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Tag: UEFA

Der Fußball im Jahr 2020

Testspiele und Wechselgerüchte beschäftigen derzeit die Fußball-Bundesliga, so dass der Blick kaum über den Tellerrand hinausgeht. Die Fußball-Fans sollten aber wissen, dass im Jahr 2020 entscheidende Weichen für die Zukunft des Fußballs gestellt werden könnten. Weichen in die Richtung, ob der Profi-Fußball endgültig zur Geldbeschaffungsmaschine verkommt oder ob er wenigstens noch ein bisschen ein Herz für die Fans behält und sich nicht als Volkssport verabschiedet.

Verwunderung hat schon die TV-Rechtevergabe für die Champions League hervorgerufen, denn nur das Geld war wichtig, nicht die Wünsche der Fans. Die deutschen Fans schluckten, als bekannt wurde, dass Sky ausgebootet wurde und mit Amazon ein neuer Anbieter auf der Bühne erschien. Die Champions League ist ja schon im Pay-TV verschwunden, aber jetzt wird es noch komplizierter. Das kann sich fortsetzen, denn 2020 werden die Rechte für die Bundesliga ab 2021 vergeben. Sky wird sich auf die Hinterbeine stellen, um nicht auch noch diese Rechte zu verlieren, denn Sky ist ja so etwas wie der Bundesliga-Sender geworden. Von der DFL heißt es zwar, dass mehr Bundesliga im Free-TV zu sehen sein soll, doch die Klubs träumen auch von erhöhten TV-Einnahmen. Was kommt da raus? Zersplittern die Übertragungsrechte, so dass sich keiner mehr auskennt? Kommt das Ende der Institution Sportschau und kommt das Sport-Studio weiter zum Zug? Die Antwort werden wir im Frühjahr bekommen.

International stehen bekanntlich die Europameisterschaft und die Olympischen Sommerspiele in Tokio auf dem Programm. Die EM mit 24 Nationen in 12 Ländern ist ein Experiment und ein eklatanter Verstoß gegen das neue Umweltdenken, wenn sich Fans und Mannschaften fast laufend in der Luft befinden und von Flugscham keine Rede sein kann. Das Fußballturnier bei Olympia vom 24. Juli bis 9. August tangiert die Bundesliga insoweit, als Spieler für die deutsche und ausländischen Mannschaften abgestellt werden sollen. „Sollen“ wohlgemerkt, denn eine Abstellungspflicht besteht nicht. Allerdings fehlen die Spieler nicht bei Punktspielen, sondern nur in der Vorbereitung. Dennoch muss sich Bundestrainer Stefan Kuntz für die Besetzung etwas einfallen lassen, er darf nur auf Spieler der U 23 zurückgreifen und zusätzlich drei ältere Spieler nominieren, muss dabei aber auch berücksichtigen, dass kein Klub besonders belastet wird. Am Ende soll er allerdings auch noch erfolgreich sein. Vor vier Jahren gab es Silber.

2020 werden aber wohl auch die Weichen dafür gestellt, wie es mit der Klub-Weltmeisterschaft weitergehen wird. Die nächste Klub-WM findet 2021 in China statt und es werden dann erstmals 24 Mannschaften teilnehmen. Bisher waren es sieben, vor kurzem holte sich in Katar Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool den Titel. Streit gibt es hinter den Kulissen, denn die UEFA will nur acht europäische Teams entsenden, doch das Vereinsinteresse ist offensichtlich groß, Europas Topklubs wollen zwölf Teilnehmer dabei haben, weil Ruhm und lukrative Prämien locken. Da wird dann auch nicht mehr von einer zusätzlichen Belastung gesprochen. Geld sorgt wohl für die nötige Kondition bzw. Erholung.

