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Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben!

Was haben die nationalen Pokal-Wettbewerbe und die Champions League gemeinsam? Die kleinen Vereine freuen sich, wenn einer der „Großen“ mal bei ihnen vorbei schaut. Sie feiern dann ein Fest, über das noch viele Jahre geredet wird und an das sich Generationen manchmal noch erinnern. Geht es nach den großen, geldgierigen Vereinen, dann wird es diese Feste nicht mehr geben. Sie wollen die kleinen Vereine möglichst kurz halten, unter sich bleiben und vor allem (gesichert) immer ein großes Stück vom (Geld)Kuchen abbekommen. Diesem Ansinnen muss Einhalt geboten werden: Die Champions League muss ein Fest für die Kleinen bleiben! (Siehe auch „Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?“ vom 7. September)

In dieser Woche beginnen Champions League (CL) und Europa League (EL) noch nach altem Modus, Freilich, was sind eigentlich kleine Vereine? Wohl die, die sich erst durch die Qualifikation quälen müssen. Nennen wir sie lieber Außenseiter, die dann die Gruppenphase schaffen. Das sind zum Beispiel Club Brügge in Gruppe A mit Paris und Real, Roter Stern Belgrad mit Bayern und Tottenham in der Gruppe B, Dinamo Zagreb mit Manchester City in der Gruppe C oder Slavia Prag mit Dortmund und Barcelona in der Gruppe F. Dazu feiert Atalanta Bergamo seine CL-Premiere und der RB Salzburg ist mit der Gruppenphase am Ziel seiner Wünsche.

Für die deutschen Fernsehschauer bleibt eines gleich, sie sehen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – nichts! Nur die Europa League wird es im Free-TV geben (RTL bzw. Nitro) oder das CL-Finale bei deutscher Beteiligung. Ansonsten besitzen der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN die Rechte. Geldgier ist Schuld, aber die Klub-Bosse haben bereits gemerkt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Die Begeisterung an der CL sinkt, Spiele im Free-TV steigern das Interesse in der Öffentlichkeit. Mit den neuen TV-Verträgen ab 2021 wird es wohl ein Umdenken geben.

Für die Fans der beteiligten Vereine sind Europa-Tage meist Feiertage, die Fans von Eintracht Frankfurt machen es vor. In München ist dies nicht so krass, dort hat der Gewöhnungseffekt schon eingesetzt. Da sorgen nur Negativereignisse für Turbulenzen, so wie im Vorjahr das Ausscheiden im Achtelfinale gegen den FC Liverpool. Da war es auch kein Trost mehr, dass die Klopp-Jungs schließlich den Pokal in die Höhe stemmten. Diesmal soll es mehr sein, gegen Belgrad, Piräus und Tottenham sollten die Bayern ins Achtelfinale wieder einziehen.

Überwintern wollen auch die anderen deutschen Klubs, wobei Borussia Dortmund gleich am Dienstag mit dem Knüller gegen den FC Barcelona (wohl ohne Messi) starten darf (muss). Inter Mailand ist ein weiteres Schwergewicht in der Gruppe, Außenseiter bleibt Slavia Prag. Leicht wird es für die Borussen nicht, ist aber machbar. Bayer Leverkusen wurden nicht nur in der Bundesliga in Dortmund in Grenzen aufgezeigt, dass könnten Atletico Madrid und Juventus Turin auch in der CL tun, aber erst kommt mal Außenseiter Lokomotive Moskau. RB Leipzig tummelt sich in einer ausgeglichenen Gruppe, Benfica Lissabon, Olympique Lyon und Zenit St. Petersburg sind die Gegner. Einen Favoriten gibt es nicht, ein Ausscheiden wäre für die Nagelsmann-Schützlinge aber eine Enttäuschung.

Enttäuschungen müssen fast alle Vereine im Laufe der Runde hinnehmen, am Ende feiert ja nur einer. Im Vorjahr dominierten die englischen Vereine, das Finale Liverpool – Tottenham (2:0) hätte keiner erwartet, gerade der FC Barcelona erlebte im Halbfinale nach einem 3:0 mit einem 0:4 im Rückspiel gegen die „Reds“ eine besondere Enttäuschung. Jetzt will nicht nur Barcelona neu angreifen, sondern auch Real Madrid, Juventus Turin (mit Ronaldo) und Paris St. Germain (endlich mal international erfolgreich sein). Dazu möchte Pep Guardiola Manchester City auch zu einem internationalen Titel führen und die Bayern träumen in jedem Jahr, dass sie doch eigentlich die Champions League gewinnen könnten. Die CL wird uns Spaß machen, vielleicht aber erst richtig im nächsten Jahr, wenn die K.o.-Runde beginnt.

Die Europa League ist die zweite Liga, die Klubs bekommen weniger Geld und weniger Aufmerksamkeit. Und dennoch ist die EL für die Vereine attraktiv. An prominenten Namen fehlt es ja nicht, siehe Arsenal London, Manchester United, FC Sevilla, Lazio Rom, AS Rom und FC Porto. Die Bundesliga-Klubs sollten mit Ehrgeiz bei der Sache sein und mit dem Willen, auf den Spuren von Eintracht Frankfurt zu wandeln, sowohl was den sportlichen Erfolg (im Vorjahr Halbfinale gegen Chelsea London) als auch die Begeisterung angeht. Die Eintracht startet mit dem Knüller gegen Arsenal London und hat Standard Lüttich und Vitoria Guimaraes (Portugal) als Gegner. Borussia Mönchengladbach muss sich gegen den Wolfsberger AC, AS Rom und Basaksehir Istanbul beweisen, was nicht leicht wird. Der VfL Wolfsburg hat PFK Oleksandrija (Ukraine), KAA Gent und AS Saint-Etienne als Gegner.

