentlich wollte die Borussia den Kader reduzieren.

Das taten die Bayern, doch das Schicksal war nicht auf ihrer Seite. Vidal, Bernat und Rudy durften gehen, um für mehr Ruhe im großen Kader zu sorgen, jetzt hat das Verletzungspech zugeschlagen: Drei Spiele, drei schwer verletzte Spieler. Wenn das so weiter geht, haben die Bayern am Ende keine Mannschaft mehr. Trainer Niko Kovac klagt, „wir dürfen kein Freiwild sein“. Coman und jetzt Rafinha zogen sich ihre Verletzungen nach bösen Fouls der Gegner zu, bei Tolisso war der Kreuzbandriss Pech in einem normalen Zweikampf, aber die Saison könnte für ihn beendet sein. Hieß es vorher, die Bayern müssen ihren Kader reduzieren, so melden sich jetzt Kritiker, dass die personelle Decke ein bisschen dünn geraten ist. Ja, hinterher weiß man es eben besser. Aber die Bayern, die normalerweise mit Mehrfachbelastung erst so richtig in Form kommen, werden die vielen Spiele jetzt mit anderen Augen sehen. So gibt es mit Kimmich und Alaba gerade noch zwei etatmäßige Außenverteidiger. Vielleicht heißt es bei den Gegner ja auch: Irgendwie müssen wir die Bayern doch klein kriegen!

Dürfen Trainer denn auf ihr Bauchgefühl hören? Augsburgs Coach Manuel Baum wird sich da hinterfragen. Vor der Saison hatte er mit Fabian Giefer und Andreas Luthe als Nachfolger von Stammtorhüter Marwin Hitz, der nach Dortmund wechselte, zwei angeblich sich auf gleicher Höhe befindende Kandidaten. Nach „schlaflosen Nächten“ die Bauchentscheidung für Giefer, der Keeper aber verursachte mit zwei dicken Patzern die 1:2-Niederlage in Mainz. Was jetzt? Was sagt der Bauch? Darf man als Trainer nach Torwartfehlern gleich wechseln oder gibt man dem Unglücksraben noch eine Chance. Entscheidungen, die schwer fallen. Hinterher weiß man es aber besser. Die nächste Prüfung heißt Werder Bremen. Lustig: Der FC Augsburg hat wie im Vorjahr vier Punkte und ist wieder Achter in der Tabelle.

In der Woche sind die Augen auf Europa gerichtet, Champions League und Europa League starten mit der Saison 2018/19. Die Bundesliga erhofft sich eine bessere Bilanz als im Vorjahr, aber einige Vereine lassen derzeit zweifeln, ob das wirklich gelingt. Hoffenheim und Schalke in der CL sowie Leverkusen und Frankfurt in der EL sind keineswegs in Form. Die Hoffnung, über den internationalen Wettbewerb die Form für die Bundesliga zu bekommen, kann trügerisch sein.

Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs“.

Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs

Eigentlich freuen sich die Fußball-Fans drauf, aber die Funktionäre sorgen dafür, dass die Freude auf die neue Champions-League-Saison getrübt wird. Überschattet wird der Start am Dienstag, 18. September, von der Diskussion um einen dritten europäischen Pokal-Wettbewerb. Nach Champions League (CL) und Europa League (EL) soll 2021 pünktlich zu den neuen Fernsehverträgen ein dritter Pokal ausgespielt werden, damit auch die kleinen Verbände bzw. Vereine „ihren“ Cup haben. Da ist der Sport-Grantler aber gespannt, wie der Wettbewerb heißen wird, die „Liga der Kleinen“ vielleicht? Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat es auf den Punkt gebracht: „Wer sich rar macht, ist wertvoll, hier wird der Sport verwässert.“ Es ist wie immer: Ein neuer Wettbewerb wird eingeführt, damit die großen Funktionäre bei der nächsten Wahl die Stimmen der Kleinen bekommen. Darauf einen Cup!

