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Tag: Paris St. Germain

Bayern-Krise endet im Triple-Triumph

Wenn die Fußball-Stars von Paris Saint Germain auf dem Spielfeld bedröppelt herumstehen, wenn die größten Bayern-Kritiker plötzlich Lobeshymnen schwingen, dann weiß man, was passiert ist: Bayern München ist am Ziel seiner Träume und holte das Triple! Bisher schaffte dieses Non-Plus-Ultra im Profi-Fußball (Nationale Meisterschaft, Pokalsieg, Titel Champions League) nur der FC Barcelona 2009 und 2015, jetzt wiederholten die Bayern diesen Triumph von 2013 sieben Jahre später in Lissabon erneut. Schade, dass es 2020 nur ein stiller Triumph wurde, weil wegen Corona keine Zuschauer im Stadien zugelassen waren. Still auch die Heimkehr in die Heimatstadt, weil die Hygienevorschriften Menschenansammlungen verbieten. Umso lauter wird der Erfolg ansonsten in den Medien und in der Öffentlichkeit gefeiert, rund 15 Millionen Zuschauer waren beim ZDF (fast 13 Millionen) und Pay-TV-Sender Sky an den Bildschirmen dabei. Ein Rekord im Fernsehjahr 2020. Plötzlich drückten den oft ungeliebten, weil zu erfolgreichen Bayern fast alle die Daumen.

Eigentlich ist es ein Märchen, dass die Münchner am Sonntag in Lissabon den Henkelpott in Empfang nehmen konnten. Im Herbst 2019 war der Respekt vor dem Rekordmeister in der Bundesliga verflogen. Trainer Hansi Flick, der den glücklosen und hilflosen Niko Kovac als Cheftrainer abgelöst hatte, erinnert sich: „Keiner hatte mehr Angst vor den Bayern.“ Die Bosse um Karl-Heinz Rummenigge und Ulli Hoeneß bewiesen aber wieder einmal, dass sie Krisenmanagement besser als andere Klubs beherrschen, wobei in dem Fall nicht einmal das Geld eine Rolle gespielt hat. Der eigentlich scheue, zurückhaltende Hansi Flick wurde im Hollywood-Klub zum Glücksgriff. „Er ist ein Menschenfänger“, loben die Spieler. Selbst zwei Niederlagen am Anfang gegen Leverkusen und Gladbach konnten den Erfolgsweg nicht stoppen, der unaufhaltsam wurde, am Ende standen Rekorde und der Triple-Triumph! So nebenher lösten die Münchner zudem Real Madrid als Nummer 1 in der UEFA-Rangliste ab. Jetzt fragen sich viele nach 29 Siegen in Folge, davon elf in der CL (neuer Rekord bei einer Torquote von 3,9 pro Spiel, Rekord!): Können die Bayern 2020 überhaupt verlieren?

Was den Gegnern Angst machen muss: Der Deutsche Rekordmeister hat den Umbruch innerhalb der Mannschaft bestens gemeistert. 2013 war die Zeit der Schweinsteiger, Ribery und Robben, die Mannschaft 2020 gilt als genau so stark und ist vor allem jünger, gilt genauso als Team der Zukunft. Dabei stellt sich den Verantwortlichen die Frage, ob diese Mannschaft überhaupt noch zu verstärken ist. Die abwanderungslustigen Kandidaten Thiago (liebäugelt mit Liverpool) und Alaba (angeblich Tendenz des Bleibens) müssen sich fragen, ob sie woanders erfolgreicher sein können. Nur Abgänge müssen kompensiert werden, Leroy Sané ist bisher der einzige Neuzugang. Sie sollten aber bei Torjäger Robert Lewandowski nachfragen, für den am Sonntag ebenfalls ein Traum in Erfüllung ging: Er wechselte einst zu den Bayern um die Champions League zu gewinnen! Er hat seinen Teil dazu beigetragen, wurde mit 15 Treffern Torschützenkönig, nur Cristiano Ronaldo war 2013/14 mit 17 Toren besser.

Aber es ist nicht der Erfolg Einzelner, das Triple ist ein Erfolg der Mannschaft, „Menschenfänger“ Hansi Flick und sein Team haben Ehrgeiz und Zusammenhalt inplantiert. 20 Spieler hat Flick in der CL eingesetzt, es überrascht, dass neben Torhüter Manuel Neuer und Joshua Kimmich Barcelona-Leihgabe Philippe Coutinho bei allen elf Spielen im Einsatz war. Und das muss den Gegnern ebenfalls Angst machen: Die Münchner bleiben erfolgshungrig, das Titel-Hamstern soll noch nicht vorbei sein, nächste Gelegenheit ist am 24. September im UEFA-Supercup in Budapest gegen den FC Sevilla, Sieger in der Europa League. Nach dem Start in der Bundesliga am 18. September steht dann der deutsche Supercup am 30. September gegen Borussia Dortmund an.

Der Trainer hat also ganze Arbeit geleistet. Er hat vor allem oft ein glückliches Händchen bewiesen, mit Youngster Zirkzee in der Bundesliga, der entscheidende Tore schoss, im Finale mit dem Wechsel von Coman für Perisic. Ausgerechnet der gebürtige Pariser schoss das goldene Tor, es war Bayerns 500. Treffer in der CL! Flick bewies auch ein gutes Händchen im Umgang mit dem Nachwuchs, wobei er sich auf seinen „Stamm“ verlassen kann. Torhüter Neuer wieder überragend im Finale, Alaba Chef in der Abwehr, Goretzka nimmermüder Kämpfer im Mittelfeld, Thomas Müller unberechenbarer Irrwisch hinter den Spitzen sowie Gnabry und Coman als würdige Nachfolger von Ribery und Robben neben Torjäger Lewandowski. Die Gegenwart verspricht also eine gute Zukunft. Und Geld ist auch, wenn es Verstärkungen braucht: Die Bayern kassieren in der CL als Spitzenreiter der Moneylist 135 Millionen Euro!

Auf eine gute Zukunft hofft auch Paris St. Germain. Trainer Thomas Tuchel nach einem Mittelfußbruch gehandicapt war humpelndes Beispiel für sein Team, das nicht an die Bestform herankam. Egal ob Neymar, Mbappe oder di Maria, sie wurden nicht zu Helden, sondern zu unglücklichen Schützen, sie trafen das Tor nicht oder Neuer stand im Weg. Paris fand auf Dauer gegen das Pressing des Gegners kein Mittel. Jetzt steht die Frage an die Scheichs von Katar im Raum, ob Thomas Tuchel in der neuen Saison eine neue Chance bekommt.

Der Cup des FC Sevilla

Den Wettbewerb in der Europa League könnte man eigentlich einstellen und den Pokal gleich nach Sevilla schicken. Die Spanier bezeichnen die EL als „ihren Cup“, sie sind gar traurig, dass sie in der neuen Saison in der Champions League antreten müssen. Aber sie werden wohl nach der Gruppenphase ausscheiden und in der Europa League weitermachen… Gegner Inter Mailand musste im Finale der EL anerkennen, dass Sevilla in diesen speziellen Spielen über sich hinauswächst. Bei der 2:3-Niederlage der Italiener war Belgiens Torjäger Lukaku der traurige Held. Erst brachte er Mailand mit 1:0 in Führung, dann fälschte er einen Freistoß ins eigene Netz zum entscheidenden Treffer ab. Kein Wunder, dass er danach den Ehrungen fernblieb und sich in der Kabine verkroch. Sevilla aber rettete den guten Ruf der spanischen Liga, nachdem Real Madrid und der FC Barcelona es in der Champions League nicht einmal bis ins Halbfinale brachten.

