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Tag: IOC

Fußball-WM und Olympische Spiele: Ohne Geschenke geht gar nichts!

Der Korruptionsskandal rund um den Fußball-Weltverband FIFA wird uns noch Wochen und Monate in Atem halten und auch nach den Neuwahlen am 26. Februar 2016 nicht beendet sein. Mit Gelassenheit können die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf die Kollegen vom Fußball schauen. Sie haben ihren Skandal, der kleinere Ausmaße hatte, aber auch schneller abgehandelt wurde, hinter sich. Auch hier ging es um Korruption und Geschenke, aber das IOC handelte schnell, verbot größere Zuwendungen und versuchte mit Vorentscheidungen bei der Auswahl der Städte und strengeren Ethik-Regeln bei der Vergabe der Olympischen Spiele möglicher Korruption einen Riegel vorzuschieben. Allerdings ist eines gewiss: Egal, ob in der Vergangenheit oder in der Zukunft – ohne Geschenke geht bei der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gar nichts. Die Frage ist, ob die Geschenke wirklich klein gehalten werden und das erträgliche Maß von Aufmerksamkeiten nicht überschreiten.

Früher war es so, dass die IOC-Mitglieder die Bewerberstädte besuchten, da gab es nicht nur teure Geschenke, sondern es wurde mancherorts auch zum Urlaub eingeladen und vieles mehr. Im Fußball ist wohl vor allem Geld geflossen, wie früher schon gemunkelt wurde und wie man jetzt sicher weiß. Manche Funktionäre haben es mit Hilfe der FIFA zu persönlichem Reichtum gebracht. Nicht der Sport stand im Vordergrund, sondern das eigene Wohlergehen. Insofern dürfen vor allem die Sportfans froh sein, wenn mal richtig ausgemistet wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab: Viel Mist wird wohl noch liegenbleiben.

Dass auch Deutschland mit der Weltmeisterschaft 2006 in den FIFA-Sumpf hineingezogen wurde, darf nicht verwundern. Das „Sommermärchen“ ist trotzdem nicht zerstört, die Erinnerung an heitere Tage bleibt ebenso wie der positive Eindruck, den Deutschland weltweit hinterlassen hat. Schon früher, als die Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar in den Fokus von möglicher Korruption gerieten, brachte ausgerechnet FIFA-Präsident Joseph Blatter auch Deutschland, wohl als Ablenkungsmanöver, ins Gespräch: „Gekaufte WM…da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ.“ (Zitat Fachzeitung kicker). Jack Dempsey, der Vertreter Ozeaniens hatte zuerst für England gestimmt, sich aber dann nicht dem Votum seiner Heimat gebeugt und für Südafrika seine Stimme abgegeben, sondern ist gegangen und hat sich dem Druck entzogen. Dadurch siegte Deutschland 12:11. Bei einem Remis hätte der FIFA-Präsident entschieden und Blatter hatte Südafrika eigentlich die WM versprochen – und für 2010 das Versprechen verspätet eingelöst. Fragen wir nicht, wie…

So darf man als Außenstehender leicht vermuten, dass sich Blatter an seine früheren Unkenrufe erinnert hat und durch getreue Helfer die WM-Vergabe für 2006 ins Zwielicht gebracht hat, um vor allem seinem Hauptkritiker DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ins Zwielicht zu rücken. Beweisen kann der Sport-Grantler ebenso wie das Magazin Spiegel mit seinen Anschuldigungen nichts, aber der Sport-Grantler kennt ebenso wie der Spiegel das Geschäft. Dubios bleibt die Zahlung von 6,7 Millionen von Deutschland 2005 an die FIFA. Aber eigentlich sollte solch ein Betrag in den Büchern der FIFA zu finden sein. Oder ist es so, wie die Vereinbarung zwischen Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini ablief, wie wiederum der kicker bzw. die französische Tageszeitung Le Monde berichten. Platini sei 1998 nach der Wahl Blatters zum FIFA-Präsidenten dessen Berater geworden. Platini schildert die nicht schriftlich festgehaltene Vereinbarung so: Blatter habe ihn damals gefragt: „Was willst Du?“ Platinis Antwort: „Eine Million“. Die Gegenfrage: „Eine Million was?“ Platini war es egal, „Rubel, Pfund, Dollar“ und Blatter habe entschieden: „Okay, eine Million Schweizer Franken.“ Das waren damals etwa 925.000 Euro, in Rubel wäre es mit 93.000 Euro der FIFA billiger gekommen. Aber einen Vertrag gibt es ja nicht, also hätte Blatter diese Gelder eigentlich aus seiner Privatschatulle zahlen müssen! Wegen dieses dubiosen Geschäftes sind beide ja derzeit gesperrt.

