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Tag: NHL

Kann Deutschland Eishockey-Weltmeister werden?

Leon Draisaitl hat auf die Frage eine eindeutige Antwort: „Natürlich, wer zur Weltmeisterschaft fährt, will auch Weltmeister werden.“ Der neue deutsche Eishockey-Star blendet dabei die Realität nicht aus, sondern will nur die ganze Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen, nach dem Motto, wer bei Olympia die Silbermedaille gewann, kann auch Weltmeister werden. Doch von Silber bei Olympia zu Gold bei einer WM ist es mehr als nur ein Schritt. Die beiden Turniere sind nicht zu vergleichen.

Deutschland reist als Achter der Weltrangliste zur Weltmeisterschaft in der Slowakei, die am Freitag beginnt und am 26. Mai endet. Der achte Platz, sprich der Sprung ins Viertelfinale, ist auch das erste Ziel, denn das würde die direkte Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking bedeuten. Im Wege stehen in der Gruppe A Kanada (1. der Weltrangliste), die USA (4.), Finnland (5.), Gastgeber Slowakei (10.), Dänemark (12.), Frankreich (13.) und Neuling Großbritannien (22.), der erste (Aufbau-)Gegner am Samstag. Bei den Platzierungen wird deutlich, dass es vor allem gegen die Slowakei und Dänemark um Rang vier in der Vorrunde geht. Die „Großen“ Kanada, Finnland und die USA vertrauen vielfach auf NHL-Stars und schon das letzte Testspiel am Dienstag gegen die USA (2:5) zeigte, dass die Trauben hoch hängen.

Die NHL ist das Zauberwort bei einer Weltmeisterschaft, bekanntlich fehlten die Stars bei Olympia. In der Slowakei sind viele Größen dabei, so auch Russlands Top-Star Alexander Owetschkin (Washington) oder eben Leon Draisaitl. Der 23-Jährige mutierte ebenfalls zu einem Top-Star der NHL, erzielte 50 Tore für die Edmonton Oilers und gab 55 Vorlagen zu Toren und war damit zweitbester Torschütze und vierbester Vorlagengeber der Saison. Das hat noch kein deutscher Spieler geschafft. Dennoch waren die Oilers, die einst mit Superstar Wayne Gretzky den Stanley-Cup gewannen, eines der schlechtesten Teams der NHL, obwohl Draisaitl mit Kapitän Connor McDavid noch einen kongenialen Partner an seiner Seite hatte. Ähnliches könnte ihm im Nationalteam widerfahren, dass er glänzt, aber der Erfolg ausbleibt.

Oder führt er Deutschland zum Erfolg? Zwölf deutsche Spieler waren zu Saisonbeginn in der NHL dabei, gerade drei konnte der neue Bundestrainer Toni Söderholm im Team begrüßen. Neben Draisaitl sollen Verteidiger Korbinian Holzer (Anaheim Ducks) und Dominik Karhun (Chicago Blackhawks) für Stabilität sorgen. Die Hoffnungen ruhen noch darauf, dass Torhüter Philipp Grubauer nachkommt, der dann aber mit Colorado in den Play-Offs ausscheiden müsste. Im Vorjahr gewann Grubauer mit Washington als vierter deutscher Spieler den Stanley-Cup (nach Uwe Krupp 1996 und 2002, Dennis Seidenberg 2011 sowie Tom Kühnhackl 2016 und 2017). Kühnhackl sagt übrigens verletzt ab.

Der eher unbekannte Söderholm tritt ein schweres Erbe an, denn Vorgänger Marco Sturm begeisterte Spieler und Fans mit seiner offenen Art und Erfolgen, wie eben Silber bei Olympia. Der Kater kam schon bei der folgenden WM mit Platz elf. Die Jahre davor waren es Rang acht und sieben, das lässt also hoffen. Der 40-Jährige Finne kommt offensichtlich bei der Mannschaft gut an, so dass Tiefpunkte wie in den Jahren 2012 bis 2016 nicht zu befürchten sind, als Deutschland unter „ferner spielten“ abschnitt.

