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Tag: Jürgen Klopp

Glorreichen Frankfurtern droht der Scherbenhaufen

Der Fußball kann grausam sein. Das muss in diesen Tagen Eintracht Frankfurt erkennen. Die Hessen lieferten bisher eine hervorragende Saison ab und begeisterten in der Europa League ganz Deutschland. Jetzt aber droht ein Scherbenhaufen. Am Ende stehen die glorreichen Frankfurter vielleicht mit leeren Händen da. Und mehr noch, auch die Mannschaft könnte am Ende eher einem Scherbenhaufen gleichen.

Trainer Adi Hütter und seine Schützlinge übertrafen bei weitem die Erwartungen – bisher. Seit dem 27. Spieltag lag die Eintracht in der Bundesliga auf Platz vier und träumte von der Champions League, nach dem 0:2 gegen Mainz folgte der Sturz auf Rang sechs und am Schluss könnte es Rang acht sein – und der Abschied von Europa. Die kräftezehrende Saison zeigt Wirkung. Verletzungen wichtiger Spieler (zuletzt Haller und Rode) als Folge der Hetzjagd. So hinterließ das Duell mit Chelsea London vom Donnerstag Spuren, in 120 Minuten ließen die Spieler viel Kraft, die Niederlage im Elfmeterschießen beschäftigt den Kopf. Und nun soll die Eintracht das Zünglein an der Waage ausgerechnet bei Titelverteidiger Bayern München sein. Rafft sich die Mannschaft noch einmal auf? Und was ist mit den Stars Jovic und Rebic? Beide stehen vor dem Abschied, letzterer könnte sogar bei den Bayern landen. Und der Eintracht fehlen Stürmer.

Der Fußball kann grausam sein, das erlebte Dortmunds früherer Trainer Jürgen Klopp gerade in der Premier League. 97 Punkte und nur eine Niederlage – und dennoch nur Vizemeister, wenn auch der beste aller Zeiten. Doch das ist kein Trost, wenn die Fans nach dem ersten Titel seit 1990 lechzen. Den holte Pep Guardiola mit Manchester City. Erstmals seit 2009 verteidigte ein Team seinen Titel erfolgreich, das englische Triple ist noch möglich, aber das Aus in der Champions League war die riesige Enttäuschung. Jürgen Klopp kann sich noch ein großes Trostpflaster holen: Den Gewinn der Champions League im Finale gegen Tottenham und den ersten Pokalgewinn und damit die Krönung seiner erfolgreichen Zeit in Liverpool. Die Fans lieben Klopp, den nächsten Angriff auf die Meisterschaft kündigt er für das nächste Jahr schon an: „Wir werden noch besser werden.“

Genauso spannend ist die Bundesliga. Erstmals seit 2009 fällt die Entscheidung um die Meisterschaft erst am letzten Spieltag. Die Ausgangslage ist einfach, die Bayern brauchen bei zwei Punkten Vorsprung vor Borussia Dortmund nur noch einen Zähler, entweder sie holen ihn gegen Frankfurt oder Dortmund verliert ihn bei Borussia Mönchengladbach. Die Spannung ist nicht zu überbieten, weil beide Gegner selbst Punkte benötigen, um den Traum Champions League zu erfüllen. Verschenkt wird also nichts. Die Psycho-Spielchen haben begonnen, „die Bayern können nur verlieren, wir alles gewinnen“, machte Dortmunds Boss Watzke deutlich, quasi ein Hinweis auf die Erwartungshaltung. Aber klar ist auch, das bessere Nervenkostüm darf man von den erfahrenen Bayern erwarten…

Eine besondere Konstellation ergibt sich noch für Bayern-Trainer Niko Kovac, der ausgerechnet seinen alten Verein, mit dem er vor einem Jahr als Pokalsieger den größten Erfolg errang, wieder ins Niemandsland schicken kann. Kovac kämpft aber auch um seine eigene Zukunft bei den Bayern. Die Krise vom Herbst wirkt noch nach, nicht jeder traut ihm den Aufbau der neuen Mannschaft zu, obwohl der Trainer schon in diesem Jahr einen Teil des Umbruchs erfolgreich gemeistert hat. Gnabry und Coman haben die verletzungsanfälligen Ribery und Robben vergessen lassen, die Altstars werden Abschied nehmen. Vielleicht einer von ihnen mit dem „goldenen Schuss“? Kovac muss liefern, die Meisterschaft könnte den Job retten, das Double mit dem Pokalsieg die Woche darauf würde gute Laune verbreiten. Die Generalprobe beim 0:0 in Leipzig verlief positiv, was die Leistung angeht, der Sieg zum Titel fehlte allerdings. Der Balkon am Marienplatz ist reserviert.

Dortmund muss auf einen Ausrutscher des Konkurrenten warten. Dortmund ist in der Situation wie Liverpool, wie der frühere Trainer Jürgen Klopp. Bayern ist City, Kovac will die Rolle von Pep Guardiola spielen, in der Trainer-Philosophie ist er allerdings fast das Gegenteil.

Tränen der Freude und der Trauer begleiten das Saison-Finale. Der 1. FC Nürnberg und Hannover 96 stehen als verdiente Absteiger fest, noch nie war das Niveau am Tabellenende so schlecht. Der VfB Stuttgart rettete sich in die Relegation und wartet auf seinen Gegner, er heißt SC Paderborn oder Union Berlin. Gewinnt Paderborn in Dresden, so machen die Westfalen ein doppeltes Wunder perfekt. In einem Durchmarsch von der Bundesliga bis in die 3. Liga und jetzt das Ganze wieder zurück. Verrücktheit gehört auch zum Fußball. Union muss in Bochum ran und muss auf Dresden hoffen. Der 1. FC Köln feierte im Mai Karneval, ist zurück in der Bundesliga, ein verdienter Wiederaufstieg. Der Hamburger SV hat dagegen die nächste Saison in den Sand gesetzt. Auch mit neuem Personal in der Führung gelang die Wende nicht, wohl deshalb, weil auf dem Spielfeld mehrheitlich das alte, untaugliche Personal stand. Es wird Zeit für einen kompletten Neuanfang!

Eine kleine Meldung am Rande: Die Bayern haben schon einen Titel, die zweite Mannschaft wurde Meister in der Regionalliga Bayern, hat aber damit den Aufstieg in die 3. Liga noch nicht geschafft. Da will der Verein schon lange hin, weil die 3. Liga als besserer Unterbau für die Bundesliga gesehen wird, die jungen Spieler mehr gefordert werden. Im Weg steht eine andere zweite Mannschaft, die des VfL Wolfsburg. Fest steht damit, dass es in der 3. Liga wieder eine zweite Mannschaft eines Bundesligisten geben wird. Die Konkurrenz ist darüber gar nicht so glücklich, weil diese Teams bei ihren Gastspielen kaum Fans mitbringen.

