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Tag: Fußball-Weltmeisterschaft

DFB-Team 2018: Der Absturz und ein bisschen Hoffnung

Die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Jahr 2018 ist furchterregend und deshalb bestimmt ein Ausdruck die Diskussionen um das Team von Bundestrainer Joachim Löw: Ein Horrorjahr. Der stolze Weltmeister von 2014 hat 2018 einen Absturz erlebt. Zwei offizielle Turniere, zweimal Gruppenletzter, sowohl bei der Weltmeisterschaft in Russland als auch bei der neu geschaffenen Nations League. Da gab es nicht einmal einen Sieg, sondern nur zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Weltmeister Frankreich und Gruppensieger Niederlande. Das letzte Spiel gegen die Holländer sollte „das Beste zum Schluss“ bringen, wie Jogi Löw hoffte, doch nach 80 Minuten, die Mut machten, und nach einer 2:0-Führung brachten die letzten Minuten erneut einen Absturz. Wieder nur 2:2, bezeichnend, dass der Ausgleich in der Nachspielzeit fiel. Eben ein Horrorjahr.

Die Jahresbilanz ist wirklich erschreckend für eine einst so stolze Mannschaft wie die DFB-Elf: Gerade mal vier Siege und drei Unentschieden, aber sechs Niederlagen. Die bittere Erkenntnis für Jogi Löw, der gern an seinen treuen (und lange Zeit überragenden) Weggefährten festgehalten hätte, den Weltmeistern von 2014. Doch die Zeit des Tempo-Fußballs ließ die einstigen Rennpferde wie lahme Gäule ausschauen. Spät, fast zu spät und eigentlich nur gezwungenermaßen hat sich Löw zum Umbruch entschieden und erntet am Ende für die Zukunft auch ein bisschen Hoffnung. Die jungen Wilden können es richten, wenn sie noch ein bisschen Erfahrung sammeln und auch entsprechend gelenkt werden. Diese richtige Mischung zu finden, ist die Hauptaufgabe des Bundestrainers, um nach dem Absturz den Aufbruch in eine glorreiche Zukunft zu schaffen.

Joachim Löw hat bereits Zeit verloren, weil er eben zu lange an den Weltmeistern festgehalten hat. Jetzt beklagt er, dass er 2019 mit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 (12. Juni bis 12. Juli) keine Testspiele mehr hat. Kommt Deutschland bei der Auslosung am 2. Dezember in eine Sechser-Gruppe, wird es für das DFB-Team in den Länderspielpausen mit Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November nur Pflichtspiele geben. Keine Zeit für Experimente also.

Eine Basis hat der Bundestrainer allerdings gefunden. Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane sind ein modernes Tempo-Trio, das jede Abwehr zur Verzweiflung bringen kann, weil eben jeder unberechenbar ist. Bezeichnend, dass den Deutschen der Sieg aus den Händen glitt, als diese drei vom Feld gegangen waren. 80 Minuten lang hatte Jogi Löw gegen die Niederlande quasi seine Mannschaft der nahen Zukunft auf dem Feld mit Neuer – Süle, Hummels, Rüdiger – Kehrer, Kimmich, Kroos, Schulz – Werner, Gnabry, Sane. In der Abwehr sollte Boateng noch nicht abgeschrieben sein, stehen auch Ginter und Hector auf der Liste, in Mittelfeld und Sturm gehört die Zukunft vor allem dem 19-Jährigen Kai Havertz, Julian Brandt und ein bisschen auch Marco Reus. Alle anderen, vor allem auch Thomas Müller, der dies ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel erkennen musste, müssen sich hinten anstellen. Spieler wie Goretzka oder Rudy suchen ihren Platz und bekommen Konkurrenz aus der U21, die in diesem Jahr ungeschlagen blieb und 2019 nach dem EM-Titel greift. Auch da also ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.

Die Niederlande machte es den Deutschen vielleicht vor, denn bei den beiden letzten großen Turnieren fehlte das Land und es durchschritt ein tiefes Tal. Jetzt das strahlende Comeback mit dem Gruppensieg in der Nations League gegen die Weltmeister von 2014 und 2018. Wer hätte das gedacht. Überhaupt zeigte die viel kritisierte Nations League, dass sie eine Zukunft haben kann, die Großen müssen um ihre Pfründe kämpfen, die Kleinen haben ihre Erfolgserlebnisse gefeiert, siehe Zwerg Gibraltar. Eine Endrunde der Liga A (im Juni 2019 in Portugal) mit Gastgeber Portugal, Niederlande, Schweiz und England hätte so keiner erwartet. Aber Trost ist das für Deutschland nicht.