Mit einer Weltmeisterschaft ist für das deutsche Eishockey die Hoffnung verbunden, endlich in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden, zum Beispiel durch Übertragungen im Free TV (Sport1). In der Entwicklung kommt der DEB aber nicht wirklich voran, obwohl von Präsident Franz Reindl oft große Sprüche und Hoffnungen zu vernehmen sind. In der Nachwuchsarbeit hakt es nach wie vor, Leon Draisaitl und der neue Kapitän Moritz Müller (Köln) fordern unisono, dass junge deutsche Spieler mehr Chancen in den Vereinen bekommen müssten. In der DEL dominieren die Ausländer, so dass Erfolge wie die Finalteilnahme der Red Bulls aus München in der Champions League Augenwischerei sind.

Aber woher kommen die vergleichsweise vielen Deutschen in der NHL? Deutsche Talente sind heute eher offen für eine Lebensveränderung als frühere Generationen von Erich Kühnhackl bis Udo Kießling oder Dieter Hegen. So ist auch hier Leon Draisaitl ein Beispiel. In jungen Jahren zog es ihn nach Kanada, dort wurde aus dem Talent ein Star. Ab 2012 spielte er im Juniorenteam der Prince Albert Raiders, zwei Jahre später wechselte er in die NHL nach Edmonton. Die beste Schule für künftige Eishockey-Cracks liegt also in Übersee und nicht in Deutschland. Folgen viele diesem Weg, kann Deutschland auch mal Eishockey-Weltmeister werden. Der DEB würde feiern, ändern bzw. bessern würde sich hierzulande aber nichts.

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Der Sturm im Eishockey hinterlässt nur Gutes

In der Natur verbreiten Stürme Angst und Schrecken, sie hinterlassen immer mehr nur Verwüstung. Im deutschen Eishockey hat der Sturm dagegen einen guten Ruf. Marco Sturm wohlgemerkt, 40-Jähriger Bundestrainer, der jetzt den Deutschen Eishockey-Bund und die Nationalmannschaft in Richtung National Hockey League (NHL) verlässt. Aus dem Bundestrainer wird ein Co-Trainer bei den Los Angeles Kings, für die er 2010/11 schon einmal spielte. Eine Aufgabe, die für ihn Sprungbrett auf dem Weg zum NHL-Cheftrainer sein soll. Der DEB will und kann ihm keine Steine in den Weg legen. Aber anders als Stürme in der Natur hinterlässt Marco Sturm für das deutsche Eishockey nur Gutes.

Der Dingolfinger und Ehrenbürger seiner Geburtsstadt geht als „Silberschmied“ in die Eishockey-Geschichte ein, weil er die DEB-Auswahl im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea zum sensationellen Gewinn der Silbermedaille führte. Da profitierten er und der Verband davon, dass die NHL-Stars bei Olympia nicht mitmachen durften. Sturm und sein Team nutzten die Gunst der Stunde und sorgten so dafür, dass Eishockey in Deutschland seinen Ruf verbesserte und vermehrt Kinder auch wieder Schlittschuhe anziehen wollen. In einem Verband, der früher eher mit Streit für Aufmerksamkeit sorgte, hinterlässt Marco Sturm also eine große Lücke. Der ewig lächelnde, freundliche und sympathische Niederbayer passte auch gar nicht zu den grantigen und selbstverliebten Funktionären um Präsident Franz Reindl.

