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Tag: Thomas Müller

DFB-Team 2018: Der Absturz und ein bisschen Hoffnung

Die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Jahr 2018 ist furchterregend und deshalb bestimmt ein Ausdruck die Diskussionen um das Team von Bundestrainer Joachim Löw: Ein Horrorjahr. Der stolze Weltmeister von 2014 hat 2018 einen Absturz erlebt. Zwei offizielle Turniere, zweimal Gruppenletzter, sowohl bei der Weltmeisterschaft in Russland als auch bei der neu geschaffenen Nations League. Da gab es nicht einmal einen Sieg, sondern nur zwei Unentschieden und zwei Niederlagen gegen Weltmeister Frankreich und Gruppensieger Niederlande. Das letzte Spiel gegen die Holländer sollte „das Beste zum Schluss“ bringen, wie Jogi Löw hoffte, doch nach 80 Minuten, die Mut machten, und nach einer 2:0-Führung brachten die letzten Minuten erneut einen Absturz. Wieder nur 2:2, bezeichnend, dass der Ausgleich in der Nachspielzeit fiel. Eben ein Horrorjahr.

Die Jahresbilanz ist wirklich erschreckend für eine einst so stolze Mannschaft wie die DFB-Elf: Gerade mal vier Siege und drei Unentschieden, aber sechs Niederlagen. Die bittere Erkenntnis für Jogi Löw, der gern an seinen treuen (und lange Zeit überragenden) Weggefährten festgehalten hätte, den Weltmeistern von 2014. Doch die Zeit des Tempo-Fußballs ließ die einstigen Rennpferde wie lahme Gäule ausschauen. Spät, fast zu spät und eigentlich nur gezwungenermaßen hat sich Löw zum Umbruch entschieden und erntet am Ende für die Zukunft auch ein bisschen Hoffnung. Die jungen Wilden können es richten, wenn sie noch ein bisschen Erfahrung sammeln und auch entsprechend gelenkt werden. Diese richtige Mischung zu finden, ist die Hauptaufgabe des Bundestrainers, um nach dem Absturz den Aufbruch in eine glorreiche Zukunft zu schaffen.

Joachim Löw hat bereits Zeit verloren, weil er eben zu lange an den Weltmeistern festgehalten hat. Jetzt beklagt er, dass er 2019 mit der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 (12. Juni bis 12. Juli) keine Testspiele mehr hat. Kommt Deutschland bei der Auslosung am 2. Dezember in eine Sechser-Gruppe, wird es für das DFB-Team in den Länderspielpausen mit Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November nur Pflichtspiele geben. Keine Zeit für Experimente also.

Eine Basis hat der Bundestrainer allerdings gefunden. Timo Werner, Serge Gnabry und Leroy Sane sind ein modernes Tempo-Trio, das jede Abwehr zur Verzweiflung bringen kann, weil eben jeder unberechenbar ist. Bezeichnend, dass den Deutschen der Sieg aus den Händen glitt, als diese drei vom Feld gegangen waren. 80 Minuten lang hatte Jogi Löw gegen die Niederlande quasi seine Mannschaft der nahen Zukunft auf dem Feld mit Neuer – Süle, Hummels, Rüdiger – Kehrer, Kimmich, Kroos, Schulz – Werner, Gnabry, Sane. In der Abwehr sollte Boateng noch nicht abgeschrieben sein, stehen auch Ginter und Hector auf der Liste, in Mittelfeld und Sturm gehört die Zukunft vor allem dem 19-Jährigen Kai Havertz, Julian Brandt und ein bisschen auch Marco Reus. Alle anderen, vor allem auch Thomas Müller, der dies ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel erkennen musste, müssen sich hinten anstellen. Spieler wie Goretzka oder Rudy suchen ihren Platz und bekommen Konkurrenz aus der U21, die in diesem Jahr ungeschlagen blieb und 2019 nach dem EM-Titel greift. Auch da also ein bisschen Hoffnung für die Zukunft.

