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Tag: Hertha BSC Berlin

Der Schmach folgt die Hoffnung

Als die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nach der Gruppenphase vorzeitig abreisen musste, da zürnte Deutschland und das Image des DFB-Teams lag am Boden. In jedem anderen Land wäre als Erstes der Trainer geschasst worden, nicht so in Deutschland, Bundestrainer Joachim Löw zehrte noch vom Titelgewinn 2014. Wer Weltmeister wurde, der hat einen Sympathiebonus und einen besonderen Stellenwert. Mehr Entgegenkommen darf er allerdings nicht erwarten, doch die Schonfrist hat er genutzt. Zwar verlief die Neuorientierung im Spielerkader ziemlich holprig und nicht immer logisch, aber am Ende zählen die Ergebnisse und die Aussichten. Löw kann eine ruhige Winterpause genießen, der Schmach folgte nämlich die Hoffung.

Doch stopp: Zu den Titelanwärtern zählt Deutschland bei der Europameisterschaft 2020 noch nicht. Alle Erwartungen diesbezüglich werden von Trainer, Spielern und Funktionären einhellig gedämpft. Die junge Mannschaft ist noch nicht gefestigt genug, zeigte Schwächen in der Abwehr und Ergebnisse können auch trügen. Ein 4:0 und 6:1 hörte sich gut an, doch die Gegner waren eben Weißrussland und Nordirland, nicht Frankreich oder Spanien. Genau die werden aber von Löw und Co. zusammen mit England und Italien auf das Favoritenschild gehoben. Ein Hintertürchen der Hoffnung bleibt aber offen: Die positive Entwicklung der Mannschaft könnte ja schneller als gedacht vor sich gehen. Allerdings bleiben vor dem Turnier im Juni nur zwei Länderspiele (Spanien steht als Gegner im März fest) als Vorbereitung. Immerhin, Sportdirektor Oliver Bierhoff schürt Optimismus: „Da wächst eine Mannschaft heran.“

Jogi Löw hat in der heißen Umbruchphase bekanntlich mit der Absage an die Weltmeister Hummels, Müller und Boateng Staub aufgewirbelt und möglicherweise zu früh gehandelt. Es zeigte sich nämlich, dass die jungen Talente schon Halt durch erfahrene Spieler benötigen würden, siehe das Abwehrdilemma, das auch durch zahlreiche Verletzungen zustande kam. Hummels auszubooten und dafür mit dem Mittelfeldstrategen Emre Can in der Abwehr zu spielen ist einfach nicht logisch. Bezeichnend, dass gerade die Weltmeister Manuel Neuer und Toni Kroos sich zuletzt als Stützen des Teams bewährten. Vor allem in der Abwehr muss Löw Lösungen finden, zumal, wenn der als Chef eingeplante Süle ausfällt. Ginter und Rüdiger könnten das Abwehrpaar bilden, Can und Tah zeigten zu viele Schwächen, Stark und Koch waren wohl eher Experimente. Da steht eher Toni Kehrer parat.

Eine ganze Reihe von Spielern dürften ihre EM-Fahrtkarte sicher haben, manche, obwohl sie – wie viele andere früher auch – ihre Leistungen aus dem Verein im DFB-Team nicht wiederholen können. Marco Reus ist so ein Kandidat, Julian Brandt scheint ein aktueller Fall zu sein. Das Gegenteil ist Torjäger Serge Gnabry, der für Deutschland noch besser trifft als für die Bayern. Er ist zweifellos der Aufsteiger der Saison.

Diese Spieler halten wohl die EM-Fahrtkarte in der Hand: Neuer, ter Stegen, Klostermann, Halstenberg, Ginter, Rüdiger, Kimmich, Kroos, Goretzka, Gündogan, Havertz, Gnabry, Reus, Sane, Werner, Brandt.

Diese Spieler kämpfen um die restlichen sieben Plätze im 23er-Kader: Leno, Trapp, Schulz, Hector, Süle (wenn fit dabei), Tah, Kehrer, Stark, Koch, Hector, Can, Draxler, Rudy, Waldschmidt, Amiri, Demirbay.

