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Tag: Frauen-Bundesliga

Die Nations League ist ein Spiel mit dem Feuer

Liebe Leserinnen und Leser, wissen Sie, wann die Fußball-Nationalmannschaft zum letzten Mal gespielt hat? Nein? Kein Wunder, dann müssten Sie ein wandelndes Archiv sein. Es war der 19. November 2019, als Deutschland in Frankfurt 6:1 gegen Nordirland gewann. Es sollte im März 2020 weitergehen und im Sommer stand eigentlich auch die Fußball-Europameisterschaft auf dem Programm. Pustekuchen. Jemand war dagegen, Covid 19 veränderte das tägliche Leben und stoppte auch den Fußball. Die nationalen Ligen unterbrachen ihre Punktrunden und an Länderspiele war gleich gar nicht zu denken. Bundestrainer Joachim Löw hatte das Leben eine Frührentners.

Doch so wie die Vereine, so brauchen auch die Verbände Geld. Die Nationalmannschaften sollen nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn die EM auf 2021 verschoben wurde, Länderspiele soll und muss es wieder geben, denn Geld fließt nur durch Werbung und TV-Einnahmen. Trotz Corona-Pandemie weltweit gibt es im Herbst noch drei Länderspiel-Fenster im Spielplan, jetzt im September, im Oktober und November. Die EM wurde abgesagt, aber die Nations League wird stattfinden. Dabei ist dies für die UEFA und die Beteiligten angesichts der weiter vorhandenen Infektionen mit Covid-19 ein Spiel mit dem Feuer. Im Gegensatz zu den Finalturnieren von Champions League und Europa League können hier Mannschaften und Spieler nicht in einer Blase leben, abgeschottet von Fans und Corona. Zwar wird größtenteils ohne Zuschauer gespielt, teilweise allerdings schon. Rücksichtsvoll hat die FIFA für die Vereine eine Abstellungspflicht aufgehoben, wenn Spieler in Länder reisen sollen, für die eine Reisewarnung ausgerufen wurde. Doch die Regierungen sehen die Gefahren unterschiedlich, Chaos und Ärger sind vorprogrammiert.

Dazu kommt, dass durch die Verschiebung der Saison 2019/20 in den Sommer hinein die Saison 20/21 später beginnt und für Spieler und Vereine eine Terminhatz sondergleichen ohne Winterpause stattfinden wird. Länderspiele bedeuten eine zusätzliche Belastung, auf die eigentlich verzichtet werden könnte, wenn da eben nicht die Einnahmen und das Image wären. Bayerns Nationalspieler stehen vor 57 Spielen in rund 250 Tagen! So war es mit einem Blick in die Zukunft vernünftig, dass Bundestrainer Löw für die Maßnahme im September auf die Münchner Triple-Sieger verzichtet. Neuer, Kimmich, Goretzka und Gnabry können Urlaub machen, ebenso die Leipziger Klostermann und Halstenberg, die in der CL beschäftigt waren. Gesundheit geht vor Erfolg in der Nations League, die eigentlich anstelle von uninteressanten Länderspielen zu einem ernsten Wettbewerb werden sollte, für den Bundestrainer nun doch vor allem der Talentsichtung dient.

Das Aufgebot für die Spiele gegen Spanien (Donnerstag in Stuttgart) und die Schweiz (Sonntag in Basel) erinnert eher an eine B-Mannschaft, weil auch noch Torhüter ter Stegen nach Operation fehlt. So muss die zweite Garde der Torhüter ran, Kevin Trapp (Frankfurt), Bernd Leno (Arsenal, nach Verletzung ohne Spielpraxis) und Oliver Baumann (Hoffenheim), für den sich mit 30 Jahren ein Traum erfüllt, einmal bei der Nationalmannschaft zu sein. Neulinge sind auch Robin Gosens und Florian Neuhaus (Gladbach). Die Augen werden vor allem auf Gosens gerichtet sein, der in Deutschland im Fußball nie auffiel, jetzt aber bei Atalanta Bergamo für Furore sorgte. Seine Berufung ist nur logisch. Mit dabei sind auch die Münchner Sané und Süle, die eher Spielpraxis brauchen und nicht im Urlaub weilen. Mal sehen, ob die Nationalmannschaft Freude machen kann, nachdem von einer konzentrierten Vorbereitung keine Rede sein kann. Ein paar Tage reichen nicht, damit alle Räder ineinandergreifen. Auch sportlich also ein Spiel mit dem Feuer, zumal die DFB-Elf in der Nations League noch ohne Sieg ist.

Das Aufgebot: Torhüter: Trapp (Frankfurt), Leno (Arsenal), Baumann (Hoffenheim). – Abwehr: Kehrer (Paris), Gosens (Bergamo), Ginter (Gladbach), Tah (Leverkusen), Schulz (Dortmund), Süle (Bayern), Rüdiger (Chelsea), Koch (Freiburg). – Mittelfeld/Sturm: Neuhaus (Gladbach), Draxler (Paris), Kroos (Real), Werner (Chelsea), Brandt, Can (Dortmund), Waldschmidt (Benfica), Havertz (Leverkusen), Sané (Bayern), Serdar (Schalke), Gündogan (ManCity).

Erster Wahl-Sieg für Lewandowski

Die Bayern können Urlaub machen und gewinnen trotzdem! Bei der Wahl zum „Fußball des Jahres“ trumpften natürlich die Triple-Gewinner auf. Die Wahl wird vom kicker organisiert, die deutschen Sportjournalisten geben ihr Votum ab. Für Bayern-Torjäger Robert Lewandowski war es schon mal ein guter Test, er gewann haushoch mit 276 Stimmen vor seinen Vereinskollegen Thomas Müller (54) und Joshua Kimmich (49). So hätte es der Pole gern, wenn es auch um den „Weltfußballer des Jahres“ geht. Zuletzt hatten dort Cristiano Ronaldo und Lionel Messi dominiert. Joachim Löw bringt allerdings noch einen anderen Kandidaten ins Spiel: Nationaltorhüter Manuel Neuer. Der hätte diese Ehrung eigentlich schon 2014 verdient gehabt, als er vor allem bei der Weltmeisterschaft das Torhüterspiel auf ein neues Niveau hob. Aber Torjäger haben halt einen Bonus, was für Lewandowski spricht, der als Torschützenkönig in Bundesliga, Pokal und Champions League zudem sein persönliches Triple feierte.