Um Geld geht es beim Videobeweis nicht, sondern um Gerechtigkeit. Doch der Stein des Weisen wurde noch nicht gefunden, statt weniger gibt es fast mehr Diskussionen über Schiedsrichter-Entscheidungen, vor allem wegen der unübersichtlichen Regelauslegung für ein Handspiel und der strengen Blicke auf das Abseits. Hier geht es inzwischen um Millimeter, doch das kann es eigentlich nicht sein, die Linie, die das Abseits beweisen soll, ist nicht von Fehlern frei. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass es nicht um Fuß- oder Nasenspitze gehen kann, sondern es mehr Großzügigkeit geben muss, damit die Entscheidungen schneller gefällt werden können. Vorschlag: Wenn sich die Spieler auf gleicher Höhe befinden, ist es kein Abseits, egal ob Knie, Arm oder Nasenspitze herausragen. Entscheidend sollte sein, dass die Wartezeit bis zur Entscheidung verkürzt wird. Der Fußball leidet nämlich, typisch das Befinden von Spielern und Fans: „Man traut sich ja gar nicht mehr zu jubeln.“

Wir sehen, 2020 hält für uns Fußball-Fans einiges bereit. Manches könnte sogar zur Weichenstellung für das ganze Jahrzehnt werden. Lassen wir uns überraschen und hoffen wir darauf, dass der Fußball nicht im Geld verschwindet…

Müssen die Fans den Fußball retten? Geld oder Stimmung?

Wenn nicht alles täuscht, dann ist derzeit im europäischen Fußball der große Machtkampf im Gange. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft des Fußballs. Auf der einen Seite die European Club Association (ECA), ein Zusammenschluss der Spitzenklubs, auf der anderen Seite die European League (EL), die Interessenvertretung der 36 Profiligen (darunter auch Deutschland). Mittendrin natürlich auch der Europäische Fußball-Verband (UEFA), der eigentlich am Schluss entscheiden muss. Und wo bleiben die Fans? Die könnten am Ende vielleicht sogar eine große Rolle spielen. Im Kampf um Macht und Geld könnten die Fans das Zünglein an der Waage sein, wenn es heißt „Geld oder Stimmung“!

Es ist fast schon erschreckend, wie groß die Euro-Zeichen in den Augen der Vorstände der Spitzenklubs geworden sind. Von Solidarität oder einer sportlichen Zukunft ist nicht mehr die Rede, sondern nur noch davon, wie die großen Vereine die geliebte Geldvermehrung weiter forcieren können. Der Fußball soll interessant für Fernsehen und Sponsoren sein, damit die Lizenzgebühren weiter steigen. Bezeichnend die Vision von Uli Hoeneß: „Wenn Netflix, Youtoube und Co. erst einsteigen, kommen Summen ins Gespräch, dass wir nur noch mit den Ohren schlackern. Da geht es um Milliarden.“

Die Europaliga als Wettbewerb der besten Vereine auf europäischer Ebene (mit gleichzeitiger Schwächung der nationalen Meisterschaften) ist zwar mehr oder weniger vom Tisch (der Gedanke wird allerdings immer wieder ins Gespräch gebracht werden), dafür haben die Klubs in der ECA mit ihrem Präsidenten und Antreiber Andrea Agnelli (Juventus Turin) die Champions League als sichere Einnahmequelle im Visier.

Alle Ideen haben nur ein Ziel: Die Masse der Vereine soll kleine Brötchen backen, damit die Spitzenklubs noch mehr kassieren können. Ins Gespräch gebracht wurde, dass sich die besten 24 Klubs dauerhaft den Zugang zur Champions League sichern (da wäre es dann möglich, das ein Landesmeister gar nicht mehr in der CL spielen kann!) oder eine Super-Liga mit 36 Klubs in sechs Gruppen oder eine Vorrunde mit vier Gruppen mit acht Teams, damit es mehr Spiele (und mehr Geld) gibt, auch die abgeschaffte Zwischenrunde ist wieder im Gespräch. Bezeichnend, dass Agnelli davon redete, die CL künftig am Wochenende auszutragen. Jedenfalls soll alles getan werden, um der CL zu noch mehr Bedeutung und Geld zu verhelfen. Dabei kassieren die 32 Klubs in der Champions League schon heute zwei Milliarden Euro, die 48 Vereine der Europa League müssen mit 560 Millionen zufrieden sein, dazu gibt es einen Solidaritätsfond von 130 Millionen für den Rest von über 700 Vereinen, die international nicht vertreten sind.

