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Kommentare rund um Fußball und anderen Sport

Tag: SC Freiburg

Der Wechselwahnsinn hat bald ein Ende

Das Datum ist unglücklich, der 31. August fällt auf einen Samstag, deshalb endet die Wechselfrist im Profi-Fußball in den meisten Ländern (auch Deutschland) erst am 2. September. Noch ein paar Tage mehr des Wahnsinns, aber immerhin ist das Ende der Aufregungen rund um Spielerwechsel in Sicht. Dann werden Trainer, Manager und Spieler aufatmen, jeder weiß dann, was Sache ist, wie der Kader ausschaut und die Fans können abschätzen, ob es sich gelohnt hat eine Dauerkarte zu kaufen, denn eigentlich kaufen sie die Katze im Sack. Derzeit heißt es bei Trainern und Managern für die restlichen Tage: „Das ist alles verrückt, ich bin froh, wenn es vorbei ist.“

Die Millionen wurden in den letzten Wochen hin- und hergeschoben, die Gerüchte hatten Hochkonjunktur und die Wirklichkeit sah oft ganz anders aus. Auch in der Bundesliga hatte es in der letzten Woche noch große Schlagzeilen und heftige Wechselgeschäfte gegeben. Den Vogel schossen dabei die Bayern ab, die mit Philippe Coutinho einen Weltstar an Land zogen und dabei die Leihe wählten, die ja allgemein oft die Rettung für eine Verstärkung ist. Aber der Brasilianer ist nicht billig mit angeblich 8,5 Millionen Euro Leihgebühr und einem Gehalt von 13 Millionen Euro (Netto!) im Jahr. Nach der Saison müssen die Bayern entscheiden, ob sie für einen Kauf 120 Millionen Euro hinlegen.

Bei einigen Vereinen herrscht aber noch Bedarf, um die Lücken auf den letzten Drücker endgültig zu schließen. Da sind die Manager um die eine Woche noch froh, Frankfurts Manager Fredi Bobic hat scheinbar sogar darauf hingearbeitet: „Die letzte Woche ist verrückt und da kann man noch Schnäppchen machen.“ Die Eintracht braucht dringend noch Verstärkung im Angriff, Torjäger Bas Dost ist fast an Land, aber mit Ante Rebic könnte der letzte der „Bullen“ neben Haller und Jovic noch gehen. Dann muss Bobic noch einmal tätig werden. Der FC Augsburg wiederum hat Panik in seiner Abwehr ausgemacht und kauft und kauft Abwehrspieler. Stephan Lichtsteiner und Tin Jedvaj sind die Nummer vier und fünf (nach Pedersen, Suchy und Oxford), jetzt soll auch noch der Wolfsburger Uduokhai kommen. Nach dem Motto: „Irgendwie müssen wir die Abwehr dicht bekommen.“ Pech, dass ausgerechnet ein Fehler von Jedvaj das Gegentor zum 1:1 gegen Neuling Union Berlin einleitete. Dabei sollten drei Punkte für einen Befreiungsschlag sorgen. Das Glück wird also noch gesucht.

Lassen wir uns überraschen, was wir an Spielerwechseln noch erleben werden. Sportlich ist die Bundesliga schon mal interessant gestartet, doch die richtigen Erkenntnisse folgen bekanntlich erst nach etwa zehn Spieltagen. Fünf Mannschaften feierten zwei Siege, mit dabei der SC Freiburg, der das bisher noch nie geschafft hat. Vier Mannschaften haben dafür noch keinen Punkt, Mainz 05 ist das Schlusslicht (und muss jetzt zu den Bayern), das gefällt ebenso nicht wie die Nullnummer in Bremen. Beobachter malen schon den Teufel an die Wand, dass Bremen ein Schicksal wie Köln drohen könnte, das Europa-Träume hatte und zum Absteiger wurde. Jetzt ist Köln wieder als Aufsteiger dabei, muss aber mit einem schweren Start leben (fünf Niederlagen wären nicht überraschend) und vor allem die Ruhe bewahren. Sportdirektor Armin Veh stöhnt schon: „Der Spielplan ist katastrophal.“

An der Spitze zeigten Borussia Dortmund und die Bayern Stärke. Herausforderer Dortmund bewies, warum er vom Titel träumt, als es nämlich in Köln nicht lief (0:1), da konnte Trainer Lucien Favre mit Umstellungen und neuen Leuten für die Wende sorgen. Bemerkbar machte sich auch ein neues Selbstbewusstsein. Die Bayern dominierten auf Schalke, doch gab es Diskussionen um zwei nicht gegebene mögliche Handelfmeter. Allerdings: Beide Situationen sind umstritten, Pavard drehte sich ab und wurde aus kurzer Distanz angeköpft (neue Regel: Kein Elfmeter), Perisic spreizte beim Freistoß nur leicht den Arm ab, nicht extrem, Elfmeter möglich, aber Ermessungsentscheidung. Schiedsrichter Marco Fritz mutig und treuherzig: „Ich habe in beiden Situationen keinen Elfmeter gesehen, der Video-Schiedsrichter sah keine krasse Fehlentscheidung.“ Und dennoch heulen die Kritiker und der Video-Referee wird wieder einmal verrissen. Haben die Bayern wieder mal Glück gehabt.

