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Tag: Neymar

Fußball-WM: Die Zukunft hat bereits begonnen

Eines kann man von der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nicht behaupten: Das sie langweilig ist. Das Favoritensterben sorgte für Aufmerksamkeit, zahlreiche Elfmeterschießen für Spannung. Das passte dann wie die Faust aufs Auge, dass hier sogar die Engländer erfolgreich waren. Und es passt zu den Überraschungen, dass aus der Weltmeisterschaft eine Europameisterschaft geworden ist, nachdem im Viertelfinale auch Brasilien und Uruguay die Segel streichen mussten. Hier zeigt sich ein Trend: Die Nationen außerhalb Europas kommen einfach nicht voran, in erster Linie die Teams in Afrika und Asien. Da fehlt es an Organisation, an Willen und an Cleverness. Jetzt schwächeln auch die Südamerikaner mit all ihren begnadeten Fußballern. Eine Gefahr für die Zukunft, dass Eintönigkeit wieder die Oberhand gewinnt? Warten wir es ab. Zuletzt waren vier Europäer 2006 im Halbfinale unter sich, damals Italien, Frankreich, Deutschland und Portugal.

Diesmal sind es bekanntlich Frankreich und Belgien (Dienstag) sowie Kroatien und England (Mittwoch), die im Halbfinale aufeinandertreffen. Dabei fällt eines auf: Bei drei Nationen hieß es im Vorfeld des Turniers, dass sie eine Mannschaft der Zukunft haben. Ergo: Die Zukunft hat bereits begonnen.

Auffallend, dass es zum Beispiel eine gewisse Ähnlichkeit der Mannschaftsstruktur und der Spielweise zum Beispiel bei den Gegnern Frankreich und Belgien gibt. Da das überragende Sturm-Duo Griezmann/Mbappe mit Paul Pogba in der Hinterhand, dort die schnellen Lukaku und E. Hazard, zu denen sich Kevin de Bruyne gesellt. Wir sehen: Bei beiden Nationen heißt es, Angriff ist die beste Verteidigung. Wobei die Abwehrspieler naturgemäß schon noch ein bisschen Arbeit haben, da macht Frankreich fast den stabileren Eindruck. Bemerkenswert, dass ein Franzose die belgischen Stürmer trainiert. Der einstige Weltklassestürmer Thierry Henry könnte jetzt zum „Verräter“ werden. Lukaku gestand bereits: „Von Henry habe ich schon viel gelernt.“ Die Belgier sprechen von ihren Spielern ja von „der goldenen Generation“, dies könnte am Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes stimmen.

Auch in England sprach man vor der WM von der „Mannschaft der Zukunft“, jetzt ist die Zukunft schon in der Gegenwart angekommen. Auch in England steht ein Stürmer im Mittelpunkt, nämlich Torjäger Harry Kane, der schon die Premier League aufgemischt hat und jetzt die WM-Torschützenliste mit sechs Treffern anführt. Beste Bewerbung als für den Titel „Weltfußballer des Jahres“. England hat aber nicht nur Kane, sondern mit dem jungen Pickford auch einen erstklassigen Torhüter und mit Gareth Southgate offensichtlich einen Trainer, der die Konkurrenz in den Schatten stellt. Er präparierte seine Schützlinge im Training für das Elfmeterschießen, er ließ bis zum Erbrechen im Training Standards trainieren – und erntet jetzt zusammen mit dem Team schon in Russland. Im Wege steht zunächst noch Kroatien, die Ausnahme der Talente-Nationen, das Team mit Erfahrung und einem überragenden Luka Modric, der als Kopf der Mannschaft ganz anders auftrumpft als seine Real-Mannschaftskollege Toni Kroos es tat. Deshalb steht Kroatien im Halbfinale und nicht Deutschland.