In der 3. Liga stehen der VfL Osnabrück und Karlsruher SC als Rückkehrer in die 2. Bundesliga fest, dort werden sie die Plätze der Absteiger MSV Duisburg und 1. FC Magdeburg einnehmen.

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Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele

Das 5:0 des FC Bayern über Borussia Dortmund im Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war eine Demonstration der Macht, aber keineswegs eine Entscheidung im Titelkampf, wie viele angesichts des Münchner Spektakels unken. Ganz im Gegenteil, ein Pünktchen Vorsprung, was ist das schon. Bereits ein Unentschieden bedeutet den Verlust von zwei Punkten, wenn der Verfolger siegt. Nein, der Titelkampf ist noch nicht entschieden, aber Bayern und Dortmund haben nur noch Endspiele vor sich, sechs an der Zahl.

Das 5:0 im 100. Duell war aber auch ein Triumph für Bayern-Trainer Niko Kovac, der seinen Gegenspieler und eigentlichen Taktik-Fuchs Lucien Favre austrickste. Kovac traf vor allem die richtigen Personalentscheidungen, nominierte Martinez und Müller (dafür Goretzka und James auf der Bank), beide dankten es ihm mit überragenden Leistungen. Vor allem Martinez machte deutlich: In Spitzenspielen kann Kovac nicht auf den Spanier verzichten und mit Müller ist Lewandowski besser (was er auch immer betont und so hat er die Schallmauer von 200 BL-Toren durchbrochen). Der Lohn für den Trainer: Präsident Uli Hoeneß sprach ihm eine Job-Garantie aus.

Aber Vorsicht: Das 1:1 zuvor in Freiburg, aber auch das 5:4 im wilden Pokalspiel gegen Heidenheim bewiesen, dass die Fallen für den Titelverteidiger nicht in den Spitzenspielen liegen, sondern in den Vergleichen mit dem „Fußvolk“. Insofern folgt auf das „Spiel der Spiele“ gegen Dortmund vielleicht das wahre „Spiel der Spiele“, nämlich das Gastspiel am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger hat sich auf einer Euphorie-Welle zum Klassenerhalt tragen lassen und bereitete den Bayern schon im Hinspiel beim 3:3 Ärger. Es war der Höhepunkt der Bayern-Krise. Eigentlich eine Gelegenheit für eine weitere Macht-Demonstration des Tabellenführers. Das Restprogramm sieht für die Bayern überhaupt größere Brocken vor (Bremen, Nürnberg, Hannover, Leipzig, Frankfurt) als Dortmund (Mainz, Freiburg, Schalke, Bremen, Düsseldorf, Gladbach), vor allem am Schluss mit Leipzig und Frankfurt.

In den letzten Jahren schauten die deutschen Fußball-Fans sehnsüchtig nach den anderen europäischen Ligen, wo an der Tabellenspitze Spannung herrschte, in diesem Jahr ist es umgekehrt. Nur in Deutschland und England (Liverpool gegen Manchester City) gibt es einen echten Kampf um die Meisterschaft, in Italien (Juventus Turin), Frankreich (Paris St. Germain) – beide fast durch – und Spanien (FC Barcelona mit deutlichen Vorsprung) macht sich eher Langeweile breit.

Von Langeweile kann im Abstiegskampf der Bundesliga nicht geredet werden, von mangelnder Klasse allerdings schon. Das Niveau der Kellerkinder war in den letzten Jahren nie so schlecht wie in dieser Saison. Im Kampf um den Klassenerhalt kommt keine Mannschaft so richtig in Form, Magerkost gibt es bei den Leistungen und entsprechend auch beim Punktesammeln. Augsburg setzte einen Schlusspunkt am Wochenende mit dem 0:4 gegen Hoffenheim und der Niederländer Jeffrey Gouweleeuw sprach es deutlich aus: „Wir haben einfach Glück, das ist der Wahnsinn.“ Glück gemünzt darauf, dass die Konkurrenz auch nicht punktet und der FCA mit 25 Punkten weiter auf dem ersten Nichtabstiegsplatz verharrt, noch mit vier Zählern Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Könnte ja reichen, wer weiß, ob Stuttgart, Nürnberg und Hannover überhaupt noch vier Punkte holen. Diesbezüglich dürfen Freiburg (32 Punkte), Mainz (33) und Hertha (35, trotz wieder schwacher Rückrunde) schon den Klassenerhalt feiern. Eigentlich eher eine traurige Angelegenheit.

Die Spiele im DFB-Pokal bewiesen wieder einmal, dass der Pokal lebt und es keineswegs einer Reform bedarf, wie sie immer wieder angedacht wird. So eroberte vor allem Zweitligist FC Heidenheim mit seinem heldenhaften 4:5 in München die Herzen der Fans. Das wäre in Punktspielen nie möglich. Die Halbfinals am 23. und 24. April versprechen Spannung mit den Partien Hamburger SV – RB Leipzig und Werder Bremen – Bayern München, zumal beide Favoriten auswärts antreten müssen. Die Bayern haben Werder dafür am 20. April in der Bundesliga zu Gast.

Frankfurt letzte Hoffnung in Europa

Champions League (CL) und Europa League (EL) bestimmen in den nächsten zwei Wochen das Fußball-Geschehen in Europa. Das Viertelfinale der CL findet bekanntlich ohne deutsche Beteiligung statt, da kann das ZDF ja froh sein, dass es für die TV-Rechte kein Geld mehr ausgegeben hat. Traurig ist es aber für die Bundesliga, dass sie zuschauen muss. Aber mit Bayern München hat sich bekanntlich nicht nur der deutsche Favorit verabschiedet, sondern – zur Erinnerung – auch Titelverteidiger Real Madrid und der Scheich-Klub Paris St. Germain sind nicht mehr dabei. Die Premier League bestimmt mit vier Vertretern das Geschehen, wobei Jürgen Klopp für seinen FC Liverpool die Favoritenrolle ablehnt. Er reicht sie an Pep Guardiola weiter: „Manchester City ist derzeit der beste Klub der Welt.“ Das wird sich schon im englischen Duell mit Tottenham (im neuen Stadion) zeigen müssen, Liverpool sollte es gegen den FC Porto leichter haben. Manchester United – FC Barcelona (mit Messi) ist wohl das interessanteste Duell, Juventus Turin (bei Ajax Amsterdam) bangt um Cristiano Ronaldo.

