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Tag: Oliver Kahn

Uli Hoeneß: Umstritten, erfolgreich, ein Mensch

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe:Präsident Uli Hoeneß will alle seine Ämter beim Deutschen Fußball-Rekordmeister Bayern München im Herbst niederlegen. Natürlich war es eine Nachricht des Boulevards, Hoeneß selbst will sich am 29. August dem Aufsichtsrat erklären und schweigt dazu, ob die Meldung Tatsache ist oder nicht. Aber alle Informationen sprechen dafür. Damit ginge die erfolgreichste Ära der Bayern-Geschichte zu Ende. In den 40 Jahren in verantwortlicher Position machte Hoeneß aus einem gutsituierten Verein ein erfolgreiches Unternehmen. Die Lücke, die er hinterlässt, könnte nicht größer sein.

Allerdings ist der Hoeneß von heute nicht mehr der Hoeneß aus der Zeit der Aufreger, als er es sich mit allen, die seinen Gedanken nicht folgen wollten, entgegenstellte und manchen Krawall riskierte, wenn er seinen Verein oder seine Spieler angefeindet sah. Doch das Gespür für den richtigen Zeitpunkt der Schlagzeilen und ihre Wirkung ist ihm verloren gegangen. So im letzten Herbst bei der unsäglichen Pressekonferenz oder jetzt, als sein Rücktritt die Werbe-Tour der Bayern in den USA (Rummenigge: „Die beste USA-Tour aller Zeiten“) mit guten sportlichen Leistungen und Erfolgen gegen Real Madrid (3:1) und AC Mailand (1:0) in den Schatten stellte. Uli Hoeneß ist nach seinem Gefängnisaufenthalt nach verurteilter Steuerhinterziehung und nach Anfeindungen eines Fans bei der Hauptversammlung 2018 ein anderer geworden, nachdenklicher vor allem. Und das mag jetzt auch eine Rolle spielen, dass er sich sagt, nach 40 Jahren ist Schluss und seiner Familie, seiner Frau Susi, Tochter, Sohn und vier Enkeln den Vorzug und mehr Zeit gibt. Er will angeblich im Aufsichtsrat bleiben und ist damit für Ratschläge immer greifbar.

Uli Hoeneß polarisierte mit seiner polternden Art, er war umstritten, aber erfolgreich wie kein anderer Manager im deutschen Sport, aber er blieb auch immer ein Mensch. Er war für jeden aus dem Verein immer da, vor allem wenn es einem schlecht ging, er war dafür verantwortlich, dass von der sprichwörtlichen „Bayern-Familie“ die Rede war. Er war der Vater und mit Ausnahmen natürlich immer stolz auf „seine“ Familie, ohne die eigene private Familie dabei vergessen zu wollen. Hoeneß zeigte eine raue Schale mit weichem Kern.

Sein erfolgreiches Wirken machen die Rekordzahlen deutlich, da muss man sich fast schon die Augen reiben. Als Hoeneß am 1. Mai 1979 als Manager begann, nachdem ihn eine Verletzung zum Karriere-Ende als erfolgreicher Spieler zwang (er gewann alle Titel, u. a. Weltmeister 1974 und dreimal in Folge Sieger mit Bayern im Europacup der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League), da hatten die Bayern gerade mal 20 Angestellte und machten 20 Millionen Mark Umsatz. Heute sind es rund 1000 Mitarbeiter und 700 Millionen Euro Umsatz. Passend dazu gerade die aktuelle Liste des US-Magazin Forbes über die wertvollsten Vereine der Welt. Da belegen die Bayern in der Gesamtliste Rang 17 (vorherrschend die US-Klubs im Football, Baseball und Basketball) und im Fußball-Ranking weltweit Platz vier hinter Real Madrid (mit einem Wert von 4,2 Milliarden Euro geschätzt), FC Barcelona (4,0) und Manchester United (3,8). Bayern selbst soll 3,0 Milliarden Euro wert sein. Dazu die sportlichen Erfolge allein in diesen 40 Jahren Uli Hoeneß: 24 mal Deutscher Meister, 14 x Pokalsieger, 2 x Champions League (2001, 2013), UEFA-Pokalsieger (1996), Klub-Weltmeister (2013), Weltpokalsieger (2001), UEFA-Superpokalsieger (2013), 8 x Deutscher Supercupsieger und 6 x Ligapokalsieger.