Die FIFA macht sich lächerlich – und andere auch

Nur der Weltverband selbst trübt seine sportlich interessante Weltmeisterschaft. Wie die überwiegend geldgierigen und korrupten FIFA-Funktionäre, die vor allem nach einem für sie angenehmen Leben streben, ticken, wurde bei seltsamen Entscheidungen offensichtlich. 60500 Euro Strafe mussten die Kroaten zahlen, weil sie nicht vorschriftsmäßig Trinkflaschen vom Sponsor verwendet hatten. Ein Vertragsbruch, der geahndet werden musste. Als Serbiens Trainer Mladen Krstajic allerdings gegen Moral und Ethik verstieß (was die FIFA angeblich immer besonders hoch hält), als er Schiedsrichter Dr. Brych vor das UN-Kriegsverbrechertribunal schicken wollte, da musste er für diesen Fauxpas gerade mal 5000 Euro Strafe zahlen. Damit macht sich die FIFA einfach nur lächerlich.

Aber damit steht der Weltverband keineswegs alleine da. Eine lachhafte Figur gibt auch der DFB bei der Krisenbewältigung ab, da zeigen die Beteiligten wie DFB-Chef Grindel, Manager Oliver Bierhoff und Trainer Jogi Löw allesamt, dass sie zwar mit Erfolgen gut leben, mit Krisen aber überhaupt nicht umgehen können. Probleme sind in ihrer Denke wohl nicht vorgesehen. Der „Fall Özil“ schlägt Wellen, es gibt Widersprüche und Peinlichkeiten. Da hat wohl Özils Vater die einzige richtige Antwort: „An Mesuts Stelle würde ich zurücktreten“. Wer sich zu einer Verfehlung (Erdogan-Fotos) nicht äußert, hat in der Nationalmannschaft als Aushängeschild sowieso nichts zu suchen.

Lächerlich von FIFA und DFB auch die Affäre um Schiedsrichter Dr. Felix Brych, der nach Hause geschickt wurde und offensichtlich unter einer einzigen Fehlentscheidung leiden musste. Andere Kollegen durften auch nach schwachen Spielen munter weiter pfeifen. Und der DFB bringt es noch nicht einmal fertig, von der FIFA die Hintergründe zu erfahren. Möglicherweise steckt sogar eine interne Intrige zwischen deutschen Schiedsrichtern dahinter. Beobachter sehen den damaligen Video-Schiedsrichter Zwayer als Hauptschuldigen, unken über die Möglichkeit eines Racheaktes. Aufklärung tut also Not. Oder der DFB macht sich eben wieder einmal lächerlich.

Lächerlich gemacht hat sich auch Brasiliens Star Neymar, der mehr mit seinen Schauspieleinlagen nach Fouls auffiel, als mit sportlichen Highlights. Er hat bei der WM deutlich gemacht, dass er nicht das Format mitbringt, einmal „Weltfußballer des Jahres“ zu werden. Mit ein paar Tricks und guten Pässen ist es nicht getan. Er hätte Brasilien vielleicht weiterbringen können, wenn er sich mehr auf den Sport konzentriert hätte. Aber vielleicht will er ja sowieso Schauspieler werden.

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Ereilt Deutschland der Fluch der Weltmeister?

Die Aussage war entlarvend und mag als Beispiel dienen: „Von WM-Feeling haben wir noch nichts mitbekommen“, hieß es aus der deutschen Mannschaft aus dem WM-Quartier Watutinki mitten in einem Wald in der Nähe von Moskau. Dieses Feeling zeigte sich auch beim Auftaktspiel gegen Mexiko beim 0:1: Lasch, ohne Schwung, die gesamte Mannschaft im Schonmodus eines Vorbereitungsspiels. Deutschland reihte sich damit ein in die Gruppe der Favoriten, die fast alle einen verschlafenen Start hatten. Leute, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hat bereits begonnen!