Horror-Wochenende der Bayern

Bei den Vereinen heißt es immer, Europa ist eine Kür, die Bundesliga ist die Pflicht. Aber auch die Pflicht kann interessant sein. Das vergangene Wochenende hat es gezeigt mit den Duellen der Spitzenteams. Dortmund überzeugte mit dem 4:0 gegen Leverkusen, feierte quasi ein Comeback, der RB Leipzig rettete die Tabellenführung mit einem 1:1 gegen die Bayern, die das Unentschieden als Niederlage wahrnehmen mussten, nachdem sie die ersten 45 Minuten „die beste Halbzeit seit ich hier Trainer bin“ (Niko Kovac) gespielt haben. Es stand wohlgemerkt 1:1. Und vor den Bayern steht jetzt in der Tabelle sogar der SC Freiburg mit einem Zähler mehr punktgleich mit Dortmund. Da kann man sich vorstellen, wie sich die Bayern fühlen. Die mussten sowieso ein Horror-Wochenende hinnehmen, denn von den U19 bis zu den Profis gewann keine Mannschaft. Die Bayern II gab in der 3. Liga beim 2:2 in Großaspach ein 2:0 aus der Hand, die U19 verlor in Heidenheim 1:3 und die Frauen erlebten als großer Favorit gegen Leverkusen mit 1:2 eine totale Pleite (im Vorjahr noch 8:0 und 10:1)!

Von Horror ist auch in Berlin die Rede, die Hertha nämlich als Schlusslicht. Mit neuem Geldgeber und neuem Trainer sollte alles besser werden, doch bisher klappt nichts. Manager Michael Preetz will noch ruhig bleiben, doch für Dardai-Nachfolger Ante Covic und sein Team müssen Siege her. Die nächsten Gelegenheiten gibt es bis zur nächsten Länderspielpause gegen den punktgleichen (je 1) Neuling SC Paderborn (das Duell um die Rote Laterne also), 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf, also alles Kandidaten, die man eher dem Abstiegskampf zuordnet. Gibt es keine oder nur wenige Punkte, dann gehört die Hertha auch zu diesem Kandidatenkreis.

Die ersten Siege feierten dagegen Mainz (eben gegen die Hertha) und der FC Augsburg, der Eintracht Frankfurt zu seinem Lieblingsgegner erkor. Gegen die Eintracht platzte im Vorjahr im Abstiegskampf beim Debüt von Trainer Martin Schmidt mit 3:1 der Knoten und das klappte auch diesmal mit dem 2:1. Einen Lauf gegen die Eintracht hat auch Stürmer Marco Richter, der zum 1:0 traf und vier seiner sechs Bundesliga-Tore gegen Frankfurt erzielte. „Jetzt geht es richtig los“, ist das Motto beim FCA, doch gegen die Eintracht geht es nur zweimal im Jahr. Nächster Gegner ist der SC Freiburg, der hat einen Lauf, ist an Bayern sogar vorbei und ist jetzt also ein Spitzenteam und nicht unbedingt Augsburgs Lieblingsgegner (im Vorjahr 5.! und 1:4).

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Tour der Leiden als Aufruf zur Doping-Tour

Eigentlich wollte der Sport-Grantler zur Tour de France gar nicht mehr Stellung nehmen, weil sich in der Ausgangsposition gegenüber dem Vorjahr nichts geändert hat. Doch in diesem Jahr ist das Streckenprofil besonders krass und der Sport-Grantler muss den Organisatoren sagen, „ihr habt aber auch gar nichts gelernt“. Die Tour der Leiden ist in diesem Jahr nichts anderes als ein Aufruf zur „Doping-Tour“. Das Motto ist wohl, „nun schluckt mal schön“ damit die Fahrer die Rundfahrt, die als „großes Kletterfestival“ bezeichnet wird, auch überstehen.

Es ist schon seltsam, der Radsport hat die Dopingskandale der letzten Jahre noch nicht richtig in den Griff bekommen, aber Fahrer und Funktionäre tun so, als wäre alles in Butter und alle sauber. Man möchte ja vor allem den deutschen Fahrern glauben, dass sie ihre Erfolge ohne Hilfsmittel erzielen. Andererseits haben wir schon genug Enttäuschungen erlebt und hieß es nicht immer, ohne Hilfsmittel ist die Tour für die Spitzenfahrer gar nicht zu bewältigen? Und jetzt wird mit dem wohl schwersten Kurs aller Zeiten der Kampf gegen Doping quasi ad absurdum geführt. Da sind die Organisatoren wohl auf beiden Augen blind.

Eigentlich hat der Sport-Grantler aufgeatmet, als er die Meldung gelesen hat, dass Favorit Chris Froome im Vorfeld gestürzt ist und nicht in Frankreich starten kann. Nein, man will keine Schadenfreude, wenn ein Sportler verletzt ist, aber im Fall des Engländers gibt es jetzt bei der Tour einen zweifelhaften Favoriten weniger, einer, dem Doping nicht nachgewiesen wurde, der aber den Verdacht nicht wirklich entkräften konnte. Er leidet unter Asthma und fährt deshalb besonders stark. Alles klar?

