Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Katar

Betrug an den Sportlern

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar sorgt für Aktualität bei einem brisanten Thema, das endlich einmal seriös behandelt und aufgearbeitet werden muss: Der Betrug an den Leistungssportlern, die ein Spielball der Verbände sind. Die Sportler (Gesamtbegriff für Frauen und Männer) sind es, die im Mittelpunkt stehen und die Zuschauer in die Stadien locken (wenn es nicht gerade Doha ist) und die das Geld in die Kasse der Verbände spülen. Natürlich werden sie unterstützt und erhalten Prämien, doch ihre Interessen werden bei weitem nicht ausreichend berücksichtigt. Kein Sportler hätte eine Weltmeisterschaft in das heiße Katar vergeben, wo das Interesse an der Leichtathletik bei Null liegt und die WM eher der Belustigung der Scheichs dient.

Wann gehen die Sportler auf die Barrikaden, wann gründen sie eine Gewerkschaft zur Durchsetzung ihrer Interessen? Es wird Zeit. Schon vor drei Jahren hatte der ehemalige Ski-Star Christian Neureuther gefordert: „Die Sportler müssen rebellieren.“ (Siehe der Sport-Grantler vom 24. Oktober 2016 „Aufruf zur Rebellion im Sport“). Es geht je nach Sportart um Sicherheit, Belastung und Bezahlung. Die Verbände nehmen an Fernsehgeldern und von Sponsoren Millionen Dollar oder Euro ein, schütten aber nur eine geringe Summe an die Sportler aus, die Funktionäre dagegen genehmigen sich selbst schöne Reisen und zweigen hohe Tantiemen für ihre eigenen Bedürfnisse ab. Das Geld aber schaffen die Sportler heran. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler hat es in einem Interview deutlich angesprochen, weil Verbände wie das IOC oder die IAAF mit den Sportlern verdienen: „Die verkaufen uns“, moniert er, „unsere Leistungen haben Werbe- und Unterhaltungswert, aber die Gelder kommen bei uns nicht an.“

Es ist Betrug am Sport und an den Sportlern, wenn die Bedingungen für den Leistungssport nicht stimmen, wenn die Belastung immer mehr gesteigert wird, so dass sich Verletzungen mehren, Ruhepausen wegfallen, aber die Verbände mehr kassieren. Es ist aber auch Betrug an den Zuschauern, wenn es den Athletinnen und Athleten nicht mehr möglich ist, ihre beste Leistung zu zeigen. Auch Doping ist Betrug am Sport und an den Sportlern, die oft nicht wissen, welche Pillen ihnen wirklich verabreicht werden oder sie werden unter Druck gesetzt, um gegen die Regeln zu verstoßen, nach dem Motto „merkt ja keiner“. Der Sport ist generell schön und reizvoll, gleichermaßen aber ebenso korrupt und verdorben. Das Motto „Sport macht Spaß“ gilt fast nur noch für den Freizeitsport.

Eine Umkehr kann es nur geben, wenn die Sportler sich ihrer Sache selbst annehmen. Alles hat seine Grenzen, so wie die Leichtathletinnen gegen die Kameras in den Startblöcken der WM in Katar protestierten. Sie fühlten sich bloßgestellt und drängten auf eine Abschaltung, die Bilder wurden zumindest eingeschränkt. Ob Fußballer, Handballer oder Basketballer, sie leiden unter einem unsinnigen Terminstress, der ihnen auferlegt wird nach dem Motto „mehr Spiele sind auch mehr Geld“. Erholungsphasen sehen die Verbandsfunktionäre fast nicht mehr vor, warum auch, sie selbst stehen ja nicht auf dem Rasen oder in der Halle.

Eine Umkehr können aber auch Zuschauer und Sponsoren einleiten. Die einen bleiben aus, weil es einfach eine Übersättigung gibt, die anderen könnten aus gleichem Grund ihre Gelder reduzieren, weil der Wert der Ware einfach nicht mehr stimmt. Erst dann kommen die Verbandsfunktionäre vielleicht zur Vernunft. Der Sport muss wieder im Vordergrund stehen, nicht das Geld. Volle Zuschauertribünen gehören zum Profitsport dazu, nicht leere Tribünen mit ein paar Scheichs die gnädig Beifall klatschen.