Der DEB-Präsident, der jahrzehntelang als Sportdirektor dem deutschen Eishockey keine Impulse geben konnte, ist nach seinem Glücksgriff Sturm also wieder gefordert. Vor Marco Sturm war die Nationalmannschaft für viele Spieler eher ein notwendiges Übel als ein Aushängeschild, es hagelte bei den Nominierungen jeweils Absagen und bei Weltmeisterschaften stand nie die wirklich stärkste Mannschaft auf dem Eis. Bei Marco Sturm kamen die deutschen Stars wieder gerne, sie glaubten an eine gute Zukunft und wollten beim Aufschwung dabei sein. Jetzt aber droht wieder ein Abschwung, bei dem wieder niemand dabei sein will… Gefordert ist der Präsident, der vielleicht vor allem angesichts dieser Herausforderung eher auf den Posten des Weltpräsidenten schielt, den der Schweizer Rene Fasel in Bälde abgeben wird. Franz Reindl hat es schon immer verstanden, Mängel in seiner Arbeit durch gute Kontakte zu den für ihn wichtigen Personen zu überdecken.

Marco Sturm, der 1006 Spiele in der NHL absolvierte, aber nur 41 Länderspiele für Deutschland, weil er eben lange in Übersee lebte (allein von 1997 bis 2005 spielte er bei den San Jose Sharks, war Leistungsträger und Publikumsliebling), verabschiedet sich am Wochenende beim Deutschland-Cup in Krefeld. Erst vor einem Jahr ist er mit seiner Familie von Florida (wo er zuletzt spielte) nach Niederbayern umgezogen, aber Sohn und Tochter sind nicht richtig heimisch geworden. Da kommt ein Umzug nach Kalifornien wie gerufen. Kings-Cheftrainer Willie Desjardins ist ein alter Wegbegleiter des Deutschen. Mal sehen, ob Marco jetzt auch die NHL im Sturm erobert.

Für seine Nachfolge in Deutschland werden einige Namen gehandelt, doch ob die Wunschkandidaten zur Verfügung stehen, ist eine andere Frage. So wird es für die Weltmeisterschaft im Mai 2019 in der Slowakei wohl eine Interimslösung geben, sich also ein Vereinstrainer dem Nationalteam annehmen. Favorit für die Zukunft könnte der ehemalige Stanley-Cup-Sieger Uwe Krupp sein, der schon einmal erfolgreich als Nationaltrainer gearbeitet hat und derzeit bei Sparta Prag glänzt. Pavel Gross (Mannheim) oder Harold Kreis (Düsseldorf) sind Kandidaten als Helfer im Mai. Eine Lösung für die Zukunft sind sie wohl eher nicht. Menschenfänger wie Marco Sturm sind sie alle nicht.

Eishockey: Nach Silber jetzt Gold oder Blech?

Es war im Februar, als Deutschland ein bisschen eishockeyverrückt wurde, als die deutsche Nationalmannschaft bei Olympia in Südkorea sensationell die Silber-Medaille holte – der größte Erfolg aller Zeiten. Doch der Boom ist abgeflaut und auch vor der Eishockey-Weltmeisterschaft, die am Freitag, 4. Mai (bis 20. Mai), in Dänemark beginnt, ist keine erhöhte Temperatur zu beobachten. Das hat natürlich seine Gründe, die der Sport-Grantler schon vor einem Jahr in seinem Kommentar „Warum Eishockey in Deutschland keine Zukunft hat“ (6. Mai 2017) dargelegt hat.

Dennoch werden die Sportfans vermehrt auf das Abschneiden des DEB-Teams schielen, weil sie wissen wollen, ob die Silber-Medaille nur ein positiver Ausrutscher war oder ob es mit dem deutschen Eishockey tatsächlich aufwärts geht. Im Raum steht die Frage, gibt es nach Silber jetzt vielleicht Gold oder bleibt am Ende nur Blech? Da ist auch Bundestrainer Marco Sturm, der „Macher“ des Eishockey-Wunders, betont vorsichtig: „Die WM kann man mit Olympia nicht vergleichen.“