Ein Vorteil ist sicherlich, dass die deutsche Mannschaft in der Vorrunde in München Heimrecht genießt. Sollte sich Ungarn qualifizieren, steht ein Gegner fest. Die Gruppen-Auslosung für die EM ist allerdings eine Farce, sie ist so kompliziert, dass sie wohl nicht einmal die Funktionäre selbst verstehen. Am 30. November gibt es quasi eine vorläufige Auslosung, nach den Play offs der Nations League folgt die endgültige Verteilung der Plätze. Ein Procedere, das sich nicht wiederholen sollte. Was die erste Auslosung angeht, so befindet sich Deutschland in Topf 1 und wird nicht auf Belgien, England, Italien, Spanien und die Ukraine treffen, aus Topf 2 kommen aber die möglichen Gegner Frankreich, Polen, Schweiz oder Kroatien, aus Topf 3 Portugal, Türkei, Österreich oder Schweden. Das kann also eine ganz schwere Aufgabe werden. Doch es gibt ja Hoffnung.

Endspurt in der Bundesliga

Zunächst steht aber wieder die Bundesliga im Mittelpunkt, die zum Endspurt der Vorrunde startet. Schlagzeilen machten vor allem spektakuläre Trainerwechsel. Achim Beierlorzer musste in Köln gehen, soll aber jetzt Mainz retten. Was auf den ersten Blick unlogisch klingt, könnte Sinn machen, denn Beierlorzer passt vielleicht besser zu Mainz. Er wird nicht im Sinn gehabt haben: Hauptsache ein Karnevalsverein. Sein Nachfolger in Köln heißt Markus Gisdol, der natürlich vom Verein gepriesen wird, aber ob er im hektischen Umfeld in Köln bestehen kann, muss sich zeigen. An seiner Seite als Sportdirektor als Nachfolger von Armin Veh steht jetzt Horst Heldt. Er hat eine Kölner Vergangenheit, seine bisher Arbeit als Sportdirektor u. a. in Stuttgart und auf Schalke hatte aber Höhen und Tiefen zu verzeichnen. Da gilt halt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Beide Vereine stehen tief im Abstiegskampf, die ersten Aufgaben werden für beide Trainer schwer, Köln muss nach Leipzig, Mainz ist bei Hoffenheim zu Gast. Das Schlagerspiel im Abstiegskampf heißt wohl FCA – Hertha, der Sieger bekommt Auftrieb, beim Verlierer brennt es. Vor allem die Berliner haben sich die Saison mit Investor Windhorst und seinem Geld ganz anders vorgestellt.

An der Spitze wird mit Argusaugen der weitere Werdegang des Überraschungs-Spitzenreiters verfolgt. Kann sich Gladbach der Verfolger erwehren? Selbst Neuling Union Berlin kann eine Prüfung sein. Unter besonderer Beobachtung aber auch die Konkurrenz: Bleibt Bayern (in Düsseldorf) mit Interimstrainer Hansi Flick im Aufwind? Hat sich Dortmund (gegen Paderborn) gefangen oder wackelt Lucien Favre wieder? Wer bleibt aus dem Kreis Freiburg, Hoffenheim, Leverkusen, Hoffenheim und Schalke in der Verfolgerrolle? Die Bundesliga lebt von den Fragezeichen.

Einige Vereine müssen allerdings auch damit leben, dass sich Stammspieler bei den Einsätzen für die Nationalmannschaft verletzt haben. Ein ständiges Ärgernis, zumal die internationalen Aufgaben immer mehr werden sollen. Besonders schwer hat es den Freiburger Waldschmidt erwischt, der ebenso mindestens bis zum Jahresende ausfallen wird wie FInnbogason beim FCA. Auffallend, dass der Isländer dem Verein oft verletzt fehlt und gerade wieder zu den Länderspielen fit wird. Das ist für den Verein eine ärgerliche Diskrepanz. Die Bayern hoffen, dass Coman, der vom Nationalteam Frankreichs vorzeitig zurück reiste, bald wieder einsatzfähig ist. Schließlich warten bis zur Weihnachtspause fünf Wochen mit wichtigen Spielen am laufenden Band.

Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben!

