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Tag: Hamburger SV

Transfer-Poker ist eine Gefahr im Bundesliga-Finale

Die Fußball-Mannschaften in allen Ligen befinden sich mitten drin im Saison-Finale. Die Spannung steigt und eigentlich sollten sich alle auf den Sport konzentrieren, darauf, den Kampf um Meisterschaft, Auf- und Abstieg zu bestehen. Doch tun dies Vereinsverantwortliche, vor allem aber Trainer und Spieler wirklich? Besonders im Profi-Fußball spielt auch die neue Saison schon eine große Rolle. Der Sport, und sei die Situation auch noch so brisant, wird in den Hintergrund gedrängt, die Transfers, so hat der Beobachter das Gefühl, spielen die Hauptrolle. Der Transfer-Poker ist aber eine Gefahr für die Bundesliga! Wo haben die Spieler ihre Gedanken? Können sie wirklich die Verhandlungen ausblenden und sich auf die Gegenwart konzentrieren? Nicht immer hat man das Gefühl, dass die Spieler auf dem Feld hundertprozentig bei der Sache sind.

Die Medien lieben den Transfer-Poker, denn leichter sind Schlagzeilen nicht zu bekommen, man kann vor allem so herrlich spekulieren, während es sich die Klubs angewöhnt haben, eine Erfolgsmeldung erst nach getätigter Unterschrift zu verbreiten. Stars werden mit großem Brimborium vorgestellt, bei Spielern, die den Kader eher nur auffüllen sollen, reichen ein paar Zeilen. Aber egal, die Medien stürzen sich auf jedes Gerücht und so heißt es zum Beispiel marktschreierisch „Transfer-Schlacht um die Stars“. Im Transfer-Geschäft wiederum heißt es, den Spieler zu überzeugen bzw. die notwendigen Scheine eben auf den Tisch zu legen.

Auffallend in diesem Jahr ist, dass es nicht nur um die Spieler geht, sondern verstärkt auch um Trainer und Sportdirektoren. Die Fluktuation war in diesem Jahr auf diesen Posten so groß wie noch nie, einige Klubs (z. B. Gladbach und Hertha) kündigten schon frühzeitig an, dass die Trainer im Sommer gehen müssen. Gladbach, Wolfsburg, Hertha, Schalke, Stuttgart, Nürnberg und Hannover suchen Trainer für die neue Saison. Eine Schlacht also auch um die Trainer. Dazu werden Manager gesucht und vor allem neuerdings „Kaderplaner“. Ein alter Job mit neuem Namen, aber einfach „in“. Wenn die Kaderplanung nicht funktioniert, geht aber nicht zuerst der Kaderplaner, sondern immer noch der Trainer. Oft aber nicht mehr alleine…

Ein Drittel der Vereine, außer Leverkusen alle im Abstiegskampf, hat sich über einen Trainerwechsel Besserung erhofft. Der Glücklichste ist wohl der FC Augsburg, denn mit Martin Schmidt für Manuel Baum wurde quasi der Klassenerhalt eingekauft. Der Schweizer legte einen spektakulären Start hin mit Siegen in Frankfurt und gegen Stuttgart, das „Endspiel gegen den Abstieg“. Schmidt war der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt. Vorgänger Baum hatte die Mannschaft in Schuss, aber er hat offensichtlich die Spieler mit Taktik überfrachtet, so dass sie nicht mehr befreit aufgespielt haben. Martin Schmidt hatte eine einfache Lösung, bringe Spaß in den Laden und er läuft – das 6:0 gegen den VfB war der Beweis.

Die Ereignisse rund um dieses Spiel hatten eine Besonderheit: Stuttgarts Coach Markus Weinzierl musste noch am gleichen Tag seinen Hut nehmen. Der neue Sportdirektor Thomas HItzlsperger (für Michael Reschke) wollte die Saison zwar mit Weinzierl durchziehen, aber jetzt zogen die Verantwortlichen die Notbremse. Jetzt war Weinzierl selbst der Betroffene beim FCA-Sieg, als der Straubinger noch FCA-Trainer war, wechselte der VfB schon dreimal den Trainer nach einer Niederlage gegen Augsburg! Wehe, wenn Stuttgart auf den FCA trifft! Junioren-Trainer Nico Willig soll es für den Rest der Saison richten, er arbeitete mit der U19 überaus erfolgreich. Kann er auch die Bremsen lösen?

Augsburg zog an Schalke (2:5 gegen Hoffenheim) vorbei und hat den Klassenerhalt fast sicher. Dahinter herrscht nur Tristesse. Allein Nürnberg scheint sich gegen den drohenden Abstieg zu wehren und macht trotz Niederlagen eine gute Figur. Gerettet haben sich endgültig Mainz (dort wurde groß gefeiert, weil der Klassenerhalt vier Spieltage vor Saisonende ein Erfolg ist) und die Hertha, doch bei den Berlinern war das 0:0 gegen Hannover fast schon wieder ein Offenbarungseid. Ob die Spieler mit ihren Gedanken bei neuen Vereinen sind?

An der Spitze nichts Neues, die Bayern und Dortmund gaben sich keine Blöße, die Münchner taten sich aber beim 1:0 gegen Bremen schwerer, vergaben viele Chancen und siegten durch einen abgefälschten Schuss von Niklas Süle. Die Borussia hatte das Glück des frühen Tores, danach lief es beim 4:0 gegen Freiburg fast allein. Derby-Aufgaben warten, Schalke muss allerdings schon über sich hinaus wachsen, um eine Chance zu haben, der Club in Nürnberg macht sich mehr Hoffnung gegen die Bayern. Schalke hat einen Anreiz: Ein Erfolg über die verhassten Dortmunder sorgt für Wiedergutmachung bei den Fans.