Die Niederlande machte es den Deutschen vielleicht vor, denn bei den beiden letzten großen Turnieren fehlte das Land und es durchschritt ein tiefes Tal. Jetzt das strahlende Comeback mit dem Gruppensieg in der Nations League gegen die Weltmeister von 2014 und 2018. Wer hätte das gedacht. Überhaupt zeigte die viel kritisierte Nations League, dass sie eine Zukunft haben kann, die Großen müssen um ihre Pfründe kämpfen, die Kleinen haben ihre Erfolgserlebnisse gefeiert, siehe Zwerg Gibraltar. Eine Endrunde der Liga A (im Juni 2019 in Portugal) mit Gastgeber Portugal, Niederlande, Schweiz und England hätte so keiner erwartet. Aber Trost ist das für Deutschland nicht.

Der Bundestrainer hat jetzt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Deutschland nicht so tief fällt und nicht so lange unten bleibt wie die Niederlande, also bei den großen Turnieren fehlt. So weit sollte der Absturz dann doch nicht gehen. Bei der EM 2020 muss Deutschland dabei sein, zumal in jeder Quali-Gruppe der Erste und Zweite weiterkommt (mit einem dicken Brocken ist zu rechnen). Bei der nächsten Austragung der Nations League wird sich das DFB-Team in der ungewohnten Umgebung der Zweitklassigkeit bewegen, in Liga B mit Gegnern wie Island, Polen, Österreich, Tschechien, Finnland aber auch Vizeweltmeister Kroatien. Mal sehen, wie dann die Fans auf die Gegner reagieren, die ja keine Großen sind. Auf Schalke war es erstaunlich stimmungslos.

Wir sehen, die Zukunft ist ein Stück weit sehr ungewiss, aber nach dem Absturz bleibt auf jeden Fall ein bisschen Hoffnung.

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Bayern und Löws Jungs: Kampf gegen die Verunsicherung

Länderspiel-Wochenenden waren in früheren Zeiten in Deutschland eher eine Art Fest- oder Feiertage, doch diese Euphorie rund um das Team mit dem Adler auf der Brust ist vorbei. Frust statt Fest ist angesagt, Werbung für den Fußball macht die Nationalmannschaft derzeit nicht. Muss die Krise an Bundestrainer Joachim Löw festgemacht werden? Ist es eine Krise des deutschen Fußballs schlechthin? Oder tragen die formschwachen Bayern die Schuld? Tatsache ist: Beide haben eines gemeinsam, die Bayern und die Nationalmannschaft kämpfen gegen die Verunsicherung an.

Die Bundesliga nimmt am kommenden Wochenende wieder Fahrt auf, Vier Spieltage stehen neben Champions- und Europa-League sowie DFB-Pokal am 30./31. Oktober bis zur nächsten Länderspielpause am 17./18. November auf dem Programm. Die Bundesliga wird die Fans eher in ihren Bann ziehen, als es das DFB-Team derzeit kann. Die Augen werden aber vor allem auf Bayern München gerichtet sein, denn dort werden die Fragen der Zukunft beantwortet: Gelingt den Bayern selbst der Weg aus der Krise und damit vielleicht danach auch der Nationalmannschaft für das wohl entscheidende Rückspiel gegen die Niederlande in der Nations League? Beide Mannschaften leiden unter der Formkrise der Weltmeister, den Bayern ging die Achse der Führungsspieler ebenso verloren wie Jogi Löw, der ja unverdrossen weiter auf die Bayern-Achse setzte und nun einen Achsschaden beim 0:3 in Amsterdam erlitt.

Für Bayern-Trainer Niko Kovac ist die Aufgabe ungleich schwerer, weil er im sowieso schon dezimierten Münchner Kader schlecht auf Neuer, Boateng (aktuell verletzt), Hummels oder Müller verzichten kann. Er muss sie jedoch in Form bringen! Aber die Verunsicherung ist groß, von der wurde jetzt sogar der einst beste Torhüter der Welt erfasst, Manuel Neuer. Nach seinen Fehlern fielen zuletzt zu viele Gegentore (auch in Amsterdam das 0:1), in der Bundesliga weisen nur zwei Torhüter eine schlechtere Paradequote als Neuer auf! Seine Vorderleute machen die Verunsicherung mit einer hohen Fehlpassquote deutlich (Boateng und Hummels), die Stürmer treffen nicht mehr. Spaßvogel Thomas Müller ist der Spaß vergangen, Robert Lewandowski ist ein Torjäger der traurigen Gestalt, er traf auch für Polen nicht mehr, das nun als erster Absteiger aus der Nations League A feststeht. Wie heißt es so schön, für Tore gibt es keinen Ersatz. Darum wird im Gegensatz dazu der Dortmunder Paco Alcacer gefeiert, der nicht nur im Verein trifft wie er will, sondern jetzt auch für Spanien. Eine andere Welt.