Die Großen sprechen vom Geld, die Kleinen aber auch. Wie in der Bundesliga, so wird auch auf Europas Ebene beim „Mittelstand“ der Wunsch laut, dass die reichen Vereine nicht allein reicher werden dürfen und damit der Charakter eines Wettbewerbs gar nicht mehr gegeben ist. Die Kleinen wollen mehr vom großen Kuchen abbekommen. Als Anwalt der kleinen Vereine kann man den Schweden Lars-Christian Olsson sehen, den Präsidenten der European League. Sein Motto: Schutz der kleinen Vereine und der nationalen Ligen, faire Verteilung der UEFA-Gelder. Das klingt vernünftig und man kann nur hoffen, dass die UEFA diesem Motto folgt. Ab 2024 wird es zu einer Neuverteilung der Gelder kommen.

Doch wie kann die UEFA unter Druck gesetzt werden, damit die Vernunft am Ende siegt? Hier kommen jetzt die Fans ins Spiel, die ja mit ihren Protesten schon einiges erreicht haben und die es satt haben, dass sie die Leidtragenden der Geldgier der Vereine sind. So hat ja in Deutschland schon die Bundesliga eingelenkt und wird die Montagspiele mit dem nächsten Fernsehvertrag abschaffen. Mit Protesten können die Fans den reichen Vereinen aufzeigen, dass der Sport vor dem Geld rangieren sollte. Fans wollen schließlich spannende Wettbewerbe zu vernünftigen Preisen und Zeiten (Stichwort diese komische Aufsplitterung der Spieltage). Wenn die Vereinsfunktionäre Augen und Ohren offen halten, dann werden sie erkennen müssen, dass sie die gute Stimmung in ihren Stadien riskieren, wenn sich die Fans vom großen Fußball abwenden.

Die Geldgier könnte dem Fußball schaden, Stimmung schadet nie (auf die gefährliche Pyrotechnik sollte bitte schön trotzdem verzichtet werden!!!). Müssen also die Fans am Ende den Fußball retten?

Präsident Peinlich und die Schattenseiten des Fußballs

Er war von Anfang an nur eine Notlösung, ein Kompromiss zwischen Profis und Amateuren, gelitten, aber nicht akzeptiert und am Ende eher verhöhnt, viele sehnten das Ende seiner Amtszeit herbei. Das Ende von Reinhard Grindel als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes kam nun schneller als gedacht, als Knall nach zahlreichen verbalen und sonstigen Entgleisungen. Grindel (vorher war er Schatzmeister) schaffte es nie in den 1082 Tagen seiner Regentschaft Verband, Vereine, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit hinter sich zu bringen, stattdessen schaffte er es von einem Fettnäpfchen ins andere zu treten. Ansonsten blieb er ein blasser Präsident. Krisenbewältigung war erstaunlicherweise nicht das Metier des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Journalisten. So wurde er hinter vorgehaltener Hand als „Präsident Peinlich“ bezeichnet.

Reinhard Grindel versagte als Konfliktlöser, machte in der Affäre Özil ebenso eine schlechte Figur wie nach der WM-Pleite der Nationalmannschaft in Russland oder in Kommentaren zu Entscheidungen von Bundestrainer Joachim Löw. Noch bei seiner Abschiedsrede zählte er die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland als seinen Erfolg auf, doch bei der UEFA sagen sie, Deutschland habe die EM nicht wegen, sondern trotz Grindel erhalten. Grindel versuchte sich als Vertreter der Amateure zu inszenieren, doch eine richtige Akzeptanz fand er nicht. Ein Präsident suchte seinen Weg und fand ihn nicht. Ganz im Gegenteil, Grindels Wirken machte die Schattenseiten des Fußballs deutlich.