Der Pokal sorgt für Abwechslung

Das Duell Bayern – Werder geht ja weiter, jetzt am Mittwoch in Bremen im DFB-Pokal. Höhepunkt und Abwechslung von der Bundesliga zugleich. Zwei schlechte Nachrichten für die Münchner, die im letzten Jahr im Finale gegen Frankfurt und ihren jetzigen Trainer Niko Kovac unterlagen: Ausgerechnet Torschütze Niklas Süle ist gesperrt (dafür kann Mats Hummels wieder spielen) und die Bremer haben eine beeindruckende Heimbilanz – seit April 1988 sind sie im Pokal im Weserstadion ungeschlagen. Allerdings stand Werder zuletzt 2011 in einem Halbfinale, Bayern ist dort Stammgast. Aber das „Vorspiel“ in der Bundesliga machte deutlich, leicht wird es nicht für die Bayern. Immerhin: Trainer Kovac weiß, wie man ins Finale kommt. Notfalls mit ein wenig Spielglück…

Im zweiten Halbfinale sind die Rollen klar verteilt. Da der selbst in der zweiten Liga strauchelnde Hamburger SV, dort der RB Leipzig, der in der Bundesliga einen Lauf hat und die Champions League anpeilt. Leipzig wird zwar inzwischen als starker Verein akzeptiert, aber ein Teil der Ultra-Fans lässt nicht locker mit Schmähungen gegen Besitzer Red Bull und RB-Funktionäre. In Gladbach traf es Trainer-Manager Ralf Rangnick mit Sprüchen unter der Gürtellinie. Schade, dass bei einem Teil der Fans die Vernunft abhanden gekommen ist. Unbeeindruckt davon peilt Leipzig den größten Erfolg der noch jungen Vereinsgeschichte an. Für den HSV wäre der Aufstieg in die Bundesliga wichtiger. Allein die Pokalprämien helfen dem Altmeister aber ein wenig.

Übrigens: Die Bayern haderten mit dem Ausscheiden in der Champions League, dabei sind sie ja im Halbfinale vertreten. Allerdings „nur“ bei den Frauen, da verloren die Bayern-Mädchen jedoch das Heimspiel mit 0:1 gegen den FC Barcelona, machen sich aber für das Rückspiel am Sonntag (Spielbeginn 12.00 Uhr!) noch Hoffnung. Barcelona will die Frauen aber stärker unterstützen, als es wohl die Bayern tun, der Barca-Präsident verkündete bereits: „Der Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auf Europas Bühnen dominierten zuletzt die Franzosen von Olympique Lyon und Paris St. Germain, der VfL Wolfsburg war wohl der größte Gegner, aber auch Arsenal und Chelsea London rüsten auf und wollen in Europa mitmischen. Da müssen sich die Bayern strecken, wenn sie weiter vorne mitmischen wollen.

De nachfolgende Kommentar widmet sich der Champions League der Männer: Ajax ist ein Vorbild für ganz Europa.

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Das Spiel der Spiele – aber kein Finale!

Endlich! Die Fans der Fußball-Bundesliga warten auf das Match, endlich wieder einmal ein spannender Titelkampf und nicht nur Brisanz bei den Duellen gegen den Abstieg. Endlich, das Spiel der Spiele, aber wenn sich am Samstag die alten Rivalen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, dann ist dies kein Finale. Einem echten Finale um die Deutsche Meisterschaft trauern Nostalgiker bekanntlich hinterher.

Ein kleines Finale ist es allerdings schon, jedoch anders, als es sich die Bayern gewünscht hatten. Ihr Plan war, mit einem Sieg über Dortmund für Klarheit an der Tabellenspitze zu sorgen. Jetzt befinden sich die Münchner plötzlich wieder in der Verfolgerrolle nachdem sie neun Punkten Rückstand aufgeholt hatten, dagegen könnte die Borussia mit einem Erfolg in der Allianz Arena für eine Vorentscheidung sorgen.

Es gab einen „Ball verkehrt“ im Vorfeld des deutschen „Clasico“. Die Bayern patzten mit dem 1:1 in Freiburg, während Dortmund wie oft in der Vorrunde beim 2:0 gegen Wolfsburg das Glück der späten Tore feierte. Sensationell: Wäre in allen Spiele nach 90 Minuten wirklich der Schlusspfiff ertönt, dann wären die Bayern Erster mit 63 Punkten vor Dortmund mit 59! Borussias Torbilanz in der Nachspielzeit lautet 9:1, die der Bayern 1:1! Dortmunds Dusel ist zurück, belegt durch Alcacers Glücksschuss quasi durch die Wolfsburger Mauer. Da war auch alles lamentieren, das die Mauer zu weit weg stand, Quatsch, denn der Ball ging ja nicht über die Mauer. So holte sich Dortmund das Selbstvertrauen für das Spiel der Spiele, die Bayern hadern.

Auffallend: Dortmund erinnerte an die Vorrunde, ebenso die Bayern. Mit dem 1:1 gegen Freiburg am 10. Spieltag Anfang November begann die Bayern-Krise mit drei Spielen ohne Sieg (danach 2:3 in Dortmund, 3:3 gegen Düsseldorf). Jetzt wird wieder geklagt über mangelnde Einstellung, schlechte Aufstellung und fehlende Konzentration beim Tor-Abschluss. Es gibt nur etwas Positives dabei: Einen besseren Muntermacher gibt es nicht. Oder wiederholt sich in einem Spitzenspiel das Dilemma gegen Liverpool mit dem Aus in der Champions League? Folgt das Aus in der Meisterschaft? Stabil sind die Bayern nicht.