Die letzte Bundesliga-Hoffnung auf Europas Bühne ist Eintracht Frankfurt. Die Hessen müssen am Donnerstag bei Benfica Lissabon ran und wollen ein Alleinstellungsmerkmal erfolgreich verteidigen: Frankfurt ist als einzige Mannschaft in den europäischen Wettbewerben noch ungeschlagen! Auch in der Bundesliga hat die Eintracht 2019 noch nicht verloren, da sollte der nötige Schwung vorhanden sein, zumal auch in der Bundesliga ein Platz für die Champions League winkt. Da müssen die Schützlinge von Adi Hütter nicht einmal die Europa League gewinnen, aber sie würden es gern. Und die Bundesliga freut sich, dass in der EL nicht immer nur von einer Pleite der deutschen Klubs die Rede ist.

Zur Beachtung: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar „Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs“.

Narren haben an der Bundesliga ihre Freude

Zur Hochzeit des Karnevals oder Fasching ließ sich die Fußball-Bundesliga am Wochenende nicht lumpen. Sie haute auf die Pauke, lieferte Turbulenzen, manche Klubs spielten den Clown, es gab ein Durcheinander und am Schluss da und dort den entsprechenden Kater. Das Geschehen war teilweise verrückt, die Narren konnten an der Bundesliga ihre Freude haben. Keine Freude dagegen im Pott mit Dortmund und Schalke – dort herrscht Alarmstimmung.

Den Paukenschlag Nummer 1 lieferte bereits am „rußigen Freitag“ der FC Augsburg, der Tabellenführer Borussia Dortmund mit 2:1 schwarz machte. Es war ein besonderes Erlebnis, mit einer Wiederauferstehung des Abstiegskandidaten, der nach einer willenlosen Leistung in Freiburg und der 1:5-Schlappe alles in die Waagschale legte, was ihn bisher in der Bundesliga hielt: Kampfgeist, taktische Disziplin und erfolgreiche Konter. Es bedurfte dazu natürlich auch eines überragenden Torhüters Gregor Kobel und eines eiskalten Torjägers Dong-Won Ji, der mit einem Weltklassetor die Borussia düpierte. Die Augsburger waren laufstark (11 Kilometer mehr als Dortmund), die Borussia offensichtlich zu grün.

Bayern München darf sich beim Nachbarn bedanken und nutzte die Gunst der Stunde mit einem 5:1 bei der schwächelnden Borussia in Mönchengladbach. Der Name Borussia bürgt derzeit für eine Krise. Gladbach kann dabei weniger verspielen als die Dortmunder, die ja schon mit neun Punkten Vorsprung ihre Hand fast an der Meisterschale hatten. Doch der Wind hat sich gedreht. Lief im Herbst alles gegen die Bayern (auch Schiedsrichter-Entscheidungen), so läuft jetzt alles für sie. Beim 1:0 in Gladbach hätte Referee Zwayer auch auf Foul vom Torschützen Martinez entscheiden können, er tat es nicht, entschied im Zweifel (50:50) für den Angreifer. Also, jetzt läuft es wieder bei den Bayern. In Dortmund wächst dagegen der Frust, der Ton wird schärfer und es kommt die Bewährungsprobe für Trainer Lucien Favre. Ist der oft zweifelnde Schweizer in der Lage die Krise zu meistern? Vor Problemen lief er in der Vergangenheit oft davon. Jetzt sind auch Dortmunds Bosse gefragt.

Karneval an Rhein und Main, Alarmstimmung im Pott. Bei Schalke 04 ist Boss Clemens Tönnies noch mehr gefordert als Kollege Watzke in Dortmund. Das 04 stand sinnbildlich für die peinliche 0:4-Niederlage gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Ohne Gegenwehr ergab sich Schalke, kein Aufbäumen, kein Kampf, nichts. Die Spieler agierten, als wären sie die Nacht vorher beim Karneval gewesen. Der Manager machte schon den Abflug, Trainer Domenico Tedesco wird wohl folgen. Doch der neue Sportvorstand Jochen Schneider ist erst ab 14. März offiziell im Amt. Dann muss er aufräumen, ein Neuanfang am Ende der Saison ist aber fast nicht machbar. Schalke in Not, sogar der Abstieg droht. Bisher weist die Bilanz die schlechteste Saison seit 26 Jahren aus.

Der Abstieg droht – das gilt noch mehr für den 1. FC Nürnberg und Hannover 96. Die Nürnberger konnten nach dem 0:1 gegen Leipzig wenigstens erhobenen Kopfes vom Platz gehen. Sie mussten erkennen, dass im Abstiegskampf eben auch das Glück fehlt, so beim Elfmeter-Fehlschuss, der eine Wende hätte bringen könnte. Bei Hannover fehlte dagegen alles (siehe Schalke). Der neue Trainer Thomas Doll ist frustriert: „So hatte ich mir das nicht vorgestellt.“ Die Stuttgarter hatten sich das beim 5:1-Sieg dagegen genauso vorgestellt: Gomez trifft wieder, das Spiel passt wieder, das Punktekonto steigt. Trainer Markus Weinzierl hat offensichtlich die Wende geschafft und kann wieder ruhiger schlafen.

Die Augsburger konnten sich am Sonntag noch einmal zum Sensationssieg beglückwünschen, denn ohne die drei Punkte wären sie jetzt auf den Relegationsplatz abgerutscht. Es sieht ganz nach einem Dreikampf von Schalke, Augsburg und Stuttgart gegen Rang 16 aus. Nachteil VfB, er muss noch bei beiden Konkurrenten antreten, in Augsburg am 30. Spieltag und auf Schalke ausgerechnet am letzten Spieltag. Der große Showdown wäre reizvoll wie Karneval oder Fasching. Für Markus Weinzierl eine besondere Konstellation, der Stuttgarter Trainer war zuvor bekanntlich in Augsburg erfolgreich und auf Schalke weniger erfolgreich tätig. Und jetzt erfolgreich in Stuttgart? Wie auch immer, für einen der drei Klubs gibt es im Mai noch eine Fastenzeit, wenn man Nürnberg und Hannover schon abschreibt.

Eine Fastenzeit für die Fußball-Fans gibt es nach dem Faschingsdienstag nicht, ganz im Gegenteil, Europas Wettbewerbe stehen wieder im Mittelpunkt. Glücklich wird man in Dortmund nicht sein, dass es gerade jetzt gegen Tottenham ums Überleben in der Champions League geht. Ein 0:3 ist schwer aufzuholen, aber wie es geht, Unmögliches möglich zu machen, bekam Dortmund ja von den Augsburgern gezeigt. Auf Europas Bühnen ging es ebenfalls ein bisschen verrückt und turbulent zu. So zum Beispiel in Spanien, als Barcelona im Pokal mit 3:0 und in der Meisterschaft mit 1:0 zweimal in wenigen Tagen bei Real Madrid gewann. Da zweifelt man beim Titelverteidiger schon, ob das 2:1 gegen Ajax Amsterdam aus dem Hinspiel reicht, zumal Kapitän Ramos ein Eigentor fabrizierte. Er provozierte im Hinspiel eine Gelbe Karte, weil er dachte, das Fehlen gegen Ajax würde nicht ins Gewicht fallen, doch weil er damit prahlte, wurde er gleich für noch ein Spiel gesperrt.