Keine Zweifel gab es auch beim „Trainer des Jahres“, da triumphierte Hansi Flick mit 223 Stimmen vor Liverpools Meistermacher Jürgen Klopp (164). „Fußballerin des Jahres“ wurde Wolfsburgs Torjägerin Pernille Harder (212 Stimmen) vor ihrer Vereinskollegin Alexandra Popp (76). Beide hätten wohl lieber am Sonntag in San Sebastian in der Champions League gewonnen.

Auch ohne Wahl ist vor allem Superstar Lionel Messi im Gespräch. Dass er den FC Barcelona verlassen will, kommt einem Erdbeben gleich. Aber so einfach, wie er es sich vorstellt, geht es wohl nicht. Seine Berater versäumten die Frist im Juni wahrzunehmen, nach der er hätte ablösefrei wechseln können. Sie vertrauten darauf, dass es im Sinne des Textes nach der Saison sein soll. Die Liga stellte nun fest, dass die Ablöse gezahlt werden muss, die ist auf 700 Millionen Euro festgelegt. Jetzt darf gestritten werden und die Gerüchteküche kocht. Wo serviert Messi künftig die Vorlagen und Tore zu Titeln? Begibt er sich in die Höhle des Löwen zu Cristiano Ronaldo nach Turin? Da kommt wohl eher eine Wiedervereinigung mit seinem einst geliebten Trainer Pep Guadiola bei Manchester City in Frage. Die Antwort weiß nur Messi selbst.

Start der Frauen-Bundesliga

Das hatten sich die Frauen des VfL Wolfsburg anders vorgestellt. Nachdem die Bayern das Triple holten, wollten die Wölfinnen nachziehen, weil sie auf das gute Omen hofften: Auch 2013 hatten sie wie die Bayern-Männer das Triple geholt. Doch daraus wurde nichts, ausgerechnet im letzten und wichtigsten Spiel der Saison musste der deutsche Meister seine erste Saison-Niederlage hinnehmen und bot beim 1:3 gegen Titelverteidiger Olympique Lyon leider eine erstaunlich schwache Leistung. So bleibt Lyon das Maß aller Dinge mit fünf Titeln, davon zuletzt vier in Folge.

Vielleicht war es sogar die letzte große Chance für einen deutschen Verein, bei den Frauen die Champions League zu gewinnen. Die Klubs im Ausland rüsten auf, zahlen gutes Geld und den deutschen Vereinen fällt es immer schwerer, internationale Stars zu holen. So verlässt jetzt auch Torjägerin Pernille Harder den VfL, sie wechselt aber eher aus privaten Gründen zu Chelsea London.

Aber auch national muss sich der VfL Wolfsburg strecken, wenn am Wochenende bereits die neue Saison der Frauen-Bundesliga beginnt, denn hier will Bayern München die Siegesserie der Norddeutschen beenden, die sechs Titel in acht Jahren holten. Die Bayern-Mädchen wollen nach 2015 und 2016 wieder mal an der Spitze stehen. Dafür haben sie sich mit Schwedens Nationalspielerin Hanna Glas und den deutschen Nationalspielerinnen Marina Hegerin, Klara Bühl und Lea Schüller wirkungsvoll verstärkt. Wolfsburg hält mit Talent Lena Oberdorf, Pauline Bremer (Manchester City) und Kathrin Hendrich (von den Bayern) dagegen. Dabei wird deutlich, dass national sich die Kräfte auf diese beiden Spitzenteams konzentrieren. Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg kann ihr Team künftig fast aus diesen beiden Vereinen rekrutieren. Bei dieser Konstellation ist es schwer, dass die Frauen-Bundesliga für die Fans attraktiver wird.

Dabei hatten sich die Frauen erhofft, dass die Männer-Bundesliga verstärkt als PR-Lokomotive einsteigt, dies tut jetzt Eintracht Frankfurt, das die Mannschaft des 1. FFC Frankfurt übernommen hat. Der Rest ist allerdings Schweigen.

Die Angst der Mannschaften vor dem letzten Spieltag

„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist ein preisgekröntes Buch, das der österreichische Schriftsteller und Nobelpreisträger Peter Handke schon 1970 geschrieben hat. Ein aktuelles Thema könnte auch die Angst der Mannschaften vor dem letzten Spieltag sein. Dies wurde wieder beim Saisonschluss der 1. und 2. Fußball-Bundesliga am Wochenende deutlich. Die Angst ging um und sorgte für seltsame Ergebnisse.

Zunächst müssen wir alle froh sein, dass die Bundesliga diese Saison überhaupt regulär beenden konnte. 66 Tage dauerte die Coronapause seit März, andere Nationen beendeten resigniert ihre Saison vorzeitig, andere fassten nach dem Kraftakt der Deutschen wieder neuen Mut und wurden Nachfolger. Heute würden sich vielleicht manche wünschen, die Saison wäre doch abgebrochen worden, dann nämlich, wenn auf einen Abstieg verzichtet worden wäre. So aber gab es ein sportliches und für manche eben ernüchterndes Ergebnis.

Die Angst vor dem letzten Spieltag machte sich vor allem im Abstiegskampf breit. Es gibt aber nicht nur die Angst, es selbst nicht zu schaffen, es gibt auch die Angst, dass der Gegner des Rivalen vielleicht nicht mit dem nötigen Ehrgeiz bei der Sache wäre. Es zeigte sich deutlich, diese Angst ist begründet. Der 1. FC Köln ließ sich willenlos von Werder Bremen 1:6 abschlachten und muss einen gehörigen Imageverlust hinnehmen. Es kann keine Entschuldigung sein, dass nach drei Gegentoren in sieben Minuten (22. – 29.) die Moral in den Keller sank. Sportlich und ehrgeizig dagegen Union Berlin, der Neuling wollte die Saison gut abschließen, Pech für Fortuna Düsseldorf, das 0:3 verlor und noch auf einen Abstiegsplatz rutschte und den SC Paderborn also in die 2. Bundesliga begleiten wird. Die neue Angst: Nur nicht noch weiter abrutschen und nicht zur ständigen Fahrstuhlmannschaft werden. Uwe Rösler soll Trainer bleiben und den Neuaufbau in Gang setzen, der notwendig ist, weil 17 Verträge auslaufen. Es soll schnell wieder zurück ins Oberhaus gehen, nach dem letzten Abstieg 2013 dauerte es fünf Jahre. Bemerkenswert: Da auch Paderborn an dem beliebten Steffen Baumgart als Coach festhält, gehen beide Absteiger mit den alten Trainern in die 2. Bundesliga.