In Europa wird gelost, Länderspiele stehen bevor

Der Fußball nähert sich bereits der Hochkonjunktur, denn alle Ligen haben ihre Punktrunden begonnen und auch auf Europas Bühne wird es besonders interessant. Am Donnerstag und Freitag stehen die Auslosungen für die Champions League und die Europa League bevor. Danach darf wieder spekuliert werden, wer denn im internationalen Fußball überwintert. Die Frage nach den Gesamtsiegern ist Quatsch, denn da ist erst die Auslosung für die K.o.-Runden entscheidend. Die Bayern mussten das leidvoll erfahren, als sie gegen den späteren Sieger FC Liverpool frühzeitig ausschieden. Zunächst einmal sind die Bayern für die Gruppenphase in Topf eins gesetzt, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen werden dahinter eingegliedert. Aber alle müssen auf Glück hoffen und schlagbare Gegner.

Eintracht Frankfurt kämpft noch um den Einzug in die Europa League und musste in dieser Woche einen herben Rückschlag hinnehmen. Bisher noch ohne Niederlage gab es in Straßburg ein 0:1 und in Leipzig ein 1:2. Vor allem die Niederlage in Straßburg tut weh, denn jetzt muss ein Sieg mit zwei Toren her und das quasi ohne hochklassige Stürmer. Da könnten die letzten Wechsel zu spät kommen. Ein Ausscheiden wäre auch schade für die Fans, die rund um die Eintracht für eine besondere Europa-Atmosphäre sorgen. Mönchengladbach und Wolfsburg können in Ruhe auf die Auslosung warten.

International geht es aber auch mit Spielen weiter, die nationalen Punktrunden werden nach dem kommenden Wochenende für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 unterbrochen. Auf Deutschland wartet fast schon die Vorentscheidung mit Duellen gegen die Niederlande und Nordirland, die Gegner also, die als größte Konkurrenten um einen Platz bei der EM angesehen werden. Und Löw hat nicht alle Mann an Bord (Sane fehlt). Da haben es die Frauen leichter, die treffen bereits am Samstag auf Montenegro und müssen dann in die Ukraine. Schade ist aber, dass die Punktrunde bereits wieder nach zwei Spieltagen unterbrochen wird, so kann eigentlich kein richtiges Interesse aufgebaut werden. In der Frauen-Bundesliga starteten die Favoriten Wolfsburg und Bayern wie erwartet mit zwei Siegen, das schaffte als Dritter im Bunde auch die TSG Hoffenheim. Doch jetzt ist halt erst mal Pause.

Krach bei der DFL, Friede beim DFB

Das Theater auf Funktionärsebene lief in der vergangenen Woche vollkommen konträr ab. Friede, Freude, Eierkuchen beim DFB, der zuletzt wegen allem in die Kritik geriet. Jetzt aber erntete der Verband, weil die Findungskommission offensichtlich den besten vorzeigbaren Präsidenten gefunden hat: Fritz Keller heißt er, ist nicht nur als Vorsitzender des SC Freiburg bekannt, sondern auch als Winzer und Gastronom. Die Ruhe von Freiburg wünscht man sich jetzt auch beim DFB. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Reinhard Grindel, Journalist und Politiker, ist Fritz Keller vom Fach, was ja eigentlich logisch sein sollte. Und sein Wein schmeckt ausgezeichnet.

Bei der DFL, die doch so die Ruhe liebt und immer wieder ihre Einigkeit betont, herrschte dagegen keine Eintracht, sondern Zwietracht. Der Kampf Klein gegen Groß oder Arm gegen Reich ist bei der DFL angekommen, die kleineren Vereine hatten den „Bund Mittelstand“ gegründet und den „Großkopferten“, vornehmlich Dortmund und München, gezeigt, dass sie nicht kassieren und regieren können. Dortmunds Boss Watzke reiste verstimmt vorzeitig ab, weil er für sich keine Wahlchancen sah. Karl-Heinz Rummenigge betonte zwar, dass man doch alles für die kleinen Vereine getan habe, aber eigentlich haben sie doch mehr für sich getan. Die Gelder sollen neu verteilt werden, die kleineren Vereine wollen mehr vom Kuchen. Allerdings: Würden die attraktiven Vereine die Solidarität nicht mehr leben, ging es ihnen besser und den Kleinen schlechter. Der Sport würde jedoch auch leiden, die Großen hätten keine ernsthaften Gegner mehr. Jedes Ding hat halt seine zwei Seiten.

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Abstieg: Ende oder Wende?