Der Bundestrainer hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Deutschland nicht so tief fällt und nicht so lange unten bleibt wie die Niederlande, also bei den großen Turnieren fehlt. So weit sollte der Absturz dann doch nicht gehen. Bei der EM 2020 muss Deutschland dabei sein, zumal in jeder Quali-Gruppe der Erste und Zweite weiterkommt (mit einem dicken Brocken ist zu rechnen). Bei der nächsten Austragung der Nations League wird sich das DFB-Team in der ungewohnten Umgebung der Zweitklassigkeit bewegen, in Liga B mit Gegnern wie Island, Polen, Österreich, Tschechien, Finnland aber auch Vizeweltmeister Kroatien. Mal sehen, wie dann die Fans auf die Gegner reagieren, die ja keine Großen sind. Auf Schalke war es erstaunlich stimmungslos.

Wir sehen, die Zukunft ist ein Stück weit sehr ungewiss, aber nach dem Absturz bleibt auf jeden Fall ein bisschen Hoffnung.

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Die alten Standards sind die neue Zukunft und die große Chance für die Kleinen

Was waren das für Zeiten, als wir mit dem Fußball begannen und beim Kleinstadtverein die Schuhe schnürten. Beim Training wurden u. a. Standards geübt und das Kopfballpendel durfte nicht ausgelassen werden. Beim Profi-Fußball hatte man zuletzt den Eindruck, dass diese sogenannten Basics vernachlässigt wurden, nach dem Motto, „das muss ein Profi sowieso können“. Verlernt er aber, wenn er es nicht ständig trainiert. Die Weltmeisterschaft in Russland brachte jetzt die Erkenntnis, dass die guten alten Standards eine neue Zukunft haben und gleichzeitig sind sie eine große Chance zum Erfolg für die kleinen Vereine. Die WM brachte keine neuen taktischen Erkenntnisse, aber sie kann das Spiel der Zukunft doch wesentlich beeinflusst haben – durch die Renaissance der Standards!

Eines werden die Trainer der Welt gesehen haben: Das „Tika Taka“, mit dem vor allem die Spanier vor Jahren schönen Fußball kreierten und erfolgreich waren, hat sich überholt. Das mussten auch die Deutschen erkennen. Die Klubs haben gegen den Ballbesitz-Fußball Gegenmittel gefunden und dem schönen Fußball mit schnellem Fußball, sprich Umschaltspiel, das Garaus gemacht. Tempo ist angesagt, auf der anderen Seite aber auch Sicherheit. Hast Du den Ball, dann schnell nach vorn. Ansonsten: Hinten dicht. Die Lösung aber für alle Teams, wenn es über das Spielerische nicht klappt, heißt ganz einfach Standardsituation, da hilft die Ecke ebenso wie der Freistoß und künftig vielleicht auch vermehrt wieder der Einwurf. Auch der kann nämlich trainiert werden, damit er einer Ecke gleichkommt (die Dänen haben es vorgemacht). Es wäre klug, diesbezüglich wieder Spezialisten zu schulen.

Die Zahlen der WM waren schon beeindruckend. Von allen WM-Treffern resultierten rund ein Drittel aus ruhenden Bällen. Vier Jahre zuvor in Brasilien waren es gerade 22 Prozent. Jede 30. Ecke wurde bei der WM zu einem Tor verwertet, in der Champions League war es nur jede 45. Die Standards kultiviert hat vor allem Englands Trainer Gareth Southgate, der sogar in Nordamerika beim American Football und Basketball nach Ideen gesucht hat, zum Beispiel einstudierte Laufwege. Damit verblüfften die Engländer die Konkurrenz, als sie im Strafraum hintereinander in einer Schlange standen. Typisch englisch vielleicht: Schlange stehen für ein Tor!

Das ist also der Fußball der Zukunft: Tor-Absicherung als erste Aufgabe, schnelles Umschaltspiel als Schlüssel zum Sieg und gute Standards als Geheimwaffe (die bald nicht mehr geheim ist). Ob dieser Fußball wirklich Spaß macht? Er könnte zumindest spannender werden, weil die Standards die Chance der Kleinen sind, wenn sie sich der spielerischen Übermacht der Großen (sprich Reichen) nicht beugen müssen. Das könnte zum Beispiel das Problem von Bayern München in der Bundesliga werden. Andererseits hat der neue Trainer Niko Kovac bereits angekündigt, dass er vermehrt Standards wird trainieren lassen. Das hat auch sein Freiburger Kollege Christian Streich erkannt, der gefragt wurde, welche Entwicklungen bei der WM am auffälligsten waren: „Die Standards natürlich, sie sind wichtig.“

Eines wurde außerdem deutlich, die Mittelstürmer erlebten ebenfalls eine Renaissance. Die falsche Neun ist nicht mehr gefragt, die echte Neun soll wieder zum Erfolg führen. Der große und kräftige Mittelstürmer hat wieder seine Daseinsberechtigung. Als Ersatz dienen seine großen und kräftigen Kollegen aus der Abwehr, die werden zu verkappten Torjägern – bei Standards nämlich. Die WM hat es gezeigt.

Übrigens sollte auch Bundestrainer Joachim Löw sein Augenmerk auf bessere Standards legen. Aus dem Spiel heraus vergab Deutschland nämlich die meisten Chancen. In der WM-Statistik der Chancenverwertung belegte Deutschland mit 9,5 Prozent aus 21 Chancen den letzten Platz! Der Iran und Panama erreichten 22,2 Prozent – nur so zum Vergleich.