Jubel dagegen in Bremen über die Relegation, die fast schon wie der Klassenerhalt gefeiert wurde. Am Ende zahlt es vielleicht wirklich aus, dass Werder an Trainer Florian Kohfeldt festgehalten hat. Aber der Gegner 1. FC Heidenheim hat einen besonderen Vorteil: Er kann ohne Angst in die entscheidenden Spiele gehen, am Donnerstag (2. Juli) in Bremen und Montag (6. Juli) in Heidenheim. Der Werder-Trainer warnt schon: „Der Druck bleibt.“ Und plötzlich gibt es eine neue Situation nach dem wochenlangen Abstiegskampf: Werder geht als Favorit in dieses Duell Oldie gegen Newcomer. Da kommt dann die Angst vor dem Versagen sicherlich wieder hoch. Heidenheims 0:3-Niederlage bei Meister Bielefeld sollte Bremen nicht in falscher Sicherheit wiegen.

Die Angst vor dem letzten Spieltag spürten auch die betroffenen Zweitligisten. Der Hamburger SV ging voller Hoffnung, aber auch mit Angst ins entscheidende Match gegen Sandhausen und hatte seine Nerven nicht im Griff. Ein 1:5-Debakel war die Folge, Verletzungen brachten das Team durcheinander, das sich schon in den letzten Wochen recht nervenschwach mit vielen Gegentoren in den letzten Minuten zeigte. Mindestens sechs Punkte gingen buchstäblich verloren. Unter anderem wurde der mögliche Aufstieg vor einer Woche in letzter Minute ausgerechnet in Heidenheim beim direkten Konkurrenten verspielt. Jetzt droht dem einstigen Bundesliga-Dino ein Trauma, weil die Nerven im Aufstiegskampf nicht halten, das war im Vorjahr so und ereilte eine umgemodelte Mannschaft mit neuem Trainer auch in diesem Jahr. Stellt sich die Frage, ob Dieter Hecking das psychologische Geschick hat, um einen Wandel herbeizuführen. Ähnlich sieht es in Nürnberg aus, der Club hatte Angst und beruhigte seine Nerven selbst mit einer 1:0-Führung in Kiel nicht. Da Karlsruhe in Fürth ohne Angst antrat und 2:1 gewann, muss Nürnberg nun in die Relegation gegen den Dritten der 3. Liga. Am Ronhof haben sie zumindest gelächelt…

Die Angst geht um am letzten Spieltag, die Angst, das einige Mannschaften die Aufgabe zu leicht nehmen. Die Angst vom VfL Wolfsburg war berechtigt, Borussia Dortmunds Leistung war der eines Vizemeisters nicht würdig, Hoffenheim hatte leichtes Spiel, siegte 4:0 und hat die direkte Qualifikation für die Europa League in der Tasche. Eine Blamage für Dortmund, das immer wieder Spiele hat, die buchstäblich abgeschenkt werden. Da ist Bayern München eben von einem anderen Kaliber, das „mia san mia“ wieder gelebt und so durfte Wolfsburg auf keine Geschenke hoffen, schließlich war der Meister auf Rekordjagd. 100 Tore wurden es nach dem 4:0 (nur die Bayern selbst waren 71/72 mit 101 besser), Robert Lewandowski kam auf 34 Saisontreffer, wurde Torschützen- und Skorerkönig mit 39 Punkten, Thomas Müller war mit 21 Vorlagen zu Toren der beste Vorbereiter, verpasste aber den Rekord von Emil Forsberg von 15/17 (22) um eine Vorlage. Das unterschiedliche Finale von Dortmund und München macht aber auch wieder deutlich, warum die Bayern ihre Titelserie auch nach acht Meisterschaften im Folge im nächsten Jahr erneut fortsetzen könnten. Trotz Krise und Trainerwechsel waren es am Ende wieder 13 Punkte Vorsprung. Ehrenpräsident Uli Hoeneß ätzte: „Wir können doch nicht mit halber Kraft spielen.“

Ein Gewinner am letzten Spieltag war auch Borussia Mönchengladbach. Ohne Angst gegen Hertha BSC Berlin wurde Platz vier gegen Bayer Leverkusen verteidigt und damit die Teilnahme an der Champions League perfekt gemacht. Die Sympathien gehörten sicherlich Gladbach, das für viele Vereine Beispiel sein sollte, nämlich mit weniger Mitteln als die Konkurrenz mehr macht. Manager Max Eberl hatte den richtigen Riecher, als er Dieter Hecking vorzeitig vor die Tür setzte, weil er spürte, dass Nachfolger Marco Rose mehr aus dieser Mannschaft herausholt. Er wurde belohnt.

Jagd auf die Pokale

Bayer Leverkusen hat noch zwei Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss. Zunächst steht das Pokalfinale am Samstag (20.00 Uhr) im Berliner Olympiastadion, natürlich ohne Zuschauer. Gegner Bayern München ist Favorit und Titelverteidiger, aber keineswegs satt. Während Bayer darauf hofft, nach 1993 ein zweites Mal Pokalsieger zu werden (Manager Rudi Völler: „Wir werden den Bayern das Leben schwer machen.“), und im August mit einem Sieg in der Europa League doch noch in die Champions League kommen könnte, streben die Bayern den 20. Pokalsieg an, um nach der 30. Meisterschaft ein rundes Jubiläum mit 50 Titeln zu feiern. Trainer Hansi Flick hat sogar noch mehr im Visier: „Wir schielen nach dem Triple.“ Heißt, auch in der Champions League will er am Ende den Henkelpott hochhalten und damit auf den Spuren von Jupp Heynckes wandeln, mit dem er ja oft verglichen wird.

Flick ist also noch nicht am Ziel, ein anderer deutscher Trainer allerdings schon: Gratulation an Jürgen Klopp, der beim FC Liverpool die Fans glücklich gemacht hat und nach 30 Jahren die Meisterschaft endlich wieder in die Beatles-Stadt holte. Da kullerten bei Kloppo sogar die Tränen und Konkurrent Pep Guardiola adelte ihn als den „besten Trainer der Welt“. Am Ende kann dann aber vielleicht auch noch Hansi Flick um diesen Titel mitmischen…

Die Bayern feierten übrigens noch einen weiteren kleinen Erfolg, die Frauen holten mit einem 3:0-Sieg in Essen Platz zwei in der Bundesliga und sicherten sich damit die Qualifikation für die Champions League. Auch die Frauen beschließen am Samstag die Saison mit dem Pokalfinale in Köln, dort ist Meister VfL Wolfsburg gegen Essen natürlich haushoher Favorit und will die makellose Saisonbilanz nicht trüben. Die „Wölfinnen“ blieben 2019/20 ungeschlagen (nur zwei Remis gegen die Bayern-Mädchen). Auch sie träumen übrigens im August in der Champions League vom Triple.

