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Tag: Tokio

2020 lässt die Herzen der Sport-Fans schneller schlagen

Spitzensportler müssen immer für Bestleistungen sorgen, sollten immer in Form sein, denn meist reiht sich Wettkampf an Wettkampf und manchmal wird es sogar zu viel. Die Sport-Fans dagegen (wenn sie nicht gerade im Fußball Woche für Woche unterwegs sind) sehen großen Sportjahren im Zwei-Jahres-Rhythmus entgegen. Gerade Jahre sind die Sportjahre wo sich ein Höhepunkt an den anderen reiht, so lässt auch 2020 mit Sicherheit die Herzen der Sport-Fans schneller schlagen. Im Mittelpunkt stehen die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio.

Im Fußball gilt der Vier-Jahres-Rhythmus mit abwechselnd Weltmeisterschaft und Europameisterschaft, ansonsten aber hat sich im Spitzensport der Zwei-Jahres-Rhythmus durchgesetzt, sogar bei Olympia, als das IOC erkannte, dass Sommer- und Winterspiele in einem Jahr eigentlich zu viel sind und die Olympischen Spiele doch öfters ins Gespräch kommen sollten. So gab es nach 1992 in Albertville zwei Jahre später die nächsten Winterspiele in Lillehammer (übrigens die schönsten aller Zeiten), um Sommer- und Winterspiele zu trennen. Die Sommerspiele bleiben im Vier-Jahres-Rhythmus und so haben wir 2020 wieder Olympia mit Tokio vom 24. Juli bis 9. August als Gastgeber.

Das erste Highlight für die Sport-Fans steht aber kurz bevor, die Handball-Weltmeisterschaft vom 9. bis 26. Januar in Österreich, Norwegen und Schweden, bei der die deutsche Mannschaft sogar Medaillenträume hegt. Deutsche Medaillen soll es auch bei der Biathlon-WM vom 12. bis 23. Februar im Südtiroler Antholz geben. Eine WM, die vor allem bei den deutschen Fernseh-Zuschauern Beachtung findet, starke Einschaltquoten sind nämlich garantiert. Da sieht es bei der Eishockey-Weltmeisterschaft vom 6. bis 25. Mai in der Schweiz schon anders aus, die Nation wacht nur dann auf, wenn Erfolge zu verzeichnen sind und die sind im Eishockey selten. Die OIympia-Silbermedaille von 2018 war eine absolute Ausnahme, eher steht der Abstiegskampf im Vordergrund.

Zu der Zeit dreht die Formel 1 schon lange wieder ihre Runden, Start der neuen Saison ist am 15. März in Melbourne, der letzte Lauf wird am 29. November in Abu Dhabi ausgetragen. Es wird dann das 22. Rennen im vollgepackten Terminkalender sein. Nur um Deutschland macht die Formel 1 einen Bogen und Sebastian Vettel ist der letzte Mohikaner der einst starken deutschen Formel-1-Armada. So hält einzig Mercedes das deutsche Interesse hoch, die Boliden werden allerdings in England gefertigt.

Mehr Interesse als Formel 1 und Olympia findet die Fußball-Europameisterschaft, Fußball beherrscht bekanntlich das Sport-Geschehen fast überall auf der Welt, besonders aber in Europa. Zum 60-Jährigen Jubiläum dieses Turniers hat sich der damalige UEFA-Präsident Michel Platini etwas Besonderes ausgedacht und die Zustimmung erhalten: Ein echtes Europa-Turnier europaweit von Ost bis West, von Nord bis Süd, von Baku bis Bilbao, das vom 12. Juni bis 12. Juli ausgetragen wird. 24 Nationen sind dabei, spielen in sechs Gruppen, wobei Deutschland in München Gastgeber sein darf in der Hammer-Gruppe mit Titelverteidiger Portugal und Weltmeister Frankreich als Gegner, der dritte wird noch gesucht. Ziel der 24 Mannschaften ist London, dort steigt am 12. Juli um 21.00 Uhr im Wembley-Stadion das Finale.