Der Sport-Grantler mag glauben, dass Deutschland keine Funktionäre bestochen hat, doch Geschenke gab es und seien es eben Gastspiele von Bayern München oder der Nationalmannschaft gewesen. Nur wegen der schönen Stadien hat Deutschland die WM nicht bekommen. Klar ist, dass bei der FIFA nach wie vor nichts klar ist, sondern dubiose Ränkespiele weiterhin den Ruf des Fußball-Weltverbandes schädigen. Gezielte Aufräumarbeiten sehen anders aus. Der Sport-Grantler schließt sich denen an, die eine Veröffentlichung des Garcia-Reports fordern. Der frühere US-Bundesstaatsanwalt hat Ermittlungen um die Vergabe der WM 2018 und 2022 geführt und auf den 430 Seiten des Reports vermutlich das Korruptionssystem offengelegt. Wohl deshalb gibt es keine komplette Veröffentlichung.

Sind wir froh, dass in aller Welt wenigstens der Fußball rollt.

Olympia als Ziel, Olympia als Trost

Es laufen derzeit international große Turniere im Fußball, immer wieder im Gespräch sind aber auch die Olympischen Spiele. Es scheint so zu sein: An Olympia kommt niemand vorbei. Die Themen sind allerdings sehr unterschiedlich. Einmal ist Olympia das Ziel, dann wiederum gilt die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Trost. Ein schöner Trost, könnte man sagen.

Nehmen wir zuerst einmal Olympia als Ziel. Vor wenigen Tagen hat die französische Hauptstadt Paris ihre Bewerbung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 kundgetan. 2024 hätte seinen Reiz, denn vor genau dann 100 Jahren war Paris zum letzten Mal Gastgeber. Für 1992, 2008 und 2012 scheiterten die Franzosen. Jetzt aber ist Paris eine starke Bewerbung mit der Unterstützung von über 60 Prozent der Bevölkerung (es gibt Umfragen, die sprechen sogar von über 70 Prozent). Gerade die Sommerspiele haben ihren Reiz nicht verloren, nach den Spielen in Südamerika (Rio de Janeiro 2016) und Aisen (Tokio 2020) kann man über die Bewerber-Städte aus Europa sagen, eine ist attraktiver als die andere: Hamburg, Rom, Paris, wahrscheinlich auch noch Budapest und Istanbul, als Klammer zwischen Europa und Asien. Als Favorit für die Austragung galt aber der amerikanische Kandidat, weil das IOC einen lukrativen Fernsehvertrag mit dem US-Sender NBC abgeschlossen hat. Das Rennen machte zur Überraschung der Fachwelt mit Boston vor San Francisco und Washington, angeblich der schwächste Kandidat. Aber die Granden vom IOC haben schon oft ähnliche seltsame Entscheidungen getroffen wie die der FIFA… Vernunft ist bei Funktionären manchmal ein Fremdwort.

