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Tag: Hasan Salihamidzic

Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe:Präsident Uli Hoeneß will alle seine Ämter beim Deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München im Herbst niederlegen. Natürlich war es eine Nachricht des Boulevards, Hoeneß selbst will sich am 29. August dem Aufsichtsrat erklären und schweigt dazu, ob die Meldung Tatsache ist oder nicht. Aber alle Informationen sprechen dafür. Damit ginge die erfolgreichste Ära der Bayern-Geschichte zu Ende. In den 40 Jahren in verantwortlicher Position machte Hoeneß aus einem gutsituierten Verein ein erfolgreiches Unternehmen. Die Lücke, die er hinterlässt, könnte nicht größer sein.

Allerdings ist der Hoeneß von heute nicht mehr der Hoeneß aus der Zeit der Aufreger, als er es sich mit allen, die seinen Gedanken nicht folgen wollten, entgegenstellte und manchen Krawall riskierte, wenn er seinen Verein oder seine Spieler angefeindet sah. Doch das Gespür für den richtigen Zeitpunkt der Schlagzeilen und ihre Wirkung ist ihm verloren gegangen. So im letzten Herbst bei der unsäglichen Pressekonferenz oder jetzt, als sein Rücktritt die Werbe-Tour der Bayern in den USA (Rummenigge: „Die beste USA-Tour aller Zeiten“) mit guten sportlichen Leistungen und Erfolgen gegen Real Madrid (3:1) und AC Mailand (1:0) in den Schatten stellte. Uli Hoeneß ist nach seinem Gefängnisaufenthalt nach verurteilter Steuerhinterziehung und nach Anfeindungen eines Fans bei der Hauptversammlung 2018 ein anderer geworden, nachdenklicher vor allem. Und das mag jetzt auch eine Rolle spielen, dass er sich sagt, nach 40 Jahren ist Schluss und seiner Familie, seiner Frau Susi, Tochter, Sohn und vier Enkeln den Vorzug und mehr Zeit gibt. Er will angeblich im Aufsichtsrat bleiben und ist damit für Ratschläge immer greifbar.

Uli Hoeneß polarisierte mit seiner polternden Art, er war umstritten, aber erfolgreich wie kein anderer Manager im deutschen Sport, aber er blieb auch immer ein Mensch. Er war für jeden aus dem Verein immer da, vor allem wenn es einem schlecht ging, er war dafür verantwortlich, dass von der sprichwörtlichen „Bayern-Familie“ die Rede war. Er war der Vater und mit Ausnahmen natürlich immer stolz auf „seine“ Familie, ohne die eigene private Familie dabei vergessen zu wollen. Hoeneß zeigte eine raue Schale mit weichem Kern.

Sein erfolgreiches Wirken machen die Rekordzahlen deutlich, da muss man sich fast schon die Augen reiben. Als Hoeneß am 1. Mai 1979 als Manager begann, nachdem ihn eine Verletzung zum Karriere-Ende als erfolgreicher Spieler zwang (er gewann alle Titel, u. a. Weltmeister 1974 und dreimal in Folge Sieger mit Bayern im Europacup der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League), da hatten die Bayern gerade mal 20 Angestellte und machten 20 Millionen Mark Umsatz. Heute sind es rund 1000 Mitarbeiter und 700 Millionen Euro Umsatz. Passend dazu gerade die aktuelle Liste des US-Magazin Forbes über die wertvollsten Vereine der Welt. Da belegen die Bayern in der Gesamtliste Rang 17 (vorherrschend die US-Klubs im Football, Baseball und Basketball) und im Fußball-Ranking weltweit Platz vier hinter Real Madrid (mit einem Wert von 4,2 Milliarden Euro geschätzt), FC Barcelona (4,0) und Manchester United (3,8). Bayern selbst soll 3,0 Milliarden Euro wert sein. Dazu die sportlichen Erfolge allein in diesen 40 Jahren Uli Hoeneß: 24 mal Deutscher Meister, 14 x Pokalsieger, 2 x Champions League (2001, 2013), UEFA-Pokalsieger (1996), Klub-Weltmeister (2013), Weltpokalsieger (2001), UEFA-Superpokalsieger (2013), 8 x Deutscher Supercupsieger und 6 x Ligapokalsieger.

