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Tag: FC Barcelona

Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

Die Spiele der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft stehen in diesen Tagen im Mittelpunkt, die nationalen Profi-Ligen machen zwangsläufig eine Pause. Da ist es der richtige Zeitpunkt, wieder einmal einen kleinen Streifzug durch die großen Ligen Europas zu wagen. Dabei zeigt sich Erstaunliches.

Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Die Tabellenführer heißen FC Liverpool (England), Real Madrid (Spanien), Juventus Turin (Italien) und Paris St. Germain (Frankreich). Nur die Bundesliga stellt mit Borussia Mönchengladbach die große Ausnahme. Doch bei den anderen ist nicht alles Gold was glänzt. Vielfach haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem in Spanien. Real Madrid ist zwar mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze, weil es das Schlagerspiel gegen Aufsteiger FC Granada (!!!) mit 4:2 gewonnen hat. Dennoch sprachen Beobachter von einer „phasenweise Enttäuschung“, dennoch geriet sogar der „heilige“ Trainer Zinedine Zidan in den letzten Wochen in die Kritik. Die Stars machen Probleme, Torhüter Thibaut Courtois befindet sich in einem (psychologischen?) Tief, Vertreter Areola (von Paris im Tausch mit Navas gekommen) patzte, Toni Kroos verletzt, der einstige Weltfußballer Luka Modric oft nur Ersatz. Den Abgang von Cristiano Ronaldo haben die Königlichen immer noch nicht ganz verkraftet. In der Champions League ist Real in der Gruppe A nur Letzter nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge. Das drückt die Stimmung.

Eigentlich müsste die Konkurrenz diese Schwächen nutzen, doch Titelverteidiger FC Barcelona hat selbst Sorgen und ist nur Vierter. Leo Messi verletzt, Torjäger Grießmann noch nicht richtig angekommen, den Kampf um Neymar verloren. Der Glanz der vergangenen Jahre ist auch bei Barca verblasst. Atletico Madrid hat andere Sorgen, nämlich den Umbruch in der Mannschaft, viele Stars sind gegangen. Platz zwei (vor Granada) ist da schon ein gutes Trostpflaster, aber kein Ruhekissen.

Paris und Juventus sind in ihren Ligen zwar Tabellenführer, aber keineswegs so dominierend wie in den letzten Jahren, wobei Trainer Thomas Tuchel bei seiner Mannschaft vor allem Verletzungssorgen hat und zwangsläufig auf junge Talente setzen muss. Retter in den letzten Spielen war mit entscheidenden Toren ausgerechnet Neymar, der eigentlich neben Messi in Barcelona dem Ball nachjagen wollte. Der umstrittene Star und Schwalbenkönig sammelte immerhin Sympathiepunkte, er lässt sich nicht hängen.

Die alte Dame Juve ist erstaunt, dass plötzlich Konkurrenz auftaucht, erst im direkten Duell mit Inter Mailand und mit einem 2:1-Sieg konnte der angestammte Platz an der Sonne zurückgeholt werden. Inter ist auf dem Weg zu altem Glanz, ganz im Gegenteil zum Lokalrivalen AC Mailand, der auch vorn mitmischen wollte, aber als 13. erst einmal den Trainer gewechselt hat. Ein großer Star in Italien ist übrigens Franck Ribery. Der Ex-Bayer will kein Fußball-Rentner sein und genießt die Verehrung in Florenz, wurde in Italien sogar zum „Spieler des Monats“ gekürt.

Keine Sorgen muss sich derzeit Jürgen Klopp in England machen. Mit dem FC Liverpool hat er nach acht Spieltagen sage und schreibe acht Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Hochgerechnet bedeutet dies am Ende 38 Punkte Vorsprung! Nein, so wird es nicht kommen, aber logisch, dass die Fans wieder einmal von der „Erlösung“ träumen, der ersten Meisterschaft seit 1990. 2020 wäre dafür das perfekte Jahr 30 Jahre danach und Jürgen Klopp endgültig unsterblich bei den „Reds“. Die Rollen werden vielleicht anders verteilt. Pep Guardiola bescherte den Fans von Manchester City zuletzt den nationalen Titel, sie aber wollen (wie der Trainer) vor allem die Champions League gewinnen, was ja eben Klopp mit Liverpool gelang. Da bahnt sich also ein englischer Tausch an!

Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben!

Was haben die nationalen Pokal-Wettbewerbe und die Champions League gemeinsam? Die kleinen Vereine freuen sich, wenn einer der „Großen“ mal bei ihnen vorbei schaut. Sie feiern dann ein Fest, über das noch viele Jahre geredet wird und an das sich Generationen manchmal noch erinnern. Geht es nach den großen, geldgierigen Vereinen, dann wird es diese Feste nicht mehr geben. Sie wollen die kleinen Vereine möglichst kurz halten, unter sich bleiben und vor allem (gesichert) immer ein großes Stück vom (Geld)Kuchen abbekommen. Diesem Ansinnen muss Einhalt geboten werden: Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben! (Siehe auch „Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?“ vom 7. September)

In dieser Woche beginnen Champions League (CL) und Europa League (EL) noch nach altem Modus, Freilich, was sind eigentlich kleine Vereine? Wohl die, die sich erst durch die Qualifikation quälen müssen. Nennen wir sie lieber Außenseiter, die dann die Gruppenphase schaffen. Das sind zum Beispiel Club Brügge in Gruppe A mit Paris und Real, Roter Stern Belgrad mit Bayern und Tottenham in der Gruppe B, Dinamo Zagreb mit Manchester City in der Gruppe C oder Slavia Prag mit Dortmund und Barcelona in der Gruppe F. Dazu feiert Atalanta Bergamo seine CL-Premiere und der RB Salzburg ist mit der Gruppenphase am Ziel seiner Wünsche.

