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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Hertha BSC Berlin

Eine Bilanz: Der andere Fußball ohne Fans

Es ist vollbracht, die Fußball-Bundesliga hat ihren ersten Spieltag ohne Zuschauer gut über die Bühne gebracht. Jubel brach über die Geister-Spiele keiner aus, die Kritiker warnen natürlich (Das ist erst der Anfang) und bleiben skeptisch, das Ausland schaut mit Respekt nach Deutschland und auf dem Rasen selbst, na ja, da war der Fußball wie immer, nämlich logischerweise mal gut und mal schlecht, aber das Ambiente war ungewohnt und seltsam. Die Stille hatte ihr Gutes und ihr Schlechtes. Eine Bilanz über den anderen Fußball ohne Fans.

Zunächst ein Kompliment an die DFL und ihren Boss Christian Seifert, nur mit guter Arbeit und Besonnenheit wurde dieser Re-Start der Bundesliga möglich. Das Konzept wurde bis ins kleinste Detail erarbeitet, aber dort wo Menschen zugange sind, klappt natürlich nicht alles. Der eine oder andere Verein ist vielleicht nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit an die Sache rangegangen, es wurde deutlich, welche Klubs gut organisiert sind und welche nicht. So scheint Manager Michael Preetz den Laden bei Hertha BSC nicht im Griff zu haben. Zu viel Chaos gab es in den letzten Monaten (Stichwort Klinsmann), zu viele Peinlichkeiten in den letzten Tagen, angefangen mit dem unsäglichen und kindischen Video von Spieler Kalou. Auch jetzt ließen die Berliner die Ernsthaftigkeit vermissen, kein Team jubelte so ausgelassen und hautnah, alle Corona-Empfehlungen missachtend,wie die Herthaner. Da ist es auch das 3:0 gegen Hoffenheim keine Entschuldigung, weil bei der Hertha zuletzt Siege Mangelware waren. Also jubeln darf man schon, Bruno Labbadia feierte einen Einstand nach Maß und die Kirsche auf der Torte ist die Tatsache, dass die Hertha jetzt, am 26. Spieltag, wieder einen Punkt vor dem Lokalrivalen Union steht. Welche Fügung des Terminplans, dass am Freitag im (leeren) Olympiastadion das Berliner Derby steigt!

Auffallend war, dass die Mannschaften wohl einige Zeit brauchten, um sich an das komische Szenario ohne Fans zu gewöhnen. Die Spiele begannen zögerlich, wie „Alte Herren“, wie Thomas Müller treffend bemerkte. Das erste Geister-Tor fiel erst nach 29 Minuten, der Torschütze war – wenig verwunderlich – Dortmunds Norweger Erling Haaland. Das Derby gegen Schalke riss aber niemand aus dem Fernsehsessel, Dortmund trumpfte auf, Schalke 04 war schwach und machte seinem Vereinsnamen beim 0:4 wenig Ehre. Dortmund feierte seinen 800. Bundesliga-Sieg (nur die Bayern haben mehr, 1112!), Schalke hat jetzt eine Bilanz von acht Spielen ohne Sieg und rutschte aus den Europacup-Rängen. Am Sonntag (13.30 Uhr) kommt es zum Treffen zweier Sorgenkinder, Schalke erwartet mit dem FC Augsburg die schlechteste Mannschaft der Rückrunde (nur vier Punkte). Die Bayern glänzten auch nicht, doch sie fuhren ein souveränes 2:0 bei Union ein. Da war wohl der Eindruck eines Vorbereitungsspiels für den Tabellenführer zu stark. Wir wissen, die Bayern laufen dann zur Bestform auf, wenn es um etwas geht. Und so warten die Fans (im Wohnzimmer) auf den Schlager in Dortmund am Dienstag, 26. Mai (18.30 Uhr).

Apropos Fans, die blieben zu Hause oder versammelten sich (oft mit vorschriftsmäßigen Abstand – anders als die Hertha-Spieler!) in Kneipen und bescherten dem Pay-TV-Sender Sky einen Zuschauerrekord. Sky hat also beste Werbung für sich betrieben und richtig gehandelt, die Konferenz-Übertragung für alle zugänglich zu machen. Für viele Zuschauer an den Bildschirmen waren die Geister-Übertragungen sogar ein Gewinn, denn die Kommentatoren waren ohne Hintergrundgeräusche (oft das unsägliche Trommeln auf den Tribünen) gut zu verstehen und selbst Schiedsrichter Felix Brychs Erklärung über seine Hand-Entscheidung wurde als unfreiwilliger Service übertragen. Gewissermaßen erlebten die TV-Zuschauer Fußball pur. Ähnlich wie bei Skirennen, wo Jubel auch erst im Ziel aufbrandet. Ruhiger als sonst ging es auch auf dem Rasen zu, die Spieler agierten mit weniger Hektik und Reklamierten kaum, die aufgehetzte Stimmung auf den Tribünen ist ansonsten wohl Treibstoff für Proteste.

Aber wie gesagt, es war erst der erste von insgesamt neun Spieltagen (dazu Pokal) und gewonnen ist noch nichts. Die Mannschaften waren vorher in einer einwöchigen Quarantäne, jetzt dürfen alle wieder nach Hause, sollen aber bei ihren Familien bleiben, um Ansteckungen zu vermeiden. Doch können auch Familienangehörige das Virus einschleppen, zum Beispiel Kinder von der Schule mitbringen. Dies trifft zwar dann nur einige Spieler, die einzeln aus dem Verkehr gezogen werden, aber die Gefahr ist nicht gebannt. Und wie leichtsinnig selbst die Trainer mit den Bestimmungen umgehen, zeigte Augsburgs Coach Heiko Herrlich. Er sollte den FCA auf den Erfolgsweg bringen und war nicht bei der Mannschaft, die prompt verlor. Peinlicher kann ein Einstand nicht sein.

Ein vorzeitiger Abbruch der Saison ist also immer möglich und gilt als Horrorszenario. Deshalb hat die DFL dieses Thema – das ist der einzige große Fehler – wohl vor sich hingeschoben. Doch Entscheidungen müssen im Notfall getroffen werden. Ganz gefährlich sind Ideen, dass bei einem Saisonabbruch der Abstieg ausgesetzt werden muss und die Liga aufgestockt werden soll. Dieser Vorschlag wurde für alle Ligen gemacht, aber in der 3. Liga zeigt sich schon, dass sich manche Vereine gar nicht bemühen, die Saison fortzusetzen. Abstiegskandidaten könnten einen SaIson-Abbruch provozieren, um so die Klasse zu erhalten! Eine gerechte Lösung wird es nicht geben, aber es sollte immer der letzte Stand der Tabelle zählen, evtl. hochgerechnet auf alle Spiele. Jede Mannschaft hat bis dahin die Chance, sich entsprechend zu platzieren. Aufstockungen sorgen für Probleme in der nächsten Saison. Bei einigen fehlt halt der Weitblick und der Blick für das Ganze.