Bleiben wir also bei der Champions League, bei der Königsklasse. Schon die Europa League hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ verunglimpft, die Bedeutung aber damit deutlich herausgestellt. In der CL aber dürfen sich die Fußball-Fans in der neuen Saison auf neue Spannung freuen. So richtig allerdings erst – wie immer – nach der Gruppenphase, im Herbst sind die echten Highlights dünn gesät, eins davon allerdings zum Start, wenn in der Gruppe C Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Kollegen Thomas Tuchel mit Paris St. Germain erwartet. Das elektrisiert natürlich auch die deutschen Fans. Damit sind aber schon zwei Vereine genannt, die auch am Ende im Blickpunkt stehen wollen und die mit einigen anderen Konkurrenten nur ein Ziel haben: Den Hattrick-Sieger Real Madrid entthronen und selbst den Pokal holen. Also: Alle gegen Real!

Die üblichen Verdächtigen, also die Favoriten, werden auch in diesem Jahr wieder genannt. Eine große Rolle traut man vor allem Juventus Turin zu, nachdem sich die Italiener den Weltfußballer Cristiano Ronaldo geangelt haben. Vorne dran aber vor allem die Engländer, wo sich alle Starter Titelhoffnungen machen: Manchester City, Manchester United, FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Mittendrin auch wieder der FC Bayern München, der eine konträre Transferpolitik betrieb, kein Geld für Neue ausgeben, lieber sparen und dennoch verdeutlicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge das Ziel: Wir wollen den Pott. Alle gegen Real, natürlich auch die spanischen Konkurrenten FC Barcelona und Atletico Madrid, das mit seinem Stadion am 1. Juni 2019 quasi Gastgeber ist. Das muss doch interessant werden, allerdings so richtig wie gesagt erst im Frühjahr. Die Gruppenphase kann allein die Wartezeit verkürzen.

Die Bundesliga ist in den europäischen Wettbewerben dabei, aber eigentlich – außer den Bayern – nicht mehr mittendrin. Die letztjährige Pleite ist unvergessen, die Bundesliga verlor den vierten Platz in der UEFA-Rangliste an Italien und wird jetzt bedrängt von Frankreich. Deshalb befinden sich die sieben Klubs auf der internationalen Bühne auf Wiedergutmachungskurs. Neben den Bayern heißt es für Borussia Dortmund, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim in der CL sowie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League punkten, die Gruppenphase überstehen und damit auch wieder etwas für die Rangliste tun. Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die Reputation der Bundesliga und des deutschen Fußballs insgesamt, der bekanntlich in diesem Sommer ziemlich gelitten hat. Trainer, Spieler und Fans sollten sich eines deutlich machen: Europa ist keine Mehrfachbelastung, sondern eine zusätzliche Belohnung!

Die Gruppen-Auslosungen sorgten eigentlich dafür, dass die deutschen Klubs hoffen dürfen. Bayern München ist in der Gruppe E gegen Ajax Amsterdam, AEV Athen und Benfica Lissabon klarer Favorit, Schalke 04 hat mit FC Porto, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau zwar drei Meister, aber keinen echten Brocken erwischt. Borussia Dortmund hat es da schon schwerer, Atletico Madrid ist ein echter Stolperstein, aber auch AS Monaco kann es sein, dazu geht es gegen Club Brügge. Bei Neuling Hoffenheim muss man abwarten, wie sich die Mannschaft im neuen Umfeld einfindet, dazu geht es gegen Pep Guardiola und Manchester City, einen der großen Favoriten. Aber auch Olympique Lyon und Schachtor Donezk sind nicht zu unterschätzen. Das Ausscheiden wäre keine Überraschung.