Fußball-WM: Die Zukunft hat bereits begonnen

Eines kann man von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht behaupten: Das sie langweilig ist. Das Favoritensterben sorgte für Aufmerksamkeit, zahlreiche Elfmeterschießen für Spannung. Das passte dann wie die Faust aufs Auge, dass hier sogar die Engländer erfolgreich waren. Und es passt zu den Überraschungen, dass aus der Weltmeisterschaft eine Europameisterschaft geworden ist, nachdem im Viertelfinale auch Brasilien und Uruguay die Segel streichen mussten. Hier zeigt sich ein Trend: Die Nationen außerhalb Europas kommen einfach nicht voran, in erster Linie die Teams in Afrika und Asien. Da fehlt es an Organisation, an Willen und an Cleverness. Jetzt schwächeln auch die Südamerikaner mit all ihren begnadeten Fußballern. Eine Gefahr für die Zukunft, dass Eintönigkeit wieder die Oberhand gewinnt? Warten wir es ab. Zuletzt waren vier Europäer 2006 im Halbfinale unter sich, damals Italien, Frankreich, Deutschland und Portugal.

Diesmal sind es bekanntlich Frankreich und Belgien (Dienstag) sowie Kroatien und England (Mittwoch), die im Halbfinale aufeinandertreffen. Dabei fällt eines auf: Bei drei Nationen hieß es im Vorfeld des Turniers, dass sie eine Mannschaft der Zukunft haben. Ergo: Die Zukunft hat bereits begonnen.

Auffallend, dass es zum Beispiel eine gewisse Ähnlichkeit der Mannschaftsstruktur und der Spielweise zum Beispiel bei den Gegnern Frankreich und Belgien gibt. Da das überragende Sturm-Duo Griezmann/Mbappe mit Paul Pogba in der Hinterhand, dort die schnellen Lukaku und E. Hazard, zu denen sich Kevin de Bruyne gesellt. Wir sehen: Bei beiden Nationen heißt es, Angriff ist die beste Verteidigung. Wobei die Abwehrspieler naturgemäß schon noch ein bisschen Arbeit haben, da macht Frankreich fast den stabileren Eindruck. Bemerkenswert, dass ein Franzose die belgischen Stürmer trainiert. Der einstige Weltklassestürmer Thierry Henry könnte jetzt zum „Verräter“ werden. Lukaku gestand bereits: „Von Henry habe ich schon viel gelernt.“ Die Belgier sprechen von ihren Spielern ja von „der goldenen Generation“, dies könnte am Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes stimmen.

Auch in England sprach man vor der WM von der „Mannschaft der Zukunft“, jetzt ist die Zukunft schon in der Gegenwart angekommen. Auch in England steht ein Stürmer im Mittelpunkt, nämlich Torjäger Harry Kane, der schon die Premier League aufgemischt hat und jetzt die WM-Torschützenliste mit sechs Treffern anführt. Beste Bewerbung als für den Titel „Weltfußballer des Jahres“. England hat aber nicht nur Kane, sondern mit dem jungen Pickford auch einen erstklassigen Torhüter und mit Gareth Southgate offensichtlich einen Trainer, der die Konkurrenz in den Schatten stellt. Er präparierte seine Schützlinge im Training für das Elfmeterschießen, er ließ bis zum Erbrechen im Training Standards trainieren – und erntet jetzt zusammen mit dem Team schon in Russland. Im Wege steht zunächst noch Kroatien, die Ausnahme der Talente-Nationen, das Team mit Erfahrung und einem überragenden Luka Modric, der als Kopf der Mannschaft ganz anders auftrumpft als seine Real-Mannschaftskollege Toni Kroos es tat. Deshalb steht Kroatien im Halbfinale und nicht Deutschland.

Die FIFA macht sich lächerlich – und andere auch

Nur der Weltverband selbst trübt seine sportlich interessante Weltmeisterschaft. Wie die überwiegend geldgierigen und korrupten FIFA-Funktionäre, die vor allem nach einem für sie angenehmen Leben streben, ticken, wurde bei seltsamen Entscheidungen offensichtlich. 60500 Euro Strafe mussten die Kroaten zahlen, weil sie nicht vorschriftsmäßig Trinkflaschen vom Sponsor verwendet hatten. Ein Vertragsbruch, der geahndet werden musste. Als Serbiens Trainer Mladen Krstajic allerdings gegen Moral und Ethik verstieß (was die FIFA angeblich immer besonders hoch hält), als er Schiedsrichter Dr. Brych vor das UN-Kriegsverbrechertribunal schicken wollte, da musste er für diesen Fauxpas gerade mal 5000 Euro Strafe zahlen. Damit macht sich die FIFA einfach nur lächerlich.

