Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: James

Cristiano Ronaldo beschäftigte Europas Fußball

Cristiano Ronaldo und sonst nichts! So ungefähr sah Europas Fußball-Bühne im Sommer aus. Hitze, Dürre und als deren Folge verheerende Waldbrände traten in den Schlagzeilen – diesen Eindruck hatte man fast – in den Hintergrund. Juventus Turin und den Fiat-Eignern war auf jeden Fall ein großer Coup gelungen, der nur möglich war, weil der Torjäger vor dem spanischen Finanzamt fliehen wollte und wohl auch ein Faible für die alte Dame Juve hat. So wurde der Portugiese zum PR-Knüller und er küsste gleichzeitig die Serie A in Italien wach. Natürlich waren auch die Ligen in Spanien und England im Gespräch, dagegen spielte die Bundesliga auf Europas Bühne keine Rolle. Es passt zum Dilemma: Vorbei ist es mit der Weltmeister-Liga, der Glanz ist verblasst.

Italien hat sich mit Cristiano Ronaldo auf Europas Bühne zurückgemeldet, allerdings ist dort auch nicht alles Gold was glänzt. Dazu kam ausgerechnet zum Saisonstart der Schicksalsschlag der Nation mit dem Brückeneinsturz in Genua. Das lähmte natürlich auch die Fußball-Begeisterung. Doch der Mensch vergisst schnell und die Fans, die Tifosi, sowieso. Leider vergessen sie manchmal auch den Anstand, wie die Ultras von Lazio Rom, die mit Flugblättern Stimmung gegen Frauen machten. Bisher schockten sie mit Nazi-Parolen. So kann der Fußball in Italien statt Aufwind wieder Gegenwind bekommen. Nicht zu vergessen, dass im Verband sowieso Chaos herrscht und in den unteren Ligen oft kein geregelter Spielbetrieb stattfindet.

Bei den Spitzenklubs aber wieder Hoffnung. Neben den Klubs aus Rom und Neapel (mit Trainer Carlo Ancelotti) wollen auch beide Mailänder Klubs an alte Erfolge anknüpfen. Inter und Milan kämpfen mit Geldern aus China und den USA um den Anschluss an die großen Vereine in Europa. Die Bundesliga darf sich also warm anziehen, nachdem Italien in der UEFA-Fünfjahreswertung sowieso schon vorbeigezogen ist.

Spanien und England standen zwar ein bisschen im Schatten, aber eine Nebenrolle spielten sie keineswegs. In Madrid drehte sich ja auch alles um Cristiano Ronaldo, doch anders als in Turin stand dort die Frage im Vordergrund, wer den Torjäger auf Dauer ersetzen kann. Es erstaunte schon, dass beim Star-Ensemble sogar vom Kollektiv die Rede ist. Die im Schatten von Ronaldo standen sollen jetzt groß aufspielen. Das scheint vor allem bei Gareth Bale angekommen zu sein. Der Waliser wirkt von einer Last befreit und glänzt als Torschütze. Doch der eher schüchterne Flügelflitzer wird Showman Ronaldo nicht ersetzen können. Das zeigte sich schon beim Liga-Start: Real Madrid spielte vor halbleeren Rängen.

Die Engländer setzen ihre ausgeglichene Liga dagegen. Viel Geld ist natürlich wieder geflossen, aber keineswegs in dem üppigen Ausmaß wie in den vergangenen Jahren. Ein bisschen ist der Markt halt auch gesättigt. Ein Rekord muss allerdings sein und so überboten sich Liverpool und Chelsea bei den Verpflichtungen von Torhütern und schließlich holten die Londoner für 80 Millionen Euro mit Kepa aus Bilbao den teuersten Torhüter der Welt. Ging ja auch nur, weil Ronaldo diese Position keineswegs einnehmen kann.