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Leichtathletik-WM: Angst vor der Kälte

Die Welt ist verrückt geworden und davor macht natürlich auch der Sport nicht halt. Ein Beispiel ist Doha, die Hauptstadt von Katar, als Austragungsort für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft vom 27. September bis 6. Oktober. Das Scheichtum hat ja schon viele internationale Meisterschaften ausgetragen, die sie mit viel Geld (und wohl auch Bestechung) an Land gezogen hat, als die Scheichs den Sport als PR-Vehikel entdeckt haben. Höhepunkt ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, deren Vorbereitung ebenfalls mit Skandalen verbunden ist. Auf Rang zwei der Bedeutung dürfte wohl die Leichtathletik landen. Die Scheichs sind stolz, Leichtathletik-Fans und die Athletinnen und Athleten stehen dagegen vor einer wüsten WM in der Wüste.

Die Scheichs haben nicht nur den finanziellen Reichtum, sondern auch Erfindungsreichtum. Den Klagen über zu große Hitze begegneten sie mit einem klimatisierten Stadion. Klimaschutz spielt in der Wüste keine Rolle. Die Temperaturen von 40 Grad, die in Doha am Abend noch herrschen, könnten im Stadion bis auf 16 Grad gesenkt werden, rund 25 Grad sollen es „nur“ sein. Eigentlich beste Bedingungen, wenn nur nicht die negativen Folgen der typischen Klimaanlage wären. Einmal Hitze, dann Kälte und Zugluft machen den Sportlern zu schaffen. Verrückte Welt: In der heißen Wüste herrscht die Angst vor der Kälte.

Der Hitze nicht entfliehen kann man nur beim Marathon und Gehen, der Kurs führt durch die Stadt und die ganze Stadt kann man dann wirklich nicht abkühlen. Gelaufen und gegangen wird um Mitternacht, was sicherlich eine weitere Herausforderung für Leistungssportler ist. Ansonsten heißt das Rezept gegen den Wechsel zwischen Hitze und Kälte: Vor dem Start nur kurz im Stadion aufhalten. Eigentlich sind Leichtathleten Hitze gewohnt, sie lieben ja den Sommer. Bei der Europameisterschaft in Berlin war es ebenfalls heiß, es wurden Kühlwesten ausgegeben. Die kommen in Katar wieder zum Einsatz.

Verrückte Welt: Die Temperaturen stehen mehr im Mittelpunkt als der Sport selbst. Die Leichtathletik sucht einen neuen Star, nachdem Sprintkönig Usain Bolt seine Karriere beendet hat. Er wird die WM nicht einmal besuchen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sucht dagegen Medaillengewinner. 71 Starter sind gemeldet, es hätten mehr sein sollen, doch eine außergewöhnliche Verletzungsserie stoppte manche Hoffnung. Bei der WM 2017 in London holte allein Speerwerfer Johannes Vetter Gold, dazu gab es je zweimal Silber und Bronze. So ungefähr sollte die Medaillenbilanz auch diesmal ausfallen. Neben den Speerwerfern (jeder deutsche Starter ist für den Sieg gut!) gilt die Weitspringerin Malaika Mihambo als größte Hoffnung, sie ist schließlich in diesem Jahr die Nummer 1 der Welt. Es könnte zum Abschluss am 6. Oktober ein „goldener deutscher Sonntag“ werden, Speerwurf ist ab 18.55 Uhr, Weitsprung der Frauen ab 18.15 Uhr (das ZDF überträgt). Die Sender ARD und ZDF wechseln sich in den Übertragungen ab, die Entscheidungen fallen zu den besten Sendezeiten am Abend, die Leichtathletik spielt also ihr Rolle als Sport-Königin des Sommers (in dem Fall Herbst) voll aus.

Gold sorgt nicht nur für Jubel, es lohnt sich auch finanziell. Die Sieger erhalten vom Weltverband 60.000 Dollar, für Silber gibt es 30.000, für Bronze 20.000 Dollar. Bis zu Platz acht werden Prämien ausgeschüttet (15.000, 10.000, 6000, 5000 und 4000 Dollar), insgesamt werden 7,53 Millionen Dollar verteilt.