Aber damit steht der Weltverband keineswegs alleine da. Eine lachhafte Figur gibt auch der DFB bei der Krisenbewältigung ab, da zeigen die Beteiligten wie DFB-Chef Grindel, Manager Oliver Bierhoff und Trainer Jogi Löw allesamt, dass sie zwar mit Erfolgen gut leben, mit Krisen aber überhaupt nicht umgehen können. Probleme sind in ihrer Denke wohl nicht vorgesehen. Der „Fall Özil“ schlägt Wellen, es gibt Widersprüche und Peinlichkeiten. Da hat wohl Özils Vater die einzige richtige Antwort: „An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten“. Wer sich zu einer Verfehlung (Erdogan-Fotos) nicht äußert, hat in der Nationalmannschaft als Aushängeschild sowieso nichts zu suchen.

Lächerlich von FIFA und DFB auch die Affäre um Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der nach Hause geschickt wurde und offensichtlich unter einer einzigen Fehlentscheidung leiden musste. Andere Kollegen durften auch nach schwachen Spielen munter weiter pfeifen. Und der DFB bringt es noch nicht einmal fertig, von der FIFA die Hintergründe zu erfahren. Möglicherweise steckt sogar eine interne Intrige zwischen deutschen Schiedsrichtern dahinter. Beobachter sehen den damaligen Video-Schiedsrichter Zwayer als Hauptschuldigen, unken über die Möglichkeit eines Racheaktes. Aufklärung tut also Not. Oder der DFB macht sich eben wieder einmal lächerlich.

Lächerlich gemacht hat sich auch Brasiliens Star Neymar, der mehr mit seinen Schauspieleinlagen nach Fouls auffiel, als mit sportlichen Highlights. Er hat bei der WM deutlich gemacht, dass er nicht das Format mitbringt, einmal „Weltfußballer des Jahres“ zu werden. Mit ein paar Tricks und guten Pässen ist es nicht getan. Er hätte Brasilien vielleicht weiterbringen können, wenn er sich mehr auf den Sport konzentriert hätte. Aber vielleicht will er ja sowieso Schauspieler werden.

Jogi Löw muss Deutschland neu erfinden

Es bleibt in Deutschland alles so, wie es ist: Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin und Joachim Löw bleibt Fußball-Bundestrainer. Beide haben aber eine Aufgabe mit dem gleichen Ziel: Sie müssen Deutschland neu erfinden. In der Handhabung hat es Jogi Löw natürlich leichter, der Fußball ist zwar kompliziert, aber überschaubarer als Politik. Bleiben wir also beim Fußball, hier geht es ja um den Sport. Bleiben wir bei der Aufgabe: Jogi Löw muss Deutschland neu erfinden.

Es war keine Überraschung, dass der Bundestrainer sich dazu entschieden hat, im Amt zu bleiben. Zwar forderten viele Kritiker seinen Rücktritt, aber mehr Leute von fern und nah stärkten ihm wohl den Rücken, vor allem beim Verband. Der DFB mit seinem Präsidenten Reinhard Grindel hatte vor allem das Dilemma, dass ein adäquater Nachfolger nicht greifbar war. Für Löw selbst wird die Entscheidung eher eine leichte gewesen sein, das Amt des Bundestrainers gilt allgemein als Traumjob gegenüber der täglichen Arbeit in der Bundesliga, ist gut honoriert (Löw kassiert angeblich 3,5 Millionen Euro im Jahr) und die Aufgabe für die Zukunft ist reizvoll: Die Nationalmannschaft nach dem Tief des frühen WM-Ausscheidens wieder an die Spitze führen. Die Qualität der Spieler lässt dies zu. Allerdings muss Löw im Team und rund um das Team einiges ändern. Das ist auch eine Aufgabe für den DFB und vor allem für Teammanager Oliver Bierhoff. Das Motto muss sein, zurück zu den Wurzeln. Insofern braucht er vielleicht nicht einmal etwas neu erfinden.

Bleiben wir zunächst bei den Aufgaben rund um das Team. Vor allem Oliver Bierhoff war wohl der Antreiber bei der Vermarktung mit abgehobenen Slogans und übertriebenen Inszenierungen. Dabei ging der Kontakt zur Basis verloren. Die Fans spielten nur noch die Rolle als zahlender Kunde, die DFB-Auswahl wurde zwar als „Die Mannschaft“ verkauft, war aber keine Mannschaft des Volkes mehr. Abgeschottet im Trainingslager und Training, Testspiele ohne Rücksicht auf Qualität, die Preise zu hoch, die Anfangszeiten nicht familienfreundlich. Der Fan muss sich künftig wieder als Teil der Mannschaft fühlen dürfen. Politiker und Fußballer haben hier ein ähnliches Problem: Die Nähe zum Volk ging für sie verloren. Gerade beim DFB solle sich das leicht ändern lassen. Ist es wirklich notwendig, dass sich 118 Mitarbeiter im WM-Tross um die Mannschaft kümmern? Und keiner kümmert sich um die Fans!