Den Millionen von ehrenamtlichen Funktionären an der Basis, vorwiegend in den kleinen Vereinen der Dörfer tätig, die sich wirklich um den Fußball kümmern, wird suggeriert, dass dem DFB ein ehrenamtlicher Präsident vorsteht, doch dies ist beileibe nicht der Fall. Wer 170.000 Euro im Jahr als Verdienstausfall und Aufwandsentschädigung kassiert, macht dies wohl nicht ehrenamtlich. Dazu ist das Amt des DFB-Präsidenten das Sprungbrett auf die internationale Bühne, die Vorstandsämter bei FIFA und UEFA werden mit 500.000 Euro jährlich üppig dotiert. Weil das noch nicht reicht, kassierte Grindel zudem 78.000 Euro als Aufsichtsratschef der DFB Medien GmbH. Bei solchen Summen war ihm wohl das Gespür abhanden gekommen, was eine Uhr im Wert von 6000 Euro als Geschenk von einem ukrainischen Skandalfunktionär bedeutet. Für ihn eine Kleinigkeit, für andere Bestechung. Das Fass war übergelaufen. Möglicherweise auch für FIFA und UEFA.

Der DFB befindet sich wie Weltverband und europäischer Verband wieder einmal im Dilemma. Die heile Welt des Fußballs gibt es nicht mehr, der Sport tritt in den Hintergrund, korrupte und geldgierige Funktionäre bestimmen die Schlagzeilen. Der Fußball ist krank, er stinkt vom Kopf her. Der DFB ist zwar ein Sportverband, aber eigentlich ein Wirtschaftsunternehmen. Mehrere Hundert Mitarbeiter sind anzuleiten, zuletzt wies die Bilanz eine Summe von 320 Millionen Euro aus. Da ist es mit der Ehrenamtlichkeit vorbei.

Die letzten Präsidenten wie Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (nach dem Skandal um die WM 2006) mussten wie Grindel vorzeitig gehen. Dies macht deutlich, dass der Verband eine neue Struktur mit Profis an der Spitze braucht. Die Arbeit im Verband muss von Hauptamtlichen geleistet werden, ein Aufsichtsrat hat die Entscheidungen zu kontrollieren. Aber die Diskrepanzen zwischen dem Profi-Fußball und den Amateuren machen eine Einigung auf eine neue Struktur kompliziert. Das wissen auch die beiden Interims-Präsidenten Reinhard Rauball, Präsident der DFL, und Rainer Koch, Präsident in Bayern, die als Vize-Präsidenten satzungsgemäß schon nach dem Niersbach-Rücktritt den Verband führten. Koch hat ihre Aufgaben deutlich umrissen: „Wir werden einen neuen Präsidenten erst ausgucken, wenn wir wissen, wie die neuen Strukturen aussehen“.

Es stellt sich sowieso die Frage, wer sich dieses Amt des DFB-Präsidenten antut. Eine Automatik, dass es jemand aus dem Präsidium ist, wie es früher die Regel war, soll es nicht geben, verschiedene Ex-Nationalspieler wie Philipp Lahm (hat angeblich abgesagt), Christoph Metzelder oder Oliver Bierhof werden genannt. Das klingt aber eher nach einem Feigenblatt, als nach einem Fachmann, der im Verband aufräumt.

Der Sport in den Ligen wird weitergehen, vor allem die Amateure werden wie gehabt „auf die da oben“ schimpfen. Und einen neuen Kandidaten als „Präsident Peinlich“ gibt es auch schon. FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre bestens geeignet…

Der Fußball leidet unter seinen Funktionären

Der Fußball feiert wieder einmal ein Fest, doch die Fröhlichkeit ist bei der Auslosung für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland nur aufgesetzt. In Wirklichkeit leidet der Fußball nämlich, er leidet unter seinen Funktionären. Ein Glück, dass der Spielbetrieb in aller Welt reibungslos läuft, dank der ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen und Verbänden. An der Spitze aber, egal ob FIFA, UEFA oder in vielen nationalen Verbänden, da herrscht das Chaos, teilweise sogar Kriminalität in Form von Korruption, wie der FIFA-Prozess jetzt in New York deutlich zeigt. Beim Weltverband selbst steht nicht die Aufklärung im Vordergrund, sondern die Vertuschung. Dies machte FIFA-Präsident Gianni Infantino wieder einmal vor der WM-Auslosung deutlich.