Bayern-Frauen hoffen auf die Zukunft

Bei den Bayern wurde nicht nur gefeiert, Enttäuschung gab es auch, nämlich bei den Frauen, die im Viertelfinale der Champions League Titelverteidiger Olympique Lyon nach tapferer Gegenwehr mit 1:2 recht unglücklich unterlagen. „Ein Spiel, das uns Mut machen sollte“, urteilte deshalb Trainer Jens Scheuer und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir haben bewiesen, dass wir eine gute Mannschaft haben und wollen irgendwann einmal diesen Pokal gewinnen, unser Team ist ja noch jung.“ Das erste Ziel ist bereits umrissen: Die Bayern wollen in der Bundesliga die Alleinherrschaft vom VfL Wolfsburg brechen und zumindest ein Konkurrent auf gleicher Höhe sein. Die Unterstützung von Bayern-Präsident Hainer haben sie: „Wir werden alles für die Frauen tun, damit sie erfolgreich sind.“

Noch aber haben die Wölfinnen die Nase vorn und sie dürfen weiter wie Münchens Männer vom Triple träumen. Nach Meisterschaft und Pokalsieg stehen sie nach dem Schützenfest gegen Celtic Glasgow (9:1) im Halbfinale und treffen am Dienstag auf den FC Barcelona. Paris St. Germain und Lyon spielen den anderen Finalteilnehmer für Sonntag in San Sebastian aus. Ein deutsches Triple-Doppel wäre dann ein besonderer Erfolg! Aus England wären dann wohl wieder diese Stimmen zu hören: Am Ende gewinnen immer die Deutschen!

Traumfinale der Enttäuschten – und der Beginn einer neuen Ära?

Diese Tatsache muss man sich mal vor Augen halten: In die Liste der Sieger des Meistercups im europäischen Fußball, von 1956 bis 1992 der Europacup der Landesmeister, ab 1993 die Champions League, konnte sich noch nie eine Mannschaft aus Frankreich eintragen! Am Sonntag gibt es eine Chance zur Premiere: Paris Saint Germain lechzt nach dem Henkelpott, der teuerste Spieler der Welt, der Brasilianer Neymar, will endlich aus dem Schatten der Seriensieger Messi und Cristiano Ronaldo treten. Paris hat also Motivation genug, doch der Gegner Bayern München hat eine furchteinflößende Bilanz: 2020 noch unbesiegt, neuer Rekord in der Champions League mit zehn Siegen am Stück und nach Meinung vieler Fachleute derzeit die beste Mannschaft der Welt. Die bekannte französische Sportzeitung L’Equipe spricht von einem „königlichen Finale“. Es ist aber auch ein Traumfinale der Enttäuschten.

Enttäuscht wurden bisher vor allem die Besitzer von St. Germain, die Scheichs aus Katar. Als sie den Klub 2011 übernahmen, hatten sie nur ein sportliches Ziel: Die Champions League zu gewinnen. Titel gab es haufenweise, doch es waren nur nationale Pokale, da ist Vereinspräsident Nasser el-Khelaif bisher nicht zufrieden. Prominente Trainer wurden schnell geschasst oder suchten das Weite, egal ob Carlo Ancelotti (zwei Jahre), Laurent Blanc (drei Jahre) oder der Spanier Unai Emery (zwei Jahre), sie konnten den CL-Titel nicht liefern. Jetzt versucht sich der Deutsche Thomas Tuchel im zweiten Jahr und erstmals gibt es Hoffnung für die Scheichs: Das Finale ist zunächst mal erreicht. Sie sollten allerdings die Umfrage des kicker nicht anschauen: 85 Prozent der Leser tippen auf einen Sieg der Bayern!

Die Münchner gehörten in den letzten Jahren und im Herbst dieser Saison ebenfalls zu den Enttäuschten. Seit dem Triple 2013 geht der Traum vom erneuten Triumph nicht aus den Köpfen. Aber selbst unter Star-Coach Pep Guardiola gab es keine Wiederholung, viermal erreichten sie das Halbfinale, viermal schieden sie aus. Und im Herbst drohte nach einem 1:5 in Frankfurt und dem Absturz in der Bundesliga-Tabelle sogar ein nationales Fiasko. Und dann kam Hansi Flick. Er erweckte den Klub wie im Märchen ein Prinz die schlafende Prinzessin. Plötzlich strotzen die Bayern vor Selbstbewusstsein und sie haben mit Sicherheit den gleichen Ehrgeiz wie der titellose Gegner: Sie wollen wieder den Henkelpott. So wie bisher fünfmal, nämlich 1974, 1975, 1076, 2001 und 2013. Aus der Bundesliga siegten außerdem der Hamburger SV 1983 und Borussia Dortmund 1997.

Wer aber von den beiden Kontrahenten darf sich die größeren Hoffnungen machen, wer hat die Trümpfe in der Hand? Kurze Antwort: Keiner! Es ist eine 50:50-Partie. Vorteil Bayern: Sie haben einen „Lauf“, derzeit gelingt ihnen alles. Was aber passiert im Team, wenn der Gegner 1:0 oder sogar 2:0 in Führung geht? Warnung: Barcelona und Lyon hatten jeweils zu Beginn des Spiels dicke Chancen, sie wurden vergeben. Die Bayern sind anfällig auf Konter.

Thomas Tuchel hat beim Gegner fast ein Wunder geschafft, plötzlich wurde aus einem Haufen von Alleinunternehmern eine Mannschaft. Der neue Teamgeist macht Paris gefährlich, die schnellen Angel di Maria, Kylan Mbappe und Neymar im Angriff können jede Abwehr schwindlig spielen. Gut, Gnabry, Lewandowski und Perisic (Coman) müssen sich nicht verstecken. Immerhin sind Lewandowski und Gnabry mit gemeinsam 24 Treffern das neue Rekord-Duo der CL, sie lösten Ronaldo (17)/Bale (6) ab, die 2013/14 für Real auf 23 Tore kamen. Die Schwächen von Paris liegen in der Abwehr, ein schnelles Spiel des Gegners liegt ihnen nicht und sollte Stammtorhüter Navas nicht fit werden, ist ein Schwachpunkt ausgemacht: Torhüter Sergio Rico, kein Weltklasse-Mann und außerdem ohne Spielpraxis. Ein Mann wird außerdem die Augen auf sich lenken: Juan Bernat, einst bei den Bayern unsanft abserviert, zuletzt fiel er sogar als Torschütze auf. Scheinbar besser als gedacht, klein, aber fein.

Das Finale 2020 könnte aber auch der Beginn einer neuen Ära im europäischen Fußball sein. Von 2014 bis 2018 dominierten die spanischen Klubs, viermal Real Madrid und 2015 der FC Barcelona. 2019 trumpften die Engländer auf, mit Jürgen Klopp gewann mit dem FC Liverpool wieder einmal ein deutscher Trainer. Jetzt stehen sich wie 2013 wieder zwei deutsche Trainer (damals Klopp und Jupp Heynckes) gegenüber. Im Gegensatz zu 2013 wirken ihre Teams aber auch gerüstet für die Zukunft, was man von Real und Barca nicht sagen kann. Es könnte eine Ära der deutschen Trainer folgen, aber auch wieder eine Ära, in der es keine dominierte Mannschaft gibt. Für die Fans wäre dies am spannendsten, im Sinne von Paris oder den Bayern wäre dies nicht.

Bei einem Blick auf die Siegerliste taucht vor allem immer wieder der Name Real Madrid auf, die Spanier sind mit 13 Titeln Rekord-Sieger vor dem AC Mailand (7). Die Bayern könnten mit dem FC Liverpool (6) gleichziehen. Es tauchen allerdings auch Namen auf, die man hier nicht unbedingt erwartet hätte: Celtic Glasgow zum Beispiel (1967), Feyenoord Rotterdam (1970), Nottingham Forest (1979 und 1980), Aston Villa (1982), Steaua Bukarest (1986) oder Roter Stern Belgrad (1991). Die Zeiten für Überraschungssieger sind aber rauer geworden, die Zeit für eine neue Ära könnte dagegen gekommen sein.