Die Bundesliga sucht nach dem richtigen Weg

Die ganze Welt stöhnt unter der Corona-Pandemie und überall gibt es nur eine Hoffnung: Wann geht dieses Chaos zu Ende, wann lässt der Peiniger wieder ein einigermaßen normales Leben zu. Fast die ganze Welt weiß allerdings auch, dass die Rückkehr zum früheren Alltag nicht so leicht ist und es noch dauern wird. So versuchen es viele Länder in der nächsten Zeit mit Lockerungen, die nur so weit gehen sollen, dass die Zahl der Viruserkrankungen nicht wieder steigt. Jeder sucht also nach dem richtigen Weg in eine normale Zukunft. Den sucht auch die Fußball-Bundesliga, die endlich wieder spielen will, damit einige Klubs nicht Insolvenz anmelden müssen, die endlich wieder spielen will, weil nur dann die Fernsehgelder fließen. Wie der Weg aussehen wird, darüber wird jetzt schon diskutiert, nur eines scheint klar zu sein: Es wird eine gewisse Zeit nur Geisterspiele ohne Publikum geben, vielleicht sogar bis in das nächste Jahr hinein.

Ob der richtige Weg je gefunden werden kann? Den suchen auch alle anderen Sportarten, wobei jede für sich vor besonderen Problemen steht. Nur eines steht fest: Das Publikum wird vorerst ausgeschlossen bleiben. Wer also profitiert von Sport ohne Zuschauer, aber mit Fernsehen? Wer kann Sport treiben ohne Nähe zum Gegner, ohne Kontakte. Das könnte Golf sein, wo auch Freizeitsportler in absehbarer Zeit vielleicht allein über den Platz gehen können, aber eben auch Profis. Das könnte Tennis sein, wo zumindest im Einzel der Sicherheitsabstand immer gewahrt bleiben kann, im Freizeit- und im Leistungssport.

Aber bleiben wir beim Fußball. In Deutschland wird die Regierung am Mittwoch über das weitere Verfahren in Sachen Corona entscheiden und mit ziemlicher Sicherheit gewisse Lockerungen vornehmen, doch wie weit gehen die. Davon hängt auch ab, wie schnell die Profifußballer der ersten bis zur dritten Liga wieder in die Stadien zurückkehren können. Die DFL tagt am Freitag und muss sich natürlich an den Vorgaben orientieren.

Dennoch werden jetzt schon Szenarien durchgespielt. So sollen Spieler, Betreuer und Schiedsrichter alle drei Tage getestet werden, angeblich wären die Kapazitäten dafür vorhanden, der Fußball also keine lebenswichtigen Tests blockieren würde. Die Zahl der Anwesenden in den Stadien soll stark begrenzt werden, von 600 auf etwa 300 mit wenigen Balljungen und Begleitpersonal. Dazu gibt es sogar die Idee, nicht in allen Stadien zu spielen, sondern zwei oder drei feste Spielorte zu installieren, um Reisen einzuschränken. Gespielt werden könnte zum Beispiel in Berlin, Dortmund und Frankfurt oder München. Aber soll die Bundesliga für mehrere Wochen in Quarantäne? Auf jeden Fall sollen die Reisen der Schiedsrichter beschränkt und die Regel gekippt werden, dass Schiedsrichter in ihrem Landesverband nicht pfeifen können. Die Referees sollen nicht übernachten und mit dem Auto anreisen. Den Gedanken wird freier Raum gelassen, nichts ist unmöglich. Es gibt nur ein Ziel: Endlich wieder spielen. Der richtige Weg dahin ist offen.

Viel mehr Probleme wird es auf der internationalen Bühne geben, weil zum Beispiel die Vereine der Champions League und der Europa League in ihren nationalen Ligen vor unterschiedlichen Aufgaben stehen, eine unterschiedliche Zahl von Spielen noch zu absolvieren ist, überall noch offen ist, ab wann überhaupt gespielt werden kann. So wird es mit Sicherheit ein unterschiedliches Ende der einzelnen Ligen geben. Manche erwarten sogar, dass die internationalen Wettbewerbe erst im Herbst weitergehen könnten. Doch auch das wirft wieder besondere Probleme auf: Wie sieht es dann mit Transfers aus, mit welche Mannschaften treten die Teams dann an? Eines zeichnet sich ab: Die Sommerpause könnte im Fußball wegfallen, auch wenn die Bundesliga ihre Saison unbedingt bis 30. Juni beenden will, um keine Probleme mit der Laufzeit von Verträgen zu bekommen. Doch damit sind nicht alle Ungereimtheiten beseitigt.

Corona bringt die Welt durcheinander und natürlich auch den Sport. Aber auch der Alltag muss weitergehen. So hat zum Beispiel der Bundesligist Hertha BSC gehandelt und mit Bruno Labbadia einen neuen Trainer verpflichtet. Der 54-Jährige gebürtige Darmstädter ist Rekordhalter was die Anzahl der Vereine angeht, als Spieler und Trainer macht er mit Berlin jetzt die zehn voll (bei acht Vereinen waren Jörg Berger, Friedhelm Funkel und Otto Rehhagel). Seine Stationen als Spieler waren HSV, Kaiserslautern, Bayern, Köln, Bremen und Bielefeld, als Trainer Leverkusen, HSV, Stuttgart, Wolfsburg und jetzt eben Hertha. Dort ist er der vierte Coach in einer Saison. Das er jetzt beginnt, ist allerdings nachvollziehbar. Manager Michael Preetz hat die Sorge, dass die Sommerpause als Neuanfang ausfällt, also wird der Neuanfang vorgezogen und Labbadia ist zunächst in der Rolle des Retters gefordert, die er eigentlich nicht mehr spielen will.

Der Alltag geht auch bei den Bayern weiter, wo vor allem die Verlängerung der Verträge ansteht. Nach Trainer Hansi Flick hat sich jetzt Vereinsikone Thomas Müller bis 2023 verpflichtet. Thiago soll als Nächster folgen, dagegen gibt es bei Torhüter Manuel Neuer wohl eine Hängepartie. Angeblich will er eine Verlängerung bis 2025, die Bayern aber wie bei den anderen nur bis 2023 und außerdem hat er wohl eine Gehaltsforderung von 20 Millionen Euro in den Raum gestellt, was die Bayern nicht zahlen wollen und was angesichts der derzeitigen Situation wohl auch unangemessen ist. Aber das ist ein anderes Thema, wie der Fußball in der Zukunft aussieht. Warten wir erst einmal ab, ob und ab wann überhaupt gespielt wird. Hoffen wir, dass die Bundesliga den richtigen Weg findet.

Jürgen Klinsmanns Abschied als Trainer

Jürgen Klinsmann, der Bäckersohn aus Stuttgart, hat als Fußballer eigentlich schon immer polarisiert, aber er war erfolgreich. Seine Karriere krönte er als Weltmeister 1990 und Europameister 1996, er war Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und wurde auch zum Ehrenspielführer ernannt. Seine Markenzeichen waren die Tore, die Unruhe, die er auf dem Feld verbreitete, sein immerwährendes Lächeln, aber er war auch immer ein bisschen geheimnisvoll. Keiner blickte so richtig hinter seine Kulisse. Als Trainer konnte er diese Erfolge nicht wiederholen. Es war eine Überraschung, als er die deutsche Nationalmannschaft 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land betreute und er sorgte für Aufregung, weil er viel im Team umkrempelte. Er brachte immerhin Schwung in den Laden und so verpflichtete ihn auch Bayern München, wo er von 2008 bis 2009 eher verbrannte Erde hinterließ. Da kamen die ersten Zweifel an seinem Können als Trainer auf, als einige Spieler im Nachhinein moserten: „Man wusste oft nicht, was er wollte.“ Kritiker warfen ihm vor, dass er „von Taktik keine Ahnung habe.“ Dennoch war er anschließend von 2011 bis 2016 noch Nationaltrainer der USA, mit mäßigem Erfolg.