Für die deutschen Fernsehschauer bleibt eines gleich, sie sehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – nichts! Nur die Europa League wird es im Free-TV geben (RTL bzw. Nitro) oder das CL-Finale bei deutscher Beteiligung. Ansonsten besitzen der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Rechte. Geldgier ist Schuld, aber die Klub-Bosse haben bereits gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Begeisterung an der CL sinkt, Spiele im Free-TV steigern das Interesse in der Öffentlichkeit. Mit den neuen TV-Verträgen ab 2021 wird es wohl ein Umdenken geben.

Für die Fans der beteiligten Vereine sind Europa-Tage meist Feiertage, die Fans von Eintracht Frankfurt machen es vor. In München ist dies nicht so krass, dort hat der Gewöhnungseffekt schon eingesetzt. Da sorgen nur Negativereignisse für Turbulenzen, so wie im Vorjahr das Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool. Da war es auch kein Trost mehr, dass die Klopp-Jungs schließlich den Pokal in die Höhe stemmten. Diesmal soll es mehr sein, gegen Belgrad, Piräus und Tottenham sollten die Bayern ins Achtelfinale wieder einziehen.

Überwintern wollen auch die anderen deutschen Klubs, wobei Borussia Dortmund gleich am Dienstag mit dem Knüller gegen den FC Barcelona (wohl ohne Messi) starten darf (muss). Inter Mailand ist ein weiteres Schwergewicht in der Gruppe, Außenseiter bleibt Slavia Prag. Leicht wird es für die Borussen nicht, ist aber machbar. Bayer Leverkusen wurden nicht nur in der Bundesliga in Dortmund in Grenzen aufgezeigt, dass könnten Atletico Madrid und Juventus Turin auch in der CL tun, aber erst kommt mal Außenseiter Lokomotive Moskau. RB Leipzig tummelt sich in einer ausgeglichenen Gruppe, Benfica Lissabon, Olympique Lyon und Zenit St. Petersburg sind die Gegner. Einen Favoriten gibt es nicht, ein Ausscheiden wäre für die Nagelsmann-Schützlinge aber eine Enttäuschung.

Enttäuschungen müssen fast alle Vereine im Laufe der Runde hinnehmen, am Ende feiert ja nur einer. Im Vorjahr dominierten die englischen Vereine, das Finale Liverpool – Tottenham (2:0) hätte keiner erwartet, gerade der FC Barcelona erlebte im Halbfinale nach einem 3:0 mit einem 0:4 im Rückspiel gegen die „Reds“ eine besondere Enttäuschung. Jetzt will nicht nur Barcelona neu angreifen, sondern auch Real Madrid, Juventus Turin (mit Ronaldo) und Paris St. Germain (endlich mal international erfolgreich sein). Dazu möchte Pep Guardiola Manchester City auch zu einem internationalen Titel führen und die Bayern träumen in jedem Jahr, dass sie doch eigentlich die Champions League gewinnen könnten. Die CL wird uns Spaß machen, vielleicht aber erst richtig im nächsten Jahr, wenn die K.o.-Runde beginnt.

Die Europa League ist die zweite Liga, die Klubs bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Und dennoch ist die EL für die Vereine attraktiv. An prominenten Namen fehlt es ja nicht, siehe Arsenal London, Manchester United, FC Sevilla, Lazio Rom, AS Rom und FC Porto. Die Bundesliga-Klubs sollten mit Ehrgeiz bei der Sache sein und mit dem Willen, auf den Spuren von Eintracht Frankfurt zu wandeln, sowohl was den sportlichen Erfolg (im Vorjahr Halbfinale gegen Chelsea London) als auch die Begeisterung angeht. Die Eintracht startet mit dem Knüller gegen Arsenal London und hat Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes (Portugal) als Gegner. Borussia Mönchengladbach muss sich gegen den Wolfsberger AC, AS Rom und Basaksehir Istanbul beweisen, was nicht leicht wird. Der VfL Wolfsburg hat PFK Oleksandrija (Ukraine), KAA Gent und AS Saint-Etienne als Gegner.

Horror-Wochenende der Bayern

Bei den Vereinen heißt es immer, Europa ist eine Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Aber auch die Pflicht kann interessant sein. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt mit den Duellen der Spitzenteams. Dortmund überzeugte mit dem 4:0 gegen Leverkusen, feierte quasi ein Comeback, der RB Leipzig rettete die Tabellenführung mit einem 1:1 gegen die Bayern, die das Unentschieden als Niederlage wahrnehmen mussten, nachdem sie die ersten 45 Minuten „die beste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“ (Niko Kovac) gespielt haben. Es stand wohlgemerkt 1:1. Und vor den Bayern steht jetzt in der Tabelle sogar der SC Freiburg mit einem Zähler mehr punktgleich mit Dortmund. Da kann man sich vorstellen, wie sich die Bayern fühlen. Die mussten sowieso ein Horror-Wochenende hinnehmen, denn von den U19 bis zu den Profis gewann keine Mannschaft. Die Bayern II gab in der 3. Liga beim 2:2 in Großaspach ein 2:0 aus der Hand, die U19 verlor in Heidenheim 1:3 und die Frauen erlebten als großer Favorit gegen Leverkusen mit 1:2 eine totale Pleite (im Vorjahr noch 8:0 und 10:1)!