Das stabilste Team, ja die „Mannschaft der Stunde“ ist derzeit Eintracht Frankfurt. Die Hessen bieten Glanz und Tore, zeigen Selbstbewusstsein auch international und sind 2019 noch ungeschlagen. In der Rückrunden-Tabelle liegen sie mit 22 Punkten hinter den Bayern (25) auf Rang zwei vor Dortmund und Leipzig (ja 21). Dagegen schwächeln Gladbach, Wolfsburg und Leverkusen, so dass der Sprung auf Rang vier und damit auf einen Platz in der Champions League fast logisch war. „Das ist ein Märchen“, fasste es der Österreicher Martin Hinteregger in Worte, nämlich auch für ihn, vom Abstiegskandidaten FC Augsburg auf die internationale Bühne.

Sein alter Verein steckt wieder mitten drin im Abstiegsdilemma. Die Blamage war komplett, ausgerechnet beim 1. FC Nürnberg, der 20 Spiele ohne Sieg geblieben war, ergab sich die Mannschaft wehrlos, anstatt mit großem Kampf endgültig die Weichen für den Klassenerhalt zu stellen. Drei Spiele ohne Niederlage, das 2:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig und 3:1 gegen Hannover wurde für die Mannschaft wohl zum sanften Ruhekissen. Jetzt brennt wieder der Baum. Nicht dagegen auf Schalke, Huub Stevens’ Motto „die Null muss stehen“ passte wieder und mit einem Glücksschuss von Serdar („Ich habe gar nicht auf das Tor geschaut“) auch das Ergebnis. Sechs Punkte Abstand zum Relegationsrang (Stuttgart) sorgen für etwas Ruhe im Revier. Aber jetzt kommt Frankfurt, doch die Verfolger nehmen sich die Punkte gegenseitig weg, im Duell Stuttgart – Nürnberg geht es wieder um eine Weichenstellung bzw. für die Franken um die letzte Chance.

Kein Schlagerspiel im Pokal

Ablenkung vom Bundesliga-Alltag gibt es in dieser Woche durch den DFB-Pokal, wobei die Frage ist, wie wichtig dieser Zusatzwettbewerb für die einzelnen Vereine ist. Ein echtes Schlagerspiel gibt es im Viertelfinale nicht, zumal ja so erfolgreiche Klubs wie Dortmund, Leipzig und Frankfurt frühzeitig die Segel streichen mussten. Mit Augsburg und Schalke sind sogar zwei Kandidaten aus dem Abstiegskampf dabei. Der FCA muss gegen Leipzig wieder ein anderes Gesicht zeigen, während Schalke gegen Bremen die etwas größeren Chancen eingeräumt werden können. Für beide Mannschaften bleibt die bange Frage: Als Absteiger ins Pokal-Finale einziehen? Die Bayern müssen sich die Chance auf wenigsten einen Titel erhalten, können gegen den Zweitligisten Heidenheim vielleicht das Tore schießen üben, vielleicht müssen sie aber zu einem Rezept greifen, eine Betonabwehr zu überwinden. Gar ein Zweitliga-Duell gibt es mit Paderborn gegen Hamburg, da der aufstrebende Zweitliga-Neuling, dort der unkonstante Dino, der vor allem ein Ziel hat, zurück in die Bundesliga. Vielleicht am Ende im Pokal-Finale, aber nicht in der Bundesliga – das wäre für den HSV fast schon ein Horrorszenario! Übrigens: Leipzig, Paderborn und Heidenheim erreichten noch nie das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Polizei will Geld

Ein Horrorszenario erlebte die Bundesliga in der vergangenen Woche auch vor Gericht. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat eine Beteiligung der Ausrichter von gewinnorientierten Veranstaltungen an den Polizeikosten grundsätzlich für rechtskonform erklärt. Damit müssen die Bundesligisten für Mehrkosten bei einem größeren Polizei-Einsatz bei sogenannten Risikospielen aufkommen. Das Land Bremen hatte der DFL eine entsprechende Gebührenrechnung geschickt, die DFL dagegen prozessiert. Im Hintergrund stand die Frage, ob es überhaupt darstellbar ist, dass der Steuerzahler für Kosten der reichen Vereine aufkommen soll. Da passte es wie die Faust aufs Auge, dass just im Vorfeld Bayern München den Rekordtransfer für 80 Millionen Euro für Frankreichs Weltmeister Lucas Hernandez über die Bühne brachte. Und dann sollen hochgerechnet 20 Millionen Euro für Polizei-Einsätze nicht bezahlbar sein? Da geht es um Vernunft und den Ruf der Liga.

„Wir haben uns das anders vorgestellt“, gestand DFL-Präsident Reinhard Rauball zerknirscht, aber Richter Dr. Wolfgang Bier, hatte wohl auch die Klagen der Landesrechnungshöfe im Hinterkopf, die schon lange eine Beteiligung der Vereine verlangen. Allein aus moralischen Gründen sollte die DFL einem Kompromiss der Länder zustimmen, dass ein Fond gebildet wird, aus dem die Polizei-Einsätze bezahlt werden. Die Rede ist eben von 20 Millionen Euro, gerade mal ein Klacks bei einem Jahresumsatz der 36 DFL-Vereine von 4,4 Milliarden Euro (die 3. und 4. Liga sind außen vor). Dieser Fond würde auch eine Ungleichbehandlung der Vereine verhindern, wenn einige Länder auf eine Rechnungsstellung an die Klubs verzichten würden, wie es Bayern schon angekündigt hat.

Eine Frage wurde allerdings nicht beantwortet: Wer sorgt denn eigentlich dafür, dass sich Chaoten nicht den Fußball als Bühne für Ausschreitungen aussuchen? Wer ist denn für die fehlende gute Erziehung verantwortlich? Vordringlich müssen Schadens- und Kostenverursacher vor allem zur Kasse gebeten werden. Dann würde Ruhe herrschen!