Es könnte sein, dass Uli Hoeneß es geschafft hat, trotz seines schwarzen Flecks in seiner Karriere gerade rechtzeitig den Staffelstab zu übergeben. Die Zukunft wird es weisen, ob er es auch schafft, die richtigen Nachfolger auf den Weg zu bringen. Die Zeichen stehen zumindest für die Bayern auf Hoffnung, denn mit dem früheren Adidas-Chef Herbert Hainer (im Juli gerade 65 geworden) steht ein Mann vom Fach parat, den auch ein internationales Netzwerk auszeichnet und der als Aufsichtsrat eng mit Hoeneß zusammenarbeitete. Und er ist – welch ein Zufall – auch der Sohn eines Metzgers. Da muss es für die Bayern doch auch weiterhin um die Wurst gehen. Hainer soll Hoeneß als Präsident (Wahl im November) und als Vorsitzender des Aufsichtsrat beerben.

Die zweite Personalie wurde zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge bereits auf den Weg gebracht, denn der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn soll ab Januar als Rummenigge-Nachfolger aufgebaut werden. Damit hätten beide Bosse erreicht, dass auch in Zukunft Bayern von kompetenten Personen geführt wird, die mit dem Bayern-Gen versehen sind. Es wäre die größte Leistung der scheidenden Manager, wenn die erfolgreiche Bayern-Ära weiterhin Bestand hätte.

Mit der aktuellen Lage tun sie sich im Moment vielleicht sogar ein bisschen schwer. Es bleiben Zweifel, ob Hasan Salihamidzic der richtige Sportdirektor ist, den die Bayern brauchen, wenn man die gewisse Hilflosigkeit bei den aktuellen Transfers sieht. Es gibt viele Gerüchte, aber keine Vollzugsmeldungen. Scheitert der Transfer von Leroy Sane könnten die Bayern am Ende gar ohne die auch von Spielern geforderten Verstärkungen dastehen. Oder wollte Hoeneß vielleicht sogar von diesen Sorgen ablenken?

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Duell Dortmund – Bayern: Es geht um alles!

In der Fußball-Bundesliga sind erst zehn von 34 Spieltagen absolviert, doch das Gipfeltreffen Borussia Dortmund – Bayern München am Samstag (18.30 Uhr) hat bereits den Charakter eines Endspiels. Es geht um alles – vor allem natürlich für den FC Bayern, der als Titelverteidiger dem Rivalen aus dem Ruhrpott hinterher hechelt und am vergangenen Wochenende mit dem 1:1 gegen Freiburg nicht nur Boden verloren hat, sondern auch den Rückkehr der Krise verkraften muss. In Dortmund sieht es ganz anders aus, quasi das Gegenteil ist der Fall: In 15 Pflichtspielen ist die Borussia unter dem neuen Trainer Lucien Favre noch ungeschlagen, Höhenflug statt Krise also. Gewinnt Dortmund, kann es den Vorsprung auf sieben Punkte ausbauen!

Rückblende: In den letzten sieben Jahren waren die Bayern nach dem 10. Spieltag jeweils Tabellenführer! Schlechter sah es nur in der Saison 2010/11 aus, mit Platz 7 und 10 Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund. Trainer war damals Louis van Gaal. Am 11. Spieltag gab es ein 3:3 in Gladbach, mit dem Abrutschen auf Platz 9 und12 Punkte Rückstand auf Dortmund.

Früher hieß es bei dem Star-Ensemble der Münchner, diese Mannschaft könnte auch der Platzwart trainieren. Man sah zuletzt, dies gilt nicht mehr. Niko Kovac hat sein „Meisterstück“ mit dem Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt (gegen die Bayern!) gemacht und sich damit empfohlen. Mit der Ansammlung der Stars hat er aber offensichtlich seine Probleme. Verloren gegangen ist der spielerische Glanz, mit dem die Bayern einst unter Pep Guardiola beeindruckten, weggeblasen ist das Selbstbewusstsein, das „mia san mia“, das noch unter Jupp Heynckes zum Titelgewinn führte. Abgelöst wurde es von Unsicherheit und Unzufriedenheit, „Markenzeichen“ heute sind schlampige Pässe, Fehler in der Abwehr und mangelnde Chancenverwertung. Klingt eigentlich nach den Sorgen eines Absteigers.

