Fußball-Endspurt: Wer geht mit Vorteilen ins letzte Rennen?

von knospepeter

Es ist fast geschafft! Trotz Coronapandemie können die 1. und 2. sowie die Frauen-Bundesliga am kommenden Wochenende ihre Saison abschließen. Wen nicht noch irgendetwas Außergewöhnliches passiert, zum Beispiel, wenn die Fans, die bisher erstaunlich ruhig blieben, doch noch eine Überraschungsaktion planen, die den Spielbetrieb beeinträchtigen könnte. Hoffen wir also, dass alles glatt geht. Für einige Vereine wird allerdings sowieso nicht alles glatt gehen, da stehen Abstiege im Raum oder verpatzte Aufstiege. Ein Überblick darüber wer mit Vorteilen ins letzte Rennen der Saison geht.

Champions League: Die Sache ist einfach, Borussia Mönchengladbach liegt auf dem entscheidenden Platz vier und hat zwei Punkte und neun Tore Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen. Ein Sieg zum Abschluss gegen Hertha BSC Berlin beseitigt alle Zweifel, ein Remis sollte sogar reichen. Vorteil Gladbach. Leverkusen hat gegen das gerettete Mainz die vermeintlich leichtere Aufgabe, verspielte genau in Berlin mit dem 0:2 seine gute Ausgangsposition. Gladbach zog mit dem 3:1-Sieg in Paderborn vorbei. Bayer-Coach Peter Bosz geknickt: „Wir haben nicht gut gespielt.“ Am Ende war der lange verletzte Gladbach-Oldie Lars Stindl der Held und nicht Leverkusens Überflieger Kai Havertz. Die Qualifikation hat RB Leipzig sicher, bei 27 Toren Vorsprung gegenüber Leverkusen, das noch gleichziehen könnte. Platz drei kann in Augsburg verteidigt werden.

Europa League: Die punktgleichen VfL Wolfsburg (zehn Tore Vorsprung) und die TSG Hoffenheim machen Platz sechs und sieben unter sich aus. Platz sechs hat den Vorteil, dass man den frühen Qualifikationsspielen aus dem Weg geht. Höher können die letzten Hürden für beide nicht sein: Wolfsburg erwartet die Bayern, Hoffenheim muss nach Dortmund. Vorteil Wolfsburg, wenn es keine hohe Klatsche gibt und Torjäger Lewandowski sich im Torrausch befindet. Aber die Bayern werden sich wohl eher für das Pokalfinale schonen. In Freiburg ist die Trauer nicht groß, dass Europa verpasst wurde. Platz 7 und die Qualifikationsspiele hätten den Kampf um den Klassenerhalt in der neuen Saison erschwert.

Abstieg: Gerettet sind jetzt auch der 1. FC Köln, Mainz 05 und der FC Augsburg. Für Köln war es fast nur Formsache, Mainz und Augsburg machten mit ihren Nichtabstiegstrikots deutlich, dass die 1. Bundesliga für sie nicht selbstverständlich ist. Mainz macht 20/21 das Dutzend in Folge voll (insgesamt es jetzt 14), für den FCA wird es „La Decima“, das zehnte Jahr nach dem Aufstieg 2011, als der FCA auch gleich als erster Abstiegskandidat galt. „La Decima“ lehnt sich an, an den Jubel bei Real Madrid beim zehnten Sieg in der Champions League. Augsburgs Klassenerhalt lässt sich damit fast vergleichen, Rang 15 reicht. Der SC Paderborn steht als Absteiger fest, Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen machen Abstieg und Relegation unter sich aus. Vorteil Düsseldorf: Zwei Punkte und vier Tore Vorsprung auf Rang 16. Bei Union Berlin soll dieser Vorsprung verteidigt werden, das 1:1 gegen Augsburg war zu wenig, um die Relegation perfekt zu machen, sicherte dem FCA aber den Klassenerhalt. Bremens Hoffnungen zerstoben fast schon mit der 1:3-Niederlage in Mainz. An der Weser gibt es mehr Enttäuschung als Zuversicht. Wer an Vorhersehungen glaubt, wird den Abstieg erwartet haben. Mit 55 Jahren Bundesliga stieg 2018 der damalige Dino HSV ab, mit 55 Jahren Bundesliga war Werder diesmal der Dino! Sollte Werder absteigen, ist nächstes Jahr der FC Bayern München der Dino – mit 55 Jahren Bundesliga (seit 1965). Doch für die Bayern gilt das schlechte Omen wohl nicht.