Jetzt dürfte die Trainer-Karriere zu Ende sein. Mit seinem dubiosen Abschied von Hertha BSC Berlin und dem anschließenden Rundumschlag gegen den Verein und seine Protagonisten hat er sich endgültig in der Fußball-Welt unmöglich gemacht. Es ist auch sein Abschied als Trainer. Wer verpflichtet einen Mann, von dem er nicht weiß, wie er sich innerhalb des Vereins dann wirklich verhält. Der vor allem seine eigene Eitelkeit als Maßstab hat. Als er von Sponsor Lars Windhorst den Sitz im Aufsichtsrat von Hertha erhielt, da schielte Klinsmann insgeheim wohl schon auf andere Möglichkeiten im Verein. Es kam nicht von ungefähr, dass er als Nothelfer für den geschassten Trainer Ante Covic einsprang, er hatte im Visier, die gesamte sportliche Macht im Verein an sich zu reißen. Kein Wunder also, dass er schnell forderte, im sportlichen Bereich das alleinige Sagen zu haben, er wollte Manager Michael Preetz abservieren. Dass er im Nachgang gegen Preetz wetterte, die Kaderplanung als katastrophal bezeichnete und von einer Lügenkultur bei Hertha sprach ist ein Rundumschlag als Ausdruck der Enttäuschung. Wer so nachtritt, offenbart aber auch eine schlechte Kinderstube.

Nur 76 Tage hat es der 55-Jährige bei Hertha ausgehalten, er haute auf die Pauke und wollte den Erfolg nach Berlin bringen, die biedere Dame Hertha zu einem glamourösen Weltstadtklub machen, hatte die Champions League im Visier. Doch hinter den Sprüchen steckte kein Können, viel Staub wirbelte Jürgen Klinsmann auf, doch er hinterließ eher verbrannte Erde. Er entfachte ein Feuer, aber auf falscher Ebene. Mit seinen Anschuldigungen, die an die Öffentlichkeit kamen, hat er den Verein in Not noch mehr gebeutelt. Klinsmann moserte, dass Hertha Richtung 2. Liga gegangen wäre, wenn er nicht gekommen wäre. Jetzt hat den Verein vielleicht endgültig in den Abgrund gerissen. Bei all seinen Handlungen und Gehabe bleibt nur ein Urteil: Jürgen Klinsmann ist einfach schlecht beraten. Er sollte lieber seinen Ruhestand in Kalifornien genießen und die Fußball-Welt in Ruhe lassen.

Eines hat Jürgen Klinsmann überdeutlich gemacht, aber es wurde auch vorher schon klar: Bei Hertha BSC wird bei weitem nicht so gut gearbeitet, wie es unter den Bedingungen in Berlin möglich wäre. Manager Michael Preetz hat für sich offensichtlich eine Machtstruktur im Verein aufgebaut, die seine Arbeit nicht in Frage stellen. Aber mehr wäre möglich! Die über 200 Millionen Euro, die jetzt Lars Windhorst in den Verein gesteckt hat, müssen ziemlich schnell Rendite abwerfen, heißt, sportlichen Erfolg. Fürs erste ist dies der Klassenerhalt, danach sollte es nach oben gehen. Dazu braucht man keine Sprüche von Jürgen Klinsmann, aber gute Arbeit von Michael Preetz. Ansonsten droht ihm dennoch der Abgang. Nicht als Opfer von Klinsmann, sondern dann liefert er den Beweis, dass er Hertha nicht zum Erfolg führen kann.

Die Bundesliga ist die Nummer 1 in Europa

Dieses war der erste Streich, ob der zweite folgt sogleich? Frei nach Wilhelm Busch ein Blick auf die Wettbewerbe im europäischen Fußball bei dem die Klubs der Bundesliga in der ersten Woche der K.o.-Runden so gut abgeschnitten haben wie seit 27 Jahren nicht mehr. 1993 war es nämlich, als es zuletzt fünf Siege gab, Siege aller Teams im Einsatz, diesmal Dortmund, Leipzig, Frankfurt, Leverkusen und Wolfsburg. Damit war die Bundesliga die Nummer 1 in Europa!

Und der zweite Streich? Der wird schon wesentlich schwieriger, so müssen die erfolgreichen Teams in der Europa League in dieser Woche auswärts antreten. In der Champions League ist allein der FC Bayern vertreten, wobei das Gastspiel der Münchner bei Chelsea London eine besondere Brisanz bzw. Vergangenheit hat. Fünf Siege sind bei vier Spielen nicht möglich, aber eine Erfolgsbilanz am Ende der Woche wäre dennoch schön. Allerdings hat in der Europa League nur Frankfurt in Salzburg ein Polster durch das 4:1, Leverkusen in Porto und Wolfsburg in Malmö werden nach den jeweils knappen 2:1 in den Hinspielen Bestleistungen abrufen müssen.

Eine Bestleistung wird auch vom Deutschen Meister erwartet. Ziel der Bayern ist wenigstens das Halbfinale, da will man nicht gleich wieder im Achtelfinale scheitern, wie im Vorjahr gegen den FC Liverpool. Die Voraussetzungen sind diesmal auch andere. Die Bayern stehen zum zwölften Mal in Folge im Achtelfinale und blieben in den Gruppenspielen nicht nur ungeschlagen, sondern stellten mit 18 Punkten und einer Tordifferenz von plus 19 einen neuen CL-Rekord auf. Da liest sich die Bilanz von Chelsea anders, die Londoner schieden zuletzt dreimal hintereinander jeweils im Achtelfinale aus. Bei den Bayern soll es nur ein Ausrutscher gewesen sein, ein Ausscheiden im Achtelfinale gab es vorher nur 2010/11.

Aber Bayern und Chelsea, da war doch was? Die Erinnerung geht natürlich zum „Finale Dahoam“ 2012, als die Bayern in der Allianz Arena den Henkelpott fast schon in den Händen hielten, Drogba noch der Ausgleich zum 1.1 für Chelsea gelang und die Bayern anschließend das Elfmeterschießen unglücklich verloren. Diese schmerzhafte Niederlage war angeblich dann der Treibstoff zum Gewinn der Champions League ein Jahr später. Die Erinnerung an die Niederlage soll jetzt der Treibstoff sein, dass es nicht erneut schlechte Erinnerungen an Chelsea gibt, so wie beim letzten Aufeinandertreffen in der Saison 2004/05, als die Bayern in London 2:4 unterlagen und ein 3:2 im Rückspiel nicht zum Weiterkommen reichte.

Die Voraussetzungen sind heute andere. Hier die Bayern mit breiter Brust nach einer Siegesserie in der Bundesliga und im Pokal unter Trainer Hansi Flick, dort Chelsea, gebeutelt von Verletzungsproblemen und nur mit vier Siegen in den letzten zwölf Spielen der Premier League. Aber die Mannen von Chelsea-Idol Frank Lampard (2012 in München dabei) halten dennoch Platz vier in der Liga und bauen vor allem auf das deutsche Abwehr-As Antonio Rüdiger. Die Generalprobe gegen Tottenham gelang mit einem 2:1-Sieg. Die Bayern waren beim 3:2 gegen Paderborn eher außer Rand und Band. Lampards Gegenspieler Hansi Flick muss aber gegen Chelsea seine Meisterprüfung absolvieren, seine Zukunft bei den Bayern hängt auch (vielleicht sogar hauptsächlich) vom Abschneiden in der Champions League ab. Zwei gute Omen hat er: Das 7:2 der Bayern gegen Tottenham beim letzten Auftritt in London (noch unter Niko Kovac) und das ausgerechnet der damalige Schiedsrichter Turpin aus Frankreich jetzt wieder Spielleiter ist.