Da hat er natürlich recht, wie will man einem Eishockey-Experten und ehemaligen NHL-Profi auch widersprechen. Bei Olympia nutzte die deutsche Auswahl bekanntlich die Gunst der Stunde, weil die NHL-Profis alle fehlten und die Favoriten in unterschiedlichem Maße geschwächt waren. In Dänemark sind viele Stars wieder dabei, wenn natürlich auch nicht alle, denn traditionell geht in Nordamerika der Kampf um den Stanley Cup jetzt erst in seine entscheidende Phase. Nur die Verlierer sind bei der Weltmeisterschaft dabei, aber das kennen wir ja. So kann auch Marco Sturm auf NHL-Stars zurückgreifen, allen voran auf Jung-Star Leon Draisaitl (Edmonton), aber auch auf Dennis Seidenberg (New York Islanders) und Korbinian Holzer (Anaheim Ducks). Dafür fehlen ihm aber eine Reihe von Silber-Helden, die zum Teil nach Olympia ihre Karriere beendet haben, wie Kapitän Marcel Goc und Fahnenträger Christian Ehrhoff. Insgesamt musste Sturm rund ein Dutzend Absagen aus unterschiedlichen Gründen hinnehmen. Die WM-Mannschaft wird also nicht das Silber-Gesicht haben.

Es ist wie immer vor einer Weltmeisterschaft, Deutschland gehört auch in Dänemark zu den Außenseitern, ein erneuter Medaillengewinn wäre wieder eine Sensation. Das Ziel heißt zunächst einmal Viertelfinale, das muss der Weltranglisten-Siebte auch ansteuern und sollte gegen die Gruppengegner Dänemark (4. Mai), Norwegen (6.), USA (7.), Südkorea (9.), Lettland (12.), Finnland (13.) und Kanada (15.) auch möglich sein. Ein vorzeitiges Ausscheiden würde gleich wieder einen Schatten werfen, nach dem Motto „haben wir es doch gewusst, Olympia war reiner Zufall“.

Sollten in Dänemark der Spaß und der Erfolg fehlen, dann könnte dies auch die Zukunft des DEB-Teams gravierend beeinflussen, weil sich nämlich Trainer Marco Sturm dann wohl verstärkt Gedanken über seine Zukunft machen würde. Der 39-jährige hat zwar einen Vertrag bis 2022 unterschrieben, aber einem vorzeitigen Abschied würde der Verband kaum im Wege stehen. Sturm hat eines klargestellt: Sein Traum, sein Ziel ist eine Trainertätigkeit in der Profi-Liga NHL in Nordamerika. Sein Haus in Florida wartet auf ihn, seine Familie kann sich ein Leben in Übersee gut vorstellen. Die Frage ist, welches Abschneiden führt eher zu einem Abschied von Sturm: Der Erfolg, dann würde Sturm als Trainer für andere noch interessanter werden, oder der Misserfolg, dann würde Sturm wohl über einen Abschied nachdenken, weil er eine ungewisse Zukunft sieht. Eishockey wird in Deutschland nie ganz in den Vordergrund rücken, wie sie es im Verband erträumen. Gold oder Blech – beides kann für den Deutschen Eishockey-Bund zu einem Problem werden.

Olympia wird keine Werbung für das Eishockey

Die kalte Jahreszeit hat begonnen und so nimmt auch der Wintersport Fahrt auf. Für den Spitzensport wird es wieder eine besondere Saison, denn die Olympischen Spiele im Februar in Pyeongchang (Südkorea) stehen bevor. Allgemein herrscht bei Sportlern und Fans eine gewisse Vorfreude auf so ein Großereignis, doch diesmal ist die Vorfreude gedämpft.

Da ist einmal der Austragungsort. Pyeongchang liegt nur rund 100 km von der Grenze zum kriegslüsternen Nordkorea entfernt, die Wintersportbegeisterung in Südkorea hält sich zudem in Grenzen. Außerdem denken viele mit Schrecken daran, dass die Zeit der Asien-Spiele beginnt, denn 2020 ist Tokio Gastgeber bei den Sommerspielen, 2022 erwartet Peking wiederum die Wintersportler. Vielleicht mit Smog statt Schnee.