Es könnte sein, dass Uli Hoeneß es geschafft hat, trotz seines schwarzen Flecks in seiner Karriere gerade rechtzeitig den Staffelstab zu übergeben. Die Zukunft wird es weisen, ob er es auch schafft, die richtigen Nachfolger auf den Weg zu bringen. Die Zeichen stehen zumindest für die Bayern auf Hoffnung, denn mit dem früheren Adidas-Chef Herbert Hainer (im Juli gerade 65 geworden) steht ein Mann vom Fach parat, den auch ein internationales Netzwerk auszeichnet und der als Aufsichtsrat eng mit Hoeneß zusammenarbeitete. Und er ist – welch ein Zufall – auch der Sohn eines Metzgers. Da muss es für die Bayern doch auch weiterhin um die Wurst gehen. Hainer soll Hoeneß als Präsident (Wahl im November) und als Vorsitzender des Aufsichtsrat beerben.

Die zweite Personalie wurde zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge bereits auf den Weg gebracht, denn der frühere Nationaltorhüter Oliver Kahn soll ab Januar als Rummenigge-Nachfolger aufgebaut werden. Damit hätten beide Bosse erreicht, dass auch in Zukunft Bayern von kompetenten Personen geführt wird, die mit dem Bayern-Gen versehen sind. Es wäre die größte Leistung der scheidenden Manager, wenn die erfolgreiche Bayern-Ära weiterhin Bestand hätte.

Mit der aktuellen Lage tun sie sich im Moment vielleicht sogar ein bisschen schwer. Es bleiben Zweifel, ob Hasan Salihamidzic der richtige Sportdirektor ist, den die Bayern brauchen, wenn man die gewisse Hilflosigkeit bei den aktuellen Transfers sieht. Es gibt viele Gerüchte, aber keine Vollzugsmeldungen. Scheitert der Transfer von Leroy Sane könnten die Bayern am Ende gar ohne die auch von Spielern geforderten Verstärkungen dastehen. Oder wollte Hoeneß vielleicht sogar von diesen Sorgen ablenken?

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Zwei Niederlagen und doch Hoffnung für die Zukunft

Die sommerlichen Temperaturen dämpften sicherlich ein bisschen die Begeisterung und doch war Deutschland in den vergangenen Wochen wieder eine Fußball-Nation. Die TV-Einschaltquoten bestätigten dies. Doch der krönende Abschluss fehlte leider. Die Frauen schieden bei der Weltmeisterschaft im Viertelfinale gegen Schweden aus, die U21 konnte ihren Titel bei der Europameisterschaft nicht verteidigen und unterlag im Finale Spanien. Zwei Niederlagen also und doch bleibt für beide Mannschaften einige Hoffnung für die Zukunft.

Wer war jetzt näher dran am Erfolg? Zweifellos die U21, denn die stand im Finale, aber beim 1:2 gegen Spanien fehlte das Spielglück, aber der Gegner war auch den Tick besser, routinierter, mit wenigen Fehlern und schaffte so die Revanche für die Finalniederlage vor zwei Jahren. Beim ersten Gegentor patzten gleich mehrere Abwehrspieler, beim zweiten der bis dahin überragende Torhüter Alexander Nübel, als er einen Ball abprallen ließ, den er eigentlich festhalten muss. Der junge Schalker vergoss danach Tränen, aber er hat ein großes „Vorbild“ im Leid, wenn er sich an Oliver Kahn erinnert, der bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea zum besten Torhüter und besten Spieler des Turniers gewählt wurde, dann aber im Finale so einen Ball eben auch abprallen ließ, Ronaldo das Tor ermöglichte und damit die Final-Niederlage einleitete. Geschichten wiederholen sich also, Wiederholt sich Geschichte dann auch in einer großen Karriere für Alexander Nübel? Er erinnert stark an einen anderen überragenden Torhüter, an Manuel Neuer.

Interessant, dass im Vorfeld des Finales die Öffentlichkeit vor allem darüber spekulierte, welcher der 23 Spieler aus dem EM-Kader denn eine große Karriere machen könnte. Wer tritt in die Fußstapfen der Neuer, Hummels, Khedira oder Özil, die einst mit der U21 Europameister wurden. Für eine große Karriere reicht aber Talent allein nicht, man braucht Einsatz, Willen und ein wenig Glück und Verstand, zum Beispiel bei der Karriereplanung. Eine ganze Reihe der Jungen, die bei der EM hätten spielen können, sind bekanntlich bereits Stammspieler bei Joachim Löw. Anklopfen dürfte Torjäger Luca Waldschmidt, der mit sieben Treffern die Torjägerkanone gewann. Tah und Klostermann gehören schon zum Kreis des A-Teams, Maximilian Eggestein, Henrichs und Dahoud sind im Visier, Amiri meldet Ansprüche an, bei allen anderen wird man sehen. Einige der EM-Teilnehmer haben ja das große Los gezogen, denn sie könnten altersmäßig auch bei Olympia 2020 in Tokio spielen. Das Halbfinale war die Eintrittskarte.