Champions League: Trainer unter Druck

Mit dem Start des Achtelfinales in der Champions League (CL) und der Zwischenrunde in der Europa League (EL) nimmt in dieser Woche der europäische Fußball endgültig Fahrt auf. Der Frühling ist die heiße Phase des Spitzenfußballs, da fallen die Entscheidungen. Im Mittelpunkt diesmal vor allem die Trainer, viele stehen unter Druck, für einige entscheidet sich ihre Zukunft im Verein mit dem Abschneiden in der CL.

Zu den Trainern unter Druck gehören auch zwei aus der Bundesliga, allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Lucien Favre wird in Dortmund immer wieder in Frage gestellt, spielt die Borussia schwach, kommt seine Ablösung ins Gespräch, trumpft sie auf wie beim 4:0 gegen Frankfurt hat der Schweizer eine eher trügerische Ruhe. Die Bewährungsprobe folgt gegen Paris St. Germain, dem Scheich-Klub mit seinen Stars Neymar und Mbappe sowie Borussias Ex-Trainer Thomas Tuchel, ein besonderes Aufeinandertreffen also. Dortmund hat es im Kreuz, gegen Paris zu bestehen, gleichzeitig hätte Favre wohl für den Rest der Saison der Ruhe, wenn die Borussia weiter im Titelkampf der Bundesliga dabei ist. Anders die Situation für Thomas Tuchel, der einst im Streit nach dem Bomben-Attentat Dortmund verließ, der aber jetzt endgültig in Paris liefern muss. Als die Scheichs aus Katar 2011 mit viel Geld in Paris einstiegen, galt der Gewinn in der CL als bevorzugtes Ziel. Es reichte bisher nicht einmal zum Halbfinale, die letzten drei Jahre war im Achtelfinale Schluss. Tuchel muss liefern, Dortmund könnte für ihn erneut zum Schicksal werden.

Liefern muss ebenfalls Hansi Flick, auch bei den Bayern ist ein Aus im Achtelfinale nicht akzeptabel. Bei Flick geht es um die Zukunft in München, es geht um seine Reputation nach dem Motto „was kann er wirklich?“. In der Bundesliga hat er die Mannschaft auf Vordermann gebracht, doch die Skeptiker fragen, „kann er es auch international?“ Vorgänger Niko Kovac wurde auf der europäischen Bühne Zögerlichkeit vorgeworfen. Gegen Chelsea London sind die Bayern Favorit, anders als im Vorjahr gegen den FC Liverpool mit Jürgen Klopp. Es war zuletzt das Schicksal der Bayern immer gegen den späteren CL-Sieger ausgeschieden zu sein. Aber mehr als das Achtelfinale muss es diesmal sein, die Bayern brauchen es für ihre eigene Reputation, wenn sie Verstärkungen suchen. Gefragte Spieler wollen nur zu einem Verein, der ihnen die Chance auf den CL-Sieg bietet. Hansi Flick hat noch ein bisschen Zeit, die Bayern starten nächste Woche am 25. Februar. Dann muss er liefern.

Auffallend ist, dass viele europäischen Spitzenteams sich in letzter Zeit keineswegs in Bestform präsentierten, so dass die Fans die Spiele in der Champions League wohl mit besonderer Spannung verfolgen. Unter Druck steht auch Quique Setien beim FC Barcelona, der als Nachfolger von Trainer Ernesto Valverde sowieso nur als Notnagel gilt. Unter besonderem Druck steht auch Pep Guardiola bei Manchester City. Wegen Vergehen gegen das Fair Play sprach die UEFA gegen den Verein eine zweijährige Sperre ab 2021 aus. Ob die vor dem Internatioalen Sportgerichtshof CAS Bestand haben wird, muss sich zeigen. Stand derzeit ist, dass es für Pep und City wohl die letzte Chance ist, die Stars im Team zu halten, wenn man die Champions League gewinnt, nachdem die nationale Meisterschaft verloren ist. Pep kann sich einen neuen Verein allerdings aussuchen, auf der Liste stehen u. a. eine Rückkehr nach Barcelona oder München, aber auch Juventus Turin wird gehandelt.

Die CL gelassen sehen kann Jürgen Klopp. Er steht überhaupt nicht unter Druck, er hat 2019 bereits geliefert und jetzt wollen die Fans nichts anderes als die Meisterschaft und die ist bei 25 Punkten Vorsprung in der Premier League eigentlich sicher. Seit 30 Jahren warten die „Reds“ auf den Titel, da ist Klopp auf jeden Fall wieder Held, auch wenn es in der CL schief geht. Dort kann man ja notfalls im nächsten Jahr wieder gewinnen. Die Spiele:

Champions League: Dortmund – Paris, Atletico Madrid – Liverpool (beide 18.2/ Rückspiele 11.3.), Bergamo – Valencia, Tottenham – Leipzig (beide 19.2./10.3.), Chelsea – Bayern, Neapel – Barcelona (beide 25.2./18.3.), Real Madrid – Manchester City, Lyon – Juventus Turin (beide 26.2./17.3.).

In der Europa League sind aus der Bundesliga noch Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg vertreten. Die reizvollste Aufgabe hat wohl die Eintracht gegen den RB Salzburg. Allerdings hat Österreichs Meister einige Stammspieler wie Torjäger Erling Haaland (Dortmund) im Winter abgegeben und verlor jetzt gegen Verfolger LASK Linz und musste die Tabellenführung abgeben. Leverkusen trifft auf Portugals Spitzenteam FC Porto, Wolfsburg auf Malmö FF. Reguläre Spieltage jeweils Donnerstag 20. und 27. Februar.

Klinsmann und die Bundesliga

Als Trainer unter Druck fühlte sich wohl auch Jürgen Klinsmann, der mit seiner Demission in Berlin in der letzten Woche für den Paukenschlag sorgte. Er schätzte wohl die Situation bei der Hertha völlig falsch ein und glänzte nur mit großen Sprüchen und Visionen außerhalb jeder Realität. Nach 76 Tagen verabschiedete er sich wieder und hat seinen Ruf in Deutschland endgültig ruiniert. Immerhin hinterließ er etwas Positives, nämlich neue Spieler, die der Hertha helfen können. Piatek und Cunha waren maßgeblich mit am 2:1-Sieg in Paderborn verantwortlich. Die Hertha gab in der Winterpause 77 Millionen Euro für Neuzugänge aus, so viel, wie kein anderer Verein weltweit! Aber Klinsmann träumte noch von prominenteren Namen: Özil, Götze, Draxler und auch Can standen auf seiner Wunschliste! Klinsmann-Assistent Alexander Nouri soll jetzt die Hertha retten, aber eine Zukunft als Cheftrainer hat er wohl nicht.

Immerhin, die größten Sorgen ist Hertha los. Auffällig, dass sich in der Bundesliga langsam die Fronten klären. Die Spitzenteams ließen nichts anbrennen, Bayern verteidigte die Tabellenführung, Leipzig, Dortmund und Gladbach bleiben dran. In die CL-Plätze drängt noch Bayer Leverkusen. Schalke sowie die Verfolger Freiburg, Hoffenheim und Wolfsburg machen dahinter den einen verbliebenen Platz für die Europa League unter sich aus.

Am Tabellenende haben die letzten drei Teams Düsseldorf, Bremen und Paderborn an Boden verloren. Wer bekommt da noch die Kurve? Die Fortuna steht vor den Wochen der Wahrheit, die nächsten Gegner heißen Freiburg, Hertha, Mainz, Paderborn und Köln – bis auf Freiburg alles Kellerkinder bzw. Konkurrenten. Werder und Paderborn haben mit Dortmund und Bayern Spitzenteams vor der Brust, da wären Punktgewinne fast ein Wunder. Und so bleibt es in Bremen auch bei der Hängepartie: Schafft Trainer Florian Kohfeldt die Wende oder nicht? Seine letzte Chance ist vielleicht am 1. März, wenn Frankfurt in Bremen gastiert. Ein Trainer unter Druck.