Eine Woche später ist erst Bayern München gegen den FC Liverpool zum Rückspiel dran. Noch eine Verschnaufpause vor allem für Jürgen Klopp bei den „Reds“, denn es will nicht mehr so richtig laufen. Wieder ein 0:0 im Lokalderby gegen Everton, zweimal auswärts jetzt ohne Tor, Manchester City (nach einem 1:0 in ‚Bournemouth) zog vorbei. Auch Klopp hatte schon mal sieben Punkte Vorsprung vor Pep Guardiolas Team. Da ist Dortmund ja noch besser dran, ist noch Tabellenführer mit zwei Toren Vorsprung. Doch die Zeichen stehen auf Wechsel, „wir haben das Momentum auf unserer Seite“, betonte Thomas Müller, der wieder einmal von Anfang an ran durfte und sich als „Comebacker des Tages“ bezeichnete. Es könnte wirklich eine bittere Fastenzeit für Dortmund werden.

Die Stunde der Wahrheit für die Bayern

Die einen nennen es das „Spiel des Jahres“, die anderen rätseln „Wie stark ist der FC Bayern wirklich?“, aber eines ist gewiss: Am Dienstag kommt „Die Stunde der Wahrheit“ für den FC Bayern München. Gegner ist der FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League und die ganze deutsche Fußball-Nation steht hinter den eigentlich ob ihres Erfolges und oft großspurigen Auftretens eigentlich ungeliebten Bayern. Aber sie sind – wieder einmal – der einzige Hoffnungsträger der Bundesliga in der Champions League (CL).

Nach der Auslosung des CL-Achtelfinals richteten sich alle Augen auf das Duell England – Deutschland (auch hier hieß es am 2. Februar „Der Zweikampf England – Deutschland steht im Mittelpunkt“). Jetzt ist das erste Duell vorbei und Fußball-Deutschland enttäuscht, den Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund erhielt bei den Tottenham Hotspur eine Lehrstunde erteilt und steht nach dem 0:3 unmittelbar vor dem Aus. Eigentlich galten die Favre-Schützlinge als größter deutscher Hoffnungsträger, aber die großartige Frühform der Saison ist verflogen, dafür schmerzt das Verletzungspech. Jetzt müssen die Bayern wieder die Rolle des Hoffnungsträgers übernehmen, wobei die Chancen gegen den Tabellenführer in England allenfalls als 50:50 eingeschätzt werden. Immerhin: Alles ist möglich.

Eins ist klar: Von den beiden Kontrahenten könnte jeder am Ende auch im Endspiel am 1. Juni in Madrid stehen. In Höchstform zeigten sich zuletzt beide Teams nicht, auch hier spielt das Verletzungspech eine große Rolle. Trainer Jürgen Klopp hat beim FC Liverpool vor allem Abwehrsorgen, Abwehrchef van Dijk fehlt ebenso wie sein stärkster Nebenmann Lovren und der nächste in der Rangliste, Joe Gomez. Ein Dilemma, das den Ex-Schalker Joel Matip in die Mannschaft spült. Also heißt es wieder einmal: Angriff ist die beste Verteidigung, der Super-Sturm mit Afrikas Fußballer des Jahres Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane muss es richten. Ein Sonderfall: Da Liverpool in den nationalen Pokalwettbewerben frühzeitig ausgeschieden ist, hatte die Mannschaft jetzt zehn Tage Pause. Klopp nutzte sie zu einem Trainingslager in Spanien. Vorteil (ausgeruht) oder Nachteil (kein Spielrhythmus) wird sich zeigen. Von müden Engländern vom Liga-Stress sollte aber keine Rede sein.

Abwehrprobleme plagen auch die Bayern. Immerhin ist Stammtorhüter Manuel Neuer wieder an Bord, aber Jerome Boateng wird wegen Magenproblemen fehlen. Er ist zusammen mit Mats Hummels laut Statistik Bayerns stabilste Innenverteidigung. Aber von stabil kann bei den Münchnern eigentlich nicht die Rede sein, denn sie kassieren ungewöhnlich viele Gegentore, zeigen sich vor allem als konteranfällig und könnten deshalb für die schnellen Liverpooler Stürmer ein gefundenes Fressen darstellen. Vorteil Klopp also, es sei denn, Bayern-Trainer Niko Kovac besteht seine Meisterprüfung und schafft es, die offenen Reihen dicht zu bekommen. Kovac in der Rolle des Klempners. Übrigens: Bei einer Umfrage des kicker sagt die Mehrheit der Leser (56,9 Prozent), dass die Bayern nicht weiterkommen.

Bei der Frage des Weiterkommens von Schalke 04 sagen sogar 88,4 Prozent „Nein“. Ist auch logisch, heißt doch der Gegner Manchester City mit Trainer Pep Guardiola. Dessen Mannschaften beeindrucken besonders mit Spielkultur. Der Trainer bei Schalke heißt Domenico Tedesco, der Schalke im Vorjahr mit Defensiv-Disziplin zur Vizemeisterschaft führte, in diesem Jahr aber eher an den Abgrund. Bei Schalke fehlt quasi alles, ein Gegner auf Augenhöhe wird der Bundesligist nicht sein. Abwehrbeton gegen Spielkunst ist wohl die Losung und die Schalker Fans werden sich eher an Leroy Sane erfreuen, wenn denn ihr alter (junger) Liebling von Pep auch aufgestellt wird.

Die Bayern wollen alle Rekorde

Und da sind wir auch wieder bei der Bundesliga. Die Bayern wollen offensichtlich alle Rekorde, selbst wenn er negativ ist. Leon Goretzka traf beim mühsamen 3:2-Sieg in Augsburg nach 13 Sekunden ins eigene Netz und schaffte damit das schnellste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. Es gibt allerdings Rekorde, die werden für die Bayern unerreichbar sein. Oder ist es denkbar, dass zum Beispiel Franck Ribery mit über 40 noch für die Bayern wirbelt? Mit Blick auf „Oldie“ Claudio Pizarro können die Bayern wenigstens darauf verweisen, dass der Peruaner auch für sie spielte. Der Stürmer ist aber wirklich ein Phänomen, netzte in Berlin glücklich ein und ist jetzt mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und es wird wohl nicht das letzte Tor gewesen sein, vielleicht hängt er sogar noch ein Jahr dran. Noch ist er wertvoll für Werder Bremen. Noch ein Rekord: Pizarro traf von 1999 bis 2019 in allen 21 Kalenderjahren.