In der Europa League haben die deutschen Klubs fast schon seit Menschengedenken nichts mehr zuwege gebracht. Da ist der Wiedergutmachungskurs besonders notwendig, die Hoffnungen ruhen dabei auf Bayer Leverkusen, trotz des schlechten Starts in der Bundesliga. Larnaka, FC Zürich und Rasgrad sind schlagbare Gegner. Der RB Leipzig musste durch die Qualifikationsmühle und hat fast in letzter Sekunde bestanden. Der Lohn der Auslosung: „Bruderduell“ gegen den FC Salzburg, der nicht mehr Red Bull heißen darf, dazu gibt es Trondheim und Celtic Glasgow. Bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist die Euphorie nach dem Coup gegen die Bayern inzwischen verflogen, dabei könnten die Hessen ein bisschen Elan gegen Limassol, Marseille und Lazio Rom schon brauchen. Zweifellos die schwerste Gruppe der deutschen Teilnehmer. Das Finale wird übrigens am 29. Mai in Baku gespielt. Ob da ein deutscher Vertreter dabei ist?

Nicht alles, aber doch das Eine oder Andere ist neu in der CL. Auffallend die Anfangszeiten, es geht nicht mehr einheitlich um 20:45 Uhr los, sondern es gibt zwei Startzeiten: 18.55 Uhr und 21.00 Uhr. Eine Entzerrung zugunsten des Fernsehens und zulasten der Fans – wie es im Fußball halt so ist. Deshalb gibt es auch wieder mehr Geld, 15,25 Millionen Euro kann jeder Verein schon für die Gruppenphase einplanen, jeder Sieger bekommt statt bisher 1,5 Millionen Euro jetzt sogar 2,7 Millionen. Geld statt Ehre als Anreiz! Gewinnt ein Verein alle Spiele, kann er am Ende 82,45 Millionen Euro einstreichen. Mit rund 70 Millionen kalkulieren auch die Bayern, wenn sie wieder einsamer deutscher Vertreter wären.

Die Klubs streichen ein, die Fans sollen zahlen. Nicht nur in den Stadien, sondern auch an den Bildschirmen. Engländer oder Italiener sind dies zum Beispiel gewohnt, die deutschen Zuschauer müssen sich komplett umstellen. Im freien Fernsehen gibt es kein Spiel mehr zu sehen (Ausnahme wäre nur das Finale mit deutscher Beteiligung und einige Spiele der EL bei RTL Nitro). Mit dem gewohnten Pay-TV-Sender Sky (hat die EL nicht mehr) allein ist es auch nicht mehr getan, wenn man alle Spiele live sehen will, zweiter Rechteinhaber ist der Streamingdienst DAZN. Es könnte sein, dass die Champions Laegue zumindest in Deutschland an Glanz und Interesse verliert.

Aufbruchstimmung in der Bundesliga

Die Hitzewelle in Deutschland soll am Donnerstag ausklingen, den Fußball-Fans wird es am Freitag allerdings dennoch heiß: Mit dem Auftaktspiel Bayern München – TSG Hoffenheim beginnt die neue Saison der Fußball-Bundesliga. Eine Saison, über der eigentlich ein Schatten liegt, eine Saison, in deren Vorfeld allerdings auch eine Aufbruchstimmung in der Bundesliga zu spüren ist.

Schatten liegen über der Bundesliga, weil der deutsche Fußball in den letzten Monaten von einer Pleite in die nächste wankte. Zunächst blamierten sich die Vereine mit Ausnahme der Bayern auf Europas Bühne, danach sorgte die Nationalmannschaft für ein historisches Ausscheiden in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft. Deutschland nur noch auf Rang 15 in der Weltrangliste, die Bundesliga in der UEFA-Wertung von Italien überholt und nur noch Vierter. Der Lack ist ab am einst glorreichen deutschen Fußball, von einer der besten Ligen der Welt keine Rede mehr. Kein Wunder, dass die Fans nach Erfolgen lechzen.