Was die deutsche Mannschaft angeht, wurden Bundestrainer Joachim Löw, seinem Trainerteam und den Spielern schmerzhaft die Augen geöffnet. Alle Fehler, die vorher auftraten und angeprangert wurden, konnten nicht abgestellt werden. Die Mexikaner werden sich verwundert die Augen gerieben haben, dass sie so ein Konterfestival feiern konnten. Eine Abwehr war im DFB-Team praktisch nicht vorhanden. War Kompaktheit vor vier Jahren auf dem Weg zum Titel Trumpf, so gab es diesmal einen Tag der offenen Tür. Sinnbildlich Khedira, der die Mitte nicht schließen konnte oder Rechtsverteidiger Kimmich, der stürmte, aber die Abwehr vergaß. Die Warnung für Löw und seine Jungs: Es sind zuletzt zweimal die Weltmeister in der Vorrunde gescheitert. 2014 Spanien nach einem 1:5 zum Auftakt gegen die Niederlande und zuvor 2010 Italien nach einem 1:1 im ersten Spiel gegen Paraguay. Ereilt jetzt Deutschland der Fluch der Weltmeister? Wer die Spannung liebt, darf sich freuen, ab sofort ist jedes Spiel der DFB-Elf ein Endspiel! Aber: Es ist keiner im Kader, der Khedira als Abräumer ersetzen kann, es ist keiner im Kader, der Kraft seiner Persönlichkeit für mehr Ordnung im Mittelfeld sorgen kann. Gündogan, Rudy, Goretzka – keiner von ihnen stellt eine echte Alternative dar!

Eine Mauer steht noch

In Deutschland fiel die Mauer, die das Land teilte, im November 1989. Doch eine Mauer steht noch, bei der Fußball-WM. Es ist Mauer der Kleinen gegen die Großen. Und so wunderten sich auch andere Favoriten, nicht nur Deutschland. Sinnbildlich Island gegen Argentinien, als teilweise alle Feldspieler rund um den eigenen Strafraum das 1:1 verteidigten. Motto: Wenn keine Chancengleichheit herrscht, dann müssen wir uns eben verbarrikadieren. Mit dem Mute der Verzweiflung wird gekämpft und der eine oder andere Konter geht immer noch. Dann kommt manchmal ein 1:1 heraus, manchmal gibt es aber dennoch eine unglückliche Niederlage, so wie für Ägypten gegen Uruguay (0:1) oder Australien gegen Frankreich (1:2). Ein begeisterndes Spiel hat es bisher nur einmal gegeben, das 3:3 zwischen Portugal und Spanien, ein Duell auf Augenhöhe mit offenem Visier.

Die WM läuft und wir staunen, dass sich der Videobeweis bisher als wertvoll erwiesen hat und keineswegs für ein Chaos sorgte, wie es noch vor einem Jahr beim Test vom Confed Cup zu erleben war. Die Order, den Videobeweis sparsam einzusetzen, erweist sich als richtig, ebenso, dass die Schiedsrichter großzügig leiten und nicht jeden kleinen Rempler gleich als Foul werten. Eine Tatsache, die vor allem die Bundesliga-Profis verblüfft. Da wunderte sich auch Khedira vor dem entscheidenden Tor gegen Mexiko, als er nach einer harmlosen Kollision in Erwartung eines Pfiffes die Arbeit einstellte. Das Motto „ruhe sanft“ ist nichts für Fußball-Profis!

Ronaldo gegen Messi 3:0

Vor einem WM-Turnier machen sich ja viele immer Gedanken, wer am Ende der Spieler des Turniers sein werde, wer Torschützenkönig usw. Wenn es um den besten Spieler geht, stehen die Weltfußballer natürlich ganz oben auf der Liste und bei den großen Stars steht es nach dem Auftritt glatt 3:0 für Cristiano Ronaldo gegen seinen alten Kontrahenten Lionel Messi. Es war fast eine Demütigung für den kleinen Argentinier. Ronaldo erzielte alle drei Treffer beim 3:3 gegen Spanien für Portugal, auch per Elfmeter und mit Freistoß. Messi aber verschoss einen Elfmeter und setzte den letzten Freistoß, der Argentinien hätte den Sieg bringen können, über die Latte. Und der dritte im Bunde, der Brasilianer Neymar, bekanntlich der teuerste Spieler auf der Welt, der tauchte gegen die Schweiz fast gar nicht auf. Na gut, er muss nach einer langen Verletzung erst in Schwung kommen und betrachtete die Partie wohl für sich erst einmal als Vorbereitung (siehe oben). Außerdem will er mit Ronaldo und Messi gar nicht konkurrieren. „Die sind von einem anderen Stern“, hat Neymar betont und sieht sich gleichzeitig damit als bester Spieler dieser Welt. So einfach ist das. Nur gewinnen, das ist für die Favoriten gar nicht so einfach… Die Fußball-WM kann noch ganz interessant werden.

