Trainerwechsel lohnen sich immer!

von knospepeter

Die Fußball-Klubs und -Spieler in den Ligen Europas können in ihren nationalen Meisterschaften durchschnaufen, eine Länderspielpause steht an. Gut, das Durchschnaufen gilt nicht für die Nationalspieler, doch bei ihnen zählt die willkommene Abwechslung, steigt das WM-Feeling und mancher, der im Verein etwas aus der Spur geraten war, hat im Nationalteam wieder seine Form gefunden.

In den Vereinen wird die Pause genutzt, um Kraft zu tanken, Wunden zu lecken und Hoffnung zu schöpfen. Mancherorts wird allerdings vor allem Bilanz gezogen und der Weg zum Erfolg gesucht. Weil es als letzte Rettung gilt, wenn Abstiegsgefahr besteht, wird vielleicht auch noch der eine oder andere Trainerwechsel vollzogen. Es ist der beliebte Rettungsversuch der Vereine und sie können auf die Erfahrung anderer verweisen: Ein Trainerwechsel lohnt sich immer!

Natürlich wird nicht jeder neue Coach auch zum Retter. Dann aber kann die Vereinsführung darauf verweisen, dass sie alles versucht hat und sie hat den Beweis, dass die Mannschaft einfach zu schwach für die Liga ist. Auch da hat sich dann also ein Trainerwechsel gelohnt, er hat die Augen geöffnet.

Sinn der Sache ist aber natürlich, dass sich der Trainerwechsel in Punkten auszahlen soll. Da werden sie sich in Stuttgart die Hände reiben, denn trotz aller Bedenken hat sich Trainer Tayfun Korkut als der Prinz erwiesen, der den Verein wach geküsst hat. In der Korkut-Tabelle mit den letzten sieben Spielen steht der VfB mit 17 Punkten hinter Borussia Dortmund (17) noch vor Bayern München auf Rang zwei! Stuttgart greift sogar die Europa League an! Auch Dortmund hat bekanntlich den Trainer gewechselt, Peter Stöger ist mit der Borussia in der Bundesliga noch ungeschlagen, hat sich allerdings mit seiner Mannschaft in der Europa League blamiert. Was zählt, ist die erneute Qualifikation für die Champions League und da sind Stöger und Dortmund auf einem guten Weg. Der Trainerwechsel hat sich also gelohnt.

Das gilt auch für Bremen, auch wenn Florian Kohfeldt keine so gute Platzierung in der reinen Kohfeldt-Tabelle vorweisen kann. Immerhin liegt der einstige Abstiegskandidat in diesen 17 Spielen auf Rang fünf, das wäre der Sprung in die Europa League. Kohfeldt kann vor allem vorweisen, dass er bei Werder für neuen Schwung gesorgt hat, für eine erkennbare spielerische Entwicklung und, na ja, die Abstiegssorgen sind mit jetzt 33 Punkten nicht mehr so groß, weil im Kampf gegen die Relegation die Kandidaten Wolfsburg und Mainz (je 25 Punkte) nicht von der Stelle kommen. Beim 3:1-Sieg der Bremer in Augsburg spielte eher der FCA wie ein Absteiger, aber der hat in der Hinrunde vorgesorgt und ruht sich jetzt auf 35 Punkten aus und ist als Zehnter immerhin „Tabellenführer“ der zweiten Hälfte.

Am Tabellenende der Bundesliga hat allein Mainz 05 in dieser Saison noch nicht zum Mittel des Trainerwechsels gegriffen. Kritiker dieses menschlich fragwürdigen Kniffs hoffen jetzt darauf, dass die Geduld der Pfälzer mit Trainer Sandro Schwarz (einst der Amateur-Coach im Verein) auch belohnt wird, obwohl Mainz beim 0:3 im Derby in Frankfurt wie ein Absteiger auftrat. Das gilt auch für Wolfsburg, wo sich die Trainer fast schon die Türklinke in die Hand gaben und aktuell Bruno Labbadia auch nur die bittere Erkenntnis gesammelt hat, dass es einfach nicht reicht. Das ist die Hoffnung des 1. FC Köln, der mit dem 2:0 über Leverkusen erstmals seit dem 2. Spieltag die Rote Laterne des Schlusslichts abgegeben hat und wieder hofft. „Nur noch fünf“ wird am Rhein gesungen, nur noch fünf Punkten fehlen zum rettenden Ufer. Am Tabellenende macht Köln den besten Eindruck – nach einem Trainerwechsel.

Beim neuen Schlusslicht Hamburger SV haben die Trainerwechsel nur die Erkenntnis gebracht, dass nicht die Trainer die Schuld tragen, sondern die Spieler und die Vereinsführung, der Verein versinkt immer mehr im Chaos. Ausdruck dafür auch die wiederholten Ausschreitungen sogenannter „Fans“, die aber nur Krawallbrüder sind. Christian Titz, Trainer der U21, probierte einen Neuanfang, eine spielerisch bessere Ausrichtung, hatte aber beim 1:2 gegen Hertha nur eine Halbzeit Erfolg. Dafür meuterten die alten Spieler, die sich schlecht behandelt fühlten. Selbstzweifel kommen ihnen nicht, wie können permanente Verlierer nur ihren Einsatz fordern! Spielerwechsel wären manchmal die bessere Lösung.

Die Bundesliga legt den Fans erst wieder Ostereier ins Nest, jetzt haben erst einmal die Nationalmannschaften das Wort (siehe auch letzter Kommentar vom 16. März). Deutschland trifft auf Spanien und Brasilien und im Gegensatz zu den letzten Freundschaftsspielen kann der DFB sogar auf volle Stadien hoffen. Die Gegner sind attraktiv und die Fans hoffen vielleicht auch darauf, mal wieder gute Spiele zu sehen, nachdem das Niveau in der Bundesliga zuletzt in der Regel doch sehr bescheiden war.

Die Länderspielpause bedeutet vor allem für die besten Klubs und Spieler wirklich ein letztes Durchschnaufen, im April geht es Schlag auf Schlag, die englischen Wochen häufen sich. Kein Wunder, dass sich da mancher wundert, nachdem es im März zumindest in Deutschland relativ ruhig war. Bayern-Trainer Jupp Heynckes kritisiert dafür die UEFA, „der April ist vollgepackt, davor gab es keine englischen Wochen“. Wie schon oft hier kritisiert, alles was bei FIFA und UEFA zählt, ist eben das Geld.

Heynckes ist keineswegs sauer, weil seine Mannschaft mit dem 1:2 bei RB Leipzig einen Rückschlag hinnehmen musste und weiter auf den Vollzug des Titelgewinns warten muss. Die Bayern werden Meister, das steht fest, „der Zeitpunkt ist mir egal“, sagt Heynckes. Der Trainer wird aber vielleicht mit Sorge beobachtet haben, wie anfällig seine Mannschaft ist und dass die Form keineswegs für das erträumte Triple reicht. Da wird es in der Länderspielpause einige Gedanken geben. Im Training kann nicht viel passieren, 14 Bayern-Stars sind auf Reisen. Zu Hause gilt dagegen das Hoffen: Hoffentlich kommt keiner verletzt zurück. Schon oft haben Länderspiel-Abstellungen die Vereine gebeutelt, weil wichtige Spieler ausgefallen sind. Das wäre dann in den entscheidenden Wochen der Saison besonders bitter.

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