Das Bundesliga-Programm im Oktober und November könnte für Bayern fast ein Aufbauprogramm sein, um die Verunsicherung zu verscheuchen. Die beste Therapie sind da Siege, die könnten mit ein bisschen mehr Kampfgeist und Disziplin in Wolfsburg und Mainz sowie gegen Freiburg gelingen, ehe es zum Showdown der Spitzenteams am 10. November in Dortmund kommt. Aber nur, wenn die Bayern bis dahin die Verunsicherung abgelegt haben.

Dortmund ist derzeit das Gegenteil der Bayern (deshalb auch Tabellenführer) und könnte Vorbild für Jogi Löw sein, denn Dortmund holte sich Schwung durch junge Spieler, ähnlich wie eben die Niederlande. Dieser Mut fehlt offensichtlich dem Bundestrainer, der erst verspätet die Talente Sane, Brandt und Draxler gegen die Niederlande ins Gefecht warf, mit allerdings zwiespältigen Ergebnissen. Sane und Draxler brachten zwar frischen Schwung, Sane vergab aber eine klare Chance, Draxler leitete nach erfrischendem Anfang die endgültige Niederlage mit zwei dicken Patzern ein. Unverständlich aber, dass Löw mit dem nachnominierten Emre Can einen der noch besseren Spieler vom Feld nahm. Ist das „Löws Kurs ins Verderben“ wie das Fachblatt kicker schreibt, jedenfalls trauen 91,9 Prozent der Kicker-Leser dem Bundestrainer die Wende nicht zu. Ein erschreckender Vertrauensverlust.

Mehr zur Nationalmannschaft und die Zukunft des deutschen Fußballs im Laufe der Woche.

Noch ein Blick aber auf die Bundesliga: Sieben Spieltage sind gespielt, nach zehn, so heißt es oft, könne man die ersten wirklichen Tendenzen erkennen. Fast genau (dann elf) zur nächsten Länderspielpause. Bis dahin will zum Beispiel der VfB Stuttgart wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Beim Schlusslicht gab es den ersten Trainerwechsel der Saison, Markus Weinzierl übernahm wie erwartet das Kommando von Tayfun Korkut. Er galt ja schon vor Korkut als Wunschtrainer, wird aber mit einem schweren Startprogramm leben müssen, mit den Aufgaben gegen Dortmund und in Hoffenheim, ehe Frankfurt kommt. Natürlich macht Weinzierl in Optimismus und nun nimmt praktisch eine Anleihe in England: „Warum soll nicht der Letzte den Ersten schlagen können“. Das sah man bisher in der Bundesliga fast als undenkbar an und verwies darauf, dass das in der Premier League keineswegs unmöglich sei. Der VfB könnte die Bundesliga ins Gespräch bringen.

Deutschlands WM-Pleite: Die schonungslose Abrechnung

Der Weltmeister bereits in der Gruppenphase ausgeschieden, ein historisches Aus der Fußball-Nationalmannschaft und ganz Deutschland wundert sich. Eigentlich sollte es heißen, „ganz Deutschland trauert“, aber so ist es nicht. Die Leistungen der Löw-Jungs waren einfach zu schwach, so dass der allgemeine Tenor lautet: „Sie haben es verdient“. Aus, aber nicht vorbei. Jetzt folgt die Aufarbeitung und vom Sport-Grantler nach Deutschlands WM-Pleite eine schonungslose Abrechnung.

Verflucht: Wer an böse Geister oder schlechte Omen glaubt, der wusste, dass Deutschland keine Chance hatte, Weltmeister zu werden. Der Fluch der Weltmeister traf auch das DFB-Team, es ist der dritte Weltmeister in Folge, der in der Vorrunde ausscheidet. Außerdem hat noch nie ein Confed-Cup-Sieger den Titel geholt und wer gewann 2017? Deutschland! Also, alles klar, verflucht noch mal… Der Sport-Grantler hat schon am 11. Juni dargelegt „Warum Deutschland nicht Weltmeister wird“.

