Ereilt Deutschland der Fluch der Weltmeister?

von knospepeter

Die Aussage war entlarvend und mag als Beispiel dienen: „Von WM-Feeling haben wir noch nichts mitbekommen“, hieß es aus der deutschen Mannschaft aus dem WM-Quartier Watutinki mitten in einem Wald in der Nähe von Moskau. Dieses Feeling zeigte sich auch beim Auftaktspiel gegen Mexiko beim 0:1: Lasch, ohne Schwung, die gesamte Mannschaft im Schonmodus eines Vorbereitungsspiels. Deutschland reihte sich damit ein in die Gruppe der Favoriten, die fast alle einen verschlafenen Start hatten. Leute, die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hat bereits begonnen!

Was die deutsche Mannschaft angeht, wurden Bundestrainer Joachim Löw, seinem Trainerteam und den Spielern schmerzhaft die Augen geöffnet. Alle Fehler, die vorher auftraten und angeprangert wurden, konnten nicht abgestellt werden. Die Mexikaner werden sich verwundert die Augen gerieben haben, dass sie so ein Konterfestival feiern konnten. Eine Abwehr war im DFB-Team praktisch nicht vorhanden. War Kompaktheit vor vier Jahren auf dem Weg zum Titel Trumpf, so gab es diesmal einen Tag der offenen Tür. Sinnbildlich Khedira, der die Mitte nicht schließen konnte oder Rechtsverteidiger Kimmich, der stürmte, aber die Abwehr vergaß. Die Warnung für Löw und seine Jungs: Es sind zuletzt zweimal die Weltmeister in der Vorrunde gescheitert. 2014 Spanien nach einem 1:5 zum Auftakt gegen die Niederlande und zuvor 2010 Italien nach einem 1:1 im ersten Spiel gegen Paraguay. Ereilt jetzt Deutschland der Fluch der Weltmeister? Wer die Spannung liebt, darf sich freuen, ab sofort ist jedes Spiel der DFB-Elf ein Endspiel! Aber: Es ist keiner im Kader, der Khedira als Abräumer ersetzen kann, es ist keiner im Kader, der Kraft seiner Persönlichkeit für mehr Ordnung im Mittelfeld sorgen kann. Gündogan, Rudy, Goretzka – keiner von ihnen stellt eine echte Alternative dar!

Eine Mauer steht noch

In Deutschland fiel die Mauer, die das Land teilte, im November 1989. Doch eine Mauer steht noch, bei der Fußball-WM. Es ist Mauer der Kleinen gegen die Großen. Und so wunderten sich auch andere Favoriten, nicht nur Deutschland. Sinnbildlich Island gegen Argentinien, als teilweise alle Feldspieler rund um den eigenen Strafraum das 1:1 verteidigten. Motto: Wenn keine Chancengleichheit herrscht, dann müssen wir uns eben verbarrikadieren. Mit dem Mute der Verzweiflung wird gekämpft und der eine oder andere Konter geht immer noch. Dann kommt manchmal ein 1:1 heraus, manchmal gibt es aber dennoch eine unglückliche Niederlage, so wie für Ägypten gegen Uruguay (0:1) oder Australien gegen Frankreich (1:2). Ein begeisterndes Spiel hat es bisher nur einmal gegeben, das 3:3 zwischen Portugal und Spanien, ein Duell auf Augenhöhe mit offenem Visier.

Die WM läuft und wir staunen, dass sich der Videobeweis bisher als wertvoll erwiesen hat und keineswegs für ein Chaos sorgte, wie es noch vor einem Jahr beim Test vom Confed Cup zu erleben war. Die Order, den Videobeweis sparsam einzusetzen, erweist sich als richtig, ebenso, dass die Schiedsrichter großzügig leiten und nicht jeden kleinen Rempler gleich als Foul werten. Eine Tatsache, die vor allem die Bundesliga-Profis verblüfft. Da wunderte sich auch Khedira vor dem entscheidenden Tor gegen Mexiko, als er nach einer harmlosen Kollision in Erwartung eines Pfiffes die Arbeit einstellte. Das Motto „ruhe sanft“ ist nichts für Fußball-Profis!

Ronaldo gegen Messi 3:0

Vor einem WM-Turnier machen sich ja viele immer Gedanken, wer am Ende der Spieler des Turniers sein werde, wer Torschützenkönig usw. Wenn es um den besten Spieler geht, stehen die Weltfußballer natürlich ganz oben auf der Liste und bei den großen Stars steht es nach dem Auftritt glatt 3:0 für Cristiano Ronaldo gegen seinen alten Kontrahenten Lionel Messi. Es war fast eine Demütigung für den kleinen Argentinier. Ronaldo erzielte alle drei Treffer beim 3:3 gegen Spanien für Portugal, auch per Elfmeter und mit Freistoß. Messi aber verschoss einen Elfmeter und setzte den letzten Freistoß, der Argentinien hätte den Sieg bringen können, über die Latte. Und der dritte im Bunde, der Brasilianer Neymar, bekanntlich der teuerste Spieler auf der Welt, der tauchte gegen die Schweiz fast gar nicht auf. Na gut, er muss nach einer langen Verletzung erst in Schwung kommen und betrachtete die Partie wohl für sich erst einmal als Vorbereitung (siehe oben). Außerdem will er mit Ronaldo und Messi gar nicht konkurrieren. „Die sind von einem anderen Stern“, hat Neymar betont und sieht sich gleichzeitig damit als bester Spieler dieser Welt. So einfach ist das. Nur gewinnen, das ist für die Favoriten gar nicht so einfach… Die Fußball-WM kann noch ganz interessant werden.

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