Gianni Infantino erdreistete sich, im Vorfeld der WM davon zu sprechen, dass es 2018 in Russland intensive Doping-Kontrolle gebe, aber auf die Doping-Anschuldigungen gegen das Veranstalterland ging er nicht ein. Auch im Fußball stehen Anschuldigungen im Raum, die von einem staatlich organisierten Doping in Russland sprechen. Bekanntlich ist der olympische Sport in heller Aufregung über immer neue Sperren von russischen Sportlern, Putins Reich verliert reihenweise Olympiasieger (und die Medaillen), die bei Nachtests des Dopings überführt werden. Ein IOC-Report spricht von systematischem Doping.

Für den FIFA-Präsidenten gibt es keine Probleme, solange er sie nicht anspricht. Da stehen Forderungen im Raum, dass Katar wegen erwiesener Bestechung die Weltmeisterschaft 2022 verlieren müsste, doch eine Stellungnahme der FIFA zu den Vorwürfen gibt es nicht. Nicht einmal eine Rechtfertigung, dass es wohl aus organisatorischen Gründen und wegen möglicher gigantischer Schadenersatzforderungen eine Verlegung zu schwierig wäre. Die Lösung für die Funktionärsspitze: Schweigen.

„So wie der Herr, so das Gscherr (Untergebenen)“ heißt ein Sprichwort. Das bewahrheitet sich im Fußball, denn nicht nur die FIFA macht eine schlechte Figur, sondern viele Landesverbände ebenso. Spanien hat in der Führung ebenso Probleme wie Italien und von Südamerika und den Ländern in der Karibik ganz zu schweigen. Selbst in Deutschland häufen sich die Klagen rund um den Verband, seit Reinhard Grindel als Nachfolger von Wolfgang Niersbach an der Spitze steht. Von Ordnung und einer ruhigen Führung mit Augenmaß kann keine Rede sein. Ein Eigentor schoss der Verband u. a. damit, dass im Rahmen einer Kooperation mit China eine chinesische Auswahl in einer Regionalliga mitspielen sollte. Bei den ersten Missfallenskundgebungen (Zuschauer zeigten die Tibet-Fahne) ging Chinas Auswahl vom Platz. In Erwartung weiterer Zwischenfälle wurden die nächsten Gastspiele vertagt. Die Politik siegte über den Sport. Die Funktionäre sorgen nicht mehr für einen reibungslosen Spielbetrieb, sondern eher für Chaos. Es bleibt leider immer wieder das gleiche Urteil: Korruption können sie besser als Organisation.

Da kann bei der WM-Auslosung auch noch so gefeiert werden, die Vorfreude auf Russland 2018 ist für die Fans getrübt. Der Fußball leidet unter seinen Funktionären.

Mit der National League werden die Fans betrogen

Derzeit haben wir im Fußball wieder einmal eine internationale Länderspielpause. Sie dient in erster Linie dazu, die letzten Teilnehmer für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu ermitteln. Nur wenige Nationen sind da involviert, der Rest macht das, was eigentlich nicht mehr sehr attraktiv ist – er bestreitet Freundschaftsländerspiele. Die internationalen Vergleiche kamen früher gut an, doch diese Freundschaftsspiele sind zu Testspielen verkommen und ohne Spannung locken sie nur noch wenige Fans an. Dies wird sogar bei den traditionsreichen Duellen England – Deutschland und Deutschland – Frankreich so sein.

Dieses Dilemma soll es künftig nicht mehr geben oder zumindest zur Seltenheit werden. Die UEFA, der europäische Fußball-Verband, hat dafür als Gegenmittel die National League erfunden. Dies ist eine Liga für Nationalmannschaften, deren Spiele in den Freiräumen zwischen Europa- und Weltmeisterschaften einschließlich ihrer Qualifikationsspiele ausgetragen werden sollen. Punktspiele also statt Freundschaftsspiele. Die Krux ist: Das Programm für die Spieler wird noch größer, die Nationaltrainer finden kein Testfeld mehr und deshalb hat zum Beispiel der deutsche Bundestrainer Joachim Löw bereits abgewehrt: „Die National League hat für uns keine Bedeutung, wir werden diese Spiele zum Testen verwenden.“ Gut, wenn er das offen sagt, seine Kollegen werden das nicht anders sehen und am Ende gibt es also nur verkappte Testspiele. Der Fan wird also betrogen, er erhält eine Mogelpackung.