Überheblichkeit: Jetzt zu den realistischen Gründen. Die Weltmeister sonnten sich auch vier Jahre danach noch im Glanz ihres Titels und litten offensichtlich an Selbstüberschätzung, so dass alle Warnsignale ignoriert wurden. Nach den schwachen Spielen in der Vorbereitung hätte es nicht heißen dürfen, „das wird schon“, sondern eher, „wir müssen aufpassen, dass es keine Bruchlandung gibt“. Alle vertrauten darauf, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist und den Schalter umlegen kann. Der Schalter wurde nicht gefunden. Statt Kampf, Einsatzbereitschaft und Ideen lieferte das Team mehrheitlich Lethargie und Ideenlosigkeit. Die Quittung wurde präsentiert. Mit Überheblichkeit lassen sich keine Titel gewinnen.

Joachim Löw: Der Bundestrainer ging auch bei der Überheblichkeit voran. Er gefiel sich als Weltmeister-Coach, schien dem Alltag entrückt, aber es wäre seine Aufgabe gewesen, die Warnsignale zu vernehmen. Löw erkannte die Schwächen im Team nicht, schaffte es nicht, die Mannschaft in Form zu bringen und hielt in Nibelungentreue zu lange an verdienten Spielern fest. Schon die Krisenbewältigung war mangelhaft, nach dem Erdogan-Skandal mit den unsäglichen Fotos von Özil und Gündogan hätte eine Suspendierung der beiden das Team vielleicht aufgerüttelt und in Schwung gebracht. Özil und Gündogan waren auf dem Feld die personifizierte Lethargie. Der größte Fehler des Bundestrainers: Er konnte seiner Mannschaft kein erfolgversprechendes System mit auf dem Weg geben. Stattdessen wurde der Weltmeister von den Kollegen der Gegner Mexiko und Südkorea überrascht und ausgetrickst. Jogi Löw muss sich fragen lassen, ob er noch auf der Höhe der Zeit ist? Moderner Fußball sieht anders aus.

Oliver Bierhoff: Der Teammanager hat in der Krisenbewältigung ebenfalls versagt. Er hätte nicht zulassen dürfen, dass ein Mesut Özil nach der öffentlichen Kritik auf Tauchstation geht. Der Deutsch-Türke tauchte dann auf dem Feld auch nicht auf. Bierhoff setzte sich in der Quartierfrage mit Watutinki bei Moskau gegen Löw, der gerne nach Sotschi gegangen wäre, durch. Logistik und kurze Wege waren das Argument, weil ein Ausscheiden gar nicht in Betracht gezogen wurde, sondern eine lange Verweildauer im Turnier. „Das Endspiel findet schließlich in Moskau statt“, hieß es. Pustekuchen, als ob es eine Gesetzesmäßigkeit gäbe, dass Deutschland da immer vertreten ist. So, wie das Quartier in Brasilien für gute Laune sorgte, so sorgte der Sportschulen-Flair von Watutinki für Lustlosigkeit. Da passten dann die Werbeslogans wie die Faust aufs Auge. „Best never rest“ (der Beste ruht sich nie aus), das tat die Mannschaft schon – auf dem Platz. „#ZSMMN“ sollte das Synonym für Zusammenhalt sein, wie bekannt haperte es mit dem Zusammenhalt im Team, von Grüppchenbildung war die Rede. Slogans allein helfen nicht, sie gaben Bierhoff und den DFB nachträglich eher der Lächerlichkeit preis.

Bayern-Blues: Vollkommen unterschätzten Jogi Löw und sein Trainerteam die Probleme der Bayern-Spieler. Die Bayern-Fraktion, sonst ein Garant für Erfolg, litt sichtbar unter den Rückschlägen zum Saison-Ende, dem Aus in der Champions League und der Niederlage im Pokal-Finale. Form und Selbstvertrauen waren weg, Beispiel dafür Thomas Müller, der für seine unorthodoxe Spielweise gerühmt wird, seine Laufwege zum Erfolg aber nicht fand. Kein einziger Bayern-Spieler schoss in der Vorrunde ein Tor! Müller nicht, Hummels nicht, auch James für Kolumbien nicht oder sogar Lewandowski für Polen. Löw reagierte nicht. Er bäumte sich wie die Mannschaft selbst gegen das drohende Ausscheiden nicht wirklich auf. Er hauchte dem Team kein Leben ein.