Warum Deutschland nicht Weltmeister wird

Jetzt geht sie los, die Jagd auf den 5. Stern. Also gut, dieses Ziel hat bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland nur die deutsche Mannschaft im Visier. Fünf Sterne hat bisher nur Brasilien. 32 Nationen gehen vom 14. Juni bis 15. Juli auf die Jagd nach einem goldenen Pokal, 36,8 Zentimeter hoch, 6,1 Kilogramm schwer, fünf Kilo Gold wurden verarbeitet und sein Materialwert beträgt angeblich aktuell rund 130.000 Euro. Sein offizieller Name ist „World Cup Trophy“, er wurde 1974 erstmals vergeben und ist jetzt ein Wanderpokal. Vorher gab es den „Jules-Rimet-Pokal“, benannt nach einem ehemaligen FIFA-Präsidenten (klang irgendwie schöner), den aber Brasilien 1970 endgültig gewann.

Die Welt dreht sich im nächsten Monat neben der Weltpolitik und Donald Trump vor allem also um dieses Stück Gold. Die Fans zahlen und wollen jubeln, die FIFA und die Spieler kassieren und wollen am Ende auch jubeln. Deutschland träumt von einer erfolgreichen Titelverteidigung, was einem DFB-Team noch nie gelang. Bundestrainer Joachim Löw weiß also, wie man Titel gewinnt, aber vor Russland wurde es ihm schwer gemacht und er vertraut jetzt darauf, dass er und seinen Mannen den Schalter rechtzeitig umlegen können. Allerdings sind die Vorzeichen nicht so gut, der Sport-Grantler legt dar, warum Deutschland nicht Weltmeister wird.

Da ist erst einmal der Mannschaftsgeist. Er war vor vier Jahren in Brasilien mit dem idyllischen Quartier Campo Bahia extrem ausgeprägt und galt als Basis für den Erfolg. Derzeit wird dieser Geist noch gesucht, er taucht immer nur flüchtig auf und Jogi Löw versucht verzweifelt, ihn zu fassen. Ob er in das russische Quartier Watutinki in einem Wald nahe Moskau hineinweht, wird sich zeigen. Die neun Weltmeister werden wohl mit ein bisschen Wehmut an Campo Bahia zurückdenken. Also die ersten Zweifel.

Löw und sein Team reisen zudem mit einem Rucksack nach Moskau, der türkische Ministerpräsident Erdogan reist als unerwünschter Geist mit. Die unglücklichen Fotos der türkisch-stämmigen Spieler Özil und Gündogan mit dem Autokraten, der demokratische Werte mit den Füßen tritt, haben immer noch Nachwirkungen, die Fans weigern sich, als zwölfter Mann hinter der Mannschaft zu stehen, sondern wandten sich gegen das Team, als Gündogan in Leverkusen auf dem Platz stand. Ein „Waffenstillstand“ ist nicht abzusehen. Bezeichnend, dass der Bundestrainer äußerte, dass ja nicht so viele deutsche Fans in Russland seien, die Pfiffe also nicht so deutlich sein werden. Keine gute Basis für den 5. Stern.