Auch sportlich muss Jogi Löw sich und die Mannschaft neu erfinden. Er muss sich vor allem fragen, ob mit dem alten Team der Co-Trainer und Scouts frühere Erfolge wieder erreichbar sind. Hinter den Kulissen hat wohl nicht alles gestimmt, die entsprechenden Konsequenzen kann nur der Bundestrainer in die Wege leiten. Auch bei den Spielern muss er Änderungen vornehmen und über seinen Schatten springen. Wer bringt wirklich die notwendige Bereitschaft mit, wer bekennt sich zu Kampf und Einsatz, wer macht das Spiel schnell. Özil ist das nicht, Gündagon ebenfalls nicht, beide sollten sowieso nach der Erdogan-Affäre die Konsequenzen ziehen, selbst Toni Kroos muss man in Frage stellen. Alles keine Kämpfer. Die Mannschaften aus Schweden und Uruguay sind erfolgreich, sie zeigen Begeisterung und Einsatzbereitschaft, derzeit Fremdwörter für die deutschen Akteure.

Langfristig muss der DFB auch seine Nachwuchsarbeit auf eine neue Basis stellen, die anderen Nationen haben nicht nur aufgeholt, sondern den DFB teilweise auch überholt. Bestes Beispiel ist England, das mit einem jungen Team jetzt im WM-Viertelfinale steht. Das Team der Zukunft kann schon in der Gegenwart zünden. Löw darf allerdings nicht nur in die Zukunft schauen, am 6. September steht bereits wieder das nächste Pflichtspiel an, in der neuen Nations League gegen Frankreich. Da müssen bereits die Tendenzen zur Wende sichtbar werden. Der weitere Gruppengegner heißt Niederlande, eine Mannschaft, die ähnliche Probleme wie Deutschland hat. Der Spott über den Nachbarn, der ja die WM-Teilnahme verpasst hat, ist vielen deutschen Fans wohl im Halse stecken geblieben.

Wachablösung auf der ganzen Linie

Deutschland ist nur noch Zuschauer bei der WM in Russland, aber auch ein Teil der aktuellen Wachablösung. Weltmeister (Deutschland), Vizeweltmeister (Argentinien), Europameister (Portugal) und das vor kurzem noch als Vorbild für alle geltende Spanien – alle gescheitert. Dazu der frühzeitige Abschied der großen Stars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo – eine Wachablösung auf der ganzen Linie.

Das verschafft dem WM-Viertelfinale natürlich auch einen ganz besonderen Reiz, wobei es augenfällig ist, dass sich die verbliebenen Favoriten in einer Hälfte des Viertelfinals befinden. Uruguay – Frankreich und Brasilien – Belgien sind zwei Duelle zwischen WM-Favoriten und WM-Geheimfavoriten. Daneben duellieren sich mit Schweden – England und Russland – Kroatien vier Nationen, die einen vor wenigen Wochen noch unerfüllbar scheinenden Traum verwirklichen wollen. Das Gastgeber Russland (der Weltrangliste nach schwächste Mannschaft am Start!) noch dabei ist, verleiht der WM einen besonderen Reiz, Schwung und gute Stimmung, wie es vorher nicht für möglich gehalten wurde.

Vielleicht ist auch Gastgeber Russland dabei, sich neu zu erfinden. Aber das ist eine Aufgabe, die ist noch schwerer als die für Angela Merkel und Jogi Löw.

Deutschlands WM-Pleite: Die schonungslose Abrechnung

Der Weltmeister bereits in der Gruppenphase ausgeschieden, ein historisches Aus der Fußball-Nationalmannschaft und ganz Deutschland wundert sich. Eigentlich sollte es heißen, „ganz Deutschland trauert“, aber so ist es nicht. Die Leistungen der Löw-Jungs waren einfach zu schwach, so dass der allgemeine Tenor lautet: „Sie haben es verdient“. Aus, aber nicht vorbei. Jetzt folgt die Aufarbeitung und vom Sport-Grantler nach Deutschlands WM-Pleite eine schonungslose Abrechnung.

Verflucht: Wer an böse Geister oder schlechte Omen glaubt, der wusste, dass Deutschland keine Chance hatte, Weltmeister zu werden. Der Fluch der Weltmeister traf auch das DFB-Team, es ist der dritte Weltmeister in Folge, der in der Vorrunde ausscheidet. Außerdem hat noch nie ein Confed-Cup-Sieger den Titel geholt und wer gewann 2017? Deutschland! Also, alles klar, verflucht noch mal… Der Sport-Grantler hat schon am 11. Juni dargelegt „Warum Deutschland nicht Weltmeister wird“.

Überheblichkeit: Jetzt zu den realistischen Gründen. Die Weltmeister sonnten sich auch vier Jahre danach noch im Glanz ihres Titels und litten offensichtlich an Selbstüberschätzung, so dass alle Warnsignale ignoriert wurden. Nach den schwachen Spielen in der Vorbereitung hätte es nicht heißen dürfen, „das wird schon“, sondern eher, „wir müssen aufpassen, dass es keine Bruchlandung gibt“. Alle vertrauten darauf, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist und den Schalter umlegen kann. Der Schalter wurde nicht gefunden. Statt Kampf, Einsatzbereitschaft und Ideen lieferte das Team mehrheitlich Lethargie und Ideenlosigkeit. Die Quittung wurde präsentiert. Mit Überheblichkeit lassen sich keine Titel gewinnen.