Alle Fünfe für Schalke und Hertha

Die Bundesliga ist das Tagesgeschäft und das haben die Vertreter auf Europas Bühnen allesamt gut bewältigt. Katzenjammer dagegen bei anderen Klubs, so galt für Schalke und Hertha in ihren Heimspielen „alle Fünfe“, sie kassierten gegen Leipzig bzw. Köln je eine 0:5-Niederlage. Bei Schalke war der künftige Bayern-Torhüter Alexander Nübel der tragische Held, der offensichtlich nervlich dem bevorstehendem Wechsel und der Skepsis auf Schalke nicht gewachsen ist. Hertha ist nach dem Klinsmann-Abgang durcheinander und darf gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf so nicht untergehen. Das könnte noch bittere Folgen haben, das nächste wichtige Duell mit einem Team vom Rhein steht bevor, am Freitag in Düsseldorf. Die Fortuna zeigte sich beim 2:0 in Freiburg von ihrer besten Seite und tönt vor den folgenden Vergleichen mit Konkurrenten im Abstiegskampf „dieses war der erste Streich“. Heißt: Der zweite gegen die Hertha folgt zugleich und dann geht es weiter in Mainz. Auf einen Sieges-Streich wartet Werder Bremen sehnsüchtig, gegen Frankfurt sollte er am Sonntag gelingen, sonst könnte es doch das Aus von Trainer Kohfeldt bedeuten.

Keine Blöße gab sich das Spitzentrio, dahinter haderte Gladbach mit einem 1:1 gegen Hoffenheim, das von unschönen Begleiterscheinungen hirnloser Fans begleitet war und sogar ein Spielabbruch wegen beleidigender Banner drohte. Leverkusen konnte aufschließen (2:0 gegen ein schwaches Augsburg), während Schalke, jetzt fünf Spiele ohne Sieg, den Anschluss verloren hat und gegen Wolfsburg und Hoffenheim Platz sechs für Europa verteidigen muss. Dort will die Bundesliga in der UEFA-Rangliste Platz drei auf Dauer verteidigen, was gelingen wird, wenn man öfters mal eine Europa-Woche als Nummer 1 abschließt.

Lesen Sie auch die nachfolgende Kolumne mit einem Thema, das alle Fußball- und Sportfans beschäftigen sollte: „Her mit Respekt, weg mit Rassismus“.

Das Problem der Spieler: „Ich bin kein Mann für die Bank“

Eigentlich herrscht im Fußball Winterpause bzw. Weihnachtsruhe. Doch die Ruhe gibt es nur vordergründig bzw. auf dem grünen Rasen. Spieler und Trainer sind im Urlaub, doch hinter den Kulissen wird hart gearbeitet, schließlich gilt es die Pause zu nutzen, um einerseits die Mannschaft zu verstärken, wenn es nicht so geklappt hat wie gewollt, andererseits gilt es Spieler zu verkaufen, wenn sie sich nicht so präsentiert haben wie erhofft. Aber da sind wir schon bei einem Problem des Fußballs: Spieler und Trainer haben oft unterschiedliche Vorstellungen und wer nicht zum Einsatz kommt, der meutert manchmal schnell und klagt sogar in der Öffentlichkeit: „Ich bin kein Mann für die Bank“.

Wie sich Spieler im Extremfall zu einem anderen Verein streiken können, dies musste in den letzten Monaten vor allem der FC Augsburg erleben, der sich von Akteuren im Unfrieden trennte. Prominentester Fall war Martin Hinteregger, der erst den Trainer kritisierte, dann als Leihspieler in Frankfurt sein Glück fand und als er nach Augsburg zurückkehren musste, da zeigte er in seinem Benehmen (einschließlich Sauftour) deutlich, „hier will ich nicht mehr sein“. Der FCA und sein Manager Stefan Reuter gaben nach, Hinteregger ist jetzt bei der Eintracht wieder glücklich.

Doch damit hatten die Augsburger noch nicht alle Probleme gelöst. Als der Holländer Gouweleeuw nach einer Verletzungspause zurückkehrte, fand er sich auf der Bank wieder, weil die Abwehr beim FCA plötzlich funktionierte und Trainer Martin Schmidt keinen Grund sah, zu wechseln. Prompt liebäugelte der Holländer öffentlich mit einem Wechsel und machte deutlich, „ich bin kein Mann für die Bank“. Da fand er sich in Gesellschaft von Vereinskamerad Michael Gregoritsch, der ebenfalls nach Einsatzzeiten lechzte, weil er seinen Platz in der Nationalmannschaft Österreichs in Gefahr sah. Seine Botschaft war deutlich: „Ich will weg, ich muss spielen.“ Die Probleme wurden gelöst: Gouweleeuw ist wieder Stammspieler, Gregoritsch wurde zu Schalke ausgeliehen. Ob er dort spielt?

Der RB Leipzig absolviert bisher seine erfolgreichste Saison in der Bundesliga und ging als Halbzeitmeister in die Winterpause. Dennoch war Trainer Julian Nagelsmann nicht immer glücklich, so klagte er nach einem Testspiel über die Ersatz- und Einwechselspieler, die seiner Meinung nach nicht den nötigen Ehrgeiz zeigten. „Der eine oder andere wirkte etwas beleidigt,“ staunte er und berichtete, dass er zuletzt mehrmals Besuch in seinem Büro hatte, „weil die Spieler ihren Unmut über zu wenig Einsatzzeiten loswerden wollten“. Seltsam eigentlich, denn die Profis müssen doch wissen, dass aus einem Kader von etwa 25 Mann pro Spiel nur höchstens 14 zum Einsatz kommen können. Aber jeder hält sich für den Größten, Teilzeitarbeit ist verpönt. Manchmal fehlt allerdings auch der Ehrgeiz im Training, aber professionell wollen sie alle sein – und wenn es nur beim Kassieren ist!

Deshalb ist jetzt hinter den Kulissen wieder viel los und über Spielerwechsel kann trefflich spekuliert werden. Das Problem, am Ende doch wieder nur auf der Bank zu sitzen, wird manchmal nur von Verein zu Verein verlagert. Typisches Beispiel: Dortmund meldete den Coup mit Norwegens Talent Erling Haaland. Der 19-Jährige Torjäger, der bei RB Salzburg unter anderem in der Champions League für Furore sorgte, war bei allen großen Vereinen im Gespräch, landete aber jetzt bei der Borussia, die bekanntlich einen Mittelstürmer suchte, weil Torjäger Alcacer oft verletzt ist und selten richtig in Form kommt. Vertreten wurde er entweder von Marco Reus, der lieber in der zweiten Reihe agiert, oder sogar von Mario Götze, eher ein Einfädler, meist aber auf der Bank. Eigentlich ist auch der Schütze des Siegtreffers zu Deutschlands WM-Titel 2014 kein Mann für die Bank und deshalb wird fleißig über einen Wechsel spekuliert. Besonders im Gespräch ist dabei Hertha BSC Berlin, denn dort hat der neue Trainer Jürgen Klinsmann forsch mitgeteilt, dass man sich verstärken werde. Fündig wird er wohl auf den Ersatzbänken der Konkurrenz, denn dort sitzen viele, die meinen, sie seien doch kein Mann für die Bank. Möglich, dass aber auch Klinsmann später feststellt, dass die Bank der Platz für den Neuzugang ist, wenn sich der Erfolg dann doch nicht einstellt. Der Fußball ist halt manchmal sein seltsames Spiel.