Ansonsten machte die Bundesliga zuletzt Schlagzeilen, weil sie nach dem Skifliegen in Oberstdorf eine eigene Flugwoche veranstaltete. Neben Trainern fliegen neuerdings auch die Sportdirektoren. Nach dem VfB Stuttgart räumte auch der 1. FC Nürnberg auf, entließ gleich Trainer Michael Köllner und Sportvorstand Andreas Bornemann. Bleibt im Abstiegskampf nur noch Augsburgs Trainer Manuel Baum als einziger im Amt. Zusammen mit Kollegen Markus Weinzierl, der ja in Stuttgart schon als „Retter“ geholt wurde, muss er von Woche zu Woche schauen, wie die Leistungen bewertet werden. Schwere Aufgaben stehen für Baum in Freiburg und Weinzierl in Bremen bevor. Was passiert bei Niederlagen?

Thema des Spieltags: Was passiert bei Handspielen? Die werden immer mehr zu einem Buch mit sieben Siegeln, keiner kennt sich mehr aus. Schlimm: Spieler, Trainer und Fans haben die Eindruck, auch Schiedsrichter und Video-Schiedsrichter kennen sich nicht mehr aus. Wie bei Handspielen geurteilt wird, ist zum reinen Glücksspiel geworden. Ob der Fußball so bald zu einem verbotenen Glücksspiel wird?

Noch einmal zurück zum FC Bayern München. Sollten die Profis in diesem Jahr tatsächlich ohne Titel bleiben, dann gibt es im Verein vielleicht noch einen kleinen Trost. Die Frauen haben am Sonntag das Spitzenspiel gegen den eigentlich übermächtigen VfL Wolfsburg glücklich mit 4:2 gewonnen und haben nach Punkten aufgeschlossen. Was das Ergebnis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Statistik: Wolfsburg erlitt die erste Saisonniederlage und hatte bis dahin nur fünf Gegentreffer in 13 Spielen hinnehmen müssen und das Hinspiel noch mit 6:0 gewonnen!

Die Frauen könnten also Bayern einen Titel bescheren, ebenso die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga Süd auf Platz eins liegt und endlich in die 3. Liga aufsteigen will. Bayern-Präsident Uli Hoeneß wäre glücklich, wenn die Basketballer wieder die Meisterschaft wieder nach München holen würden. Diese führen die Bundesliga klar an, aber es gibt ja Play-Offs. Eine Entscheidungsrunde, die alles wieder auf „Null“ stellt und die viele sich deshalb in den letzten Jahren auch für die Fußball-Bundesliga wünschten. Doch in diesem Jahr hat ja Borussia Dortmund eine andere Antwort gegeben. Wie auch immer, ganz leer ausgehen werden die Bayern vielleicht doch nicht.

Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League

Der Wintersport macht derzeit mit zahlreichen Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam, die Handballer sonnten sich bei ihrer WM im Licht der Öffentlichkeit, doch in den nächsten Wochen wird wieder der Fußball die Schlagzeilen bestimmen. Die besten Vereine Europas rüsten sich für die entscheidende Phase im Kampf um die Pokale. Der Februar und März gehören der Champions League (CL) und der Europa League (EL). Für Fernsehsender und Sponsoren hat die UEFA für das CL-Achtelfinale einen Gummi-Terminplan über mehrere Wochen erstellt (12. Februar bis 13. März). Im Mittelpunkt dabei der Zweikampf zwischen England und Deutschland.

Es war schon ein seltsames Los, dass alle drei deutschen Teilnehmer am Achtelfinale einen englischen Gegner erhielten. Das elektrisierte auch die Medien, so liefert die Fachpresse über Wochen hinweg schon Erinnerungen an die Duelle zwischen England und Deutschland. Doch die Gegenwart zählt, wenn auch die Engländer sicherlich gerne darauf verweisen, dass ihre Klubs bereits zwölf Titel in Europas Königsklasse holten, die Deutschen dagegen nur sieben (Bayern München 1974, 1975, 1976, 2001, 2013, Hamburger SV 1983, Borussia Dortmund 1997). Erster englischer Sieger war Manchester United 1968. Die Duelle werden aber auch befeuert durch die Diskussionen, wer nun die beste Liga in Europa sei. England kann als Trumpf das viele Geld vorweisen, die Deutschen verweisen auf die gute Stimmung in den Stadien und daneben muckt Spanien auf: „Eigentlich sind wir am erfolgreichsten“. Nach Bayerns Triumph 2013 siegten nur Spanier. Vor allem Real Madrid mit dem Hattrick von 2016 bis 2018 (dazu Sieg 2014) bestimmte zuletzt das Geschehen, aber der FC Barcelona als Sieger von 2015 gehört ebenfalls immer zu den Favoriten. Wer also aus England oder Deutschland kann die Spanier stoppen?

Am meisten wird Englands Meister Manchester City genannt, aber die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola hat sich zuletzt nicht unbedingt in Bestform präsentiert. Wie überhaupt fast alle Top-Teams in Europa in den letzten Wochen mit einer Leistungsdelle zu kämpfen hatten. Da stehen ManCity oder eben auch die Bayern nicht allein. Bezeichnend aber, dass die deutschen Klubs gegen die momentan drei besten Teams in England antreten. Der FC Liverpool ist Tabellenführer vor City und den Tottenham Hotspur. Das kann die Bundesliga nicht vorweisen, vor allem Schalke 04 erlebte als Vizemeister einen Absturz und kämpft national eher gegen den Abstieg. Auch die Bayern haben die nicht die Form des Vorjahres. Leichtes Spiel also für Englands Premier-Klubs?

Leicht wollen es die Bundesligisten ihren Gegnern nicht machen. Vor allem das Duell zwischen Liverpool und den Bayern könnte auch ein Endspiel sein, hat vor allem mit dem Deutschen Jürgen Klopp als Trainer der „Reds“ eine besondere Note, denn mit Borussia Dortmund unterlag Klopp bekanntlich 2013 den Münchnern im Finale in Wembley. Den Auftakt macht aber das Duell zwischen Tottenham und Dortmund am Mittwoch, 13. Februar. Es ist das Duell, in dem sich die Bundesliga am meisten ausrechnet, zumal die Spurs auf ihren Torjäger Harry Kane verzichten müssen. Die Frage ist allerdings, ob Dortmunds Himmelsstürmer schon die Reife für solche Aufgaben haben. Immerhin können sie als Meisterprüfung den Gruppensieg vor Atletico Madrid vorweisen, Tottenham kam am FC Barcelona nicht vorbei.