Was haben die nationalen Pokal-Wettbewerbe und die Champions League gemeinsam? Die kleinen Vereine freuen sich, wenn einer der „Großen“ mal bei ihnen vorbei schaut. Sie feiern dann ein Fest, über das noch viele Jahre geredet wird und an das sich Generationen manchmal noch erinnern. Geht es nach den großen, geldgierigen Vereinen, dann wird es diese Feste nicht mehr geben. Sie wollen die kleinen Vereine möglichst kurz halten, unter sich bleiben und vor allem (gesichert) immer ein großes Stück vom (Geld)Kuchen abbekommen. Diesem Ansinnen muss Einhalt geboten werden: Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben! (Siehe auch „Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?“ vom 7. September)

In dieser Woche beginnen Champions League (CL) und Europa League (EL) noch nach altem Modus, Freilich, was sind eigentlich kleine Vereine? Wohl die, die sich erst durch die Qualifikation quälen müssen. Nennen wir sie lieber Außenseiter, die dann die Gruppenphase schaffen. Das sind zum Beispiel Club Brügge in Gruppe A mit Paris und Real, Roter Stern Belgrad mit Bayern und Tottenham in der Gruppe B, Dinamo Zagreb mit Manchester City in der Gruppe C oder Slavia Prag mit Dortmund und Barcelona in der Gruppe F. Dazu feiert Atalanta Bergamo seine CL-Premiere und der RB Salzburg ist mit der Gruppenphase am Ziel seiner Wünsche.

Für die deutschen Fernsehschauer bleibt eines gleich, sie sehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – nichts! Nur die Europa League wird es im Free-TV geben (RTL bzw. Nitro) oder das CL-Finale bei deutscher Beteiligung. Ansonsten besitzen der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Rechte. Geldgier ist Schuld, aber die Klub-Bosse haben bereits gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Begeisterung an der CL sinkt, Spiele im Free-TV steigern das Interesse in der Öffentlichkeit. Mit den neuen TV-Verträgen ab 2021 wird es wohl ein Umdenken geben.

Für die Fans der beteiligten Vereine sind Europa-Tage meist Feiertage, die Fans von Eintracht Frankfurt machen es vor. In München ist dies nicht so krass, dort hat der Gewöhnungseffekt schon eingesetzt. Da sorgen nur Negativereignisse für Turbulenzen, so wie im Vorjahr das Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool. Da war es auch kein Trost mehr, dass die Klopp-Jungs schließlich den Pokal in die Höhe stemmten. Diesmal soll es mehr sein, gegen Belgrad, Piräus und Tottenham sollten die Bayern ins Achtelfinale wieder einziehen.

Überwintern wollen auch die anderen deutschen Klubs, wobei Borussia Dortmund gleich am Dienstag mit dem Knüller gegen den FC Barcelona (wohl ohne Messi) starten darf (muss). Inter Mailand ist ein weiteres Schwergewicht in der Gruppe, Außenseiter bleibt Slavia Prag. Leicht wird es für die Borussen nicht, ist aber machbar. Bayer Leverkusen wurden nicht nur in der Bundesliga in Dortmund in Grenzen aufgezeigt, dass könnten Atletico Madrid und Juventus Turin auch in der CL tun, aber erst kommt mal Außenseiter Lokomotive Moskau. RB Leipzig tummelt sich in einer ausgeglichenen Gruppe, Benfica Lissabon, Olympique Lyon und Zenit St. Petersburg sind die Gegner. Einen Favoriten gibt es nicht, ein Ausscheiden wäre für die Nagelsmann-Schützlinge aber eine Enttäuschung.

Enttäuschungen müssen fast alle Vereine im Laufe der Runde hinnehmen, am Ende feiert ja nur einer. Im Vorjahr dominierten die englischen Vereine, das Finale Liverpool – Tottenham (2:0) hätte keiner erwartet, gerade der FC Barcelona erlebte im Halbfinale nach einem 3:0 mit einem 0:4 im Rückspiel gegen die „Reds“ eine besondere Enttäuschung. Jetzt will nicht nur Barcelona neu angreifen, sondern auch Real Madrid, Juventus Turin (mit Ronaldo) und Paris St. Germain (endlich mal international erfolgreich sein). Dazu möchte Pep Guardiola Manchester City auch zu einem internationalen Titel führen und die Bayern träumen in jedem Jahr, dass sie doch eigentlich die Champions League gewinnen könnten. Die CL wird uns Spaß machen, vielleicht aber erst richtig im nächsten Jahr, wenn die K.o.-Runde beginnt.