Bezeichnend: Nationaltorhüter Manuel Neuer bekommt kaum einen Ball zu fassen, von den letzten zehn Schüssen waren acht im Netz. Torjäger Robert Lewandowski ging die Selbstverständlichkeit verloren, bei einer entscheidenden Szene vor dem Freiburger Tor musste er nachdenken, ob er den linken oder rechten Fuß nimmt – Chance vorbei. Wenn ein Torjäger nachdenkt, trifft er nicht. Die Versetzung von Joshua Kimmich als Thiago-Ersatz (im Pokalspiel verletzt) ins Mittelfeld erwies sich als Flop, Kimmich produzierte fast nur Fehlpässe, aber Kovac reagierte nicht. Ein Problem ist auch, dass Sportdirektor Hasan Salihamidzic keine Führungsstärke zeigt, um dem Trainer zur Seite zu stehen, die Spieler an die Kandare zu nehmen. Vier Heimspiele in Folge konnten die Bayern jetzt nicht gewinnen, wenn das keine Krise ist. Das lässt auch nichts Gutes erahnen für das Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen AEK Athen, obwohl die Bayern das Hinspiel mit 2:0 gewannen. Auswärts sind sie auch in der Bundesliga noch das stärkste Team. Ein Hoffnungsschimmer für Dortmund?

Eins ist sicher: In Dortmund geht es um alles. Es folgt die Länderspielpause und damit Zeit für die Verantwortlichen, sich nach einem Nachfolger für Niko Kovac umzusehen, der die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur bringt (Jupp Heynckes wird es wohl kaum sein!). Nur ein Sieg rettet wohl den Coach. Er muss seinem Team endlich seine Handschrift verpassen, er muss taktisch zeigen, dass er der Aufgabe gewachsen ist. Dortmund hat in dieser Woche auch die Leichtigkeit verloren, aber der Tabellenführer machte das, was bisher die Bayern auszeichnete und zum Erfolg führte: Schlechte Spiele dennoch gewinnen.

Von Siegen träumen auch andere Teams, am Tabellenende drohen die Schlusslichter Stuttgart und Düsseldorf (die kurioserweise beide 0:3 verloren und gleichauf blieben) und Hannover (mit sechs Punkten einen Zähler mehr) den Anschluss nach oben zu verlieren. Die Saison ist zwar noch lang, aber sie wird besonders schwer, wenn der Rückstand zu groß wird. Insofern stehen da auch zwei „Endspiele“ an, nämlich Nürnberg gegen Stuttgart und Hannover gegen Wolfsburg, Für Düsseldorf könnten die Punkte gegen Hertha BSC besonders hoch hängen.

Hirngespinst „Super League

Geht es auch für die Bundesliga um alles? In den letzten Tagen geisterte wieder einmal das Hirngespinst einer europäischen „Super League“ durch die Medien. Offensichtlich arbeitet vor allem Real Madrids Vereinsboss Perez an der Umsetzung einer alten Idee der Spitzenklubs, die immer wieder aufmucken, weil sie sich mit dem „Fußvolk“ der nicht ganz so großen Vereine nicht abgeben wollen. Doch der Drang nach der große Kasse wurde bisher immer von der Vernunft und der Realität gebremst und so wird es auch diesmal wieder sein. Allein die gesamte Organisation würde in Unordnung geraten, die Pläne-Schmieder konnten nicht beantworten, was zum Beispiel mit den Nationalspielern passiert, wenn sie die Verbände verlassen wollen. Eine eigene Luxus-Liga gerät schnell an ihre Grenzen.

Und so wird es auch für die Bundesliga nicht um alles gehen, auch wenn Beteuerungen aus Dortmund und München, die nationale Liga nicht verlassen zu wollen, keineswegs eine Garantie für die Zukunft sind. Die Super League könnte nur an die Stelle der Champions League treten, wäre aber auf Dauer selbst bei großer Gewinn-Marge am Ende sportlich und gesellschaftlich eher ein Verlustgeschäft.

Dem Fußball würde es mehr helfen, wenn sich auch die geldgierigen Vereinsbosse damit beschäftigen würden, Korruption und unlautere Geschäfte zu ahnden bzw. zu verbannen. Was rund um FIFA-Präsident Infantino erneut an die Öffentlichkeit kam, lässt nur einen Schluss zu: Beim Weltverband wurde unter dem neuen Präsidenten alles nur noch korrupter und schlechter. Eine Tatsache, die nach der Ära Josef Blatter eigentlich als undenkbar schien. Aber das wurde hier schon oft angeprangert.