Ein Streifzug durch die Fußball-Ligen Europas

Die Spiele der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft stehen in diesen Tagen im Mittelpunkt, die nationalen Profi-Ligen machen zwangsläufig eine Pause. Da ist es der richtige Zeitpunkt, wieder einmal einen kleinen Streifzug durch die großen Ligen Europas zu wagen. Dabei zeigt sich Erstaunliches.

Auf den ersten Blick sieht alles normal aus. Die Tabellenführer heißen FC Liverpool (England), Real Madrid (Spanien), Juventus Turin (Italien) und Paris St. Germain (Frankreich). Nur die Bundesliga stellt mit Borussia Mönchengladbach die große Ausnahme. Doch bei den anderen ist nicht alles Gold was glänzt. Vielfach haben sich Sorgen breit gemacht, vor allem in Spanien. Real Madrid ist zwar mit drei Punkten Vorsprung an der Spitze, weil es das Schlagerspiel gegen Aufsteiger FC Granada (!!!) mit 4:2 gewonnen hat. Dennoch sprachen Beobachter von einer „phasenweise Enttäuschung“, dennoch geriet sogar der „heilige“ Trainer Zinedine Zidan in den letzten Wochen in die Kritik. Die Stars machen Probleme, Torhüter Thibaut Courtois befindet sich in einem (psychologischen?) Tief, Vertreter Areola (von Paris im Tausch mit Navas gekommen) patzte, Toni Kroos verletzt, der einstige Weltfußballer Luka Modric oft nur Ersatz. Den Abgang von Cristiano Ronaldo haben die Königlichen immer noch nicht ganz verkraftet. In der Champions League ist Real in der Gruppe A nur Letzter nach einem 0:3 in Paris und 2:2 gegen Brügge. Das drückt die Stimmung.

Eigentlich müsste die Konkurrenz diese Schwächen nutzen, doch Titelverteidiger FC Barcelona hat selbst Sorgen und ist nur Vierter. Leo Messi verletzt, Torjäger Grießmann noch nicht richtig angekommen, den Kampf um Neymar verloren. Der Glanz der vergangenen Jahre ist auch bei Barca verblasst. Atletico Madrid hat andere Sorgen, nämlich den Umbruch in der Mannschaft, viele Stars sind gegangen. Platz zwei (vor Granada) ist da schon ein gutes Trostpflaster, aber kein Ruhekissen.

Paris und Juventus sind in ihren Ligen zwar Tabellenführer, aber keineswegs so dominierend wie in den letzten Jahren, wobei Trainer Thomas Tuchel bei seiner Mannschaft vor allem Verletzungssorgen hat und zwangsläufig auf junge Talente setzen muss. Retter in den letzten Spielen war mit entscheidenden Toren ausgerechnet Neymar, der eigentlich neben Messi in Barcelona dem Ball nachjagen wollte. Der umstrittene Star und Schwalbenkönig sammelte immerhin Sympathiepunkte, er lässt sich nicht hängen.

Die alte Dame Juve ist erstaunt, dass plötzlich Konkurrenz auftaucht, erst im direkten Duell mit Inter Mailand und mit einem 2:1-Sieg konnte der angestammte Platz an der Sonne zurückgeholt werden. Inter ist auf dem Weg zu altem Glanz, ganz im Gegenteil zum Lokalrivalen AC Mailand, der auch vorn mitmischen wollte, aber als 13. erst einmal den Trainer gewechselt hat. Ein großer Star in Italien ist übrigens Franck Ribery. Der Ex-Bayer will kein Fußball-Rentner sein und genießt die Verehrung in Florenz, wurde in Italien sogar zum „Spieler des Monats“ gekürt.

Keine Sorgen muss sich derzeit Jürgen Klopp in England machen. Mit dem FC Liverpool hat er nach acht Spieltagen sage und schreibe acht Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City. Hochgerechnet bedeutet dies am Ende 38 Punkte Vorsprung! Nein, so wird es nicht kommen, aber logisch, dass die Fans wieder einmal von der „Erlösung“ träumen, der ersten Meisterschaft seit 1990. 2020 wäre dafür das perfekte Jahr 30 Jahre danach und Jürgen Klopp endgültig unsterblich bei den „Reds“. Die Rollen werden vielleicht anders verteilt. Pep Guardiola bescherte den Fans von Manchester City zuletzt den nationalen Titel, sie aber wollen (wie der Trainer) vor allem die Champions League gewinnen, was ja eben Klopp mit Liverpool gelang. Da bahnt sich also ein englischer Tausch an!

Frauen-Fußball schafft den Durchbruch nicht

Seit Jahrzehnten haben sich die Frauen im Fußball etabliert, seit Jahren ist die Nationalmannschaft international erfolgreich und kam mit vielen Titeln nach Hause, aber den endgültigen Durchbruch in punkto Anerkennung in der Öffentlichkeit hat der Frauen-Fußball bis heute nicht geschafft. Wenn es in Deutschland heißt, es gibt im Sport nur „Fußball, Fußball, Fußball“, dann ist dies auf die Männer gemünzt, die Frauen gehören mit der Bundesliga zu den Randsportarten.

Das Pokalfinale in Köln machte wieder deutlich, unter welchen Problemen der Frauen-Fußball unter anderem leidet. Natürlich an der allgemeinen Akzeptanz, mehr als kleine Notizen sind in den großen Medien nicht drin. Aber es fehlt auch der große Wettbewerb, die Bundesliga leidet unter der Dominanz von einzelnen Mannschaften. Waren es früher der 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam, die zwischen 2001 und 2012 die Titelvergabe unter sich ausmachten, so dominiert seit 2013 der VfL Wolfsburg, der nur 2015 und 2016 Bayern München den Vortritt ließ und in diesem Jahr seinen fünften Titel gewinnen wird. Im Pokal sind die „Wölfinnen“ noch erfolgreicher, mit sechs Siegen, davon fünf zuletzt in Folge. In der Bundesliga blieben sie in den ersten sieben Spielen ohne Gegentor und schlugen dabei am 3. Spieltag den größten Widersacher Bayern mit 6:0! Eigentlich war da die Meisterschaft schon entschieden.

In Köln sahen nun rund 17.000 Zuschauer im Pokalfinale den 1:0-Sieg von Wolfsburg über den SC Freiburg, der sich tapfer schlug. Die Frauen sind mit dem eigenen Finale sehr zufrieden, sind nicht mehr Anhängsel des Männer-Finals, als sie in Berlin quasi das Vorspiel absolvierten. Aber mehr Besucher dürften es schon sein, zuletzt hatten Zuschauerrekorde im Ausland für Aufsehen gesorgt. 25.000 waren es im französischen Duell Lyon – Paris, 39.000 im italienischen Prestigeduell Juventus Turin – Florenz und gar 66.000 interessierten sich in Spanien für das Schlagerspiel Atletico Madrid – FC Barcelona. Nicht nur deshalb betont wohl der Barca-Präsident „Frauen-Fußball ist im Kommen“. Auch in Deutschland?

In Deutschland würde man sich wünschen, dass es zumindest die Bayern schaffen, den Wolfsburgerinnen mehr Paroli zu bieten, die anderen Vereine leiden unter der Finanzkraft der Großen, so dass auch Potsdam, Frankfurt Freiburg und Essen nur ab und zu Überraschungen zu Wege bringen. Die Bayern hoffen auf den neuen Trainer Jens Scheuer, der in Freiburg beeindruckte und neuen Schwung bringen soll. Allerdings fehlt den Münchnern ein Stürmerstar wie es Wolfsburg mit Europas Fußballerin des Jahres Pernille Harder hat oder ein Abwehr-Ass wie Schwedens Star Nilla Fischer. Eine Schwächung wäre es, wenn die wohl beste Spielerin dieses Jahres, Sara Däbritz, nach Paris wechseln würde. Ersatz für die Torjägerin Vivianne Miedema aus den Niederlanden haben die Bayern-Mädchen nicht gefunden. Miedema wechselte zu Arsenal und wurde in England gerade zur „Spielerin des Jahres“ gekürt.