Die Europa League ist die zweite Liga, die Klubs bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Und dennoch ist die EL für die Vereine attraktiv. An prominenten Namen fehlt es ja nicht, siehe Arsenal London, Manchester United, FC Sevilla, Lazio Rom, AS Rom und FC Porto. Die Bundesliga-Klubs sollten mit Ehrgeiz bei der Sache sein und mit dem Willen, auf den Spuren von Eintracht Frankfurt zu wandeln, sowohl was den sportlichen Erfolg (im Vorjahr Halbfinale gegen Chelsea London) als auch die Begeisterung angeht. Die Eintracht startet mit dem Knüller gegen Arsenal London und hat Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes (Portugal) als Gegner. Borussia Mönchengladbach muss sich gegen den Wolfsberger AC, AS Rom und Basaksehir Istanbul beweisen, was nicht leicht wird. Der VfL Wolfsburg hat PFK Oleksandrija (Ukraine), KAA Gent und AS Saint-Etienne als Gegner.

Horror-Wochenende der Bayern

Bei den Vereinen heißt es immer, Europa ist eine Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Aber auch die Pflicht kann interessant sein. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt mit den Duellen der Spitzenteams. Dortmund überzeugte mit dem 4:0 gegen Leverkusen, feierte quasi ein Comeback, der RB Leipzig rettete die Tabellenführung mit einem 1:1 gegen die Bayern, die das Unentschieden als Niederlage wahrnehmen mussten, nachdem sie die ersten 45 Minuten „die beste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“ (Niko Kovac) gespielt haben. Es stand wohlgemerkt 1:1. Und vor den Bayern steht jetzt in der Tabelle sogar der SC Freiburg mit einem Zähler mehr punktgleich mit Dortmund. Da kann man sich vorstellen, wie sich die Bayern fühlen. Die mussten sowieso ein Horror-Wochenende hinnehmen, denn von den U19 bis zu den Profis gewann keine Mannschaft. Die Bayern II gab in der 3. Liga beim 2:2 in Großaspach ein 2:0 aus der Hand, die U19 verlor in Heidenheim 1:3 und die Frauen erlebten als großer Favorit gegen Leverkusen mit 1:2 eine totale Pleite (im Vorjahr noch 8:0 und 10:1)!

Von Horror ist auch in Berlin die Rede, die Hertha nämlich als Schlusslicht. Mit neuem Geldgeber und neuem Trainer sollte alles besser werden, doch bisher klappt nichts. Manager Michael Preetz will noch ruhig bleiben, doch für Dardai-Nachfolger Ante Covic und sein Team müssen Siege her. Die nächsten Gelegenheiten gibt es bis zur nächsten Länderspielpause gegen den punktgleichen (je 1) Neuling SC Paderborn (das Duell um die Rote Laterne also), 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, also alles Kandidaten, die man eher dem Abstiegskampf zuordnet. Gibt es keine oder nur wenige Punkte, dann gehört die Hertha auch zu diesem Kandidatenkreis.

Die ersten Siege feierten dagegen Mainz (eben gegen die Hertha) und der FC Augsburg, der Eintracht Frankfurt zu seinem Lieblingsgegner erkor. Gegen die Eintracht platzte im Vorjahr im Abstiegskampf beim Debüt von Trainer Martin Schmidt mit 3:1 der Knoten und das klappte auch diesmal mit dem 2:1. Einen Lauf gegen die Eintracht hat auch Stürmer Marco Richter, der zum 1:0 traf und vier seiner sechs Bundesliga-Tore gegen Frankfurt erzielte. „Jetzt geht es richtig los“, ist das Motto beim FCA, doch gegen die Eintracht geht es nur zweimal im Jahr. Nächster Gegner ist der SC Freiburg, der hat einen Lauf, ist an Bayern sogar vorbei und ist jetzt also ein Spitzenteam und nicht unbedingt Augsburgs Lieblingsgegner (im Vorjahr 5.! und 1:4).

Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal

Nicht nur alte Leute träumen oft von früher, auch den Sportlern geht es oft so, „ja früher, da haben wir ganz anders aufgetrumpft“. So geht es jetzt den Bayern, die mit der 1:3-Niederlage in Leverkusen nicht nur einen Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft erlitten, sondern schlimmer noch, sie erleben gleich wieder einen Rückfall in den Krisen-Modus. Vergessen sind sieben Siege in Folge in der Fußball-Bundesliga, es zehrt an den Nerven, dass die Münchner die Vorlage von Tabellenführer Dortmund mit dem 1:1 in Frankfurt nicht nutzten. Statt den Rückstand zu verkürzen wurde er größer. Sogar Gladbach zog auf Rang zwei vorbei. Ja früher, da war das anders, da war es ein Gütesiegel der Bayern, Patzer der Konkurrenz zu nutzen.

Nach sechs Meisterschaften in Folge und dem Gewinn der Champions League 2013 sowie drei Pokal-Triumphen in dieser Zeit muss man sich die Frage stellen: Ist die gute alte Zeit der Bayern vorbei? „Alarmsignale“ sieht die Fachzeitung kicker, „Chaos“ sehen diejenigen, die nicht fachlich urteilen, sondern feixen, dass die Bayern endlich vom Thron gestoßen werden. Und in der Tat deutet nichts darauf hin, dass die Bayern diese Saison erfolgreich abschließen können. Ganz im Gegenteil, wenn es am Mittwoch im DFB-Pokal gegen Hertha BSC Berlin geht, dann steht ein entscheidendes Spiel bevor: Der Pokal ist Bayerns letzte Chance auf einen Pokal.

Was den Bayern besonders weh tut, ist die Tatsache, dass jetzt alles gegen sie läuft, was früher für sie gelaufen ist, Stichwort „Bayern-Dusel“, obwohl es nicht immer Dusel oder Glück war. Thomas Müller brachte es nach dem 1:3 auf den Punkt: „Das Spiel hätte in alle Richtungen ausgehen können, jetzt ist es gegen uns ausgegangen.“ Es läuft gegen die Bayern, mit Manuel Neuer und Thiago fielen zwei Mannschaftsstützen aus, knappe Schiedsrichter-Entscheidungen fielen gegen die Bayern, in der Erfolgsphase war das eben mehr für die Bayern. Dazu kommen selbstverschuldete Fehler, wie ein Treffer gegen Neuer-Vertreter Sven Ulreich in die Torwart-Ecke, oder mangelnde Kompaktheit im Abwehrverhalten.

Mit schnellem Spiel entschied Leverkusen das Spiel für sich, diese Probleme offenbarten die Bayern nicht zum ersten Mal in der Defensive. Ein Schuldiger: Joshua Kimmich enttäuschte erneut im Mittelfeld. Dazu kommen Zweifel an Torjäger Robert Lewandowski auf. Ex-Bayern-Star und heutige TV-Experte Didi Hamann rät: „Verkaufen“. Die Stimmung im Team sei frostig.Da lässt sich nichts Gutes für das große Duell in der Champions League mit dem FC Liverpool erahnen. Bayern im Krisen-Modus ist keine Basis für Erfolg. Trotzig heißt es, „wir müssen eine neue Serie starten“. In Berlin, wo man am 6. Spieltag bekanntlich 0:2 verloren hat, ist ein Sieg Pflicht. Sonst droht ein Jahr ohne Schale oder Pokal!

Chaos-Woche macht Augsburg munter

Vielleicht sollten sich die Bayern den Nachbarn FC Augsburg zum Vorbild nehmen. Der von München bekannte „FC Hollywood“ war diesmal am Lech zu finden, aber das Ergebnis stimmte am Ende, die Chaos-Woche machte Augsburg munter und führte zu einem wichtigen 3:0-Sieg über Mainz. De Aufregung der Woche mündete in Erleichterung und Jubel. Da wurden zwei Spieler suspendiert: Der Brasilianer Caiuby machte schon wochenlang was er wollte, der Österreicher Martin Hinteregger erkannte öffentlich, dass er „beim Trainer nichts Positives finde“. Caiuby trainiert allein, Hinteregger wurde als Belohnung nach Frankfurt ausgeliehen, „stänkerte“ sich also quasi zu einer Verbesserung. Dazu kam Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann überraschend als Co-Trainer, wobei Auguren bereits mutmaßten, dass dies gleichbedeutend mit einer Entmachtung von Coach Manuel Baum ist. Lehmann, ein Querdenker und durchaus auch als Stinkstiefel bekannt, hielt sich zunächst im Hintergrund. Er soll der Mannschaft seine Erfahrung weitergeben, was wohl geholfen hat. Der FCA war wieder eine Mannschaft mit Zusammenhalt und Einsatz. Also: Der FCA ein Vorbild für die Bayern! Wer hätte das jemals gedacht? In zwei Wochen trifft man sich in Augsburg, mal sehen, wer sich wie entwickelt hat…