So weit die negativen Begleitumstände, aber auch sportlich ist der 5. Stern eigentlich nicht in Sicht. Die Hoffnung bleibt, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist und da wirklich den Schalter umlegen kann. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, denn die Anzeichen sind eher negativ. Stammspieler plagten sich mit Verletzungen, Kapitän Manuel Neuer scheint sie überwunden zu haben, bei Jerome Boateng bleibt ein Fragezeichen, ebenso wie bei Mesut Özil, der in der Vorbereitung passen musste und der erst mal abwarten muss, wie die Fans bei einem Einsatz reagieren. Özil zeichnete sich in wichtigen Spielen bisher nicht durch eine besondere Nervenstärke aus! Außerdem fehlt die absolute Führungsfigur. Ein Hoffnungsträger könnte ausgerechnet Marco Reus sein, die „Rakete“ (Löw), die bisher immer wegen Verletzungen passen musste. Hält er durch?

Probleme hat Jogi Löw auch mit der Abwehr. Vor vier Jahren standen teilweise mit Boateng, Mertesacker, Hummels und Höwedes vier Abräumer vor Neuer, hinten war dicht (auch nachdem dann Lahm wieder seine angestammte Position einnahm). Heute tun sich Löcher auf, weil die Außenverteidiger Kimmich und Hector (außerdem nicht in Form) extrem nach vorne orientiert sind und die Abstimmung fehlt. Die Ausgewogenheit fehlt, auch der bissige Abräumer im Mittelfeld wird gesucht. Khedira soll diese Rolle spielen, aber auch er stürmt lieber. Aber: Nur mit einer starken Abwehr gewinnt man Titel. Das spricht nicht für Deutschland!

Allerdings: Die Sorgen, die Jogi Löw hat, haben auch viele seiner Kollegen. Wenn von den Stars die Rede ist, werden Stürmer genannt. Die Favoriten spielen nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, vorn mehr Tore schießen als hinten reinbekommen. Dazu gibt es nicht nur beim DFB-Team Hoffnungsträger als Sorgenkinder. Brasilien bangt um den teuersten Spieler der Welt. Neymar soll Brasilien zum Titel schießen, ebenso wie Argentinien eben auf Messi hofft. Er allein wird es nicht richten können, bisher war er immer überfordert und mancher Spieler jammerte schon angesichts früherer Erfolge Argentiniens „wir sind die Generation der Verlierer“. Bei Frankreich soll Paul Pogba Regie führen, der Mittelfeldstratege will der „beste Spieler des Turniers“ werden, war aber zuletzt eher ein Sorgenkind. Schafft er es, dann kann Frankreich mit den überragenden Stürmern Griezmann, Mbappe, Lemar oder Dembele Weltmeister werden.

Übrigens: Wenn man das Turnier der Papierform nach durchrechnet, zeichnet sich ein Halbfinale Frankreich – Brasilien und Deutschland – Spanien ab. Natürlich kann es Spielverderber geben, im Viertelfinale zum Beispiel Portugal gegen Frankreich, England gegen Brasilien, Belgien gegen Deutschland oder Argentinien gegen Spanien. Dies zeigt wiederum, dass die auf 32 Nationen aufgeblähte Weltmeisterschaft so richtig erst mit dem Viertelfinale am 6. Juli beginnt. Bis dahin heißt es hoffen auf Überraschungen (bitte keine negativen für Deutschland), Spaß für die kleinen Nationen, die erstmals dabei sind (Island, Panama!) und Durchhaltervermögen für die meisten am Fernseher. Möge der Beste gewinnen und der Sieger nicht durch den Videobeweis ermittelt werden.

Der schwerste Tag vor der WM

Bundestrainer Joachim Löw ging mit der Gelassenheit des alten Hasen und des Weltmeisters an die undankbarste Aufgabe eines Trainers heran: Die Reduzierung des Kaders, die Bekanntgabe der Streichliste. 27 Spieler durften sich zu Beginn des Trainingslagers in Girlan/Südtirol Hoffnungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland machen, aber es war klar, dass vier nicht mitfahren könnten. Rund 20 Spieler konnten sich ihrer Sache sicher sein, der Rest trainierte zwischen Hoffen und Bangen.