Bei der Frage nach der Zukunft spielt auch Trainer Stefan Kuntz eine Rolle. Er hat mit seiner Arbeit für sich geworben, lässt vergessen, dass er eigentlich als Trainer und Funktionär schon als gescheitert galt. Jetzt ist er sogar als möglicher Nachfolger von Jogi Löw im Gespräch, weil er zeigte, dass er mit Spielern gut umgehen kann, gute Laune verbreitet und sich in der Öffentlichkeit gut verkauft. Sein Vertrag läuft vorerst bis nach Olympia, DFB-Manager Oliver Bierhoff will ihn auf jeden Fall länger halten. Was die Hoffnung angeht, da bestehen für einige jüngere Nachwuchsteams des DFB Zweifel, da waren zuletzt kaum Erfolge zu verzeichnen.

Gehalten werden soll auch die Bundestrainerin der Frauen, Martina Voss-Tecklenburg. Sie ist ja recht kurzfristig ins Boot geholt worden und hat trotz des Aus im Viertelfinale in ihrer Arbeit schon mal Zeichen gesetzt, wenn auch nicht alles geklappt hat. Es war eigentlich abzusehen, dass die routinierten und abgezockten Schwedinnen die besseren Karten in der Hand hatten gegen das junge deutsche Team und auch das Omen sprach gegen die Deutschen, die 24 Jahre lang gegen Schweden in Turnieren nicht mehr verloren hatten. Wir wissen es und die Skandinavierinnen wussten es, jede Serie reißt einmal. Deshalb war ihr Ehrgeiz auch besonders groß.

Was der deutschen Mannschaft fehlte, war in den entscheidenden Phasen mehr echte Führungspersönlichkeiten, die allein in Alexandra Popp zu finden ist, abseits des Feldes auch Torhüter Almuth Schult, doch damit hat es sich schon. Dzsenifer Marozsan als große Hoffnungsträgerin (trotz gebrochenen Zeh) kann diese Rolle nicht spielen. Die Mädchen kompensierten die Vakanz mit erhöhtem Einsatz und hatten auch das nötige Spielglück auf dem Weg ins Viertelfinale, doch ab da wird es eng in der Weltklasse. Deutschland ist noch Weltklasse, aber nicht mehr die Nummer 1, die beansprucht die USA für sich, siehe Weltrangliste. Andere Nationen haben aufgeholt, England, die Niederlande, Spanien und Italien stehen mit dem DFB-Team auf einer Stufe. Frankreich ist sogar stärker einzuschätzen, musste aber wie Deutschland die bittere Pille schlucken, dass Olympia ohne die große Nation stattfindet. Pech beim Spielplan mit den USA als Stoppschild.

Für den Frauen-Fußball in Deutschland ist die Absenz bei Olympia besonders bitter, weil wieder eine Werbemöglichkeit verloren geht. 7,9 Millionen Zuschauer (43,2 Prozent Marktanteil!, das Finale der U21 sahen 9,2 Mill., 32,2 %)) bangten mit den Mädchen, aber sie werden nicht zu alltäglichen Fans, die zum Beispiel die Spiele der Bundesliga sehen wollen. Da verlieren sich im Schnitt rund 900 Besucher auf den Rängen. So bleibt also die Hoffnung, dass die junge Mannschaft Routine und die eine oder andere Verstärkung gewinnt (wichtig vor allem in der Abwehr) und bald wieder das nötige Spielglück bis ins Finale hat. Der Bundestrainerin ist für die Mannschaft auch ein glückliches Händchen zu wünschen.

Zwei Niederlagen für deutsche Nationalmannschaften, aber beide Teams geben dennoch zu Hoffnungen Anlass.

Nach dem Finale der Tränen: Spaniens Triumph

Im Fußball Europas geht die Angst um. Wo man auch hinsieht, fast überall gibt es dominierende Mannschaften und beim Kampf um den Titel von Spannung keine Spur. Jetzt gilt das nicht nur für die nationalen Ligen, wie zum Beispiel in Deutschland und Frankreich, sondern auch für die Champions League: Real Madrid machte den Hattrick perfekt und die Konkurrenz sucht nach dem Schlüssel, um Reals Code zu knacken. Es war ein Finale der Tränen in Kiew beim 3:1 von Real gegen den FC Liverpool, aber Madrids Sieg festigte auch Spaniens Triumph in Europa, denn Lokalrivale Atletico hatte schon die Europa League gewonnen. Spanien ist die Nummer 1 in Europa, Madrid die Fußball-Hauptstadt.