Dies zeigt aber auch das Dilemma des deutschen Frauen-Fußballs, weil (siehe Barcelona) einige große Vereine im Ausland aufrüsten. Olympique Lyon gewann die letzten drei Jahre die Champions League und wird es wohl auch dieses Jahr wieder tun. Seit 2015 stand mit Paris St. Germain und Lyon immer eine französische Mannschaft im Finale, So lange sind auch die deutschen Siege durch Wolfsburg und Frankfurt her. Aber Frankreichs Konkurrenz sitzt vielleicht nicht mehr nur in Deutschland, sondern in Spanien, wo eben Atletico Madrid und der FC Barcelona (der Bayern ausschaltete) vermehrt Anstrengungen unternehmen (nicht Real Madrid!!), in England mit Chelsea und Arsenal London und in Italien mit Juventus Turin. Da müssen sich die deutschen Mannschaften strecken.

So baut der Frauen-Fußball hierzulande auch weiterhin vor allem auf die Nationalmannschaft, die allerdings wie die Männer beim letzten Turnier leider enttäuscht hat. Bei der Weltmeisterschaft vom 7. Juni bis 7. Juli in Frankreich soll es unter der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg besser laufen. Nur mit einer erfolgreichen Nationalmannschaft kann die Frauen-Bundesliga überhaupt den Durchbruch schaffen.

Real, Barcelona, Bayern: Die Krise der Großen

Fußball-Deutschland rätselt über die Schwäche des FC Bayern, die urplötzlich die Bundesliga auch an der Spitze wieder interessant machte. Was ist los mit dem Rekordmeister, der zuletzt sechsmal hintereinander den Titel gewann und ein Ende der Erfolgsserie eigentlich nicht in Sicht war? Und jetzt plötzlich der Absturz, quasi von Hundert auf Null. Aber die Münchner stehen nicht alleine da, vor allem in Spanien reiben sich die Fans ebenfalls die Augen. Tabellenführer dort ist der FC Sevilla, nicht der FC Barcelona und schon gar nicht Real Madrid. Der Fußball rätselt über die Krise der Großen.

Die Diskussionen sind passend, denn in dieser Woche stehen auch die europäischen Wettbewerbe an. Für den einen oder anderen Verein eine willkommene Gelegenheit, aus der Tristesse der nationalen Wettbewerbe wieder ein bisschen in die Sonne zu treten. Zum Beispiel für die Bayern, die mit einem Sieg über Benfica Lissabon den Einzug in die nächste Runde perfekt machen könnten. Allerdings wäre damit der Trainerstuhl von Niko Kovac noch nicht gesichert, aber die nächste Bewährungschance am Samstag in Bremen dürfte er wohl absolvieren. Bei einem erneuten Reinfall wäre wohl die kürzeste Trainer-Ära aller Zeiten bei den Bayern vorbei.

Allerdings stellt sich schon die Frage, welcher Trainer aus den Versagern wieder Meister machen könnte. Jupp Heynckes wird nicht noch einmal aus dem Ruhestand zurückkehren. Ein Name geistert jedoch durch die Gerüchteküche: Arsene Wenger, 69-Jähriger Franzose, früher oft auf der Wunschliste der Münchner, aber von 1996 bis 2018 Arsenal London treu geblieben. Der Elsässer war bei Arsenal lange erfolgreich, am Ende war er jedoch ohne Fortune. Wenger will sich noch nicht aufs Altenteil zurückziehen und außerdem erfüllt er ein wichtiges Bayern-Kriterium: Er spricht neben französisch zudem deutsch, aber auch englisch und ein wenig italienisch, spanisch und sogar japanisch. Multi-Kulti, so wie es in den Mannschaften heutzutage auch zugeht. Kann die Bundesliga ihn reizen? Die Bayern als Verein sollten schon reizvoll sein.

Die Konkurrenz an der Bundesliga-Spitze ist vorsichtig und fürchtet nach wie vor ein Comeback der Bayern, die wie ein Dampfwalze die Konkurrenz noch einmal platt machen könnte, schließlich sind neun Punkte Rückstand nicht so viel, wenn man die 20 und mehr Punkte Vorsprung in den letzten Jahren ansieht. Aber aktuell spielt die Konkurrenz den besseren Fußball und ist glücklicher. So biegt Dortmund Rückstände um, ist Meister der 2. Halbzeit (Bayern Sechster), während Bayern eher in der 1. Halbzeit vorlegt und im ganzen Gegensatz zu früher am Ende noch die Siege aus den Händen gibt. Erster Dortmund-Verfolger bleibt Gladbach, spielt leichtfüßigen und schnellen Fußball, die Bayern im Gegensatz dazu schwerfällig. Eintracht Frankfurt lebt vom neuen „magischen Dreieck“ mit Jovic, Rebic und Haller, bewegliche Stürmer, die sich durchsetzen können, das Gegenteil zu Lewandowski, Ribery oder Robben. Zudem wurde bei Bayern aus dem selbstbewussten „mia san mia“ ein „wer san mia?“ Sie rätseln selbst und finden keinen Weg zu besseren Leistungen. Niko Kovac zaudert, Änderungen stehen bei ihm nicht oben an.

Die Krise der Bayern, die ihre letzten vier Heimspiele nicht gewinnen konnten, ist Teil der Krise der Großen. Real Madrid hat schon zum Trainerwechsel gegriffen und erneut einem Trainer aus der zweiten Reihe eine Chance gegeben. Mit dem Coach der zweiten Mannschaft sollte es wieder aufwärts gehen, Santiago Solari sich auf den Spuren von Zinedine Zidane, der einst auch von der 2. Mannschaft kam, bewegen. Nach ersten Erfolgen erhielt er einen Vertrag – und verlor prompt jetzt beim Provinzklub Eibar mit 0:3. Aber Real steht in Spanien nicht allein, auch der FC Barcelona spielt, egal ob mit oder ohne Messi, holprigen Fußball. Das Resultat: Der Tabellenführer heißt FC Sevilla, hält den Platz an der Sonne mit 26 Punkten vor Barcelona (25) und Atletico Madrid (24). Real ist nur Sechster (20) und käme aktuell gerade mal in die Qualifikation zur Europa League.

Könnte die Krise der Spitzenklubs auch auf die anderen Ligen in Europa überschwappen? National muss sich zum Beispiel Thomas Tuchel mit Paris St. Germain keine Sorgen machen, aber international hängt die Zukunft am seidenen Faden. Das Problem: Die Stars Neymar und Cavani sind sich nicht grün, immer wieder flammt der Streit auf. Keine Erfolgsbasis. In England steht der Kampf um die Meisterschaft im Vordergrund und könnte die Kraft rauben, die in der Champions League dann fehlt. Manchester City kämpft um die Titelverteidigung, der FC Liverpool will endlich wieder Meister werden, bei der Titelvergabe wollen aber auch die Londoner Klubs Tottenham, Chelsea und Arsenal mitsprechen. Von Krise (vorerst?) keine Spur, ebenso wie in Italien bei Juventus Turin. Es muss ja auch Große ohne Sorgen geben.

Fußball in Europa: Krisen und Spannung

Die Punktrunden in Europas Fußball haben Pause, wieder steht eine Länderspielpause an, die diesmal mit der neuen Nations League gefüllt wird. Für die Fans die Gelegenheit, ein bisschen durchzuschnaufen, für viele Klub-Bosse eher die Gelegenheit zu meckern: Ihnen gefällt die Unterbrechung der Meisterschaft gar nicht. Immerhin dreimal gibt es diese Länderspielpausen im Herbst, wenig Willkommen sind sie dann, wenn es in den Ligen gerade Spannung pur gibt. Und dies ist diesmal durchaus der Fall, dort Krisen, da Spannung, ein Blick auf den Fußball in Europa lohnt sich.