Wie die Bundesliga steht auch die Ligue 1 in Frankreich im Schatten der anderen, doch sie hat nun das Pfund in der Hand, mit dem die Bundesliga vier Jahre lang werben durfte: Die Weltmeister-Liga! Für Glanz sorgt dazu Paris St. Germain und weltmeisterlich zeigte sich am ersten Spieltag Jungstar Kylan Mbappe. Er wird Trainer Thomas Tuchel sicherlich noch viel Freude bereiten, wenn ihn nicht Verletzungen stoppen. Das ist die Crux der Bundesliga, dass ihr die großen Stars abgehen, weil auch Bayern München nicht alle Preissteigerungen auf dem Spielermarkt mitmachen will. Allein Robert Lewandowski, der weiterhin als einer der besten Mittelstürmer der Welt gilt, und der Kolumbianer James, der vor allem in Südamerika viele Fans hat, können ein bisschen Glanz verbreiten, der auch bei den Altstars Robben und Ribery inzwischen verblasst. Schade, die Bundesliga hat Cristiano Ronaldo nicht ins Visier genommen. Er wusste: Da kann und will mich keiner bezahlen.

Der Sport, die Politik und der WM-Alltag

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist natürlich die große Bühne, die genutzt wird für verschiedene Interessen. Man kann auch sagen, sie wird missbraucht. Allerdings müssen wir unterscheiden zwischen dem bewussten Missbrauch, um die Bühne für Eigeninteressen zu nutzen, und dem emotionalen Missbrauch, der aus der Situation heraus entsteht, meist aus dem Überschwang der Sieges- oder Torgefühle. So auch wieder in den letzten Tagen. Sport und Politik sind nicht zu trennen, das ist leider auch WM-Alltag.

Im Mittelpunkt steht zum Glück der Sport, so bei Deutschlands wichtigem Sieg gegen Schweden. Toni Kroos kam nach dem Kunstschuss in der fünften Minute der Nachspielzeit ganz groß raus. Es war einer dieser Tage, bei dem eine schon tot geglaubte Mannschaft wieder aus der Kiste kam. Das können die Deutschen besonders gut. Was vorher nicht klappte, gelang auf einmal. Der Trainer traf die richtigen Entscheidungen, mit dem Schiedsrichter hatte man ein wenig Glück und ein Platzverweis sorgte vielleicht erst recht für den besonderen Schuss Motivation. Eine spanische Zeitung fasste es treffend zusammen: „Deutschland, das alte Deutschland, das Team, das die meisten Triumphe einfährt, wenn es aussieht, als liege es im Sterben, ist wieder auferstanden.“

Vielleicht muss man auch deshalb großzügig mit dem verfehlten Jubel umgehen, den sich DFB-Angestellte vor der schwedischen Spielerbank leisteten. Andererseits zeugt es von niederer Gesinnung, wenn man glücklichen Siegesjubel so am Gegner auslässt, der keineswegs für eine giftige Atmosphäre gesorgt hatte. Die Frage ist auch, was ein Büroleiter in der Nähe der Spielerbank zu suchen hat. Das sind Emotionen, wie wir sie bei der WM nicht sehen wollen. Da wurden Grenzen gesprengt.

Besonders krass war der Jubel beim Spiel Serbien – Schweiz. Sport und Politik wurden hier wieder einmal in einer Weise vermischt, wie wir es nicht sehen wollen. Vielleicht kann man noch Verständnis haben für die Schweizer Spieler Xhaka und Shaqiri, die neben ihrem kosovarischen Ursprung offensichtlich auch einen gehörigen Schuss Abneigung gegen die Serben in ihrem Herzen tragen. Ihre umstrittene Geste mit Hinweis auf die albanische Flagge haben sie wohl vorher für den Fall des Falles schon im Hinterkopf gehabt, so spontan kann sie nicht gewesen sein. Andererseits sind Siegesjubel im Fußball heute leider oft zweideutig und Ausgangspunkt für Botschaften.