Die Tränen flossen reichlich und brachten die Spötter auf die Bühne. „Die sollen in der Kabine heulen“, ätzte zum Beispiel Deutschlands Torhüter-Legende Oliver Kahn im ZDF. Aber es war vielleicht das traurigste Finale aller Zeiten. Nach 30 Minuten musste Liverpools Star Mo Salah mit einer Schulterverletzung vom Platz, niedergerungen von Real-Kapitän Sergio Ramos fiel er unglücklich auf die rechte Schulter (Ramos gab ihm den Rest) und musste unter Tränen aufgeben. Hoffnung für die WM gibt es noch. Eine notwendige Gelbe Karte für „Wrestler Ramos“ (Liverpool-Trainer Jürgen Klopp) gab es nicht. Wenig später erwischte es den Spanier Carvajal, auch hier wurden WM-Hoffnungen zerstört und Tränendrüsen aktiviert.

Am Schlimmsten aber heulte am Ende natürlich Liverpools Unglücksrabe Loris Karius, der Torhüter erlebte den fürchterlichsten Abend seiner Karriere, als er zuerst unkonzentriert den Ball abwarf und Benzema mit einem Reflex den Ball im Tor unterbrachte, dann einen Schuss von Bale ins Netz gleiten ließ. Karius wünschte sich da lieber auf dem Mond als in Kiew. Als er sich bei Fans und Mannschaft entschuldigte, flossen die Tränen wohl auch deshalb, weil er befürchten muss, dass dies Ende einer möglichen großen Karriere gewesen sein kann. Zerknirscht war er natürlich auch, weil er wusste, dass er seiner Mannschaft den Traum vom Sieg in der Champions League hat platzen lassen. Auch Jürgen Klopp muss weiter warten.

Die Konkurrenz muss auch weiterhin warten auf Schwächen von Real Madrid. Der Weg zum dritten Triumph war schon etwas eigenartig und mit vielen seltsamen Entscheidungen zugunsten der „Königlichen“ gepflastert. Für die Herausforderer bauen sich gegen Real besonders hohe Hürden auf. Juventus Turin in letzter Minute umstritten besiegt, gegen Bayern München glücklich ins Finale gekommen und nun legte sich Liverpool die Bälle selbst ins Tor. Wegbereiter dazu war auch Sergio Ramos, der Kapitän hatte Karius kurz vorher mit einem Ellenbogencheck fast ins Reich der Träume gebracht, die Aktion gegen Salah war Ringen und kein Fußball. Das Schiedsrichter-Gespann um den Serbe Mazic verschloss die Augen. Es muss in Zukunft auch für Real entsprechende Strafen geben. Das war nicht würdig für das große Real Madrid, das seinen 13. Titel in der Champions League und Vorläufer Europacup der Landesmeister gewann.

Die Konkurrenz darf hoffen, denn Weltfußballer Cristiano Ronaldo feierte seltsam emotionslos den Sieg und ließ verklausuliert einen Abschied von Real erkennen. Allerdings war er in Halbfinale und Finale kaum zu sehen. Auch Gareth Bale könnte sich einen anderen Arbeitgeber suchen, der Waliser war mit einem Traumtor der Star des Abends, möchte aber insgesamt mehr auf dem Platz stehen. Über allen Fragen steht der Name Neymar. Der Brasilianer soll in Paris nicht glücklich sein, dem neuen Trainer Thomas Tuchel wurde aber garantiert, dass der Torjäger bleiben müsse. Oder gibt es einen Tausch mit Ronaldo? In Madrid ist er immer wieder im Gespräch. Und Ronaldo geht es vor allem um eines: Er möchte nicht nur der beste Fußballer, sondern auch der am besten verdienende Fußballer der Welt sein. Wer öffnet seine Schatulle, damit er Messi und Neymar überholen kann?

In der neuen Saison wird es also einen neuen Angriff auf Real geben. Egal ob Barcelona oder Paris, die das nationale Double gewannen, der Sieg in der Champions League zählt mehr. Auch Pep Guardiola will persönlich und mit Manchester City wieder international angreifen und Bayern München endlich den nächsten Schritt machen und über das Halbfinale hinauskommen. Barcelona hatte in der nationalen Meisterschaft 17 Punkte Vorsprung auf Real, aber glücklich wurde man nicht, weil man eben in Kiew nur Zuschauer war. Wird das Ende der Ära Real Madrid demnächst eingeläutet?

Bald wird die Frage beantwortet, ob die Erfolgswelle der spanischen Klubs auch Auswirkungen auf Spaniens Nationalmannschaft hat, die bei der Weltmeisterschaft ab 14. Juni in Russland nämlich auch als großer Favorit gilt. Dann wäre der Triumph des spanischen Fußballs wirklich perfekt. Brasilien und Deutschland gelten als größte Konkurrenten, in erster Linie werden vor allem Jogi Löw und seine Mannen als Titelverteidiger gejagt. Keiner wird sich aber auf so viel Wohlwollen wie Real Madrid auf dem Weg zum Titel verlassen können.