Das Spiel um Millionen: Die Bundesliga-Bilanz

Die 55. Saison der Fußball-Bundesliga ist am Samstag zu Ende gegangen. Der letzte Spieltag war fast ein Abziehbild der Saison mit Ausfällen von chaotischen Ultras, mit Videobeweis, überraschenden Ergebnissen, mit Trauer und Freude. Es war schließlich ein Spiel um Millionen, jeder will an die vollen Töpfe der Champions League, für das Fernsehgeld zählt zudem jeder Tabellenplatz.

So langweilig es an der Spitze durch Bayern München war, so spannend war es dahinter. Am Ende rettete sich Borussia Dortmund nur durch die bessere Tordifferenz in die Champions League. Trainer Peter Stöger hat seine Mission erfüllt, der Stöger kann jetzt gehen. Im Mittelpunkt aber der Dino. Mit dem Hamburger SV steigt auch der letzte Gründungsclub der Bundesliga ab. Köln und der HSV hoffen, dass es nur für ein Jahr ist. Der VfL Wolfsburg wiederum rettete sich in die Relegation und will gegen den Dritten der 2. Bundesliga, Holstein Kiel, den Platz im Oberhaus verteidigen. Gerade noch rechtzeitig im letzten Spiel zeigte Wolfsburg seine beste Leistung. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick, wie zufrieden die Klubs sein können. Die Bundesliga-Bilanz:

Bayern München: Der sechste Titel in Folge wurde souverän geholt, doch das sah nicht immer so aus, erst als Rentner Jupp Heynckes als Retter kam, zeigten sich wieder die souveränen Bayern. Das zeigt: Auf den Trainer kommt es schon auch an und so darf man ein bisschen neugierig sein, was Niko Kovac im nächsten Jahr zu leisten vermag. Die Mannschaft wird sich kaum ändern, auch Robben, Ribery und Rafinha bleiben. Jetzt wartet noch das Pokal-Finale gegen Frankfurt, gegen Kovac. Das 1:4 gegen Stuttgart im letzten Spiel war kein würdiger Abschluss, jetzt muss das Double her, sonst war es nur ein befriedigende Saison, mit Pokal eine gute, ohne Henkel-Pott der Champions League war es halt keine sehr gute.

Schalke 04: Der Überraschungs-Zweite, Trainer Tedesco scheint der richtige Mann zu sein, mit Disziplin und ein bisschen Glück ritt Schalke auf einer Erfolgswelle, war aber typisch für die Bundesliga-Saison: Kaum gute Spiele, aber immerhin erfolgreich. Das Glücksgefühl: Endlich wieder einmal vor Dortmund. Ob es aber für die Champions League reicht?

TSG Hoffenheim: Platz drei ist der größte Erfolg des noch jungen Vereins. Trainer Julian Nagelsmann bewies seine Klasse, als er die Mannschaft aus einer kleinen Krise wieder nach oben führte. Die CL könnte noch eine Nummer zu groß sein, wichtige Spieler verlassen den Verein. Der Trainer aber bleibt.

Borussia Dortmund: Mit Hängen und Würgen ins Ziel gekommen, jetzt soll an einer besseren Zukunft gebastelt werden. Gesucht wird ein starker Trainer, Lucien Favre (Nizza) wird als Favorit gehandelt. Schwer zu finden sein werden auch Führungsspieler, die die Borussia wieder nach vorn bringen. Dortmund will wieder erster Herausforderer der Münchner sein. Ein paar Spieltage lang waren sie es zu Saisonbeginn.

Bayer Leverkusen: Der Traum von der Champions League lebte in der ganzen Saison, Freud und Leid waren am letzten Spieltag eng beieinander, zeitweise fehlte gerade mal ein Tor. Die Europa League ist nur ein schwacher Trost, aber immerhin ist Bayer (im Vorjahr 12.) wieder international dabei. Der Mannschaft fehlte Konstanz.

RB Leipzig: Der Vize-Meister des Vorjahres musste Lehrgeld bezahlen. Als Neuling gleich nach oben gestürmt und in die CL, doch der Schwung ging ein bisschen verloren, dafür gab es Müdigkeit und Zweifel – auch am Trainer. Noch ist die Zukunft von Ralph Hasenhüttl offen, aber das Minimalziel wurde erreicht. Leipzig wird die doppelte Belastung diesmal besser verkraften und kann sich deshalb wieder höhere Ziele setzen.

VfB Stuttgart: Der Sensations-Siebte, mit dem anfangs ungeliebten Trainer Korkut begann der Aufstieg in der Tabelle, doch spielerischer Glanz fehlte, auch hier ein Abbild der Bundesliga (siehe Schalke). Der Paukenschlag in München brachte Stuttgart auf den siebten Platz, der zur Europa League berechtigt, wenn die Bayern Pokalsieger werden. Achtung: Die Qualifikation beginnt bereits im Juli, die Saisonvorbereitung leidet und mancher Kandidat befand sich dann in der Liga plötzlich im Abstiegskampf. Also nicht zu früh freuen.

Eintracht Frankfurt: Niko Kovac hat die Eintracht zu neuem Leben erweckt, aus einem internationalen Sammelsurrium an Spielern eine Mannschaft geformt, aber das Team hat nicht durchgehalten. Zwischendurch träumte Frankfurt von der CL, am Ende ging die Puste aus, die Bekanntgabe des Kovac-Wechsels nach München hemmte. So ging die Eintracht leer aus. Vor Saisonbeginn wäre der Verein mit Platz acht aber zufrieden gewesen.