Bezeichnend auch, dass die Mannschaft von Sky in den letzten Jahren bei der Tour dominierend war und seit 2012 den Sieger stellte, aber immer auch von Dopinggerüchten begleitet war. Die britische Mannschaft geht jetzt unter neuem Namen an den Start, Multimilliardär Jim Ratcliffe sponsert das Team, das jetzt den Namen seines Chemie-Unternehmens trägt, nämlich Ineos. Chemie, das passt wie die Faust aufs Auge, da kann man sich vorstellen, wie es vor einer gefürchteten Berg-Etappe im Team zugeht: Morgens heißt es „gib mir doch eine Pille, damit ich am Nachmittag vorn dabei bin, aber am Abend bei der Dopingkontrolle nichts mehr zu finden ist“. So läuft es doch, oder?

Die Zahlen sind ja wirklich beeindruckend, 21 Etappen, 3480 Kilometer ab Samstag von Brüssel nach Paris (Ziel am 28. Juli), 22 Teams, 176 Fahrer und 30 Berge der schwersten Kategorie sowohl in den Pyrenäen als auch in den Alpen, 5 Bergankünfte gibt es.

Deutsche Fahrer sind natürlich auch wieder dabei, elf an der Zahl, sie schielen aber eher auf Etappensiege als auf die Gesamtwertung. Die Zeit der deutschen Sprintsiege dürfte allerdings vorbei sein, selbst Andre Greipel rechnet sich nicht viel aus. Bergspezialist Emanuel Buchmann, vom deutschen Team Bora-hansgrohe, fährt dagegen aufs Gesamtklassement und will in die Top Ten, Nils Politt (Katusha Alpecin) und Maximilian Schachmann (Bora-hansgrohe) gelten als Etappenfahrer und wollen auf welligen Etappen überraschen. So weit zum Sport, doch bei allen Erfolgen bleiben leider auch Fragen. Dennoch: Die Tour de France ist nicht einmal durch Dopingskandale tot zu kriegen, die einzigartige Atmosphäre hält Jahr für Jahr genügend Fans in ihrem Bann.

Der neue Mut der Bundesliga

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Jahrelang haben Trainer und Spieler geklagt, jahrelang haben sie Fans und Medien (auch der Sport-Grantler) dafür gescholten, doch jetzt ist offensichtlich ein Bewusstseinwandel eingetreten: Bei den Klubs der Fußball-Bundesliga ist im Hinblick auf die Wettbewerbe auf Europas Bühne nicht mehr von einer das Abschneiden in der Liga gefährdenden Mehrbelastung die Rede, sondern davon, dass die Teilnahme an Champions League und Europa League ein Gewinn sei. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Was steckt hinter dem neuen Mut der Bundesliga?

Vielleicht ganz einfach: Irgendwann nimmt halt jeder mal Vernunft an. Vielleicht öffneten aber auch die Handballer mit ihrer stressigen und bejubelten Weltmeisterschaft ein bisschen die Augen, denn gegenüber dieser Belastung mussten die Fußball-Profis endgültig erkennen, „eigentlich haben wir ein schönes Leben“. Was die Kritiker schon immer betonten: Für ein paar Millionen darf man sich auch ein bisschen quälen. Hoffentlich ist jetzt wirklich Schluss mit dem Gejammer und die Mehrheit nimmt sich zum Beispiel Eintracht Frankfurt zum Vorbild: „Wir wollen in der Europa League erfolgreich sein“, heißt es dort. Der neue Mut. Zuletzt hatten sich die Bundesligisten gerade in der Europa League eher blamiert, Im Vorjahr schieden die deutschen Teilnehmer Hoffenheim, Hertha BSC und Köln alle in der Gruppenphase aus. Seit 2009 heißt der frühere Messepokal und später UEFA-Cup Europa League und seitdem war keine deutsche Mannschaft im Finale. Der letzte deutsche Sieger war 1997 Schalke 04 als Gewinner des UEFA-Cups (es waren die noch heute gefeierten „Eurofighter“, 1996 siegte Bayern München). Also auf zu neuen Erfolgen.

Die diesjährigen deutschen Vertreter Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt zeigen sich ehrgeizig und sie beweisen in der Bundesliga (derzeit vor allem das von Trainer Bosz neu erweckte Leverkusen) durchaus gute Form. Zunächst müssen sie am Donnerstag auswärts ran, Leverkusen bei FK Krasnodar, Frankfurt bei Schachtar Donezk (Rückspiele am 21. Februar). Starke, aber keine unüberwindbaren Gegner. Mit Erfolgen könnten die Klubs den Vertretern in der Champions League den Rang ablaufen, denn ob es dort einen deutschen Vertreter im Viertelfinale gibt, steht in den Sternen.