Der Schmach folgt die Hoffnung

Als die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nach der Gruppenphase vorzeitig abreisen musste, da zürnte Deutschland und das Image des DFB-Teams lag am Boden. In jedem anderen Land wäre als Erstes der Trainer geschasst worden, nicht so in Deutschland, Bundestrainer Joachim Löw zehrte noch vom Titelgewinn 2014. Wer Weltmeister wurde, der hat einen Sympathiebonus und einen besonderen Stellenwert. Mehr Entgegenkommen darf er allerdings nicht erwarten, doch die Schonfrist hat er genutzt. Zwar verlief die Neuorientierung im Spielerkader ziemlich holprig und nicht immer logisch, aber am Ende zählen die Ergebnisse und die Aussichten. Löw kann eine ruhige Winterpause genießen, der Schmach folgte nämlich die Hoffung.

Doch stopp: Zu den Titelanwärtern zählt Deutschland bei der Europameisterschaft 2020 noch nicht. Alle Erwartungen diesbezüglich werden von Trainer, Spielern und Funktionären einhellig gedämpft. Die junge Mannschaft ist noch nicht gefestigt genug, zeigte Schwächen in der Abwehr und Ergebnisse können auch trügen. Ein 4:0 und 6:1 hörte sich gut an, doch die Gegner waren eben Weißrussland und Nordirland, nicht Frankreich oder Spanien. Genau die werden aber von Löw und Co. zusammen mit England und Italien auf das Favoritenschild gehoben. Ein Hintertürchen der Hoffnung bleibt aber offen: Die positive Entwicklung der Mannschaft könnte ja schneller als gedacht vor sich gehen. Allerdings bleiben vor dem Turnier im Juni nur zwei Länderspiele (Spanien steht als Gegner im März fest) als Vorbereitung. Immerhin, Sportdirektor Oliver Bierhoff schürt Optimismus: „Da wächst eine Mannschaft heran.“

Jogi Löw hat in der heißen Umbruchphase bekanntlich mit der Absage an die Weltmeister Hummels, Müller und Boateng Staub aufgewirbelt und möglicherweise zu früh gehandelt. Es zeigte sich nämlich, dass die jungen Talente schon Halt durch erfahrene Spieler benötigen würden, siehe das Abwehrdilemma, das auch durch zahlreiche Verletzungen zustande kam. Hummels auszubooten und dafür mit dem Mittelfeldstrategen Emre Can in der Abwehr zu spielen ist einfach nicht logisch. Bezeichnend, dass gerade die Weltmeister Manuel Neuer und Toni Kroos sich zuletzt als Stützen des Teams bewährten. Vor allem in der Abwehr muss Löw Lösungen finden, zumal, wenn der als Chef eingeplante Süle ausfällt. Ginter und Rüdiger könnten das Abwehrpaar bilden, Can und Tah zeigten zu viele Schwächen, Stark und Koch waren wohl eher Experimente. Da steht eher Toni Kehrer parat.

Eine ganze Reihe von Spielern dürften ihre EM-Fahrtkarte sicher haben, manche, obwohl sie – wie viele andere früher auch – ihre Leistungen aus dem Verein im DFB-Team nicht wiederholen können. Marco Reus ist so ein Kandidat, Julian Brandt scheint ein aktueller Fall zu sein. Das Gegenteil ist Torjäger Serge Gnabry, der für Deutschland noch besser trifft als für die Bayern. Er ist zweifellos der Aufsteiger der Saison.

Diese Spieler halten wohl die EM-Fahrtkarte in der Hand: Neuer, ter Stegen, Klostermann, Halstenberg, Ginter, Rüdiger, Kimmich, Kroos, Goretzka, Gündogan, Havertz, Gnabry, Reus, Sane, Werner, Brandt.

Diese Spieler kämpfen um die restlichen sieben Plätze im 23er-Kader: Leno, Trapp, Schulz, Hector, Süle (wenn fit dabei), Tah, Kehrer, Stark, Koch, Hector, Can, Draxler, Rudy, Waldschmidt, Amiri, Demirbay.

Ein Vorteil ist sicherlich, dass die deutsche Mannschaft in der Vorrunde in München Heimrecht genießt. Sollte sich Ungarn qualifizieren, steht ein Gegner fest. Die Gruppen-Auslosung für die EM ist allerdings eine Farce, sie ist so kompliziert, dass sie wohl nicht einmal die Funktionäre selbst verstehen. Am 30. November gibt es quasi eine vorläufige Auslosung, nach den Play offs der Nations League folgt die endgültige Verteilung der Plätze. Ein Procedere, das sich nicht wiederholen sollte. Was die erste Auslosung angeht, so befindet sich Deutschland in Topf 1 und wird nicht auf Belgien, England, Italien, Spanien und die Ukraine treffen, aus Topf 2 kommen aber die möglichen Gegner Frankreich, Polen, Schweiz oder Kroatien, aus Topf 3 Portugal, Türkei, Österreich oder Schweden. Das kann also eine ganz schwere Aufgabe werden. Doch es gibt ja Hoffnung.

Endspurt in der Bundesliga

Zunächst steht aber wieder die Bundesliga im Mittelpunkt, die zum Endspurt der Vorrunde startet. Schlagzeilen machten vor allem spektakuläre Trainerwechsel. Achim Beierlorzer musste in Köln gehen, soll aber jetzt Mainz retten. Was auf den ersten Blick unlogisch klingt, könnte Sinn machen, denn Beierlorzer passt vielleicht besser zu Mainz. Er wird nicht im Sinn gehabt haben: Hauptsache ein Karnevalsverein. Sein Nachfolger in Köln heißt Markus Gisdol, der natürlich vom Verein gepriesen wird, aber ob er im hektischen Umfeld in Köln bestehen kann, muss sich zeigen. An seiner Seite als Sportdirektor als Nachfolger von Armin Veh steht jetzt Horst Heldt. Er hat eine Kölner Vergangenheit, seine bisher Arbeit als Sportdirektor u. a. in Stuttgart und auf Schalke hatte aber Höhen und Tiefen zu verzeichnen. Da gilt halt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Beide Vereine stehen tief im Abstiegskampf, die ersten Aufgaben werden für beide Trainer schwer, Köln muss nach Leipzig, Mainz ist bei Hoffenheim zu Gast. Das Schlagerspiel im Abstiegskampf heißt wohl FCA – Hertha, der Sieger bekommt Auftrieb, beim Verlierer brennt es. Vor allem die Berliner haben sich die Saison mit Investor Windhorst und seinem Geld ganz anders vorgestellt.

An der Spitze wird mit Argusaugen der weitere Werdegang des Überraschungs-Spitzenreiters verfolgt. Kann sich Gladbach der Verfolger erwehren? Selbst Neuling Union Berlin kann eine Prüfung sein. Unter besonderer Beobachtung aber auch die Konkurrenz: Bleibt Bayern (in Düsseldorf) mit Interimstrainer Hansi Flick im Aufwind? Hat sich Dortmund (gegen Paderborn) gefangen oder wackelt Lucien Favre wieder? Wer bleibt aus dem Kreis Freiburg, Hoffenheim, Leverkusen, Hoffenheim und Schalke in der Verfolgerrolle? Die Bundesliga lebt von den Fragezeichen.