Borussia Mönchengladbach: Eigentlich will man nach oben, offiziell gilt aber ein einstelliger Platz als Ziel. Gut, Ziel erreicht, aber mehr wäre drin gewesen, allerdings bremste auch viel Verletzungspech die Borussia. Steigerung möglich.

Hertha BSC Berlin: Auch hier, mehr wäre möglich gewesen, doch richtig in Schwung kam die Hertha in diesem Jahr nie, kam aber auch nicht richtig in Abstiegsgefahr. Das gilt als Erfolg, doch die Berliner sehen ihre Hertha lieber in höheren Sphären. Mit der Mannschaft ist das nicht möglich.

Werder Bremen: Einst Abstiegskandidat, dann sogar an der EL geschnuppert, den Bremern wurde nicht langweilig. Trainer Kohfeldt brachte Schwung nach Bremen und lässt den Verein wieder von einer besseren Zukunft träumen. Der Weg nach Europa ist aber weit.

FC Augsburg: Am Ende noch einen Platz verloren (also auch rund eine Million Euro), aber Platz zwölf ist für einen der ärmsten Klubs ein Erfolg. Der FCA lebte von seiner starken Vorrunde (Rang 9 mit 24 Punkten), hatte aber auch viel Pech. Als der übergroße Kader verkleinert wurde, meldete sich zudem das Verletzungspech. Insgesamt eine gute Saison.

Hannover 96: Sicher die Klasse gehalten, was will man als Neuling mehr? In Hannover brannte es aber außerhalb des Spielfelds, die Ultras boykottierten den Verein, um Präsident Kind zu stoppen, Manager Horst Heldt war bei einigen anderen Vereinen im Gespräch. Große Leistung von Trainer Breitenreiter bei diesen Nebengeräuschen die Mannschaft über alle Klippen gebracht zu haben. Da war nicht mehr drin.

FSV Mainz 05: Der Endspurt sicherte die Liga, alle zweifelten an Trainer Sandro Schwarz, nur Manager Schröder nicht und plötzlich funktionierte die Mannschaft und der Erfolg stellte sich ein. Wieder ein Jahr überstanden, der Überlebenskampf geht weiter.

SC Freiburg: Trainer Christian Streich stand geschätzte 34mal vor einem Herzinfarkt, aber er und seine Mannen haben überlebt. Er sprach von einer irren Saison, mit vielen Ausfällen, Entscheidungen gegen sein Team, aber die Heimstärke und die Unterstützung der Fans brachte den Klassenerhalt. Der Sympathiebolzen bleibt der Bundesliga erhalten.

VfL Wolfsburg: Keine gute Führung, kein gutes Management, keine Mannschaft, obwohl es durchaus einige gute Spieler gibt. Es gab mehr Fehleinschätzungen als gute Leistungen, Beispiel der Verkauf von Torjäger Mario Gomez. Ein Wunder, dass es mit der Relegation noch klappte, nachdem der letzte Retter, Trainer Bruno Labbadia, buchstäblich gegen eine Wand lief. Der Trainer gilt als Spezialist für die Entscheidungsspiele, die beste Saisonleistung im letzten Spiel lässt hoffen.

Hamburger SV: Tschüss Dino, nach 55 Jahren Bundesliga muss der HSV also gehen, hoffentlich nur für ein Jahr. Aber nach Jahren des Dahinsiechens war der Abstieg mal fällig, Fehler, wie sie in Hamburg die letzten Jahre gemacht wurden, müssen sich mal negativ auswirken. Mal sehen, ob die Chance der Neuausrichtung genutzt wird. Ein Problem sind auch die Chaoten, die am Schluss noch für ein schlechtes Bild des HSV sorgten.

1. FC Köln: Kaum ein Verein stieg so erhobenen Hauptes ab wie der 1. FC Köln. Es ist ein Betriebsunfall der besonderen Art und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein wurde eher noch stärker, zahlreiche Stammspieler bleiben, mit Markus Anfang wurde ein hoffnungsvoller Trainer gewonnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der Betriebsunfall sollte sofort wieder repariert werden.

Bleibt noch das Pokalfinale am Samstag, 19. Mai, in Berlin. Bayern München ist gegen Eintracht Frankfurt haushoher Favorit, aber der Warnschuss gegen Stuttgart zeigte, die Bayern sind schlagbar, Da kann Niko Kovac mit Frankfurt zeigen, was er kann, auch wenn es bei der Eintracht heißt, „ein Sieg von uns wäre ein Wunder“. Das Double wäre aber der richtige Abschied für den erfolgreichen Jupp Heynckes, der noch seine achte Meisterschaft feiern konnte und vor fünf Jahren bekanntlich mit dem Triple abtrat. Die Frage ist, ob die Bayern noch einmal den Schalter umlegen können, um am Sonntag auf dem Marienplatz auch gebührend feiern zu können.

Hinweis: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Weltmeisterschaft und den Kader-Nominierungen: „Welches WM-Aufgebot hätten’s denn gern?“

Bayern im Niemandsland – Köln ein besonderer Absteiger

Das hat das Saisonende so an sich, dass Spieltag für Spieltag in den Ligen stückchenweise die Entscheidungen fallen. Die Fans wünschen sich natürlich, dass die Spannung bis zum letzten Spieltag bestehen bleibt, Tränen der Freude oder der Enttäuschung gibt es allerdings schon früher. Derzeit kann man dies überall wieder beobachten, aber was die Fußball-Bundesliga angeht gilt: Es bleibt bestimmt spannend bis zum letzten Spieltag.