Besonders skeptisch schaut man in Eishockeykreisen auf die kommenden Winterspiele. Eigentlich ist das Eishockey-Turnier das Herzstück von Winter-Olympia, doch diesmal herrscht Unsicherheit und es sieht danach aus, als sollte die Spiele keine Werbeplattform für das Eishockey werden. Das hat seinen Grund in der Absage der National Hockey League (NHL), der Profiliga in Nordamerika, die ihre Stars erstmals seit 1998 nicht freistellen wird. Die eigene Punktrunde geht vor, die Angst vor Verletzungen des teuren Kapitals Spieler ist zu groß. Die Absage erfolgte ausgerechnet in dem Jahr, in dem die NHL (am 22. November 2017) ihr 100jähriges Bestehen feiert. Damit wird Olympia im Eishockey nur noch ein zweitklassiges Turnier.

Und dies ist nicht der einzige Eisblock, der den Verbänden vor die Füße geworfen wird, jetzt droht auch noch das Pendant zur NHL, die osteuropäische Profiliga KHL mit einem Boykott der Spiele, allerdings aus einem anderen Grund. Die von Russland dominierte Liga mokiert sich, dass Russland an den Doping-Pranger gestellt wird und will ihre Spieler nicht freistellen, wenn das IOC Russland wegen der Doping-Affären ausschließen sollte. Dies würde das Eishockey-Turnier besonders treffen. Vor allem die deutschen Gruppengegner Finnland und Schweden würden darunter leiden und würden von Medaillenkandidaten zu Außenseitern werden.

In Deutschland haben sich die Eishockey-Fans, vor allem aber Funktionäre, Vereine und Spieler auf Olympia gefreut, weil sie Entzugserscheinungen hatten. Bekanntlich hatte Deutschland die Qualifikation für 2014 in Sotschi nicht geschafft. Das war damals das Ende für Bundestrainer Pat Cortina und gleichzeitig der Start in eine hoffnungsvollere Zukunft, als 2015 der Landshuter Marco Sturm kam. Der 39-jährige ehemalige NHL-Profi, vom Typ Sonnenschein mit einem Dauerlächeln im Gesicht, hauchte dem deutschen Eishockey neues Leben ein. Einige im Verband träumten sogar davon, dass Deutschland bei Olympia angesichts des Aufschwungs und des Fehlens der NHL-Profis eine Chance auf eine Medaille haben könnte. Doch diese Euphorie ist vorbei, sie war auch nicht angebracht.

Der Deutschland-Cup, der einzige Test vor Olympia, sorgte für Ernüchterung. Deutschland unterlag Russland deutlich mit 2:8 und der Slowakei mit 0:3 und schaffte mit einem 5:1-Sieg gegen schwache amerikanische College-Boys gerade noch Rang drei. Die bittere Erkenntnis: Ohne NHL-Verstärkung fehlt dem DEB-Team das Rückgrat. Immerhin sieben NHL-Profis stünden zur Debatte, darunter der neue Star Leon Draisaitl (Edmonton) und Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl (Pittsburgh). Vermisst werden aber vor allem die Torhüter Thomas Greiss (New York Islanders) und Philipp Grubauer (Washington). Bedenklich, dass eine Erkenntnis aus dem Vergleich mit Russland (das nur eine zweite Auswahl schickte und dennoch Turniersieger wurde) lautete: Dem Tempo nicht gewachsen. Deutschland wird also Außenseiter bleiben und ein Überstehen der Gruppenspiele wäre eine Überraschung, es sei denn die Kräfteverhältnisse verschieben sich durch politische Einflüsse eklatant.