Joachim Löw: Der Bundestrainer ging auch bei der Überheblichkeit voran. Er gefiel sich als Weltmeister-Coach, schien dem Alltag entrückt, aber es wäre seine Aufgabe gewesen, die Warnsignale zu vernehmen. Löw erkannte die Schwächen im Team nicht, schaffte es nicht, die Mannschaft in Form zu bringen und hielt in Nibelungentreue zu lange an verdienten Spielern fest. Schon die Krisenbewältigung war mangelhaft, nach dem Erdogan-Skandal mit den unsäglichen Fotos von Özil und Gündogan hätte eine Suspendierung der beiden das Team vielleicht aufgerüttelt und in Schwung gebracht. Özil und Gündogan waren auf dem Feld die personifizierte Lethargie. Der größte Fehler des Bundestrainers: Er konnte seiner Mannschaft kein erfolgversprechendes System mit auf dem Weg geben. Stattdessen wurde der Weltmeister von den Kollegen der Gegner Mexiko und Südkorea überrascht und ausgetrickst. Jogi Löw muss sich fragen lassen, ob er noch auf der Höhe der Zeit ist? Moderner Fußball sieht anders aus.

Oliver Bierhoff: Der Teammanager hat in der Krisenbewältigung ebenfalls versagt. Er hätte nicht zulassen dürfen, dass ein Mesut Özil nach der öffentlichen Kritik auf Tauchstation geht. Der Deutsch-Türke tauchte dann auf dem Feld auch nicht auf. Bierhoff setzte sich in der Quartierfrage mit Watutinki bei Moskau gegen Löw, der gerne nach Sotschi gegangen wäre, durch. Logistik und kurze Wege waren das Argument, weil ein Ausscheiden gar nicht in Betracht gezogen wurde, sondern eine lange Verweildauer im Turnier. „Das Endspiel findet schließlich in Moskau statt“, hieß es. Pustekuchen, als ob es eine Gesetzesmäßigkeit gäbe, dass Deutschland da immer vertreten ist. So, wie das Quartier in Brasilien für gute Laune sorgte, so sorgte der Sportschulen-Flair von Watutinki für Lustlosigkeit. Da passten dann die Werbeslogans wie die Faust aufs Auge. „Best never rest“ (der Beste ruht sich nie aus), das tat die Mannschaft schon – auf dem Platz. „#ZSMMN“ sollte das Synonym für Zusammenhalt sein, wie bekannt haperte es mit dem Zusammenhalt im Team, von Grüppchenbildung war die Rede. Slogans allein helfen nicht, sie gaben Bierhoff und den DFB nachträglich eher der Lächerlichkeit preis.

Bayern-Blues: Vollkommen unterschätzten Jogi Löw und sein Trainerteam die Probleme der Bayern-Spieler. Die Bayern-Fraktion, sonst ein Garant für Erfolg, litt sichtbar unter den Rückschlägen zum Saison-Ende, dem Aus in der Champions League und der Niederlage im Pokal-Finale. Form und Selbstvertrauen waren weg, Beispiel dafür Thomas Müller, der für seine unorthodoxe Spielweise gerühmt wird, seine Laufwege zum Erfolg aber nicht fand. Kein einziger Bayern-Spieler schoss in der Vorrunde ein Tor! Müller nicht, Hummels nicht, auch James für Kolumbien nicht oder sogar Lewandowski für Polen. Löw reagierte nicht. Er bäumte sich wie die Mannschaft selbst gegen das drohende Ausscheiden nicht wirklich auf. Er hauchte dem Team kein Leben ein.

Ganz Deutschland wartet jetzt darauf, wie Joachim Löw sich für die Zukunft entscheidet. Bleibt er Bundestrainer (der DFB will an seinem Vertrag bis 2022 festhalten) oder tritt er zurück, weil er erkannt hat, dass er dieser Mannschaft nicht mehr helfen kann und einem Neuaufbau nicht im Wege stehen will? Das wäre eine Entscheidung von Charakter und Vernunft. Der DFB wiederum stünde vor dem Dilemma, das geeignete Kandidaten nicht zur Verfügung stehen, es könnte ein Vakuum vor dem nächsten Spiel, am 6. September in der Nations League gegen Frankreich, entstehen. Wahrscheinlich würde dann Horst Hrubesch als Nothelfer geholt, er ist ja bei den Frauen jetzt wieder frei…