Jogi Löw steht alle zwei Jahre vor einer Welt- oder Europameisterschaft wie alle seine Kollegen in der ganzen Welt vor dieser undankbaren Aufgabe. Es ist der schwerste Tag vor der WM. Mit menschlichem und taktischem Feingefühl ging er die Aufgabe schon Tage vorher an, mit dem Geständnis: „Mein Job ist es leider auch, Träume platzen zu lassen.“ Und dann verteilt er „Zuckerl“, lobt die Gestrichenen, so dass man manchmal erstaunt ist, warum der Trainer auf so einen wertvollen Spieler überhaupt verzichtet. Aber er sorgt auch für Überraschungen. So strich er diesmal Torhüter Bernd Leno aus Leverkusen („Er war 2016 dabei, diesmal nehmen wir Kevin Trapp mit, sie stehen auf einem Level“), es war ihm egal, dass Leno im Gegensatz zu Trapp wesentlich mehr Spielpraxis hatte. So traf es gleich zwei Leverkusener, denn Jonathan Tah war von vornherein erster Streichkandidat, er war der Backup für den verletzten Jerome Boateng, dessen WM-Teilnahme nun sicher ist. Bei Torjäger Nils Petersen war es ähnlich, er erhielt den Vorzug vor Sandro Wagner, durfte reinschnuppern und verabschiedete sich still. Da ging Löw wohl einem Krach im Trainingslager aus dem Weg, nachdem Wagner seine Nichtnominierung für den WM-Kader ziemlich forsch und lautstark kritisiert hatte. Löw ahnte das wohl.

Viele stellen sich die Frage, warum das 22-Jährige Talent Leroy Sané nicht dabei ist. Sein Marktwert beträgt 90 Millionen Euro, er war damit der teuerste Spieler im WM-Kader und „Rookie of the Year“ in der Premiere League in England. Sein Trainer Pep Guardiola hält große Stücke auf ihn und Ex-Kapitän Michael Ballack twitterte wohl stellvertretend für viele, dass es unverständlich sei, auf Sané zu verzichten und er schrieb „kein Sane-Tag von Löw“. Der Bundestrainer aber verteilte eben „Zuckerl“: „Es war eine knappe Entscheidung gegenüber Julian Brandt, sie sind fast auf gleicher Höhe, es konnte aber nur einer mitfahren.“ Was er nicht sagte: Brandt ist pflegeleichter, hat nicht so seinen eigenen Kopf wie Sané und arbeitet disziplinierter.“ Er wird still auf der Weg sitzen, ohne saure Miene. Aber: Wer jetzt zu Hause bleibt, darf künftig doch wiederkommen. Ob Leno, Tah, Petersen oder Sané, ab September steht ihnen die Tür zur Nationalmannschaft wieder offen.

Mit der Bekanntgabe des Kaders war auch das große Thema der vergangenen Wochen abgeschlossen. Der „Fuß der Nation“ hat gehalten, Kapitän Manuel Neuer kehrte nach neun Monaten zurück, als ob er nie fortgewesen sei. Es ist das Schicksal des Marc-Andre ter Stegen, dass der beste Torhüter der Welt vor ihm steht. Er muss warten, er ist 26 Jahre alt, Neuer ist 32. ter Stegen teilt das Schicksal vieler Torhüter, die warten müssen, bis ihr großer Vorgänger abtritt. Auch ter Stegen ist Weltklasse, gehört ebenfalls zu den Besten der Welt. Vorteil Neuer: Er ist Kapitän, hat eine unvergleichliche Ausstrahlung, hat das Torhüterspiel auf ein neues Level gehoben und gilt als erster Spielmacher des Aufbauspiels. Und er ist Weltmeister, er ist Titelverteidiger. Neun Weltmeister sind noch dabei, 23 Spieler im DFB-Kader hoffen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Und Jogi Löw natürlich.