Von Horror ist auch in Berlin die Rede, die Hertha nämlich als Schlusslicht. Mit neuem Geldgeber und neuem Trainer sollte alles besser werden, doch bisher klappt nichts. Manager Michael Preetz will noch ruhig bleiben, doch für Dardai-Nachfolger Ante Covic und sein Team müssen Siege her. Die nächsten Gelegenheiten gibt es bis zur nächsten Länderspielpause gegen den punktgleichen (je 1) Neuling SC Paderborn (das Duell um die Rote Laterne also), 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, also alles Kandidaten, die man eher dem Abstiegskampf zuordnet. Gibt es keine oder nur wenige Punkte, dann gehört die Hertha auch zu diesem Kandidatenkreis.

Die ersten Siege feierten dagegen Mainz (eben gegen die Hertha) und der FC Augsburg, der Eintracht Frankfurt zu seinem Lieblingsgegner erkor. Gegen die Eintracht platzte im Vorjahr im Abstiegskampf beim Debüt von Trainer Martin Schmidt mit 3:1 der Knoten und das klappte auch diesmal mit dem 2:1. Einen Lauf gegen die Eintracht hat auch Stürmer Marco Richter, der zum 1:0 traf und vier seiner sechs Bundesliga-Tore gegen Frankfurt erzielte. „Jetzt geht es richtig los“, ist das Motto beim FCA, doch gegen die Eintracht geht es nur zweimal im Jahr. Nächster Gegner ist der SC Freiburg, der hat einen Lauf, ist an Bayern sogar vorbei und ist jetzt also ein Spitzenteam und nicht unbedingt Augsburgs Lieblingsgegner (im Vorjahr 5.! und 1:4).

Die Bayern stehen gleich mit dem Rücken zur Wand

In der letzten Saison dauerte es – nach einem guten Start mit vier Siegen – bis zum Herbst, ehe sich die Bayern ihre Krise nahmen. In diesem Jahr geht es schneller, nur 2:2 gegen die Hertha zur Saison-Premiere, Dortmund dagegen 5:1 gegen Augsburg – vom ersten Spieltag an läuft der Meister dem Herausforderer hinterher, steht gleich mit dem Rücken zur Wand. Eine Situation, die sie in München gar nicht lieben und gleich machte sich nach zähen Transferabschlüssen im Sommer so eine Art Torschlusspanik breit. Plötzlich herrschte hektische Betriebsamkeit.

Am Wochenende ging es wirklich Schlag auf Schlag, der Kader füllte sich, doch ob die Neuzugänge die Mannschaft wirklich nach vorne bringen, muss erst einmal abgewartet werden. Da muss dann auch das System passen und die Stimmung in der Mannschaft darf nicht leiden, Stichwort Bank. Die Lösung liegt – im wahrsten Sinne des Wortes – beim „Magier“, der zaubern muss. „Magier“ wird Star-Einkauf Philippe Coutinho genannt, den Brasilianer spülte es in dem Spieler-Wechsle-Dich-Spielchen von Barcelona nach München. Eigentlich sollte Paris das Ziel sein, doch nur eine Beigabe eines Neymar-Wechsels wollte er nicht sein, München gefällt ihm angeblich auch, selbst vor dem Winter habe er keine Angst. Der 27-Jährige gilt als Spielgestalter und torgefährlich, in Liverpool unter Jürgen Klopp erlebte er seine beste Zeit, erzielte in 201 Pflichtspielen 54 Tore und gab 45 Torvorlagen. Dann holte ihn Barcelona für angeblich 145 Millionen Euro, machte ihn zum zweitteuersten Spieler der Welt und jetzt leisten sich – aus der Not geboren, weil andere (teure) Kandidaten verletzt ausfielen – die Bayern den Luxus-Spieler, angeblich für 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und 13 Millionen Jahresgehalt. 120 Millionen ist wohl der Kaufpreis.

Den Anfang des Sommer-Schluss-Einkaufs machte Ivan Perisic, der mit seiner Erfahrung als Soforthelfer für die Flügel kam. Der Kroate kommt ebenfalls als Leihspieler von Inter Mailand, mit fünf Millionen ist die Gebühr preiswerter. Aber auch er will spielen, bleibt er ruhig in der Rolle des Back up? Und weil das Einkaufen gerade so schön ist, holten die Bayern den 20-Jährigen Franzosen Michael Cuisance von Mönchengladbach (Fünfjahresvertrag, 10 Millionen) gleich noch dazu. Angeblich wollte er bei der Borussia eine Einsatzgarantie, bei den Bayern sieht er das anders: „Ich will mich entwickeln.“

Plötzlich hat Bayern-Trainer Niko Kovac ein Überangebot an Spielern und die schwere Aufgabe, wie er alle einsetzen und zufriedenstellen soll, denn auf der Bank herrscht Unruhe. Die gab es bereits nach dem 2:2 gegen Hertha, denn Talent Renato Sanches will länger spielen, nicht nur fünf Minuten. Er moserte, was ihn angeblich 10.000 Euro Geldstrafe kostet. Er wiederholte zudem seinen Wechselwunsch. Vielleicht wäre die Lösung Spielpraxis in der Bayern II in der 3. Liga, dort könnten Sanches, Cuisance sowie Arp und Davies reifen. Tun sie sich das an oder gibt es nur Ärger? Im Mittelfeld haben die Bayern sowieso ein Überangebot. Coutinho könnte Thomas Müller verdrängen (die Bayern dürfen das Urgestein nicht verlieren!), ist die Frage, passen Thiago und Coutinho zusammen, mit Goretzka und Tolisso ist im Mittelfeld einer zuviel und als Abräumer fehlte zuletzt Javi Martinez, er ist fast unersetzlich. Niko Kovac muss also ein Magier sein, zumindest aber ein guter Moderator.