Dass es am Tabellenende spannend bleibt, dafür sorgen der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg. Die VW-Städter haben es geschafft, dass in ihrem Verein das Chaos noch größer ist als es wohl jemals beim HSV war. Der Bundesliga-Dino hat dagegen unter Amateurtrainer Christian Titz eine wundersame Wiederauferstehung gefeiert, hat mit dem 3:1-Sieg in Wolfsburg den Rückstand auf die Niedersachsen auf zwei Punkte verkürzt und darf wieder hoffen. Die Niedersachsen gleichen einem sinkenden Schiff, der Kapitän (Trainer Bruno Labbadia) hilflos, eine wirkliche „Mannschaft“ gibt es nicht (man könnte von einzelnen Könnern reden, doch echte Könner gibt es im Team auch nicht), die Vereinsführung ahnungslos, wie der Kampf um Manager Horst Heldt zeigt. Der HSV beweist dagegen Zusammenhalt, spielerische Klasse und Begeisterung. Vor ein paar Wochen wünschten die Fußball-Fans dem Dino noch den Abstieg (Wird endlich Zeit bei dem Chaos), jetzt wünschen sie sich für den HSV wieder den Klassenerhalt (Hat er verdient) und sehen in Wolfsburg den logischen Absteiger. VW hat nach der Diesel-Krise auch eine Bundesliga-Krise. Die letzten Spiele der Kontrahenten: Wolfsburg in Leipzig und gegen Köln, der HSV in Frankfurt und gegen Mönchengladbach. Der Ausgang ist wirklich ungewiss.

In vier Vereinen wird aufgeatmet: Bremen hat den Klassenerhalt sicher, Hannover kann nicht mehr direkt absteigen, Mainz und Freiburg haben mit ihren Siegen gegen Leipzig und Köln den Kopf vorerst aus der Schlinge gezogen und können wieder hoffen. Dafür steht der erste Absteiger fest. Der 1. FC Köln muss zum sechsten Mal die erste Liga verlassen, aber es zeigt sich, dass die Rheinländer ein besonderer Absteiger sind. Die Fans feiern praktisch schon heute die Rückkehr, die besten Spieler suchen nicht das Weite, sondern wollen den „Betriebsunfall“ korrigieren. Torhüter Timo Horn und Kapitän Jonas Hector unisono: „Wir haben Fehler gemacht, wir sind Kölner, wir helfen beim Aufstieg.“ Spieler wie Torjäger Terodde oder Frankreichs Talent Koziello wurden schon im Hinblick auf die mögliche 2. Bundesliga verpflichtet. In Köln wird deshalb mehr vom Aufstieg als vom Abstieg geredet. Es scheint, dass unter dem neuen Sportchef Armin Veh die alten Fehler nicht wiederholt werden. Der Erfolg mit dem Einzug in die Europa League wurde nicht verkraftet, Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger hinterließen Flecken auf ihrer vorher weißen Weste. Passend zum Abstieg gelang dem rheinischen Rivalen Fortuna Düsseldorf der sechste Aufstieg, Gut möglich, dass beide nächstes Jahr wieder die Rollen wechseln!

Spannung gibt es bei Meister Bayern München nur in der Champions League. Die Münchner befinden sich praktisch im Niemandsland: Für die Bundesliga zu stark, auf der internationalen Bühne eher in der zweiten Reihe. Oder schaffen sie gegen Real Madrid nach dem unglücklichen 1:2 im Hinspiel noch einmal die Wende? Es hatte den Anschein, als hätten die Bayern den Spagat zwischen der Leichtigkeit der Liga und der Schwere der Champions League nicht geschafft. Die Bundesliga-Konkurrenz haben sie fast der Lächerlichkeit preisgegeben, mit einem 4:1 gegen Euroleague-Anwärter Frankfurt, mit einem C-Team mit Nachwuchsspielern und Cracks aus der zweiten Reihe, mit dem jüngsten Bayern-Team seit über 40 Jahren. Noch Fragen nach dem Meister 2019?

Die Meisterliste in den Ligen Europas wird immer länger, jetzt haben sich auch der FC Barcelona und Schottlands Dauer-Titelträger Celtic Glasgow dort eingetragen. Besonders gefeiert wird in Bern, die Young Boys stoppten den ewigen Meister FC Basel und holten sich zum ersten Mal seit 32 Jahren wieder den Titel. Manchmal kann eine Meisterschaft schon noch etwas Besonderes sein. Das wäre sie auch für den SSC Neapel, der aber seine gute Ausgangsposition in Italien mit dem 0:3 in Florenz verspielte und wohl wieder Juventus Turin den Vortritt lassen muss. Da heißt es dann wohl „nächstes Jahr nächster Versuch“.

Im Gespräch neben der Punktehatz natürlich die Weltmeisterschaft. Bundestrainer Joachim Löw musste vor allem Hiobsbotschaften hinnehmen, sein einstmals übergroßer Kreis von WM-Kandidaten verkleinert sich zusehends. So erlitten am Wochenende Lars Stindl (Gladbach) und Serge Gnabry (Hoffenheim) so schwere Verletzungen, die das WM-Aus bedeuten. Die Konkurrenz wird kleiner. Da kann Löw nur hoffen, dass die Meister Jerome Boateng und Manuel Neuer rechtzeitig wieder fit werden. Andererseits bieten ihm Medien und Trainer neue WM-Kandidaten an, weil eben jeder ein bisschen Bundestrainer spielen will. Vielleicht springen Freiburgs Held Nils Petersen und Bayern-Torhüter Sven Ulreich doch noch auf den WM-Zug. Es gab ja immer wieder Überraschungen und auch im Hinblick auf die erweiterte WM-Nominierung am 15. Mai bleibt die Spannung erhalten.