Das Achtelfinale: In Russland geht es weiter, auch wenn die TV-Einschaltquoten in Deutschland drastisch sinken werden. Zudem haben nur wenige Spiele begeistert und die Favoriten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Aber Frankreich, Argentinien, Spanien und Brasilien haben die Kurve gekriegt. Keiner hat sich bisher allerdings für den Titel empfohlen, am meisten machte noch Kroatien auf sich aufmerksam. Aber halten die Kroaten durch? Ein Achtelfinale heißt zum Beispiel Schweden – Schweiz, es hätte am Dienstag in St. Petersburg auch Deutschland – Brasilien heißen können! Na ja, drücken wir der Schweiz als Bundesliga-Ableger die Daumen. Außerdem spielen bekanntlich Frankreich – Argentinien, Uruguay – Portugal, Spanien – Russland, Kroatien – Dänemark, Brasilien – Mexiko, Belgien – Japan und Kolumbien – England. Schade, dass keine afrikanische Mannschaft mehr dabei ist. Seit Jahren träumt der Kontinent davon, dass er mal den Weltmeister stellen könnte. Die Talente dazu hat er, aber meist fehlt es an der Team-Organisation. Jetzt kann man den ausgeschiedenen Ländern nicht mal mehr raten, nehmt euch an Beispiel an Deutschland.

Der Sport, die Politik und der WM-Alltag

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist natürlich die große Bühne, die genutzt wird für verschiedene Interessen. Man kann auch sagen, sie wird missbraucht. Allerdings müssen wir unterscheiden zwischen dem bewussten Missbrauch, um die Bühne für Eigeninteressen zu nutzen, und dem emotionalen Missbrauch, der aus der Situation heraus entsteht, meist aus dem Überschwang der Sieges- oder Torgefühle. So auch wieder in den letzten Tagen. Sport und Politik sind nicht zu trennen, das ist leider auch WM-Alltag.

Im Mittelpunkt steht zum Glück der Sport, so bei Deutschlands wichtigem Sieg gegen Schweden. Toni Kroos kam nach dem Kunstschuss in der fünften Minute der Nachspielzeit ganz groß raus. Es war einer dieser Tage, bei dem eine schon tot geglaubte Mannschaft wieder aus der Kiste kam. Das können die Deutschen besonders gut. Was vorher nicht klappte, gelang auf einmal. Der Trainer traf die richtigen Entscheidungen, mit dem Schiedsrichter hatte man ein wenig Glück und ein Platzverweis sorgte vielleicht erst recht für den besonderen Schuss Motivation. Eine spanische Zeitung fasste es treffend zusammen: „Deutschland, das alte Deutschland, das Team, das die meisten Triumphe einfährt, wenn es aussieht, als liege es im Sterben, ist wieder auferstanden.“

Vielleicht muss man auch deshalb großzügig mit dem verfehlten Jubel umgehen, den sich DFB-Angestellte vor der schwedischen Spielerbank leisteten. Andererseits zeugt es von niederer Gesinnung, wenn man glücklichen Siegesjubel so am Gegner auslässt, der keineswegs für eine giftige Atmosphäre gesorgt hatte. Die Frage ist auch, was ein Büroleiter in der Nähe der Spielerbank zu suchen hat. Das sind Emotionen, wie wir sie bei der WM nicht sehen wollen. Da wurden Grenzen gesprengt.

Besonders krass war der Jubel beim Spiel Serbien – Schweiz. Sport und Politik wurden hier wieder einmal in einer Weise vermischt, wie wir es nicht sehen wollen. Vielleicht kann man noch Verständnis haben für die Schweizer Spieler Xhaka und Shaqiri, die neben ihrem kosovarischen Ursprung offensichtlich auch einen gehörigen Schuss Abneigung gegen die Serben in ihrem Herzen tragen. Ihre umstrittene Geste mit Hinweis auf die albanische Flagge haben sie wohl vorher für den Fall des Falles schon im Hinterkopf gehabt, so spontan kann sie nicht gewesen sein. Andererseits sind Siegesjubel im Fußball heute leider oft zweideutig und Ausgangspunkt für Botschaften.

Mit spontanen Emotionen nichts mehr zu tun hat der Ausraster von Serbiens Trainer Mladen Krstajic, der verärgert Schiedsrichter Dr. Felix Brych nach dem Spiel beschimpfte: „Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, wie man uns den Prozess gemacht hat.“ Ein Hinweis auf das UN-Kriegsverbrechertribunal, als Serben wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurden. Die Serben wittern ein Komplott, Brych wertete einen „Dreikampf“ zwischen zwei Schweizern und einem Serben nicht als Foul der Eidgenossen mit der Folge eines Elfmeters, sondern sah ein Foul des Serben. Eine 50:50-Entscheidung. Aber nach dem Spiel sollte ein Trainer seine Emotionen im Griff haben. Seltsam, Krstajic war früher als besonnener Abwehrspieler geschätzt. Die FIFA muss hier mit Strafen deutlich machen, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen.

Der Sport sollte im Mittelpunkt stehen und wird er wohl auch, wenn es jetzt in der dritten Runde der Gruppenphase um die Plätze im Achtelfinale geht. Frühzeitig sind schon einige „Leichtgewichte“ ausgeschieden, wobei es schon erstaunt, dass neben Saudi-Arabien, Marokko, Panama und Tunesien auch Polen, Costa Rica, Peru und Ägypten dazu zählen. Vor allem Polens 0:3 gegen Kolumbien war pikant durch das Duell zweier Bayern-Stars. Treffend, dass Spielmacher James der Held war, der immer betont, wie gut es ihm in München gefällt. Von Torjäger Robert Lewandowski, der immer von einem Wechsel redet, war dagegen nichts zu sehen. Hat das auch einen emotionalen Hintergrund?