Einige Vereine müssen allerdings auch damit leben, dass sich Stammspieler bei den Einsätzen für die Nationalmannschaft verletzt haben. Ein ständiges Ärgernis, zumal die internationalen Aufgaben immer mehr werden sollen. Besonders schwer hat es den Freiburger Waldschmidt erwischt, der ebenso mindestens bis zum Jahresende ausfallen wird wie FInnbogason beim FCA. Auffallend, dass der Isländer dem Verein oft verletzt fehlt und gerade wieder zu den Länderspielen fit wird. Das ist für den Verein eine ärgerliche Diskrepanz. Die Bayern hoffen, dass Coman, der vom Nationalteam Frankreichs vorzeitig zurück reiste, bald wieder einsatzfähig ist. Schließlich warten bis zur Weihnachtspause fünf Wochen mit wichtigen Spielen am laufenden Band.

Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben!

Was haben die nationalen Pokal-Wettbewerbe und die Champions League gemeinsam? Die kleinen Vereine freuen sich, wenn einer der „Großen“ mal bei ihnen vorbei schaut. Sie feiern dann ein Fest, über das noch viele Jahre geredet wird und an das sich Generationen manchmal noch erinnern. Geht es nach den großen, geldgierigen Vereinen, dann wird es diese Feste nicht mehr geben. Sie wollen die kleinen Vereine möglichst kurz halten, unter sich bleiben und vor allem (gesichert) immer ein großes Stück vom (Geld)Kuchen abbekommen. Diesem Ansinnen muss Einhalt geboten werden: Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben! (Siehe auch „Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?“ vom 7. September)

In dieser Woche beginnen Champions League (CL) und Europa League (EL) noch nach altem Modus, Freilich, was sind eigentlich kleine Vereine? Wohl die, die sich erst durch die Qualifikation quälen müssen. Nennen wir sie lieber Außenseiter, die dann die Gruppenphase schaffen. Das sind zum Beispiel Club Brügge in Gruppe A mit Paris und Real, Roter Stern Belgrad mit Bayern und Tottenham in der Gruppe B, Dinamo Zagreb mit Manchester City in der Gruppe C oder Slavia Prag mit Dortmund und Barcelona in der Gruppe F. Dazu feiert Atalanta Bergamo seine CL-Premiere und der RB Salzburg ist mit der Gruppenphase am Ziel seiner Wünsche.

Für die deutschen Fernsehschauer bleibt eines gleich, sie sehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – nichts! Nur die Europa League wird es im Free-TV geben (RTL bzw. Nitro) oder das CL-Finale bei deutscher Beteiligung. Ansonsten besitzen der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Rechte. Geldgier ist Schuld, aber die Klub-Bosse haben bereits gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Begeisterung an der CL sinkt, Spiele im Free-TV steigern das Interesse in der Öffentlichkeit. Mit den neuen TV-Verträgen ab 2021 wird es wohl ein Umdenken geben.

Für die Fans der beteiligten Vereine sind Europa-Tage meist Feiertage, die Fans von Eintracht Frankfurt machen es vor. In München ist dies nicht so krass, dort hat der Gewöhnungseffekt schon eingesetzt. Da sorgen nur Negativereignisse für Turbulenzen, so wie im Vorjahr das Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool. Da war es auch kein Trost mehr, dass die Klopp-Jungs schließlich den Pokal in die Höhe stemmten. Diesmal soll es mehr sein, gegen Belgrad, Piräus und Tottenham sollten die Bayern ins Achtelfinale wieder einziehen.

Überwintern wollen auch die anderen deutschen Klubs, wobei Borussia Dortmund gleich am Dienstag mit dem Knüller gegen den FC Barcelona (wohl ohne Messi) starten darf (muss). Inter Mailand ist ein weiteres Schwergewicht in der Gruppe, Außenseiter bleibt Slavia Prag. Leicht wird es für die Borussen nicht, ist aber machbar. Bayer Leverkusen wurden nicht nur in der Bundesliga in Dortmund in Grenzen aufgezeigt, dass könnten Atletico Madrid und Juventus Turin auch in der CL tun, aber erst kommt mal Außenseiter Lokomotive Moskau. RB Leipzig tummelt sich in einer ausgeglichenen Gruppe, Benfica Lissabon, Olympique Lyon und Zenit St. Petersburg sind die Gegner. Einen Favoriten gibt es nicht, ein Ausscheiden wäre für die Nagelsmann-Schützlinge aber eine Enttäuschung.

Enttäuschungen müssen fast alle Vereine im Laufe der Runde hinnehmen, am Ende feiert ja nur einer. Im Vorjahr dominierten die englischen Vereine, das Finale Liverpool – Tottenham (2:0) hätte keiner erwartet, gerade der FC Barcelona erlebte im Halbfinale nach einem 3:0 mit einem 0:4 im Rückspiel gegen die „Reds“ eine besondere Enttäuschung. Jetzt will nicht nur Barcelona neu angreifen, sondern auch Real Madrid, Juventus Turin (mit Ronaldo) und Paris St. Germain (endlich mal international erfolgreich sein). Dazu möchte Pep Guardiola Manchester City auch zu einem internationalen Titel führen und die Bayern träumen in jedem Jahr, dass sie doch eigentlich die Champions League gewinnen könnten. Die CL wird uns Spaß machen, vielleicht aber erst richtig im nächsten Jahr, wenn die K.o.-Runde beginnt.

Die Europa League ist die zweite Liga, die Klubs bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Und dennoch ist die EL für die Vereine attraktiv. An prominenten Namen fehlt es ja nicht, siehe Arsenal London, Manchester United, FC Sevilla, Lazio Rom, AS Rom und FC Porto. Die Bundesliga-Klubs sollten mit Ehrgeiz bei der Sache sein und mit dem Willen, auf den Spuren von Eintracht Frankfurt zu wandeln, sowohl was den sportlichen Erfolg (im Vorjahr Halbfinale gegen Chelsea London) als auch die Begeisterung angeht. Die Eintracht startet mit dem Knüller gegen Arsenal London und hat Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes (Portugal) als Gegner. Borussia Mönchengladbach muss sich gegen den Wolfsberger AC, AS Rom und Basaksehir Istanbul beweisen, was nicht leicht wird. Der VfL Wolfsburg hat PFK Oleksandrija (Ukraine), KAA Gent und AS Saint-Etienne als Gegner.

Horror-Wochenende der Bayern

Bei den Vereinen heißt es immer, Europa ist eine Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Aber auch die Pflicht kann interessant sein. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt mit den Duellen der Spitzenteams. Dortmund überzeugte mit dem 4:0 gegen Leverkusen, feierte quasi ein Comeback, der RB Leipzig rettete die Tabellenführung mit einem 1:1 gegen die Bayern, die das Unentschieden als Niederlage wahrnehmen mussten, nachdem sie die ersten 45 Minuten „die beste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“ (Niko Kovac) gespielt haben. Es stand wohlgemerkt 1:1. Und vor den Bayern steht jetzt in der Tabelle sogar der SC Freiburg mit einem Zähler mehr punktgleich mit Dortmund. Da kann man sich vorstellen, wie sich die Bayern fühlen. Die mussten sowieso ein Horror-Wochenende hinnehmen, denn von den U19 bis zu den Profis gewann keine Mannschaft. Die Bayern II gab in der 3. Liga beim 2:2 in Großaspach ein 2:0 aus der Hand, die U19 verlor in Heidenheim 1:3 und die Frauen erlebten als großer Favorit gegen Leverkusen mit 1:2 eine totale Pleite (im Vorjahr noch 8:0 und 10:1)!