Mit spontanen Emotionen nichts mehr zu tun hat der Ausraster von Serbiens Trainer Mladen Krstajic, der verärgert Schiedsrichter Dr. Felix Brych nach dem Spiel beschimpfte: „Ich würde ihn nach Den Haag schicken, damit man ihm den Prozess macht, wie man uns den Prozess gemacht hat.“ Ein Hinweis auf das UN-Kriegsverbrechertribunal, als Serben wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurden. Die Serben wittern ein Komplott, Brych wertete einen „Dreikampf“ zwischen zwei Schweizern und einem Serben nicht als Foul der Eidgenossen mit der Folge eines Elfmeters, sondern sah ein Foul des Serben. Eine 50:50-Entscheidung. Aber nach dem Spiel sollte ein Trainer seine Emotionen im Griff haben. Seltsam, Krstajic war früher als besonnener Abwehrspieler geschätzt. Die FIFA muss hier mit Strafen deutlich machen, dass gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen.

Der Sport sollte im Mittelpunkt stehen und wird er wohl auch, wenn es jetzt in der dritten Runde der Gruppenphase um die Plätze im Achtelfinale geht. Frühzeitig sind schon einige „Leichtgewichte“ ausgeschieden, wobei es schon erstaunt, dass neben Saudi-Arabien, Marokko, Panama und Tunesien auch Polen, Costa Rica, Peru und Ägypten dazu zählen. Vor allem Polens 0:3 gegen Kolumbien war pikant durch das Duell zweier Bayern-Stars. Treffend, dass Spielmacher James der Held war, der immer betont, wie gut es ihm in München gefällt. Von Torjäger Robert Lewandowski, der immer von einem Wechsel redet, war dagegen nichts zu sehen. Hat das auch einen emotionalen Hintergrund?

Ein bisschen Spannung bleibt uns für die letzten „Endspiele“ erhalten, aber so richtig geht die WM am Samstag, 30. Juni, mit dem Achtelfinale los. Dann heißt es Siegen oder Ausscheiden, ein Druck, den vor allem die Deutschen offensichtlich brauchen.

Bayerns unerfüllter Traum vom Henkel-Pott

Wachen dunkle Mächte über dem Henkel-Pott der Champions League? Es scheint fast so zu sein, dass höhere Wesen die Hand darüber halten, dass am Ende die besten Vereine Europas um den Siegerpokal der Champions League kämpfen, am Ende aber immer Real Madrid gewinnt. Schon auffallend, dass Jahr für Jahr strittige Schiedsrichter-Entscheidungen Real den Weg zum Sieg ebnen. Real steht vor dem Hattrick, dem vierten Erfolg in fünf Jahren.

Leidtragender war wieder einmal Bayern München. Der Deutsche Meister konnte erhobenen Hauptes die Bühne Madrid verlassen, aber dass sie die bessere Mannschaft waren und den Finaleinzug verdient gehabt hätten, dafür können sich die Bayern nichts kaufen. Es bleibt der unerfüllte Traum vom Henkel-Pott und wenn sich Fehler und falsche Pfiffe wiederholen, dann bleibt der Traum noch lange unerfüllt. Nun, Wartezeiten sind die Münchner gewohnt. Nach dem Hattrick der legendären Beckenbauer-Elf 1974, 1975 und 1976 im Europapokal der Landesmeister dauerte es 25 Jahre bis zum ersten Erfolg in der Champions League 2001 und dann wieder 12 Jahre bis zur Wiederholung 2013 mit dem berühmten Triple. Seitdem stehen vor allem spanische Vereine und schwache Schiedsrichter-Leistungen im Wege. Seit dem Titelgewinn war viermal im Halbfinale und 2017 im Viertelfinale Schluss. Schon heute schwören sich die Spieler auf das nächste Jahr ein, nach dem Motto: Einmal muss es doch klappen.

Die große Frage, auf die wohl keiner eine Antwort weiß: Wie kann man diese dummen Fehler in den entscheidenden Spielen vermeiden? Die Bayern haben sich beim 1:2 und 2:2 gegen Real Madrid auch selbst geschlagen. Rafinha mit einem groben Schnitzer im Hinspiel, Torhüter Ulreich mit einem Blackout im Rückspiel waren die Wegbereiter zum Aus. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sah zwar am Dienstag „das beste Bayern-Spiel seit fünf Jahren“, aber es gab keinen Ertrag. 22:9 Schüsse und nur 2:2 Tore sind eine fast erschreckende Bilanz. Die Torjäger Lewandowski und Thomas Müller hatten in den entscheidenden Spielen Ladehemmung.

