Der Sport – Grantler

Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: Olympische Spiele

Viele offene Fragen sorgen für Spannung 2019

Es gibt keine Olympischen Spiele und keine Fußball-Weltmeisterschaft – 2019 ist wieder eines dieser „Zwischenjahre“ ohne die ganz großen Ereignisse. Das Sportjahr 2019 verspricht aber dennoch Spannung, denn es stehen viele offene Fragen im Raum und außerdem bleibt es immer spannend, zu verfolgen, mit welchen kruden Ideen manche Funktionäre die Öffentlichkeit suchen. So ist eine der interessanten Fragen, ob FIFA-Präsident Infantino es schafft, den Fußball für viel Geld (wohl auch in die eigene Tasche) zu verkaufen…

Aber bleiben wir bei den sportlichen Fragen. Sie betreffen zum Beispiel die deutschen Fußball-Nationalmannschaften. Die Frauen haben eine neue Trainerin, die Männer noch ihren alten Coach. Die Frauen sind bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich gefordert und die „Neue“ wird sich beweisen müssen. Martin Voss-Tecklenburg soll nach dem Tiefpunkt unter Steffi Jones wieder an die Erfolge von Silvia Neid anknüpfen, der Titelgewinn wäre allerdings eine unerwartete Krönung. Da hat es Jogi Löw leichter, von ihm und seiner Mannschaft wird nur die problemlose Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 verlangt. Nun gut, das sollte gegen die Niederlande, Weißrussland, Estland und Nordirland gelingen, da Platz zwei reicht. Allerdings sind da Siege nicht alles, sondern es soll auch eine Weiterentwicklung der DFB-Elf zu alter Stärke erkennbar werden, zum Beispiel mit einer erfolgreichen Revanche gegen die Niederlande. Wird am Ende des Jahres Löw wieder zum „Erfolgstrainer“ werden oder ist er dann endgültig gescheitert? Spannend.

Offene Fragen machen aber auch andere große Sportarten bzw. Meisterschaften und Turniere spannend. So schauen nicht nur die deutschen Tennis-Fans auf Angelique Kerber, welche Stellung 2019 in ihrem Auf und Ab einnimmt, 2016 schoss Kerber mit zwei Grand-Slam-Siegen nach oben, 2017 verzweifelte sie, 2018 gewann sie Wimbledon. 2019 wollen wir sie nicht verzweifelt sehen… Auch die Golf-Fans schauen gespannt auf das neue Jahr, nachdem Hero Tiger Woods sein Comeback als Turniersieger feiern konnte. Schafft er jetzt auch das Sieges-Comeback bei einem Major-Turnier? Vier Siege fehlen ihm hier noch zur Unsterblichkeit. Wenn nur die Gesundheit mitspielt.

Ansonsten bietet auch 2019 alle Welt- Europameisterschaften von den Verbänden, die auf die jährliche Ausrichtung nicht verzichten wollen, die Biathlon und Eishockey zum Beispiel. Einige Highlights stechen zudem hervor, so ist ein ungerades Jahr immer ein WM-Jahr im Wintersport, vorrangig die alpine Ski-WM vom 5. bis 17. Februar in Are/Schweden und die nordische WM vom 22. Februar bis 2. März im österreichischen Seefeld. Den Start an attraktiven WM-Turnieren macht aber Handball mit der Weltmeisterschaft vom 10. bis 27. Januar in Dänemark und Deutschland. Da träumen deutsche Fans schon wieder von einem Wintermärchen wie 2007, als Deutschland Weltmeister wurde. Heiß wird es bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die vom 27. September bis 6. Oktober in Doha/Katar ausgetragen wird. Wieder also ein Verband, der in die Fänge der Pedro-Dollars der Scheichs geriet. Manche Wettbewerbe werden wegen der zu erwartenden Hitze erst um Mitternacht unserer Zeit entschieden.

Am Anfang des Sportjahres steht wie immer auch der Super Bowl, das Finale der American-Football-Profiliga NFL, eines der größten Sportereignisse der Welt, TV-Quoten-Hit in den USA. Ausgetragen diesmal in Atlanta. Die Formel 1 möchte auch gern ein Weltereignis sein, gastiert deshalb überall in der Welt. Deshalb bietet sie diesmal auch etwas Besonderes, nämlich 21 Rennen vom 17. März in Melbourne bis 1. Dezember (Finale spät wie nie) in Abu Dhabi. Aktualisiert wird wieder das technische Reglement, eine offene Frage ist, ob es mal wieder einen neuen Weltmeister gibt, zum Beispiel bei einem Comeback von Ferrari.