Von Horror ist auch in Berlin die Rede, die Hertha nämlich als Schlusslicht. Mit neuem Geldgeber und neuem Trainer sollte alles besser werden, doch bisher klappt nichts. Manager Michael Preetz will noch ruhig bleiben, doch für Dardai-Nachfolger Ante Covic und sein Team müssen Siege her. Die nächsten Gelegenheiten gibt es bis zur nächsten Länderspielpause gegen den punktgleichen (je 1) Neuling SC Paderborn (das Duell um die Rote Laterne also), 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, also alles Kandidaten, die man eher dem Abstiegskampf zuordnet. Gibt es keine oder nur wenige Punkte, dann gehört die Hertha auch zu diesem Kandidatenkreis.

Die ersten Siege feierten dagegen Mainz (eben gegen die Hertha) und der FC Augsburg, der Eintracht Frankfurt zu seinem Lieblingsgegner erkor. Gegen die Eintracht platzte im Vorjahr im Abstiegskampf beim Debüt von Trainer Martin Schmidt mit 3:1 der Knoten und das klappte auch diesmal mit dem 2:1. Einen Lauf gegen die Eintracht hat auch Stürmer Marco Richter, der zum 1:0 traf und vier seiner sechs Bundesliga-Tore gegen Frankfurt erzielte. „Jetzt geht es richtig los“, ist das Motto beim FCA, doch gegen die Eintracht geht es nur zweimal im Jahr. Nächster Gegner ist der SC Freiburg, der hat einen Lauf, ist an Bayern sogar vorbei und ist jetzt also ein Spitzenteam und nicht unbedingt Augsburgs Lieblingsgegner (im Vorjahr 5.! und 1:4).

Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal

Nicht nur alte Leute träumen oft von früher, auch den Sportlern geht es oft so, „ja früher, da haben wir ganz anders aufgetrumpft“. So geht es jetzt den Bayern, die mit der 1:3-Niederlage in Leverkusen nicht nur einen Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft erlitten, sondern schlimmer noch, sie erleben gleich wieder einen Rückfall in den Krisen-Modus. Vergessen sind sieben Siege in Folge in der Fußball-Bundesliga, es zehrt an den Nerven, dass die Münchner die Vorlage von Tabellenführer Dortmund mit dem 1:1 in Frankfurt nicht nutzten. Statt den Rückstand zu verkürzen wurde er größer. Sogar Gladbach zog auf Rang zwei vorbei. Ja früher, da war das anders, da war es ein Gütesiegel der Bayern, Patzer der Konkurrenz zu nutzen.

Nach sechs Meisterschaften in Folge und dem Gewinn der Champions League 2013 sowie drei Pokal-Triumphen in dieser Zeit muss man sich die Frage stellen: Ist die gute alte Zeit der Bayern vorbei? „Alarmsignale“ sieht die Fachzeitung kicker, „Chaos“ sehen diejenigen, die nicht fachlich urteilen, sondern feixen, dass die Bayern endlich vom Thron gestoßen werden. Und in der Tat deutet nichts darauf hin, dass die Bayern diese Saison erfolgreich abschließen können. Ganz im Gegenteil, wenn es am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin geht, dann steht ein entscheidendes Spiel bevor: Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal.

Was den Bayern besonders weh tut, ist die Tatsache, dass jetzt alles gegen sie läuft, was früher für sie gelaufen ist, Stichwort „Bayern-Dusel“, obwohl es nicht immer Dusel oder Glück war. Thomas Müller brachte es nach dem 1:3 auf den Punkt: „Das Spiel hätte in alle Richtungen ausgehen können, jetzt ist es gegen uns ausgegangen.“ Es läuft gegen die Bayern, mit Manuel Neuer und Thiago fielen zwei Mannschaftsstützen aus, knappe Schiedsrichter-Entscheidungen fielen gegen die Bayern, in der Erfolgsphase war das eben mehr für die Bayern. Dazu kommen selbstverschuldete Fehler, wie ein Treffer gegen Neuer-Vertreter Sven Ulreich in die Torwart-Ecke, oder mangelnde Kompaktheit im Abwehrverhalten.

Mit schnellem Spiel entschied Leverkusen das Spiel für sich, diese Probleme offenbarten die Bayern nicht zum ersten Mal in der Defensive. Ein Schuldiger: Joshua Kimmich enttäuschte erneut im Mittelfeld. Dazu kommen Zweifel an Torjäger Robert Lewandowski auf. Ex-Bayern-Star und heutige TV-Experte Didi Hamann rät: „Verkaufen“. Die Stimmung im Team sei frostig.Da lässt sich nichts Gutes für das große Duell in der Champions League mit dem FC Liverpool erahnen. Bayern im Krisen-Modus ist keine Basis für Erfolg. Trotzig heißt es, „wir müssen eine neue Serie starten“. In Berlin, wo man am 6. Spieltag bekanntlich 0:2 verloren hat, ist ein Sieg Pflicht. Sonst droht ein Jahr ohne Schale oder Pokal!

Chaos-Woche macht Augsburg munter

Vielleicht sollten sich die Bayern den Nachbarn FC Augsburg zum Vorbild nehmen. Der von München bekannte „FC Hollywood“ war diesmal am Lech zu finden, aber das Ergebnis stimmte am Ende, die Chaos-Woche machte Augsburg munter und führte zu einem wichtigen 3:0-Sieg über Mainz. De Aufregung der Woche mündete in Erleichterung und Jubel. Da wurden zwei Spieler suspendiert: Der Brasilianer Caiuby machte schon wochenlang was er wollte, der Österreicher Martin Hinteregger erkannte öffentlich, dass er „beim Trainer nichts Positives finde“. Caiuby trainiert allein, Hinteregger wurde als Belohnung nach Frankfurt ausgeliehen, „stänkerte“ sich also quasi zu einer Verbesserung. Dazu kam Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann überraschend als Co-Trainer, wobei Auguren bereits mutmaßten, dass dies gleichbedeutend mit einer Entmachtung von Coach Manuel Baum ist. Lehmann, ein Querdenker und durchaus auch als Stinkstiefel bekannt, hielt sich zunächst im Hintergrund. Er soll der Mannschaft seine Erfahrung weitergeben, was wohl geholfen hat. Der FCA war wieder eine Mannschaft mit Zusammenhalt und Einsatz. Also: Der FCA ein Vorbild für die Bayern! Wer hätte das jemals gedacht? In zwei Wochen trifft man sich in Augsburg, mal sehen, wer sich wie entwickelt hat…

Die Augsburger taten nach zehn Spielen ohne Sieg einen wichtigen Schritt, aber viele müssen folgen. Der Abstiegsplatz ist für den Tabellen-15. nur sechs Punkte entfernt. Die Konkurrenz dahinter kam jedoch kaum Fleck. Stuttgart verspielte den Sieg gegen Freiburg in letzter Minute und verlor Torjäger Mario Gomez durch Gelb-Rot, Nürnberg freute sich schon über einen Zähler gegen Bremen und gab damit die Rote Laterne an Hannover 96s ab. Dort erlebte der neue Trainer Thomas Doll einen Reinfall als Einstand, er erschrak beim 0:3 gegen Leipzig über seine Mannschaft. Die spielte wie ein Absteiger, aber das dürfte ihn eigentlich nicht überrascht haben. Ironie des Terminplans: Am Samstag treffen sich Hannover und Nürnberg zum Kampf um die Rote Laterne.