Statt Vorfreude also Sorgen, statt Rückenwind für eine Sportart, die nach mehr Anerkennung lechzt, eher Gegenwind. Deutschland kann nichts dafür, aber wieder einmal wird eine Chance verpasst, Olympia wird keine Werbung für das Eishockey.

Warum Eishockey in Deutschland keine Zukunft hat

Besser konnte die Eishockey-Weltmeisterschaft 2017, die in Deutschland und Frankreich ausgetragen wird, für das Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nicht beginnen: Der 2:1-Sieg gegen die USA ist fast schon der Fahrschein für den Einzug ins Viertelfinale. Begeisterung pur auf den Rängen in Köln und bei der Mannschaft, die immer in Köln antreten kann und das Turnier als „Heim-WM“ ansieht (die zweite Gruppe spielt in Paris). Damit werden auch die Erinnerungen an die letzten Weltmeisterschaft in Deutschland 2010 wach, als die Mannen vom damaligen Bundestrainer Uwe Krupp sogar ins Halbfinale einzogen, als Vierter dann aber doch ohne Medaillen blieben.

Wer erinnert sich noch an diesen Erfolg? Welchen Aufschwung hat das Eishockey danach genommen? Keinen! Es gab wieder einen Abschwung, das DEB-Team verpasste sogar die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi und entfernte sich von der Weltspitze. Diese verpasste Chance möchten die DEB-Funktionäre am liebsten vergessen, sie sprechen lieber von der Gegenwart und der Tatsache, dass in Köln die vielleicht sogar stärkste Mannschaft aller Zeiten mit NHL-Stars auf dem Eis steht. Das verspricht eine gute Zukunft, doch das Eishockey in Deutschland hat keine gute Zukunft. Es kann nur gelegentlich mit Achtungserfolgen auf sich aufmerksam machen, aber nicht auf breiter Basis die Deutschen zu Eishockey-Fans machen.

Da sind zuerst einmal die äußeren Umstände. Eishockey ist ein teurer Sport und Spitzen-Eishockey wird nur in wenigen Hochburgen betrieben, am Leben gehalten durch Sponsoren. Eine Finanzierung nur durch den Sport heraus ist nicht möglich. Die Nachwuchsarbeit wird in diesen Zentren oft vernachlässigt, sie liegt mehr bei den kleinen Vereinen, nach wie vor hauptsächlich in Bayern, dort aber fehlt das Geld, fehlen die Idole für die Kinder. So dümpelt das unterklassige Eishockey in Deutschland seit Jahren vor sich hin.

An der Spitze präsentiert sich die Deutsche Eishockey Liga (DEL) als gut organisierte, profimäßige Liga, allerdings hat sie für die Beobachter außerhalb der Eishockey-Familie viele Schwächen. So verstehen Außenstehende nicht, warum der Titel in einer Play-Off-Runde vergeben wird. 52 Spieltage Anlauf, bevor es richtig zu Sache geht, töten die Spannung. Außerdem präsentiert sich die DEL als interner Zirkel, einen wirklichen Auf- und Abstieg gibt es nach wie vor nicht. Nur wenn ein Verein, wie im Vorjahr die Hamburg Freezers, seine Lizenz zurückgibt, kann ein Zweitligist nachrücken. Ein Umstand, der im deutschen Sport einmalig ist und für Unverständnis sorgt. Gerade wenn man zum Beispiel derzeit auf den spannenden Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga schaut. Das elektrisiert die Leute. Das schmoren im eigenen Saft setzten die Geldgeber durch, ganz einfach deshalb, weil sie Sicherheit haben wollen. Ein Abstieg würde eine unsichere Zukunft bedeuten. Wenn einer nicht mehr zahlen kann oder will, geht der Verein auch ohne Abstieg den Bach runter – keine schöne Sache für den Sport.