Bei allen nationalen und internationalen Meisterschaften werden uns die Schattenseiten des Sports auch 2019 wieder begleiten. Die Doping-Diskussion wird nicht enden, wir dürfen aber auch nicht glauben, dass ein entscheidender Durchbruch zu mehr Ehrlichkeit und Gerechtigkeit gelingt. Eine offene Frage für alle ist doch immer, ist der Sieger gedopt oder nicht? Ähnliches gilt auch für das Wirken der Sport-Funktionäre, die immer noch nicht eingesehen haben, dass der Sport vor allem den Menschen, den Fans, gehört und nicht einigen abgehobenen und geldgierigen Funktionären und Milliardären, die sich im Glanze des Sportes präsentieren wollen. Auch die Hooligans mit ihren Schlägertruppen werden uns weiter beschäftigen, schlimmstenfalls wird der Sport sogar Zielscheibe des Terrors. Auch der Spitzensport ist schließlich Teil einer immer unsicherer werden Welt. Da hilft nur Aufmerksamkeit oder aber ein gewisser Verdrängungsmechanismus, der uns eins lässt: Den Spaß am Sport.

Werbeanzeigen

European Championships: Bitte kein neues Olympia!

Das Experiment ist gelungen, die European Championships in Glasgow und Berlin waren ein voller Erfolg. Das eigentlich alle zufrieden waren – Sportler, Funktionäre, Fans und das Fernsehen – hat Seltenheitswert. Die Idee, verschiedene Europameisterschaften zu einem besonderen Event zusammenzulegen, war ein Volltreffer. Sieben Sportarten feierten in zehn Tagen ein Fest und weckten damit gleichzeitig Begehrlichkeiten. Dort wo Begeisterung herrscht, wollen auch andere Sportarten teilnehmen. Doch Vorsicht: Noch größer heißt nicht noch schöner, die European Championships dürfen kein zweites Olympia werden.

Erstaunlich, wie diese neue Veranstaltung von den Fans in Glasgow und Berlin sowie an die Bildschirmen gleichermaßen angenommen wurde. In Deutschland war sogar von einem „Sommermärchen“ die Rede, weil sich die deutschen Sportler als Medaillensammler präsentierten. Und das TV-Konzept ging auf, wie im Winter so jetzt auch im Sommer brachte die geballte Wucht der Wettbewerbe die Zuschauer an die Fernseher. Schwimmen feierte ein Comeback, sogenannte Randsportarten profitierten, „sonst interessiert sich für uns keine Sau“, jubelten zum Bespiel die Wasserspringer. Schauen im Winter die Sportfans neben Biathlon eben auch Rodeln oder Langlauf, so blieben sie diesmal beim Rudern oder Radsport hängen. Im Schnitt rund zwei Millionen Zuschauer schauten tagsüber zu, was den Zahlen vom Winter gleichkam, abends bei der Leichtathletik waren es beständig über vier Millionen und die Leichtathleten schlugen fast durchwegs die TV-Konkurrenz am Abend. „Wir sind sehr zufrieden,“ hieß es beim Fernsehen. Bemerkenswert, denn in Deutschland gab es ja schöne Sommertage.

Aber wie geht es weiter? Sicher dürfte sein, es geht weiter. In vier Jahren soll es eine Wiederholung geben, ein neues Sommermärchen soll die fußballfreie Zeit versüßen. Die Organisatoren werden nun überlegen, ob es noch attraktiver geht, andere Sportarten zeigen wie gesagt Interesse. Die European Championships dürfen aber Olympia nicht kopieren, eine Selbstbeschränkung ist Pflicht, die Veranstaltung darf nicht überlastet und teurer werden. Der Zeitraum von zehn Tagen war ideal, 14 Tage wären die absolute Grenze. Mehr Sportarten würden dafür sorgen, dass zu viele Wettbewerbe parallel laufen müssen – der Sinn der Sache, mehr Aufmerksamkeit, würde ad absurdum geführt. Olympische Spiele sind inzwischen ein Opfer des Kommerz geworden, die Sportler sind nur noch Mittel zum Zweck des Geldverdienens. Bei den Championships standen die Sportler wieder im Mittelpunkt. So muss es sein.