Die Augsburger taten nach zehn Spielen ohne Sieg einen wichtigen Schritt, aber viele müssen folgen. Der Abstiegsplatz ist für den Tabellen-15. nur sechs Punkte entfernt. Die Konkurrenz dahinter kam jedoch kaum Fleck. Stuttgart verspielte den Sieg gegen Freiburg in letzter Minute und verlor Torjäger Mario Gomez durch Gelb-Rot, Nürnberg freute sich schon über einen Zähler gegen Bremen und gab damit die Rote Laterne an Hannover 96s ab. Dort erlebte der neue Trainer Thomas Doll einen Reinfall als Einstand, er erschrak beim 0:3 gegen Leipzig über seine Mannschaft. Die spielte wie ein Absteiger, aber das dürfte ihn eigentlich nicht überrascht haben. Ironie des Terminplans: Am Samstag treffen sich Hannover und Nürnberg zum Kampf um die Rote Laterne.

Der schnellste Weg zu einem Titel

Für die Bayern mag der DFB-Pokal die letzte Hoffnung sein, für andere Vereine ist er die große Hoffnung. Wie heißt es immer so schön, der Pokalwettbewerb ist der schnellste Weg zu einem Titel. Mit Blick auf das Achtelfinale könnte dies zum Beispiel für Bayer Leverkusen und RB Leipzig gelten, zwei Klubs, die hinter dem Spitzentrio der Bundesliga liegen und den Titel wohl abschreiben müssen. Beide Teams haben am Wochenende beeindruckt, vor allem Leverkusen bekam zum Leidwesen der Bayern durch den neuen Trainer Peter Bosz wirklilch neuen Schwung. Hoffnungen aber auch in Wolfsburg oder sogar in Bremen und Schalke, letztgenannte könnten durch Pokal-Erfolge eine mehr (Schalke) oder weniger (Bremen) verkorkste Saison retten. Und da ist vor allem auch noch Bayern-Gegner Hertha BSC mit dem Traum, endlich einmal als quasi Gastgeber im Pokal-Finale in Berlin auf dem Platz zu stehen. Ergo: Eine Hoffnung platzt am Mittwoch in Berlin.

Das ist das DFB-Pokal-Achtelfinale: Hamburg – Nürnberg, Heidenheim – Leverkusen, Dortmund – Bremen, Duisburg – Paderborn, Leipzig – Wolfsburg, Kiel – Augsburg, Hertha – Bayern, Schalke – Düsseldorf.

Interessant auch der nachfolgende Kommentar über die Alpine Ski-Weltmeisterschaft: Aufgeführt werden „Die Zwei“!

Krieg der Fans: Wem gehört der Fußball?

Die 2. DFB-Pokalrunde im Fußball unter der Woche brachte Spannung und sportliche Highlights, wurde aber überschattet von Pyro-Orgie, Ausschreitungen und Massenschlägereien, der sogenannten Fans, die eigentlich nur Chaoten sind. Die Situation in den Fußball-Stadien Deutschlands hat sich verschärft, die Fans führen einen Krieg, den sie am ersten Bundesliga-Spieltag bereits angekündigt haben: „DFB & DFL: Ihr werdet von uns hören“ hieß es auf einem Spruchband. Verhandlungsbemühungen waren gescheitert, weil die Fan-Gruppierungen keinen Kompromiss eingehen und nicht auf Pyro verzichten wollten. Das Entgegenkommen des Verbandes, auf kollektive Strafen zu verzichten, war nicht ausreichend. Jetzt hat der Fußball den Salat bzw. die Gewalt.