Vielleicht herrscht gerade deshalb eine gewisse Aufbruchstimmung in der Bundesliga. Nicht das Jammern oder Bangen steht im Vordergrund, sondern von vielen Vereinen hört man durchaus optimistische und zuversichtliche Töne. So wollen viele nicht einmal mehr das Alleinstellungsmerkmal der Bayern auf den Titel anerkennen. „Alle auf die Bayern!“, forderte ein Manager, sprich, die Klubs müssen davon abkommen, die Punkte gegen den Meister von vornherein abzuschreiben. Allerdings: Dortmunds Boss Watzke stimmt in dieses Kampfgeheul nicht mit ein: „An den Bayern führt kein Weg vorbei.“ Na ja, alte Ehrfurcht kann nicht so schnell abgelegt werden. So bleibt es bei der alten Hoffnung: „Wenn die Bayern schwächeln, müssen wir da sein.“ Die neue Hoffnung: Vielleicht klappt es mit dem neuen Trainer Niko Kovac nicht.

Neue Töne aber auch Richtung Europa. Da heißt die Losung plötzlich, „wir müssen von einer Dreifachbelohnung reden, nicht von einer Dreifachbelastung“. Richtig so, aber ob das Manager, Trainer und Spieler nach den ersten Niederlagen noch so sehen? Dann heißt es wieder, „wir mussten reisen und konnten nicht richtig trainieren“. Allerdings: Die Bundesliga-Klubs müssen auf Wiedergutmachungskurs gehen, sonst droht der Verlust des vierten festen Platzes in der Champions League. Die Bayern allein können es nicht richten.

In der Bundesliga streben die großen Klubs dennoch nach einem Platz auf Europas Bühne. Meister Bayern, na gut, aber dahinter machen sich Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Schalke, Hoffenheim und Gladbach Hoffnungen auf die Champions League. Eine Aufbruchstimmung wird aber auch dadurch deutlich, dass vom Abstiegskampf kaum einer spricht. Beispiel FC Augsburg. Die Schwaben wurden immer als einer der ersten Abstiegskandidaten gehandelt, sie nahmen diesen Kampf an und gehen in ihr achtes Bundesliga-Jahr. Erstmals aber gibt es beim FCA optimistische Töne: „Wir müssen nach oben schauen“, fordern vor allem Spieler wie Finnbogason, Gregoritsch und Max, die bei anderen Vereinen auf der Einkaufsliste stehen. Sie wollen gerne beim FCA bleiben, aber auch Erfolg haben und nicht gegen den Abstieg spielen. Aufbruchstimmung also.

Traditionell müssen sich die Aufsteiger Fortuna Düsseldorf und 1. FC Nürnberg als erste Teams gegen den Abstieg wehren, dazu die Neulinge vom Vorjahr, Stuttgart und Hannover. Das zweite Jahr ist bekanntlich immer das schwerste. Von den Zitterpartien verabschieden wollen sich aber die Klubs, die in den letzten Jahren oftmals bangen mussten. Wolfsburg hat von der Relegation genug, es soll ebenso wie in Freiburg ins Mittelfeld gehen. Das will auch Mainz, doch da sind eher Zweifel angebracht.

Zum Auftakt einer neuen Saison ist die Punktrunde zunächst meist eine Wundertüte. Erste wichtige Fingerzeige gab aber der DFB-Pokal. Für Titelverteidiger Eintracht Frankfurt zum Beispiel, der krachend in Ulm ausschied. Erstmals seit 22 Jahren überstand der Pokalsieger die erste Runde nicht. Eine Schwäche, die schon beim 0:5 gegen die Bayern im Supercup deutlich wurde. Die Abgänge von Leistungsträgern und Trainer Niko Kovac werden offenbar nicht verkraftet. Der neue Trainer Adi Hütter bittet um Geduld, weil er ein neues System installieren will. Geduld ist in der Bundesliga allerdings ein Fremdwort. So könnte der Österreicher der erste Trainer sein, der fliegt. Andererseits kann es für die Eintracht nach den Feiern mit dem Pokalsieg ein böses Erwachen wie in Köln geben. Der Karnevalsklub freute sich über die Teilnahme an der Europa League, verlor seinen Torjäger und stieg am Ende der Saison ab. Eher Abbruchstimmung in Frankfurt?

