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Tag: Peter Stöger

Das Spiel um Millionen: Die Bundesliga-Bilanz

Die 55. Saison der Fußball-Bundesliga ist am Samstag zu Ende gegangen. Der letzte Spieltag war fast ein Abziehbild der Saison mit Ausfällen von chaotischen Ultras, mit Videobeweis, überraschenden Ergebnissen, mit Trauer und Freude. Es war schließlich ein Spiel um Millionen, jeder will an die vollen Töpfe der Champions League, für das Fernsehgeld zählt zudem jeder Tabellenplatz.

So langweilig es an der Spitze durch Bayern München war, so spannend war es dahinter. Am Ende rettete sich Borussia Dortmund nur durch die bessere Tordifferenz in die Champions League. Trainer Peter Stöger hat seine Mission erfüllt, der Stöger kann jetzt gehen. Im Mittelpunkt aber der Dino. Mit dem Hamburger SV steigt auch der letzte Gründungsclub der Bundesliga ab. Köln und der HSV hoffen, dass es nur für ein Jahr ist. Der VfL Wolfsburg wiederum rettete sich in die Relegation und will gegen den Dritten der 2. Bundesliga, Holstein Kiel, den Platz im Oberhaus verteidigen. Gerade noch rechtzeitig im letzten Spiel zeigte Wolfsburg seine beste Leistung. Der Sport-Grantler gibt einen Überblick, wie zufrieden die Klubs sein können. Die Bundesliga-Bilanz:

Bayern München: Der sechste Titel in Folge wurde souverän geholt, doch das sah nicht immer so aus, erst als Rentner Jupp Heynckes als Retter kam, zeigten sich wieder die souveränen Bayern. Das zeigt: Auf den Trainer kommt es schon auch an und so darf man ein bisschen neugierig sein, was Niko Kovac im nächsten Jahr zu leisten vermag. Die Mannschaft wird sich kaum ändern, auch Robben, Ribery und Rafinha bleiben. Jetzt wartet noch das Pokal-Finale gegen Frankfurt, gegen Kovac. Das 1:4 gegen Stuttgart im letzten Spiel war kein würdiger Abschluss, jetzt muss das Double her, sonst war es nur ein befriedigende Saison, mit Pokal eine gute, ohne Henkel-Pott der Champions League war es halt keine sehr gute.

Schalke 04: Der Überraschungs-Zweite, Trainer Tedesco scheint der richtige Mann zu sein, mit Disziplin und ein bisschen Glück ritt Schalke auf einer Erfolgswelle, war aber typisch für die Bundesliga-Saison: Kaum gute Spiele, aber immerhin erfolgreich. Das Glücksgefühl: Endlich wieder einmal vor Dortmund. Ob es aber für die Champions League reicht?

TSG Hoffenheim: Platz drei ist der größte Erfolg des noch jungen Vereins. Trainer Julian Nagelsmann bewies seine Klasse, als er die Mannschaft aus einer kleinen Krise wieder nach oben führte. Die CL könnte noch eine Nummer zu groß sein, wichtige Spieler verlassen den Verein. Der Trainer aber bleibt.

Borussia Dortmund: Mit Hängen und Würgen ins Ziel gekommen, jetzt soll an einer besseren Zukunft gebastelt werden. Gesucht wird ein starker Trainer, Lucien Favre (Nizza) wird als Favorit gehandelt. Schwer zu finden sein werden auch Führungsspieler, die die Borussia wieder nach vorn bringen. Dortmund will wieder erster Herausforderer der Münchner sein. Ein paar Spieltage lang waren sie es zu Saisonbeginn.

Bayer Leverkusen: Der Traum von der Champions League lebte in der ganzen Saison, Freud und Leid waren am letzten Spieltag eng beieinander, zeitweise fehlte gerade mal ein Tor. Die Europa League ist nur ein schwacher Trost, aber immerhin ist Bayer (im Vorjahr 12.) wieder international dabei. Der Mannschaft fehlte Konstanz.

RB Leipzig: Der Vize-Meister des Vorjahres musste Lehrgeld bezahlen. Als Neuling gleich nach oben gestürmt und in die CL, doch der Schwung ging ein bisschen verloren, dafür gab es Müdigkeit und Zweifel – auch am Trainer. Noch ist die Zukunft von Ralph Hasenhüttl offen, aber das Minimalziel wurde erreicht. Leipzig wird die doppelte Belastung diesmal besser verkraften und kann sich deshalb wieder höhere Ziele setzen.