Im Herbst 2018, nach der Weltmeisterschaft in Russland, soll die neue National League starten. Alle UEFA-Verbände sind dabei, das Feld wird in vier große Klassen unterteilt, gemäß der Spielstärke wie sie die Rangliste ergibt. Künftig soll es dann Auf- und Abstieg geben. Damit die Mogelpackung nicht gleich auffällt, gibt es auch vier Startplätze für die Europameisterschaft 2020, die bekanntlich mit 24 Teams in 13 Ländern ausgetragen wird. Der Spielmodus dieser National League ist so kompliziert, dass ihn die Fans wahrscheinlich gar nicht verstehen, vielleicht nicht einmal die Spieler, die wohl einfach nach dem Motto auflaufen „gewinnen wir halt mal“.

Auf jeden Fall werden zwölf Nationen die Ligen A und B bilden, in C und D werden es 15 oder 16 sein. Innerhalb der Liga werden vier Gruppen gebildet, in denen die Teams gegeneinander spielen. Die Liga A könnten nach Stand der Dinge Deutschland, Europameister Portugal, Belgien, Spanien, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Polen, Island, Kroatien und die Niederlande bilden. Durchaus attraktive Gegner, wobei von Austragung zu Austragung die Gruppen natürlich neu ausgelost werden und hoffentlich verhindert wird, dass es zu immer gleichen Duellen kommt. Die erste Auslosung findet am 24. Januar 2018 in Lausanne statt. Der Sieger der National League wird in einem Endturnier von den vier Gruppensiegern ermittelt, als Termin steht bereits die Zeit vom 5. bis 9. Juni 2019 fest. Die nächste EM-Qualifikation soll dafür kompakter zwischen März und November 2019 ausgetragen werden.

Der geneigte Leser sieht, es ist nicht leicht, sich mit dem neuen Wettbewerb anzufreunden. Auch Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff kritisierte, dass der vom früheren UEFA-Präsident Michel Platini ins Leben gerufene Wettbewerb wohl vor allem zur Geldbeschaffungsmaßnahme des Verbandes dienen soll. Aber die Verbände werden nicht ausweichen können, die Fernsehrechte sind schon vergeben. In Deutschland freuen sich ARD und ZDF, die ja die Rechte in den Qualifikationsspielen verloren haben, dass sie die Spiele von 2018 bis 2022 schon mal übertragen dürfen.

Am Ende dürfen sie vielleicht sogar eine Weltliga übertragen, denn mit Europa allein will sich der neue UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nicht zufrieden geben, er plant, alle Nationen auf allen Kontinenten einzuladen. Aus der Konkurrenz zur Europameisterschaft könnte eine Konkurrenz zur Weltmeisterschaft werden, der Geldfluss dann natürlich noch größer werden.

Den Funktionären ist es egal, wie Spieler oder Fans die Neuerung sehen. Hauptsache die Kasse stimmt. Sie werden erst dann aufwachen, wenn die Fans reagieren und der Zuspruch fehlt. Wenn das Angebot zu viel wird, fehlt der Reiz. Attraktiver wird, wer sich rar macht. Der Fußball muss aufpassen, dass er nicht überreizt. Die Frage erübrigt sich wohl, ob wir uns schon auf die neue National League freuen…

Start der Champions League: Der Sport lockt die Fans – nicht das Geld

Der Kaufrausch ist vorbei, jetzt geht es für die Fußball-Fans wieder um den Sport. Die Vereine und die Scheichs und die anderen Milliardäre, die mit ihrem Geld um sich schmeißen, sollten erkennen: Nur der Sport lockt die Fans – nicht das Geld. Also freuen wir uns trotz des Transfertrubels, als die Millionen nur so durch Europa flatterten, auf die neue Saison. Eines haben die teuren Transaktionen nämlich bewirkt: Es wird in der Champions League noch interessanter.