Fußball-Endspurt: Wer geht mit Vorteilen ins letzte Rennen?

Es ist fast geschafft! Trotz Coronapandemie können die 1. und 2. sowie die Frauen-Bundesliga am kommenden Wochenende ihre Saison abschließen. Wen nicht noch irgendetwas Außergewöhnliches passiert, zum Beispiel, wenn die Fans, die bisher erstaunlich ruhig blieben, doch noch eine Überraschungsaktion planen, die den Spielbetrieb beeinträchtigen könnte. Hoffen wir also, dass alles glatt geht. Für einige Vereine wird allerdings sowieso nicht alles glatt gehen, da stehen Abstiege im Raum oder verpatzte Aufstiege. Ein Überblick darüber wer mit Vorteilen ins letzte Rennen der Saison geht.

Champions League: Die Sache ist einfach, Borussia Mönchengladbach liegt auf dem entscheidenden Platz vier und hat zwei Punkte und neun Tore Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen. Ein Sieg zum Abschluss gegen Hertha BSC Berlin beseitigt alle Zweifel, ein Remis sollte sogar reichen. Vorteil Gladbach. Leverkusen hat gegen das gerettete Mainz die vermeintlich leichtere Aufgabe, verspielte genau in Berlin mit dem 0:2 seine gute Ausgangsposition. Gladbach zog mit dem 3:1-Sieg in Paderborn vorbei. Bayer-Coach Peter Bosz geknickt: „Wir haben nicht gut gespielt.“ Am Ende war der lange verletzte Gladbach-Oldie Lars Stindl der Held und nicht Leverkusens Überflieger Kai Havertz. Die Qualifikation hat RB Leipzig sicher, bei 27 Toren Vorsprung gegenüber Leverkusen, das noch gleichziehen könnte. Platz drei kann in Augsburg verteidigt werden.

Europa League: Die punktgleichen VfL Wolfsburg (zehn Tore Vorsprung) und die TSG Hoffenheim machen Platz sechs und sieben unter sich aus. Platz sechs hat den Vorteil, dass man den frühen Qualifikationsspielen aus dem Weg geht. Höher können die letzten Hürden für beide nicht sein: Wolfsburg erwartet die Bayern, Hoffenheim muss nach Dortmund. Vorteil Wolfsburg, wenn es keine hohe Klatsche gibt und Torjäger Lewandowski sich im Torrausch befindet. Aber die Bayern werden sich wohl eher für das Pokalfinale schonen. In Freiburg ist die Trauer nicht groß, dass Europa verpasst wurde. Platz 7 und die Qualifikationsspiele hätten den Kampf um den Klassenerhalt in der neuen Saison erschwert.

Abstieg: Gerettet sind jetzt auch der 1. FC Köln, Mainz 05 und der FC Augsburg. Für Köln war es fast nur Formsache, Mainz und Augsburg machten mit ihren Nichtabstiegstrikots deutlich, dass die 1. Bundesliga für sie nicht selbstverständlich ist. Mainz macht 20/21 das Dutzend in Folge voll (insgesamt es jetzt 14), für den FCA wird es „La Decima“, das zehnte Jahr nach dem Aufstieg 2011, als der FCA auch gleich als erster Abstiegskandidat galt. „La Decima“ lehnt sich an, an den Jubel bei Real Madrid beim zehnten Sieg in der Champions League. Augsburgs Klassenerhalt lässt sich damit fast vergleichen, Rang 15 reicht. Der SC Paderborn steht als Absteiger fest, Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen machen Abstieg und Relegation unter sich aus. Vorteil Düsseldorf: Zwei Punkte und vier Tore Vorsprung auf Rang 16. Bei Union Berlin soll dieser Vorsprung verteidigt werden, das 1:1 gegen Augsburg war zu wenig, um die Relegation perfekt zu machen, sicherte dem FCA aber den Klassenerhalt. Bremens Hoffnungen zerstoben fast schon mit der 1:3-Niederlage in Mainz. An der Weser gibt es mehr Enttäuschung als Zuversicht. Wer an Vorhersehungen glaubt, wird den Abstieg erwartet haben. Mit 55 Jahren Bundesliga stieg 2018 der damalige Dino HSV ab, mit 55 Jahren Bundesliga war Werder diesmal der Dino! Sollte Werder absteigen, ist nächstes Jahr der FC Bayern München der Dino – mit 55 Jahren Bundesliga (seit 1965). Doch für die Bayern gilt das schlechte Omen wohl nicht.

Aufstieg 2. Bundesliga: Glückwunsch an Arminia Bielefeld, das den Aufstieg geschafft hat, den SC Paderborn in Ostwestfalen als Bundesligist ersetzt und mit acht Aufstiegen den Rekord des 1. FC Nürnberg einstellt. In Bielefeld wurde in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und die Region hielt für dieses große Ziel zusammen. Ein persönlicher Erfolg vor allem für Trainer Uwe Neuhaus, der mit 60 Bundesliga-Neuling wird. Zuletzt war Bielefeld 2008/09 in der Eliteliga. Der VfB Stuttgart träumt dagegen vom direkten Wiederaufstieg, liegt auf Platz zwei und hat gegenüber dem Dritten drei Punkte und elf Tore Vorsprung. Das sollte gegen Darmstadt im Endspurt erfolgreich verteidigt werden. Ja, und Dritter ist, Überraschung (!), der 1. FC Heidenheim. Wieder ein kleiner Verein, der die Großen ärgert, diesmal den Hamburger SV. Der einstige Bundesliga-Dino (siehe oben), will nicht zum Dino der zweiten Liga werden, stellt sich aber in punkto Aufstieg ziemlich dumm an. Letztes Jahr rutschte der HSV im Endspurt von Rang zwei auf vier ab und ging leer aus und das droht ihm diesmal auch. Zuletzt musste er in vielen Spielen in den letzten Minuten entscheidende Gegentore hinnehmen und ließ die entscheidenden Punkte liegen. Das war auch beim direkten Duell in Heidenheim der Fall, wo aus einer 1:0-Führung erst das 1:1 und in der 95. Minute (!) das 1:2 wurde. Bei Heidenheim brachten die Joker Schwung rein, beim HSV lagen die Nerven blank, Köpfe und Füße wollten nicht mehr. Jetzt kann der HSV nur auf Meister Bielefeld hoffen und darauf, dass sich der Aufsteiger nicht hängen lässt. Ob die Hamburger allerdings ihre Hausaufgabe gegen Sandhausen lösen können, ist auch fraglich. Also Vorteil Heidenheim.