Die Dortmunder schauen sich das Ganze von oben an. Sie erlebten gegen Augsburg zwar einen Schock mit einem Gegentreffer nach nur 32 Sekunden (zum fünften Mal am 1. Spieltag!), doch nach drei Minuten war dies vorbei. Das 5:1 war fast ein Spaziergang und bestärkte nur das neue Selbstbewusstsein, zumal sich Mats Hummels gleich als die gewünschte Verstärkung in Sachen Sicherheit erwies. Und von Ärger auf der Bank drang (zunächst?) nichts nach außen. Dortmund hat die ersten Runden (Transfers, Supercup) gegen die Bayern für sich entschieden, doch abgerechnet wird im Mai.

Wo es eine Tabellenspitze gibt, gibt es auch ein Tabellenende. Das zieren der FC Augsburg und Neuling Union Berlin. Welch ein Terminplan: Am kommenden Samstag treffen sie aufeinander. Und kein Witz am 2. Spieltag: Es gibt eine Weichenstellung, wer verliert, der steckt auf jeden Fall im Abstiegskampf. Beide zählten ja sowieso zu den heißen Abstiegskandidaten, gemeinsam mit Neuling SC Paderborn, der allerdings in Leverkusen für Furore sorgte, aber auch ohne Zähler blieb.

Die Lage ist bei Union und Augsburg allerdings anders. Der Neuling weiß, dass er noch lernen muss. Die Augsburger sind in ihrem neunten Bundesliga-Jahr dagegen alte Hasen, doch so schlecht wie derzeit sah es noch nie aus. Scherzbolde sagen, es geht aufwärts. Die letzte Saison schloss mit einem 1:8 in Wolfsburg, die neue begann mit einem 1:5 in Dortmund. Und jetzt? Stabilität ist gefragt, dafür soll der vereinslose Stephan Lichtensteiner kommen, zuletzt spielte der 35-Jährige Schweizer bei Arsenal London. Die Torhüter-Position könnte wieder zur Achillesferse werden. Zur Erinnerung: Im Vorjahr patzten Giefer und Luthe in den ersten Spielen und der FCA verlor durch Torwartfehler mindestens sieben Punkte. Jetzt griff der tschechische Nationaltorhüter Koubek wiederholt ins Leere, ein Rückhalt war er nicht. Den aber braucht Augsburg und viel Mut gegen Union Berlin. Die nächsten Aufgaben haben es für beide Teams in sich: Der FCA muss nach Bremen und erwartet Frankfurt, Union hat zwar zwei Heimspiele, aber die Gegner heißen Dortmund und Bremen.

Die Augsburger werden auch zerknirscht nach Frankfurt geschaut haben, dort war ihr alter Abwehrstratege Martin Hinteregger, der unbedingt den Verein verlassen wollte, der gefeierte Siegtorschütze gegen Hoffenheim – nach 36 Sekunden. Immerhin raubte er dem FCA damit nicht die Bestleistung für das schnellste Tor. Die Eintracht aber hat die Qualifikationsrunde zur Europa League für eine gute Saisonvorbereitung genutzt. Der Stress geht aber weiter, der nächste Gegner in der Qualifikation am Donnerstag hat es in sich, gegen Racing Straßburg wird es nicht leicht und am Sonntag wartet Leipzig. Noch sind die Hessen in dieser Saison ohne Pflichtspielniederlage. Noch…

Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht

Seit Jahrzehnten haben sich die Frauen im Fußball etabliert, seit Jahren ist die Nationalmannschaft international erfolgreich und kam mit vielen Titeln nach Hause, aber den endgültigen Durchbruch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit hat der Frauen-Fußball bis heute nicht geschafft. Wenn es in Deutschland heißt, es gibt im Sport nur „Fußball, Fußball, Fußball“, dann ist dies auf die Männer gemünzt, die Frauen gehören mit der Bundesliga zu den Randsportarten.

Das Pokalfinale in Köln machte wieder deutlich, unter welchen Problemen der Frauen-Fußball unter anderem leidet. Natürlich an der allgemeinen Akzeptanz, mehr als kleine Notizen sind in den großen Medien nicht drin. Aber es fehlt auch der große Wettbewerb, die Bundesliga leidet unter der Dominanz von einzelnen Mannschaften. Waren es früher der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die zwischen 2001 und 2012 die Titelvergabe unter sich ausmachten, so dominiert seit 2013 der VfL Wolfsburg, der nur 2015 und 2016 Bayern München den Vortritt ließ und in diesem Jahr seinen fünften Titel gewinnen wird. Im Pokal sind die „Wölfinnen“ noch erfolgreicher, mit sechs Siegen, davon fünf zuletzt in Folge. In der Bundesliga blieben sie in den ersten sieben Spielen ohne Gegentor und schlugen dabei am 3. Spieltag den größten Widersacher Bayern mit 6:0! Eigentlich war da die Meisterschaft schon entschieden.

In Köln sahen nun rund 17.000 Zuschauer im Pokalfinale den 1:0-Sieg von Wolfsburg über den SC Freiburg, der sich tapfer schlug. Die Frauen sind mit dem eigenen Finale sehr zufrieden, sind nicht mehr Anhängsel des Männer-Finals, als sie in Berlin quasi das Vorspiel absolvierten. Aber mehr Besucher dürften es schon sein, zuletzt hatten Zuschauerrekorde im Ausland für Aufsehen gesorgt. 25.000 waren es im französischen Duell Lyon – Paris, 39.000 im italienischen Prestigeduell Juventus Turin – Florenz und gar 66.000 interessierten sich in Spanien für das Schlagerspiel Atletico Madrid – FC Barcelona. Nicht nur deshalb betont wohl der Barca-Präsident „Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auch in Deutschland?