Es ist wirklich so, da spielt das Geld eine große Rolle. Zum Beispiel Paris St. Germain. Der neue Traumsturm mit dem jetzt teuersten Spieler, Neymar, und Talent Mbappe (nur ausgeliehen, um die UEFA und das Financial Fairplay auszutricksen) sowie Torjäger Cavani soll den Scheichs von Katar den Henkelpott bescheren. In diesem Fall schießt Geld wohl wirklich Tore, aber ist die Abwehr stark genug für die großen Spiele und halten die Nerven? Auch Millionäre sind nur Menschen. Die Sympathien werden Paris nirgends zufliegen. Erstes Test-Objekt ist in der Gruppenphase Bayern München. Sie werden sich mit ihrem typischen „mia san mia“ nicht wie das Kaninchen vor der Schlange benehmen.

Der Blick geht aber auch nach England. Dort wurden ja die meisten Millionen umgesetzt, die Premiere League befand sich wirklich im Kaufrausch, steigerte ihren Umsatz für neue Spieler auf 1.549 Milliarden Euro und will endlich die Dominanz der Spanier brechen. Allein Manchester City gab 250 Millionen Euro aus, davon 140 Millionen für drei neue Verteidiger. Trainer Pep Guardiola muss seinen Scheichs liefern, er blieb in seiner Trainer-Karriere das erste Jahr ohne Titel. Da darf man schon fragen: Kann Pep nur mit Geld? Wir werden es sehen. Aber auch Englands Meister Chelsea London will angreifen und Manchester United mit dem ehrgeizigen Pep-Erzfeind Jose Mourinho, der als Sieger der Europa League einen Platz in der Elite-Klasse ergatterte.

Also, welche Wünsche gehen nun in Erfüllung? Spannung ist garantiert, allerdings nicht in der Gruppenphase. Da sorgte die seltsame UEFA-Regelung mit einer Bevorzugung der acht Meister der besten Nationen dafür, dass es uninteressante Gruppen gibt und in einigen Fällen werden wir wieder erleben, dass sich Vereine vorzeitig das Weiterkommen sichern und manchmal sogar die zwei letzten Spieltage uninteressant werden. Aber auch hier regiert ja das Geld, weil die Gruppenphase mehr Spiele garantiert, ginge man gleich zum K.o.-Modus über (wie früher), wäre für viele der Reibach kaum möglich. Seltsam sind Umfragen vor dem Start nach dem künftigen Titelträger. Ergebnisse aus den Gruppen sind Schall und Rauch, auf die K.o.-Runde und dann auf Glückslose oder nicht kommt es an. Sprechen wir uns also wieder im Frühjahr. Der Herbst ist das manchmal interessante und am Ende oft langweilige Warm up.

Die deutschen Vereine hoffen darauf, dass sie im Frühjahr noch in den Lostöpfen zu finden sind. Das sollte Bayern München gelingen, weil man neben der Bewährungsprobe gegen Paris die anderen Gegner Anderlecht und Celtic Glasgow schlagen muss, wenn man sie nicht unterschätzt. Von einer „Hammergruppe“ spricht Borussia Dortmund, mit dem ewigen Rivalen Real Madrid (im Vorjahr zweimal 2:2!) sowie Tottenham Hotspur und dem Außenseiter Nikosia. Der dritte im Bunde ist der Newcomer RB Leipzig, der als Bundesliga-Neuling gleich in die Champions League durchstartete. Die Gegner AS Monaco, FC Porto und Besiktas Istanbul sind Chance und Bewährungsprobe zugleich. Dies ist eine dieser Gruppen ohne einen der großen Favoriten und Leipzig sollte die Stärke besitzen, sich hier durchzusetzen. Allerdings fehlt die internationale Erfahrung. Ein nicht zu unterschätzendes Handicap.

Das Finale gibt es am 26. Mai 2018 in Kiew. Real Madrid will das Triple, nachdem es bis dahin kein Verein geschafft hatte, überhaupt den Titel erfolgreich zu verteidigen. Genügend Vereine wollen Cristiano Ronaldo und Trainer Zinedine Zidane stoppen (u. a. natürlich auch der FC Barcelona mit Messi), doch wer schafft es? Bayern München musste zuletzt im Viertelfinale erkennen, das notfalls höhere Mächte den Spaniern helfen. Nach der selbstverschuldeten Heimniederlage (Vidal verschoss einen entscheidenden Elfmeter) hielt im Rückspiel Ungarns Schiedsrichter Kasai schützend seine Hand über Real und erklärte Abseitstore von Ronaldo als gültig. Nicht nur das Geld spielt also eine große Rolle.