Übrigens: Das 1:2 nach dem Gewitterregen in Klagenfurt gegen Österreich sollte die Fußball-Fans nicht erschüttern. Lasst den Österreichern den Jubel, aber es hat schon Tradition, dass das DFB-Team vor einem Turnier schwache Spiele abliefert. Es hat aber genauso Tradition, dass Deutschland eine starke Turnier-Mannschaft ist. In Form sind auch andere nicht, so klagten auch die Gruppengegner Mexiko, Schweden und Südkorea über eine schwache Vorbereitung. Aber es gab auch Jubel. Brasilien freute sich über das Comeback von Neymar, der teuerste Spieler der Welt ist der Hoffnungsträger auf den Titelgewinn. Und Ägypten hat Liverpools Pechvogel Salah im Kader, der seine Schulterverletzung vom Finale der Champions League rechtzeitig auskuriert haben soll. Vom Titel träumt man in Ägypten deswegen aber nicht. Auffallend auch: Gastgeber Russland verzichtet auf deutsche Unterstützung, Roman Neustädter und Konstantin Rausch wurden aus dem Kader gestrichen. Dabei hatten sie (beide russischer Vergangenheit) extra die russische Staatsbürgerschaft angenommen, hatten sich aber wohl zu sehr als Russen gefühlt. Ein nicht genehmigter Disco-Besuch stieß sauer auf. Pech gehabt. Da konnte Jogi Löw seine Entscheidungen zum Glück nach anderen Kriterien treffen.

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!

Champions League: Altes Geld gegen neues Geld

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind ein Weltereignis, aber sie regieren nicht allein die Sportwelt. Zumindest in Europa nicht. Am Dienstag, 13. Februar, geht auch die Champions League im Fußball wieder los und mit dem Achtelfinale wird es endlich auch richtig interessant. Die Gruppenphase ist nur ein teilweise langweiliges Vorspiel im Herbst. Die Lose wollten es so, dass es ein mögliches Endspiel bereits im Achtelfinale gibt: Titelverteidiger Real Madrid gegen den Newcomer Paris St. Germain. Man könnte auch sagen altes Geld gegen neues Geld, alter Reichtum gegen neuen Reichtum, ein Großprotz vergangener Tage verteidigt seinen Ruhm gegen den aktuellen Großprotz.

Damit keine Zweifel aufkommen, es geht um Fußball. Aber im Spitzenfußball geht es in erster Linie um das Geld. Die Fans können sich am Spiel erfreuen, die Vereine und Profis erfreuen sich am üppigen Spielgeld. Laut der Fachzeitung kicker haben die Klubs der fünf Top-Ligen in Europa die gigantische Summe von 4,43 Milliarden Euro im vergangenen Sommer für neue Spieler ausgegeben. Bekanntlich schoss Paris mit Katars Scheich Nasser Al-Khelaifi mit 222 Millionen Euro für Barcelonas Torjäger Neymar den Vogel ab. Paris dominiert erwartungsgemäß die Liga in Frankreich, aber erst die Champions League zählt wirklich. Der Pott soll her, endlich. Barcelona war im Vorjahr ein demütigender Stolperstein, nach einem 4:0 zu Hause schied Paris mit einem 1:6 in Barcelona aus. Neymar zirkelte in den Schlussminuten einen Freistoß ins Eck und traf mit Elfmeter und strahlte, „das war wohl das Spiel meines Lebens“. Dann war er weg.