Spannung gibt es meist dann, wenn die Favoriten überraschend schwächeln, so wie vor allem Bayern München in der Bundesliga. Der Abonnement-Meister der letzten sechs Jahre ist offensichtlich ein bisschen satt geworden oder Verein und Spieler haben den Trainerwechsel von Altmeister Jupp Heynckes auf den relativ unerfahrenen, am 15. Oktober 47-Jährigen Niko Kovac nicht verkraftet. Der Start mit Siegen in Serie ist nach vier Pflichtspielen ohne Sieg und nur Rang sechs in der Bundesliga vergessen. Die Bayern weinen, die Liga lacht, endlich gibt es wieder Spannung in Deutschland. Und das Beste an der Sache ist: Diejenigen, die vorne stehen, egal ob Tabellenführer Borussia Dortmund, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Hertha BSC Berlin spielen alle durchaus ansehnlichen Fußball. Also wieder Hoffnung in der Bundesliga. Selbst in München. Dort allerdings, die Hoffnung, dass die Krise schnell gemeistert wird. Mehr Spannung geht nicht.

Oder doch? In England sind sie froh, dass die Spannung auch wieder zurückgekehrt ist. Der Alleingang von Manchester City im Vorjahr ist vergessen und war auch im Vorfeld nicht mehr zu erwarten. Die Premier League brüstet sich ja immer damit, dass es in keiner anderen Liga solch ein breites Favoritenfeld gibt wie auf der Insel. Und weil dort auch das meiste Geld fließt, es aber nicht nur deshalb viele Spieler nach England zieht, ist schnell von der besten Liga der Welt die Rede. Ein bisschen kann man sich bestätigt fühlen, mit Manchester City, Chelsea London und dem FC Liverpool liegen drei der Favoriten mit 20 Punkten nach acht Spielen gleichauf, dahinter lauern mit Arsenal London und den Tottenham Hotspur weitere zwei Titelanwärter nur zwei Zähler zurück. Allein Manchester United hat aus diesem Kreis den Anschluss verloren (nur 13 Punkte), dafür sorgt Trainer Jose Mourinho für die größten Schlagzeilen. Man muss halt im Gespräch bleiben. Das wird die Premier League aber auch ohne den exzentrischen Portugiesen.

Beste Liga? Die größten Stars kann England nicht vorweisen. Mbappe und Neymar spielen in Paris, Spanien hat immer noch Messi und mit Luka Modric den aktuellen Welt-Fußball des Jahres, obwohl Cristina Ronaldo La Liga verlassen hat. Er heuerte aber nicht in England an, sondern in Italien. Dort sorgt er eher dafür, dass keine Spannung aufkommt und Juventus Turin weiterhin der Seriensieger bleibt. Sehr zum Leidwesen, der Klubs aus Rom, Mailand und Neapel. Auch in Frankreich keine Spannung, Paris St. Germain mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel, hat nach neun Spieltagen mit der vollen Punktausbeute von 27 Zählern bereits acht Punkte Vorsprung auf den Zweiten OSC Lille.

Da geht der Blick doch leichter nach Spanien, gemäß der UEFA-Rangliste die stärkste Liga in Europa und damit wohl auch in der Welt. La Liga hat die Abgänge von Cristina Ronaldo und auch Iniesta (nach China, um noch ein bisschen Geld zu verdienen) nicht verkraftet. Aber dadurch, dass sich der FC Barcelona und vor allem Real Madrid nicht in Bestform präsentieren, steigt die Spannung. Das Tabellenbild ist ungewohnt, der FC Sevilla, führt vor dem FC Barcelona, Atletico Madrid und dem Lokalrivalen Real, das zudem punktgleich mit Espanyol Barcelona und Deportivo Alaves ist. Kein Wunder, dass der als Nationaltrainer erfolgreiche Julen Lopetegui als Real-Coach in die Schusslinie geraten ist, die Fans trauern Zinedine Zidane nach, der ihnen dreimal hintereinander die Champions League gewann. Das ist Lopetegui natürlich auch noch möglich, die Frage ist, ob er die Zeit bekommt. Ein Phänomen von Real ist es ja, dass nationale Krisen an der Mannschaft international vorbeigehen. Die Mannschaft kann sich offensichtlich punktgenau auf die entscheidenden Spiele der Champions League konzentrieren (manchmal hilft allerdings auch in bisschen Wohlwollen der Schiedsrichter).

Überhaupt schwebt die Champions League als großer Unbekannter über den nationalen Meisterschaften. Endgültig abgerechnet wird am 1. Juni 2019 in Madrid (im Stadion von Atletico), wenn der Henkelpott vergeben wird. Wer ihn in die Höhe halten kann, hat die Saison gerettet, egal welche nationale Krise es vorher gegeben hat. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, mit vielen Krisen und hoffentlich auch viel Spannung. Und natürlich Länderspielpausen.

Diskussionen stellen den Bundesliga-Abstiegskampf in den Schatten

Das Geschehen auf dem grünen Rasen wäre ja interessant genug, dennoch wurde es in der vergangenen Woche in der Fußball-Bundesliga in den Schatten gestellt. Themen abseits der Punktrunde beschäftigten die Öffentlichkeit, im Mittelpunkt natürlich wieder einmal Bayern München, das einen neuen Trainer präsentierte. Der Favorit sagte zu, der 46-Jährige Kroate Niko Kovac folgt auf den bald 73-Jährigen Jupp Heynckes. Auf Erfahrung pur folgt ein Mann, der erst einmal im Spitzenfußball Erfahrung sammeln muss. Wieder einmal gehen die Münchner Bosse ins Risiko, was früher schon gründlich schief gegangen ist (bestes Beispiel war Jürgen Klinsmann). Branchenüblich wurde der Wechsel mit verbalen Scharmützeln begleitet. Der Vorwurf von Eintracht-Manager Fredi Bobic, dass die Bayern „unverschämt“ und „unanständig“ gehandelt hätten, war wohl in erster Linie Selbstschutz, damit keine Kritik aufkommt, warum er den Trainer nicht halten konnte. Seltsam ist allerdings schon, dass uns erzählt wird, der Deal wäre an einem Tag abgeschlossen worden.

Niko Kovac hat Eintracht Frankfurt auf Vordermann gebracht und der Mannschaft Spielkultur beigebracht. Durchaus eine Empfehlung. Bei den Bayern könnte er es sich leicht machen und einfach die Arbeit von Jupp Heynckes weiterführen. Die Frage ist allerdings, ob Kovac bei den zwischenmenschlichen Beziehungen bestehen kann. Wie bekannt, ist es nicht leicht, alle Stars unter einen Hut zu bringen und bei Laune zu halten und zudem eine Verjüngung der Mannschaft einzuleiten.

Im Moment kann sich Kovac noch auf Frankfurt konzentrieren, aber die 1:4-Niederlage in Leverkusen war im Anschluss an die Bekanntgabe des Wechsels zum Meister nicht glücklich. Die Eintracht rutschte auf Rang sieben ab und muss zusehen, dass der Traum vom Sprung auf Europas Bühnen nicht platzt. Dann würde im Endeffekt noch ein Schatten auf Kovacs Arbeit in Frankfurt fallen.

Der künftige Bayern-Coach wird interessiert beobachten, welche Titel ihm den Jupp Heynckes übrig lässt, um im nächsten Jahr zu glänzen. Oder geht es ihm wie Pep Guardiola, der 2013 einen Triple-Gewinner übernahm? Auf jeden Fall zeigen sich die Münchner in Form, Pokalgegner Bayer Leverkusen allerdings ebenfalls, mit zwei 4:1-Siegen in einer Woche. Gegen Leverkusen und vor allem Real Madrid im Halbfinale der Champions League wird sich zeigen, wie stark die Bayern wirklich sind und ob sie vor allem auf den Punkt genau ihre beste Form abrufen können. Also auch rund um die Bayern bleibt es spannend.