Die Verbände müssen allerdings einiges tun, um den langfristigen Erfolg zu garantieren. So müssen vor allem die Weltverbände mitspielen, damit die Aktiven nicht in Terminnöte kommen und gezielt auf diesen Saisonhöhepunkt hintrainieren können. So gaben in diesem Jahr die Ruderer der baldigen Weltmeisterschaft den Vorzug und ruderten unter ferner liefen. Der einzige Schwachpunkt neben dem Golf. Auch hier haben die großen Turniere Vorrang, die Größen des Sports werden wohl selten Zeit finden, also könnte Golf gestrichen werden. Dafür wäre Beach-Volleyball eine gute Ergänzung und wo die Ruderer schon mal auf dem Wasser sind, könnten sich die Kanuten dazu gesellen.

Dann aber muss schon Schluss sein. Ideen, dass auch Volleyball und Handball gut passen würden, muss eine Absage erteilt werden. Mit Ausnahme vom Turnen sollten die European Championships eine Freiluftveranstaltung sein, auch wenn Schwimmen immer mehr in die Halle geht. Wichtig wäre (und wird wohl so auch von den Organisatoren gesehen), dass nur eine Stadt die Championships ausrichtet, diesmal musste es anders sein, weil die Leichtathletik-EM bereits nach Berlin vergeben war. Aber gerade Berlin bietet sich als Austragungsort in vier Jahren an, auch Hamburg zeigt angeblich Interesse und womöglich bieten sich auch andere Städte in Europa an. Anders als mit den Olympischen Spielen und ihrem Gigantismus können die Ausrichter die Bevölkerung sicher mit Veranstaltungen in bestehenden Stadien und geringen Kosten überzeugen. So sollte auch jegliche Idee für ein Athletendorf gleich wieder ad acta gelegt werden. Kein Gigantismus bitte!

Die Leichtathletik und Berlin waren der größte Gewinner der European Championships. Ein Grund dafür war, dass der Verband über seinen Schatten gesprungen ist und die Wettbewerbe gestrafft hat. So gab es ein Feuerwerk des Sports. Die großartige Stimmung im Olympiastadion, die Begeisterung bei Athleten und Zuschauern waren gleichzeitig ein Plädoyer dafür, dass das Olympiastadion mit seiner legendären blauen Laufbahn so erhalten bleiben muss. Am Schlusstag hatten die Leichtathletik im Fernsehen sogar mehr Zuschauer als der Fußball (Supercup-Endspiel Frankfurt – Bayern) und lieferte damit gleich das entscheidende Argument: Nicht alles darf dem Götzen Fußball geopfert werden, das Olympiastadion gehört auch der Leichtathletik. Wenn es dem Bundesligisten Hertha BSC hier nicht mehr gefällt, kann nur ein eigenes Fußball-Stadion die Lösung sein, aber nicht ein Umbau mit Wegfall der Laufbahn. Berlin würde nur verlieren, könnte in vier Jahren als Ausrichter der European Championships aber ein Gewinner sein!

Deutsches Olympia-Team steht vor einer Blamage

Wenn man keine Probleme hat, dann macht man sich welche. Und wenn man Probleme hat, dann ist es ja egal, ob noch ein paar dazu kommen. Nach dem Motto handelt wohl der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), in erster Linie sein unglücklicher Präsident Alfons Hörmann. Der war sich wohl in einer gewissen Einfalt der Tragweite nicht bewusst, als er Partei für die Eisschnelllauf-Oma Claudia Pechstein als Fahnenträgerin der deutschen Mannschaft für die Eröffnungsfeier bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ins Gespräch brachte. Die 46-jährige ist eine von fünf Kandidaten für diese Ehre, sie ist bekannt, weiß Unterstützung für sich zu mobilisieren, ist aber denkbar ungeeignet Aushängeschild der deutschen Mannschaft zu sein. Alfons Hörmann war der Wegbereiter dafür, dass das Olympia-Team jetzt vor einer Blamage steht.