Abstieg 2. Bundesliga: Ein Abstieg, egal in welcher Liga, ist für jeden Verein traurig, den auswärtigen Fan schmerzt es aber besonders, wenn ein Traditionsverein die Kurve nicht mehr bekommt. Das sieht jetzt im Abstiegskampf der 2. Bundesliga beim 1. FC Nürnberg so aus. 33 Jahre Bundesliga sind leider Vergangenheit, jetzt droht der Durchmarsch von der ersten in die dritte Liga. Aber noch liegt der Club auf dem rettenden 15. Platz mit Punkten Vorsprung auf den Karlsruher SC, der ein Tor besser ist. Der Club ging gegen Stuttgart mit 0:6 ein, ein ähnliches Resultat drohte auch dem KSC gegen Meister Bielefeld, doch plötzlich drehten die Badener nach 0:3 auf, holten noch ein 3:3 raus und bereiteten Nürnberg wieder Sorgen. Dem Abstieg nahe sind Schlusslicht Dynamo Dresden und Wehen-Wiesbaden, die beide drei Punkte Rückstand auf Karlsruhe haben und 14 bzw. 10 Tore schlechter sind. Zumindest die Relegation mit dem Dritten der 3. Liga hat Nürnberg also geschafft.

Frauen-Bundesliga: Ja, auch die Frauen-Bundesliga beendet am kommenden Sonntag ihre Saison und ein bisschen Spannung gibt es auch da noch, obwohl der VfL Wolfsburg die Liga dominiert, sich vorzeitig den vierten Titel in Folge holte und mit dem 0:0 bei Bayern München (1:1 im Hinspiel) ungeschlagen blieb. Das sollte auch gegen Leverkusen gelingen, das noch nicht alle Abstiegsnöte beseitigt hat. Für die Bayern-Mädchen war das 0:0 ein Prestigeerfolg, aber eigentlich zu wenig, denn Platz zwei und damit die Champions League ist noch nicht sicher. Verfolger Hoffenheim gibt nicht auf und hat bei nur zwei Punkten Rückstand noch Chancen, zumal die Badener mit 44:43 die bessere Tordifferenz haben. Also doch ein spannender Endspurt, München muss nach Essen, Hoffenheim nach Potsdam – ähnlich schwere Aufgaben. Kurios: Die Bayern vergaben gegen Wolfsburg gute Chancen, warten auf eine Torjägerin, die zur neuen Saison kommt. Sie heißt Lea Schüller, ist Dritte der Torjägerliste und spielt in – Essen! Sie wird sich doch nicht mit Toren die Champions-League-Teilnahme in der nächsten Saison versauen… Absteigen müssen übrigens die Mädels aus Jena, Köln (gegen Sand) und Duisburg (in Jena) machen den zweiten Absteiger unter sich aus. Vorteil???

Die alte Saison endet am Wochenende, die neue ist bereits im Visier. Die Bundesliga tagte am Montag, im Mittelpunkt stand die Vergabe der TV-Rechte für die nächsten vier Jahre. Wie bisher bekannt, hat sich der „Stammsender“ Sky wieder den Hauptanteil der Rechte der 1. und 2. Bundesliga gesichert, Freitag und Sonntag ist im Oberhaus der Streamingdienst DAZN am Ball. SAT1 steigt wohl mit Rechten im Free-TV für einige ausgewählte Spiele wie beim Rundenbeginn ein. Die ARD-Sportschau und das ZDF-Sportstudio haben wieder Rechte für ihre Sendungen erworben, so dass für die Fußball-Fans einige Sehgewohnheiten bleiben, obwohl auch die Sender coronageschädigt einen Zuschauerrückgang zu verzeichnen hatten. Die Hoffnungen auf wesentlich mehr Geld machte Corona für die Vereine auch zunichte. Der eine oder andere muss seinen Gürtel enger schnallen. Immerhin eine totale Zerstückelung der Übertragungen und Anfangszeiten wurde verhindert, Vorteil Fans.

Hansi Flick ist der Beweis: Auf den Trainer kommt es an

Früher hat man immer scherzhaft gesagt, Bayern München brauche gar keinen Trainer, die Mannschaft habe so eine Qualität, da täte es auch der Platzwart. Diese These ist schon lange widerlegt, spätestens in dieser Saison, als es mit Nico Kovac nicht klappte und der Rekordmeister der Musik hinterher lief. Mit dem bisherigen Assistenten Hansi Flick kam die Wende und die Bestätigung, der FC Bayern braucht doch einen Trainer. Ganz im Gegenteil, gerade beim vorentscheidenden 1:0-Sieg in Dortmund zeigte sich, auf den Trainer kommt es an. Dass die Weichen Richtung Meisterschaft gestellt wurden, war auch ein Erfolg von Flick über Favre.

Es war vor dieser Saison wie immer, ging es um die Frage des Titels, dann hieß es bei den üblichen Verdächtigen, „wir müssen da sein, wenn die Bayern schwächeln“. Einzig Dortmund wagte sich in die Offensive und gab die Meisterschaft als Ziel an. Eins ist gewiss: Die Mannschaft hat die Qualität dazu. Bittere Erkenntnis jetzt nach sieben Punkten Rückstand auf die Bayern und Platz 1: Dortmund hat offensichtlich nicht den Trainer dazu. Kein Wunder, dass immer wieder darüber spekuliert wird, dass Favre bald gehen muss. Da helfen auch alle Beteuerungen der Vereinsspitze nichts, man sei mit Favre zufrieden. Der Schweizer gilt als absoluter Fachmann, kann die Spieler sicherlich besser machen, aber er kann sie wenig begeistern, er ist kein Motivator, hat einfach nicht das Meister-Gen.