Ganz Deutschland wartet jetzt darauf, wie Joachim Löw sich für die Zukunft entscheidet. Bleibt er Bundestrainer (der DFB will an seinem Vertrag bis 2022 festhalten) oder tritt er zurück, weil er erkannt hat, dass er dieser Mannschaft nicht mehr helfen kann und einem Neuaufbau nicht im Wege stehen will? Das wäre eine Entscheidung von Charakter und Vernunft. Der DFB wiederum stünde vor dem Dilemma, das geeignete Kandidaten nicht zur Verfügung stehen, es könnte ein Vakuum vor dem nächsten Spiel, am 6. September in der Nations League gegen Frankreich, entstehen. Wahrscheinlich würde dann Horst Hrubesch als Nothelfer geholt, er ist ja bei den Frauen jetzt wieder frei…

Das Achtelfinale: In Russland geht es weiter, auch wenn die TV-Einschaltquoten in Deutschland drastisch sinken werden. Zudem haben nur wenige Spiele begeistert und die Favoriten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Aber Frankreich, Argentinien, Spanien und Brasilien haben die Kurve gekriegt. Keiner hat sich bisher allerdings für den Titel empfohlen, am meisten machte noch Kroatien auf sich aufmerksam. Aber halten die Kroaten durch? Ein Achtelfinale heißt zum Beispiel Schweden – Schweiz, es hätte am Dienstag in St. Petersburg auch Deutschland – Brasilien heißen können! Na ja, drücken wir der Schweiz als Bundesliga-Ableger die Daumen. Außerdem spielen bekanntlich Frankreich – Argentinien, Uruguay – Portugal, Spanien – Russland, Kroatien – Dänemark, Brasilien – Mexiko, Belgien – Japan und Kolumbien – England. Schade, dass keine afrikanische Mannschaft mehr dabei ist. Seit Jahren träumt der Kontinent davon, dass er mal den Weltmeister stellen könnte. Die Talente dazu hat er, aber meist fehlt es an der Team-Organisation. Jetzt kann man den ausgeschiedenen Ländern nicht mal mehr raten, nehmt euch an Beispiel an Deutschland.

Von Königen und den Königlichen

Die Fußball-Bundesliga ist für den FC Bayern München nur noch Alltag, jetzt stehen aber die großen Feiertage bevor. Das Duell mit Real Madrid in der Champions League ist schließlich etwas Besonderes. Die „schwarze Bestie“ wurden die Bayern einst in Madrid genannt, weil die Münchner Real leiden ließen. Das hat sich zuletzt gedreht, vor den beiden Begegnungen am Mittwoch, 25. April, in München und Dienstag, 1. Mai, in Madrid kann sich Real auf eine positive Bilanz stützen und muss nur die Erfolgsbilanz von Jupp Heynckes fürchten.

Beide Vereine haben etwas Königliches gemeinsam. Da sind die Bayern, in deren Landen die sogenannten Königstreuen noch von einem bayerischen König träumen. Schloss Neuschwanstein, der Prachtbau von Ludwig II., lässt grüßen. Der moderne Touristenmagnet ist aber die Allianz-Arena in München, das Stadion mit dem Schwimmreif, der aber keinem Gegner zugeworfen wird, wenn er ins Schwimmen kommt. Das wird allerdings der Titelverteidiger nicht fürchten, denn Real wird schließlich als die „Königlichen“ bezeichnet. Nur einer aber kann in der Champions League am Ende regieren (wobei man den Sieger aus der Partie Liverpool – AS Rom nicht unterschätzen sollte).