In Deutschland würde man sich wünschen, dass es zumindest die Bayern schaffen, den Wolfsburgerinnen mehr Paroli zu bieten, die anderen Vereine leiden unter der Finanzkraft der Großen, so dass auch Potsdam, Frankfurt Freiburg und Essen nur ab und zu Überraschungen zu Wege bringen. Die Bayern hoffen auf den neuen Trainer Jens Scheuer, der in Freiburg beeindruckte und neuen Schwung bringen soll. Allerdings fehlt den Münchnern ein Stürmerstar wie es Wolfsburg mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder hat oder ein Abwehr-Ass wie Schwedens Star Nilla Fischer. Eine Schwächung wäre es, wenn die wohl beste Spielerin dieses Jahres, Sara Däbritz, nach Paris wechseln würde. Ersatz für die Torjägerin Vivianne Miedema aus den Niederlanden haben die Bayern-Mädchen nicht gefunden. Miedema wechselte zu Arsenal und wurde in England gerade zur „Spielerin des Jahres“ gekürt.

Dies zeigt aber auch das Dilemma des deutschen Frauen-Fußballs, weil (siehe Barcelona) einige große Vereine im Ausland aufrüsten. Olympique Lyon gewann die letzten drei Jahre die Champions League und wird es wohl auch dieses Jahr wieder tun. Seit 2015 stand mit Paris St. Germain und Lyon immer eine französische Mannschaft im Finale, So lange sind auch die deutschen Siege durch Wolfsburg und Frankfurt her. Aber Frankreichs Konkurrenz sitzt vielleicht nicht mehr nur in Deutschland, sondern in Spanien, wo eben Atletico Madrid und der FC Barcelona (der Bayern ausschaltete) vermehrt Anstrengungen unternehmen (nicht Real Madrid!!), in England mit Chelsea und Arsenal London und in Italien mit Juventus Turin. Da müssen sich die deutschen Mannschaften strecken.

So baut der Frauen-Fußball hierzulande auch weiterhin vor allem auf die Nationalmannschaft, die allerdings wie die Männer beim letzten Turnier leider enttäuscht hat. Bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich soll es unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besser laufen. Nur mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft kann die Frauen-Bundesliga überhaupt den Durchbruch schaffen.

Real, Barcelona, Bayern: Die Krise der Großen

Fußball-Deutschland rätselt über die Schwäche des FC Bayern, die urplötzlich die Bundesliga auch an der Spitze wieder interessant machte. Was ist los mit dem Rekordmeister, der zuletzt sechsmal hintereinander den Titel gewann und ein Ende der Erfolgsserie eigentlich nicht in Sicht war? Und jetzt plötzlich der Absturz, quasi von Hundert auf Null. Aber die Münchner stehen nicht alleine da, vor allem in Spanien reiben sich die Fans ebenfalls die Augen. Tabellenführer dort ist der FC Sevilla, nicht der FC Barcelona und schon gar nicht Real Madrid. Der Fußball rätselt über die Krise der Großen.

Die Diskussionen sind passend, denn in dieser Woche stehen auch die europäischen Wettbewerbe an. Für den einen oder anderen Verein eine willkommene Gelegenheit, aus der Tristesse der nationalen Wettbewerbe wieder ein bisschen in die Sonne zu treten. Zum Beispiel für die Bayern, die mit einem Sieg über Benfica Lissabon den Einzug in die nächste Runde perfekt machen könnten. Allerdings wäre damit der Trainerstuhl von Niko Kovac noch nicht gesichert, aber die nächste Bewährungschance am Samstag in Bremen dürfte er wohl absolvieren. Bei einem erneuten Reinfall wäre wohl die kürzeste Trainer-Ära aller Zeiten bei den Bayern vorbei.

Allerdings stellt sich schon die Frage, welcher Trainer aus den Versagern wieder Meister machen könnte. Jupp Heynckes wird nicht noch einmal aus dem Ruhestand zurückkehren. Ein Name geistert jedoch durch die Gerüchteküche: Arsene Wenger, 69-Jähriger Franzose, früher oft auf der Wunschliste der Münchner, aber von 1996 bis 2018 Arsenal London treu geblieben. Der Elsässer war bei Arsenal lange erfolgreich, am Ende war er jedoch ohne Fortune. Wenger will sich noch nicht aufs Altenteil zurückziehen und außerdem erfüllt er ein wichtiges Bayern-Kriterium: Er spricht neben französisch zudem deutsch, aber auch englisch und ein wenig italienisch, spanisch und sogar japanisch. Multi-Kulti, so wie es in den Mannschaften heutzutage auch zugeht. Kann die Bundesliga ihn reizen? Die Bayern als Verein sollten schon reizvoll sein.

Die Konkurrenz an der Bundesliga-Spitze ist vorsichtig und fürchtet nach wie vor ein Comeback der Bayern, die wie ein Dampfwalze die Konkurrenz noch einmal platt machen könnte, schließlich sind neun Punkte Rückstand nicht so viel, wenn man die 20 und mehr Punkte Vorsprung in den letzten Jahren ansieht. Aber aktuell spielt die Konkurrenz den besseren Fußball und ist glücklicher. So biegt Dortmund Rückstände um, ist Meister der 2. Halbzeit (Bayern Sechster), während Bayern eher in der 1. Halbzeit vorlegt und im ganzen Gegensatz zu früher am Ende noch die Siege aus den Händen gibt. Erster Dortmund-Verfolger bleibt Gladbach, spielt leichtfüßigen und schnellen Fußball, die Bayern im Gegensatz dazu schwerfällig. Eintracht Frankfurt lebt vom neuen „magischen Dreieck“ mit Jovic, Rebic und Haller, bewegliche Stürmer, die sich durchsetzen können, das Gegenteil zu Lewandowski, Ribery oder Robben. Zudem wurde bei Bayern aus dem selbstbewussten „mia san mia“ ein „wer san mia?“ Sie rätseln selbst und finden keinen Weg zu besseren Leistungen. Niko Kovac zaudert, Änderungen stehen bei ihm nicht oben an.