Eishockey leidet auch darunter, dass der Sport nicht telegen ist, auf dem Fernsehschirm nur mangelhaft verfolgt werden kann, die Spiele zu lange dauern. Dadurch kann keine Begeisterung aufkommen. Auf dem übertragenden Sender Sport1 schauen mehr Leute die dritte Liga im Fußball an als ein Spiel der Deutsche bei der Eishockey-WM! Stars können sich auch schlecht entwickeln, weil unter den Helmen die Gesichter nicht bekannt werden. Und die besten Spieler sind weit weg in der National Hockey League in Nordamerika aktiv. Selbst große Erfolge in Übersee, wie im letzten Jahr, als Tom Kühnhackl mit Pittsburgh den Stanley-Cup gewann, bringen Eishockey nur kurzfristig ins Gespräch – weil dann hierzulande eben Sommer ist.

Die Funktionäre des DEB sorgten in der Vergangenheit ebenfalls dafür, dass Eishockey höchstens negativ in die Schlagzeilen geriet. Mit dem ehemaligen Sportdirektor Franz Reindl wurde ein Mann Präsident, der als auch als größter Blender bezeichnet werden kann. Er hat als Sportdirektor zu verantworten, dass die Wahl der letzten Bundestrainer ein Misserfolg war, er hatte zu verantworten, dass Deutschland Ende der Neunziger Jahre zweitklassig wurde. Jetzt sonnt er sich mit dem Glücksfall, dass mit Marco Sturm ein Publikumsliebling an der Bande steht und die Spieler wieder für das Nationalteam interessieren kann. Sie kommen wegen Sturm, nicht wegen Reindl. Der Präsident sieht eine gute Zukunft und will einen möglichen WM-Gewinn in die Nachwuchsarbeit investieren. Und was war in der Vergangenheit? Der DEB stand kurz vor der Pleite, rettete sich nur durch den finanziellen Gewinn der letzten Heim-WM 2010 und versäumt es seit Jahrzehnten, eine gute, nachhaltige Nachwuchsarbeit auf die Beine zu stellen. Eigentlich sollte schon vorher klar sein, dass die Weltmeisterschaft Gewinn bringen muss. Nur deshalb spricht der DEB-Präsident auch davon, dass sich der DEB bald wieder um eine Weltmeisterschaft bewerben wolle. Die WM als finanzieller Rettungsanker.

Selbst wenn Deutschland 2017 Weltmeister werden würde, was eine der größten sportlichen Sensationen wäre, würde es bei der traurigen Tatsache bleiben, dass Eishockey in Deutschland keine gute Zukunft hat. Zu viel Gründe sprechen dagegen.

Eishockey extrem

Red Bull München, der Verein, der vom österreichischen Brause-Hersteller mit finanziellen Zuwendungen „gedopt“ wird, hat wieder die Deutsche Eishockey-Meisterschaft gewonnen. Eigentlich verblüfft diese Tatsache nicht, denn im Eishockey sind Erfolge nur mit reichen Gönnern möglich, ohne Zuwendungen von außen kann in der Deutschen Eishockey Liga nicht kostendeckend gearbeitet werden. Gegner Wolfsburg Grizzlys macht dies ebenfalls deutlich, wird der Klub in der Autostadt doch von Volkswagen massiv unterstützt. Was nicht heißen muss, dass es diese Endspielpaarung auf Dauer geben muss. Aber immerhin war das Finale eine Wiederholung des Vorjahres, damals marschierten die Münchner mit vier Siegen durch, diesmal überließen sie dem Gegner großzügig einen Sieg, damit sie die Meisterschaft am Ostermontag dann in eigener Halle feiern konnten!

Eishockey extrem zeigte sich bei diesen Finalspielen dadurch, dass die Mannschaften alle zwei Tage auf dem Eis standen. Einen Tag spielen, den anderen Tag reisen – das muss man den Aktiven in anderen Sportarten erst einmal aufhalsen. Vielspielerei gehört im Eishockey zum Geschäft. Im Fußball sind die Spieler den englischen Wochen allerdings auch nicht abgeneigt, wie die Trainer und Funktionäre immer tun, wenn sie über die Belastung klagen, denn da heißt es nämlich „wir spielen lieber, als dass wir trainieren“. Zum Training kommen die Eishockey-Cracks während der Play-Offs kaum, da ist mehr Regeneration angesagt.