Wer als FahnenträgerIn ausgewählt wird, sollte olympische Erfolge vorweisen können, populär sein, aber auch eine gewisse Vorbildfunktion haben. Genau diesen Punkt erfüllt Claudia Pechstein nicht. Es ist zwar toll, dass sie bereits fünf Goldmedaillen gewann und jetzt mit 46 Jahren noch einmal aussichtsreich an ihren siebten Olympischen Spielen teilnehmen kann. Aber sie war von 2009 bis 2011 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden und über ihrer Karriere liegt ein Schatten. Sportrechtlich ist diese Strafe bisher nicht revidiert worden, auch wenn sich Pechstein mit allen möglichen Klagen dagegen gewehrt hat und noch einen Schadensersatzprozess laufen hat. Angeblich steckt eine vererbte Blutanomalie dahinter, wie Experten ihr bestätigten. Allerdings ist es schon seltsam, dass diese „vererbte Leistungssteigerung“ ausgerechnet immer zu den sportlichen Höhepunkten auftrat. Kommt noch hinzu, dass sich Claudia Pechstein lange Zeit nicht gerade als Teil des Eisschnelllaufteams sah, Alleingänge unternahm und eine Sonderstellung im Training für sich beanspruchte. Dies übrigens auch im Olympia-Team, denn nur sie hat ihren Lebensgefährten Matthias Große an ihrer Seite, auf den sie als mentalen Trainer angeblich nicht verzichten kann. Große viel vor allem dadurch auf, dass er Pechstein-Gegner einzuschüchtern versuchte. Vorbildfunktion?

Diese kann man eher den anderen Kandidaten bescheinigen. Zum Beispiel Natalie Geisenberger, die in den letzten Jahren die Rodel-Konkurrenz auf Abstand hielt, Viktoria Rebensburg, Aushängeschild der alpinen Ski-Mannschaft oder Eric Frenzel, lange Zeit der dominierende Mann in der Nordischen Kombination. Alle gewannen sie bereits Olympia-Gold. Und da ist noch Christian Ehrhoff, Abwehrrecke der Eishockey-Nationalmannschaft mit NHL-Erfahrung, der vor seinen vierten Spielen steht. Allesamt gute Kandidaten, alle aber nicht so im Gespräch wie die Eisschnelllauf-Oma, die überall eher in den Medien auftauchte, wenn es um die Meldung über die Wahl des Fahnenträgers oder der Fahnenträgerin ging. Billige Werbung für sie.

Das ist nämlich schon von Gewicht, denn auch die Fans können wählen. Je zur Hälfte haben die Sportler und Fans den Stimmenanteil. Der DOSB hält sich raus und will allen Kritiken vorbeugen, dass er die falsche Wahl getroffen habe. Die falsche Vorauswahl war es aber bereits. Wählen kann man unter http://www.teamdeutschland.de bis einschließlich 4. Februar.

Wenn Claudia Pechstein tatsächlich gewählt werden sollte, dann würde das erstens ein schlechtes Licht auf das deutsche Team werfen, wäre aber auch irgendwie passend zur derzeitigen Situation der olympischen Familie. Dopingsünden von den letzten Winterspielen 2014 in Sotschi sind noch nicht ganz aufgearbeitet, da drohen auch für Pyeongchang gravierende Dopingvergehen. Journalisten deckten auf, dass die Dopingproben leicht manipuliert werden können. Beim IOC und der Dopingagentur WADA wird offensichtlich schlecht oder nur halbherzig im Kampf gegen das Doping gehandelt. So gab es für das erwiesene Staatsdoping von Russland nur wachsweiche Sanktionen. Russland als Nation ist nicht dabei, aber 169 angeblich saubere russische Sportlerinnen und Sportler unter neutraler Flagge.

Da mag eine Fahnenträgerin Pechstein ein kleines Übel sein, für den Ruf der Mannschaft wäre sie dennoch ein großes Übel. Nachdem sich Alfons Hörmann so für Pechstein ins Zeug gelegt hat, sollte der DOSB-Präsident bei einer Wahl Pechsteins Konsequenzen ziehen und seinen Rücktritt erklären. Er wäre dann nämlich dafür verantwortlich, dass die deutsche Mannschaft in einem schlechten Licht erscheint und vor dem ersten Start schon mal eine Niederlage erlitten hätte.

2018 ist ein Jahr des Sports

Vor einem Jahr hieß es beim Sport-Grantler „2017 wird das Jahr der Funktionäre“ und seine Prognose hat wohl gestimmt, denn neben den Doping-Skandalen haben vor allem korrupte und geltungssüchtige Verbandsfunktionäre die Schlagzeilen bestimmt und den Sport oft an den Rand gedrängt. Die Skandale werden uns auch weiter begleiten, aber 2018 ist dennoch ein Jahr des Sports. Alle vier Jahre stehen einfach die Großereignisse im Mittelpunkt, nämlich die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea (9. – 25. Februar) und die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni – 15. Juli). Früher hatten wir alle vier Jahre die sogenannten Olympischen Jahre, doch dies hat sich ja geändert, nachdem Sommer- und Winterspiele zeitlich getrennt wurden. Dafür beginnt in Südkorea die asiatische Olympia-Ära mit den folgenden Spielen in Tokio und Peking.