Das ist auch der Trumpf, den die Münchner auf ihrer Seite sehen, dass der FC Liverpool zwar in England imponiert, aber auf Europas Bühne in der Gruppenphase ungewohnte Schwächen zeigte und kein einziges Auswärtsspiel gewinnen konnte! Und die Fans in Liverpool sehnen sich auch mehr nach der Meisterschaft in England (die letzte liegt 19 Jahre zurück) als nach dem Gewinn der Champions League, da gewann man zuletzt 2005. Die CL kann da noch warten. Jürgen Klopp sieht das vielleicht anders, für ihn gilt vor allem: Ein Titel muss her. Als ohne Chance gilt Schalke O4 gegen Manchester City, dennoch kommt Freude in Gelsenkirchen auf. Freude über das Geld, das fließt, Freude über den prominenten Besuch von Pep Guardiola, vor allem Freude über das Wiedersehen mit Talent Leroy Sane, der sich inzwischen in Manchester durchgesetzt hat. Für Schalke gilt das Motto: Wir sind ohne Chance, also nutzen wir sie.

Übrigens verwundern Zahlen, die Sport-Bild im Vorfeld veröffentlichte, denn trotz riesigen Summen aus Fernsehgeldern für die Premier League können die deutschen Spitzenteams in den Gehaltetats durchaus mithalten. Die Zahlen im Vergleich: Liverpool 166 Millionen Euro TV-Geld für die Saison (Bayern 95,8), Liverpool 244 Mill. für Gehälter (Bayern 276 Mill.!). Tottenham 165 Mill. TV-Geld (Dortmund 86,5) und 148 Mill. für Gehälter (Dortmund 140 Mill.). Schalke fällt dagegen ab: ManCity 170 Mill. TV und 334 Mil. für Gehälter, Schalke dagegen 77,9 Mill. TV und „nur“ 92 Mill. für Gehälter. Arm werden die Spieler also in Deutschland auch nicht.

Neben den deutsch-englischen Vergleichen steht vor allem das Duell Manchester United gegen Paris Saint Germain im Blickpunkt. Da der Traditionsverein, der sich gerade sportlich ein bisschen im Tief befindet, allerdings nach der Entlassung von Trainer Mourinho wieder zu besseren Leistungen findet. Dort die Neu-Reichen aus Paris, die mit Geld aus Katar gefüttert werden und deren großer Traum der Gewinn der Champions League ist. Eine Mammutaufgabe für Trainer Thomas Tuchel, zumal ausgerechnet Superstar Neymar ausfällt. Aber auch mit Atletico Madrid und Juventus Turin duellieren sich zwei Mitfavoriten, leichter sollte es der FC Barcelona mit Olympique Lyon haben, aber Achtung, da musste Paris gerade seine erste Saison-Niederlage einstecken.

Das CL-Achtelfinale: Manchester United – Paris St. Germain, AS Rom – FC Porto (beide 12.2./6.3.), Tottenham Hotspur – Borussia Dortmund, Ajax Amsterdam – Real Madrid (beide 13.2./5.3.), FC Liverpool – Bayern München, Olympique Lyon – FC Barcelona (beide 19.2./13.3.), Schalke 04 – Manchester City, Atletico Madrid – Juventus Turin (beide 20.2./12.3.).

In der Europa League wird erst noch eine Zwischenrunde gespielt, bevor es in das Achtelfinale geht. Mit Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt sind noch zwei deutsche Vereine dabei, die sogar Finalträume haben und die Bundesliga besser vertreten wollen, als es von anderen Klubs in den letzten Jahren der Fall war. Gespielt wird am 14. und 21. Februar, Leverkusen muss sich mit den Russen von FK Krasnodar auseinandersetzen, Frankfurt mit dem Meister der Ukraine Schachtar Donezk keine leichte Aufgabe. Dem Sieger der Europa League winkt bekanntlich ein Platz in der Champions League, was mehr wert ist als jede Prämie.

Bundesliga: Jahres-Endspurt, aber der Meister steht schon fest

Es ist am Sonntag erst Halbzeit, aber die wichtigste Entscheidung in der Fußball-Bundesliga ist bereits gefallen: Die Fans von Borussia Dortmund haben es hinausgeschrien – „Meister wird nur der BVB“. Die Statistiker bestätigen ihre Einschätzung: In 38 von 55 Fällen gewann der Herbst- bzw. Weihnachtsmeister am Ende auch den Titel und speziell die Borussen taten etwas für diese Statistik, weil sie nämlich in den Jahren ihrer Herbstmeisterschaft 1994/95, 95/96 und 2010/11 am Ende auch den Titel feierten. Also alles klar!

Die Bayern werden natürlich gegen das von der Statistik vorhergesagte Schicksal ankämpfen. Bisher haben sie um diese Zeit abgewehrt, wenn sie die Bundesliga ähnlich klar beherrschten wie derzeit Dortmund und schon als Meister ausgerufen wurden, wobei Präsident Uli Hoeneß eines der am meisten wiedergegebenen Zitate prägte: „Der Weihnachtsmann war noch nie der Osterhase.“ Außer vielleicht in der Schokoladen-Industrie. Was Hoeneß sagen wollte: Ein Vorsprung, und sei er noch so groß, kann noch verspielt werden. Das glaubt der Meister der letzten sechs Jahre diesmal besonders fest, weil er sich mit neun Punkten Rückstand in der Verfolgerrolle sieht. Die Münchner sind auch wieder ins Rollen gekommen, doch der Tabellenführer zeigt keine Schwächen. Und ohne Leistungseinbruch der Borussia bringen alle Siege den Bayern den Titel nicht mehr.