Eishockey extrem zeigt sich auch dadurch, dass der Meister eigentlich in einer unwürdigen Halle spielt, denn die Olympia-Eishalle von 1972 ist alt und zu klein. Das will Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ändern, schon lange ist eine neue Mehrzweckhalle auf dem Olympiagelände in Planung. Rentieren soll sich der Bau dadurch, dass auch die Basketballer von Bayern München als Mieter einsteigen, Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist ein Befürworter dieses Projektes und er träumt wohl davon, dass die populären Meister dann alle aus München kommen. Zunächst natürlich mal die Fußballer, mit den Basketballern hat er es auch geschafft und mit Red Bull in einer Halle wäre ja auch die Nähe zum Eishockey gegeben. In alten Zeiten hat der FC Bayern übrigens ein Projekt Eishockey wegen der Kosten und Hallenprobleme schnell wieder auf Eis gelegt. „Eishockey extrem“ urteilten die Bayern.

Eishockey extrem zeigt sich auch bei der Nationalmannschaft. Die Weltmeisterschaft wird in diesem Jahr unüblich in zwei Ländern ausgetragen. Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) firmieren als Gastgeber, was praktisch ist, denn so haben beide Heimvorteil. Nichts Neues ist es, dass die Eishockey-WM dann beginnt, wenn die Tage wieder wärmer werden, nämlich am 5. Mai, erst am 21. Mai steht der Weltmeister fest, das Endspiel findet in Köln statt. Aber in den modernen Hallen können die Zuschauer nicht einmal Abkühlung suchen. Der PR-Wert für den Wintersport hält sich zu dieser Zeit in Grenzen.

Eishockey extrem zeigt sich auch dadurch, dass die deutsche Nationalmannschaft in ihrer Vorbereitung mit C- und B-Kadern durch Europa tingelt, dass aber alle Spiele als offizielle Länderspiele gewertet werden. Ein Unding, wie es beim DEB leider seit Urzeiten Usus ist.

Eishockey extrem, dafür sorgte auch die NHL. Die Profi-Liga in Nordamerika schockte die Sportwelt damit, dass sie 2018 für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea keine Spielpause einlegen wird, ergo also keine NHL-Profis abgestellt werden. Das war letztmals 1994 in Lillehammer so, danach sah die NHL in Olympia durchaus einen Werbewert auch für ihre Liga. Jetzt allerdings wird das Herz der Spiele geschwächt, wenn quasi zweitklassige Mannschaften um die Medaillen kämpfen. Wer will, kann es so sehen, wie DEB-Präsident Franz Reindl, der darauf verweist, dass dann die kleineren Nationen größere Chancen hätten. Verlierer ist aber immer der Sport. Der eine oder andere NHL-Star will sich allerdings das Erlebnis Olympia nicht verbieten lassen. Russlands Star Alexander Owetschkin kündigte seine Teilnahme bereits an, der Linksaußen der Washington Capitals war bereits dreimal Weltmeister und will auch noch Olympiasieger werden. Ob der Verein mitspielt oder der Russe einfach einen Vertragsbruch begeht?

Vergessen werden darf bei dieser Entscheidung nicht, dass der Eishockey-Weltverband seit der Rückkehr der NHL-Profis 1977 in Wien die Austragung der Weltmeisterschaft deshalb immer weiter ins Frühjahr verschoben hat, damit möglichst viele NHL-Profis teilnehmen können, wenn sie in Nordamerika im Stanley-Cup mit ihren Teams ausgeschieden sind. Das zeigt auf, wie weh die Absage der NHL tut. Das ist für die IIHF Eishockey extrem.