Dortmund macht am Mittwoch im deutsch-englischen Duell in London den Anfang gegen Tottenham Hotspur (lesen Sie auch den nächsten Kommentar zur CL „Der Zweikampf England – Deutschland bestimmt die Champions League“). Da passt es eigentlich nicht, dass der Tabellenführer in dieser Woche sieglos blieb und im Pokal gegen Werder Bremen in einem kläglichen Elfmeterschießen ausschied. Dennoch macht Torhüter Roman Bürki auf Zuversicht: „Uns sind keine Grenzen gesetzt“. Zunächst einmal könnte sie Tottenham schon aufzeigen. Beide Teams vermissen übrigens Galionsfiguren: Bei Tottenham fehlt wohl (neben Dele Alli) Torjäger Harry Kane, die Borussen müssen auf Kapitän Marco Reus verzichten, während Trainer Lucien Favre wieder fit sein wird. Tottenham gelang übrigens die Generalprobe mit einem 3:1 gegen Leicester, während Dortmund gegen Hoffenheim bekanntlich einen 3:0-Vorsprung aus der Hand gab. Kein gutes Zeichen. Kommt die erste Schwächephase genau zum falschen Zeitpunkt?

In der Champions League schauen die Beobachter außerhalb Deutschlands aber nicht auf den Vergleich in London, sondern nach Manchester. Da duelliert sich United mit Paris St. Germain. Im Mittelpunkt stehen die Trainer. Da der Norweger Ole Gunnar Solskjaer, der United nach dem Abgang von Jose Mourinho wiederbelebt hat, dort der Deutsche Thomas Tuchel, Hoffnungsträger der Scheichs aus Katar, die endlich den Henkelpott in den Händen halten wollen. Allerdings wird die Hoffnung durch eine Verletzungsmisere getrübt, neben Star Neymar fällt jetzt auch noch Torjäger Cavani aus. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt kaum sein. Da ist der Trainer doppelt gefordert.

Die deutschen Fernsehzuschauer schauen im Free-TV bekanntlich in die Röhre. Mit dem Verkauf der CL ins Pay-TV hat der Fußball den gleichen Fehler wie viele andere Sportarten gemacht, wer im Pay-TV verschwindet, büßt auch an Bedeutung und Interesse ein. Nicht schön für den übertragenden Hauptsender Sky: Obwohl es kein Spiel mehr im ZDF gibt, wie in den letzten Jahren, sind die Einschaltquoten nicht wesentlich gestiegen. Dies sollte auch den CL-Machern zu Denken geben!

Bayerns schönes Wochenende

In der Bundesliga schielen die Klubs schon wieder auf Europa – für die neue Saison. Eine Aufholjagd gestartet hat Bayer Leverkusen, das nach dem 5:1 in Mainz mit Rang sechs erstmals wieder einen Platz für Europa belegt. Ziel bleibt die Champions League, doch da wollen neben den Favoriten Dortmund und München auch Gladbach und Leipzig oben bleiben. Einen Rückschlag musste allerdings Gladbach beim 0:3 gegen Hertha hinnehmen, so waren die Bayern der große Gewinner. Ein schönes Wochenende, gekrönt mit dem 3:1 gegen Schalke und einem gnädigen Pokal-Los gegen den Zweitligisten FC Heidenheim. Wieder auf Platz zwei und den Rückstand auf Dortmund auf fünf Zähler verkürzt. Der 3:2-Erfolg im Pokal in Berlin nach Verlängerung dürfte zudem die Zuversicht gestärkt haben. Doch ein Problem bleibt: Die Bayern bekommen die Abwehr nicht mehr dicht, sind zu anfällig gegen Konter. Das könnte gegen Liverpool tödlich sein.

Die Klubs am Tabellenende haben da allerdings ganz andere Probleme. Wenn man so will, dann Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit dem 3:0 gegen Stuttgart für eine Vorentscheidung gesorgt. Die zwei Absteiger und die Relegation machen nach Lage der Dinge das neue Schlusslicht Nürnberg (spielte auch wie ein Absteiger), Hannover (wie ist das 2:0 gegen Nürnberg einzuordnen?), Stuttgart (peinlich in Düsseldorf) und Augsburg (peinlich beim 0:4 in Bremen) unter sich aus. Hannover zum Beispiel hat schon acht Punkte Rückstand auf Schalke auf Rang 14. Am Wochenende werden die Kellerkinder kaum Punkte erwarten dürfen, Augsburg gegen die Bayern, Stuttgart gegen Leipzig, Hannover in Hoffenheim und Nürnberg gegen Dortmund stehen alle vor hohen Hürden. Wie tröstet sich VfB-Sportchef Michael Reschke: „Es sind ja noch 13 Spiele.“ Deshalb bleibt auch der angeschlagene Trainer Markus Weinzierl weiter im Amt. Wohl auch, weil für einen Nachfolger die Aufgabe gegen Leipzig einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Angeblich steht Markus Gisdol schon auf der Warteliste. Retten wird sich am Ende der Verein, der den Abstiegskampf am besten annimmt und wo Mannschaft und Trainer an einem Strang ziehen. Einen Kandidaten Nummer 1 gibt es bei diesen Kriterien derzeit nicht!

Das Viertelfinale im DFB-Pokal: Schalke 04 – Werder Bremen, FC Augsburg – RB Leipzig, Bayern München – FC Heidenheim, SC Paderborn – Hamburger SV. Gespielt wird am 2. und 3. April.