Aufstieg 2. Bundesliga: Glückwunsch an Arminia Bielefeld, das den Aufstieg geschafft hat, den SC Paderborn in Ostwestfalen als Bundesligist ersetzt und mit acht Aufstiegen den Rekord des 1. FC Nürnberg einstellt. In Bielefeld wurde in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und die Region hielt für dieses große Ziel zusammen. Ein persönlicher Erfolg vor allem für Trainer Uwe Neuhaus, der mit 60 Bundesliga-Neuling wird. Zuletzt war Bielefeld 2008/09 in der Eliteliga. Der VfB Stuttgart träumt dagegen vom direkten Wiederaufstieg, liegt auf Platz zwei und hat gegenüber dem Dritten drei Punkte und elf Tore Vorsprung. Das sollte gegen Darmstadt im Endspurt erfolgreich verteidigt werden. Ja, und Dritter ist, Überraschung (!), der 1. FC Heidenheim. Wieder ein kleiner Verein, der die Großen ärgert, diesmal den Hamburger SV. Der einstige Bundesliga-Dino (siehe oben), will nicht zum Dino der zweiten Liga werden, stellt sich aber in punkto Aufstieg ziemlich dumm an. Letztes Jahr rutschte der HSV im Endspurt von Rang zwei auf vier ab und ging leer aus und das droht ihm diesmal auch. Zuletzt musste er in vielen Spielen in den letzten Minuten entscheidende Gegentore hinnehmen und ließ die entscheidenden Punkte liegen. Das war auch beim direkten Duell in Heidenheim der Fall, wo aus einer 1:0-Führung erst das 1:1 und in der 95. Minute (!) das 1:2 wurde. Bei Heidenheim brachten die Joker Schwung rein, beim HSV lagen die Nerven blank, Köpfe und Füße wollten nicht mehr. Jetzt kann der HSV nur auf Meister Bielefeld hoffen und darauf, dass sich der Aufsteiger nicht hängen lässt. Ob die Hamburger allerdings ihre Hausaufgabe gegen Sandhausen lösen können, ist auch fraglich. Also Vorteil Heidenheim.

Abstieg 2. Bundesliga: Ein Abstieg, egal in welcher Liga, ist für jeden Verein traurig, den auswärtigen Fan schmerzt es aber besonders, wenn ein Traditionsverein die Kurve nicht mehr bekommt. Das sieht jetzt im Abstiegskampf der 2. Bundesliga beim 1. FC Nürnberg so aus. 33 Jahre Bundesliga sind leider Vergangenheit, jetzt droht der Durchmarsch von der ersten in die dritte Liga. Aber noch liegt der Club auf dem rettenden 15. Platz mit Punkten Vorsprung auf den Karlsruher SC, der ein Tor besser ist. Der Club ging gegen Stuttgart mit 0:6 ein, ein ähnliches Resultat drohte auch dem KSC gegen Meister Bielefeld, doch plötzlich drehten die Badener nach 0:3 auf, holten noch ein 3:3 raus und bereiteten Nürnberg wieder Sorgen. Dem Abstieg nahe sind Schlusslicht Dynamo Dresden und Wehen-Wiesbaden, die beide drei Punkte Rückstand auf Karlsruhe haben und 14 bzw. 10 Tore schlechter sind. Zumindest die Relegation mit dem Dritten der 3. Liga hat Nürnberg also geschafft.

Frauen-Bundesliga: Ja, auch die Frauen-Bundesliga beendet am kommenden Sonntag ihre Saison und ein bisschen Spannung gibt es auch da noch, obwohl der VfL Wolfsburg die Liga dominiert, sich vorzeitig den vierten Titel in Folge holte und mit dem 0:0 bei Bayern München (1:1 im Hinspiel) ungeschlagen blieb. Das sollte auch gegen Leverkusen gelingen, das noch nicht alle Abstiegsnöte beseitigt hat. Für die Bayern-Mädchen war das 0:0 ein Prestigeerfolg, aber eigentlich zu wenig, denn Platz zwei und damit die Champions League ist noch nicht sicher. Verfolger Hoffenheim gibt nicht auf und hat bei nur zwei Punkten Rückstand noch Chancen, zumal die Badener mit 44:43 die bessere Tordifferenz haben. Also doch ein spannender Endspurt, München muss nach Essen, Hoffenheim nach Potsdam – ähnlich schwere Aufgaben. Kurios: Die Bayern vergaben gegen Wolfsburg gute Chancen, warten auf eine Torjägerin, die zur neuen Saison kommt. Sie heißt Lea Schüller, ist Dritte der Torjägerliste und spielt in – Essen! Sie wird sich doch nicht mit Toren die Champions-League-Teilnahme in der nächsten Saison versauen… Absteigen müssen übrigens die Mädels aus Jena, Köln (gegen Sand) und Duisburg (in Jena) machen den zweiten Absteiger unter sich aus. Vorteil???

Die alte Saison endet am Wochenende, die neue ist bereits im Visier. Die Bundesliga tagte am Montag, im Mittelpunkt stand die Vergabe der TV-Rechte für die nächsten vier Jahre. Wie bisher bekannt, hat sich der „Stammsender“ Sky wieder den Hauptanteil der Rechte der 1. und 2. Bundesliga gesichert, Freitag und Sonntag ist im Oberhaus der Streamingdienst DAZN am Ball. SAT1 steigt wohl mit Rechten im Free-TV für einige ausgewählte Spiele wie beim Rundenbeginn ein. Die ARD-Sportschau und das ZDF-Sportstudio haben wieder Rechte für ihre Sendungen erworben, so dass für die Fußball-Fans einige Sehgewohnheiten bleiben, obwohl auch die Sender coronageschädigt einen Zuschauerrückgang zu verzeichnen hatten. Die Hoffnungen auf wesentlich mehr Geld machte Corona für die Vereine auch zunichte. Der eine oder andere muss seinen Gürtel enger schnallen. Immerhin eine totale Zerstückelung der Übertragungen und Anfangszeiten wurde verhindert, Vorteil Fans.