Das hatte Jürgen Klopp, er führte Dortmund zu den Titelgewinnen 2011 und 2012, die Borussia war da, als Bayern schwächelte, dann rüsteten die Münchner auf und starteten ihre Rekordserie an Titelgewinnen. Der achte liegt jetzt bereit und für die Zukunft darf sich die Konkurrenz eigentlich keine Hoffnung machen. Hansi Flick wird gefeiert als Trainer von der Qualität eines Jupp Heynckes, der Inbegriff des Trainer-Vorbildes für die Bayern. Der Vertrag wurde bis 2023 verlängert, die Bayern sind noch nicht satt.

Ein Blick auf die Auswechselbank beim Spitzenspiel machte eigentlich deutlich, dass Lucien Favre die besseren Auswahlmöglichkeiten als Flick hatte, um eine Wende herbei zu führen, er konnte Can, Sancho, Witsel, Götze und Reyna einwechseln, Flick musste auf Peresic, Hernandez und Martinez zurückgreifen, alles Akteure ohne Spielpraxis, dahinter saßen Talente aus der zweiten Mannschaft auf der Bank. Beweis: Favre macht zu wenig aus den Möglichkeiten.

Dortmund galt bisher als die Mannschaft der Zukunft, doch das könnte sich ändern. Im Vergleich der Spitzenteams haben die Münchner die Borussia vielleicht schon überholt, der Umbruch ist in vollem Gange und scheint geglückt. Die Überraschung der Saison sind die Außenverteidiger, hier wurden der anfangs unscheinbare Benjamin Pavard (viele rätselten vor der Saison, was die Bayern mit dem Absteiger aus Stuttgart wollten) und der unbekannte Alphonso Davies zu Volltreffern. Der Franzose beeindruckt auch mit Toren, der Kanadier begeistert als „Roadrunner“, er ist immer mit Volldampf unterwegs und bereinigte so schon viele brisante Situationen vor dem eigenen Tor. Da werden schon Vergleiche zu den legendären Verteidigerpaaren wie Lizarazu/Sagnol oder Lahm/Alaba gezogen. Und ein Manko hat die Borussia auch weiterhin: Dortmund wird vonTalenten wie Sancho und Haaland als Durchgangsstation gesehen, die Bayern gelten als einer der führenden Vereine in der Welt und damit für viele auch als Traumziel. Stichwort: Bei Bayern gewinnst du Titel.

Spannung im Abstiegskampf

Die Meisterschaft scheint also entschieden zu sein, spannend bleibt der Kampf um die Plätze in der Champions League bzw. Europa League, aber noch viel spannender geht es am Tabellenende zu. Dort hat sich Werder Bremen zur Verfolgung aufgemacht und bringt die Klubs davor wieder zum Zittern. Nur den tapferen SC Paderborn muss man trotz aller Bemühungen wohl abschreiben, die Ostwestfalen gehen erhobenen Hauptes. Aber wer begleitet sie? Ein Blick auf das Restprogramm zeigt, dass noch viele direkte Duelle anstehen und es vielleicht auf die Heimspiele ankommt, obwohl die durch die leeren Stadien an Bedeutung verloren haben. Eine Hochrechnung lässt den Schluss zu, dass es am Ende Düsseldorf neben Paderborn erwischen könnte und sich Mainz in die Relegation retten könnte, Bremen, Augsburg und Union aber den Klassenerhalt schaffen könnten. Doch ungewiss ist alle Theorie, jeder kann seine eigene Hochrechnung anstellen. Hier das Restprogramm:

Union Berlin (31 Punkte): Schalke (zu Hause), Köln (auswärts), Paderborn (H), Hoffenheim (A), Düsseldorf (H). – Augsburg (31): Köln (H), Mainz (A), Hoffenheim (H), Düsseldorf (A), Leipzig (H). – Mainz (28): Frankfurt (A), Augsburg (H), Dortmund (A), Bremen (H), Leverkusen (A). – Düsseldorf (27): Hoffenheim (H), Dortmund (H), Leipzig (A), Augsburg (H), Union (A). – Bremen (25): Frankfurt (H), Wolfsburg (H), Paderborn (A), Bayern (H), Mainz (A), Köln (H).

Werbung für Frauen-Fußball

Die Geisterspiele in leeren Stadien sind natürlich gewöhnungsbedürftig, doch böse Zungen behaupten, dass sich die Frauen da gar nicht umstellen müssen, weil sie ja sowieso nur vor einer kleinen Zuschauerkulisse spielen. Na ja, immerhin rund 900 Besucher beträgt der Schnitt in der Frauen-Bundesliga. Und dennoch war es besonders wichtig, dass auch die Frauen-Bundesliga wie ihr Pendant der Männer als erste Liga in Europa mit dem Re-Start beginnen konnte. So wurde der erste Spieltag nach der Pause zu einer einzigen Werbeaktion für den Frauen-Fußball.

Deren Beispiele gibt es viele, so war sogar das internationale Interesse groß, fast 20 Nationen interessierten sich per Fernsehübertragungen für den Start in Deutschland, in England war die Live-Übertragung des Spitzenspiels Bayern – Hoffenheim ein Hit bei den Sportfans, bei denen der Frauen-Fußball einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland genießt. Doch die Frauen spielten sich auch hierzulande in den Blickpunkt, da berichtete die ARD-Sportschau ebenso wie das ZDF-Sportstudio, wo zudem Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Studiogast war. Auch die größte Sonntagszeitung, die Bild am Sonntag, widmete dem Frauen-Fußball eine ganze Seite. Wann gibt es schon diese Aufmerksamkeit!

Aber auch das Spiel selbst zwischen den Bayern und Hoffenheim war Werbung für den Frauen-Fußball, wobei die Bayern hier die bessere Ausgangsposition allein schon in der Vorbereitung hatten und mit dem 3:0-Sieg die Weichen Richtung Champions League stellen konnten. Kritische Stimme im Umfeld einiger Vereine gab es, weil viele Spielerinnen neben dem Fußball auch ihrem Beruf nachgehen müssen oder im Studium sind. Nur die Spitzenvereine beschäftigen Vollprofis. So mussten einige Mädchen Urlaub nehmen, um die Quarantäne-Bestimmungen einhalten zu können oder künftig auch für Spiele unter der Woche. Doch diese Opfer lohnen sich für die gesamte Frauen-Bundesliga, die kaum noch einmal diese Werbung genießen wird. Da war es dann fast nur noch eine Randnotiz, dass auch die 3. Liga der Männer trotz aller Streitigkeiten wieder gespielt hat. Fragt sich nur, wie lange das gut geht. Bei den Frauen gibt es da eigentlich weniger Bedenken.