VfB Stuttgart: Der Sensations-Siebte, mit dem anfangs ungeliebten Trainer Korkut begann der Aufstieg in der Tabelle, doch spielerischer Glanz fehlte, auch hier ein Abbild der Bundesliga (siehe Schalke). Der Paukenschlag in München brachte Stuttgart auf den siebten Platz, der zur Europa League berechtigt, wenn die Bayern Pokalsieger werden. Achtung: Die Qualifikation beginnt bereits im Juli, die Saisonvorbereitung leidet und mancher Kandidat befand sich dann in der Liga plötzlich im Abstiegskampf. Also nicht zu früh freuen.

Eintracht Frankfurt: Niko Kovac hat die Eintracht zu neuem Leben erweckt, aus einem internationalen Sammelsurrium an Spielern eine Mannschaft geformt, aber das Team hat nicht durchgehalten. Zwischendurch träumte Frankfurt von der CL, am Ende ging die Puste aus, die Bekanntgabe des Kovac-Wechsels nach München hemmte. So ging die Eintracht leer aus. Vor Saisonbeginn wäre der Verein mit Platz acht aber zufrieden gewesen.

Borussia Mönchengladbach: Eigentlich will man nach oben, offiziell gilt aber ein einstelliger Platz als Ziel. Gut, Ziel erreicht, aber mehr wäre drin gewesen, allerdings bremste auch viel Verletzungspech die Borussia. Steigerung möglich.

Hertha BSC Berlin: Auch hier, mehr wäre möglich gewesen, doch richtig in Schwung kam die Hertha in diesem Jahr nie, kam aber auch nicht richtig in Abstiegsgefahr. Das gilt als Erfolg, doch die Berliner sehen ihre Hertha lieber in höheren Sphären. Mit der Mannschaft ist das nicht möglich.

Werder Bremen: Einst Abstiegskandidat, dann sogar an der EL geschnuppert, den Bremern wurde nicht langweilig. Trainer Kohfeldt brachte Schwung nach Bremen und lässt den Verein wieder von einer besseren Zukunft träumen. Der Weg nach Europa ist aber weit.

FC Augsburg: Am Ende noch einen Platz verloren (also auch rund eine Million Euro), aber Platz zwölf ist für einen der ärmsten Klubs ein Erfolg. Der FCA lebte von seiner starken Vorrunde (Rang 9 mit 24 Punkten), hatte aber auch viel Pech. Als der übergroße Kader verkleinert wurde, meldete sich zudem das Verletzungspech. Insgesamt eine gute Saison.

Hannover 96: Sicher die Klasse gehalten, was will man als Neuling mehr? In Hannover brannte es aber außerhalb des Spielfelds, die Ultras boykottierten den Verein, um Präsident Kind zu stoppen, Manager Horst Heldt war bei einigen anderen Vereinen im Gespräch. Große Leistung von Trainer Breitenreiter bei diesen Nebengeräuschen die Mannschaft über alle Klippen gebracht zu haben. Da war nicht mehr drin.

FSV Mainz 05: Der Endspurt sicherte die Liga, alle zweifelten an Trainer Sandro Schwarz, nur Manager Schröder nicht und plötzlich funktionierte die Mannschaft und der Erfolg stellte sich ein. Wieder ein Jahr überstanden, der Überlebenskampf geht weiter.

SC Freiburg: Trainer Christian Streich stand geschätzte 34mal vor einem Herzinfarkt, aber er und seine Mannen haben überlebt. Er sprach von einer irren Saison, mit vielen Ausfällen, Entscheidungen gegen sein Team, aber die Heimstärke und die Unterstützung der Fans brachte den Klassenerhalt. Der Sympathiebolzen bleibt der Bundesliga erhalten.

VfL Wolfsburg: Keine gute Führung, kein gutes Management, keine Mannschaft, obwohl es durchaus einige gute Spieler gibt. Es gab mehr Fehleinschätzungen als gute Leistungen, Beispiel der Verkauf von Torjäger Mario Gomez. Ein Wunder, dass es mit der Relegation noch klappte, nachdem der letzte Retter, Trainer Bruno Labbadia, buchstäblich gegen eine Wand lief. Der Trainer gilt als Spezialist für die Entscheidungsspiele, die beste Saisonleistung im letzten Spiel lässt hoffen.

Hamburger SV: Tschüss Dino, nach 55 Jahren Bundesliga muss der HSV also gehen, hoffentlich nur für ein Jahr. Aber nach Jahren des Dahinsiechens war der Abstieg mal fällig, Fehler, wie sie in Hamburg die letzten Jahre gemacht wurden, müssen sich mal negativ auswirken. Mal sehen, ob die Chance der Neuausrichtung genutzt wird. Ein Problem sind auch die Chaoten, die am Schluss noch für ein schlechtes Bild des HSV sorgten.