Wo viel Gold und Glanz ist, gibt es auch Schatten. Das Thema Doping ist auch in der Leichtathletik allgegenwärtig und unter der alten und neuen Führung des Briten Sebastian Coe blieb der Weltverband hart, Russland bleibt von der WM suspendiert. Die Auflagen der Weltdopingagentur wurden nicht erfüllt, es gibt weiter Ungereimtheiten. Russische Athletinnen und Athleten, die den Dopingregeln genügen, dürfen unter neutraler Flagge starten.

Mit dem Thema Doping muss sich auch die deutsche Langestreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen beschäftigen, die zuletzt manchen Rekord pulversierte und in der umstrittenen US-Akademie in Eugene bei Portland (Oregon) trainiert. Sie wird über 1500 m oder 5000 m starten, ein Medaillengewinn ist dennoch fraglich. Das gilt auch für Gesa Krause, die über 3000m Hindernis zur Weltspitze zählt. Beide Mädchen müssen sich aber gegen afrikanische Laufwunder erwehren. Sie haben eine Hoffnung: Vielleicht ist es den Afrikanerinnen einfach zu kalt…

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.

Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft

Dass der Fußball-Weltverband FIFA in erster Linie ans Geld denkt und dann erst der Sport kommt, das mussten wir schon des Öfteren leidvoll erfahren. Auch die Terminplanung wird dem unterworfen, sonst würden die Gedankenspiele nicht um die Aufblähung von verschiedenen Turnieren kreisen. Unsinnig ist auch, dass jetzt der Confed Cup in Russland und die Europameisterschaft der U 21 sich terminlich überschneiden. Beides sind Turniere bei denen es um die Weiterentwicklung des Nachwuchses geht. Doch das will die FIFA nicht wahrhaben, sie sieht blauäugig den Confed Cup als „Fest der Meister“. Aus deutscher Sicht aber heißt es: Zwei Turniere, ein Ziel – die Zukunft.

Der Confed Cup oder „Confederation Cup“, wie er offiziell heißt, hatte seinen Vorläufer im „König Fahd-Pokal“, der 1992 und 1995 in Saudi-Arabien ausgetragen wurde. 1997 übernahm die FIFA, der Pokal wurde bis 2005 alle zwei Jahre ausgetragen, dann war es den meisten Nationen zu viel und danach galt der Vier-Jahres-Rhythmus und der Confed Cup als Test für den WM-Ausrichter ein Jahr vor der eigentlichen Weltmeisterschaft. Doch immer mehr Nationen sprechen sich dafür aus, den Confed Cup ganz abzuschaffen. So dürfte Russland mit dem Turnier vom 17. Juni bis 2. Juli der Abgesang sein. Vor allem 2021 in Katar ist eine Austragung undenkbar, weil der Confed Cup dann aus klimatischen Gründen wie die WM selbst 2022 auch im Winter stattfinden müsste und die Kontinentalverbände da kaum mitspielen. Geld hin und Geld her.

Beim Confed Cup starten die Meister der sechs Kontinentalverbände sowie der Weltmeister und der Ausrichter. Russland ist Gastgeber für Neuseeland (Ozeanien), Portugal (Europa), Mexiko (Mittelamerika), alle in der Gruppe A, sowie Deutschland (Weltmeister), Kamerun (Afrika), Chile (Südamerika) und Australien (Asien), alle in der Gruppe B. Die jeweils Ersten und Zweiten jeder Gruppe kommen ins Halbfinale, die Sieger sind im Finale (Sonntag, 2. Juli, 20.00 Uhr), die Verlierer spielen um Platz drei (Sonntag, 2.7., 14.00 Uhr, wo gibt es das noch?).

Es ist bei der FIFA nicht gut angekommen, dass Bundestrainer Joachim Löw von Anfang an dem Confed Cup nur eine geringe Bedeutung beigemessen hat und vielen Stammspielern für den Sommer freigegeben hat. Sein Argument ist stichhaltig: „Ziel ist die WM 2018, da wollen wir nach Möglichkeit unseren Titel erfolgreich verteidigen. Viele Spieler sind laufend im Einsatz, die brauchen auch mal einen Sommer Pause.“ Gastgeber Russland ist verschnupft, der Eintrittskartenverkauf gestaltet sich zäh, aber nicht alle Nationen denken so. Portugal und Chile zum Beispiel kündigten ihre besten Mannschaften an (mit Cristiano Ronaldo bzw. Vidal und Sanches). Aber eigentlich ist jeder gewarnt, den Confed Cup ja nicht zu gewinnen, denn der Sieger wurde noch nie Weltmeister! Bitter war dies vor allem für Rekordteilnehmer und Seriensieger Brasilien (vier Siege). Außerdem trugen sich Mexiko (1999) und Frankreich (2002 und 2005 in Deutschland) als Titelträger ein. Deutschland war bisher nur Mitläufer und gerade mal beim eigenen Turnier 2005 Dritter.