Beste Werbung für die Fußball-Bundesliga

Das Experiment der Geister-Spiele in der Fußball-Bundesliga ist gelungen. Nein, eigentlich ist es noch mehr, die Geister-Spiele sind national und international beste Werbung. Natürlich bleibt der Makel, dass ohne Fans die Atmosphäre fehlt, aber das lässt das nach wie vor umtriebige Coronavirus nicht zu. Aber aus der vertrackten Situation haben die DFL und ihre Vereine das Beste gemacht, auch mit Hilfe der Fans, die offensichtlich vernünftig genug sind, den Spielbetrieb nicht zu torpedieren. Hoffentlich bleibt das so. Ganz im Gegenteil, die Idee der Pappkameraden auf den Rängen in Mönchengladbach war ein voller Erfolg und verbreitete wenigstens ein bisschen von Zuschauer-Feeling. Leider müssen die Pappfiguren zwangsläufig stumm bleiben, eine Hilfe für die Borussia beim 1:3 gegen Leverkusen waren sie deshalb nicht.

Aber der Ball rollt und die Bundesliga bleibt Vorbild für andere internationale Ligen sowie für andere Sportarten. „Machen wir es doch wie die Bundesliga“ ist derzeit fast schon eine gängige Redewendung. Auch der Pay-TV-Sender Sky darf sich zu den Gewinnern zählen und verzeichnet ebenso Rekord-Einschaltquoten wie zahlreiche internationale Fernsehsender. Und jetzt steht auch noch der „deutsche Clasico“ bevor, das Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München am Dienstag. Da schaut wieder die ganze Welt nach Deutschland. Nun müssen die Akteure auf dem Rasen dafür sorgen, dass auch das Spitzenspiel zur besten Werbung wird.

Die Ausgangslage ist klar, für Dortmund geht es darum, praktisch die letzte Chance zu nutzen, um gegen die Bayern, vier Punkte Vorsprung, im Titelrennen zu bleiben. Beide Mannschaften beeindrucken in der Rückrunde mit Top-Leistungen (je sechs Siege in Folge), die Münchner steuern sogar einen neuen Torrekord an. Für die Bayern stehen die vorentscheidenden Spiele an mit den Aufgaben in Dortmund, in Leverkusen und gegen Gladbach (mit dem Treffen gegen Abstiegskandidat Düsseldorf dazwischen). Am 13. Juni könnten die Weichen für die Meisterschaft gestellt sein – oder eben auch nicht. Dortmund hat als letzte schwierige Aufgabe das Gastspiel in Leipzig am vorletzten Spieltag. Ist es noch von Bedeutung?

Die Welt schaut also auf dieses Spiel und vor allem auf das Duell der Torjäger Erling Haaland, dem talentierten Norweger, dem derzeit die Schlagzeilen gehören, und Robert Lewandowski, der Tor-Maschine und wohl derzeit bestem Mittelstürmer der Welt. Da will Haaland noch hin. Beide Teams bangen aber auch um wichtige Akteure, Dortmund um Hummels und Witsel, die Bayern um Thiago. Nach der Tendenz der Geisterspiele sind die Bayern Favorit, meist siegen nämlich die Auswärtsteams!

Bitte Abstand halten – auch in der Tabelle

Ein Blick auf die Tabelle offenbart Seltsames, nämlich, dass für die Bundesliga und Corona offensichtlich die gleichen Verhaltensregeln gelten, nämlich Abstand halten! Abstand zwischen den besten fünf Teams und dem Rest des Feldes, wobei von Wolfsburg (39 Punkte), über Freiburg (37), Schalke (37), Hoffenheim (36) bis Köln und die Hertha (beide 34) alle nicht den Eindruck machen, als sollten sie reif für Europa sein. Freiburg zum Beispiel scheint richtiggehend Angst vor dem internationalen Geschäft zu haben. Schalke ist nach toller Vorrunde in der Rückrunde ein Rätsel, mit jetzt neun Spielen ohne Sieg! Ein Gewinner der Corona-Pause sind dagegen die Berliner. Jetzt redet keiner mehr über das Chaos, sondern über den Start mit zwei Zu-Null-Siegen im Derby bei Union (3:0) und jetzt Frankfurt (4:0). Bruno Labbadia ist mal wieder der Trainer der Stunde.

Dahinter heißt es wieder Abstand, ab dem FC Augsburg (30 Punkte) geht es gegen den Abstieg, Ausgang ungewiss. Die Augsburger verschafften sich im Duell der Verlierer bei Schalke mit dem 3:0-Sieg etwas Luft und schenkten Neu-Trainer Heiko Herrlich ein erfolgreiches Debüt nach seinem Corona-Fehltritt. Aber jetzt folgt das noch wichtigere Heimspiel gegen Schlusslicht SC Paderborn. Der Neuling galt schon vor der Saison als Absteiger Nummer eins, wehrt sich aber tapfer und erwarb sich durchaus Anerkennung. Die Westfalen sind alles andere als Kanonenfutter. Davor haben Bremen und Düsseldorf den Kampfgeist entdeckt, das Aufbäumen ist da und schon geraten Mainz und Frankfurt in Not. Ihnen wäre es lieber, die Teams hinter ihnen würden den nötigen Abstand halten!

Es hat sich also gelohnt, dass der Fußball wieder rollt, das gilt auch für die 2. Bundesliga, wo es ähnlich interessant ist. die Altmeister aber Rätsel aufgeben. Der Hamburger SV und VfB Stuttgart treten auf der Stelle und präsentieren Spitzenreiter Arminia Bielefeld quasi den Aufstieg. In Nürnberg heißt es gern „der Club is a Depp“, das könnte sich wieder einmal bewahrheiten, der Abstieg ist nah, die Stürmer treffen nicht und ohne Tore kein Klassenerhalt.