Vorhang zu im Transfer-Theater

Endlich ist er da, der 31. August. In den wichtigsten europäischen Fußball-Ligen endet an diesem Tag die sommerliche Transferzeit. Endlich ist das „Affentheater“ (Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke) vorbei, der Vorhang ist zu im Transfer-Theater.

Die Transferzeit 2017 brach alle Rekorde. Vor allem die Scheichs aus Katar frönten einer Kaufwut, um „ihren“ Verein Paris St. Germain mit Star-Einkäufen an Europas Spitze zu führen. Sie gaben schon in den letzten Jahren viel Geld aus, jetzt bedeuten die 222 Millionen für den Brasilianer Neymar neuen Rekord. Er wird nicht lange Bestand haben und er verdarb endgültig die Preise. Der FC Barcelona musste Neymar hergeben und zahlt mit vollen Taschen bis zu 147 Millionen Euro für den unerfahrenen 20-jährigen Franzosen Dembele, der mit einem Trainingsstreik in Dortmund wesentlicher Bestandteil des Affentheaters war. Die Millionen schwirrten nur durch die Gazetten, die Vereine überboten sich gegenseitig und die Berater machten sich die Taschen voll. Die Fans schauten staunend, Kopfschüttelnd und zum Teil angewidert zu. Deshalb: Schluss mit dem Affentheater. Vorhang zu.

Der europäische Verband, die UEFA, muss tätig werden, wenn sich die Ligen nicht einigen. Die Fans sind frustriert, aber eigentlich sollten sie neben dem Sport doch im Mittelpunkt stehen. Hans-Joachim Watzke wählte nicht nur die drastischen Worte, sondern er sprach den Fans mit einem Plädoyer zu einer verkürzten Transferperiode auch aus dem Herzen: „Weil die Fans spätestens am ersten Spieltag wissen wollen, wie ihre Mannschaft denn nun aussieht. Und weil dieses Hin und Her auch die Beteiligten irgendwann nicht mehr durchhalten.“ Klarheit statt Transferpoker ist gefordert.

Eigentlich betrügen die Vereine die Fans, die sich vor der Saison Dauerkarten kaufen und von einer starken Mannschaft ausgehen. Doch dann wird zum Teil ein Star nach dem anderen verkauft, die Situation sieht plötzlich ganz anders aus, von Spaß kann bei manchen dann nicht mehr die Rede sein. Also wurde ein gefälschtes Produkt verkauft, mehr Schein als Sein. Aber auch Trainer plädieren dafür, dass die Mannschaft zum Saisonbeginn feststehen muss. Augsburgs Trainer Manuel Baum fordert ebenfalls ein Ende der Wechselfrist vor der Saison: „Das wäre für uns Trainer ideal. Du hast deine Mannschaft zusammen und die Spieler haben nicht mehr irgendwelche anderen Dinge im Kopf.“

Es ist ein Unding, wenn Vereinsmanager fordern, dass nach den ersten Punktspielen noch Spielerwechsel möglich sein müssen, weil es Verletzungen gibt, weil Vereine, die an den Qualifikationen zu den europäischen Wettbewerben beteiligt sind, erst danach wissen, wo sie spielen und wie groß der Kader sein muss. Da sind eben die Manager mit einer besseren Planung gefordert, aber das rechtfertigt dieses Transfer-Theater nicht, wenn Spieler Vereine erpressen, wenn Berater Vereine gegeneinander ausspielen mit dem Druck, dass die Saison schon begonnen hat.

Der Profi-Fußball entfernt sich immer mehr von den Fans, bei den Transfers kann er zeigen, dass er verstanden hat und die Fans noch eine Rolle spielen. Der erste Weg zum besseren Verständnis ist ganz einfach eine Verkürzung der Transferzeit im Sommer mit einem Ende vor den ersten Punktspielen. Rechtzeitig Vorhang zu im Transfer-Theater.