Auch für den Jahres-Endspurt sieht es nicht nach einer Schwächephase aus, Dortmund muss bei Aufsteiger Düsseldorf antreten und hat im letzten Hinrundenspiel am Freitag die lädierte Borussia aus Mönchengladbach zu Gast. Eigentlich ein Spitzenspiel, mit dem das ZDF in einer von drei Live-Übertragungen der Bundesliga Zuschauer gewinnen will, doch den Gladbachern gehen die Spieler aus. Jetzt erwischte es auch noch die Mannschaftsstützen Raffael und Stindl, Trainer Dieter Hecking ist der Verzweiflung nahe, aber Gladbach noch Zweiter. Den Platz wollen zur Jahreswechsel die Bayern belegen, doch sie haben hohe Hürden zu meistern: Leipzig und Frankfurt sind die Gegner, zwei Teams, die auch auf die Plätze für die Champions League schielen und die mit schnellem Umschaltspiel den Münchnern Probleme bereiten können. Insofern ein guter Test, ob der Titelverteidiger wirklich als ernsthafter Konkurrent von Dortmund in die Rückrunde (ab 18. Januar) gehen kann. Unabhängig davon, dass der Meister ja schon feststeht…

Etwas unverständlich ist, dass die DFL keine andere Terminplanung erarbeiten konnte, um einen Spieltag unmittelbar vor Weihnachten zu verhindern. Das am Tag vor dem Heiligen Abend noch um 18.00 Uhr gespielt wird (Hoffenheim – Mainz) ist weder für die Fans noch für die Spieler glücklich. Wieder ein Beispiel dafür, dass der Fußball auf die Fans zu wenig Rücksicht nimmt. Der Spieltag hätte im Laufe der Vorrunde früher einmal unter die Woche eingeschoben werden können, was allerdings den Fans auch nicht so gefällt, doch der Tag vor Weihnachten ist schon extrem schlecht. Ausländische Spieler, die auch Weihnachten feiern wollen, klagen und kommen zum Teil nicht rechtzeitig bei ihren Familien an.

So fragen wir uns, wer dann wirklich fröhliche Weihnachten feiern darf. Für Spannung ist ja gesorgt, vielleicht weniger an der Spitze (wie in den letzten Jahren schon durch die Bayern), umso mehr aber am Tabellenende. Da muckten Düsseldorf und Stuttgart auf, schickten Nürnberg und Hannover auf die Abstiegsplätze und zogen Augsburg und Schalke, die sich beim 1:1 die Punkten teilten, was keinem half, mit in den Strudel hinein. Nur wer in dieser Woche noch Punkte sammelt, wird zum Jahreswechsel zufrieden sein. Bei den anderen sehen fröhliche Weihnachten wohl anders aus. Beim Wunschzettel für das Christkind werden bei einigen Klubs Punkte wohl an erster Stelle stehen.

Bundesliga gegen Premier League

Andere Wünsche als die gezogenen Lose hatten wohl die Bundesligisten bei der Auslosung des Achtelfinales der Champions League (CL). Die „arme“ Bundesliga duelliert sich mit der „reichen“ Premier League. Im Mittelpunkt dabei vor allem das Duell des FC Bayern München mit Jürgen Klopps FC Liverpool, derzeit Tabellenführer in England. Da hatten sich die Bayern als Gruppensieger eigentlich einen leichteren Gegner gewünscht. Liverpool wollte keiner der Gruppensieger. Ist halt noch nicht Weihnachten. Klopp hätte ja eher zu Dortmund gepasst, doch die Borussia trifft auf Tottenham, zwar ein schweres Los, aber das leichteste der drei Bundesligisten. Schalke 04 darf sich auf die Rückkehr von Leroy Sane freuen und auf ein Wiedersehen mit Pep Guardiola, sich aber gegen Manchester City nichts ausrechnen. Bisher lag die Bundesliga im europäischen Abschneiden über dem Soll, den Aufwind zu bestätigen wird schwer. Vielleicht hilft ein Brief ans Christkind…

Das Achtelfinale der CL zieht sich wieder wie Kaugummi über einen Monat hin, gespielt wird vom 12. Februar bis 13. März. Das Achtelfinale ist aber auch ein Beispiel dafür, wie eine europäische Liga aussehen könnte, die ja immer wieder ins Gespräch wird. Aber diese Vergleichen zeigen doch auch, mit der Champions League ist der Fußball gut bedient. Auch Spiele wie Atletico Madrid gegen Juventus Turin (Rückkehr von Cristiano Ronaldo nach Madrid, wenn auch Atletico) und Manchester United gegen Paris St. Germain mit dem Trainer-Duell Mourinho gegen Tuchel elektrisieren in ganz Europa. Glücklich mit ihren Gegner werden die anderen spanischen Klubs sein, Titelverteidiger Real Madrid bekommt es mit Ajax Amsterdam zu tun und der FC Barcelona trifft auf Olympique Lyon. Mit AS Rom und dem FC Porto (Achtung: Das punktbeste Team der Gruppenphase!) treffen zwei Außenseiter aufeinander. Als der AS Rom seinen Gegner suchte, griff der Spanier Luis Garcia zur falschen Kugel, nämlich nur Porto und die Bayern standen zur Debatte. So eng liegen Glück und Pech beieinander, es gab also keine Dusel-Bayern. Vielleicht kommt es im Spiel zurück. Mut darf den Bayern machen, dass Liverpool Probleme in der Gruppenphase hatte und alle drei Auswärtsspiele verlor. Aber umsonst ist man auch nicht Tabellenführer in England.

In der Europa League haben die letzten zwei deutschen Vertreter keine ganz schweren Lose erwischt. Bayer Leverkusen sollte sich gegen den russischen Vertreter FK Krasnodar durchsetzen können, Eintracht Frankfurt hat es gegen Schachtar Donezk sicherlich schwerer, kann sich aber Tipps in Hoffenheim holen. Die Nagelsmann-Jungs sahen sich eigentlich als bessere Mannschaft, schieden aber aus, wurden in ihrer CL-Gruppe nach einem 2:2 und 2:3 gegen die Ukrainer Letzter. Die Eintracht setzt auf Zwietracht und will weiterkommen. Zunächst aber frohe Weihnachten für alle.

Nie war die Tabellenführung so wertvoll wie heute

Das gibt es doch noch in dieser Fußball-Saison: Der FC Bayern München kämpft um die Tabellenführung. Aber hallo, werden sich da manche sagen, wie geht das denn, bei neun Punkten Rückstand in der Bundesliga? Nun ja, es geht um die Champions League und da stehen in dieser Woche die finalen Spiele in den Gruppen an. Dabei geht es einmal um den Einzug in das Achtelfinale, für einige vor allem um eine gute Ausgangsbasis für die nächste Runde. Das Motto in diesem Fall in Anlehnung an einen alten Werbespruch: Noch nie war die Tabellenführung so wertvoll wie heute.

Zum Abschluss der ungeliebten Gruppenphase ist ja eher Langeweile Trumpf, weil in den meisten Gruppen die Entscheidungen bereits gefallen sind. Die große Ausnahme bildet die Gruppe C, wo mit dem SSC Neapel (9 Punkte), Paris St. Germain (8) und dem FC Liverpool (6) noch drei prominente Klubs um das Weiterkommen kämpfen. Dabei gibt es sogar ein echtes Endspiel, denn Jürgen Klopp muss mit seinen Reds unbedingt gewinnen, um eine Runde weiterzukommen. Wäre es nur in allen Staffeln so. Seltsam: In der Champions League verlor Liverpool alle drei Auswärtsspiele (in Neapel mit 0:1, in Paris 1:2 und sogar in Belgrad 0:2) und steht jetzt unter Zugzwang. In der doch so starken Premier League ist Klopp mit seinen Mannen dagegen seit Sonntag Tabellenführer und noch ungeschlagen!