Die Wahrheit nach dem Handball-Märchen oder – es war einmal…

Kinder lieben Märchen, bis sie später mal erfahren, dass das alles nicht so stimmt und hinter den Märchen eine oft bittere Wahrheit steckt. Sportler lieben auch Märchen und sie wollen, dass diese Märchen nie enden mögen. Aber auch bei ihnen gibt es eine bittere Wahrheit, die wohl auch der Deutsche Handball-Bund nach dem Märchen bei der Weltmeisterschaft wieder erleben wird, egal ob das WM-Märchen mit dem Titelgewinn endet oder nicht.

Die bittere Wahrheit ist, dass die anderen Mannschaftssportarten gegen „König Fußball“ einfach nicht ankommen, dass sie zwar bei erfolgreichen Meisterschafts-Turnieren durchaus die Deutschen Sportfans wachrütteln können („Huch, es gibt ja noch etwas anderes als Fußball“), aber danach kehrt der Alltag zurück. Dann heißt es wieder „Handball, wo kann man das eigentlich schauen? Die WM war toll, aber jetzt interessiert es mich eigentlich nicht mehr.“ Es ist das alte Lied und es wird wieder neu gesungen werden, ob Handball, Basketball oder Eishockey, sie schaffen es einfach nicht, dauerhaft ins Bewusstsein der Sportfans zu gelangen. Oder nehmen wir Hockey, ein erfolgreicher Verband mit vielen Titelgewinnen. Doch wer nimmt dies wirklich wahr?

Die Wahrheit nach dem Handball-Märchen wird wieder sein, dass die Funktionäre nach Mitteln und Wegen suchen, ihre Sportart bekannter zu machen, dass sie aber nach einigen Fehlschlägen wieder resignieren und in die altbekannten Muster zurückfallen werden. Was bleibt, ist eine schöne Erinnerung an das Märchen, mehr aber auch nicht. Allerdings haben sich dies die Funktionäre zum Teil auch selbst eingebrockt, nicht nur national, im Handball vor allem auch international. Da gab es Ärger mit den Übertragungsrechten für das Fernsehen, die an einen arabischen Sender gingen, der danach zu hohe Lizenzgebühren verlangte. Da sagten ARD und ZDF in den letzten Jahren dankend ab, Handball verschwand im Pay-TV oder wurde gar nicht übertragen. Aufmerksamkeit ist so nicht zu erzielen. Die Dollar-Zeichen in den Augen verhinderten den Weitblick.

Auch das Eishockey hat dies schon mitgemacht bzw. mitgelitten. Eigentlich ist der schnellste Mannschaftssport der Welt eine attraktive Sportart, wenn auch nicht unbedingt für TV-Übertragungen geeignet. Der kleine Puck ist das Übel und alle Bemühungen, ihn auf dem Bildschirm deutlicher zu machen (mit einem Lichtpuck zum Beispiel) scheiterten. Dennoch war Eishockey im Fernsehen gut präsent, verkaufte sich nach der Gründung der Deutschen Eishockey-Liga, als der Sport mehr professionalisiert werden sollte, aber ans Pay-TV. Auch hier ging also Geld vor Vernunft. Langfristiges Denken? Fehlanzeige. Heute das Märchen, morgen das Wehklagen.

Damals war es so, dass sich ARD und ZDF in den Schmollwinkel zurückzogen und von Eishockey gar nichts mehr wissen wollten. Ein schwerer Rückschlag für die Sportart. Und als über die 2. Bundesliga die Fronten wieder aufzuweichen schienen, da waren die Vereinsfunktionäre erneut zu kurzsichtig. Es gab in den Dritten Programmen der ARD an einem Samstag am Nachmittag vier verschiedene Begegnungen der 2. Bundesliga live, die Sender waren für eine Wiederholung offen, doch die Vereine machten nicht mit. Zu strapaziös am Freitag und wieder am Samstag zu spielen, Verlegungen waren nicht möglich. Engstirnig wurde eine Chance für die Zukunft verspielt. Der Fußball lachte sich ins Fäustchen.

Und so sieht die bittere Wahrheit heute aus: Sport 1 hat zum Beispiel bei Spielen der viertklassigen Regionalliga im Fußball mehr Zuschauer als es früher bei der Handball-Bundesliga war. Und der Pay-TV-Sender Sky, der heute die Rechte an der Handball-Bundesliga hat, ist mit den Einschaltquoten nicht glücklich, sie dümpeln bei 200.000 bis 400.000 dahin. Kein Vergleich zur Weltmeisterschaft also, wo Handball die Hitlisten stürmt und den Fußball schlägt, über zehn Millionen bangten in Deutschland mit den Handball-Helden, die für ein paar Tage oder Wochen Helden bleiben werden, ob Weltmeister oder nicht. Danach gehört das Feld wieder dem Fußball. Die bittere Wahrheit nach dem Märchen. Auch im Handball wird man sich wieder erzählen: „Es war einmal…“.

Champions League: Alle gegen Real, die Bundesliga auf Wiedergutmachungskurs

Eigentlich freuen sich die Fußball-Fans drauf, aber die Funktionäre sorgen dafür, dass die Freude auf die neue Champions-League-Saison getrübt wird. Überschattet wird der Start am Dienstag, 18. September, von der Diskussion um einen dritten europäischen Pokal-Wettbewerb. Nach Champions League (CL) und Europa League (EL) soll 2021 pünktlich zu den neuen Fernsehverträgen ein dritter Pokal ausgespielt werden, damit auch die kleinen Verbände bzw. Vereine „ihren“ Cup haben. Da ist der Sport-Grantler aber gespannt, wie der Wettbewerb heißen wird, die „Liga der Kleinen“ vielleicht? Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat es auf den Punkt gebracht: „Wer sich rar macht, ist wertvoll, hier wird der Sport verwässert.“ Es ist wie immer: Ein neuer Wettbewerb wird eingeführt, damit die großen Funktionäre bei der nächsten Wahl die Stimmen der Kleinen bekommen. Darauf einen Cup!