Dabei steht die Frage im Vordergrund: Wem gehört denn der Fußball? Die Fan-Gruppen der Ultras gehen offensichtlich davon aus, dass ihnen der Fußball gehört. Ein Teil geht ins Stadion, um Spaß zu haben. Sie beeindrucken teilweise mit einer ideenreichen Choreografie, feiern andererseits ihr eigenes Fest auf den Tribünen, der Fußball ist hier Mittel zum Zweck. Wenn unten auf dem Rasen nichts los wäre, würde es auch auf der Tribüne keinen Spaß machen. Sie sind aber keine Vereinsanhänger, die ihre Mannschaft bedingungslos unterstützen und den Sport in den Vordergrund stellen. Missmutig werden sie dennoch bei fehlendem Erfolg. Das mussten in den letzten Jahren viele Vereine erfahren.

Viele Vereins- und Verbandsfunktionäre benehmen sich allerdings so, als wollten sie deutlich machen, der Fußball gehört uns, wir bestimmen, was im Fußball passiert. Dabei überziehen sie manchmal, vor allem die Gier nach Geld ließ die Kluft zu den – sagen wir mal – „harten Fans“ immer größer werden. Das Ziel, immer mehr zu kassieren, vor allem über Fernsehgelder, dafür aber eine Zerstückelung der Spieltage in Kauf zu nehmen, geht an den Interessen der Ultras vorbei.

Der Fußball aber gehört in Wirklichkeit jedem von uns, der Spaß daran findet. Der Fußball sollte zumindest den Kindern gehören, die Freude am Kicken haben, sollten den Familien gehören, die (zumindest früher mal) einen Familienausflug auf den Sportplatz gemacht haben, weil der Vater oder der Filius gespielt hat. Im Profisport sollten Spieler, Vereine, Zuschauer eigentlich eine Einheit bilden, weil Fußball einfach Spaß macht.

Diese Sicht der Dinge ist den Ultras, die von Hooligans unterwandert werden, vollkommen egal. Sie haben ihre Weltanschauung und von der weichen sie nicht ab. Gewalt wird als Teil der „Show“ gesehen und die Polizei wurde zum Gegner, weil die Gesetzeshüter eben verpflichtet sind, Gewalt zu unterbinden. Die Ultras und Hooligans ignorieren geflissentlich, dass auch Außenstehende zu Schaden kommen und unter den ausufernden Gewaltorgien leiden. Strafrechtliche Beleidigungen über Plakate machen ihnen Freude. Dass sie hier Grenzen überschreiten, ist ihnen egal, sie meinen, sie könnten ihre eigenen Grenzen setzen und die Öffentlichkeit (sprich in diesem Fall Vereine und Verbände) müssten dies akzeptieren.

Bei dieser Denkweise ist es natürlich klar, dass eine vernünftige Regelung, dass ein Kompromiss kaum zu finden ist. Es bleibt Verbänden, Vereinen und der Polizei nichts anderes übrig, als nach dem Gesetz vorzugehen und alles zu tun, um Gewalt zu unterbinden. Hertha BSC als Leidtragender der Krawalle der Ultras in Dortmund (siehe nachfolgender Kommentar) hat bereits reagiert und bis auf Weiteres Spruchbänder und Fahnen verboten. Die Stadionkontrollen müssen intensiver durchgeführt werden, damit Feuerwerke und Pyro nicht mehr in die Stadien geschmuggelt werden können. Es muss außerdem alles unternommen werden, um Täter zu identifizieren und zu verurteilen. Erst wenn die Ultras die Härte des Gesetzes kennenlernen, wenn ihnen deutlich wird, dass sie sich selbst und ihrer Zukunft Schaden zufügen, könnten sie zur Vernunft kommen. Wenn überhaupt.

Der Fußball (es geht nicht um die Bundesliga allein) muss jedenfalls alles tun, um den guten Ruf zu wahren bzw. wiederherzustellen. In England ist dies ja auch gelungen, da drohten vor einigen Jahren Hooligans den Fußball mit Gewalt zu unterdrücken, angeblich wurden pro Saison rund 4000 Hooligans verhaftet. Heute geht es wieder gesitteter zu, wozu auch beigetragen hat, dass es nur noch Sitzplätze in den Stadien gibt. Das könnte auch ein Mittel in der Bundesliga sein. Die Ultras würden vielleicht ihre Lust verlieren, dass die Stimmung leidet, muss man in Kauf nehmen. Es kann doch nicht sein, dass einige Gewalttäter Millionen Fußball-Fans den Spaß am Sport vermiesen.