Der Pokal könnte auch für die Bayern ein Fingerzeig gewesen sein, die Stars taten sich gegen die Amateure von Drochtersen/Assel schwer, sie fanden kaum Lücken im Abwehrriegel und waren bei Kontern anfällig – das könnte sich in der Bundesliga wiederholen!

Was es noch gibt? Hoffen wir, dass der Videobeweis besser gehandhabt wird und alle gelernt haben. Klubs und Fans sollten den Fußball wieder in den Mittelpunkt stellen, nicht das Geld und den Streit um die Spieltage. Es muss doch für die Ultras möglich sein, auf die unsäglichen Pyrofeuerwerke zu verzichten. Und was den DFB angeht, so wird die Aufarbeitung der WM-Pleite die Bundesliga bald in den Schatten stellen. Wie Bundestrainer Joachim Löw den Neubeginn gestalten will, das könnte fast die spannendere Frage sein. Auch hier also wird Aufbruchstimmung erwartet! Viel Spaß in der neuen Saison.

So könnte die Bundesliga-Tabelle am Ende aussehen: 1. Bayern, 2. Dortmund, 3. Leverkusen, 4. Schalke, 5. Leipzig, 6. Hoffenheim, 7. Bremen, 8. Gladbach, 9. Wolfsburg, 10. Freiburg, 11. Augsburg, 12. Berlin, 13. Mainz, 14. Stuttgart, 15. Frankfurt, 16. Hannover, 17. Nürnberg, 18. Düsseldorf.

In eigener Sache: Der Sport-Grantler feiert Geburtstag! Vor fünf Jahren, am 20. August 2013 schickte der Sport-Grantler seine erste Kolumne um die Welt. 309 Kommentare wurden es inzwischen, vielen Dank an die Leser. Ob er noch einmal fünf Jahre durchhält, das weiß er nicht. Lesen Sie auch den Kommentar davor, der nämlich deutlich macht, warum andere Sportarten gegen den Fußball nicht ankommen: Keine Konkurrenz für den Fußball.

Die Bundesliga ist eine Wundertüte

Am kommenden Wochenende geht die Saison der Fußball-Profi-Ligen in Deutschland zu Ende. Was die Bundesliga angeht, braucht die Deutsche Fußball-Liga (DFL) schon seit Jahren nicht mehr rätseln, wo sie die Meisterschale abliefern soll. Sie könnte in München auf Dauer deponiert bleiben. Auch bei der Torjäger-Kanone gibt es keine Zweifel, der Dortmunder Aubemayang hat mit seinem Wechsel nach London für Robert Lewandowski den Weg frei gemacht. Es gibt also noch die schöne, heile Welt der Bundesliga.

Aber selbst bei den Bayern war die Welt im Herbst nicht ganz heil. Und ansonsten zeigte sich die Bundesliga überhaupt als Wundertüte. Von Konstanz war bei fast allen Klubs nicht die Rede. Nehmen wir Borussia Dortmund als Beispiel: Einmal erstklassiger Fußball, fast wie in alten Zeiten, dann wieder uninspiriert wie in den Wochen vor Peter Stöger, Typisch für Letzteres das 1:2 gegen Mainz, das die Teilnahme an der Champions League wieder in Gefahr bringt. Ähnlich wie in Dortmund war es in Leverkusen, erst auf dem Weg nach oben, zuletzt drei Spiele ohne Torerfolg. Leipzig mal gut, mal schlecht, ein 4:1 gegen Wolfsburg zeugt noch nicht von alter Klasse. Beständig einzig Schalke 04, aber spielerisch kaum einmal überzeugend. Weil die Konkurrenz eben schwächelte, feiern sie in Gelsenkirchen die Vize-Meisterschaft. Diesmal ist Schalke aber nicht der „Meister der Herzen“ nachdem ihnen Bayern mal in letzter Sekunde die Schale entriss, sondern sie sind „Meister des Rests“ nach den Bayern von Gnaden der unbeständigen Konkurrenz. Da zeigte sich auch in der nationalen Saison, warum die Bundesliga auf internationalem Parkett an Boden verlor. Guter Fußball war eine Rarität. Doch mehr dazu nächste Woche in der Bilanz.