Bleiben wir also bei der Champions League, bei der Königsklasse. Schon die Europa League hat „Kaiser“ Franz Beckenbauer einst als „Cup der Verlierer“ verunglimpft, die Bedeutung aber damit deutlich herausgestellt. In der CL aber dürfen sich die Fußball-Fans in der neuen Saison auf neue Spannung freuen. So richtig allerdings erst – wie immer – nach der Gruppenphase, im Herbst sind die echten Highlights dünn gesät, eins davon allerdings zum Start, wenn in der Gruppe C Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Kollegen Thomas Tuchel mit Paris St. Germain erwartet. Das elektrisiert natürlich auch die deutschen Fans. Damit sind aber schon zwei Vereine genannt, die auch am Ende im Blickpunkt stehen wollen und die mit einigen anderen Konkurrenten nur ein Ziel haben: Den Hattrick-Sieger Real Madrid entthronen und selbst den Pokal holen. Also: Alle gegen Real!

Die üblichen Verdächtigen, also die Favoriten, werden auch in diesem Jahr wieder genannt. Eine große Rolle traut man vor allem Juventus Turin zu, nachdem sich die Italiener den Weltfußballer Cristiano Ronaldo geangelt haben. Vorne dran aber vor allem die Engländer, wo sich alle Starter Titelhoffnungen machen: Manchester City, Manchester United, FC Liverpool und Tottenham Hotspur. Mittendrin auch wieder der FC Bayern München, der eine konträre Transferpolitik betrieb, kein Geld für Neue ausgeben, lieber sparen und dennoch verdeutlicht Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge das Ziel: Wir wollen den Pott. Alle gegen Real, natürlich auch die spanischen Konkurrenten FC Barcelona und Atletico Madrid, das mit seinem Stadion am 1. Juni 2019 quasi Gastgeber ist. Das muss doch interessant werden, allerdings so richtig wie gesagt erst im Frühjahr. Die Gruppenphase kann allein die Wartezeit verkürzen.

Die Bundesliga ist in den europäischen Wettbewerben dabei, aber eigentlich – außer den Bayern – nicht mehr mittendrin. Die letztjährige Pleite ist unvergessen, die Bundesliga verlor den vierten Platz in der UEFA-Rangliste an Italien und wird jetzt bedrängt von Frankreich. Deshalb befinden sich die sieben Klubs auf der internationalen Bühne auf Wiedergutmachungskurs. Neben den Bayern heißt es für Borussia Dortmund, Schalke 04 und der TSG Hoffenheim in der CL sowie Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und RB Leipzig in der Europa League punkten, die Gruppenphase überstehen und damit auch wieder etwas für die Rangliste tun. Es geht nicht nur um den Verein, sondern auch um die Reputation der Bundesliga und des deutschen Fußballs insgesamt, der bekanntlich in diesem Sommer ziemlich gelitten hat. Trainer, Spieler und Fans sollten sich eines deutlich machen: Europa ist keine Mehrfachbelastung, sondern eine zusätzliche Belohnung!

Die Gruppen-Auslosungen sorgten eigentlich dafür, dass die deutschen Klubs hoffen dürfen. Bayern München ist in der Gruppe E gegen Ajax Amsterdam, AEV Athen und Benfica Lissabon klarer Favorit, Schalke 04 hat mit FC Porto, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau zwar drei Meister, aber keinen echten Brocken erwischt. Borussia Dortmund hat es da schon schwerer, Atletico Madrid ist ein echter Stolperstein, aber auch AS Monaco kann es sein, dazu geht es gegen Club Brügge. Bei Neuling Hoffenheim muss man abwarten, wie sich die Mannschaft im neuen Umfeld einfindet, dazu geht es gegen Pep Guardiola und Manchester City, einen der großen Favoriten. Aber auch Olympique Lyon und Schachtor Donezk sind nicht zu unterschätzen. Das Ausscheiden wäre keine Überraschung.

In der Europa League haben die deutschen Klubs fast schon seit Menschengedenken nichts mehr zuwege gebracht. Da ist der Wiedergutmachungskurs besonders notwendig, die Hoffnungen ruhen dabei auf Bayer Leverkusen, trotz des schlechten Starts in der Bundesliga. Larnaka, FC Zürich und Rasgrad sind schlagbare Gegner. Der RB Leipzig musste durch die Qualifikationsmühle und hat fast in letzter Sekunde bestanden. Der Lohn der Auslosung: „Bruderduell“ gegen den FC Salzburg, der nicht mehr Red Bull heißen darf, dazu gibt es Trondheim und Celtic Glasgow. Bei Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist die Euphorie nach dem Coup gegen die Bayern inzwischen verflogen, dabei könnten die Hessen ein bisschen Elan gegen Limassol, Marseille und Lazio Rom schon brauchen. Zweifellos die schwerste Gruppe der deutschen Teilnehmer. Das Finale wird übrigens am 29. Mai in Baku gespielt. Ob da ein deutscher Vertreter dabei ist?