Die Krise der Bayern, die ihre letzten vier Heimspiele nicht gewinnen konnten, ist Teil der Krise der Großen. Real Madrid hat schon zum Trainerwechsel gegriffen und erneut einem Trainer aus der zweiten Reihe eine Chance gegeben. Mit dem Coach der zweiten Mannschaft sollte es wieder aufwärts gehen, Santiago Solari sich auf den Spuren von Zinedine Zidane, der einst auch von der 2. Mannschaft kam, bewegen. Nach ersten Erfolgen erhielt er einen Vertrag – und verlor prompt jetzt beim Provinzklub Eibar mit 0:3. Aber Real steht in Spanien nicht allein, auch der FC Barcelona spielt, egal ob mit oder ohne Messi, holprigen Fußball. Das Resultat: Der Tabellenführer heißt FC Sevilla, hält den Platz an der Sonne mit 26 Punkten vor Barcelona (25) und Atletico Madrid (24). Real ist nur Sechster (20) und käme aktuell gerade mal in die Qualifikation zur Europa League.

Könnte die Krise der Spitzenklubs auch auf die anderen Ligen in Europa überschwappen? National muss sich zum Beispiel Thomas Tuchel mit Paris St. Germain keine Sorgen machen, aber international hängt die Zukunft am seidenen Faden. Das Problem: Die Stars Neymar und Cavani sind sich nicht grün, immer wieder flammt der Streit auf. Keine Erfolgsbasis. In England steht der Kampf um die Meisterschaft im Vordergrund und könnte die Kraft rauben, die in der Champions League dann fehlt. Manchester City kämpft um die Titelverteidigung, der FC Liverpool will endlich wieder Meister werden, bei der Titelvergabe wollen aber auch die Londoner Klubs Tottenham, Chelsea und Arsenal mitsprechen. Von Krise (vorerst?) keine Spur, ebenso wie in Italien bei Juventus Turin. Es muss ja auch Große ohne Sorgen geben.

Fußball in Europa: Krisen und Spannung

Die Punktrunden in Europas Fußball haben Pause, wieder steht eine Länderspielpause an, die diesmal mit der neuen Nations League gefüllt wird. Für die Fans die Gelegenheit, ein bisschen durchzuschnaufen, für viele Klub-Bosse eher die Gelegenheit zu meckern: Ihnen gefällt die Unterbrechung der Meisterschaft gar nicht. Immerhin dreimal gibt es diese Länderspielpausen im Herbst, wenig Willkommen sind sie dann, wenn es in den Ligen gerade Spannung pur gibt. Und dies ist diesmal durchaus der Fall, dort Krisen, da Spannung, ein Blick auf den Fußball in Europa lohnt sich.

Spannung gibt es meist dann, wenn die Favoriten überraschend schwächeln, so wie vor allem Bayern München in der Bundesliga. Der Abonnement-Meister der letzten sechs Jahre ist offensichtlich ein bisschen satt geworden oder Verein und Spieler haben den Trainerwechsel von Altmeister Jupp Heynckes auf den relativ unerfahrenen, am 15. Oktober 47-Jährigen Niko Kovac nicht verkraftet. Der Start mit Siegen in Serie ist nach vier Pflichtspielen ohne Sieg und nur Rang sechs in der Bundesliga vergessen. Die Bayern weinen, die Liga lacht, endlich gibt es wieder Spannung in Deutschland. Und das Beste an der Sache ist: Diejenigen, die vorne stehen, egal ob Tabellenführer Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Hertha BSC Berlin spielen alle durchaus ansehnlichen Fußball. Also wieder Hoffnung in der Bundesliga. Selbst in München. Dort allerdings, die Hoffnung, dass die Krise schnell gemeistert wird. Mehr Spannung geht nicht.

Oder doch? In England sind sie froh, dass die Spannung auch wieder zurückgekehrt ist. Der Alleingang von Manchester City im Vorjahr ist vergessen und war auch im Vorfeld nicht mehr zu erwarten. Die Premier League brüstet sich ja immer damit, dass es in keiner anderen Liga solch ein breites Favoritenfeld gibt wie auf der Insel. Und weil dort auch das meiste Geld fließt, es aber nicht nur deshalb viele Spieler nach England zieht, ist schnell von der besten Liga der Welt die Rede. Ein bisschen kann man sich bestätigt fühlen, mit Manchester City, Chelsea London und dem FC Liverpool liegen drei der Favoriten mit 20 Punkten nach acht Spielen gleichauf, dahinter lauern mit Arsenal London und den Tottenham Hotspur weitere zwei Titelanwärter nur zwei Zähler zurück. Allein Manchester United hat aus diesem Kreis den Anschluss verloren (nur 13 Punkte), dafür sorgt Trainer Jose Mourinho für die größten Schlagzeilen. Man muss halt im Gespräch bleiben. Das wird die Premier League aber auch ohne den exzentrischen Portugiesen.

Beste Liga? Die größten Stars kann England nicht vorweisen. Mbappe und Neymar spielen in Paris, Spanien hat immer noch Messi und mit Luka Modric den aktuellen Welt-Fußball des Jahres, obwohl Cristina Ronaldo La Liga verlassen hat. Er heuerte aber nicht in England an, sondern in Italien. Dort sorgt er eher dafür, dass keine Spannung aufkommt und Juventus Turin weiterhin der Seriensieger bleibt. Sehr zum Leidwesen, der Klubs aus Rom, Mailand und Neapel. Auch in Frankreich keine Spannung, Paris St. Germain mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel, hat nach neun Spieltagen mit der vollen Punktausbeute von 27 Zählern bereits acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten OSC Lille.