Dritter, damit wäre Löw auch in Russland zufrieden und jeder Spieler dürfte außerdem vom DFB 30.000 Euro Prämie einstreichen (50.000 Euro für den Sieg). Der Bundestrainer hat ein anderes Ziel: Wer kann den Stammspielern im Hinblick auf die WM Druck machen? Könnte sein, dass sich sein Kreis erweitert. Wer beim Confed Cup überzeugt, der ist einen Schritt weiter und hat die WM-Teilnahme vor Augen. In den ersten Länderspielen galt dies vor allem für Torjäger Sandro Wagner.

Im Vorfeld der beiden Turniere haben die Trainer Löw und Stefan Kuntz für die U 21 genau abgestimmt, wer in welcher Mannschaft antreten soll. Auch die Europameisterschaft gilt als wichtiger Meilenstein für die Zukunft, frühere Europameister der U 21 wurden später auch Weltmeister (Torhüter Manuel Neuer zum Beispiel). Das wünscht man sich auch für die Zukunft. So galt es, für die Spieler eine Perspektive beim Confed Cup zu finden, andererseits eine starke Mannschaft zur Europameisterschaft zu schicken, denn dort ist durchaus der Titel das Ziel. Die Konkurrenz ist allerdings beim Turnier in Polen (16. bis 30. Juni) stark. Zwölf Nationen spielen zunächst in drei Gruppen, nur die Gruppensieger und der beste Zweite kommen ins Halbfinale. Ein harter Modus. Deutschland bekommt es in der Gruppe C mit Tschechien, Dänemark und Italien zu tun (Gruppe A Polen, Slowenien, Schweden, England, Gruppe B Portugal, Serbien, Spanien, Mazedonien). Einige A-Nationalspieler sind dabei, einige U 21-Kandidaten auch bei Löw. Im Hinblick auf den WM-Kader werden die Augen vor allem auf Abwehrchef Jonathan Tah (Leverkusen), die Mittelfeldasse Max Meyer (Schalke) und Mahmoud Dahoud (Gladbach) sowie Torjäger Serge Gnabry (Bremen, bald Bayern) gerichtet sein. Auch Mitchell Weiser (Hertha) und Davie Selke (Leipzig, bald Hertha) könnten sich noch in den Vordergrund spielen.

Dies zeigt, an Talenten mangelt es in Deutschland nicht. Deshalb gibt es bei zwei Turnieren nur ein Ziel – die Zukunft. Es könnte eine gute Zukunft sein.

Fußball-WM mit 48 Nationen und die Folgen

 

Als der FIFA-Rat am Dienstag in Zürich tagte, da gab es schon im Vorfeld keine Zweifel mehr, dass die Fußball-Weltmeisterschaft von 32 auf 48 Nationen aufgebläht wird. Selten hatten FIFA-Präsident Gianni Infantino so gute Laune wie an diesem Tag: Er hat Wort gehalten, als er den Funktionären vor allem in Afrika und Asien mehr WM-Plätze versprochen hat und sein Verband macht in der Zukunft (ab 2026 wird erstmals mit 48 gespielt) noch mehr Gewinn, von rund 600 Millionen Euro ist die Rede. Ist die Aufstockung aber auch sportlich ein Gewinn? Wohl auf keinen Fall. Der Sport-Grantler beleuchtet das Für und Wider dieser WM mit 48, zeigt die Folgen auf.

Sport: Der Sport wird leiden, denn von einem Turnier der Besten kann keine Rede mehr sein. Die Qualität der Spiele wird sinken, weil die schwächeren Nationen ihr Heil in einer Abwehrschlacht suchen werden. Schon die Aufstockung bei der Europameisterschaft hatte die gleichen Folgen: Erst mit der K.o.-Runde geht das Turnier richtig los. Der Turniermodus klingt ja genial, denn 16 Gruppen mit je drei Teams, von denen gleich zwei weiterkommen und anschließend sofort die Play-Offs, das bedeutet nicht mehr Spiele als bisher und keine längere Austragungsdauer. Beschwerden über eine höhere Belastung der Spieler greifen nicht.