Aber zurück ins Jahr 2018, wo es neben den genannten Großereignissen natürlich noch viele Weltmeisterschaften und kontinentale Meisterschaften gibt, die aber alle im Schatten von Olympia und Fußball stehen werden. Hoffen wir, dass es die Funktionäre nicht schaffen, mit weiteren Skandalen den Sport zudem in den Hintergrund zu drängen.

Aber welche Sportarten können die Fans noch begeistern? Die Formel 1 ist wieder interessanter geworden, mit neuen Besitzern und neuer Spannung. Kann Ferrari endlich Mercedes stoppen und Sebastian Vettel dem Briten Lewis Hamilton den Titel entreißen und Italien glücklich machen? Am 25. März beginnt die Hatz in Australien, die nach 21 Rennen am 25. November in Abu Dhabi endet. Natürlich läuft auch wieder die Tour de France, die Radstars sitzen vom 2. bis 29. Juli im Sattel, in der Zeit steigt der Umsatz von Asthma-Mitteln. Christopher Froome hat bewiesen, dass man nur mit Asthma die Tour gewinnen kann. Vielleicht wäre es besser, zwei Felder an den Start gehen zu lassen, die Fahrer mit Asthma und die ohne. Es wäre wohl sportlich gerechter. Von Doping sprechen wir dabei – gemäß der Diktion von Froome – selbstverständlich nicht.

Natürlich ist, wie in jedem Jahr, der Golf- und Tennis-Zirkus wieder unterwegs, mit den Major- bzw. Grand-Slam-Turnieren als Höhepunkte. Die Golfer haben traditionell ihr erster großes Turnier mit dem Masters in Augusta (5. – 8. April) und hoffen vor allem darauf, dass der Rücken von Tiger Woods hält und der große Star den Sport wieder in den Blickpunkt rückt. Als extra Highlight gibt es vom 28. – 30. September noch den Ryder Cup in Paris, wenn sich die Spitzengolfer aus den USA und Europa duellieren. Deutschland hatte vergeblich auf dieses Event gehofft, um Golf aus einem gewissen Schattendasein zu führen. Die Tennis-Cracks starten ihre großen Turniere schon früher, vom 15. – 28. Januar werden die Australian Open in Melbourne ausgetragen. Auch im Tennis geht es um Verletzungen, viele Stars gehen mehr oder weniger am Stock, die Belastung muss reduziert werden.

Die Mannschaftssportarten stöhnen besonders unter „König Fußball“, kämpfen aber unverdrossen darum, auch ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhalten. Die Handballer wollen für ihre Europameisterschaften Interesse, die Männer kämpfen vom 12. – 28. Januar in Kroatien um den Titel, die Frauen am Ende des Jahres vom 29. November bis 16. Dezember in Frankreich. Eishockey trägt ungeachtet der Olympischen Spiele auch eine Weltmeisterschaft aus. Die WM dürfte in diesem Jahr allerdings Olympia sogar übertreffen, weil im Gegensatz zu Südkorea vom 4. – 20. Mai in Kopenhagen und Herning in Dänemark einige NHL-Profis dabei sein werden. Für Olympia unterbricht die NHL bekanntlich nicht ihre Saison und erntete dafür viel Kritik. Olympische Spiele sind halt nicht immer der große Lockvogel.

Na ja, Katar darf natürlich mit einem großen Event nicht fehlen, die Scheichs in der Wüste erfreuen sich auch am Turnen und holten die Weltmeisterschaft vom 25. Oktober bis 3. November nach Doha. Aber auch Deutschland darf sich auf ein Großereignis freuen, die Leichtathletik-Europameisterschaft wird vom 6. – 12. August in Berlin ausgetragen. Bleibt zu hoffen, dass es keine Doping-Kämpfe werden. Aber einige Spitzenathleten werden schon über Asthma klagen…

Wir sehen, 2018 hat auch im Sport einiges zu bieten, aber der Sport wird wohl auch wieder einmal im Schatten der Politik stehen. So sucht Deutschland noch eine Regierung, weiß die Welt nicht, welche Torheiten US-Präsident Donald Trump noch in petto hat und mit Blick auf die Olympischen Spiele in Südkorea haben alle Sorgen, ob Nordkoreas Führer Kim Jong Un nicht doch noch etwas in Schilde führt. Hoffen wir dennoch, dass 2018 ein großes Sportjahr wird.

Hat Kim Jong Un vielleicht sogar Olympia in Südkorea im Visier?