Es lohnt sich, wenn der Fußball rollt, das sollte sich die 3. Liga zu Herzen nehmen, doch dort herrscht Streit (siehe auch die nächste Kolumne „Die Ligen sind immer wichtiger als die Vereine“), herrschen Lügen und Intrigen, damit wollen Abstiegskandidaten den Klassenerhalt retten. Die Vereine der 3. Liga würden ja gern unter das Dach der DFL rutschen, wobei finanzielle Gründe den Anreiz bilden, dort könnten sie sich dieses Theater jedoch nicht leisten. DFL-Boss Christian Seifert sieht es sehr richtig: „Je nach Tabellenplatz entdeckt man plötzlich die Moral.“

Start der Frauen-Bundesliga

Der Fußball rollt auch in der Frauen-Bundesliga wieder, ohne Streit, auch wenn Schlusslicht Jena gegen die Fortsetzung war, weil es Probleme mit Training und Stadion hat. Nur noch sechs Spieltage stehen an, dazu drei Runden im Pokal. Der Start hat es gleich in sich, denn Bayern München erwartet am Samstag (13.00 Uhr) die TSG Hoffenheim. Zweiter gegen Dritter also, wobei die Münchnerinnen gerade mal einen Zähler Vorsprung haben und bereits das Hinspiel mit 0:1 in den Sand setzten. Wer kommt also besser aus den Startlöchern?

Am Titelgewinn des noch ungeschlagenen VfL Wolfsburg gibt es allerdings keine Zweifel bei acht Punkten Vorsprung vor den Bayern. Die Mädchen freuen sich aber, dass sie wieder auf der Bildfläche erscheinen und bei Eurosport und Magenta TV im Fernsehen zu sehen sind. Bei ihnen schaut allerdings keineswegs die ganze Welt zu, doch für das Image ist der Re-Start von großer Bedeutung.

Die Ligen sind immer wichtiger als die Vereine

Die Aufmerksamkeit, welche die 3. Liga im deutschen Fußball derzeit erfährt, hätte sie eigentlich immer gern. Sportlich natürlich. Doch diesmal ist die Aufmerksamkeit in Zeichen der Corona-Krise und Saison-Unterbrechung, eher negativ, denn die 3. Liga ist heillos zerstritten, das heißt, die einen Vereine wollen in die eine Richtung, die anderen wiederum genau in die entgegengesetzte Richtung. Zur Klarheit: Die knappe Mehrheit, nämlich zehn Vereine, so ergab es eine Abstimmung Ende April, ist für eine Fortsetzung der Saison, acht Vereine votierten für einen Rundenabbruch (zwei enthielten sich) und versuchen mit populistischen Parolen in der Öffentlichkeit dieses vorzeitige Saisonende auch zu erzwingen. Der Verband als Verantwortlicher machte keine gute Figur, doch jetzt sprach er ein Machtwort: Die Runde wird am 30. Mai fortgesetzt und soll bis Ende Juni beendet sein. Fünf englische Wochen kommen auf die Vereine zu, einige der Quertreiber haben bereits gerichtliche Schritte angekündigt.

Das zeigt deutlich, dass einige Klubs das große Ganze nicht sehen, sondern nur ihren eigenen Probleme. Aber sie müssten eigentlich wissen, dass die Ligen immer wichtiger sind als die einzelnen Vereine. Bezeichnend, dass sich gerade die Klubs für einen Abbruch stark machen, die sportlich in Nöten sind und die auf diesem Weg dem Abstieg entgehen wollen. Bezeichnend, dass auch die Vereine einen Abbruch erzwingen wollen, die vorne stehen und den Aufstieg am grünen Tisch perfekt machen könnten. Dass der Sport so mit den Füßen getreten wird, sehen sie nicht.

Dabei war die 3. Liga eigentlich auf einem guten Weg. Unbestritten ist sie sowieso eine Problemliga zwischen den Regionalligen als oberste Amateurligen und der 2. Bundesliga, wo es erstmals richtig Geld aus den Fernsehübertragungen zu verdienen gibt. Wohlgemerkt, die 3. Liga ist eine Profiliga, doch gerade jetzt verhalten sich viele Vereine gar nicht profimäßig. So haben einige der Rebellen einfach die Statuten missachtet und keine Anstalten gemacht, die Hygienebestimmung des DFB, die eine Grundvoraussetzung für den weiteren Spielbetrieb sind, umzusetzen. Dazu hilft in Thüringen und Sachsen-Anhalt offensichtlich die Politik den heimischen Vereinen, sperrt Stadien und setzt den Sport vor die Tür. Übersehen wurde aber, dass in den Regeln eindeutig steht, dass sich ein Verein um eine Ersatzlösung bemühen muss, wenn das eigene Stadion nicht spielfähig ist. Das gilt immer, auch zu Corona-Zeiten! Was nun also in Jena, Halle, Magdeburg?

Die 3. Liga war, wie gesagt, auf einem guten Weg, hat steigende Zuschauerzahlen zu verzeichnen mit einem Schnitt von rund 8000, gilt damit weltweit als attraktivste 3. Liga, und ist laufend im Fernsehen präsent. Und gerade dieser Vertragspartner möchte auch bedient werden. Die ARD ist dabei und Magenta Sport überträgt alle Spiele live. Auch hier würde die 3. Liga viel Kredit verspielen, wenn ein Abbruch erzwungen würde, die Liga würde im Image um Jahre zurückfallen.

Auch eine Zweiteilung in eine Gruppe Süd und Nord wurde einen Rückschritt bedeuten und die Kluft zur 2. Bundesliga größer werden lassen. Der Saarländische Verband hat diesen Antrag für den Außerordentlichen Verbandstag des DFB am 25. Mai gestellt. So soll der Saisonabbruch abgefedert werden, ein Abstieg wäre hinfällig. Aber der Schaden für die Zukunft wäre immens. Ebenso, wenn das eintritt, was einige wohl sehen, dass 2020 gar nicht mehr gespielt wird. Wie soll die Regelung dann zu den anderen Ligen aussehen? Will jemand die 3. Liga ganz in der Versenkung verschwinden lassen?

DFL und DFB sind bemüht, trotz Corona-Krise die Saison im Profi-Fußball zur retten und bis Ende Juni oder spätestens Mitte Juli über die Bühne zu bringen. Dazu gehört eben auch die 3. Liga und dazu gehören die Relegationsspiele, die hinfällig wären, wenn eine Liga einen Alleingang unternehmen würde. Hinfällig wäre wohl dann auch eine Hilfsaktion der Spitzenklubs der Bundesliga, die 7.5 Millionen Euro zur Unterstützung der 3. Liga und Frauen-Bundesliga zur Verfügung gestellt haben.

Wenig geredet wird dagegen über die Frauen-Bundesliga. Dort sind sich die Vereine einig und der Re-Start erfolgt am 29. Mai. Nur noch sechs Spieltage und drei Pokalrunden sind zu absolvieren. Wäre schön, wenn die Frauen in der Folge mehr Aufmerksamkeit bekämen als die aufmüpfigen und engstirnigen Drittligisten.