Aber wie so oft, die FIFA hat etwas beschlossen, das große Ganze, aber wie es im Detail aussehen soll, das muss erst noch beraten werden. So zum Beispiel ist der Austragungsmodus in den Gruppenspielen ungerecht, weil es unterschiedliche Ruhezeiten gibt (was sich nicht verhindern lässt). Außerdem muss verhindert werden, dass in den letzten Spielen geschummelt werden kann. Aber die FIFA öffnet ja dem Betrug gern eine Tür… Ob die Abschaffung von Unentschieden der Weisheit letzter Schluss ist, muss durchgerechnet werden. Gibt es kein Unentschieden, werden viele schwächere Teams versuchen, sich ins Eltmeterschießen zu retten, die Spiele werden unansehnlich. Schöne Zukunft.

Geld: Das zählt bei der FIFA, deren eigene Untersuchungen ergeben haben, dass der Modus mit 32 Nationen sportlich am Besten ist. Aber ein Turnier mit 48 Teilnehmern verspricht mehr Gewinn (siehe oben) und vor allem viele Nationen in Afrika und Asien können nun davon träumen, erstmals ein WM-Teilnehmer sein zu können. Sie träumen auch von einer WM-Gewinn-Ausschüttung. Diese Träume wollte Infantino Wirklichkeit werden lassen und sammelte damit Stimmen. Geld kommt vor Sport.

Qualifikation: Infantino schwärmte davon, dass eine WM-Euphorie noch weiter in die Welt hinaus getragen wird. Rund ein Viertel der 211 FIFA-Mitglieder wird bei der WM vertreten sein. Was unter dieser Masse leidet, sind die WM-Qualifikationen, die an Bedeutung und an Spannung verlieren werden. Ob dies dem guten Ruf des Fußballs nützt? Das Endturnier sportlich schlechter, die Qualifikation uninteressanter – die Aufstockung wurde nicht zu Ende gedacht. Außerdem gibt es jetzt schon Streit um die Vergabe der zusätzlichen Plätze. Jeder Kontinent will natürlich partizipieren und vor allem Europa fürchtet um seine Spitzenstellung. In Süd- und Mittelamerika wird dagegen darüber diskutiert, die Qualifikation zusammen zu legen. In Südamerika könnten sich von zehn Nationen nicht mehr vier, sondern künftig sechs direkt qualifizieren. Wie gesagt, die Spannung leidet. WM und –Qualifikation kein Krimi mehr, sondern eine Seifenoper…

Veranstalter: 16 Gruppen – wo sollen die spielen? Mindestens zwölf WM-Stadien schweben dem FIFA-Präsidenten vor, er wird kaum ein Land finden, dass diese Mammut-WM allein ausrichten kann. Bereits im Vorfeld hatte die FIFA den Weg für eine WM in mehreren Staaten freigemacht, dies wird zur Gewohnheit werden. Für 2026 haben schon die USA, Mexiko und Kanada gemeinsam ihr Interesse angemeldet (der neue US-Präsident Trump hat bis dahin abgedankt und kann Mexiko nicht mehr schaden). In Europa könnte Deutschland mit Frankreich und Italien als Ausrichter auftreten. Oder holt sich China die Mammut-WM ins Mammut-Land?

Fans und Stimmung: Da sind wir beim nächsten strittigen Punkt. An die Fans denkt keiner, ein richtiges WM-Feeling, wie wir es beim Sommermärchen 2006 in Deutschland erlebt haben, wird nicht mehr auftreten. Die Fans werden gerade noch ihre eigene Mannschaft verfolgen können, aber ansonsten wenig von einer Weltmeisterschaftsatmosphäre mitbekommen. Die WM-Freude soll in alle Länder transportiert werden, aber es wird eher Weltmeisterschaften ohne WM-Stimmung geben.

Der Beschluss der Aufstockung von 32 auf 48 Nationen für die Fußball-Weltmeisterschaft steht. Es ist ähnlich wie bei den WM-Vergaben für 2018 an Russland und vor allem 2022 nach Katar, die Folgen wurden nicht bedacht. Ein alter Filmtitel passt gut zu den FIFA-Räten: Denn sie wissen nicht, was sie tun.