Da geht der Blick doch leichter nach Spanien, gemäß der UEFA-Rangliste die stärkste Liga in Europa und damit wohl auch in der Welt. La Liga hat die Abgänge von Cristina Ronaldo und auch Iniesta (nach China, um noch ein bisschen Geld zu verdienen) nicht verkraftet. Aber dadurch, dass sich der FC Barcelona und vor allem Real Madrid nicht in Bestform präsentieren, steigt die Spannung. Das Tabellenbild ist ungewohnt, der FC Sevilla, führt vor dem FC Barcelona, Atletico Madrid und dem Lokalrivalen Real, das zudem punktgleich mit Espanyol Barcelona und Deportivo Alaves ist. Kein Wunder, dass der als Nationaltrainer erfolgreiche Julen Lopetegui als Real-Coach in die Schusslinie geraten ist, die Fans trauern Zinedine Zidane nach, der ihnen dreimal hintereinander die Champions League gewann. Das ist Lopetegui natürlich auch noch möglich, die Frage ist, ob er die Zeit bekommt. Ein Phänomen von Real ist es ja, dass nationale Krisen an der Mannschaft international vorbeigehen. Die Mannschaft kann sich offensichtlich punktgenau auf die entscheidenden Spiele der Champions League konzentrieren (manchmal hilft allerdings auch in bisschen Wohlwollen der Schiedsrichter).

Überhaupt schwebt die Champions League als großer Unbekannter über den nationalen Meisterschaften. Endgültig abgerechnet wird am 1. Juni 2019 in Madrid (im Stadion von Atletico), wenn der Henkelpott vergeben wird. Wer ihn in die Höhe halten kann, hat die Saison gerettet, egal welche nationale Krise es vorher gegeben hat. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, mit vielen Krisen und hoffentlich auch viel Spannung. Und natürlich Länderspielpausen.

Dortmund Meister des Comebacks – Bald Comeback als Meister?

Es war eines der spektakulärsten Spiele der Bundesliga-Geschichte und nicht nur rein zufällig war Borussia Dortmund beteiligt. Beim 4:3 gegen den FC Augsburg, mit dem Siegtreffer durch einen Freistoß in letzter Sekunde, zeigt der noch ungeschlagene Tabellenführer der Fußball-Bundesliga alles, was den Fans gefällt und zum Erfolg führt: Schwung, Punch, Begeisterung. Trainer Lucien Favre war nicht glücklich über die Anzahl der Gegentreffer, aber glücklich über das Spiel: „Fantastisch“.

Die junge Dortmunder Mannschaft (im Schnitt gerade mal 23,8 Jahre alt) beeindruckt mit den jungen Flügelflitzern Sancho, Pulisic und Brunn Larsen (geführt von Kapitän Marco Reus), zeigt sich andererseits aber unbeeindruckt von Rückständen und beweist sich als Meister des Comebacks, als Meister der zweiten Halbzeit (in Leverkusen 4:2 nach 0:2) und der letzten Minuten. Die Moral bleibt scheinbar ungebrochen. Und der Trainer hat ein glückliches Händchen, was Joker-Tor en masse beweisen, und er hat den Spanier Alcacer. Der Torjäger wurde vom FC Barcelona ausgeliehen und wird von Favre erst im Laufe des Spiels aufs Feld geschickt, aber dann kracht es. Mit sechs Treffern führt er die Bundesliga-Torschützenliste an. Favre will den Torjäger, der auch das Comeback in der Nationalmannschaft feiern kann, langsam aufbauen: „Er hat drei Jahre lang kein Spiel über 90 Minuten bestritten.“

Die Augsburger mussten sich vorkommen wie im falschen Film. Sie machten ihrem Ruf als „nervigste Mannschaft der Bundesliga“ alle Ehre, ärgerten nach den Bayern (1:1) auch Dortmund, führten 1:0 und 2:1, glichen in der 87. Minute zum 3:3 aus und mussten doch mit leeren Händen abreisen, weil Alcacer in der 6. Minute der Nachspielzeit einen Freistoß durch die sich auflösenden Mauer ins Netz donnerte. Mitspieler berichten, „das macht er im Training auch immer so“. Beim FCA dagegen ist fast Verzweiflung angesagt, wieder gut gespielt, wieder Lob, wieder keine Punkte. Acht sind es bisher in sieben Spielen, vier wurden schon durch Torwartfehler verschenkt und jetzt dies. Der FCA könnte Sechster sein, nicht Zehnter wie aktuell, mit nur drei Zählern Abstand zu den Abstiegsplätzen.

Sechster ist, man höre und staune, der FC Bayern München. Die Lust am Oktoberfest ist den Münchnern am Sonntag zwar nicht vergangen, aber der Frust sitzt tief, Trainer Niko Kovac aber angeblich noch fest auf seinem Trainerstuhl. Präsident Uli Hoeneß hat ihm die Absolution erteilt, „ich werde ihn bis aufs Blut verteidigen“ – aber wie lange noch. Die Länderspielpause muss zur Ursachenfindung genutzt werden, aber schon seltsam, dass alle Stärken der ersten vier Spiele wie weggeblasen sind. Da ist vor allem auch Hasan Salihamidzic als Sportdirektor gefordert, der bisher nur Allgemeinplätze von sich gab („Wir werden gestärkt zurückkommen“).