Eine zweite Diskussion wurde unnötig entfacht. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke brachte wieder eine Play-Off-Runde ins Gespräch. Dass dies für die Bundesliga Humbug ist, wurde schon oft festgestellt. Auch seine Idee von einer verkürzten Runde allein mit Halbfinale und Finale bringt Terminprobleme und vor allem kassieren die vier Klubs, die sowieso schon an die Geldtöpfe der Champions League gelangen, noch einmal zusätzlich. Damit wird die finanzielle Schere zur Konkurrenz noch größer. Nachdem Stuttgart den Klassenerhalt sicher hat, hatte Reschke wohl zu viel Zeit für dumme Ideen. Er sollte lieber sein Team für das nächste Jahr wirkungsvoll verstärken.

Es bleibt dabei, Unentschieden sind das beliebteste Resultat in der Bundesliga, nur nicht verlieren bleibt das Motto. Beispiel Stuttgart und Hannover, die sich die Punkte teilten und damit wohl beide gerettet sind, weil die Kellerkinder Köln und Hamburg Niederlagen hinnehmen mussten. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber bald ist auch die letzte Hoffnung dahin. Ein Unentschieden in Wolfsburg hilft auch dem FC Augsburg, der mit 37 Punkten praktisch ebenfalls den Klassenerhalt feiern kann. Am Sonntag gegen Mainz könnten die magischen 40 Punkte geschafft und außerdem die eigenen Fans nach vier Heimpleiten versöhnt werden.

Spannender ist der Kampf um die Plätze in der Champions League. Schalke 04 war der große Sieger im Revier-Derby und vergrößerte mit dem 2:0-Sieg gleichzeitig die Angst bei Borussia Dortmund, dass der Sprung in die Champions League noch scheitern könnte. Gleichzeitig verstärkt sich die Tendenz, dass Trainer Peter Stöger keine Zukunft in Dortmund hat. Da gilt Gladbachs früherer Coach Lucien Favre als Favorit. Trainer-Wechsel werden auch in den nächsten Wochen für Gesprächsstoff in der Bundesliga sorgen.

Die Bayern haben es vorgemacht, in den großen Ligen zogen jetzt Paris St. Germain und Manchester City mit den Titelgewinnen nach. Wer mit großem Abstand führt, für den löst die Meisterschaft keine großen Emotionen mehr aus, doch von Feierlaune war in England und Frankreich nicht die Rede. City gewann den Titel auf dem Sofa (Pep wollte zum Golf), weil Konkurrent United gegen das Schlusslicht patzte, in Paris schwiegen die meisten Fans aus Protest gegen das Verbot von Pyrotechnik. Dies zeigt, dass sich die Fans sich selbst näher sind, als der Mannschaft, für die eigentlich ihr Herz schlagen sollte. Übrigens war der Titelgewinn eine Premiere für Nationalspieler Julian Draxler und für Trainer Unai Emery, der dennoch seinen Posten räumen muss, angeblich für Thomas Tuchel, der München abgesagt hatte und für Niko Kovac den Weg frei gemacht hat.

Apropos Trainer, Bundestrainer Joachim Löw war bei den Bayern natürlich auch im Gespräch, aber er ist jetzt verstärkt in den Stadien zu sehen, weil er seine WM-Kandidaten sichten muss. Da stehen einige schwierige Entscheidungen an und seine Kandidaten bringen sich nicht nur mit Leistung, sondern auch mit Statements ins Gespräch. Beispiel Sandro Wagner, der in Konkurrenz zu Mario Gomez steht, wenn es um den einen klassischen Mittelstürmer geht. Wagner verkündete selbstbewusst: „Ich gehe davon aus, dass ich bei der WM dabei bin.“ Nach einem Doppelpack lässt sich gut auftrumpfen, Gomez konnte nicht glänzen, für ihn spricht derzeit höchstens die internationale Erfahrung. Aber auch im Nationalteam zeigte sich Wagner treffsicher. Fragen auch bei den Flügelflitzern, da brachten sich vor allem Serge Gnabry (vor den Augen von Löw) und Julian Brandt, beide bisher eher in der zweiten Reihe, ins Gespräch bzw. schossen sich in den Vordergrund. Löw hat die Qual der Wahl, die Spieler, die nicht nominiert werden, eher nur die Qual.

Die Scheichs können den Henkel-Pott nicht einfach kaufen

Das hat sich Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani so einfach vorgestellt: Wenn ich ein paar hundert Millionen Euro in eine Mannschaft stecke, dann ist der Erfolg garantiert. Jetzt weiß er: Das ist garantiert nicht so. Spätestens am Dienstag muss ihm das schmerzhaft bewusst geworden sein, enttäuscht verließ er nach 66 Minuten den Prinzenpark in Paris, um nicht die große Demütigung seiner Mannschaft erleben zu müssen. Da führte Real Madrid bei Paris St. Germain mit 1:0 und nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel war eigentlich alles klar. So bekam der Emir von Katar auch die letzte Demütigung nicht mit, die zweite Niederlage von Paris.

Die Fußball-Fans in aller Welt, vor allem die Ultras (außer denen in Paris oder Frankreich vielleicht) werden glücklich sein, weil sich der begehrteste Pokal in Europa gewehrt hat, der Henkel-Pott der Champions League lässt sich nicht so einfach kaufen.

Der Emir hat das wohl nicht als Experiment sondern als Geschäft angesehen, als er 2011 beim Pariser Nobelklub einstieg. Inzwischen soll er 935 Millionen Euro investiert haben, aber es reichte in allen Jahren sogar nicht immer zum nationalen Titel. Mit der Verpflichtung des Brasilianers Neymar sollte der Großangriff endlich erfolgreich sein. Für Neymar blätterte der Scheich 222 Millionen Euro hin und machte den Stürmer zum teuersten Spieler der Welt. Mit Geld allein kann man den Pokal aber nicht kaufen, ausgerechnet vor den entscheidenden Spielen verletzte sich Neymar, das Geld versickerte buchstäblich im Sand der Wüste.

Die Katari haben übersehen, dass viele gute Einzelspieler bis zu einer gewissen Grenze Erfolge garantieren, aber für den ganz großen Coup braucht es mehr, nämlich auch ein Quäntchen Glück, vor allem aber Mannschaftsgeist. Und eine gewachsene Mannschaft mit großem Teamgeist ist Paris St. Germain nicht, kann es vielleicht auch nicht sein. In einer Ansammlung von Stars herrscht meist vor allem der Geist des Neids. Und sinnvoll zusammenstellt scheint die Mannschaft des französischen Meisters auch nicht, manchmal kann man für weniger Geld zielgerichtet die sinnvolleren Spieler einkaufen. In den Duellen mit Real Madrid zeigte sich, das die alternden Dani Alves (34 Jahre), Thiago Silva (33) und Thiago Motta (35) nicht unbedingt die großen Hoffnungsträger sind.

Es muss für Weltfußballer Cristiano Ronaldo eine Genugtuung gewesen sein, mit Real den Emporkömmling mit dem vielen Geld in die Schranken verwiesen zu haben. Ronaldo schmerzt es, dass er als bester Spieler der Welt, als der er sich fühlt (und der vielleicht Messi heißt), nicht auch der teuerste und der meistverdienende ist. Dafür gibt es eigentlich nur eine Lösung: Der Emir muss noch einmal tief in die Kasse greifen und Ronaldo verpflichten! Nein, besser wäre es, nicht den schnellen Erfolg zu suchen, sondern eine Mannschaft langfristig aufzubauen. Die letzten Jahre kam das Aus im Achtelfinale gegen die großen Favoriten FC Barcelona (mit dem 1:6 nach 4:0 in Paris) und eben Real Madrid, das in der Champions League zu besonderen Leistungen fähig ist und vom Hattrick träumt. Da wird sich der Henkel-Pott wohl nicht wehren. Das erste Opfer des Misserfolgs steht fest, Trainer Unai Emery muss nach der Saison gehen.

Die ersten Achtelfinal-Rückspiele bewiesen, dass Geld keine Berge versetzen kann, wohl aber der Mannschaftsgeist. Die alternden Stars von Juventus Turin waren der Gegenentwurf zu Paris St. Germain und bewiesen beim 2:1 bei den Tottenham Hotspur Comeback-Qualitäten. Tottenham war überlegen, war die bessere Mannschaft, doch die alte Dame Juve war quicklebendig und wendete in drei Minuten das Blatt. Der England-Fluch mit dem Ausscheiden in den letzten fünf Duellen war besiegt und die Premier League wird nicht in voller „Mannschaftsstärke“ (fünf Teams im Achtelfinale) in die nächste Runde einziehen.