Ein bisschen Spannung bleibt uns für die letzten „Endspiele“ erhalten, aber so richtig geht die WM am Samstag, 30. Juni, mit dem Achtelfinale los. Dann heißt es Siegen oder Ausscheiden, ein Druck, den vor allem die Deutschen offensichtlich brauchen.

Wenn Golf-Profis wie Amateure spielen

Ja, es gibt noch etwas anderes als die Fußball-Weltmeisterschaft. Den Sport-Grantler hatten die US Open im Golf am Wochenende in seinen Bann geschlagen. Er rieb sich die Augen, als er das Ergebnis vom deutschen Vorzeige-Golfer Martin Kaymer las: +13! Also, das kennt er aus seiner Anfangszeit, als ein zweistelliger Score zum Standard gehörte. Haben also die Profis auf dem wohl besonders schweren Kurs vom Shinnecock Hills Golf-Club in Southampton/New York wie Amateure gespielt? Zur Wahrheit gehört, nicht ganz, Kaymer hatte das niederschmetternde Ergebnis nach 18 Loch auf seiner Scorekarte, beim Sport-Grantler war es das Ergebnis an einem Loch… Anfänger halt.

Aber die Profis müssen sich bei den US Open auch als Anfänger gefühlt haben. Schon im Vorfeld hieß es sinngemäß, „die wollen uns zeigen, dass wir schlechte Golfer sind“. Der Platz ist bekannt für seine Brutalität, dazu wehte am ersten Tag ein stürmischer, wechselnder Wind von rund 40 km/h. Gute Bedingungen war das nicht. Auch Golf-Star Tiger Woods, der zu den Favoriten gehörte, reihte sich bei den „Amateuren“ ein. Bereits am ersten Loch verlor er alle Chancen mit einem Triple-Bogey, also drei Schläge über Par. Tiger Woods war nach zwei Tagen noch einer der besseren ehemaligen Weltranglisten-Ersten, die am Cut scheiterten und nach Hause gehen durften. Jordan Spieth (USA) spielte neun über, Rory McIlroy (Nordirland) wie Woods eine Zehn, Jason Day (Australien) kam auf +12 und Adam Scott (Australien) auf +13. Die hatte Kaymer, man glaubt es kaum, er war auch mal Weltranglisten-Erster, nach dem ersten Tag, nach dem zweiten war er mit +18 gerade mal 136. Erstaunlich, dass zum Letzten immer noch eine große Lücke klaffte, dies war der Engländer Scott Gregory mit +27, er brauchte 92 (+22!) und 75 Schläge auf dem Par-70-Kurs! Ach, da lacht sich der Amateur doch ins Fäustchen, wenn Profis so schlecht sind.

Eigentlich ist es doch toll, wenn die Besten der Welt so gefordert werden. Die Spannung steigt und Ergebnisse von 20 Schlägen und mehr unter dem Platz-Standard zeigen somit eigentlich nur, wie leicht der Platz für Profis ist. Da sollte ein Monster wie Shinnecock Hills nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel sein. Damit das Ergebnis aber nicht gar so schlecht ausfällt, hatten die Organisatoren am letzten Tag noch ein Einsehen, machten die Fahnenpositionen leichter als vorgesehen und wässerten die spiegelglatten Grüns, damit die Stars nicht beim Putten verzweifelten. Dennoch gab es keinen Spieler, der im Gesamtergebnis der vier Tage unter Par blieb. Glücklicher Sieger war am Ende der Amerikaner Brooks Koepka mit +1, der damit seinen Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen konnte und 2,16 Millionen Dollar Siegprämie kassierte. Das war dann doch zumindest für ihn ein schönes Schmerzensgeld für all die Widrigkeiten.

Es war schon eine seltsame Konstellation, das gleich sechs ehemalige Nummer eins des Golfs den Cut nicht schafften. Vergleicht man das mit dem Fußball, wo bei der WM in Russland der „Cut“ nach den Gruppenspielen gezogen wird, dann könnten Brasilien, Argentinien, Uruguay, Spanien, England, Frankreich oder Deutschland ausscheiden. Na gut, alle wird es nicht erwischen, aber vielleicht den einen oder anderen. Und was Deutschland angeht, da sind Schwedens Golfer weitaus besser als die deutschen Spitzenspieler. Im Fußball gilt dagegen Deutschland als besser, aber so eine Fußball-Weltmeisterschaft kann auch ganz schön brutal sein. Und auch Fußball-Profis stellen sich manchmal wie Amateure an. Am Ende heißt es hoffentlich nicht, Deutschlands Fußballer sind aber die besseren Golf als die Schweden…

Über die Fußball-Weltmeisterschaft kann man im nächsten Kommentar lesen und bald gibt es auch wieder zur WM einen neuen Text.