Tatsache ist, dass die Sommerspiele attraktiv bleiben, im Gegensatz zu den Winterspielen, die zumindest in Europa zunehmend ins Visier der Umweltschützer geraten sind und es interessierten Städten nicht gerade leicht machen, Zustimmung zur Austragung der Spiele zu erhalten. Siehe das Beispiel München, als sich die Bevölkerung gegen Olympia aussprach. Hier könnte auf das IOC das Problem zukommen, dass nur noch – sagen wir mal – die weniger demokratischen Staaten die Winterspiele ausrichten wollen.

Ohne Titel bleibt immer noch Rio

Aber bleiben wir bei den Sommerspielen und da steht Rio 2016 im Blickpunkt. So auch bei den deutschen Auswahlmannschaften. Die U21 bei der Europameisterschaft und die Frauen bei der Weltmeisterschaft kämpften um Titelehren. Aber einen Erfolg haben sie frühzeitig bereits errungen: Sie haben sich die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2016 erkämpft. Olympia also auf jeden Fall schon mal als Trost, sollte es mit dem Titel nicht klappen. Auch so wird Olympia attraktiv…

Bei den Fußball-Junioren der U21 ergibt sich allerdings eine seltsame Konstellation, die aufzeigt, dass beim Weltverband FIFA – wen überrascht das noch – nicht weitsichtig gedacht wird. Nachdem das Olympische Fußballturnier keine Konkurrenzveranstaltung zur Weltmeisterschaft sein soll, haben sich IOC und FIFA darauf geeinigt, dass nur Spieler unter 23 Jahren an Olympia teilnehmen dürfen. Eine Ausnahme: Drei Spieler dürfen älter sein. Der Fehler: Viele derjenigen Spieler, die jetzt bei der Europameisterschaft die Kastanien aus dem Feuer holen sollen, sind in einem Jahr für Olympia zu alt! Für die EM zählte als U21 der Start der Qualifikation 2013, Stichtag war der 1. Januar 1992, die Spieler mussten danach geboren sein. Zur EM-Runde sind viele logischerweise älter als 21. Warum weitet man dies gleich bis zu den Olympischen Spielen aus? FIFA-Funktionäre können wohl nicht von 2013 bis 2016 denken…

EM und Olympia: Zwei große Turniere im Sommer 2016

Die Olympia-Teilnahme 2016 bringt aber auch logistische Probleme mit sich. Spieler wie Torhüter Marc-André ter Stegen, Emre Can und Kevin Volland machen sich auch Hoffnung auf den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Sie wollen bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich dabei sein, die vom 10. Juni bis 10. Juli ausgetragen wird. Das Fußballturnier in Rio läuft vom 3. bis 20. August. Für Olympia besteht keine Abstellungspflicht für die Vereine, beide Turniere wird kaum einer spielen können oder dürfen. Für den jungen Spieler, der den Sprung zur EM nicht schafft, bleibt also Olympia als Trost…

Übrigens: 1988 in Seoul war eine deutsche Fußballmannschaft zum letzten Mal bei Olympia dabei. Trainer war der Kölner Hannes Löhr, mit Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Wolfram Wuttke waren drei Spieler dabei, die bei EM und Olympia auflaufen durften. Also, es geht doch! Deutschland holte Bronze.

Bronze gab es bisher nur für die deutschen Frauen, die ansonsten Welt- und Europameister wurden, aber nie Olympiasieger. 2000, 2004 und 2008 holten sie sich die Medaillen, 2012 fehlte Deutschland. Nächstes Jahr ist Deutschland wieder dabei und Bundestrainerin Silvia Neid darf sich auf einen zumindest attraktiven Abschluss ihrer sportlichen Karriere freuen. Olympia war ein erstes Ziel für die Weltmeisterschaft in Kanada (drei Starter aus Euorpa), Hauptziel bleibt allerdings der WM-Titel. Gelingt der große Erfolg nicht, bleibt immer noch Olympia als Trost… Und Altersbeschränkungen gibt es bei den Frauen nicht.