Für Klopp geht es also in erster Linie ums Weiterkommen, für die Bayern eben um die Tabellenführung, denn dann ist im Achtelfinale die Wahrscheinlichkeit größer, mit einem Zweiten einen leichteren Gegner zu erwischen. Die Namen der derzeitigen Tabellenführer lesen sich fast wie die Liste der Favoriten: Atletico Madrid, FC Barcelona, SSC Neapel, FC Porto, Bayern München, Manchester City, Real Madrid, Juventus Turin. Mehr oder weniger alles Gegner, die man gern frühestens im Halbfinale hätte. Die Auslosung für das Achtelfinale ist übrigens am Montag, 17. Dezember.

Die Münchner brauchen am Mittwoch bei Ajax Amsterdam noch eine Unentschieden, um Gruppen-Erster zu bleiben. Das 1:1 zu Hause im Hinspiel wirkt nach, wobei sich die Kräfteverhältnisse wohl ein bisschen gewandelt haben. „Damals waren wir in einer schlechten Phase, Ajax in einer guten, jetzt sind wir auch gut drauf“, heißt es in München. Dazu kommt, dass Ajax von Verletzungsproblemen geplagt wird. Da haben die Bayern sogar einen neuen Rekord im Visier: Noch nie erreichte eine deutsche Mannschaft 16 Punkte in der Gruppenphase. Die Bayern haben bisher 13.

Trainer Niko Kovac hat einen Sinneswandel vollzogen. Erklärte er zu Saisonbeginn Gegner der Rotation zu Unwissenden, die vom Fußball keine Ahnung hätten, weil die Rotation die absolute Notwendigkeit sei, so erzählt er jetzt das Gegenteil: Die Rotation wurde abgeschafft, damit die Mannschaft ihre Form und die Erfolgsspur findet. Hat geklappt, aber ganz ohne Rotation wird es halt auch nicht gehen. Alles zu seiner Zeit. Kovac muss dabei aber auch eine Niederlage eingestehen. Hatte er die Rotation u. a. doch damit begründet, in seinem Luxus-Kader alle Spieler bei Laune halten zu wollen. Das hat trotz Einsatzzeiten für alle nicht geklappt, Bankdrücker meuterten dennoch. Und jetzt? Die Stars Hummels, Martinez und James schauen meist zu und laufen mit düsterer Miene durch die Gegend. Weihnachtsfreude sieht anders aus.

In Dortmund bleibt die Rotation an der Tagesordnung, Trainer Lucien Favre sieht sie als Notwendigkeit, kann sich dies als nationaler Tabellenführer aber auch leisten. Die Borussia sonnt sich an der Spitze der Bundesliga, sieben Punkte vor Gladbach. Am Samstag winkt gegen Bremen die „Weihnachtsmeisterschaft“. In der Champions League ist die Borussia weiter, doch führt an Atletico wohl kein Weg mehr vorbei, deshalb hat Favre die große Rotation angekündigt. Das Derby gegen Schalke hat Kraft gekostet, aber Punkte gebracht. Da dürfen sich sogar Reus, Witsel und Co. ausruhen.

Der Ruhrpott-Kontrahent Schalke liegt dagegen fast am Boden, da gilt die Champions League als schöne Abwechslung, zumal das Achtelfinale erreicht ist. Gut, dass die Qualifikation in trockenen Tüchern ist, denn von einer CL-Form kann keine Rede sein. Trainer Domenico Tedesco sind die Stürmer ausgegangen, aber auch die guten Ideen. Der Vizemeister des Vorjahres ist jetzt ein Abstiegskandidat. Und da steht auch ein „Endspiel“ am Samstag an: Schalke (14) muss in Augsburg (13) antreten und der Verlierer gesellt sich endgültig zu den Abstiegskandidaten Düsseldorf, Hannover, Stuttgart und Nürnberg. Im Vorjahr gewann Schalke beide Duell mit dem FCA, der gegen eine Minusserie ankämpft mit zuletzt vier Niederlagen am Stück. Mal sehen, wem die Wende gelingt.

Experten und ihre Probleme mit den Regeln

Das vergangene Wochenende brachte wieder einmal den Beweis, dass die Fußballregeln ganz schön kompliziert sind. Da kommen sogar die Experten ins Schleudern, die Schiedsrichter einerseits auf dem Feld, die Kommentatoren andererseits an den Mikrofonen. Die kritisieren zwar vielfach, blamieren sich dabei aber ebenso wie manche Referees. Typisch eine strittige Szene, als sich Hannovers Wimmer den Ball selbst an die Hand köpfte. Schiedsrichter Hartmann lag richtig, gab auch nach dem (unsinnigen) Einspruch des Video-Schiedsrichters keinen Elfmeter für Mainz. Ein Kommentator sah darin eine „krasse Fehlentscheidung“, der andere wertete sie, was sie war „als regelkonform“. Experten unter sich eben. Oder man zieht sich als Kommentator bedeutungsschwer so aus der Bredouille: „Den Elfmeter kann man geben, die Frage ist, ob man ihn geben muss!“ Alles klar?

Übrigens: Der Blick über den Teich lohnt sich für den deutschen Fußball, denn deutsche Spieler feierten mit Atlanta United die US-Meisterschaft (2:0 gegen Portland). Mit 73109 Zuschauern gab es beim Finale der MLS im Mercedes-Benz-Stadium eine Rekordkulisse und Julian Gressel und Kevin Kratz waren dabei. Gressel müsste eigentlich fast im Notizbuch von Bundestrainer Joachim Löw stehen, obwohl er seine Karriere weitab von Deutschland absolvierte. Er spielt bereits seit College-Zeiten in den USA und wurde im Vorjahr zum „Rookie of the year“ gewählt und absolvierte wieder eine starke Saison. Kratz, früher in Braunschweig und Sandhausen, war im Finale nur Ersatz.

Weltmeister Bastian Schweinsteiger wird ein bisschen neidisch auf die deutschen Kollegen schauen. Er hängt noch ein Jahr in Chicago dran und träumt da auch von einem Wunder, er will es Gressel und Kratz nachmachen. Aber er sorgte auf jeden Fall schon mal mit dafür, dass der Fußball (Soccer) sich in den USA weiter im Aufwind befindet.