Die Welt ist nicht nur durch Wetterkatastrophen in Aufruhr, sondern vor allem durch pubertäre Politiker, die ihrem Spielzeug Macht Geltung verschaffen wollen. So steuern wir auf eine Weltkrise zu und der Sport steckt mittendrin, denn für ihn steht auch eine Katastrophe bevor. Am Ende könnten die Olympischen Winterspiele in Südkorea, die eigentlich vom 9. bis 25. Februar in Pyeongchang ausgetragen werden sollen, gestrichen werden. Grund: Die Gefahr für die Sportler ist zu groß.

Die ersten Verbände und Sportler haben bereits ihre Bedenken geäußert. Pyeongchang liegt nur etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Was plant Herrscher Kim Jong Un in Nordkorea wirklich? Kommt es zu einem militärischen Streit mit den USA, wo – zum Glück vorerst nur in Worten – bereits der Untergang an die Wand gemalt wird. „Wir werden Nordkorea zerstören“, hatte US-Präsident Donald Trump angesichts der nicht enden wollenden und verbotenen Raketentests Machthaber Kim gedroht. Nordkorea antwortete mit der Möglichkeit, eine Wasserstoffbombe im Pazifik zu zünden und ließ bereits Raketen über Japan fliegen. Noch sind es nur Drohungen, doch das Unwohlsein der Sportler steigt. Ist Angesichts dieser Lage Olympia noch sicher?

Die ersten Verbände haben bereits eine Absage ins Auge gefasst. Frankreich beschäftigt sich damit ebenso wie Österreich, zwei starke Wintersportnationen. Die deutschen Spitzenathleten Laura Dahlmeier (Biathlon) und Felix Neureuther (Ski alpin) ließen bereits Einblick in ihre Gedanken zu. Tenor: Wir wollen nicht unser Leben für Olympia riskieren. Keiner weiß, wie weit die Eskalation in Worten noch geht und welche Konsequenzen sie nach sich ziehen. Kehrt allerdings keine Beruhigung ein, dann werden sich viele Sportler einen Start in Südkorea genau überlegen, selbst wenn ihr Verband nicht im Ganzen zurückzieht.

Vor allem die Organisatoren in Südkorea werden diese Entwicklung mit Sorge sehen. Geraten die Olympischen Winterspiele in Gefahr? Vielleicht ist das sogar die wahre Absicht von Kim Jong Un, dass er nicht nur der Welt seine Macht zeigen will, sondern dass er auch im Hinterkopf hat, dass er mit solchen kriegerischen Spielchen Südkorea verunsichern kann und dem ungeliebten Nachbarn die Olympischen Spiele madig machen kann. Eskaliert die weltpolitische Lage und kehrt nicht der „Olympische Friede“ ein, wie er früher ausgerufen wurde, damit die Waffen schwiegen, dann könnte dem IOC am Ende wirklich nur eine Absage bleiben, um die Gesundheit der Sportler nicht zu gefährden.

Dass das IOC derzeit unerwartet still hält, könnte auch dem Umstand geschuldet sein, dass man nicht noch mehr Feuer ins Öl gießen will. IOC-Präsident Thomas Bach hat als einzige Handlung an die UN die Bitte gerichtet, für die Sicherheit der Spiele einzutreten (siehe auch Kolumne vom 14. September „Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia“).

Pyeongchang hat sowieso Sorgen, weil selbst im eigenen Land die Begeisterung für die Spiele nicht so groß ist und der Kartenverkauf den Erwartungen hinterher hinkt. Insofern kommen die Machtspiele aus Nordkorea total ungelegen, da sie die Touristen aus Amerika und Europa abhalten werden, die Winterspiele zu besuchen. Sollte Kim Jong Un tatsächlich den Gedanken haben, Südkorea schaden zu wollen, dann hat er sein Ziel zum Teil sogar schon erreicht. Wie auch immer, von Vorfreude auf Olympia ist jetzt im Herbst und vor dem baldigen Start in das Wintersport-Halbjahr nichts zu spüren.