Die Spannung wiegt einiges auf, wie schon vorausgesagt hält sie bis zum letzten Spieltag. Gesucht werden neben den Bayern und Schalke noch zwei Teilnehmer an der Champions League, danach können sich zwei oder drei Vereine mit der Europa League trösten. In Dortmund, Hoffenheim, Leverkusen, Leipzig, Frankfurt, Stuttgart und Mönchengladbach wird gerechnet und gehofft. Hoffentlich setzen sich Mannschaften durch, die dann auch mit dem nötigen Rüstzeug auf Europas Bühnen auftreten. Am stärksten sind Zweifel beim VfB Stuttgart angebracht, der sich mit einem ausgeklügeltem Defensivkonzept nach oben schob. Stuttgart könnte dann ein Schicksal wie der 1. FC Köln erleben: Von Europa zum Abstieg!

Am letzten Spieltag gibt es tatsächlich nur eine Partie, die völlig ohne Bedeutung ist, nämlich das „Freundschaftsspiel“ zwischen Mainz 05 und Werder Bremen. Zwei, die dennoch feiern können, weil sie dem Abstiegskampf rechtzeitig entronnen sind. Anders sieht es in Wolfsburg und Hamburg aus. Im letzten Jahr das direkte Duell um den Platz in der Relegation, diesmal ein Fernduell, wobei für Wolfsburg schon ein Unentschieden gegen Absteiger Köln eine Art Wiederauferstehung wäre, die Mannschaft liegt am Boden, Trainer Labbadia ist ratlos. Köln machte auf jeden Fall zuletzt den besseren Eindruck. Ob die Bundesliga-Uhr beim Dino HSV endgültig stehen bleibt, liegt auch an Borussia Mönchengladbach, das noch eine minimale Chance auf die Europa League hat. Der Ausgang ist ungewiss, denn auch Gladbach gehört zu den Wundertüten-Teams der Bundesliga. Bei Anpfiff weiß man nie, was bis zum Abpfiff wirklich rauskommt.

Im Unterhaus kann man nur sagen „glückliche 2. Bundesliga“. Sie hat zudem ein echtes Endspiel, wenn auch kein brisantes. Wie es der Terminplan so will, treffen sich die beiden punktgleichen Aufsteiger zum direkten Duell. Fortuna Düsseldorf und der 1. FC Nürnberg wären die richtigen Nachfolger für Köln und z. B. dem HSV: Da löst der eine rheinische Rivale den anderen ab, dort ein Traditionsverein den anderen. Noch aber tickt die Uhr in Hamburg… Gegner in der Relegation wird übrigens Holstein Kiel sein, der Zweitliga-Aufsteiger hat also immer noch die Chance, direkt in die Bundesliga durchzumarschieren.

Spannung verspricht auch in der 2. Bundesliga der Abstiegskampf. Den hat nur der 1. FC Kaiserslautern verloren, sieben Vereine sind dagegen in den Kampf um den zweiten direkten Absteiger und die Relegation involviert. Besondere Brisanz versprechen die direkten Duelle Darmstadt – Aue und Heidenheim – Fürth, aber auch Braunschweig, Dresden und Sandhausen müssen noch zittern. Wer neu in die 2. Bundesliga kommt, steht fest. Der FC Magdeburg und der SC Paderborn haben den Aufstieg geschafft, der Karlsruher SC als Dritter ist der Kontrahent in der Relegation. Die Vereine wollten es so, dass durch die Relegation die Saison mit dem letzten Spieltag der Punktrunden noch nicht beendet ist. Die Relegation ist praktisch die Zugabe an Spannung, Freude und Trauer.

Champions League: Wer die Champions League vermisst, liest den nachfolgenden Kommentar „Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott“.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!