1. FC Köln: Kaum ein Verein stieg so erhobenen Hauptes ab wie der 1. FC Köln. Es ist ein Betriebsunfall der besonderen Art und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein wurde eher noch stärker, zahlreiche Stammspieler bleiben, mit Markus Anfang wurde ein hoffnungsvoller Trainer gewonnen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, der Betriebsunfall sollte sofort wieder repariert werden.

Bleibt noch das Pokalfinale am Samstag, 19. Mai, in Berlin. Bayern München ist gegen Eintracht Frankfurt haushoher Favorit, aber der Warnschuss gegen Stuttgart zeigte, die Bayern sind schlagbar, Da kann Niko Kovac mit Frankfurt zeigen, was er kann, auch wenn es bei der Eintracht heißt, „ein Sieg von uns wäre ein Wunder“. Das Double wäre aber der richtige Abschied für den erfolgreichen Jupp Heynckes, der noch seine achte Meisterschaft feiern konnte und vor fünf Jahren bekanntlich mit dem Triple abtrat. Die Frage ist, ob die Bayern noch einmal den Schalter umlegen können, um am Sonntag auf dem Marienplatz auch gebührend feiern zu können.

Hinweis: Lesen Sie auch den nachfolgenden Kommentar zur Weltmeisterschaft und den Kader-Nominierungen: „Welches WM-Aufgebot hätten’s denn gern?“

Trainerwechsel lohnen sich immer!

Die Fußball-Klubs und -Spieler in den Ligen Europas können in ihren nationalen Meisterschaften durchschnaufen, eine Länderspielpause steht an. Gut, das Durchschnaufen gilt nicht für die Nationalspieler, doch bei ihnen zählt die willkommene Abwechslung, steigt das WM-Feeling und mancher, der im Verein etwas aus der Spur geraten war, hat im Nationalteam wieder seine Form gefunden.

In den Vereinen wird die Pause genutzt, um Kraft zu tanken, Wunden zu lecken und Hoffnung zu schöpfen. Mancherorts wird allerdings vor allem Bilanz gezogen und der Weg zum Erfolg gesucht. Weil es als letzte Rettung gilt, wenn Abstiegsgefahr besteht, wird vielleicht auch noch der eine oder andere Trainerwechsel vollzogen. Es ist der beliebte Rettungsversuch der Vereine und sie können auf die Erfahrung anderer verweisen: Ein Trainerwechsel lohnt sich immer!

Natürlich wird nicht jeder neue Coach auch zum Retter. Dann aber kann die Vereinsführung darauf verweisen, dass sie alles versucht hat und sie hat den Beweis, dass die Mannschaft einfach zu schwach für die Liga ist. Auch da hat sich dann also ein Trainerwechsel gelohnt, er hat die Augen geöffnet.

Sinn der Sache ist aber natürlich, dass sich der Trainerwechsel in Punkten auszahlen soll. Da werden sie sich in Stuttgart die Hände reiben, denn trotz aller Bedenken hat sich Trainer Tayfun Korkut als der Prinz erwiesen, der den Verein wach geküsst hat. In der Korkut-Tabelle mit den letzten sieben Spielen steht der VfB mit 17 Punkten hinter Borussia Dortmund (17) noch vor Bayern München auf Rang zwei! Stuttgart greift sogar die Europa League an! Auch Dortmund hat bekanntlich den Trainer gewechselt, Peter Stöger ist mit der Borussia in der Bundesliga noch ungeschlagen, hat sich allerdings mit seiner Mannschaft in der Europa League blamiert. Was zählt, ist die erneute Qualifikation für die Champions League und da sind Stöger und Dortmund auf einem guten Weg. Der Trainerwechsel hat sich also gelohnt.

Das gilt auch für Bremen, auch wenn Florian Kohfeldt keine so gute Platzierung in der reinen Kohfeldt-Tabelle vorweisen kann. Immerhin liegt der einstige Abstiegskandidat in diesen 17 Spielen auf Rang fünf, das wäre der Sprung in die Europa League. Kohfeldt kann vor allem vorweisen, dass er bei Werder für neuen Schwung gesorgt hat, für eine erkennbare spielerische Entwicklung und, na ja, die Abstiegssorgen sind mit jetzt 33 Punkten nicht mehr so groß, weil im Kampf gegen die Relegation die Kandidaten Wolfsburg und Mainz (je 25 Punkte) nicht von der Stelle kommen. Beim 3:1-Sieg der Bremer in Augsburg spielte eher der FCA wie ein Absteiger, aber der hat in der Hinrunde vorgesorgt und ruht sich jetzt auf 35 Punkten aus und ist als Zehnter immerhin „Tabellenführer“ der zweiten Hälfte.