Eigentlich wähnten viele die Bayern in dieser Saison am Scheideweg. Die Flügelflitzer Robben und Ribery gehen auf die Rente zu, die Trainer Jupp Heynckes ab dem Sommer endgültig wieder genießen will. Spieler wie Lewandowski und Abwehr-Ass Jerome Boateng bringen immer wieder Wechselgedanken ins Spiel, da wird die Aufgabe nicht leichter. Allerdings zeigte diese Saison auch, dass den Bayern der Umbruch gelingen kann. Nachwuchstalent Kimmich war der Torjäger gegen Real, Niklas Süle der Überraschungsmann in der Abwehr, Coman stach vor seiner Verletzung Robben und Ribery aus, Gnabry empfahl sich in Hoffenheim.

Um aber den Henkel-Pott zu holen, muss alles passen, das hat der Sport-Grantler schon zu Saisonbeginn geschrieben. Kaum hatte zum Beispiel Jupp Heynckes davon gesprochen, dass seine Mannen fit seien, da fielen nacheinander Vidal, Boateng und Robben aus, Torhüter Neuer und Coman fehlten sowieso schon. Ausfälle die nicht zu verkraften sind. Und mit Geld wollen die Bayern weiterhin nicht um sich werfen, sie setzen auf kluge Verstärkung und sollten schnell dafür sorgen, dass James an Bord bleibt, der ja noch Real Madrid gehört. Schade für ihn, ein Sieg in Madrid wäre sein persönlicher Triumph gewesen.

Die Jagd nach dem Henkel-Pott wird nicht leichter werden, denn wir wissen, vor allem russische Oligarchen und arabische Scheichs lechzen nach dem Erfolg und schmeißen mit Geld um sich. Auch sie stoßen an Grenzen (siehe Kommentar vom 8. März „Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen“), aber vor allem Manchester City und Paris St. Germain träumen wie die Bayern vom Finale. Da platzen mehr Träume als in Erfüllung gehen können.

Geld spielt also nicht die entscheidende Rolle, aber die Schiedsrichter tun es. Wieder einmal erschreckend die unterschiedliche Auslegung des Handspiels bei den Referees Cakir (Türkei) in Madrid Skomina (Slowenien) in Rom. Die Bayern hätten einen Elfmeter bekommen müssen (es hätte das 2:1 sein können) und die Roma zwei Elfmeter, bevor sie in der Schlussminute doch noch einen fragwürdigen bekamen. Falsches Spiel oder nur falsche Pfiffe? Rom Sportdirektor Monchi hat nicht Unrecht, wenn er behauptet, „das Finale hätte Bayern gegen Rom heißen müssen“. Es heißt tatsächlich Real Madrid gegen FC Liverpool und nicht nur die deutschen und englischen Fans werden Jürgen Klopp und seinen Mannen die Daumen drücken. Beeindruckend ist die Siegesserie der „Reds“ schon, die mit den Play-Offs gegen Hoffenheim begann.

Die Bayern haben auch noch ein Endspiel, am 19. Mai in Berlin das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Ein Sieg wäre nur ein bisschen Trost und Balsam auf die Wunden, selbst das Double könnte die Enttäuschung über das verpasste Champions-League-Finale nicht gänzlich verdrängen. Die spannende Frage: Schafft es der beste Torhüter der Welt, Manuel Neuer, bis dahin wieder im Tor zu stehen oder vertraut Jupp Heynckes am Schluss seiner Karriere dem Unglücksraben Sven Ulreich? Und wenn, halten dann Ulreichs Nerven? Nur eins steht fest: Am 20. Mai wird auf dem Marienplatz in München gefeiert. Das lassen sich die Bayern nicht nehmen, ohne DFB-Pokal wäre die Stimmung allerdings schon getrübt. Die Meisterschale allein macht die Bayern nicht mehr glücklich.