Die Bilanz also spricht für Real. Zum 19. Mal kommt es in der Champions League zu diesem Vergleich (Rekord!), neunmal siegte Real, achtmal Bayern. Aber: Bayern verlor die letzten fünf Duelle! Die Bayern verloren überhaupt nur zwei der letzten 25 CL-Heimspiele – beide gegen Real. Auffallend: Welt-Fußballer Cristiano Ronaldo trifft immer gegen die Münchner. Einzige Statistik-Hoffnung: Mit Trainer Jupp Heynckes erreichten die Bayern immer das Finale (2012 und 2013) und holten 2013 bekanntlich das begehrte Triple. Noch gut in Erinnerung ist aber der Vergleich vom letzten Jahr, als Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Ausscheiden tobte: „Wir sind beschissen worden.“ Trainer Carlo Ancelotti machte beim 1:2 und 2:4 n. V. auch Fehler, mehr Fehler (insgesamt sieben schwere, davon fünf gegen Bayern) aber machte Schiedsrichter Kassai (Ungarn) und Real profitierte davon. Die Bayern sagen, sie treten mit breiter Brust an, was sie aber auch brauchen, ist ein guter Schiedsrichter. Nominiert ist der Holländer Kuipers.

Ein Finale haben die Münchner bekanntlich schon erreicht, das DFB-Pokalfinale mit einem überzeugenden 6:2 bei Bayer Leverkusen, das einen Vorgeschmack auf die Real-Duelle gab. Der 19. Mai wird im deutschen Fußball jetzt zum Bayern-Tag, denn vor den Männern in Berlin gegen Frankfurt treten die Frauen ebenfalls im Finale in Köln gegen Wolfsburg an. Es könnte ein besonderes Double für München werden. Begehrter wäre aber noch der Final-Termin am 26. Mai in Kiew – das Champions-League-Finale.

In der Bundesliga gewinnen die Bayern quasi mit einer besseren B-Elf, herschenken wollen sie nichts. Geschenke machen andere, so RB Leipzig, das dabei ist, einen Platz in der Champions League zu verspielen. Kein Wunder, dass dort der Baum brennt und plötzlich sogar Erfolgscoach Ralph Hasenhüttl angezählt wird. Sind das nur Nachwirkungen aus den zusätzlichen Belastungen aus den Europa-Abenden? Konstanz zeigt kaum eine Mannschaft, Leverkusen wähnte sich im Aufwind und musste dann folgenschwere Niederlagen gegen die Bayern und Dortmund hinnehmen. Dortmund wiederum feierte mit dem 4:0 gegen Leverkusen fast schon eine wundersame Wiederauferstehung. Frankfurt wiederum hat den Kovac-Abschied nicht verdaut und droht ganz aus den Europa-Rängen zu verschwinden. Es bleiben noch drei Spieltage voller Brisanz.

Dies natürlich vor allem im Abstiegskampf. Für einige der beteiligten Vereine heißt es, der Abstiegskampf kann zu Hause entschieden werden. Dies gilt vor allem den kommenden Samstag, wenn mit Freiburg (gegen Köln) und Wolfsburg (gegen Hamburg) zwei Vereine, die der Relegation entgehen wollen, ihre Gegner in die zweite Bundesliga schicken können. Da gibt es also echte Endspiele.

Kein Endspiel mehr muss der FC Augsburg bestreiten. Vor der Saison als einer der heißesten Abstiegskandidaten gehandelt, sicherten sich die Schwaben mit dem 2:0 gegen Mainz vorzeitig den Klassenerhalt. Eine starke Vorrunde (9. mit 24 Punkten) war die Basis. Jetzt wurde nach zuvor vier Heimniederlagen in Folge besonders gefeiert und ironisch auf speziellen Trikots gefragt: „ObACHT – auch im nächsten wieder Abstiegskandidat Nummer 1?!“ Könnte sein, wenn der FCA seine Stars verliert, die für Furore gesorgt haben. Verteidiger Philipp Max zum Beispiel, bisher bester Vorlagengeber der Bundesliga, jetzt aber von Thomas Müller (14:13) übertrumpft. Oder Torjäger Alfred Finnbogason. Der Isländer war nach langer Verletzungspause erstmals wieder dabei und zeigte seinen Wert für die Mannschaft. Er wird Begehrlichkeiten wecken bei der Konkurrenz, wäre vielleicht sogar einer für die Bayern, wenn Torjäger Robert Lewandowski doch dem Werben von Real Madrid erliegt. Da ist auch Michael Gregoritsch, der eine starke Saison spielte und schon mal ein „Ätsch“ nach Hamburg schickte, die ihn nicht mehr wollten. Augsburg kann die letzten Spiele genießen, aber für Manager Stefan Reuter beginnt die Arbeit jetzt erst richtig. Die achte Saison ist gesichert, wie die Kegler wollen sie aber „alle Neune“.