Letztes Aufbäumen des IOC für Olympia

Thomas Bach sind seine Glücksgefühle anzusehen. Der IOC-Präsident hat seine geniale Idee der Doppelvergabe der Olympischen Sommerspiele für 2024 und 2028 beim Kongress in Lima erfolgreich durchgebracht. Der Doppelschlag muss als letztes Aufbäumen des IOC beim Erhalt der Olympischen Spiele gesehen werden. Die Probleme werden immer größer, die olympische Idee als solche wurde eigentlich schon lange beerdigt. Ähnlich wie der Welt-Fußball ist auch Olympia nur noch eine Jagd ums Geld. Korruption überschattet die olympische Idee, Polizei und Gerichte werden fast wichtiger als die Sportler selbst. Wie will da Olympia überleben? Einzige Chance: Zurück zur Ehrlichkeit, transparente Vergabe der Spiele. Nicht nur Sponsoren ins Boot nehmen, sondern vor allem die Bevölkerung.

Der Gedanke der Doppelvergabe war Thomas Bach in der Not gekommen. Er erinnerte sich daran, dass es dies schon einmal 1921 gegeben hat, als die Spiele an Paris für 1924 und Amsterdam für 1928 vergeben wurden. Damals gab es noch Begeisterung, die ist heute getrübt. Olympische Interessenten sprangen reihenweise ab, Städte wie München, Hamburg und Boston konnten ihrer Bevölkerung nicht mehr vermitteln, warum Olympische Spiele ein Gewinn sein sollten. Die Frage war eher, wie viel denn an Schmiergeldern gezahlt werden muss, um bei der Stimmenvergabe eine Chance zu haben. Egal ob Peking 2008 (Sommer) und 2022 (Winter), Sotschi im Winter 2014, Rio de Janeiro 2016, Pyeongchang Winter 2018 oder Tokio 2020, von dubiosen Geldzahlungen ist immer die Rede. Vor allem von Brasilien bleiben verrottete Sportstätten und ein Korruptionssumpf, der hoffentlich von den Gerichten ausgetrocknet wird, in Erinnerung. Das IOC gibt kein gutes Bild ab, schon gar nicht als Hüter der olympischen Idee.

Abseits dieser schwelenden Skandale hat Thomas Bach jetzt erst einmal Ruhe. Die Spiele sind vergeben, auch wenn rund um die Austragung Sorgen bleiben, zum Beispiel für Südkorea, wenn die Spiele vom 9. bis 25. Februar stattfinden sollen. Die Grenze zu Nordkorea ist nur 100 km entfernt, die Muskelspiele des dortigen Machthabers, der gern mit Raketen spielt und die Welt aufschreckt, werfen einen Schatten auf den Sport. Der IOC-Präsident hofft, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution für einen olympischen Frieden verabschiedet. Es war die Idee von Gründer Coubertin, dass während Olympia die Waffen ruhen. Nostalgie.

Im Gegensatz dazu sollen die Austragungsstädte Paris und Los Angeles mit Begeisterung punkten, zumal für zahlreiche Wettbewerbe bestehende Sportstätten genutzt werden soll. Der Plan: Weg vom teuren Image, Olympia als grüne Idee, als Teil der Zukunft und Gewinn für die Bevölkerung. Das Wunschbild der IOC-Granden.

Das IOC hat aber nun viel Zeit, um den Olympischen Spielen wirklich wieder ein attraktives Image zu verpassen, um Olympia wieder als Gewinn für die Austragungsstädte anzupreisen. Doch allein es fehlt der Glaube an solch eine Kehrtwendung. Eher war die Doppelvergabe ein letztes Aufbäumen, es war der Trick, bei der Vergabe für 2024 keinen Verlierer zu produzieren, sondern die beiden letzten Bewerber für Sommerspiele bei der Stange zu halten. Für die Zukunft des IOC sieht der Sport-Grantler keine Erneuerung, sondern eher einen Trümmerhaufen: Keiner will mehr Olympische Spiele austragen. Zu groß, zu teuer, zu korrupt.

Eishockey extrem

Red Bull München, der Verein, der vom österreichischen Brause-Hersteller mit finanziellen Zuwendungen „gedopt“ wird, hat wieder die Deutsche Eishockey-Meisterschaft gewonnen. Eigentlich verblüfft diese Tatsache nicht, denn im Eishockey sind Erfolge nur mit reichen Gönnern möglich, ohne Zuwendungen von außen kann in der Deutschen Eishockey Liga nicht kostendeckend gearbeitet werden. Gegner Wolfsburg Grizzlys macht dies ebenfalls deutlich, wird der Klub in der Autostadt doch von Volkswagen massiv unterstützt. Was nicht heißen muss, dass es diese Endspielpaarung auf Dauer geben muss. Aber immerhin war das Finale eine Wiederholung des Vorjahres, damals marschierten die Münchner mit vier Siegen durch, diesmal überließen sie dem Gegner großzügig einen Sieg, damit sie die Meisterschaft am Ostermontag dann in eigener Halle feiern konnten!