Eine Empfehlung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Eishockey-Weltmeisterschaft: „Eishockey: Nach Silber jetzt Gold oder Blech?“

Gute Bundesliga-Spiele sind eine Rarität

Was der Sport-Grantler schon am 26. Februar moniert hat (Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga) hat jetzt auch der Boulevard entdeckt. „Abrechnung mit zu vielen Murks-Spielen“ hieß es in der Sonntagszeitung Bild am Sonntag über die Bundesliga. Ja, leider ist es so, dass die guten Spiele in der selbsternannten „besten Liga der Welt“ mittlerweile eine Rarität sind. Alles wird dem Existenzkampf untergeordnet, die Trainer haben das Motto „nur nicht verlieren“ und nur selten den Mut, voll auf Sieg zu spielen. Das würde Spaß machen!

Einige Urteile über die Spiele am Wochenende sind bezeichnend. Da hieß es „viel Kampf und Krampf“ oder „fußballerisch dürftig“ und ein Fernsehreporter beendete seinen Kommentar mit einem Hinweis an den Schiedsrichter, „danke für den Schlusspfiff“. Das ist die Bundesliga von heute, bezeichnend dafür Platz zwei des FC Schalke 04. Die Minimalisten der Liga haben sich mit zuletzt zwei 1:0-Siegen nach oben gemauert. Spielerischer Glanz? Fehlanzeige! Ein Platz in der Champions League ist das Ziel, da zeichnet sich schon heute wieder ab, dass die Bundesliga international im nächsten Jahr die nächste Pleitenserie erleben wird.

Wie zur Bestätigung der letzten Kritik an der Krisen-Liga, rasteten die Fans abseits des Spielfeldes aus. Die Schalker Chaoten veranstalteten einen Pyro-Zirkus und sorgten für Spielverzögerungen. Die Hamburger Fans können sich mit dem bevorstehenden Abstieg gar nicht anfreunden, schockten Spieler und Verantwortlichen mit der Aufstellung von Grabkreuzen vor dem Volksparkstadion und drohten auf einem Banner: „Eure Zeit ist abgelaufen! Wir kriegen Euch alle!“ Die Bundesliga ist dabei, ihren Zauber zu verlieren.

Chaotisch ging es in der letzten Woche auch in der Führungsetage des HSV zu (eigentlich schon seit Jahren), es kam zum Großreinemachen, der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt mussten gehen, der neue Vorsitzende und neuerdings Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann räumt auf. Auch Trainer Bernd Hollerbach wird gehen müssen, Amateur-Coach Christian Titz soll übernehmen. Eine verständliche Reaktion, der Neuaufbau kann nur mit neuen Leuten gelingen. Das Handeln jetzt zeigt aber auch: Der HSV hat sich mit dem Abstieg abgefunden, die Planungen für die 2. Bundesliga laufen an, die Bundesliga-Uhr des Dinos läuft dagegen ab, wird bald gestoppt. Die HSV-Chaoten sollten das mitnehmen: Gestorben ist der Verein damit noch lange nicht, der Abstieg sollte nicht das Ende bedeuten, sondern den Anfang von besseren Zeiten.

Von wieder besseren Zeiten, von alten Zeiten an der Spitze Europas träumen sie auch bei Borussia Dortmund. Das 1:2 in der Europa League gegen den FC Salzburg war nicht nur eine Schmach für den Verein, sondern auch für die Bundesliga. Wiedergutmachung muss das Ziel beim Rückspiel am Donnerstag sein. Nur mit Glück und den eingewechselten Torjäger Batshuayi gelang gegen Eintracht Frankfurt die Wende. Da stritten beim 3:2-Sieg der Westfalen zwei Vereine um die Champions League und das Spiel zeigte nur eins: Beide haben sie eigentlich derzeit nicht verdient.

Es gab aber auch Erfreuliches. Zum Beispiel Comebacks. So vom FC Augsburg, der auf fast schon spektakuläre Weise seine Krise mit einem 3:1-Sieg in Hannover beendet hat. Dass ausgerechnet die Ex-Hamburger Gregoritsch und Kacar die Torschützen waren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Personalpolitik des vermutlichen Absteigers. Der FCA wiederum hat sich fast aller Sorgen entledigt, darf wieder nach oben statt nach unten blicken. Alles klappte plötzlich wieder und auch Philipp Max schaffte einen Assist und empfahl sich Bundestrainer Joachim Löw. Eine Art Comeback feierte beim FC Bayern München auch Flügelflitzer Franck Ribery. Der Franzose zeigte wie in alten Zeiten Tricks und schoss sensationelle Tore und empfahl sich für eine Vertragsverlängerung, auf die er nervös wartet. Das ihm nebenbei das 51.000 Tor der Bundesliga gelang, macht ihn glücklich: „Dann bin ich ja ein Teil der Geschichte.“

Bei den Bayern wartet man jetzt auf zwei Termine: Erstens: Wann ist die Meisterschaft endgültig unter Dach und Fach? Das könnte am Sonntag in Leipzig passieren, wenn die Bayern gewinnen und Schalke in Wolfsburg nicht 1:0 gewinnt bzw. überhaupt gewinnt. Dann würde Jupp Heynckes den Rekord von Pep Guardiola einstellen, der 2014 die Bayern ebenfalls am 27. Spieltag zum Titel führte. Thomas Müller betont aber schon: „Wir sind keine Meisterplaner“. Zweitens: Sind die Bayern Trainer-Planer? Jupp Heynckes heizte die Diskussion um seine Nachfolge noch einmal an, obwohl er eigentlich gar nichts sagen will und ihn angeblich das Thema zum Halse raus hängt. „Ich habe nie gesagt, dass ich am 30. Juni aufhöre“, ließ er verlauten und gab somit Rätsel auf. Bleibt er doch, obwohl er Thomas Tuchel als seinen Nachfolger empfohlen hat? Die Diskussion geht weiter, leider geht es wohl auch mit den Murks-Spielen weiter. Mit Kampf und Krampf bis zum Saisonende.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!

Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga

Eigentlich gab es ja einen Hoffnungsschimmer: Mit Ach und Krach überstanden Borussia Dortmund und RB Leipzig die Zwischenrunde der Europa League und sind im Achtelfinale noch dabei. Dortmund gegen RB Salzburg mit guten Chancen auf ein Weiterkommen, bei RB Leipzig gegen Zenit St. Petersburg muss man wohl ein Fragezeichen setzen. Aber zusammen mit den Bayern und dem 5:0 gegen Besiktas Istanbul haben die Bundesliga-Klubs ein paar Punkte in der UEFA-Rangliste aufgeholt. Es ist doch noch nicht alles verloren.

Doch das Geschehen national sagt etwas anderes: Die Fußball-Bundesliga verkommt zur Krisen-Liga. Das Niveau sinkt, die meisten Vereine suchen ihr Heil nur noch in einem defensiven Konzept, die Fans randalieren und wollen ihre Wünsche durchdrücken, egal, was auf dem Rasen passiert. Vor allem verzeihen die Chaos-Fans, vornehmlich die Ultras, nicht, wenn der Verein sportlich in Schwierigkeiten gerät. Abstiegskampf ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Der Verein hat, verdammt noch mal, erfolgreich zu sein. Wenn Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, dann randalieren sie auf der Tribüne, siehe Hamburger SV. Der einst stolze Weltklub versinkt im Chaos.

Aber manchmal hilft es nicht einmal, wenn im Verein erfolgreich gearbeitet wird. Martin Kind ist seit mehr als zwanzig Jahren Vorstand und Geldgeber bei Hannover 96. Er hat den Klub jahrelang in der Bundesliga gehalten, sogar in den Europacup geführt und den „Unfall“ Abstieg wieder repariert. Die Mannschaft behauptet sich als Neuling erfreulich gut im Mittelfeld, der Klassenerhalt ist nahe. Das muss ohne Anfeuerung von den Tribünen gehen, die Chaos-Fans boykottieren die Mannschaft und fordern „Kind muss weg“. Wie vage die Zukunft ohne Kind und seine Geldgeber aussehen würde, interessiert sie nicht. Sie haben ihr Feindbild, Verstand ist nicht gefragt. Kind steht bei ihnen auf der „Abschussliste“, weil er quasi über die 50+1-Relegung nach der absoluten Mach im Verein greift. Die Macht im Vereine wollen lieber die Chaos-Fans.

Schwache Leistungen auf dem Rasen, Trainerwechsel an der Tagesordnung, Chaos auf den Rängen – in der Bundesliga gab es schon bessere Zeiten. Da ist es gut, wenn ein Stern noch leuchtet, der FC Bayern München geht unbeirrt seinen Weg. Allerdings ist auch der Rekord-Meister nicht sorgenfrei. Die Zukunft erscheint ungewisser als gewünscht. Es gibt Probleme mit den Alten. Die Trainerfrage nach der Saison bleibt ungelöst, Nothelfer und Wunschkandidat Jupp Heynckes wehrt alle Fragen zu einem Weitermachen ab, der 72-jährige will nach dem Intermezzo wohl endgültig wieder zurück in den Ruhestand. Die Zukunft der Alten bei den Spielern ist ebenfalls noch ungelöst. Arjen Robben und Franck Ribery können sich eine Vertragsverlängerung gut vorstellen, allerdings können sie sich eine Altersteilzeit auf dem Rasen wohl weniger vorstellen, aber die ist unbedingt notwendig, um den jungen Nachfolgern Spielpraxis zu ermöglichen.

So sind die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge besonders gefordert. Notfalls müssen sie auch das Vakuum füllen, das Jupp Heynckes hinterlässt, wenn sein Nachfolger weniger menschelt und auf die Befindlichkeit seines Personals weniger eingeht. Heynckes versucht zu moderieren, erklärt und beschwichtigt. Vorgänger Carlo Ancelotti hat dies wohl weniger getan und die Mannschaft verloren. Da haben die Bosse nicht gehandelt, sie müssen dies notfalls in der Zukunft besser machen.

Bayern München ist also auch nicht ohne Probleme, doch mit einem riesigen Vorsprung vorne dran, das zeigt, dass dahinter eine zu große Lücke klafft. Die anderen Klubs müssen wieder mehr Mut zur Offensive haben. Wer am Wochenende zur Bundesliga geht, will gute Spiele sehen und nicht nur Kampf und Krampf. Einziges Trostpflaster: Spannung ist garantiert, vor allem der Abstiegskampf wird uns bis zum Schluss fesseln, zumindest der Kampf gegen die Relegation. Zwei wegweisende Duelle stehen wieder an: Der HSV (Platz 17 und17 Punkte) kämpft (tut er das wirklich?) gegen Tabellennachbar Mainz 05 (Platz 16/24 Punkte) wohl schon um seine letzte Chance. Für Schlusslicht Köln (nach dem überraschenden 2:1-Sieg in Leipzig wie der HSV 17 Punkte) geht die Aufholjagd gegen Stuttgart weiter. Der VfB könnte im Kurs nach oben gestoppt werden. Auch bei den Stuttgartern zeigt sich, wie die Fans daneben liegen können. Trainer Tayfun Korkut wurde frostig empfangen, jetzt müsste er nach zehn Punkten in vier Spielen ohne Niederlage umjubelt werden. Doch die Zurückhaltung haben noch nicht alle abgelegt.

Hinweis: Ab sofort gibt es in der Regel jeden Montag an dieser Stelle einen Bundesliga-Kommentar. Eine Olympia-Bilanz folgt noch in dieser Woche.