Das nächste große Duell steht mit FC Barcelona – Chelsea London am Mittwoch, 14. März, an, die Auslosung am 16. März wird besonders interessant werden. Mit dabei sicher der deutsche Meister Bayern München nach dem 5:0 im Hinspiel gegen Besiktas Istanbul. Da steht beim Gastspiel am Mittwoch (18.00 Uhr) in der Türkei wohl mehr das Sightseeing im Mittelpunkt. Die Bayern schwören übrigens auch auf den Mannschaftsgeist, der damit die Grundlage für den Cup-Gewinn 2013 war. Das sollte der Emir wissen.

Bundesliga zwischen Langeweile und Weinen

Die Fußball-Bundesliga mutierte nicht nur zur Krisenliga (siehe Kommentar vor einer Woche), sondern auch zu einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Langeweile und Weinen. Neun Spieltage vor Schluss beginnt endgültig der Endspurt, doch drei Vereine sind dabei mehr oder weniger Zuschauer: Die Bayern grüßen von oben und spielen in einer eigenen Liga, der 1. FC Köln und der Hamburger SV haben am Wochenende ihre wohl letzten Chancen auf den Klassenerhalt verspielt und können fortan für die zweite Liga üben und planen.

Bemerkenswertes kommt von den Bayern. Der deutsche Meister ist in Europa Spitze, kein anderer Klub weist diesen enormen Vorsprung von 20 Punkten vor dem Zweitplatzierten auf. Da können nicht einmal Manchester City (18 Punkte Vorsprung) oder Paris St. Germain (14) mithalten. Während Paris in Frankreich eine ähnlich schwache Konkurrenz vorfindet wie die Bayern in Deutschland, ist der Alleingang von Pep Guardiolas Schützlingen in der starken Premier League in England schon erstaunlich. Angesichts des Riesenvorsprungs haben die Bayern-Stars eines deutlich gemacht: Ihnen ist langweilig! Nur Training macht keine Laune, sie sehnen sich nach Stress, haben den März praktisch abgehakt und warten auf den April, der wird nämlich der entscheidende Monat, da warten die großen Aufgaben in der Champions League und das Halbfinale im DFB-Pokal. Bis dahin heißt es aufpassen und vor lauter Langeweile nicht die Form verlieren. Außerdem müssen die Bayern hoffen, von weiteren Verletzungen wie bei Coman verschont zu bleiben. Der junge Franzose hatte gerade für viel Schwung gesorgt, jetzt ist für ihn die Saison wohl beendet.

Von Sorgen wie in München können sie in Köln und Hamburg nur träumen. Der Abstieg der Traditionsvereine naht, wobei über das Schicksal des Dinos im Norden nicht nur HSV-Anhänger einige Tränen verdrücken werden. Aber nach jahrelangen Anläufen haben es die Hanseaten geschafft, den Verein wirklich zu ruinieren, die Mannschaft präsentiert nicht mehr den stolzen HSV, sondern den Harmlos-Sieglos-Verein. Ein hausgemachtes Chaos, der Dino sieht nur noch alt aus. Auch Köln muss sich an die eigene Nase fassen, denn die Aufgabe Bundesliga wurde unterschätzt, die Mannschaft nach dem Abgang von Torjäger Modeste nicht entsprechend verstärkt. Dazu kamen weitere Rückschläge in Form von Verletzungspech und falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Na ja, mit Stefan Ruthenbeck hat man ja einen Trainer verpflichtet, der sich in der 2. Bundesliga auskennt.

Die Mannschaft der Stunde ist der VfB Stuttgart. Unter dem anfangs ungeliebten Trainer Tayfun Korkut gelang der Sprung ins Mittelfeld, nach vier Siegen ist vom Abstiegskampf keine Rede mehr, zumal die „aussichtsreichsten“ Kandidaten für die Relegation, Wolfsburg und Mainz, keinen großen Siegeswillen zeigen. So sind die Stuttgarter jetzt an Klubs vorbei gezogen, die schon eher in Richtung Europa als in Richtung Abstiegskampf schielten. Jetzt aber heißt es, wieder einmal als Punktesammeln zu denken.

Gemeint sind vor allem Hannover 96 und der FC Augsburg, die seit drei bzw. vier Spielen auf einen Sieg warten und jetzt am Samstag aufeinandertreffen. Der Terminplan wollte es so, dass es dazu das Duell der Nächstplazierten Hertha BSC und Freiburg zur gleichen Zeit gibt. Die Verlierer werden wieder verstärkt nach unten schauen müssen.

Gedanken macht man sich allerdings jetzt schon in Augsburg. Der FCA war lange Zeit eine der Überraschungsmannschaften der Saison, aber in der Rückrunde hakt es. Es ist ja wirklich Schicksal, dass ausgerechnet dann, als der überdimensionierte Kader verkleinert wurde, dass Verletzungspech verstärkt zugeschlagen hat. Mit Abwehr-Ass Gouweleeuw und Torjäger Finnbogason fehlen Mannschaftsstützen verletzt. Dazu konnte Philipp Max als Vorlagenkönig der Bundesliga seine Bilanz nicht mehr verbessern, er steht wie nach der Vorrunde bei elf Assists. Tore wurden beim FCA Mangelware und von Europa spricht in Augsburg niemand mehr. Eher davon, dass die Gegner den FCA-Code geknackt haben, die Form nicht stimmt und der Wurm drin ist. Da passt der holprige Rasen dazu. Mal sehen, wie die Weichenstellung nach dem nächsten Wochenende ausschaut. Schon ein Remis in Hannover würde beruhigen.

In den Mittelpunkt rückt nach einer Pause wieder die Champions League und dabei natürlich das Rückspiel zwischen Paris und Real Madrid. An der 1:3-Niederlage hat St. Germain noch zu knabbern und an dem Ausfall von Neymar. Der teuerste Spieler der Welt bangt nach einer Fußoperation sogar um die WM. Es gibt aber auch Beobachter, die sagen, Paris könnte ohne den defensivunwilligen Neymar sogar kompakter und gefährlicher auftreten. Mal sehen. Real setzt einen Cristiano Ronaldo in Bestform entgegen.

Die Bayern müssen noch warten, ihr Rückspiel in Istanbul ist auf Mittwoch, 14. März (18.00 Uhr) terminiert. Nach dem 5:0-Sieg im Hinspiel dürfte der Auftritt bei Besiktas nicht so laut werden wie befürchtet, dass die türkischen Fans in Ehrfurcht erstarren, ist allerdings auch nicht zu erwarten. In der Europa League sind die Bundesligisten Borussia Dortmund (gegen RB Salzburg) und RB Leipzig (gegen Zenit St. Petersburg) am Donnerstag gefordert. Die Europa League dürfte auch für FC Arsenal London der letzte Rettungsanker in Richtung Champions League sein. In der Premier League schwächeln die Wenger-Schützlinge und nur Erfolge international können den Trainer retten. Der AC Mailand ist allerdings kein leichter Gegner, aber wenn man die Europa League gewinnen muss, um in die Champions League zu kommen, darf Milan keine Hürde sein. Das hat Arsenal übrigens mit dem HSV und Köln gemeinsam: Es werden zu viele Fehler in der Vereinsführung gemacht.

Kurz noch zum Videobeweis. Bei der Weltmeisterschaft in Russland soll er zur Anwendung kommen, doch ob die Schiedsrichter bis dahin richtig geschult sind, steht in den Sternen. Zwischen Reden und Taten gibt es bei der FIFA immer Diskrepanzen. In der Bundesliga wird es immer besser, am Wochenende wurden wieder Ungerechtigkeiten verhindert – so soll es sein!