Eishockey extrem zeigte sich bei diesen Finalspielen dadurch, dass die Mannschaften alle zwei Tage auf dem Eis standen. Einen Tag spielen, den anderen Tag reisen – das muss man den Aktiven in anderen Sportarten erst einmal aufhalsen. Vielspielerei gehört im Eishockey zum Geschäft. Im Fußball sind die Spieler den englischen Wochen allerdings auch nicht abgeneigt, wie die Trainer und Funktionäre immer tun, wenn sie über die Belastung klagen, denn da heißt es nämlich „wir spielen lieber, als dass wir trainieren“. Zum Training kommen die Eishockey-Cracks während der Play-Offs kaum, da ist mehr Regeneration angesagt.

Eishockey extrem zeigt sich auch dadurch, dass der Meister eigentlich in einer unwürdigen Halle spielt, denn die Olympia-Eishalle von 1972 ist alt und zu klein. Das will Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ändern, schon lange ist eine neue Mehrzweckhalle auf dem Olympiagelände in Planung. Rentieren soll sich der Bau dadurch, dass auch die Basketballer von Bayern München als Mieter einsteigen, Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist ein Befürworter dieses Projektes und er träumt wohl davon, dass die populären Meister dann alle aus München kommen. Zunächst natürlich mal die Fußballer, mit den Basketballern hat er es auch geschafft und mit Red Bull in einer Halle wäre ja auch die Nähe zum Eishockey gegeben. In alten Zeiten hat der FC Bayern übrigens ein Projekt Eishockey wegen der Kosten und Hallenprobleme schnell wieder auf Eis gelegt. „Eishockey extrem“ urteilten die Bayern.

Eishockey extrem zeigt sich auch bei der Nationalmannschaft. Die Weltmeisterschaft wird in diesem Jahr unüblich in zwei Ländern ausgetragen. Deutschland (Köln) und Frankreich (Paris) firmieren als Gastgeber, was praktisch ist, denn so haben beide Heimvorteil. Nichts Neues ist es, dass die Eishockey-WM dann beginnt, wenn die Tage wieder wärmer werden, nämlich am 5. Mai, erst am 21. Mai steht der Weltmeister fest, das Endspiel findet in Köln statt. Aber in den modernen Hallen können die Zuschauer nicht einmal Abkühlung suchen. Der PR-Wert für den Wintersport hält sich zu dieser Zeit in Grenzen.

Eishockey extrem zeigt sich auch dadurch, dass die deutsche Nationalmannschaft in ihrer Vorbereitung mit C- und B-Kadern durch Europa tingelt, dass aber alle Spiele als offizielle Länderspiele gewertet werden. Ein Unding, wie es beim DEB leider seit Urzeiten Usus ist.

Eishockey extrem, dafür sorgte auch die NHL. Die Profi-Liga in Nordamerika schockte die Sportwelt damit, dass sie 2018 für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang/Südkorea keine Spielpause einlegen wird, ergo also keine NHL-Profis abgestellt werden. Das war letztmals 1994 in Lillehammer so, danach sah die NHL in Olympia durchaus einen Werbewert auch für ihre Liga. Jetzt allerdings wird das Herz der Spiele geschwächt, wenn quasi zweitklassige Mannschaften um die Medaillen kämpfen. Wer will, kann es so sehen, wie DEB-Präsident Franz Reindl, der darauf verweist, dass dann die kleineren Nationen größere Chancen hätten. Verlierer ist aber immer der Sport. Der eine oder andere NHL-Star will sich allerdings das Erlebnis Olympia nicht verbieten lassen. Russlands Star Alexander Owetschkin kündigte seine Teilnahme bereits an, der Linksaußen der Washington Capitals war bereits dreimal Weltmeister und will auch noch Olympiasieger werden. Ob der Verein mitspielt oder der Russe einfach einen Vertragsbruch begeht?

Vergessen werden darf bei dieser Entscheidung nicht, dass der Eishockey-Weltverband seit der Rückkehr der NHL-Profis 1977 in Wien die Austragung der Weltmeisterschaft deshalb immer weiter ins Frühjahr verschoben hat, damit möglichst viele NHL-Profis teilnehmen können, wenn sie in Nordamerika im Stanley-Cup mit ihren Teams ausgeschieden sind. Das zeigt auf, wie weh die Absage der NHL tut. Das ist für die IIHF Eishockey extrem.