Bayern nur Sechster, das gab es zuletzt 2010 unter Trainer Louis van Gaal, als die Bayern zum Oktoberfest nach drei Niederlagen 13 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Mainz (!) hatten und gerade mal Zwölfter waren. Diesen Absturz soll es nicht wieder geben, aber die Bayern präsentieren sich als das Gegenteil von Dortmund: Teilnahmslos, müde und erschreckend harmlos. Beim 0:3 gegen Gladbach traf der Gegner wie er wollte, wurden die Punkte mit eklatanten Fehlern quasi auf dem Silbertablett serviert, aber die Bayern selbst kamen kaum einmal zu gefährlichen Aktionen. Die Wende soll ab dem 20. Oktober in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, danach geht es zum Schlagerspiel nach Dortmund. Der Tabellenführer selbst hat Stuttgart, Hertha BSC und ebenfalls Wolfsburg vor der Brust, könnte also ungeschlagen auf die Bayern treffen – und dann die Weichen stellen für ein weiteres Comeback, für das Comeback als Meister!

Stuttgarts seltsame Tradition

Alles schaute auf die Bayern und was mit Trainer Niko Kovac passiert, da war ein anderer Verein mit der Entlassung seines Coaches schon schneller: Beim VfB Stuttgart brach nach dem Absturz auf den letzten Platz die Panik aus und Trainer Tayfun Korkut musste gehen. Seltsam, es hat fast schon Tradition beim VfB, dass der Trainer im Herbst gehen muss. Seit 2008 wurden sieben Coaches in dieser Zeit geschasst. Seltsame Parallelen auch, meist nach erfolgreicher Arbeit in der Rückrunde, also im Frühjahr. Korkut wurde wohl die defensive Spielweise zum Verhängnis. Markus Weinzierl, seit seinem Schalke-Gastspiel arbeitslos und einst in Augsburg erfolgreich, wird als heißer Nachfolger gehandelt. Vor einem Jahr wollte er keinen Vertrag nur bis Saisonende unterschreiben. Viel mehr wird es in Stuttgart aber sowieso nicht… Der nächste Herbst kommt bestimmt.

Was auffällt, ist, dass die Bayern nicht die einzige Spitzenmannschaft in Europa sind, die als Anwärter auf den Sieg in der Champions League gilt, aber mit Problemen zu kämpfen hat. Frust schiebt auch Real Madrid, drei Niederlagen in den letzten vier Spielen bringen Trainer Lopetegui in die Schusslinie, der Abgang von Cristiano Ronaldo wurde offensichtlich nicht verkraftet. So ist Real in der La Liga nur Vierter, zwei Punkte hinter Überraschungstabellenführer FC Sevilla, weil auch Titelverteidiger FC Barcelona mit Messi nicht richtig in die Spur findet und sich vorerst mit Platz zwei zufrieden geben muss. Seltsam, dass die Barca-Stars schon im Oktober müde wirken. Dabei hatten sie doch gar kein Oktoberfest.

Deutschland auf Platz eins

Real patzte auch in der Champions League mit der 0:1-Niederlage bei ZSKA Moskau, was die Krise noch ein bisschen ernster macht. Barca zeigte sich da mit einem 4:2-Erfolg bei den Tottenham Hotspur voll auf der Höhe. Wie übrigens auch die deutschen Klubs, die sich in dieser Saison auf Europas Bühne von der besten Seite zeigen und wirklich Wiedergutmachung für die UEFA-Rangliste betreiben. Deutschland führt derzeit die Jahresliste sogar an. Getrübt wurde die Bilanz nur durch das unglückliche und verletzungsgeplagte Hoffenheim mit einem 1:2 gegen Pep Guardiolas Manchester City und eben durch die Bayern, für die das 1:1 gegen Ajax Amsterdam fast schon eine Niederlage war, aber auch eine Bestätigung der Krise, die sich gegen Gladbach noch verschärfte. Insgesamt aber nehmen die Bundesliga-Klubs die Wettbewerbe in Champions- und Europa League offensichtlich wieder ernsthafter und mit Erfolgshunger an. Wird ja auch Zeit.

Löws Kampf gegen den Abstieg

Erfolgshunger muss die deutsche Nationalmannschaft auch zeigen, in der Nations League, die jetzt in der zweiten Länderspielpause in den Mittelpunkt rückt. Zwei richtungsweisende Spiele stehen für Bundestrainer Joachim Löw und seine Jungs an, nämlich am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande und am Dienstag, 16. Oktober, in Paris das Rückspiel gegen Weltmeister Frankreich (Hinspiel 0:0). Gerade gegen die Niederlande geht es schon um den Klassenerhalt in der Dreier-Gruppe. Es treffen da zwei Teams aufeinander, die zuletzt Probleme hatten. Die Niederlande sicherlich noch mehr, aber so richtig Zutrauen zum DFB-Team und Jogi Löw haben die deutschen Fans auch noch nicht.

So sorgte der Bundestrainer für Verwirrung mit der Nominierung von Stürmer Mark Uth, der bei Schalke oft nur auf der Ersatzbank sitzt. Als er in Hoffenheim zum Torjäger mutierte, zeigte ihm Löw noch die kalte Schulter. Eine erhebliche Schwächung stellt die Absage von Marco Reus da, der Dortmunder Kapitän klagt über Kniebeschwerden und will sich schonen. Der Verein geht vor. Nach Özils Rücktritt und da auch Gündogan verletzt ausfällt, wird ein Spielgestalter neben Toni Kroos gesucht. Möglich, dass der 19-Jährige Leverkusener Kai Havertz ins kalte Wasser geworfen wird. Hoffentlich geht dann Deutschland mit ihm nicht unter. Wäre ja blöd, wenn sich die Fans in der Niederlande revanchieren könnten, für die beliebten Gesänge in Deutschland: „Ohne Holland fahr’n wir zur WM!“