Der schnellste Weg zu einem Titel

Für die Bayern mag der DFB-Pokal die letzte Hoffnung sein, für andere Vereine ist er die große Hoffnung. Wie heißt es immer so schön, der Pokalwettbewerb ist der schnellste Weg zu einem Titel. Mit Blick auf das Achtelfinale könnte dies zum Beispiel für Bayer Leverkusen und RB Leipzig gelten, zwei Klubs, die hinter dem Spitzentrio der Bundesliga liegen und den Titel wohl abschreiben müssen. Beide Teams haben am Wochenende beeindruckt, vor allem Leverkusen bekam zum Leidwesen der Bayern durch den neuen Trainer Peter Bosz wirklilch neuen Schwung. Hoffnungen aber auch in Wolfsburg oder sogar in Bremen und Schalke, letztgenannte könnten durch Pokal-Erfolge eine mehr (Schalke) oder weniger (Bremen) verkorkste Saison retten. Und da ist vor allem auch noch Bayern-Gegner Hertha BSC mit dem Traum, endlich einmal als quasi Gastgeber im Pokal-Finale in Berlin auf dem Platz zu stehen. Ergo: Eine Hoffnung platzt am Mittwoch in Berlin.

Das ist das DFB-Pokal-Achtelfinale: Hamburg – Nürnberg, Heidenheim – Leverkusen, Dortmund – Bremen, Duisburg – Paderborn, Leipzig – Wolfsburg, Kiel – Augsburg, Hertha – Bayern, Schalke – Düsseldorf.

Interessant auch der nachfolgende Kommentar über die Alpine Ski-Weltmeisterschaft: Aufgeführt werden „Die Zwei“!

Krieg der Fans: Wem gehört der Fußball?

Die 2. DFB-Pokalrunde im Fußball unter der Woche brachte Spannung und sportliche Highlights, wurde aber überschattet von Pyro-Orgie, Ausschreitungen und Massenschlägereien, der sogenannten Fans, die eigentlich nur Chaoten sind. Die Situation in den Fußball-Stadien Deutschlands hat sich verschärft, die Fans führen einen Krieg, den sie am ersten Bundesliga-Spieltag bereits angekündigt haben: „DFB & DFL: Ihr werdet von uns hören“ hieß es auf einem Spruchband. Verhandlungsbemühungen waren gescheitert, weil die Fan-Gruppierungen keinen Kompromiss eingehen und nicht auf Pyro verzichten wollten. Das Entgegenkommen des Verbandes, auf kollektive Strafen zu verzichten, war nicht ausreichend. Jetzt hat der Fußball den Salat bzw. die Gewalt.

Dabei steht die Frage im Vordergrund: Wem gehört denn der Fußball? Die Fan-Gruppen der Ultras gehen offensichtlich davon aus, dass ihnen der Fußball gehört. Ein Teil geht ins Stadion, um Spaß zu haben. Sie beeindrucken teilweise mit einer ideenreichen Choreografie, feiern andererseits ihr eigenes Fest auf den Tribünen, der Fußball ist hier Mittel zum Zweck. Wenn unten auf dem Rasen nichts los wäre, würde es auch auf der Tribüne keinen Spaß machen. Sie sind aber keine Vereinsanhänger, die ihre Mannschaft bedingungslos unterstützen und den Sport in den Vordergrund stellen. Missmutig werden sie dennoch bei fehlendem Erfolg. Das mussten in den letzten Jahren viele Vereine erfahren.

Viele Vereins- und Verbandsfunktionäre benehmen sich allerdings so, als wollten sie deutlich machen, der Fußball gehört uns, wir bestimmen, was im Fußball passiert. Dabei überziehen sie manchmal, vor allem die Gier nach Geld ließ die Kluft zu den – sagen wir mal – „harten Fans“ immer größer werden. Das Ziel, immer mehr zu kassieren, vor allem über Fernsehgelder, dafür aber eine Zerstückelung der Spieltage in Kauf zu nehmen, geht an den Interessen der Ultras vorbei.

Der Fußball aber gehört in Wirklichkeit jedem von uns, der Spaß daran findet. Der Fußball sollte zumindest den Kindern gehören, die Freude am Kicken haben, sollten den Familien gehören, die (zumindest früher mal) einen Familienausflug auf den Sportplatz gemacht haben, weil der Vater oder der Filius gespielt hat. Im Profisport sollten Spieler, Vereine, Zuschauer eigentlich eine Einheit bilden, weil Fußball einfach Spaß macht.

Diese Sicht der Dinge ist den Ultras, die von Hooligans unterwandert werden, vollkommen egal. Sie haben ihre Weltanschauung und von der weichen sie nicht ab. Gewalt wird als Teil der „Show“ gesehen und die Polizei wurde zum Gegner, weil die Gesetzeshüter eben verpflichtet sind, Gewalt zu unterbinden. Die Ultras und Hooligans ignorieren geflissentlich, dass auch Außenstehende zu Schaden kommen und unter den ausufernden Gewaltorgien leiden. Strafrechtliche Beleidigungen über Plakate machen ihnen Freude. Dass sie hier Grenzen überschreiten, ist ihnen egal, sie meinen, sie könnten ihre eigenen Grenzen setzen und die Öffentlichkeit (sprich in diesem Fall Vereine und Verbände) müssten dies akzeptieren.

Bei dieser Denkweise ist es natürlich klar, dass eine vernünftige Regelung, dass ein Kompromiss kaum zu finden ist. Es bleibt Verbänden, Vereinen und der Polizei nichts anderes übrig, als nach dem Gesetz vorzugehen und alles zu tun, um Gewalt zu unterbinden. Hertha BSC als Leidtragender der Krawalle der Ultras in Dortmund (siehe nachfolgender Kommentar) hat bereits reagiert und bis auf Weiteres Spruchbänder und Fahnen verboten. Die Stadionkontrollen müssen intensiver durchgeführt werden, damit Feuerwerke und Pyro nicht mehr in die Stadien geschmuggelt werden können. Es muss außerdem alles unternommen werden, um Täter zu identifizieren und zu verurteilen. Erst wenn die Ultras die Härte des Gesetzes kennenlernen, wenn ihnen deutlich wird, dass sie sich selbst und ihrer Zukunft Schaden zufügen, könnten sie zur Vernunft kommen. Wenn überhaupt.

Der Fußball (es geht nicht um die Bundesliga allein) muss jedenfalls alles tun, um den guten Ruf zu wahren bzw. wiederherzustellen. In England ist dies ja auch gelungen, da drohten vor einigen Jahren Hooligans den Fußball mit Gewalt zu unterdrücken, angeblich wurden pro Saison rund 4000 Hooligans verhaftet. Heute geht es wieder gesitteter zu, wozu auch beigetragen hat, dass es nur noch Sitzplätze in den Stadien gibt. Das könnte auch ein Mittel in der Bundesliga sein. Die Ultras würden vielleicht ihre Lust verlieren, dass die Stimmung leidet, muss man in Kauf nehmen. Es kann doch nicht sein, dass einige Gewalttäter Millionen Fußball-Fans den Spaß am Sport vermiesen.