In den Top-Ligen des europäischen Fußballs geht meist am Wochenende des 20./21. Mai die Saison zu Ende. Zum Beispiel in Spanien, Deutschland und England wird da der letzte Spieltag absolviert. Umso stärker wird vor allem über Auf- und Abstieg diskutiert und kontroverser könnten die Stimmen nicht sein. Da die Meinung, dass nur ein Abstieg zur Wende in der Misswirtschaft führen kann, dort die düstere Prophezeiung, dass ein Abstieg das Ende bedeuten würde, quasi ein Abschied ohne Wiederkehr ins Oberhaus.

Der Abstieg als Ende oder die Wende? Dies wird von Verein zu Verein, von Fall zu Fall immer unterschiedlich sein. Für den einen Klub der Fall ins Bodenlose, ein Durchmarsch vom Oberhaus bis hinunter in die vierte Liga zum Beispiel. Beim anderen Verein wird Ruhe bewahrt, hat man eine Klasse tiefer Erfolg im Kampf um den Wiederaufstieg und kann den Abstieg quasi als „Betriebsunfall“ abhaken. Da gehören die richtigen Entscheidungen in der Vorstandsetage ebenso dazu wie auch ein bisschen Glück während der Saison. Es gibt aber auch sogenannte „Fahrstuhlmannschaften“, für die Ab- und Aufstieg fast schon zur Gewohnheit wird. Dort wird nach der Lösung gesucht, wie diese „Regel“ durchbrochen werden kann. Abstellen will man den Fahrstuhl nach unten.

Nehmen wir das Beispiel Deutschland, wo sich seit Jahren der „Dino“ der Liga, der Hamburger SV, gegen den drohenden Abstieg wehrt. Bisher mit Erfolg, mit Glückstreffern in der Relegation fast in letzter Minute. So läuft im Stadion noch die Bundesliga-Uhr für das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga, das bisher ewig in der ersten Liga dabei war. Die richtige Wende, hin zur Konsolidierung, wurde allerdings nicht geschafft und so meinen viele, der Klub von Uwe Seeler müsste auch mal am Herzen operiert werden, wie das Fußball-Idol selbst. Dem widerspricht allerdings Gönner Klaus-Michael Kühne, der schon viele Millionen Euro zur Rettung des HSV verpulvert hat. So heißt es in der Süddeutschen Zeitung, Zitat Kühne: „Es ist ein Irrglaube zu denken, dass eine Mannschaft sich konsolidieren kann, wenn sie absteigt.“ Und weiter im Text: „Das könne vielleicht in einer Kleinstadt passieren, aber nicht in einer Stadt wie Hamburg. Der HSV habe so viele Schulden, dass er sie in der zweiten Liga niemals abtragen könnte.“ Aber die Relegation droht erneut.

Schulden sind das größte Problem der Vereine. Die Bundesliga gilt als die Liga, in der kassiert werden kann, wo Fernseh- und Werbegelder fließen, die Zuschauer-Einnahmen steigen – fast wie im Schlaraffenland (das aber für die deutschen Klubs bekanntlich in England liegt). Dagegen halbieren sich oft diese Einnahmen eine Klasse tiefer, der Rotstift muss angesetzt werden. So spielen viele Klubs Vabanque, sie riskieren Schulden, um mit einer starken Mannschaft den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen, so wie in diesem Jahr in der zweiten Liga die letztjährigen Absteiger Stuttgart und Hannover. Doch geht dieser Plan schief, wird die Zukunft ungewiss. Im nächsten Jahr vielleicht noch einmal ein großer Kraftakt und bleibt da der Aufstieg aus, könnte die finanzielle Pleite die Folge sein. Das Spielchen halt, Wende oder Ende!

Es geht natürlich auch anders, das Gegenbeispiel ist über viele Jahre hinweg der SC Freiburg, der nicht den jeweiligen Trainer als Hauptverantwortlichen sieht, egal, ob es ein schlechtes Jahr mit einem Abstieg ist oder ein gutes, als es sogar bis auf die Bühne Europas ging. Im Schwarzwald gehen die Uhren anders, ist Ruhe die erste Bürgerpflicht. Der Verein weiß, dass er unter Erfolgen insofern leiden muss, weil die guten Leistungen Begehrlichkeiten wecken und die besten Spieler weggekauft werden. Ein ewiger Kreislauf, der fast zwangsläufig auch mal zum Abstieg führen muss. Da darf man halt nicht in Panik verfallen. Im Schwarzwald wird diesbezüglich nicht schwarz gemalt.

Freiburg sollte Vorbild für alle Absteiger sein. Manche Vereine sollten erkennen, dass die Bundesliga halt nicht um jeden Preis zu halten ist und ein Abstieg zum Sport dazu gehört. Nur wer die Ruhe bewahrt und sich nicht auf ein Vabanquespiel einlässt, wird auch eine Klasse tiefer nicht in Schieflage geraten. Ein Abstieg sollte immer mehr Wende als Ende sein.