Nicht alles, aber doch das Eine oder Andere ist neu in der CL. Auffallend die Anfangszeiten, es geht nicht mehr einheitlich um 20:45 Uhr los, sondern es gibt zwei Startzeiten: 18.55 Uhr und 21.00 Uhr. Eine Entzerrung zugunsten des Fernsehens und zulasten der Fans – wie es im Fußball halt so ist. Deshalb gibt es auch wieder mehr Geld, 15,25 Millionen Euro kann jeder Verein schon für die Gruppenphase einplanen, jeder Sieger bekommt statt bisher 1,5 Millionen Euro jetzt sogar 2,7 Millionen. Geld statt Ehre als Anreiz! Gewinnt ein Verein alle Spiele, kann er am Ende 82,45 Millionen Euro einstreichen. Mit rund 70 Millionen kalkulieren auch die Bayern, wenn sie wieder einsamer deutscher Vertreter wären.

Die Klubs streichen ein, die Fans sollen zahlen. Nicht nur in den Stadien, sondern auch an den Bildschirmen. Engländer oder Italiener sind dies zum Beispiel gewohnt, die deutschen Zuschauer müssen sich komplett umstellen. Im freien Fernsehen gibt es kein Spiel mehr zu sehen (Ausnahme wäre nur das Finale mit deutscher Beteiligung und einige Spiele der EL bei RTL Nitro). Mit dem gewohnten Pay-TV-Sender Sky (hat die EL nicht mehr) allein ist es auch nicht mehr getan, wenn man alle Spiele live sehen will, zweiter Rechteinhaber ist der Streamingdienst DAZN. Es könnte sein, dass die Champions Laegue zumindest in Deutschland an Glanz und Interesse verliert.

Money, Money, Money – Geht der Fußball im Geld unter?

Was haben die Zeichentrickfigur Dagobert Duck und der Fußball gemeinsam? Sie schwimmen beide gern im Geld. Während aber Dagobert der eher unsympathische Reiche ist, will der Fußball sympathisch bleiben und weltweit Fans anziehen. Derzeit ist er allerdings eher dabei, in eine unsympathische Rolle abzugleiten und Fans abzustoßen. Es geht fast nicht mehr um den Sport, sondern nur noch ums Geld. Spieler, Berater und Funktionäre haben die Dollar-Zeichen in den Augen. Das Motto heißt „Money, Money, Money“ und der Sport-</em>Grantler fragt sich: Geht der Fußball im Geld unter?

Das Thema ist ja nicht neu, kam aber jetzt mit der Vergabe der TV-Rechte für die Champions League wieder neu auf den Tisch. Vor allem in Deutschland war der Aufschrei groß, weil ab 2018 die Königsklasse des Fußballs im Pay-TV verschwindet. Das sind die Fernseh-Zuschauer in England, Spanien und Italien gewöhnt, aber nicht die in Deutschland, die ja sowieso eine monatliche Gebühr für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlen müssen. ARD und ZDF müssen mit diesen Geldern haushalten und haben Proteste geerntet, wenn sie viele Millionen Euro für die Übertragungsrechte im Sport ausgegeben haben. Hohe Einschaltquoten bewiesen eine gewisse Berechtigung. Jetzt aber erleben sie eine Niederlage nach der anderen. Die Rechte für die Olympischen Spiele haben sie ebenso verloren wie die nun für die Champions League. Bisher zeigte das ZDF 18 Spiele live, ab dem Finale 2018 in Kiew ist dies vorbei. Das Angebot war zu niedrig, „wir sind an unsere Grenzen gegangen“, gestand der ZDF-Boss, „mehr war nicht drin“.

Schon bei den Bundesliga-Rechten wurde es für ARD und ZDF knapp, aber die Sportschau und das Sportstudio wurden gerettet, es gibt weiter ein paar Live-Spiele im ZDF, aber alle Spiele weiterhin nur im Bezahl-Fernsehen, wobei dem Platzhirsch Sky Konkurrenz erwachsen ist. Vor allem der Streamingdienst DAZN mischt die Branche auf und schmeißt mit Geld um sich. Ob sich das lohnt? Dem Sport, vor allem dem Fußball, ist das egal: Hauptsache die Kasse stimmt. Es könnte aber auf lange Sicht auch ein Eigentor werden. Bleibt der Fußball wirklich Volkssport, wenn er im Pay-TV und Internet verschwindet?

Die Grenzen gesprengt haben vor allem die Fernsehsender in England, die der Premiere League das Geld quasi hinterher werfen. Da entstanden auch gesteigerte Begehrlichkeiten in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, wo die Vereine jammern, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig sein können, wenn der Letzte der Premiere League mehr TV-Gelder kassiert als der Erste in Deutschland, Bayern München. Dazu kommen Scheichs aus den Golfstaaten, Oligarchen aus Russland, Milliardäre aus Asien und Afrika, die sich im Fußball Europas verwirklichen wollen und quasi mit dem Geld um sich werfen. Als Beispiel zwei Überschriften zum Saisonschluss: „Geld aus Nigeria hilft beim Titel“ hieß es zum Titelkampf in Kroatien, „Investoren aus China feiern“ zur Meisterschaft in Tschechien. Money, Money, Money – das Geld regiert überall.