Noch ist dies aber nicht das Ende der Highlights, es schließt sich nach Olympia noch im August die Leichtathletik-Europameisterschaft vom 25. bis 30. August in Paris an. Und auch die Golfer, die wie die Tennis-Asse immer wieder bei Master- bzw. Grand-Slam-Turnieren für Aufmerksamkeit sorgen, haben einen besonderen Höhepunkt, den Erdteilkampf zwischen den USA und Europa, den Ryder-Cup, der vom 25. bis 27. September in Haven/USA ausgetragen wird.

Es ist also viel los 2020, leider wird es dabei nicht nur um den Sport gehen. Korrupte und geldgierige Verbandsfunktionäre sowie gedopte Sportler werden auch in diesem Jahr für Schlagzeilen sorgen und wir dürfen gespannt sein, welche Entwicklung diese schwarze Seite des Sports im neuen Jahrzehnt nehmen wird. Außerdem werden auch die Herzen der Verbandsfunktionäre schneller schlagen, weil es für sie ein paar Unwägbarkeiten gibt. Im Fußball muss man abwarten, wie der zerfledderte Terminplan und die Reisestrapazen von Spielern und Fans angenommen und verkraftet werden, bei Olympia hoffen die IOC-Bosse, dass der Wettergott ein Einsehen hat und Tokio nicht von einer Hitzewelle erfasst wird (einige Vorkehrungen wurden getroffen und Wettbewerbe verlegt) oder, noch schrecklicher, das gefährdete Japan gerade da von einem Erdbeben erfasst wird.

Aber hoffen wir, dass das Sportjahr glatt über die Bühne geht, uns viel Spaß bringt und wenig Skandale. Der Sport-Grantler wünscht allen seinen Lesern ein gutes neues Jahr und viel Spaß am Sport, aktiv und passiv, und viel Spaß beim Lesen dieser Kolumnen.

In der Doping-Falle: Geht Olympia den Bach runter?

 

Mit Glanz und Gloria gingen die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro zu Ende, aber einen Olympia-Rausch gab es in Brasilien nicht. Der Kater wird dennoch kommen. „Wunderbare Spiele in einer wunderbaren Stadt“ schwärmte IOC-Präsident Dr. Thomas Bach und benahm sich dabei wie ein Tourist. Es waren eher seltsame Spiele im Schatten des Dopings, des Chaos, vieler Pannen und leider auch oft halbleere Zuschauertribünen mit einem teilweise unfairen Publikum. Es waren aber auch Spiele der Herzlichkeit, der Offenheit und der Lebensfreude. Beachvolleyball an der Copacabana sorgte für Gänsehaut.

Doch was kommt danach? Die Bevölkerung von Rio wird sich über eine bessere Infrastruktur freuen, die Stadt aber auf einem Haufen Schulden sitzen bleiben. Ein paar reiche Unternehmer haben den Reibach gemacht, für die Armen in den Favelas ist keine Besserung in Sicht. Brasilien wird einst dennoch stolz auf die ersten Olympischen Spiele in Südamerika zurückblicken können, nach dem Motto: Wir haben es geschafft. Das Positivste: Es gab keinen terroristischen Anschlag, wenn auch die Kriminalität trotz der besonderen Sicherheitsmaßnahmen allgegenwärtig war.

Was danach kommt, muss sich vor allem das Internationale Olympische Komitee fragen. Es sitzt nämlich in der Doping-Falle. Wenn diese Problematik nicht energisch angegangen wird, geht Olympia früher oder später buchstäblich – nomen est omen – den Bach runter. Künftig muss Doping noch mehr geächtet und vor allem strenger sanktioniert werden. Das IOC gab ein schlechtes Beispiel ab, als der russischen Mannschaft nicht komplett der Start verweigert wurde. Manche Sportarten gelten absolut als Dopingverseucht. Hier muss aufgeräumt werden. Es muss wirksame Sperren geben und Verbände, die den Betrug nicht verhindern können, müssen ausgeschlossen werden. So zum Beispiel Gewichtheben, wo Bulgarien und Aserbaidschan ausgeschlossen waren, Weißrussland, Kasachstan, Armenien und die Türkei nur durch die Hintertür reinkamen und auch Russland, Usbekistan, Moldawien, Rumänien und die Ukraine, die des systematischen Betrugs bezichtigt werden. Sie haben bei Olympia nichts zu suchen! Das IOC muss bereits im Hinblick auf die Winterspiele 2018 Härte zeigen!