Am Tabellenende der Bundesliga hat allein Mainz 05 in dieser Saison noch nicht zum Mittel des Trainerwechsels gegriffen. Kritiker dieses menschlich fragwürdigen Kniffs hoffen jetzt darauf, dass die Geduld der Pfälzer mit Trainer Sandro Schwarz (einst der Amateur-Coach im Verein) auch belohnt wird, obwohl Mainz beim 0:3 im Derby in Frankfurt wie ein Absteiger auftrat. Das gilt auch für Wolfsburg, wo sich die Trainer fast schon die Türklinke in die Hand gaben und aktuell Bruno Labbadia auch nur die bittere Erkenntnis gesammelt hat, dass es einfach nicht reicht. Das ist die Hoffnung des 1. FC Köln, der mit dem 2:0 über Leverkusen erstmals seit dem 2. Spieltag die Rote Laterne des Schlusslichts abgegeben hat und wieder hofft. „Nur noch fünf“ wird am Rhein gesungen, nur noch fünf Punkten fehlen zum rettenden Ufer. Am Tabellenende macht Köln den besten Eindruck – nach einem Trainerwechsel.

Beim neuen Schlusslicht Hamburger SV haben die Trainerwechsel nur die Erkenntnis gebracht, dass nicht die Trainer die Schuld tragen, sondern die Spieler und die Vereinsführung, der Verein versinkt immer mehr im Chaos. Ausdruck dafür auch die wiederholten Ausschreitungen sogenannter „Fans“, die aber nur Krawallbrüder sind. Christian Titz, Trainer der U21, probierte einen Neuanfang, eine spielerisch bessere Ausrichtung, hatte aber beim 1:2 gegen Hertha nur eine Halbzeit Erfolg. Dafür meuterten die alten Spieler, die sich schlecht behandelt fühlten. Selbstzweifel kommen ihnen nicht, wie können permanente Verlierer nur ihren Einsatz fordern! Spielerwechsel wären manchmal die bessere Lösung.

Die Bundesliga legt den Fans erst wieder Ostereier ins Nest, jetzt haben erst einmal die Nationalmannschaften das Wort (siehe auch letzter Kommentar vom 16. März). Deutschland trifft auf Spanien und Brasilien und im Gegensatz zu den letzten Freundschaftsspielen kann der DFB sogar auf volle Stadien hoffen. Die Gegner sind attraktiv und die Fans hoffen vielleicht auch darauf, mal wieder gute Spiele zu sehen, nachdem das Niveau in der Bundesliga zuletzt in der Regel doch sehr bescheiden war.

Die Länderspielpause bedeutet vor allem für die besten Klubs und Spieler wirklich ein letztes Durchschnaufen, im April geht es Schlag auf Schlag, die englischen Wochen häufen sich. Kein Wunder, dass sich da mancher wundert, nachdem es im März zumindest in Deutschland relativ ruhig war. Bayern-Trainer Jupp Heynckes kritisiert dafür die UEFA, „der April ist vollgepackt, davor gab es keine englischen Wochen“. Wie schon oft hier kritisiert, alles was bei FIFA und UEFA zählt, ist eben das Geld.

Heynckes ist keineswegs sauer, weil seine Mannschaft mit dem 1:2 bei RB Leipzig einen Rückschlag hinnehmen musste und weiter auf den Vollzug des Titelgewinns warten muss. Die Bayern werden Meister, das steht fest, „der Zeitpunkt ist mir egal“, sagt Heynckes. Der Trainer wird aber vielleicht mit Sorge beobachtet haben, wie anfällig seine Mannschaft ist und dass die Form keineswegs für das erträumte Triple reicht. Da wird es in der Länderspielpause einige Gedanken geben. Im Training kann nicht viel passieren, 14 Bayern-Stars sind auf Reisen. Zu Hause gilt dagegen das Hoffen: Hoffentlich kommt keiner verletzt zurück. Schon oft haben Länderspiel-Abstellungen die Vereine gebeutelt, weil wichtige Spieler ausgefallen sind. Das wäre dann in den entscheidenden Wochen der Saison besonders bitter.