Es ist ein riskantes Spiel, das der Fußball derzeit spielt. Die Bundesliga kassiert jetzt auch Milliarden über das Fernsehen, aber dieses Geld stößt anderweitig sauer auf. Immer drängender wird die Frage, ob die Fußballvereine nicht für den Polizei-Einsatz zahlen müssen. Immer mehr Leute sehen nicht ein, dass die öffentliche Hand Gelder zum Bau von Fußball-Stadien in die Hand nimmt. Darf der Staat die reiche Unterhaltungsindustrie Fußball unterstützen? Dazu kommen die Probleme mit den Hooligans, die vor Gewalt nicht zurückschrecken und manchen davon abhalten können, auf einen Besuch im Stadion zu verzichten. Dann aber wird es gefährlich: Weniger Leute im Stadion, keine Zuschauer mehr vor den Bildschirmen (im ZDF sahen bisher 7 – 9 Millionen Zuschauer die Champions League, auf Sky höchstens 2 Millionen), da ist der Werteverlust programmiert. Money, Money, Money kommt in den großen Geldspeicher. Dagobert schwimmt im Geld, der Fußball geht in der Geldmenge vielleicht eines Tages unter. Vernunft wäre ein guter Rettungsring.

Bundesliga-Milliarden: Was hat der Fan davon?

 

Die Öffentlichkeit staunt, die Funktionäre jubeln: Der Verkauf der Fernsehrechte beschert der Fußball-Bundesliga einen Geldregen. Eine Steigerung gleich um 85 Prozent konnte die DeutscheFußball-Liga beim Verkauf der Bundesliga-TV-Rechte erzielen. Ein Rekorderlös und für Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge und seine Kollegen wurde ein Traum wahr. „Eine Milliarde plus x“, hatte sich Rummenigge gewünscht, 1,1 Milliarden sind es geworden ab 2017 für vier Jahre, 628 Millionen waren es zuletzt im Schnitt. Die Vereine jubeln, weil sie (angeblich) im internationalen Geschäft so besser mithalten können, doch der Sport-Grantler fragt sich: Was haben die Fans davon?

Die erste, schnelle Antwort wird sein: Nichts! Das Geld sacken auch nicht die Vereine ein, sie sind nur die Umverteilungsstation, das Geld geht an den Fiskus, vor allem aber an die Spieler und ihre Berater. In England wird mehr als das Doppelte kassiert und zuletzt lockten auch die Vereine in China mit viel Geld. Wer also beim Werben um die Top-Spieler der Welt mithalten will, der muss eine gut gefüllte Kasse haben. Mit Nachwuchsförderung allein wird die Bundesliga auf Dauer nicht mithalten können. Was hat also der Fan davon? Er darf weiterhin darauf vertrauen, dass er sich an jedem Wochenende an dem einen oder anderen großen Star erfreuen kann (wenn der denn auch wirklich Freude macht!).

Die großen Geldgeber sind Fernsehanstalten, im deutschen Fall vor allem der Pay-TV-Sender Sky. Und da wird es schon wieder zweifelhaft, ob der Fan wirklich etwas davon hat, weil er ja auch für das Bezahlfernsehen Geld hinlegen muss und höchstwahrscheinlich in der Zukunft sogar mehr Geld, weil die teuren TV-Rechte ja auch refinanziert werden wollen. Nach einer Verfügung des Kartellamtes hat Sky allerdings kein Alleinstellungsmerkmal mehr bei den Live-Spielen, so kam Eurosport ins Spiel und wird künftig Begegnungen am Freitag, Sonntag und Montag übertragen. Heißt also für den Fan: Bei Sky sieht er nicht mehr wie bisher (2016/207 bleibt noch alles gleich) alle Spiele, dafür muss er noch ein anderes Abonnement bestellen und bezahlen. Auch wenn der Sender dagegen gerichtlich vorgeht, Stand jetzt: Die Bundesliga wird für den gleichen Service spürbar teurer. Den Milliarden-Deal bezahlen vor allem Werbewirtschaft (im Umfeld der Übertragungen) und die Zuschauer!

Eines hat der Fan aber vielleicht doch noch davon: Die Bundesliga-Vereine müssten aufgrund des Geldsegens die Eintrittspreise, die gegenüber England zum Beispiel sowieso sehr moderat sind, weiterhin im Vergleich niedrig halten können. Wenigstens eine Hoffnung.

Ob sich der Geldsegen sportlich auswirken wird, das darf bezweifelt werden. Die Bundesligisten werden auf Europas Bühnen kaum erfolgreicher sein. Er wird auch nicht dazu führen, dass sich die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga ändern. Alles läuft auf einem höheren Geld-Niveau ab. Wobei die Millionen und Milliarden auch Begehrlichkeiten wecken, denn jeder will mehr Anteil am Kuchen. Der Bundesliga steht diesbezüglich noch ein Verteilungskampf bevor. Es haben sich ja schon Interessenten gemeldet, die eine andere Verteilung wünschen. Nicht nur das sportliche Abschneiden soll zählen, sondern auch Attraktivität (TV-Einschaltquoten) und Tradition der Vereine. Noch immer war es ja so: Wo viel Geld ist, da ist auch viel Streit!