Real Madrid gegen Paris St. Germain am 14. Februar, das elektrisiert. Wobei es in dieser Saison um den Titelverteidiger viele Fragezeichen gibt. Fast gibt es schon eine Art Endzeitstimmung in Spanien. Ohne Sieg gegen Tottenham landete Real in der Gruppe hinter den Engländer und hat nun den Salat mit Paris als Gegner. National klappt es überhaupt nicht, Platz vier und 19 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Barcelona sind eine Demütigung, im Pokal ist Madrid ausgeschieden. Die Schlagzeilen waren in den letzten Wochen entsprechend: „Königliche Gurkentruppe“ hieß es oder „Die Zeit von Zidane läuft ab“ über den einst gefeierten Trainer oder eben „Die Königlichen sind ratlos“. Einst kaufte sich Real eine Mannschaft der Stars zusammen, doch „BBC“ ist in die Jahre gekommen. Bale meist verletzt, Benzema kein Torjäger, der immer trifft und Cristiano Ronald unzufrieden. Den Weltfußballer wurmt, dass Konkurrent Messi in Barcelona wohl mehr verdient und erfolgreicher ist, außerdem merkt „CR7“ mit 32 Jahren langsam das Alter, die Spritzigkeit lässt nach. Real spielt um die letzte Chance, vielleicht auch darum, ob es noch eine Zukunft hat.

Das alte Geld ist ausgegeben, Klubs mit Scheichs in der Hinterhand können mit dem neuen Geld das Kommando übernehmen. Das gilt nicht nur für Paris, sondern zum Beispiel auch für Manchester City mit Trainer Pep Guardiola, der seine Mannschaft mit etlichen Millionen aufgerüstet hat. 250 Millionen Euro waren es im Sommer, jetzt noch einmal über 100 Millionen. Das Ergebnis sind unvorstellbare 13 Punkte Vorsprung in der Premier League, wo doch ansonsten im Kampf um den Titel Spannung Trumpf ist. Doch richtig gefeiert wird bei City und vor allem von Pep Guardiola wohl erst, wenn auch der Sieg in der Champions League gelingt. Der FC Basel sollte im Achtelfinale kein Stolperstein sein.

Die Engländer wollen mit viel Geld angreifen und sind mit fünf Mannschaften noch dabei. Das neue Geld schießt scheinbar Tore. Die schwierigste Aufgabe hat zweifellos ausgerechnet das kriselnde Chelsea London mit dem FC Barcelona zu lösen. Auch hier trifft also neues Geld auf altes Geld. Bei Barca geht es zwar mitunter in der Führung auch drunter und drüber, aber im Notfall wird es Messi schon richten.

Die deutschen Klubs haben sich auf Europas Bühne blamiert. „Das Zeugnis eines Debakels“ urteilte der kicker, weil erstmals nur drei Bundesliga-Klubs in Europa überwintert haben. Freiburg, Köln, Hertha und Hoffenheim sind teilweise blamabel ausgeschieden. Nur Bayern München hält in der Champions League die Fahne hoch, wie so oft. Auch die Bayern spüren das neue Geld in Europas Ligen, sind aber im Umsatz immer noch Nummer vier in Welt des Fußballs und träumen von der Wiederholung des Triples von 2013. Das gute Omen: Auch 2013 hatte die Bundesliga diese miese Bilanz, aber am Ende stand das deutsche Endspiel in Wembley. Es bedarf Los-Glück, damit die Münchner zumindest ins Halbfinale kommen, der erste Gegner Besiktas Istanbul gilt als leichtester der möglichen Gegner. Gegen Paris hat man in der Gruppe besondere Erfahrungen gemacht und ist über das 0:3 im ersten Aufeinandertreffen fast dankbar: Trainer Carlo Ancelotti musste gehen und der 72-jährige Jupp Heynckes, Triple-Macher 2013, wurde reaktiviert. Heute gilt es als Glücksbringer und soll gar nicht mehr in den Ruhestand gehen.

Die in der Königsklasse ausgeschiedenen Borussia Dortmund und RB Leipzig wollen sich in der Europa League profilieren, doch die Leistungen in der Bundesliga waren zuletzt nicht so, dass die deutschen Fußball-Fans sehr hoffnungsfroh in die Zukunft schauen können. Die Italiener Atalanta Bergamo und SSC Neapel könnten die Rausschmeißer spielen. Das deutsche Debakel wäre dann wirklich perfekt.

Ein Blick in die Zukunft: Nach Olympia wird es an dieser Stelle in der Regel jeden Montag einen Bundesliga-Kommentar geben.