Dies nur als Beispiel. Würde betrügerische Nationen ausgeschlossen, wäre der Gigantismus der Spiele kein Problem mehr. Wenn aber schon die Doping-Kontrollen lückenhaft durchgeführt werden, wird sich das IOC aus der Doping-Falle nie befreien können. Angeblich sollen in Rio Athleten verwechselt worden sein, Kontrolleure seien gar nicht erschienen und bei Kontrollen wäre geschlampt worden. Fremde Personen sollen bei den Kontrollen anwesend gewesen sein. Dem Betrug wurden Tür und Tor geöffnet. Ein effektiver Kampf gegen das Doping sieht anders aus.

Olympia bleibt aber ein Fest des Sports für die Sportler. Wer selbst die amerikanischen Basketball-Millionäre gesehen hat, wie sie sich über ihre Goldmedaille wie kleine Kinder gefreut haben, der hat ein bisschen was vom Zauber Olympias gespürt. Olympia muss den Sportlern erhalten bleiben, aber der Sport-Grantler hat es schon öfters angeprangert: Viele Funktionäre sind der größte Feind des Sports, weil sie ihn nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen, anstatt dem Sport zu dienen, wie es eigentlich ihre Aufgabe sein sollte.

Deutsche Medaillen mit zwei Seiten

Auch die deutsche Olympia-Bilanz fällt zwiespältig aus. Medaillenzähler stellen fest, dass 42 Medaillen gegenüber den 44 von London 2012 ja nicht so schlecht sind, zumal 17 Goldmedaillen gegenüber elf von London quasi eine Wertsteigerung bedeuten. Einzelne Verbände müssen sich jedoch Gedanken machen, was sie in Zukunft besser machen können. Vor allem Schwimmer und Fechter befinden sich in einer tiefen Krise, Kanuten, Reiter und Schützen retteten Deutschlands Medaillenbilanz. Auffallend ist, dass alle teilnehmenden Mannschaften mit einer Medaille nach Hause fahren. Das passt zu dem Trend, dass die Jugend vielfach das Gemeinschaftserlebnis in Mannschaftssportarten sucht. Fechten zum Beispiel hat das Problem, dass es nur wenig Angebotsmöglichkeiten für die Jugend gibt.

Der Deutsche Sport-Bund sollte sich an Großbritannien orientieren, dort wurde die Förderung vor den Spielen in London extrem gesteigert und die Erfolge wurden in Rio wiederholt. Großbritannien war hinter den USA und noch vor China die zweitbeste Nation. Deutschland landete 17 Gold, 10 Silber und 15 Bronze auf Rang vier, wird in ein paar Jahren aber als Vierter gewertet werden, dann nämlich, wenn die eingefrorenen Dopingproben mit neuen Methoden untersucht werden und Russland (18-17-18) wohl einige Medaillen verlieren wird…

Zwiespältig wird auch die Bilanz der deutschen Fernsehsender ARD und ZDF ausfallen. Sie erlebten vielleicht zum letzten Mal einen Olympiaboom bei den Zuschauerquoten. Deutschland zeigte sich an den Bildschirmen von Olympia begeistert, fast durchgehend schaute jeder Fünfte Olympia an, die Quoten erreichten in der Spitze bis zu neun Millionen Zuschauer. 2018 in Pyeongchang in Südkorea und 2020 in Tokio stehen die Sender allerdings im Abseits. Der US-Konzern Discovery hat sich die Rechte gesichert und will über Eurosport hierzulande berichten. Die Verhandlungen über Sublizenzen gestalten sich als schwierig. Sollten ARD und ZDF künftig außen vor sein, dann würden die sogenannten Randsportarten in Deutschland darunter leiden, denn beide Sender haben bereits angekündigt, dass sie dann auch die nationalen Übertragungen reduzieren würden. Das IOC hätte dann in seiner Geldgier wieder einmal den kleineren Verbänden geschadet. Kanuten, Schützen und andere erleben nur alle vier Jahre eine besondere Aufmerksamkeit, ansonsten führen sie ein Schattendasein. Auch hier geht also der Sport dann den Bach runter…